Die letzte Instanz

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Abbi Doris

Die letzte Instanz

Teil 1 Kalte Augen - Tote Seele

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Kalte Augen – Tote Seele

Der Weg im Birkenwald

Das Lager

Der Fall Pablo Sinato

Drei Tage im Mai

Marie Luise

Das Experiment

Die Befreiung

Impressum neobooks

Prolog

Schon Freud stellte fest, dass schreckliche Kindheitserfahrungen einem Wiederbelebungszwang unterliegen. Kindheitserfahrungen wollen reinszeniert werden. So wird das eigene Karma der Lust unterworfen, erlebtes immer wieder neu auszugestalten. Durch Tötungsrituale geprägte Kinderseelen können grausam und unerbittlich sein. Sie kennen keine Skrupel, kein Mitgefühl und sind eiskalt und berechnend. Schaut man in solche Augen, kann man unter Umständen direkt in die Augen eines teuflischen Dämonen blicken. Ein 13 Jähriger, der - geprägt durch seine Lebensumstände – eiskalt und gefühllos jeden beseitigt, der sich ihm in den Weg stellt. Ein riesiger schwarzer Hund, der ihm unbewusst dabei hilft, alle Spuren zu beseitigen. Ein Kripomann, der die Frau eines Opfers in ihrer schwersten Stunde vögelt, während das Auge des Getöteten unter dem Schrank liegt und zuschaut. Sodom und Gomorra in einer kleinen Ortschaft, die so unbedeutend ist, dass die bloße Erwähnung ihres Namens den Himmel verdunkeln würde. Doch zwei Männer, die mit Hilfe einer sensationellen Erfindung Justiz und Unterwelt aufmischen, wollen Licht in das Dunkel bringen. Werden sie es schaffen, ohne sich dabei selbst in Lebensgefahr bringen? Und was werden sie finden..?

Kalte Augen – Tote Seele

Es war ein schöner Sommertag, als Edwin Kern mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause war. Edwin war Ausbilder in der Lehrlingswerkstatt, die sich auf halben Weg zwischen Lauchhammer und Plessa befand. Da er in Plessa wohnte, führte ihn sein gesamter Weg durch einen lichten Birkenwald, dessen Ränder mit dichtem Buschwerk bewachsen waren. Es war kein weiter Weg, nur etwas mehr als drei Kilometer. An diesem Tag machte es ihm besonders viel Spaß. Es war Freitag und er freute sich schon auf ein kühles Feierabend-Bier in seiner Stammkneipe an der August-Bebel-Straße. Edwin hatte schon auf der Arbeit einige Schnäpse mit seinen Kollegen getrunken und war etwas angeheitert. Leise ein Lied pfeifend, radelte er beschwingt und zügig auf sein Ziel zu. Er war ein Mann in den – wie man so sagt – besten Jahren. Groß und kräftig gebaut, mit schon etwas schütterem Haupthaar. Edwin war vor zwei Wochen 45 Jahre alt geworden und hatte seinen Geburtstag ausgiebig gefeiert. Er führte mit seiner Frau Monika ein einfaches aber sicheres Leben, und hatte sich im Laufe der Jahre eine sichere Existenz geschaffen. Seine beiden Töchter waren schon aus dem Haus. Beide studierten Medizin in der Charité Berlin. Darauf war er besonders stolz. Edwin lächelte in sich hinein, und trat noch etwas kräftiger in die Pedale. Etwa auf halber Strecke nahm er - mehr aus den Augenwinkeln - eine Bewegung in den Büschen auf der rechten Seite des schmalen Wegs wahr. Dann hörte er einen leisen Knall und spürte fast gleichzeitig einen Schlag am Hals. Instinktiv fasste er sich an die Gurgel und spürte, wie das Blut zwischen seinen Fingern hindurch spritzte. Im selben Moment verlor er die Kontrolle über sein Fahrrad, schleuderte nach links, stürzte kopfüber in die Büsche und prallte mit Stirn und Hals auf die Wurzel einer Birke. Die Spitze der Wurzel bohrte sich in seine Halswunde und drang bis in seine Halswirbelsäule. Er versuchte sich aufzurichten, aber die Beine versagten ihm ihren Dienst. Er wollte schreien, aber nur ein hässliches Gurgeln kam aus seinem Mund. Halsschlagader, Kehlkopf und Stimmbänder waren zerschmettert. Mit jedem Herzschlag sprudelte das Blut aus seinem Hals und er wusste, dass er hier sterben würde. Es würde eine Zeit dauern, bis man ihn hier finden würde. Er war ja mit dem Rad tief in die Büsche gestürzt, so, dass man ihn vom Weg aus nicht einmal sehen würde. Außerdem wurde der Weg nur von wenigen Leuten und zudem sehr selten benutzt, dass wusste er. Panisch versuchte er um sich zu schlagen und bemerkte dabei nicht, dass das Blut aus seinem Hals dadurch noch heftiger spritzte. Bevor seine Augen brachen, also kurz bevor er das Bewusstsein verlor, hörte er ein Rascheln hinter sich und blickte nun in die Augen eines Kindes. Er versuchte seine Hand auszustrecken und erwartete irgendeine Reaktion des Jungen. Doch der stand nur so da, und starrte ihn teilnahmslos an. Die Augen des Jungen waren kalt und leer, bis ein Lächeln über sein Gesicht huschte, er sich umdrehte und wieder in den Büschen verschwand. Edwin kannte den Jungen. Es war doch der Junge von....Nur Sekunden später hörte das Herz von Edwin Kern auf zu schlagen. Die letzte Luft aus seinen Lugen schlug im Blut, das sich in seiner Halswunde gesammelt hatte, kleine Blasen. Muskeln, Darm und Harnblase entspannten sich. Kot und Urin strömten in seine Unterwäsche. Jegliches Getier in der Gegend wurde von dem Duft angelockt, und machte sich auf den Weg. Bald setzten sich die ersten Fliegen auf seine Halswunde und begannen mit ihrer Arbeit. Blut wurde aufgesaugt und Eier abgelegt. Ein leichter Wind bewegte die Zweige der Birken und das Resthaar von Edwin Kern.

Der Weg im Birkenwald

Monika Kern - Edwins Frau - machte sich keine Sorgen, als er auch um 22.00 Uhr immer noch nicht zu Hause war. Sie wusste, dass er Freitags immer bis spät in die Nacht hinein in der Kneipe saß und sich nicht selten sinnlos betrank. Vor allem, wenn es Geld gegeben hatte. Sie stand von ihrer Küchenbank auf, schob die Gardinen zur Seite und sah auf die Straße. Es hatte angefangen leicht zu regnen. Die Straße glänzte im spärlichen Licht der Laternen und war menschenleer. Sie fröstelte, schloss die Vorhänge, löschte das Licht und ging gähnend ins Bett.

Auch als er am Samstag früh noch nicht da war, beunruhigte sie nicht. Wie oft war er mit seinen Kumpanen nach Lauchhammer in eine spezielle Kneipe gefahren und kam dann erst am Samstag- Nachmittag wieder nach Hause. Sie wusste was er dort tat. Sie wusste, dass er sie dort mit Huren betrug. Offiziell gab es ja keine Huren in der DDR, und Prostitution war sogar strikt verboten. Aber es fanden sich immer findige Geschäftemacher, die das Gesetz gekonnt umgingen. In so einem VEB-Bordell, das sich meist in einer privaten Kellerbar befand, ging nicht nur ihr Mann Edwin ein und aus. Vor allem Polizei,- und Parteibonzen ließen sich hier umsonst “bedienen“, und drückten dann beide Augen zu. Monika nahm es hin, dass ihr Mann fast jedes Wochenende in so ein Bordell ging. Schließlich waren sie schon 22 Jahre verheiratet und die Gefühle zueinander waren mehr als erkaltet. Sie führten nur noch eine Zweckehe auf Gegenseitigkeit. Die Kinder waren aus dem Haus, lebten in Berlin und verirrten sich nur sehr selten hier her in die schäbige Provinz. Wer wollte es ihnen auch verdenken. Hier in Plessa war - im wahrsten Sinne des Wortes - der Arsch der Welt. Es gab nichts, was diesen Ort auch nur ansatzweise erwähnenswert machte. Ironischer Weise legte die Brikettfabrik über alles noch einen Schleier aus schwarzen Ruß. Weil auch im Bett schon seit vielen Jahren nichts mehr lief, verstand Monika daher ihren Mann, wenn er sich die Abwechselung von seinem tristen Alltag woanders suchte. Sex mit Edwin hatte auch für sie nichts prickelndes mehr. Sie fühlte sich immer schlecht danach. So wie eine Art Samentoilette. Nicht selten war sie kurz davor sich zu übergeben, wenn sie auf dem Klo saß und Edwins Ejakulat in die Keramik pisste. Eigentlich war sie ganz froh, wenn er sie in Ruhe ließ und sein Zeug in irgendwelche Nutten spritzte. Sie versorgte das Haus, kochte für ihn und wusch seine dreckige Kleidung. Er brachte das Geld in die Kasse und sie verdiente sich noch etwas als Verkäuferin im Konsum dazu. So war ihr Leben fest definiert. Ohne Höhen und Tiefen, aber sorgenfrei. Anfangs wollte sie ihm sogar hinter spionieren, und den Puff anzeigen. Aber ihre Nachbarin und einzige Freundin hatte ihr davon abgeraten. So setzte sie sich – wie immer am Samstag Abend - vor die Glotze, sah ihre Lieblingsendungen und strickte nebenbei an ihrem Pullover. Um 23.00 ging sie zu Bett und schlief auch gleich ein. Etwas später klingelte das Telefon, das neben ihrem Bett auf dem Nachtschrank stand. Aus dem Tiefschlaf gerissen, nahm Monika den Hörer ab.

„Ja“, schnaufte sie verschlafen.

„Ist Edwin zu Hause?“, hörte sie eine männliche Stimme.

„Wissen Sie wie spät es ist?“, zischte Monika gereizt.

„Ja schon, aber wir waren mit Edwin verabredet und er ist nicht gekommen.“

 

Monika hatte sich aufgerichtet und saß nun im Bett. Mit der freien Hand strich sie sich die wirren Haarsträhnen aus dem Gesicht.

„Edwin ist nicht zu Hause. Vielleicht sitzt er in Lauchhammer in einer Kneipe.“

„Das glaube ich nicht“, erwiderte die Stimme am Telefon. „Edwin würde nie alleine und ohne uns nach Lauchhammer fahren. Es muss was passiert sein. Er war ja nicht einmal in der Kneipe am Freitag.“

„Und, was soll ich da jetzt machen?“, stöhnte Monika teilnahmslos.

„Wir....., also Sie müssen die Polizei rufen. Vielleicht hatte er einen Unfall auf dem Heimweg vom der Lehrlingswerkstatt. Wir sind zwar schon dort lang gefahren, haben aber nichts gefunden.“

„Na gut, ich rufe die Polizei und gebe eine Vermisstenmeldung auf“, zischte Monika missmutig.

„Wer sind Sie überhaupt?“

„Unger, Manfred Unger. Ich bin ein guter Freund von Edwin. Wir sind schon zusammen zur Schule gegangen......“

Monika legte auf, ohne sich das Gerede weiter anzuhören. Sie überlegte kurz, und wählte dann die Notrufnummer der Polizei. Sie gähnte und spielte mit dem Telefonkabel während sie auf die Verbindung wartete.

„Polizeinotruf, Schütz am Apparat. Was kann ich für Sie tun?“

„Mein Name ist Monika Kern. Mein Mann Edwin ist seit Freitag abgängig. Gerade eben hat einer seiner Freunde angerufen und war besorgt, dass ihm was passiert sein könnte.“

Monika erzählte wo ihr Mann arbeiten würde, und das er sich manchmal am Freitag und Samstag mit seinen Kumpanen in einer Kneipe abhing. Sie erzählte, dass sie von einem Manfred Unger erfahren hätte, dass sie verabredet waren, aber Edwin nicht gekommen sei.

„Kommt es öfter vor, dass Ihr Mann am Wochenende nicht nach Hause kommt?“

„Manchmal schon, aber so lange war er noch nie weg.“

„Gut, ich werde eine Streife schicken Frau Kern. Wissen sie welchen Weg Ihr Mann nimmt, wenn er von der Arbeit nach Hause, oder in die Kneipe fährt?“

„Nicht so richtig. Er sagte immer er fährt mit seinem Rad einen schmalen Weg durch den Wald. Ihm wird doch wohl nichts passiert sein?“

„Das kann ich Ihnen leider nicht beantworten Frau Kern. Ich schicke eine Streife und dann werden wir ja sehen wo das hinführt. Wissen Sie, wo wir diesen Manfred Unger finden können?“

„Nein, den kenne ich nicht.“

„Na gut, wir werden den schon finden.“

Eine Stunde später, es war so um 3.00 Uhr am Sonntagmorgen, stand die Streife vor der Tür. Das Blaulicht tauchte die Straße in ein gespenstisches Licht. Im Funkwagen saß Manfred Unger und noch ein anderer Mann. Monika erzählte noch einmal, was sie dem Polizisten schon am Telefon erzählt hatte. Die Polizisten ließen sich ein Bild von Edwin aushändigen, verabschiedeten sich und fuhren mit Blaulicht davon.

Manfred Unger erzählte den Polizisten, dass sie Edwins Heimweg schon am Samstag mehrfach abgefahren seien, und nichts gefunden hätten. Für die Streife gab es daher keinen Grund, diesen Weg in dieser Nacht noch einmal abzufahren. Zumal es anfing, wieder heftig zu regnen. Stattdessen suchte man in den Kneipen, die zu dieser Zeit noch geöffnet hatten und klapperte zusätzlich noch die drei Krankenhäuser des Kreises ab. Als diese Suche erfolglos blieb, setzten sie Manfred Unger und den anderen Mann zu Hause ab, und fuhren zurück zur Polizeistation. Man beschloss die Suche am Sonntagvormittag fortzusetzen und hoffte, dass der Vermisste sich in der Zwischenzeit schon einfinden würde.

Es war ein schöner Sonntagmorgen, die Sonne trocknete die Regentropfen auf den Blättern der Bäume, als der Hund von Gerhard Wiesener durch den lichten Birkenwald strich und mal hier und mal dort schnüffelte. Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen und nahm mit hoch aufgerichteter Nase eine Witterung auf. Zielstrebig ging er dem Geruch nach und stand bald vor Edwins Leiche. Zunächst schnüffelte er den toten Körper ab und leckte dann das geronnene Blut von der Halswunde. Der Kehlkopf von Edwin krachte als der Hund zubiss und den Schlund einschließlich Speiseröhre aus der Wunde zerrte. Stück für Stück von Edwins Hals verschwand im Magen des Hundes. Der riesige schwarze Schäferhund gab - so wie er mit seinen gelben Augen und dem blutverschmiertem Maul über dem toten Körper von Edwin stand - ein Bild des Grauens ab. Der Hund ließ erst von ihm ab, als er einem Lungenflügel aus der Brusthöhle gerissen hatte, an dem noch das Herz hing. Als der Hund sich auch daran gesättigt hatte, rannte er zurück in den Wald und verschwand im Dickicht.

Gerhard Wiesener saß vor seinem Haus, und putze gerade sein Fahrrad, als sein Hund Leo hechelnd und mit blutverschmiertem Maul vor ihm stand. Mehr aus den Augenwinkel sah er zu seinem Hund und erschrak zunächst. Hatte er wieder gewildert und ein Kaninchen gerissen?

„Na wo warst du wieder du alter Schurke. Haste wieder gewildert?“

Der Hund winselte leise, zog seinen Bauch ein, streckte sich und kotzte seinen Mageninhalt direkt vor Gerharts Füße. Angewidert sprang Gerhard auf und warf einen kurzen Blick auf das Erbrochene. Dann erstarrte er. Ein vollkommen intaktes Auge lag mitten im der Kotze und starrte ihn an. Daneben Teile einer Speiseröhre und helle Stücke von Lungengewebe. Gerhard erkannte sofort, dass es menschliches Material war. Das Auge war mit Sicherheit menschlich. Gerhard war während seiner Zeit bei der Volksarmee als Sanitäter ausgebildet worden, und musste auch bei der Obduktion von Leichen zusehen. Ihm stellen sich die Nackenhaare auf und er ging einige Schritte zurück, bevor er sich umdrehte und ins Haus rannte. Mit zitternden Händen wählte er die Notrufnummer der Polizei.

„Notruf der Polizei, Schütz am Apparat.“

„Mein Hund hat mir gerade menschliche Leichenteile vor die Füße gekotzt. Bitte schicken sie die Kripo zu mir.“

„Nun mal langsam. Wie heißen sie und wo wohnen sie.“

„Ich heiße Gerhard Wiesener und wohne in Plessa, August-Bebel-Straße 6. Bitte kommen sie schnell.“

Als Schütz das hörte, erinnerte er sich an das Telefonat der vergangenen Nacht. Im kam ein schlimmer Verdacht. Sollte dies ein Teil der vermissten Person - dieses Edwin Kern – sein? Und wie könnten Teile vom ihm im Magen eines Hundes gelandet sein? Ihm lief es eiskalt den Rücken runter. Nur eine Stunde später wimmelte es in der Gegend nur so von Polizei und Feuerwehr. Die Spurensicherung schaufelte die vom Hund ausgekotzten Leichenteile in Plastiktüten und verabreichte dem Hund ein Brechmittel, damit er alles, was er im Magen hatte, nach außen befördern würde. So kamen Teile einer Zunge, ein ziemlich zerkauter Kehlkopf mit Teilen einer Speiseröhre und die Kranzgefäße eines menschlichen Herzens zum Vorschein. Einige der Anwesenden mussten sich mehrfach übergeben, andere standen bleich und apathisch herum. Das fast intakte Auge, an dem noch Teile des Sehnervs und der Bindehaut hingen, wurde in ein Glas mit Alkohol gelegt. Man beschloss, Monika Kern das Auge zu zeigen, um zu erfahren, ob es sich um das Auge ihres Mannes handeln würde. Einige der anwesenden Kripobeamten rieten zwar davon ab, und hielten es für pietätlos, einer Frau das Auge ihres vermissten Mannes zu zeigen. Aber das Auge war bisher ihre einzige brauchbare Spur. Und so fuhr einer der Kripoleute zu ihr, klingelte und fragte, ob er eintreten dürfe.

„Mein Name ist Jürgen Herrmann, Kripo Bad Liebenwerda.“

Monika - immer noch im Bademantel - hielt sich an der Tür fest und machte einen bestürzten Eindruck.

„Haben Sie meinen Mann gefunden? Ist ihm was passiert?“

„Nein Frau Kern, wir haben Ihren Mann noch nicht gefunden. Aber darf ich reinkommen?“

Monika schob die Tür auf und ging ins Wohnzimmer. Herrmann schloss die Eingangstür und folgte ihr.

„Es tut mir leid Frau Kern, aber ich muss Sie leider etwas fragen, was Ihnen befremdlich erscheinen wird. Erschrecken Sie daher nicht.“

„Okay, fragen Sie.“

Herrmann nahm das Glas mit dem Auge aus der Tasche und reichte es Monika.

„Schauen Sie sich das Auge genau an Frau Kern. Ist das das Auge Ihres Mannes?“

Monika nahm das Glas und sah hinein. Sie schaute in das Auge ihres Mann und erkannte es sofort. Neben der Iris war ein kleiner Leberfleck in Form eines Herzens zu sehen. Daran würde sie ihren Edwin unter tausenden wiedererkennen. Ein spitzer Schrei entfuhr ihren Lippen. Dann fiel sie nach hinten auf die Couch und wurde bewusstlos. Das Glas entglitt ihren Händen, fiel auf dem Boden, zersprang aber nicht. Das Glas sprang mehrmals wie ein Pingpong Ball, rollte dann unter den Wohnzimmerschrank. Von dort schaute ihn das Auge an. Wegen der Flüssigkeit im Glas erschien das Auge doppelt so groß, und ein Sonnenstrahl brach sich in der Iris. Jürgen erschauderte, wandte sich dann der Monika Kern zu.

„Frau Kern....Frau Kern.....wachen Sie doch auf.“

Er stand über ihr und tätschelte ihre Wangen. Dabei rutschte ihr der Bademantel von der Schulter und ihre gewaltigen Brüste waren nun nackt. Er schaute zunächst irritiert und versuchte vorsichtig ihre Blöße zu bedecken. Dabei berührte er unbeabsichtigt einen ihrer Nippel und bekam sofort einen Steifen. So etwas war ihm in den letzten Jahren noch nie passiert.

Er starrte auf ihre Brüste und Schenkel. Er sah ihre schlanken Finger und wünschte sich, das diese Finger jetzt seinen Schwanz massieren würden. Offensichtlich war Monika in eine tiefe Bewusstlosigkeit gefallen und bekam nicht mit, dass sie fast nackt auf der Couch lag. Er konnte nicht widerstehen und griff zu. Zart massierte er ihre Brüste und brummte vor Wollust und Anerkennung. In diesem Moment wurde Monika wach und griff mit ihrer Linken nach seiner Hand. Er erschrak zunächst und wollte sich rechtfertigen. Doch Monika öffnete jetzt ihren Bademantel mit der Rechten, und machte die Beine breit. Er starrte auf ihren Venushügel und öffnete dabei mit zitternden Fingern seine Hose. Sein Schwanz platzte ins Freie. Sie zerrte ihn förmlich auf ihre Hüfte, griff nach seinem Schwanz und führte ihn ein. Er fickte sie, wie er noch nie eine Frau gefickt hatte. Haltlos, zügellos, schamlos und voller Lust rammelten beide stöhnend auf der Couch herum. Seine Eier schlugen gegen die Ausläufer ihrer Rosenblätter. Er saugte an ihren Brüsten, während sie ihre Finger in seinen Arsch krallte. In einem gemeinsamen Schrei kamen sie beide gleichzeitig. Monika lächelte glücklich, als Jürgen laut stöhnend von der Couch fiel. Viele Jahre hatte sie von so einer Nummer nur geträumt. So viele Jahre wünschte sie sich, ein Mann wie Jürgen würde kommen und sie so richtig durchvögeln. Nun wurde ihr Traum war. Ihre Rosenblätter zuckten noch immer, als sie aufstand und sich auf seinen noch immer steifen Schwanz setzte. Sie ritt ihn, wie ein Cowgirl ihren Hengst. Jürgen warf schreiend seinen Kopf hin und her, und massierte dabei ihre Brüste. Monikas gewaltige Arschbacken klatschen auf seine Beine als es ihm wieder kam. Er blickte zur Seite, und sah in das Auge von Edwin, das immer noch unter dem Wohnzimmerschrank lag. Sein Schwanz wurde augenblicklich schlaff. Oh Gott, was war nur geschehen? Wozu hatte er sich hinreißen lassen? Er, der Kripomann, hatte die Frau eines Opfers in ihrer schwersten Stunde gevögelt. Ihm wurde schlagartig bewusst, dass ihm das seinen Job kosten konnte.

„Wozu haben wir uns hinreißen lassen“, stöhnte er und richtete sich auf.

„Also ich habe kein schlechtes Gewissen Jürgen. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich wie neu geboren“, erwiderte Monika lächelnd. „Ich würde mich freuen, wenn wir das demnächst wiederholen würde. Wie wäre es denn mit übermorgen Abend?“

„Bist du dir da sicher Monika?“

„Du hast mich so glücklich gemacht. Ich kann es kaum erwarten, dies noch einmal....ach was, hundert Mal zu erleben.“

Jürgen stand lächelnd auf, nahm Monika in den Arm und küsste ihren Hals. Sie erwiderte seinen Kuss, ging dann langsam in die Knie, und lutschte seinen Schwanz bis ihm die Beine zitterten. Er sah, wie sein Schwanz immer wieder vollkommen in ihrem Mund verschwand. Er hatte das Gefühl, ihre Mandeln zu spüren. Dann explodierte er ein weiteres Mal. Sie trank alles, was er zu geben hatte. Ihr Speichel rann an seinem Schaft herunter. Monika stöhnte und schmatzte gleichzeitig. Dann säuberte sie seine Eichel mit ihren Lippen und sah ihn dabei lächeln an. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, als sie aufstand und mit wedelnder Hüfte auf dem Zimmer ging. Was war das denn? Von einer solchen Situation hatte er bestenfalls gelesen. Diese Frau war ja der absolute Hammer, dachte er sich. Im Vergleich dazu, war seine Exfrau ein graues Mauerblümchen. Er zog seine Hose wieder an, setzte sich auf die Couch und steckte sich eine Zigarette an. Dann wählte er die Nummer seiner Kollegen, bestätigte die positive Identifikation.

 

„Es ist das Auge ihres Mannes. Sie hat es eindeutig erkannt.“

„Wie hat sie es denn aufgenommen?“, fragte sein Kollege Schmidt. „Ist sie umgefallen oder was?“

„Nein, sie hat es relativ gefasst aufgenommen. Sie hatte sich schon gedacht, dass etwas passiert sein müsste. Wir sehen uns dann ja im Büro. Ich bringe das Auge gleich in die Gerichtsmedizin okay?“

Jürgen legte auf. Monika stand in der Wohnzimmertür und schüttelte den Kopf.

„Du kannst ja lügen ohne rot zu werden“, lächelte sie. „Willst du einen Kaffee?“

„Gerne Monika“, lächelte er zurück.

Zur gleichen Zeit waren alle Spuren, die der Hund erbrochen hatte in Tüten gesichert. Gerhard Wiesener wurde befragt, wo sein Hund normalerweise herumlaufen würde. Der Hund indes stand angeleint am Zaun und jaulte laut vor sich hin.

„Dürfte ich einen Vorschlag machen meine Herren.“

„Die Kripoleute unterbrachen ihre Diskussion und schauten interessiert, was Gerhard Wiesener vorzuschlagen hatte.“

„Lassen sie doch meinen Hund einfach laufen, er hat jetzt einen leeren Magen und wird ihn wieder füllen wollen. Er hat Hunger. Vielleicht finden sie so die Leiche.“

„Der Mann hat recht. Lassen wir den Hund laufen. Er wird uns zu der Leiche führen“, rief einer der Männer. Gerhard Wiesener machte seinen Hund los und flüsterte ihm ins Ohr: „Such Leo, such.“ Dabei deutete er in die Richtung, aus der Leo vorhin gekommen war.

Der Hund hastete sofort los, und alle rannten ihm hinterher. Sie konnten ihm zwar nicht auf dem Fuß folgen, aber sie sahen, wohin der Hund verschwand. Nur wenig später standen sie vor Edwin Kerns Leiche und erschauderten. Leo hatte gerade einen seiner Lungenflügel im Maul und wollte fressen. Gerhard rief: „Aus“ und Leo legte sich brav neben die Leiche. Gerhard rief seinen Hund zu sich und nahm ihn an die Leine. Allen Anwesenden bot sich ein Bild des Schreckens. Nicht nur der Hund hatte sich an Edwins Leiche bedient. Überall in den Bäumen saßen Krähen und putzten sich die Schnäbel. Zwei Männer der örtlichen Polizei fielen um, ein Feuerwehrmann erbrach sich hinter einer Birke und stöhnte jämmerlich. Da es heftig geregnet hatte, konnten nur wenig Spuren gesichert werden. Die Leiche von Edwin Kern wurde daher geborgen, in die Gerichtsmedizin nach Bad Liebenwerda gebracht und dort obduziert. Jedoch konnte die genaue Todesursache nicht festgestellt werden. Was man jedoch feststellen konnte, Edwin Kern hatte einen sehr hohen Alkoholwert in seinem Blut. Daraus schloss man, dass er mit seinem Fahrrad gestürzt und dabei an seinen Verletzungen gestorben war. Die blutige Spur an der Wurzel einer Birke – direkt neben seinem Kopf – ließ keinen anderen Schluss zu. Was man auch noch feststellen konnte war, dass der Hund Leo die Leiche postmortal angefressen hatte. Edwin war also schon tot, als der Hund die Leiche fand. Der Fall wurde zu den Akten gelegt und als Unfall eingestuft. Monika Kern bekam die Lebensversicherung ihres Mannes ausgezahlt und machte sich ein schönes Leben als Witwe.

Der Rat der Gemeinde beschloss wegen des Vorfalls, den Weg vom der Lehrlingswerkstatt nach Plessa als Fahrradweg auszubauen. Der vorhandene, eher als Trampelpfad zu bezeichnende Weg sollte so sicherer gemacht werden. Zudem sollte das den Weg begleitende Buschwerk in regelmäßigen Abständen zurück geschnitten werden. Wie so oft in der DDR wurde aus diesem Vorhaben schnell eine Großbaustelle, mit allem was in der DDR zu einer Großbaustelle gehörte. Materiallager, Kantine für die Werktätigen, mehrere Bauwagen und ein Toilettenwagen. Die riesige Planierraupe S-100 aus russischer Produktion war besonders imposant und stand immer in der Nähe der Kantine, wenn die Männer dort zu Mittag aßen. Die Kantine war ein mobiles Gebäude, welches wie eine Ziehharmonika auseinander gezogen werden konnte. Mit jedem Segment verkleinerte sich zwar der Raum. Voll ausgezogen erreichte die Kantinenfläche jedoch eine beeindruckende Grundfläche. Bis zu 30 Leute fanden darin an Tischen ihren Platz. Die Fenster der Kantine waren aus gutem Grund vergittert. Dieser Umstand sollte sich jedoch bald als schicksalhaftes Missgeschick herausstellen. An diesem Tag, es war wieder ein Freitag, saßen ungefähr 20 Männer in der Kantine und lärmten lautstark. Die russische Planierraupe stand wie immer in der Nähe der Kantine. Nur wenige Meter vom Eingang. Als der Motor der Raupe plötzlich anfing zu laufen, und dieses monströse Gefährt sich langsam auf die Kantine zubewegte, ahnte keiner der Männer in der Kantine, welches Inferno bald auf sie hereinbrechen würde. Keine hörte das Brummen der gewaltigen Maschine. Langsam rollte die Raupe – die die Größe eines Panzers hatte - auf die Kantine zu. Als die Raupe die Tür der Kantine erreicht hatte, war allen der Fluchtweg abgeschnitten. Es gab nur diesen einen Eingang und keinen Fluchtweg. Die Fenster waren - wie schon gesagt – vergittert. Die Männer wurden der Gefahr erst gewahr, als die Raupe das erste Segment in das nächste schob und so weiter. Die Männer brüllten und man hörte sie schreien. Einige versuchten mit Stühlen die Fenster einzuschlagen. Das gelang ihnen zwar, aber wie gesagt, die Fenster waren von außen vergittert. Im letzten Segment standen die Männer wie die Schafe im Pferch. Die Männer brüllten in Todesangst. Doch die Raupe rollte langsam weiter. Sie schob die Kantine - mit den schreienden Männern darin - bis zu den dahinter stehenden Bauwagen. Die Kollision mit dem ersten Bauwagen riss ein Loch in die Rückwand der Kantine, und einige der Männer versuchten durch das Loch ins Freie zu gelangen. Einigen gelang das auch, aber für drei von ihnen wurde das Loch zur Todesfalle. Sie wurden zwischen Bauwagen und Kantine zerquetscht. Ihre Schmerzensschreie waren noch in Plessa zu hören. Einer der Männer, die ins Freie gelangen konnten, sprang auf die Raupe und wollte den Motor abstellen. Doch der Zündschlüssel fehlte. Ein anderer schleuderte indes einen Stein auf die Verteiler-Pumpe des Motors. Schlagartig blieb die Raupe stehen. Stille. Vor Schock gelähmt, standen die Männer, denen die Flucht aus der Kantine gelungen war, mit hängenden Armen da. Aus den Trümmern der Kantine war leises Wimmern zu hören. Es vergingen einige Minuten, bis einer der Männer aus seiner Lethargie erwachte, sich eine Eisenstange schnappte und das Gitter vor einem der Kantinenfenster aufbrach. Einer nach dem anderen kroch aus dem Fenster ins Freie. Einige torkelten und fielen dann zu Boden. Andere hatten die Hände vor dem Gesicht und weinten. Am Rand der Baustelle bewegten sich die Zweige einer jungen Birke. Zwei kalte Augen blinzelten zwischen den Blättern hindurch und beobachteten die Szenerie. Als die Zerquetschten im Todeskampf schrien, huschte ein Lächeln über diese kalten Augen. Kein Geräusch war zu hören, als der Junge wie ein Geist wieder im Wald verschwand. Nur kurze Zeit später wimmelte die Baustelle von Polizei und Sanitätern. Man versuchte schnell zu handeln und gab sich alle Mühe. Doch die Bergung und selbst die Identifikation der Leichen gestaltete sich äußerst schwierig. Die drei waren zwischen Kantine und Bauwagen wie Mettwurst entlang gestrichen worden. Sie waren ineinander übergegangen. Eine Mischung aus Kleiderfetzen. Blut, Fleisch, Knochen, inneren Organen und Scheiße. Der Gestank war bestialisch. Nachdem man die Kantine weggezogen hatte, mussten Sanitäter die drei von den Wänden kratzen und je nach Lage in extra beschriftete Eimer werfen. Weil alle auf der Baustelle die gleiche Einheitskleidung trugen, auch die drei Verblichenen, war es nicht möglich festzustellen, welcher Hoden, oder welches Ohr wem gehörte. So beschloss der Einsatzleiter, insgesamt 8 Eimer mit jeweils gleichem Inhalt zu befüllen und es der Gerichtsmedizin zu überlassen, die Gewebe zuzuordnen. Man fragte sich, wie so etwas passieren konnte. Vor allen blieb es ein Rätsel, wie sich die Planierraupe so ganz von allein in Bewegung setzen konnte. Der Zündschlüssel der Raupe wurde später zwischen den Kleidungsfetzen eines der Zerquetschten gefunden. Wie konnte das sein? Wer sollte für den Tot der drei Arbeiter verantwortlich gemacht werden? Wer war Schuld? Schließlich wurde ein technischer Fehler im Zündsystem der Raupe angenommen.

Wie schon bei Edwin Kern, wurden die Ermittlungen bald eingestellt und das ganze als Unfall eingestuft. Die Arbeiten an dem Fahrradweg wurden aufgegeben, weil niemand mehr dort arbeiten wollte. Der Weg wurde für dem Verkehr gesperrt. Jeweils am Anfang und am Ende des Weges stand ein Schild: