Baphomet

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Die traditionelle Auslegung

Diese Karte stellt klar, dass nun der Kreislauf des Lebens in Gang gesetzt ist. Alle folgenden Karten zeigen die Auswirkungen, die durch die Ich-Werdung ausgelöst werden, die der Magier symbolisiert. Dem Gesetz zyklischen Geschehens entsprechend endet der gesamte Schöpfungsvorgang in den entpersonalisierten Nebelfeldern des Narren – nur um in einer abermals kreisförmigen Bewegung wieder aufs Neue zu beginnen. Durch die Kraft des Willens füllt der Magier das Vakuum des Narren mit Sinn, Energie und Leben. Mythologisch gesprochen: Er bewirkt, dass das „kosmische Ei“ (XXI Das Universum) aufbricht und das Ich entschlüpfen kann, damit es sich selbstbewusst in den Mittelpunkt der Schöpfung stellt: Ich bin ist hier keine Floskel, sondern der Ausdruck einer sich selbst strukturierenden und in sich selbst zentrierenden, universellen Gesetzmäßigkeit des Werdens.

Das Geheimnis des Magiers

lm gedanklichen Bereich dieser Karte ist die Ich-Verkörperung und Selbst-Durchsetzung angesprochen, die die Initialzündung für den Prozess der Bewusstwerdung liefert. Das Ich des Magiers ist durch das „Schwarze Loch“ des Unerschaffenen, raumzeitlosen Nicht-Seins, das der Narr umkreist, hindurchgetreten. Der Mensch beginnt, sich ein Bild von sich selbst – und damit von der Welt – zu machen. Verkörpert der Narr die diffuse Leere, die noch keine Dualität kennt, dann symbolisiert der Magier die Abgrenzung der Personalität vom Allumfassenden und Allgegenwärtigen. Er ist also der Bote dessen, was wir die langsam aufkeimende und stetig wachsende Bewusstwerdung tief im Unbewussten nennen können. Damit entspricht er dem aus dem Paradies des ganzheitlichen kosmischen Bewusstseins ausgegrenzten, singulären Gedanken. In die Polarität von Subjekt und Objekt hineingeboren, stellt das Ich sich selbst in den Mittelpunkt der Welt, um die lange Reise anzutreten, an deren Ende die Erkenntnis der Wahrheit stehen wird: dann nämlich, wenn es die Projektionen seines Bewusstseins, die seine Vorstellung der Welt bestimmen, überwunden hat und sich als Schöpfer seines Traums erkennt!2

Dies ist die erste Stufe der Entwicklung von Universum und Mensch, die mythologisch als Verlust des Paradieses, als Abspaltung von Gott bezeichnet wird. Sie entspricht auf der kosmischen Ebene der ersten Aktualisierung des Potentials der Urenergie und auf der Ebene des Individuums der Strukturierung der Urmuster des Unbewussten durch den kollektiven Menschengeist. Damit befindet er sich unwiderruflich auf jener Entdeckungsreise, auf der er die Welt als das gespiegelte Bild in einem Spiegel, den Spiegel selbst aber als das Symbol des kreativen Willens erkennen lernt. Das ist der erste Schritt des Ego, die karmischen Verwebungen der Seele aus den Tiefen der Ewigkeit in einen neuen Schöpfungszyklus einzubringen, an dessen Ende die innere Erlösung steht.

Die entschlüsselte Karte

Wenn der Narr das unbewusste Träumen ist, dann ist der Magier der bewusste Träumer seines Traums (Ich). Indem der Magier verdrängt, dass er alles immer nur so sieht, wie er es träumt, schützt er sich selbst vor seinem eigenen Erwachen. Denn würde er erwachen, müsste er die Relativität seines eigenen Handelns erkennen, und das würde die Grundfesten zerstören, auf denen er sein Weltbild erbaut hat. Damit dies nicht eintritt, schützt er sich durch gedankliche Modelle und gefühlsmäßige Muster, die er zur Wirklichkeit erklärt (IV Der Herrscher), zur Religion erhebt (V Der Hohepriester) oder in deren spirituellen (oder vermeintlich spirituellen) Ausformungen er die Wahrheit wähnt (IX Der Eremit).

Zusammenfassung

Indem alle menschlichen Handlungen jederzeit Auslöser für die Reaktionen alles durchdringender Energien sind, müssen wir uns vorstellen, dass alle Handlungen untereinander verbunden sind. Damit erschaffen sich die Wirkungen aus den Handlungen, die wiederum selbst das Ergebnis vorangegangener Wirkungen sind. Wir erschaffen die verschiedenen Ebenen unserer Realität durch die Wirkungen unserer Handlungen, und diese erschaffen gleichzeitig die Identität unserer Persönlichkeit. Jedoch tut sich der Mensch schwer damit, zu erkennen, dass alles Leben nur die Möglichkeit unendlich variabler Ausformungen von Energien ist und dass Leben und Energie sich wechselseitig bedingen. Demzufolge kann er nur schwer einsehen, dass das Walten des Schicksals nicht durch gute oder böse Götter, sondern durch die Auswirkungen seiner eigenen Handlungen bestimmt wird.

Bevor wir nun aber den „Quantensprung“ wagen und dieses anhand von Narr und Magier entwickelte Modell auf alle Karten übertragen, fassen wir noch einmal zusammen: Ich bin, der ich bin und Am Anfang steht die Tat sind die Schlüsselsätze, die dem Magier zugeordnet werden. Immer noch befinden wir uns an den Anfängen der großen Entwicklungslinie, die durch die Großen Arkana des Tarots allegorisch nachgezeichnet wird. Im Gegensatz zum Narren erfasst die Symbolik des Magiers bereits die ersten Schritte in den aus dem Nichts entfalteten Raum, in die aus der Ewigkeit geborene Zeit und in das konkrete, dynamische Leben. Damit befinden wir uns unwiderruflich auf jener Erkundungsreise, auf der man die Welt als das gespiegelte Bild in einem Spiegel, den Spiegel aber als das Symbol des kreativen Willens entdeckt.

Der Magier entspricht jenem Anteil der in uns wirkenden überpersönlichen Notwendigkeit, die das Selbst sich im verkleinerten Rahmen des Ichs erkennen lässt. Um erneut auf die biblische Mythologie zurückzugreifen: Wenn du den Apfel isst, wirst du wie Gott, versprach die Schlange. Damit motivierte sie das Ich des Menschen, das Selbst mit dem Willen einer sich selbst in den Mittelpunkt stellenden Energie zu überformen. Seither ist das Ich, wie die Tiefenpsychologie es ausdrückt, der „Schatten des Selbst“ oder – umgangssprachlich formuliert – der problematische Teil unserer Gesamtpersönlichkeit. Die Schlange hat nicht etwa zuviel versprochen! Durch den Zeugungsakt des Magiers – den Griff nach dem Apfel – sind wir zum Schöpfer geworden, zum Schöpfer unserer Erscheinungswelt, die wir nach unseren Vorstellungen gestalten.3 Der Magier projiziert seine Ideen in ein Objekt, um dieses handhaben zu können. Dem Narren hingegen ist es in seiner Verrücktheit (Ver-Rücktheit aus der Polarität von Subjekt und Objekt) erlaubt, durch die Verschleierungen des ihn prägenden Unbewussten hindurchzusehen. Auf der konkreten Ebene des Daseins weisen beide – Narr und Magier – den Weg, der von der Zeugung zum embryonalen Wachstum (II Die Hohepriesterin) und zur Geburt (III Die Herrscherin) des individuellen Seins führt.

Der Hintergrund
Der Schöpfungsfunke

Der Magier symbolisiert immer eine neue Entwicklung und den Beginn eines neuen Zyklus, denn er dient als Katalysator zur Entfaltung eines noch schlummernden zukünftigen Potentials. Dies allein ist seine Aufgabe – nicht etwa, über die Initialisierung hinaus auch noch in voller Bewusstheit ein bestimmtes Entwicklungsziel zu verfolgen. Deshalb ist es nur natürlich, wenn er sich gegenüber strukturierten und geregelten Formen des Lebens meist in Opposition begibt. Aufgrund dessen wird ihm oft Triebhaftigkeit und kindliche Aggression vorgeworfen. Das ist nicht ganz unberechtigt, aber bevor man seinen Durchsetzungswillen für verfehlt und ihn selbst zum Sündenbock erklärt, sollte man erkennen, dass der Magier die Urzelle der menschlichen Entwicklung ist. Ist es doch vor allem seine aggressive Ichhaftigkeit, die uns den Fortschritt und die menschliche Kultur gebracht hat! Es ist gewiss bedauerlich, dass der Preis der kulturellen Blüte die Verödung des ganzheitlichen Sinns der menschlichen Existenz ist. Es ist darüber hinaus richtig, dass es zu den Verfehlungen des Magiers gehört, das Ego in den Mittelpunkt zu stellen und es von der Natur abzuspalten. Doch um sich überhaupt entwickeln zu können, muss sich das Ego notwendigerweise von der „heilen Welt“ absondern! Wenn wir diese Tatsache als eine Grundlage des menschlichen Handelns begreifen, dann können wir den Magier als den Ahnherrn bezeichnen, der dem Menschen bei seiner Geburt an der Wiege stand.

In seiner menschlichen Form symbolisiert der Magier die weit in den Raum ausgreifende, vereinnahmende Bewegung (Eroberung, Sieg über den Feind). Dies ist das Prinzip, welches seit der Frühzeit dem Menschen das biologische Überleben sicherte. Seinerzeit war das persönliche Wohl von der Einbindung der Aggressionskräfte in die Sippengemeinschaft abhängig. Das gemeinsame Ziel entsprach nahtlos den Bedürfnissen des einzelnen, denn das Überleben war nicht nur von der Abwehr der äußeren Feinde abhängig, sondern auch von der aktiv-aggressiven Nahrungsbeschaffung. Erübrigen sich diese Ziele, fehlen auch dem Magier für seine Aktivitäten die Voraussetzungen! Er benötigt den äußeren Reiz, der ihn anspornt, gleichsam wie um einen motorischen Apparat in Bewegung zu setzen und ein konkretes Ziel anzupeilen – ganz egal, ob es Aufbau oder Zerstörung bedeutet. Angesichts des Fehlens von archaischen Zielen – etwa dem Standhalten gegenüber unmittelbarer Bedrohung der menschlichen Spezies durch andere Arten – werden heute Ersatzziele geschaffen, um den „Magier in uns“ befriedigt zu halten. Doch die Tatsache bleibt bestehen: Die urtümliche Aggression des Magiers ist nicht mehr das Mittel, das den Herausforderungen der heutigen Zeit gerecht werden kann. Sie entspricht nicht mehr den gegebenen Erfordernissen, um der Menschheit das Überleben zu sichern, sondern sie schießt in der Unverhältnismäßigkeit ihres Einsatzes meist weit über das Ziel hinaus.

Die Deutung
Frau

Die Magierin verkörpert Aktivität, Selbstverwirklichung und das Streben nach Macht, sie ist für Abenteuer schnell entflammbar und zeigt dabei außerordentliche Lebenskraft. Denn wo die Närrin noch blind ist und nur ahnt, dass es etwas zu entdecken gilt, macht die selbstbewusste Heldin schon den ersten Schritt. Darin drückt sich der absolute Wille zur Gestaltung und Veränderung der Dinge aus. Du weißt, was du willst, und das lässt dich alle Ziele erreichen. Nur muss die Verwirklichung deiner Vorsätze sofort erreichbar sein, sonst klingt die Begeisterung schnell wieder ab. Dafür ergreifst du ohne Umschweife jede sich bietende Gelegenheit. Aber wenn du irgendwann nicht mehr weiterkommst, richtet sich dein Interesse unverzüglich auf ein anderes Ziel. Dein Tun hat nicht immer eine Richtung, sondern stellt oft einfach die Tat selbst in den Mittelpunkt. Also merkst du auch nicht immer, wenn die Objekte wechseln, solange dir subjektiv das Tun als solches erhalten bleibt.

 

Du hast nicht eine, du hast hundert Ideen, die du gleichzeitig verwirklichen möchtest. Dabei geht es nicht um einen tief schürfenden Gedankenaustausch, sondern um schiere Lebenslust. Das macht dich zur emotionalen „Schnelldurchlauferhitzerin“, die mit ihren Wünschen und Zielen fixer zur Sache kommt, als dies in Omas Knigge nachgeschlagen werden kann. Denn du lebst nach dem Motto: „Selbst ist die Frau!“ Du bist überzeugt, dass du die Fähigkeit besitzt, Menschen zu führen, weil es dir relativ leicht gelingt, sie zu motivieren. Du bist in allen Bereichen die siegreiche Amazone, die die innere Kraft durch äußeren Willen in Bereiche bringt, wo sie sich gewinnbringend entfalten kann.

Umgekehrt

Die umgekehrte Karte erzählt von der aggressiven inneren Frau, die ganz aus der urwüchsig-archaischen, wild und unverfeinert ans Tageslicht drängenden Triebenergie heraus lebt. Sie zieht ihre Aktionen ohne Netz und doppelten Boden durch, und sie wünscht sich dabei auch einen schwindelfreien Partner. Die Fieberkurve der Emotionen geht in deiner Gegenwart steil nach oben, und wer körperlich nicht halten kann, was du dir von ihm versprichst, findet sich schnell vor deiner Schlafzimmertür wieder. Dabei bist du weniger vom Bedürfnis erfüllt, Macht zu erringen, sondern du lässt dich vielmehr von deinem Instinkt leiten, der dir sagt, dass du nur im Sieg über die anderen ganz dich selbst bleiben kannst. Im Bereich dieser Schwäche liegt auch dein unbedarftes Bemühen, durch die Macht deines Willens schwache Dienstgeister zu mobilisieren, deren Aufgabe darin besteht, dir deine naiv-narzistischen Bedürfnisse unverzüglich zu erfüllen. Du öffnest dich weit gegenüber den Reaktionen der Umwelt – aber nur, um die eigenen Raubtier-Instinkte zu schärfen und das Gefühl für den Augenblick zu bekommen, in dem du dich am besten durchsetzen kannst.

Tanz dich in Ekstase, schlag etwas kaputt, ergreif sexuell die Initiative, oder gönn dir einen Streit, um dein inneres Bedürfnis nach Aktion außen zu manifestieren, denn wer auf die Urkraft meditiert, wird erkennen, dass sich die Instinkte im unteren Bauchraum zentrieren! Dein Favorit ist nicht der Kavalier alter Schule, der dir alle Wünsche von den Augen abliest, sondern der gestandene Mann, dessen sexuelle Überbeanspruchung dich reizt. Fließt männliches Vollblut in seinen Adern, dann hebst du kräftig ab, denn in ihm wähnst du den großen Befriediger zu erleben. Zur Not genügt dir aber auch ein androgyner Schöngeist – sofern er sich in punkto hungriger Leidenschaftlichkeit nacherziehen lässt.

Mann

Ausgeprägte Eigenschaften des Magiers sind seine liebreizende Naivität, gepaart mit dem Durchsetzungswillen einer durchtriebenen und ausgekochten Ich-Struktur, sein blindes Vertrauen in die Legitimität der eigenen Ziele, schließlich das unschuldige Staunen über die Auswirkungen seiner aggressiven Handlungsweise und sein stets ungebrochener, für Abenteuer leicht entflammbarer Heldenmut. Vor diesem Hintergrund entsteht eine enorme Suggestivkraft; du akzeptierst dich, wie du bist, und erreichst, was du willst, weil du deine Energien auf einen Brennpunkt zu richten weißt. Diese Zeit klaren Wollens bringt großen Erfolg mit sich, weil du agierst, statt zu reagieren, und nicht einfach von einer Erfahrung in die andere stolperst. Es ist eine Zeit, in der du aus klarem Willen heraus in unbekannte Gebiete vordringst und dir so Neuland zu Eigen machst. In allen Fällen führt diese Erfahrung zu einer Erweiterung deines Bewusstseins und einer Intensivierung deines Lebensgefühls.

Du bist der extrovertierte Feuergeist, der die Gesellschaft aus ihrem lethargischen Halbschlaf scheucht. Selten ruhst du dich auf deinen Taten aus, denn du handelst um des Handelns willen und nicht nur um damit konkrete Ziele zu verbinden. Vom Verlangen beseelt, alles anzutreiben, bist du der Motor des universellen Prinzips von Ursache und Wirkung. Was sowieso schon wird, das beschleunigst du noch in seiner Entwicklung! Von der inneren Kraft zur Tat getrieben, siehst du in jedem Kampf ein Mittel zum Zweck, deine aggressive Dynamik in aktives Handeln umzuwandeln und das zu beschleunigen, was man den „Lauf der Welt“ nennt. Jetzt ist die Zeit, etwas Neues anzufangen, denn das Feuer des Wollens gibt dir die nötige Kraft. Ziehe deinen schöpferischen Willen ins Nabelzentrum, und meditiere über die Einheit des Seins im Rhythmus von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Indem sich dein persönlicher Wille mit den ewigen Zyklen verbindet, werden sich all deine Wünsche erfüllen. Dein Motto ist: „Alles wird gelingen!“

Umgekehrt

Vom Trieb durchströmt, alles aus dem Weg zu räumen, was ihm keinen Lustgewinn verschafft, ist der Magier der Protagonist des Ego, das seine Bedürfnisse mit Gewalt durchsetzt. Er ist das Symbol für ungehemmte Triebentfaltung und verkörpert das Lustprinzip in Reinkultur. Als Magier willst du deine Männlichkeit beweisen, und wenn es etwas zu erreichen gibt, dann setzt du dich vor allem physisch ein. Die spirituelle Tändelei des Narren ist dir ein Gräuel. Du willst hundert Ideen gleichzeitig verwirklichen – auch wenn du keine zu Ende führst. So bist du der „Hans Dampf in allen Gassen“, der mit immer neuen Absichten und Ansichten brilliert und seine Ideen zu gigantischen Plänen stilisiert, auch wenn es sich meistens um Fehlzündungen handelt. Überdies zeichnest du dich durch ein schnelles Reaktionsvermögen aus, und nicht selten kommt es dabei zu Überreaktionen. Die umgedrehte Karte zeigt aber oft auch ein Verhalten von krampfhaftem Wollen, das über das Ziel hinausschießt, oder einen Widerstand deiner Aggression durch äußere Einflüsse an. Hier fehlt dir der gelassene Glaube an die eigene Kraft und Fähigkeit, wie sie nur der harmonische Gleichklang zwischen bewusstem und unbewusstem Willen hervorbringen kann. Ohne Ausdauer und Geduld wird alles zum Strohfeuer, das sich in schneller Hitze verzehrt: der Magier – ein Scharlatan, der mit Seifenblasen jongliert.

Du provozierst oft einen Streit, um deine innere Spannung nach außen zu bringen. Damit du die energetische Stauung durch Aktion entspannen kannst, musst du ein Objekt für deine Aggression finden. Das tust du, indem du deine innere Spannung auf den nächstbesten Menschen überträgst. Starke Frauen fordern dich dabei besonders heraus. Doch was dich einerseits anzieht, lässt dich andererseits dein Pulver schnell verschießen – noch bevor der eigentliche Kampf beginnt. Doch auch die sanfte Hingabe eines sich dir unterwerfenden Lämmchens weckt deine Triebe nicht wirklich. Denn für dich ist die Lust am Widerstand zu groß, als dass du ohne weibliche Verweigerung zur letztendlichen Erfüllung kommen kannst. Meditiere über Macht und über die Kraft, sie anzunehmen! Evoziere deinen inneren Schöpfergott, und spiele das Spiel von der Erschaffung der Erde: Umarme die Erde, d.h. lege dich mit ausgebreiteten Armen auf den Boden, und reibe dich an ihr, bis der göttliche Schöpfungsstrom ejakuliert!

Ausdruck

„Ich bin“

Prinzip

Ich-Durchsetzung

Verdrängt Sünde als Symbol der Urschuld

(Vertreibung aus dem Paradies)

Kompensiert Prometheus oder der Wille zum Sieg

Archetypen

Der erste Mensch oder Adam nach dem Sündenfall; alle kriegerischen und listigen Archetypen wie Achill, Bellerophon, Hermes, Merlin, Odysseus, Siegfried, Theseus oder Iason

Aspekte

Der sich entzündende Funke oder der ausbrechende Keim als Symbol des Uranfangs, der Geburt und der Dualität (Geburt der Dualität); die Vertreibung aus dem Paradies als erster Schritt des Ego; das sich selbst in den Mittelpunkt stellende Ich, das sich selbst „im eigenen Sehen“ betrachtet: Ich bin, weil ich erkenne – deshalb erkenne ich mich als der, der ich bin!

Symbole

Blitz, Elektrizität, Feuer, Sturm; Phallus, Nuklein-Säuren, Sündenfall; Hai, Mustang, Tiger, Wolf; Lanze, Messer, Nagel, Pflug (Drachensaat); Gladiator, Kriegsheld, Pionier; Brennnesseln, Knoblauch, Paprika; Feuerlaufen, Tai Chi, Zweikampf (Sex!)

Kurzformel

Trieb - Selbstverwirklichung

Motivation - Wille zur Tat (Ich will!)

Licht - Antrieb, Impuls, Energie

Schatten - Aggressivität, Subjektivität, Streit

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

1 Wenn wir die Karte des Magiers umkehren, sehen wir den Tod nicht nur als Ende, sondern auch als Anfang des Lebens, denn der Tod ist das gespiegelte Bild in einem Spiegel – das Gespiegelte aber ist das Ego selbst (vgl. auch Fußnote 2, S. 202).

2 vgl. Das kosmische Ziel,

3 vgl. Das Modell der Wahrheit,


II DIE HOHEPRIESTERIN

Das Licht der Erkenntnis leuchtet aus dem Vorhof der Hölle!

Die Braut des Teufels

Die Karte

Im Bildzentrum sehen wir eine hohe, wie transparent erscheinende Frauengestalt in einem metallisch glänzenden Panzer, der sich am Hals zu einem labyrinthartigen, turbanähnlichen Kopfschmuck ausdehnt. Darüber thront ein bocksköpfiger Baphomet, der von den Templern als Attribut der Gottheit verehrt, von der mittelalterlichen Kirche jedoch zur Personifizierung Satans erklärt wurde.1 Ihm sprießt ein erigiertes männliches Glied aus der Stirn, und auch die Hohepriesterin selbst umfängt mit ihren Händen die Eichel eines gigantischen Phallus. Dieser ist jedoch so dargestellt, dass er gleichzeitig als Vagina aufgefasst werden kann, deren tiefer Spalt sich in den Händen der Priesterin in den Corpus Christi transformiert. Damit hat sich der Künstler das christliche Glaubensmotiv von der „Unbefleckten Empfängnis“ auf wahrhaftig zynische Art und Weise anverwandelt: Der Leib Christi spritzt aus dem Phallus und frisst sich der Hohepriesterin wie ein Virus in die Brust. Eine solche Sexualsymbolik stellt die theologische Dogmatik des Christentums in einem ihrer empfindlichsten Punkte bloß, indem sie die Vorstellung von der höheren oder geistigen Empfängnis auf despektierliche Weise in ihr Gegenteil verkehrt. Die raubtierartigen Fangzähne der Hohepriesterin sind Insignien dämonischer Instinkte, und die in einer seltsamen Verquickung von Qual und Lust sich nach oben drehenden Augäpfel zeugen von einem außerordentlichen Bewusstseinszustand: von jener Art Wahnsinn, die gleichzeitig verzückte Ekstase ist, weil sie in eine Vision des Göttlichen einmündet. Möglicherweise ist es aber auch der Ausdruck orgiastischer Lust, die sich an der Schwelle zur Qual befindet. Das Gesicht, ja der gesamte Körper der faszinierenden Gestalt ist von einem fluoreszierenden Leuchten durchdrungen. Da wir sie mit den Füßen an die Querbalken eines umgekehrten schwarzen Kreuzes gebunden sehen, ist klar, welches Feuer dieses innere Leuchten hervorbringt: die Flammen des alle Unreinheit der Seele verbrennenden Fegefeuers.

 

Die Hohepriesterin zelebriert das Mysterium des Sexus vor einem großen, metallenen Altar, in den der Kopf des Initianden in eine rechteckige Vertiefung eingelassen ist. Über seinem Kinn befindet sich ein großer Schnabel, durch den sie Blut und Sperma in seinen Mund und über sein Gesicht rinnen lässt, bis es im „Schweißtuch der Veronika“ zwischen ihren Beinen versickert. Diese Vertiefung, die an einen Sarg erinnert, ist nichts anderes als das Tor zur Hölle. Es ist die Schwelle zur Unterwelt, und das Gesicht befindet sich genau dort, wo das geformte Endliche mit dem formlosen Unendlichen, das vom All-Einen abgrenzend sich Bildende mit dem grenzenlosen All-Einen verschmilzt.

Wie ein „Schwarzes Loch“ in den Tiefen des Alls, dessen unvorstellbare kontraktive Kräfte nicht einmal das Licht entfliehen lassen, sondern in andere Dimensionen hinter Raum und Zeit saugen, so zieht auch diese metaphysische Vampyrin den Initianden in sich hinein. Sind es Geburtswehen oder Todeskrämpfe, in denen seine Seele sich, sexualmagisch von ungeheuren Energien aufgeladen und in andere Welten entrückt, windet? Im Sinne der Symbolik eines grandiosen Initiationsritus kann man die Position des Kopfes auch so deuten, dass er aus dem Unterleib der Hohepriesterin herausgepresst wird. Dies ist ein Hinweis auf die Geburt des Höheren Selbst in der Initiation, die wie die Geburt des physischen Leibes mit Schmerzen verbunden ist. Das Motiv der Empfängnis wird – gleichsam negativ gespiegelt – weiter oben im Bild in Form der mit Präservativen überzogenen Köpfe nochmals aufgenommen. Dies sind die Geschöpfe unseres Intellekts, die ohne das Feuer der Sinnlichkeit geistige Totgeburten bleiben müssen.