Czytaj książkę: «Das Astrologie-Handbuch»

Czcionka:


= SonneSelbstbewußtsein, Selbstverkörperung, Selbstverwirklichung
= MondVertrauen, Geborgenheit, seelische Identität
= MerkurKommunikation, Gedankenaustausch, Objektivität
= VenusHarmonie, Erotik, Genußfähigkeit (Anima des Mannes)
= MarsKampfbereitschaft, Triebkraft (Animus der Frau)
= JupiterAusdehnung, Weltanschauung, Sinnfindung
= SaturnBewußtwerdung, Verantwortung, Kristallisation
= UranusFreiheit, Unabhängigkeit, Aufhebung der Normen
= NeptunSensitivität, Spiritualität, Transzendenz
= PlutoInstinktnatur, geistiger Wille, Macht
= Mondknotenaufsteigend: Aufgaben, Zielrichtung, Zukunft
= Mondknotenabsteigend: Vergangenheit, alte Muster, Karma


Haus 1Individualität
Durchsetzung, Ego, physische Aggressivität
Haus 2Besitz
Inbesitznahme, Abgrenzung, Ansammlung von Materie
Haus 3Intellekt
Ausdrucksfähigkeit, Lernprozeß, Kommunikation
Haus 4Empfindung
Gefühle, Familie, Kindheit (inneres Kind)
Haus 5Identität
Kreativität, Sexualität, Selbstpräsentation
Haus 6Einordnung
Pflichtbewußtsein, Analyse, soziale Anpassung
Haus 7Begegnung
Kontaktfähigkeit, Partnerschaft, Harmonieempfinden
Haus 8Bindung
Partnerbindung, Du-Fixierung, emotionale Kontrolle
Haus 9Sinnfindung
Lebensphilosophie, Lebenssinn, geistige Entwicklung
Haus 10Gesellschaft
Anerkennung, Recht und Ordnung, Verantwortung (Elternrolle)
Haus 11Unabhängigkeit
Brüderlichkeit, Gleichheit, Zerbrechen der Form
Haus 12Transzendenz
Auflösung, Einsamkeit, Stille, Versenkung


= Aszendent Spitze Haus 1
Ostpunkt, Sonnenaufgang, Frühlings-Tagundnachtgleiche
= Medium Coeli Spitze Haus 10
Südpunkt, Mittag, Sommersonnenwende
= Deszendent Spitze Haus 7
Westpunkt, Sonnenuntergang, Herbst-Tagundnachtgleiche
= Immum Coeli Spitze Haus 4
Nordpunkt, Mitternacht, Wintersonnenwende

I. QUADRANT: DAS MENTALE EGO


= WidderHaus 1 Individualität
Durchsetzung des spontanen, individuellen Willens
= StierHaus 2 Besitz
materielle Absicherung als Bollwerk gegen die Umwelt
= ZwillingeHaus 3 Intellekt
Betonung der verstandesmäßigen Fähigkeiten sowie der gesellschaftlichen Kontakte

II. QUADRANT: DAS EMOTIONALE EGO


= KrebsHaus 4 Empfindung
Sehnen nach gefühlsmäßiger Übereinstimmung mit der Welt
= LöweHaus 5 Identität
Bestreben, die Welt mit den eigenen Gefühlen in Übereinstimmung zu bringen
= JungfrauHaus 6 Einordnung
Anpassung der seelischen Empfindungen an die Bedingungen der Umwelt

III. QUADRANT: DAS ALTER EGO


= WaageHaus 7 Begegnung
ausgelagerte Wesensanteile, die man im Kontakt mit der Außenwelt wieder zurückerhält
= SkorpionHaus 8 Bindung
Bindung an den Schatten anderer, um eigene Verdrängungen in den Taten anderer stellvertretend in der Welt ausleben zu können
= SchützeHaus 9 Sinnfindung
Wissen, das einem über die Spiegelungen und Reflexionen im Austausch mit der Umwelt (kollektives Selbst) zufließt

IV. QUADRANT: DAS ÜBERPERSONALE SELBST


= SteinbockHaus 10 Gesellschaft
das eigene Wirken, das ohne Rücksicht auf materielle Ziele für das Wohl der Gemeinschaft Bedeutung erlangt
= WassermannHaus 11 Unabhängigkeit
Relativierung aller Werte und Sehnsucht nach den unpersönlichen Gesetzen des Ewigen
= FischeHaus 12 Transzendenz
Verweigerung der Anpassung an die Umweltbedingungen und Verschmelzung mit dem schlummernden Empfinden subjektiver Göttlichkeit

Nach komatöser Nachtmeerfahrt in den Rauhnächten 2012/2013 vom Autor leibhaftig nacheditiert

Saturn, dem Hüter der Schwelle gewidmet, und Pluto, dem Licht hinter der Schwelle geweiht!

E-Book-Gestaltung 2013: ArsAstrologica, Görlitz

Original-Printausgabe 1995 bei Kailash, München herausgegeben von Hajo Banzhaf (Hugendubel)

Gesamtherstellung: Akron Verlags GmbH St. Gallen

Titelbild „Akronos“: Marcel Egli, Boppelsen

Computergrafiken: Norbert Muspach, Basel

Ergänzende Illustrationen: The Hermetic Tarot Deck by AGMüller, Neuhausen am Rheinfall

Buchsatz Creativ: Atelier Rageth, Schwellbrunn

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

ISBN 9783905372427

Inhalt

Cover

Impressum

Vorwort

Die Entfremdung vom Licht

Zur Handhabung dieses Buches

Zur Beschäftigung mit Astrologie

Einführung in die Astrologie

Ein kurzer Rückblick durch Raum und Zeit

Der kybernetische Ansatz der Astrologie

DIE FENSTER DER SEELE

Die Planeten in den Zeichen und Häusern

Sonne Der schöpferische Wille

Mond Das seelische Erleben

Merkur Das intellektuelle Erkennen

Venus Die Lust der Hingabe

Mars Die Durchsetzung des Egos

Jupiter Die innere Sinnfindung

Saturn Der Stachel der Verhinderung

Uranus Die Sprengung der Norm

Neptun Die Auflösung der Form

Pluto Die Transformation

Aszendent Das Erscheinungsbild

Medium Coeli Das Bewußtheitsziel

Mondknoten Die Entwicklungsrichtung

DIE ASPEKTE

Grundlagen und Wirkungen

Der Schlüssel zur Karmaberechnung

Sonne/Mond Der Geist und die Seele

Sonne/Merkur Die entflammte Erkenntnis

Sonne/Venus Die Feuerprinzessin

Sonne/Mars Das brennende Schwert

Sonne/Jupiter Die göttliche Flamme

Sonne/Saturn Der strenge Jahwe

Sonne/Uranus Der revolutionäre Geist

Sonne/Neptun Der Spiegel im Spiegel

Sonne/Pluto Der Lichtbringer

Mond/Merkur Die emotionale Erkenntnis

Mond/Venus Die versunkenen Brunnenstuben

Mond/Mars Der Aufbruch in die Tiefe

Mond/Jupiter Die Weisheit des Schoßes

Mond/Saturn Die Stiefmutter

Mond/Uranus Die Hexe Lilith

Mond/Neptun Die Alpdruden und Nachtmahren

Mond/Pluto Die verschlingende Urmutter

Merkur/Venus Die rationale Distanz

Merkur/Mars Das Messer im Kopf

Merkur/Jupiter Der Lapis philosophorum

Merkur/Saturn Der pedantische Lehrer

Merkur/Uranus Der visionäre Blitz

Merkur/Neptun Das Menetekel

Merkur/Pluto Das Jüngste Gericht

Venus/Mars Die Liebe Psyches zu Eros

Venus/Jupiter Die schlaraffische Fülle

Venus/Saturn Das Herz aus Glas

Venus/Uranus Der Tanz der Salome

Venus/Neptun Das versunkene Licht

Venus/Pluto Der Lustpranger

Mars/Jupiter Das Vaterbild

Mars/Saturn Der Rohrkrepierer

Mars/Uranus Der Muttermord

Mars/Neptun Der feige Held

Mars/Pluto Der Pyrrhussieg

Jupiter/Saturn Der Alchemist

Jupiter/Uranus Die Straße nach nirgendwo

Jupiter/Neptun Der Dharmaleib des Buddha

Jupiter/Pluto Die Sphinx

Saturn/Uranus Die Folterkammer

Saturn/Neptun Die Passionsgeschichte

Saturn/Pluto Der Phönix aus der Asche

Uranus/Neptun Der Thronsaal Gottes

Uranus/Pluto Das Licht der Hölle

Neptun/Pluto Die Schlange Uroboros

DIE AUSLÖSUNGEN

Die Bewegungen der Gestirne

Die Tagestransite (die schnellaufenden Gestirne)

Sonne Der Hauptdarsteller

Merkur Der Bewußtseinstiger

Venus Die Liebesschlange

Mars Der Kraftmeier

Die Jahrestransite (die langsamlaufenden Gestirne)

Jupiter Die Essenz der Ausweitung

Saturn Der Stoff der Verhärtung

Uranus Das Symbol der Freiheit

Neptun Die Vision des Unfaßbaren

Pluto Die Zeit der Transformation

Die Progressionen (die dirigierten Gestirne)

Sonne Die Persönlichkeitsentfaltung

Mond Das Gefühlsverhalten

Merkur Das Orientierungsvermögen

Venus Das Beziehungsverständnis

Mars Das Durchsetzungsempfinden

Aszendent Die individuelle Entwicklung

Medium Coeli Die Gesellschaftsausrichtung

ANHANG

Danksagung

Literatur

Auch als eBook erhältlich

AKRON Computer-Text-Programm

Vorwort

Der Zustand äußerer Dunkelheit ist ein Zustand der Entfremdung vom inneren Licht.

Ronald D. Laing

Die Astrologie hat in den vergangenen Jahrzehnten einen wahren Höhenflug erlebt. Das mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, in einer Zeit, in der gerade die Hervorhebung des bewußten Verstandes, die Abhängigkeit von intellektuellen Schlüssen, die sich am objektiv Gegebenen zu orientieren haben, von unserer Leistungsgesellschaft gefordert werden.

Oder hat die Astrologie gerade deswegen zu ihrer Renaissance gefunden, weil sich das Herausheben der Individualität des einzelnen und das Bekräftigen seiner unauswechselbaren Persönlichkeit vor einem allumfassenden, durch Symbole übertragenen Hintergrund kompensativ zum betonten Realismus der Welt verhält?

Denn dem Triumph des rationalen und technokratischen Geistes stehen die innere Unsicherheit und die bedrängenden Zweifel des Menschen gegenüber: der Zweifel an den Werten der immer größeren Eingriffe in natürliche Lebensbedingungen und die innere Sehnsucht als kompensatorisches Ventil zu einem Verständnis zu sich selbst, nach einem Weg zu der Begegnung mit sich selbst. Im Zeichen von New Age wurde das Licht und das Positive generell bis zur Realitätsferne beschworen; die Zukunft wird auch die dunklen Seiten beleuchten. Es kommt zu einem Zusammenbruch der Traditionen und der Auflösung der Werte, weil das Fehlen einer globalen Vision zur Flucht aus der Gesellschaft animiert. Nur wenn wir die innere Zerrissenheit integrieren, erlangen wir unsere körperliche Integrität. Zumindest nähern wir uns der größten Herausforderung, die die Menschheit je erlebt hat. Denn jetzt gilt es, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Ich und Du, Ratio und Herz, Ökologie und Ökonomie, Nord und Süd.

Es wird also Zeit, die Verantwortung für unsere Handlungen selbst zu übernehmen. Denn die jüngere Entwicklung ist auch der ungeliebte Spiegel unserer selbst, in dem wir unser kurzsichtiges Verhalten erkennen können, wenn wir um des materiellen Vorteils willen unseren Mutterplaneten plündern und zerstören und gleichzeitig verdrängen, daß es in der Logik unseres Verhaltens liegt, wirtschaftlich davon zu profitieren. Denn die primitive, ursprüngliche und naturgesteuerte Instinktgebundenheit wollten wir nicht haben. Wir haben sie davongejagt aus den Katakomben unserer Entwicklung und an ihrer Stelle ein eigenes Wirklichkeitssystem gepflanzt, das uns vor der Anarchie jetzt schützt: ein System, das Krankheit mit Versicherungsprämien verdrängt, das Schicksale unter Gesichtspunkten der Marktwirtschaft verplant und das – als Nonplusultra der gesammelten Kulturleistungen der menschlichen Rasse – den Krieg in die Strategie zu seiner Selbsterhaltung fest einprogrammiert hat.

Der kollektive Schatten

Die Implikationen des Beobachtereffektes, eines Hauptlehrsatzes aus der Quantenphysik, besagt, daß der Akt der Beobachtung selbst die scheinbar objektive Wirklichkeit, die beobachtet wird, verändert: Ein Atom nimmt, bis es beobachtet wird, eine unendliche Zahl möglicher Zustände ein, bis es schließlich in der möglichen Form erkannt wird, in der es vom Beobachter aus dessen Perspektive wahrgenommen werden kann. Damit zeigt die wahrgenommene Wirklichkeit im Grunde nur die Sichtweise des Betrachters an, der sich prinzipiell seine eigene Realität erschafft, denn wenn die Lokalisierung eines Teilchens im Raum unbestimmt ist, dann hängt es von der Sichtweise des Beobachters ab, wann und wo es sich manifestiert. Das bedeutet analog: Wenn der Sinn des Lebens unbestimmt ist, dann hängt es von der Sichtweise des Beobachters ab, wie und wo er den Sinn des Lebens definiert. Wahrnehmung manifestiert Wirklichkeit, und Wirklichkeit manifestiert Wahrnehmung. Das war es, was schon die alten Griechen und christlichen Mystiker wußten: Wie wir beobachten, bestimmt die Wirklichkeit, die wir wahrnehmen. Verändern wir das “Wie”, verändern wir das “Was”.

Wenn wir also verstehen wollen, warum die Welt so ist, wie sie ist, müssen wir zu den Anfängen der Menschenzurückblenden, zu den Ursprüngen, als der Mensch begann, zu denken und sich mit seiner Umwelt bewußt auseinanderzusetzen, denn am Anfang reagierte die Instinktnatur: Fressen und Gefressenwerden. Mit der evolutionären Entwicklung hat sich der Mensch sozialisiert und damit seine Instinkte kultiviert. Man kann auch sagen, er hat seine Sexualbedürfnisse geregelt, weil die unkontrollierte Triebnatur die sozialen Grundlagen gefährdet. Der Lustbereich wurde bewußt ausgegrenzt und damit aus dem Licht des Bewußtseins verbannt. Je straffer die moralische Ordnung, je verdrängter die Sexualität, denn die Disziplinierung der Instinktnatur hängt mit der sozialen und kulturellen Entwicklung zusammen. Der Mensch wurde zum vernunftbegabten Wesen, weshalb von ihm erwartet wird, daß er seine Antriebe steuern kann, daß er für andere berechenbar ist, Zuverlässigkeit zeigt.

Doch heute, an den Grenzen des Wachstums angekommen, kann man erahnen, daß dieser Weg auch nicht in den Himmel führt. Am Wendepunkt unserer Entwicklung angelangt, da, wo uns die Errungenschaften unserer eigenen Kultur plötzlich gefährden, mag manch einer erahnen, zu welchem Preis wir dem Teufel unsere Instinkte verkauft haben, denn das, was uns bedroht, ist gleichzeitig das, was uns nährt: Ohne den zerstörenden Wachstumsmechanismus, dem wir ausgeliefert sind, wären wir schon heute nicht mehr lebensfähig. Unter dem Vorwand des Fortschritts haben wir die in den Atomen schlummernden Urkräfte geweckt und den Entdeckern dafür reihenweise Nobelpreise verliehen. Heute nennen wir die Entdeckung böse, dabei ist sie weder gut noch böse, sondern nichts anderes als die natürliche Fortsetzung des im Kinde wirkenden Urtriebes, seinen Teddy zu zerstören, um zu sehen, wie er innen aussieht. Es ist das krampfhafte Streben nach Fortschritt, das uns Menschen zwingt, uns immer weiterzuentwickeln, selbst wenn diese Entwicklung in eine Sackgasse führt. Dieses Streben entwickelt seine eigene Dynamik, die uns über die Grenzgebiete der Gegenwart hinaus in das Niemandsland der Zukunft trägt. Die furchtbare Bedrohung durch eine Technologie, die alles Leben vernichten kann, wenn sie in falsche Hände gerät, löst längst vergessen geglaubte Urängste aufs neue aus. Das ist der Preis für den Fortschritt, für die Atombombe und den Retortenmenschen, für den Computer, der den Menschen überflüssig macht, für die digitalen Träume virtueller Realitäten, die langsam in die Wirklichkeit eindringen. Wir haben der menschlichen Entwicklung buchstäblich unsere Seele versprochen, wenn sie uns dafür Fortschritt und Wohlstand beschert. Da wir an den Grenzen unseres Wachstums angekommen sind und plötzlich erkennen, daß die menschliche Entwicklung ohne Risiko und Zerstörung gar nicht denkbar ist, erinnern wir uns plötzlich wieder unserer Wurzeln und möchten in den geheimnisvollen Urschoß zurück: Wir möchten die Grundlagen erkennen, auf welchen sich unsere Entwicklung vollzieht und möchten wissen, wer wir sind und warum wir sind, wer wir sind.

ZUR HANDHABUNG DIESES BUCHES

Die energetischen Strukturen der Planetenstellungen und -anordnungen geben dem Leser einen Schlüssel in die Hand, anhand seiner persönlichen Konfigurationen eine Bestandsaufnahme nicht nur seiner bewußten Ebene, sondern auch seiner unbewußten Instinktnatur vorzunehmen. Daß die Sichtung der durch unsere Kultur seit Jahrtausenden verdrängten psychischen Anteile sich natürlich nicht ohne Schmerzen vollziehen kann, wird jeder nachvollziehen können. Trotzdem möchte dieses Buch nicht auf die Chance verzichten, in die unbewußten Vernetzungen unserer Psyche vorzudringen, denn es repräsentiert die Astrologie nicht nur aus der traditionellen Sicht, sondern auch aus einer seelischen und geistigen Unterwelt, die den wahren Schatten im Verdrängen des Schattens – nämlich im Streben nach Licht – erkennbar werden läßt. Denn dazu eignet sich der Symbolgehalt der Astrologie ausgezeichnet. Unsere Absicht kann damit nur die sein, über die Bilder unserer Vorstellungen hinaus weiter in die Energien zu dringen, deren Schwingungen wir zwar nach unseren Gesichtspunkten beschriftet haben, deren Existenz aber jenseits unserer Etiketten liegt. Deshalb dürfen wir die Aussagen auch nicht auf der bewußten Ebene persönlich nehmen, sondern uns mit unserer Seele an die Empfindungen herantasten, welche die Inhalte der Themen in uns auslösen.

Dieses Buch ist für Menschen geschrieben, die nach Wahrheit suchen, nach der Erklärung dessen, warum sie sind, was sie sind. Es ist nicht für jene geeignet, die sich wie Süchtige auf die Suche nach dem Licht begeben, indem sie den bei sich selbst längst überwunden geglaubten Schatten ausschließlich beim anderen suchen – und finden. Die Suche nach dem Licht ist in der Tat wie eine Sucht: Die Droge, die einem dabei im Nacken sitzt, ist der Schatten selbst! Denn viele von uns befinden sich noch immer in der Situation der Ratsuchenden, die den Ratgeber nicht benutzen, um an ihr Problem heranzukommen, sondern – ganz im Gegenteil – um von ihrem Problem abzulenken. Wir bezahlen den Therapeuten oder andere seelische Begleiter (Astrologen, Tarotleger, Wahrsager) für die Dienstleistung, unser Problem symbolisch in einem Bild zu bearbeiten, daß wir von uns weghalten können, damit wir es zwar verstandesmäßig bearbeiten können, ohne daß es uns aber wirklich seelisch schmerzt. In diesen Bildern kann der Teufel gefahrlos erkannt werden, ohne daß man seinem eigenen Schatten wirklich begegnen muß. Und deshalb ist Therapie und Schattenarbeit oft nur ein erfolgreicher Verhinderungsmechanismus, vom Schatten erfolgreich abzulenken und ihn dort zu bearbeiten, wo er die Therapie nicht stört (der getroffene Schatten würde sich sofort auf den Therapeuten stürzen). Das war schon im Mittelalter so, als die Kirche gerade aus der Bekämpfung des Teufels ihre Legitimität bezog, und ist auch noch heute nicht anders: Böses wird verdrängt und auf andere projiziert, und die negativen Prägungen des eigenen Selbst werden vor sich selbst und anderen versteckt. Das entspricht der Sichtweise des Esoterikers, der nach dem Licht strebt, um von seinem unerkannten Schatten abzulenken, ohne sich bewußt zu sein, daß sich in diesem Licht sein Schatten reflektiert, den er aus der Position seiner eigenen “Erlöstheit” jetzt durch seine Umwelt lebt. Also würden alle diejenigen unter den Sinnfindern und Wegverkündern, die ihre eigene Erlösung aus der eigenen Verdrängung des Teufels und dessen Bearbeitung im Schatten der anderen beziehen, lieber selbst den Teufel beschwören, als zu erlauben, daß der Mensch außerhalb ihrer Dogmen Sinnerfüllung erfährt. Unter diesen Vorzeichen muß man alle Äußerungen und Beiträge der Anbieter zur Erlösung des Menschen betrachten, denn es kann sicher nicht im Interesse der Modelle liegen, die Seele wirklich zu erlösen. Schließlich würde ein erlöster Mensch kaum Sinnfindungs-Modelle finanzieren, die ihn an sich binden. Das gilt auch für die Astrologie.

ZUR BESCHÄFTIGUNG MIT ASTROLOGIE

Demzufolge richtet sich dieses Buch an Menschen, die zuerst herausfinden wollen, warum sie überhaupt die Wahrheit suchen, bevor sie die Wahrheit selbst zu finden versuchen. Denn die Beschäftigung mit Astrologie verschafft uns zunächst einmal die Möglichkeit, die Welt im Spiegel unserer inneren Erwartungen zu betrachten und sie dabei als ein getreues Abbild unserer Ideen und unserer Überzeugungen zu erkennen, die unsere äußere Sichtweise prägen. Doch wenn wir uns dem System der Astrologie nicht blindlings ausliefern wollen, müssen wir uns auch fragen, warum wir suchen. Wir müssen uns fragen, welche innere Sehnsucht uns zwingt, aus einem in Wahrheit unendlichen Chaos von stellaren Einflüßen ein paar Ähnlichkeiten auszuwählen und durch ihre Strukturierung und Vernetzung Cluster von Weltvorstellungen herbeizuzaubern. Die Antwort ist klar: Um durch die Astrologie Antworten auf unser Schicksal zu bekommen, die wir uns aus unserer rationalen Beschränkung nicht zutrauen. Das muß nicht falsch sein: Astrologie darf ein Wegweiser, ein Treppengeländer sein, um in die Tiefe unserer Psyche hinabzusteigen und uns anhand der Bilder dort einen Überblick zu verschaffen, unter welchen Umständen und zu welchen Zielen wir gewissen dunklen Teilen unserer Psyche im Laufe unserer Entwicklung zu begegnen haben. Doch darf Astrologie niemals zum spirituellen Überbau werden, unter dessen schützendem Dach wir unser Leben verhindern (und die Verhinderung bebildern), weil wir, statt des schmerzenden Lebens dann unsere dramatischen Erklärungen leben, also die Bilder, wie wir uns vorstellen, daß unser Leben so aussähe.

Jede hierarchisch aufgebaute Glaubens-Architektur gibt ihren Mitgliedern Sicherheit und Wissen nicht umsonst, sondern verlangt im Gegenzug deren Seelen, denn sie bindet sie an ein verbindliches Konzept der Wahrheit, das in der Dualität von Gut und Böse den letzten Ratschluß göttlicher Weisheit formuliert. Deshalb ist jede absolute Überzeugung, ob Astrologie, Religion oder spirituelles Modell, letztlich eine Täuschung, die nicht nur jene, die daran glauben, in die Irre führt, sondern auch die, welche die Lehre predigen. Da jeder Gläubige, der sich mit seinem Glauben identifiziert, seinen Glauben nur aus der Sichtweise erkennen kann, wie dieser das Vakuum seiner inneren Leere ausfüllt, kann er die Wurzel seines menschlichen Glaubens natürlich niemals dort erkennen, wo sie sitzt, nämlich in der Leere und Trostlosigkeit der rationalen Angst vor dem Tod, sondern er wird sie immer in der himmlischen Botschaft reflektieren, die ihm gleichfalls von oben einen Weg aus seinem irdischen Jammertal zeigt. Aus der Position seiner Blindheit wird er deshalb in der Leere stets die Hölle, im himmlischen Sinnbringer (Guru) den Messias und in dessen Botschaft (Erklärungsmodell) die Heilslehre erkennen. Zwar ist es das Ziel jedes Einweihungsweges, danach zu suchen, was wir sind; aber weil wir dabei nicht ahnen, daß das wirkliche Ziel nicht darin besteht, zu finden, was wir sind, sondern nur die Voraussetzungen dafür zu erfahren, warum wir nicht erfahren können, was wir sind, führt uns jede Selbsterkenntnis in Wahrheit vom Weg des Suchens ab. Denn alles, was wir finden, sind immer nur die Prägungen, die innerhalb der Strukturen unseres Vorstellungsvermögens liegen – also innerhalb des Bewußtseinsinventars, das unsere Vorstellung der Welt konstelliert. Schon die alten Priester erlangten mit Hilfe ihrer inneren Überzeugung Macht über Gott oder Macht über das Bild ihrer Vorstellung, die sie die höchste Einsicht nannten – die aber mehr das Bild ihrer kompensierten inneren Trostlosigkeit als die Wahrheit über Gott war. Weder sie selbst noch die Gläubigen erkannten den Mechanismus dieser Wahrheitsfindung, denn der Maßstab des Erkennens, mit dem das Bewußtsein die durch sich selbst erkannte Wahrheit maß, war ja die Ausrichtung oder die Sinnsuche des Menschen selbst.

So auch hier: Die Planeten können niemals Schicksal sein; sie zeigen lediglich an, was unser inneres Empfinden an die Weltheranträgt. Sie stellen einen eigenen Kosmos, ein symbolisches Abbild unserer Energien dar und liefern uns die Formeln zu unserer Realität, wie wir die Welt durch die Muster unserer Gestirne wahrzunehmen haben. Da die Welt für uns erst durch die Aspekte zu dem wird, was sie für uns ist, können wir unsere Realität als ein komplexes Gewebe betrachten, das aus dem Zusammenspiel aller seiner Komponenten erst wird. Erst wenn wir wissen, daß sich im Denken nur das Denken erkennt, und wenn wir die Symbole als die Werkzeuge sehen, um unserer Kreativität Ausdruck zu verleihen, sozusagen als einen Spiegel dessen, was wir aus der unbewußten Ebene in die bewußte übertragen, dann können uns unsere astrologischen Dispositionen dazu einladen, uns über das astrologische Weltbild hinauszuheben und unsere täglichen Erfahrungen und Beziehungen auch in anderen analogen Bewußtseins-Schubladen und Denkmodellen zu reflektieren, die alle – je nach der Sichtweise des Beurteilenden – gleichermaßen richtig und falsch sein können. Dazu ein Beispiel.

Die Relativität der Wirklichkeit

Eine Frau leidet an einer Allergie und Sauberkeitsmanie. Der Arzt behandelt sie gegen Hausstauballergie (äußere Ebene), der Psychologe diagnostiziert seelische Berührungsangst (innere Ebene), der Magnetiseur rät zur Vermehrung der Lebenskraft (Störungen im Ätherleib), die esoterische Lebensberaterin zum Bauchtanz (Mut zur Weiblichkeit), die okkulte Kartenlegerin empfiehlt eine neue Partnerschaft (das Problem liegt in der Außenwelt) und der theosophische Freund redet von vorgeburtlichen Umständen (kosmische Ursachen). Der Pfarrer erkennt in der seelischen Unberührbarkeit die Stigmen der Jungfräulichkeit, der Astrologe spricht von einem Neptun/Venus-Quadrat, der Schamane sieht eine Verletzung der schützenden Lebenshülle, die Hexe den magischen Angriff der Nachbarin und der Ehemann schließlich eine übertriebene Hysterie. So fällt jeder sein Urteil aus der Sicht, wie sich ihm der Zusammenhang der Dinge darstellt. Wer hat nun recht? Jeder hat recht, weil jeder die Wahrheit auf seiner Ebene erkennt, und keiner hat recht, weil sich die Wahrheit auf jeder Ebene anders ausdrückt. Damit sind wir wieder beim Kernpunkt Astrologie. Der Astrologe hat recht, weil sich in seiner Sicht der Dinge ein Stück Wahrheit ausdrückt. Aber auch der Psychologe, der Philosoph, der Naturwissenschaftler, der Arzt, der Pfarrer, der Magier, der Schamane und der Ehemann: sie alle haben recht, wenn sie sich bewußt sind, daß die Wahrheit relativ ist und sich ihnen immer gerade auf der Ebene spiegelt, auf welcher sie ihr Weltbild montiert haben.

Das Leben ist wie ein Film, und der Betrachter gibt dem Film Sinn, weil das Leben ist, wie er es sieht. Und er sieht die Welt, wie er sie sehen will. Darin liegt letztlich menschliche Erfüllung. Oder der Beginn geistiger Erkenntnis. Wie läßt doch Goethe seinen Herrgott sagen:

Das Werdende, das ewig wirkt und lebt, Umfass’ euch mit der Liebe holden Schranken, Und was in schwankender Erscheinung schwebt, Befestiget mit dauernden Gedanken.

Faust I (Prolog im Himmel)

Einführung in die Astrologie
EIN KURZER RÜCKBLICK DURCH RAUM UND ZEIT

Altertum

Die ersten astrologischen Texte stammen von den Babyloniern, auch wenn man annimmt, daß sie aus der Kultur der Sumerer, einem noch älteren Volk, übernommen wurden. Darin begegnen wir den Gestirnen als machtvollen Göttern, die das Schicksal der Völker bestimmen, denn die babylonische Astrologie war auf die Vorherbestimmung von Ereignissen großen Ausmaßes wie Kriege, Dürren oder Überschwemmungen angelegt. Ihre Überlieferungen weisen sie als exzellente Beobachter des Sternenhimmels aus. Es war ihnen gelungen, die inneren Gesetzmäßigkeiten der Himmelsbewegungen zu erkennen, denn die ersten Ephemeriden (Vorausberechnungen der Gestirnsläufe) finden wir schon auf den Tontafeln des assyrischen Königs Assurbanipal (7. Jh. v. Chr.).

Die Griechen vertrauten sich dagegen lieber ihren Göttern und Orakeln an, die ihnen in ihrem sibyllinischen Charakter näherstanden als die starre Himmelsmechanik der Babylonier. Nur zögernd übernahmen sie deren Planetenmodelle, und es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis sich die Gestirnslehre gegenüber der Götterwelt durchgesetzt hatte. In der alexandrinischen Zeit jedoch zerfielen die alten Vorstellungen von Zeit und Raum, und es entstanden Erkenntnisse, die bis heute gültig sind. Der große Mathematiker und Astrologe Ptolemäus erkannte als erster die Verschiebung des Sternenhimmels, aufgrund der ein Mensch, der im Zeichen des Widders geboren wurde, zweitausend Jahre später am gleichen Ort und zur gleichen Zeit astronomisch im Zeichen der Fische zur Welt käme. Er löste das Problem symbolisch und verlagerte den Zodiak einfach von Raum (astronomisch) in symbolische Zeit (astrologisch). Durch diesen Akt wurde die Astrologie von der Astronomie getrennt, denn die wirkliche Stellung der Sterne am Himmel wurde für die Astrologie nun uninteressant. Anstelle der wirklichen Gestirne setzte sie das Modell einer zeitlichen Abfolge von Tierkreiszeichen an den Himmel, wobei der Widder immer mit dem Frühlingsanfang beginnt, ganz egal, ob sich dieser räumlich im Zeichen der Fische oder wie in unserer Zeit am Übergang zum Wassermann befindet.

Im Rom der Kaiserzeit war die Stellung der Astrologie stark von den Launen der Mächtigen abhängig. Die Vorliebe zur Vorausschau war zwar ungebrochen, aber die Techniken der Weissagung wechselten sich in der Gunst der Herrscher ab. Überflügelt wurden die Astrologen vor allem von den Auguren, Priestern, die aus dem Vogelflug den Willen der Götter zu deuten verstanden.

Stellvertretend für die Astrologie in anderen Kulturen seien hier die Priester-Seher der Maya und Azteken genannt. Die Zukunft der männlichen Nachkommen wurde durch das Sternbild geregelt. Nach der Geburt traten die Priester zusammen und erstellten das Horoskop, aus dem sie die Bestimmung des Knaben herauslasen: Sklave oder Priester, Ritualopfer oder Soldat. Sie sahen in den Gestirnen den Willen der Götter, und durch das Entschlüsseln der himmlischen Chiffren festigten sie ihre Macht.

Mittelalter

Im frühen Mittelalter stellte sich für die Theologen die Frage, ob sie die Astrologie als rechtmäßige Wissenschaft betrachten oder als böses Zauberwerk verwünschen sollten. Was für die einen eine ernstzunehmende Wissenschaft war, war für die anderen eine widerrechtliche Einmischung in die allein geltende göttliche Weissagung. Thomas von Aquin schließlich fand einen Ausgleich: Solange sich die Astrologie der Geisterbeschwörung enthielt, könne sie die Lehren der Kirche durch ihre kosmische Komponente bereichern. Lehrstühle wurden an den Universitäten eingerichtet, und unter den Dozenten befanden sich die berühmtesten Astronomen jener Zeit. Es war nicht zuletzt die Unterstützung durch die Päpste, die der Astrologie während der Renaissance zu einer Blütezeit verhalf. Böse Zungen behaupten sogar, daß Luthers schroffe Abweisung der Astrologie ihren Ursprung in der Tatsache hatte, das sie sich im Vatikan so ausbreitete.

Mit dem Aufkommen der exakten Naturwissenschaft verlor die Astrologie aber ihre Bedeutung. In dem von den Lehren René Descartes (1596-1650) geprägten Zeitalter des Rationalismus war kein Platz mehr für die ungesicherten Botschaften der Astrologie, denn sie denkt weder logisch, kausal, rational noch linear, sondern symbolisch, ganzheitlich, irrational und analog. Zuerst verschwanden die astrologischen Lehrstühle an den Universitäten, dann wurde die Astrologie verboten und schließlich die Astrologen als Ketzer verbrannt.

Damit war die Astrologie vorerst gestorben, aber sie wurde immer wieder zu neuem Leben erweckt, denn der Wunsch, Verborgenes zu erfahren, ist dem Menschen angeboren. Der Astrologe, der Schamane oder das Medium in Trance stehen genauso wie der Physiker oder der Tiefenpsychologe in einer langen Reihe, Unergründliches zu erforschen, die ihre Ahnen in der babylonischen Astrologie, den keltischen Steinkreisen, den griechischen Orakeln oder der römischen Wahrsagerei aus dem Vogelflug oder den Eingeweiden geschlachteter Opfertiere hat.

Neuzeit

Daß die Astrologie gerade in unserer Zeit einen solchen Aufschwung erlebt, ist zwar erfreulich, spricht aber nur indirekt für die Astrologie, drückt sich darin doch vielmehr das Unbehagen des Menschen gegenüber den Schattenseiten des rationalen Fortschritts aus, dessen rasender Entwicklung das Individuum nicht mehr zu folgen vermag. Von der Voraussetzung ausgehend, daß alles, was er in der äußeren Welt anstrebt, zuerst als inneres Bild in ihm selbst vorhanden ist, äußert sich in seinem Wunsch nach äußerer Erkenntnis gleichzeitig auch der Wunsch nach Selbsterkenntnis.

Trotzdem kann man jetzt nicht davon ausgehen, daß das Geburtshoroskop die Erklärungen für die Umstände abgibt, denen man im Leben begegnet, und daß diese in allen Fällen unverrückbar wären. Man kann eher davon ausgehen, daß die Planetenstellungen im persönlichen Horoskop den individuellen Gesichtswinkel bestimmen, aus dem heraus wir die Umwelt betrachten – also gewissermaßen einer Einladung gleichkommen, wie wir die an sich unbestimmten Eindrücke aus der Außenwelt zu erleben und für uns auszuwerten haben. Demnach ist unser Horoskop der Schlüssel, der uns aufzeigt, wie wir die Welt wahrnehmen, damit sie unserer Anlage entspricht. Nicht, weil dies der Wahrheit, sondern weil es der Perspektive unseres Bewußtseins entspricht. Denn die universale Energie ist eine unpersönliche Kraft, weder gut noch böse. Sie wird erst durch die Muster unseres Bewußtseins in weiß oder schwarz unterschieden. Die Unterscheidungen entstehen folglich im Gehirn, in unserem Denken.

DER KYBERNETISCHE ANSATZ DER ASTROLOGIE

Die inneren Prägemuster

Fassen wir also zum Gedanken Vertrauen, daß alles, was uns aus der Außenwelt berührt, immer nur die äußeren Reflexionen auf unbewußte innere Verhaltensmuster sind. Wenn ein Mensch beispielsweise an der aggressiven Färbung seiner Umwelt leidet, dann erkennen wir darin die negative Prägung durch seine eigenen Verhaltensmuster. Voraussetzung zu dieser Störung könnte möglicherweise sein, daß er in der Kindheit für einen Anlaß so heftig bestraft wurde, daß fortan die Angst, wieder Prügel zu bekommen, stärker wurde als der Mut, die eigenen Aggressionen loszuwerden. Die Angst aber, Prügel zu erhalten, entspricht der inneren Vorstellung, Prügel zu verteilen. Mit anderen Worten, nur wenn ich mir selbst vorstellen kann, andere brutal zusammenzuschlagen, kann ich die gleiche Vorstellung umgekehrt dazu benutzen, mir das Beziehen von Prügeln durch andere aufregend auszumalen.

Versuchen wir uns dies an einem ausführlicheren Beispiel zu erhellen. Der kleine Peter, der sich von seiner Mutter nicht geliebt fühlt, reagiert darauf, indem er sich als unliebsam empfindet. Da er auf die Gefühle der Mutter aber nicht verzichten kann, liefert er sich eben den Gefühlen aus, keine Liebe zu bekommen, weil er sich mit der Mutter gegen sich selbst verbündet, um wenigstens das Gefühl der Schuld zu bekommen, wenn er schon das Gefühl der Liebe nicht erhält: Ich bin nicht liebenswert, weil ich nicht so sein kann, wie meine Mutter mich liebt!

Ist der kleine Peter aber groß geworden, dann ist diese negative Fixierung immer noch vorhanden, denn jetzt interessiert er sich nur für Frauen, die ihm seinen negativen Gefühlswert bestätigen (die ihn also auch nicht lieben können, weil er nicht so ist, wie seine Mutter ihn liebt).

Trotzdem kann man nicht behaupten, daß der große Peter keine Gefühle kennt, sind es doch ganz im Gegenteil sehr starke Gefühle, die er ausdrückt, nur eben auf der Haben-Seite, auf der Schuldebene, im Schattenbereich. Darum müssen wir uns hüten, falsche Schlüsse zu ziehen, indem wir zum Beispiel annehmen, daß sich diese Gefühle auf der unerlösten Ebene negativ in Peters Leben auswirken, denn damit würden wir die Werte polarisieren. Die Werte folgen in ihren Auswirkungen den Ursachen, auf die sie sich beziehen. Wie wir das beurteilen ist unsere Sache, aber wir müssen auch wissen, daß Menschen in ihrer Geschichte mehr Leid durch die negative Fixierung des Leidens als durch das Leid selbst entfacht haben. (Mit anderen Worten, die soziale Gewichtung des Umfeldes bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit kann das Individuum mehr belasten als das Problem selbst.)

Die Schwierigkeit ist vielfach die, etwas ändern zu wollen, ohne die Zusammenhänge zu erkennen. Peter wird nicht krank, wenn er seine Gefühle auf der unerlösten Ebene ausleben kann, weil dieses Syndrom ja nicht nur Strafe, sondern gleichzeitig auch der Versuch der Psyche ist, sich durch Einbeziehung des Schattens wieder in Harmonie zu bringen. Anders ausgedrückt, Peters negatives Muttergefühl zwingt ihn dazu, sich im Leben Frauen zuzuwenden, die ihm keine Liebe geben können – was in sich stimmig ist, denn nur in diesen Frauen kann er sein eigenes Mutterbild finden, weil dies der logischen Wirkung auf die vorhandenen Ursachen entspricht. Damit ist Peter mit seinen eigenen Problemen auf eine unerlöste Art in Harmonie. Krank wird Peter erst, wenn man ihm erklärt, daß sein Frauenbild nicht stimmt und man eine Änderung herbeiführen will, ohne die Voraussetzungen in seiner Psyche zu berücksichtigen.

Die rückwärts wirkende Kausalität

Um das Problem aber in seinem inneren Zusammenhang zu betrachten, müssen wir das Prinzip von Ursache und Wirkung verlassen. Dieses Prinzip ist nur der Kunstgriff unseres Verstandes, um uns die Strukturen in der Welt einsichtiger zu machen (denn die Voraussetzungen unseres Verstandes zwingen uns, die Welt nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung zu betrachten).

Wir müssen begreifen, daß die Ursachen, aus denen sich die Wirkungen ergeben, selbst nur Wirkungen davorliegender Ursachen sind, die sich auf immer weiter zurückliegende Voraussetzungen zurückführen lassen. Die Ursache von Peters Frauentrauma, sein Mutterbild, ist lediglich die Wirkung weiter zurückliegender Ursachen, die wiederum Wirkungen noch tieferer Ursachen sind. Peter muß sich zumindest Gedanken über die Gesamtzusammenhänge machen, um sich mit seinem Problem spirituell auseinandersetzen zu können.

Es ist also wichtig zu wissen, daß Peters Probleme eine Folge von Wirkungsprinzipien sind, die auf Ursachen folgen, deren Grundlagen in Peter selbst zu suchen sind. Und ähnlich, wie die Menschheit keinen Frieden finden wird, solange sie ihr Verhalten nicht ändert, weil der Krieg exakt den Auswirkungen menschlicher Verhaltensmuster entspricht, so wird sich Peters Frauenbild nicht ändern, indem er der Mutter jetzt die Schuld gibt. Die Mutter ist nicht nur Ursache, sondern auch Wirkung in Peters traumatischen Verhalten, das gleichzeitig in die Vergangenheit und in die Zukunft weist.

Versuchen wir einmal, die Ursachen in unserem Beispiel umzustellen. Dann ist Peters Frauenbild nicht mehr gestört, weil er von der Mutter keine Liebe empfing, sondern er benutzte im Gegenteil die Mutter, die ihm keine Liebe geben konnte, um sein eigenes, inneres Frauenbild in der Außenwelt zu gestalten. Oder noch drastischer: Peters Mutter will ihm alle Liebe geben, doch sein inneres Empfinden ist nicht auf diese Schwingung eingestellt, und so erhält er keine Mutterliebe. Er empfängt auf einer Frequenz, auf der die Liebe der Mutter nicht durchdringt oder umgekehrt, dort, wo die Muttergefühle fließen, erhält er keine Signale.

Solche Beobachtungen helfen uns zu erkennen, daß unsere objektive Wirklichkeit einem Denken entspricht, das sich aus seinen Beobachtungen selbst ausschließt, weil es glaubt, außerhalb zu stehen und die Welt getrennt von der eigenen Wahrnehmung zu sehen. In Wirklichkeit gibt es nur die Wechselwirkung zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten, wobei der Beobachter das, was er sehen will, in das zu Beobachtende einfließen läßt, um in der Außenwelt die Bestätigung für das zu erhalten, was er sehen will.

Erst wenn er die Mutter von seinem inneren Bild “abzieht”, kann er die “äußere” Frau rehabilitieren, die sonst nur zum Opfer seiner inneren Vorstellung wird. Wenn er seine Kindheit mittels dieser Perspektive nochmals nachvollzieht, kann er vielleicht den unbewußten Mechanismus erkennen, immer dann Liebe von der Mutter gefordert zu haben, wenn diese durch äußere Umstände verhindert war. Dieses unbewußte Verhalten, in den unpassendsten Momenten Gefühle auszudrücken oder zu erwarten, entspricht dem Senden und Empfangen auf verschiedenen Frequenzen, was aber nicht die Schuld der Mutter, sondern eine gewisse Nicht-Übereinstimmung in den Gefühlen von Kind und Mutter ist.

Die individuelle Perspektive (Der Mechanismus der Zuneigung)

Wir haben an Peters Mutterproblemen gesehen, daß die Probleme nicht von der äußeren Erscheinung, sondern vom inneren Bild herrühren, das über die Mutter nur ausgelöst wird. So können wir erkennen, daß wir eine Sache nicht so sehen, wie sie ist, sondern nur, wie die Bereitschaft, sie zu sehen, in uns selbst vorhanden ist. Wenn Disharmonien zur Mutter in der Psyche des Kindes angelegt sind, dann kann sich die Mutter verhalten, wie sie will – immer wird sie vom unbewußten Verhalten des Kindes in eine Lage gezwungen, in der sich die Spannungen auch auslösen.

Immer sind es die Gefühle uns selbst gegen über, die uns Menschen zwingen, die Welt aus jener Perspektive zu beurteilen, die den Gefühlen entspricht, mit denen wir uns identifizieren. Es sind die Gefühle, die uns anziehen, an die wir uns je nach Anlagen zu binden haben und die dann über diese Bindungen die Funktionen oder Wirkungen in unserem Leben festlegen, die wir aufgrund unserer Veranlagungen in unser persönliches Schicksal übernehmen.

Die Gefühle sind die individuellen Vorstellungen, sich genau von jenen Vorstellungen in der Welt anziehen zu lassen, die auf der gleichen Wellenlänge liegen. Hieraus können wir lernen, daß die Schöpfer aller Bilder unsere inneren Gefühle sind, ein System von individuellen Vorstellungen, die einerseits auf angeborene Charakteranlagen zurückzuführen sind, andererseits aber auch auf anerzogene Verhaltensmuster, welche wiederum das Konglomerat von Erbanlagen sind.

Es ist genau dieses Beziehungsgeflecht, das sich durch die Geschichte der Menschen zieht und gleichsam zu der Straße wird, auf welcher Generationen vererbter Vorstellungen sich bewegen. Dieses Geflecht, das dem Verhalten der menschlichen Psyche entspricht, sich immer auf irgend etwas zu beziehen, ist die Welt, die sich aus dem Bewußtsein dieser Bilder nährt.

Die Auslösung des Schicksals

Somit kann das Kind seine Eltern für den Mangel an Übereinstimmung nicht mehr verantwortlich machen, weil nur der Mangel an Übereinstimmung in den Alltag übertragen werden kann, der sich im Kind selbst befindet. Man kann das Auto auch nicht verurteilen, das einem über die Füße fährt, weil es einem nur dann über den Fuß fahren kann, wenn die Bereitschaft, dies zu erleiden, in einem selbst vorhanden ist.

Im Schicksal spiegelt sich immer die Vollstrekkung einer bestimmten Entwicklung. Ist man sich dieser Entwicklung nicht bewußt, so kann man das erlittene Schicksal nur schwer akzeptieren, weil man die Voraussetzung der Schicksalserfüllung nicht in sich selbst sieht. Wenn ich aber die Voraussetzungen zur Schicksalserfüllung nicht in mir selbst sehe, werde ich keine Verantwortung für das übernehmen können, was mir passiert.

Das, was mir begegnet, wird scheinbar ausgelöst von der Umwelt, die mich umgibt. Es sind jedoch die inneren, unerlösten Bilder in mir, die mich zwingen, mich denjenigen Umständen in der Umwelt auszuliefern, die mich dorthin dirigieren, wo mich mein verdrängtes, unakzeptiertes Schicksal von außen zwangsweise wieder einholt. Wenn ich das, was in mir angelegt ist, nicht selbst erfülle, dann wird das Zu-Erfüllende von außen bewirkt, wobei allerdings das, was mir zur Schicksalserfüllung verhilft, vielleicht nicht immer sehr angenehm ist.

Wir können davon ausgehen, daß wir selbst die Verursacher unserer Erlebnisse sind. Aufgrund unserer Vorstellungszwänge, wie wir die Welt wahrzunehmen haben, binden wir uns an das Ereignis “Leben”. Gleichzeitig beschweren wir uns aber über diese Bindung und beklagen sie als böses Schicksal, das uns von den Göttern aufgezwungen wurde, beneiden unsere Nachbarn, eifern fernen Helden nach und streben nach Profit. Damit erschaffen wir eine Welt, in der Kampf, Leistung und Rücksichtslosigkeit vorherrschen. Von der Wiege bis zur Bahre wählt jeder aus dem unerschöpflichen Trog von Perspektiven diejenigen Sichtweisen aus, die seiner inneren Ausrichtung an die Geschehnisse in der äußeren Welt entsprechen.

Viele sprechen dann von schwerem Schicksal, wo es sich doch um die Kompensationsmechanismen der Seele handelt, um das eigene Schicksal zu erfüllen. Ob das die Pleite ist, die sich abzeichnet, oder die Ehefrau, die wegläuft, ob es das Auto ist, das einem über die Füße fährt oder der Blumentopf, der einem auf den Kopf fällt: Wichtig ist zu akzeptieren, daß einem auf dem Schicksalsweg nichts anderes begegnen kann als das, was in einem selbst angelegt ist. Auch wenn wir uns im Glauben wiegen, unser eigenes Leben zu kontrollieren, weil uns die Verplanung der materiellen Realität dies suggeriert: In Wirklichkeit werden wir von den Wirkungen unserer Handlungen herumgeworfen, in denen die unsichtbaren Keime künftiger Entwicklungen schon eingegossen sind!

Die mehrdimensionale Perspektive

Die Welt, so wie sie sich uns darstellt, entspricht der Summe unserer Erfahrungen, die wir durch unsere Taten mit eben dieser Welt gemacht haben. Das entspricht gleichzeitig auch unserem Denken, in das beständig neue Erfahrungen einfließen, was sich in einem immer wieder leicht modifizierten Weltbild niederschlägt. Nun müssen wir aber wissen, daß wir nicht generell Erfahrungen anziehen, sondern uns nur von Erfahrungsmustern anziehen lassen, die zu unserer Weltanschauung irgendwie in Verbindung stehen. Da diese Weltanschauung sich wechselwirkend aus den gemachten Erfahrungen zusammensetzt, ist hier leicht nachvollziehbar, daß das menschliche Bestreben nicht darauf zielt, die Welt kennenzulernen, sondern sich immer mehr in seinen eigenen Erfahrungen zu bestätigen.

Setzen wir weiter voraus, daß unsere persönliche Erfahrung unserem persönlichen Wirken in der Welt entspricht und dieses Wirken unseren ererbten Anlagen, so können wir vermuten, daß die Schaltzentrale für unsere Taten nicht in unserem Bewußtsein sitzt, sondern in jener vieldimensionalen Persönlichkeit, in die wir uns mit unserer ganzen Ahnenreihe (Inkarnationskette) teilen.

Unsere Horoskop-Persönlichkeit stellt also nur einen Ausschnitt unseres Gesamtwesens dar, das wir innerhalb unseres Raum-Zeit-Kontinuums zum Ausdruck bringen. Unsere individuellen Anlagen ziehen dabei die noch fehlenden Erlebnismuster an, um sie über den Filter des bewußten Erlebens in die Gesamtperson zu integrieren.

Wir können nun versuchen, diese Gesamtpersönlichkeit als etwas zu erfassen, das sich durch seine eigenen Teilausschnitte (Fragmente) selbst erfährt. Genauso, wie sich der Mensch über seine Erlebnisse in der Welt (Berührungen mit der Kollektivpsyche) selbst zu erkennen sucht, genauso sucht sich die Gesamtwesenheit durch die Erlebnisse ihrer Fragmentpersönlichkeiten selbst zu erfahren.

Nicht nur die Gesamtpersönlichkeit prägt unser Wesen, sondern auch die Summe unserer Erfahrungen auf allen Realitätsebenen: Das Ich entspricht dem Geist des Ewigen, sich in die Dualität zu übertragen, und wird deshalb zum verkleinerten Rahmen, in dessen Reflexionen sich der Kosmos erkennt!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die “Fenster der Seele” sind ein Weg der Beschreibung, um Dir die persönliche Ausrichtung Deiner Planeten in den Zeichen und Häusern widerzuspiegeln. Sie sind unter der Perspektive formuliert worden, daß jeder Ausblick zuerst einmal nach der Möglichkeit eines Einblicks verlangt. Betrachte daher diesen Text als den Kommentar eines Reiseführers oder – besser noch – als freundliches Gespräch mit Deinem Seelenführer, Deinem Psychopompos, der Dich in Deine inneren Seelenkammern hinabbegleitet, und dessen Rede stets mit der Aufforderung endet: “Aber hineinschauen in Deine Innenwelt mußt Du schon selbst!”

Auch wenn du Dich noch so tief in den Text einliest, denke bitte immer daran, daß Du von ihm keine Vollständigkeit erwarten kannst. Nicht nur, weil es sowieso keine Wahrheit gibt – Wahrheit ist immer nur eine Perspektive im Kopf der Erkennenden, die ihre persönlichen Erfahrungen kommentieren –, sondern auch, weil es sich bei diesen Ausführungen lediglich um den ersten Schritt einer Annäherung an Dein inneres Wesen handelt, ans Tor Deines Selbst. Die Schilderung der Planeten in den Zeichen und Häusern bedürfen als Ergänzung der Beschreibung der Beziehungen der Gestirne untereinander (Aspekte) sowie, wenn wir ihre Energien durch Raum und Zeit begleiten wollen, der Akzentuierung ihrer Auslösungen durch Direktionen und Transite.

Im weiteren wurde auf eine schmeichelhafte Porträtierung Deiner Person absichtlich verzichtet, ging es doch darum, Dich möglichst etwas näher ans Licht, und nicht mit esoterischem Geschwafel hinters Licht zu führen. Dünken Dich die Ausführungen bisweilen etwas arg übertrieben oder gar unerträglich dunkel, darfst Du auch ruhig darüber schmunzeln: über die Texte, die sich in Deinen Vorstellungen genauso loswerden wollen wie Du Dich in ihrem Erkennen, sowie auch über Deine bisweilen durchaus sinnvolle Art des Verdrängens. Geben wir es zu: Mit der Wahrheit allein läßt es sich nicht leben, sondern es braucht immer auch einen gewissen Platz für unsere Sehnsüchte und Verdrängungen. Sei Dir deshalb darüber klar, daß nicht alles schlecht zu sein braucht, was dennoch kritisiert werden kann und darf, denn wenn wir ein Bild für unsere ganze Vollständigkeit bekommen wollen, dann müssen wir uns auch dem stellen, was wir nicht gerne sehen wollen. Darüber können wir erschrecken. Wir können aber auch darüber lächeln, denn damit zeigen wir, wir haben uns erkannt!


Die Fenster der Seele
Die Planeten in den Zeichen und Häusern



SONNE
DER SCHÖPFERISCHE WILLE

Die alles überstrahlende Sonne ist das befruchtende Symbol der Lebenskraft. Sie ist der Mittelpunkt, die Schöpfungsnabe, deren Strahlen alles durchdringen und auf deren Schwingen der Mensch zu sich selber findet, denn es ist sein eigener Herzton, der ihn trägt, der ihn mit dem irdischen Schicksal verwebt und durch die Wirren des Karmas führt. Seit der Urfrühe der Menschheit erkennen wir in ihr das kraftvolle Prinzip. Die Sonne erscheint nach nächtlichem Kampf mit den Mächten der Finsternis jeden Morgen mit unverminderter Kraft wieder und zieht ihre siegreiche Bahn über den Himmel. Als Zentrum des Tierkreises ist sie auch ein Symbol des göttlichen Ich. Für die alten Ägypter verkörperte Horus die brennende Morgensonne, Ra die glühende Mittagssonne und Atoum die dämmernde Abendsonne, bis Echnaton den Sonnengott Aton als alleinigen Gott einführte. Die Sonne entspricht der Suche nach dem Weg oder der Reise des Helden zu sich selbst, denn sie ist das Ziel des persönlichen Strebens und stellt alle Formen von Ich-Verwirklichungen dar. Doch erst in der Gewichtung der ganzen Lebensumstände und der Einsicht in die Ursache-Wirkungs-Prinzipien kann sich das Ich dann als das erkennen, was es ist: eine sich stets wandelnde, vitale Größe mit begrenzter Existenzdauer, die sich aus unbewußten Verhaltensmechanismen und kollektiven Urmustern zusammensetzt.

Mit anderen Worten: Wir projizieren unsere inneren Wünsche und Gedanken in die Außenwelt und erhalten sie von dort in der Verkörperung geeigneter Modelle zurück. Daraus basteln wir dann eine Form von Lebenssinn, ohne zu erkennen, daß die Außenwelt nur das Echo auf unsere Gedanken ist. Dadurch identifizieren wir uns mit der sonnenhaften Verkörperung unseres Willens, was immer dann zu Ich-Krisen führt, wenn die alten Sichtweisen durch neue Perspektiven ersetzt werden müssen. Genau das aber ist das Dilemma der unentwickelten Sonne: daß sich das Ich in seiner eigensten Entwicklungsabsicht nicht erkennt und Schmerz und Leid nicht als die Wirkungen erfährt, die es zur eigenen Transformierung sucht und findet!

Durch die bewußte Auseinandersetzung mit deinem Tierkreiszeichen kannst du die Sonne aber auch dazu benutzen, dich den höheren inneren Dimensionen zu stellen: den Beweggründen, die dich zwingen, dich so zu verhalten, wie deine Sonnenposition im Horoskop dies anzeigt. Der spirituelle Sinn ist natürlich, die äußere Sonne auf eine höhere innere Ebene zu heben und dir damit deinen seelischen Prägungen bewußt zu werden. Anders ausgedrückt: Du müßtest dein Feuer mit den Umrissen jener galaktischen Glut in Verbindung bringen, von der die Sonne nur ein Abziehbild ist, und auf den Strömen dieser Verschmelzung ins innere Milchstraßenbewußtsein eindringen, indem du dich als kleinen Teil eines unendlichen inneren Schöpfungswillens erkennst, von dem dein dir vertrautes Ich nur ein unbedeutender Ausschnitt ist.

Wer aber ist das Ich, dieses Gefühl von Individualität, welches eine unterscheidende Wahrnehmung zwischen sich und anderen erst ermöglicht? Materiell betrachtet ist es eine Illusion. Weder der Leib, die Seele oder der Geist beinhalten ein “Ich”. Da ist nichts und trotzdem ist es da! Es resultiert aus dem Zusammenspiel des Seins, aus der Freude heraus, zu sein: aus dem innersten Schöpferwillen, der sich aus sich selbst heraus gebärt. Dabei erhellt es sich durch sein eigenes Leuchten und stellt sich sofort in den Mittelpunkt, denn es verkörpert sich auf eine Weise, in der die kindlich unschuldige Freude am eigenen Strahlen zur Sucht nach Bewunderung durch die anderen wird. Das unerlöste Ich, das sich gern mit der Sonne identifiziert (“Ich bin!”), realisiert nicht, daß es selbst ein Sammelsurium von Trieben und Wünschen, Minderwertigkeitskomplexen und ungelösten Autoritätskonflikten ist, das sich beständig umschichtet und erweitert. Es ist nichts anderes als eine gegenwärtige Momentaufnahme, ein Zeit- und Raumausschnitt des Menschen auf dem Wege zu sich selbst. Und dieses Ich wird von der Sonnenstellung in den sogenannten “Häusern” auf der materiellen Ebene gespiegelt, da es die Hausstellung der Sonne ist, die dir erläutert, wie du die seelische Prägung deiner Tierkreis-Sonne in der Welt anstrebst.

Die Sonne symbolisiert neben Eigenschaften wie Selbstüberschätzung, Angeberei und Arroganz aber auch die innere Mitte, die spirituelle Basis oder den direkten Zugang zur mehrdimensionalen inneren Persönlichkeit. Sie ist das erste und wichtigste Urprinzip, die Quelle allen Lebens, Mittlerin zwischen Himmel und Hölle, und repräsentiert dieses starke, aus sich heraus strömende Gefühl von Vollkommenheit. Ihr entspricht nicht nur das äußere Licht, das man direkt sehen kann, sondern auch das innere, unsichtbare, das aber die ganze Sichtbarkeit in sich birgt (weil es alles sehend macht), und in ihr vereinigen sich alle Lebensströme und alle elementaren Bestandteile des Seins. Erst wenn wir alle planetaren Energien im Herzzentrum der Sonne zur Entfaltung gebracht haben, können wir uns mit dem identifizieren, was wir sind und was mehr als ein Schnappschuß unseres Momentanbewußtseins ist.

Erst wenn wir uns mit allen Aspekten unseres Seins identisch fühlen, kommt unser Herz mit allen unseren inneren Schöpfungsformen in Berührung. Dann brauchen wir uns auch nicht mehr länger nach innen zu konzentrieren, um uns zu spüren, sondern können direkt nach außen expandieren, weil wir dann in jedem anderen immer auch den Teil unserer eigenen Schöpferkraft mitfühlen.

Erst, wenn ich in der Berührung mit der Umwelt meine eigenen Schöpferkräfte spüre, kann ich eine liebevolle und kollektive Verantwortung für alle Kreaturen übernehmen, die ja immer auch die Kinder der Sonne sind. Dann erst bin ich in der Lage, angstlos aus meiner inneren Mitte zu agieren, wenn Kreis und Punkt, die Symbole der Sonne, eins geworden sind. Erst dann kann ich mich dem Hier und Jetzt hingeben, wenn ich mit dem Ganzen, an dem ich teilhabe, wieder ganz verschmolzen bin.

Sonne in den Zeichen
SONNE IN WIDDER
Feuer/Feuer: Der prometheische Urfunke


Thema Aktivität, Übermut, Sturm und Drang
Ziel Selbstdurchsetzung

Wenn du deine Sonne im Widder hast, bist du in den meisten Bereichen des Lebens aggressiv und angreifend. Du nimmst dir vielfach nicht die Zeit, die Argumente der anderen zu prüfen und die Gesamtzusammenhänge zu betrachten, denn du reagierst um des Reagierens willen. Dabei bist du launisch und unberechenbar wie das Wetter im April, denn du verkörperst eine warme bis hitzige Atmosphäre, in der Lebenslust, Leidenschaft und schwärmerische Begeisterung genauso zu finden sind wie Ungeduld, Heißblütigkeit, Impulsivität und ungestüme Übertreibung. Im Herzen bleibst du immer ein Kind, aufgeschlossen und stets zu Streichen bereit, aber ohne Geduld, langfristige Ziele gegen äußere Widerstände erfolgreich durchzuboxen. Wenn du die Verwirklichung deiner Vorsätze nicht sofort erreichen kannst, klingt die Begeisterung schnell wieder ab, denn es ist nicht eine, es sind hundert Ideen, die du gleichzeitig verwirklichen möchtest. Das macht dich zum wahren Unternehmer-Genie, der mit immer neuen Absichten brilliert und diese zu Handlungen stilisiert, auch wenn es sich meistens um Fehlzündungen handelt. Ohne Ausdauer und Geduld wird alles zum Strohfeuer, das sich in seiner schnellen Hitze verzehrt, und der Widder zum Gaukler, der mit Seifenblasen jongliert. Andererseits ist die dir eigene Wärme belebend und mitreißend und kann manche frostige Atmosphäre entspannen und neuen Schwung in festgefahrene Situationen bringen.

SONNE IN STIER
Feuer/Erde: Die Liebe zur Scholle oder der heiße Brei


Thema Sicherheit, Beständigkeit, Ausdauer
Ziel Befriedigung der Bedürfnisse, der eigene Herr im Haus

Wenn sich deine Geburtssonne im Stier aufhält, so symbolisiert das auf der emotionalen Ebene die sanfte Berührung der Haut (Mutterbrust), die schläfrige Zufriedenheit eines genährten Leibes (Säugling), die feuchte Quelle für Ernährung und Wärme (Gebärmutter), kurz: die lebendige, nährende Seite des noch in den archaischen Strukturen des kollektiven Unbewußten aufgehenden Selbst, das sich lustvoll an die Erde bindet. Auf der materiellen Ebene hingegen zeigt dich dieses Gestirn als eine engstirnige, geizige und tyrannische bäuerliche Seele, deren Ausrichtung im Leben darin besteht, Erreichtes abzusichern, Möglichkeiten zu verwirklichen und neue Vorhaben auf ihre Machbarkeit hin zu überprüfen. Zusammengefaßt spiegelt sich in deinem Wesen eine mit der greifbaren Seite der Dinge verbundene Seele, die die Liebe zur Scholle über alles stellt. Du strebst nach Besitz, Sicherheit und greifbaren Dingen, deine Ziele sind Dauer, Beständigkeit und ewige Werte, und du erreichst sie durch Ausdauer, Vernunft und Geduld.

SONNE IN ZWILLINGE
Feuer/Luft: Der Rösselsprung


Thema Wissen, Information, sprunghafter Erkenntnisdrang
Ziel Ausdrucksfähigkeit, Kommunikation, Verstand

Wenn du deine Sonne in den Zwillingen hast, verkörperst du oftmals den neunmalklugen Besserwisser oder den Luftikus, der seine Gedanken nicht zu zügeln weiß. So springst du von einer Sache zur anderen und weißt nicht, was du einen Augenblick vorher noch wolltest. In dir wirkt eine nervöse Energie des Denkens, die sich ständig zwischen den Zielen hin- und herbewegt, ohne zu einem klaren Standpunkt zu kommen. Dabei hast du einen scharfen, zupackenden Verstand, der sich leicht in die Lüfte der Denkvorstellungen erhebt, und überall dort, wo du, statt die Kommunikation zu dominieren, locker und freundlich mit der Umwelt parlierst, kann diese Neigung sehr bereichernd sein. Im Durchschneiden von Fesseln und dem Überwinden von Hindernissen versteckt sich eine Suche nach Erkenntnissen und Lösungen, die vielfach sehr brauchbare Einsichten aufzeigt, denn dahinter findet sich oftmals ein Erfindergeist, der ein gerüttelt Maß an Klarheit und Erkenntnis in sich vereint. Vielfach bist du aber auch ein Spötter, ein Lästermaul oder ein vorwitziger Besserwisser, der Scheinlösungen anstrebt und dessen Streben sich darin erschöpft, recht zu haben und in den Augen der anderen als der Klügere zu erscheinen – also ein Klugschwätzer zu sein!

SONNE IN KREBS
Feuer/Wasser: Die Reflexion des Lichts


Thema Gefühle, Einfühlung, seelische Einbindung
Ziel innere Heimat, Selbstvertrauen in den eigenen Ursprung

Wenn du deine Geburtssonne im Zeichen des Krebs hast, dann sind für dich Seele und Geist unauflöslich miteinander verbunden und deshalb ist es dir auch wichtig, einen Ausgleich zwischen dem ideellen Streben des Willens (Sonne) und dem unbewußten inneren Träumen (Krebs) zu finden. Du liebst es, in die Bilderwelt deiner Seele hinabzutauchen, bis sich das Licht in deinen Haaren fängt, denn als Gott sprach: Es werde Licht!, wurde deine Sonne in Krebs geboren. Und als Gott das Licht aus den Wassern hob, da verschmolzen Geist und Seele mit solcher Macht, daß die Himmel zitterten und die Meere kochten. Das zeigt, daß du dich gezielt in dein Inneres versenkst, um deine unbewußten Kräfte in der Tiefe zu wecken und ins Tageslicht hinaufzuführen. Auf der hellen Seite zeichnen dich Mitleid, Hilfsbereitschaft und Fürsorglichkeit aus, auf der dunkleren wirst du von Selbstsucht und Gefühlsübergriffen (Einbindung des anderen in deine Vorstellungswelt) umschattet. Manchmal willst du aber auch eine Welt leben, die beschützender sein will, als es die Realität zuläßt. Das kann dann zu schweren Enttäuschungen in deinem nächsten Umfeld führen (Helfersyndrom), besonders, wenn du dich in deiner Hilfsbereitschaft von den anderen unverstanden und zurückgestoßen fühlst.

SONNE IN LÖWE
Feuer/Feuer: Der Sonnenkönig


Thema Lebenswille, Selbstvertrauen, Kreativität
Ziel Schöpfertum, Macht, Führungsanspruch

Wenn du deine Geburtssonne im Herrschaftszeichen des Löwen hast, verkörperst du neben der den inneren Schöpfergeist aus sich hervorbringenden und in der Umwelt entzündenden Kraft auch ein großes Maß an herrschsüchtiger Intoleranz. Damit repräsentiert die Sonne nicht nur die aktiven, in klarer Bewußtheit angestrebten Lebensziele. Ebenso verkörpert sie die Instabilität dieser Wünsche, denn sie steht auch für das vernichtende und zerstörende Alltagsbewußtsein und läßt das Gewirr des Lebens unter ihren Strahlenarmen dahingleiten, wie ein Moloch, der verschlingt, was er erzeugt. Aus dem dunklen Schoß der Nacht, aus den Geburtskanälen des Lebens, aus der schlammigen, vegetativen Vergangenheit erstrahlt die Sonne in der glänzenden Erscheinung des Werdens. Sie repräsentiert somit die höchste Schöpfungsabsicht und die Wiedergeburt. Diesem gewaltigen Urstrom der Kraft kann nur der Göttervater Zeus selbst gerecht werden, denn er ist ein Symbol jener Urkraft, die – stets auf ihre Unabhängigkeit bedacht – zu neuen Ufern eilt, um alte Grenzen zu überwinden und neue Möglichkeiten zu erschließen. Auf der anderen Seite ist er aber auch ein Repräsentant jener Seite, in der du himmelwärts nach Idealen strebst oder fundamentale Überzeugungen vertrittst, ohne daß dir viel an ihrer objektiven Rechtfertigung liegt oder du nachhaltig und ernsthaft nach den Möglichkeiten der Verwirklichung fragst. Das zeigt dich als einen Menschen von großem Selbstbewußtsein, in dessen Wesen aber auch die Schatten von Größenwahn, Selbstüberschätzung und Zerstörung nisten. Neben Dynamik, Begeisterungsfähigkeit und Willensstärke ist dir Ich-Sucht, Egoismus und Intoleranz zu eigen, neben dem Ausschöpfen deines individuellen Potentials ebenso Führungs- und Schöpferanspruch.

SONNE IN JUNGFRAU
Feuer/Erde: Das rechte Maß


Thema Fleiß, Konzentration, Ausdauer
Ziel Ordnung, Gleichgewicht, Stabilität

Wenn du deine Geburtssonne im Zeichen der Jungfrau hast, ist es für dich nicht schwer, das rechte Maß zu finden, um – statt Maßlosigkeit und Übertreibung zu leben – Einsicht in die natürlichen Zusammenhänge des Lebens zu bekommen. Der hohe Anspruch, sich mit der Schöpfernatur wieder ins Gleichgewicht zu bringen, setzt nicht nur reine Beweggründe und selbstloses Weisheitsstreben voraus, sondern auch das spirituelle Erkennen, daß sich Chaos und Ordnung, Zerstörung und Aufbau, schöpferische Intelligenz und emotionale Motivation nicht widersprechen, sondern wechselseitig bedingen. In der Nähe zur Mutter Natur verströmst du Harmonie und ein gesundes ökologisches Empfinden, auch wenn Nörgelei, Perfektionismus, mangelnde atmosphärische Flexibilität und puritanische Fehlidentifikationen mit weltverbessernden Modellen dich immer wieder hemmen. Trotzdem verbleibt dir immer noch ein gerüttelt Maß an innerem Erkennen, um über das Reinheitsprinzip der Seele auch im Alltag eine materielle Hygiene anzustreben, denn Zuverlässigkeit, Bescheidenheit und Ausdauer sind beste Gewähr für eine gute Übersicht im Leben. Damit bist du zwar nicht des Problems der Ungewißheit enthoben. Aber indem du erkennst, daß dieses Problem eine Äußerung der Widersprüche auch in den größeren Lebenszusammenhängen ist, beginnst du den Widerspruch in sich zu akzeptieren.

SONNE IN WAAGE
Feuer/Luft: Der kluge Sinn


Thema Anziehung, Harmonie, Austausch (Ergänzung durch den anderen)
Ziel Weltoffenheit, Kultur

Wenn du deine Geburtssonne im Zeichen der Waage hast, verkörperst du eine durch ihre objektiven Ansprüche bisweilen etwas kühle Gestalt, die versucht, ihrer gefühlsmäßigen Ausrichtung und der seelischen Verbundenheit kraft klarer Erkenntnis Herr zu werden und damit Annäherungen an den ungreifbaren Gefühlsbereich zu finden, wo sich Denken und Fühlen nicht mehr gegenseitig behindern oder ausschließen. Freiheitsdrang, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit sind deine Stärken, und mit wachen Augen nimmst du alles um dich herum wahr, reagierst klug und geschickt und in Gesprächen verhältst du dich freimütig, klar und wendig. Doch deine Selbstverhinderungsmechanismen sind ebenso unergründlich, denn hinter deinen objektiven Ansprüchen verrät sich ein verhindertes Seelenleben, das sich durch seine klare Betrachtungsweise und seinen scharfen Verstand von den eigenen Gefühlen abgrenzt und sich auch den inneren Bezirken anderer verschließt, ohne sich das aber innezuwerden. Dein Ziel ist die kreative Kraft des fragenden Geistes, der alle Grenzen aufbricht und eine Brücke zwischen den Welten baut, damit alle Gegensätze verschwinden und blitzhaft alle getrennten Formen als Teile eines übergeordneten Ganzen erahnt werden können. Deshalb lösen sich alle Gegensätze auch dort auf, wo sie notwendig entstehen müssen: im Polaritätsprinzip des menschlichen Denkens. Der Preis dafür ist ein Perfektionsideal, durch das gefühlsmäßige Belange in Gefahr geraten, zu kurz zu kommen, und das führt bisweilen in die Kälte erloschener Gefühle, zu herzlosen, kopflastigen Schachzügen und anderen üblen Auswirkungen des tyrannischen Verstandes.

SONNE IN SKORPION
Wasser/Feuer: Der Leuchtturm im Ozean des Unbewußten


Thema Fixierung, Unterdrückung, Zwang
Ziel Schattenarbeit, Erkenntnis, Transformation

Wenn du deine Geburtssonne im Skorpion hast, befindest du dich auf einem Pfad, der zu den Geistern der Tiefe und zu den Quellen der Träume unter die Schwellen des Bewußten hinabführt. Der Skorpion streckt seinen giftigen Stachel wie eine Lichtfackel aus einem vermoderten See und zeigt dir damit symbolisch an, daß du dich auf dem Weg der Ganzwerdung deiner dunklen Seite nähern oder einem dunklen Hinweis aus der Tiefe des Unbewußten folgen sollst. Denn hier befindest du dich in der erdrückenden Höllenschlucht einer Phase, in der sich deine Seele in Selbstzweifeln zermartert, in der sie auf ihr vollständiges Scheitern ausgerichtet ist, ohne den wahren Grund zu kennen. Du fühlst dich zu etwas Unfaßbarem hingezogen und spürst eine nahezu unstillbare Sehnsucht nach der Hölle, deshalb wirfst du in deiner Sehnsucht nach Bestrafung die brennende Fackel der Vergeltung in die aufgehäuften Scheite deiner Schuld. Darin liegt aber auch die Gefahr, dich in ungute Verstrickungen oder Intrigen hineinziehen zu lassen, denn durch die Unterwelt zieht der Geruch von Fiebersümpfen, giftige Dämpfe steigen zum Himmel auf und am Horizont dämmert ein bleiches, schwefliges Licht. Der Gang durch diese Wasser läutert die Seele, die ihr Wissen nur in dunklen Bildern und Orakelsprüchen preisgibt, denn hier befinden wir uns in der dunkeln Nacht des Lichts. Es ist, als ob du durch die finstere Schlucht hindurchgehen mußt, um zu zeigen, wie die verbrauchte Energie in die Nacht der Seele zurückkehren muß, aus der sie neu hervorgehen kann wie Phönix aus der Asche.

SONNE IN SCHÜTZE
Feuer/Feuer: Das Feuer der Erkenntnis


Thema Suche nach Gott, Streben nach spiritueller Ausweitung
Ziel Selbsterkenntnis, Weisheit, innere Führung

Wenn du deine Sonne im Schützen hast, hast du nicht nur die Kraft, dich mit den geistigen Inhalten des Lebens zu beschäftigen, sondern du besitzt auch das innere Gesicht, durch die Verschleierungen der Materie hindurchzusehen, was zu einer inneren Entdeckungsreise führt. Im Feuer der Erleuchtung, wenn sich die Seele in wunderbarer Verzückung selbst erfährt, erfährst du dich als eins mit dir selbst. Solange du deine Visionen nicht zum religiösen Dogma erklärst, das den letzten Ratschluß göttlicher Weisheit formuliert, ist dagegen auch nichts einzuwenden, doch sobald du deine Gedanken der Welt aufdrängst, anstatt sie zum Ausgangspunkt deines Weges zu machen, wird die Sache gefährlich. Deshalb darfst du auch deinen Schatten nie verdrängen, der der unvermeidbare Begleiter jeder Suche ist: Denn das Ziel jeder Erleuchtung ist die religiöse Verbreitung und verwickelt den Erleuchteten in seinen Schöpferanspruch. Erst wenn du entdeckst, daß niemand wirklich weiß, brauchst du keinen Gott mehr, der dich belohnt oder bestraft. Dann brauchst du auch keinen Meister mehr und auch kein Dogma, sondern nur jenes lebendige Selbst, das dir entgegenblickt, wenn du in den Spiegel schaust und Gott spürst. Wie sagte doch der Zen-Meister Gensha: Wenn du begreifst, sind die Dinge wie sie sind; wenn du nicht begreifst, sind die Dinge wie sie sind.

SONNE IN STEINBOCK
Feuer/Erde: Das kontrollierte Wachstum


Thema Verantwortung, Selbstdisziplin, Selbstverpflichtung
Ziel Strukturierung, Verfestigung, Vertiefung

Wenn du deine Sonne im Steinbock hast, bescheinigt dir das eine konsequente und wirklichkeitsnahe Vorgehensweise. Das zeigt, daß du dich gern mit Themen wie Sicherheit, Stabilität und Ausdauer befaßt, und meistens gelingt es dir, aus der Fülle der Möglichkeiten diejenige auszuwählen, die sich langfristig am besten in die Tat umsetzen läßt. Dabei sind Beharrlichkeit und Tatkraft, aber auch das Wissen um die natürlichen Zeitrhythmen wertvolle und hilfreiche Verbündete. Vor Extremen und zu großen Risiken bist du dank eines ausgeprägten pragmatischen Instinktes und einem Sinn für das Beständige geschützt. Denke aber auch nach, und versuche dir darüber klarzuwerden, warum du dich in deinen Sicherheitsbestrebungen und -vorkehrungen immer bestätigen mußt? Warum du Krankheit verdrängst, Schicksale als sozialen Marktwert verplanst und das schöpferische Chaos der Natur absichtsvoll verhinderst? Was versteckt sich hinter der Fassade der kontrollierenden Seele, die – anstatt ihre eigenen Gefühle zu leben – andere Menschen immer wieder zu belehren versucht? Heute ist Moral keine Frage mehr der Anpassung an äußere Gesetze; vielmehr geht es darum, zu sich selbst zu finden! Deine Sonne in Steinbock lädt dich ein, dich deiner inneren Verhinderungen bewußt zu werden und Schritt für Schritt vor dir selbst deine Maske abzulegen. Denn sobald du akzeptierst, daß alles, was geschaffen wurde, in Vollkommenheit und ohne dein Zutun existiert, hast du dich zugunsten einer inneren Erfahrung aus der Kontrolle um des Kontrollierens willen befreit.

SONNE IN WASSERMANN
Feuer/Luft: Der galaktische Poet


Thema Fortschritt, Freiheit, Selbstbestimmung
Ziel soziale und kulturelle Reformen, Unabhängigkeit

Wenn du deine Geburtssonne im Wassermann hast, beherrschst du das schwindelnde Vermögen, dich zu den höchsten Gipfeln geistiger Erkenntnis zu erheben und in der Einsamkeit dieser Wolkenwelt zu leben, weil niemand besser als du weiß, daß jede Realität immer nur das Resultat gedanklicher Vorstellung ist und Widersprüche deshalb nur in unseren Köpfen existieren. Deshalb richtet sich deine Botschaft auch an Menschen, die zuerst herausfinden wollen, warum sie überhaupt suchen sollen, bevor sie selbst zu finden versuchen. Vielleicht magst du vielen auch als böser Geist erscheinen, dessen scharfer Verstand keine Wahrheit akzeptiert, sondern sie mit gekonntem, teils brillantem Wortspiel süffisant so lange dreht, bis von der ursprünglichen Erkenntnis allenfalls Fragmente übriggeblieben sind. Der Geist des Wassermanns entspricht nämlich dem Prinzip der höheren Vernunft und weist über das Kausalitätsprinzip des Denkens weit hinaus: Wie oben, so unten, heißt es; es gibt außer Ursachen und Wirkungen auch analoge Abläufe, und das kosmische Ganze verändert sich laufend durch die Initiative seiner einzelnen Teile. Diese Erkenntnis führt zu einer umfassenden und ganzheitlichen Denkweise, wodurch du auch vermeintlich unvereinbare Gegensätze und Gesichtspunkte miteinander versöhnen kannst.

SONNE IN FISCHE
Feuer/Wasser: Die Ungeborenen


Thema Intuition, Medialität, innere Versenkung
Ziel Auflösen von Grenzen, Verschmelzen mit dem Licht

Wenn du deine Geburtssonne im Tierkreis der Fische hast, träumt sich in dir ein Bild der Seele, die sich, vertrieben von den Gestaden des Alltags, in den embryonalen Brunnenstuben des Unbewußten wähnt. Du strebst nach jenem grenzenlos weiten Teil des Ich, der, von dir völlig unerkannt, die Sehnsucht nach dem Ewigen gebiert. Doch lauert auf deinem Weg auch mancher Trug und Spuk, der alles andere als das Verlangen nach himmlischer Harmonie verkörpert, sondern hinter dem sich auch die Versunkenheit irre geleiteter Spiritualität versteckt. Du spürst in dir die zeitlose Wahrheit, die aus den verborgenen Schichten des Unbewußten aufsteigt, denn es sind die Wasser des Lebens, die, von der Sonne durchdrungen, die in dir innewohnenden Kräfte freigeben. Das Licht, das die unergründlichen Wasser durchdringt, ist ein Symbol für die Befruchtung des Unbewußten, wodurch die inneren Quellen wieder fließen.

Sonne in den Häusern


SONNE IN HAUS 1
“Veni, vidi, vici” oder “Knüppel aus dem Sack”

Hier charakterisierst du dich durch das Erstürmen deiner Ziele mittels der Durchsetzungskraft deiner impulsiven Konfliktbereitschaft, denn Haus 1 ist die Stätte des spontanen Willens, und die Sonne verkörpert die strahlende Durchsetzung der eigenen Ziele. Innerhalb der spirituellen Qualität deines instinktiven Willens bist du unbezwingbar wie einst Achill, der Held, denn du bist ein Repräsentant einer höheren inneren Vision, für die sich jedes Wagnis lohnt. Vom Ziel nach Zerstörung aller Widerstände getrieben, bist du vom Gedanken besessen, alles Behindernde zu zerschmettern, denn du benötigst äußere Hindernisse, um sie mit der ganzen Lust deiner heldischen Impulsivität zu überwinden. Das bedingt einen Menschen, der alle seine Wünsche, Hoffnungen und Ziele bedingungs- und rücksichtslos in den Mittelpunkt seines eigenen Handelns stellt: Ich selbst mir selbst, oder, wie Cäsar nach seinem Sieg bei Zela 47 v. Chr. der Welt kundtat: Ich kam, sah und siegte!


Symptome Aggression, Egoismus, Überreaktionen (Reizbarkeit, Wutausbrüche), Imponiergehabe, Rücksichtslosigkeit, nervöse Depression (verschluckter Ärger, verdrängte Wut)
Ritual Feuerlaufen; Sonnenaufgangs-Meditation
Archetyp Achilles; Phöbus Apoll
Analogie Iason und das Goldene Vlies
Kraftort Feuerberge in Lanzarote
Kultstätte Kadmeia in Theben
Kraftfarbe Zinnoberrot
Kraftstein Hämatit (Blutstein), Granat
Duftessenz Rosmarin-Ingwer-Mischung


SONNE IN HAUS 2
Der leibliche Genießer/Die sinnliche Verführerin

Das 2. Haus ist das Haus des Besitzes und der Inbesitznahme, der Ansammlung von Materie und der Genußfähigkeit und symbolisiert neben Wohlstand und Vermehrung auch physische Vereinnahmung und leibliche Fülle. Es ist das Haus der schöpferischen Formgebung, die der noch formlosen Idee als Materie zur Mutter wird. Deshalb finden wir hier auch nicht den spontanen Helden oder die Heldin mit der großen Vision, sondern den leiblichen Genießer oder die sinnliche Verführerin, die dem breiten Strom ihrer eigenen Begierden ewig hinterhertaumeln, ob es sich jetzt um die körperliche Erfüllung oder um die Anhäufung und Einverleibung materieller Schätze handelt. Für dich sind die Lustgefühle, die dich angesichts materieller Formen befallen, der Inbegriff tiefster innerer Verbundenheit mit dem Leben, und es ist dir ein Anliegen, dich in liebkosendem Gleichklang mit dem Ganzen zu spüren. Nicht nur deshalb, weil für dich alle schöpferischen Formen Nahrung und Glück in einem sind, sondern weil jede Art von sichtbarer Entfaltung deinem innerseelischsten Bedürfnis entspringt, sich von der Umarmung mit dem körperlich Greifbaren verführen zu lassen.


Symptome Stoffwechselstörungen (ungenügende Entschlackung), Nierenschwäche (unerfüllte Lustansprüche), Handlungsschwäche (Bequemlichkeit, Passivität), Drüsenstörungen, Gefäßerkrankungen, schwaches Bindegewebe
Ritual Lehmwickel, Schlammbäder, Heilerde; oder das Verdauungsschläfchen im Schatten der Obstbäume
Archetyp der Dorfkönig; König Minos von Kreta, Sohn des stiergestaltigen Zeus und Vater des Minotaurus
Analogie Ägyptens sieben fette Jahre (Der Traum des Pharaos von den sieben mageren und sieben fetten Kühen, Genesis 41,1-36)
Kraftort blühendes Weizenfeld
Kultstätte Knossos
Kraftfarbe Braun, Ocker, satte Erdfarben
Kraftstein blauer Achat, rotbrauner Jaspis, Heliotrop (grün mit roten Flecken)
Duftessenz Geranie-Rosen-Mischung


SONNE IN HAUS 3
Der Wissensdurst oder der Besserwisser

Das 3. Haus ist das Haus der Ausdrucksfähigkeit, der Lernprozesse, der Kommunikation, der Umwelterschließung, der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und symbolisiert die intellektuelle Verwirklichung deines Selbstdarstellungs-Anspruches durch die Suche nach der Weltformel (zumindest auf der Stammtisch-Ebene deiner Bierkneipe). Sonne in Haus 3 zeigt an, daß es für das Selbstwertgefühl enorm wichtig ist, wie man Wissen aufnimmt und weitervermittelt und immer wieder Neues erforscht und erlernt. Dein Wissensdurst ist groß und du sammelst beständig Informationen an, die du zu einer Synthese verarbeiten kannst. Das beinhaltet Fortschritt und Entwicklung gleichermaßen wie Hitzigkeit, Voreiligkeit und Oberflächlichkeit. Dabei ist es ein Prozeß der Reife, das menschliche Tun zu durchschauen, die verfehlten Ziele in einen Zusammenhang mit den inneren Absichten zu bringen und daraus Einsicht zu gewinnen, denn in den erkannten Fehlern liegt Erkenntnis und darin Lebensweisheit oder Wissen.


Symptome nervöse Erschöpfungszustände (Schlafstörungen, Energiezersplitterung, Allergien), Schwäche des Solarplexus und des sympathischen Nervensystems
Ritual Gedankenspiele (Kreuzworträtsel), Atemgymnastik, Bewegungstherapie
Archetyp der schlaue Händler; der zerstreute Professor
Analogie Archimedes: “Heureka! Ich hab’s gefunden.”
Kraftort Basar in Bagdad
Kultstätte Hermupolis Magna
Kraftfarbe Postgelb, Honiggelb
Kraftstein Bernstein, Beryll
Duftessenz Benzoe-Eukalyptus-Mischung


SONNE IN HAUS 4
Der Ruf aus der Tiefe/Das von oben eindringende Licht

Das 4. Haus ist nicht nur das Haus der Empfindungen, der Familie, der Herkunft und der Verwurzelung, sondern auch die Stätte des seelisch Unergründlichen, dessen Geheimnishaftigkeit wohl intuitiv erahnt, aber weder durch noch so tiefe Gefühle erfahren noch durch noch so reine Gedanken erfaßt werden kann. Es ist die Quelle, aus der die Urmuster unserer Gefühle und Gedanken strömen, also kein Sinnbild göttlichen Glanzes, sondern ein Abbild des Grauens, das dich im Angesicht der Unendlichkeit befällt. Somit steht Sonne in Haus 4 für die wuchernden Ängste und sublimen Hoffnungen, für die Bilder von höchster Ergriffenheit und tiefster Verworfenheit, mit denen deine Seele schwanger geht. Sie zeigt, daß du furchtlos in die tiefsten Abgründe der Seele eindringst, um dort das Mysterium oder den Heiligen Gral zu finden als Symbol deiner unabhängigen Liebe zu dir selbst, anstelle eines abhängigen Strebens nach Gott. Gebannt erschauderst du dann vor dem ungeheuren Mechanismus der Schöpfung, der das menschliche Geschlecht aus sich hervormahlt, denn hier begegnest du den beiden großen energetischen Schaltkreisen, die das aktive, bewußte und männliche Prinzip der Sonne mit der passiven, unbewußten und weiblichen Kraft des 4. Hauses verbinden: dem senkrecht von oben in die Tiefe des Wassers eindringenden Licht!


Symptome Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Störungen im Flüssigkeitshaushalt (Wassereinlagerung in den Geweben), Magenschleimhautentzündungen
Ritual Eintauchen in die Glut der Seele (intensives Phantasieerleben)
Archetyp die große Göttin
Analogie Tannhäuser im Venusberg
Kraftort Sandstrand (Sonnenuntergang am Meer)
Kultstätte eleusische Tempelanlagen
Kraftfarbe leuchtende Fruchtfarben
Kraftstein Marmor, Perlen, Alabaster
Duftessenz Kamillen-Bergamotte-Mischung


SONNE IN HAUS 5
Der Schöpfungsnabel oder die göttliche Lebenskraft

Das 5. Haus, vom höchsten Schöpfergeist umstrahlt, ist nicht nur das Haus der Emotionen, der Sexualität und der Kreativität, sondern auch der Platz der Identitätsfindung und der Selbstpräsentation. Im Zusammenspiel mit deiner Sonne ergibt das ein Psychogramm der Flammen als Himmelsglut oder eine Art Schöpfungsnabel, dessen Strahlen alles durchdringen und auf dessen Schwingen du dich über dich selbst hinaustragen lassen kannst, denn Lebendigkeit, Lebensbejahung und Vitalität sind hier zu einer gebündelten Kraft leuchtender Lebensfasern geworden, die alles Dunkle im Licht der Kraft triumphierend durchströmen. Die alles überstrahlende Sonne ist ein Symbol der universalen Lebenskraft, denn sie ist die spirituelle Helle, die sich auf das alles durchleuchtende Prinzip des Bewußtseins stützt, um nicht vom Schatten des unermeßlichen Nichts verschlungen zu werden, denn sie ist auch ein Symbol des göttlichen Lichts und das letzte Ziel deiner Reise zu dir selbst.


Symptome Hypertonie, Arteriosklerose, Gefahr des Mißbrauchs der eigenen Kraft (Stolz, Hochmut, Prahlerei)
Ritual große Empfänge
Archetyp Zeus
Analogie die olympische Hierarchie
Kraftort Schloß Versailles
Kultstätte Akropolis
Kraftfarbe Rotgold
Kraftstein Rubin, Diamant
Duftessenz Jasmin-Mandarinen-Mischung


SONNE IN HAUS 6
Die Narkotisierung der Instinkte/Die kontrollierte Opferrolle

Das 6. Haus ist das Haus der Gefühlsanpassung und damit der Anpassung deiner Gefühle an die Vorstellungen der anderen. Energetisch versinnbildlicht dieser Platz Gewissenhaftigkeit, Übersicht, Erkennen der detaillierten Zusammenhänge und großes Leistungsvermögen. Hier versuchst du die Schwäche deines Gefühlslebens durch ein lückenloses Weltbild zu kompensieren, damit du deine Emotionen durch dieses hindurchfiltern kannst. Denn mit Sonne in Haus 6 bist du dem inneren Bestreben ausgeliefert, alles, was du außen vorfindest, zu strukturieren und in den Griff zu kriegen. Um dieser Opferrolle in allen Lebenslagen aber gerecht zu werden, hältst du dich emotional bedeckt. Du lernst nicht nur, dich in den Dienst der anderen zu stellen, sondern auch, diesen Akt nach außen würdig darzustellen und dir aus deinem Opfer-Inszenarium einen Lebensraum zu schaffen, indem du die anderen durch deine Anpassung von dir abhängig machst (Psychotherapeut). Das heißt, du lebst deine Inhalte in den Köpfen der anderen aus, indem du ihre Absichten studierst, ihre Gedanken analysierst, ihre Ziele definierst und ihre Aggressionen schon auf der Vorstellungsebene blockierst; oder aber indem du deine Verhinderungen destruktiv gegen dich selbst setzt, was zu überspitzten Verhaltenszwängen (Ordnungswahn, Sauberkeitsfimmel) führt. Um dieser inneren Prägung in jeder Situation nachkommen zu können, zeichnen dich Beobachtungsfähigkeit, Kritikvermögen und analytisches Unterscheidungsvermögen aus.


Symptome Schwindel- und Wahrnehmungsstörungen (Schwäche der Seh- und Hörorgane), Perfektionsideale und die daraus entstehenden Unzulänglichkeits- oder Schuldgefühle (Kritiklust, Nörgelei, Intoleranz), nervöse Erschöpfungszustände, Kopfschmerzen, schwache Bronchien; sehr häufig: Stuhlverstopfung (spastische Obstipation) und Komplexe durch Verdrängung
Ritual Läuterung durch Arbeit (Aufräumen, Ordnen) oder Heilen (Aufräumen beim anderen)
Archetyp der hinkende Hephaistos; Wieland der Schmied
Analogie die mageren Jahre Ägyptens oder die Heuschreckenplage als Anlaß zur Buße (Joel 1,2-20)
Kraftort Kornfeld
Kultstätte Berg Sinai
Kraftfarbe Sandfarbe, Hellgrau, rotes Eisenoxyd
Kraftstein Jaspis (Gartenkies)
Duftessenz Bohnenkraut-Ringelblumen-Mischung


SONNE IN HAUS 7
Die gespiegelte Ergänzung

Das 7. Haus ist das Haus der Begegnung und steht für Kontaktfähigkeit, Partnerschaft, Ausstrahlung und Harmonieempfinden. In der Verbindung mit der Sonne zeigt es an, daß du dein vollständiges Wesen erst im Spiegel deiner Umwelt finden kannst, weil du deine Selbstverwirklichung über die Begegnung mit den anderen vollziehst und dich erst in der Umarmung deiner Umwelt spürst. Da du aber meistens nicht erkennst, daß du nur die eigene Maske vor dem Gesicht des anderen anschaust, in die du alles hineinprojizierst, was du an dir vermißt, liebst du möglicherweise nicht so sehr den anderen, sondern mehr das eigene Bild und damit statt des anderen Menschen die eigene Vorstellung von Vollständigkeit. Hier zeigt sich der paradiesische Vorhof des leiblichen Verlangens: die verschlingende Hingabe als Flucht vor sich selbst, die das verlorene Gefühl der inneren Mitte in der Berührung der anderen wieder zu erreichen sucht. Du benutzt die Umwelt für dein egoistisches Streben, dich in der Umarmung der anderen spüren zu können, denn du erwartest, daß dir deine Mitmenschen alle Wünsche und Sehnsüchte zurückgeben, die du unerkannt vor dir selbst in die Welt hinausprojizierst.


Symptome Nieren- und Blasenstörungen, Drüsengewebe
Ritual Vernissagen, Parties und andere Formen des gemeinsamen Kommunizierens
Archetyp Ahasver, der ewig Ruhelose
Analogie der fliegende Holländer (Erlösung durch Liebe)
Kraftort in der Luft (Flugzeug); auf steilen Felsklippen im brausenden Wind
Kultstätte der Tempel der Athene (Parthenon)
Kraftfarbe Rauchgrau oder das durchsichtige Blau des Äthers
Kraftstein Rauchquarz, blauer Saphir
Duftessenz Lavendel-Patschuli-Mischung


SONNE IN HAUS 8
Der Magier/Das Opfertrauma

Wirf das lodernde Fleisch deiner brennenden Lust in die entzündete Glut, denn das 8. Haus steht für Gottes Fluch über Adam, Eva und die Schlange (viele sehen in der Schlange die wahre Herrin, die den Menschen zur Erkenntnis ihres Egos verhalf), die Sünde der Fortpflanzung (die geopferte Schlange), den blanken Zynismus der Inquisition, die das Böse im Namen des Guten verbrennt, für Magie und andere Formen von sexueller Energie (seelische Dominanz, körperliche Übergriffe) sowie die Hingabe an den Teufel selbst (Du-Fixierung). Indem du deinen eigenen Untergang herbeisehnst, suchst du den teuflischen Gott oder die würgende Schlange, kurz: den dunklen Schatten deiner eigenen Seele, der dein Opfer annimmt. Doch mit Sonne in Haus 8 bist du dein eigener Opfergott, der sich in der eigenen Vernichtung erlöst. Deshalb kann diese Konstellation auch als Erfüllung unbewußt negativer Wünsche gedeutet werden, die aus der spontanen inneren Angst entstehen, Tabus zu durchbrechen, alte Lebensstrukturen zu zerstören und über sich selbst hinauszuwachsen, um das Mysterium des Lebens zu ergründen und die Schöpfungsmuster zu erkennen. Denn so schrecklich Zerstörung auch sein mag, sie ist nie sinnlos, da sie immer der Folgerichtigkeit eines Prozesses entspricht, der letztlich zu einem neuen Aufbau auf festeren Strukturen führt. In diesem Sinn wird dein Weg ins Licht beständig von der Omnipotenz deiner Gefühle überlagert.


Symptome Höllentrauma, Exodus, Hang zu Gewalttaten gegen sich und andere; aus deren Verdrängung Zellwucherungen (Geschwulste), Einengungsgefühle (Herzsymptome) und Depressionen
Ritual der Gang in die Unterwelt (vorstellungsbedingte Nachtod-Erfahrungen) sowie symbolische Opferrituale
Archetyp Pythia, die Seherin Kassandra (Kassandrarufe) oder Hades, der Höllenfürst
Analogie Orpheus in der Unterwelt; die Hexen in “Macbeth”
Kraftort Tropfsteinhöhlen, unterirdische Seen
Kultstätte “Glühwürmchengrotte” von Waitomo (Neuseeland)
Kraftfarbe von Schwarz über Rot ins leuchtende Gold
Kraftstein schwarzer Opal
Duftessenz Pfeffer-Weihrauch-Mischung


SONNE IN HAUS 9
Der Tempel der Vorstellung

Hier finden wir die Bundeslade, die Abendmahlsschale, die Erleuchtung durch universale Erkenntnisse oder den ritualisierten Zugang zu höheren Mysterien, denn das 9. Haus ist das Haus des Glaubens, der Tradition und der Moral, kurz: das materielle Dach über dem spirituellen Tempel der Wahrheit. Diese Wahrheit suchst du aber nicht dort, wo sie ist, sondern dort, wo du sie vermutest; dabei vermutest du sie dort, wo du gelernt hast, sie zu vermuten, nämlich dort, wo du sie suchst. Und weil du sie immer dort findest, wo du sie suchst, suchst du sie immer dort, wo du sie vermutest, und damit findest du immer das, was du vermutest: nämlich die anerzogene religiöse Erkenntnis nach den Mustern der überlieferten kollektiven Vorstellung! Deshalb kommt der Mensch auch nie über seine Himmelreiche im Schrebergartenformat hinaus, aber wenn er das erkennt, erkennt er – und das wäre Erkenntnis! Denn Sonne in Haus 9 zeigt einen inneren Drang, die Umwelt geistig zu erziehen und zur “wahren” Erkenntnis hin zu dirigieren. Das führt zu einem Streben nach verstandesmäßiger Ausweitung, denn dieser Aspekt verkörpert intellektuelles Sehnen mit einer Vision von Zukunft, die das Ideal einer weltumspannenden Perspektive schon in sich trägt, und das wiederum entspricht der Fähigkeit des schöpferischen Geistes, sich den Flammen seines eigenen Erkennens zuzuwenden. Doch die Suche nach dem Licht ist wie eine Sucht: Die Droge, die einem dabei im Nacken sitzt, ist der Schatten selbst!


Symptome aufgeblähtes Ich-Empfinden, Melancholie aus Überfülle (Leberstörungen), Blasphemie, Standesdünkel, Drang nach Macht und Anerkennung
Ritual Predigt
Archetyp Amfortas, der siechende keltische Gralskönig, der durch Parzival erlöst wird
Analogie Abendmahl; Gralsrunde
Kraftort vor dem beleuchteten Kirchenfenster in der Nacht
Kultstätte Peterskirche und Petersplatz in Rom
Kraftfarbe Kardinalsrot, Blauviolett
Kraftstein Amethyst
Duftessenz Basilikum-Weihrauch-Mischung


SONNE IN HAUS 10
Der Gipfel des Olymps oder die Günstlinge der Sonne

Das 10. Haus ist die Stätte der Verantwortungs- und Bewußtseinsfähigkeit sowie der Anerkennung und Macht und weist im Zusammenspiel mit deiner Sonne auf die enorme Kraft feuriger Energien hin, auf das Streben nach Verantwortung (direkt hinauf auf den Gipfel), denn hier reflektiert sich dein züngelnder Drang, sich in seiner höchsten Schöpferkraft rücksichtslos zu verwirklichen, was oft gefährlich werden kann, wenn deinen äußeren Zielen ein Inhalt gegenübersteht, der mehr in kompensierenden Imaginationen wurzelt und weniger in der nüchternen Wirklichkeit. Die Verlockung ist groß, Bedeutung auf Kosten persönlicher Gefühle zu erringen, indem du an deinen inneren Bedürfnissen vorbeilebst und ein Opfer der Machtzwänge deiner äußeren Sinnfindungen wirst. Der Wille, der dich leitet, die Welt nach den anerzogenen Mustern von Recht und Ordnung zu gestalten, bringt dich innerlich in eine gewisse Nähe zu den überholten Werten des vergangenen Patriarchats. Diese enge Verbindung mit deinen verinnerlichten Leitbildern ermöglicht es dir, deine innere Leere durch ein typisches Über-Ich-Verhalten und deine seelische Schwäche mit einem fast biblischen Gerechtigkeits- und Strafbedürfnis zu kompensieren. Du möchtest dein soziales Überbild zur Entfaltung bringen und in den Fußstapfen der Gesetze die Höhenspitze erklimmen, um dort das große Weltgericht zu entzünden, das Gott Jahwe alle Ehre macht. Doch es ist die schmerzhafte Schwäre der wundgeschlagenen Welt, hohnlachend den Sphären der Götterdämmerung entsprungen, die nicht im fernen Walhall stattfindet, sondern in der atomar verseuchten Umwelt, im sterbenden Wald, in verpesteten Gewässern oder im sozialen Niemandsland der Betonburgen.


Symptome Streß, Überforderung, Erschöpfung (Herz- und Kreislaufschwäche), Versagensängste (Verengung der Herzkrankgefäße), Knochen- und Gelenkdegeneration
Ritual Bergsteigen, Marathon, Arbeit (als Therapie)
Archetyp der alte Weise (Methusalem, Nestor); das Gleichnis vom Sämann
Analogie Diogenes in der Tonne, der auf Alexanders Angebot hin, ihm einen Wunsch zu erfüllen, nur bat: Geh’ mir aus der Sonne!
Kraftort Berggipfel
Kultstätte Athos (“Heiliger Berg”)
Kraftfarbe Anthrazit
Kraftstein Onyx, Bergkristall
Duftessenz Weihrauch-Kampfer-Mischung


SONNE IN HAUS 11
Die Möwe Jonathan

Das 11. Haus steht für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Unabhängigkeit, Reform und Selbstverwirklichung (oft auch außerhalb der Norm und gegen die Belange der Gesellschaft). In Verbindung mit der Sonne läßt dies auf eine zwanghafte innere Hartnäckigkeit schließen, gegen alle Mauern anzurennen und sich den Schädel einzuschlagen, denn Sonne in Haus 11 ist der Hyperraum im Mikrokosmos der abtrünnigen Seele, wo der Mensch durch sich selbst hindurchstürzen und in sich selbst verschwinden kann, in den verrückten kleinen schwarzen Löchern seiner seelischen Abgründe. Du versuchst oft vergeblich, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, denn du bist in den Sog wankender Weltbilder geraten, ins Schreckensgewölbe einer Gesellschaft, die zusammenbricht. Dabei stehst du mit höheren Dimensionen in Verbindung und kannst unbewußt zu einem Wellenbrecher des noch unentdeckten Zeitgeists werden, wenn andere dem Geist der Zukunft noch völlig fassungslos begegnen, denn diese Konstellation beinhaltet auch das unbewußte Verlangen, die Norm zu sprengen, die Form zu zerstören und sich aus der Hülle des Alltäglichen wie die Möwe Jonathan in die Lüfte zu erheben.


Symptome Herzenge, Herzschwäche (Beengungspsychosen); Kreislauf-, Durchblutungs- und motorische Störungen; Gefühlskälte, intellektuelle Verwirrungen (Wahnideen)
Ritual Zeitreisen (“Zurück in die Zukunft”)
Archetyp Hermes, der Trickster, und seine “Söhne”: Odysseus, Sisyphus und Ikarus
Analogie der Flug des Ikarus
Kraftort Kornkreise; Dänikens Landebahnen für die Flugobjekte prähistorischer Götter
Kultstätte Cap Kennedy
Kraftfarbe Lichtblitz (brennendes Magnesium)
Kraftstein Tektit (Folgeprodukt eines Meteoriteneinschlags)
Duftessenz Zitronengras-Lavendel-Pfefferminz-Mischung


SONNE IN HAUS 12
Jenseits der Schwelle

Das 12. Haus repräsentiert Ewigkeitssehnsucht, Einsamkeit, Bewußtseinserweiterung, Transzendenz und verkörpert die spirituelle Versenkung im kollektiven Unbewußten, also die Tendenz nach Wahrnehmung dessen, was jenseits der Schwelle liegt. Im Verbund mit der Sonne führt dich das tief in die Urgründe der Schöpfung hinein. Du strebst nicht nach klaren Zielen, sondern nach einem Mythos, der in seinen metaphorischen, symbolischen und allegorischen Ummäntelungen ebenso unerschöpflich wie für das pragmatische Denken unverständlich ist. Erfaßt du ihn abstrakt, umgreift er nichts weniger als Anfang und Ende; untersuchst du ihn aber konkret, dann stellt er sich als das rätselhafte Nichts heraus, aus dem alles Göttliche hervorgegangen ist. In seinem negativen Ausdruck kann sich dieser Aspekt aber auch als Selbsttäuschung darüber manifestieren, was du real erreichen willst und was nicht. Aus der Illusion, die spirituelle Ekstase festhalten zu wollen, kommt es oft zur Flucht (Guru, Droge). Du kannst dich aber lösen, indem du dein Gebundensein an die Qualität deiner inneren Visionen freudig akzeptierst. Dann erlebst du eine Periode der inneren Klarheit und der Harmonie, denn die Sonnenenergie schafft den natürlichen Einklang mit der kosmischen Energie durch das hohe Prinzip ihres Wesens für alle auf spirituellen Wegen sich erkennenden Seelen: Ich bin die Zauberin, deren Zauber die Träume des Bewußtseins schafft: Alles ist in allem - nichts ist in mir!


Symptome verminderte Zurechnung durch Drogenmißbrauch (Halluzinationen, Teilnahmslosigkeit, Apathie), Erschlaffung (Eiweißabbau der Muskulatur), Lymphstau, Wassersucht, Ödeme
Ritual autogenes Training, Yoga
Archetyp Nereiden, Zikaden, verzauberte Totenseelen
Analogie Klingsors Zaubergarten
Kraftort All-Eins in den Wellen des Ozeans
Kultstätte Avalon; Santorin
Kraftfarbe Algengrün, Meerschaumweiß
Kraftstein Aquamarin, Jade, Smaragd
Duftessenz Sandelholz-Opium-Mischung



Mond
DAS SEELISCHE ERLEBEN

Der Mond, dessen Bild sich in hundert mit Wassern gefüllten Schüsseln spiegelt (Tschögyam Trungpa), verkörpert die unterirdischen Räume der Seele, die tiefen Brunnenstuben der Mütter und die unergründlichen Wasser weiblicher Geheimnisse. Er verleiht ein besonderes Hingabeverlangen. Um die Strahlen der Sonne in der Tiefe der Nacht zu empfangen und zu den düsteren Hainen Persephones hinunterzuziehen, um die verborgenen Quellen der Ungeborenen zu erschließen und die Wasser des Lebens mit dem Schöpferlicht zu verbinden, müssen die gefährlichen Kräfte und geheimen Schätze der Tiefe entdeckt und das innere Licht wieder ins Sonnenlicht heraufgeführt werden. Wenn die Sonne als Symbol jenes Prinzips betrachtet werden kann, das in den sichtbaren Auswirkungen menschlichen Verhaltens seinen Ausdruck findet, dann symbolisiert der Mond die geheimnisvolle Mondgöttin Selene (Luna), Schwester und zugleich Gemahlin des lebensspendenden Sonnengottes. Die Legende berichtet von ihrer abgöttischen Liebe zum schönen Endymion, den sie in seiner Höhle auf dem Berge Latmos im Schlaf zu küssen pflegte. Um dieser göttlichen Liebkosung ewig teilhaftig werden zu können, hatte sich Endymion von den Göttern ewigen Schlaf gewünscht. So, wie sie Endymion zwischen den Welten begegnet, so begegnet sie auch dir auf der Schwelle zwischen Innen- und Außenwelt, denn Luna ist die Ahnin, die die Geheimnisse seelischer Innenräume berührt und die Tiefenbilder der Seele beschreibt, die auf das Unbewußte ausgerichtet sind: auf den “Urbronnen” der Mütter, in den Faust hinabgestiegen ist, um den Ungeheuern zu begegnen: um in den Kröten, Würmern und Spinnen die Schattenanteile des verdrängten Weiblichen zu erkennen, das gleichzeitig die Basis allen Lebens ist.

Der Mond ist ein Symbol der Mütter, im hellen wie im dunklen Sinn, und die lunarische Seite in jedem Mensch strebt danach, sich mit dem Prinzip der Großen Mutter zu verbinden, um wieder einen Zugang zu den Urwurzeln zu finden. Er symbolisiert das Ungesehene in dir, die abgespaltenen Teile deines Selbst, die du ins Exil der finstersten seelischen Korridore verwiesen glaubtest, die jedoch in den Negativprojektionen deines Tagesbewußtseins ihr bequemes Domizil gefunden haben und dich von dort bedrohen, ohne daß du es wahrhaben willst. Sie sind aber nicht nur ein Symbol des Schreckens, sondern symbolisieren auch den Schrecken des Erkennens, wenn sich deine Angst in den Schächten des Abgründigen selbst begegnet und die negativen seelischen Bilder erkennt, die sie in den Raum um sich herum aussendet. Was im Schlaf die Träume bewirken, wenn sie die seelischen Schwingungen in Bilder umsetzen, das bewirken im Wachbewußtsein die mondhaften Launen, die dir alles in die Realität übertragen, was dir deine inneren Gesichter vorgaukeln.

Die Welt des Mondes ist nicht die Welt, die du durch deine Rationalität erfahren kannst. Sie ist kein dreidimensionales Gebilde, durchschaubar bis in die Haarspitzen der Mikrostrukturen, sondern sie enthüllt sich dir in der Trunkenheit der Sinne oder in deinen Träumen – und zwar in all ihren Paradoxien, Dichotomien und Antinomien. Während die Sonne nach Gestaltung und Ausformung des Willens strebt, geht das Streben des Mondes umgekehrt in Richtung Auflösung der Identität. Das hat weniger mit Realität zu tun als mit den Formen der Materie, deren Erscheinungen er widerspiegelt. Er symbolisiert die “gespiegelte Erscheinungsform der Welt”, was nur innerhalb des Denkens einen Widerspruch bedeutet. Jenseits polarer Denkvorstellungen versinnbildlicht er jene tiefe Einsicht in die Abläufe des Ewigen, aus dem sich deine Träume nähren und die dadurch zum Rahmen werden, in dem sich dir die Wahrheit darstellt. Jenseits solarer Denkvorstellungen symbolisiert der Mond die Urbilder, die sich über Traumerinnerung in dein Bewußtsein übertragen. Das entspricht dem Rahmen, in dem sich dir das Chaos zeigt, das teilweise zu erahnen ist, weil es einem übergeordneten Ganzen entspricht, von dem deine Träume wiederum ein Ausschnitt sind.

Der Träumer träumt, und der Träumer im Traum träumt sein Geträumtes, denn der Träumer ist sowohl Beobachter als auch Akteur, denn es gibt nichts, was außerhalb seines Traumes liegt. Er träumt die Urwasser des Lebens, aus denen sich alles Leben zeugt, was gleichermaßen göttlich und dämonisch ist, wenn man den Zyklus von innen her begreift. Somit wird die Illusion der realen Erfahrung an die Seite gestellt, und zwar im Grunde als gleichberechtigte existenzielle Erfahrung. All unser äußeres Streben dient im Prinzip nur dem Versuch, das Innere zu erhellen und es in seinen sphinxhaften Verschleierungen dem Vorstellungsbild des analysierenden Denkens einzuverleiben, denn die sichtbare Welt und ihr unsichtbarer Gott sind das Erscheinungsbild unserer Träume, weil alles, was wir wähnen, nur die Materialisation dessen ist, was wir träumen. Der Mond trinkt sein Licht aus dem unerschöpflichen Born des Unbewußten, das unseren Träumen, bevor sie sich zu erlebbarer Wirklichkeit gestalten, die inneren Urbilder und Archetypen zur Verfügung stellt. Sobald wir erkennen, daß die äußeren Handlungen nur das eine Ziel vor Augen haben – nämlich alle Vorstellungsinhalte auf die Ebene hinunterzuziehen, auf der sie sich selbst reflektieren, und sie dann damit in Übereinstimmung zu bringen, was sich tatsächlich in der Außenwelt vorfindet –, verbirgt sich die Wirklichkeit nicht mehr hinter der Ambiguität der Frage: “Was träumt Gott?”, sondern sie offenbart sich in der überraschenden Antwort: “Uns!”

Esoterisch gesehen erschließt die Mondstellung jenen Bereich, in dem du dich gern deinen triebhaften Reaktionsstrukturen auslieferst, in dem du dich nicht mehr als vernünftiges, zielorientiertes Wesen, sondern als instinktgebundene Wunschnatur begreifst, in der sich die innersten Urbilder nach Entfaltung sehnen, denn in der Begegnung mit der Mondgöttin entziehen sich dir die rationalen Bilder. Sie versinken in lunaren Perspektiven, wo sich jede Wirklichkeit als Maya, nämlich als materielle Verdichtung bloßer Denkvorstellung zeigt. In der Begegnung mit der Mondin spiegelt sich das “Urseiend-Weibliche”, in deren Formen alles fließend erscheint. Es ist, als ob du untergetaucht wärest in den Ozeanen des Unbewußten, und das entspricht auf der exoterischen Ebene dem Fötus im Mutterschoß, der noch wachsen muß, um ins Licht des Bewußtseins geboren zu werden. Es handelt sich um eine dunkle und dämonische Welt, die keinerlei Klarheit und Orientierung besitzt und die sich in Verwirrung und Gefühlsschwankungen ausdrückt. Der Mond symbolisiert das unerschöpfliche Kraftpotential der Psyche, das die inneren Urbilder und Archetypen zur Verfügung stellt, aus denen du deine Sehnsucht schöpfst. In dieser Sehnsucht verbrennen alle Grenzen, und Realität und Träume verschmelzen zu jener unbewußten Absicht, loszulassen und mit dem Ewigen wieder eins zu sein. Es ist eine Ebene, die sich mit den Werkzeugen deiner Sinne nicht erfassen läßt und die sich in allen Wesenheiten spiegelt, so daß sie den Anschein erweckt, selbst rational zu existieren. Dabei existiert sie gar nicht wirklich, sondern umkreist in einer unbeschreiblichen Gebärde “Alles-was-da-ist”, von dem deine begriffliche Welt nur ein Teil und deine Suche nach dir selbst wiederum ein noch kleinerer Ausschnitt ist. Der einzige Halt ist die innere Ahnung, die dich auf dem Pfad nach innen mit dem tiefen Wissen verbindet, daß alle Monumente menschlichen Strebens innerhalb des Ewigen nur ein Staubkorn sind.

Mond in den Zeichen
MOND IN WIDDER
Wasser/Feuer: Der Jungbrunnen


Thema gefühlsmäßige Extraversion
Ziel Lebensfreude, Liebe, Leidenschaft

Im Widder-Mond begegnen wir den unstabilen, unbeherrschten, introvertierten Flammen des Feuers oder der inneren Glut der Gefühle, die verzehrend, bodenlos und unkontrollierbar sind. Er repräsentiert den feurigen Bereich des Wassers, der sich in der Hitze brodelnder Sinnlichkeit ausdrückt, und ist ein Bild für die Seite in dir, die, überwältigt vom unbändigen Verlangen nach Liebe, sich oft den Triebinstinkten überläßt. Ursache dieses Verhaltens ist die schnelle Gefühlsentzündung, die wie eine Stichflamme emporfaucht und das Objekt der Begierde in Glut einhüllt, denn sobald eine neue Liebe “zündet”, stößt du die alte schnellstens ab. Widerstand aus der Umwelt schwächt dich nicht, sondern wird dir zum Jungbrunnen, der deine Energien nährt und dir die Batterien wieder auflädt. Denn das Streiten verlernst du nie, und wenn es richtig kracht und donnert, dann fühlst du dich so richtig wohl. In dir verkörpern sich Lebenslust, Freude am Sex, Ungebundenheit und erfrischende Spontaneität ebenso wie eine manchmal rücksichtslos wirkende Unbekümmertheit.

MOND IN STIER
Wasser/Erde: Die Große Mutter


Thema Wachstum, Sinnlichkeit, Suche nach gefühlsmäßiger Geborgenheit
Ziel Fülle und Überfluß, seelische Wärme

Die Flammen deiner Seele sind im Begriff, sich zu entzünden, die Impulse des Lebens tanzen in einem goldenen Feuer und die pulsierende Geistseele liebt mit solcher Macht, daß die Erde kocht und der Himmel zittert, denn hier befinden wir uns im Reich der sich ausformenden Weiblichkeit, der Blüte des Leibes, denn Mond in Stier symbolisiert die Seele der (Großen) Mutter, die für die innere Grundlage des Wachstums steht. Sie ist die Kraft, die Energie in Materie verwandelt, und treibt die Leiber ins Reich der Begierde, bis ihnen die totale Hingabe aus den Hautporen quillt. Deshalb erscheint dir, der du eine starke sinnliche Komponente besitzt, in der Erotik, Triebhaftigkeit und wucherndes Verlangen eine große Rolle spielen, das Leben auch wie eine fließende Ausdehnung, die unablässig aus sich selbst wächst: eine sich aus sich selbst gebärende Vergrößerung, die die Energien aus sich selbst schöpft und damit die Grundlagen für das Wachstum sichert. Es ist die himmlische Jungfrau, ins Monumentale entrückt, die aus höheren Sphären befruchtet wird. Sie ist in den Schimmer eines visionären, von innen nach außen streuenden Lichtes getaucht und ins Gewaltig-Göttliche erhoben und damit ein Symbol für die Mutterschaft. Es ist die Große Mutter, aus der alles Leben geboren wird und zu der es am Ende seines Zyklus wieder zurückkehren wird, und ihre ureigenste Aufgabe ist es, den anfänglichen Schöpfungsimpuls ins Leben strömen zu lassen, indem sie sich selbst krönt durch den heiligen Schöpfungsakt der Geburt.

MOND IN ZWILLINGE
Wasser/Luft: Der Spiralnebel


Thema einfühlsame Kommunikation, schnelles Eindringen in die Gefühle des anderen, sprudelnde Ideen und Gedanken
Ziel emotionale Erkenntnis (verstandesmäßiger Zugang zu den Gefühlen und umfassende Sichtweise durch rationale Kontrolle)

Dein Zwillings-Mond, in dessen Inhalt sich das Licht in ständig neuen Selbstbespiegelungen bricht, zerstäubt die Strukturen des Denkens und verwandelt den pulsierenden Strom sich verändernder Bilder in ein inbrünstiges Sehnen nach Verschmelzung. Darin teilt sich der Verstand der Seele mit: Ist doch der Mond die Himmelstreppe, die in das Allerheiligste führt, der Spiralnebel, aus dessen Entwindungen sich das Gesicht embryonaler Entrückung schält, oder die Schwelle, auf der deine Seele wie ein Fötus wartet, bis sie für den Himmel reif geworden ist. Bisweilen erlebst du ein von deinen Gefühlen abgespaltenes Denken oder ein von den Denkmustern getrenntes Fühlen und damit die Diskrepanz zwischen Seele und Geist. Wenn du deine Zeit damit vertrödelst, diese beiden Opponenten, die sich dir hartnäckig verweigern, zwanghaft zu verbinden, erreichst du nichts. Wenn du aber ein gewisses Maß an innerer Spannung als notwendige Folge dieser Stellung akzeptierst, dann verleiht dir dein Mond Mut, Witz und geistreiches Reagieren gegenüber den intellektuellen und gefühlsmäßigen Ansprüchen deiner Umwelt. Es wird dir mit der Zeit gelingen, mit der reinen Erkenntniskraft Annäherungen an den ungreifbaren Gefühlsbereich zu finden, wo sich Fühlen und Denken nicht mehr nur gegenseitig ausschließen oder behindern.

MOND IN KREBS
Wasser/Wasser: Der Schöpfungsquell


Thema die beschützende Glucke (Familie, Herkunft, Tradition)
Ziel warmes Nest (Sicherheit, Geborgenheit, Erlebnistiefe)

Im Fluidum dieses geheimnisvollen Mondes spiegelt sich der unerschöpfliche Durst nach den Lebenswassern, die dem Schöpfungsquell des Ewigweiblichen entspringen. Diese Sehnsucht, die aus dem (embryonalen) Verhalten herrührt, mit der Mutter eins zu bleiben, wird mit dem unstillbaren Wunsch nach Geborgenheit verknüpft. Der Blick ins Innere oder das Schauen in die Tiefe ist der weibliche Weg zur Wahrheit. Darum stellt sich hier die Seele in den Vordergrund. Hier sind die Geheimnisse seelischer Innenräume bebildert, denn sobald der Geistfunke die Erde berührt, verstrickt er sich in der Materie. Doch die Jagd nach materiellen Werten füllt deine Seele nicht aus, denn zu oft hast du erfahren, daß du das, was du äußerlich anstrebst, gar nicht wirklich willst. Du suchst Einfühlungsvermögen und Erlebnistiefe, keine emotionalen Abenteuer, und wenn du das erkennst, bist du am Ziel. In der Tiefe der Seele ist dein Mond weit mehr als eine Beschreibung emotionaler Erfüllung, denn er steht für die Begegnung mit dem Urweiblichen. Diese Quelle der Mütter ist es, die Faust suchte, und die Goethe sagen ließ: Das Ewigweibliche zieht uns hinan!

MOND IN LÖWE
Wasser/Feuer: Der züngelnde Eros


Thema Ausstrahlungskraft, Energie und Leidenschaft
Ziel Liebe und Sexualität, schöpferische Vision

Da dich im Bannkreis des Löwen die Flammen der Intuition von innen her erfüllen, bist du naturgemäß für manche der Inbegriff der Selbstüberschätzung, Angeberei und Arroganz. Doch das ficht dich nicht an, denn du schwingst um deine innere Mitte – Mond in Löwe repräsentiert eine unwiderstehliche Persönlichkeit, die ihre Umwelt zu begeistern weiß: Entweder bist du ein großer Casanova, der die Herzen der Frauen betört, oder eine starke Herrscherin, der die Männer zu Füßen liegen. Die unmittelbare Erkenntnis, daß die Liebe die Verbindung zum Göttlichen ist und die Sexualität Ausdruck des Schöpferwillens in dir, läßt dich in einen Zustand der Entrückung geraten, der alle Schranken deiner Vorstellung sprengt. Bist du aber erst einmal richtig in Liebe entbrannt, dann ist das wie das Auflodern eines riesigen Feuerstoßes, dessen Flammen den Objekten deiner Liebe nach der Seele züngeln, nur brauchst du von ihren Begierden dauernd “Holznachschub”.

MOND IN JUNGFRAU
Wasser/Erde: Die soziale Hygiene


Thema Anpassung, Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Sorgfalt
Ziel Ordnung durch Kontrolle, Läuterung durch Pflichterfüllung, Umsicht durch Neutralisierung der Gefühle

Dein Jungfrau-Mond steht für den harmonischen Einklang von Körper, Seele und Geist und bedeutet, daß du dich im Für und Wider mit dir selbst im Einklang wähnst, weil du die Schwingung jeder Situation neutralisieren und daher realistisch beurteilen kannst. Du suchst das richtige Maß und die fließende Harmonie und verzichtest dafür gern auf die Geste einer feurigen Gebärde, weil du glaubst, daß niemand Aussicht auf inneren Frieden und harmonische Liebe haben wird, der sich planlos den Gefühlen (anderer) überläßt. In deiner seelischen Ausrichtung finden wir ein übertriebenes Streben nach Ordnung, die Angst vor Chaos und der damit verbundene Drang, die Gefühle zu organisieren und zu analysieren, um sie vermeintlich besser zu kontrollieren. Das Fließen des Mondes (Die Wahrheit braucht keinen Halt, keine Struktur, alles geschieht unmittelbar aus sich selbst heraus) kümmert die Jungfrau nicht, weil ihr das zu verschwommen und abgehoben ist. Sie widerspricht: Nur wer das Ziel der vollkommenen Lauterkeit in sich spürt, der ist in der Lage, die Triebinstinkte zu läutern und sein inneres Tier zu bändigen. Deshalb verhindert Mond in Jungfrau das freie Fließen von Gefühlen und repräsentiert Pflichterfüllung, Unterwerfung und die behutsame Anpassung der Gefühle an die Bedingungen der Umwelt.

MOND IN WAAGE
Wasser/Luft: Die Vogelperspektive


Thema die Anziehung der Gegensätze und das Streben nach Vielfalt in der Einheit
Ziel Ausgleich zwischen Geist und (Gefühls-)Natur

Wenn die Sonne in Waage das bewußte, mehr verstandesbezogene Verstehen der Ordnungskräfte ausdrückt, verkörpert der Mond das seelische Verstehen, die innere Einsicht und das damit verbundene Vertrauen in die Gesetzmäßigkeiten der Schöpfung. Er drückt die Anziehung der Gegensätze aus, die Sehnsucht zwischen Mann und Frau, um die verlorene Einheit wiederherzustellen, den Zustand vor der Vertreibung aus dem Paradies. Mit dem Sündenfall zerbrach die Einheit zwischen Gott und Schöpfung, Mensch und Natur, und seither stehen sich diese als Polaritäten unversöhnlich gegenüber. Aufgrund ihrer inneren, wesenhaften Zusammengehörigkeit ziehen sich alle Gegensätze jedoch wiederum unwiderstehlich an. Mond in Waage steht also für das universelle Streben der Vielheit nach der Einheit auf der Ebene der Seele, des Leibes und des Geistes. Er ist aber nicht nur ein Aspekt der Hoffnung, des unbewußten Lebenswillens und des Einblicks in die höheren Zusammenhänge; er steht auch für das unbewußte Sehnen, sich dem Strömen der kosmischen Energien hinzugeben, denn hier geht es dir um tiefere Einsichten in größere Zusammenhänge, durch die du über die Enge deines unmittelbaren Gesichtskreises hinauswachsen kannst. Es ist dies das Wähnen im kühlen Entschweben, um sich dem Leben zu nähern. Du ziehst dich auf die Wolkenebene zurück, von der aus sich die Hindernisse im Leben besser überschauen lassen. Dort oben eröffnen sich dir dann die Ausblicke ins Leben, die Wellen vor dem Bug deines Lebensschiffchens und die Sicht auf die Ausuferungen künftiger Schicksalswellen.

MOND IN SKORPION
Wasser/Wasser: Das Seelen-Klosett


Thema Regeneration, Wandlung, Begegnung mit dem Schatten
Ziel Okkultismus, Erkenntnis des wahren inneren Selbst

Dieser finstere Abgrund zeigt an, daß du innerhalb der Gefühle auch die dunklen Seiten berührst und Erfahrungen sammelst, in denen du dir deiner Unfreiheit und Abhängigkeit bewußt werden kannst, denn er repräsentiert das “stinkende Klo” (die Zersetzung der Gefühle) oder die Tochter der Hölle, die die Flammen der Liebe auf dem Altar der Vernichtung zelebriert. Manchmal sind Besessenheit, Machtgelüste und Übergriffe angesprochen, die in ihrer kristallenen Schwärze schon wieder faszinierend erscheinen, manchmal aber auch fixe Ideen, denen du zwanghaft nachjagst, oder dein Skorpion-Mond mag ausdrücken, daß du Furcht vor dem Bösen hast, ohne zu verstehen, daß du dabei nur in den Spiegel deiner eigenen Seele schaust. Die Notwendigkeit, alte Lebensstrukturen zu eliminieren, um sich dadurch neu zu formen, und der Drang, Tabus zu durchbrechen und über sich selbst hinauszuwachsen, um das Mysterium des Lebens zu ergründen, kann bis zur Idee der Selbstvernichtung führen. Es ist, als ob du durch das Feuer hindurchgehen müßtest, um zu bemerken, wie auch die verbrauchten Gefühle in ihr ursprüngliches Element des Unbewußten zurückkehren müssen, um wieder neu aus den Ruinen auf erstehen zu können.

MOND IN SCHÜTZE
Wasser/Feuer: Die Gnade Gottes


Thema Großmut, Güte, soziales Empfinden
Ziel geistige und seelische Harmonie

Der unverwüstliche Idealismus des Schützen fühlt sich der schöpferischen Meditation des Mondes verpflichtet, und der Mond wiederum fühlt sich von der Ausdehnung und Weite des Schützen berührt. Mit der Triebkraft der Begeisterung vermögen sie sich gegenseitig zu entflammen und auf Ziele einzustimmen, die auf schöpferisches Wachstum ausgerichtet sind. Gebannt erzitterst du dann vor der Gnade Gottes, welche die Sehnsucht der Menschen aus sich hervormahlt, die Sehnsucht, die in ihrer Geheimnishaftigkeit weder intuitiv erahnt noch emotional erfahren noch geistig erfaßt werden kann, ist sie doch selbst ein Urgrund von Ängsten und Hoffnungen, der die Bilder höchster Erhabenheit und tiefster Verworrenheit hervorzaubert, mit denen deine Vorstellung dann schwanger geht. Da der Mond im Schützen all dies selbst gebiert, ist er – ohne selbst Bild zu sein – die hinter den Bildern wirkende Gefühlsenergie, die deine Vorstellung nährt. Er schafft ein Gefühl für die Netzwerke des großen All-Bewußtseins, und er stattet dich mit der Gewißheit aus, intuitiv und hochsensibel mit dieser feingesponnenen Organisation umzugehen. Ob aber mit Hilfe schamanistischer Rituale die Erde geheilt oder mit religiösen Modellen Einblick in das große Ganze gewonnen werden soll: immer ist es die Rückbindung an das innere, ureigenste Göttliche, das durch diesen Mond zum Ausdruck kommt.

MOND IN STEINBOCK
Wasser/Erde: Der alte Knigge


Thema Besonnenheit, Verschlossenheit, Verantwortung; Pflichtbewußtsein, Selbstbeherrschung, Zurückhaltung (emotionale Abgrenzung)
Ziel Kristallisierung der Gefühle (Sicherheit, Fixierung, Stabilität)

Im Steinbock-Mond zeigt sich das seelische Erscheinungsbild einer sich in ihrem Selbstausdruck behindernden inneren Natur. Du richtest dich nicht mehr an der lebendigen, instinkthaften Gottheit, am Wurzelchakra oder Steiß der Schöpfung aus. Vielmehr bindest du dich an den Geist konventioneller gesellschaftlicher Inhalte. Doch damit verhinderst du das Leben, denn in deinem Bild der Ordnung, an das du dich bindest und in dessen Bann stehend du deinen Geist in Ketten legst, drückt sich nichts als die Furcht vor dem Leben aus. Anstelle der Eltern unterwirfst du dich einer Autoritätsperson oder einer gesellschaftlichen Institution, deren Anordnungen du befolgst, wofür du wiederum Belohnung erwartest; oder du machst umgekehrt ein geeignetes Opfer von deinen seelischen Übergriffen abhängig, um es in den erzieherischen Schraubstock deiner gefühlsblockierten “Wohlanständigkeit” zu pressen. Aus Angst vor dem Leben bestrafst du das Kindliche, da du einen Schuldigen dafür brauchst, weil du nicht imstande bist, das Leben wirklich zu leben. Dabei kannst du erfahren, wie schwer es ist, eigene Gefühle zu entwickeln, wenn man diese nicht an die konventionellen Prägungen gesellschaftlicher Umgangsformen anlehnen kann. Deine Seele versteckt sich hinter einem schützenden Panzer, um sich vor den Angriffen zu schützen, weil sie nicht gelernt hat, ja zu sagen: ja zu sich selbst und zu ihrer Pein als Auswirkung der Abgeschnittenheit von ihren Wurzeln.

MOND IN WASSERMANN
Wasser/Luft: Der Regenbogen


Thema Streben nach Reformen und Aufhebung von gefühlsmäßigem Rollenverhalten
Ziel Aufbruch zu neuen Ufern und Einsicht in die Geheimnisse der Welt

Im Wassermann-Mond vermählen sich die geheimnisvollen Rätsel der Sphingen mit den dunklen Orakeln der Sibyllen, die aus dem Schoß des Unbewußten ins Licht aufsteigen und in deren betäubender Umarmung das gefühlsmäßige persönliche Erleben zerstäubt. Das Ziel besteht darin, schrittweise die Verspiegelungen psychischer Tiefen zu erkennen, deren komplexe Täuschungen dir durch die Stellung deines Mondes allmählich zu dämmern beginnen. Die Erkenntnis ist wie ein visionärer Strahl des Lichts: Du erlebst dich als ein Botschafter des Universums, Kurier eines neuen Äons, Träger einer kosmischen Ordnung, Teil des Ganzen und zugleich in gewisser Weise auch das Ganze selbst, und dieses innere Gespür gibt dir die Möglichkeit, neue Perspektiven zu erkennen, ohne den Blick fürs Ganze zu verlieren. Neue Einsichten helfen, alte Widersprüche zu überwinden, und führen oft zu unkonventionellen Lösungen, weil unvereinbare Gegensätze und Gesichtspunkte plötzlich zueinanderfinden und sich zu Sichtweisen zusammenbinden, in denen neue Horizonte dämmern. Das entspricht einem kosmischen Bewußtsein, das alles miteinander verbindet, was zusammengehört, und in dem alles Sichtbare nur kosmische Formen sind, die auftauchen und wieder verschwinden. Immer und immer wieder.

MOND IN FISCHE
Wasser/Wasser: Die versunkene Kathedrale


Thema Feinfühligkeit, Sensitivität und inneres Schauen: Sehnsucht nach Vereinigung mit dem Kosmos
Ziel die geheimnisvolle, unergründliche Tiefe und die beflügelnde Sehnsucht innerer Gesichte

Das bleiche Mondlicht, das sich auf dem schäumenden Meer deiner Gefühle und Empfindungen spiegelt, versinnbildlicht die Erschließung deiner inneren Bilder und das tiefe Eintauchen in die unbewußten Bereiche des Selbst. Es repräsentiert das Bild eines Menschen, dessen Betonung weniger auf der Mütterlichkeit der Natur als vielmehr auf ihrer instinktiven inneren Weisheit liegt. Der Mond im reflektierenden Gewässer der Fische bescheinigt dir ein mediales Wesen mit hohen Idealen und großem Einfühlungsvermögen, das auf der einen Seite die Seelen seiner Mitmenschen berührt und dir hilft, deine inneren Herzensströme wie die Frühlingsgewässer nach dem kalten Winter wieder zum Fließen zu bringen. Auf der anderen Seite verkörpert er aber auch die Gefahr, sich in unerfüllbaren Wunschbildern zu verlieren, denn der himmlische Pfad, der zu den Geistern der Tiefe in den versunkenen Kathedralen hinabführt, ist nur ein Traum, ein trügerisches Hirngespinst wie ein U-Boot, in das du einsteigen kannst, um in die Sehnsucht einzutauchen: in die diffuse Versponnenheit einer irrationalen Vision.

Mond in den Häusern


MOND IN HAUS 1
Der weiße Lotus oder die Wiedergeburt des Lichts

So wie die Sonne die Schöpferkraft verkündet, die sich aus sich selbst zeugt, so symbolisiert der Mond das Gefühl des Herzens, das sich in die Welt ergießt. Er hat keinen Anfang und kein Ende, sondern er leuchtet an der Wiege des Lebens und an der Schwelle des Todes, denn er steht auch für die Finsternis der Nacht als Voraussetzung für die Wiedergeburt des Lichts. Er wächst aus einem weißen Lotus hervor, der seinerseits wie eine Fontäne aus der Tiefe emporsteigt und dein Herz mit Lebenswasser füllt, denn das 1. Haus steht für Prozesse der Ichfindung und der körperlichen Aggressivität und reflektiert im Zusammenspiel mit deinem Mond die empfindsame und etwas bange Hingabe an die gröberen (stofflichen) Bedürfnisse der Welt. Er ist ein Wegweiser auf dem Pfad der Erleuchtung, der nicht nur auf die Gewässer des Unergründlichen zeigt, sondern gleichzeitig über sich selbst hinaus auch auf die Urbilder weist, die über die Träume in dein Bewußtsein fließen. Mond in Haus 1 schimmert in einem milchigen Licht, und er schildert dir die Wahrheit, die über die Durchsetzung und die Ichfindung des Egos hinausweist: daß alle Wege menschlichen Strebens innerhalb des Ewigen nur ein unbedeutender Bruchteil jenes Numinosen sind, das Anfang und Ende miteinander verbindet und das ewig gültig, aber auch für unser Denken auf ewig unergründlich bleiben muß. Auf daß die Wirklichkeit ein bißchen mehr “weniger wirklich” bleibt als die von dir verwirklichte Wirklichkeit!


Symptome unbewußte Ängste, abgründige Sehnsüchte (Suchtverlangen) und unterschwellige Ohnmachtsgefühle
Ritual das Feuer der Hingabe
Archetyp die befreite Seele; das innere Kind
Analogie die schöne Helena
Kraftort Sandkasten; Turnierplätze (schon im Mittelalter krönte die Tochter des Königs den heldischen Sieger mit einem Lorbeerkranz)
Kultstätte die Allee von Sphingen mit Widderköpfen, die Karnak mit Luxor verbindet
Kraftfarben frisches Hellrot, leuchtendes Orange
Kraftstein rote Koralle
Duftessenz Rosmarin-Zedernholz-Mischung


MOND IN HAUS 2
Die Befruchtung oder die süße Lust

Hier gründelt dein Mond in den körperwarmen Gewässern der Brunst und träumt von der lebendigen, nährenden Seite der physischen Lust. Du siehst, wie sich ein weibliches und ein männliches Wesen umarmen, Mund auf Mund, Leib an Leib, Finger in weichem Fleisch, Sperma auf dem blassen Teint. Da erkennst du die Larven als Adam und Eva, Vater und Mutter, die dich aus ihrer Mitte hervorbrachten. Während ihre Leiber sich umtanzen, umarmt dich eine zauberhafte Fee. Sie zeigt dir den Akt der Befruchtung der Materie und illustriert dir die zyklische Erneuerung der Erde, die Kraft des Wachstums oder Werdens, die innerhalb der materiellen Sphäre zum Ausdruck kommt. Lustvoll bindest du dich an die Erde und bringst dich um nichts, was das Leben voll und stark werden läßt: intensive Genüsse, umfassende Erfahrungen, große Exzesse. Dabei kennst du keine abgehobenen Ideale, denn du weißt deine Ziele und Prinzipien mit durchaus irdischen Mitteln zu vertreten: Du besitzt jene emotionale Kraft, die sich nach körperlicher Erfüllung sehnt und die im Austausch mit der Umwelt gleichermaßen Lust wie Harmonie anstrebt. Das bescheinigt dir im Leben Fülle und Überfluß, Glück und Wohlstand, denn Mond in Haus 2, der sich durch eine emotionale Ausdehnung auszeichnet und auch Aufblähung und plumpe Genußsucht in sich birgt, ist ein Symbol für den menschlichen Drang nach Erweiterung, ganz egal, ob sich dies in körperlichen oder seelischen Bahnen abspielt.


Symptome Schlemmereien, Blähbauch, ungenügende Entschlackung, träger Stoffwechsel, Fettsucht, Abneigung gegen körperliche Bewegung
Ritual Nahrungsaufnahme, Befruchtung
Archetyp Venus von Willendorf
Analogie der süße Brei
Kraftort Speiserestaurant, Biergarten
Kultstätte das Ischtartor in Babylon mit seinen Stier- und Löwenmotiven
Kraftfarbe Hautfarbe
Kraftstein Rosenquarz
Duftessenz Sandelholz-Ylang-Ylang-Mischung


MOND IN HAUS 3
Das Laufgeschirr der Seele

Vielleicht liegt dein Fehler darin, daß du zuviel darüber nachdenkst, warum das Leben so ist, wie es ist. Hierin findest du zwar keine Wahrheit, aber es ist zumindest der Versuch, deine Gefühle zu kontrollieren und sie in deiner Umgebung gut zu präsentieren. Das Talent, in verschiedenen Zungen zu reden, d.h. mit jedem in dessen Sprache zu kommunizieren, verführt dich dazu, die Gefühle durch die “Vorstellung der Gefühle” zu leben und dadurch zu intellektualisieren und zu zerreden. Doch dieses stolze Sich-Absondern, bei dem du in Gefühlen und Gedanken um dich selbst kreist und immer nur über das Unvermögen deines eigenen Erkennens reflektierst, schafft ständig neue Leere, aus der sich wiederum der Wunsch nach intellektueller Kontrolle der Gefühle speist. Eine emotionelle Öffnung gegenüber anderen ist nur dort möglich, wo eine gemeinsame Basis auf der denkerischen Ebene besteht. Deshalb der Rat: Laß dich von einer Mondfee am Laufgeschirr deiner Seele, die gerade die ersten tastenden Schritte in die Bezirke der Gefühle unternimmt, in die Höhe heben, und segle schwerelos wie ein Embryo im Fruchtwasser durch Raum und Zeit. Paß aber auf, daß du nicht in den Abgrund stürzt, wenn du den Boden unter deinen Füßen wegilluminierst!


Symptome Nervosität, Erregung, Redeneigung (Gefühle werden durch die Ratio ersetzt und emotionale Ängste hinter verbalen Unverbindlichkeiten versteckt)
Ritual Wind in den Haaren, Wandern über dem Nebelmeer
Archetyp der kluge Rabe
Analogie die kluge Else
Kraftort Türme (Hinunterschauen in die Tiefe)
Kultstätte Manneke Pis (Brunnen mit Bronzefigur hinter dem Rathaus am Brüsseler Grote Markt)
Kraftfarbe Hellgelb, Hellblau, Hellgrau (leichte, luftige Farben)
Kraftstein Glasperlen
Duftessenz Melissen-Zitrus-Mischung


MOND IN HAUS 4
Der Mutterbrunnen

In deiner Seele spürst du oft das urzuständliche Gefühl aufsteigen, aus Raum und Zeit hinauszutreiben und in der Urmütter Brunnenstuben einzutauchen, denn Mond in Haus 4 will dir einen Blick hinter den Spiegel, ins Reich des Unbewußten hinein, gewähren. Unter guten Voraussetzungen verkörpert dieses Gestirn das Optimum dessen, was du an innerem Seelenfrieden erreichen kannst. Das zeugt von der Absicht, Widersprüchliches im Herzen auszugleichen und es zum Wissen zu vereinen, daß alles irgendwo im Leben seinen tiefen Sinn besitzt. Der Glaube an die innere Ordnung schürt das seelische Empfinden, sich mit der Umwelt stets harmonisch zu verbinden, was sich in Toleranz und Güte ausdrückt. Du richtest dich nicht mehr an äußeren Dingen, sondern an deinem inneren Empfinden aus und strebst nach einem inneren Erkennen, das sich selbst höchstes Gesetz ist. Es hört den Ruf der Seele, aufzubrechen und alle Räume der Erkenntnis zu entdecken, die es gibt, und du begibst dich auf den Weg, dich lebendig zu fühlen und das Leben in Übereinstimmung mit dem Ewigen zu bringen, und zwar durch das Erkennen von inneren Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten. Trotzdem bleibst du nicht selten in schwärmerischen Übertreibungen, zu hoch gegriffenen Idealisierungen und ablenkenden Wunschvorstellungen hängen, denn oftmals kollidieren die Ideale kosmischer Sinnfindung mit der weltlichen Familienbindung, und es wird dir klar, daß hinter diesen überhöhten Gefühlen oft auch fehlende Geborgenheit und die Leere innerer Zugehörigkeit steht.


Symptome Stimmungsschwankungen, seelische Belastungen, starke Gefühlsprojektionen (Hysterie), Gastritis
Ritual Versinken im Unbewußten, Säugen an der Mutterbrust
Archetyp Erda, die Urmutter
Analogie Frau Holle
Kraftort Sümpfe, Quellen, tiefe Brunnen
Kultstätte Quellheiligtum Wallenborn (brodelnde Schwefelquelle)
Kraftfarbe milchige Pastelltöne (Eierschalen)
Kraftstein Milchopal, Mondstein
Duftessenz Anis-Amber-Mischung


MOND IN HAUS 5
Die erotische Selbstdarstellung oder das innere Feuer

Dein Herz schlägt für Aphrodite, die griechische Liebesgöttin, die aus der Pose erotischer Selbstdarstellung handelt, ohne bindende Absicht, solange die züngelnde Flamme der Leidenschaft anhält. Es schlägt für die sengende Macht des inneren Feuers, wenn ihr betäubender Hauch deine Seele berührt, deshalb ist es für dich auch ein Akt höchsten Genießens, wenn sie dich mit ihrer lustvollen Sehnsucht umgarnt. Dein Herz schlägt aber nicht nur für die sengende Macht des libidinösen Feuers, das alles verbrennt, was es berührt, sondern es schlägt auch für die von innen her aufsteigende Lebenskraft, die kraftvolle, lebensbejahende Energie, die alles durchdringt und dabei Lebenslust, Vitalität und jugendliche Frische zum Ausdruck bringt.


Symptome Divergenz zwischen Fühlen und Wollen, sexuelle Verspannungen aus der Diskrepanz zwischen Aggression und Hingabe
Ritual Orgasmus
Archetyp Aphrodite
Analogie Geburt der Venus
Kraftort Rosengarten
Kultstätte der Löwenhof in der Alhambra
Kraftfarbe Granatapfelrot
Kraftstein Granat, Rubin
Duftessenz Neroli-Lavendel-Mischung


MOND IN HAUS 6
Das Modell der Harmonie

Auf der spirituellen Ebene läßt sich dieser Mond auch als Öffnung bezeichnen, durch die man das Modell der Welt als Modell der Harmonie erkennt, denn er symbolisiert die Transformationsfläche, auf der sich das Unzusammenhängende jetzt strukturiert. Weil die Welt der Harmonie aber ein Ideal ist, das mehr mit den inneren Wünschen als mit der äußeren Wirklichkeit zu tun hat, kannst du hier sehen, wie du immer von der Perspektive abhängig bist, d.h. davon, wie du glaubst, daß die anderen die Welt anschauen. Dabei vermag dein Intellekt die Gefühle nicht immer in den Griff zu kriegen, wodurch sich irrationale Handlungen in den Alltag einschleichen. Unterschwelliges Gefühlsverhalten wird in deine Erinnerung hochgespült, um dort von den Denkmechanismen sortiert zu werden, denn dein Mond im 6. Haus ist nichts anderes als der Versuch, die unstrukturierten, gefühlsmäßigen Taten und Entscheidungen in die vielfältigen Schubladen deiner Denkmodelle einzureihen. Solange du dir nicht eingestehen willst, daß dein Gefühlswert von den Bildern abhängig ist, die dir andere vermitteln, haben wir hier eine vollständige Auslieferung an die eigene Vorstellung, die sich aus deinem Fühlen, was die anderen denken zusammensetzt. Gerade weil es dir gelingt, deine Verdrängungen mit den Vorstellungen der Gesellschaft in Übereinstimmung zu bringen, stellt sich hier die Frage: “Wie unvernünftig ist Vernunft?”


Symptome Stilisierung, Distanzierung und Unterkühlung (aus Angst vor Gefühlen); Formalismen, gefühlsmäßige Unverbindlichkeit
Ritual Reinigung, Energieübertragung (z.B. heilende Energie auf verseuchte Erde)
Archetyp die heilige Maria
Analogie das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Matthäus 13,24-30)
Kraftort Biotop, Schrebergarten
Kultstätte Lourdes
Kraftfarbe helle Erdfarben (Beige)
Kraftstein Rhodonit, Tigerauge
Duftessenz Salbei-Nelken-Mischung


MOND IN HAUS 7
Die Masken von Venedig

Mond in Haus 7 ist ein Bild für jene Seite in dir, die die Verbindung mit der Umwelt sucht. Durch die Schöpfung wurde die ursprüngliche Einheit in zwei Pole auseinandergerissen; sie stehen sich seither als Yin und Yang gegenüber und ziehen sich gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit an. Deshalb begegnest du der Welt mit einem großen Bedürfnis nach Nähe und Verständnis, denn du benötigst die Außenwelt, die dir deine Identität reflektiert und dir den Teil an Eigenliebe zukommen läßt, den du dir selbst nicht zu geben vermagst. Das wirkt sich in deinem Verhalten aus, indem du dich in allem nach der Außenwelt ausrichtest. Das heißt: Weil du glaubst, ohne Beziehung nicht leben zu können, lieferst du dich der Beziehung aus, indem du deine Individualität nicht selbst lebst, sondern sie in einen Beziehungsrahmen überträgst, dem du dich in allem auslieferst. Mehr noch: In Wirklichkeit machst du dich gar nicht abhängig, weil du nur unverbindliche und oberflächliche Beziehungen pflegst, die du jederzeit austauschen kannst, sobald sie deine Erwartungen nicht mehr erfüllen. Weil du das aber nicht wissen darfst, damit der Verdrängungsmechanismus weiter funktionieren kann, siehst du jede flüchtige Berührung immer als letzte elysäische Erfüllung an!


Symptome fehlende innere Geborgenheit, Launenhaftigkeit, emotionale Labilität (psychogen bedingte Nierenstörungen, Drüsendysfunktionen, Oligurie)
Ritual Chymische Hochzeit
Archetyp der Zwitter
Analogie im Hermaphroditen verbinden sich die Polaritäten der Geschlechter zu einer einzigen Gestalt, und das entspricht auf der geistigen Ebene dem Transzendieren der Gegensätze der Erscheinungswelt
Kraftort Brücken (Verbindungen zwischen den Polen)
Kultstätte Omphalos, der Heilige Stein in Delphi
Kraftfarbe Himmelblau bzw. kaltes Himmelsgrau
Kraftstein Sternsaphir, Sodalith
Duftessenz Fenchel-Rosen-Mischung


MOND IN HAUS 8
Die schwarze Isis/ Der kastrierte Sohn

Der Mond im 8. Haus zeigt das zerstörende Weib, das ihr eigenes Selbstbild im Bild des anderen schmerzvoll transformiert, oder den durch die Göttin kastrierten Sohn, der durch den Verlust seiner Männlichkeit und die schmerzende Wunde am eigenen Leib den Weg der inneren Überwindung erfahren kann. In ihrem Schoß bist du der verschlingenden Mutterkraft verbunden, was im Zusammenhang mit den Karma-Gesetzen und Wiedergeburten betrachtet werden muß, denn in der Tiefe deiner Seele leuchtet in einem höllischen Lichtschlund das himmlische Bild der schwarzen Isis auf, eine sinnverwirrende, abgründige Gestalt, die aus dem Feuer der Verschmelzung einen intrazellularen Flächenbrand entfacht. Zwar bist du immer wieder in der Lage, neue Fundamente für deine zerstörten Gefühle zu errichten, doch bis die alten Hüllen sinnentleerter Emotionen restlos überwunden sind, versuchst du die anderen in okkulte Machtspiele zu verstricken und damit als (sexuelle) Opfer den Forderungen deiner Seele zu verpflichten, in deren Abgründen du dich lustvoll und mit dämonischer Kraft bewegst. Du forderst bedingungslose Hingabe an deine emotionalen Gelüste, doch ist dieses Zwanghafte auch das letztlich erlösende Scheitern, welches die Aufforderung alchemistischer Wandlung schon in sich trägt. Dies zeigt auch, daß du bereit bist, das Stadium der Verwandlung zu akzeptieren, die das Karma für dich bereithält.


Symptome Omnipotenz der Gefühle; Regeneration und Wandlung im seelischen Bereich
Ritual die schwarze Kunst (Zauberei, Hexerei, Magie)
Archetyp der lichtbringende Luzifer
Analogie Inquisition, die im Namen Gottes Hexen verbrennt
Kraftort Kerker, Burgverlies
Kultstätte die kochenden Schlammteiche im Thermalgebiet um Rotorua (Neuseeland)
Kraftfarbe strahlendes Dunkel (leuchtendes Schwarz); lichtbringend: Purpurviolett, Rotgold
Kraftstein Karfunkel
Duftessenz Lotus-Teebaum-Mischung


MOND IN HAUS 9
Der innere Buddha

Mond in Haus 9 steht für die Welt des Glaubens und das damit verbundene Gottvertrauen. Die Suche nach dem verborgenen Sinn ist seine innere Triebfeder, denn aus seinen Erkenntnissen erwächst ihm die tiefe Gewißheit, Teil einer höheren Ordnung zu sein. Er zeigt, daß du dich mit Fragen der Sinnfindung befaßt und deine Glaubensgrundsätze und Wertvorstellungen einer Prüfung unterziehst. Dabei interessieren dich weniger objektive Befunde. Im Gegenteil: Mond in Haus 9 verkörpert gerade die Ebene deiner höchst subjektiven persönlichen Glaubenserfahrung, die sich einer allgemeinen Nachprüfbarkeit entzieht, ohne dadurch an Bedeutung oder Richtigkeit zu verlieren. Es geht um das Suchen und Finden des höheren Selbst, das dir, wenn du ihm begegnest, leise ins Ohr flüstert: Erfasse das spirituelle Feuer in dir. Es sind die Flammen des Lebens, die dich einhüllen, und die nur für diejenigen von Schaden sind, die ihren egoistischen Willen den höheren Zielen des Lebens entgegenstellen. Sei ganz du selbst und lasse das Nirwana zu: als höchste Ekstase persönlicher Vernichtung!


Symptome Missionstrieb, religiöse Wahnvorstellungen, Wachstumseuphorie (Aufblähung, Verfettung), Leberbeschwerden
Ritual mentale Reisen im inneren Kosmos (Alphazustand), durch Gottesbegegnung Erlösung von den Sünden (innere Versenkung)
Archetyp der Heilige Geist
Analogie Stern von Bethlehem
Kraftort das Innere von Kirchen
Kultstätte Chartres
Kraftfarbe Königsblau
Kraftstein Lapislazuli
Duftessenz Zimt-Vetiver-Mischung


MOND IN HAUS 10
Der Stock des Lehrers oder das Gesäß des Kindes

Hier erfährst du das Geheimnis der Kunst, wie du – statt dein eigenes verdrängtes Innenleben zu kultivieren – andere Menschen erziehen kannst. Mond in Haus 10 steht für das strukturgebende Element, für dein emotionales Verlangen nach Stabilität, Sicherheit und Kontinuität. Er zeigt dein Streben nach Unabhängigkeit von den Bedingungen der Natur, das sich der Hingabe an die fließenden Abläufe der Schöpfung entgegenstellt, denn es ist deine formgebende, strukturierende und sichernde Realität, die die anderen hindert, in der wirklichen Wahrheit zu leben, und die sie gleichzeitig vor der angstmachenden Unergründlichkeit der wirklichen Wahrheit schützt. Im Bestreben, die Grenzen nach außen hin zu festigen und gegen äußere Angriffe zu zementieren, ist es dir meistens nicht bewußt, daß die wirklichen Bedrohungen von innen kommen. So kannst du, wenn du um deine eigenen Gefühle schon einen Bogen machst, wenigstens die der anderen strukturieren und maßregeln, denn du kannst deinen eigenen Absturz in die innere Haltlosigkeit dadurch kompensieren, indem du gefügige Seelen zuerst vor dem Absaufen rettest und sie dann in ihrer sühnenden Reue tatkräftig mit dem Rohrstock unterstützt. Aber laß dir niemals hinter die Maske schauen, sonst fällt dir die Maske vom Gesicht; fallen die anerzogenen Rollen aber zusammen, dann stehst du selbst ohne Hosen im Licht!


Symptome Austrocknung der Schleimhäute, Harnverhaltung, Reduzierung der Körperflüssigkeiten, Unterleibsbeschwerden, Kniegelenksödeme
Ritual Erziehungsspiele (auf die Knie!) oder Dämonenvertreibung als Akt der Loslösung seelisch verankerter Verhaltensvorschriften
Archetyp Rabenvater und Stiefmutter
Analogie Saturn, der seine eigenen Kinder verschlingt
Kraftort Moor
Kultstätte Mäuseturm bei Bingen
Kraftfarbe Nachtblau; bleiches Regengrau
Kraftstein Nigrin (schwarzer Rutilquarz); dunkler Obsidian (vulkanisches Glas)
Duftessenz Wacholder-Zypressen-Mischung


MOND IN HAUS 11
Die gläserne Wand

Die bildhafte Manifestierung der sich selbst erkennenden Seele, die sich ins Herz hineinschaut, das ist der Spiegel des Betrachters: Mond in Haus 11. Er repräsentiert eine geistige Stufe, auf der die Sinne die Polaritäten des Empfindens durchbrechen und über die Grenzen der menschlichen Vorstellung hinaus ins Unermeßliche vorstoßen. Seine energetische Schwingung in den Abgründen des Unbewußten wirkt wie seelischer Klebstoff, der dich mit dem Faszinosum des Unerkannten verbindet, das du, an deinem Bewußtsein vorbei, hinaus in die Welt projizierst und dessen Spiegelungen du dann im Strudel der äußeren Geschehnisse erliegst. Du befindest dich in der schizoiden Situation, in der dein Mond an den Projektionen seiner Gefühle zwar interessiert teilnimmt, aber mehr, um die Welt wie aus einem Glashaus zu betrachten. Es ist die Sichtweise eines Außenstehenden, der das Geschehen rapportiert, ohne sich seelisch einzubringen. Gerade der Abstand, aus dem du dich beobachtest, ermöglicht dir die Sichtweise, um dich gleichzeitig innerhalb und außerhalb deines eigenen Standpunkts zu begaffen. Damit distanzierst du dich gleichermaßen von deiner eigenen Gefühlsnatur!


Symptome seelische Erregbarkeit, sexuelle Verspannungen, Insuffizienz der Sexual- und Bauchspeichelhormone (Angst vor Weiblichkeit und Sexualität)
Ritual Schatzsuche (die Suche nach dem Goldtopf am Ende des Regenbogens)
Archetyp der Geist in der Flasche; der verzauberte Prinz
Analogie das blaue Licht (Gebrüder Grimm)
Kraftort unter dem Wasserfall
Kultstätte Niagara-Wasserfälle
Kraftfarbe in allen Regenbogenfarben schillernd
Kraftstein Alexandrit
Duftessenz Lilien-Orchideen-Mischung


MOND IN HAUS 12
Der Jenseits-Channel

Du bist nicht bereit, persönliche Gefühle zu entwickeln, denn du möchtest in Übereinstimmung mit dem Göttlichen bleiben und hoffst, ein Medium des Geistigen zu werden, wenn du die Signale des Kosmischen empfängst und reflektierst. In dem Moment, da sich die Sehnsucht nach dem Unergründlichen im Herzen bildet, fühlst du dich durch deinen Mond dazu berufen, diesen Vorgang zu interpretieren, denn du empfindest dich als mikrokosmischen Abdruck eines makrokosmischen Schöpferwillens. Persönliche Ziele werden durch spirituelle Schwingungen ersetzt und in allem dem Jenseitigen nachgeeifert, das neue Schwerpunkte im Leben setzt. Das Gefühl, irgendwie aus Raum und Zeit hinauszutreiben, nimmt überhand, je mehr du dich deinen inneren Regungen überläßt, und obwohl dein vertrautes Ich nur ein undenkbar kleiner Ausschnitt dieses universellen Willens ist, kannst du dich, in einer geistigen Luftblase gewissermaßen, um die Materie in Schach zu halten, lustvoll deiner göttlichen Kreativität hingeben, die alles Leben in sich birgt und dich in einem einzigen Atemzug kommen und gehen, werden und vergehen läßt, immer und immer wieder…


Symptome Unterfunktion der Hormondrüsen, Gewebsaufschwellung, Milchdrüsen, lympathische Konstitution
Ritual Channeling, Traummeditation (schauende Versunkenheit unter Ausschaltung des Wollens)
Archetyp Undine
Analogie Schneewittchens vergifteter Apfel; Persephones Granatapfel, den ihr Hades anbot
Kraftort versunkene Dörfer (Unterwasserlandschaften); Kanarische Inseln (einer alten Sage nach sind die Kanarischen Inseln die Berggipfel von Atlantis)
Kultstätte Isistempel auf der heute ständig überspülten Nilinsel Philä bei Assuan
Kraftfarbe luzid
Kraftstein Wasseropal
Duftessenz Jasmin-Narden-Mischung



MERKUR
DAS INTELLEKTUELLE ERKENNEN

Merkur oder Hermes wird in der Mythologie als eine hermaphroditische Gestalt umschrieben, die den Schlüssel zu den tieferen Wahrheiten in sich birgt. Er ist einerseits ein Symbol für die Art, wie wir wahrnehmen, andererseits aber auch, warum wir was wahrnehmen und wie wir die Wahrnehmung vergleichen und weitergeben. Emotionslos, unparteiisch und objektiv beschreibt und rekonstruiert er kausale Zusammenhänge, verbindet Widersprüche und gleicht Gegensätze mit den glättenden Argumenten verbindender Sichtweisen aus. Damit ist er auch hervorragend geeignet, das vermittelnde und übertragende kommunikative Urprinzip zum Fließen zu bringen. Als Gott des Windes erscheint er flink, eilend, stürmend, mit Flügelschuhen und einem beflügelten Hut dargestellt und kann somit als Vorbereitung auf Reisen oder im Vorfeld wichtiger Besprechungen und Entscheidungen angerufen werden. Als Gott der Schlauheit und des Geschäfts ist er der Schelm unter den Göttern und unterstützt Diebe, Kaufleute, Narren und Betrüger; und als Gott der Unterscheidung ist er der Ahnherr des Denkens (Ich denke, also bin ich!), der Erschaffer aller Realitäten, der die Menschen in ihre Weltbilder einbindet und damit aber auch gleichzeitig vom Erkennen der Relativität des Erkennens abhält: Ich bin, weil ich erkenne – deshalb erkenne ich mich als der, der ich bin!

Spirituell betrachtet ist Merkur aber nicht nur ein Symbol dafür, wie du die Welt erfährst und wie du das Erfahrene in deine Bewußtseinsmuster einordnest, sondern er ist auch das Symbol des Musters selbst, alles, was du erfaßt, einordnen zu müssen und aus dem Eingeordneten gleichzeitig das zu gestalten, was du dann für die äußere Welt hältst. Merkur entspricht dem denkerischen Gestalten, nämlich die unbildhaften, energetischen Ströme als Symbole zu erfassen und damit den Sinnen zugänglich zu machen. Damit wird seine Position in der Mythologie, nicht nur zwischen Göttern, sondern auch zwischen Menschen und Göttern zu vermitteln, einsichtig: Es ist der Austausch zwischen dem inneren und dem äußeren, zwischen dem bewußten und dem unbewußten Selbst. Aus den tieferen Schichten des kollektiven Menschseins dringen ungeformte Energiewolken herauf, die darauf warten, in Symbole umgedeutet und damit in menschliches Handeln übertragen zu werden. Anders ausgedrückt: Deine Begriffswelt ist das Ergebnis der Wirkungen Merkurs, die aus dem Rohmaterial schöpferischer Ursubstanz materialisiert wurde, denn die Methode, Symbole zu schaffen und miteinander zu kombinieren, entspricht exakt deinen merkurischen Anlagen und Fähigkeiten. Damit erschaffst du dir eine begriffliche Welt, die du der instinktiven Welt überlagerst, bis du selbst überzeugt bist, daß die begriffliche, von dir selber geschaffene Realität der Wirklichkeit entspricht.

Das merkurische Prinzip basiert auf der Erfassung von Gesetzmäßigkeiten und Schlußfolgerungen und entscheidet darüber, ob ein Inhalt in seinem Zusammenhang erkannt werden kann oder in seine Einzelteile zerfällt. Was die Welt für unseren Verstand zusammenhält, ist die Gewißheit, daß die Welt so ist, wie wir gelernt haben, sie wahrzunehmen. Die logischen Axiome des Aristoteles, seit mehr als zweitausend Jahren das Fundament des abendländischen Denkens, sind nicht nur die sichere Grundlage, auf der unser Weltbild steht, sondern sie sind auch der Preis für diese Sicherheit. Sie errichten die hohen Mauern der rationalen Wissenschaft, die alles ausgrenzen, was sich nicht in die Gesetze der Logik eingliedern läßt. Sie sind ein Filter unserer Erkenntnis, der alles aussondert, was nicht durch Stoff und Form, Bewegung und Ziel definiert werden kann. Platon dagegen ging davon aus, daß wir im sichtbaren Objekt nur das erkennen können, was wir an Informationen oder Vorstellungen über das betreffende Objekt in uns tragen. Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet ist auch das Modell der naturwissenschaftlichen Erkenntnis nur eine Vorstellung vom Leben, denn alles, was wir in unserer Anschauung der Welt erfassen, ist eine Vorstellung von Wahrheit, ein Abbild der Wirklichkeit, abhängig von Gesetzen, die wir uns selbst geschaffen haben. Hier beherrscht die Vorstellung bereits die Wirklichkeit, und viele Suchende glauben, daß die Vorstellung die Wirklichkeit nur ausdrückt. Wie kann die Vorstellung aber die Wirklichkeit ausdrücken, wenn sie nicht weiß, was die Wirklichkeit ist? Darum können wir auch nichts erkennen, was außerhalb dieser Vorstellung liegt, und alle Wahrheiten und Erkenntnisse sind nie etwas anderes als mehr oder weniger interessante Denkmodelle. Unser denkendes Ich ist ein besonders raffiniertes Gebilde, das uns unsere Handlungen aufgrund der Betrachtungen vorschreibt, wie wir die Welt zu sehen haben: Die Welt zu sehen, wie wir sie sehen… und das auch noch zu wollen!

Merkur in den Zeichen
MERKUR IN WIDDER
Luft/Feuer: Mit dem Kopf durch die Wand


Thema intellektuelle Selbstdurchsetzung
Ziel Durchsetzung der eigenen Fähigkeiten durch Kritikfähigkeit, Unterscheidungsvermögen und Strukturanalyse

Das Leben ist ein Abenteuer. Versuche nicht, dir über die Hintergründe klarzuwerden, sondern handle, als wüßtest du, was du tust, auch wenn du es nicht weißt. Du gewinnst, wenn du kämpfst, und du verlierst alles, wenn du aufgibst. Deine größte Chance kommt, wenn du dein Ziel mit einer gebündelten und in den Brennpunkt deines Willens gebrachten Handlungsabsicht in deinen Gegner hineinvisualisierst. Das ist die erste Stufe der Entwicklung von Verstand und Hirn, die mythologisch als Verlust des Paradieses, als Abspaltung von Gott bezeichnet wird. Sie entspricht auf der kosmischen Ebene der ersten Aktualisierung des Potentials der Urenergie und auf der Ebene des Individuums der Strukturierung der Urmuster des Unbewußten durch den kollektiven Menschengeist. Subjektive Selbstdurchsetzung ist der erste Schritt des Egos, die karmischen Verwebungen aus den Tiefen der Ewigkeit in einen neuen Schöpfungszyklus einzubringen, an dessen Ende die objektive Meinungsäußerung steht.

MERKUR IN STIER
Luft/Erde: Der feste Stand


Thema praktisches, geradliniges und realistisches Denken
Ziel intellektuelle Selbstabgrenzung durch Sicherheits- und Besitzdenken

Für dich gibt es keine Welt da draußen, die du zu ergründen hast. Für dich zählt nur deine eigene Meinung, die dir sagt, wie die Welt zu sein hat, und deshalb verstehst du immer nur das, was du verstehen willst, und innerhalb dieses Verstehens verwirklichst du deine Ziele. Das Problem ist nur, daß du dich an die Denkformen klammerst und stur annimmst, daß sie der Wirklichkeit entsprechen, statt die Relativität der Fragen zu erahnen, mit denen du die Wirklichkeit erkundest. Deshalb ist dein Denken zwar nie falsch, weil es ja immer nur die Voraussetzungen der einmal für wahr erkannten Standpunkte bestätigt, aber natürlich auch nie sonderlich brillant, weil es die Welt immer nur so betrachtet, wie es gelernt hat, sie wahrzunehmen. Trotzdem sind die Verwirklichungen gewisser Pläne möglich, denn Merkur in Stier unterstützt die Fähigkeit, Ideen durchzuführen und Machbares zu realisieren. Er bedeutet Beharrlichkeit und Konsequenz im Erreichen von Zielen und repräsentiert überdies Stabilität und soziale Struktur; er kann aber auch auf deren Übertreibungen in Form von Erstarrung, Unterdrückung und Perfektionismus hindeuten: Ordnung als Selbstzweck oder die hinter sozialen Strukturen versteckte Ich-Natur.

MERKUR IN ZWILLINGE
Luft/Luft: Der Schnelldurchlauferhitzer


Thema Kontakt- und Kommunikationsfreude
Ziel intellektuelle Selbstdarstellung

Hier sind es nicht hundert, hier sind es tausend Ideen, die du gleichzeitig verwirklichen möchtest. Dabei geht es dir nicht immer um einen tiefschürfenden Gedankenaustausch, sondern oft auch um schiere Redelust. Das macht dich zum intellektuellen Durchlauferhitzer, denn du handelst nach dem Motto: Zeit ist Geld! Energetisch charakterisiert diese Stellung das unterscheidende Denken, das die Welt polarisiert, um sie zu begreifen. Und weil es nie ein Ende für das gibt, was wir mit Denken umreißen, symbolisiert dein Zwillinge-Merkur die wohltuende Kraft des Verstandes, der beständig neue Standpunkte entwickelt und Ideen und Lösungsvorschläge kreiert, die in den Kern der Dinge eindringen und Klärungen und Lösungen herbeiführen können, die ausgewogen sind und damit zünden. Metaphysisch ist hier die Initialzündung für den Prozeß der Bewußtwerdung angesprochen, denn die Idee ist durch die Leere des raumzeitlosen Nicht-Seins hindurchgetreten, und du beginnst, dir ein Bild von dir selbst – und damit von der Welt – zu machen. Merkur in Zwillinge erfaßt bereits die ersten Schritte in den aus dem Nichts entfalteten Raum, in die aus der Ewigkeit geborene Zeit und in das konkrete, dynamische Leben. Damit befindet er sich ganz am Anfang seiner inneren Erkundungsreise, auf der er die Vorstellung seiner Welt entdeckt.

MERKUR IN KREBS
Luft/Wasser: Der Spiegel der Seele


Thema Erinnerungsvermögen, Vorstellungskraft, Austausch oder Neutralisation der Gefühle
Ziel tiefenseelisches Erkennen (verinnerlichtes Denken, vielschichtiger Intellekt)

Die Erkenntnis auf dieser Ebene ist wie ein visionärer Strahl des Lichts, auf dem dir deine Sehnsüchte entgegenblicken und auf dem das Geheimnis deiner Seele das höchste Ziel im Reich spiritueller Mysterien aufscheinen läßt. Dieser Prozeß ist bei künstlerischen Menschen, wenn das visionäre Bild vor ihren inneren Augen plötzlich Gestalt annimmt, genauso zu beobachten wie in der Psychotherapie, wenn sich aus den Gefühlsverstrickungen im Unbewußten plötzlich so etwas wie ein Zusammenhang herausschält. Wenn Verstand und Seele gut miteinander harmonieren, kann das Ergebnis nur Kreativität sein (oder Erkenntnis), also Schöpferisches, das sich aus den Urnebeln des Unbewußten nährt. Auf der psychologischen Ebene kann man diese Stellung auch als Öffnung bezeichnen, wo sich das Unzusammenhängende jetzt strukturiert. Unterschwelliges Gefühlsverhalten wird in die Erinnerung hochgespült, um dort von den Denkmechanismen sortiert zu werden. Merkur in Krebs ist nichts anderes als ein Symbol, die unstrukturierten, unkontrollierten inneren Ströme in die vielfältigen Schubladen unserer Denkmodelle einzureihen.

MERKUR IN LÖWE
Luft/Feuer: Der Schöpfergeist


Trieb Überzeugungskraft, Extraversion, repräsentativer Verstand
Ziel das Feuer der Schöpfung; Selbsterkenntnis

Merkur in Löwe symbolisiert genau das, was den Geist dazu bewegt, über sich selbst ein Bild zu machen, und deshalb bist du viel besser als andere in der Lage, dich in deine eigene Entwicklung einzubeziehen und somit Ideen zu kreieren, die dich mit deinem inneren Schöpfergeist in Berührung bringen. Doch meistens führt dieser Weg weniger zur Erfahrung des Göttlichen als zu einer mehr oder weniger starken Identifikation mit dir selbst. Infolge eines Überschusses an solarer Elektrizität (Löwe) brennen die Sicherungen in deinem logischen Verhalten durch, und du fällst in ein kindliches Verhalten zurück, indem du dich durch geistigen Exhibitionismus rücksichtslos zu entblößen suchst. Du identifizierst dich dabei so stark mit dem Produkt deiner eigenen Gedanken, daß du von den Bildern deines Geistes fortgerissen wirst. Von diesen inneren Gesichtern völlig hingerissen möchtest du in kürzester Zeit dein ganzes Potential realisieren, den göttlichen Plan erkennen und deine eigene Bestimmung finden. Dadurch gelingt es dir oft nicht, dich aus deinen eingetrichterten Denkweisen und Verhaltensmechanismen zu befreien und neue Paradigmen zuzulassen. Eine überspannte Dogmatik dient dir zur eigenen Rechtfertigung vor dir selbst, ohne daß du dich auf die Argumente deiner Umwelt überhaupt einläßt.

MERKUR IN JUNGFRAU
Luft/Erde: Der Perfektionist oder das Chaos der anderen


Thema intellektuelle Gründlichkeit, detaillierte Erkenntnis, detektivisches Gespür, objektiviertes Denken
Ziel Anpassung nach außen, Übereinstimmung mit der Umwelt, Erkenntnis durch Beobachtung der anderen

Vielleicht fühlst du dich von deinem eigenen Denkpotential bedroht oder von deinen inneren Vorstellungsbildern umzingelt, die unbarmherzig in deinem Kopf zirkulieren, denn Merkur verkapselt in sich Verzahnungen des Denkens, und Jungfrau symbolisiert oft auch den Ungeist selbstquälerischer Perfektion. Der inneren Angst, dich im undurchdringlichen Dschungel deiner quälenden Bilder zu verirren, stellst du eine pragmatische Vernunft entgegen, die sich stellvertretend für deine eigenen Gehirnwindungen jetzt um das Chaos der anderen kümmert. Dabei profitierst du von der Fähigkeit deines Verstandes, mit den Spannungen der Umwelt, dem Chaos der Gesellschaft, umgehen zu können, denn du brauchst den Widerstand als notwendige Erfahrung, um daraus die notwendigen Schlüsse und Erkenntnisse zu ziehen. Die inneren Ängste sind dazu da, in eine sichtbare Form gegossen zu werden, und das erreichst du dadurch, indem du sie bei anderen erkennst. Sich im Scheitern (anderer) zu erkennen, ist Erkenntnis, und diese gleichzeitig das Ziel, das im Jungfrau-Merkur liegt!

MERKUR IN WAAGE
Luft/Luft: Die ästhetisierende Androgynität


Thema der kluge, schnelle, gewitzte Verstand in seiner ideenhaften, geistreichen, vielseitigen, widersprüchlichen, aber auch listigen, ironischen und gerissenen Art
Ziel geistige Wendigkeit, Klugheit, Kontaktfreude, Redegewandtheit, Geistesgegenwart und geistreicher Charme

Im Tierkreis der Waage formalisiert Merkur die Gefühle und macht sie hinter ästhetisierenden Ideen unangreifbar. Um sich der venusischen Triebhaftigkeit zu entziehen, nähert er sich oft androgynen Ausrichtungen überfeinerter Perspektiven in Kunst und Mode, Styling und Design an. Seine Heimat ist das schnelle Denken und das blitzschnelle Erfassen kausaler Zusammenhänge. Gefühle kennt er nicht, sein Bereich ist das zweidimensionale Denken, legt man ihn fest, so weicht er aus, aber im Umgang mit der Umwelt verleiht er dir viel Geschick und ein überragendes diplomatisches Gespür. Deshalb setzt du dich auch lieber mit den Problemen deiner Umwelt auseinander, statt dich um deine eigenen Probleme zu kümmern, und suchst bei anderen zu beschwichtigen, was du an eigenen Widersprüchen nicht erträgst. Kurz: Du versuchst die Abwesenheit der Gefühle durch ein harmonisches Weltbild zu kompensieren, damit du deine innere Leere durch dieses filtern und damit für dein eigenes, unmittelbares Erleben entschärfen kannst.

MERKUR IN SKORPION
Luft/Wasser: Der Nachtmeerfahrer


Thema Streben nach Wahrheit durch geistige Provokation, Manipulation, Suggestion und Okkultismus
Ziel das schicksalseinsichtige Erkennen des Schöpfungsplans

Suggestiv, bohrend und übertrieben okkult kommst du deinem eigenen Schatten auf die Spur, denn du liebst es, alle Geheimnisse zu durchdringen und neugierig in die Abgründe der menschlichen Seele zu blicken, wo sich das Unergründliche verbirgt. Dort begegnet dir der Teufel. Er zieht sich die Maske vom Gesicht und plötzlich erkennst du, wer er ist, denn auf der innersten Ebene ist er der ungeliebte Spiegel deiner selbst. Wenn du das erkennst, hast du dich erkannt, denn als Nachtmeerfahrer, der in die Dunkelheit eindringt, ist das Erkennen des eigenen Schattens die höchste Form spirituellen Wissens und der Einweihung. Merkur in Skorpion lädt dich ein, deine Wahrnehmung so weit zu öffnen, daß du das Heiligtum des Mysteriums, das du nur kraft deiner irrationalen Erkenntnisfähigkeit betreten kannst und das nicht in vordergründigen Begriffen, sondern nur in symbolischen Umschreibungen ausgedrückt werden kann, als einen Gipfelpunkt menschlichen Erlebens erfährst, das in der Höhe der Tiefen oder im Licht der Erkenntnis als höchste Selbst- und Welterfahrung aufdämmert.

MERKUR IN SCHÜTZE
Luft/Feuer: Das Credo der Wahrheit


Thema Bedürfnis nach Erkenntnissen in größeren Zusammenhängen
Ziel Wissen, Fortschritt, geistige Entwicklung

Um deiner inneren Anmaßung, dich gegenüber anderen in einem ständigen Überlegenheitsgefühl zu wiegen, eine angemessene Grundlage zu sichern, strebst du nach immer neuen Erkenntnissen. Ständig invozierst du die Geburt eines größeren Weltbildes – oder wenigstens die Erweiterung des weltanschaulichen Rahmens für deine Bilder. Auf der Suche nach Erlebnistiefe steigst du in die Friedhöfe der Vergangenheit, um die vergessenen Mysterien zu suchen, die aus alten Gräbern hochsteigen, weil du glaubst, ihre Geheimnisse entschlüsseln zu können, ohne aber zu erkennen, daß sich dahinter nur ein verlorener Lebenssinn (Vergangenheitssuche als Ich-Findung) verbirgt. So können sich alte Mythen mit neuen Zielen in deinem Hirn zu Pseudowahrheiten verbinden, deren Ziele allein darin liegen, die innere Leere auszufüllen und von den eigentlichen Zielen abzulenken. Das richtige Ziel aber wäre, in der Vergangenheit das Zeitlose zu erkennen und daraus reale Gegenwartsbezüge zu gewinnen.

MERKUR IN STEINBOCK
Luft/Erde: Die Zehn Gebote


Thema konzentrierter Intellekt (Gedankentiefe), ökonomischer Verstand (Systematik und Methode)
Ziel Verantwortungsbewußtsein, Wunsch nach intellektueller Anerkennung

Dahinter erkennen wir den von einem Streben nach besseren Lösungen beseelten Über-Vater, der die Barrieren der Wahrnehmung zementiert, denn Merkur in Steinbock ist das Symbol der kontrollierenden Instanz schlechthin. Als wertende Instanz verlangt er meistens Verzichte auf die Antriebsziele des Es. In unbewältigten Konfliktsituationen kann dies zu Verdrängungen der für das Über-Ich unannehmbaren Wünsche oder Affekte führen. Denn sobald der Über-Vater in die von ihm selbst imaginierte materielle Welt eintritt, errichtet er die Zehn Gebote, die alles kontrollieren, denn er lebt in einer Welt, in der der Verstand sich zum Tyrannen aufschwingt, indem er die Triebnatur unterdrückt, und in der aus der Verachtung der Instinkte sich das Übel in die Welt einschleicht. In einer auf solchen Voraussetzungen gründenden Kultur unterliegt jede Lebenssphäre der strukturellen Gewalt ihrer eigenen Selbsterhaltungsmuster, und wenn du erkennst, daß wir nicht nur den himmlischen Frieden, sondern auch die totale Macht über unsere Feinde suchen, bekommt der Krieg in der Strategie zur Selbsterhaltung überhaupt erst Sinn.

MERKUR IN WASSERMANN
Luft/Luft: Die Sicht des Adlers oder der Gipfelblick


Thema Ideenfülle, Scharfsinn, Intuition
Ziel geistige Unabhängigkeit, Reform (intellektuelles Durchschauen von alten Verhaltensmustern und deren Zertrümmerung durch neue Einsichten)

Merkur in Wassermann beschleunigt das, was wir gemeinhin Denkprozesse nennen, ja er zwingt dich zu einem verstandessprengenden Schnellfeuer, an dem intellektuelle Auskristallisierungen nur geringen Anteil haben. Gleichzeitig prägt er ein Verhalten, über die gedanklichen Stränge zu schlagen, denn du besitzt eine Neigung zu vorschnellen Gedanken aufgrund der Verweigerung, dich in die strukturellen Abläufe der Denkmuster einzubinden. Oft wirst du vom Verstand mit seinen Blitzen von Einsichten derart umzingelt, daß du vergißt, deinen onanierenden Hirnsalven ein Ende zu setzen und statt dessen bereit bist, lieber alles in Frage zu stellen, als deine exzentrischen Höhenflüge aufzugeben. Hier zeigt sich das geistige Erkennen, durch das sich der menschliche Geist über sich selbst erhebt (Adlersicht) und damit seiner Multipersonalität bewußt oder nicht bewußt wird, indem er sich gleichermaßen innerhalb und außerhalb von sich selbst erkennt: Laß deinen Blick, Gott, zum Ausdruck meines Sehens werden!

MERKUR IN FISCHE
Luft/Wasser: Die Christusvision


Thema Auflösung der Wahrnehmung; Wunsch, das Mysterium durch Entschleierung des Denkens zu erfahren
Ziel Rückzug aus der Welt; Streben nach strukturellem Erfassen außersinnlicher Wahrnehmung

Hier kommt das Alltägliche mit dem Träumerischen, das Begriffliche mit dem Numinosen, das Rationale mit dem Irrationalen zusammen und führt dich über die berühmte Frage nach Gott (Wo komme ich her? Was ist das Ziel?) tief in den Brennpunkt der menschlichen Sehnsüchte hinein. Aus der Sicht des Mystikers gesprochen: Das Universum (Fische) ist hier der Teil der menschlichen Erinnerung (Merkur) an das kosmische Bewußtsein oder jener Splitter göttlicher Sehnsucht, der im Menschen inkarniert ist. Fast jeder Mensch hat irgendwann einmal die Erfahrung gemacht, daß etwas Größeres und Mächtigeres durch ihn hindurchwirkt, und daß dieses Etwas aus dem seelischen Hintergrund heraus seine Pläne, Absichten und Ziele bestimmt. Andererseits kann sich Merkur in Fische auch der Relativität seines eigenen Denkens bewußt werden und damit die Voraussetzung erschaffen, volles Vertrauen in das Beständige des Vergänglichen jeden Gedankens zu entwickeln, denn er verschmilzt in den Tiefen mit jener höllischen Einsicht, nur Rahmen eines Bildes zu sein, das selber wieder Rahmen eines Bildes ist, dessen letztes Bild zwar Gott darstellt, in Wahrheit aber nur der Stoff der Sehnsucht ist, aus dem unsere herrlichsten Visionen sind.

Merkur in den Häusern


MERKUR IN HAUS 1
Der Gedankenblitz

Gerissen und gewitzt in der Art, dich durchzusetzen und in Situationen einzubringen, wo schnelle Entscheidungen verlangt werden, treibst du deine Umgebung mit flammenden Einsichten aus ihrer stumpfen Lethargie. Dabei möchtest du nichts als die Einsicht herbeireden, daß zur Harmonie des Ganzen die mutige Entscheidung des einzelnen gehört. Gleichzeitig ist es für dich nicht schwer, Risikobereitschaft zu zeigen, weil für allzugroße Ängstlichkeit die emotionale Voraussetzung fehlt. Auf dem Grat zwischen Gewinn und Verlust bewegst du dich in neugieriger Unbefangenheit, denn für dich ist jede Sekunde ein Abenteuer, das es vollkommen auszuschöpfen gilt. Deinen Lebenssinn findest du in den Erfolgsmomenten, auch wenn es nur Sekunden sind, die du aber immer wieder auskostest, weil sie auf unmittelbare Erfolgserlebnisse ausgerichtet sind.


Symptome Anfälligkeit für vielschichtige, streßerregende Sinnes- und Gefühlsreize; Erregungssteigerung des Zentralnervensystems


MERKUR IN HAUS 2
Der Tresor oder “Sesam öffne dich”

Du bist ein pragmatischer und wirklichkeitsnaher Denker, dessen Hauptanliegen weniger darin liegt, neue Horizonte zu ergründen, sondern mehr darin besteht, aus dem unüberschaubaren Angebot der schöpferischen Vorstellungskraft einen gewinnbringenden Aspekt herauszufiltern, bevor er wieder im Ozean der Möglichkeiten versinkt. Oftmals verhedderst du dich in den Schatzkammern deiner inneren Wunschvorstellungen und lieferst dich dadurch den Dämonen deiner wuchernden Besitzgier aus. Statt dir deiner gedanklichen Ausrichtung bewußt zu werden und zu den eigenen Vorstellungen Abstand zu gewinnen, identifizierst du dich so heftig mit deinen üppigen (Gewinn-)Bilanzen, daß du bisweilen selbst zum Inhalt deiner materiellen Überlegungen wirst. Krampfhaft hältst du dich an deiner bisherigen Entwicklungslinie fest, bis dir das Dach deiner (materiellen) Weltvorstellung über dem Kopf zusammenbricht. Alle Modelle einer alternativen Wirklichkeitskonstruktion lösen in dir tiefsitzende Ängste aus, bis dir die Anhäufung der erwirtschafteten Gewinne das Leben eines Tages sinnlos macht.


Symptome Mandeln, Rachenraum, Schilddrüsen (Drüsenabsonderung)


MERKUR IN HAUS 3
Das siderische Pendel

Ist es hier nicht so, daß du einfach im Urschlamm deiner Denkmuster gründeln und dabei die kollektiven Inhalte auspendeln möchtest, um zu erfahren, wo Gott hockt? Doch wenn dir Merkur zeigt, was du an eigenen inneren Bildern in eine Situation hineinträgst, dann verkörpert das Pendel (Merkur in Haus 3) die Vielzahl der Antworten, die dir das Unbewußte aus der Situation entgegenspiegelt. Für diese Aufgabe gaben dir die Götter einen gewandten Verstand mit raschen Reaktionen und lebhaften Gesten und zeichneten dich durch schnelle Auffassung, Flexibilität und Sprachbegabung aus. Selten ruhst du dich in deinen Gedanken aus, denn du denkst um des Denkens willen, ohne damit konkrete Ziele zu verbinden. Im Erkennen an sich siehst du deine Aufgabe, nicht im Erreichen irgendwelcher Ziele, denn du bist von den schöpferischen Luftgeistern besessen, die ohne Rücksicht neue Wege zu künftigen Entwicklungsmöglichkeiten gehen. Du bist aber auch ein Mensch, der sich schnell im Denken verliert, weil du dich oft ausschließlich auf deine Wahrnehmungsmuster konzentrierst und dabei deine ganze Umgebung vergißt. Ziehe deinen schöpferischen Willen ins Nabelzentrum und meditiere über die Einheit des Seins, denn solange du dein “pendelndes” Denken nicht erkennst, bleibst du immer auf dich und deine ewig sprudelnde Wahrnehmung fixiert, und das macht dich schwankend in deiner Aufmerksamkeit, schwatzhaft und oberflächlich.


Symptome Verstrickung in Einzelheiten, Interessenverwirrung, Affektionen der Atemwege (Austauschschwierigkeiten) und der Haut (Kommunikationstrübungen)


MERKUR IN HAUS 4
Die Bilderwelt der Seele

Vielleicht mag es dir dann und wann gelingen, mit dem Verstand (Merkur) Annäherungen an den sensiblen Gefühlsbereich zu finden (Haus 4), auch wenn sich Verstand und Seele nicht überaus gewogen sind. Deshalb sind dir die Gefühle auch manchmal fremd, da du sie hinter der Maske des Erkennens nur so erleben kannst, wie du sie in deiner Vorstellung spürst; doch hast du die Fähigkeit, in die Bilderwelt der Seele einzudringen, psychische Tiefen zu ergründen und sie phantasiereich in Worte zu hüllen, in denen – weit über begriffliche Erklärungen hinaus – die Obertöne der Tiefenströmung mitschwingen (hier könnte man den Mond mit einem geheimnisvollen Teich vergleichen, an dessen Oberfläche sich Merkur spiegeln kann). Andererseits bist du auch mit Geschichten schnell zur Hand, wenn es gilt, über Gefühle zu reden, und oft versuchst du sie dir einzureden, bis du sie zu spüren glaubst. Das passiert dann, wenn Merkur, statt seinen gespiegelten Bildern nachzuspüren, plötzlich den Gehalt des Wassers analysiert. Damit versuchst du dir die Gefühle zum Teil jener Vorstellung zu machen, mit der du sie gleichzeitig kontrollieren kannst. Die emotionalen Werte werden dann nicht mehr gelebt, sondern der Umwelt nur noch vorgespiegelt: Die kontrollierten Ängste lassen lieben!


Symptome Regression zu frühkindlichem Verhalten, Hygienekult, schwaches Verdauungssystem, emotionale Ängste (die man hinter gefühlsmäßiger Unverbindlichkeit zu tarnen sucht)


MERKUR IN HAUS 5
Das Wort von der Kanzel

Du identifizierst dich gerne mit Rollen, die mit Bewußtseinsausdehnung zu tun haben und bist darauf erpicht, der Umwelt ein auf Horizonterweiterung ausgerichtetes Bild zu vermitteln, gerade weil es nicht um Wissen, sondern nur um die Identifizierung mit dem Bild von Wissen geht. Dagegen wäre im Grunde überhaupt nichts einzuwenden, wenn es nur im Bewußtsein deiner eigenen Projektion geschähe. Denn sobald du dich an deine selbstgeschaffenen Bilder klammerst, anstatt sie zum Ausgangspunkt eines Weges zu machen, auf dem du dich irgendwie auf die Suche nach deiner inneren Heimat machst, wird die Sache beschwerlich. Dann nämlich, wenn du nicht erkennst, daß deine Bindung an esoterische oder religiöse Modelle weniger dem Wunsch nach Wahrheit als vielmehr dem Wunsch nach der Macht des Wissens entspricht, um aus der Position des Wissenden heraus andere zu dirigieren. In diesem Sinne lebst du immer noch die Inkarnation des mittelalterlichen Pfaffen, der die Gläubigen zum Gebet aufrief, denn dein “Wort von der Kanzel” besitzt auch heute noch die feurige Überzeugungskraft schöpferischer Vision und führt zur allumfassenden Gewichtung weltlicher Zusammenhänge.


Symptome Wahrnehmungsstörungen im Bereich des Sehens oder Hörens entsprechen exakt der Unfähigkeit, sich selbst objektiv zu sehen. Sie versinnbildlichen die Diskrepanz, die zwischen den eigenen Vorstellungen und den Vorstellungen der Umwelt liegt.


MERKUR IN HAUS 6
Die List der Anpassung

Dein Trick ist es, die Widerstände von außen durch Anpassung zu überwinden und ihnen durch verstandesmäßiges Taktieren (Entgegenkommen) den Wind aus den Segeln zu nehmen. Um es ein wenig zynisch auszudrücken: Eigentlich brauchst du gar nicht zu tricksen, weil alles ein Teil des Trickes ist (Merkur in Haus 6). Nicht weil es verlogen, sondern weil alles immer nur die Hälfte eines unerkannten Ganzen ist, das die Dinge stets polarisieren muß: Denn die Polarität ist die Grundlage des Übels. Erst, wenn du erkennst, daß du den Widerstand von außen suchst, damit du etwas hast, woran du dich anpassen kannst, magst du die innere Botschaft deines Merkurs erkennen: Erkenntnis der eigenen Grenzen, Einblick in die Zusammenhänge und Einsicht in die Notwendigkeit, aggressiven Regungen rechtzeitig einen angemessenen Ausdruck zur Verfügung zu stellen. Erst, wenn du die Anpassung an die Gefühle der anderen als deine eigene Strategie erkennst, die Bedingungen der Widerstände kennenzulernen und damit die Voraussetzungen zu deren Beseitigung, ist die Suche zu Ende und das Ego erlöst: in der Anpassung an die eigenen Gespenster in den Gefühlen der anderen.


Symptome Interessenverzettelung (Pedanterie), Entscheidungsverweigerung, schwacher Solarplexus, nervöser Darm


MERKUR IN HAUS 7
Die Projektionsebene

Dein beständiges Bemühen, Kontakte zu knüpfen und die Menschen miteinander in Beziehung zu bringen, beinhaltet neben einem ausgewogenen, auf Harmonie ausgerichteten Denken ebenso die Falle unbewußter Selbstverstrickung. Die Option nämlich, durch Harmonisierung der anderen die innere Psyche zu festigen, zeigt doch auch, daß du deine eigene Unerfülltheit in der Beziehungslosigkeit der anderen versteckst, was wiederum die Frage aufwirft, ob die Leere der anderen deine Leere wirklich sinnvoll genug ausfüllt (Merkur in Haus 7 versucht die Umwelt miteinander in Verbindung zu bringen, damit er seine eigene Leere nicht mit Sinn erfüllen muß!). Diese Konstellation zeigt aber auch die Chance, bestehende Konflikte beizulegen, in dem dir die Objektivität und der analytische Verstand der anderen hilft, Klarheit in deine eigenen Verstrickungen zu bringen. Damit bist du deinen inneren Problemen zwar nicht enthoben, aber indem du sie zu akzeptieren beginnst, kannst du durch sie hindurch zur Erkenntnis gelangen, daß die Bewußtheit der ewigen Gegensätze den schöpferischen Schmerz nicht nur des inneren Konflikts, sondern auch der menschlichen Entwicklung bilden. Die Liebe ist undifferenziert; aus ihr heraus muß sich das menschliche Bewußtsein durch Differenzierung entwickeln.


Symptome Distanzierung und Unterkühlung (aus Angst vor Gefühlen) oder gefühlsmäßige Unverbindlichkeit (Tarnung hinter Freundlichkeit); Reduktion auf Formalismen (gefühlsmäßige Erstarrung) oder Puritanertum (moralisierende Heuchelei)


MERKUR IN HAUS 8
Der Käfig der Erkenntnis

Du spielst gern den Verführer, der seine Mitmenschen zu beeinflussen sucht, denn aus dir spricht der himmlische Geist der Erkenntnis, der über dem Abgrund der Hölle schwebt und sich in immer höhere Sphären bewegt, sofern er sein Schwerkraftzentrum im göttlichen Selbst wahrt und den zentrifugalen Kräften des Intellekts widersteht, die ihn an die Dualitäten der Welt binden wollen. Er ist gleichermaßen Sinnbild des Glanzes oder Abbild des Grauens, das den Menschen im Angesicht der Unendlichkeit befällt, denn letztlich ist die Hölle auch ein Verbündeter des allmächtigen Gottes, der die Sünden korrigieren muß, die der Verstand im blinden Voranstürmen auf nichtige Ziele hin begeht. Deshalb bist du hier zunächst einmal der Gefangene deiner eigenen Erkenntnis, und obgleich letztlich eine Befreiung und Wiederbelebung damit verbunden ist, mußt du erst einmal durch diesen Zustand hindurch, denn Merkur in Haus 8 zeigt den verschütteten und verdrängten Bereich der Seele, dem die funktionale Rationalität der alltäglichen Wirklichkeitserfahrung aufgepfropft worden ist. Sein Geheimnis ist die Endlosschleife, die sich kreisend um sich selbst bewegt, denn in dieser Kreisbewegung liegt das archetypische Symbol der Ewigkeit und des Stirb und Werde.


Symptome Sarkasmus, Zynismus, Provokation; Nervenüberreizung, Selbstüberschätzung, Zwangsneurosen (das fixierte Denken)


MERKUR IN HAUS 9
Das Weltumspannungs-Ideal

Hier bist du vom inneren Wunsch beseelt, Harmonie und Frieden durch den Austausch von Informationen herzustellen und aus der Erweiterung des Wissens neue Perspektiven zu gewinnen. Großflächiges Denken, das auch gegenteilige Meinungen erlaubt, ist angesagt; dein inneres Ziel ist die Erweiterung von Geist und Verstand, denn die Widersprüche im Leben wollen durch hinterfragendes Denken gelöst und darin gleichzeitig ein höherer Sinn erkannt werden. Dein Wissensdurst nimmt überhand, denn Merkur trägt – in seiner Rolle als Bote – Erkenntnisse von einem Teil der Psyche zum anderen und offenbart dir wertvolle Informationen, die du zu einer beeindruckenden Synthese verarbeiten kannst, wenn es dir gelingt, sie ins Bewußtsein zu integrieren (in seiner außerordentlichen Ambivalenz scheint er für das ungeheure Spiel gegensätzlicher Kräfte in der Psyche selbst zu stehen). In Haus 9 verkörpert er die intellektuellen Ziele einer weltumspannenden Perspektive, die das Ideal einer ungeheuren Vision von Zukunft aus sich gebärt.


Symptome Ausdrucksschwierigkeiten (man will das Unfaßbare in Dualitäten pressen), Zersplitterung durch übertriebene Objektivität (Disposition zu Nervenstörungen), intellektueller Größenwahn


MERKUR IN HAUS 10
Wissen ist Macht

Merkur repräsentiert das Bedürfnis deines Verstandes, alles zu strukturieren, was du in der Welt vorfindest, um es inhaltlich zu kontrollieren. Dies entspricht dem ordnenden, herrschenden und gefühlsverkrüppelten Aspekt deines verkopften Selbst, das die strukturierende, Sinn spendende und Ziele setzende Welt mit seinem eigenen, von der Umwelt bestätigten Bild in Übereinstimmung bringt. Deine größte Gefahr ist die, daß du als höchstes Vorbild und Verhaltensmodell ein Bild der Intoleranz und Gnadenlosigkeit propagierst, das nur schwer zu rechtfertigen ist. Als Kompensation fehlender seelischer Wärme bleibt dir meistens nur die Freiheit, diesen Mangel an persönlicher Reife durch intellektuelle Dogmen zu übertünchen, die jegliche fruchtbare Spontaneität ausschließen und deinem Leben über die Wahrung materieller Interessen hinaus keinen Sinn zu geben vermögen. Je schlauer du zu sein glaubst, wenn du dich in der Außenwelt maskierst, je unfruchtbarer wird die Art, die du der Gesellschaft präsentierst.


Symptome Asthma (Sauerstoffaustausch führt zur Kommunikation, und in seinem Syndrom inkarniert der Asthmatiker seinen unbewußten Wunsch, dies möglichst zu vermeiden), Atembeschwerden, Bronchial- und Lungendispositionen


MERKUR IN HAUS 11
Der Blick ins Licht

Du nimmst gern extreme gedankliche Standpunkte ein, denn Merkur in Haus 11 als Symbol der visionären Erkenntnis (Hirn-Explosion) ist eine miniaturisierte Wiederholung des Urknalles, mit dem die Existenz unseres Geistes begann und hinter dessen universeller Relevanz sich die immer gleiche Frage versteckt: “Wo ist der Sinn?” Er ist jetzt Teil einer Welt geworden, in dem Realität ein Irrtum ist und wahre Freiheit sowieso keine Bindung kennt, denn das ist es, was Ekstase bedeutet: in die Höhe getragen zu werden von etwas Überwältigendem, etwas, das jenseits von uns selbst ist. Es ist das, was durchscheint durch das, was erscheint. Du bist im Begriff, dich aus den normalen gesellschaftlichen Ebenen auszuklinken und dich in entpolarisierte Luftschlösser zurückzuziehen, wo du dich allen Dualitäten enthoben glaubst (selbst deine eigenen Realitätsdefizite scheinen in dieser Architektur harmonisch mit einbezogen). Alles, was die alten Perspektiven aufbricht und neue Horizonte anzeigt, zieht dich magisch an. Kommt zu dieser Disposition mit dem Merkur-Einfluß ein überragender Verstand, dann sprengst du alle überlieferten Traditionen und zwängst neue Sichtweisen zwischen die geplatzten Vorstellungen der alten Ausrichtungen.


Symptome Verwirrung, Zersplitterung, motorische Störungen; Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, nervale Hautaffektionen


MERKUR IN HAUS 12
Der Stoff, aus dem Träume sind

Oft scheinst du unfähig zu klaren Gedanken und neigst in einem gefährlichen Maß zu Tagträumen und unrealistischen Sehnsüchten, denn dein Denken wird leicht von Illusionen und Nachtgespenstern durchdrungen und endlose Abfolgen von medialen Botschaften erscheinen dir. Die daraus resultierende Angewohnheit, alles Klare und Eindeutige zu vermeiden, kann deine Umgebung oft in Rage bringen, denn Merkur in Haus 12 erzeugt aus verworrenen und verschwommenen Gedankengängen oft wahnhafte Gesichter und hysterische Verstrickungen. Das kann aber auch eine Eignung für die Fiktionen mathematisch-mystischer oder okkult-utopischer Richtungen anzeigen, in denen weniger das Detail, sondern mehr der Sinn fürs Ganze herausgehoben werden will. Dieser Aspekt ermöglicht es dir, aus der Zeit herauszutreten und einen kurzen Blick hinter die Bewußtseinstüren zu werfen, ins Reich des Unfaßbaren, bevor sich die Ozeane des Vergessens wieder über den Zugriff des polarisierenden Verstandes legen. Durch deine visionäre Einstrahlung kannst du deinen Mitmenschen den Weg zu einem Mythos weisen, der wahr und doch nicht wahr ist, da sein Inhalt, da symbolisch, für alle Zeiten unerschöpflich ist.


Symptome Verworrenheit, Phantasterei, geistige Betäubung; Reaktionsschwäche, Denkmüdigkeit, Lügenhaftigkeit



VENUS
DIE LUST DER HINGABE – DIE WEIBLICHE SEXUALITÄT

Aphrodite (römisch Venus) ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Liebe, des Friedens und des Glücks. Sie wird als das höchste Ideal weiblicher Schönheit gepriesen. Als Venus-Urania verkörpert sie die reine, himmlische und idealisierende Liebe. Man nennt sie auch “die aus dem Schaume Geborene” oder “die aus dem Meer Aufsteigende”. Die Legende weiß zu berichten, daß Venus der Verbindung des gestürzten Himmelsgottes Uranos und seiner Gattin Gaia, der Erde, entsprang. Uranos, der seine Kinder verschlang, wurde von Saturn, seinem Sohn, mit einer Sichel entmannt. Aus dem abgeschlagenen Glied des Vaters, von Saturn ins Meer geschleudert, floß weißer Schaum, dem Venus an den Gestaden der Insel Kythera entstieg. In ihrer Manifestation als Venus-Pandemos hingegen regiert sie über die irdischen Triebe, denn sie ist genauso die Fürstin der Schönheit und der Kultur wie die Dämonin des Verfalls und der Genußsüchtigkeit. Venus verkörpert die Flammen der Sehnsucht nach der sexuellen Vereinigung zwischen Mann und Frau und symbolisiert damit den paradiesischen Vorhof des körperlichen Verlangens: die verschlingende Hingabe, die zum Numinosum wird, indem sie das verlorene Gefühl der Ganzheit durch das Empfinden der Vereinigung wieder zu erreichen verspricht. Wenn der Mond für die Befruchtung steht, dann ist Venus der Kuß: die erste, vorsichtige Öffnung dem anderen gegenüber, gleichsam als seelische Eintrittskarte in das Körperinnere, aber auch die höllischen Zungenküße, jene Elixiere des Teufels, die in den uterinen Höhlen und tiefen Wassertümpeln gründeln und ihre Opfer porentief einsaugen.

Venus drückt die Anziehung der Gegensätze aus, die Sehnsucht zwischen Mann und Frau, die verlorene Einheit wiederherzustellen, den Zustand vor der Vertreibung aus dem Paradies. Mit dem Sündenfall zerbrach die Einheit zwischen Gott und Schöpfung, Mensch und Natur, und seither stehen sie sich als Polaritäten unversöhnlich gegenüber. Aufgrund ihrer inneren, wesenhaften Zusammengehörigkeit ziehen sich alle Gegensätze jedoch wiederum unwiderstehlich an. Jedes Wesen ist ein Teil des Ganzen und versucht deshalb immer wieder, mit dem Ganzen zu verschmelzen. Im ewigen Schöpfungsplan, der die Vorgänge in der Natur steuert und auch für die Erhaltung der Arten sorgt, liegt der Drang nach Einswerdung in der Sexualität. In der alltäglichen Beziehungsrealität bedeutet dies oft nichts anderes, als daß du den anderen dazu benutzt, deine eigene innere Leere mit einer intensiven Erfahrung zu füllen, ohne jedoch dabei – und dies ist das Entscheidende – den anderen Menschen in seinem eigenen Wesen auch wirklich annehmen zu können. Was wir im Grunde erfahren wollen, ist die Erfüllung unserer eigenen Sehnsucht nach Liebe. Sie leben wir in unserem Inneren aus, und dazu benötigen wir oft mehr das Bild des Partners in uns als diesen selbst. In solchen Momenten scheint er uns all das, was wir bei uns vermissen, zurückzugeben, damit wir in uns diese Empfindung von Vollständigkeit, derer wir allein nicht fähig sind, erfahren können.

Wie bei der Liebesgöttin Venus, so strömt auch deine Hingabe aus der unergründlichen Tiefe, die im Zauber der Liebe zwar die Gegensätze verbindet, ohne sich aber persönlich zu öffnen und sich den Menschen hinzugeben. Du glaubst, dich deinen inneren Sehnsüchten hingeben zu können, ohne selbst durch die Höhen und Tiefen menschlicher Leidenschaft zu gehen, denn die Venus-Qualität entspricht dem urinstinktiv-weiblichen Verlangen nach dem Spiel von Zu- und Abneigung, dem Reiz von Ablehnung und Gewährung, und nicht nur der drallen Lust einfältiger Hingabe. Als Frau klingt in dir der Venus-Dämon an, nämlich den Mann zu einem Besitz deiner eigenen Vorstellung zu machen, denn nur, wer unerreichbar scheint, ist es wert, besessen zu werden. Was sich halten läßt, wird schal und nur, was sich nicht halten läßt, ist es wert, von dir erobert und einverleibt zu werden. Umgekehrt kann das bei dir als Mann zu einer Abhängigkeit von deinen inneren Projektionen führen, wenn die jahrtausendealten Konfliktherde in den Tiefen des kollektiven Unterbewußtseins aufbrechen: Ist es die Erinnerung an die Höllenpriesterin und Urhexe, die dir die Einheit von Liebe und Leidenschaft mit der Peitsche einbleute, ist es die Kühle der Wasserfee, welche dich durch ihre Unberührtheit zur siedenden Lust antrieb, oder mit wem suchst du notdürftig den Riß zu kitten, der sich durch deine Seele zieht, um die seelische Hypothek abzutragen, unter deren Last die gebrandmarkten Jünglinge im Feuerofen stöhnen? So verbinden sich Realität und Wahn in Venus’ Liebe zur Vorstellung, der geformte Teil einer universellen formenden Kraft zu sein und an einem kosmischen Hintergrundgeschehen teilzuhaben, das dir als göttlich erscheint. In Wirklichkeit ist es aber nur der Stoff, aus dem deine Sehnsüchte gewoben sind.

Venus in den Zeichen
VENUS IN WIDDER
Luft/Feuer: Der Libidinist


Thema Sinnlichkeit, Begierde, Liebeskraft
Ziel Erotik, Leidenschaft

Venus in Widder zeigt die kribbelnden Anfänge emotionaler Abenteuer, die sich zu neuen sexuellen Erfahrungen entwickeln können, denn Amor stößt den funkelnden Speer seiner Begierde tief in die Leiber der von ihm Verführten. Du genießt das Unbehagen deiner Opfer, wenn du sie in ihrer Hingabe provozierst, denn diese Konstellation deutet auf dein Karma hin, dich aus Augenblicken spontaner Lust heraus mit anderen sexuell zu manifestieren. Dabei bist du leidenschaftlich, direkt und ehrlich und läßt dir die Initiative nur ganz selten entreißen, weil es nichts Unangenehmeres für dich gibt, als wenn du nicht selbst über dich verfügen kannst. Tief in den Flammen deines inneren Feuers begegnest du der animalischen Wut schmerzender Liebesglut, und weil dich jeder Widerstand noch mehr antreibt, forderst du deine Mitmenschen bis zur Erschöpfung heraus. Denn auf der analogen Ebene ist für dich jede Berührung eine sexuelle Herausforderung.

VENUS IN STIER
Erde/Erde: Die nackte Eva


Thema Anziehung, Genuß und wucherndes Verlangen
Ziel die verschlingende Sinnlichkeit

In der sexuellen Flora dieses Gestirns ereignen sich die Orgasmen nicht im Gehirn, sondern entspringen der immerwährenden Befreiung übermäßiger Fleischeslust. Die venusische Energie, die auf äußerst emphatische Weise auch die naive Liebe einschließt, stellt eine der wesentlichen Bahnen dar, durch die unsere natürliche Lebensfreude strömen kann. Auch der Stier verkörpert eine sinnliche Komponente, die von wucherndem Verlangen nur so strotzt. Du bist in jeder Hinsicht eine starke Persönlichkeit – stark, was deine Schöpferkraft angeht. Das bedeutet nicht, daß du keine schlechte Seite hast – du kennst die Gier und leidest oft unter ihr, statt sie zu kultivieren –, sondern daß du voll intensiven Lebens und zur Entwicklung fähig bist.

VENUS IN ZWILLINGE
Luft/Luft: Der Hermaphrodit


Thema Hingabe und Vereinigung der Gegensätze
Ziel Androgynität (Bisexualität)

Hier begegnen wir einer der komplexeren und vielschichtigeren Stellungen, denn Venus in Zwillinge drängt dich nach außen hin zur (verbalen) Öffnung und läßt dich die Verbindung zu anderen Menschen suchen, weil du nur über die Verschmelzung mit anderen die tiefere Bedeutung deiner sexuellen Prägung erfahren kannst. Es ist aber nicht nur das erklärte Ziel von Venus, deine eigene Geschlechtlichkeit im anderen Geschlecht zu ergänzen, sondern es ist ihr genauso wichtig, deine eigene Gegengeschlechtlichkeit in dir selber zu erkennen, in vollkommener Hingabe an die Liebe innerlich zu schmelzen und Einheit und Vereinigung in dir selbst zu finden. Als Mann erfährst du in der Frau dich selbst in deinem weiblichen Aspekt (Anima), als Frau erfährst du dich selbst in deinem männlichen Aspekt (Animus). Höhepunkt dieser Vereinigung ist die Vision des inneren Hermaphroditen, denn in einem analogen Sinn verbinden sich in dir die Polaritäten der Geschlechter zu einer einzigen Gestalt, und das entspricht auf der geistigen Ebene dem Transzendieren der Gegensätze der Erscheinungswelt, auf der körperlichen oft auch der Gleichgeschlechtlichkeit.

VENUS IN KREBS
Erde/Wasser: Die Hexe oder die Drachenbinderin


Thema Vereinigungssehnsucht, Liebesverlangen
Ziel die dominierende Hingabe, das verzehrende Verlangen nach Geborgenheit und Harmonie

Als Frau bist du ein Symbol weiblicher Kraft, das für die Quelle des Lebens steht – nicht das opferbereite Weibchen, das sich den Gelüsten des Mannes unterwirft, oder das träumende Dornröschen, das auf den Kuß des mutigen Prinzen wartet, sondern die wilde Hexe, die auf dem Phallus des Mannes zum Gipfel der Lust reitet. Als Mann kannst du darüber nachdenken, wie du die verschlingenden Seiten deiner besitzergreifenden Gefühle im Tempel der Harmonie zur Kommunion mit der Liebe bewegen kannst, ohne daß der Motor deiner überschäumenden Lebenslust ins Stottern kommt. Verheddere dich nicht in den Tiefenschichten irritierender Anziehungs- und Abstoßungskräfte, und liefere dich nicht deinen perversen inneren Erscheinungen aus, denn als Mann erlebst du deine Sexualität auch oft in einem Rahmen, der sich zwischen Hingabe und Verweigerung bewegt. Manchmal zeigt sich auch das verschlingende Streben nach Harmonie, wenn die molochartigen Sehnsüchte in der Vampir-Gruft noch kalzinieren müssen, bis sie in die Herzen der Auserwählten eindringen und deren Energien aussaugen können.

VENUS IN LÖWE
Luft/Feuer: Aphrodite und die feurige Liebesglut


Thema Ästhetisierung des eigenen Egos, schöpferische Entfaltung, expressive Demonstration oder Übertragung der inneren Weiblichkeit, sexuelle Selbstdarstellung
Ziel Liebe als höchster Akt schöpferischen Gelingens

Hier klingt der psychologische Hintergrund des Mythos vom Sündenfall mit an: Als sich Eva, durch die Schlange versucht, ihrer eigenen Lust ergab, verwandelte sich die kosmische Schwingung göttlicher Harmonie in die trennende Lüsternheit sexuellen Feuers. Die Löwe-Venus, wild wie Attila und scharf wie Paprika, hat absolut nichts dagegen, wenn ihr Lust und Leidenschaft untergeschoben wird. In diesem Sinn ist sie eine körperliche Übertragung der göttlichen Aphrodite, die aus einer Mischung kosmischer Verschmelzung und sexueller Selbstdarstellung heraus handelt. In der Beziehungsrealität bedeutet dies oft nichts anderes, als daß du den anderen benutzt, um dein inneres Feuer zu entzünden, oder – wenn du es bist, der die Flammen entfacht – dir deine materiellen Ansprüche durch die finanzielle Präsenz deiner Umgebung abzusichern. Das entspricht der venusischen Bindung an das glanzvolle und prunksüchtige Selbstdarstellungsprinzip, denn der eine muß durch sichtbaren Glanz, Schönheit und guten Geschmack all das kompensieren, was der andere an Geld, Einfluß und äußerem Auftreten zu bieten hat.

VENUS IN JUNGFRAU
Erde/Erde: Aschenbrödel


Thema unauffällige Anpassung an die Zwänge von außen
Ziel Anerkennung und Wertschätzung durch Unterordnung und Selbstverdrängung

Mit Venus in Jungfrau möchtest du die Liebe leben, ohne dich in den Vordergrund zu drängen, und dazu bedarf es Motiven selbstloser Aufopferung, hinter denen du deine Libido versteckst. Du richtest dich nicht mehr nach den eigenen Bedürfnissen, sondern nach den Maßstäben der Gesellschaft aus, in die du dich selbstverleugnend eingebracht hast, denn du verhinderst dich im Leben selbst und bestimmst dich fremd, um über deine eigene Behinderung hinwegsehen zu können (Selbstwert durch Anerkennung der anderen). Zuverlässig, angepaßt und hilfsbereit bleibst du innerlich kalt und unbeteiligt und bist immer dazu verurteilt, dich den Wünschen einer ebenso neurotischen wie anspruchsvollen (Jungfrau-) Venus zur Verfügung zu stellen, die neben Aufopferung auch Selbstbestrafung gutheißt und einfordert.

VENUS IN WAAGE
Luft/Luft: Der Lügenspiegel


Thema zwischenmenschliche Beziehungen (Kontakt, Verbindungen, Zersplitterung)
Ziel Ideale von Ganzheitlichkeit und Harmonie (die Selbstverwirklichung im anderen)

Unter diesem Gestirn wirst du von deinem eigenen neckischen Lustdämon beherrscht, der dir einflüstert, dich von einem zärtlichen Kuß durchdringen und vom Züngeln der inneren Flammen belecken zu lassen, in deren Berührungen deine Sehnsüchte nach Frieden, Schönheit und allumfassender Liebe lebendig werden: Das Sichfinden der Lippen ist das vollkommenste, göttlichste Gefühl, das Sterblichen zuteil werden kann; die letzte höchste Grenze des Glücks (Guy de Maupassant). Venus in Waage umschreibt eine Harmonie von Gefühlen, wie sie im Alltag kaum zu finden ist, und bedient sich dazu einfühlsamer Bilder, die sie in ihre Mitmenschen hineinspiegelt. Sie liebt die Liebe um der Liebe willen und versucht sich an den Gipfeln emotionaler Klarheit, wobei sie sich selber überlistet, weil ihre Bilder ja immer nach ihrem inneren Empfinden ausgerichtet sind. In der Selbsttäuschung verhangen, die anderen zu harmonisieren, sind ihre Gefühle aber auch der Versuch, die Harmonie aus sich selbst heraus im anderen zu leben. Weil du dir nicht eingestehen kannst, daß die Grundlage, auf der Harmonie basiert, gerade die Konfliktverhinderungskonflikte sind, brauchst du zur Verdrängung eine Anpassung an deine eigene Wunschvorstellung, damit du deine (verlogenen?) Bilder leben kannst.

VENUS IN SKORPION
Erde/Wasser: Die Venusfliegenfalle


Thema Leidenschaft, Wollüstigkeit, Zügellosigkeit
Ziel Bindung und Absorbierung durch Sexualität

Venus in Skorpion bezeugt das lebensfeindliche Prinzip in dir, nämlich deine geheime Absicht, die Liebe nicht wirklich erleben zu wollen. Statt dein geschwächtes Selbstwertgefühl durch wahre Liebe zu stärken, damit die Abhängigkeit von deiner dämonischen Sexualität abnimmt, suchst du den anderen zu besitzen, damit du deine verstümmelte und teuflische Vorstellung von Hingabe kontrolliert und risikolos ausleben kannst. Dieser Akt der Unterwerfung (Auffressen des Opfers) mündet aber meist in eine innere Krise und die anschließende Erkenntnis, daß Beziehungen nicht zu erzwingen sind. Deshalb mußt du alle Beziehungen zerstören, welche deine Transformation behindern, und deine Verhaltensmuster überwinden, die dich zwingen, deine innere Entwicklung gerade über die äußeren Enttäuschungen zu leben, wenn du die Liebe leben willst. Dann kann der Samen aus den Ruinen alter Bindungen neu erblühen, weil du dir erst durch Loslassen die Freiheit erworben hast, dich mit jener Liebe zu identifizieren, die frei von emotionalen Zwängen ist. Es ist der Versuch, ohne Rücksicht auf Schmerzen bis an die Schwelle vorzustoßen und die Grenze zu erkennen, welche die Liebe von den Sexualinstinkten trennt.

VENUS IN SCHÜTZE
Luft/Feuer: Die spirituelle Blähung oder der Heißluftballon


Thema Geselligkeit, Kommunikation, kollektive Harmonie, Beschäftigung mit Religion und Philosophie
Ziel humanitäre Ideale, Weltverbesserungs-Ideologien (Wohlstand für alle)

Du siehst dich ins Auge Gottes mit seinen Millionen Perspektiven von Selbstwahrnehmung katapultiert, wo du aus sicherer Entfernung zur materiellen Welt erkennst, daß Erlösung und Zerstörung, Krieg und Frieden, Gott und Teufel dasselbe sind. Im erlösenden Liebesakt materialisiert sich der ideelle Geist in Raum und Zeit, denn diesem Gestirn wohnt der spirituelle “Verdauungsfurz” als innere Aufblähung von Größe inne, und die Ideale kosmischer Sinnfindung kollidieren mit der weltlichen Trieberfüllung. Feierlich gehen alle Pforten auf, ein Licht, heller als ein Blitz, schießt heraus, der Raum löst sich auf, schlagartig gehen alle Lichter aus und das gedämpfte Wimmern der Erde ballt sich zu einem letzten Schrei zusammen und bricht dann ab, und du begreifst: Erst, wenn du das weißt, wenn du das alles begriffen hast, kannst du von deiner Wolke heruntersteigen und an der Lösung der Probleme dieses Planeten mitarbeiten.

VENUS IN STEINBOCK
Erde/Erde: Der Hausdrachen


Thema Nüchternheit, Pflichtgefühl, Beharrlichkeit, Konservatismus
Ziel Kontrolle und Selbstbeherrschung als Gegenpol zur Leidenschaft

Venus in Steinbock deutet auf den unerbittlichen Starrsinn einer Pedantin hin, die, von ihrem übermächtigen Animus besessen, jede Gefühlsregung als weibisch bekämpft. Ihre weltliche Ausrichtung ist mehrheitlich der männlichen Logik entlehnt und beruht nicht auf wirklich weiblichem Empfinden. Deshalb richtest du dich auch nicht an der lebendigen, inneren Göttin aus, sondern bindest dich an den moralisierenden Geist sozialer Verantwortung, der dich energisch auffordert, dich an festen Idealen auszurichten. Eine bisweilen etwas enge Moral erstickt jegliche Spontaneität und sieht in der Irrationalität der Gefühle nicht nur die Kontrolle untergraben, sondern grundsätzlich Recht und Ordnung bedroht. Kurz: Venus in Steinbock entspricht der alten Frau als Symbol des Über-Ich mit seinen hartnäckigen Schuldgefühlen, seiner alle lustvollen Empfindungen verätzenden Moral und seinem unerbittlichen Widerstand gegen Freiheit, Wandel und Veränderung.

VENUS IN WASSERMANN
Luft/Luft: Die Schimäre


Thema gedankliche Erregbarkeit, seelische Verspannungen, freie Liebe, Exzentrizität
Ziel Aufhebung von Formen und Drang nach Sprengung sexueller Normen; Unkonventionalität

Venus in Wassermann warnt dich vor der Verführung trügerischer Schimären, vor jener Art Wahnsinn, die gleichzeitig verzückte Ekstase ist, weil sie in eine Vision des Göttlichen einmündet, oder vor dem Ausdruck orgiastischer Lust, der sich an der Schwelle zur Qual befindet, denn sie ist der Archetyp der inneren Sehnsucht nach den göttlichen Wassern des Lebens, die den unerreichbaren Quellen des Ewigweiblichen entspringen. Im Wirkungsbereich ihres Einflusses legst du zwar ein eminentes Streben nach Verschmelzung mit dem Göttlichen an den Tag, aber hinter dem Drang, dich im Göttlichen zu verlieren, wirkt gleichermaßen auch der innere Zwang, dich jeder tiefergehenden zwischenmenschlichen Berührung zu entziehen, und dies wiederum entspricht der unwiderstehlichen Dämonin der Nacht, die sich, von zwei Teufeln flankiert, im Zentrum ihres weiblichen Lust- und Opfertempels der Verzückung hingibt. Deshalb entwickelst du die Tendenz, dich gar nicht lieben zu lassen und statt dessen das Bedürfnis nach neuen Beziehungsformen auf unkonventionelle Liebesabenteuer zu verteilen. Dies zeigt, daß du seelisch gar keine innere Beziehung wünschst, weil du dieses körperliche, besitzende Ergreifen im menschlichen Verhalten zumindest unbewußt ablehnst, auch wenn du deine Haltung gar nicht zu erklären weißt und statt dessen immer nur das suchst, was du nie erreichst! Sobald sich das Unerreichbare nämlich erreichbar zeigt, kehrt sich die Voraussetzung um und läßt in dir das Gefühl aufkommen, daß du den anderen gar nicht brauchst.

VENUS IN FISCHE
Erde/Wasser: Die embryonale Sehnsucht


Thema Empfindsamkeit, Selbstlosigkeit, Hingabefähigkeit (Hingabe an den Augenblick)
Ziel spirituelle Innenschau (Eindringen in die kollektiven Erinnerungen von Sterben und Wiedergeburt)

Venus in Fische entwickelt ihr geistiges Potential aus dem Fundus der Grenzenlosigkeit. Diese Grundhaltung ist eng mit deiner Libido verknüpft, denn dein spirituelles Engagement ist eine Sublimierung des Mutter-Eros, der wiederum mit einer unbewußten Todessehnsucht (Auflösungsverlangen) verbunden ist. Deshalb ziehst du dich von der äußeren Hektik in die versunkenen Räume innerer Traumbilder zurück, wo du dich in die Geborgenheit deiner Numinosität zurücksinken lassen kannst, denn die Fische-Nymphe steht für das infantile Ringen mit kollektiven Erinnerungen, die dich in die Tiefe unbewußter Sehnsüchte hinunterlocken. Du siehst dich im Moment deines Versinkens auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, am Ziel deiner Wünsche, wo der Abgrund der Äonen aufbricht und dich einen Schimmer des schwindelerregenden Nichts erahnen läßt, in dessen Sphären du dich Gott zur Rechten wähnst. Das bringt dich bisweilen wieder ins Leben zurück.

Venus in den Häusern


VENUS IN HAUS 1
Liebe auf den ersten Blick

Venus in Haus 1 plädiert für jene züngelnde, verzehrende schwarze Glut, die deine Urahninnen einst auf den Hexenberg trieb, wo sie es mit dem Teufel hielten, und steht für jene amazonenhafte Power, die von der Wechselspannung zwischen sexueller Kraft, unterwerfender Macht und aufreizender Hingabe an die reine Lust lebt. Es geht hier um die Sexualität als Freude, die Liebe auf den ersten Blick, denn deine emotionale Leidenschaft ähnelt einem Hitzebrand und die entflammten Lustgefühle verlangen nach entsprechender Reflektierung. Laue und Unentschlossene jagst du in die Flucht. Positive Eigenschaften bei dir sind deine liebreizende Naivität, gepaart mit dem Durchsetzungswillen einer durchtriebenen und ausgekochten Ich-Struktur, dein blindes Vertrauen zu deinen eigenen Zielen, das unschuldige Staunen schließlich über manche Auswirkungen deiner aggressiven Triebnatur und dein stets ungebrochener Heldenmut. Negativ fallen der große Egoismus und dein selbstsüchtiges, rücksichtsloses Handeln ins Gewicht, das auf die anderen keine Rücksicht nimmt.


Symptome triebhafte Lust, vorzeitiger Samenerguß, Erotomanie; Nieren- und Blasenprobleme, Schmerzen im Unterbauch (Uterusverlagerungen, Blasen- und Harnleiterentzündungen)


VENUS IN HAUS 2
Der Venusberg oder der emotionale Besitz

Mit Venus in Haus 2 begegnen wir der starken, triebhaften Seite in dir, die sich der Liebe nicht verschließt und auch der Leiblichkeit gut zuspricht, was Kraft und Sinnlichkeit ausdrückt. Es scheint dir unmöglich, ohne Liebe im Sinne der Freude am Leben selbst zu leben und ein befriedigendes Sexualleben ohne physische Einbindung des Geschlechtspartners bzw. der -partnerin zu führen. Dies entspricht auch dem Venus-Schatten, der hier aufblitzt, denn die “Mutter”-Venus (Haus 2) will wachsen, sich ausdehnen, und dieses Wachstum führt oft auch über die Einbeziehung der “Söhne”, die mit Hingabe gemästet und emotional abhängig gemacht zur eigenen sozialen Absicherung schließlich in die Welt hinausgeschickt werden. Gerne münzt du die körperliche Nähe in einen physischen Besitzanspruch um, der nicht nur der wonnigen Leiblichkeit dient, sondern die Befriedigung gleichermaßen auch aus dem Suhlen in den einverleibenden, dunklen inneren Lustbildern zieht.


Symptome Probleme mit Rachen, Hals und Mandeln, Drüsenstörungen, ovariale Erkrankungen, Stoffwechselschwäche, schlaffes Erscheinungsbild (Bindegewebsschwäche)


VENUS IN HAUS 3
Der Kreuzworträtsel-Sex

Ist es das spontane, kindliche Empfinden, den instinktiven Trieben nachzugeben, ohne sich um die gefühlsmäßige Einbindung zu kümmern, das dich reizt, oder ist es dein eigener Widerspruch, der dich zwingt, mit den Gefühlen der anderen zu spielen, ohne dich seelisch einzubringen, denn Venus in Haus 3 verkörpert das gefühlsverhindernde Lustprinzip. Deshalb wird ein Zustand der inneren Spannung angestrebt (Verliebtsein oder die vergebliche, aber andauernde Hoffnung auf Gefühlserwiderung), da die Sexualität nur dann andauert, wenn sie im Anfangsstadium verharrt. Du begehrst und zwingst dich gleichzeitig dazu, dein eigenes Begehren abzulehnen und statt dessen Befriedigung in der Unterwerfung unter deine übertragenen Aggressionen zu finden. Nun kannst du deine Triebe nur noch gegen deine innere Verhinderung durchsetzen, und das kann heißen, daß du entweder deine geschlechtsspezifische Identität aufgibst (Homo-bzw. Bisexualität) oder deine kindliche Sexualität in komplizierten Verdrängungsmechanismen auslebst (“Blümchen”- oder Kreuzworträtsel-Sex).


Symptome sexuelle Anziehung paart sich mit seelischer Disharmonie bzw. triebhafte Aggression wechselt sich ab mit Impotenz (Gleichzeitigkeit von Hingabe und Aggression)


VENUS IN HAUS 4
Der Sukkubus

Auf der hellen Seite bist du der lebendige, nährende Pol des instinkthaften Selbst, die Urgestalt der Erde, ohne die Leben nicht entstehen kann, auf der dunklen verschlingst du aber auch rücksichtlos, was sich dir nicht öffnet, denn unter der Maske der Liebe verbirgt sich eine starke, leidenschaftliche Person in dir, die ihre Partner nicht nur emotional verspeist, sondern sie auch sexuell antreibt. Du bist entstanden aus der Kraft des Ganzen und der Reibung am Leben als ein Funke jener Kraft, die dich in immer neuen Bildern zeugt, denn der Sukkubus (weiblicher Buhlteufel des mittelalterlichen Volksglaubens) ist die Nadel in der Rille der Seele, die deine Gefühle zum Klingen bringt. Dein Symbol ist die Schlange, die Adam verführt, die alten Werte zerstört und den fruchtbaren Aspekt des Weiblichen (Eva) wieder mit der orgiastischen Lust (Persephone oder Lilith) vereint, die beide aus Gott-Teufel hervorgegangen und innig mit der menschlichen Natur verwachsen sind.


Symptome Drüsenstörungen (Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse), Gebärmutter-, Eierstock- und Brustprobleme (fehlende Geborgenheit, irritierender Umgang mit der inneren Weiblichkeit)


VENUS IN HAUS 5
Die Sünde der Lust oder das Mekka der Triebe

Du verwirklichst deine Sexualität aus dem Bauch heraus und kannst dich hundertprozentig auf deine Intuition verlassen. Lebenslust und Vitalität sichern dir einen Logenplatz im Leben, denn du lebst alle Phantasien, verrückte oft und manchmal ganz harmlose, die du brauchst, um dich vom täglichen Streß zu erholen. Da dich im Bannkreis dieser Konstellation die entfesselten Gelüste von innen her erfüllen, deren Ziele einen triumphalen Einzug in die Walhallen der Sonnen geradezu herausfordern, bist du für viele der Inbegriff der Selbstüberschätzung, Angeberei und sexuellen Selbstpräsentation. Doch weil du lustvoll liebst und deine Lust gern offen zeigst, hast du gute Chancen, daß sich die Objekte deiner Anziehung trotzdem einfinden.


Symptome Eigenliebe, Selbstüberschätzung, Neigung zu Hysterie (Unausgeglichenheit, Launenhaftigkeit, Unzufriedenheit, Leichtsinn)


VENUS IN HAUS 6
Die geopferte Identität

Was versteckt sich hinter der Fassade der braven Seele, die – anstatt ihre eigenen Bedürfnisse zu leben – sich immer an die anderen anpaßt? Ist es wirklich deine höhere Eingebung, die dich leitet, oder ist es einfach eine frühe Prägung, die dich am Leben hindert und die du nicht loslassen kannst? Ist es die Umwelt, die dir suggerierte, was du zu tun hast, und hast du dich mit ihr gegen dich selbst verbündet, indem du dir sagtest: “Ich bin nicht l(i)ebenswert, weil ich nicht so sein kann, wie die Gesellschaft mich braucht!” Hier zeigt sich das klassische Erscheinungsbild einer inneren Verhinderung, denn mit Venus in Haus 6 bist du deinem inneren Empfinden ausgeliefert, gesellschaftlich nicht die gebührende Beachtung zu finden. Deshalb bist du auch versucht, dich der Umwelt auf eine um Anerkennung heischende Weise zu präsentieren, um über diesen Rahmen die Bestätigung zurückzubekommen, die du dir selbst nicht zu geben vermagst. Im Extremfall wünschst du gar erniedrigt und den äußeren Umständen ausgeliefert zu werden, um dich in der totalen Hingabe an äußere Zwänge spüren zu können und damit wenigstens zur Scheinbefriedigung deiner geopferten Identität beizutragen.


Symptome Neurosen (Ablehnungsängste, Minderwertigkeitskomplexe, Pietismus), Abwehrschwäche (Irritation der Körperabwehr), Darmprobleme


VENUS IN HAUS 7
Die Kindfrau

Wir begegnen in dir dem raffiniert-naiven Rollenspiel der lasziven Kindfrau (Lulu, Lolita), die jene Liebe und Hingabe, die sie weder empfinden noch schenken kann, nach außen hin übertrieben darstellt, denn Venus in Haus 7 spielt gern die gefangene Prinzessin, die sich von einem Königssohn befreien läßt. Damit verdrängst du die eigene Aktivität, die du auf die Umwelt überträgst, um dein inneres Hingabepotential ausleben zu können, denn du strahlst einen stark magnetisierten Eros aus, der entpolarisiert werden will. Das führt unweigerlich zu Machtkonflikten, weil deine Unfähigkeit zu echter Begegnung sich hinter einem starken Partnerwunsch versteckt. Frage dich, was dich zwingt, mit den Gefühlen deiner Partner zu spielen und sie zu reizen – nur um dich ihnen zu verweigern: Ist es die innere Venusschlange, diese abgründige Verführerin, die deine Partner oder Partnerinnen in die Tiefen der Sehnsüchte schickt, damit sie dir das verlorene Ringlein als Liebespfand wieder zurückbringen?


Symptome Narzißmus (ästhetisierende Erotik), Asexualität (neutralisierte Hingabefähigkeit), Stilisierung des Alltags (Mode, Kunst)


VENUS IN HAUS 8
Das Opfer der Begierde oder der Virus der Leidenschaft

Hier konstelliert sich der emotionale Virus sexueller Leidenschaft, denn allein das Leiden ist imstande, die Besessenheit der Anziehung zu offenbaren, die sich als Liebe tarnt (Venus Haus 8). Das Opfer der Begierde wird niemals um seiner selbst willen geliebt, sondern es regt dich einfach an, wenn du deine Krallen an seinem Fleisch, seinen Bewegungen, am Wippen seiner Hüften schärfen kannst. Dabei fühlst du dich oft einsam, unverstanden und allein, denn dieser Weg ist nicht nur mit unersättlicher Gier gepflastert, sondern häufig auch von der Unfähigkeit umsäumt, Liebe zu empfinden, weil man keine Liebe geben kann. Da du aus deiner eigenen Unvollständigkeit heraus kaum spürst, daß deine Leere gerade der Abweichung von deinem innersten Wesenskern entspricht, kannst du natürlich auch nicht ahnen, daß dich alle Bemühungen in dieser Hinsicht nur immer weiter von deinem eigentlichen Ziel wegführen. Nicht umsonst steht über dem Eingang der Hölle: Liebe ist mehr als Höllenglut.


Symptome Übergriffe, übertriebene Einbeziehung des Sexualpartners, emotionelle Einschnürung (übersteigerte Drüsentätigkeit; krankhafte Eifersucht, Hysterie)


VENUS IN HAUS 9
Das himmlische Dorado

Mit Venus in Haus 9 stehst du an der Schwelle zum Paradies, denn dein ganzes Sehnen manifestiert sich in der Hingabe an alles Schöne. Doch solange du deine Vorstellung nur in einer schmalen, linearen Spur entwickelst, gibt es kein unkontrolliertes, erregendes Ausufern und keine unerwarteten Wonneschauer. Die erreichst du erst, wenn du den inneren Frieden und die kosmische Übereinstimmung nicht wegen der äußeren Dinge, sondern sozusagen durch die Dinge hindurch empfindest. Dann erst öffnen sich dir die Tore, wenn du das innere Fließen aller Dinge genießt, dich entspannt ihren ewig dahinströmenden Geheimnissen überläßt und in ihrer feuchten Wärme versinkst, ohne auf eine prompte Erklärung zu drängen. Das entspricht der Befriedigung aus dem Gründeln in den eigenen Vorstellungs-Idealen.


Symptome Bequemlichkeit, Faulheit, Eigendünkel, Konfliktverdrängung, geschwächte Zielvorstellungen


VENUS IN HAUS 10
“Sitting on the top of the world”

Versuche dir darüber klarzuwerden, was sich hinter deiner rationalen Einstellung zu Partnerschaft und Sexualität versteckt: Ist es die Angst vor dir selbst, vor der unergründlichen Natur und damit die Angst vor dem Leben, dessen Sinn und Ziele nicht zu kontrollieren sind? Ist es die Angst vor den anderen, vor der Umwelt, die dich zwingt, das Leben mit Leistungsnormen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen zu strukturieren, als scheinbare Garantie für echte Liebe, echten Sinn? Oder ist es die Art von Konventionalität, die sich selbst als so selbstverständlich ansieht, daß sie alles Entgegengesetzte unnatürlich findet? Denn mit Venus in Haus 10 zieht es dich hinauf auf den Gipfel, zur höchsten Spitze, wo dir die ganze Welt zu Füßen liegt, denn du kannst deine inneren Erwartungen nur in der Art und Weise leben, indem du sie an deine hohen Ambitionen bindest: “Sitting on the top of the world”.


Symptome Gefühlsblockaden, Liebesentsagung, Nierenentzündung, Drüsenverkümmerung


VENUS IN HAUS 11
Der bizarre Sex oder die Nervenkitzel-Psycho-Nummer

Venus in Haus 11 inszeniert ein irisierendes Spiel mit dem Feuer, das die Lust nach Abwechslung entfacht. Hier suchst du keine ewige Liebe, sondern originellen Sex, weil sich Seelen in Haus 11 besser öffnen können, wenn es sich weniger um individuelle Lust als vielmehr um nervenkitzelnde Psychospielereien handelt, die von dem ablenken, wovon sie wenig zu bieten haben: von ihrer emotionalen inneren Mitte. Dabei fühlst du dich von eigenwilligen und verrückten Menschen angezogen, denn gewöhnlich drücken sich in deinem Wunsch nach Originalität und im Verlangen nach Experimenten oft bizarre oder andere unkonventionelle Neigungen aus. Doch hinter den Flammen lustvoller Nähe und Hingabe lauert ein kühles, distanziertes Liebesverlangen, und es ist gut um dich bestellt, wenn du ohne seelische Schäden aus den Betten hintergründiger Verweigerungen wieder an die Oberfläche kommst. Die Gefahr, die Venus in Haus 11 darstellt, ist die, daß sie dich zum Opfer deiner Sehnsucht macht, indem sie deine Lust nach Abwechslung festhält, denn es ist dein inneres Verlangen, das sich durch sie personifiziert, und das dich dazu bringt, daß du dich in deiner Sehnsucht nach ihr an ihrem Bild (in dir!) festklammerst.


Symptome unkonventionelle Zuwendungen, bizarre Neigungen, hysterische Spasmen, Triebverweigerung; Magersucht, Eingeweidesenkung, Schilddrüsen-Überfunktion


VENUS IN HAUS 12
Die Nebelgeister über den Wassern

Venus in Haus 12 steht für jene numinose Liebessehnsucht, die dein Herz mit plötzlicher Wehmut durchdringt, ohne jemals Realität werden zu können, weil der Wunsch nach Transzendenz weniger zur geistigen Erlösung führt, sondern mehr das Gefühl der emotionalen Schwäche nährt. Recht betrachtet, geht die mystische Vision, die Venus hervorbringt, mit einem fatalen Realitätsverlust einher (wenn sie nicht, um auch die andere Möglichkeit zu erwähnen, in die Sphären des Elysiums vordringt), weil sie die gefährliche Wonne ihrer sirenenhaften Sehnsucht als das einzig Wirkliche erscheinen läßt. Denn der Wunsch, vom Unbewußten verschlungen zu werden, bedeutet die infantile Versenkung in sich selbst.


Symptome gestörte Empfindungs- und Erlebnisfähigkeit (Liebesenttäuschung, Angst vor Sexualität), Hypophysen- und Schilddrüsen-Dysfunktion, testikuläre Feminisierung (beim Mann), Sterilität, primäre Keimdrüsen-Unterfunktion



MARS
DIE DURCHSETZUNG DES EGOS – DIE MÄNNLICHE SEXUALITÄT

Mars, in Rom als Sohn Jupiters und der Juno National- und Kriegsgott, galt als Vater von Romulus und Remus und wurde als Ahnherr der Römer verehrt. Von den Griechen Ares, den Germanen Thor genannt, ist er ein Symbol der blinden Vorwärtsbewegung und der unbeugsamen Durchsetzung, denn er ist der Herr des Krieges, der Zerstörung, des Streites und der ewigen Zwietracht. Als junger, kriegerischer Mann charakterisiert, behelmt und von Kopf bis Fuß bewaffnet, liebt er jegliche Form von Aufruhr, Sturm und Angriff, denn als Gott des Kampfes freut er sich am Getümmel und Geschrei der Schlacht. Dadurch wird er ständig in äußere Auseinandersetzungen verstrickt, die seinem inneren Ziel entsprechen, das sich nicht auf irgend etwas hinentwickelt, sondern sich aus der Spannung jedes Augenblickes nährt. Mars symbolisiert nicht nur den Aufbruch des Sonnenhelden oder die sich fauchend entzündende Flamme als Sinnbild des triumphierenden Willens, sondern auch den Absturz, das Scheitern an Hindernissen. Er verkörpert auch die Rebellion gegen patriarchale Gewalt, den aktiven Animus, der den alten König stürzt, die pubertäre Phase der Suche und der Selbstfindung, oder die Vater-Sohn-Beziehung als Wiege nährender Konflikte der männlich-aggressiven Triebnatur. In der mythologischen Umschreibung trennt Mars die Polaritäten, ohne sie allerdings zu werten, denn es ist ihm gleich, auf welche Seite er sich stellt, wenn nur Krieg und Streit dabei gewinnen. Jede Auseinandersetzung bietet ihm die Chance, Dinge durcheinanderzubringen und Gewohnheitsmuster zu zerstören, was immer wieder neue Perspektiven von Entwicklung und Erkenntnis mit sich bringt. Vom Wunsch nach Freiheit und Erlösung motiviert, versucht er stets, alles Einschränkende aus dem Weg zu räumen. Damit wird er aber in seinem Freiheitswahn gerade zu einem Teil jener Zerstörungskraft, die den Ursache-Wirkungs-Kreislauf entfacht und damit den Weg für Neuentwicklung und Erkenntnis freimacht.

Ohne Mars gäbe es wahrscheinlich keinen Krieg. Aber ohne ihn könnten wir unsere individuellen Absichten auch nicht zum Ausdruck bringen. Bevor wir also das marsische Prinzip zum Sündenbock erklären, sollten wir uns klar werden, daß uns nur Aggressivität und Geltungswille zu einem eigenständigen Wesen machen, das sich durchsetzen und seine Entwicklung selber in die Hand nehmen kann. Daß sich diese Entwicklung nur über Krieg und Zwist abspielt, mag dem bedauerlich erscheinen, der die Abgespaltenheit des Egos von der Ur-Einheit nicht in Betracht zieht und dadurch den Menschen nicht in seiner Angst vor dem Getrenntsein mit dem Kosmos sieht (was dieser mittels Durchsetzung des Egos krampfhaft kompensiert). Er setzt sich durch, um wenigstens sein Ego zu spüren, da die Idee des Sieges ja das einzige ist, was ihm von der Verbundenheit mit dem All-Einen geblieben ist. Darum ist es auch töricht, wenn sich der Mensch gegen seine eigenen Grundlagen verbündet, denn wenn er gegen den Krieg protestiert, protestiert er in Wirklichkeit gegen sich selbst, denn Krieg und Mensch sind Synonyme. Akzeptieren wir uns also, wie wir sind, damit die Kriege, die wir nicht verhindern können, nicht auch noch sinnlos werden. Denn wie sagte schon Heraklit: Krieg ist der Vater aller Dinge!

Mars verkörpert also das, was wir die Aggressionskräfte nennen (die Ausschüttung von Adrenalin ins Blut), und in dieser Position ist er der natürliche Feind von Hemmung und Blockade. Risikofreude, Kampfbereitschaft, Unternehmungslust und sexuelle Triebhaftigkeit sind seine Merkmale, und als männlich-aggressive Kraft steuert er alle Hindernisse auf direktem Wege an, wobei er den Gordischen Knoten nicht durch vergleichendes, reflektierendes Denken löst, sondern indem er ihn ganz einfach mit dem Schwert durchschlägt. Er verkörpert die instinktive Kraft, die stets aufs neue blüht, wenn der Zyklus karmagestaltender Umwandlung in dir erwacht. In dieser Tollkühnheit und Abenteuerlust kannst du aber auch gleichzeitig die unergründliche Schöpferkraft erkennen, die dich auffordert, die äußere Welt zu erobern und über den Weg der Tat zur Einsicht zu gelangen, daß zwischen Eroberung (+) und Zerstörung (–) nur die individuelle Perspektive deiner Weltanschauung liegt. Mars treibt dich nicht nur aus den Bezirken seligster Verklärtheit, sondern er läßt auch durchblicken, daß diese aggressive Energie gerade der Treibstoff für deine geistige und seelische Entwicklung ist. Du bist nun einmal, wie du bist, und nicht einmal aus der Perspektive abgeklärter Greise ist es sinnvoll, Ego und Ich-Durchsetzung zu verteufeln, weil dann Entwicklung nicht mehr möglich ist. In jedem Scheitern findet sich auch ein Samenkorn zu reiferer Entfaltung, und damit dient Mars in seinem zwanghaften Tatendrang gleichzeitig jener höheren Führung, die in der Zusammenfügung allen Wesens “Sein” und “Werden” überhaupt erst sinnvoll macht.

Mars in den Zeichen
MARS IN WIDDER
Feuer/Feuer: Der Sturmbock oder der rote Hahn auf dem Dach


Thema triebhafte Selbstdurchsetzung (Wille zur Tat)
Ziel “Ich will!” (Selbstverwirklichung)

Mit Mars in Widder bist du der feurige, extrovertierte Choleriker, der mit seinem unruhigen, spontanen Feuergeist immer wieder alles über den Haufen schmeißt. Wenn sich Feuer mit Feuer verbindet, dann ist der rote Hahn schon auf dem Dach: Wie von einer Horde besessener innerer Dämonen getrieben, ruhst du dich selten in deiner Arbeit aus, denn du handelst um des Handelns willen, um deine Umgebung zu “entzünden”, ohne damit konkrete Ziele zu verbinden. Im Handeln siehst du deine Aufgabe, nicht im Erreichen irgendwelcher Ziele; dabei wirst du von einer aggressiven inneren Kraft getrieben, die ohne Rücksicht auf Scherben ihre eigenen Wege geht. Kluges Abwarten und lange Strategie sind deine Sache nicht, denn du willst immer mit dem Kopf durch die Wand (die Römer nannten den Sturmbock “aries”, mit dem sie die Tore belagerter Festungen niederrannten).

MARS IN STIER
Feuer/Erde: Rübezahl oder der Bärenhäuter


Thema Fleiß, Konzentration, Ausdauer und großes Durchhaltevermögen (Beharrlichkeit und großer Körpereinsatz bei schwerfälligem, sinnlichem Temperament)
Ziel Selbstabgrenzung, starkes Bollwerk (Abschottung nach außen durch aggressive Selbstabgrenzung)

Du strahlst zwar eine sinnliche Triebhaftigkeit aus, aber in einem analogen Sinn entspricht dein Gefühlsleben in seinem starken, aber wenig differenzierten Empfinden noch dem der Neandertaler aus der Steinzeit. In Verbindung mit den inneren Instinkten drücken sich in deiner libidinösen Begierde die rohen sexuellen Impulse aus, mit denen du dich nicht immer zu identifizieren vermagst. Diese innere Unbefriedigtheit wird durch ein aggressives Verhalten verdeckt, das sich gleichzeitig im Drang nach körperlicher Überwindung ausdrückt, denn für dich ist die Lust am Widerstand zu groß, als daß du ohne sexuelle Verhinderung (und deren Überwindung) zur letzten Erfüllung kommen kannst. Deshalb der Rat: Meditiere über Sexualität und die Macht, mit ihr umzugehen! Evoziere deinen inneren Schöpfergott, und spiele das Spiel von der Erschaffung der Erde: Umarme die Erde, d.h. lege dich mit ausgebreiteten Armen auf den Boden, und reibe dich an ihr, bis der göttliche Schöpfungsstrom ejakuliert.

MARS IN ZWILLINGE
Feuer/Luft: Hansdampf oder der Durchlauferhitzer


Thema Diskussionen, großes Kontakt- und Kommunikationsverlangen; verbale Auseinandersetzungen (Niederreden), oft auch Zersplitterungstendenzen
Ziel Gedanken- und Einfallsreichtum, Intellektualität

Klare Standpunkte zeichnen dich aus, Kompromisse sind dir Lüge, Abwägen Feigheit, kurz: In Sachen Kommunikation herrscht ein rüder Ton, denn Mars in Zwillinge steht auf der einen Seite für ein starkes Selbstbewußtsein und für den kühnen Schritt, auch schwierigste Problemstellungen zu durchdringen. Er zeigt, daß du dich aus vertrautem Umfeld löst, um eigene Wege zu gehen. Dabei sind Freiheitsdrang, Ehrgeiz, die Suche nach dem verlorenen Paradies oder dein intellektuelles Geltungsbedürfnis die treibenden Kräfte. Du bist pausenlos in Auseinandersetzungen verwickelt und bietest eine energische Darstellung kommunikativer Fähigkeiten, die die Zweifel nicht durch abwägendes oder bedächtiges Analysieren, sondern durch einen mutigen Akt der Entscheidung beseitigt. Auf der anderen Seite bist du aber auch ein Hansdampf in allen Gassen, der mit immer neuen Absichten und Ansichten brilliert und seine Ideen zu gigantischen Visionen visualisiert, ohne aber eine auszuführen. Ausdauer und Geduld sind zwar nicht alles, aber ohne Ausdauer und Geduld ist alles nichts. Mars in Zwillinge ist ein “Schnellerhitzer”, der oftmals nur heiße Luft produziert.

MARS IN KREBS
Feuer/Wasser: Der Abstieg zu den Urmüttern


Thema seelische Impulse, embryonale Erinnerungen, Affekthandlungen mit nachfolgender Reue, Selbstbestrafungstendenzen
Ziel Aufarbeitung von Karma, Bändigung und Umwandlung emotionaler Verstrickungen

Pubertäre Ahnungslosigkeit und naive Unschuld verbinden sich in dir zum emotionalen Ereignis, denn in deiner archaischen Erbmasse arbeitet noch genügend Trieb, um auf erotische Signale aus der Unterwelt sehr betont zu regieren. Unter diesem Gestirn scheinen Auge, Nase und Ohr vermehrt das zu empfangen, was die große Drüse in deinem Hirn anregt, das Feuer der Liebe zu entzünden und den Stromstoß der Begierde in ein aphrodisierendes Feuerwerk oder einen unkontrollierten Abgang (Samenerguß) einzubinden, was dir enorme Plus- oder Minuspunkte auf der Richterskala der seelischen Erdbeben beschert. Entweder setzt du deine Träume schöpferisch um und bist für viele das Idealbild des romantischen, gefühlvollen Menschen, der sich selbstbewußt hingibt, oder die Furien in den Nischen deiner unterirdischen Seelenkammern richten sich destruktiv gegen dich selbst bzw. deine eigenen Schwächen, und dann kommt es in deiner Persönlichkeitsentfaltung zu sexuellen Aussetzern, weil du dich von deinen eigenen Gespenstern angegriffen fühlst.

MARS IN LÖWE
Feuer/Feuer: Die Trophäe des Siegers


Thema Willenskraft, Lebenskraft, Lebenswille; Durchsetzungskraft, Selbstdarstellung, Führungsanspruch
Ziel energische Selbstpräsentation und schöpferische Selbstverwirklichung (kraftvolles Ins-Licht-Rücken der Kreativität)

Du hältst dich für unwiderstehlich, weil du alle Ziele leicht erreichst und dir die Siegerpreise klein und lächerlich erscheinen, und es fällt dir ausgesprochen schwer, Hindernisse auszumachen, die deiner feurigen Stärke angemessen sind. Unter dieser Konstellation mußt du lernen, mit deinen Aggressionen umzugehen, denn du bist die unbekümmerte Flamme des Zwistes, die das Machtprinzip des Egos ohne Rücksicht auf Verluste durch ihr aggressiv-dynamisches Verhalten zur Geltung bringt. Mars in Löwe verkörpert ein Feuerwerk von Handlungen, in deren Hitze sich die Welt ausdehnt, denn es ist der berauschte (überpeitschte) Wille, der dir die Tür zu neuen Abenteuern aufstößt, gleichgültig, ob es sich um eine Techno-Party oder um eine Wüstensafari handelt.

MARS IN JUNGFRAU
Feuer/Erde: Die Schere im Kopf oder der Klugscheißer


Thema Pedanterie, Nörgelei und Besserwisserei (Anpassung der Aggressionen an einen vernunftorientierten Rahmen)
Ziel der Schulmeister oder Sozialpolitiker (Entwicklung und Verfechtung ethischer und moralischer Grundsätze)

Der Jungfrau-Mars symbolisiert die inneren Instinkte, die auf die Prüfungsinstanz der Vernunft “aufgelaufen” sind. Dies wirkt sich zur Forderung im Leben aus, deine Triebkräfte in die Umwelt einzubinden, ohne sie weder zu unterdrücken noch zu verhindern. Weil sich der archaische Mars in die kritisch-vorsichtige und pedantische Jungfrau aber nicht so richtig einbringen kann, bleiben deine Empfindungen meistens im Raum der Möglichkeiten hängen, als Denkvorstellung gewissermaßen, damit du deine Aggressionen nicht wirklich zu leben brauchst. Denn vom inneren Unvermögen, dich selber spüren zu können, wirst du buchstäblich in die “Selbstumarmung” gedrängt, denn: Selbstbefriedigung ist Ausdruck einer marsischen Sehnsucht verbunden mit jungfräulicher Unerfüllbarkeit. Vielleicht solltest du die Impulse deiner Triebe öfters ein bißchen provozieren, damit sich dein Erleben nicht nur in der Masturbations-Ecke nervtötender Besserwisserei erfüllt!

MARS IN WAAGE
Feuer/Luft: Der Pfeil des Amor


Thema Liebe, Hingabe, Leidenschaft (erotische Anziehung, triebhafte Hingabe, starker sexueller Magnetismus)
Ziel Sexualität als Lebensenergie

Dieses Gestirn knistert vor enervierender Erotik, die immer wieder entspannt werden möchte, denn Mars in Waage ist nichts anderes als eine Raster-Fahndung der Geschlechter. Im Vorfeld liefern erotische Signale die Scharmützel: Augenaufschlag, Duftwolke und vielversprechende Blicke. Dann greift Gott Amor ins Geschehen ein, denn es ist sein Pfeil, der darauf zielt, aus den gegensätzlichen Reibungen harmonische Spannungen aufzubauen, damit du dein Lust-Objekt leichter aus- und anmachen kann. Sind die Energien erst einmal entbrannt, führt das zur magischen Verstrickung, denn im Zusammenspiel von Triebhaftigkeit und Erotik, Hingabe und Aggressivität ist der Drang nach Eroberung (Mars) mit dem gleichzeitigen Verlangen gepaart, vom anderen auch begehrt zu werden (Venus). Hier geht es um die Sexualität als Ausdruck der Freude, wenn Instinktnatur und Gefühlsausdruck miteinander verbunden sind. Deshalb signalisiert Mars in Waage triebhafte Hingabe, aber ohne Gewalt, denn die Erotik greift an, indem sie sich ergibt.

MARS IN SKORPION
Feuer/Wasser: Das Medusenhaupt


Thema rücksichtsloser Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel; sexuelle Abgründe (Macht, Zwang, Unterdrückung)
Ziel Stärke, Gewalt, Wucht, Schwung, Energie, Krieg (oft auch Sieg über sich selbst)

Mars in Skorpion zieht dir die Maske vom Gesicht und zeigt dir, was sich unter unserer gesellschaftlichen Kultur in den dunklen Schächten der menschlichen Instinktnatur verbirgt, nämlich der ungeliebte Spiegel unserer selbst, in dem du dein triebhaftes Verhalten erkennen kannst, wenn du folterst und zerstörst und gleichzeitig verdrängst, daß es in der Natur unseres Wesens liegt, uns daran zu ergötzen. Es ist aber auch der Schritt, der hinter jene innere Tür vordringt, hinter der der Mensch in einem letzten Aufraffen das grandiose Ego seiner menschlichen Form verteidigt, dessen Protagonisten nur noch die Inbrunst des Zerstörungswillens aufzubringen vermögen, diese Faszination des Abgestoßenseins, der Wollust, eine Form der passiven Lüsternheit, die eine Art von Entzücken provoziert, wenn ein Mensch geopfert wird. Dahinter wirkt die verborgene, geleugnete, tabuisierte seelische Schwerkraft des Todestriebes, die deshalb etwas so ungemein Fesselndes für uns hat, weil die Schwester der Lust am Untergang die Lust an der Wahrheit ist. Es ist der zwanghafte Wunsch, dich gegen alle Schwierigkeiten zu behaupten, der Gefahr ohne Zögern ins Auge zu schauen und den Teufel geradezu herauszufordern.

MARS IN SCHÜTZE
Feuer/Feuer: Der Streiter für den Gral


Thema Begeisterung, Entzückung, Leidenschaftlichkeit; aber auch Neigung zu Übertreibung und Selbstüberschätzung
Ziel spirituelle Entgrenzung (Streit aus innerer Überzeugung bei gleichzeitigem Drang nach Erweiterung des geistigen Horizonts)

Die aktiven, nach Entwicklung drängenden Aggressionsflammen des Mars verlangen nach Wegen, die von den konventionellen Gestaden weg zu neuen Zielen führen, denn Mars in Schütze ist ein Synonym für Tiefensehnsucht, die sich gern in einen Mantel scheinbar wärmenden Erkennens hüllt (scheinbares Erkennen ist eine der wirksamsten Formen raffinierten Verdrängens). Er verkörpert ein kraftvolles, energisches Engagement in ökologischer oder philosophischer, weltanschaulicher oder religiöser Richtung, nämlich die aggressive Verkörperung von Einsichten und Erfahrungen aus neuen Begegnungen. Dieser Weg führt zu mehr oder weniger starken Identifikationen mit überpersönlichen religiösen Modellen, zu einem mystisch-esoterischen Sektierertum, das sein wissendes Image (Schütze) ich-vergrößernd durchsetzt (Mars), ohne zu bedenken, daß in diesem Akt weder Bewußtseinserfahrung noch Gotteserkenntnis, sondern nur die egoaufblähende Auswirkung einer grandiosen Selbstbespiegelung schlummert. Doch dieser Spiegel hat kein Ziel, und auch das gespiegelte Bild im Spiegel ist nur ein Bild, das niemals etwas anderes als dich selber zeigen kann. Erst wenn du dich in der Rolle des Edlen erkennst, der nicht für die anderen, sondern immer nur für seine eigenen inneren Überzeugungen kämpft, bist du für die wahren inneren Ziele dieser geistigen Verbindung bereit.

MARS IN STEINBOCK
Feuer/Erde: Der “gerechte” Krieg


Thema Herausforderung, Trotz, Eigensinn, Wirklichkeitssinn, Durchsetzungssinn, Tollkühnheit, Verhärtung
Ziel Kampf und Widerstand gegen die Außenwelt (kompensierte Triebhemmungen)

Mars in Steinbock ist der rücksichtslose Gott des Scheiterns, der das Machtprinzip des Egos an den Verhinderungen des Unbewußten aufreibt. Deshalb bist du einerseits bestrebt, alle Hindernisse zu beseitigen, die dein äußeres Handeln beeinträchtigen; andererseits ist es aber gerade die Behinderung deiner Entfaltungsmöglichkeiten, die dich zur Überwindung immer höherer Hindernisse antreibt. Das verhinderte Wollen erhebt sich drohend aus den Niederungen der Gewalt und wird zu Affekthandlungen, Unfällen oder akuten Krankheitsausbrüchen führen, wenn diese inneren Spannungen nicht durch Einsichten und entsprechende Reife aufgefangen werden können. Es ist das überkommene Weltbild, das zunichte gemacht werden will, denn Mars kündet vom Scheitern als notwendiger Voraussetzung, um zu einer umfassenderen Wahrheit zu gelangen: Will man die eigenen Forderungen erzwingen, muß man sich des Krieges bedienen, was natürlich nie im eigenen Unrecht, sondern immer in der Uneinsicht der anderen liegt. Aus der Sichtweise dieses Gestirns wäre demnach die boshafte Frage zu stellen, ob nicht gerade erst Aggressionen, Kriege und Unterdrückung das Überleben in einer Gesellschaft erlauben, die ihren Mitgliedern die systematische Verdrängung ihrer Instinkte auferlegt?

MARS IN WASSERMANN
Feuer/Luft: Der Flaschenhals oder der große Knall


Thema Bruch mit konventionellen Normen (Originalität), Abbau von Fixierungen, Eigensinn, Kehrtwendungen, Voreiligkeit, Widerspruchsgeist
Ziel Freiheit und Unabhängigkeit, Verrücktheit und Unberechenbarkeit (individueller Selbstausdruck)

Mars in Wassermann ist der Flaschenhals, durch den sich die Aggression explosionsartig in jedes Leben ergießt, wo sie sich unter Gedonner und Getöse in einem desaströsen Ereignis entlädt, denn wenn du dir Mars als den Impuls vorstellst, der das explosive Energiefeld des Wassermanns auslöst, dann kannst du dich auf den “Form-Ausbruch” einstellen, der dich in die höchsten Sphären hinaufschießt. Du wirst auf den Wogen deines individuellen Selbstausdruckes in Gefilde getragen, wo du dich durch gigantische Schöpfungsmonumente mit deinem verdrängten, größenwahnsinnigen Ego zu identifizieren suchst. Du kannst aber auch versuchen, dich selbst im anderen zu verwirklichen und deinen Absturz in die innere Haltlosigkeit zu ignorieren, indem du andere Menschen in ihrem Umbruch unterstützt. Wenn deren Weltbilder zusammenkrachen, löst das in dir den Wunsch aus, ihre Rettung durch dein Engagement zu inszenieren, denn das hält dich davon ab, dich mit deinen eigenen Ausbrüchen zu befassen. Du versuchst im Grunde nur deshalb dem anderen zur Erfüllung zu verhelfen, damit du deine eigene Leere nicht mit Sinn erfüllen mußt. Du müßtest dich sinnigerweise fragen: “Füllt die Katastrophe der anderen meine innere Sinnlosigkeit wirklich sinnvoll genug aus?”

MARS IN FISCHE
Feuer/Wasser: Der Gang übers Wasser/Die Impotenz


Thema Chaos, Verwirrung, unterdrückte Aggression (Reizbarkeit, Schwäche, Infektion)
Ziel Mystizismus, innere Versenkung, soziales Engagement (tatkräftige Hilfestellung für Außenseiter)

Wenn das unbewußte Träumen zu den Fischen gehört, dann ist Mars der bewußte Träumer seines Traums. Mars projiziert seine Ideen in ein Objekt, um dieses handhaben zu können, den Fischen hingegen ist es in ihrer Spiritualität erlaubt, durch die Verschleierungen des Unbewußten hindurchzusehen. Es scheint dir, als ob sich deine Bildvorstellungen selbst umstellten, um das eigene Ungesehene zu sichten, denn vor deinem inneren Auge steigen pulsierende Wirbel auf, und du siehst die Schwingung des Geistes, die, aus der Leere schöpfend und ins Nichts ausfließend, die Träume der Menschen erschafft. Indem Mars aber wiederum verdrängt, daß er alles immer nur so sieht, wie er es träumt, schützt er sich selbst vor seinem eigenen Erwachen. Damit befindest du dich auf jener Entdeckungsreise, auf der du deine spirituelle Phantasie im Spiegel deiner kreativen Impotenz erkennst.

Mars in den Häusern


MARS IN HAUS 1
Der Streithammel

Du provozierst oft einen Streit, um deine innere Spannung nach außen zu bringen. Damit du die energetische Stauung durch Aktion entspannen kannst, mußt du ein Objekt für deine Aggressionen finden. Das tust du, indem du deine innere Spannung auf den nächstbesten Menschen überträgst. Auch in der Liebe neigst du zu einem “Hoppla-jetzt-komm-ich”-Verhalten, das sich mit Überzeugung nehmen will, was es dem andern gar nicht geben kann (alles), und damit oft das Gegenteil bekommt (nichts). Selbst wenn du dich für den anderen einsetzt, tust du es bloß aus einer Fehleinschätzung heraus (der Übertragung deines eigenen Bildes), weil du glaubst, daß der andere die Welt so wie du selbst siehst und du ihn deshalb vor den Unbillen seines Unverstandenseins bewahren müßtest. Das entspricht dem Typus des idealistischen Egoisten, der in allem nur sich selbst spürt und in Abwesenheit geeigneter Ziele die Eroberung selbst zum Ziel erklärt!


Symptome Überreaktionen (Reizbarkeit, Wutausbrüche); Infektionen


MARS IN HAUS 2
Die sizilianische Verteidigung

Es gab eine Zeit, da war das persönliche Wohl des Menschen von der Einbindung der Aggressionskräfte in die Sippengemeinschaft abhängig. Das gemeinsame Ziel entsprach nahtlos den Bedürfnissen des einzelnen, denn das Überleben war nicht nur von der Abwehr des äußeren Feindes abhängig, sondern auch von der gemeinsamen Nahrungsbeschaffung. Mit Mars in Haus 2 bist du ein moderner Protagonist dieser urrudimentären Erfahrung, der sich alles einverleibt, was ihm einen Wertzuwachs verschafft, und seine gesammelten Schätze mit Gewalt verteidigt (Verfestigung durch Arbeit und Sicherung der Materie), denn diese Konstellation symbolisiert in ihrer dynamischen Form die weit in den Raum ausgreifende, vereinnahmende Bewegung. Dabei bist du weniger vom Bedürfnis erfüllt, Macht zu erringen, sondern du möchtest das (schon) Errungene zuerst einmal absichern, und deshalb läßt du dich von deinem instinktiven Besitztrieb leiten, deine Besitztümer durch eine frühzeitige Bekämpfung der Feinde zu verteidigen (Aufrüstung zur Friedenssicherung). Ab und zu öffnest du dich zu “Friedensgesprächen” gegenüber den Besitzansprüchen deiner Umwelt – aber nur, um die eigenen Raubtier-Instinkte zu schärfen und das Gefühl für den Augenblick zu bekommen, in dem du am besten “zubeißen” kannst.


Symptome triebhafte Aggressionen (Zeugungstrieb), emotionale Verpanzerungen, Hals-Nacken-Muskulatur-Verspannungen


MARS IN HAUS 3
Der Blitzkrieg oder die schnelle Reaktion

Dieser streitbare Pfad steht für alle einen interessanten Aufbruch zu neuen Horizonten begleitenden Erfahrungen, denn er repräsentiert das Räderwerk des Kosmos, in dem sich die vorüberziehenden Bilder des Seins in die ewigen Muster des Werdens einbinden. Deshalb steht er für die Suche nach dem höchsten Sinn und zeigt, daß der Weg dorthin nicht über blindes Handeln oder kriegerische Unvernunft geht, sondern daß er über die innere Absicht des Kriegers führt, der sein gesammeltes Wissen auf das Ziel ausrichtet und seinen Weg in unbeirrbarer Beharrlichkeit geht. Er lädt dich ein, deine (verstandesmäßige) Aggressivität nicht zu verstecken, denn er verhilft deinem geistigen Streben zu einem schnellen Reaktions- und Koordinationsvermögen. Blitzhaftes Erfassen und augenblickliches Handeln sind Attribute, die unter dieser Zeichenstellung blühen, und deshalb fühlst du dich auch in Situationen wohl, in denen komplexere Meinungen akzeptiert werden können. Dabei geht es häufig darum, innere Widersprüche zu überwinden, denn der Preis für dieses oft nur scheinbar “sinnlose” Ziel ist meist die innere Kluft zwischen Strategie und Trieb, Intuition und Denken.


Symptome Streitlust, Voreiligkeit, intellektuelle Übersteigerung und streßerregende Sinnes- und Gefühlsreize aus der Unfähigkeit, eindringende Außenreize genügend zu verarbeiten


MARS IN HAUS 4
Die Regression oder die steckengebliebene Aggression

Auf der tiefsten Ebene symbolisiert dieser Aspekt die Bindung der aktiven, nach außen drängenden Aggressionskräfte (Mars) an den innersten Gefühlsbereich (Haus 4). Das entspricht den verhinderten Instinkten, die im Keller des Unbewußten ihr Unwesen treiben. Dieser innere Zustand drückt sich im Alltag dann als etwas aus, das dich ängstigt und fasziniert zugleich, und du spürst, wie dein eigener Leib zur Flamme wird, in der das Leben tanzt, denn Erotik zwischen zwei Menschen ist Energie aus Zärtlichkeit und du spürst dieses ungestüme Sich-Öffnen des Fleisches, durch das sich das Triebverlangen belebt. Immer tiefer verstrickst du dich in das Feuerwerk der Liebe, fötale oder embryonale Erinnerungen tauchen auf, Abläufe auf der Ebene des Zellbewußtseins werden reaktiviert, denn Sex ist die Reibefläche für das Feuer zu zweit, und meistens nimmt das mondbetonte 4. Haus die gewalttätigen Bilder über den Magen auf, wenn sich Mars im Labyrinth der Seele verirrt. Oft bist du eingesperrt in den Bildern von Geburtsängsten – jederzeit bereit, deine Wurzeln gegen Angriffe von außen zu verteidigen, denn du befindest dich in der schwierigen Lage, deine inneren Gefühle gegen äußere Einwirkungen ständig verteidigen zu müssen. Diese Energie aber, die du dadurch verbrauchst, daß du die Aggressionen nicht zuläßt, fehlt dir schließlich zur persönlichen Erfüllung.


Symptome Magenübersäuerung, Eisenmangel, schlechte Zähne; seelische Reaktionen (Erröten, Nägelbeißen), übertriebene Aktivität aus Bedrohungserwartung (Sympathikusüberfunktion bzw. erhöhter Adrenalinspiegel)


MARS IN HAUS 5
Der Drachentöter

Hier befindest du dich im Einklang mit deinen inneren Gefühlen, denn du verfügst über eine feurige Hitze und strahlst eine immense Sinnlichkeit aus. In seiner primitiven Prägung jedoch befindet sich dein Gefühlsleben noch nicht ganz auf der Höhe der Zeit, denn unter diesem Gestirn hältst du dich für den großen Drachentöter oder die kämpfende Amazone, der jedes Ungeheuer verfällt. Wirst du in deiner Aggression gehemmt, führt dies zu großer Frustration und Zorn, denn all deine Gedanken kreisen um das egozentrische Ich-Empfinden – im Schatten zu stehen ist allein Sache der anderen. Von daher rührt auch dein Bemühen, dich stets vorteilhaft zu präsentieren, denn innere Stärke zu demonstrieren ist für dich geradezu lebenswichtig. Dein Spiel heißt “Leben und Durchsetzen” und ist ein echtes Konditionstraining für deine Konzentration; es verschafft dir den Nervenkitzel des Lebenskampfes. Dies wiederum stachelt dich an, deine Aktivitäten auf Biegen und Brechen durchzusetzen, worauf du die Empörung der Umwelt zu spüren bekommst, die dein Vorgehen bisweilen als unverschämt empfindet und dich in der Realisierung spontanen Wollens durch ihre Norm-Strukturen hemmt.


Symptome Tendenz zu Verletzungen (Zerrungen, Verrenkungen, Verbrennungen), Unfällen, hohem Fieber, erhöhtem Blutdruck, Kopfschmerzen, Herzschwäche, Infektionen


MARS IN HAUS 6
Die Falle, die sich selber fängt

Mars in Haus 6 repräsentiert das unbewußte Streben, Anpassung zu predigen und neue gesellschaftliche (Sozial-) Formen anzustreben, ohne sich aber über die eigenen Beweggründe Gedanken zu machen. Das entspricht einem inneren Verhalten, sich durch die eigenen Verhinderungen aggressiv zu profilieren, weil Mars für soziale Angelegenheiten gar kein Auge hat. Jede Aggression trägt deshalb den Stempel intellektueller Vernunft, die sich bestätigen will oder zu erkennen sucht, aber immer nur vor sich selbst davonläuft, weil hinter allen Zielen bloß die eigene Verhinderung steht. Die Verhinderung ist das Spiel, das das Ego mit sich selbst spielt, denn jetzt wird es klar: Die Verhinderung ist die Straße (Haus 6), auf der sich die Aggression (Mars) ständig selbst überholt.


Symptome auf der physischen Ebene Darmschwäche, auf der psychischen Pedanterie, Kritiklust, Nörgelei, Hirnüberreizung, Reflexsteigerung und neuralgische Schmerzen


MARS IN HAUS 7
Das Lächeln der Liebe oder die sexuelle Anziehung

Es fällt dir nicht schwer, mit dem aggressiven Teil in dir Frieden zu schließen, denn deine offene, spontane Art, die Gunst der Umwelt zu gewinnen, sorgt für interessanten Umgang. Mars in Haus 7 ist ein Aspekt, der nicht nur einlädt, die vitalen Triebbedürfnisse zu leben, sondern auch der Tiefensehnsucht nachzuspüren, denn es ist der unstillbare Eiertanz der Geschlechter, der in dieser Konstellation aufscheint. Es ist die Verschmelzung mit der Liebe, die den Triebinstinkt anzieht, denn obwohl sie ihm nur ein Lächeln schenkt, dankt er es ihr mit unermüdlicher Hingabe. Mit der Liebe will sich die Seele in alle Variationen der Zuneigung vertiefen und in den Strom der Gefühle eintauchen, denn die Erotik zwischen zwei Menschen ist Energie aus Zärtlichkeit. Hier formt sich das Mysterium der Liebe, die Zweig eines unerfüllbaren inneren Anspruchs ist und nicht nur die Befriedigung eines von außen zu erfüllenden Bedürfnisses.


Symptome Störungen in den Ausscheidungsorganen (seelische Konflikte verlagern sich in den Genitalbereich), triebhafte Aggressionen bei gleichzeitiger Impotenz (Gleichzeitigkeit von Hingabe und Aggression), vegetative Funktionsstörungen (Niere, Darm), Schmerzen im Unterbauch (Uterusverlagerungen, Blasenmuskulatur)


MARS IN HAUS 8
Die Lust an der Gewalt

Du hast keine Lust, eine Art Steigbügelhalter zu sein, eine Art von Statist abzugeben, denn du weigerst dich, nur Voyeur zu sein, dich nicht einmischen zu dürfen. Deshalb kommst du von deiner Selbstdarstellung nur schwer los, und was du als Killerinstinkt nach außen hin demonstrierst, ist nur der kompensierende Versuch, Geltungsbedürfnis oder gesellschaftliche Ächtung hinter Gnadenlosigkeit zu verbergen. Hier bist du permanent in Auseinandersetzungen mit deiner Umwelt verwickelt, denn der Kriegsgott Mars steht für Durchsetzungsabsicht, maskulines Ich, Triebkraft und direkten Willen, während das 8. Haus laufend die veralteten Verhaltensstrukturen zum Vorschein bringt, die von Mars eliminiert werden müssen, um Platz für neues zu schaffen. Verdrängte Wünsche, Hoffnungen, Assoziationen wollen sich plötzlich frei artikulieren, wollen plötzlich ins Licht, denn Mars ist in mancher Hinsicht wie ein kleiner Bub, der ein übersteigertes Geltungsbedürfnis hat. Er möchte anerkannt werden, möchte, daß sich die Dinge um ihn drehen. Er möchte eine bestimmte Machtfunktion ausüben und sei es nur als erster Sekretär des Motorsportclubs. Diese Exzesse stellen oft eine Form der Verarmung, Vereinsamung, Auskühlung und Selbstflucht dar und zeigen den Verlust der Sensibilität, der mit ihnen verbunden ist.


Symptome Gewalt, Obsession, sexuelle Exzesse


MARS IN HAUS 9
Das Götzenbild

Diese Gestirnsverbindung dient der Suche, im Streben nach materiellen Dingen die höhere Absicht kennenzulernen, die sich hinter den menschlichen Zielen verbirgt. Du verlegst dein Ego in das Bild eines Gottes, von dem du glaubst, daß du ihn durch die Befolgung von Geboten, die du ihm selbst in den Mund legst, irgendwann erreichen kannst. Du wähnst dich zwar in der Vereinigung mit Gott oder – zeitgemäßer ausgedrückt – in der Vereinigung mit der kosmischen Urkraft, bemächtigst dich aber im Grunde nur deines eigenen Gottesbildes. Eine überspannte Dogmatik dient dir zur eigenen Rechtfertigung vor dir selbst, ohne daß du die wahren Bedürfnisse wirklich verstündest, geschweige denn berücksichtigen könntest. Besessen von deinem inneren Dämon verwechselst du deinen persönlichen Glauben mit der göttlichen Wahrheit. Diese Übertreibungen im Bereich der Bewußtseinszunahme zeigen in Zonen, die Grenzen der Vorstellung zu überschreiten, und führen, wenn spirituelle Ziele nicht erreicht werden können, zur pseudo-esoterischen Entgrenzung der Materie. So bist du immer auf der Suche, die Antwort nach dem Sinn im Suchen anderer zu finden (im Überzeugen anderer vom Lebenssinn), denn du wähnst dich an der Quelle des Erkennens angekommen und siehst nicht, daß sie dir nur deine eigene Maske reflektiert.


Symptome Wahrnehmungs leere (Sinn- und Glaubenskrisen), Todessehnsucht, spirituelle Unbefriedigtheit (übersteigerte Verantwortungsinteressen)


MARS IN HAUS 10
Der Stacheldraht oder die Aggression der Verhinderung

Unter dieser Prägung herrscht eine solche Verspannung energetischer Ströme, daß die Lust am Untergang zum hoffähigen Kulturgut werden kann. Es ist die Suche nach Zärtlichkeit, die dich zwingt, dich auszuliefern, dich in den anderen einzusaugen oder durch einen Akt der Gewalt bis an die Grenzen vorzustoßen, wo sich der andere öffnet und bedingungslos kapituliert. Das entspricht der konzentrierten Energie, die sich entweder als Brutalität nach außen oder aber als zerstörende Kraft nach innen richtet, denn Mars in Haus 10 knüppelt sich buchstäblich selbst nieder, um auch nicht den geringsten Zweifel an der Energie-Blockade dieser Verbindung aufkommen zu lassen. Du hast dich der Aggression der Verhinderung zum Preis des Lustgewinns verkauft, denn das, was dich hindert, ist gleichzeitig das, was dich motiviert, doch oft – wenn du Glück hast – ist die Verhinderung der Zerstörung schon zerstörerisch genug, um dir zur Heilkrise zu verhelfen. Erst wenn du ganz vorsichtig das “innere Gaspedal” losläßt (Mars) und gleichzeitig den Fuß von der Bremse nimmst (Haus 10), damit die Psyche weder blockiert noch überdreht, kannst du dich aus dieser seelischen Umklammerung befreien.


Symptome Muskelverkrampfungen und rheumatische Symptome (Arthritis, Gicht, Arthrose), Melancholie, Depression, Gefühl, aus der Haut zu fahren (heraus aus der Blockade)


MARS IN HAUS 11
Die Herausforderung

Mars in Haus 11 verkörpert nicht nur den Widerspruchsgeist, der sich allem widersetzt, sondern er ist auch ein Symbol für die archaische Urgewalt, die die Psyche eines Menschen regelrecht zum Einsturz bringen kann, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, um die starre, gesellschaftsorientierte und lebensfeindliche Haltung des Ich aufzubrechen. Dann kann der Leidtragende nur noch versuchen, sich mit seinem Schicksal abzufinden, um in der Vernichtung den Geist seiner Freiheit wiederzufinden. Das Thema dieser Konstellation ist aber nicht nur die Konfrontation mit unseren revolutionären Zielen. Diese sind ja die Grundlage für unsere Handlungen, die wiederum die Ursachen und die Wirkungen bilden, durch die hindurch die Entwicklung des Menschen voranschreitet. Thema ist auch – und hier kommen wir zur Metamorphose, die eine abgearbeitete Ebene transzendiert – die bohrende Schicksalsgewalt, die die Seele in die erschöpften, toten Hüllen des Bewußtseins hinabzieht, wo nicht mehr die Kraft des Individuums herrscht, sondern das Mißlingen und die Depression des Scheiterns. Daraus wächst der Wunsch, ins Leben zurückzukehren, wo aber nicht mehr die Präsenz gesellschaftlicher Anerkennung, sondern die Zerstörung aller Zwänge Heilung und Erlösung schafft.


Symptome Nervenstörungen, Muskelverkrampfungen, Überreaktionen; Allergien, epileptoide und neurovegetative Störungen


MARS IN HAUS 12
Der lautlose Schrei

Hier bist du nicht phantasielos genug, um dir nicht vorstellen zu können, daß es auch eine ungeheure Verlockung sein könnte, dich von den anderen abhängig zu sehen, die mit dir machen können, was sie wollen. Das entspricht exakt dem Reiz, deine unterdrückten Aggressionen gegen dich selbst zu leben, dich symbolisch auszuliefern, denn Mars wird durch das Eintauchen in die ozeanischen Tiefengründe (Haus 12) seiner direkten Aggressivität beraubt und damit gezwungen, seine Ziele loszulassen und sich dem freien Spiel der Kräfte hinzugeben. Die durch die innere Versagensangst potenzierte Aggressions- und Willenslähmung wirkt sich oft so aus, daß es dir nur schwer gelingt, konkrete Wünsche auszusprechen oder Ziele klar zu definieren und führt dazu, allen persönlichen Verpflichtungen auszuweichen. Das zeigt sich nicht zuletzt in deinem Streben, jede Auseinandersetzung zu umgehen, die dich aus deinen Träumen auf den Boden der Wirklichkeit zurückbeordert, und kann bis zu Reaktionen führen, die Realität nicht nur passiv zu erleben, sondern die Hemmung jetzt aktiv anzunehmen und allen Verantwortungen zu entschweben.


Symptome Haltlosigkeit, Sucht, reduzierte Infektionsabwehr; Muskelschwund, Muskellähmung, Libidoverlust (Gleichgültigkeit, Antriebsschwäche, Apathie)



JUPITER
DIE INNERE SINNFINDUNG

Jupiter, milder Regent und harter Diktator, freundlicher Freund und feindlicher Feind, Hüter des Rechts und Brecher des Widerstandes, Gott der Gerechtigkeit und Gott der Rache, wird als höchster Himmelsherr verehrt. Als Gott der Wahrheit ist er Lichtbringer, Siegverleiher und Sitz der höchsten Weisheit der Welt, und als Vater der Götter und Menschen gilt er als Mehrer, Erhalter und Erretter in der Not. Als allumfassender und universaler Gott nennt man ihn “höchste Macht”, und als Beherrscher des Erdkreises ist er der oberste Gott, Regierer und Erhalter des Weltalls. Als innerer Guru und Wohltäter, der selbst aus den profansten Alltäglichkeiten kraftspendende und lebensbejahende Affirmationen zu ziehen vermag, steht er für den unstillbaren Drang nach geistiger Horizonterweiterung, und mit seinem unerschöpflichen Trieb nach Ausdehnung repräsentiert er eine guruhafte Omnipotenz in der Außenwelt, die das Wesentliche erst in der Übersteigerung durchscheinen läßt. Das Bestreben, die Dinge in einem größeren Zusammenhang zu sehen, krönt sich in der Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Daseinsfragen. Auf unbewußter Ebene entspricht das einer Ein- und Rückbindung ins Zeitlos-Ewige. Dieses Empfinden eines Eingebettetseins in einen größeren Rahmen erlaubt ihm, ein Gefühl von Sicherheit und Wissen auszustrahlen, das ihn in den Augen seiner Umwelt als einen Übermittler spiritueller Einsichten erscheinen läßt.

In seiner positiven Prägung zeugt Jupiter von einer Haltung, die von Güte, Optimismus und lebenszugewandter Expansivität nur so strotzt. Man glaubt ihm den offenen und großzügigen Menschen, der “leben und leben lassen” zum Credo seines persönlichen Verhaltens kürt. Als Hüter väterlich-milder Autorität dienen ihm Freiheit und Selbstverwirklichung zur höchsten Prämisse, aber nur solange, wie man die gnädigst zugewiesenen Freiräume nicht überschreitet. Solange man seinen Führungsanspruch nicht in Frage stellt, ist er der gütigste, gerechteste und wohlwollendste, Reichtum und Fülle über die Menschen ausstreuende Gottvater. Scheinbar befreit von den äußeren Zwängen vermag Jupiter ein kolossales Gemälde des Universums zu malen und sich gleichzeitig als spiritueller Befruchter darzustellen, der die Gestirne dirigiert. Er strebt nach einem inneren Erkennen, das sich selbst höchstes Gesetz ist. In diesem Sinne ist er nichts anderes als eine Wiedergeburt des alten Priesters, der die Schaffung seines inneren Gottesbildes selbst in die Hand genommen hat, denn Jupiter verkörpert das Verlangen, der Sehnsucht nach Gott ein inneres Bild zu widmen und dieses in die Welt zu schicken, damit er es “draußen” finden und wieder in die Seele zurückspiegeln kann. Diese veräußerlichte Sinnbildung dient ihm als Ziel, außen zu finden, was er innen sucht. Gleichzeitig läßt er das gefundene Bild wieder nach innen verschwinden, weil dieser Gott, den er außen findet, sich in seiner inneren Sehnsucht ja “erkennt”! Was der Mensch aus dieser Not heraus “Gott” nennt, ist in Wahrheit sein eigenes, von ihm allein geschaffenes Ebenbild, weil er sich an Gott selbst nicht (mehr) erinnern kann. Und was er als Ziel bezeichnet, enthüllt im Grunde nur seine Absichten, und zwar in Form des von ihm selbst entworfenen Schöpfungssinns. Finden ist seine spezifische Form von Suchen – und daraus ergibt sich ein im Suchen selbst liegender Lebenssinn!

Du selbst bist der Schöpfer, der nicht wahrhaben will, daß er seine eigene Schöpfung sucht, denn deine eigene Schöpfung entspricht ja der Sehnsucht, ohne das nicht leben zu können, was du immer wieder findest: einen im Suchen selbst versteckten Lebenssinn! Finden ist deine eigene Form von Suchen, und solange du dies nicht erkennst, wird dein eigener Gott dir ein Rätsel bleiben, weil du dich selbst nicht erkennst. Erst wenn du merkst, daß das eigene Ziel du selbst bist, wirst du das Rätsel lösen, denn im Rätsel verbirgt sich die Wahrheit, die nur deshalb als Rätsel erscheint, weil du dich selbst in ihr nicht siehst: Und je mehr du deiner selbst wüst und leer bist und aller Dinge unwissender, um so näher kommst du dem. Ihn kann man nur sehen in Blindheit, in Nicht-Erkennen, ohne Form und Laut und ohne Gemächte der Vernunft. Gott wird geboren in dem Nichts... (Meister Eckehart)

Jupiter in den Zeichen
JUPITER IN WIDDER
Feuer/Feuer: Der Kreuzritter


Thema Begeisterungsfähigkeit, Selbstherrlichkeit, Horizonterweiterung und göttliche Erkenntnis
Ziel persönliche Freiheit und erkenntnismäßige Entgrenzung (der sich durch seine Göttlichkeit verwirklichende Geist)

Jupiter in Widder beschreibt die Strategie, das heldenhafte Ich (Widder) mit dem zu verbinden, was den Menschen als Schwingung einer höheren Kraft (Jupiter) umzingelt. Auf der einen Seite ist er unternehmerisch, erfolgreich und lebenstüchtig, auf der anderen voreilig, arrogant und selbstüberheblich, unfähig zur Selbstkritik, blasiert und unerträglich, ein selbstsüchtiger Guru, der den Erleuchteten mimt. Schon die alten Christen haben den Apfel des Wissens vom Baum der Erkenntnis gegessen, weil sie wie Gott sein wollten. Sie wollten die Identifikation mit Gott, also erschufen sie sich ein Bild von ihm und nahmen es in Besitz, indem sie sich selbst damit identifizierten. Sie fixierten sich auf ihre Wünsche und suchten diese zu finden, indem sie sie in ihren eigenen Bildern suchten. Unter diesem Einfluß bist du aber heute in der Lage, den Spiegel dieser Selbstbetrachtung mit den Jahren zu zerbrechen: Jupiter in Widder heißt, die Vergeblichkeit einzusehen, irgend etwas ändern zu wollen und trotzdem Teil jeder Veränderung zu sein.

JUPITER IN STIER
Feuer/Erde: Tischlein-deck-dich


Thema Wachstum, Fülle, Glück und Wohlstand
Ziel Lebensgenuß, Lebensfreude, materielle Erfüllung

In seiner stierhaften Verkörperung symbolisiert Jupiter die Fruchtbarkeit der Erde, also Befruchtung, Wachstum, Ausdehnung und kreative Entfaltung. Grundlage ist das Bedürfnis nach sozialer Sicherung (stellvertretend für die embryonale Sehnsucht nach dem schützenden Mutterbauch). Deshalb zählen hier weder Lippenstift noch Hochschulbildung, sondern Stärke, Selbstbehauptung und viel Phantasie beim Kochen und in der Liebe. Denn das Bedürfnis nach Ausweitung kann auch dazu führen, die Nahrungszufuhr in die Erweiterung einzubeziehen und statt des Bankkontos oder der geistigen Ideale die körperlichen Formen auszudehnen. Gerade Menschen, die nicht gern auf Kalorien achten, suchen die Befriedigung über den Mund. Dies hat schon Sigmund Freud erkannt, der gesagt hat: Als erstes entwickelt sich beim Menschen die Lust über den Mund. Wenn er etwas ißt, fühlt er sich wohl. Wenn er aber traurig ist, dann ißt er, um wieder zufrieden zu werden. Wird dieses innere Lustgefühl nicht erfüllt, führt das bei einer Anlage, die auf Ausweitung und Wachstum ausgerichtet ist, zu Zügen von Ausschweifung und Fettsucht.

JUPITER IN ZWILLINGE
Feuer/Luft: Der Unternehmensberater/Die Datenbank


Thema Gedankenreichtum, Interessenvielfalt, differenzierender Verstand
Ziel intellektuelle Expansion (beständige Ausweitung enzyklopädischen Wissens)

Wie ein Seefahrer der Vergangenheit, der nach jedem Ozean auf weitere Weltmeere stößt, wirst du von den Wellen deines inneren Strebens getragen, die Schranken deines Weltbildes immer weiter hinauszuschieben, denn Jupiter betreibt in Zwillinge so etwas wie eine Datenbank, wobei die Zwillinge die Informationen heranschaffen und Jupiter das angesammelte Wissen managt. Der schnelle Austausch zwischen den Informationen verläuft über elektrische Impulse (chemische Übertragungsstoffe) innerhalb des Datenverbunds in deinem Hirn. Solange du deine Datensammlung gut vermarkten kannst, hast du alles im Griff, denn du kommentierst alle Ereignisse in der Welt, wobei du deine persönlichen Meinungen zu Weltanschauungen umfunktionierst. Doch ohne philosophischen Silberblick müßtest du schon früh morgens beim ersten Blick in den Badezimmerspiegel an dir zweifeln, wenn sich dir im Angesicht deines grübelnden Erkennens die Frage stellt: Bin ich jetzt der, der sich im Spiegel sieht, oder bin ich jener, der sich beim Sehen vor dem Spiegel zusieht? Wenn aber der, den ich sehe, ich ist, wer bin dann ich, der ihn sieht?

JUPITER IN KREBS
Feuer/Wasser: Das Reich der Mütter oder die Verbindung mit der Instinktnatur


Thema Güte, Wohlwollen, soziales Empfinden
Ziel matriarchale Weisheit (die Idealisierung matriarchaler Weisheiten oder die Aufarbeitung verdrängter seelischer Inhalte)

Krebs ist ein Sinnbild der Anima mundi, der Mutter Natur, wobei die Betonung auf der Verehrung des Weiblichen aufgrund ihrer instinktiven Weisheit liegt, und Jupiter in Krebs steht für jenen Aspekt des Bewußtseins, der sich mit der Instinktnatur verbindet, indem er in das Weibliche eindringt, denn sein Lohn sind die kryptischen Ahnungen und visionären Erscheinungen aus dem Reich der Mütter, wo sich der Geist in den unermeßlichen Schichten des Weiblichen verfängt. Es ist der Abstieg durchs Wasser, der den Geist befähigt, das Spektrum seiner inneren Wahrnehmung zu erweitern, und es ist der Schoß der Nacht, aus dessen Urgründen sich das triumphierende Leben in die Walhalla von Jupiters schöpferischem Bewußtsein emporwälzt. Unter diesem Einfluß bist du in der Lage, zu einem matriarchalischen inneren Empfänger zu werden, der allerdings für einen zu ursprünglichen und blinden instinktiven Aspekt des Ewigweiblichen steht, als daß er von seiner verstandesbetonten Umgebung immer verstanden werden könnte. Du kannst aber deine inneren Durchsagen zu prophetischen Botschaften verbinden für alle spirituellen Seelen, die nicht rational genug sind, um das Unfaßbare fürchten zu müssen.

JUPITER IN LÖWE
Feuer/Feuer: Der Ritt auf dem Sonnenstrahl


Thema Anerkennung, Großzügigkeit, Optimismus
Ziel Schöpferanspruch, geistige Führung (der Priesterkönig identifiziert sich mit Gott)

Jupiter als Licht des Geistes erscheint im Löwen als Inbegriff der Tageshelle, denn beide werden vom schöpferischen Willen umstrahlt und alles unter ihrem Einfluß stellt sich sofort in den Mittelpunkt des Lichts. Dieses Licht ist die Kraft des Lebens selbst, eine Kraft, durch die Jupiter nicht nur die aktiven, in klarer Bewußtheit angestreben Lebensziele repräsentiert und ein optimistisches Gefühl in allen Lebenslagen, sondern auch grelle Selbstgefälligkeit, manisch übertriebene Freude und die bis zur Unerträglichkeit reichende Selbstdarstellung, stets im Glanz der eingebildeten Größe zu erscheinen. Aber wie sagte schon der Gott des Mescál zu Schwarzhaar, einem kleinen Indianerjungen, im Hinblick auf dessen Suche nach Licht: Du kannst auf einem Sonnenstrahl reiten, dreißigmal tausend Weltzeiten lang quer durch die Welt der Götter, durch dreißigmal tausend Türen und Tore magst du eilen und wirst doch nicht mehr wissen als ich, denn je heller das Licht, um so dunkler sind die Schatten, die es wirft. (Georg Schäfer/Nan Cuz, “Im Reiche des Mescál”)

JUPITER IN JUNGFRAU
Feuer/Erde: Der Erbsenzähler oder die Suche nach sich selbst


Thema Lerneifer, Spitzfindigkeit, Kritikvermögen; Ordnungssinn, Perfektionismus, Zuverlässigkeit
Ziel kritische Vernunft (vorsichtige, durch Wissenschaft oder eigene Erfahrung abgesicherte Weltbildfindung)

Bevor du nach dem Gipfel faustischer Erkenntnis strebst und den Sinn der Schöpfung zu erkennen suchst, solltest du erst deine Selbstdisziplin und dein geistiges Entwicklungspotential entdecken, denn Jupiter in Jungfrau zeigt das enervierende Streben, die numinosen Sehnsüchte durch die zweidimensionale Brille in einem erklärbaren Weltbild zu suchen, das allen vernünftigen Argumenten gewachsen ist. Oft hältst du deine Realität für ein Gefängnis, aus dem du eines Tages fliehen wirst, manchmal auch für eine Todeszelle, aus der es kein Entrinnen gibt. Doch die Erkenntnis der Wahrheit über dich selbst besteht im wesentlichen darin, daß du entdecken wirst, was du unbewußt von dir selbst hältst. Denn das, was du von dir selbst hältst, ist letzten Endes das, was du bist. Gerade die Ansicht, daß sich in den Bildern und Denkvorstellungen immer nur das eigene Erkennen “erkennt”, gibt dir die Kraft, die eigenen Widersprüche zu formulieren, denn du erkennst jetzt in dem, was du für die Welt hältst, nicht die Welt, sondern nur deine eigene Wahrnehmung, die sich als deine Welt darstellt.

JUPITER IN WAAGE
Feuer/Luft: Das goldene Zeitalter


Thema geistiger Austausch, soziales Empfinden und joviale zwischenmenschliche Beziehungen neben innerer Leere, pathetischen Gebärden sowie wohlwollender Arroganz
Ziel expansive Sehnsucht nach dem Unbekannten, Ideale von Frieden und Harmonie

Jupiter in Waage verkörpert die selbstregulierende Kraft des schöpferischen Selbst, die es dir erlaubt, in einem gesellschaftlichen Umfeld sozial zu handeln und die schöpferischen Wehen ewiger Verwandlung seelisch zu verarbeiten. Hier versuchst du deine innere Sehnsucht in Idealen von Frieden und Harmonie zu finden, in der Einsicht, daß alle Wesen miteinander verbunden und alle Erscheinungen Ausdruck einer einzigen kosmischen Schwingung sind. Lebensfreudig versuchst du mit der Flamme der Begeisterung deine Mitmenschen zu motivieren, das goldene Zeitalter schon auf Erden zu schaffen, denn hier befindest du dich im Einklang mit deinen Gefühlen, verfügst über eine große menschliche Wärme und strahlst eine immense Heiterkeit aus. Schon Pythagoras sprach von der Verbindung der Sphären und der Hochzeit der Gestirne, wo jedes Atom und jeder Planetenkörper aufgrund seiner Bewegung, seines Rhythmus oder seiner Schwingungen zur universellen Harmonie des Ganzen beiträgt, und in der Glut der liebenden Verzückung erlebst du die Ekstase vom ersten zaghaften Aufglühen der Empfindungen bis zur sinnestrunkenen, orgiastischen Raserei.

JUPITER IN SKORPION
Feuer/Wasser: Der Mysterienpriester


Thema Machtstreben, hohe Ideale, tiefgreifende Wandlungen, starke Suggestivkräfte, Sinn für das Hintergründige
Ziel religiöse oder soziale Erneuerung (die Erschaffung eines magischen, okkulten Weltbildes)

In dir ließe sich ein alter aztekischer Mysterienpriester vorstellen, der die Menschen zu Gott rief, denn Jupiter in Skorpion bedeutet einen tiefen und unerschütterlichen Glauben an die Schöpfung nach dem Bild von sich selbst und an die Kraft der von ihm selbst ausgelösten Mächte. Im Gegensatz zum alten Götzendiener, der die Menschen in seine Lehre einbezog, um seine eigene Bedeutung zu finden, ermöglicht dir dieses Gestirn aber heute die Ausweitung des intuitiven und rationalen Erkennens in Bereiche jenseits des aktuellen Wissensstandes. Solange du dich nicht fragst, welche innere Sehnsucht dich zwingt, aus einem in Wahrheit unendlichen Chaos ein paar Ähnlichkeiten auszuwählen und durch ihre Strukturierung und Vernetzung Cluster von Weltvorstellungen herbeizuzaubern, kannst du den alten Zauberer verstehen, der die Menschen in seine Lehre einbezog, um über deren seelische Resonanz seinen eigenen Glauben zu finden. Dann kannst du getrost verdrängen, welcher Teufel dich reitet, wenn du dich ständig wie Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem banalen Alltag herausziehen willst. Wenn du aber weißt, daß sich im Denken nur das Denken selbst erkennt, und wenn du die Symbole als die Werkzeuge siehst, um deiner Kreativität Ausdruck zu verleihen, sozusagen als einen Spiegel dessen, was du aus der unbewußten Ebene in die bewußte überträgst, wirst du erschüttert feststellen, daß dir niemand gefolgt ist, wenn du am Ende deiner Botschaft vor Gott stehst. Wenn du auf dem Gipfel angekommen bist und ganz allein vor dem “Altar der Wahrheit” stehst.

JUPITER IN SCHÜTZE
Feuer/Feuer: Der Geist der Schöpfung


Thema religiöses Weltbild, göttliche Ideale, Differenzierung des Geistigen, hohe ethische und moralische Werte
Ziel Erkenntnisfindung durch inneres Schauen und die Erschaffung einer eigenen Realität

Wenn wir erkennen, daß alles, was uns aus der Welt entgegentritt, nur besteht, weil wir es vordem in die Welt hineingedacht haben, dann erkennen wir auch, daß uns in allem immer Gott entgegentritt, dem wir unsere Sehnsucht entgegenstellen, damit wir die verdrängte Sehnsucht nach Gott als Heimweh nach uns selbst erfahren. Wir sind nicht nur ein Teil, sondern auch das Ganze, das sich nach sich selbst sehnt, denn die bildhafte Manifestierung des sich selbst erkennenden Geistes, der sich selbst ins Auge schaut, des Blickes, der sich im eigenen Auge erkennt und des Schattens, der sich im Licht versteckt: Das ist Jupiter in Schütze! Er ist der reine Geist, der sich materialisiert, um dir zu zeigen, wie du aus Energie Ideen formen kannst und aus diesen wiederum Materie, denn du projizierst dein inneres Wissen in eine äußere Form, die sich dir mitteilen kann. Er symbolisiert aber auch die Vitalität des Wissens, die Muster, anhand derer du gelernt hast, die Welt zu erschaffen, sowie die Muster der Veränderung, die das verändern, was du aus diesen Mustern geschaffen hast. Du strebst nach einem autonomen Erkennen, das sich selbst Gesetz ist, und beschäftigst dich mit Zusammenhängen und Gesetzmäßigkeiten, die C. G. Jung “das kollektive Wissen der Menschheit” nannte, denn diese Reise ist gleichzeitig der Weg, sich lebendig zu fühlen und das Leben in Übereinstimmung mit dem Geist Gottes zu bringen. Wenn du das erkennst, brauchst du auch nicht mehr zu zerstören, um die Wirklichkeit deiner inneren Ängste an dem zu messen, was du äußerlich verändern kannst. Sondern du kannst äußerlich verändern, was du als Ergebnis deiner inneren Entwicklung in der Welt als objektiv verwirklicht vorfindest.

JUPITER IN STEINBOCK
Feuer/Erde: Der Alchemist oder die kristallisierte Form


Thema Verantwortung, Würde, Pflichterfüllung; noble Ziele, hohes Prestige, sozialer Aufstieg
Ziel Universalbewußtsein (Menschenkenntnis plus Selbsterkenntnis gleich Welterkenntnis)

Wenn Jupiter die geistige Autorität in den Mittelpunkt rückt, dann erschließt Steinbock die tieferen Schichten des von Jupiter autoritativ postulierten Sinns. Ihm geht es nicht mehr um das Vorgaukeln von Bildern, ihm geht es um Wahrheit! Präziser: um die Haltung des Wahrheitssuchers. Nur ein innerer Sinn kann zum unmittelbaren Erfassen der einer Vorstellung zugrunde liegenden Idee verhelfen, und das wiederum wird durch Steinbock erzwungen. Bist du einmal selbst bis zu den kollektiven Schöpfungsprozessen vorgestoßen, wo die Fragen zu den Prozessen entstehen, die durch die Vernunft nicht beantwortet werden können, dann magst du auch erkennen, daß die Antworten auf alle Fragen, die du dir stellst, in dir selbst liegen. Sie enthüllen sich dir, wenn du deine Ausrichtung von der äußeren Welt abziehst und nach innen wendest; dann wirst du dir deines Urwissens bewußt. Das mag als höchste Prämisse auch bedeuten, Gott und Teufel als die verschiedenen Seiten einer gleichen Münze zu erfahren: nämlich die Identität zwischen dem Realen in der “Illusion der Vorstellung” und dem Illusionären im ”Bild der Realität” festzustellen. Damit hast du die Chance, den Weg zum Gipfel, den du stets gesucht und nie gefunden hast, als Pfad zu erkennen, der gleichzeitig in die Tiefe führt. Denn hinter der Maske von Bewußtsein und Selbsterkenntnis lauern die Abgründe unbewußter Selbstverlogenheit: Alle Wege führen immer nur zu den Archetypen egoistischer Ich-Identifikationen, die wir uns als persönliche Ziele jetzt ausgewählt haben.

JUPITER IN WASSERMANN
Feuer/Luft: Der Quantensprung


Thema Freiheit und Unabhängigkeit, Nonkonformismus, soziale Reformen, schöpferische Visionen, progressive Ideen
Ziel das höhere Selbst

Die ganze Welt zerfließt in einer Sphäre von glitzerndem Licht, vor dir öffnet sich der Raum, und ganz hinten, wo die Helligkeit visionären Erlebens gleichsam in den Vorhof der Erleuchtung mündet, erwartet dich dein seelischer Begleiter, dein Führer ins Licht, denn Jupiter in Wassermann ist der geistige Wanderer auf den einsamen Straßen des Unbewußten, der dir oft nachts in den Träumen begegnet, und spricht: Du bist der Geist auf der ewigen Suche nach Licht und der selbstgefälligen Abgehobenheit, alles aus einer überpersönlichen Warte beurteilen zu wollen, und strebst nach Utopia, nach Überwindung aller Schranken und nach Aufhebung von Raum und Zeit. Der Schatten liegt in der Ruhelosigkeit und Hektik, die dich befallen, wenn es dir nicht gelingt, dein Spektrum auf die Bedürfnisse der Welt zu übertragen. Dann kann es passieren, daß du deine Gaben nur noch benutzt, um dich über die Umwelt zu erheben und deine Mitmenschen für dumm und kurzsichtig zu erklären. Erst wenn du den Teufelskreis dieser Wertungen überwindest und der Verstiegenheit deiner Welterklärungsmodelle entfliehst, kannst du in den Sphären der Götter jenen Regenbogen finden, dessen überirdisches Glimmen dich dann zu deinem höheren Selbst hinzieht – spring!

JUPITER IN FISCHE
Feuer/Wasser: Die Hymne der Sphären


Thema Nächstenliebe, Opferbereitschaft, Transzendenz
Ziel Ideale der Selbstlosigkeit bzw. die Berührung mit Gott

Jupiter in Fische verleiht die Gabe, die Welt in ihrer äußersten Ausdehnung zu erahnen, wie sie durch die himmlische Brille gerade noch illustriert werden kann, denn zum jupiterhaften Verlangen, sich ins Unermeßliche auszudehnen, kommt das fischehafte Sehnen, sich im Streben nach einem unbestimmten Ganzen aufzugeben, um sich durch Auflösung zu heiligen. Zugleich steigt eine unstillbare himmlische Sehnsucht aus dir empor, eine göttliche Flamme, die schnell auch zum Seelenbrand entarten kann, wenn du deinen spirituellen Rahmen überdrehst. Wie sprach doch Jupiter zur schönen Nymphe, als er sie mit seinem Dharmaleib durchdrang: Stets ist’s das eigene Gesicht, wenn man sich selbst im Licht erblickt: Wach auf und öffne deine Augen, denn in deinem Sehen will sich Gott betrachten… Die Gefahr dieser Stellung liegt darin, daß deine inneren Ziele so hoch in den Wolken schweben, daß sie meistens nur schwer zu verwirklichen sind. Du liebst das Empfinden kindlichen Versinkens in einer Woge kollektiven Gefühls, was sich nicht selten zur kultischen Anbetung spiritueller Inhalte ausdehnt, und fühlst dich selbst als Auserkorener, der zu den höheren Weihen zugelassen ist.

Jupiter in den Häusern


JUPITER IN HAUS 1
Der König der Könige/Das dominante Vaterbild

Hier verstehst du dich als Ritter oder edler König, hinter dessen Glaubenskriegen sich das oft überhebliche Gefühl für die unbedingte Richtigkeit der eigenen Meinung verbirgt und das damit verknüpfte Verhalten, für die eigenen Ideale mutig einzutreten. Mitunter verlierst du dich aber auch in der Rolle eines Verteidigers göttlicher Schöpfungskathedralen, der die natürlichen Instinkte verteufelt und der triebhaften Intuition der Muttergöttin die Moral christlicher Ethik entgegensetzt: Dann sah ich den Himmel offen, und siehe, da war ein weißes Pferd, und der, der auf ihm saß, heißt der Treue und Wahrhaftige; gerecht richtet er und führt er Krieg. Bekleidet war er mit einem blutgetränken Gewand; und sein Name heißt das Wort Gottes. Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert; mit ihm wird er die Völker schlagen. Und er herrscht über sie mit eisernem Zepter, und er tritt die Kelter des Weines, des rächenden Zornes Gottes, des Herrschers über die ganze Schöpfung. Auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte trägt er den Namen: König der Könige und Herr der Herren. (Offenbarung 19, 11-16) Weil aber auch der Vatergott seiner inneren Bestimmung zur Ganzwerdung nicht entrinnen kann, führen seine verdrängten Triebe zu einem übertriebenen Verhalten, durch selbstgefälliges Gehabe und mangelnde Selbstkritik bisweilen mehr (psychologischen) Schaden anzurichten, als dies ein ehrlicher Sünder zu bewerkstelligen vermöchte.


Symptome Sinn- und Glaubenskrisen (Blockaden innerhalb von Religion und Weltbildfragen), Unbefriedigtheit, Sinnlosigkeit, Todessehnsucht


JUPITER IN HAUS 2
Das wuchernde Wachstum/Die verschwenderische Lebensenergie

Jupiter verkörpert immer eine Haltung, die von Grenzenlosigkeit und Fülle zeugt. In der materiellen Abteilung (Haus 2) möchte er hemmungslos genießen, denn: Arbeit ist nur das halbe Leben – die andere Hälfte ist der Spaß. Und Spaß bedeutet für ihn Lust und Liebe und alle Formen von materiellem Wachstum (Geld!) zugleich. Das Leben erscheint unter ihm wie ein ewig sprudelnder Quell, der sich aus sich selbst schöpft, denn Jupiter stellt die schöpferische Potenz der in sich selbst ruhenden Ausformung oder des Zugewinns dar. Hier finden wir auch jene Kraft, die poetisch als göttliches Schöpfungsvermögen, esoterisch als kosmische Strahlung, physikalisch als elektromagnetische Schwingung und psychoanalytisch als Libido umschrieben wird. Auf der spirituellen Ebene sublimiert sich die materielle Ausdehnung in jenen “höheren” Zustand, der die Gegenwart des Nichts in göttlichen Schauern spürbar werden läßt, denn Jupiter bringt hier die Sehnsucht nach der Verschmelzung mit der Ewigkeit zum Ausdruck, die beispielsweise in erotischen Gipfelerlebnissen oder durch die Erfahrung der Kundalini-Energie im Yoga erlebbar wird. So wie der Antrieb zur Gipfelbesteigung in der Tiefe des Egos gründelt, so lagert auch der Antrieb nach geistigem Wachstum in der Tiefe der Triebe und deine Chance unter dieser Konstellation ist die Verbindung von Geist und Materie.


Symptome Ausschweifung, Fettsucht, Leberhypertrophie; Bindegewebsschwäche, endokrine Drüsenstörungen, Schilddrüsenprobleme


JUPITER IN HAUS 3
Alpha Centauri oder die virtuelle Wirklichkeit

Je größer dein Wissen ist, desto unruhiger wirst du, denn es gilt, immer neue Informationen zu erwerben und Fähigkeiten zu stimulieren. Wegen der Überfülle von Eindrücken, die es unter Jupiter in Haus 3 zu vernetzen gilt, besteht ständig die Gefahr, daß du dich in deinen eigenen Labyrinthen verirrst. Diese Konstellation versinnbildlicht Interessenfülle und geistige Expansion und zielt in Bereiche, wo der Sinn unseres Daseins nicht mehr im Gottesdienst, sondern in den Hörsälen der Kommunikationspsychologie oder in den vierdimensionalen Laboren virtueller Wirklichkeit empfangen wird. Unglaubliche Wirklichkeitseinbrüche pochen an deine Welt, und die Phantastik durchdringt langsam den Alltag. Als Ausgleich beschäftigst du dich oft mit moderner Philosophie, wobei sich dein Glaubensbekenntnis zwischen den Existentialisten und der Explosibilität der schwarzen Löcher einpendeln könnte. Das Spiel ist erst aus, wenn du durch die Weite des Weltraums über Lichtjahre hinweg Alpha Centauri erreicht hast.


Symptome Interessenverzettelung, Zersplitterung, oberflächlicher Austausch mit der Außenwelt (hastiges Atmen, vermehrter Luftgehalt in den Lungen)


JUPITER IN HAUS 4
Die Tempel von Hekatompylos

Schon in der traditionellen Astrologie wird Jupiter mit Eigenschaften wie Glauben, Religion und Weltanschauung in Verbindung gebracht, und im Zusammenwirken mit den lunaren Schwingungen des 4. Hauses kristallisiert sich hier das Eintauchen in die visionären Tiefenschichten heraus (Embryonalität), denn du lebst dein Gefühl für Einheit aus der Tiefe deines Bauches heraus und spürst deine Seele erst am Schöpfungsnabel, wenn das ganze Universum in dir klingt. Thomas de Quincey schrieb: Du rufst vor dem Richterstuhl der Träume, zum Triumph der leidenden Unschuld, die Meineidigen und die falsches Zeugnis reden, und die Urteile der ungerechten Richter stößt du um. Aus den Tiefen der Dunkelheit, aus dem phantastischen Bildstoff der Gehirne führst du Städte und Tempel auf, schöner als die Werke des Phidias und Praxitiles, herrlicher als die Pracht von Babylon und Hekatompylos, und aus der Anarchie des Traumschlafs rufst du die Gesichter längst begrabener Schönheiten und die Züge der Seligen, die einst das Haus bewohnt, gereinigt von der Schmach der Gruft heraus ins Sonnenlicht. Bis in alle Tiefen deines Herzens spürst du die starke Verbindung mit dem innersten Kern der Schöpfung, woraus die Ganzheit strömt, den Abstieg in den Erdenschoß, und zwar nicht als Opfer der Verführung, sondern in der Hoffnung auf Wiedergeburt. Es sind die unvergänglichen Archetypen, die du hier berührst, die deiner individuellen Erfahrung im Sinne einer ungeschauten Ordnung zugrunde liegen, die man auch als Liebe bezeichnen könnte. Diese entwickelt sich nicht im Kopf, sondern sie wächst aus deiner Seele wie eine Blume hervor, wenn sie Licht, Wärme und Wasser bekommt. Ihr Name ist: “Der Weg ins Licht”.


Symptome Genuß- und Prunksucht aus Hunger nach seelischer Geborgenheit, Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse, erhöhter Cholesterinspiegel, Schilddrüsendysfunktion


JUPITER IN HAUS 5
Der Olympier

Im 5. Haus ist Jupiter das Symbol jener Kraft, die – stets auf ihre Unabhängigkeit bedacht – zu neuen Ufern aufbricht, um den inneren Schöpfergeist aus sich hervorzubringen und die Welt damit flammend zu entzünden. Du solltest ihn dir als den Teil vorstellen, der seine eigene Gottähnlichkeit erkennt. Dieser Teil ist sich seiner selbst aber auch als etwas bewußt, das über das hinausgeht, was du bist, und der das Leuchtende, Würdevolle und Einzigartige in dir aus der Tiefe deiner Seele in die Welt hinauswirft. Er, der sich als dich erkennt und zugleich mehr ist, als du bist, ist der persönliche Gott oder das Urvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, den du persönlich aus dir herausrufen kannst. Deshalb unterstehst du unter seinem Einfluß einem starken Zwang, auffallen und mit hohen Zielvorstellungen glänzen zu wollen. Dabei peilst du die Spitze der Spitze an und schießt oft über alle Ziele hinaus. Manchmal bricht aber auch der Gipfel zusammen und die Psychologen haben dann alle Hände voll zu tun, deine erschöpften Ich-Inhalte mit neuen Identifikationsvarianten wieder aufzufüllen.


Symptome Selbstbewunderung, Eitelkeit und Standesdünkel (aufgeblähtes Ich-Empfinden); Übertreibungen und Übermaß (Herzerweiterung); starker Drang nach Macht und Anerkennung


JUPITER IN HAUS 6
Die Arzneimittelprüfung

Jupiter in Haus 6 versinnbildlicht auf der materiellen Ebene die Arzneimittelprüfung, die alles aussondert, was nicht durch Stoff und Form, Bewegung und Ziel definiert werden kann. Es ist die hohe Mauer des rationalen Erkennens, der psychische Virus der Selbsttäuschung, der alles ausgrenzt, was sich nicht in die Gesetze der betreffenden Systeme eingliedern läßt. Auf einer spirituelleren Ebene schenkt dir dieses Gestirn aber auch die offene Leere des Nichtwissens, die die intuitive Vision gebiert, solange du dem Versuch widerstehst, Gewißheit zu bekommen, wo doch keine Gewißheit sein kann. Damit bist du zwar nicht des Problems der Ungewißheit enthoben. Aber indem du erkennst, daß dieses Problem eine Äußerung der Widersprüche auch in den größeren Lebenszusammenhängen ist, beginnst du den Widerspruch in sich zu akzeptieren. Wissen ist nicht mehr ein Machtmittel privilegierter Individualität, sondern nur noch Kanal, über den sich Kommunikation vollzieht. Die seelische Transparenz muß über die Vernunft gemanagt werden, was natürlich einen Widerspruch in sich darstellt. Aus diesem Widerspruch aber, sich das Unfaßbare durch relatives Betrachten faßbar zu machen, kann Großes wachsen. Logisch-intuitives Denken ist angesagt (das sich ständig hinterfragt, ohne sich selbst in Frage zu stellen), denn hier entsteht ein Realitätsbegriff, der, ohne seine Denkgrundlagen zu verlassen, trotzdem nicht an der Schwelle begrifflichen Verstehens haltmacht: Gott ist überall. Der einzige Weg für den Esel, ihn nicht zu finden, ist der, aus ihm eine Karotte zu machen. (Also sprach der Esel)


Symptome Ehrgeiz, Workaholic, übertriebene Objektivität (sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht), psychomotorische Störungen und Beziehungen zum vegetativen Nervensystem


JUPITER IN HAUS 7
Die Flammen der Sehnsucht/Die Tochter des Sonnenuntergangs

Hier bist du vom Bewußtsein des Außergewöhnlichen beseelt und dein Selbstbild scheint von großer Kraft durchdrungen, denn im 7. Haus wird Jupiter von emotionalen Höhenflügen umwunden, und das führt auf der geistigen Ebene tief in die Urgründe der Spiritualität hinein. Herzen eroberst du im Nu, und du strebst nach Verständnis und Zuneigung von anderen, denn du benötigst das Verständnis deiner Umwelt, um deinem Alltag überhaupt Sinn abgewinnen zu können. In unablässigem Ringen kreist du um das lockende Unbekannte und suchst das unerreichbare Bild deiner Sehnsucht in phantastischen Lustvorstellungen zu finden, in die du deine Visionen hineinprojizierst: Kommet zu mir! Wo immer wir zusammentreffen, soll die Priesterin sprechen – und ihre Augen sollen brennen vor Verlangen, wenn sie nackt und frohlockend in meinem Geheimen Tempel steht – und die Flamme in den Herzen aller mit ihrem Liebesgesang erwecken. Singt mir den Liebesgesang der Verzückung! Entzündet mir wohlriechende Öle! Schmückt euch für mich mit Juwelen! Trinket mir zu, denn ich liebe euch! Ich liebe euch! Ich bin die blaulidrige Tochter des Sonnenuntergangs; ich bin der nackte Glanz des wollüstigen Nachthimmels. Zu mir! Zu mir! (Aleister Crowley, “Die Offenbarung der Nut”)


Symptome Bequemlichkeit, Selbstgefälligkeit, übersteigertes Triebleben, Nebennierenschwäche, schlechter Hormonkreislauf, unstillbarer Freiheitsdrang


JUPITER IN HAUS 8
Der Medizinmann

Es ist der Ruf Jupiters, aufzubrechen und alle inneren Räume zu entdecken, denn diese Reise ist die Reise zu sich selbst. Jupiter im Todeshaus (Haus 8) verbindet die Anschauung, über den Tiefen zu stehen, mit der Angst, in die Tiefe hinunterzusehen, denn du ahnst, daß es gar keine Tiefen gibt, sondern nur das Handhaben von Bewußtsein. Weil du dich aber weigerst, dein Bewußtsein so zu manipulieren, daß du in die Tiefe siehst, versuchst du deinen Verstand so zu vernebeln, daß er die Unterwelt in den Spiegelungen auf der Wasseroberfläche zu erkennen glaubt. Zwar hast du genügend Energie, um die Hölle zu erahnen, aber nicht genug, um sie zu ergründen, deshalb ziehst du es vor, sie in deinen eigenen Bildern zu erkunden, die du kontrollierst. Damit erinnerst du an einen alten Medizinmann, der mit seinen Blicken sehnsuchtsvoll über die geheimnisvollen Tiefen der inneren Abgründe streift, der aber andere opfert, denen er damit – indem er sie stellvertretend für sich ins Unergründliche stößt – zu einem spontanen Akt der Bewußtseinserweiterung verhilft. Unter diesem Aspekt diagnostiziert sich auch das kompensierende Verhalten eines Psychotherapeuten, der sich mit den Problemen anderer beschäftigt, um sich nicht mit seinen eigenen auseinandersetzen zu müssen.


Symptome Größenwahn, Selbstüberschätzung, geistige Verwirrung, visionäre Erkenntnis, Ausbeutung und fanatische Besessenheit (Plutokratismus)


JUPITER IN HAUS 9
Die Relativität des Seins

Dein Ziel ist der wahre Wesenskern in allen Erscheinungsformen, der Zustand der Leere, der dir die Geheimnisse der menschlichen Vorstellung enthüllt. Deshalb wendest du dich oft fernöstlichen Lehren zu, die die Lösung seit Jahrtausenden darin sehen, daß man sich die Relativität von Zeit und Raum, die Relativität von Wahrnehmung und Denken durch meditative Technik erfahrbar macht. Jupiter in Haus 9 könnte man vielleicht so umschreiben, daß sich die innere Sinnfindung in die inneren Empfindungen der Sehnsüchte einschleicht und sich über die eigenen Grenzen hinaustragen läßt. Und in dieses von seinen eigenen Mustern befreite Denken können dann neue Eindrücke fließen, die bei Rücknahme der alten Begriffsmuster als sphinxhafte Visionen, allegorische Vexierbilder oder poetische Futurismen hängenbleiben. Um diese Erfahrungen aber in deine Realität zu übertragen, müßtest du die inneren Ahnungen, die sich deinem unmittelbaren Erfahren durch die Sinne entziehen, in verständliche Bilder übertragen, ohne zu vergessen, daß diese Bilder nur die persönliche Übertragung überpersönlicher Wahrheiten sind. Es ist also durchaus legitim, die “unvorstellbare Wahrheit” in Bilder zu fassen, solange du dir bewußt bist, daß du nie mehr als das Bild erfährst, das den faßbaren Teil dieser Wahrheit in dir ausmacht. Wenn du dein eigenes Unfaßbares jedoch in dir selber finden willst, dann mußt du alle Werte aufgeben, ohne aber ihre Form zu zerbrechen; denn wenn du erfahren willst, was dich noch trägt, wenn dich deine Modelle nicht mehr tragen, dann mußt du diese Modelle hinterfragen, ohne aber ihre Form zu zerstören, weil sie ja wiederum die Grundlage der menschlichen Gesellschaft sind.


Symptome inflationäre Entgrenzungen (Wucherungen, Geschwulste, Sinnlosigkeitsgefühle) bzw. Realitätsverlust (Sehnsucht nach dem Unfaßbaren, Auflösung der Grenzen und Heimweh nach Gott)


JUPITER IN HAUS 10
Die Führernatur oder der Wirtschafts-Tycoon

Ebenso wie große Politiker oder Wirtschaftsbosse, deren privater Charakter oft diametral zu ihren äußeren Fähigkeiten steht, ohne daß dadurch die Wirksamkeit ihrer Führungspositionen berührt würde, trägt Jupiter in Haus 10 alle Schatten seiner überragenden Tugenden auf sich. In deinem Bemühen um äußeren Erfolg tust du dich schwer, deine bewußte Autorität zurückzunehmen, weil du nicht ahnst, daß die wirklichen Gefahren von innen kommen. Dein Verständnis der kosmischen Gesetze reicht kaum über die Erreichung deiner eigenen Ziele hinaus und deine Wahrnehmung kann nicht zur Stimme der Natur in die Tiefe dringen, die oft glückliche Erlösung von Entscheidungen und Verantwortlichkeit schenkt, sondern zielt immer zu den Gipfelspitzen, wo du dich wie selbstverständlich in die Mitte stellst und dich in einem Akt der Selbstverherrlichung selbst krönst. Glück und Überzeugung sind deine ständigen Begleiter, du strahlst Anerkennung, Erfolg und großes Vertrauen aus und kannst andere gut motivieren. Andererseits setzt du deine Ziele rücksichtslos gegen die anderen durch und ziehst dir die gesammelte Mißgunst deiner Umwelt zu.


Symptome Leberbeschwerden und Gallenkomplikationen, Depressionen und Sinnlosigkeitsgefühle aus Streßsituationen, von Zeit zu Zeit große Motivationsprobleme


JUPITER IN HAUS 11
Der Altar des Schamanen/Der Derwischtanz

Da Jupiter die Grenzen erweitert, Haus 11 aber Freiheit und Unabhängigkeit anzeigt, führt diese Konstellation zu revolutionären Einsichten und neuen Perspektiven vor dem Fenster deines Geistes und damit zu einem tiefschürfenden Weitblick, der dich für neue Visionen und Ziele begeistert. Zur Fähigkeit, Visionen zu entwickeln, kommt hier auch noch die Begabung, die Relativität der Visionen zu verstehen. Das heißt die Wirklichkeit der Welt nicht nur in den Dingen, sondern auch hinter der Materie zu sehen. Das zeigt: Du projizierst deine Wünsche bewußt nach außen und verhilfst ihnen durch deine klare Erfüllungserwartung zu einer psychischen Verwirklichungssituation. Dadurch können sich alle deine Wünsche erfüllen, weil du sie nicht mehr vom Leben verlangst, sondern weil du eigendynamisch in dir die Bedingungen zur Erfüllung deiner Absichten schaffst. Denn du ahnst: Nicht der Suchende ist es, der seine Ziele bewußt gestaltet, sondern es ist die psychische Energie im Unbewußten, die sich durch das persönliche Wollen des Individuums in die materielle Wirklichkeit ausdehnt. Diese Ziele führen zu ungeheuren Tiefen, weil es hier nicht mehr ums Essen oder um die Fortpflanzung geht, sondern weil es für dich viel wichtiger ist zu wissen, wie sich der göttliche Odem der Schöpfung intuitiv erspürt.


Symptome rebellische Ansätze, Grenzverletzungen, hinterfragter Lebenssinn; Koliken, krampfartige Erschöpfungen, spastische Zustände


JUPITER IN HAUS 12
Die Insel im Ozean des Nichts

Jupiter in Haus 12 umschreibt die begriffliche Vorstellung von der höchsten Schwingung der verborgenen Kraft, die aus der Harmonie der Sphären den Reigen des Werdens und Sterbens erschafft. Denn das Werdende strebt nach Zerfall, aber mit dem Zerfall schwillt gleichzeitig das Werden an, welches das Zerfallende wieder zu binden sucht: Das unendlich sich Bildende zerstäubt nicht ins Grenzenlose, es formt sich zu immer neuen Schöpfungsmustern. Diese ständig expandierende und kontrastierende, überall gegenwärtige Energie, die sich ewig aus dem Ozean des Lebens erhebt, um immer wieder krachend an der Kontradiktion ihrer eigenen Absicht zu zerschellen, ist das, was der Mensch das Göttliche nennt. Doch jenseits aller Vorstellungen ahnst du den Geist, der dein Leben erfüllt, denn in religiösen und mystischen Bereichen, in denen sich das Ego zugunsten transzendenter Erfahrungen auflöst, kannst du jene schimmernde Lichtinsel erreichen, die aus den Wassern des Ewigen aufglimmt. Dieses Licht ist zwar mehr als die Summe allen Bewußtseins, aber alles Bewußtsein ist auch, was es ist: Nichts!


Symptome Sinnsuche, endogene Depressionen, Weltflucht; hormonelle Probleme, Stoffwechselstörungen, Wucherungen des Bindegewebes, Organerschlaffung, Atrophie



SATURN
DER STACHEL DER VERHINDERUNG

Saturn ist der gestrenge und unerbittliche Gott der Reife und Zeit, der Hüter der Schwelle, Gott des Karmas, der Erbsünde und der Tugend, der die Menschen an ihr Schicksal, an das Abbüßen ihrer Sünden ohne Vergebung oder Gnade bindet, bis daß die Sünden getilgt und der Leidenszyklus abgeschlossen ist. Als Gott der Kargheit und Askese weist er alle Übertreibungen in die Schranken, züchtigt die Übermäßigen und läutert die Edlen, er achtet auf die Einhaltung der Gesetze, die durch die Vergangenheit strukturell gewachsen sind, ungeachtet ihrer Berechtigung und jenseits seiner persönlichen Meinung, und als Gott der Verhärtung zeigt er die Stelle an, wo jegliches Fließen der Lebensströme und jegliches Sichöffnen gegenüber den intuitiven Eingebungen der karmischen Bilder versiegt – wo die Bereiche des Lebens zur Bürde und die Schritte im Alltag zur Qual werden und wo jegliches Entfalten und Höherstreben der Seele schon im Keime erstickt wird, solange du die Ebenen deiner Verhinderungen noch nicht erkannt und in dein persönliches Erleben eingebunden hast, kurz: wo du dich ans Inventar seiner Bilder gebunden hast, die dir Sicherheit und Ruhe garantieren. Das ist das weltliche Geschenk von Saturn. Der Preis aber ist die Angst um diese Sicherheit. Durch seine Position im Radix zeigt dir Saturn das Maß dessen an, was du bis zum Überschreiten dieser Schwelle zu zahlen hast!

Saturn gilt seit jeher als der Inbegriff des Bösen. Dies nicht etwa aus dem Grund, weil Saturn ein Übeltäter wäre, sondern ganz allein, weil wir aus unserer Welt des Dualen, in der wir uns stets für das Gute und gegen das Böse zu entscheiden haben, der Wahrheit nicht gern ins Gesicht schauen. Denn Saturn ist gerade nicht die transzendierende, höherschwingende Erlösung, sondern die sich zusammenziehende, pragmatische und eine die Bindungen unseres Planeten in den Mittelpunkt stellende Wahrheit, die alle höherstrebenden Ideale, Hoffnungen und Wünsche auf ihre Verwirklichungsmöglichkeiten reduziert – auf ihre Umsetzbarkeit verkleinert oder auf die Sichtbarkeit ihrer Ewigkeit kristallisiert. Das beinhaltet aber auch die Abwesenheit von idealistischen Hirngespinsten und geistig-verklärten Höhenflügen. Der Maßstab, mit dem alles ausgemessen wird, ist die Sichtbarkeit (im geistigen Bereich die Wirksamkeit), und diesen Wirkungen haben sich die Ursachen zu stellen.

Aus diesem Gesichtswinkel heraus läßt sich erkennen, daß es hier um die Konfrontation mit deinem Schatten geht, dem Verdrängten, mit dem, was du an dir nicht wahrhaben willst. Der Betroffene erkennt die wahre Natur seiner eigenen Wahrheit nicht, denn das würde ja voraussetzen, den erkenntnispsychologischen Mechanismus, der zur inneren Erschaffung der erkannten Wahrheit führt, zu durchschauen. Das aber gerade kann er nicht, denn der schattenhafte Teil des Saturns erkennt immer nur den Schatten seines eigenen Unerkannten. Und weil er die Unvollkommenheit seiner Erkenntnis nicht erkennen kann, schließt er sich in den Panzer seiner subjektiven Überzeugungen ein. Seine Wahrnehmung dringt nicht in die Tiefe des Seins, sondern verbleibt in den Untiefen seines eigenen Geistes, und indem er die Welt ansieht, sieht er doch immer nur sich selbst im Spiegel seines eigenen Erkennens. Er ist in seiner Selbsterkenntnis gefangen wie der Einsame in seinem Kerker tief unterhalb der klaren Transparenz des Bewußseins. Sein dumpfes Verständnis der kosmischen Gesetze reicht nicht über den auf sich selbst fixierten Geist hinaus, der sich in allem, was er sieht, nur immer selbst betrachtet.

In allem, was du siehst, kannst du immer nur dich selbst sehen, und im Umgang mit der Außenwelt kannst du immer nur mit der nach außen projizierten Innenwelt umgehen. Indem du die Verantwortung für dieses In-sich-selbst-Kreisen deiner Erkenntnis aber übernimmst, konfrontierst du dich schrittweise mit den von dir selbst geschaffenen Wirkungen und siehst schließlich auch, was an deinem Handeln richtig ist und was nicht. Das Thema ist aber nicht nur die Vorstellung von Schuld oder die Konfrontation mit den inneren Ängsten: Diese sind ja die Grundlage für alle Handlungen, die wiederum die Ursachen und die Wirkungen bilden, durch die hindurch die Entwicklung des Menschen voranschreitet. Thema ist auch – und hier kommen wir zur Metamorphose, die eine abgearbeitete Ebene transzendiert – der immerwährende Beginn, die Zukunft, die in der Vergangenheit beginnt, oder apokalyptischer: die Gegenwart, die morgen für uns gestern sein wird. Saturn führt die in den Taten der Menschen verborgene Struktur vor Augen, die gleichermaßen Ursache und Wirkung ist. Doch ist die Position Saturns auch nicht als unbedingt hilfreich zu bezeichnen. Man könnte sie als einen Weg der Wahrheit umschreiben, als einen Drang vielleicht, hinter die Dualität zu kommen und den Mechanismus zu erkennen, der zu unseren Problemlösungen führt.

Die Relativität saturnaler Zwänge kannst du erst dort richtig verstehen, wo du auch erkennst, daß Zwang nicht nur Einschränkung, sondern im Gegenteil auch Freiheit sein kann. Nämlich die Freiheit, dich innerhalb von fest strukturierten Grenzen frei zu entfalten. Die Konsequenz liegt jetzt darin, daß bei Wegfall dieser Zwänge ein anderer Zwang an deren Stelle tritt, nämlich der Zwang, die Verantwortung für die eigene Begrenzung selbst übernehmen zu müssen. Und diese Verantwortung kann nur der übernehmen, der den Mechanismus in der menschlichen Psyche zur Schaffung der Bilder, die der Mensch dann als die erkannte Wahrheit bezeichnet, erkennt. Und zwar als das, was diese Bilder sind: die Relatitivät der Welt, geschaffen aus der menschlichen, begrenzten Perspektive. Wenn du erst erkennst, daß echte Sicherheit nicht in den äußeren Verwandlungen der materiellen Welt zu finden ist, sondern nur in den Abläufen ihrer Gesetzmäßigkeiten, dann erst hast du die Funktion Saturns als des Hüters der Zeit erfaßt. Er befindet sich als Wächter genau an der Grenze zwischen materieller und geistiger Welt, und läßt dich erst passieren, wenn du in der Veränderung durch die Zeit gerade die Unveränderlichkeit des Ewigen erlebst.

Saturn in den Zeichen
SATURN IN WIDDER
Erde/Feuer: Die Angst vor den Wölfen


Thema verdrängende bzw. kompensierende Selbstdurchsetzung
Ziel Herausforderung, Streit (Bewußtseinsfindung und Selbsterkenntnis durch Hinterfragen der eigenen Selbstdurchsetzung)

Mit Saturn in Widder wirst du überall im Leben mit Widerständen konfrontiert, so daß du erst durch Erkenntnis und Einsicht deiner karmischen Voraussetzungen und durch Hinterfragung und Aufarbeitung dieser verhindernden Lebensmuster deine Spannungsknoten lösen und dich damit einem positiveren Lebensgefühl öffnen kannst. Du siehst dich fortwährend in Rangeleien und Widersprüchen mit der Welt verstrickt, die viel Anstrengung erfordern, um die entgegengesetzten Impulse alle unter einen Hut zu bringen. Die Reibungswärme, die dabei entsteht, kann sich auch explosiv entladen, denn vertraute Positionen stehen auf der Kippe und müssen oftmals aufgegeben werden. Es geht darum, gegensätzliche Strömungen und Standpunkte auszufechten, um so zu einer neuen Haltung oder Vorgehensweise zu kommen. Deine Aufgabe ist dann erreicht, wenn es dir gelingt, in der Verhinderung gleichzeitig das Ziel zu erkennen, das du anstrebst: das schwache Selbstvertrauen auf keinen Fall in den Mittelpunkt zu stellen. Das Dilemma ergibt sich einerseits aus dem Streben der inneren Vitalität, die Angst vor den Wölfen gewaltsam zu überwinden, und andererseits der Unfähigkeit, dies vollständig zu realisieren.

SATURN IN STIER
Erde/Erde: Die Ölpest


Thema Angst, Beklemmung, Hemmung, Verhinderung und Quälerei (Sicherheitsdenken, Sparsamkeit, Pflichtgefühl, Ausdauer)
Ziel Abgrenzung, Umbruch, Wandlung, Konsequenz

Saturn in Stier symbolisiert die dunkle Seite der Mutter Natur, die verwüstet, was sich ihr nicht unterwirft, denn Saturn ist der kollektive Dämon, der vor der Atomzertrümmerungsanlage schwebt; ein Inferno aus den seelischen Katakomben des technischen Zeitalters, nicht weniger gnadenlos als Dantes mittelalterliche Höllenvision, die die Sünder bei lebendigem Leibe im Schlamm begraben, in Sümpfe verbannt oder an der Pest dahinsiechend vorführte. Er ist der Archetyp der Ohnmacht, bei dem der Mensch zum hilflosen Opfer der Auswirkungen seiner eigenen Handlungen wird, denn bei dieser Konstellation steigt sofort ein alptraumartiges Gefühl auswegloser, erstickender Beklemmung auf. Saturn bedeutet zunächst Verhinderung des Lebens (Beklemmung, Quälerei, Isolierung und Tod) und ist damit auch unabdingbarer Wegbereiter für das Neue und Kommende. Leben heißt aber auch, ständig Abschied zu nehmen, weil jeder Anfang eines Weges gleichzeitig das Ende eines anderen ist, und deshalb steht dieses Gestirn auch für den Akt der (Wieder-)Geburt. Jedes Leben basiert auf der Grundlage von Verfall, denn alles Neue basiert auf der Vergänglichkeit des Alten. Saturn in Stier lädt dich ein, die Verhinderung des Lebens anzunehmen statt die Abwehr der Verhinderung zu leben.

SATURN IN ZWILLINGE
Erde/Luft: Die Landkarte


Thema blockierte Subjektivität, kompensierende Objektivität, intellektuelle Zweifel, sprachliche Ausdrucksschwierigkeiten
Ziel Anerkennung durch Informationen, Wissen und strukturelles Denken

Diese Konstellation zeigt eine von der Außenwelt abgekapselte und in innere Emigration gegangene, völlig auf sich selbst gestellte, sprachlose Gestalt. Die kalte Härte ihrer metallisch glänzenden, skelettartigen Erscheinung verdinglichen die erstarrten Strukturen und die synthetische Natur der (Re-) Konstruktion der Wirklichkeit durch das menschliche Denken, denn Saturn in Zwillinge ist ein Symbol deines vergeblichen Bemühens, die ständige Veränderung des Denkens und der Weltbilder zu verhindern. Erst der Zusammenbruch, der immer auch eine Chance zum Neuanfang bereithält, wenn sich der angestaute Druck im Inneren entlädt, kann zu Befreiung und Wachstum führen, denn es ist nie das Böse, sondern die notwendige Entwicklung, wenn sich dir die Veränderung in der Maske des Zusammenbruches in den Weg stellt. Denn unsere ganze Bindung an Modelle ist im Grunde nichts als ein überlebensnotwendiger Trick, damit wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen (Anarchie). Da wir unser Leben immer nur im Guten nachvollziehen möchten, entspricht das Streben nach Klarheit dem kindlichen Wunsch, in den Modellen stets die eigenen Wünsche zu erkennen – und das ist nicht Wahrheit, sondern infantiles Wunschdenken. Jedes strukturelle Modell ist lediglich eine Landkarte, um die tieferen Seelenlandschaften in uns mit Hilfe von Symbolen von außen her zu betrachten. Solange du dich diesen Modellen nicht auslieferst – also die Landkarte nicht zur Wirklichkeit machst –, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Wenn du aber das Modell zur erkannten Wahrheit machst, lieferst du dich der Verlogenheit des Denkens aus; denn da du die Welt nur so siehst, wie du sie im Denken erlebst, brauchst du Modelle, die dich überzeugen. Dieses Wissen ist das weltliche Geschenk von Saturn. Deshalb darfst du von den Modellen auch keine Wahrheit erwarten, da sich in den Modellen immer nur das Denken selbst erkennt – dieses aber vermitteln dir wiederum die Modelle!

SATURN IN KREBS
Erde/Wasser: Die verschlossene Auster


Thema Einsamkeit, Verschlossenheit, Zurückgezogenheit, Einengung, Melancholie
Ziel seelische Geborgenheit durch Verhaftung an die inneren Träume (zurück in die Gebärmutter)

Wenn Krebs jenes schmachtende Gefühl nach dem authentisch Unergründlichen, Unerforschlichen und Ungesehenen erzeugt (Mutterimago), dann zwingt Saturn die spontan fließenden Gefühlsäußerungen in einen starren Verhaltensrahmen, der die Art und Weise regelt, wie man Gefühle mit der Umwelt auszutauschen hat. Du bleibst in den Schleiern unbewußter Ängste hängen, die Psyche wird nicht abgenabelt und die ungestillte Sehnsucht wird in der Identifikation mit dem saturnalen Schutzprinzip gesucht. Dadurch wirst du deiner eigenen Lebendigkeit entzogen und in ein streng begrenztes Verhaltensfeld gesetzt. Dieses Gefängnis, das die eigenen Gefühle nicht herausläßt, schützt dich gleichzeitig aber auch vor der Aggression der anderen, und so verkriechst du dich in einem embryonalen (Gefühls-) Zustand, der dich schützend wie eine Auster umschließt. Das sind im Leben Autoritätspersonen, die dir – um dir die Verhinderungen deiner Gefühle zu spiegeln, an die du dich gebunden hast – sagen, wer du bist und was du zu tun und zu lassen hast. Fallen diese autoritären Verhinderungen aber weg, fällt dir dein ganzes (verhinderndes) Weltbild zusammen, denn erst der Wegfall der Reflexion aus der Begegnung läßt dich dein inneres Vakuum erkennen: Du bist im eigenen Fühlen auf die Reaktionen der anderen angewiesen. Die ganze Umwelt ist für dich eine einzige seelische Prothese, weil dir erst die Reaktion von außen das Vakuum der inneren Leere ausfüllt. Wie Saturn sich auch immer anbietet, immer ist er ein Wegweiser, der dich über den Entzug von seelischer Wärme dazu einlädt, die Ursachen zu diesen Wirkungen in dir selbst zu suchen. Denn die Sehnsucht nach der Quelle ist doch geradezu der Heimweg und gipfelt in der Frage, was für Voraussetzungen in der eigenen Psyche solche Verhinderungen erst sinnvoll machen? Nämlich diesen embryonalen Sehnsüchten zu widerstehen, die einen sowieso nicht befriedigen können, und statt dessen den Rahmen der Gefühle in jenem größeren Zusammenhang zu suchen, der im Gewölbe der unbegriffenen Psyche eingekerkert ist!

SATURN IN LÖWE
Erde/Feuer: Der blinde Spiegel oder “Das Bildnis des Dorian Gray”


Thema Dogmatismus, Vertiefung, ernste Pflicht; große Aufgaben, hohe Ideale, Tempelweihe
Ziel Autorität, Vertrauen, soziales und politisches Engagement

Du liebst dich nicht und wenn, dann ist es nur das Bild deiner äußeren Bedeutung, die Liebe des Schöpfers zu seinem Werk. Vor die Wahl gestellt, Liebe zu zeigen oder Gefühlskontrolle zu beweisen, würdest du dich unvermeidlich für das letztere entscheiden, denn es ist auch eine unbewußte Angst vor Ablehnung, die dich erfüllt, eine Abwehr des Lebens selbst. Es ist ein tiefes Mißtrauen gegen dich selber, gegen deine eigene Regie, wenn du dein ausgelagertes Ich nebenbei als psychischen Notausgang im (Lebens-) Stück benutzt, wodurch du vor dir selbst davonlaufen kannst. Das, was du an dir liebst, ist nur die Präsentation deiner Selbstinszenierung, das erblindete Spiegelbild deiner überhöhten Selbstreflexion. Fazit: Nur ein großes Vertrauen in das eigene Selbst kann dir die Bürde erleichtern, das Leben Tag für Tag erstrebenswert finden zu müssen!

SATURN IN JUNGFRAU
Erde/Erde: Der abgespaltene Schatten


Thema Gewissenhaftigkeit, Übersicht, Selbstdisziplin; Detailgewichtung, Formalismus, Anpassung
Ziel Erkennen der detaillierten Zusammenhänge; objektive Neutralität

Oft kämpfst du für deine Vorstellung von (sozialer) Ordnung, ohne deine eigenen Aggressionen zu erkennen, wonach du notfalls auch bereit wärest, dein Recht gegen die Gewalttätigkeiten der anderen mit Gewalt zu erzwingen. Du spaltest das Böse von dir ab und lagerst es aus, damit du es unbemerkt dort draußen bekämpfen kannst, und merkst nicht, daß du dich in deiner eigenen Falle gefangen hast. Meist hast du das Böse gar nicht ausgelagert, sondern nur sein Bild, das du in Form von Sündenböcken in der Außenwelt bekämpfst, denn oft wirst du unerkannt selbst zum Bösen und verwendest im Kampf gegen das Böse genau die Mittel, aufgrund derer du das Böse bekämpfst. Deshalb solltest du wissen, daß du mit deiner analytischen Intellektualität dein eigenes Lebensgefühl so stark verengt hast, daß der Zugang zum Lebenssinn für dich sehr schmal geworden ist. Du hast deinen Schatten im gefühlsmäßigen Erleben durch ein kontrollierbares Weltbild ersetzt, um deine Vorstellung vom Leben dann nur noch durch diesen Filter hindurch zuzulassen. Damit begegnen dir im Leben all jene zahllosen äußeren Sündenböcke, die dir helfen, dein inneres Böses unentdeckt zu leben. Und süffisant stellt dir der Teufel die Frage, ob es nicht dein verdrängtes Böses selbst ist, das für Gerechtigkeit in der Welt sorgt, und ob nicht “gerechte” Kriege, Gewalt gegen Böse und gewaltsame Ausgrenzung der Sünder unserer Triebnatur insgeheim die Erfüllung ihrer atavistischen Sehnsüchte sichern.

SATURN IN WAAGE
Erde/Luft: Der Konflikts-Verhinderungs-Konflikt


Thema rationale Kontrolle (Narkotisierung der Instinkte und Neutralisierung der Gefühle führt zu objektivierter Subjektivität)
Ziel Unbestechlichkeit, Ausgewogenheit und Fairness; Ordnung, Gleichgewicht, Stabilität

Saturn in Waage bedeutet für dich, daß du von der inneren Anmut deiner Kontaktfähigkeit und deines Harmonieempfindens ausgeschlossen bist, das heißt, daß deine Unfähigkeit, deine innere Mitte mit Sinn zu füllen, dich in Sachen Harmonieverlangen zu einem Faß ohne Boden werden läßt. Alles, was Anmut, Charme und Ästhetik betrifft oder mit Ausgewogenheit, Frieden und Schönheit verbunden werden kann, wird von dir tiefgekühlt und eingefroren, weil Saturn den klirrenden Panzer symbolisiert, der die Seele von ihren eigenen Gefühlen trennt. Die Botschaft ist die: Schau dir deine eigene innere Kloake an, den Keller deines Ego-Turmes. Dort unten versteckt sich ein tiefer innerer Konflikt, weil du dich mit dem Leben nicht auseinandersetzen magst, sondern es in seiner schöpferischen Unberechenbarkeit zähmen willst, indem du es in Schubladen von Recht und Unrecht einschließt. Auf der psychologischen Ebene hängt diese Konstellation mit der tieferliegenden Absicht zusammen, dich mit der unangreifbaren Aura von Objektivität zu umhüllen, indem du jegliche Subjektivität (der anderen) als Unrecht ausgrenzt. Erst wenn du damit leben kannst, daß du deinen eigenen (Verdrängungs-) Mechanismen nie trauen kannst, weil sich dahinter oft der Krieg in der Maske des Friedens versteckt, ist das Problem umschifft, denn das Böse ist nicht der Widerspruch zum Guten, das durch das Gute vermieden werden kann, sondern die eine Seite des Guten selbst, die wir vom Guten abgetrennt haben, damit die andere Seite als Gutes weiterexistieren kann.

SATURN IN SKORPION
Erde/Wasser: Der Kerker der Angst


Thema Zähigkeit, Verbissenheit und starker Wille; oft Lebensfeindlichkeit oder Angst vor Macht und seelischen Verstrickungen (bei gleichzeitigem Interesse an Tabuzonen und allen Grenzbereichen des Wissens)
Ziel Todesmystik, Transformation (Freiheit durch Überwindung der Angst)

Hab keine Angst vor Veränderung, denn du selbst bist Veränderung, und du veränderst dich jederzeit, denn du fühlst dich vom Dunklen und Verbotenen unwiderstehlich angezogen. Hab auch keine Angst vor der Hölle, denn du selbst bist der Abgrund, und sobald du deine Angst vor dem Faszinosum menschlicher Abgründe begreifst, faucht die Flamme aus der Hölle tiefster Abgründe hervor, die alle alten Bilder verbrennt, denn vor jeder Befreiung lauert der Tod, der dich aus der Verpuppung durch die alten Bilder befreit. Das entspricht der Befreiung der Seele, die während der langen Finsternis der Nacht im Kerker ihrer unerlösten Ängste gefangen war, denn sobald du die Beklemmung vor der Tiefe und Leidenschaft deiner eigenen Gefühle überwunden hast, kannst du zu einer neuen Wahrheit vordringen, die weit entfernt davon liegt, was du innerhalb deiner alten Abhängigkeits- und Ohnmachtsphantasien für möglich hieltst. Du siehst deine Seele zu den funkelnden Strahlen der Seraphim auffliegen, die vor dem Thron des Höchsten knien und das Geheimnis Gottes psalmodieren: Der Tod ist nicht alles, aber ohne Tod ist alles nichts!

SATURN IN SCHÜTZE
Erde/Feuer: Die Glaubenskrise


Trieb Weltanschauung, Realitätsbewußtsein, Selbstentwicklung, Selbsterkenntnis
Ziel Karmaerkenntnis bzw. Einsicht in die Abläufe des Schicksals

Das geistige Nomadentum des Schützen, ständig durch größere Gebiete des Bewußtseins zu reisen und sich stets größere Brocken an Erkenntnis einzuverleiben, bis er sich geistig überfressen hat, wird hier durch Saturn unterbunden, denn Saturn in Schütze verhilft dir zu einem tieferen Verständnis und zur Einsicht in die notwendigen Abläufe des Schicksals. Das weist auf viele Veränderungen im Leben hin, weil dein Eingebundensein ins Ganze ständig einer Anpassung an neue Sichtweisen bedarf. Das Unbehagen aber, das sich gleichzeitig einstellt, wenn du dich mit dem Unbewußten beschäftigst, entspricht wohl jenen Tiefenängsten, die angerührt werden, wenn der Verstand, gewohnt, “vernünftige” Entscheidungen zu treffen, auf Glaubensfragen stößt. Denn sobald du die wissenschaftlichen Erkenntnisse anzuzweifeln beginnst, indem du dich ihren Lehrmeinungen entziehst oder jenseits aller logischen Erfahrungen eine spirituelle Sinnerfahrung anstrebst, vergrößert sich deine Welt. Sie läßt dir Raum für eine spannungsvolle Offenheit, wo neben starren Dogmen oder rigiden Wertvorstellungen auch metaphysische Erkenntnisse in deinen rationalen Alltag einströmen können.

SATURN IN STEINBOCK
Erde/Erde: Das Schweigen


Thema Ausdauer, Selbstbeherrschung, Selbstbeschränkung, Verantwortungsbereitschaft, Wirklichkeitsnähe
Ziel Konzentration, Verdichtung (die Konzentration des Wissens führt zur Kristallisation des Erkennens)

Wer sich ein Bild von der Wahrheit macht, der übersieht oft, daß er damit nicht zum Diener der Wahrheit, sondern nur zum Opfer seiner unerkannten Leere wird, die sich an ein Bild klammert, um einen Lebensinhalt zu finden. Wie deklamiert doch Saturn, der Gott der Verantwortungsbereitschaft, des Pflichtbewußtseins und der Verhärtung, der gern sich selbst und andere erzieht: Im erkannten Erkennen, jenseits des Verstandes, weißt du, ohne zu wissen, daß du weißt, denn du weißt jetzt, warum du nicht wissen kannst, aber weil du das weißt, weißt du – und schweigst! Erst im Schweigen gibt es nichts mehr, was durch Worte darzustellen wäre, und damit geht es dir nicht mehr um die Bilder hinter der Wahrheit, sondern um die Wahrheit hinter den Bildern, denn Saturn in Steinbock entspricht dem Archetyp des alten Weisen, der seine Aufmerksamkeit durch kristallisierende Klarheit, nüchterne Weltsicht und gereiften Tiefenblick auf den Ursprung aller Dinge richtet. Dabei dringst du bis zu den Mysterien und in die tiefsten Abgründe der Seele vor. Du kannst dich aber auch mit Diogenes vergleichen, der am hellichten Tag mit einer angezündeten Laterne durch die Straßen Athens spazierte und auf die Frage nach dem Grund seines Tuns erwiderte: Ich suche einen wirklichen Menschen!

SATURN IN WASSERMANN
Erde/Luft: Der Spiegelrahmen


Thema Sprengung der Grenzen, Überwindung der Hindernisse, Umgestaltung von Zeit und Raum
Ziel Umschichtung, Erneuerung, Neuorientierung am Pulsschlag der Zeit

Saturn in Wassermann symbolisiert den inneren Kampf zwischen dem rückblickenden Ordnen und Strukturieren der Traditionen (Saturn) und dem Bedürfnis, das Traditionelle gleichzeitig und ohne jede Einschränkung über den Haufen zu werfen (Wassermann). Psychologisch entspricht das dem inneren Wunsch, den Grat zwischen den Sicherheiten traditioneller Werte und den Dimensionen neuer Horizonte ohne Schaden zu passieren. Der Zwischenraum (die schmerzhafte Pufferzone) aber bist du selbst, und je mehr du dich dem einen Pol näherst, um so deutlicher treten die Unterschiede zum anderen hervor. Indem du mit dem einen Auge einen Spiegel vor dir siehst und durch das andere gleichzeitig erkennst, daß du es selbst bist, der dich sieht, erkennst du dich in beiden. Es ist das Auge Saturns, das dich sieht, und indem es dich im eigenen Blick ansieht, ein gespiegeltes Bild in einem Spiegel, erkennen wir auch die gedankliche Exzentrizität des Wassermanns. Denn der Wunsch, den Rahmen zu sprengen und dich von allen einengenden Strukturen zu befreien, ist nicht leicht mit deinem gleichzeitigen Bedürfnis nach Sicherheit zu verbinden, und der Weg kann nur über das Ziel führen, innerhalb eines stabilen und bewahrenden Rahmens ein optimales Maß an Freiheit zu gewinnen.

SATURN IN FISCHE
Erde/Wasser: Die Dämonen der Nacht


Thema Abwendung, Einsamkeit, Ohnmacht und Flucht aus Angst vor der Unergründlichkeit der Nacht
Ziel Strukturierung der Leere, höheres Selbst

Hier zeigt sich die Tendenz, dich mit letzten Fragen zu beschäftigen, denn das Zeichen der Fische läßt das Interesse für das Ewige aufscheinen, während sich Saturn als Gefäß zur Aufnahme und Abgrenzung dieses Ewigen anbietet. Oftmals wirst du dich mit diesem Aspekt als der Empfänger einer gottähnlichen Kraft erfahren, die wahrscheinlich nichts anderes als die Umsetzung einer hohen inneren Inspiration darstellt. Je empfänglicher du für die höheren Schwingungen bist, desto mehr kannst du in die tiefen Schichten dieses Aspektes eintauchen und dich den verborgenen Weisheiten hingeben. Damit öffnen sich dir neue Ausblicke: Du kannst deinen Blick in die kosmischen Weiten des Ewigen eintauchen und dir trotzdem deines Ausgangspunktes im Weltlichen bewußt sein. Doch die innere Gewißheit, Teil einer höheren Ordnung zu sein, entbindet dich nicht der Verantwortung, die Dinge zu sehen und beim Namen zu nennen, um nicht im Treibsand deiner inneren Visionen zu verenden, denn ganz hinten, wo die Helligkeit visionären Erlebens in den Vorhof der Unterwelt mündet und Bilder auftauchen, die von unerklärlichen Ängsten und Phobien geschaffen sind, siehst du das himmlische Bild der höllischen Verführerin. Es ist nicht mehr die freundliche Erde, sondern die alles verschlingende Urmutter: das Spiegelbild der Nacht (Saturn in Fische), das dem Gespiegelten des Tages wie ein Schatten anhaftet. Hier befinden wir uns im Reich der Mütter, in dem sich die Leiber in Fötusse zurückentwickeln und im Fruchtwasser schwimmen, bang wartend, um vom zyklopischen Rachen des Saturn-Ungeheuers wieder ins Leben ausgespuckt zu werden. Vielleicht hast du im vergangenen Leben verpaßt, die Realität zu bestimmen und mußt nun lernen, daß es in deiner Entwicklung erst weitergeht, wenn du die Realität integrierst, bevor du sie ignorieren kannst.

Saturn in den Häusern


SATURN IN HAUS 1
Die Energieblockade

Sieh Saturn in Haus 1 als notwendigen Umweg an, um dich mit den unerlösten Tiefen-Dimensionen in deiner Seele wieder zu versöhnen. Denn er ist nicht nur der Weg, der zu den Energieblockaden führt, sondern er ist auch der Pfad, der dich mit deiner Selbstverhinderung konfrontiert. Du blockierst dich dauernd selbst, weil hier der eigene Wille (Haus 1) von der Angst (Saturn) solange verhindert wird, bis die blockierte Energie schließlich eskaliert. Das Gewalttätige, Explosionsartige in der Disposition dieses Aspektes ist offenkundig und wird zu Affekthandlungen, Unfällen oder anderen Störungen führen, wenn du diese inneren Spannungen nicht durch Einsichten und Lebensreife auffangen kannst. Dein Ego wird solange mit den Auswirkungen seiner eigenen, undurchschauten Entwicklung konfrontiert, bis es sich selbst aufgibt, seine Lage akzeptiert und damit auch in der Verhinderung die Kreativität seines Schicksals erkennt. Unter dieser Konstellation ist große Selbstbeherrschung nötig.


Symptome Fieber, Entzündungen, Knochenmarkentzündungen, Muskelverkrampfungen, rheumatische Anfälle


SATURN IN HAUS 2
Die Entwicklungshemmung

Das von Saturn in Haus 2 verkörperte Prinzip ist das des immerwährenden Wandels als einzig Beständigem im naturgegebenen Rhythmus von Werden und Vergehen. Erst wenn du den Tod als einen der Akte im Schöpfungsdrama, als eine notwendige Etappe auf deinem Weg zur Erlösung erkennst, bist du auch bereit, ihn als einen legitimen und unverzichtbaren Teil des Ganzen in dein persönliches Dasein zu integrieren, und damit wird auch Saturn als Schatten des blühenden Lebens (Haus 2) rehabilitiert. Saturn verkörpert zwar die Angst vor dem Loslassen, weil er sich gegen den natürlichen Ablauf wehrt, daß alles nur sein kann, weil es wieder zu Ende geht, doch er symbolisiert die Angst vor dem Ende, und das ist nicht der Tod, sondern das Leben. Damit stellt sich das von ihm verkörperte Prinzip zunächst als eine notwendige Entwicklungshemmung dar. Psychologisch betrachtet bedeutet das, daß du am Ende eines Entwicklungsprozesses angekommen bist, aus dem es erst weitergeht, wenn du dein altes Weltbild bzw. deine alte Identität geopfert hast, denn mit den Augen der Götter ist Saturn ein Symbol für die Notwendigkeit zum Loslassen, damit sich das Alte in Humus umsetzen und verwandeln kann.


Symptome Drüsenerweiterungen, Drüsenverhärtungen, Triebhemmungen (Einschließung nach innen: Hemmungen der inneren Sekretion)


SATURN IN HAUS 3
Der gepanzerte Verstand

Saturn in Haus 3 ist der Inbegriff einer sich absichernd verhärtenden Persönlichkeit, die nicht die höherschwingende Erkenntnis sucht, sondern die Sicherheit versprechende Materie, in der alle höherstrebenden Ideale, Hoffnungen und Wünsche auf ihre strukturelle Handhabung reduziert werden und verkümmern. Du glaubst, zum Kern des kosmischen Mysteriums vorzudringen, und hast dich doch nur im Gespinst verfilzter Strukturen verstrickt wie in einem Kokon, aus dem du dich durch keine Metamorphose befreien kannst, denn dieses Gestirn ist auch Sinnbild eines untauglichen Versuches, das kommunizierende Element unter Kontrolle zu bekommen und den Austausch mit der Außenwelt durch Strukturen abzusichern und zu verteidigen. Dein Streben nach Wissen zielt doch nur darauf, den kommunikativen Austausch mit anderen zu dominieren, deshalb entspricht deine Bindung an informierende Lektüre oder grundlegende Erklärungen weniger dem Wunsch nach Wahrheit als vielmehr dem Wunsch nach der Macht des Wissens, um aus der Position des Wissenden heraus andere zu manipulieren. Bei all deinen Bemühungen kommst du aber doch nie über Erkenntnisse im “Flohzirkusformat” hinaus, denn du erkennst immer nur den Schatten deines eigenen unerkannten Erkennens. Das wiederum entspricht genau der Position vieler Intellektueller, die darauf erpicht sind, ihr eigenes Nicht-Verstehen dank ihres unermüdlichen Analysierens vor sich selbst auf Distanz zu halten. Zwar mag die nüchterne Erkenntnis, die Saturn anzeigt, auch ein gewisses Maß an Klarheit mit sich bringen, auf der unentwickelten Ebene jedoch repräsentiert sie die negative Seite des Denkens.


Symptome Asthma, Erstickungserscheinungen, Atembeschwerden, Nervenblockierungen, Bronchial- und Lungenleiden


SATURN IN HAUS 4
Die seelische Einengung

Das 4. Haus symbolisiert die Innenwelt, die Gralsschale, die das Licht von oben empfängt, und Saturn repräsentiert das sich in die Tiefe der Seele einschleichende Grauen, das die dunkle Nacht der Seele wie ein Dschungelkämpfer durchforscht, denn der einfache Verstand ist wehrlos gegenüber den schimärenhaften Gebilden, die den Spalten der seelischen Unterwelt entsteigen. Deshalb hast du auch die Tendenz, dich seelisch einzuengen, denn mit Saturn in Haus 4 wirst du deine Gefühle verdrängen, aus Angst davor, daß diese unkontrolliert in dein Leben einfließen könnten. Saturn symbolisiert das Ungesehene in dir, die abgespaltenen Teile deines Selbst, die du ins Exil der finstersten seelischen Korridore verwiesen glaubst, die jedoch nichtsdestoweniger in den Negativprojektionen deines Tagesbewußtseins ihr bequemes Domizil gefunden haben und dich von dorther bedrohen, ohne daß du es wahrhaben willst. Dadurch ist es dir unmöglich, dich unbelastet und ohne Skepsis gefühlsmäßig auf die Umwelt einzulassen. So versuchst du, alle emotionalen Entscheidungen auszugrenzen und hoffst vergeblich, durch praktische und nachvollziehbare Werte die in den Fluten des Traumas versunkene Identität wieder ans Tageslicht zu befördern. Gefühlsgeborgenheit und Harmonie müssen ständig neu aufgebaut werden, damit du im Alltag Vertrauen findest, und schon die geringste Störung, die geringste Unfreundlichkeit kann zu Verstimmungen führen. Du fühlst dich innerlich allein und öffnest dich dem anderen erst – wenn überhaupt – nach langem Zaudern. Du scheust jedes gefühlsmäßige Engagement, aus Angst, zurückgewiesen zu werden. Du kannst dich nicht öffnen und erschrickst andererseits beim Gedanken, dich nicht preisgeben zu können. Diese Kälte aber, gegen die du dich wehrst, verkörperst du gerade selbst.


Symptome Depressionen, Magenbeschwerden, Reduzierung der Körperflüssigkeiten, gestörter Wasserhaushalt, Austrocknung der Schleimhäute, Harnverhaltung, Libidoschwäche


SATURN IN HAUS 5
Das verhinderte Selbst

Niemals würdest du von dir denken, daß du ein Esel bist, und doch kann genau dies das Bild deines eigenen Unbewußten sein, gegen das du beständig anrennst. Denn auf der einen Seite ist dein emotionaler Austausch blockiert, weil du das Leben nicht um seiner selbst willen akzeptierst, und auf der anderen fällst du auf dein großartiges, mißratenes Selbstbild herein, das alle deine Schwächen, ohne daß du dir dessen bewußt bist, auf andere projiziert. Das ist der falsche Weg, um mit deinem inneren Selbst ins reine zu kommen, denn durch dein persönliches Unvermögen hast du nicht gelernt, das Leben in seiner natürlichen Entwicklung anzunehmen. Du forderst, daß es sich dir in bestimmter Weise darbieten soll, und zwar genau so, wie du möchtest, daß es sich dir zeigt. Damit hast du alle Türen zu den Gefühlen zugeschlagen. Erst wenn du erkennst, daß dieser ganze Abwehrmechanismus dem einzigen Ziel dient, die fehlende Verbindung zur eigenen Mitte (Solarplexus) zu verhindern, kannst du den Stier bei den Hörnern packen und dem Schicksal ins Auge schauen.


Symptome Herz- und Kreislaufschwäche, Streß, Überforderung, Erschöpfung, Versagensängste, Lebensangst


SATURN IN HAUS 6
Die einschnürende Sinnfindung

Saturn in Haus 6 steht für soziale Verantwortung, Sicherheit und Ordnung und verdeutlicht die Strukturen der Gesellschaft, an denen du dich festhältst, damit die Welt für dich nicht aus dem Rahmen fällt, in den sie dich selbst hineinerzogen hat. Fleißig, konzentriert und ausdauernd strebst du immerfort nach Recht und Wahrheit, merkst aber dabei nicht, daß Unrecht so lange unvermeidlich ist, solange du willst, daß Recht geschieht. Deine Anpassung mag enorm sein, doch hat sie dein Leben erstickt, denn du glaubst, ohne stützende Ordnung deine Identität zu verlieren, und siehst nicht, daß du dein Selbst schon längst für eine fremdbestimmte Sinnfindung eingetauscht hast. Überhaupt ist auf der spirituellen Ebene jede Polarisierung sinnlos: Recht und Unrecht, Ordnung und Chaos, Gott und Teufel bekämpfen sich nicht gegenseitig, sondern sie ergänzen einander. Sie stellen zwei Seiten ein und derselben Wirklichkeit dar und ergeben erst in der Gesamtschau ein der Wahrheit entsprechendes Bild der Wirklichkeit. Beide Teile bedingen sich gegenseitig, und es ist nicht – wie Schiller meinte – der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären, sondern es ist das Muster des einen, das das Muster des anderen bedingt und ausgleicht. Das Gute ist nicht einfach das Gute, und das Böse ist nicht einfach das Böse, denn beides ist je nach dem Standpunkt des Betrachters sehr verschieden. Was für den einen das Gute ist, ist für dessen Feind das Böse – zumindest solange er sein Feind ist. Das Einhalten der Gesetze wird nicht automatisch zum Recht; Widerstand gegen unmenschliche Vorschriften zu leisten, ist gerechter, als das herrschende Recht zu wahren, wenn es die Würde der Humanität verloren hat.


Symptome Angstgefühle, Entwicklungshemmungen, Sprachstörungen, Zwangsvorstellungen, Einschnürungsempfinden, Denkzwänge


SATURN IN HAUS 7
Die verlogene Moral

In dieser Welt, so zeigt dieses Gestirn, ist Harmonie ein Ideal, das mehr mit der inneren Sehnsucht als mit der äußeren Wirklichkeit zu tun hat, denn wir leben auf einem kleinen Planeten, den zu zerstören wir offenbar wild entschlossen sind. Das Problem ist dabei nicht, daß wir zerstören, und das Problem ist auch nicht, daß wir gar nichts anderes können, sondern das Problem ist, daß wir das verdrängen und in der Zielausrichtung auf ein Paradies immer Sündenböcke suchen. Mißtrauisch, zurückhaltend und vorsichtig in Beziehungen bist du ständig vor deiner Umwelt auf der Hut, weil du dir einfach nicht eingestehen kannst, daß die Grundlage von Saturn in Haus 7 nicht die Gefühle, sondern die Gefühlsverhinderungs-Gefühle sind. Um mit dieser Verlogenheit leben zu können, mußt du ständig eine Anpassung der Wirklichkeit an deine inneren Gefühlsvorstellungen vornehmen und viele Lektionen in Hinsicht auf die Gefühle und ihre Vertiefung in Beziehungen lernen. Die falsche Moral unter dieser Konstellation ist eine innere Vorstellung davon, was Sünde ist, nämlich ein vermeidbarer Fehler (der anderen) und nicht die logische Konsequenz eines übermächtigen psychologischen Prozesses zwischen Ich und Du.


Symptome Kommunikationsversagen (Nierenbeschwerden), Gefühlsblockaden, Blutzucker (Liebesentzug), Drüsenschwellungen, Drüsenverhärtungen


SATURN IN HAUS 8
Der Phönix aus der Asche

Du spürst, daß du an der Schwelle zum höchsten, endgültigen Erwachen stehst, daß der Phönix in dir, vom Atem der Wiedergeburt erfaßt, die Schwingen ausbreitet zum Einflug in die Ewigkeit. Der Himmel steht offen, und schon scheint der Boden unter dir zurückzubleiben. Du spürst, wie dich dein vergangenes Karma, in dem du ohne Rücksicht auf die Umwelt deinen persönlichen Machtinstinkten hinterherjagtest, zu jenem Umwandlungsplatz der Psyche führt, wo du durch völlige Zerstörung erlöst und umgewandelt werden wirst, und fühlst überdeutlich die Nähe von Geschehnissen, die weit über alle irdische Erfahrung hinausreichen, denn Saturn in Haus 8 öffnet dich der ewigen Spirale von Tod und Wiedergeburt. Die Wellen der Erlösung sind zwar nur die Schläge der Schwingen des Todesengels, aber jetzt jagt dir der Himmel die Blutsäule eines kommenden, unzerstörbaren Lebens durch die Synapsen hindurch, und der Phönix hebt seinen Kopf und flüstert dir ins Ohr: Noch einmal wird der Sensenmann zu dir kommen, ehe wir durch die schmale Himmelspforte fliegen. Dann aber werden deine Augen leuchten, und du wirst aus der Unfähigkeit, dich fallenlassen zu können, erwachen und jubelnd in die unfaßbare Grenzenlosigkeit eintauchen. Gibt es einen herrlicheren Weg der Selbsterkenntnis?


Symptome blockierte Transformationsprozesse, Verhärtungen in der Psyche, Zwangsneurosen und andere Formen seelischer Erstarrung, Todessehnsucht


SATURN IN HAUS 9
Die unbeantwortbare Frage

Unter diesem Aspekt wird dir jede Antwort auf die Frage verwehrt, denn die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens ist gerade das Dilemma, in dem du dich bewegst: Du besitzt zwar die Kraft, die Wahrheit zu sehen, aber du besitzt nicht die Macht, dich vor dieser Wahrheit zu schützen, weil du nicht erkennst, daß deine Wahrheit ein Akt der Selbstbetrachtung ist, ein Akt, wie die anerzogenen Denk- und Vorstellungsmuster über sich selbst reflektieren, oder ein Akt, wie der menschliche Geist über den menschlichen Sinn nachdenkt. Vom Licht entfernt, vom Selbst abgewandt und vom Leben getrennt, hast du dich in deine eigene Bilderwelt versponnen, die dir dein Unbewußtes reflektiert. Dennoch: Wenn du dich betrachtest und im eigenen Betrachten erkennst, vermagst du auch dein Bemühen zu erkennen, die inneren Sehnsüchte in die Welt zu projizieren und als erkannte Wahrheit wieder in dich selbst zurückzunehmen. Damit hast du dich im Spiegelbild der Fragen wenigstens erkannt.


Symptome Hepatitis (fettige Degeneration), Depressionen und Lebensunlust durch Lebererkrankung, Sinnlosigkeitsgefühle aus Unverstandensein, Desillusionierung maßloser Übertreibungen (zu hohe Erwartungen, nicht zu verwirklichende Ziele)


SATURN IN HAUS 10
Die unerbittliche Wahrheit

Saturn in Haus 10 lädt dich ein, die Realität des Augenblickes anzuschauen, denn er weist dir den Weg zur Selbsterkenntnis, auf dem du dir darüber Klarheit verschaffen kannst, was du wirklich erreichen willst und was nicht. Hier geht es um die Suche nach Wahrheit, deren Unerbittlichste lautet: Denn Staub bist du, zum Staub mußt du zurück (1. Mose 3,19). Darin erkennst du die alttestamentarische Botschaft, die uns die nackte Wahrheit reflektiert, die Unbedeutendheit des Seins, denn sie symbolisiert den verdrängten Schatten aller menschlichen Ziele, den Riß in der gesellschaftlichen Identität, der das duale Weltbild sprengt – sowie das verstockte Unvermögen, den Verstand loszulassen und danach zu fragen, was jenseits der Ratio liegt. Das kann zu einer völligen Umbewertung aller bisherigen Vorstellungen von Erfolg und Anerkennung führen, weil Prestige und Engagement, in der Jugend heftig begehrt, dir im Verlauf deines Lebens immer unwichtiger erscheinen, da du erkennst, daß du im Erreichen dieser Ziele riskierst, dich selbst zu verlieren und vom Sog der Ereignisse fortgerissen zu werden. Deshalb ziehst du dich später aus dem Alltag zurück, um dir über die Zusammenhänge des Lebens und deiner inneren Ziele klar zu werden und um zu lernen, deine eigene Vergänglichkeit anzunehmen. Das führt dich zu deiner innersten Wesensnatur.


Symptome überdrehter Ehrgeiz aus kompensierter Lebensangst, Freudlosigkeit, innere Kälte; Erstarrung, Verhärtung, Einschränkung (Arthritis, Arthrose, Steinbildung)


SATURN IN HAUS 11
Der Zerknall

Langsam gehen die Pforten auf, und ein Licht, heller als ein Blitz, fließt heraus. Eine geheimnisvolle Erscheinung bäumt sich vor dir auf, in ihren Augen Feuerflammen. Es sind deine eigenen Augen, die dich ansehen, denn gleichzeitig erkennst du, daß du es selbst bist, der vor dir steht. Und indem du dich sozusagen von außen betrachtest, spürst du dich gleichzeitig im Inneren wachsen, denn dieses überräumliche Erkennen zeigt den Durchbruch zu einer größeren Perspektive, den Zerknall, der aus den alten Strukturen herausführen kann. Dieser Sprengschlag setzt das Scheitern als notwendige Bedingung voraus, um den alten Rahmen zu zerstören, denn Saturn in Haus 11 verkörpert die explosive Kraft, die sich plötzlich erneuert, wenn die vom Zeitgeist zerfetzte Kultur ihrer kreativen Vitalität verlustig gegangen ist. Auf der spirituellen Ebene ist er das “Auge Gottes” oder das Licht der Wahrheit, das wie ein Blitz vom Himmel fällt und den gefangenen Geist in einem Blitzstrahl des Erkennens aus den Vorstellungsfesseln der Alltagswelt befreit.


Symptome gereizte Spannungszustände, Krämpfe (Angst vor Veränderung bei gleichzeitiger Überpeitschung); gesteigerte Erregbarkeit und Überreaktionen (gleichzeitig mit unterdrückter Libido); Allergien, neuralgische und neuritische Symptome, Schock


SATURN IN HAUS 12
Der Spiegel im Spiegel oder das Bewußtsein Gottes

Diese Konfiguration wirkt sich sehr hintergründig und verdeckt im Leben aus, denn hier bist du von alledem getrennt durch die Schwelle, die du überschritten hast: die Schwelle der Wahrnehmung. Du bist durch die Tür geschlüpft, durch die du in das Ewige eintrittst, in das Modell des Unbekannten, das wiederum ein Abguß des großen Unfaßbaren ist. Denn die Welt, wie du sie siehst, existiert nur aufgrund der Vorstellung, die du dir von ihr machst. Man könnte es auch so ausdrücken: Die Welt enthält in sich selbst auch ihre eigene Reflexion im Spiegel unserer Bewußtseinsmuster, doch das, was wir im Spiegel unserer Vorstellung erkennen, ist immer nur das Gespiegelte unserer Denkstruktur. Jede Realität kreiert in deinem Gehirn Welten von anderen Sinneseindrücken und ruft das täuschend echte Gefühl hervor, als seiest du in ihr, denn dein Geist ist in die Datennetze des ganzen Universums eingebunden und auf sublime Weise mit jeder anderen Realität verbunden, obwohl du dir dessen nicht bewußt bist. Jeder Gedanke lebt im Bewußtsein anderer Dimensionen fort, und für viele Wesen sind diese Gedanken leuchtende Sonnen. Umgekehrt ist das, was du als leuchtende Sterne am Himmel siehst, das lebendige Bewußtsein Gottes, von den Wesen anderer Systeme geträumt. Zwar sträubt sich deine Psyche gegen das Erwachen, aber auch in deinen Träumen tauchen Schuldgefühle auf (weil die verdrängte Realität durchschimmert). Auf dieser Seite kannst du nicht erwachen, weil du die Orientierung in der Welt verloren hast, drüben aber kannst du auch nicht schlafen, weil dir das saturnische Gewissen keine Ruhe läßt.


Symptome Organzersetzung, Ablagerung von Giften, irrationale Ängste, Wahnvorstellungen, Auflösungserscheinungen, Disposition zur Ohnmacht, Flucht durch Sucht



URANUS
DIE SPRENGUNG DER NORM

Uranus ist die Personifizierung des Himmels, des Urmännlichen und der alle Formen sprengenden Entwicklungskraft. Als Sohn und Vater der Gaia (Erde), Ahnherr aller Götter, Ursprung und Zeuger der Natur- und Himmelsgewalten, ist er ein Symbol des sich immer neue Wege bahnenden Schöpfungsstroms. So wie er selbst aus dem Nichts entstanden ist, umhüllt ihn eine Aura des Plötzlichen, Neuen und Unerwarteten. Er hasst Struktur und Norm, denn die kontinuierliche Entwicklung ist ihm zuwider; er springt aus der Form, denn er ist das Symbol des Urknalles an der Wiege von Zeit und Raum, an der Schwelle zum Schöpfungsanfang. Er ist der Blitz aus heiterem Himmel, der die natürliche Entwicklung stört, der die Veränderung einleitet und generell das Alte zugunsten des Neuen stürzt, der aber plötzliches und unverhofftes Glück genauso wie unvermutet über den Menschen hereinbrechendes Unglück bedeuten kann.

Mit anderen Worten ist Uranus also ein Gestalter sowohl der Zeit als auch des Raumes, nur daß seine Visionen von Raum und Zeit sich in viel größeren Dimensionen gestalten, als wir uns das durch die irdisch-saturnale Brille vorstellen können. Seine Berührung mit der menschlichen Psyche ist anschaulich verkörpert in der Symbolgestalt des Prometheus, dessen plötzlich aufbrechendes Bedürfnis nach Erweiterung seines Horizontes ihm den Wunsch eingab, das Feuer der Götter vom Himmel zu holen und es für die Menschen nutzbar zu machen. Uranus überfällt uns wie ein plötzlich hereinbrechendes Gewitter, das das Inventar, also das, was wir vorher für unsere Wirklichkeit gehalten haben, hinwegfegt, und zwar so gründlich, daß die Welt nachher nie mehr so aufgebaut werden kann, wie sie vorher war.

Diese losgelassenen und unkontrollierten Kräfte sind vonnöten, um der nach Wachstum strebenden Psyche gegen die Denkbarrieren und Abwehrmechanismen der inventarisierten Welt im Durchstoßen der Grenzen den nötigen Schwung zu geben. Damit avanciert Uranus zum großen Befreier aus den Fesseln der Materie, zum Erwecker aus dem Schlaf der eigenen Bilder oder zum Wegweiser aus den Polaritäten des Denkens, denn er zwingt uns zu einer durchgreifenden Veränderung unserer Sichtweisen und zu der damit verbundenen Neubeurteilung der Welt, die der vergrößerten Perspektive Rechnung trägt. Psychologisch könnte man dies veranschaulichen, indem man sagt, daß das zur Integration bereite Unbewußte in Form von noch unstrukturierten Gefühlen und Erkenntnissen als Vision oder Idee ins Bewußtsein schimmert und den Zwang auslöst, diese auf eine umfassendere Weise jetzt verstehen zu wollen und ihrem Drängen nachzugehen, ganz egal, wohin der Weg jetzt führt.

Mit einer starken Uranus-Betonung im Horoskop träumst du von einer idealen Welt und kämpfst für sie, ohne zu bemerken, daß das Ideale nur das Produkt deiner eigenen Vorstellung ist, denn Uranus verkörpert auch einen inneren Zwang zur seelenlosen Technologie, die jegliches Maß verlieren kann. Dann wird aus dem Wunsch, dich selbst außerhalb der Gesetze neu zu entdecken, der persönliche Größenwahn, dich mit diesem erkannten Größeren zu personifizieren und dich als erleuchtet zu erleben. In deiner subjektiven Schöpferrolle stellst du alles in Frage und nährst so den Keimungsprozeß des Irrationalen im Rationalen, des Geistigen im Zeitlich-Räumlichen, der Vorstellungsüberwindung im Vorstellbaren. Diese Visionen können völlig von dir Besitz ergreifen und die ganze Macht deines Unbewußten heraufbeschwören, auf deren Altar du am Ende aber selbst geschlachtet wirst. Denn näherst du dich dem Strom deines inneren Feuers aus einer persönlich eingeengten Perspektive, dann wird dir die Wucht des Erkennens die Perspektive zertrümmern.

Das wahre Geschenk der von Uranus dimensionierten Möglichkeiten aber ist, dich als ein kleines Wassertröpfchen im riesigen Meer des Ewigen zu erfassen und gleichzeitig die innere Struktur des Ewigen zu erhaschen, welche umgekehrt ein Teil in dir ist. Um dieses uranische Bewußtsein aber zu erreichen, mußt du deine geschlechtsspezifische Rolle überwinden, um eine androgyne Wesensart zu leben, die den Kanälen polarisierender Spannungen entzogen ist. Denn das uranische Spektrum filtert aus dem kosmischen Reigen eine Perspektive, in der alles mit allem verbunden ist. Je mehr du dich vom Alltag vereinnahmen läßt, desto mehr entfernst du dich von deiner uranischen Möglichkeit, die Dinge ohne seelische Verbundenheit und persönlichen Kommentar einfach geschehen zu lassen, um aus dieser meditativen Gelassenheit blitzartig den inneren Plan jeglichen Geschehens in einem größeren Zusammenhang zu erfassen. Deswegen tragen Visionen auch den Mantel plötzlichen Erkennens. Zur Veranschaulichung läßt es sich auch so ausdrücken, daß du nicht mit dem Fernrohr in der Welt herumreisen mußt, um die Wirklichkeit zu sehen, wenn du nur die richtige Brennschärfe einzustellen hast. Denn du bist nicht außerhalb der Wahrheit, du bist innerhalb von ihr, auch wenn du deine Denkfrequenz nicht auf sie auszurichten vermagst. Nicht das Unsagbare ist das Irreale, sondern deine begrenzte Weltvorstellung, deren selbstbemessenen Rahmen du als kulturelles Erbe zu bewahren hast und nicht in die Luft zu jagen wagst.

Die uranische Dimension kann allerdings nicht abgehandelt sein, solange wir nicht auch die Identifikation mit dem Besonderen und Ewigen, wie sie durch uns Menschen in den Alltag übertragen und in unsere Motivationen hineingetragen werden, in ihren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft angesprochen haben. Denn gerade seit der jüngsten Vergangenheit befindet sich unsere Welt in einer Situation der Umwälzung, in der ökologische Perspektiven (Umweltschützer, Rüstungs- und Atomkraftgegner) langsam beginnen, den materiellen Interessen entgegenzutreten.

Überspitzt ausgedrückt macht es für Uranus allerdings keinen Unterschied, ob ich mich um meinen persönlichen Wohlstand kümmere oder mich gegen die Armut in der Welt einsetze, ob ich einem technischen Fortschrittsglauben huldige oder mich gegen die Umweltzerstörungen stark mache. Immer handelt es sich um eine Fixierung auf ein inneres Bild, das einen Beziehungsrahmen benötigt, aus dem heraus es sich als einzig richtig taxiert und alles ihm sich Widersetzende als falsch ansieht. Diese Philosophie wird bei vielen Lesern aus moralischen Erwägungen heraus Widerspruch erzeugen: “Wie kann das Streben um den eigenen Vorteil mit der Bekämpfung sozialer Ungleichheiten gleichzusetzen sein?” – Das aber ist es gerade, was uns die Uranus-Komponente mit unendlicher Gelassenheit beizubringen versucht. Es gibt außerhalb der Perspektive unserer moralischen Wertungen gar keine Unterschiede, und die moralischen Werte sind wiederum gebunden an den herrschenden Zeitgeist, der sie beurteilt, und dieser setzt sich in seiner Identifikation mit dem erkannten Neuen vom überwundenen Alten immer ab, ganz egal, welche moralischen Werte hinter dessen hochgehobenen Parolen stehen.

Wenn ich durch meine innere Anlage also gebunden bin, etwas zu tun, was die öffentliche Meinung als “gut” bezeichnet, so tue ich es nicht, weil es gut ist, sondern weil die Verkörperung von etwas Gutem der Lösung meiner inneren Spannungen guttut (beispielsweise Mutter Teresa, Albert Schweitzer, Rudolf Steiner). Glück hat also der, dessen Verwirklichung seiner inneren Anlagen ihn zu Lösungsmöglichkeiten zwingt, die mit den Verwirklichungen der kollektiven Psyche, die sich im Zeitgeist niederschlagen, übereinstimmt.

Wir müssen bei allen uranischen Höhenflügen darauf achten, daß wir die Vision für eine bessere Welt nicht als Rechtfertigung für die eigene Verdrängung nehmen, die Kämpfe und den Einsatz für mehr Gerechtigkeit nicht als bloße Projektion hochheben, um den inneren Schweinehund zu bekämpfen und unser eigenes Problem dem politischen oder sozialen Gegner aufzubürden, der damit wirklich nichts am Hut hat.

Uranus in den Zeichen

Die äußeren Planeten bewegen sich sehr langsam. So braucht Uranus durchschnittlich 7 Jahre zur Durchquerung eines Tierkreiszeichens. Insofern sagt seine Position im Zeichen auch weniger etwas Spezifisches zu deiner persönlichen Geschichte aus, sondern erzählt mehr über die Prägung und den Hintergrund des Kollektivs, in das du innerhalb eines betreffenden Zeitraumes hineingeboren wurdest (siehe dazu die vermerkten Jahreszahlen). Die individuelle Bedeutung des Uranus-Einflusses kannst du aus der Häuserstellung ablesen und aus der Vernetzung mit Aspekten zu persönlichen Planeten.

URANUS IN WIDDER
1927-1935/2011-2019: Die Ruhelosen

Entschlossenheit, Mut, außergewöhnliche und schnell entzündete Energie, spontane Begeisterungsfähigkeit, engagierte Interessenvielfalt, großer Freiheits- und Unabhängigkeitsdrang (Ich-Findung durch beständiges Stolpern über sich selbst) sowie Krise als Katalysator von Entwicklung

URANUS IN STIER
1935-1942: Die Unbeständigen

Freiheitsliebe, Besitzfreiheit, Ungebundenheit, Ideale grenzüberschreitender Harmonie, gemeinnützige Utopien und Überwindung sozialer Standesunterschiede, aber auch Unbeständigkeit und materielle Identifikationsprobleme durch den beständigen Widerspruch zwischen den beiden rivalisierenden Bedürfnissen nach Sicherheit und Freiheit

URANUS IN ZWILLINGE
1942-1949: Die Freidenker

Gedankenfreiheit, intellektueller Unabhängigkeitsdrang, neue Horizonte, Sprengung verkrusteter Denkmodelle, Ideenschmiede, freie Selbstverwirklichung, Interessenvielfalt

URANUS IN KREBS
1949-1955: Die Heimatlosen

Ungebundenheit, Veränderungsliebe, Wunsch nach Befreiung von Gefühlen und Ablösung von seelischen Zwängen, spontanes Entmystifizieren emotioneller Überfrachtungen, Drang nach seelischer Unabhängigkeit und Kontrollieren persönlicher Gefühle mittels gruppendynamischer Prozesse oder spiritueller Führung

URANUS IN LÖWE
1955-1962: Die Freiheitskämpfer

Originalität, Weitblick und Entwicklungssprünge, Befreiung von beengenden Identifikationszwängen, Suche nach größeren Perspektiven und Verwirklichung revolutionärer Konzepte im gesellschaftlichen Umfeld, Reform, Schwingen im Zeitgeist, Freiheitsliebe (freie Liebe), tabufreie Sexualität

URANUS IN JUNGFRAU
1962-1968: Die kritischen Faktoten

Differenziertes Denken, geistige Beweglichkeit, Organisations- und Planungsfähigkeit, Ausweitung konventioneller Normvorstellungen, Krisenmanagement, Flexibilität, Scharfsinn, Zukunftsperspektiven, mehrgleisige Logik (virtuoses Verknüpfen scheinbarer Widersprüche zwischen parallel fließenden Gedankenblöcken), Lockerung von Leistungsforderung und Anpassungszwang, neue Paradigmen zur Arbeitsplatz-Philosophie

URANUS IN WAAGE
1968-1974: Die Paradiesvögel

Freie Bindungen, spontane Kontakte, idealisierende Liebe (und Hingabe) an den Augenblick, Harmonie mit dem Kosmos, Streben nach dem Unerreichbaren, originelle Experimentierfreude (Hermaphroditismus) und unabhängige Note in der Beziehung bei hohem Anspruch an den Einfallsreichtum des Geschlechtspartners, Entpolarisierung, Ganzheitsideale

URANUS IN SKORPION
1974-1981: Die Apokalyptiker

Neuerungen, Reformen, Ego-Transformationen, Bruch mit alten Traditionen, Umwälzung überlieferter Normen durch die Zerstörung von morschen Weltbildern, revolutionäres Bewußtsein und engagiertes Zeitgeistverständnis durch apokalyptische Visionen

URANUS IN SCHÜTZE
1981-1989: Die Weltraumfahrer

Weltumspannende Interessen, revolutionäre Weltanschauung, Forscher- und Entdeckergeist, Expansion des Wissens, Milchstraßen-Perspektive, Universalbewußtsein

URANUS IN STEINBOCK
1906-1911/1989-1995: Die Grenzsprenger

Schleifen der Grenzen, Befreiung von Zwängen, Zusammenbruch der Werte, Strukturieren des Chaos, Ergründen kosmischer Gesetzmäßigkeiten, Streben nach gesellschaftlicher Veränderung, Spiegelung der persönlichen Erfahrungen in den Erfahrungsmustern der ganzen Welt

URANUS IN WASSERMANN
1911-1919/1995-2003: Die Phönixe

Freiheit für alle, Neuerungsbestreben und Suche nach Unabhängigkeit, Umwälzung, Wandlung, Revolution, spontanes Verschmelzen mit der Kreativität des Chaos, Zerstörung alter Formen und selbstüberwindende Integration revolutionärer Ideen, Sprengung aller Normen und Abbau verhärteter Strukturen

URANUS IN FISCHE
1919-1927/2003-2011: Die Cherubim

Entwicklung des Unbewußten, Begreifen mystischer Zusammenhänge, Erahnen anderer Wirklichkeiten, Ablösung von gesellschaftlichen Sichtweisen und Überwindung konventioneller Glaubensvorstellungen, oft Auflösung der Alltagsebene und ehrfürchtige Ergriffenheit vor der Immanenz Gottes bzw. ihrer weltlichen Stellvertreter

Uranus in den Häusern


URANUS IN HAUS 1
Der zündende Sprengsatz

Mit Uranus in Haus 1 kannst du dich im Zentrum deines inneren Umbruchs erkennen und das Ziel erblicken, unabhängig von allen konventionellen Normen und bürgerlichen Einschränkungen deinen ungestümen, potenzierten und kreativen Geist zu entwickeln. Hier öffnet sich der Weg, durch Krisen und permanente Umbrüche solange zu wachsen, bis dir die Hintergründe deiner Schicksalseinbrüche klar geworden sind. Oft bleibt deine innere Aggression aber in der Hinterfragung des eigenen Verhaltens hängen, und deine Forderung nach Freiheit kann vieles im Leben zerstören. Deine Wut bleibt blockiert und unverdaut in der Seele liegen, ein aggressiver Wille zur Macht, das Überlaufventil eines übersteigerten Egos oder die größenwahnsinnige Verkörperung dessen, was du bist, wenn du glaubst, der Herr deiner Vorstellung zu sein. Die Folge davon ist die Überpeitschung der Durchsetzungsängste und seelischen Blockaden mittels gewalttätiger und aggressiver Ziele, weil das schwache Ich nur in der Grenzsprengung Vertrauen findet: ein Selbstvertrauen aber, das die Krise als Ausdruck seiner Angst schon im Handgepäck mit sich führt.


Symptome Allergie, Überreaktion, Unfallneigung, erhöhte Fieberneigung, neurovegetative und epileptoide Störungen


URANUS IN HAUS 2
Die Umwälzung der Form

Uranus in Haus 2 repräsentiert den inneren Impuls, materielle Strukturen zu zerstören, und das läßt auf eine zwanghafte Hartnäckigkeit schließen, gegen alte Mauern anzurennen und sich den Schädel einzuschlagen, denn dein Augenmerk richtet sich unter diesem Einfluß auf die Erneuerung der materiellen Existenz. Es ist das alte Weltbild, das zunichte gemacht werden will, denn dieser Aspekt fordert dich zum inneren Loslassen auf, da die Zeit gekommen ist, die Begrenzungen der Vergangenheit hinwegzuschwemmen und die Besitztümer aufzulösen. Bewährte Perspektiven büßen ihre Plausibilität ein und alle materiellen Werte verlieren ihren Sinn. Deshalb können wir diese Konstellation auch als jene archaische Urgewalt betrachten, die jede Absicherung aufhebt, denn sie ist gerade ein Symbol jener Zielverlorenheit oder Richtungslosigkeit, aus der eine neue Richtung erst entsteht. Sie symbolisiert die Absichtslosigkeit, die keine materielle Grundlage kennt, und läßt dich nicht am Boden stehen, sondern schleudert dich irgendwo in die stoffliche Leere, ins materielle Nichts. Und doch ist dies die einzige Möglichkeit, die dich weiterbringt, gerade weil du dich auf der materiellen Schiene nicht mehr zu bewegen vermagst. Aus allen gewohnten Handlungsabläufen herausgerissen und ins existentielle Niemandsland verbannt, ist dies oft der einzige Weg, auf dem du dich mit Hilfe des inneren Fühlens wieder ins Licht tasten kannst, so als wolle Uranus dir sagen: Es gibt kein Ziel: Alles fließt!


Symptome Hyperthyreose (gesteigerte Tätigkeit der Schilddrüse), Magersucht, Drang nach Unabhängigkeit und Zwiespalt der Bedürfnisse zwischen Sicherheit und Freiheit


URANUS IN HAUS 3
Der (digitale) Entwicklungssprung

Dieses Gestirn sprengt die Grenzen des Intellekts und des dualen Denkens und führt das Paradigma von den analogen Abläufen im Mund: Wie innen, so außen! Das entspricht der Lehre vom sinnvollen Zufall und von der sinnvollen Zeitgleichheit, der Synchronizität, und bedeutet auf der spirituellen Ebene die Verbundenheit allen Seins. Uranus in Haus 3 entwickelt seine eigene Dynamik, die dich über die Grenzgebiete der Gegenwart hinaus in das Niemandsland der Zukunft trägt, denn es ist das krampfhafte Streben nach Fortschritt, dass dich zwingt, dich weiterzuentwickeln, selbst wenn dich diese Entwicklung direkt in die Hölle führt. Das ist der Preis für den Fortschritt, für die Atombombe und den Retortenmenschen, für den Computer, der den Menschen überflüssig macht, für die digitalen Träume virtueller Realitäten, die langsam in die Wirklichkeit eindringen, für die Gentechnologie, die Menschen als maßgeschneiderte Produkte aus dem “Embryo-Supermarkt” heranwachsen läßt, wo Gehirne gespeichert, programmiert und direkt miteinander verbunden werden, um globale Gruppeninteressen zu sichern, Bedürfnisse, die sich über Bildschirme selbst aussteuern und sich das Blaue vom Himmel herunter simulieren. Die anstehenden Aufgaben erfordern geistige Lösungen, und die Energie, die dabei umgesetzt werden muß, verweist auf die transzendente Ganzheit des Seins jenseits aller Polarisierung.


Symptome Ruhelosigkeit, Geräuschempfindlichkeit, Reizbarkeit, Gleichgewichtsstörungen, nervale Hautaffektionen, Zersplitterung, nervöse Hast (Hyperventilation, spastischer Husten, asthmatische Bronchitis)


Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
22 grudnia 2023
Objętość:
1173 str. 172 ilustracji
ISBN:
9783905372427
Wydawca:
Właściciel praw:
Автор
Format pobierania:

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