Czytaj książkę: «Der vermisste Fussballspieler»
Sir Arthur Conan Doyle
Der vermisste Fussballspieler
Übersetzt
R. Lautenbach, A. Gleiner
Saga
Der vermisste Fussballspieler ÜbersetztR. Lautenbach, A. Gleiner
Original
The Adventure of the Missing Three-Quarter
Coverbild/Illustration: Shutterstock
Copyright © 1904, 2020 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont
All rights reserved
ISBN: 9788726693072
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 3.0
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Wir waren ziemlich daran gewöhnt, rätselhafte Telegramme zu erhalten, aber besonders liegt mir noch eins im Sinn, das vor etwa acht Jahren an einem düsteren Februarmorgen ankam und Holmes einige Verlegenheit bereitete. Es trug seine Adresse und lautete:
Bitte, mich erwarten. Furchtbares Unglück. Wichtigster Mann fort; morgen unentbehrlich. — Overton.
„Es trägt die ordnungsmässige Stempelmarke und ist um zehn Uhr sechsunddreissig Minuten aufgegeben worden,“ sagte mein Freund, nachdem er es immer wieder gelesen hatte. „Herr Overton war augenscheinlich sehr aufgeregt, als er’s abschickte, und daher etwas verwirrt. Nun, ich glaube, er wird gleich selbst ankommen und dann werden wir ja alles erfahren. Ich will einstweilen die »Times« durchgucken. Selbst die unbedeutendste Aufgabe würde mir in dieser flauen Zeit Willkommen sein.“
Wir hatten tatsächlich schon länger keine richtige Beschäftigung mehr gehabt, und ich hatte diese Perioden der Untätigkeit fürchten gelernt, denn mein Freund war eine so rührige Natur, dass es gefährlich für ihn war, wenn er nicht die nötige Arbeit hatte. Seit Jahren hatte ich ihm den Genuss narkotischer Mittel allmählich abgewöhnt, wodurch früher einmal seine ganze Laufbahn beinahe unterbrochen worden wäre. Nun wusste ich zwar, dass er unter gewöhnlichen Umständen nach diesen Reizmitteln kein Verlangen mehr trug, aber ich war mir ebenso klar darüber, dass der Feind nicht tot war, sondern nur schlief; und ich hatte die Erfahrung gemacht, dass dieser Schlaf nicht sehr fest und das Erwachen sehr nahe war, sobald Perioden der Untätigkeit kamen. Dann zeigte sein asketisches Gesicht grosse Niedergeschlagenheit, und seine tiefen, unergründlichen Augen nahmen den Ausdrück des dumpfen Dahinbrütens an. Ich segnete deshalb diesen Herrn Overton, wer er auch sein mochte, weil er durch seine sonderbare Botschaft diese unheimliche Ruhe unterbrochen hatte, welche für meinen Freund gefährlicher war als alle Stürme seines bewegten Lebens.
Wie wir erwartet hatten, blieb der Absender der Depesche nicht lange aus. Herr Cyril Overton vom Trinity College in Cambridge war ein riesenhafter junger Mann, er hatte einen enormen Knochenbau und eine entsprechende Muskulatur; seine breiten Schultern füllten unsere Türe vollkommen aus. Dabei hatte er ein ganz nettes, sympathisches Gesicht, dem man freilich die Unruhe auf den ersten Blick ansah.
„Herr Sherlock Holmes?“
Mein Freund verbeugte sich.
„Ich komme eben von Scotland Yard herauf, Herr Holmes. Ich sprach den Inspektor Hopkins. Er riet mir, mich an Sie zu wenden. Er sagte, der Fall sei, so weit er ihn beurteilen könne, eher etwas für Sie, als für die reguläre Polizei.“
„Bitte, nehmen Sie Platz und erzählen Sie mir, was los ist.
„’s ist schrecklich, Herr Holmes, einfach schrecklich! Ich wundere mich, dass ich noch keine grauen Haare habe. Godfrey Staunton — Sie haben von ihm gehört, selbstverständlich? Beim ganzen Spiel dreht sich alles um ihn. Lieber sollen mir drei andere fehlen als gerade er, keiner reicht ihm das Wasser. Er ist das Haupt und hält das ganze Spiel zusammen. Was soll ich nun anfangen? Das sollen Sie mir sagen, Herr Holmes. Da ist freilich noch Moorhouse, der erste Reservemann, er ist aber nur halb trainiert. Er hat ja ’nen guten Fuss, aber nicht die nötige Ueberlegung. Ei, Morton, oder Johnson, die berühmten Oxforder Fussballspieler, würden ihn schön schlagen. Und Stevenson wäre ja fest genug, der ist aber auf seinem jetzigen Posten ganz unentbehrlich. Nein, Herr Holmes, wir sind verloren, wenn Sie mir nicht helfen können, Godfrey Staunton aufzufinden.“
Holmes hatte den Worten des Herrn Overton mit Interesse zugehört. Der ausserordentliche Eifer und Ernst, womit sie hervorgestossen wurden, und der Nachdruck, den der Sprecher jedem einzelnen Punkt durch einen gewaltigen Schlag mit seiner muskulösen Hand auf seine Knie verlieh, schienen ihn zu amüsieren.
As unser Besucher mit seiner Erklärung fertig war, hoste Holmes den Band mit S seines selbstangelegten Lexikons vom Bücherregal herunter. Zum erstenmal sah er vergeblich in diesem reichhaltigen Sammelwerk nach.
„Ich habe hier einen Artur H. Staunton, einen vielversprechenden Falschmünzer,“ sagte er, „und den Henry Staunton, dem ich zum Galgen verholfen habe, aber Godfrey Staunton ist mir ein unbekannter Name. Wer und was ist denn dieser Staunton?“
Nun machte unser Klient ein erstauntes Gesicht.
„Aber Herr Holmes, ich glaubte, Sie wüssten alles mögliche,“ sagte er. „Wenn Sie nie was von Godfrey Staunton gehört haben, dann kennen Sie womöglich auch Cyril Overton nicht?“
Holmes schüttelte lächelnd den Kopf.
„Unglaublich!“ rief der Athlet. „Ei, ich war der erste Sieger für England gegen Wales und habe schon ein Jahr an der Spitze des akademischen Fussballklubs gestanden. Aber das ist noch gar nichts gegen Godfrey Staunton, den Sieger von Cambridge, Blackheath und fünf internationalen Fussballwettspielen. Gütiger Gott! Herr Holmes, wo sind Sie eigentlich auf der Welt gewesen?“
Holmes lachte über das kindliche Staunen des jungen Wettkämpfers.
„Sie leben in einer ganz anderen Welt als ich, Herr Overton, in einer angenehmeren und gesunderen Atmosphäre. Meine Beziehungen erstrecken sich auf viele Gesellschaftsschichten, aber, ich kann wohl sagen glücklicherweise, nicht in die Kreise des Liebhabersports, der ein gutes und gesundes Zeichen ist für die innere Straft des englischen Volkes. Doch beweist mir Ihr unerwarteter Besuch, dass es auch in dieser frischen Welt für mich zu tun gibt; ich bitte Sie nun, mein lieber Herr, mir langsam und ganz ruhig den Sachverhalt genau anzugeben und mir zu sagen, in welcher Weise ich Ihnen behilflich sein kann.“
Der junge Herr Overton war ein Mann, der mehr an den Gebrauch seiner Muskeln als an den seines Gehirns gewöhnt war. Er machte ein ziemlich verlegenes Gesicht, aber nach und nach, mit vielen Wiederholungen und Unklarheiten, die ich hier weglassen will, brachte er folgendes heraus.
„Die Sache ist, wie Sie sehen werden, die, Herr Holmes. Wie ich gesagt habe, bin ich Vorstand des Fussballklubs in der Universitätsstadt Cambridge, und Godfrey Staunton ist mein bester Mann. Morgen spielen wir gegen Oxford und zwar hier in London. Gestern sind wir alle hiechergefahren und haben uns in Bentleys Privathotel einquartiert. Um zehn Uhr machte ich die Runde und sah nach, ob alle Mitglieder zur Ruhe gegangen waren, denn ich halte ausreichenden Schlaf für unerlässlich vor einem Wettspiel. Ich sprach mit Godfrey noch ein paar Worte, ehe er sich legte. Er kam mir blass und aufgeregt vor. Ich fragte ihn, was er habe. Er antwortete, es sei weiter nichts — nur ein bisschen Kopfichmerzen. Ich wünschte ihm Gutenacht und ging hinaus. Nach einer halben Stunde sagte mir der Portier, dass ein Mann mit einem wilden Bart mit einem Brief für Herrn Staunton draussen sei. Da er noch auf war, wurde ihm das Schreiben auf sein Zimmer gebracht. Godfrey las es und sank, wie vom Schlag gerührt, auf einen Stuhl. Der Portier war so erschrocken, dass er mich holen wollte, aber Godfrey hielt ihn zurück, liess sich einen Schluck Wasser geben und stand wieder auf. Dann ging er die Treppe hinunter, wechselte noch ein paar Worte mit dem Ueberbringer des Briefes, der im Hausflur wartete, und ging mit ihm zusammen weg. Als ihnen der Portier zum letztenmal nachblickte, liefen sie schon die Strasse hinunter. Heute morgen war Godfreys Zimmer leer, sein Bett war unbenutzt, und auch sonst lag noch alles an derselben Stelle wie am Abend. Er war auf eine plötzliche Nachricht hin mit diesem Unbekannten weggegangen, und wir haben seitdem kein Wort von ihm gehört. Ich glaub’ nicht, dass er je wiederkommt. Er war ein grosser Sportsfreund, der Godfrey, mit Leib und Seele, und er würde sein Trainieren nicht unterbrochen und seinen Vorstand im Stich gelassen haben, wenn er nicht einen sehr triftigen Grund gehabt hätte. Nein, ich hab’ das Gefühl, als ob er für immer fort wäre und wir ihn nie wiedersehen würden.“
Holmes hatte dieser merkwürdigen Erzählung aufmerksam zugehört.
„Was haben Sie dann getan?“ fragte er am Ende.
„Ich telegraphierte nach Cambridge, um zu erfahren, ob man dort was von ihm gehört hätte. Ich bekam die Antwort, kein Mensch hätte ihn gesehen.“
„Konnte er am selben Abend noch nach Cambridge zurückfahren?“
„Ja, es fährt noch ein später Zug — um viertel zwölf.“
„Aber so weit Sie haben in Erfahrung bringen können, hat er ihn nicht benutzt?“
Darmowy fragment się skończył.