Czytaj książkę: «Der goldene Klemmer»
Arthur Conan Doyle
Der goldene Klemmer
Saga
Der goldene Klemmer ÜbersetztR. Lautenbach, Adolf Gleiner Copyright © 1904, 2019 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726390391
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Der goldene Klemmer.
Wenn ich die drei dicken Bände Manuskript vor mir sehe, welche die Aufzeichnungen über unsere Erlebnisse im Jahre 1894 enthalten, dann muss ich gestehen, dass es mir wirklich schwer fällt, aus dieser Fülle von Stoff gerade die Fälle herauszuziehen, die an sich am interessantesten sind, und bei denen zugleich diejenigen Fähigkeiten meines Freundes Sherlock Holmes am deutlichsten hervortreten, derentwegen er weithin bekannt ist. Beim Durchblättern sehe ich meine Notizen über die abstossende Geschichte des roten Tierarztes und den schrecklichen Tod des Bankiers Crosby. Weiter finde ich einen Bericht über die Tragödie von Addleton; auch die berüchtigte Smith-Mortimersche Erbschaftsangelegenheit fällt in diese Periode; und ebenso die Aufspürung und Verhaftung des Strassenmörders Hurot — eine Tat, die Holmes einen eigenhändigen Dankesbrief des französischen Präsidenten und den Orden der Ehrenlegion einbrachte. Jeder dieser Fälle würde das Material zu einer spannenden Erzählung liefern, aber im grossen und ganzen bin ich doch der Ueberzeugung, dass keiner so viele eigenartige und interessante Punkte bietet, wie die Episode von Yoxley Place, die nicht nur das beklagerswerte Ende des jungen William Smith in sich schliesst, sondern auch die nachfolgenden Verwickelungen beleuchtet, die ein so merkwürdiges Licht auf die Ursachen dieses Verbrechens warfen.
Es war an einem rauhen, stürmischen Abend gegen Schluss des Monats November. Holmes und ich sassen schweigend in unserem Zimmer nebeneinander. Er war damit beschäftigt, mit Hilfe einer starken Lupe die Schrift auf einem alten Pergament zu entziffern, und ich hatte mich in eine medizinische Abhandlung vertieft. Draussen heulte der Wind, und der Regen klatschte gegen die Fensterscheiben. Es war ein sonderbares Gefühl, wenn man mitten in der gewaltigen Stadt, im Umkreis von zehn Meilen von menschlichen Wohnungen umgeben, die elementare Gewalt der Natur verspürte, und sich bewusst wurde, dass den furchtbaren Naturkräften ganz London weiter nichts war als ein winziger Hügel, wie ihn draussen auf dem Feld ein Maulwurf aufwirft. Ich ging ans Fenster und blickte hinunter auf die menschenleere Strasse. Von der Ecke der Oxfordstrasse kam eine einzelne Droschke durch den Schmutz und die Pfützen der Bakerstrasse gefahren.
„Nun, Watson, heute nacht ist’s gut, dass wir nicht ’naus brauchen,“ sagte Holmes, als er sein Vergrösserungsglas beiseite legte und das Pergament zusammenrollte. „Ich habe für eine Sitzung genug getan. Es ist eine anstrengende Arbeit für die Augen. Es gibt kaum was Aufregenderes als den Bericht eines Abtes aus der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Hallo! Was ist da los?“
Durch das Pfeifen des Windes drang der Hufschlag eines Pferdes und das knirschende Geräusch eines Wagenrades an unser Ohr, das gegen die Kante des Fusssteigs fuhr. Die Droschke, die ich gesehen hatte, machte vor unserer Türe Halt.
„Was mag er wollen?“ rief ich aus, als ich einen Mann aussteigen sah.
„Was! Uns will er. Und wir, mein armer Watson, wollen unsere Ueberzieher, Halsbinden und sonstigen Schutzmittel hervorsuchen, die der menschliche Geist gegen die Unbilden der Witterung erfunden hat. Wart noch ’n Moment! Das Vehikel ist wieder weg! Noch ist Hoffnung vorhanden. Er würde es haben warten lassen, wenn er uns mit haben wollte. Lauf’ hinunter, mein Lieber, und mach’ die Haustür auf, denn alle ehrsamen Bürger liegen längst im Bett.“
Als das Licht unserer Hausflurlampe auf unseren mitternächtigen Besucher fiel, erkannte ich ihn gleich wieder. Es war der junge Stanley Hopkins, ein vielversprechender Beamter der Geheimpolizei, an bessen Laufbahn Holmes verschiedentlich ein lebhaftes Interesse genommen hatte.
„Ist er zu Hause?“ fragte er hastig.
„Kommen Sie nur ’rauf, mein Lieber,“ rief ihm Holmes von oben zu. „Hoffentlich haben Sie keine bösen Absichten auf uns in einer solchen Nacht wie der heutigen.“
Der Detektiv stieg die Treppe hinauf, während von seinem glänzenden Wassermantel die Tropfen herunterliefen. Ich half ihm ihn ausziehen, und Holmes entfachte das Feuer in unserem Ofen zu neuer Glut.
,,Nun, mein lieber Hopkins, setzen Sie sich an den Ofen und wärmen Sie sich die Beine,“ sagte er dann. „Hier haben Sie eine Zigarre, und Dr. Watson hat ein Rezept, heisses Wasser mit Zitronensaft, das ist eine ausgezeichnete Arzenei in einer solchen Nacht. Es muss schon etwas Wichtiges sein, was Sie bei solchem Wetter hierher führt.“
„Das ist es tatsächlich auch, Herr Holmes. Ich habe schon einen anstrengenden Nachmittag hinter mir, das kann ich Ihnen versichern. Haben Sie in den letzten Abendzeitungen etwas von dem Fall in Yoxley gelesen?“
,,Das Neueste, was ich heute gelesen habe, ist ein Bericht aus dem fünfzehnten Jahrhundert.“
,,Es war nur eine kurze Notiz in den Zeitungen, und da sie auch noch vollkommen falsch war, so haben Sie nichts eingebüsst. Ich bin keine Minute zur Ruhe gekommen. Es liegt unten in Kent, sieben Meilen von Chatham und drei von der Eisenbahn. Ich bekam um drei Uhr fünfzehn ein Telegramm, war um fünf Uhr in Yoxley Place, nahm die Untersuchung vor, fuhr mit dem letzten Zug nach Charing Cross und direkt in einer Droschke zu Ihnen.“
„Was vermutlich bedeutet, dass Sie über Ihren Fall nicht ganz im klaren sind?“
„Es bedeutet, dass ich überhaupt nicht klug daraus werde. So weit ich bis jetzt sehen kann, ist es die verzwickteste Sache, die mir je vorgekommen ist; und doch schien sie anfangs so einfach, dass man glaubte, man könne gar nicht fehl gehen. Es fehlt jeder Beweggrund, Herr Holmes. Das macht mich stutzig — ich sehe keinerlei Motiv. Es ist ein Mann getötet — das lässt sich nicht wegleugnen — aber es lässt sich auch nicht ’mal der leiseste Grund dafür finden, dass ihm jemand das geringste Leid hätte antun sollen.“
Holmes zündete sich eine Zigarre an und lehnte sich in seinem Stuhle zurück.
„Lassen Sie uns Näheres hören,“ sagte er.
,,Die Tatsachen sind alle wunderschön klar,“ bebegann Hopkins. „Ich kann sie mir nur nicht erklären. Die Sache verhält sich folgendermassen. Vor mehreren Jahren ist das Landhaus Yorley Place von einem älteren Herrn erworben worden, welcher sich Professor Coram nannte. Es war ein kränklicher Mann, der die Hälfte seines Lebens im Bett zubrachte, und während der anderen an einem Stock umherhumpelte, oder sich von seinem Gärtner in einem Stuhl auf seinem Besitztum herumfahren liess. Er war von seinen wenigen Nachbarn, die ihn besuchten, wohl gelitten, und stand dort unten im Ruf eines sehr gelehrten Mannes. Sein Haushalt bestand für gewöhnlich aus einer ältlichen Wirtschafterin, Fräulein Marker, und aus dem Zimmermädchen Susan Tarlton. Diese beiden Dienstboten hat er schon mitgebracht, und sie scheinen beide einen vorzüglichen Charakter zu haben. Der Professor schreibt ein wissenschaftliches Buch und hat zu diesem Zweck vor ungefähr einem Jahr einen Sekretär engagiert. Die ersten beiden, die er angenommen hatte, waren nicht nach seinem Sinn, aber der dritte, Herr William Smith, ein junger Mann, der gerade von der Universität kam, scheint den Wünschen des Professors voll und ganz entsprochen zu haben. Seine Tätigkeit bestand darin, dass er alle Vormittag nach seines Herrn Diktat schrieb, während er in der übrigen Zeit in Büchern Stellen suchte, die sich auf die Arbeit des nächsten Tages bezogen. Dieser William Smith hat sich sowohl als Schüler in Uppingham, wie als Student in Cambridge ausgezeichnet geführt. Ich habe seine Zeugnisse gesehen, er ist von Jugend auf ein anständiger, ruhiger, fleissiger Mensch gewesen und hat keine einzige schwache Seite gehabt. Und doch hat dieser junge Herr heute morgen im Arbeitszimmer des Professors unter solchen Umständen den Tod gefunden, dass man nur auf Mord schliessen kann.“
An den Fenstern heulte und rüttelte der Sturm. Holmes und ich schoben unsere Stühle näher an den Kamin, während der junge Inspektor langsam und Schritt für Schritt seine Erzählung weiter spann.
„Ich glaube, in ganz England könnte man keine zweite Haushaltung finden, die so zurückgezogen und frei von äusseren Einflüssen wäre. Es vergingen ganze Wochen, ohne dass irgend ein Glied dieser Familie auch nur die Strasse betrat. Der Professor war in seine Bücher vergraben und existierte für nichts sonst. Der junge Smith kannte keinen Menschen in der Nachbarschaft und lebte fast ebenso wie sein Chef. Die beiden Mädchen hatten ebenfalls nichts ausser dem Hause zu tun. Mortimer, der Gärtner, der den Fahrstuhl fährt, ist ein alter Militärinvalide aus dem Krimkrieg, ein Mann von ausgezeichnetem Charakter. Er wohnt nicht im Herrschaftshaus, sondern in einem kleinen Häuschen von drei Zimmern an der anderen Seite des Grundstücks. Das sind die einzigen menschlichen Wesen weit und breit im Umkreis von Yoxley Place. Das Gartentor ist nur etwa hundert Meter von der London-Chathamer Chaussee entfernt. Es hat eine einfache Klinke, sodass jedermann ungehindert eintreten kann.
„Nun will ich Ihnen die Aussage der Susan Tarlton mitteilen, der einzigen Person, die etwas Positives über die Sache weiss. Es war vormittags zwischen elf und zwölf Uhr. Sie hing gerade in einer Kammer im ersten Stock Vorhänge auf. Professor Coram lag noch im Bett, denn bei ungünstiger Witterung steht er selten vor Mittag auf. Die Haushälterin war mit irgend einer Arbeit im Hinterhaus beschäftigt. William Smith war in seinem Schlafzimmer gewesen, das ihm zugleich als Wohnzimmer dient; aber das Mädchen hatte ihn im Augenblick vorbei- und in das unmittelbar darunter gelegene Studierzimmer gehen Hören. Sie hatte ihn zwar nicht gesehen, aber sie behauptet, dass sie ihn an seinem schnellen, festen Schritt bestimmt erkannt habe, darüber sei nicht der geringste Zweifel. Sie hat die Tür des Arbeitszimmers nicht zugehen hören, aber nach ungefähr einer Minute ist ein furchtbarer Schrei an ihr Ohr gedrungen, ein schrecklicher, rauher Schrei, ganz auffallend und unnatürlich, der ebensowohl von einem Manne wie von einem Weibe hätte herrühren können. Im selben Moment habe noch ein entsetzlicher gurgelnder Laut das ganze Haus durchschüttert, und dann sei vollkommene Ruhe eingetreten. Das Mädchen stand einen Augenblick wie versteinert, fasste sich dann aber ein Herz und lief die Treppe hinunter. Die Tür zum Studierzimmer war zu. Als sie dieselbe aufmachte, sah sie den jungen Herrn Smith ausgestreckt am Boden liegen. Anfänglich konnte sie keine Berletzung sehen, als sie ihn aber aufzurichten versuchte, bemerkte sie, dass aus einer Halswunde Blut floss. Er hatte eine kleine, aber sehr tiefe Verletzung, und die Halsschlagader war getroffen. Das Werkzeug, womit die Tat ausgeführt worden war, lag neben ihm auf dem Teppich. Es war eines jener kleinen Siegellackmesser, wie man sie auf altmodischen Schreibtischen noch zuweilen findet, mit einem Elfenbeingriff und einer steifen Klinge ohne Feder. Es war Eigentum des Professors und gehörte auf seinen eigenen Schreibtisch.
Darmowy fragment się skończył.