Czytaj książkę: «Das Verschwinden der Lady Frances Carfax»
Sir Arthur Conan Doyle
Das Verschwinden der Lady Frances Carfax
Saga
Das Verschwinden der Lady Frances Carfax ÜbersetztJohannes Hartmann Copyright © 1911, 2019 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726372281
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von SAGA Egmont gestattet.
SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk
– a part of Egmont www.egmont.com
Das Verschwinden der Lady Frances Carfax
„Aber weshalb türkisch?“ fragte Sherlock Holmes und betrachtete dabei aufmerksam meine Schuhe. Ich sass in einem bequemen Sessel zurückgelehnt, und meine langgestreckten Beine hatten seine jederzeit lebendige Aufmerksamkeit erregt.
„Englisch“, antwortete ich, etwas erstaunt. „Ich habe sie bei Latimer in der Oxfordstrasse gekauft.“
Holmes lächelte mit einem Ausdruck müder Geduld.
„Das Bad“, sagte er, „das Bad! Warum das teure und erschlaffende türkische statt des selbstgemachten zu Hause?“
„Weil ich in den letzten Tagen mich matt fühlte und rheumatische Schmerzen hatte. Ein türkisches Bad ist das, was wir in der Medizin ein Alterativ nennen — ein neuer Anfangspunkt. Der ganze Organismus wird mit einem türkischen Bad aufgebügelt“ —
„Du kannst mir übrigens einen Gefallen tun, Holmes“, fügte ich hinzu. „Zweifelsohne ist einem scharfen logischen Verstand die Verbindung meiner Schuhe mit einem türkischen Bad ohne weiteres ersichtlich. Würdest du mir nicht den Zusammenhang zeigen?“
„Der ist doch eigentlich auf den ersten Blick sichtbar“, antwortete Holmes etwas spottisch. „Ebenso sichtbar, wie die Tatsache, dass du heute morgen nicht allein in der Droschke gesessen hast.“
„Du erklärst mir Unklares mit Unklarem!“
„Bravo, Watson! Du verstehst die Kunst, dich scharf auszudrücken. Also die Droschke. Du wirft bemerken, dass du an der linken Schulter und am linken Ärmel Schmutzspritzer hast. Wärest du allein in der Droschke gesessen, so würdest du die Mitte eingenommen haben und auf deinem Anzug wären entweder gar keine Spritzer, oder sie wären sowohl rechts wie links. Deshalb ist es klar, dass du hart links gesessen. Also hattest du noch jemand bei dir, der rechts sass.“
„Das ist absolut überzeugend.“
„Klar wie dicke Tinte, nicht wahr?“
„Aber die Schuhe und das türkische Bad?“
„Ebenso klar, mein Lieber! Du schnürst deine Schuhe in der gewöhnlichen Weise zu. Aber jetzt sehe ich, dass sie an den obersten zwei Haken doppelt geschnürt sind und das Band ist zu einer kunstvollen Schleife geknotet, — doppelt, — wie das deine Gepflogenheit nicht ist. Wäre das nur bei einem Schuh, so könnte man annehmen, du hättest dir ein Paar neue gekauft, und das Fräulein im Laden hätte dir den einen, den du auszogest, um den neuen anzuprobieren, zugeschnürt. Es sind aber beide Schuhe auf eine dir ungewohnte Art geschnürt, also hast du beide ausgezogen gehabt. Nun, der weitere Schluss ist einfach genug. Der Badediener muss dir die Schuhe zugeschnürt haben. Aber nun hat das türkische Bad doch einen Zweck gehabt.“
„Wieso?“
„Sagtest du nicht soeben, du hättest es genommen, um deinem Körper einen Wechsel, ein Alterativ angedeihen zu lassen? Ich empfehle dir zur Ergänzung einen Luftwechsel. Wie würde dir Lausanne gefallen, Reise erster Klasse und alle Unkosten fürstlich bezahlt?“
„Ausgezeichnet! Aber wozu?“
Holmes lehnte sich in seinen Armstuhl zurück und zog das Notizbuch aus der Tasche.
„Eine der gefährlichsten Frauen in der Welt“, sagte er, „ist die unstet reisende, alleinstehende Frau. Sie ist die harmloseste und oft sogar nützlichste Person, aber auch für andere der unvermeidliche Anstifter zu Verbrechen. Sie ist hilflos. Sie ist nomadenhaft. Sie hat genügende Mittel, um von Land zu Land, von Hotel zu Hotel zu ziehen. Man findet sie verloren in der Unzahl von Fremdenpensionen und Kurorten. Sie ist ein Verlaufenes Huhn in einer Welt von Füchsen. Wenn sie verschlungen ist, so wird sie selten vermisst. Ich fürchte sehr, dass der Lady Frances Carfax etwas zugestossen ist.“
Ich war froh, als Holmes so plötzlich vom Allgemeinen zum Besonderen überging. Er blätterte in seinen Notizen.
„Lady Frances“, fuhr er fort, ist die einzige Überlebende der ehemals grossen Familie des Grafen von Rufton. Sie blieb mit beschränkten Mitteln zurück, erbte aber sehr wertvolle alte spanische Juwelen aus Silber mit ungewöhnlich geschliffenen Diamanten, an denen sie sehr hing. — Zu sehr, Watson, denn sie liess diesen Schatz nicht etwa bei ihrer Bank in einem Stahlfach, sondern führte ihn stets auf ihren Reisen mit sich. Sie ist eine auffallende Erscheinung, diese Lady Frances, eine noch hübsche Frau, im besten mittleren Alter und doch, infolge sonderbaren Zufalles, das letzte Schiff einer vor zwanzig Jahren noch stolzen Flotte.“
„Und was fürchtest du, dass ihr zugestossen sein könne?“
„Was ihr zugestossen sein könne? Ob sie lebt oder tot ist, das ist die schwerwiegende Frage. Sie ist eine Dame von pünktlichen Gewohnheiten, und seit vier Jahren war es ihre nie durchbrochene Gepflogenheit, alle vierzehn Tage an Fräulein Dobney zu schreiben, ihre alte Erzieherin, die jetzt zurückgezogen als kleine Rentnerin in Camberwell lebt. Dies Fräulein Dobney hat mich um meinen Rat angegangen. Nahezu fünf Wochen sind verstrichen, ohne dass Lady Frances geschrieben hätte. Der letzte Brief war vom Hotel National in Lausanne. Lady Frances scheint ohne Angabe einer Adresse das Hotel verlassen zu haben. Die Familie der Seitenlinie der Ruftons ist in Sorgen, und da sie sehr vermöglich ist, so spielt Geld gar keine Rolle, wenn wir nur den Verbleib der Dame ausfindig machen.“
„Ist Fräulein Dobney die einzige Informationsquelle? Sicher schrieb Lady Frances auch noch an andere.“
„Da ist noch eine Quelle und die ist zuverlässig, nämlich die Bank. Einzelnstehende Damen müssen leben, und ihre Bankkonten sind komprimierte Tagebücher. Sie hat ihr Konto bei Silvester. Der vorletzte Scheck diente zur Bezahlung der Rechnung in Lausanne, der Betrag war reichlich hoch, und wahrscheinlich behielt sie noch ziemlich viel Geld davon übrig. Seitdem ist nur ein einziger Scheck von ihr vorgekommen.“
„Wo, an wen zahlbar?“
„An Fräulein Marie Devine. Wo der Scheck ausgestellt wurde, ist nicht zu ersehen. Eingelöst wurde er beim Credit Lyonnais in Montpellier vor weniger als drei Wochen. Der Betrag war fünfzig Pfund.“
„Und wer ist Fräulein Devine?“
„Auch das ist mir schon gelungen, festzustellen. Fräulein Marie Devine war die Zofe der Lady Frances Carfax. Warum diese ihr das Geld bezahlt hat, ist noch unklar. Aber ich zweifle nicht daran, dass deine Nachforschungen die Sache bald aufklären werden.“
„Meine Nachforschungen?“
„Deshalb der vorgeschlagene Luftwechsel in Lausanne. Du wirst begreifen, dass ich London nicht verlassen kann, solange der alte Abrahams in solch tödlicher Angst um sein Leben schwebt. Ausserdem ist es aus allgemeinen Gründen am besten, wenn ich nicht ausser Landes gehe. Scotland Yard fühlt sich so verwaist, wenn ich nicht da bin, und in Verbrecherkreisen würde meine Abwesenheit eine ungesunde Erregung hervorbringen. So gehe denn, Watson, und wenn dir mein Rat die Telegrammgebühren wert erscheint, so steht er bei Tag und Nacht zu deiner Verfügung.“ —
Zwei Tage später war ich in Lausanne im Hotel National, wo der Geschäftsführer, Herr Moser, mir jede Unterstützung zuteil werden liess. Er stellte fest, dass Lady Frances mehrere Wochen hier gewohnt hatte. Alle, mit denen sie in Berührung kam, mochten sie gern. Sie war sicher nicht über vierzig. Sie war noch immer hübsch und in ihrer Jugend musste sie eine Schönheit gewesen sein. Von wertvollen alten Juwelen wusste Herr Moser nichts. Ihm war nichts zur Aufbewahrung übergeben worden. Aber die Zimmermädchen hatten bemerkt, dass der grosse Koffer im Schlafzimmer der Dame stets von ihr sorgfältig verschlossen wurde. Marie Devine, die Zofe, war ebenso beliebt wie ihre Herrin. Sie sei verlobt mit einem Oberkellner des Hotels, und es sei daher leicht, ihre Adresse zu erfahren. Herr Moser stellte diese alsbald fest: Montpellier, rue de Trajan Nr. 11. Das alles schrieb ich mir auf, und ich fand, dass Sherlock Holmes selber die Feststellungen nicht besser hätte machen können.
Ein Winkel nur lag noch immer im Dunkeln: kein Licht hellte die unerklärte Plötzlichkeit auf, mit der Lady Frances abgereist war. Sie fühlte sich in Lausanne sehr glücklich. Man war zu der Annahme berechtigt gewesen, sie würde die ganze Saison hier bleiben. Und plötzlich hatte sie von heute auf morgen ihre Zimmer aufgesagt, was sie ganz unnötig mit den Ausgaben für eine Wochenmiete belastete. Nur Jules Vibart, der Verlobte der Zofe, konnte eine Erklärung finden. Er brachte die überraschende Abreise in Verbindung mit dem Besuch eines grossen, dunkeln, bärtigen Mannes. „Un sauvage — un véritable sauvage!“ rief Jules Vibart. Der Mann wohnte irgendwo oben in der Stadt. Man hatte ihn lebhaft mit Madame auf der Seepromenade sprechen sehen. Dann hatte er sie im Hotel aufgesucht, sie empfing ihn aber nicht. Er war ein Engländer, seinen Namen aber wusste niemand. Jules Vibart und, was schwerer wog, die Zofe hielten dessen Besuch für den Grund der Abreise. Nur über einen Punkt sagte Jules Vibart nichts aus, natürlich den Grund, weswegen Marie ihre Herrin verlassen hatte. Darüber konnte oder wollte er keine Angaben machen. Wenn ich das wissen wolle, so müsse ich eben nach Montpellier fahren und sie fragen.
Darmowy fragment się skończył.