Czytaj książkę: «Der Feminist: Erika Lust-Erotik»
Sarah Skov
Der Feminist: Erika Lust-Erotik
Lust
Der Feminist: Erika Lust-Erotik ÜbersetzungRebecca Jakobi Original Den feministiske mandCopyright © 2018, 2019 Sarah Skov und LUST All rights reserved ISBN: 9788726130409
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach
Absprache mit LUST gestattet.
Der Feminist
Wir redeten über alles und nichts. Wir lachten und sprachen über die Zukunft, aber nie über unsere. Wir sprachen über die Zukunft des Landes und Volkes. Wir sprachen über die Politiker, Studenten, Frauen, aber nie über uns zwei. Wir redeten über all das, was eine Zukunft zu haben schien. Die hatten wir nie, und vielleicht war es deshalb so intensiv, weil wir beide wussten, dass es nicht von Dauer war. Vielleicht konnten wir deswegen einfach loslassen. Weil wir wussten, dass wir uns in den dunkelsten Momenten des Lebens nie sehen würden, weil die abstrakten Gedanken, die ein Netz zwischen uns spannten und uns zusammenhielten, nie konkret wurden und sich nie zu zerlumpten Morgenröcken und einem Haus in der Vorstadt wandelten. In den Sechzigern waren die Träume groß, aber wir waren überzeugt, dass alles möglich war – selbst es mit seinem Professor auf dessen Schreibtisch zu treiben, während der Rest der Universität ahnungslos auf dem Flur vorbeilief.
Als ich den letzten Punkt setze, denke ich an ihn. Es ist nach und nach zur Gewohnheit geworden. Wenn ich einen Artikel beendet habe und mich zurücklehne, finden meine Gedanken den Weg zu ihm und seinem ernsten Gesichtsausdruck, seiner nassen Zunge, seinen starken Armen und seinem steifen Penis, der in mich gleitet. Ich speichere das Dokument und die Erinnerung verschwindet genauso schnell, wie sie gekommen ist. Genau wie auf einen Punkt die Erinnerung an ihn folgt, folgt einem fertiggeschriebenen Artikel ein wohlverdienter Kaffee und eine Zigarette. Damals als ich mich als Journalistin selbstständig machte, befürchtete ich, nicht genug zu tun zu haben, aber meine dunklen Vorahnungen wurden schnell beseitigt und ich habe eher zu viel Arbeit als zu wenig. Ich werfe einen flüchtigen Blick in den Spiegel im Flur und wühle das lange Haar auf, um ihm Fülle zu verleihen. Routiniert trage ich schwarzen Eyeliner auf und verwische die Linie ein bisschen, um den Ausdruck zu erweichen. Bevor ich mich vom Spiegel entferne, spitze ich die Lippen und betupfe sie mit Vaseline. Ich reibe die Lippen aneinander, um die Schicht gleichmäßig zu verteilen. Ich werfe einen kurzen Blick zur überquellenden Küche. Benutzte Weingläser mit festgetrocknetem, rotem Bodensatz stehen neben einer leeren Flasche, die ich einen Augenblick in Erwägung ziehe mit nach draußen zu nehmen. Ich schaue, dass ich die Tür schnell schließe, bevor mein Gewissen mich zum Aufräumen, Wegwerfen und Abwaschen zwingt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Wohnung in Unordnung versinkt. Ich laufe Gefahr, mich zu isolieren, wenn ich arbeite. Ich kaufe Wein, Käse und gutes Brot, dann verbarrikadiere ich mich für ein paar Tage. Wenn der Artikel fertiggeschrieben ist, verlasse ich das Loch und gehe wieder raus.
Der Lärm auf der Straße überwältigt mich. Meine eigene kleine Gesellschaft hat mich im Lauf der letzten Tage empfindlich gegenüber dem Stadtlärm gemacht. Die Autoauspuffe wirken lauter und die Gespräche anderer Menschen nach tagelanger Isolation berauschend. Ich hole tief Luft und atme den Frühlingsduft ein. Der Flieder an der Ecke hat auf magische Weise zu blühen bekommen. Mit hellvioletter Farbe schmückt er die Südseite des Cafés. Ein paar Touristen gehen am Busch vorbei und ziehen den süßen honigähnlichen Frühsommerduft mit sich. Umständlich ziehen die Touristen die Stühle von einem Cafétisch zurück. Die eisernen Stuhlbeine kratzen lautstark über die Pflastersteine. Ich atme tief ein, so tief, dass sich meine Schulter im Takt der Atemzüge heben und senken. Dies ist die erste frische Luft, die ich seit Tagen einatme, aber so fühlt es sich nicht an, wenn mein Gesicht in langen Nächten vom Computerbildschirm erleuchtet wird, wenn meine Finger noch vor dem Kopf ermüden und Schultern und Rücken sich beklagen, ehe meine Ideen auf dem Papier Form annehmen können, während die Zeit zu verfliegen scheint. Ich vergesse, wann Tag und wann Nacht ist. Es ist mir auch egal. Ich mag den Klang der Tastatur, wenn meine Finger über die Tasten tanzen, als spielte ich auf einem alten Flügel. Wenn sich die Ideen von abstrakten und flüchtigen Gedanken in konkrete Argumente und überzeugende Geschichten verwandeln, erfüllt mich eine tiefe Zufriedenheit.
Darmowy fragment się skończył.