Czytaj książkę: «Verraten, verlassen und doch lebendig - Gottesdienste, Predigten und Impulse für die Passions- und Osterzeit»

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Lektorat: Ekkehard Starke

DTP: Breklumer Print-Service, www.breklumer-print-service.com

Verwendete Schrift: Myriad Pro, Chapparal Pro

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Printed in Germany

ISBN 978-3-7615-6833-0 Print

ISBN 978-3-7615-6834-7 E-Book

www.neukirchener-verlage.de

Vorwort

Karfreitag und Ostern gehören zusammen und bilden gemeinsam die Grunderzählung des christlichen Glaubens. Die Freude an Ostern ist nicht ohne die Tränen von Karfreitag zu haben. Aber Karfreitag wäre kaum auszuhalten, ohne von der Auferstehung zu wissen. Das wird auf der erzählerischen Ebene deutlich. Die Ostererzählungen bilden kein Happy End. Sie sind eher ein Doppelpunkt, markieren kein Ende, sondern einen neuen Anfang. Zunächst ist die Osterbotschaft erschütternd. Sie sprengt jeden Erfahrungshorizont. Die ersten Hörerinnen werden von der Botschaft, dass Jesus lebt, bis ins Mark getroffen und fliehen aus Angst. Bis zur Osterfreude ist es noch ein langer Weg. Und umgekehrt sind die Passionserzählungen nicht einfach nur traurig. Sie besitzen Hoffnungskerne, die Ostern bereits vorwegnehmen. Nicht zuletzt feiert Jesus wenige Stunden vor seiner Verhaftung mit seinen Freunden das Passafest.

Die Leidensgeschichte Jesu und die Osterbotschaft waren schon bei ihrer Entstehung miteinander verwoben und aufeinander bezogen. Die Auferstehungshoffnung bildet den Grund, warum sich die Evangelisten daran machten, die Leidensgeschichte Jesu überhaupt zu erzählen. Ostern bildet den Zielpunkt ihrer Evangelien. Nur wo das berücksichtigt wird, kann heute über den Tod Jesu und über die Bedeutung des Kreuzes verantwortlich gesprochen werden. Über Jesu Kreuzigung zu predigen, fällt heute vielen schwer. Eine sühnetheologische Deutung des Kreuzes verbietet sich aus theologischen Gründen. Die dahinter liegenden Vorstellungen sind mit dem biblischen Gottesbild kaum in Einklang zu bringen. Gottes ist Liebe (1. Johannes 4,16), heißt es im ersten Johannesbrief. Gottes Wesen ist zutiefst von der Liebe geprägt. Das Kreuz ist Zeichen seiner Liebe und nicht seines Zorns. Gott gibt sich selbst für uns hin. Er ist nicht das Objekt der Versöhnung, sondern das handelnde Subjekt. Nicht er muss versöhnlich gestimmt werden. Gott sucht vielmehr uns Menschen auf, damit wir uns mit ihm versöhnen. „Lasst euch versöhnen mit Gott“ (2. Korinther 5,20) ist die Botschaft, die von Karfreitag ausgeht. Seither gilt: Glauben heißt, mit dem Versprechen zu leben, dass Gottes Liebe stärker ist als alle Todesmächte zusammen. Die vorliegenden Entwürfe versuchen, dem Geheimnis von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu in diesem Sinne nachzugehen.

Die Grundidee zu diesem Buch entstand im Rahmen des Wettbewerbs um den Gottesdienstpreis 2020. Die Stiftung zur Förderung des Gottesdienstes hatte Gemeinden und Einrichtungen aufgerufen, innovative Karfreitagsgottesdienste einzureichen. Viele der eingesandten Gottesdienste waren preiswürdig. Die Auswahl fiel der Jury schwer. Warum also nicht ein Buch mit den Gottesdiensten herausgeben, die in die engere Wahl gekommen waren? Als dann im Jahr 2021 im Rahmen des neuen Wettbewerbs digitale Ostergottesdienste vorlagen, reifte die Idee zu einem gemeinsamen Buch, in dem Karfreitag und Ostern, Fastenzeit und österliche Freudenzeit zusammengebunden werden. Am Ende wird ein weiter Bogen gespannt, der kurz nach der Epiphaniaszeit beginnt und bis zum Ende des Osterfestkreises reicht und auch zwei digitale Entwürfe enthält.

Ein herzliches Dankeschön an alle Autorinnen und Autoren. Und auch Ihnen als Leserinnen und Lesern gilt mein Dank. Wenn Sie sich von den vorliegenden Entwürfen anregen lassen, wenn Sie sie nutzen und weiterentwickeln, dann hat dieses Buch sein Ziel erreicht.

Hannover, im Oktober 2021Stephan Goldschmidt

Inhalt

Vorwort 5

1. Fragst du nicht nach uns, Gott? 11

Predigt in der Vorfastenzeit

Stephan Goldschmidt

2. Verraten und verkauft 19

Kurzgottesdienst am Sonntag ­Invokavit

Stephan Goldschmidt

3. Du hast Recht! 25

Gottesdienst am Sonntag Judika

Stephan Goldschmidt

4. Gesegnete Zweige 37

Abendgottesdienst am Palmsonntag

Stephan Goldschmidt

5. Wachet und betet! 47

Tischabendmahl am Gründonnerstag

Stephan Goldschmidt

6. Mein Gott, mein Gott, warum? 57

Karfreitagsgottesdienst

Mariesophie Magnusson

7. Gott ist tot. Und wir haben ihn getötet 73

LABORa-Worship an Karfreitag

Hannes Langbein / Dietrich Sagert

8. „Wer das lesen könnt…“ 87

LABORa-Gottesdienst an Karfreitag

Gottesdienst mit Texten von Georg Büchner

9. Adieu, Jesus! 97

Eine Trauerfeier für unseren Herrn, Freund und Bruder –

gestaltet von ­Konfirmand*innen und deren Eltern

Emilia Handke

10. Wer wälzt uns den Stein fort? 111

Liturgische Feier in der Osternacht

Eva Hillebold / Frank Nolte / Stephan Goldschmidt

11. Das Leben blüht auf 123

Digitale Ostergottesdienste

Freudensprünge 125

Digitale Osterfeier ohne Worte

Johannes Ahrens / Dirk Dillmann / Matthis Hansen /

Birgit Lunde

Bewegte (W)Orte 130

Digitaler Osterspaziergang

Anne Helene Kratzert

12. Wahrhaftig auferstanden 139

Kurzgottesdienst am Ostersonntag

Stephan Goldschmidt / Michael Held

13. Leben mit einem Versprechen 145

Gottesdienst am Ostersonntag

Stephan Goldschmidt

14. Der Weg nach Emmaus 157

Osterspaziergang

Stephan Goldschmidt / Gerd Peter

15. Gott ist in der Mitte 169

Gottesdienst am Sonntag Jubilate

Stephan Goldschmidt

16. Weißt du, wo der Himmel ist? 181

Gottesdienst an Christi Himmelfahrt

Stephan Goldschmidt

Autor*innen 191

Hinweise und Quellen 192

1. Fragst du nicht nach uns, Gott?

Predigt in der Vorfastenzeit

Stephan Goldschmidt

Lesung (Markus 4,35-41)

Am Abend desselben Tages sprach Jesus zu den Jüngern:

Lasst uns ans andre Ufer fahren.

Und sie ließen das Volk gehen

und nahmen ihn mit, wie er im Boot war,

und es waren noch andere Boote bei ihm.

Und es erhob sich ein großer Windwirbel,

und die Wellen schlugen in das Boot,

sodass das Boot schon voll wurde.

Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen.

Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm:

Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?

Und er stand auf und bedrohte den Wind

und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme!

Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille.

Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam?

Habt ihr noch keinen Glauben?

Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander:

Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!

Predigt

1.

„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“, fragen die Jünger. Sie kämpfen mit den Elementen, mit Wind und Wellen. Wie eine Nussschale wird das Boot von den Wellen hinaufgerissen, um im nächsten Augenblick wieder ins Wellental hinabzustürzen. Und was macht Jesus? Er liegt auf einem Kissen und schläft, während das Boot vollläuft. Ein Schiff, das vollläuft, geht unter. Das wissen die Jünger. Sie tun alles, um das zu verhindern. Die einen schöpfen verzweifelt Wasser – mit allem, was sie haben. Andere versuchen, in letzter Sekunde Land zu gewinnen. Und gleichzeitig liegt Jesus im Heck des Bootes und schläft. Er kriegt gar nicht mit, was geschieht. Er sieht nicht, wie sich seine Jünger abmühen und tun, was sie können.

„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ Wer so fragt, hat Todesangst. Wer so fragt, ist voller Verzweiflung und Resignation. Kein Ausweg in Sicht: Wir gehen unter, wir kommen um! Die Jünger scheinen sich damit schon fast abgefunden zu haben. Dass nichts und niemand mehr helfen kann. Es sei denn, Jesus weiß Rat.

Um die Lage richtig einzuschätzen, ist eins entscheidend: Jesus sitzt mit den Seinen im selben Boot. Es ist ihm ganz und gar nicht egal, was aus den Jüngern wird. Auch er ist dem Sturm und den Wellen ausgesetzt. Die Jünger sind nicht allein. Jesus hat sie nicht vergessen und schon gar nicht verlassen. Er macht sich ihr Problem zu eigen. Er reagiert allerdings ganz anders als die Seinen. Sturm und Wellen scheinen ihn nicht zu kümmern. Er wird nicht panisch. Nicht kopflos. Er reagiert besonnen. Jesus ist die Ruhe selbst. Er lässt sich von den äußeren Begebenheiten nicht einschüchtern. Und das hat einen guten Grund: Sein Vertrauen in Gott ist ungebrochen. Er weiß: Nichts und niemand kann ihn aus Gottes Hand reißen. Auch nicht der größte Sturm und die auswegloseste Situation.

2.

„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ In dieser Frage steckt auch eine große Enttäuschung – die Enttäuschung, nicht wahrgenommen, sondern übersehen zu werden. Und das ausgerechnet jetzt in höchster Not. Die Jünger tun alles, um Wind und Wellen zu trotzen. Aber Jesus sieht es nicht einmal. Ist es ihm egal, dass der Wind zum Orkan wird und die Wellen das Boot unter sich begraben? Ist es ihm egal, wie bedroht die Hoffnungen und Träume seiner engsten Freunde sind? Fragt er nicht danach, dass sie in Lebensgefahr sind?

Wer unter uns hat in seinem Leben nicht schon ganz ähnliche Fragen gestellt? Man müht sich ab, tut sein Bestes, aber niemand fragt danach. Was man macht, wird nicht wahrgenommen. Die erhoffte Anerkennung bleibt aus – vom Chef, von der Kollegin, von einem Lehrer, vom Partner, von der Partnerin. Ausgerechnet der oder die, auf die es besonders ankommt, sagen nichts. Keine Wertschätzung oder Würdigung, kein Dank. Nur Leere. Und dann stellen sich erste Fragen. Bald beginnen sie uns zu verfolgen und werden immer bohrender: Hat er oder hat sie anderes zu tun? Wichtigeres? Oder schweigt sie bewusst, um mich zu kränken? Hat es ihm nicht gefallen? Liegt es an mir? Ist meine Leistung nicht gut genug? Oder hat sie etwas gegen mich? Übersieht er mich, weil ich für ihn unwichtig bin? Will sie mich ärgern oder sogar bewusst klein machen?

Und wenn erst einmal dieses Fragen-Karussell in Gang ist, kommt es nicht so schnell zur Ruhe. Wie bei den Jüngern. Aus der naheliegenden Frage, wo Jesus ist, wo er bleibt, wird am Ende der Vorwurf, ihm sei es egal, dass seine Jünger umkommen. Voll Enttäuschung und mit Wut im Bauch tobt in den Jüngern ein Sturm, der dem Orkan in nichts nachsteht, der über den See Genezareth wütet, der das Boot fast untergehen lässt, in dem neben den Jüngern aber auch Jesus sitzt.

„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ Mit diesen Worten wird Jesus geweckt. Unsanft, laut, mit wütender Stimme. Und Jesus lässt sich wecken. Sieht, was los ist. Er steht auf, ruhig und gelassen. Keine schlagfertige Antwort auf den Vorwurf. Keine Gegenrede. Kein Streit. Jesus rechtfertigt sich nicht. Er beginnt auch nicht, das Wasser aus dem Boot zu schöpfen oder das Boot an Land zu steuern. Stattdessen stellt er sich aufrecht und gerade dem Wind und den Wellen entgegen und sagt nur zwei Worte. Und diese Worte spricht er – so beschreibt es der Evangelist – ruhig, ohne die Stimme zu heben. Im griechischen Urtext wird hier eine Vokabel verwendet, die nichts anderes bedeutet als sagen oder sprechen. Jesus ruft nicht, er schreit nicht, um den Sturm und das Rauschen der Wellen zu übertönen. Jesus spricht. Er sagt zwei Worte: „Schweig! Verstumme!“

Und auf einmal legt sich der Wind, und die Wellen kommen zur Ruhe. Es wird ganz still. Der Sturm ist zu Ende, der äußere, das Leben bedrohende Orkan und der innere Sturm, der in den Gedanken der Jünger herumwirbelt. Wie verwandelt sind die Jünger. Auch sie werden still. Und auf einmal haben sie den Blick frei. Statt auf ihre Sorgen und Nöte schauen sie auf Jesus. Sie sehen ihn mit neuen Augen an: „Wer ist dieser Mann, dass ihm Wind und Wetter gehorchen?“ Wer ist Jesus, dass in seiner Gegenwart Sturm und Wellen zur Ruhe kommen?

3.

„Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ Lässt du uns allein, Jesus, wenn es gefährlich wird? Oder gehst du unseren Weg mit bis ans Ende? Bleibst du bei uns, auch dort, wo es wehtut? Die Erzählung von der Sturmstillung ist wie ein Bild für das Leben, das immer wieder heimgesucht wird von Stürmen, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Äußere Stürme, aber vor allem die inneren Stürme: das Gefühl, nicht recht beachtet und geachtet zu werden, oder der Neid auf andere, die es scheinbar besser haben, die beliebter sind, denen vieles einfach so gelingt, wofür wir viele Kräfte brauchen.

Wellen bauen sich über uns auf. Wir verlieren den Überblick oder fühlen uns klein und zerbrechlich wie eine Nussschale. Es ist, als ob wir getrieben würden von einem Wellental zum anderen, als seien wir fremdbestimmt und nicht mehr Herr der Lage. Wir spüren, wie der Alltag unsere Kräfte raubt und wir kaum mehr zur Ruhe kommen.

Dabei geht es uns manchmal wie den Jüngern: Wir werden in solchen Zeiten hektisch und verlieren das große Ganze aus den Augen. Vielleicht aber finden wir ähnlich wie die Jünger einen Ausweg: Als sie weder aus noch ein wissen, als sie merken, dass sie mit ihren eigenen Kräften ans Ende kommen, da erinnern sie sich an Jesus. An den sie gar nicht mehr gedacht, den sie vergessen hatten. Jetzt merken sie, dass er mitten im Sturm bei ihnen ist. Dass sie ihn aufwecken und um Hilfe bitten können. Und so kommen sie zu Jesus mit ihrer Angst und ihrer Wut. Aber auch mit ihrer Ratlosigkeit: „Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“

Hinter dieser Frage – so haben wir es gesehen – stehen Todesangst, Verzweiflung, auch Enttäuschung. Aber zuletzt und zutiefst ist diese Frage ein Stoßgebet, eine Bitte: Hilf uns, wo uns sonst keiner mehr helfen kann, Jesus! Hinter den Vorwürfen hören wir eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit aus der Not. Eine Bitte um Erlösung aus der ausweglosen Situation. Hinter Zweifel und Kleinglauben verbirgt sich die Hoffnung, dass Jesus hilft. Jesus, der im selben Boot sitzt. Und unser Schicksal teilt. Noch mag der Glaube der Jünger klein sein, von Zweifel durchzogen. Aber er wendet sich an einen großen Gott. Und dem sind Wind und Meer gehorsam.

Amen.

Tagesgebet

Wir kommen heute zu dir, Gott,

mit unserer Sehnsucht nach Ruhe und Frieden.

Wir sind es leid, dass sich das Rad des Lebens

schneller und schneller dreht

und uns Tag für Tag antreibt.

Hilf uns loszulassen, was uns belastet

und uns innerlich gefangen nimmt.

Lass uns auf dein Wort hören,

dass wir bei dir zur Ruhe kommen

und inneren Frieden finden.

Dies bitten wir im Namen deines Sohnes, Jesus Christus,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und Leben schafft in Ewigkeit.

Amen.

Fürbitten1

Guter Gott, danke, dass ich bei dir still werde

und zur Ruhe komme

wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter.

Dass diese Ruhe auch in der Welt einkehre,

die voll Unruhe ist und aus dem Gleichgewicht zu geraten droht,

die unter Krieg und Terror leidet,

darum bitten wir dich, o Gott, und rufen:

Herr, erbarme dich.

Dass diese Ruhe in die Familien einkehre,

in denen Ärger und Streit herrschen

und sich Eltern und Kinder gleichgültig begegnen,

darum bitten wir dich, o Gott, und rufen:

Herr, erbarme dich.

Dass diese Ruhe bei den Kranken einkehre

und auch bei denen, die am Ende ihres Lebens stehen,

die sich in Sorge über ihre Zukunft verzehren

oder allein sind und sich nach Liebe sehnen,

darum bitten wir dich, o Gott, und rufen:

Herr, erbarme dich.

Dass diese Ruhe uns begleite

in diesen Tagen und den kommenden Wochen,

in der Zeit der Arbeit und der Zeit der Muße,

darum bitten wir dich, o Gott.

Amen

Liedvorschläge

WL: Wach auf, wach auf, ’s ist hohe Zeit (EG 244)

WL: Stimme, die Stein zerbricht (EG.E 21)

Liebster Jesu, wir sind hier (EG 161)

Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich (EG 351)

Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)

Herr, wenn das Wasser uns bedroht (EG-Niedersachsen 639,1-5)

Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt (EG.E 17)

1 Nach: Stephan Goldschmidt: Denn du bist unser Gott. Gebete, Texte und Impulse für die Gottesdienste des Kirchenjahres, Neukirchen-Vluyn 2018, 96f.

2. Verraten und verkauft

Kurzgottesdienst am Sonntag ­Invokavit

Stephan Goldschmidt

Musik

Einstimmung

Passionszeit. Leidenszeit. Stille Zeit.

Die Passionszeit hat einen besonderen Klang.

Wir ziehen uns zurück, kommen zur Ruhe.

Krankheit und Leiden werden zum Thema.

Aber Passion bedeutet auch Leidenschaft,

etwas mit ganzem Herzen tun.

Passionszeit. Leidenszeit. Stille Zeit. Herz-Zeit.

Lied Holz auf Jesu Schulter (EG 97,1-3)

Gebet

Deinen Weg will ich bedenken, Jesus.

Du wirst verraten und verleugnet,

du wirst alleingelassen,

auch von den Deinen.

Du nimmst unser Leid auf dich,

trägst unsere Verzweiflung und Angst.

Steh uns bei, wenn wir allein und verraten sind.

Amen.

Lesung (Johannes 13,21-30)

Jesus wurde erregt im Geist

und bezeugte und sprach:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:

Einer unter euch wird mich verraten.

Da sahen sich die Jünger untereinander an,

und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.

Es war aber einer unter seinen Jüngern,

der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb.

Dem winkte Simon Petrus,

dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.

Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn:

Herr, wer ist’s?

Jesus antwortete:

Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.

Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein

und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.

Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.

Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!

Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte.

Denn einige meinten,

weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm:

Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!,

oder dass er den Armen etwas geben sollte.

Als er nun den Bissen genommen hatte,

ging er alsbald hinaus.

Und es war Nacht.

Kurzpredigt

„Einer unter euch wird mich verraten.“ Der Satz trifft mitten ins Herz. Ein Satz, und es wird bedrückend still. Keiner sagt ein Wort. Die Jünger schauen sich ratlos an. Vielleicht sogar verzweifelt. Eine gefühlte Ewigkeit lang drückt die Stille aufs Gemüt. Bis sich der Erste traut, die Frage zu stellen, die alle umtreibt: „Wer ist’s?“ Petrus und Johannes flüstern miteinander. Dann wird Jesus gefragt: „Wer ist’s, der dich verrät?“ Eine bange Frage. Kaum einer der Jünger kann die Hand dafür ins Feuer legen, dass nicht er der Verräter ist. Eigentlich ist es keinem von ihnen zuzutrauen. Oder jedem. Jeder würde von sich behaupten, für Jesus durchs Feuer zu gehen. Doch in wenigen Stunden werden fast alle Jesus im Stich lassen.

„Einer unter euch“, sagt Jesus. „Einer wird mich verraten.“ Verrat ist schlimm. Aber wenn ein Freund der Verräter ist, ist es noch schlimmer. Verrat in seiner grausamsten Form, die größte Enttäuschung, die es gibt. Niemand kann mehr verletzen als jemand, den man liebt. „Einer unter euch wird mich verraten.“ „Wer ist’s? Wer wird es tun? Jesus, sag es uns!“ Die Jünger möchten ihre Sorge hinausschreien. Und sie wollen Gewissheit. „Wer ist’s?“ „Der ist’s“, sagt Jesus, „dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ Und dann nimmt er ein Stück Brot und taucht es in eine der Schüsseln. Eine vertraute Geste, eine Zeremonie, die zum Passafest gehört. Gleich wird er einem der Männer das Brot geben. Aber weiß der Verräter schon, dass er gemeint ist? Hat er noch die Hoffnung, dass Jesus seinen Bissen einem anderen reicht?

„Einer unter euch wird mich verraten.“ Jetzt ist es überdeutlich, wen Jesus meint: „Du bist der Mann, Judas!“ Jesus gibt Judas den Bissen. Und der nimmt ihn aus seiner Hand. „Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen“, hat Jesus eben gerade gesagt. Nun beginnt sich die Vorhersage zu erfüllen. Judas isst Jesu Brot und geht dann hinaus in die Nacht. Gleich wird er Jesus verraten. Was eben nur eine Idee war, wird er jetzt tun. Warum noch warten? „Was du tust, das tue bald“, sagt Jesus zu ihm.

„Einer unter euch wird mich verraten.“ Ein Satz, der einen schweigen macht und traurig. Der Verrat ist der erste Schritt auf dem Weg Jesu ans Kreuz.

Amen.

Lied Manches Holz ist schon vermodert (freiTöne 105)

Fürbitten

Wie schwer ist es uns,

dein Leiden zu verstehen, Jesus,

du Bruder aller Menschen.

Du hast dich verraten lassen,

hast die Bitterkeit angenommen,

die Einsamkeit ertragen.

Was wir in diesen Tagen ertragen müssen,

legen es in deine Hände.

In der Stille sagen wir dir,

was uns bedrückt und belastet.

Stille

Für die Menschen,

die leiden müssen,

Schmerzen aushalten

und den Weg des Sterbens gehen,

bitten wir dich in der Stille.

Stille

Für die Trauernden,

die einen geliebten Menschen verloren haben

und die kaum mehr weiterwissen,

bitten wir dich in der Stille.

Stille

Für die Einsamen,

die sich alleingelassen fühlen,

die keinen haben, der sie besuchen kommt,

bitten wir dich in der Stille.

Stille

Vaterunser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns

und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns

und gebe uns Frieden.

Amen.

Lied Weise uns den Weg (freiTöne 200)

Musik

Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
09 lipca 2025
Objętość:
152 str. 5 ilustracji
ISBN:
9783761568347
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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