Czytaj książkę: «Schüchterne und sozial ängstliche Kinder in der Schule»

Die Herausgeberinnen

Susan C. A. Burkhardt ist Psychologin und Sprecherzieherin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich. Ihre Schwerpunkte sind die emotionale Entwicklung und Prävention von Verhaltensauffälligkeiten sowie eine gesunde psychosoziale Entwicklung unter schwierigen familiären Bedingungen.

Beatrice Uehli Stauffer ist Psychologin. Sie arbeitet als Dozentin an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich am Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung. Sie ist Fachexpertin im Bereich internalisierender Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter sowie Co-Leiterin der Studierendenberatung.

Susanne Amft leitet das Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung (IVE) an der Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik in Zürich. Sie ist Motologin und Therapeutin für Konzentrative Bewegungstherapie und Tanztherapie. Ihre Schwerpunkte sind Psychomotorische Entwicklungsförderung sowie Interventionen bei Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten.
Susan C. A. Burkhardt, Beatrice Uehli Stauffer, Susanne Amft
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1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-039528-2
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-039529-9
epub: ISBN 978-3-17-039530-5
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einführung: Das Phänomen und Problem der Schüchternheit bei Kindern und Jugendlichen?
3 Susanne Amft, Beatrice Uehli Stauffer & Susan C. A. Burkhardt
4 Hintergrund
5 Wie äußert sich Schüchternheit?
6 Schüchtern oder introvertiert?
7 Woher kommt Schüchternheit
8 Von schüchtern bis zur sozialen Angststörung
9 Verhaltensauffälligkeiten – internalisierendes Verhalten
10 Häufigkeit von Verhaltensauffälligkeiten
11 Internalisierende Verhaltensauffälligkeiten
12 Relevanz des Themas
13 Zu diesem Buch
14 Literatur
15 Übersicht zum Phänomen Schüchternheit, zur Entstehung und zu sozialen Kompetenztrainings
16 Ulrike Petermann
17 1 Sozial ängstliche Kinder
18 1.1 Bedeutung und Auswirkungen von Schüchternheit
19 1.2 Soziale Angststörung und soziale Phobie
20 1.3 Trennungsangst
21 1.4 Selektiver Mutismus
22 2 Entstehung und ursächliche Zusammenhänge
23 2.1 Biologische Risikofaktoren
24 2.2 Psychische Risikofaktoren
25 2.3 Soziale Risikofaktoren
26 2.4 Bedingende und aufrechterhaltende Faktoren: Ein integratives Modell
27 3 Intervention
28 3.1 Prävention: Soziales Kompetenztraining
29 3.2 Anwendung in der Schule
30 Literatur
31 Schüchterne/sozial ängstliche Kinder in der Schule: Zusammenhänge mit schulischen Aspekten, Migration und Geschlecht
32 Barbara Gasteiger-Klicpera, Franziska Reitegger & Matthias Krammer
33 1 Schüchternheit und soziale Ängste in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
34 2 Zusammenhang mit dem Geschlecht der Kinder und Jugendlichen
35 3 Zusammenhang von Schüchternheit und sozialer Ängstlichkeit mit kulturellen Aspekten und Migrationshintergrund
36 4 Der Einfluss des sozialen Schul- und Klassenklimas sowie der Qualität der Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schüler/-innen
37 5 Empirische Untersuchung
38 5.1 Methodisches Vorgehen
39 5.2 Untersuchungsinstrumente
40 5.3 Stichprobe
41 5.4 Statistische Auswertung
42 6 Ergebnisse
43 6.1 Unterschiede nach Schultyp und Schulstandort
44 6.2 Korrelationsanalysen zu Aspekten der Schulebene, der Klassenebene und der individuellen Ebene
45 6.3 Identifikation von Risikofaktoren
46 7 Zusammenfassung und Diskussion
47 Literatur
48 Jugendliche mit internalisierender Symptomatik auf Sekundarstufe II: Wohlbefinden und Belastungen
49 Annette Krauss, Patrizia Röösli & Claudia Schellenberg
50 1 Einleitung
51 2 Internalisierende Symptomatik im Jugendalter
52 3 Wohlbefinden und Anforderungsbewältigung von Jugendlichen mit internalisierenden Symptomen
53 4 Untersuchung zu Wohlbefinden und Belastungen von Lernenden mit internalisierender Symptomatik an Berufsfach- und Mittelschulen
54 4.1 Stichprobe
55 4.2 Instrumente
56 4.3 Statistische Analysen
57 4.4 Ergebnisse der Studie
58 4.5 Diskussion
59 5 Schlussfolgerungen
60 Literatur
61 Aktuelle Therapiemethoden zur kognitiv-behavioralen Behandlung sozial ängstlicher Kinder und Jugendlicher
62 Siebke Melfsen & Susanne Walitza
63 1 Therapiebedürftigkeit
64 2 Methoden der klassischen kognitiv-behavioralen Angsttherapie
65 2.1 Überblick über klassische kognitiv-behaviorale Interventionsmethoden
66 2.2 Therapiemanuale
67 2.3 Empirische Befunde
68 2.4 Weitere Behandlungsparameter
69 3 Weitere innovative Forschungsansätze
70 3.1 Gründe für weitere innovative Forschungsansätze
71 3.2 Kurzzeitige Intensivtherapien
72 3.3 Selbsthilfe-Programme
73 3.4 Achtsamkeit (mindfulness) und Selbstfürsorge (self-compassion)
74 4 Zusammenfassung
75 Literatur
76 Ängstliche Kinder in der Schule. Ein personzentriertes Verständnis und Handlungsempfehlungen für Lehrpersonen
77 Margaretha Florin
78 1 Angst und Ängstlichkeit im Umfeld von Schule und Unterricht
79 1.1 Ängste und Ängstlichkeit im schulischen Alltag
80 1.2 Auswirkungen von Ängsten auf das Lernen und Wohlbefinden
81 2 Ein personzentriertes Verständnis von Ängsten und Ängstlichkeit
82 2.1 Menschenbild und Persönlichkeitstheorie des personzentrierten Ansatzes
83 2.2 Entstehung von Ängsten und Ängstlichkeit nach dem personzentrierten Ansatz
84 3 Umgang mit Ängsten und Ängstlichkeit im schulischen Alltag
85 3.1 Haltung der Lehrperson und Beziehungsebene
86 3.2 Unterrichts- und Klassenklima
87 3.3 Ideen zur spezifischen Förderung
88 4 Schlusswort
89 Literatur
90 Der Umgang mit schüchternen Kindern im Unterricht
91 Xenia Müller
92 1 Erkennen und Wahrnehmung von Schüchternheit durch die Lehrperson
93 2 Schulleistungen und Leistungsbeurteilungen
94 3 Schüchterne Kinder und Peerbeziehungen
95 4 Handlungsansätze für den Unterricht
96 4.1 Schüchternheit erkennen und Haltungen reflektieren
97 4.2 Umgang mit Ängsten und emotionale sowie soziale Kompetenzen stärken
98 4.3 Förderung der Teilnahme am Unterricht
99 4.4 Soziale Integration in die Schulklasse
100 4.4 Leistungsbeurteilung
101 Literatur
102 Das unsichtbare Kind – Nonverbaler Ansatz zur Identifizierung von schüchternen und sozial ängstlichen Kindern
103 Iris Bräuninger, Rosemarie Samaritter & Sue Curtis
104 1 Einführung ins Thema
105 2 Literaturüberblick
106 3 Identifizierung von schüchternen und sozial unsicheren Kindern durch beobachtbaren nonverbalen Ausdruck
107 4 Fallvignetten zur Zielsetzung im schulisch-therapeutischen Setting mit schüchternen und sozial ängstlichen Kindern
108 4.1 Fokussieren auf nonverbale Hinweise
109 4.2 Kinder im allgemeinen Raum
110 4.3 Kinder im persönlichen Raum
111 4.4 Der symbolische Bewegungsausdruck
112 5 Schlussfolgerung
113 Danksagung
114 Literatur
115 6 Anhang
116 6.1 Nonverbale Checkliste für Fachkräfte zur leichteren Identifizierung schüchterner und sozial ängstlicher Kinder
117 Schüchterne Kinder in der Schule Möglichkeiten der Ermutigung mit Body 2 Brain CCM®
118 Claudia Croos-Müller
119 1 Möglichkeiten der Ermutigung: Körpercodes gegen Schüchternheit
120 1.1 Embodiment und Körperpsychotherapien
121 1.2 Die Body 2 Brain CCM® Methode: einfache Körpercodes zur gezielten Selbststeuerung von Affekt, Kognition und Verhalten
122 1.3 Neurophysiologie und Body 2 Brain CCM® Wirkungsweise
123 2 Zentrales Nervensystem, peripheres Nervensystem und Neurophysiologie im Zusammenspiel mit Körper und Psyche
124 2.1 Das zentrale Nervensystem
125 2.2 Das periphere Nervensystem
126 2.3 Die Hirnnerven
127 2.4 Emotionen und Neurotransmitter
128 3 Schüchternheit – Ängstlichkeit – Selbstwertproblematik – soziale Phobie
129 3.1 Neurophysiologie und Körpersignale
130 3.2 Body 2 Brain CCM® Körpercodes – Grundformen und Kombinationen (Croos-Müller 2019)
131 4 Body 2 Brain CCM® Körpercodes – Übungsbeispiele für schüchterne Kinder
132 Literatur
133 Mit Musik geht alles besser? Musiktherapie für schüchterne, sozial ängstliche Kinder und Jugendliche
134 Susan Christina Annamaria Burkhardt
135 1 Einführung
136 2 Der Mensch ist ein musikalisches Wesen
137 3 Musik als therapeutisches Mittel
138 3.1 Musiktherapie mit Kindern und Jugendlichen
139 3.2 Wirkung von Musiktherapie
140 4 Musiktherapie für schüchterne Kinder und Jugendliche
141 4.1 Methoden der Musiktherapie bei Schüchternheit
142 4.2 Beispiele erfolgreicher musiktherapeutischer Interventionen
143 5 Musiktherapie und Schule
144 5.1 Entwicklungsförderung durch Musiktherapie in der Schule
145 6 Fazit
146 Literatur
147 Schüchternheit und Mobbing – Hintergrundwissen und Handlungsmöglichkeiten im pädagogischen Arbeitsfeld
148 Vanessa Jantzer & Michael Kaess
149 1 Einführung in das Thema Mobbing
150 1.1 Definition von Mobbing
151 1.2 Erscheinungsformen von Mobbing
152 1.3 Häufigkeit von Mobbing
153 1.4 Entstehungsbedingungen von Mobbing
154 1.5 Folgen von Mobbing
155 2 Soziale Angst
156 2.1 Potentielle Einflussfaktoren
157 3 Praktische Implikationen
158 3.1 Individuelle Schutzfaktoren speziell für schüchterne Kinder
159 3.2 Allgemeine Schutzfaktoren
160 3.3 Resilienz
161 4 Fazit
162 Literatur
163 Selbstverletzendes Verhalten bei sozial ängstlichen Jugendlichen
164 Tina In-Albon & Daniela Schwarz
165 1 Fallbeispiel
166 2 Selbstverletzendes Verhalten
167 3 Selbstverletzendes Verhalten und soziale Ängste
168 4 Interventionen
169 5 Zusammenfassung
170 Literatur
171 Eltern und ihre schüchternen Kinder im Kontext Schule
172 Beatrice Uehli Stauffer
173 1 Einleitung
174 2 Ausgangslage
175 3 Eltern sind nicht gleich Eltern – Die Interaktion von individuellen und soziokulturellen Rahmenbedingungen
176 3.1 Elterliche Risikofaktoren
177 4 Was Eltern wissen müssen – Relevante kindliche Entwicklungsbereiche
178 4.1 Bindungserfahrungen und Emotionsregulation
179 4.2 Selbstwirksamkeitserfahrung und ein realistisches Selbstkonzept
180 5 Was können Eltern tun?
181 5.1 Stärkung der Selbstwirksamkeitsüberzeugung
182 5.2 Ermöglichen von Erfahrungen in der Peergruppe
183 6 Fazit
184 Literatur
185 Die Autorinnen und Autoren
Vorwort
Im Verlauf meiner langjährigen Beschäftigung mit der sozialen Entwicklung von Kindern im Grundschulalter verengte sich mein Interesse immer mehr auf die spezifische und vernachlässigte Gruppe der schüchternen und sozial ängstlichen Schülerinnen und Schüler. Es wurde mir zunehmend bewusst, dass die Stillen in der Schule die Vergessenen sind. Das war selbst in der Forschung lange Zeit so.
Die damals zahlreichen auf aggressiv-störendes Verhalten ausgerichteten Publikationen motivierten mich erst recht dazu, in erster Linie die schüchternen Kinder in den Blick zu nehmen. Ganz im Gegensatz zur Tatsache, dass soziale Ängstlichkeit und Schüchternheit an unseren Schulen mindestens ebenso verbreitet sind wie Aggressivität und störendes Verhalten, wird der Leidensdruck von schüchternen und stillen Kindern auch heute noch leicht übersehen.
Schüchternheit ist ein sehr verbreiteter und gewohnter Bestandteil des menschlichen Verhaltens und längst nicht in jedem Fall ein Problem. Wer hat nicht schon Situationen erlebt, in denen man wirklich oder vermeintlich zu schüchtern gehandelt hat und sich ein mutigeres Vorgehen gewünscht hätte. Problematisch wird Schüchternheit vor allem dann, wenn sie das angemessene Verhalten mit großer Regelmäßigkeit in einer Vielzahl alltäglicher Situationen blockiert. Die Blockade beruht einerseits auf überzeichneten sozialen Befürchtungen (sie werden mich auslachen/sie werden mich ablehnen/ich werde dumm dastehen) und andererseits auf einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten, das sich bis zur Schulverweigerung steigern kann. Auch schon bei milderen Formen von Schüchternheit sind die reduzierte Unterrichtsbeteiligung und die eingeschränkten Beziehungen zu Gleichaltrigen typisch.
Schüchternheit tangiert aber nicht nur einzelne Handlungsbereiche, sondern die gesamte Persönlichkeit, insbesondere auch die Selbstwahrnehmung und das Selbstvertrauen. Wegen des angeschlagenen Selbstvertrauens neigen Schüchterne dazu, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen, woraus wiederum negative Folgen für das Lernen, die Lernfreude und die Erfolgszuversicht entstehen. Schüchterne äußern häufiger die Formel »Ich weiß nicht« als ein überzeugtes »Das kann ich«. Eltern kennen diese Schwierigkeiten nur zu gut. Viele Mütter und Väter mussten sich seit der Kindergartenzeit sagen lassen »Ihr Kind sagt nichts, macht nicht mit, steht immer abseits«. Eltern und Lehrpersonen gelingt es häufig nicht, angemessen auf das gehemmte und ängstlich vermeidende Verhalten der Schüchternen zu reagieren. Aus Mangel an wirkungsvolleren Maßnahmen beschränken sich Erwachsene zu oft auf meist wirkungslose Aufforderungen wie »Mach doch besser mit im Unterricht« oder »Sag doch auch mal was«. Die irrige Meinung, Schüchternheit lasse sich mit etwas mehr Motivation und gutem Willen von den Betroffenen selber überwinden, steht im Widerspruch zur Vielschichtigkeit und Tiefe des Problems.
Besonders im Rahmen der Schule muss sich deshalb ein professionelles Verständnis von Schüchternheit und sozialer Ängstlichkeit entwickeln. Dazu gehört nicht nur das theoretische Wissen um die Hintergründe und Auswirkungen von sozialen Hemmungen auf die Persönlichkeit und das Lern- und Sozialverhalten von Schülerinnen und Schülern, sondern auch ein fundiertes Handlungswissen im Umgang mit den Betroffenen. Wo Lehrpersonen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen, sollten, wie bei anderen schulischen Schwierigkeiten, spezialisierte Fachpersonen unterstützend zur Seite stehen. Ich bin überzeugt, dass die vorliegende Sammlung von sehr sorgfältig ausgewählten Beiträgen zu zentralen Aspekten von Schüchternheit in der Schule den Leserinnen und Lesern wertvolle Einsichten und Kenntnisse vermittelt und dabei hilft, die Schüchternen in Zukunft weniger zu vergessen.
Georg Stöckli
Einführung: Das Phänomen und Problem der Schüchternheit bei Kindern und Jugendlichen?
Susanne Amft, Beatrice Uehli Stauffer & Susan C. A. Burkhardt
Hintergrund
Bei der Planung der Fachstelle »Verhaltensauffälligkeiten und herausfordernde Situationen« am Institut für Verhalten sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, Zürich, hatten wir im Sinn, Lehrpersonen und Schulen bei schwierigen Situationen im Schulalltag zu beraten. Wir stellten drei Fragen in den Vordergrund
1. Erleben Sie Situationen in der Schule, die Sie täglich herausfordern?
2. Gibt Ihnen das Verhalten eines bestimmten Kindes oder Jugendlichen Rätsel auf?
3. Fragen Sie sich, wie Sie ein/-e Schüler/-in erreichen und bestmöglich fördern können?
Wir erhielten viele Anfragen. in denen Probleme mit aggressiv und hyperaktiv auffälligen Kinder geschildert wurden, die die Lehrpersonen an den Rand ihrer Belastbarkeit brachten.
Niemand wollte dagegen von uns wissen, welches Rätsel hinter dem Kind steckt, das sich im Unterricht niemals meldet, immer verträumt und zurückgezogen in der Klasse sitzt und, wenn die anderen spielen, lieber zuschaut. Niemand fragte bisher, wie er dieses Kind erreichen könne und welche Hilfestellung es möglicherweise benötigt.
Überraschend ist dies nicht, denn gerade die wilden, störenden Kinder erfordern meist die ganze Aufmerksamkeit der Lehrpersonen, damit der Unterricht möglichst reibungslos gestaltet werden kann. Hier scheint es offensichtlich, dass etwas geschehen muss.
Doch was ist mit diesen schüchternen, in sich zurückgezogenen Kindern, die oft im Klassenzimmer unbemerkt bleiben? Wie kann eine Lehrperson diese Kinder erkennen, die nicht nur ein wenig still sind, sondern möglicherweise tatsächlich Hilfe benötigen?
Schüchterne Kinder sind auch deswegen schwierig zu erkennen, weil sie sich ihrer Probleme schämen. In unserer Gesellschaft wird ein gewisses Maß an Beteiligung und Eigeninitiative sozial gewünscht und auch gefordert: »Sei doch nicht so schüchtern«, »Jetzt sag doch mal was«, »Hat’s dir die Sprache verschlagen?«, »Kannst du nicht reden?« – Schüchterne sind in ihrem Verhalten gehemmt und leiden unter solchen Etikettierungen.