Czytaj książkę: «Pflege in der Epileptologie»

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Der Herausgeber


Prof. Dr. Hermann-T. Steffen, exam. Krankenpfleger und Gesundheitswissenschaftler. Nach langjähriger Tätigkeit in unterschiedlichen Praxisfeldern der Epileptologie und Psychiatrie bekleidet er eine Professur für Gesundheitswissenschaften und Versorgungsforschung an der Fachhochschule der Diakonie und ist Leiter der Epilepsie-Fachberatung, Bildung & Beratung Bethel. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind »Familie und chronische Krankheit«, »Partizipation im Gesundheitswesen« und »Anwendung von E-(Mental)Health«.

Hermann-T. Steffen (Hrsg.)

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DefinitionInformation
Hinweis für die PflegepraxisFallbeispiel

1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-037302-0

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-037303-7

epub: ISBN 978-3-17-037304-4

Inhalt

1  Einleitung – Krankheitsbewältigung und Pflege bei Epilepsie

2 Hermann-T. Steffen

3  Literatur

4  1 Epileptologische Grundlagen

5 Christian Brandt

6  1.1 Einleitung

7  1.2 Klassifikation der Epilepsien und der epileptischen Anfälle

8  1.3 Pathophysiologie

9  1.4 Epidemiologie

10  1.5 Diagnostik

11  1.6 Anamnese

12  1.7 Anfallsbeobachtung

13  1.8 Elektroenzephalographie

14  1.9 Kernspintomographie und Computertomographie

15  1.10 Differenzialdiagnostik

16  1.11 Medikamentöse Epilepsiebehandlung

17  1.12 Therapiekontrolle

18  1.13 Notfallbehandlung

19  1.14 Weitere Behandlungsformen

20  1.15 Zusammenfassung

21  Literatur

22  2 Anfälle beobachten und Erste Hilfe bei Anfallsereignissen

23 Petra Ott-Ordelheide

24  2.1 Einleitung

25  2.2 Anfallsformen

26  2.2.1 Fokaler Beginn

27  2.2.2 Fokal-motorischer Beginn

28  2.2.3 Fokal-nicht motorischer Beginn

29  2.2.4 Generalisierter Beginn

30  2.2.5 Unbekannter Beginn

31  2.2.6 Anfallstestung

32  2.2.7 Dokumentation

33  2.2.8 Verhalten beim Anfall

34  2.2.9 Wenn ein Anfall zum Notfall wird

35  2.2.10 Anfälle in der Situation der Palliativpflege

36  2.2.11 Anfälle auf der Intensivstation

37  2.3 Lessons learned

38  Literatur

39  3 Pflege in der Kinderepileptologie

40 Margarete Lauber

41  3.1 Einleitung

42  3.2 Besondere Epilepsieformen und Epilepsiesyndrome im Kindes- und Jugendalter

43  3.2.1 Neugeborenenanfälle

44  3.2.2 Fieberkrämpfe

45  3.2.3 Rolando-Epilepsie (benigne kindliche Epilepsie mit zentrotemporalen Spikes)

46  3.2.4 Epileptische Encephalopathien

47  3.2.5 West-Syndrom

48  3.2.6 Lennox-Gastaut-Syndrom

49  3.2.7 Dravet-Syndrom

50  3.2.8 CSWS-Syndrom (»continues spike waves during sleep«)

51  3.3 Epilepsiediagnose und ihre Folgen

52  3.3.1 Besonderheiten in der Anfallsbeobachtung

53  3.3.2 Begleitung während epileptischer Anfälle

54  3.3.3 SUDEP (sudden unexpected death in epilepsy)

55  3.4 Behandlungsmöglichkeiten

56  3.4.1 Medikamentöse Therapie

57  3.4.2 Die ketogene Ernährungstherapie (KET) – eine besondere Therapieform im Kindesalter

58  3.5 Epilepsie und Entwicklung

59  3.6 Epilepsie und Psyche

60  3.7 Epilepsie und Alltag

61  3.7.1 Photosensibilität

62  3.7.2 Sport

63  3.7.3 Familienleben

64  3.8 Schulung, Beratung und Anleitung

65  3.9 Professionalität von Pflegenden

66  3.10 Transition

67  3.11 Lessons learned

68  Literatur

69  4 Pflege in der Behandlung von jungen Erwachsenen mit Epilepsie

70 Michaela Ritze

71  4.1 Einleitung

72  4.2 Psychosoziale Situation junger Erwachsener mit Epilepsie

73  4.2.1 Autonomie und Selbstbestimmung im jungen Erwachsenenalter

74  4.3 Fallbeispiel

75  4.4 Pflegerische Anleitung und Beratung junger Erwachsener mit Epilepsie

76  4.4.1 Klinisch-pflegerische Aufgaben

77  4.4.2 Beratung junger Erwachsener mit Epilepsie

78  4.5 Organisatorische Aspekte im klinischen Setting

79  4.6 Lessons learned

80  Literatur

81  5 Pflege bei Menschen mit Epilepsie im Erwachsenenalter

82 Merle Janetzki & Petra Ott-Ordelheide

83  5.1 Einleitung

84  5.2 Der erste epileptische Anfall

85  5.3 Symptomatische Epilepsien

86  5.3.1 Infektiös: Meningitis/Enzephalitis

87  5.3.2 Strukturell

88  5.3.3 Metabolisch: Toxische Hirnschädigung

89  5.3.4 Immunologisch: Autoimmun-Enzephalitis als Ursache einer Epilepsie

90  5.3.5 Diagnostik der symptomatischen Epilepsien

91  5.3.6 Therapie der symptomatischen Epilepsien

92  5.4 Epilepsie und Schwangerschaft

93  5.5 Altersepilepsien

94  5.6 Medikamentöse Therapie

95  5.6.1 Das Konzept der Adhärenz

96  5.6.2 Nebenwirkungen von Antiepileptika – erkennen und beobachten

97  5.7 Kognitive Veränderungen im Rahmen einer aktiven Epilepsie

98  5.7.1 Gedächtnisstörungen

99  5.7.2 Sprachstörungen

100  5.7.3 Aufmerksamkeitsstörungen

101  5.7.4 Orientierungsstörungen

102  5.8 Schwerpunkte der Pflege

103  5.8.1 Begleitung von Anfällen

104  5.8.2 Sturzprävention

105  5.8.3 Epilepsie und Angst

106  5.9 Lessons learned

107  Literatur

108  6 Pflege von Erwachsenen mit einer komplexen Behinderung und Epilepsie

109 Rebekka Geelhaar unter Mitwirkung von Christian Brandt

110  6.1 Einleitung

111  6.2 Epilepsie im Zusammenhang mit komplexer Behinderung

112  6.3 Anforderungen an die Pflege von Menschen mit Behinderung und Epilepsie

113  6.4 Besonderheiten in der stationären Behandlung der Epilepsie

114  6.5 Pflegephänomene bei Menschen mit Beeinträchtigung und Epilepsie

115  6.5.1 Das Pflegephänomen der Schluckstörungen

116  6.5.2 Das Pflegephänomen der Aktivität und Ruhe

117  6.5.3 Das Pflegephänomen der Wahrnehmung und Kommunikation

118  6.5.4 Epilepsiebezogene Pflegephänomene

119  6.6 Lessons learned

120  Literatur

121  7 Pflege in der psychosomatischen Epileptologie

122 Nerissa Clavecilla & Petra Ott-Ordelheide

123  7.1 Einleitung

124  7.2 Psychogene nichtepileptische Anfälle: Der Versuch einer Begriffsbestimmung

125  7.3 Fallbeispiel

126  7.4 Ursachen und Entstehung von psychogenen nicht- epileptischen Anfällen

127  7.5 Merkmale von psychogenen nichtepileptischen Anfällen

128  7.6 Unterschiede zwischen epileptischen und psychogenen nichtepileptischen Anfällen

129  7.7 Komorbiditäten

130  7.8 Diagnose und Behandlung von psychogenen nicht- epileptischen Anfällen

131  7.9 Begleitung von psychogenen nichtepileptischen Anfällen

132  7.10 Beziehungsgestaltung mit Menschen mit psychogenen nichtepileptischen Anfällen

133  7.11 Das Pflegephänomen des verminderten Selbstvertrauens und Selbstwertgefühls

134  7.12 Lessons learned

135  Literatur

136  8 Pflege in der Epilepsiechirurgie

137 Christiane Schulte Döinghaus

138  8.1 Einleitung

139  8.2 Intensivmonitoring

140  8.2.1 Pflegephänomene im Intensivmonitoring

141  8.3 Invasive Diagnostik mit subduralen Platten- oder Tiefenelektroden

142  8.3.1 Pflegephänomene in der invasiven Diagnostik

143  8.4 Epilepsiechirurgische Eingriffe

144  8.5 Organisation der pflegerischen Versorgung

145  8.6 Lessons learned

146  Literatur

147  9 Pflege in der epileptologischen Rehabilitation

148 Christina Vollgraf

149  9.1 Einleitung

150  9.2 Einführung in die epileptologische Rehabilitation

151  9.3 Bedeutung der Pflege in der epileptologischen Rehabilitation

152  9.4 Pflegephänomen: Wissen beeinträchtigt

153  9.5 Epilepsieberatung

154  9.5.1 Medikamenteneinnahme und Adhärenz bei Epilepsie

155  9.5.2 Hilfsmittel und Sicherheitsvorkehrungen im Alltag

156  9.5.3 Sport bei Epilepsie

157  9.5.4 Reisen mit Epilepsie

158  9.6 Anschlussrehabilitation und Pflege nach einem epilepsie- chirurgischen Eingriff

159  9.7 Informationen zur sozialen Teilhabe bei Epilepsie

160  9.7.1 Berufswahl und Ausbildung

161  9.7.2 Am Arbeitsplatz

162  9.7.3 Epilepsie und Führerschein

163  9.7.4 Epilepsie und Nachteilsausgleiche

164  9.7.5 Pflegephänomen: Machtlosigkeit

165  9.8 Fallbeispiel

166  9.9 Lessons learned

167  Literatur

168  10 Epilepsieberatung in der Pflege

169 Hedwig Sudbrock

170  10.1 Einleitung

171  10.2 Psychosoziale und sozialrechtliche Epilepsieberatung

172  10.3 Patient*innenberatung in der Pflege

173  10.3.1 Beratungsprozesse gestalten und Gespräche strukturieren

174  10.3.2 Beratung, Aufklärung, Information

175  10.4 Epilepsieberatung

176  10.4.1 Inhaltliche Zielsetzung von Epilepsieberatung in der Pflege

177  10.4.2 Erfahrungen und Ergebnisse – Epilepsy Specialist Nurse

178  10.4.3 Epilepsie-Fachassistenz (EFA)/Epilepsie- Fachberatung

179  10.5 Beratungslagen und -anliegen bei Epilepsie

180  10.5.1 Das Modell der Krankheitsbewältigung nach Corbin & Strauss (2010)

181  10.5.2 Vom ersten epileptischen Anfall zur Diagnose Epilepsie

182  10.5.3 Von der Diagnose zur Behandlung

183  10.6 Lessons learned

184  10.7 Wichtige Themen in der pflegerischen Epilepsieberatung

185  10.7.1 Das Krankheitsbild

186  10.7.2 Der Anfallsablauf

187  10.7.3 Anfallshäufigkeit und Anfallsfreiheit

188  10.7.4 Behandlungsstand und Prognose

189  10.7.5 Risikoberatung

190  10.7.6 Anfallsauslöser und anfallsbegünstigende Umstände

191  10.7.7 Medikamenteneinnahme und Adhärenz

192  10.7.8 Wie über die Epilepsie sprechen – Offenbarungs- verhalten

193  10.8 Schwer behandelbare Epilepsien und Komorbidität

194  10.9 Epilepsie-Schulungsprogramme

195  10.10 Lessons learned

196  Literatur

197  Adressen und Informationsquellen

198  Die Autorinnen, die Autoren

199  Stichwortverzeichnis

Einleitung – Krankheitsbewältigung und Pflege bei Epilepsie
Hermann-T. Steffen

Epilepsien1 zählen zu den häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen weltweit (WHO 2019). Auch wenn die Remissionsrate der Epilepsien mit 70 % geschätzt wird (Beghi et al. 2015) – und die Erkrankung somit eine günstige Prognose aufweist –, gehen sie nicht selten mit langjährigen Verläufen einher (Sillanpää 2016). Zudem ist ihnen eine spezifische Verlaufsdynamik zu eigen: Je nach Frequenz und Gestalt der Anfälle – als Symptom der Epilepsien – können sich stabile, instabile und akute Phasen ablösen, zeitweise kann die Symptomatik ganz zum Erliegen kommen, um dann wieder – langsam einschleichend oder abrupt – aufzuflammen (Bartolini & Sander 2019). Auch weisen sich Epilepsien durch ihre Komplexität aus, bedingt durch fallweise auftretende kognitive Störungen, psychiatrische Komorbidität und psychosozialen Folgen (Helmstaedter 2012; Schmitz 2012). So können sich die Auswirkungen der Erkrankung nicht allein in Schule, Ausbildung und Beruf zeigen, gleichermaßen machen sie ihren Einfluss in der Gestaltung sozialer Kontakte geltend (Specht & Thorbecke 2010). Denn der Erkrankung haftet mithin ein Stigma an, das seinen Schatten auf das Selbstbild und auf die soziale Teilhabe von Menschen mit Epilepsie wirft und damit auf die Lebensqualität nachhaltigen Einfluss nehmen kann (Fiest et al. 2014). Die Folgen einer Epilepsie treffen jedoch nicht die Kranken allein, immer sind es ihre Familien, die zahlreichen alltags- und krankheitsbezogenen Anforderungen begegnen müssen (Steffen 2015). Dementsprechend zeigt sich der Gesundheitsstatus von Angehörigen Epilepsieerkrankter vielfach niedrig, derweil ihre ökonomischen, zeitlichen, emotionalen und sozialen Belastungen vergleichsweise hoch ausfallen (van Andel et al. 2009).

Die Bewältigungsarbeit von Menschen mit Epilepsie nimmt ihren Auftakt bereits mit dem Auftreten erster Anfälle. Denn in der Resonanz einer – neuen – komplexen Lebenssituation stellen sich unmittelbar Fragen nach den biographischen Konsequenzen einer mit vielfacher Unsicherheit behafteten Erkrankung (Naess et al. 2009). So müssen epilepsiebedingte Einschränkungen erkannt, künftige Handlungsspielräume austariert und ein neuer Lebensplan entworfen werden. Auch muss das durch die Epilepsie irritierte Selbstkonzept nicht nur zu Beginn, sondern zuweilen fortlaufend angepasst und aktualisiert werden.

Nicht minder anspruchsvoll sind die Aufgaben des Krankheits(selbst-)managements: Um bei wiederkehrenden Anfällen einen gewissen Grad der Kontrolle gegenüber der Epilepsie zu erlangen, gilt es, Anfallsauslöser und -muster im Krankheitsverlauf zu erkennen und zu deuten. Gelingt dies nicht, mindert es die Überzeugung, die Erkrankung kontrollieren zu können und führt mithin zu Gefühlen des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit (Velissaris et al. 2007). Aber auch ein angemessener Umgang mit dem iktalen Geschehen selbst, das zuweilen bizarr und fremd anmutend jählings jegliche soziale Interaktion unterbrechen kann, muss gefunden werden. Denn epileptische Anfälle ereignen sich nicht immer im Privaten, zuweilen treten sie vor Publikum auf und werden so zu einem öffentlichen Ereignis. Fallweise – wenn der Anfall mit Bewusstseinseintrübung einhergeht – nehmen die Betroffenen das Ereignis einzig im »Spiegel der Umwelt« (Janz 1962, S. 1386) wahr, die sich nicht selten ängstlich, verstört und besorgt zeigt. Somit sind Menschen mit Epilepsie gefordert, sich nicht nur mit der eigenen Situation, sondern auch mit der vermeintlichen Wirkung auf die Zeugen des Anfallsgeschehens auseinandersetzen. Um nicht an sozialer Integrität einzubüßen, ist ein geeignetes Informations- und Stigma-Management unabdingbar. Menschen mit Epilepsie müssen beurteilen und entschieden, wen, zu welcher Zeit, in welcher Form und zu welchem Grad sie über ihre Erkrankung informieren (Elliott et al. 2019).

Aber auch die Handhabe des zuweilen komplexen Medikamentenregimes verlangt Menschen mit Epilepsie mannigfaltige Bewältigungsbemühungen ab. Denn nicht nur die Einnahmepraxis muss in die Routinen des Alltags eingebunden werden, mehr noch müssen sie ihre Haltung gegenüber der antiepileptischen Medikation entwickeln. Denn das Verhältnis von Menschen mit Epilepsie zu ihren Medikamenten ist keineswegs ungetrübt (Malek et al. 2017): Einerseits ermöglichen sie die Kontrolle über das Anfallsgeschehen und zeigen sich somit als Garant von Alltagsnormalität, andererseits bezeugen sie fortwährend die Gegenwart der Erkrankung. So erstaunt es nicht, dass die Wirksamkeit, aber auch die Notwendigkeit des medikamentösen Regimes zuweilen eigenverantwortlich überprüft wird (Conrad 1985).

Die alltagsbezogenen und biographischen Anpassungserfordernisse finden jedoch auch bei dauerhafter Anfallsfreiheit kein Ende. Vielmehr sehen sich die Erkrankten vor die Aufgabe gestellt, von der Rolle als »Kranker« in die Rolle als »Gesunder« zu wechseln (Wilson et al. 2007). Nicht selten antworten die Betroffenen mit sozialem Rückzug, aus Angst den potenziellen Erwartungen des Umfelds nicht zu entsprechen, oder mit einer übersteigerten sozialen Aktivität, aus dem Wunsch heraus, die verpassten Möglichkeiten nachzuholen. Jedoch haben nicht nur die Betroffenen diese Adaptionsleistung zu erbringen, insbesondere die Familien und das soziale Umfeld hat sich in der Bewältigung der neuen Situation zu bewähren, indem es die Bemühungen anerkennt, unterstützt und fördert, mehr noch die erforderliche Anpassung selbst vornimmt (Wilson et al. 2005). Nicht selten stellen sich Probleme ein, wenn die Betroffenen das Gefühl haben, dass Angehörige, Freunde und Arbeitskollegen sie weiterhin in der Rolle als Kranker ansprechen, sie dadurch nicht den Entwicklungsmöglichkeiten nachkommen können und sich in ihrer biographischen Transition gehindert sehen. Angesichts der zahlreichen und vielschichtigen Aufgaben, die sich Menschen mit Epilepsie und deren Angehörige im Krankheits(selbst-)management stellen, wundert es nicht, dass Belastungen zeitweise überborden, Anpassungsstrategien aus dem Kurs geraten und die Bewältigungsbemühungen gar ganz zum Erliegen kommen können.

Um die Lebensqualität und Autonomie in der Lebenspraxis von Menschen mit Epilepsie zu befördern, wird deutlich, dass die Unterstützung der Bewältigungsarbeit als prioritäre Aufgabe epileptologischer Pflege verstanden werden muss. Dreh- und Angelpunkt bilden hier – neben den klinisch pflegerischen Aufgaben – vor allem kommunikative Pflegeinterventionen der Information, Aufklärung, Beratung, Edukation und Anleitung. Eingebettet in den dynamischen Pflegeprozess sollten diese Maßnahmen so geformt und organisiert sein, dass sie die je spezifischen Lebensweltbezüge aufnehmen und der verlaufsbezogenen Entwicklung der Erkrankung begegnen. Zu Beginn steht ein umfassendes, mehrdimensionales Assessment, das ermöglicht, den Stand der Krankheitsbewältigung von Menschen mit Epilepsie zu bestimmen, potenzielle Blockaden zu identifizieren, Lebensvorstellungen zu ergründen, Ressourcen zu erkennen und Optimierungspotenziale zu benennen. Auf dieser Grundlage lassen sich alsdann in einem partizipativen Prozess individuelle Ziele definieren und passende Interventionsstrategien ableiten. Für die Interventionen gilt es, eine flexible, individualisierte Form zu finden, um Veränderungen im Krankheitsverlauf, biographischen Neuausrichtungen und alltagsbezogenen Anpassungserfordernissen begegnen zu können. Die Wirksamkeit und Qualität der Interventionen zu kontrollieren, den jeweiligen Zielerreichungsgrad zu bestimmen und nötigenfalls Anpassungen vorzunehmen, ist ebenso Aufgabe der pflegerischen Praxis bei Epilepsie, wie den Erfolg der Maßnahmen abschließend zu bewerten.

Um das Themen- und Aufgabenspektrum in der Pflege von Menschen mit Epilepsie zu entfalten, sind die Kapitel im vorliegenden Buch zielgruppen- aber auch behandlungsbezogen gegliedert. Einleitend werden das Krankheitsbild und Behandlungsaspekte der Epilepsien vorgestellt. Es folgt eine Einführung in die Anfallsbeobachtung und Erste Hilfe bei Anfallsereignissen. Den Anforderungen und Interventionen in der Pflege von Menschen mit Epilepsien in bestimmten Lebensphasen (Kinder, junge Erwachsene, Erwachsene im mittleren und höheren Lebensalter), Komorbidität (komplexe Behinderung) und in besonderen Pflegesettings (Psychosomatik, Epilepsiechirurgie, Rehabilitation) gilt die Aufmerksamkeit der folgenden Kapitel. Abschließend wird der Fokus auf die methodischen und krankheitsbezogenen Aspekte der pflegerischen Epilepsieberatung gelenkt.

126,47 zł
Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
19 grudnia 2025
Objętość:
358 str. 31 ilustracji
ISBN:
9783170373044
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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