Czytaj książkę: «Emotionen im Unterricht»

Czcionka:


Die Herausgeber*innen


Dr. Michaela Gläser-Zikuda ist Professorin für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt empirische Unterrichtsforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Emotionen, Wohlbefinden und Selbstregulation in Schule, Hochschule und Lehrer*innenbildung, empirische Unterrichtsforschung und Schulentwicklung.


Dr. Florian Hofmann ist Akademischer Rat mit Schwerpunkt empirische Unterrichtsforschung am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er lehrt und forscht zu den Themen förderorientierte, kompetenzorientierte und alternative Leistungsmessungen sowie Emotionen und Wohlbefinden in Schule und Hochschule.


Dr. Volker Frederking ist Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. Ästhetische Bildung, empirische Erforschung subjektiver, emotionaler und kognitiver Aktivierung im Deutschunterricht, Digitalisierung und digitale Medien im Deutschunterricht, Allgemeine Fachdidaktik und fachliche Bildung.

Michaela Gläser-Zikuda, Florian Hofmann, Volker Frederking (Hrsg.)

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen und sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche gekennzeichnet sind.

Es konnten nicht alle Rechtsinhaber von Abbildungen ermittelt werden. Sollte dem Verlag gegenüber der Nachweis der Rechtsinhaberschaft geführt werden, wird das branchenübliche Honorar nachträglich gezahlt.

Dieses Werk enthält Hinweise/Links zu externen Websites Dritter, auf deren Inhalt der Verlag keinen Einfluss hat und die der Haftung der jeweiligen Seitenanbieter oder -betreiber unterliegen. Zum Zeitpunkt der Verlinkung wurden die externen Websites auf mögliche Rechtsverstöße überprüft und dabei keine Rechtsverletzung festgestellt. Ohne konkrete Hinweise auf eine solche Rechtsverletzung ist eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten nicht zumutbar. Sollten jedoch Rechtsverletzungen bekannt werden, werden die betroffenen externen Links soweit möglich unverzüglich entfernt.

1. Auflage 2022

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-036306-9

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-036307-6

epub: ISBN 978-3-17-036308-3

Vorwort

Schulischer Unterricht kann interessant oder langweilig sein, Angst machen oder Freude wecken. Das weiß jeder Mensch, der eine Schule besucht hat, aus eigener Erfahrung. Systematisch theoretisch und empirisch erforscht werden solche unterrichtlich evozierten Emotionen allerdings erst seit wenigen Jahrzehnten. Pädagogischer Psychologie und Empirischer Pädagogik kommt das Verdienst zu, hier Pionierarbeit geleistet zu haben. Die Fachdidaktiken haben sich des Themas ›Emotionen‹ hingegen erst seit Mitte der 1990er Jahre in theoretischer und empirischer Perspektive intensiver zugewandt. Umso wichtiger, dass im vorliegenden Sammelband alle drei für das Verständnis von schulischen Bildungsprozessen zentralen Forschungsrichtungen erstmals in umfassender Weise versammelt sind.

Der Band gibt in diesem Sinne einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung in der Pädagogischen Psychologie, in der Pädagogik und in den Fachdidaktiken.

Aus der Perspektive der Pädagogischen Psychologie wird der disziplinäre state of the art skizziert und an einzelnen Beiträgen vertiefend illustriert. In der Pädagogik werden geisteswissenschaftlich wie empirisch ausgerichtete Perspektiven eingenommen, der Forschungsstand überblicksartig präsentiert und exemplarisch an Beiträgen aus der Grundschul-, Schul- und Medienpädagogik sowie der Lehrer*innenbildung vertieft. In den Fachdidaktiken wird ein Modell fachbezogener Emotionsforschung vorgestellt, um auf dieser Basis den fachdidaktischen Forschungsstand unter besonderer Berücksichtigung der Biologiedidaktik, der Deutschdidaktik, der Fremdsprachendidaktik, der Geographiedidaktik, der Geschichtsdidaktik, der Mathematikdidaktik, der Religionspädagogik und der Sportpädagogik zu vertiefen.

Der vorliegende Band offeriert mithin einen umfassenden (inter)disziplinären Überblick zu verschiedenen Beispielen theoretisch-konzeptioneller und empirischer Arbeiten zu ›Emotionen im Unterricht‹, wobei anhand von Fall- und Praxisbeispielen auch Anregungen für die emotionssensible Gestaltung schulischen Unterrichts und die Professionalisierung von Lehrkräften in fachübergreifender wie fachspezifischer Perspektive integriert werden. Wir wünschen den Leserinnen und Lesern des Bandes interessante Erkundungen in einem ebenso wichtigen wie lange vernachlässigten Forschungsfeld.

Nürnberg, im Oktober 2021

Michaela Gläser-Zikuda, Florian Hofmann und Volker Frederking

Inhaltsverzeichnis

1  Vorwort

2  I Emotionen und Unterricht Gegenstand und Grundlagen

3  1 Emotionen in Schule und Unterricht aus pädagogischer Sicht

4 Michaela Gläser-Zikuda & Florian Hofmann

5  1.1 Emotionen bzw. Gefühl – Merkmale, Entstehung und grundlegende Funktionen

6  1.2 Emotionen – (k)ein Thema in der Pädagogik?

7  1.3 Emotionen und ihre Bedeutung für Bildung

8  1.4 Berücksichtigung von Emotionen in der pädagogisch- didaktischen Unterrichtsgestaltung

9  1.5 Zusammenfassung

10  1.6 Gliederung des Bandes bezogen auf den pädagogischen und psychologischen Teil

11  Literatur

12  2 Emotionen in Schule und Unterricht aus der Sicht empirischer Lehr-Lernforschung

13 Tina Hascher & Gerda Hagenauer

14  Einleitung

15  2.1 Konzepte und Modelle

16  2.2 Bedeutung der Emotionsforschung innerhalb der Lehr-Lernforschung

17  2.3 Weiterführende Themen für Forschung und Praxis

18  Literatur

19  3 Emotionen als Gegenstand fachdidaktischer Forschung

20 Volker Frederking

21  3.1 Bausteine zu einer fachdidaktischen Theorie der Emotionen. Eine Analyse aus der Perspektive Allgemeiner Fachdidaktik

22  3.2 Die Subjektseite: Emotionen und Emotionsforschung auf der Ebene fachlich Lehrender und Lernender

23  3.3 Die Objektseite: Emotionen und Emotionsforschung auf der Ebene fachlicher Gegenstände

24  3.4 Fachdidaktische Emotionsforschung. Desiderata und Herausforderungen

25  Literatur

26  II Emotionen von Lernenden im Unterricht: Pädagogisch-psychologische Perspektiven

27  4 Emotionen im Unterricht der Primarstufe

28 Katrin Lohrmann

29  4.1 Förderung der Leistungs- und der Persönlichkeitsentwicklung

30  4.2 Emotionen im Kontext der Primarstufe

31  4.3 Empirische Befunde: Freude, Langeweile und Angst

32  4.4 Erhalt und Förderung positiver Emotionen

33  Literatur

34  5 Lern- und Leistungsemotionen im Kontext schulischer Transition

35 Simon Meyer, Ramona Obermeier & Michaela Gläser-Zikuda

36  Einleitung

37  5.1 Der Übertritt von der Grund- in die weiterführende Schule

38  5.2 Faktoren, welche die Bewältigung des schulischen Übertritts beeinflussen

39  5.3 Lern- und Leistungsemotionen im Kontext des schulischen Übertritts

40  5.4 Implikationen für die Praxis

41  Literatur

42  6 Emotionen im inklusiven Unterricht

43 Carmen Zurbriggen & Philipp Schmidt

44  Einleitung

45  6.1 Forschungsstand

46  6.2 Relevanz für den inklusiven Unterricht

47  6.3 Fazit und Ausblick

48  Literatur

49  7 Emotionen und digitale Medien

50 Thomas Knaus & Nastasja Bohnet

51  Einleitung: Medien – eine emotionale Geschichte

52  7.1 Forschungsstand zu Emotionen in der Medienpädagogik

53  7.2 Medien als Lernobjekte und Lehrmedien

54  7.3 Medien als Lernwerkzeuge – Vom Objekt zum partizipativen Medium

55  7.4 Medien zur interaktionistischen Vernetzung

56  7.5 Ausblick: Bildung und Sozialisation in Zeiten des digitalen Wandels

57  Literatur

58  III Emotionen von Lernenden im Unterricht: Fachdidaktische Perspektiven

59  8 Emotionen im Biologieunterricht

60 Christoph Randler

61  8.1 Emotionen im Biologieunterricht. Forschungsstand

62  8.2 Relevanz von Emotionen für den Biologieunterricht

63  Literatur

64  9 Emotionen im Deutschunterricht

65 Christian Albrecht & Volker Frederking

66  9.1 Sprachdidaktische Zugänge und Forschungen zu Emotionen im Deutschunterricht

67  9.2 Literaturdidaktische Zugänge und Forschungen zu Emotionen im Deutschunterricht

68  9.3 Fachspezifische mediendidaktische Zugänge und Forschungen zu Emotionen im Deutschunterricht

69  9.4 Fazit

70  Literatur

71  10 Emotionen im Fremdsprachenunterricht am Beispiel unterschiedlicher Formen von Angst

72 Clarissa Blum & Thorsten Piske

73  Einleitung

74  10.1 Formen der Angst im Fremdsprachenunterricht

75  10.2 Das Sprechen in der L2 als besondere Herausforderung

76  10.3 Möglichkeiten zum Abbau von Fremdsprachenangst im Unterricht

77  10.4 Fazit

78  Literatur

79  11 Emotionen im Geographieunterricht

80 Jan Schubert & Romy Hofmann

81  11.1 Die Bedeutung von Emotionen in Geographie und Geographiedidaktik

82  11.2 State of the art. Fachbezogene Emotionsforschung in Theorie und Empirie

83  11.3 Konsequenzen für die Geographiedidaktik und den Geographieunterricht

84  Literatur

85  12 Emotionen, Geschichte und historisches Lernen

86 Juliane Brauer & Martin Lücke

87  12.1 Gefühlte Geschichte?

88  12.2 Geschichte und Emotionen. Ein Definitionsvorschlag

89  12.3 Emotionen im Geschichtsunterricht. Forschungsstand und Problemaufriss

90  12.4 Emotionen im Geschichtsunterricht: Das Bespiel der Shoah

91  12.5 Fazit

92  Literatur

93  13 Emotionen im Mathematikunterricht

94 Claudia C. Sutter & Tina Hascher

95  Einleitung

96  13.1 Forschungsstand

97  13.2 Interventionen zur Förderung positiver Emotionen für den Mathematikunterricht

98  13.3 Praxisrelevante Implikationen

99  Literatur

100  14 Emotionen im Religionsunterricht

101 Manfred L. Pirner

102  14.1 Religion und Emotion

103  14.2 Gefühle in Konzepten und Ansätzen der Religionspädagogik

104  14.3 Fazit: Empirische Forschung als Desiderat

105  Literatur

106  15 Emotionen im Sportunterricht – eine sportdidaktische Perspektive

107 Mareike Ahns & Günter Amesberger

108  15.1 Zum Verständnis von Emotionen im Kontext ›Bewegung und Sport‹

109  15.2 Forschungsstand zu Emotionen im Sportunterricht

110  15.3 Relevanz für das sportunterrichtliche Lernen und Lehren

111  15.4 Überlegungen zum Gegenstandsverständnis von Emotionen im Sportunterricht

112  15.5 Ein kompetenzorientiertes Unterrichtsbeispiel zu ›Emotionaler Intelligenz‹

113  15.6 Emotionen anlassbezogen aufgreifen und didaktisch nutzen

114  15.7 Fazit

115  Literatur

116  IV Emotionen mit Blick auf (angehende) Lehrende

117  16 Emotionen und Emotionsregulation von Lehrpersonen im Unterricht

118 Gerda Hagenauer & Tina Hascher

119  16.1 Ein appraisal-theoretisches Modell der Entstehung von Lehrer*innenemotionen und ihren Funktionen

120  16.2 Empirischer Forschungsstand

121  16.3 Pädagogische Implikationen

122  Literatur

123  17 Emotionen von Lehrkräften in unterrichtsvideobasierten Fortbildungen

124 Marc Kleinknecht

125  Einleitung

126  17.1 Allgemeines und Definitionen: Lernen mit Unterrichtsvideos

127  17.2 Forschungsstand: Emotionen beim Lernen mit Unterrichtsvideos in der Lehrkräftefortbildung

128  17.3 Relevanz von Emotionen für die Gestaltung von videobasierten Fortbildungen

129  Literatur

130  18 Lern- und Leistungsemotionen von Lehramtsstudierenden in autonomieunterstützenden Lehr-Lernumgebungen

131 Stefan Markus, Katharina Fuchs, Florian Hofmann, Barbara Jacob, Melanie Stephan & Michaela Gläser-Zikuda

132  18.1 Lern- und Leistungsemotionen

133  18.2 Autonomieunterstützung als Bedingungsfaktoren der Sozialumwelt

134  18.3 Exemplarische Studie zu den Effekten von Autonomieunterstützung auf Lern- und Leistungsemotionen von Studierenden

135  18.4 Diskussion

136  Literatur

137  19 Emotionen und Literatur. Wie Lehramtsstudierende Hör- und Printtexte emotional erleben und verstehen

138 Silvia Hasenstab

139  19.1 Der Forschungskontext

140  19.2 Effekte auditiver Wahrnehmung auf emotionale Facetten von Literatur. Ein Forschungsbericht

141  19.3 Ausgewählte Forschungsfragen und Ergebnisse

142  19.4 Diskussion der Ergebnisse

143  Literatur

144  20 Emotionale und kognitive Aktivierung durch literarische und faktuale Texte als Ansatzpunkt für demokratische Grundwertebildung im Deutschunterricht

145 Tabea Kretschmann & Dietmar Gölitz

146  20.1 Theoretische Grundlagen und Fragestellung

147  20.2 Erhebungsdesign

148  20.3 Ergebnisse

149  20.4 Ausblick

150  Literatur

151  Anhang

152  Autor*innenverzeichnis

I Emotionen und Unterricht. Gegenstand und Grundlagen

1 Emotionen in Schule und Unterricht aus pädagogischer Sicht
Michaela Gläser-Zikuda & Florian Hofmann
Kurzzusammenfassung

Während Emotionen in der empirischen Lehr-Lernforschung (einschließlich der empirisch ausgerichteten Erziehungswissenschaft) seit geraumer Zeit intensiv erforscht und diskutiert werden, stellt sich die Perspektive im Bereich der eher geisteswissenschaftlich orientierten Pädagogik nicht ganz so eindeutig dar. Der Stellenwert von Emotionen wurde und wird hier weiterhin aus pädagogischer Sicht sehr unterschiedlich bewertet und häufig anhand der Gegenpole ›Rationalität‹ und ›Gefühl‹ diskutiert. In diesem Beitrag wird daher überblicksartig auf wesentliche Diskurse und Ansätze eingegangen, die sich mit dem Stellenwert von Gefühlen bzw. Emotionen aus einer pädagogischen Perspektive beschäftigen.

Schlagwörter: Emotionen, Bildung, Erziehung, Schule, Unterricht

1.1 Emotionen bzw. Gefühl – Merkmale, Entstehung und grundlegende Funktionen

Emotionen erfüllen nicht nur im Bildungskontext, sondern in allen Bereichen des menschlichen Lebens grundlegende biologische und soziale Funktionen, wie bspw. die Antizipation zukünftiger Ereignisse, das Bereitstellen von Handlungsempfehlungen oder die Zuschreibung von Absichten und Zuständen in sozialen Interaktionen. Dabei werden Emotionen durch den biologisch gesteuerten Impuls bestimmt, Lust, Befriedigung und Wohlbefinden zu suchen sowie Schmerz, Gefahr und Ungleichgewicht zu meiden (Damasio, 2010). In interkulturellen Studien wurden schon früh mehrere Basisemotionen ermittelt: Überraschung, Ärger, Abscheu/Ekel, Furcht/Angst, Trauer und Freude/Glück (Ekman & Davidson, 1994). Auch aktuelle Emotionstheorien gehen davon aus, dass es basale, somatische Reaktionen, sogenannte core affects (Barrett, 2015) bzw. primäre Emotionen gibt. Als primäre (und damit angeborene) Emotionen wurden Furcht, Wut, Glück/Freude, Trauer, Ekel, Überraschung und Interesse identifiziert (z. T. auch Verachtung; vgl. für einen Überblick Tracy & Randles, 2011). Erziehung und Sozialisation sowie kulturelle Einflüsse (Ulich & Mayring, 1992) bedingen die Entwicklung von Emotionen und ihre individuelle Ausprägung. Diese sogenannten sozialen oder sekundären Emotionen treten allerdings erst auf, sobald systematische Verknüpfungen zwischen Kategorien von Objekten oder Situationen und den primären Emotionen gebildet wurden (Huber, 2013). Hierzu zählen bspw. Mitgefühl, Verlegenheit, Scham, Stolz, Eifersucht, Liebe, Neid, Dankbarkeit oder Bewunderung.

Eine weitere strukturelle Eigenschaft von Emotionen ist darin zu sehen, dass sie zum einen als momentane Zustände (Zustands- bzw. state-Komponente) und zum anderen als dispositionelle Reaktionstendenzen (Bereitschafts- bzw. trait-Komponente verstanden werden können (Otto, Euler & Mandl, 2000). Folglich rufen nicht die Ereignisse selbst, sondern die subjektive Interpretation von Ereignissen bei Menschen Emotionen hervor (z. B. Scherer, Schorr & Johnstone, 2001). Damit tritt die Bedeutung von Verarbeitungs- und Reflexionsprozessen ins Blickfeld. Zum Teil sind Emotionen evolutionsbiologisch überlebensnotwendig; man denke nur an die Fluchtreaktion in gefährlichen Situationen. Überwiegend reagieren Menschen aber sehr unterschiedlich in ähnlichen Situationen. Übertragen auf Lehr-Lern-Kontexte heißt das z. B., dass in einer Lerngruppe einmal Freude über den Wissenszuwachs, ein anderes Mal Langeweile oder Ärger entstehen kann. Als eine Erklärung hierfür kann der sogenannte Appraisal-Ansatz (Scherer, Schorr & Johnstone, 2001) herangezogen werden ( Kap. 1.2). Pekrun (2000) hat in der Folge den in der Bildungsforschung häufig herangezogenen ›Kontroll-Wert-Ansatz für Lern- und Leistungsemotionen‹ entwickelt. Kontrollappraisals (im Sinne einer Einschätzung, wieviel Kontrolle man darüber hat, ob Erfolg in einer Situation herbeigeführt werden kann) und Valenzappraisals (im Sinne einer Einschätzung der positiven bzw. negativen Bedeutsamkeit oder des Werts von Erfolg bzw. Misserfolg in der jeweiligen Situation) sind für die Entstehung von Leistungsemotionen relevant. Sowohl Kontroll- als auch Valenzappraisals bestimmen die Qualität und Intensität der erlebten Emotionen (Frenzel, Götz & Pekrun, 2009; Kap. 3.3).

Besonders Emotionen in der Schüler-Lehrer-Interaktion bzw. mit Blick auf die soziale Beziehung werden systematisch untersucht (z. B. Wild, Hofer & Pekrun, 2006). Vermehrt werden auch Emotionen von Lehrkräften fokussiert (Becker, Götz, Morger & Ranellucci, 2014). So kann sich eine Lehrkraft bspw. über störende Verhaltensweisen von Schüler*innen im Unterricht ärgern. Auch auf Seiten der Lehrkräfte spielen Kontroll- und Valenzappraisals eine Rolle (Frenzel, Götz & Pekrun, 2008). Darüber hinaus kommt der Emotionsregulierung von Lehrkräften eine wesentliche Bedeutung zu (Krause, Philipp, Bader & Schüpbach, 2008). Neben der Beeinflussung der Emotionen einer Gesprächspartnerin bzw. eines Gesprächspartners (in der überwiegender Zahl der Fälle einer Schülerin bzw. eines Schülers) durch das eigene Verhalten und gezeigte Emotionen zählen auch die Kontrolle und der Umgang mit den eigenen Gefühlen zum professionellen Handeln einer Lehrkraft (Krause et al., 2008; Kap. 3.1).

138,30 zł

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
19 grudnia 2025
Objętość:
494 str. 24 ilustracji
ISBN:
9783170363083
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

Podobne książki