Czytaj książkę: «Der Kater Konstantin»

Jubiläumsausgabe:
30 Jahre „Kater Konstantin”
60. Geburtstag von Walter Wippersberg
Walter Wippersberg
Der Kater Konstantin

Mit Zeichnungen von Helga Demmer

Drei Bücher in einem Band:
Der Kater Konstantin
Konstantin wird berühmt
Konstantin auf Reisen
Gekürzter Abdruck aus:
Der Kater Konstantin
© 1973 Obelisk-Verlag, Innsbruck
Konstantin wird berühmt
© 1974 Obelisk-Verlag, Innsbruck
Konstantin auf Reisen
© 1975 Obelisk-Verlag, Innsbruck
Neue Rechtschreibung
Lektorat: Inge Auböck
Covergestaltung: Carola Holland
Sammelband
5. neu gestaltete Auflage
© 2011, 2005, 1993 by Obelisk-Verlag, Innsbruck-Wien
ISBN 978-3-85197-497-3
Der Kater Konstantin

Ein Kater will ins Schwimmbad
Es war an einem Donnerstagnachmittag im Sommer.
Der Bäckermeister Semmelweiß öffnete seine Ladentür – aber nur einen Spalt breit. Er blinzelte hinaus auf die Stifterstraße.
„Was für eine Hitze!”, stöhnte er.
Als Bäcker war Herr Semmelweiß Hitze gewohnt.
In seiner Backstube war es auch nicht gerade kalt, aber doch nicht halb so heiß wie hier zwischen den Häusern. Zumindest glaubte das Herr Semmelweiß.
„Heiß wie in einem Backofen ist es!”, seufzte er. „So eine richtige Backofenhitze hält nicht einmal ein Bäcker aus.”
Die Stifterstraße lag ein wenig abseits vom großen Verkehr. Sie war ein ruhiges Seitengässchen. Aber heute schienen selbst die Häuser zu schlafen. Damit die Hitze nicht auch in die Zimmer kroch, hatten die Leute ihre Fenster verhängt.
„Das sieht aus, als wären den Häusern die Augen zugefallen – vor Müdigkeit und Hitze”, dachte Herr Semmelweiß.
Dann gähnte er laut. Die Hand hielt er sich nicht vor den Mund. Dazu war er viel zu schläfrig.
Aber was machte das schon aus? Heute ließ sich ohnehin keine Menschenseele auf der Straße blicken.
Nur ein großer schwarzer Kater schlich daher.
Herr Semmelweiß gähnte noch einmal.
„Ich werde mich ein Stündchen aufs Ohr legen”, beschloss er. „Die Leute gehen ja doch erst am Abend einkaufen, wenn es ein bisschen kühler ist.”
Da kam der große schwarze Kater vor seinem Laden an. Er stellte sich auf die Hinterbeine und sagte höflich:
„Guten Tag, mein Herr. Können Sie mir bitte den Weg zum Schwimmbad zeigen?”
„Schwimmbad?”, fragte Herr Semmelweiß und überlegte. „Hm, ganz einfach. Da gehst du die Stifterstraße hinunter …”
Weiter kam er nicht.
„Ja, und weiter?”, fragte der Kater.
Aber Herr Semmelweiß sah plötzlich aus, als hätte man sein Gesicht mit Mehl bestäubt. So blass war er geworden.
„Eine sprechende Katze!”, murmelte er.
Dann griff er sich mit beiden Händen an den Kopf und stotterte: „Das darf doch nicht wahr sein! Eine sprechende Katze! Ich glaube … o Gott, o Gott … ich fürchte, ich war zu lange in der Sonne. Ich habe einen Sonnenstich!”
Herr Semmelweiß knallte die Ladentür zu – und schrie gleich danach ganz schrecklich auf. Er hatte nämlich den Kopf noch nicht ganz zurückgezogen gehabt und sich die Nasenspitze eingezwickt.
„Warum werfen Sie sich selber die Tür an den Kopf?”, fragte der Kater erstaunt. Er stand immer noch auf den Hinterpfoten. „Sie müssen es anders machen: Zuerst den Kopf zurückziehen und dann die Tür von innen schließen.”
Da stammelte der Bäcker: „Ja. Danke! Vielen Dank für den Tipp!” Und er tat, wie ihm der Kater geraten hatte.
Das große schwarze Tier trat näher an die geschlossene Ladentür heran.
So konnte es hören, wie der Bäcker drinnen immer wieder rief: „Hilfe! Einen Arzt! Ich habe eine sprechende Katze gesehen! Ich habe einen Sonnenstich! Hilfe!”
Der Kater schüttelte den Kopf. „Seltsame Geschöpfe, diese Menschen!”, meinte er zu sich selber.
Dann ließ er sich wieder auf die Vorderpfoten nieder und trippelte weiter. Die Stifterstraße nickte wieder ein und schlief noch ein Weilchen.
Nichts rührte sich, nur die heiße Luft flimmerte über dem Straßenpflaster.
Da traten zwei Kinder aus einem Haus. Ein hoch aufgeschossener, magerer Junge und ein pummeliges Mädchen.
„Puh!”, ächzte der Junge.
Die Hitze verschlug ihm fast den Atem.
„Komm, beeilen wir uns!”, drängte das Mädchen.
Die beiden rannten los.
Aber schon an der nächsten Straßenecke sprach sie jemand an: „Hallo, ihr zwei! Bin ich hier richtig?
Ist das die Stifterstraße?”
Die Kinder blickten sich um.
Wer hatte da gesprochen?
Es war niemand da – nur ein großer schwarzer Kater.
Dieses Tier aber richtete sich auf die Hinterbeine auf und fragte: „Steht da oben Stifterstraße?”
Mit seiner rechten Vorderpfote deutete es die Hausmauer hinauf. Dort war ein Straßenschild angebracht.
„Ja”, antwortete der Junge.
Und das Mädchen sagte noch: „Da oben steht Stifterstraße.”
„Ihr glaubt wahrscheinlich, ich kann nicht lesen”, meinte der Kater und strich verlegen über seine Schnurrbarthaare. „Aber das stimmt nicht. Ich kann sogar sehr gut lesen. Nur bin ich leider ziemlich kurzsichtig.”

„Da solltest du dir eine Brille besorgen”, schlug der Junge lachend vor.
„Woher denn?”, fragte der Kater. „Woher soll eine Katze eine Brille bekommen?”
Er sagte das ein wenig traurig.
„Du müsstest lustig aussehen mit Gläsern vor den Augen”, meinte der Junge.
Aber das Mädchen widersprach:
„Nein. Du wärst mit einer Brille genauso hübsch wie jetzt.”
Da begann der Kater auf einmal zu schnurren.
Und ein bisschen eitel fragte er:
„Du findest mich wirklich hübsch?”
„O ja, sehr!”, wollte das Mädchen rufen. Aber da erschrak es.
Und gleichzeitig erschrak auch sein Bruder.
„Ich weiß schon”, sagte das große schwarze Tier und grinste freundlich. „Ihr habt auch noch nie einen sprechenden Kater getroffen, wie?”
„Nein”, flüsterte das Mädchen.
Und der Junge stammelte: „So etwas gibt es doch gar nicht. Höchstens in den Märchenbüchern.”
„Ja eben”, meinte der Kater.
„Was eben?”, fragte der Junge.
„Ich bin aus so einer Art Märchen davongelaufen. Aus einer Geschichte. Sie war noch gar nicht fertig.”
Die Kinder verstanden den Kater nicht.
„Ich kann es euch erklären. Aber wir sollten nicht zu lange in der Sonne stehen. Sonst bekommen wir einen Sonnenstich.”
Dem Kater gefiel das neue Wort, das er vom Bäckermeister Semmelweiß gelernt hatte.
„Wo wollt ihr beide denn hin?”
„Ins Schwimmbad.”
„Fein!” Der Kater freute sich. „Da möchte ich auch hin. Nehmt ihr mich mit?”
„Natürlich”, sagte der Junge.
Und das Mädchen rief: „Na, dann! Worauf warten wir noch?”
Also gingen alle drei los.
Und der Kater erzählte:
„Etwas außerhalb der Stadt – oben auf dem Schlossberg -, da wohnt ein Schriftsteller. Ihr wisst doch, was ein Schriftsteller ist?”
„Klar”, meinte der Junge, „das ist einer, der Geschichten schreibt.”
Der Kater nickte.
„Der da oben heißt Fliederbusch. Er schreibt Geschichten für Kinder. Gestern am Abend hat er sich hingesetzt und hat eine neue Geschichte angefangen. Da kommt ein großer schwarzer Kater darin vor. Und der bin ich.”
„Aber warum bist du denn davongelaufen?”, wollte das Mädchen wissen.
„Ich durfte überhaupt nichts tun, was mir Spaß machte. Es sollte in dieser Geschichte zugehen wie in den alten Märchen. Die Tiere sollten sprechen wie die Menschen. Und das finde ich dumm. Tiere sprechen wie Tiere, nicht wie Menschen. Aber Herr Fliederbusch versteht ja nichts von Tieren – und von Katzen schon gar nichts. Ich muss darum sprechen wie ein Mensch. Herr Fliederbusch wollte es so. Dagegen konnte ich nichts tun. Aber was er mich sprechen ließ! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie langweilig das war. Dreimal bin ich mitten in einem Satz eingeschlafen vor lauter Langeweile.”
„Und? Weiter?”, drängte der Junge.
„Heute zu Mittag war mir schrecklich heiß.
Da habe ich zu Herrn Fliederbusch gesagt: ‚Ich möchte baden gehen.’ Aber der war ganz böse:
‚Dazu ist keine Zeit. Wir müssen die Geschichte fertig schreiben', hat er gesagt. – Und wisst ihr, was er noch gesagt hat?”
„Nein. Keine Ahnung.”
„Er hat gesagt, Katzen wären wasserscheu! – Da bin ich einfach davongelaufen. Bei einem Mann, der so etwas glaubt, bleibe ich nicht.”
Das Mädchen lachte: „Da sitzt dieser Herr Fliederbusch jetzt aber schön in der Tinte.”
„O nein!”, entgegnete der Kater. „Er sitzt wahrscheinlich an seinem Schreibtisch und denkt sich eine neue Geschichte aus. Ich habe ihn immer nur auf einem Stuhl sitzen sehen, niemals in der Tinte.”
„In der Tinte sitzen, das ist doch nur so eine Redensart”, erklärte das Mädchen lachend.
„Redensarten verstehe ich nicht”, sagte der Kater. „Ich verstehe nur Wörter und Sätze. Wenn du Tinte sagst, dann ist das für mich eine Flüssigkeit zum Schreiben, eben Tinte.”
Die drei gingen weiter.
Plötzlich blieb das Mädchen noch einmal stehen.
„Jetzt weiß ich nicht: Bist du nun ein richtiger Kater oder …?”
„Greif mich einmal an!”, forderte der Kater das Mädchen auf und streckte ihm die rechte Vorderpfote hin.
Das Mädchen nahm sie. Es war eine richtige samt-weiche Katzenpfote.
„Übrigens, ich heiße Konstantin”, stellte sich der Kater vor.
„Und ich heiße Uschi.”
Da reichte auch der Junge dem Kater die Hand.
„Ich heiße Philipp. Aber alle sagen Flip zu mir.”
„Schön, dass ich euch getroffen habe.”
Konstantin verbeugte sich höflich.
„Darf ich dich auch ein bisschen streicheln?”, fragte Uschi.
„O ja!” Die grünen Augen Konstantins leuchteten auf vor Freude. „Hier unten am Hals habe ich es am liebsten.”
Da kraulte Uschi den Hals des Katers und Philipp streichelte seinen Kopf. Konstantin gefiel das so gut, dass er schnurrte wie … na eben wie ein Kater, der sich sehr, sehr wohl fühlt.
Dann aber meinte er: „Das könnte stundenlang so weitergehen. Wenn es hier nur nicht so heiß wäre!”
„Hat dich Herr Fliederbusch nie gestreichelt?”, erkundigte sich Uschi.
„Nicht ein einziges Mal!”, fauchte Konstantin wütend. „Ich sage euch ja: Er hat keine Ahnung von Katzen. Ich bin wirklich froh, dass ich euch getroffen habe.”
Jetzt beeilten sich die drei aber.
Sie kamen im Laufschritt vor dem Schwimmbad an.
Neben dem Eingang hing eine Tafel mit den Eintrittspreisen.
Der Kater Konstantin zwickte die Augen zusammen. So konnte er besser lesen, was darauf stand.
„Muss man da wirklich fürs Baden bezahlen?”, fragte er erstaunt. „Ich habe nämlich kein Geld. Wo sollte ich es auch haben? Mein Fell hat ja keine Taschen, wo ich's einstecken könnte.”
Philipp griff in seine Hosentasche. Er zog ein paar Münzen heraus. „Das wird auch für dich reichen”, tröstete er Konstantin.
Dann ging er zur Kassa. Ein junger braun gebrannter Mann saß dahinter.
„Zweimal Kinder und einmal Katze”, verlangte Philipp.
„Katze?” Der junge Mann lachte. „Katzen dürfen nicht ins Schwimmbad.”
„Aber einmal könnten Sie doch eine Ausnahme machen”, bat Philipp. „Es ist nämlich eine ganz besondere Katze.”
Er drehte sich nach Konstantin um.
„Komm, Konstantin, sag etwas! Zeig dem Herrn, was du kannst.”
Aber der Kater sagte nur: „Miau!”
Der junge Mann lachte wieder. Er kam hinter seinem Schalter hervor und kniete neben Konstantin nieder.
„Tut mir Leid, Mieze. Aber das musst du dir aus dem Kopf schlagen. Es ist behördlich verboten, Tiere mit ins Bad zu nehmen.”
Da lief der Kater zurück auf die Straße. Uschi und Philipp hinter ihm nach.
Und sie sahen: Konstantin saß auf dem Gehsteig und hämmerte mit den Vorderpfoten auf seinen Kopf ein.
„Was machst du denn da?”, rief Uschi erschrocken.
„Der Mann hat gesagt, ich muss es mir aus dem Kopf schlagen”, sagte Konstantin und trommelte weiter auf seinen Kopf.
„Aber das ist doch wieder nur so eine Redensart”, lachte Philipp.
Da ließ der Kater erleichtert seine Pfoten sinken.
„Da bin ich aber froh. Das Aus-dem-Kopf-Schlagen tut nämlich ordentlich weh. Ich sehe schon, mit euren Redensarten werde ich es nicht leicht haben.”
„Warum hast du denn mit dem Mann an der Kasse nicht gesprochen?”, fragte Philipp. „Einen sprechenden Kater hätte er bestimmt hineingelassen.”
Konstantin aber machte ein beleidigtes Gesicht.
„Wenn er mich als gewöhnlichen Kater nicht baden lässt, dann will ich auch als sprechender Kater nicht hinein. Ich glaube, es gibt hier in der Nähe einen Fluss. Dann werde ich eben dort baden.”
„Und ich habe mich schon so darauf gefreut, dass du mit uns kommst”, sagte Uschi enttäuscht.
Konstantin schielte zu ihr hinauf. Dann lachte er.
„Weißt du nicht, dass Katzen ein ganz famoses Gehirn haben? Und dieses famose Katzenhirn wird sich eben etwas einfallen lassen. Achtung, aufgepasst!”
Konstantin setzte sich auf seine Hinterpfoten, legte sorgsam den Schwanz um die Vorderpfoten und drückte fest die Augen zu. Bald darauf rief er: „Eins, zwei, drei, ich hab's!”
„Was denn?”
„Das werdet ihr schon sehen. Geht nur voraus, ich komme nach.”
Die beiden Kinder zögerten.
„Geht nur”, meinte der Kater. „Ich komme nach, ganz bestimmt.”
Da kauften Uschi und Philipp ihre Eintrittskarten.
Der Kater schaute ihnen nach. Sie verschwanden im Schwimmbad.
Konstantin blieb noch eine Weile auf dem Gehsteig sitzen, dann machte er sich auf den Weg.

Der Herr Bürgermeister hat es erlaubt

Zweimal schlich der Kater Konstantin rund um das Schwimmbad, dann fand er ein kleines Loch im Zaun. Er machte sich ganz schmal und schlüpfte durch.
„Jetzt muss ich nur noch Uschi und Flip suchen”, dachte Konstantin.
Damit er sie auch wieder fand, hatte er sich die beiden Kinder ganz genau angesehen:
Uschi trug ein blaues Leinenkleid, Philipp hatte kurze weiße Hosen an und ein knallrotes Hemd mit kurzen Ärmeln …
Als sich Konstantin aber jetzt umsah, erschrak er.
Auf der Wiese, auf den Holzliegen rund um die beiden Schwimmbecken und im Wasser, da gab es so viele Menschen. Große Menschen, kleine Menschen. Und das Schlimmste war: Alle waren beinahe nackt. Sie trugen nur winzige Badeanzüge oder Badehosen. Nicht ein einziges Mädchen hatte ein Kleid an, und nicht ein einziger Junge trug ein Hemd.
Wie sollte der kurzsichtige Kater Konstantin da Uschi und Philipp herausfinden?
Das war ganz und gar aussichtslos.
„Nun ja”, überlegte Konstantin, „wenn ich die beiden nicht finden kann, dann müssen die beiden eben mich finden.”
Am Ende des einen der beiden Schwimmbecken ragte ein Sprungturm in den wolkenlosen Himmel. Die meisten Leute sprangen vom Einmeterbrett und vom Dreimeterbrett. Aufs Fünf- oder Zehnmeterbrett wagten sich nur wenige.
„Ich werde mich auf das oberste Brett stellen”, beschloss Konstantin. „Da werden mich Uschi und Flip bestimmt sehen.”
Konstantin lief quer über die Wiese. Die Menschen kümmerten sich nicht um ihn. Sie ließen sich in der Sonne braten und waren zu faul zum Schauen. Einem dicken Herrn trat Konstantin sogar auf die Hand, aber der Dicke grunzte nur und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Konstantin war froh, als er endlich den Sprungturm erreichte. Seine empfindliche Katzennase hatte unter dem Geruch von Menschenschweiß und Sonnenöl arg gelitten.
Blitzschnell huschte der Kater jetzt über die heißen Betonstufen den Turm hinauf.

Vorsichtig trat er auf das Zehnmeterbrett.
Schritt für Schritt wagte er sich vor bis an den Rand. Als er dann hinuntersah, wurde ihm fast schwindlig. Mit allen vier Pfoten krallte er sich fest.
Bald aber hatte er sich an die luftige Höhe gewöhnt. Er legte sich ganz vorne hin auf den Bauch und ließ die Vorderpfoten baumeln. Die Sonne brannte auf sein Fell. Und es roch gut hier oben.
Konstantin fühlte sich wohl.
Außerdem musste man ihn gut von unten sehen können.
Aber es schaute niemand zu ihm herauf.
Da rief Konstantin: „Hallo! Uschi! Flip! Hier! Da bin ich!”
Tatsächlich blinzelten ein paar Leute hinauf zum Turm. Hatte da nicht ein Mensch gerufen? Es war aber keiner dort.
Darum hielten sie ihre Gesichter wieder der Sonne entgegen. Sie konnten ja nicht wissen, dass es ein Kater war, der gerufen hatte.
Konstantin wartete. Aber niemand entdeckte ihn. Gerade wollte er wieder hinunterklettern, da hörte er ein Klatschen. Es kam immer näher.
Ein Mann stieg die Treppe herauf. Er hatte riesige Plattfüße, die klatschten auf den Betonstufen.
Jetzt entdeckte der Mann auch Konstantin.
„Hat man so etwas schon gesehen!”, wunderte er sich. „Da legt sich hier oben eine Katze in die Sonne! Komm, Miezekatze, du musst weg von hier. Ich springe nämlich gleich. Und da federt das Brett so stark, dass du mit mir hinunterfällst."
Konstantin erhob sich und machte Platz.
„Brave, Miezekatze!”, lobte ihn der Mann mit den Plattfüßen. Dann stellte er sich ganz vorne an die Kante des Sprungbretts. Er streckte die Arme aus und hüpfte ein wenig.
Da fiel dem Kater Konstantin ein: Er konnte diesen Mann fragen. Vielleicht hatte er Uschi und Philipp gesehen.
„Mein Herr!”, rief Konstantin.
Der Mann drehte sich um.
„Ich bin hier im Schwimmbad mit zwei Kindern verabredet. Sie heißen …”
Der Plattfüßige hatte zuerst geglaubt, es wäre noch ein Mensch auf den Turm geklettert. Jetzt aber sah er den Kater sprechen. Das erschreckte ihn so sehr, dass er nach hinten kippte.
Es knallte ganz schrecklich, als er auf dem Wasser aufschlug. Eine Welle schwappte über den Beckenrand. Die Leute rund um das Becken sprangen erschrocken auf. Es dauerte eine Weile, bis der Plattfüßige wieder auftauchte.
Prustend kletterte er aus dem Wasser und keuchte aufgeregt: „Da oben! Da oben ist eine Katze! Sie hat mit mir gesprochen!”
Er musste eine Menge Wasser geschluckt haben, denn mit jedem Wort brach ein Wasserschwall aus seinem Mund.
Ein Mann in einem weißen Leibchen kam dahergerannt. Es war der Bademeister.
„Bei Ihnen ist wohl eine Schraube locker!”, brüllte er den Plattfüßigen an.
Und Konstantin – oben auf dem Zehnmeterbrett – dachte verwundert:
„Komisch! Der Plattfüßige hat doch überhaupt keine Schraube an seinem Körper, die hätte ich ja sehen müssen.”
Aber der Bademeister schrie weiter: „Sie können von Glück reden, dass Sie noch leben! Vom Zehnmeterbrett dürfen nur Leute springen, die das auch können!”
„Ich kann es ja!”, empörte sich der Plattfüßige. „Ich bin Landesmeister im Turmspringen.”
„Und ich bin der Kaiser von China!”, spottete der Bademeister.
Da drehte sich der Plattfüßige um. „Ich lasse mich von Ihnen nicht beleidigen!”, rief er. „Mich sehen Sie hier nicht wieder!”
Dann platschte er auf seinen riesigen Füßen davon.
„Eines ist klar”, sagte sich Konstantin oben auf dem Turm. „Ich darf mit den Leuten nur reden, wenn es unbedingt notwendig ist. Die Menschen sind sehr schreckhaft.”
Aber wie konnte er Uschi und Philipp finden?
Ihm fiel nichts ein.
Da beschloss der Kater, erst einmal ins Wasser zu gehen. Zum Baden war er ja hergekommen. Wahrscheinlich würde ihn dabei der Bademeister entdecken und hinauswerfen. Vielleicht aber bemerkten ihn auch die Kinder. Dann konnte er sich mit ihnen verabreden.
„Und wenn sie mich nicht sehen”, dachte Konstantin, „werde ich eben auf der Straße auf sie warten. Dort trägt Uschi dann wieder ihr blaues Kleid und Flip hat wieder Hemd und Hose an.”
„Ja, so werde ich es machen”, sagte Konstantin halblaut. Dann lief er die Turmtreppe hinunter.
Ehe ihn einer der menschlichen Badegäste entdeckt hatte, war er schon mit einem Satz ins Wasser gesprungen.
„Da ist eine Katze!”, hörte er ein Kind hinter sich rufen.
„Wo?”, fragte ein anderes.
„Dort! Im Wasser!”
Konstantin schwamm natürlich nicht so elegant wie die Menschen. Er strampelte mit allen vier Beinen so schnell er konnte. Damit hielt er sich recht gut über Wasser. Und es machte Spaß.
Es tat Konstantin Leid, dass die Menschen so rasch auf ihn aufmerksam geworden waren. Nur noch wenige Augenblicke, dann würde der Bademeister kommen und ihn davonjagen …
Der Kater sah sich um. Die Leute rund um das Schwimmbecken waren wieder aufgestanden, und fast alle zeigten mit ihren Fingern auf ihn.
„Hat der Turmspringer vorhin nicht etwas von einer Katze gesagt?”, fragte eine Frau.
„Vielleicht war sie wirklich oben auf dem Turm”, meinte ein Mädchen.
Und da kam auch schon der Bademeister.
Eine hagere, ältere Dame stürzte auf ihn zu und kreischte: „Das Vieh muss sofort aus dem Wasser! Ich kann doch nicht in ein und demselben Wasser baden wie eine Katze!”
Aber ein paar Kinder baten: „Nein, die Katze soll im Wasser bleiben. Sie schwimmt so komisch.”
Das kränkte Konstantin ein bisschen. Er schwamm, wie eben Katzen schwimmen. Aber die Kinder wollten ihn in ihrem Wasser haben! Und das freute ihn.
Der Bademeister aber meinte zu den Kindern: „Katzen haben hier nichts zu suchen. Es ist behördlich verboten, Tiere mit ins Bad zu bringen. Wem gehört die Katze?”
Er blickte sich um. Niemand meldete sich. Die Menschen sahen einander an und zuckten die Achseln.
Aber da drängten sich zwei Kinder zwischen den Leuten durch, ein Junge und ein Mädchen.
„Uns gehört die Katze!”, rief der Junge.
Und das Mädchen winkte dem Kater im Wasser zu:
„Uuuh, Konstantin!”
Vor Freude hätte Konstantin beinahe zurückgerufen. Die beiden Kinder mussten Uschi und Philipp sein! Aber er nahm sich zusammen. Er durfte jetzt nicht in der Sprache der Menschen reden, sonst würde der Wirbel rund um das Becken noch größer.
„Sofort holt ihr die Katze aus dem Wasser!”, befahl der Bademeister.
„Nein!”, riefen ein paar Kinder. „Die Katze soll im Wasser bleiben. Wir haben noch nie eine Katze im Schwimmbad gehabt.”
Da meldete sich wieder die hagere Dame:
„Heraus mit dem Vieh! Eine Katze in unserem Badewasser, das ist unhygienisch!”
Unhygienisch. Das war ein Wort, das Konstantin noch nicht kannte. Aber es musste etwas Schreckliches bedeuten, denn viele Erwachsene wiederholten das Wort: „Unhygienisch. Ja. Unhygienisch. Heraus mit der Katze!”
Diese Zustimmung freute die Dame. „Wenn die Katze nicht sofort davongejagt wird”, rief sie, „dann beschwere ich mich beim Bürgermeister!”
„Hoho!”, rief da ein älterer Herr. „Der Bürgermeister kümmert sich nicht um Katzen. Der hat viel Wichtigeres zu tun.”
Dieser ältere Herr sah sehr lustig aus. Über seinem freundlichen Gesicht wölbte sich eine spiegelblanke Glatze. Und die spindeldürren Arme und Beine passten gar nicht zu seinem kugelrunden Bauch.

Mit seinen Worten hatte er die hagere Dame beleidigt: „Der Bürgermeister wird sich darum kümmern. Schließlich bin ich die Witwe des Regierungsrates Obergottsberger.”
Der Herr mit dem Kugelbauch breitete ein Handtuch über seine Glatze, um sie vor der Sonne zu schützen. Jetzt sah er noch viel lustiger aus.
„Ich glaube nicht, dass es gesundheitsschädlich ist, wenn eine Katze ein einziges Mal hier badet”, sagte er. „Aber jeder soll das halten, wie er will. Wer ausnahmsweise einmal mit einer Katze baden will, der soll in dieses Becken hüpfen. Wer nicht, für den ist ja noch das andere da. Wozu hat dieses Schwimmbad denn zwei Becken?”
Sprach's, wischte das Handtuch von der Glatze und sprang kopfüber in das Becken, in dem auch der Kater Konstantin schwamm.
„Wer ist denn dieser freche Kerl?”, zeterte die hagere Dame. „Ich werde mich über ihn beim …”
„… Bürgermeister beschweren”, hatte sie sagen wollen, aber stattdessen stieß sie einen spitzen Schrei aus. „Du lieber Himmel”, piepste sie, „dieser Kerl … ich meine: dieser Herr, das ist ja der Herr Bürgermeister.”
Da tauchte der kahle Kopf des Herrn wieder auf.
„Jawohl, Frau Regierungsratswitwe, Sie haben es erraten: Ich bin der Bürgermeister.”
Die hagere Dame wurde knallrot im Gesicht, sie verbeugte sich: „Entschuldigen Sie bitte, Herr Bürgermeister. Ich habe Sie in der Badehose nicht gleich erkannt. Und ich konnte ja nicht wissen, dass Sie auch im Schwimmbad sind.”
„Dachten Sie vielleicht, ich bleibe bei dieser Hitze im Rathaus sitzen?” Der Herr Bürgermeister drehte sich auf den Rücken und sein Bauch ragte als Halbkugel aus dem Wasser.
„Außerdem möchte ich mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen”, fügte er noch hinzu. „Ich kann das nämlich gleichzeitig: Schwimmen und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.”
Die Leute rund um das Schwimmbecken lachten.
Die hagere Dame aber machte sich eilig davon.
Der Kater Konstantin hätte sich gern beim Herrn Bürgermeister bedankt. Doch er ließ es lieber bleiben. Er wusste ja, wie schreckhaft die Menschen sein konnten.
Uschi und Philipp sprangen nun auch ins Wasser. Und viele andere Kinder hüpften hinterdrein.
Es wurde noch ein vergnügter Nachmittag.
Konstantin sprach zwar nicht mit den Kindern, aber er versuchte, richtig schwimmen zu lernen. In weniger als einer halben Stunde hatte er das Brustschwimmen erlernt und in einer weiteren halben Stunde auch das Kraulen. Seinen langen, buschigen Schwanz benutzte er dabei als Steuer. Und so schwamm er bald fast so schnell wie die Kinder.
Gegen Abend kamen neue Badegäste. Das waren Leute, die sich nach ihrer Arbeit noch ein wenig erfrischen wollten. Manche beschwerten sich beim Bademeister über die Katze im Schwimmbecken.
Aber der Bademeister flüsterte immer nur: „Der Herr Bürgermeister hat es persönlich erlaubt.”
Die Sonne war schon halb hinter den Hügeln im Westen verschwunden, da machten sich Philipp und Uschi auf den Heimweg.
„Gehst du wieder zurück zu Herrn Fliederbusch?”, erkundigte sich Uschi auf der Straße.
„Nein”, lachte der Kater. „Zu dem gehe ich nie wieder.”
„Aber wohin willst du denn?”, fragte Philipp.
„Was soll das heißen?”
Konstantin blickte die Kinder verwundert an.
„Ich bleibe natürlich bei euch. Wo denn sonst?”
„Fein”, sagte Uschi. Aber es klang gar nicht froh. „Weißt du, Konstantin, unsere Eltern …”
„Wir müssen sie zuerst fragen”, meinte Philipp. „Du musst das verstehen, Konstantin. Unsere Eltern haben noch nie einen sprechenden Kater gesehen …”
„Natürlich nicht”, knurrte Konstantin. „Außer mir spricht ja keiner.”
„Wie ich unseren Vater kenne”, fuhr Philipp fort, „würde er bestimmt irgendwen anrufen und melden, dass sich in seiner Wohnung ein sprechender Kater herumtreibt.”
„Na und?”, fauchte Konstantin.
„Dann würden bestimmt ein paar Leute kommen und dich sehen wollen. Und wer weiß”, Philipp erschrak, „am Ende würden sie dich vielleicht in einen Tiergarten bringen.”
„Tiergarten”, wiederholte Konstantin „Klingt nicht schlecht. Was ist das?”
„In einem Tiergarten”, erklärte Uschi, „müssen Tiere in Käfigen wohnen und sich von den Leuten anstarren lassen.”
„Was?” Konstantins Fell sträubte sich. „Euer Vater will mich einsperren lassen?”
„Nein, nein”, versuchte Philipp den Kater zu beruhigen. „Ich habe nur gemeint …”
Konstantin blieb stehen.
„Zu Leuten, die mich einsperren wollen, gehe ich auf keinen Fall. Auf Wiedersehen, ihr beiden. Macht euch keine Sorgen um mich. Ich finde schon, was ich brauche. Ein Plätzchen zum Schlafen und … etwas zum Essen. Ich kann mir ja ein paar Mäuse fangen. Wozu bin ich schließlich ein Kater?”
Auf einmal sah Konstantin richtig traurig aus.
„Dabei habe ich mich so darauf gefreut”, seufzte er, „mit euch zu Abend zu essen.”
„Bitte, bleib da!”, sagte Uschi. „Wir finden bestimmt etwas für dich …”
„Pssst!”, flüsterte Philipp auf einmal. „Konstantin, du darfst jetzt kein Wort reden!”
Der Kater wollte fragen, warum. Aber da sah er einen kleinen, dünnen Mann die Straße herunterschlendern. Er trug einen flaschengrünen Anzug, und auf seinem Kopf saß eine Schirmmütze. Sie war mit einem Abzeichen und einer goldenen Schnur geschmückt.
„Guten Tag, Herr Meier”, grüßten Uschi und Philipp, als der Flaschengrüne näher gekommen war.
Auch er grüßte, und dann meinte er:
„Das ist aber eine schöne, große Katze.”
„Ja”, murmelten Uschi und Philipp.
Sie waren froh, als der flaschengrüne Herr Meier weiterging.
„Komm, Konstantin!”, sagte Philipp.
Und Uschi beugte sich zum Kater hinunter und streichelte ihn. Da kam er mit.
Uschi und Philipp wohnten mit ihren Eltern im Haus Stifterstraße Nummer fünf. Gleich gegenüber von der Bäckerei Semmelweiß.
Hinter dem Haus gab es einen kleinen Hof und in diesem Hof stand – an eine Wand gelehnt – ein kleiner windschiefer Verschlag. Hier wurde Brennholz gelagert.
„Da kommt im Sommer kein Mensch hinein”, erklärte Philipp dem Kater Konstantin. „Wenn du willst, kannst du dableiben.”
„So ist das also”, maulte Konstantin. „Ihr beiden schlaft in euren weichen Betten, und mich legt ihr auf einen Stapel Brennholz.”
Aber Uschi versöhnte ihn rasch. Sie versprach ihm eine Decke und ein feines Abendessen.
„Und wenn du uns nicht böse bist”, meinte Philipp, „dann nehmen wir dich morgen Nachmittag mit in den Zirkus.”
Konstantin horchte auf. „Zirkus? Das ist ein hübsches Wort. Was ist denn das, ein Zirkus?”
„Das wirst du schon sehen”, lachte Philipp.
Und Uschi gab ihrem Bruder Recht. „Ja, das soll eine Überraschung werden für Konstantin.”
Plötzlich spitzte der Kater die Ohren und zog die Nase kraus. „Gar so übel ist meine neue Unterkunft gar nicht”, meinte er.
„Warum?”, wollten die Kinder wissen.
Da lachte Konstantin und flüsterte: „Ich rieche Mäuse.”

Darmowy fragment się skończył.
