Czytaj książkę: «Fear Street 52 - Jagdfieber»

Inhalt
Kapitel 1 – Es regnete in …
Kapitel 2 – Cari stand sprachlos …
Kapitel 3 – Cari konnte kaum …
Kapitel 4 – „Autsch!“ Der Kombi …
Kapitel 5 – „Es tut mir …
Kapitel 6 – „Tolle Begrüßung“, sagte …
Kapitel 7 – „Reich mir doch …
Kapitel 8 – Die hochgewachsene Gestalt …
Kapitel 9 – Die Kerzen verloschen …
Kapitel 10 – Cari stand wie …
Kapitel 11 – „Na, dann wollen …
Kapitel 12 – „Hilfe! Es ist …
Kapitel 13 – „Lasst uns raus!“ …
Kapitel 14 – „Uns bleibt keine …
Kapitel 15 – Jan kam am …
Kapitel 16 – Cari erstarrte. Vor …
Kapitel 17 – „Nimm die Waffe …
Kapitel 18 – „Vielleicht passieren hier …
Kapitel 19 – „Wir müssen sofort …
Kapitel 20 – Cari rannte mit …
Kapitel 21 – Der Regen setzte …
Kapitel 22 – „Hier lang!“, schrie …
Kapitel 23 – Der zweite Schuss …
Kapitel 24 – Simon, wie üblich …
Kapitel 25 – „Die Jagdgesellschaft absagen?“ …
Kapitel 26 – Wieder auf der …
Kapitel 27 – „Es ist der …
Kapitel 28 – „Er hat sich …
Kapitel 29 – Jan stürmte auf …
Kapitel 30 – „Nein! Verschwinden Sie!“ …
Kapitel 31 – Simon war wie …
Kapitel 32 – Cari kam es …
Kapitel 33 – Simon zögerte einen …
Kapitel 34 – „Geben Sie mir …
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Impressum
1
Es regnete in Strömen. Die Tropfen prasselten wie ein unablässiger Trommelwirbel auf das Dach. Der böige Wind peitschte einen dürren Zweig gegen das Fenster des Dachbodens – tapp, tapp, tapp – wie knochige Finger, die Einlass verlangten. In einiger Entfernung heulte eine Sirene, deren schriller Klang durch die schwere Regenwand gedämpft wurde.
Jan schloss die Augen und versuchte, alle Geräusche zu ignorieren.
„Keine Ablenkungen“, dachte sie und schleuderte ihre schwarzen Haare mit einer schnellen Kopfbewegung über die Schulter. Mit geschlossenen Augen und konzentriertem Gesicht versuchte sie, die Außenwelt aus zublenden. Das Dröhnen des Regens wurde zu einem leisen Summen und verstummte schließlich ganz. Der tobende Wind legte sich und schien einzuschlafen. Die heulende Sirene verklang in einiger Entfernung.
Während sie dort auf den Dielen des Dachbodens kniete, bemerkte Jan einen säuerlichen, muffigen Geruch – eine Mischung aus Schimmel, alten Zeitungen, Feuchtigkeit und Staub. Er drang in ihre Nase und setzte sich in ihrem Hals fest.
„Ich muss diesen Geruch auch ausblenden“, dachte sie und hielt die Luft an. „Ich muss meinen Kopf ganz leer machen und mich konzentrieren.“
Der Regen hämmerte direkt über Jans Kopf auf das Dach. Sie hörte das Platschen des Wassers, das die Regenrinne überflutete. Jan blickte über die Schulter zur Bodentreppe.
„Wie viel man hört, obwohl die Tür geschlossen ist!“, dachte sie. „Auch wenn man sich total anstrengt, ist es gar nicht so leicht, die Welt auszublenden.“
Sie kniete sich wieder hin und konzentrierte sich mit neu erwachter Entschlossenheit. Nach einer Weile beugte sie sich vor und fuhr mit den Fingern die Um risse des Pentagramms nach, das sie mit Kreide auf die Holzdielen des Dachbodens gezeichnet hatte. Zuerst den fünfzackigen Stern und dann den Kreis darum.
Das Holz unter ihren Fingern fühlte sich warm an. Immer wieder fuhr sie mit ihrer Hand den Kreis entlang.
Das Licht, das durchs Fenster fiel, wurde schwächer. Jan blickte zum Himmel auf, der eine seltsame grüngraue Farbe hatte. „Ein geisterhafter Himmel“, dachte sie. „Sehr vielversprechend.“
Der Boden unter ihren Fingern schien sich immer stärker aufzuheizen. Ohne zu blinzeln, blickte Jan in den Himmel, bis sie das Gefühl überkam, von ihm aufge sogen zu werden, sich ganz darin zu verlieren. Dann schloss sie die Augen.
Das Rauschen des Regens begann zu verblassen.
Der Zweig hörte auf, gegen die staubige Fensterscheibe zu klopfen.
Jan konzentrierte sich angestrengt und versuchte, sich an all die Bücher zu erinnern, die sie gelesen hatte, sich all die Berichte ins Gedächtnis zu rufen, über denen sie so viele Stunden gebrütet, die sie studiert und verschlungen hatte – bis sie bereit war.
Bereit für ihre eigene Begegnung mit dem Übernatürlichen.
Ihre Hand fuhr unablässig die mit Kreide gezeichneten Umrisse des Pentagramms nach, langsam zuerst und dann zunehmend schneller, bis ihre Fingerspitzen brannten. Die Holzdielen schienen eine immer stärkere Wärme auszustrahlen.
Die laute, reale Welt um sie herum war nun verschwunden. Und die Welt der Geister kam näher und näher.
Jan konnte es deutlich spüren, während sie wie in Trance den Kreidekreis nachfuhr, bis sie das Gefühl hatte zu schweben.
Der Geist war jetzt ganz nahe.
Der Geist, den sie von der anderen Seite gerufen hatte.
Ein kalter Schauer lief ihr über den Körper und ließ sie frösteln.
Geschafft! Es hatte funktioniert.
Jan konnte die Anwesenheit eines Geistes spüren. Spürte, wie er über ihr schwebte und sie wie ein dunkler, schweigender Falke umkreiste. Sie konnte ihn wahrnehmen, ohne ihn zu sehen, fühlte, dass er sie beob achtete und sich darauf vorbereitete, mit ihr in Kontakt zu treten.
Der Geist war nun hinter ihr. Sie spürte die Wärme in ihrem Rücken und merkte, wie sich ihre dunklen Haare elektrisch aufluden.
„Ich weiß, dass du hier bist“, flüsterte Jan mit zitternder Stimme. „Ich weiß es genau.“
Stille.
Zu aufgeregt, um zu atmen, und ganz benommen von der Macht, die sie gerufen hatte, öffnete Jan die Augen.
Langsam und erwartungsvoll wandte sie den Kopf.
„Was macht ihr denn hier?“, rief sie aus.
2
Cari stand sprachlos auf der obersten Stufe der Dachbodentreppe. Vor Überraschung war ihr der Unterkiefer heruntergeklappt. Eric dagegen lachte lauthals und klatschte mit Craig ab.
„Was macht ihr denn hier?“, wiederholte Jan wütend, erhob sich hastig aus ihrer knienden Haltung und klopfte sich mit beiden Händen den Staub von ihrer Jeans. Sie warf die schwarzen Haare über die Schulter und schaute ihre drei Freunde mit blitzenden Augen an.
Cari, Eric und Craig machten keine Anstalten, sich von der Treppe wegzubewegen. Im ersten Moment hatte Cari die Szene erschreckt, die sie und die beiden Jungen auf dem Dachboden vorgefunden hatten. Doch jetzt erschreckte sie vor allem Jans wütende Reaktion darauf, dass sie sie überrascht hatten.
„Ich wusste ja gar nicht, dass du eine Hexe bist“, sagte Craig mit ausdrucksloser Miene, die nicht verriet, ob er es ernst meinte oder nicht.
Eric lachte unbehaglich. „Klar wussten wir das“, witzelte er. „Hast du das nicht an den spitzen Hüten gemerkt, die sie immer trägt?“
Er und Craig brachen in ein lautes Gelächter aus, das durch den niedrigen, engen Dachboden schallte.
„Ich finde das überhaupt nicht komisch“, murmelte Jan, deren Gesichtsausdruck nun von Wut zu Verletztheit wechselte. „Ihr hattet kein Recht, euch hier hochzuschleichen und … und mir nachzuspionieren.“ Ihre Stimme zitterte und sie blinzelte mehrmals, als müsste sie die Tränen zurückhalten.
„Es tut mir leid“, sagte Cari, die endlich aus ihrer Erstarrung erwachte. „Wirklich, Jan. Deine Mutter hat uns gesagt, du wärst hier oben.“
„Das stimmt“, warf Eric hastig ein und zupfte an seinem kurzen Pferdeschwanz herum. „Wir haben sie gefragt, ob wir raufgehen können, und sie hat Ja gesagt.“
Ein heftiger Windstoß peitschte gegen das Haus. Das Dachbodenfenster klapperte und ein Ast schlug krachend gegen die Scheibe. Die vier Teenager fuhren erschrocken zusammen und schauten zum Fenster.
Als Cari Jan einen verstohlenen Blick zuwarf, stellte sie fest, dass ihre Freundin sich offenbar wieder beruhigt hatte. „Ich … ich habe gar nicht gehört, dass ihr raufgekommen seid“, sagte Jan und wickelte sich nervös eine Haarsträhne um den Finger.
„Ich versteh nicht, wie du das nicht mitgekriegt hast. Die Treppenstufen knarren doch wie verrückt“, meinte Craig.
„Ich habe mich konzentriert“, knurrte Jan, während sie stirnrunzelnd auf das verschmierte Pentagramm aus Kreide hinunterblickte.
„Wir werden auch niemandem erzählen, dass du durchgedreht bist“, sagte Eric grinsend.
„Ich bin nicht durchgedreht!“, fauchte Jan, deren Wut jetzt zurückkehrte. „Es hätte bestimmt geklappt, wenn ihr nicht …“
„Was hätte fast geklappt?“, fragte Cari. Sie setzte sich auf das verstaubte Polster des altmodischen Fenster sitzes und schlug ihre schlanken Beine unter.
„Ach, ist nicht so wichtig“, murmelte Jan.
„Nun sag schon“, drängte Cari. „Was hast du da gemacht?“
„Ich habe einen Geist gerufen“, sagte Jan.
Eric und Craig prusteten los.
Jan sah Cari an. „Sagt mal, was wollt ihr drei überhaupt hier?“
„Wir sind gekommen, um dir zu sagen, dass wir fahren können“, antwortete sie.
„Nach Piney Island?“ In dem grauen Licht, das durchs Fenster hereinfiel, leuchteten Jans dunkle Augen auf.
„Genau“, sagte Cari. „Kannst du dir das vorstellen? Meine Eltern haben es tatsächlich erlaubt.“
„Das ist ja toll!“, rief Jan aufgeregt und vergaß vorübergehend ihren Ärger. „Da wird sich meine Tante Rose aber freuen. Ich muss sie sofort anrufen und es ihr erzählen.“ Sie drehte sich zu den beiden Jungen um, die immer noch an der Treppe standen. „Aber vielleicht solltet ihr beiden lieber nicht mitkommen.“
„Was?“, stieß Craig verblüfft hervor.
„Wie meinst du das?“, fragte Eric genauso überrascht.
„Na ja, in diesen alten Hotels in New England spukt es überall, wisst ihr“, sagte Jan.
„Ach? Was du nicht sagst“, erwiderte Eric und stützte sich lässig auf Craigs Schulter.
„Wir glauben nicht an so einen Quatsch“, fügte Craig grinsend hinzu und warf einen vielsagenden Blick auf die verschmierten Überreste von Jans Pentagramm auf dem Boden.
„Genau das ist der Punkt“, sagte Jan mit fast bedrohlicher Miene. „Die Geister in alten Hotels haben normalerweise eine Menge Geschichten zu erzählen. Grausame, blutige Geschichten. Und sie können es über haupt nicht leiden, wenn man über sie lacht.“
Während sie sprach, sah sie Eric mit brennendem Blick an. Aber der schaute weg und betrachtete seine Schuhspitzen.
„Du meinst …“, begann Craig unsicher.
„Ich meine, euch könnte etwas zustoßen“, sagte Jan hitzig. „Wenn ihr euch über sie genauso lustig macht wie über mich, könnte euch durchaus etwas passieren.“
Cari fröstelte plötzlich und sprang vom Fenstersitz auf. Trotz der Hitze auf dem Dachboden jagte ihr irgendetwas in Jans Stimme einen kalten Schauer über den Rücken.
3
Cari konnte kaum glauben, dass der große Tag endlich gekommen war. Sie würde mit ihren Freunden und Jans Tante Rose auf eine Insel fahren, auf der es nichts gab als ein Hotel, und in ebenjenem Hotel würden sie arbeiten.
Es war nicht leicht gewesen, ihre Eltern dazu zu bewegen, sie den ganzen Sommer wegfahren zu lassen. Mr und Mrs Taylor hätten ihre Tochter am liebsten in Watte gepackt. So jedenfalls sah es Cari.
„Wir haben dich eben gerne in unserer Nähe“, sagte ihr Vater. „Du bist doch unser Sonnenschein.“
„Lass das, Dad“, antwortete Cari und verzog genervt das Gesicht.
Er sagte ständig solche peinlichen Dinge. „Caris Augen schimmern so blau wie das Meer“ zum Beispiel. Oder: „Caris Haar ist so weich und golden wie das Licht an einem Frühlingstag.“
„Dad – red keinen Quatsch!“, protestierte sie dann immer.
Trotz der Tatsache, dass sie gertenschlank und so hübsch wie ein Fotomodell war, bildete Cari sich nicht viel auf ihr Aussehen ein. Sie fand sich selbst viel zu dünn, ihr Lächeln zu schief und ihre Haare zu fein.
Obwohl sie schon sechzehn war, hatte sie noch nie einen Freund gehabt. Bis jetzt war sie kaum mit Jungen ausgegangen und hatte noch nie einen getroffen, für den sie sich ernsthaft interessiert hätte. Sie war zwar ein paarmal verknallt gewesen, aber das war auch schon alles.
„Die Jungen haben Angst vor dir“, hatte ihr Vater einmal gesagt, unfähig, ein stolzes Lächeln zu unterdrü cken. „Du bist einfach zu schön.“
„Auf welchem Planeten lebst du eigentlich?“, hatte Cari spöttisch gefragt. Sie wünschte sich sehnlichst, er würde endlich aufhören, solche blöden Bemerkungen zu machen.
Cari fand, dass Jan viel besser aussah als sie. Ihre beste Freundin war eher der dunkle, geheimnisvolle Typ. Sie hatte lockige schwarze Haare, die ihr in einer wilden Mähne über den Rücken fielen, blitzende olivfarbene Augen, hohe Wangenknochen, volle Lippen und einen schönen Körper mit weiblichen Rundungen. Im Vergleich zu ihr kam Cari sich vor wie eine dürre Bohnenstange.
„Neben Jan wirke ich so blass und farblos, dass ich fast unsichtbar bin“, dachte sie seufzend und fuhr sich ein letztes Mal mit der Bürste durch die Haare, bevor sie sich vom Spiegel abwandte. Dann zupfte sie sich ihr pfirsichfarbenes, langärmliges T-Shirt zurecht, strich mit beiden Händen ihre weißen Shorts glatt und stürmte gerade die Treppe hinunter, als es an der Tür klingelte.
„Sie sind da!“, rief sie.
„Wo ist deine Tasche?“, fragte ihr Vater, der auf der Treppe an ihr vorbeihastete und allgemeine Hektik verbreitete. „Hast du alles gepackt? Bist du fertig?“
Cari lachte. „Ja, ich bin fertig. Will denn nicht mal jemand die Tür aufmachen?“
„Hast du an deine Zahnbürste gedacht?“ Jetzt tauchte auch noch ihre Mutter am Fuß der Treppe auf. Sie schien genauso fertig mit den Nerven zu sein wie ihr Mann.
„Es hat geklingelt. Irgendwer müsste mal die Tür aufmachen“, wiederholte Cari.
Sie schob sich an ihrem Vater vorbei, überholte ihre Mutter und kam mit quietschenden Sohlen zum Stehen, während sie bereits die Haustür aufriss.
„Hi“, sagte Jan und warf Cari einen Blick zu, der besagte: „Was ist denn bei euch los?“
„Sie müssen Jans Tante Rose sein“, begrüßte Cari die attraktive Frau mittleren Alters, die neben ihrer Freundin stand. Sie hielt ihren Besuchern die Tür auf und bemerkte, dass es ein so strahlend schöner Junitag war, dass sogar die Fear Street heiter und sommerlich wirkte.
„Ich freue mich, dich endlich kennenzulernen“, sagte Rose, trat ein und schüttelte Cari kräftig die Hand. Sie trug weiße, weit geschnittene Hosen und einen weißen, kurzärmligen Baumwollpullover, der ihre tiefe Bräune unterstrich. Sie hatte dunkle, lockige Haare wie Jan, nur nicht ganz so lang.
„Wir haben uns am Telefon schon so oft unterhalten und Jan hat mir so viel von dir erzählt, dass es mir vorkommt, als würde ich dich längst kennen“, fügte sie freundlich hinzu.
Caris Vater hatte inzwischen ihre Reisetasche geholt und in den Flur geschleppt. Die ganze Familie redete aufgeregt durcheinander.
„Was? Nur eine Tasche?“, fragte Jan Cari überrascht. „Allein für mein Make-up brauche ich einen Koffer in dieser Größe!“
Cari lachte nicht. So wie sie Jan kannte, war das wahrscheinlich nicht mal übertrieben. Ihre Freundin trug ein bauchfreies Top, das ihre aufregende Figur betonte, und knallenge weiße Radlershorts.
„Na ja, Jan war schon immer ein auffälliger Typ“, dachte Cari. Aber gerade das mochte sie an ihr. Sie war mutig und nicht so zurückhaltend wie Cari.
Einige Wochen zuvor, als Jans Tante gefragt hatte, ob sie und einige ihrer Freunde nicht Lust hätten, auf Piney Island zu arbeiten, war Jan sofort damit herausgeplatzt, worauf es ihr in diesem Sommer ankam – tolle neue Typen kennenlernen und Partys feiern bis zum Abwinken. „Das wird ein echter Partysommer!“ Der Spruch stammte von ihr.
Außer Cari hatte sie noch Eric und Craig, ihre beiden ältesten Freunde, eingeladen mitzukommen und die beiden waren gleich begeistert gewesen. „Partysommer!“, hatten sie aufgekratzt gegrölt, und es war nicht zu übersehen gewesen, wie Eric Cari dabei angeschaut hatte.
Partysommer …
Und jetzt, vier Wochen später, ging es tatsächlich los. Alle umarmten sich und ein paar Tränen flossen. Sie stammten hauptsächlich von Mrs Taylor, die sich immer noch nicht mit der Vorstellung anfreunden konnte, dass Cari so viele Wochen weg sein würde. Und dann ver abschiedeten sich alle noch einmal, und Tante Rose versicherte den Taylors zum x-ten Mal, dass sie ein wachsames Auge auf die vier haben würde.
Schließlich holperte der schwer beladene Kombi die Auffahrt hinunter. Cari winkte ihrer Familie zu und verabschiedete sich im Stillen von der Fear Street und dem langweiligen Sommer, den sie gehabt hätte, wenn sie hiergeblieben wäre.
Die beiden Jungen warteten bei Eric, der in einem weitläufigen, ranchähnlichen Haus in North Hills, dem vornehmeren Teil von Shadyside, lebte. Wie üblich war Eric noch nicht ganz fertig. Die Hälfte seiner Klamotten, die zum größten Teil aus abgeschnittenen, ausgebleichten Jeans und Heavy-Metal-T-Shirts bestanden, stapelte sich noch im Wohnzimmer. Unter den Blicken von Craig, Cari und Jan packte Eric seine Sachen hektisch in eine Segeltuchtasche, die viel zu klein für alles war.
„Mein Walkman! Wo ist mein Walkman?“, rief Eric aufgeregt und suchte mit den Augen das Zimmer ab, während er weiter Klamotten in seine Tasche stopfte.
„Er hängt um deinen Hals“, sagte Craig trocken und schnitt eine Grimasse.
„Na, logo. Wo sollte er auch sonst sein?“
Alle lachten.
„Hey, was hast du denn da um den Hals?“, wollte Eric von Jan wissen.
Jan griff unwillkürlich an den großen weißen Anhänger, den sie an einer Silberkette trug. „Ach nichts. Nur einen Totenkopf aus Elfenbein. Er soll angeblich das Böse abwehren.“ Sie hielt ihm das Amulett entgegen. „Also, halt lieber Abstand!“
„Oh Mann.“ Eric verdrehte die Augen. „Glaubst du etwa wirklich, dass es in diesem Hotel spukt?“
„Wenn nicht, wäre ich jedenfalls sehr enttäuscht“, gab Jan zu.
Eric schüttelte verständnislos den Kopf und schaffte es schließlich doch noch, alles in seine Tasche zu stopfen und den Reißverschluss zuzumachen. Craig hatte zum Glück schon am Abend vorher alles gepackt und seinen Kram zu Eric rübergebracht, damit Rose nicht noch extra bei ihm vorbeifahren musste.
„Die Jungen sind genauso verschieden wie Jan und ich“, dachte Cari, während sie zusah, wie die beiden ihre Sachen in Rose’ Kombi luden. Sie sahen auch ganz verschieden aus.
Eric war klein und dünn. Seine dunkelbraunen Haare waren zu einem kurzen Pferdeschwanz zusammengebunden. Er hatte einen Diamantstecker in einem Ohr und trug eine Nickelbrille.
„Er ist ein richtig netter Typ“, dachte Cari. „Auch wenn er meistens einen auf cool macht.“ Eric hatte ihr schon immer ziemlich gut gefallen. Seit der Junior Highschool waren sie dick befreundet, aber sie waren noch nie zusammen ausgegangen.
Craig wirkte eher lässig als cool. Sein braunes Haar mit den blonden Strähnen war kurz geschnitten und hatte einen ordentlichen Seitenscheitel. Er war immer anständig und ein bisschen spießig gekleidet. Heute trug er zum Beispiel khakifarbene Baumwollshorts mit Aufschlag und ein weißes Polohemd, aber Cari hatte den Eindruck, dass es ihm eigentlich ziemlich egal war, was er für Klamotten anhatte.
„Er ist einfach er selbst. Irgendwie scheint ihn überhaupt nichts aufzuregen“, dachte Cari. In gewisser Weise beneidete sie ihn. Wahrscheinlich bekam er nie kalte, schweißfeuchte Hände oder war furchtbar aufgeregt vor einem Test oder einer Verabredung.
Als sie endlich mit dem Beladen des Wagens fertig waren, stapelte sich das Gepäck bis unter die Decke des Kombis und zwei Taschen waren sogar auf dem Dach festgezurrt. „Wir sollten jetzt besser mal aufbrechen“, sagte Rose nach einem Blick auf ihre Uhr. „Sonst ist der Sommer fast vorbei!“
Jan setzte sich vorne neben ihre Tante, und Cari quetschte sich zwischen die Jungen auf den Rücksitz. „Der Wagen hat auf der Hinterachse so viel Gewicht, dass die Vorderräder bestimmt gleich abheben“, sagte Jan besorgt.
„Hey, das wäre cool!“, rief Eric.
„Habt ihr genug Platz da hinten?“, fragte Rose und ließ den Motor an.
„Genug Platz wofür?“, gab Cari schelmisch zurück.
Alle lachten.
„Ich habe schon von deinem Sinn für Humor gehört“, sagte Rose und setzte blind aus der Einfahrt zurück, weil das Fenster der Heckklappe mit Gepäck zugestellt war.
„Hey – wir sind unterwegs!“, rief Eric und kurbelte die Scheibe hinunter. „Tschüss, Shadyside“, brüllte er aus voller Kehle. „Partysommer – wir kommen!“
„Wartet bloß, bis ihr den Strand seht“, sagte Rose und bog in die River Road ein, die entlang des Cononka River aus der Stadt führte. „Ich bin zwar nicht mehr da gewesen, seit ich in eurem Alter war …“
„Also vor fünf Jahren?“, unterbrach Craig sie.
„Du bist mir vielleicht ein Charmeur!“, erwiderte Rose lachend. „Es ist schon ein wenig länger her, aber ich kann mich noch gut an den Strand erinnern. Dort gab es den feinsten und weißesten Sand, den ich je gesehen habe. Kurz vor der Insel liegt eine Sandbank, an der sich die Wellen brechen, sodass die Brandung nicht so stark ist. Ideal zum Schwimmen. Allerdings ist die Insel ziemlich klein, man ist recht schnell von einem Ende am anderen.“
„Hauptsache, es ist genug Platz für all die sagenhaften Miezen, die ich treffen werde“, erwiderte Eric.
„Ich schätze, du wirst dich wohl den ganzen Tag am Pool rumtreiben, was“, sagte Craig trocken.
„Genau. Vielleicht kann ich ja Manager für den Freizeitbereich werden oder so was in der Art“, meinte Eric grinsend.
„Manager für den Freizeitbereich? Nennt man das heute etwa so?“, fragte Jan und verdrehte die Augen.
„Erzählen Sie uns mehr über das Hotel, Rose“, bat Cari und wechselte geschickt das Thema.
„Ja, bitte! Wie ist es eigentlich zu seinem Namen gekommen? Hotel zum heulenden Wolf?“, fragte Jan.
„Ich weiß nicht“, antwortete Rose und fädelte sich auf die Schnellstraße ein. Der schwer beladene Kombi hatte Schwierigkeiten beim Beschleunigen. „Wir werden Simon fragen müssen, wenn wir da sind. Ich kann mich nur daran erinnern, dass es sehr groß ist. Und sehr schön. Ich weiß noch, dass es nach hinten hinaus eine ganz bezaubernde Terrasse gibt.“
„Wo sich die tollen Miezen sonnen“, warf Eric ein.
„Eric, lass doch den Quatsch!“, schnaubte Cari.
„Ihr scheint zu vergessen, dass ihr zwischendurch auch mal arbeiten müsst, Leute“, ermahnte Rose sie scherzhaft.
„Partysommer!“, rief Craig ungerührt.
„Partysommer!“, nahm Eric den Spruch auf.
Während die Landschaft draußen an ihnen vorbeirollte, redeten sie über das Hotel, die Insel, den Strand und über all das, was sie in den Ferien tun wollten.
Cari merkte plötzlich, dass sie noch nie in ihrem Leben so aufgeregt gewesen war und sich noch nie so sehr auf einen Sommer gefreut hatte. Sie würde volle zwei Monate weit weg von ihrer Familie sein – und sie war mit ihren besten Freunden auf dem Weg zu einem wunderschönen, luxuriösen Hotel auf einer einsamen Insel.
Die drei anderen schienen genauso aufgeregt und glücklich zu sein wie sie. Während sie mit heruntergekurbelten Scheiben auf Cape Cod zurollten, trällerten sie die Songs im Radio mit oder unterhielten sich.
Ihre aufgekratzte Stimmung hielt an, bis sie das Kap erreicht hatten und schon auf halber Strecke zwischen Wellfleet und Provincetown waren. Dann passierte es.