Czytaj książkę: «Das große Schach-Allerlei»

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Satz und Gestaltung: DIE WERKSTATT Medien-Produktion GmbH, Göttingen
ISBN 978-3-7307-0268-0
InhaltVorwortGwyddbwyll oder Schach in anderen SprachenDüpiertAnderssen gegen Kieseritzky, 1851Entwickle die Bauern!Entwickle dich einseitig!Die Gesengte Sau oder Tierische EröffnungenDas ZweispringerspielPoetische EröffnungenDie vielen Seelen des SchachspielsDie dritte RochadeDie polnische RochadeDie Ohne-RochadeDie schwedische RochadeHamppe gegen Meitner, 1872HumorlosWeltmeisterlichesIm KaffeehausDas größte Schachturnier der Welt…Das erste Schachturnier.Aus der Geschichte lernenHeute und gesternDas TripleKopie oder Original?Nach klassischem VorbildDas HotelSteinitz gegen von Bardeleben, 1895SelbstbewusstKurzwarenEntzaubertGeblendetWiderlegtVerhextVerpasst!Verpatzt!Verrückt!Planlos, harmlos und arglosEin Tusch dem Unsinn!Die spannendste PartieÜbertölpeltDame oder König?Das SpringerproblemIch mache Fehler, also bin ichAuf der Bank der SpötterDavongekommen!Lang, länger, am längstenMit Geduld und SpuckeRotlevi gegen Rubinstein, 1907Marke EigenbauDas GeburtstagsgeschenkAlles ist spielbarSämisch gegen Nimzowitsch, 1923Schach ist die „Musik der Gedanken“Zwischen Konzert- und TurniersaalSchwarzweiß statt schwarzbraunSelbstaussage Robert GernhardtMeisterliche AmateureGroßes von KleinenDer Fernschach-PfarrerNicht alles nachmachen!Drei Türme604 auf einen StreichAmateur schlägt MeisterGlücksberg gegen Najdorf, 1930Bäumchen wechsle dichPolitiker beim königlichen SpielSchach mit linksDa war Castro fidelEin Dorf spielt SchachNicht ganz reellOh weh!Au weia!Das TelegrammAu Backe!Wie man Schäfer und andere Narren matt setztDamianos MattDas Matt der DilaramDas Araber-MattLucenas MattDer eiserne Käfig TamerlansDas Matt des LégalMorphys MattAnastasias MattRétis MattBodens MattN.N. – Canal, 1934Der Surrealist als RealistBildschöne ProblemeBlinde SeherSchlecht beratenSchwach besiegt StarkDas Lehrgeld zahlte sich ausTurm mehr? Remis!Dame mehr? Remis!Ungleiche Läufer? Kein Remis!Nicht zu früh!Eingestellt0:0Im BockshornUmgedrehtUm drei!SiegesserienUnverdrossenRemis — aber wie?Remis mit RadauSundin gegen Andersson, 1964/65Schach dem Mörder!Bond am Brett?Schach als OperLebendiges SchachDas größte OpferSelbstmord aus VersehenGlückspilz wird PechvogelDie dümmsten Züge der WeltOha!Oje!Eujeujeujeu!KaffeehausschachShredder gegen Rybka, 2006Maus schlägt DameMensch und MaschineMensch oder Maschine?Herr und Knecht zugleichÜberlistet!Gut vorbereitetGut nachbereitetWeltraum gegen Erde2001: eine SchachodysseePaul Schabacker / Hardy Siedler: Schach im Weltall (1994)Am grünen Brett erdachtKonrad Bayer, 1856Falsch, richtig falsch: Schlechter gegen Perlis, 1909Falsch, richtig falsch: Gibaud gegen Lazard, 1920/1924Falsch, richtig falsch: Aljechin gegen Tenner, 1911Falsch, richtig falsch: Aljechin gegen Grigorjew, 1915DamenwahlStudiere Studien!Alexej Troitzki, 1879KnalleffekteAnderssen gegen Dufresne, 1852Nichtrauchen ist schädlichKönnen Frauen Schach spielen?Schachtisch statt SchreibtischNabokov machte ProblemeDie göttliche Ca’issaEinstein am BrettFleißig gegen Schlechter, 1893Zu viel Ernst bei zu viel SpaßIn fugam vacuiLasker gegen Capablanca, 1914Sich selbst geschlagenIm RückwärtsgangDas große Lalula Christian Morgenstern„Der König ist eine starke Figur“Ihre Majestät auf ReisenEine JahrhundertpartieÜbersehenVergessenÜberlistetGlück gehabtLast Exit PattDer GeistesblitzDas verpatzte PattMehr Glück als Verstand…Nimzowitsch gegen Tarrasch, 1914Nimzoid!Von bleibendem WertBogoljubow gegen Aljechin, 1922„Spielen Sie Schach?“VerpenntDie Kunst der kleinen OpferOh nein!Die RetourkutscheNicolas Rossolimo gegen Iwan Romanenko, 1948„Schach ist ziemlich wie Tennis“Kein Ringen um den besten ZugRekord im RasenschachBagirow gegen Gufeld, 1973Orgien auf dem SchachbrettFata MorganaDas kurze OpferKasparow gegen Topalow, 1999Vater gegen SohnSchach mal andersSchach ohne SchachWei gegen Batista, 2015Welt ist ein Schachbrett Omar ChajjamStatistikenNachweiseLiteraturverzeichnisPersonenindexÜber den Autor
Vorwort

„Unter allen bekannten Spielen giebt es kaum eines, das so verbreitet, so geachtet und so geistreich zugleich wäre als das Schach“, schrieb im Jahr 1854 ein gewisser P. Andressen in seinem Buch Der kleine Schachspieler, oder: gründliche Darstellung aller Regeln dieses Spiels. Über 150 Jahre später ist an diesem Urteil nichts zu berichtigen, im Gegenteil: Inzwischen ist das königliche Spiel weltweit populär. Schätzungsweise über 500 Millionen Menschen spielen es zumindest gelegentlich und erfreuen sich an der einzigartigen Mischung aus ästhetischem Genuss, intellektuellem Reiz und Nervenkitzel, die dem Schach eigen ist.
Groß und Klein, Prominente ebenso wie Otto Normalverbraucher, Lieschen Müller nicht anders als Künstler und Wissenschaftler zieht es zu König, Dame und Bauer. Obwohl tausend Jahre alt, ist das Schach ewig jung und für Laien wie Meister ein immer neuer „Probierstein des Gehirns“ (um mit Goethe zu reden), schier unerschöpflich in seinen Möglichkeiten und von keinem anderen Brettspiel an Tiefgründigkeit und Vielseitigkeit zu übertreffen. Ja, Schach kann sogar als Symbol des menschlichen Lebens gedeutet, als Spiegel der Gesellschaft und Politik verstanden, als Sinnbild der Welt gedacht werden. Doch vor allem ist es eine Welt für sich!
Es ist eine Welt der atemberaubenden Kombinationen und haarsträubenden Fehler, der Geniestreiche und Blamagen, eine Welt der eiskalten Logik und der blauen Wunder, in der Geschichten erzählt werden von Rettung in letzter Sekunde und vom Scheitern kurz vor dem Ziel, Geschichten vom Lohn langer Arbeit und vom Unglück des Tüchtigen, von kleinen Helden auch und großen Sonderlingen. Lehrreiches und Albernes, Denkwürdiges und Bizarres bunt nebeneinander, durcheinander und in eins verwoben soll dieses Allerlei präsentieren.
In diesem Sinne: Allen Lesern viel Spaß bei der schönen Zeitverschwendung, die auf den Namen Schach hört!
ERKLÄRUNG DER ABKÜRZUNGEN UND ZEICHEN
| K | König |
| D | Dame |
| T | Turm |
| L | Läufer |
| S | Springer |
| B | Bauer (Bei der Notation von Bauernzügen wird das Kürzel weggelassen. 1. e4 heißt also: Der Bauer zieht im ersten Zug nach e4.) |
| a – h | die senkrechten Linien des Schachbretts (von links nach rechts, von Weiß aus gesehen) |
| 1 – 8 | die waagerechten Reihen (angefangen bei der Grundreihe von Weiß) |
| – | zieht nach (Bei der Kurznotation entfällt dieses Zeichen, weil allein das Feld angegeben wird, auf das ein Stein zieht; statt z.B. Sg1–f3 wird also nur Sf3 geschrieben. Können zwei gleiche Figuren auf dasselbe Feld ziehen, so gibt man Linie oder Reihe des Herkunftsfeldes an: Sind z.B. sowohl Tf1–f5 als auch Tc5–f5 möglich, so schreibt man je nachdem T1f5 oder Tcf5.) |
| x | schlägt |
| e.p. | en passant (im Vorübergehen) |
| + | Schach |
| # | matt |
| 0-0 | kurze Rochade |
| 0-0-0 | lange Rochade |
| ! | guter Zug |
| !! | sehr guter Zug |
| ? | schwacher Zug |
| ?? | grober Fehler |
| !? | interessanter Zug |
| ?! | fragwürdiger Zug |
| FIDE | Fédération Internationale des Échecs (Weltschachbund) |
| N.N. | Unbekannter Spieler (lat. „nomen nescio“: „Ich weiß den Namen nicht.“) |
Gwyddbwyll oderSchach in anderen Sprachen
Ahedres (Tagalog), Ajedrez (Spanisch), Catur (Indonesisch), 체스 (Cheseu, Koreanisch), Chess (Englisch), チェス oder 西洋将棋 (Chesu oder Seiyō shōgi, Japanisch), Dara (Haussa), Échecs (Französisch), Escacs (Katalanisch), Ficheall (Gälisch), 國際象棋 (Guójì xiàngqí, Chinesisch), Gwyddbwyll (Walisisch), Lusus latrunculorum oder Scacchi (Lateinisch), Male (Estnisch), Šachmatai (Litauisch), Šachy (Tschechisch), Ŝah (Kroatisch), Şahmat (Aserbaidschanisch), Şah (Rumänisch), Sakk (Ungarisch), Ŝako (Esperanto), Satranç (Türkisch), Scacchi (Italienisch), Schaaken (oder Schaakspel, Niederländisch),
(Schach, Serbisch),
(Schachi, Ukrainisch),
(Schachmat, Hebräisch),
(Schachmat, Bulgarisch),
(Schachmaty, Russisch), Schack (Schwedisch),
(Schatrandsch, Persisch), Shah (Albanisch), Shakki (Finnisch),
(Śataramja, Hindi),
(Shatranj, Arabisch), Sjakk (Norwegisch), Skaak (Afrikaans), Skak (Dänisch), Skák (Isländisch),
(Skáki, Griechisch), Szachy (Polnisch),
(Tschatrak, Armenisch),
(Tschadraki, Georgisch), Xadrez (Portugiesisch), Xake (Baskisch).
Düpiert
Eine Pleite besonderer Art erlebte der slowenische Großmeister Milan Vidmar, als er sich – es war in den 1920er Jahren – in einem Kaffeehaus in seiner Heimatstadt Ljubljana zum Zeitunglesen niedergesetzt hatte. Am Nebentisch war eine Schachpartie im Gang, doch ein Blick genügte ihm, um festzustellen, dass es sich um zwei Patzer handelte. Enttäuscht wandte er sich wieder seiner Lektüre zu, als plötzlich einer der beiden aufstand und sich verabschiedete. Der andere blickte sich um, und weil er Vidmars Interesse bemerkt hatte, fragte er ihn, ob er Schach spiele. Vidmar gab zu, mit dem Brettspiel einigermaßen vertraut zu sein. Großmütig räumte ihm sein Partner die weißen Steine ein. Vidmar beschloss, sich über den Schwachmaten lustig zu machen: Er eröffnete mit 1. e4 e5 2. Ke2 Sf6 3. Kd3 Sc6, und nach dem vollends tollkühnen 4. Kc4 provozierte Vidmar seinen Gegner zusätzlich, indem er auf den ungedeckten e-Bauern hinwies und verlautbarte, jetzt Gambit spielen zu wollen. „Die Antwort war verblüffend“, schreibt Vidmar in seinem Erinnerungsbuch Goldene Schachzeiten: „Mit einer energischen mähenden Bewegung seiner Rechten rasierte mein Gegner das Schachbrett, so dass die Figuren fast wegflogen, und erklärte mit schlecht zurückgehaltener Wut: ‚Mit einem solchen Stümper spiele ich nicht!‘“

Die Natur hat uns das Schachbrett gegeben, aus dem wir nicht hinauswirken können noch wollen; sie hat uns die Steine geschnitzt, deren Wert, Bewegung und Vermögen nach und nach bekannt werden; nun ist es an uns, Züge zu tun, von denen wir uns Gewinn versprechen. Dies versucht nun ein jeder auf seine Weise und lässt sich nicht gern einreden.
Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), deutscher Schriftsteller
UNSTERBLICHES
Anderssen gegen Kieseritzky, 1851
Das erste Turnier der modernen Schachgeschichte fand 1851 in London statt und sah den Breslauer Schulprofessor Adolf Anderssen als Überraschungssieger. Fortan durfte er als bester Spieler der Welt gelten. Besonders in Erinnerung geblieben ist seine Glanzpartie gegen Lionel Kieseritzky. Dabei wurde sie gar nicht in jener ersten Runde des im K.-o.-System ausgetragenen Turniers gespielt, in der Anderssen ebendiesen Kontrahenten mit 2:0 nach Gewinnpartien (bei einem Remis) aus dem Wettbewerb warf; es war eine der vielen freien Partien, die die in London versammelten Meister nebenher austrugen. Es heißt, Kieseritzky habe die Mehrzahl dieser Spiele gegen Anderssen, in denen es um nichts ging, gewonnen. Doch dieses eine verlor er mit Pauken und Trompeten. Anderssen, der die weißen Steine führte, opferte erst einen Bauern, dann einen Läufer, danach die beiden Türme und schließlich die Dame und krönte dieses Crescendo mit einem triumphalen Matt:
1. e4 e5 2. f4 exf4 3. Lc4 Dh4+ 4. Kf1 b5 5. Lxb5 Sf6 6. Sf3 Dh6 7. d3 Sh5 8. Sh4 Dg5 9. Sf5 c6 10. g4 Sf6 11. Tg1! cxb5 12. h4 Dg6 13. h5 Dg5 14. Df3 Sg8 15. Lxf4 Df6 16. Sc3 Lc5 17. Sd5 Dxb2 18. Ld6 Lxg1 19. e5!! Dxa1+ 20. Ke2 Sa6 21. Sxg7+ Kd8 22. Df6+! Sxf6 23. Le7#.
„Diese Partie braucht keine Kommentare“, urteilte Ende des 19. Jahrhunderts der russische Weltmeisterkandidat Michail Tschigorin, selber ein brillanter Angriffsspieler, über diese Opfer-Symphonie. „Jeder, der sie aufmerksam studiert, wird bemerken, mit welcher Folgerichtigkeit, Harmonie und Gründlichkeit Anderssen den Angriff von Anfang bis Ende durchgeführt hat.“
Entwickle die Bauern!
In der Eröffnung schnellstmöglich die Figuren zu entwickeln, lautet ein klassisches Prinzip. Dass es anders geht, demonstrierte der US-amerikanische Altmeister Frank Marshall in einer 1940 in New York gespielten Partie gegen einen gewissen Hyman Rogosin: 1. e4 c5 2. b4 cxb4 3. a3 Sc6 4. axb4 Sf6? 5. b5 Sd4 6. c3 Se6 7. e5 Sd5 8. c4 Sdf4 9. g3 Sg6 10. f4 Sxgf4 Der Springer ist ohnehin verloren. 11. gxf4 Sxf4 12. d4 Sg6 13. h4 e6 14. h5 Lb4+ 15. Ld2 Nach 14 Bauernzügen der erste Zug einer Figur! 15. … Lxd2+ 15. Sxd2 Se7 17. Se4 Sf5 18. h6! Endlich wieder ein Bauernzug. 18. … g6 19. Sf6+ Kf8 20. Sf3 d6 21. Sg5 dxe5 22. dxe5 Dxd1+ 23. Txd1 Ke7 24. Th3 b6 25. Lg2 Tb8 26. Sgxh7 aufgegeben.
Entwickle dich einseitig!
Erst wenn die Figurenentwicklung abgeschlossen ist, soll man einen Angriff einleiten. Aber wie alle Theorie wird dieser Grundsatz gelegentlich von der Praxis korrigiert. So in der folgenden Partie, in der Weiß auf die Entwicklung seiner Königsseite pfeift und allein mit den Figuren der Damenseite eine erfolgreiche Attacke reitet. Blackburne – N. N. (Manchester 1894): 1. e4 e5 2. Sc3 Sc6 3. f4 exf4 4. d4 d5 5. Lxf4 dxe4 6. d5 Df6 7. Dd2 Sce7 8. d6 Sg6 9. Sd5 Dxb2 10. Sxc7+ Kd8 11. Td1 Tb8 12. d7!! Lb4 13. Se6+! fxe6 14. Lc7+! Kxc7 15. d8D+ Kc6 16. D8d6+ Lxd6 17. Dxd6#.
Die Gesengte Sau oderTierische Eröffnungen
Drachenvariante: Diese Variante der sizilianischen Eröffnung (1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 g6) verdankt ihren Namen dem Kiewer Schachmeister und Hobbyastronomen Fjodor Dus-Chotimirski, dem die Ähnlichkeit der Bauernstellung d6-e7-f7-g6-h7 mit dem Sternbild des Drachen aufgefallen war. Als Drachen bezeichnet man auch den für diese Eröffnung typischen fianchettierten Königsläufer, der in seiner Höhle auf g7 lauert.
Eidechsenangriff: Zu ihm kommt es, wenn Weiß nach 1. Sc3 d5 2. e4 d4 3. Sce2 e5 den Hebel f2–f4 mit den Zügen d2–d3, g2–g3 und Lf1–g2 vorbereitet.
Elefantengambit: Dieses wird im Mittelgambit im Nachzug (1. e4 e5 2. Sf3 d5 3. exd5) durch 3. … Ld6 charakterisiert.
Gebratene-Leber-Angriff: Name im Zweispringerspiel (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6) für das nach 4. Sg5 d5 5. exd5 Sxd5 mögliche Springeropfer 6. Sxf7!?. Robert „Bobby“ Fischer verwendet den Namen, englisch: „Fried Liver Attack“, in seinem Buch Meine 60 denkwürdigen Partien im Kommentar seiner Partie gegen Arthur Bisguier (New York 1963).
Geier: Die vom deutschen FIDE-Meister und Theoretiker Stefan Bücker erfundene Eröffnung 1. d4 Sf6 2. c4 c5 3. d5 Se4.
Gesengte-Sau-Verteidigung: So nennt der englische Internationale Meister William Hartston in seinem Buch Wie man beim Schach bescheißt (deutsche Ausgabe 1986) die Flankeneröffnung 1. … b6 in Verbindung mit Lc8–b7 und d7–d6.
Habichd: Die Zugfolge 1. d4 Sf6 2. Sf3 c5 3. d5 c4, von Stefan Bücker 1986 ausgetüftelt. Der von ihm vorgeschlagene Name ist eine Verkürzung von „Hab ich dich“, doch wird der Eröffnungsname auch „Habicht“ geschrieben und ins Englische mit „Hawk“ übersetzt.
Hippopotamus: Bezeichnung für den schwarzen Aufbau mit den Bauern auf b6, d6, e6 und g6, den Läufern auf b7 und g7 sowie den Springern auf d7 und e7. In der 16. Partie des WM-Kampfes 1966 zwischen Tigran Petrosjan und Boris Spasski wurde er auf höchster Ebene erprobt: 1. d4 g6 2. e4 Lg7 3. Sf3 d6 4. Le2 e6 5. c3 Sd7 6. 0-0 Se7 7. Sbd2 b6 8. a4 a6 9. Te1 Lb7. Die Partie endete im 49. Zug remis.
Igel: Ebenfalls nicht Name einer speziellen Zugfolge, sondern Bezeichnung für einen Stellungstyp. Der schwarze c-Bauer wird gegen den weißen d-Bauern getauscht, während alle anderen schwarzen Steine nicht über die sechste Reihe hinausrücken; zentral ist der schwarze e-Bauer auf e6. Auf der Gegenseite sind die auf c4 und e4 postierten Bauern typisch. Meist wird der schwarze Damenläufer nach b7 entwickelt und der Damenspringer nach d7. Ein Beispiel ist der Partieanfang 1. c4 c5 2. Sf3 Sf6 3. g3 b6 4. Lg2 Lb7 5. 0-0 e6 6. Sc3 Le7 7. d4 cxd4 8. Dxd4 d6 9. Tfd1 a6 10. Lg5 Sbd7. Wahrscheinlich war es William Hartston, der in den 1970er Jahren diesen Stellungstyp „Hedgehog“ (deutsch: „Igel“) nannte.
Ochsenfroschgambit: Das Bauernopfer 1. d4 Sf6 2. g4. Es kam 1950 (nach anderen Quellen erst 1967) in einem sowjetischen Vereinsmatch zwischen David Bronstein und Wladimir Simagin aufs Brett. Es folgte 2. … d5 3. g5 Se4 4. f3 Sd6 5. e4!? dxe4 6. fxe4 e5! 7. dxe5 Dxd1+ 8. Kxd1 Sxe4, und die beiden gut befreundeten Spieler einigten sich auf Remis. Aufgrund dieser Partie spricht man auch von „Bronstein-Gambit“. Der Ursprung der Bezeichung „Ochsenfroschgambit“ (englisch „Bullfrog Gambit“) ist unbekannt.
Orang-Utan: Als die Teilnehmer des New Yorker Turniers 1924 an einem spielfreien Tag den Zoo besuchten, erinnerten Savielly Tartakower die hurtig im Geäst turnenden Affen an den behände das Brett hinaufkletternden b-Bauern in der damals hypermodernen Eröffnung 1. b2–b4.
Tiger: Das Königsfianchetto in Verbindung mit dem Zug a7–a6, zum Beispiel: 1. e4 g6 2. d4 Lg7 3. Sc3 d6 4. Le3 a6. Seit 2005 propagiert der schwedische Großmeister Tiger Hillarp Persson diese auf nahezu alle weißen Eröffnungszüge mögliche Spielweise, die er praktischerweise auf seinen Namen getauft hat: Tiger’s Modern heißt sein damals erschienenes Buch.
Das Zweispringerspiel
Weltmeister Emanuel Lasker hielt einen Vortrag über Schacheröffnungen und wurde von einem jungen Zuhörer um einen Tipp für das Zweispringerspiel gebeten. Lasker zeigte ihm ein paar Varianten und fragte, ob ihm das weiterhelfe. Der Zuhörer schüttelte den Kopf: „Sie meinen ein ganz anderes Zweispringerspiel“, seufzte er. „Meister Walbrodt spielt ab und zu gegen mich. Immer gibt er mir zwei Springer vor, und dagegen komme ich einfach nicht an!“
Poetische Eröffnungen
Weil die Bauern aus der Anfangsstellung nur ein Feld vorrücken durften und die Figuren bis auf den Turm kurzschrittig waren, entwickelte sich im mittelalterlichen Schach das Kampfgeschehen langsam. Um die Zeit abzukürzen, bis die Partie in Fahrt kam, benutzten die arabischen Meister daher vorgegebene Ausgangsstellungen, in denen schon bis zu 20 Züge geschehen waren. Wie die Eröffnungen im modernen Schach hatten diese Tabiyen (Einzahl: Tabiya), von denen es etwa zwei Dutzend gab, Namen, darunter romantische und bildhafte, beispielsweise „Die mit Flügeln Versehene“, „Der Reichgeschmückte“, „Der Weise“, „Das Schwert“, „Der reißende Strom“.
WUSSTEN SIE SCHON …
dass die mittelalterlichen islamischen Theologen das Schachspiel widerwillig duldeten, aber schließlich als gottgefällig erklären mussten, weil es in den eroberten Regionen von Indien bis Nordafrika äußerst beliebt war? Allerdings sorgten sie dafür, dass das Bilderverbot eingehalten wurde und die Schachsteine mehr abstrakte Formen annahmen. Abgewandelt sind sie bis heute in Gebrauch.
WAS NUN?
In der Schachliteratur gilt der Grundsatz: Gute Leser sollen auch gute Löser sein! Darum werden Ihnen auch in diesem Buch kleine Aufgaben gestellt.
Soll Schwarz in nachstehender Stellung sein Glück mit 1. … Dg3 versuchen oder kann er es auf andere Weise erzwingen?
Gata Kamsky – Peter Svidler (Chanty Mansijsk 2011)
Lösung:
Schwarz brauchte kein Glück, sondern bewies großes Können: Mit 1. … Te2!! knallte er den Zug des Turniers aufs Brett. Der Hintergedanke des auf den ersten Blick sinnlosen Turmopfers: Nach 2. Dxe2 Dg3! (jetzt erst!) kann Weiß nicht mehr mit 3. Sc6 die Diagonale sperren, was nach sofort 1. … Dg3 der Fall gewesen wäre. Weiß musste 2. Dc3 ziehen und gab nach 2. … Txf2 3. Sc6 Txf1+ auf.
WUSSTEN SIE SCHON …
dass die Regel, der zufolge Bauern, die die letzte Reihe erreichen, in eine Figur umgewandelt werden, erst im 16. Jahrhundert aufgestellt wurde?
dass dieser Bauer in Spanien ausschließlich in eine Dame, in Frankreich und Deutschland nur in eine bereits geschlagene Figur umgewandelt werden konnte? War noch keine Figur aus dem Spiel genommen, musste der Bauer so lange auf der Grundreihe warten.
dass ein Spieler auf die Umwandlung verzichten und den Bauern stehen lassen konnte?
dass die heutigen Bauernumwandlungsregeln erst seit dem Londoner Turnier von 1851 gelten?
dass heutzutage in über 99,9 Prozent der Fälle der Bauer in eine Dame umgewandelt wird?