Czytaj książkę: «Das Niklasschiff • Der Guckkasten»

Czcionka:

Paul Keller

Das Niklasschiff • Der Guckkasten

Zwei Erzählungen

Saga

Das Niklasschiff • Der Guckkasten

German

© 1907 Paul Keller

Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen

All rights reserved

ISBN: 9788711517314

1. Ebook-Auflage, 2016

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com – a part of Egmont, www.egmont.com

Das Niklasschiff

Zu mir kam der Nikolaus nie. Dagegen in jedem Jahr zu unserem Nachbarssohne, dem reichen Mühl-Karl. In der Schule zeigte er mir dann an jedem 6. Dezember die schönen Sachen, die er geschenkt bekommen hatte.

Ich muß sagen, daß ich einen Groll auf den Niklas hatte. Auch dann noch, als mir meine kluge Tante gesagt hatte:

„Siehst du, wir haben so ein kleines Haus, da ist es schon leicht möglich, daß es der Nikolaus übersieht. Denn er ist nun doch einmal ein alter Mann.“

Das ließ ich mir eine Reihe von Jahren gefallen, als ich aber zehnjährig war, beschloß ich, mich an den Weg zu stellen, dem Nikolaus aufzulauern und ihn auf unser kleines Haus aufmerksam zu machen.

Um ½8 käme er immer, hatte mir Karl verraten. Gut, um ½8 stand ich auf der Straße vor der Mühle und paßte auf.

„Herr Nikolaus,“ wollte ich sagen, „bitte schön, ich wohne dort drüben! Dort in dem kleinen Hause, wo der Kastanienbaum davorsteht! Wenn Sie bis an den Kastanienbaum herangehen, werden Sie das Haus schon sehen. Ich kann den Katechismus noch besser als der Karl, und ich hab’ bei der Schulprüfung eine Prämie gekriegt, und er nicht!“

So wollte ich sagen. Ich hatte lange nachgedacht über diese Ansprache und konnte sie sehr gut auswendig.

Ach, es war eine von den schönen Reden, die nicht gehalten werden. Denn als der Niklas wirklich kam, ein großer Mann mit einem wilden, langen Bart, mit einem umgedrehten Zottelpelz und einem Strohseil-Gurt, da verließ mich der Mut, und ich wäre hinter dem Lattenzaune, wo ich steckte, fast gestorben vor Angst, als er vorbeiging.

Erst, als er weit weg war, bekam ich all meinen Mut wieder und schrie:

„Herr Niklas! — Herr Niklas! — Ich wohne dort drüben — dort in dem kleinen Hause, — bei dem Linden- — nein, bei dem Kastanienbaume, — hören Sie, bei dem Kasta — nien — baume!“

Er wandte sich nicht um, er verschwand in der Mühle.

Ich zitterte am ganzen Leibe, und zornige Tränen kamen mir in die Augen.

Ich würde auch dieses Jahr nichts kriegen. Das war klar! Denn der Niklas hatte die Ohren verbunden gehabt.

Außerdem — die zwei wichtigsten Dinge, Katechismus und Schulprämie hatte ich vergessen.

In dieser Nacht lag ich eine qualvolle, lange Viertelstunde schlaflos wach im Bett. Ich wußte, daß ich nie wieder glücklich sein würde im Leben. Aber dann kam der große Tröster, der so wonnig zu lügen versteht, der Schlaf. Er löschte meine Leiden aus und stellte ein holdes Glück an ihre Stelle. Er erzählte mir, ich hätte zwei Bleisoldaten vom Niklas erhalten, einen blauen und einen roten.

*

Am anderen Tage hatte richtig der Mühl-Karl wieder eine ganze Menge Sachen mit in der Schule. Ich wollte anfangs nichts davon ansehen, als er aber ein kleines Holzschifflein auf die Schulbank stellte, war es aus mit meiner Selbstbeherrschung.

Ach, es war ein süßes, süßes Schifflein! Es hatte einen Mastbaum und zwei Segel, ja sogar einen kleinen eisernen Anker. An der Seite stand der Name des Schiffes:

„St. Niklas!“

Ich weiß heute noch, wie ich damals plötzlich den Kopf auf die Schulbank legte und bitterlich zu weinen anfing. Die anderen Kinder lachten anfangs, dann redeten sie auf mich ein, zuletzt lief eines nach dem Lehrer.

Ich sagte auch dem Lehrer den Grund meiner Tränen nicht. Aber ich hörte auf zu weinen. Ein wilder Trotz überkam mich. An diesem Tage ließ ich den Mühl-Karl die Rechenaufgaben nicht abschreiben, und als er gerügt wurde, freute ich mich.

Da hätte nur jetzt mal der Niklas zum Fenster reingucken sollen, wie sein geliebter Mühl-Karl getadelt wurde und ich so stolz in der Bank saß und eine Tafel hatte, auf der alles richtig herauskam!

O, ich war auf dem Wege, ein schlechter Kerl zu werden! Ich bekam nicht einmal Gewissensbisse, als mich auf dem Heimwege der Karl trotz allem, was vorangegangen war, freundlich einlud, mit ihm am Nachmittag das Schiffchen auf dem Mühlbach schwimmen zu lassen.

Nein, ich schlug es ab. Ja, ich setzte etwas hinzu, was mir nur in der tiefen Verbitterung meines Herzens einfallen konnte:

„Überhaupt sind wir mit euch verfeindet! Denn mein Großvater hat mit deinem Vater einen Prozeß wegen dem Brunnen gehabt und da hat mein Großvater alles unschuldig bezahlen müssen.“

So wurde aus der Feindschaft der Alten auch eine Feindschaft der Kinder.

Es vergingen fast zwei Wochen. Der Lehrer fand, daß der Mühl-Karl nicht nur im Rechnen, sondern auch im Aufsatz sehr zurückgegangen sei. Du lieber Gott! Der Lehrer hatte 110 Schüler in vier verschiedenen Abteilungen; der konnte wirklich hinter die Schliche solcher Intriganten, wie ich einer war, nicht kommen.

Zu meiner Ehre kann ich wahrheitsgetreu angeben, daß ich mich über die Rügen, die der Mühl-Karl bekam, nicht mehr freute. Wenigstens nicht mehr so heftig freute, wie am 6. Dezember.

Am 20. Dezember trat der Karl auf dem Heimwege abermals an mich heran.

„Komm doch heute mit mir Schiffel fahren!“ sagte er.

Ich sehe jetzt noch, wie bittend ihm die braunen Augen aus dem roten, robusten Gesicht leuchteten. Einen Augenblick schwankte ich. Aber der Groll siegte.

„Gelt, daß ich dich dafür morgen abschreiben laß! Ich werd’ mich schön hüten!“

Und ich wandte ihm den Rücken.

Es war eine schwere Schuld, die ich auf mich lud.

Am selben Tage, kurz ehe die Dämmerung hereinbrach, sah ich die Müllerin schreiend über den Hof laufen, gleich hinterher rannte der Müller, dann die Dienstboten, zuletzt humpelte sogar die lahme Mühl-Großmutter bis vors Tor.

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
05 maja 2025
Objętość:
21 str. 1 ilustracja
ISBN:
9788711517314
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania: