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Olrik

Ganz weit oben: Erika Lust-Erotik

Lust

Ganz weit oben: Erika Lust-ErotikÜbersetzungRebecca Jakobi Original Helt oppe at flyveCopyright © 2018, 2019 Olrik und LUST All rights reserved ISBN: 9788726151657

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach

Absprache mit LUST gestattet.

Ganz weit oben

Es war einer dieser Urlaubstage, an denen ich einfach nur in Jogginghose herumgammeln und eine der vielen Serien auf Netflix oder HBO komplett durchschauen wollte, da ich sonst nie dazu kam.

Als ich aber aufwachte, schien die Sonne und keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen. Dabei hatte der Wetterbericht Regen und Sturm versprochen.

Es wäre schon etwas merkwürdig, trotzdem hinter geschlossenen Gardinen fernzusehen. Schließlich war ich weder krank, noch verkatert.

Allerdings hatte ich mir für diesen Tag nichts vorgenommen. Streng genommen auch nichts für den Abend.

Ich bin sechsundzwanzig Jahre alt und Single. Nicht erst seit gerade eben – eigentlich war ich nie etwas anderes. Doch, doch, ich hatte auch schon mal etwas, das man Beziehung nennen könnte, bin aber nie an dem Punkt angelangt, an dem man überlegt zusammenzuziehen oder es zu etwas Ernstem wird. Und das liegt eindeutig an mir.

Einige meiner Freundinnen sind verheiratet und haben Kinder. Schon oft wurde ich am späten Abend, wenn wir Wein getrunken hatten, zum Gesprächsthema. Denn warum hat Maya eigentlich keinen Freund? Oder besser: Warum hatte Maya noch nie einen Freund?

Das weiß ich selbst genauso wenig.

Die einfachste Erklärung ist, dass ich schlicht und einfach nie verliebt war. Mittlerweile finden meine Freundinnen das so seltsam, dass mich das fast zu einem größeren Freak macht, als die Tatsache, dass ich nie eine richtige Beziehung hatte.

Aber es ist nun mal wahr.

Ich kann mich schon darin hineinversetzen, wenn die anderen erzählen, dass sie verliebt sind. Doch so hat es sich bei mir selbst einfach noch nie angefühlt.

Ich habe nette Männer gedatet, witzige Männer, schöne Männer, an Auswahl hat es mir also nicht gefehlt. Ich liebe Sex – das ist also auch nicht das Problem.

Vielleicht liegt es teilweise daran, dass ich mit vierzigtausend Einwohnern in einer relativ kleinen Stadt lebe und es den, den ich suche, hier einfach nicht gibt.

Ich sehe relativ normal aus. Brünett, schlank und sportlich. Ach ja, vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich gelernte Flugmechanikerin und Pilotin bin. Nicht, dass das im Jahr 2018 noch etwas Besonderes wäre, aber es gab auf jeden Fall Typen, die offenbar der Meinung waren, ich sei ein halber Junge.

Ein sonniger Urlaubstag ohne feste Pläne kann jedenfalls gewaltig lang werden, wenn man keine Beziehung hat und alle Freunde auf der Arbeit sind. Deshalb war ich ganz erleichtert, als mein Bruder Jimmy anrief und in höchst bettelndem Tonfall fragte, ob ich es unter Umständen einrichten könnte, zu unserem Hangar zu fahren, wo er ein Flugzeug mit Motorpanne stehen habe.

Unser Hangar liegt mitten im Nirgendwo und beherbergt vier kleine Cessna-Modelle, die wir von unserem Vater geerbt haben. Wir machen damit kein allzu lukratives Geschäft, aber es reicht Jimmy, um davon zu leben und wenn wir genug Kunden haben, kann ich mir auch ein bisschen was dazuverdienen. Außerdem haben wir unser Angebot erweitert. Wir bieten Flugstunden für angehende Privatpiloten an und haben uns einen festen Kundenstab aus Geschäftsleuten aufgebaut, die den Weg zu ihren Terminen per Flieger antreten. Doch über dieses Geschäft hinaus, das wir von unserem Vater übernommen haben, haben wir auch Rundflüge für ganz normale Menschen eingeführt, denen einfach nach einem Landschaftsflug ist. Mal ist es ein Konfirmationsgeschenk, mal ein Polterabend oder – was ich jetzt zwei Mal hatte – ein romantischer Heiratsantrag.

Wir können aber immer noch nicht beide davon leben. Mein Job als Fitnesstrainerin ist ganz okay, aber ich würde auf jeden Fall lieber Vollzeit im Hangar arbeiten. Ich plane außerdem, Kurse für Menschen mit Flugangst anzubieten, wobei diese Idee noch in den Kinderschuhen steckt und wohl eine Weiterbildung verlangen würde, um die ich mich noch nicht gekümmert habe. Ich habe jedoch meine eigene kleine Theorie, wie ich in dieser Hinsicht nachhelfen kann.

Jimmys Anruf kam wie eine willkommene Antwort darauf, womit ich meinen sogenannten Urlaubstag verbringen sollte und ich versprach, den Flieger wieder hinzubekommen, fügte jedoch hinzu, dass ich ihm seine Entschuldigung, er könne wegen einer Halsentzündung nicht selbst zum Hangar fahren, nicht abkaufte.

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