Czytaj książkę: «Rhein in Flammen - Kurzkrimi»

Czcionka:

Mischa Bach

Rhein in Flammen - Kurzkrimi

Saga

Rhein in Flammen – KurzkrimiCopyright © 2000, 2019 Mischa Bach und SAGA EgmontAll rights reservedISBN: 9788726086683

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

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Rhein in Flammen

Ich war seit fünf Minuten da und kämpfte ebenso lang mit dem Bedürfnis, wieder abzuhauen. Der Rhein floß träge dahin, angeblich sauberer denn je, aber davon sah ich nichts. Ich sah die Brücke – eine architektonische Scheußlichkeit –, den stillgelegten, grauen Atommeiler, die Fabriken am anderen Flußufer, und schaute dabei sehnsüchtig den Lastkähnen nach, die gemächlich, aber unaufhaltsam der sommerlich-schmalen Fahrrinne Richtung Meer folgten.

»Du hast es versprochen, Gabriel«, sagte sie leise. Ich ignorierte ihre vorwurfsvolle Stimme, starrte weiter aufs Wasser, auf den Fluß, blickte rüber zum Pegelturm. An der großen Treppe legten zwei Achter an, inzwischen war selbst den Trainern klar, daß die Nachmittagssonne zu heiß zum Rudern vom Himmel herunterbrannte. Mir fuhr ein kalter Schauer den Rücken runter, ich konnte dieses Ding, das Wahrzeichen der Stadt, noch nie leiden. Um mich abzulenken, kramte ich im Seesack, der neben mir auf der Deichmauer stand, nach dem Tabak und drehte mir eine Kippe.

»Gabriel, nun mach schon.« Sie hatte keine Geduld. Für sie mußte der Kohlenschipper, mit dem wir damals hier weg sind, die reinste Qual gewesen sein – schnell sind die Dinger wirklich nicht. Mich hat das nie gekümmert, solange unter dem Boden, auf dem ich stand, mehr als eine Handbreit Wasser floß, spielte es keine Rolle, wie schnell oder langsam es zu welchem Ziel auch immer vorwärts ging. Ich war schon alles mögliche gewesen, was man auf einem Boot sein kann – blinder Passagier, Schiffsjunge, eine Art Heizer, Koch, Steward, vorübergehend auch Steuermann und jetzt, das heißt, das nächste Mal, wenn alles gut ging, Skipper. Aber im Grunde war das alles nicht wichtig, wichtig war, auf dem Wasser und in Bewegung zu sein.

»Warum sitzen wir immer noch hier?« Langsam wurde sie ungemütlich. Okay, konnte ich ja verstehen, für sie ging es um alles oder nichts, sie hatte jahrelang darauf gewartet und mir seit Monaten damit in den Ohren gelegen. »Gabriel, du mußt das für mich tun, allein kann ich das nicht«, so hatte es angefangen, »erst dann habe ich Ruhe. Und dann bist du frei, ich verspreche es Dir, wenn du mir versprichst...«

Seufzend stand ich auf, schulterte den Seesack und ging zur Treppe, um hinunter zum Ufer, zu den Anlegestellen zu gelangen. Das Restaurant Rheinblick hatte nur blinde Fenster, war schon wieder renovierungsbedürftig, anscheinend waren wir beide nicht das einzig kaputte, was diese Stadt zu bieten hatte.

Auf der Treppe rempelte mich eine junge Frau an, die ihren Hund Gassi führte. Gudrun, die ehemalige Schulschönheit aus der zehnten Klasse, dick geschminkt und mit geschmacklosem Schmuck behangen wie immer.

»‘tschuldigung«, murmelte ich, den Blick nach unten gesenkt, während ich eilig weiterging. Ich meinte, ihre Blicke im Rücken zu spüren, mußte mir klarmachen, daß sie mich nicht erkennen konnte, nicht nach all dem, nicht nach all den Jahren. Tatsächlich, als ich mich unten angekommen noch einmal umsah, war Gudrun verschwunden, sie hatte mir also nicht mal nachgesehen. Warum auch – ihr Typ trug vermutlich Armani und fuhr Porsche. Sie hätten wohl nicht mal die Luxusjachten gereizt, die ich für Reiche und Exzentriker überführte; das viele Wasser hätte ja nur ihr Make-up bedroht ...

Auf der Uferpromenade war es ruhig, nur ein paar Jogger und Spaziergänger zogen ihre Runden. An den Deichtoren wurde zum x-ten Mal gebaut, das würden die Touristen, die heute abend in Scharen anreisten, nicht mögen. Baustelle bedeutete Absperrung, das bedeutete eingeschränkte Parkmöglichkeiten und weniger Plätze, von denen aus sie sich die Halswirbel ausrenken könnten. Heute nacht würde es hier vor Menschen nur so wimmeln, die mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen in den Himmel starrten, um den Rhein in Flammen zu bewundern. Und gleich nebenan das romantische Stadtschloß mit angrenzendem Stadtpark, das ließ keine Wünsche offen. Außer vielleicht, daß ich mich schon immer gefragt hatte, wohin die Stricher, deren Revier dieser Teil des Rheinufers sonst war, bei solchen Gelegenheiten auswichen und was sie von dem ganzen Trubel hielten. Nun ja, ob das nächtliche Ufer voller Touristen war, die nur für sich und das Spektakel Augen hatten, oder nur ein paar Stricher und Freier hier rumhingen, die wußten, daß man besser nichts sah, wenn man selbst nicht gesehen werden wollte, spielte für mich keine Rolle. Sie dagegen hatte auf genau dieser Nacht bestanden – krachendes Feuerwerk und eine nichtsahnende, nichtssehende Öffentlichkeit, das war für sie genau der passende Rahmen: »Du hast selbst gesagt, Feuer auf dem Wasser, das ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Und das, was mir passiert ist, war genauso – Feuer auf Wasser, kein Ausweichen, keine Flucht möglich.«

Wenn sie es so wollte und es den Job leichter machte, warum nicht, hatte ich mir gedacht. Überhaupt hatte ich versucht, mir keine großen Gedanken über unser Vorhaben zu machen, es war verrückt, es war riskant, und es war nötig – für sie wie für mich –, das mußte reichen.

Die Anlegestelle hatte ich schnell gefunden; sie war dank der Baustelle ganz ans Ende des Uferstücks gerückt, lag jetzt fast unmittelbar neben dem Eingang zum Stadtpark. Nicht nur das Schiff war auf Hochglanz poliert – die Motorjacht Madeleine, ehemals als kleiner Vergnügungsdampfer genutzt, stritt sich mit den kreischenden Möwen, den Schäfchenwolken und der Persilwerbung um das weißeste Weiß, selbst die Schilder am Steg blitzten und blinkten: »Betreten auf eigene Gefahr«, »Bei Glätte nicht gestreut«, »Privatbesitz – Betreten verboten«. Wenn es um seine Absicherung ging, war ihm nichts sicher oder teuer genug. Und teuer sah auch das letzte und größte Schild aus, teuer und edel wie seine Jacht: »Rhein in Flammen mit exklusivem Captain’s Dinner – nur für geladene Gäste«. Ich zögerte einen Moment vor dem Gittertor, das den Steg von der Uferpromenade trennte.

»Worauf wartest du«, sagte sie, fast fröhlich, erleichtert wohl, weil jetzt der Anfang vom Ende begann.

Der Kapitän der Madeleine hatte die Mannschaft von Bord geschickt, um sich ungestört den leidigen Papieren und den noch leidigeren Überlegungen, den Bootseigner und Gastgeber der heutigen exklusiven Privatparty, Stadtrat Dr. Berler betreffend, widmen zu können. Rhein in Flammen war für die Tourismusindustrie der Region ein wichtiges Ereignis, aber für Kapitän Matthäus war es mehr. An diesem Abend ging es um die Frage, was mit der Madeleine geschehen sollte. Dr. Berlers Familie hatte immer Rheinschiffe, seit der Jahrhundertwende vor allem Vergnügungsdampfer, besessen, dann aber lukrativere Einnahmequellen an Land entdeckt und in den letzten zehn Jahren die Flotte langsam, aber sicher ausgedünnt. Heute besaß die Familie – das heißt, der Stadtrat, denn Erben gab es wohl keine mehr – neben der Madeleine nur noch einen Vergnügungsdampfer. Einzig der Tatsache, daß die Stadt, in deren Rat Dr. Berler saß, ihren wie seinen Namen mit dem Fluß verband, und der Überzeugungskraft von Kapitän Matthäus war es zu verdanken, daß diese Schiffe noch unter altem Namen fuhren. Und jedes Jahr zu Rhein in Flammen gab es dieselbe Diskussion zwischen Eigner und Kapitän – abschaffen oder weitermachen ...

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26 str. 1 ilustracja
ISBN:
9788726086683
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Bookwire
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