Czytaj książkę: «101 Dinge, die man über Golf wissen.»

Glücksfall Golf: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, wusste schon Friedrich Schiller.
Michael F. Basche
101 Dinge die man über Golf wissen muss

Inhalt
Vorwort
1Das Märchen vom gelangweilten Schäfer | Die Golf-Frühzei
2Gowf und die „wilde 13“ | Die Wiege des Spiels
3Gents und grobe Gesellen | Die Gründerväter
4Der Allvater | Old Tom Morris
5It’s All About the Money | Golf und Geld
6Der Kronprinz im Kurpark | Die Geburt von Golf in Deutschland
7Tee to Green | Die Komposition einer Golfbahn
8Loch an Loch mal 18 | Die Partitur des Platzes
9Große Oper | Architektur und Design
10Mehr als nur Rasenmähen | Das Greenkeeping
11Schwingel und der Kuckuck | Braunes Gras ist besseres Grün
12Refugien für Fauna und Flora | Golf und Ökologie
13Golfer haben gern ’nen Vogel | Begriffe von Tee bis Fahne
14Das Runde muss ins … Runde | Der Ball und das rechte Maß
15Knüppel, Kellen, Klingen | Das Golfbesteck im Lauf der Zeit
16Länge, Loft und Lie | Der moderne Golfschläger
17Soweit die Bälle fliegen | Das Problem der Längen-Inflation
18Luxus im Bag | Die teuersten Schläger der Welt
19The Outer Space | Bälle auf dem Mond und schwarze Löcher im Bag
20Play the Ball as It Lies | Golf als Spiegelbild des Lebens
21Das Spielfeld zwischen den Ohren | Golf ist zuerst Kopfsache
22Rotation auf schiefer Ebene | Der Golfschwung
23Die Lehrmeister | Die Gilde der Golfcoaches
24Vom Doktor verschrieben | Golf und Gesundheit
25Schönes Spiel, Kurzzeitfreund | Das Tages-Du und andere Sitten
26Die Gralshüter | R&A, USGA und andere
27Schwere Kost | Das Regelwerk
28Rickie Fowlers Hemd | Die Etikette
29Gleichmacherei als Rechenspiel | Das Handicap
30Das Spiel der Gentlemen | Amateurgolf
31Die neun Leben der Großkatze | Tiger Woods
32Mr. Consistency | Bernhard Langer
33Der Tiger seiner Zeit | Tom Morris Jr.
34Der goldene Bär | Jack Nicklaus
35„Der König unseres Spiels“ | Arnold Palmer
36Wolf mit dem Engelsgesicht | Robert Tyre „Bob“ Jones Jr.
37The Black Knight | Gary Player
38The Hawk | Ben Hogan
39Die Erben | McIlroy, Koepka und Co.
40Der verrückte Wissenschaftler | Bryson DeChambeau
41Mädchen für alles | Die Caddies
42Jeder Sport hat seine Exzentriker | John Daly und Walter Hagen
43Der G.O.L.F.-Unsinn | Die Frauen und das Spiel
44Die No. 10 | Annika Sörenstam
45Das Fräuleinwunder | Thompson, Henseleit und Asiens Übermacht
46Der moderne Grand Slam | Die Majors bei Herren und Damen
47Das Über-Turnier | The Masters
48Macht, Moneten, Mauschelei | Der Augusta National Golf Club
49Kuhweiden-Billard mit 200 Ians | Die Open Championship
50Der härteste Test im Golf | Die US Open
51Das Major-Leichtgewicht | Die PGA Championship
52Eine Frage der Ehre | Ryder Cup und Solheim Cup
53Abschlag im Zeichen der Ringe | Golf und Olympia
54Kannen, Kübel, Kuriositäten | Die Siegestrophäen im Golf
55Prädikat königlich | Die royalen Golfclubs
56Arnie und das Aschenbrödel | Golf begründet Sportmarketing
57Das Millionenspiel | Der Profizirkus
58Reben, Rosse, Rasenbau | Die Nebengeschäfte der Profis
59Die Komponisten | Große Golfplatzarchitekten
60Da Vinci auf dem Dozer | Die Kunst des Golfplatzbaus
61Golf für den guten Zweck | Charity-Programme und Stiftungen
62Kuratierte Passion | Golf in der Kunst
63Taschenratten und Goldfinger | Golf im Film
64Virtuose Erzählkunst | Golf in der Literatur
65Rauer Stein, kreatives Design | Ikonische Clubhäuser
66Das Bewahren der Flamme | Golf im Museum
67Das Wasser des Lebens | Golf und Whisky
68Golfimbul und sein Kopf | Golf in Mythen und Märchen
69Ich golfe, also bin ich | Prominenz am Ball
70Fairways für Feinschmecker | Golf und Kulinarik
71US-Präsidenten und andere | Golf und Politik
72„Lasst mich einfach spielen“ | Rassismus im Golfsport
73Hast du noch Sex …? | Golf und Klischees
74Das Partyloch von Phoenix | Einmal sind die Golffans Hauptdarsteller
75Spaß im zweiten Stock | Das Phänomen Topgolf und andere Ranges
76Wenn zwei sich streiten | Die großen Duelle im Golf
77Golfwelt auf Knopfdruck | Das Spiel am Simulator
78„Ich kann’s“ | Witze über Golf
79Spieltrieb | Trickgolfer, Fußball- und Disc-Golf
80Auf Sand gebaut | Linkskurse und andere
81Die Alma Mater | Der Old Course in St. Andrews
82Georgia on My Mind | Der Kurs von Augusta National
83Die Wiege des Spiels | Schottland
84Smaragd-Insel | Die beiden Irland
85Die Meisterschüler | England und Wales
86Grand mit Dreien | Kontinental-Europa
87Die Mischung macht’s | Deutschland
88Kontinent der Vielfalt | Afrika
89Anfang unterm Apfelbaum | Nordamerika Ost
90Juwelen am Pazifik | Nordamerika West
91Qual der Wahl im tiefen Süden | Süd- und Mittelamerika, Florida und Co.
92Sandkastenspiele | USA, Mittlerer Westen
93Extraklasse in Down Under | Australien und Ozeanien
94Boom-Markt der Golfwelt | Asien, indischer Subkontinent
95Drama, more Drama, Baby! | Drei Beispiele für spektakuläres Golf
96Abschlag unter Lebensgefahr | Die gefährlichsten Plätze
97Neue Spieler braucht das Land | Golf im Wandel von Gesellschaft und Freizeit
98Kleine Fläche, großes Golf | Kurzplätze und Reversible Courses
99Sie wollen bloß spielen | Der Golfclub als Auslaufmodell?
100Das Rundum-Wohlfühl-Programm | Golfresorts
101Die Resilienz des Spiels | Golf in der Zukunft
Bildnachweis | Quellen
Impressum
Vorwort
„Golf ist trügerisch einfach und unendlich kompliziert; es befriedigt die Seele und frustriert den Intellekt. Es belohnt und macht gleichzeitig verrückt – und es ist ohne Zweifel das großartigste Spiel, das die Menschheit je erfunden hat.“
Arnold Palmer
Wohl keine seiner Leidenschaften ist dem Homo ludens, dem spielenden Menschen, zu einem solchen Facettenreichtum gediehen wie Golf: Athletik und Ästhetik, Konzentration und Koordination, Architektur und Literatur, Kunst und Kultur, Begegnung und Business, Lebensart und Lebensfreude … Der vorliegende „101 Dinge“-Band ist diesem Kaleidoskop gewidmet. Er soll Geschichte und Geschichten erzählen und ein Spiel vermitteln, das man vornehmlich gegen sich, seine Befindlichkeiten und Attitüden, allenfalls noch gegen den Platz und die Natur spielt. Bei dem der Weg das Ziel ist, die beinahe suchthafte Suche nach der einen Runde. Das uns unterwegs schonungslos mit dem eigenen Charakter konfrontiert, wenn man Reflexion zulässt. Dessen Wesen die Imperfektion ist – ohne Aussicht auf Erlösung.
So wie mein Spiel von meist erheiternder Unvollkommenheit ist, erhebt auch dieses Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Golf-Gesamtheit auf nicht mal 200 Seiten zu entfalten, wird umgehend zur Qual der (subjektiven) Wahl. Vieles greift ineinander, manches überschneidet sich, etliches ist zu verallgemeinern, Auslassungen sind unvermeidlich. Etablierte „Tiger“-Golfer sollen Interessantes finden, „Rabbit“-Neulinge Essenzielles. Idealerweise ist für alle was dabei. Und womöglich animiert das eine und andere Thema ja zu tiefer gehender Neugier. Oder gar zum Griff nach dem Schläger. Dann hätten meine Zeilen ihren Anspruch übererfüllt; mehr kann sich ein Autor nicht wünschen.
Zu guter Letzt: Vorworte sind für persönliche Anmerkungen da, und so gilt von Herzen ein inniger Dank den Menschen, die mich aus nächster Nähe (nicht nur) durch mein Golfjournalisten-Leben begleiten. Die Betreffenden wissen, wer gemeint ist. Ein großes Dankeschön geht zudem an jene Freunde und Partner, die mich bei der Bereitstellung von Fotos unterstützt haben – sie sind im Bildnachweis aufgeführt und verdienen freundliche Berücksichtigung.
Und nun: Vergnügliche Lektüre und schönes Spiel!
Köln, im Sommer 2020Michael F. Basche
1 Das Märchen vom Schäfer
Die Golf-Frühzeit
Es war einmal … So fangen gemeinhin Märchen an, auch dieses: Es war einmal ein schottischer Schäfer, der auf den Küstenwiesen vor der Stadt seine flauschigen Schützlinge hütete und zum Zeitvertreib mit dem krummen Ende des Hirtenstabs Kiesel in Kaninchenlöcher drosch – voilà, Golf war erfunden! Eine andere Fama besagt, dass schottische Soldaten einen Vorläufer namens Chole kennenlernten, während sie in der Schlacht von Baugé 1421 die Franzosen beim Hundertjährigen Krieg gegen England unterstützten.
Oder Golf wurde einfach durch den Wollhandel mit den Niederlanden „eingeschleppt“. Denn dort kannte man das „Spel metten Kolven“ schon, da schlugen sich die Tartan-Clans noch lieber den Schädel ein als spielend durch die Dünen zu toben. Das ist amtlich: Am 26. Februar 1297 fand in Loenen aan de Vecht ein Wettspiel statt, bei dem ein Lederball in ein entferntes Ziel zu bugsieren war.
Wollige Wurzeln: Entweder hat’s ein gelangweilter schottischer Schäfer erfunden, oder Golf wurde durch den Handel mit den Niederlanden „eingeschleppt“.
Spel metten Kolven: Schon im 13. Jahrhundert trieben die Holländer Kugeln über Wiesen und übers Eis. Schlagballspiele sind so alt wie die Menschheit.
Was die Holländer auf ihren Wiesen und winters auf gefrorenen Kanälen veranstalteten, sah eher nach Hockey und Eishockey aus, aber die Menschheit amüsiert sich sowieso von jeher mit Ball und Stock: Hurley, Shinty, Cambuca auf den britischen Inseln, Pele Mele in Italien, woraus die Franzosen Jeu de Mal und die Engländer Pall Mall machten. Krocket und Baseball, Exoten wie Lacrosse und das baskische Pelota sind so entstanden. Vor über tausend Jahren betrieben die Chinesen ein golfähnliches Spiel namens Chuiwan mit mehreren Schlägern. In Archiven findet sich der Hinweis auf einen Fürsten, der seine Tochter angewiesen haben soll, als Ziel ein Loch zu graben.
Jedenfalls trieb alsbald ganz Schottland mit Feuereifer den Ball vor sich her, Adel und betuchtes Bürgertum auf abgegrenzten Arealen, das gemeine Volk durch die Gassen und im Gelände. 1457 sah sich König James II. gezwungen, Golf und Fußball zu verbieten und das Training mit Pfeil und Bogen anzumahnen, weil er im ewigen Zwist mit England um die Wehrhaftigkeit seiner Untertanen fürchtete. „Ye futbawe and ye gowf be uterly cryt done and not usyt“, heißt es im Parlamentsbeschluss; „Fußball und Golf sind absolut zu verurteilen und werden nicht praktiziert“: Der Satz gilt den Schotten als Beginn ihrer Golf-Zeitrechnung.
2 Gowf und die „wilde 13“
Die Wiege des Spiels
Schottland im Jahr 1502: Das Parlament unter König James IV. hat Golf freigegeben, es herrscht ein wackeliger Friede mit den englischen Nachbarn. Für die High Society galt das Verbot sowieso nie. Der Monarch selbst liebte das Spiel in den Grünanlagen vor seinen Gemäuern und trug sich als erster Golf-Nerd in die Geschichtsbücher ein. Was durch Aufzeichnungen von Schatzmeister David Beaton belegt ist, beispielsweise über 14 Schilling als Bezahlung eines Bogenmachers in Perth für „clubbes“ aus Buchenholz.
Maria Stuart, die Enkelin von James, soll gar kurz nach der Ermordung des zweiten Ehemanns Lord Darnley im Februar 1567 schon wieder gegolft haben – mit ihrem Vertrauten und mutmaßlichen Gattenmörder Earl of Bothwell. Die „Queen of Scots“ prägte angeblich den Begriff Caddie, entlehnt von den Schläger schleppenden Militärkadetten (Cadets) beim Jeu de Mal am Hof zu Fontainebleau während ihres Erziehungs-Exils in Frankreich. Es gab indes in Schottland bereits Tagelöhner, die sich Caddies nannten, und als Ausrüstungsträger angeheuert wurden.
Golf grassierte. Vor allem Menschen mit Tagesfreizeit und gesichertem Einkommen strömten auf die Links, die kommunalen Brachen der Küstenstädte, buddelten Ziellöcher, markierten sie durch Stöcke und schlugen mit Stecken aus Dornbaum oder Esche drauflos. Es ging drunter und drüber, schiere Anarchie. „Long Gowf“ nannte sich das, die frühen Bälle aus Holz flogen indes eher flach, wenn überhaupt. Ein gewisser Sir Robert Maule ist als der erste nicht-royale Golfer belegt, er spielte um 1527 auf den Barry Links vor Carnoustie. Längst war Golf auch nach England geschwappt. 1513 bereits erwähnte Katharina von Aragon, die erste Frau des Wüstlings Heinrich VIII., in einem Schreiben an Kardinal Wolsey die zerstreuende Wirkung: „I thank God, to be busy at the Golf.“
Golf in Kurz: Der Adel spielte anfangs das dem Krocket ähnliche, eingegrenzte Jeu de Mal und überließ das originär wüste „Long Gowf“ dem Gutbürgertum.
Über Stock und Stein: 1744 vereinheitlichten die 13 ersten Golfregeln ein anarchisches Geländespiel.
1552 dann gab Erzbischof John Hamilton jene Wiesen vor der schottischen Universitätsstadt St. Andrews offiziell für allerlei Sportbetrieb frei, die als Old Course zur Legende werden sollten. Golf-Gesellschaften gründeten sich: Herrenzirkel, vereint in Spieltrieb und Trinkspaß. Das weibliche Gutbürgertum schwang ebenso die Schläger; zumindest wurden Frauen erwähnt, wenn die Kirche den heiligen, spielfreien Sonntag anmahnte. Derweil verfasste der Medizinstudent Thomas Kincaid 1687/88 in Edinburgh mit seinen Tagebucheinträgen die erste schriftliche Spielanleitung.
Am 7. März 1744 schließlich veröffentlichten die Gentlemen Golfers of Leith als verbindliche Grundlage für ein Wettspiel die 13 Ur-Golfregeln, brachten Ordnung ins Cross-Country-Chaos und legten damit das strukturelle Fundament für einen Welterfolg.
3 Gents und grobe Gesellen
Die Gründerväter
Weber, Zimmerleute, Landarbeiter: Wenngleich Golf seit jeher als Gentlemen’s Game gilt, waren es die sogenannten kleinen Leute, die das Spiel in seinen Anfängen prägten – sofern sie denn unmittelbar damit zu tun hatten. Menschen wie Allan Robertson, der in St. Andrews bei seinem Vater das Handwerk des Schlägerund Ballmachers sowie die Aufgaben eines Caddies erlernt hatte und als bester, ja unbesiegbarer Golfer seiner Epoche galt.
Gehen wir zurück ins Schottland der 1850er-Jahre, in die Gesellschaft der durch den Wollhandel mit Festlandeuropa prosperierenden Küstenstädte. Den Müßiggang eines zeitintensiven Geländespiels konnten sich nur Herren von Stand leisten, überdies war die Ausrüstung teuer. Allein der „Featherie“, eine in mühsamer Handarbeit mit nassen Federn gestopfte empfindsame Lederkugel von minimaler Haltbarkeit, kostete nach heutigem Kurs zehn bis 20 Dollar. Für den Otto Normalbürger in St. Andrews oder Prestwick war das unerschwinglich. Ohnehin gab’s nur sonntags Freizeit, und die sollte dem Kirchgang und der Familie vorbehalten sein. Auch war Golfspielen am Tag des Herrn unschicklich und deshalb zumeist verboten, die Links als kommunale Fläche wurden dann der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
So begründeten notwendiger Schlendrian und nötiges Kleingeld schon damals das Bild vom Vergnügen für Privilegierte. Robertson und Co. wiederum, die Insider, fertigten das Spiel-Zeug, trugen den Gentlemen auf der Runde die Schläger hinterher und waren nicht selten fürs Herrichten des Geländes zuständig.
Der Gigant aus St. Andrews: Golf-Handwerker Allan Robertson galt zu seiner Zeit als unbesiegbar.
Gentlemen in geselliger Runde: Den Müßiggang eines zeitintensiven Geländespiels konnten sich nur Standesherren leisten, zudem war die Ausrüstung teuer.
Wer so nah dran ist am Wesen eines Spiels, der entwickelt beinahe naturgemäß enormes Verständnis und ausgeprägte Fertigkeit. Bald spielten die Arbeitsbienen besser als ihre Drohnen und wurden für das spielwütige und wettsüchtige Establishment zu begehrten Partnern im Golfduell mit anderen Gentlemen. Oder man ließ sie wie bei Hahnenkämpfen gleich direkt aufeinander los, befeuert von der Aussicht auf Anteile an den horrenden Wetten.

Berufsgolfer setzten die Standards
Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang der 14. Earl von Eglinton, ein großer Sponsor und leidenschaftlicher Zocker, sowie Oberst James Ogilvie Fairlie – von beiden wird noch die Rede sein. Auf der anderen Seite brachten es die ersten Berufsgolfer – Mungo, Willie Park Sr. und Willie Park Jr. aus Inveresk oder Willie Dunn Sr. aus Musselburgh, nicht zuletzt St. Andrews’ Golfgigant Allan Robertson selbst – auf diese Weise zu Wohlstand und setzten die sportlichen Standards. Als Robertsons Lehrling in St. Andrews übte sich seit 1835 zudem einer im Golfhandwerk, der im Lauf seiner gewaltigen Karriere zum „Allvater“ und Schutzheiligen des Golfspiels werden sollte und bis heute als Patron der Golfplatz-Architektur und als Wegbereiter des Turniergolf um Siegprämien und Preisgelder verehrt wird: Old Tom Morris.
4 Der Allvater
Old Tom Morris
Die Karriere des Golf-Patriarchen begann mit einem Rausschmiss. Weil Tom Morris den gerade erfundenen Kautschukball spielte, deutlich günstiger und haltbarer als die Featherie-Produkte seines Lehrherren. Und von diesem dabei erwischt wurde. Worauf der berühmte Allan Robertson den Azubi umgehend feuerte. 1851 soll das gewesen sein. Als „Custodian of the Links“ in St. Andrews und bester Golfer seiner Zeit verdiente Robertson mit Wettspielen, Schlägerbau, Greenkeeping und vor allem mit der Featherie-Herstellung gutes Geld. Mitarbeiter Morris war somit ein Nestbeschmutzer.
In Prestwick an der Westküste freute man sich. Die angehende Golf-Koryphäe, durch Teammatches mit Robertson schon einigermaßen berühmt, war frei. Der bereits erwähnte Oberst Fairlie vermittelte Morris an den Heimatclub. Im selben Jahr noch trat der damals 30-Jährige seinen Dienst an und machte in der Folge aus Prestwicks Golfwiese einen ordentlichen Platz. Auf dem Zwölf-Loch-Kurs fand 1860 die erste Open Championship statt, um den sportlichen Nachfolger von Allan Robertson zu ermitteln, der inzwischen verstorben war. Morris wurde bei der Premiere Zweiter und gewann dreimal, bevor er Ende 1864 nach St. Andrews zurückkehrte, wo man ihm den verwaisten Job des „Links-Hüters“ angedient hatte. 50 Pfund jährlich plus 20 Pfund Budget für Fremdleistungen gab es dafür. Ein beachtliches Salär. Die Einnahmen aus dem Pro-Shop flossen sowieso in Morris’ Tasche.
1867 holte sich der notorisch schlechte Putter trotzdem in Prestwick die vierte Open und zog fortan mit Schubkarre und Schaufel über seinen geliebten Old Course. Oder reiste per Eselskarren und später per Eisenbahn bzw. Dampfschiff als Golfplatz-Architekt durch die Gegend. Für das Tageshonorar von einem Pfund plus Spesen nahm er allerorten das Gelände in Augenschein und bestimmte die Positionen von Tees, Greens und Bunkern. Morris soll bei fast der Hälfte der 109 Linksplätze, die um 1900 auf den britischen Inseln existierten, die Hand im Spiel gehabt haben.
Siegertyp: Old Tom Morris bereitete der Open Championship in Prestwick die Bühne und gewann viermal.
Der Patriarch des Golfsports: Thomas Mitchell Morris war bis zum seinem Tod 1908 spielerisch und als Platzarchitekt auf den britischen Inseln aktiv.
