Czytaj książkę: «Vermisstensuche»

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Michael Benedum

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Die Abbildungen stammen – soweit nicht anders angegeben – vom Autor.

1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-035428-9

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-035430-2

epub: ISBN 978-3-17-035431-9

mobi: ISBN 978-3-17-035432-6

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[5]Vorwort

Die Feuerwehr hat bei der Erfüllung ihrer Hoheitlichen Aufgaben ein breites Spektrum an Gefahren und Notlagen abzuwenden. Feuerwehreinsätze umfassen eben nicht nur – wie oft von Außenstehenden angenommen – die klassische Brandbekämpfung oder Technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen, sondern eine Vielzahl von unterschiedlichen Einsatzsituationen, selbst für die kleinsten Feuerwehren.

Durch den demographischen Wandel in der Bevölkerung werden in der Zukunft Einsätze mit dem Stichwort »Vermisste Person« oder »Personensuche« vermehrt vorkommen, da ältere verwirrte Menschen für die meisten Alarmierungen in der Vermisstensuche verantwortlich sind. Die bessere medizinische Versorgung und eine gesündere Lebensweise bedingen eine längere Lebensspanne des Menschen. Viele dieser älteren Mitmenschen leiden jedoch an Alters- oder Alzheimer-Demenz. Dadurch kann es sein, dass sie ihr vermeintlich gewohntes Umfeld verlassen und nicht wieder zurückfinden. Zudem sind in den letzten Jahren die Einsätze von suizidalen Personen gestiegen. Der Stress, Berufs- und Privatleben »unter einen Hut« zu bekommen, scheint zugenommen zu haben. Hinzu kommen Einsätze mit vermissten Kindern, die vielleicht einfach nur beim Spielen die Zeit vergessen haben oder erkrankte vermisste Menschen, die medikamentöse Hilfe benötigen und nach einem Spaziergang nicht wie gewohnt nach Hause gekommen sind.

Den konkreten Einsatzbeispielen und der Aussicht, dass in Zukunft Einsätze mit vermissten Personen wahrscheinlich noch weiter zunehmen werden, steht der eklatante Mangel an Aus- und Weiterbildung zu dieser Thematik gegenüber. Bei der Vielzahl von Einsätzen im ganzen Land in der Vermisstensuche, sind die örtlichen Feuerwehren meist mit einem seltenen und eher unbekannten Einsatz konfrontiert. Hier sind klare Defizite in der Einsatzbewältigung erkennbar. Dieses Buch soll Abhilfe schaffen und den Einheitsführer und Einsatzleiter dabei unterstützen, Einsätze durch eine frühzeitig eingeleitete Systematik effektiv, effizient und positiv zu bewältigen. Außerdem soll das Buch ein solides Basiswissen für alle Feuerwehrangehörigen und andere Hilfsorganisationen bieten und die Informationen wiedergeben, die notwendig sind, um im Ernstfall wirkungsvoll tätig zu werden.

Die Ausführung in diesem Buch richtet sich somit nicht ausdrücklich an angehende oder ausgebildete Führungskräfte. Ziel ist vielmehr, auch allen anderen interessierten Einsatzkräften und mitwirkenden Hilfsorganisationen sowie außenstehenden Privatpersonen oder gar Betroffenen zu erläutern, was um sie herum bei einem Vermisstensucheinsatz der Feuerwehr abläuft. Daher wird bei manchen [6]Kapiteln das Grundbasiswissen der Feuerwehr auf ein Minimum reduziert wiedergegeben, um nachfolgende Kapitel nachvollziehbar zu machen. Dadurch soll ein besseres Verständnis für die Verhaltensweisen, Handlungen, Einsatzabläufe und Entscheidungen der Feuerwehr erreicht werden.

Dieses Buch soll eine allgemeine Hilfestellung bei Personensuchen geben und erhebt nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Abhandlung. Es gibt keine Standardregeln für das Vorgehen bei einer Vermisstensuche, keine Einsatzsituation gleicht der anderen, aber die Informationen und Hinweise im Buch können das Einsatzgeschehen positiv beeinflussen.


Der Homepage www.feuerwehr-vermisstensuche.de, Stand Oktober 2020, können weitere Informationen entnommen werden (z. B. zu Lehrgängen, Flächensuchübungen, Mitunterstützung der Statistiktabellen etc.).

Hinweis:

Die Funktionsbezeichnungen und personenbezogenen Begriffe gelten sowohl für weibliche als auch für männliche Feuerwehrangehörige sowie andere mitwirkende Einsatzkräfte.

[7]Inhaltsverzeichnis

1  Vorwort

2  1 Zuständigkeit bei einer vermissten Person 1.1 Formen der Zuständigkeit 1.2 Originäre Aufgabe der Vermisstensuche in der Ordnungsbehörde 1.3 Mögliche originäre Zuständigkeit der Feuerwehr in der Vermisstensuche 1.4 Zuständigkeit der Feuerwehr aufgrund ihrer technischen Einsatzmittel 1.5 Zuständigkeit bei suizidgefährdeten Personen 1.6 Keine Zuständigkeit der Feuerwehr 1.7 Zusammenarbeit mit Polizei, Hilfsorganisationen und anderen an der Suche beteiligten Stellen

3  2 Amtshilfe 2.1 Die Bundeswehr im Rahmen der Amtshilfe

4  3 Allgemeines Rechtswissen bei einem Vermisstensucheinsatz 3.1 Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit 3.2 Verwaltungsakt und Realakt 3.3 Eingriff in das Recht der Freiheit der Person von Dritten 3.4 Betreten von Grundstücken und Gebäuden 3.5 Zugang zur Wohnung des Vermissten und unbeteiligter Dritte 3.6 Hinzuziehen von Eigentum 3.7 Festhalten von vermissten Personen

5  4 Einheiten im Flächensucheinsatz 4.1 Taktische Einheiten der Feuerwehr 4.1.1 Aufgaben der Mannschaft in der Vermisstensuche 4.2 Taktische Rettungshundeeinheiten (RHOT) der Feuerwehr 4.2.1 Gliederung der RHOT Mannschaft 4.2.2 Aufgaben der RHOT in der Vermisstensuche 4.3 Schutzausrüstung in der Vermisstensuche 4.3.1 Persönliche Schutzausrüstung (Mindestausrüstung) 4.3.2 Ergänzende Schutzausrüstung 4.3.3 Einsatzausrüstung bei einer Vermisstensuche 4.4 Ordnung des Raumes 4.5 Einsatzwert 4.6 Einsatzgrundsätze in der Vermisstensuche

6  5 Suchtechniken in der Vermisstensuche 5.1 Flächensuchtechniken 5.1.1 Flächensuchtechniken für die Einsatzkräfte in der Vermisstensuche 5.1.1.1 Parzellensuche für Einsatzkräfte 5.1.1.2 Kettensuche für Einsatzkräfte 5.1.2 Wegsuche für Einsatzkräfte 5.1.2.1 Fahrzeugbezogene Wegsuche 5.1.2.2 Personenbezogene Wegsuche 5.1.3 Punktuelle Suche für Einsatzkräfte 5.1.3.1 Punktuelle Flächensuche 5.1.3.2 Punktuelle Gebäudesuche 5.2 Einsatz und Einteilung der Rettungshunde in der Vermisstensuche 5.2.1 Flächensuchtechniken für die Rettungshunde in der Vermisstensuche 5.2.2 Parzellensuche für Rettungshunde 5.2.3 Kettensuche (Reviersuche) für Rettungshunde 5.2.4 Wegsuche für Rettungshunde 5.2.5 Punktuelle Flächen- und Gebäudesuche für Rettungshunde 5.3 Suchmaßnahmen am Wasser mit Einsatzkräften oder Rettungshunden 5.4 Planung der Suchtechniken 5.4.1 Zeitlich planbare Suchmaßnahmen 5.4.2 Zeitplan Rettungshunde in der Flächensuche 5.4.3 Zeitplan Rettungshunde in der Wegsuche 5.4.4 Zeitplan Einsatzkräfte in der Flächensuche 5.4.5 Flächensuchprojekt 5.4.5.1 Feste Vorgaben des Flächensuchprojekts 5.4.5.2 Probleme bei der Umsetzung 5.4.5.3 Ergebnis des »Fragebogen für Einsatzkräfte« 5.4.5.4 Zusammenfassung des Flächensuchprojektes 5.4.6 Zeitplan Einsatzkräfte in der Wegsuche 5.5 Wiederholbare Suchmaßnahmen 5.5.1 Wiederholbare Suchmaßnahmen für Einsatzkräfte 5.5.2 Wiederholbare Suchmaßnahmen für Rettungshunde 5.6 Einsatztabelle für Rettungshunde und Einsatzkräfte

7  6 Einsatzmittel: biologische Ortung 6.1 Flächensuchhund 6.2 Trümmersuchhund 6.3 Fährtensuchhund 6.4 Vermisstenspürhund 6.5 Wassersuchhund und Wasserrettungshund

8  7 Einsatzmittel: technische Ortung 7.1 Wärmebildkamera 7.2 Copter 7.3 Nachtsichtgerät 7.4 Bodenhorchgeräte 7.5 SearchCam 7.6 Sonargeräte 7.7 Beleuchtungsmittel 7.8 Fernglas 7.9 Akustische technische Ortungsgeräte

9  8 Statistiken in der Vermisstensuche 8.1 Vermisstenstatistiken für den Einsatzleiter der Feuerwehr 8.2 Der letzte bekannte Aufenthaltsort (lbA) und der mögliche Auffindeort (mAo) 8.2.1 Voraussetzungen für die Statistik 8.3 Trierer Erhebung der Vermisstenfälle 8.3.1 Einteilung der Vermisstenfälle in Profilgruppierungen 8.3.2 Aufbau der Statistiktabelle von Vermisstenfällen 8.3.3 Ergebnis der Trierer Statistik von Vermisstenfällen 8.4 Vergleich der amerikanischen und deutschen Statistik

10  9 Das Verhalten von vermissten Personen 9.1 Mögliches Verhalten, erweiterte profilbezogene Fragen, erweiterte profilbezogene Maßnahmen 9.1.1 Vermisste Kinder und Jugendliche (im Alter von 1 – 17 Jahre) 9.1.2 Vermisste Sammler, Wanderer und Jogger 9.1.3 Vermisste Personen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung sowie vermisste Personen mit Vorerkrankungen 9.1.4 Vermisste demente Personen 9.1.5 Vermisste Personen mit suizidalen Absichten

11  10 Einsatzvorbereitung und Einsatzplanung 10.1 Alarmplan 10.2 Alarm- und Ausrückeordnung sowie Ausrückefolge 10.3 Aus- und Fortbildung in der Vermisstensuche 10.4 Befehlsstelle, Bereitstellungsraum und Unterkunft 10.5 Beschaffung und Instandhaltung der Einsatzmittel 10.6 Einsatzleiterhandbuch 10.7 Funkkonzept 10.8 Kartenmaterial 10.8.1 Bestimmen des Einsatzraumes in der Einsatzplanung 10.8.2 Bestimmen von benötigten taktischen Einheiten 10.8.3 Bestimmen von Suchgebieten 10.9 Ortskunde

12  11 Führungssystem 11.1 Führungsorganisation 11.1.1 Arbeitsziele in der Vermisstensuche 11.1.2 Einsatzleiter 11.1.3 Einsatzleitung 11.1.4 Aufbau und Umfang der Einsatzleitung bei einer Vermisstensuche 11.1.5 Befehlsstellen, Bereitstellungsraum, Unterkunft 11.1.6 Sachgebiete in der Vermisstensuche 11.1.7 Aufgaben der Sachgebiete in der Vermisstensuche 11.1.7.1 S 1: Personal/Innere Dienst: 11.1.7.2 S 2: Lage 11.1.7.3 S 3: Einsatz 11.1.7.4 S 4: Versorgung 11.1.7.5 S 5: Presse und Medienarbeit 11.1.7.6 S 6: Information und Kommunikation 11.1.8 Führungsstufen im Vermisstensucheinsatz 11.1.9 Führungsebenen 11.1.10 Einsatzabschnitte und Unterabschnitte in der Vermisstensuche 11.1.10.1 Einsatzabschnitt Suchmaßnahmen Einsatzkräfte/Rettungshunde 11.1.10.2 Einsatzabschnitt Erkundung 11.1.10.3 Einsatzabschnitt Logistik 11.2 Führungsvorgang 11.2.1 Führungsvorgang in der Vermisstensuche 11.2.2 Lagefeststellung 11.2.3 Planung 11.3 Führungsmittel

13  12 4-Phasenkonzept in der Vermisstensuche 12.1 Phase 1:Ersterkundung und Sofortmaßnahmen 12.2 Phase 2a:Erweiterte Suchmaßnahmen und Aufenthaltserkundungen 12.3 Phase 3a:Strukturierte Suchmaßnahmen und Aufenthaltserkundungen 12.4 Phase 2b:Erweiterte gezielte Suchmaßnahmen 12.5 Phase 3b:Strukturierte gezielte Suchmaßnahmen 12.6 Phase 4:Abschlussmaßnahmen

14  13 Auffinden von vermissten Personen 13.1 Maßnahmen beim Auffinden der vermissten Person 13.2 Erste-Hilfe-Maßnahmen 13.3 Erste-Hilfe-Ausrüstung 13.4 Auffinden von verstorbenen Menschen

15  14 Gefahren an der Einsatzstelle in der Vermisstensuche

16  15 Die Bedeutung der Leitstelle in der Vermisstensuche

17  16 Die Polizei im Vermisstensucheinsatz 16.1 Hintergründe des Vermisstenfalls aus Polizeisicht 16.2 Möglichkeiten der Polizei bei einer Vermisstensuche

18  17 Mitwirkende Rettungshund-(Hilfs)organisationen 17.1 Öffentliche rechtliche Rettungshundeeinheiten 17.2 Paritätische Rettungshundeeinheiten 17.3 Private Rettungshundeeinheiten

19  18 Einsatz von freiwilligen Helfern bei der Vermisstensuche

20  19 Mythen und Legenden rund um die Vermisstensuche

21  Fazit

22  Literaturverzeichnis

23  Anhang Tabellen für die Vermisstensuche

[11]1 Zuständigkeit bei einer vermissten Person

Die Zuständigkeit bei einer Vermisstensuche und die damit verbundenen Maßnahmen sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. In einigen Bundesländern ist die Zuordnung deutlich reglementiert oder durch ein Gerichtsurteil festgelegt worden, in anderen Ländern ist die Zuständigkeit nicht immer eindeutig geregelt. Daher ist es zwingend notwendig, nicht nur Kenntnisse über die eigenen Brandschutzgesetze zu haben, sondern sich mit den jeweiligen allgemeinen Ordnungsbehörden- und Polizeigesetzen sowie den relevanten Gerichtsurteilen zu beschäftigen.

Grundsätzlich hat der Staat die Pflichtaufgabe das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit für jedermann zu garantieren (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG). Daher gilt es, bei einem Vermisstenfall, wenn es um Gefahr für Leib und Leben (= schwere Verletzungen drohen bis hin zum Tod) oder Gefahr in Verzug (= unmittelbares Bevorstehen eines Schadens, falls nicht sofort gehandelt wird) geht, schnellstmöglich zu handeln.

Im Bereich der Vermisstensuche sind die einzelnen Brandschutzgesetze, Polizei- und Ordnungsbehördengesetze sowie weitere wesentliche Gesetze relevant. Daher treffen unter Umständen mehrere Behörden bei der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr mit einem eigenen Zuständigkeitsbereich aufeinander. Es würde das Ausmaß dieses Buches sprengen, auf alle dieser (drei) genannten Gesetze für jedes Bundesland einzugehen. Vielmehr soll dieses Kapitel der Führungskraft oder dem Interessierten Leser einen Einblick und Anreiz geben, die eigene Zuständigkeit zu prüfen und zu durchleuchten. Auf vereinzelte Beispiele soll aber trotzdem hingewiesen werden.

1.1 Formen der Zuständigkeit

Es gibt verschiedene Formen der Zuständigkeit für eine Behörde. Sie werden in drei Bereiche unterschieden:

1 sachliche ZuständigkeitDie Feuerwehr ist in der Vermisstensuche nur dann sachlich zuständig, wenn ihr durch ein Gesetz die Zuständigkeit zugewiesen wurde.

2 örtliche ZuständigkeitDurch das Örtlichkeitsprinzip ist die Feuerwehr zuständig, in dem Bereich, in dem die gesuchte Person vermisst wird. Dies bedeutet, dass der letzte [12]bekannte oder vermutete Aufenthaltsort der vermissten Person als Zuständigkeitsbereich für die örtliche Feuerwehr gilt und somit nicht die eigentliche Wohnadresse. Das schließt aber nicht aus, dass die Feuerwehr an der Heimatadresse über den Vermisstensucheinsatz informiert werden sollte. So kann es passieren, dass eine Reisegruppe aus einer entfernten Stadt A zu Besuch in einer anderen Stadt B ist. Wird die gesuchte Person in der Stadt B als vermisst gemeldet, kann die Stadt A nicht zuständig sein und die passenden Maßnahmen durchführen.

3 instanzielle ZuständigkeitDie instanzielle Zuständigkeit beschreibt nur die grundsätzliche Zuständigkeit innerhalb einer Behörde. Üblicherweise wird bei einem dreistufigen Verwaltungsaufbau zwischen der unteren, oberen und obersten Verwaltungsbehörde unterschieden.

Die Stadtverwaltung (Sitz der Ordnungsbehörde) kann beispielsweise auch Zuständigkeiten in der Vermisstensuche innerhalb ihres Aufbaus direkt an die Feuerwehr weiterdelegieren. Insbesondere dann, wenn die Ordnungsbehörden nicht besetzt ist (z. B. Wochenende), kann sie eine verantwortliche Person (z. B. Bürgermeister) bestimmen, die die politische Gesamtverantwortung trägt sowie eine ernannte Person (z. B. Kreisfeuerwehrinspektor), die für die operativ taktische Komponente (z. B. Einsatzleitung der Feuerwehr) zuständig ist.

1.2 Originäre Aufgabe der Vermisstensuche in der Ordnungsbehörde

Die Ordnungsbehörde (in Bayern: Sicherheitsbehörde), beispielsweise untergebracht in den kreisfreien Städten oder Landkreisen, ist die unterste Verwaltungsebene und bei den Gemeinden angesiedelt. Im Bereich der allgemeinen Gefahrenabwehr liegt in den meisten Bundesländern eine Zuständigkeit bei den Ordnungsbehörden (Ortspolizeibehörde) vor. Grundsätzlich obliegt also primär der Ordnungsbehörde die Zuständigkeit bei einer allgemeinen Vermisstensuche, es sei denn die Polizei hat ausdrücklich vom Gesetz eine Zuständigkeit zugewiesen bekommen.

Gibt es Parallelzuständigkeiten im Bereich der allgemeinen Gefahrenabwehr, muss eine Zuständigkeitsabgrenzung vorgenommen werden. Durch solch eine Zuordnung können Kompetenzgerangel und Doppelarbeiten vermieden werden. Die Zuständigkeiten sind in den jeweiligen Polizeigesetzen (Zuständigkeitskatalog in [13]den Polizeigesetzen) der Bundesländer geregelt. Hier erfolgt in den meisten Ländern eine Trennung zwischen der Ordnungsbehörde und der Polizei. Somit hat also die Ordnungsbehörde die Aufgabe, Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwehren mit all ihren zur Verfügung stehenden Mittel, einschließlich, wenn nötig, der Gemeindezugehörigen Feuerwehr.

Beispiel RLP

»Die allgemeinen Ordnungsbehörden und die Polizei haben die Aufgabe, Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwehren.«

§ 1 Abs. 1 Satz 1 Aufgaben der allgemeinen Ordnungsbehörden und der Polizei – Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) Rheinland-Pfalz

Die Polizei (Polizeivollzugsdienst) wird schließlich erst dann tätig, falls nicht anders geregelt, wenn sie unmittelbar handeln muss, da Gefahr in Verzug droht oder ein sofortiges Eingreifen nötig ist (Eilkompetenz). Des Weiteren muss die Polizei handeln, wenn aufgrund ihrer Beurteilung, die Abwehr der Gefahr (vermisste Person) durch eine andere Behörde nicht möglich ist oder zeitlich nicht rechtzeitig möglich erscheint (Insbesondere in ländlichen Gegenden ist nachts oder am Wochenende die Ordnungsbehörde nicht immer besetzt). Jedoch bleibt die Zuständigkeit (hier als Beispiel bei einer Vermisstensuche) trotzdem bei der Ordnungsbehörde, obwohl die Polizei handelt. Daher ist die Polizei verpflichtet, die Ordnungsbehörde über alle bedeutsamen Vorgänge und Maßnahmen, die für die Vermisstensuche relevant sind, zu unterrichten.

»Im Übrigen wird die Polizei tätig, soweit die Abwehr der Gefahr durch eine andere Behörde nicht oder nicht rechtzeitig möglich erscheint. Sie unterrichtet die anderen Behörden unverzüglich von allen Vorgängen, deren Kenntnis für die Aufgabenerfüllung dieser Behörden bedeutsam ist; die Befugnis zur Übermittlung personenbezogener Daten bleibt davon unberührt. Die zuständige Behörde kann die getroffenen Maßnahmen aufheben oder abändern.«

§ 1 Abs. 6 Aufgaben der allgemeinen Ordnungsbehörden und der Polizei – Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) Rheinland-Pfalz

In einem Artikel der Fachzeitschrift Brandhilfe Ausgabe 12/2011 bezieht sich Gerd Gräff, Ministerialrat im Ministerium des Inneren und für Sport Rheinland-Pfalz, auf die Zuständigkeit bei einer Vermisstensuche. Er führt an, dass nicht davon auszugehen ist, die Polizei sei allein dazu in der Lage, eine Vermisstensuche durchzuführen. Der [14]Ordnungsbehörde sei zuzumuten, zur Gewährleistung der gefahrenabwehrenden Maßnahmen auch alle ihre Möglichkeiten einzusetzen. Dazu gehöre auch der Einsatz der Feuerwehr als Gemeindeeinrichtung, wenn schnelles Handeln geboten ist. Er ist weiterführend der Meinung, dass je nach Situation, eine Suchaktion mit allen verfügbaren Ressourcen der Gemeindeverwaltung und die damit verbundenen kurzfristigen zahlreichen gemeindlichen Einsatzkräfte (z. B. der Feuerwehr einschließlich der Rettungshundestaffeln) zur Suche eingesetzt werden können.

Denn bis die Polizei – ggf. mit Unterstützung durch die Bereitschaftspolizei oder den Bundesgrenzschutz – genügend Kräfte für ein weiträumiges Absuchen eines größeren Waldgebiets zusammenzieht, kann bereits viel Zeit vergangen sein. Auch weist er auf die mögliche fehlende Ortskenntnis hin, wodurch die Einsatzkräfte unter Umständen erst noch eingewiesen werden müssten. Eine zu lange Vorlaufzeit kann – insbesondere bei verirrten Kindern oder verwirrten Personen – zu einer erheblichen Gesundheits- oder Lebensgefahr führen. Gräff schreibt in seinem Artikel, dass die Feuerwehren flächendeckend und relativ kurzfristig größere, gut organisierte Einheiten einsetzen können. So sei beispielsweise für das Absuchen eines Waldgebietes nach einer vermissten Person, in der innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Kräfte benötigt werden, die Feuerwehr in der Regel schneller als die Polizei dazu in der Lage.

117,75 zł

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Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
18 grudnia 2025
Objętość:
373 str. 72 ilustracji
ISBN:
9783170354319
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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