Czytaj książkę: «The Arrangement: Liebe trotz Vertrag»
Lia K. Harry
The Arrangement: Liebe trotz Vertrag
© 2021 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels
www.plaisirdamour.de
info@plaisirdamourbooks.com
Covergestaltung: © Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.de)
ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-463-4
ISBN eBook: 978-3-86495-464-1
Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses Buch darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Danksagung
Autorin
Kapitel 1
Christopher
Ein ohrenbetäubender Knall sorgt dafür, dass ich zusammenzucken und meinen Kopf heben muss. Mein Kopf dröhnt, da ich letzte Nacht wieder durchgefeiert habe. Eine Zeitschrift gleitet über den Schreibtisch, und ich fange sie auf, bevor sie auf dem Boden landet.
„Was hast du dazu zu sagen?“ Die wütende Stimme meines Vaters, die durch sein Büro im Hause meiner Eltern hallt, zwingt mich dazu, die Augen auf ihn zu richten.
Mein Blick gleitet von meinem Vater zur Zeitschrift und mit großen Augen betrachte ich das unscharfe Bild auf der Titelseite. Da hat der Paparazzo wirklich gute Arbeit geleistet. Eine blonde Frau sitzt auf meinem Schoß und mein Gesicht ist in ihrem Ausschnitt vergraben.
„Das war eindeutig ein geiler Abend“, antworte ich und blicke wieder zu meinem Vater auf. Sein Gesicht läuft rot an. Ich hoffe, er bekommt keinen Schlaganfall. Fehlt nur noch, dass Blitze aus seinen Augen schießen. Wie Zeus auf dem Olymp. Mann, der ist fuchsteufelswild!
„CHRISTOPHER!“ Mit der Faust schlägt er auf den Schreibtisch.
„Es war nur ein Mal. Was stellst du dich so an?“, versuche ich, die Situation zu verharmlosen. Hoffentlich kauft er mir das ab. Ganz cool lehne ich mich in meinem Sessel zurück.
Er öffnet eine Schublade, wirft mir mehr Zeitschriften zu, steht abrupt auf und geht vor mir hin und her. Seine Finger massieren dabei die Nasenwurzel. Auf allen Titelbildern bin ich zu sehen. Die Reporter sind wirklich einfallsreich, was die Schlagzeilen angeht: Palmers Liebesspiele – Wer ist die geheimnisvolle Frau an seiner Seite – Christopher Palmer (29), der heißeste Junggeselle Houstons.
Mein Vater reißt mir die Zeitschriften unter der Nase wieder weg, schleudert sie zurück in die Schublade und funkelt mich an. „Ich habe genug von deinen Liebschaften! Es wird Zeit, dass du erwachsen wirst!“
„Dad, du hast doch gesagt, ich soll mein Singledasein ausleben.“
„Damit meinte ich nicht, dass du dich mit jedem Flittchen fotografieren lässt.“ Er fasst sich an die Stirn, lässt sich in seinen Sessel fallen und kneift die Augen zusammen. „Junge, ich kann dich verstehen.“ Sein Ton ist nun ruhiger. „Du hast eine Schwäche für Frauen. Aber es wird langsam Zeit, dass du Verantwortung übernimmst.“
Verantwortung übernehmen? Ich drücke mich sogar davor, mich um den Hund kümmern, wenn meine Eltern übers Wochenende weg sind. Er würde verdursten oder verhungern, weil ich vergessen würde, ihm etwas in die Näpfe zu tun. Deswegen übernimmt meine Schwester Britney das Hundesitting. Sie kommt sowieso besser mit dem Hund klar und er gehorcht ihren Befehlen. Mich guckt er immer nur an, wenn ich ihm was sage, oder er legt sich in seinen Hundekorb.
Sogar als Teenager habe ich mir Ausreden einfallen lassen, damit ich nicht auf meine jüngere Schwester aufpassen musste, wenn meine Eltern auf irgendwelche Galas oder Wohltätigkeitsempfänge gingen. Dann mussten sie einen Babysitter engagieren.
Da wären noch meine Kreditkartenrechnungen, die nur so ins Haus meiner Eltern flattern. Sie zahlen alles, von der Autoversicherung über Clubbesuche bis hin zu Einkäufen in Designer-Boutiquen. Sogar während meiner Collegezeit haben sie nicht nur meine Studiengebühren, sondern auch alle sonstigen Ausgaben beglichen. Meine Schwester und ich werden eines Tages alles erben, wozu sich also die Finger dreckig machen und arbeiten gehen?
„Es ist an der Zeit, dass du heiratest, in den Familienbetrieb einsteigst und später die Geschäftsführung übernimmst.“
„Was?“ Mein Herz rutscht mir in die Hose. Mein Vater hat anscheinend komplett den Verstand verloren. Ich habe zwar öfter im Büro reingeschaut, aber nicht mehr als ein paar Minuten dort verbracht. Das Einzige, was ich über seine Tätigkeit weiß, ist, dass mein Vater seine Finger in der Mobilfunkbranche hat und viel Geld verdient. Ich lebe das Leben des reichen Sohnes und zukünftigen Erben. Wie es viele an meiner Stelle tun würden. Sogar eine Wohnung hat mein Vater mir gekauft, damit ich mein eigenes Reich habe.
„Ich habe mit deiner Mutter gesprochen, und sie möchte, dass wir mehr Zeit miteinander verbringen, verreisen und lauter solche Sachen. Nur sie und ich. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, dass du in die Firma einsteigst. Der Vorstand hat auch schon zugestimmt.“
„Ihr und der Vorstand wollt, dass ich in die Firma einsteige?“, frage ich ungläubig.
Da mich Zahlen schon in der Grundschule fasziniert haben und ich sehr gut in Mathematik war, wollte meine Mutter, dass ich etwas in dieser Art studiere. Ich entschied mich für ein Studium in Betriebswirtschaft, das ich mit einer guten Note abgeschlossen habe. Trotzdem hat mich mein Vater bis jetzt nie zum Arbeiten gezwungen, und ich habe gedacht, dass ich noch eine Weile so weiterleben könnte. Da habe ich mich anscheinend gewaltig getäuscht.
„Ja, und dass du bis zu deinem dreißigsten Geburtstag heiratest. Solltest du es nicht schaffen, drehe ich dir den Geldhahn zu. Ohne Arbeit und ohne Ehefrau, gibt es kein Geld, kein Penthouse und keine Partys mehr! “, sagt er barsch.
„Wie bitte? Mein Geburtstag ist schon in sieben Monaten.“
„Dann hast du ja nicht mehr viel Zeit.“ Er steht auf, verlässt sein Büro und lässt mich mit dieser Aussage allein zurück.
Mit einem tiefen Seufzer sacke ich in den Sessel zurück und starre ins Leere. Großartig! Er hat es geschafft, mir die gute Laune zu verderben. Ich hatte eigentlich vor, mich mit einem Kumpel in einem Club zu treffen und ein paar Weiber aufzureißen. Daraus wird nun nichts.
Das, was er von mir verlangt, kann unmöglich sein Ernst sein. Eine Frau finden, die ich in sieben Monaten heiraten soll? Ich brauche jetzt die Meinung einer neutralen Person. Vielleicht kann Luke mir ein paar Tipps geben. Immerhin ist er mein bester Freund, der mich schon seit der Highschool kennt.
Ich hole mein Handy aus der Hosentasche und tippe eine Nachricht ein:
In einer Stunde bei mir. Es ist wichtig.
Er antwortet nicht. Das macht er nie, wenn er einverstanden ist.
Eilig gehe ich aus dem Büro, verabschiede mich von meiner Mutter und verlasse das Haus. Ich steige in meinen Lamborghini, und mein Blick fällt auf den Boden der Beifahrerseite, auf dem etwas glitzert. Ich greife danach, hebe ihn hoch und sehe mir den Ohrring genauer an. Welche Dame den wohl vermissen wird? Dem Design nach zu urteilen, handelt es sich um Modeschmuck; zudem sind die Frauen, mit denen ich meine Abende verbringe, nicht wohlhabend. Es sind Frauen, die auf der Suche nach einem reichen Mann sind, mit dem sie eine schöne Zeit verbringen und dem sie das Geld aus der Tasche ziehen können. Und wenn er Pech hat, schleppen sie ihn sogar vor den Traualtar.
Ein kalter Schauer läuft meinen Rücken herunter und ich schüttele mich. Oh Gott! Ich und eine feste Beziehung? Niemals! Flirten und Sex ja, aber einer Frau einen Ring an den Finger stecken? Bloß nicht.
Kapitel 2
Layla
Mit der Aktentasche in der Hand laufe ich durch den Gang des Gerichtsgebäudes, um pünktlich zur Scheidungsanhörung zu kommen.
Im Verhandlungszimmer angekommen, sehe ich, dass Eva Jones, meine Mandantin, bereits anwesend ist. Ihr gegenüber sitzen ihr Noch-Ehemann und sein aufgeblasener Anwalt. So einen ekelhaften Mann habe ich noch nie kennengelernt.
Samuel Prescott. Klein, dicker Bauch, Halbglatze und ein Schleimer. Er denkt, er könnte mich mit seinem finsteren Blick einschüchtern, damit wir die Vermögensforderungen aufgeben. Da ist er bei mir aber auf dem falschen Dampfer. Ich werde dafür sorgen, dass sein Mandant für seine Untreue bezahlt.
„Ah! Da ist sie ja“, ertönt Prescotts tiefe Stimme.
„Eva, Mr. Jones.“ Ich mache eine kurze Pause und sehe meinen Kollegen an. „Herr Kollege.“ Meine Augen auf ihn gerichtet, nicke ich ihm zu, und er antwortet mit der gleichen Geste.
„Miss Elias. Ich freue mich, dass Sie es noch pünktlich geschafft haben.“
Prescotts arrogante Art lässt mich das Gesicht verziehen. Ich hole den Ordner mit den Scheidungsunterlagen aus meiner Aktentasche, lege sie sorgfältig auf den Tisch und hebe meinen Blick, um Prescott anzusehen. Er ist bekannt dafür, ein knallharter Verhandlungspartner zu sein. Dass ich aber auch einer bin, weiß er noch nicht. Ich bin nicht umsonst von der Anwaltskammer als beste Anwältin des Jahres geehrt worden. Mein verehrter Kollege und ich kennen uns von einigen Empfängen, die unser Bürgermeister in den letzten zwei Jahren gegeben hat.
„Ihre Mandantin besteht weiterhin auf fünf Millionen und außerdem das Haus in den Hamptons?“ Ein Hauch von Empörung schwingt in Samuels Stimme mit.
„Warum nicht, Herr Kollege? Immerhin waren sie fast fünfunddreißig Jahre verheiratet. Sie haben das Vermögen zusammen erwirtschaftet, und da erwarten Sie, dass sie sich mit einer Million zufriedengibt?“, erwidere ich. „Fünf und das Haus oder wir sehen uns vor Gericht wieder.“
„Sind Sie sicher, dass Sie das wollen?“ Prescott lehnt sich nach vorn und legt die Hände ineinander. Seine Augen fixieren mich, versuchen, mich weiter einzuschüchtern. „Eine Schlammschlacht in der Öffentlichkeit?“
„Ich habe keine Angst, Herr Kollege. Und vor Ihnen erst recht nicht.“
„Das wird ein harter Kampf, Frau Kollegin.“
Oh! Er droht mir. Langsam rücke ich näher an den Tisch, meine Augen auf ihn gerichtet. „Ich verspreche Ihnen, wir machen es kurz und schmerzlos. Immerhin ist Ihr Mandant fremdgegangen. Und das mehrmals.“
Mein Blick huscht rüber zu Mr. Jones, den die ganze Diskussion nicht zu interessieren scheint, denn er spielt mit seinem Handy herum. Anscheinend ist er sich sicher, dass sein Anwalt alles zu seiner Zufriedenheit regelt.
Prescott schnaubt, schüttelt den Kopf und schürzt die Lippen. „Ihre Mandantin ist auch nicht unschuldig, Miss Elias. Sie hat sich für ihren Mann keine Zeit mehr genommen.“
„Ach, wirklich? Sie hätte sich die Zeit genommen, wenn ihr Ehemann zu Hause gewesen wäre und sich nicht mit seiner Geliebten vergnügt hätte.“ Ich beiße die Zähne zusammen, atme laut aus und meine Augen verengen sich. Wie kann er es wagen, ihr die Schuld für das Scheitern der Ehe in die Schuhe zu schieben? Sie hatte keine Affären. Er war derjenige, der sich mit jüngeren Frauen eingelassen hat.
Gerade als Prescott den Mund aufmacht, um weiterzusprechen, meldet sich Mr. Jones zu Wort. „Eva. Warum tust du das? Denk an unsere Kinder. Sie wären am Boden zerstört, wenn wir uns trennen.“
Oh! Jones tut so, als würde er alles bereuen, damit wir die Schlinge um seinen Hals nicht enger zuziehen.
„Unsere Kinder haben selbst Kinder, William. Ich bin nicht diejenige, die unsere Ehe zerstört hat. Das warst du mit deinen ständigen Seitensprüngen, die du noch nicht mal zu verheimlichen versucht hast“, stellt sie verbittert klar.
Wie können Männer ihre Ehefrauen betrügen, und das auch noch so offensichtlich? Wenn mein Mann so etwas wagen sollte, würde ich ihn sofort vor die Tür setzen. Jones versucht, die Kinder ins Spiel zu bringen, damit sie die Scheidung zurückzieht und er glimpflich davonkommt. So könnte er sie weiter betrügen und würde nicht einen Teil seines Vermögens verlieren.
„Tut mir leid, William. Ich habe dir so oft vergeben, aber irgendwann ist Schluss. Ich kann das nicht mehr. Miss Elias hat recht. Entweder ich bekomme das, was ich fordere, oder wir klären das vor Gericht.“
Jones und Prescott sehen sich an, wenden sich von uns ab und flüstern sich gegenseitig etwas zu. Plötzlich setzt sich Prescott gerade hin, ballt die Hand zur Faust und reißt die Augen auf. Jones tätschelt seinen Arm, woraufhin sich Prescott wieder nach vorn beugt. Sie flüstern wieder miteinander und ich nehme ein leises „Das werde ich nicht zulassen“ wahr.
Wir werden zu keiner Übereinkunft kommen. Ich sehe uns schon vor dem Richter stehen. Falls es dazu kommen sollte, wäre es sogar möglich, dass Mrs. Jones mehr bekommt als das, was wir jetzt beanspruchen. Ich weiß, dass er ungefähr vierzig Millionen Dollar bei verschiedenen Banken und mehrere Aktienanteile an diversen Firmen hat. Außerdem hat er hier in Houston ein Penthouse, das Haus in den Hamptons und ein großes Ferienhaus in Florida. Sollte der Richter ihr die Hälfte zusprechen, dann würde ich mit meinen dreißig Prozent Honorar ein hübsches Sümmchen bekommen. Dann könnte ich damit ein kleines Haus in San Antonio kaufen und einrichten, damit meine Mutter dort leben kann.
Ich schaue auf die Uhr. Je länger die zwei sich unterhalten, desto ungeduldiger werde ich. Mit den Fingernägeln trommele ich auf der Tischplatte herum.
„Also gut, Eva.“ Jones dreht sich zu uns herum. „So leicht gebe ich mich nicht geschlagen. Wir sehen uns vor Gericht wieder.“ Diese Aussage von Jones scheint seinem Anwalt nicht besonders zu gefallen, denn er lässt den Kopf sinken. Er hat wohl auf eine außergerichtliche Einigung gehofft. Für ein paar Sekunden hält Jones den Blickkontakt zu seiner Frau. Doch ihre Miene bleibt steinhart, woraufhin er aufsteht und den Raum verlässt.
„Na dann, Herrschaften“, verkündet Prescott. „Ich werde schnellstmöglich einen Termin bei Gericht beantragen.“ Er steht auf, packt seine Unterlagen ein und kommt um den Tisch herum. Als er neben mir steht, erhebe ich mich und reiche ihm die Hand.
„Ich freue mich schon darauf, Sie vor Gericht zu erleben, Frau Kollegin. Mir wurde schon berichtet, dass Sie nicht gerne verlieren, und ehrlich gesagt freue ich mich darauf, der Erste zu sein, der Sie in die Knie zwingen wird.“
„Freuen Sie sich nicht zu früh, Herr Kollege.“
Prescott verlässt den Raum und Eva steht auf. Sie stellt sich neben mich. „Danke für Ihren Einsatz.“
Sie wirkt erleichtert, dennoch sehe ich die Tränen in ihren Augen. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach ist, eine Ehe, die so lange gehalten hat, mit einem Schnips zu beenden.
Kapitel 3
Christopher
Es gibt eine Menge Dating-Seiten im Netz, aber keine „Finde eine Ehefrau“-Agentur. So ein verdammter Mist. Wenn ich mich auf die Kreise fokussiere, in denen ich mich bewege und meine Abende verbringe, werde ich keine Frau zum Heiraten finden. Und unter den jungen Damen, die zur Gesellschaft meiner Eltern gehören, sowieso nicht. Die sind mir zu eingebildet und total verwöhnt. Zwei Mal habe ich den Fehler gemacht und mich auf ein kleines Abenteuer mit einer dieser verwöhnten Gören eingelassen.
Eine davon war die Tochter eines Immobilien-Tycoons. Nachdem wir miteinander gefickt hatten, sagte ich ihr, dass es kein zweites Date geben werde. Daraufhin warf sie mit sämtlichen Gegenständen nach mir, die sie im Hotelzimmer fand.
Die andere habe ich in mein Penthouse mitgenommen. Wir haben uns die Seele aus dem Leib gefickt. Danach meinte sie, irgendwelche Besitzansprüche an mich stellen zu können, weil ich den Fehler gemacht habe, sie mit nach Hause zu nehmen. Als ich ihr klarmachte, dass sie für mich nur ein One-Night-Stand war, trat sie mir in die Eier, sodass ich dachte, ich würde nie wieder einen hochbekommen.
Aus diesen Gründen halte ich mich von diesen wohlhabenden Frauen fern.
Da ich noch etwa eine halbe Stunde Zeit habe, bis Luke erscheint, klicke ich auf eine dieser Dating-Seiten, um mich dort mal umzusehen. Jedoch sind das Seiten, die nicht für mich geeignet sind. Lauter junge Frauen, die auf der Suche nach dem richtigen Partner fürs Leben sind. Also gehe ich wieder auf Google und tippe Frauen in Houston ein. Unter anderem finde ich eine Seite, die Dream Girls Houston heißt. Was das wohl sein mag?
Ich klicke die Seite an. Wow! Ein Escort-Service. Lauter junge Frauen, einige davon in sexy Klamotten und andere in heißer Unterwäsche. In der Navigationsleiste kann man sich aussuchen, was man haben möchte. Ich klicke darauf und das Menü erscheint. Nun hat man die Auswahl. Von asiatischen über russischen Frauen und Latinas bis hin zu VIP-Escorts. Natürlich kommen nur VIPs für mich infrage. Ein neues Fenster erscheint, in dem unter anderem gefragt wird, ob man sich für einen Mann mit Klasse und Geschmack hält. Na klar tue ich das. Ich scrolle weiter und sehe mir die diversen Schönheiten an. Oh Mann! Eine schöner als die andere. Wie soll sich ein Mann da bloß entscheiden?
Als ich weiterscrolle, stoße ich auf die Anmerkung, was VIP-Escort bedeutet. Hier steht: Bei der Begleitperson sind Sie in den sicheren Händen sorgfältig ausgewählter Frauen, die Ihnen das Gefühl geben, ein König zu sein. Sie sind romantischer und intimer in ihren Dienstleistungen.
Ich denke, das entspricht genau meiner Vorstellung von einem tollen und aufregenden Abend. Eine der Damen ist mir schon ins Auge gesprungen. Ihr Name ist Dana, sie ist fünfundzwanzig Jahre alt, blond, hat volle Brüste und ist verdammt sexy. Beim Weitersuchen entdecke ich noch eine weitere. Sie heißt Alicia, ist dunkelhaarig, hat nicht ganz so üppige Brüste, ist aber genauso heiß wie Dana.
Da ich heute Abend sowieso nichts vorhabe, wähle ich die Nummer der Agentur, um zu erfahren, ob eine dieser beiden Damen heute Zeit für mich hätte. Nach dem fünften oder sechsten Klingeln ertönt eine weibliche Stimme.
„Dream Girls Houston Escort Service. Was kann ich für Sie tun?“
„Hallo. Ich …“ Für ein paar Sekunden stoppe ich und räuspere mich. „Ich interessiere mich für Ihre Dienste.“
„Natürlich, Sir. Haben Sie schon mal einen Escort-Service in Anspruch genommen?“
„Nein, das ist mein erstes Mal.“ Ich stehe auf, gehe um den Tisch herum zum Spiegel, der an einer Wand hängt, und betrachte mein Spiegelbild. Mein Freund wird in einer halben Stunde hier sein und ich telefoniere mit einem Escort-Service. Warum tue ich das? Es geht nur um Sex, deswegen.
„Darf ich Sie mit unserem Service vertraut machen?“
„Ich bitte darum.“
Die Dame am Telefon beginnt, mich über den Buchungsablauf aufzuklären. Man kann die Agentur per Telefon oder E-Mail kontaktieren, wenn man sich für eine der Damen entschieden hat. Von der Begleitung zu einem geschäftlichen Event oder einem Abendessen bis hin zur Buchung für einen aufregenden Abend mit sexuellem Kontakt ist alles drin. Das hört sich doch toll an. Sie weist mich darauf hin, dass die Damen entscheiden, wie weit sie während des Dates im Hotelzimmer gehen wollen, und dass jede einzelne ein Notrufsystem hat, um den hauseigenen Securitydienst zu rufen, sollte der Mann gewalttätig werden. Zu Beginn wird sie von einem Mitarbeiter begleitet, der sich dezent im Hintergrund hält und später in der Lobby wartet, um sicherzugehen, dass die Dame nicht in Gefahr gerät. Sollte sich die Dame wohlfühlen, ist sie auch bereit, diesen Mann ein weiteres Mal zu treffen, und dies auch ohne Security. Sollte beim vierten Date alles reibungslos klappen, wird man als VIP-Kunde geführt und hat das Privileg, die Telefonnummer der auserwählten Dame zu bekommen, um sie direkt zu kontaktieren und nicht über die Agentur zu gehen.
„Sind Sie geschäftlich hier, Mr. …“
„Palmer. Nein, ich lebe hier in Houston.“
„Mr. Palmer. Stehen Sie irgendwie in Verbindung mit Palmer Communications?“, fragt sie und ich höre die Neugier in ihrer Stimme.
„Ja.“
„Verstehe. Sie müssen sich keine Gedanken machen, Mr. Palmer. Ihre Daten werden vertraulich behandelt. Jede einzelne unserer Damen hat eine Schweigepflichtserklärung unterschrieben. Sollte eine Mitarbeiterin irgendeinen Namen unserer Kunden preisgeben, darf sie nicht mehr für unsere Agentur arbeiten. Wir sind ein seriöses Unternehmen, Sir.“
Seriös? So was nennt man Prostitution auf höchstem Niveau. Aber ich verstehe, was sie meint. Diese Damen begleiten keine Normalverdiener, sondern Geschäftsleute, die allein reisen und sich ein paar schöne Stunden zwischen den Meetings gönnen wollen. Vielleicht auch Männer, die Rang und Namen haben und sich gern mit schönen Frauen an ihrem Arm präsentieren. Wieso bin ich nicht früher auf diese Idee gekommen, statt mich mit billigen Flittchen abzugeben und auf den Titelseiten diverser Magazine zu erscheinen? Das hätte mich vor manchem Ärger mit meinem Vater bewahrt, und ich wäre jetzt nicht in der Situation, nach einer Ehefrau suchen zu müssen.
„Das ist gut.“
„Und nun zum Grund Ihres Anrufes, Mr. Palmer. Für wann möchten Sie eine unserer Damen buchen?“
„Ist es für heute Abend möglich?“
„Natürlich. Haben Sie sich für eine entschieden oder soll ich nachsehen, welche heute Abend Zeit für Sie hätte?“
„Ich habe mich für Dana oder Alicia entschieden.“
„Eine sehr gute Wahl. Lassen Sie mich kurz nachsehen.“
Sie tippt auf ihrer Tastatur herum, und ein paar Sekunden später bestätigt sie mir, dass beide Damen frei seien. Ich buche Dana. Danach werde ich gefragt, ob es nur ein Abendessen sein soll oder ob ich im Anschluss mit der Dame in ein Hotel gehen möchte. Natürlich entscheide ich mich für beides.
„Für wie viele Stunden möchten Sie den Service in Anspruch nehmen, Mr. Palmer?“
„Was würden mich sechs Stunden kosten?“
„Zweitausend Dollar.“
Das klingt gut. Ein Abendessen mit einer sexy Dame, anschließend Sex und das für zwei Riesen. Ich bestätige, gebe ihr durch, in welchem Restaurant wir uns um halb acht treffen und in welchem Hotel ich eine Suite buchen werde. Nachdem sie die Informationen in den Computer eingegeben hat, möchte sie meine Kreditkartendaten und meine E-Mail-Adresse haben. Sie sagt mir, dass die Hälfte des Betrages nach Eintreffen der Dame abgebucht wird, und die andere, sobald die Stunden vorbei sind und sie den Ort des Treffens wieder verlässt. Sie bedankt sich für die Buchung und wir beenden das Gespräch.
Sekunden später bekomme ich eine E-Mail mit den abgesprochenen Informationen, die ich mir durchlese, und höre danach ein Klopfen an meiner Tür.
Ich eile hin und öffne sie. „Hey, Kumpel. Schön, dass du es pünktlich geschafft hast.“ Wir geben uns die Hände, stoßen Schulter an Schulter und klopfen uns auf den Rücken.
„War doch klar. Deine Nachricht hat sich wichtig angehört. So, als würde es um Leben und Tod gehen.“
„Geht es auch.“
Er spaziert herein, setzt sich auf die Couch, legt die Beine auf den Tisch und kreuzt die Arme vor seinem Oberkörper. Die Ärmel seines T-Shirts spannen sich über seinen Oberarmen. Er ist sehr muskulös, denn er ist Sportlehrer und trainiert jeden Tag. Ich schaffe es nur ein- bis zweimal in der Woche ins Fitnessstudio.
„Dann schieß mal los.“
Mit einem tiefen Seufzer setze ich mich ihm gegenüber, lege ebenfalls meine Beine auf den Tisch und verschränke die Hände hinter dem Kopf. „Mein Vater will, dass ich ins Firmengeschäft einsteige.“
„Was ist daran so schlimm? Ich denke, es wird Zeit, dass du dich da reinhängst. Immerhin kann dein Vater die Firma nicht für immer leiten.“
Ich fahre mit meinen Händen vom Hinterkopf zu meinem Gesicht und reibe mehrmals darüber. Das Schlimmste hat er noch gar nicht gehört. „Außerdem soll ich heiraten.“
Direkt nach meiner Aussage sieht er mich mit großen Augen an und prustet los. Mit dieser Reaktion habe ich definitiv gerechnet. Um die Wahrheit zu sagen, kann ich sie verstehen, das ist ja auch sehr lustig. Deshalb fange ich ebenfalls an, zu lachen. Heiraten und all die willigen Frauen von anderen vögeln lassen? Nie im Leben!
„Genau … ganz genau, mein Freund. Das ist zum Lachen.“ Mein Bauch tut vor Lachen weh.
Luke liegt schon auf der Couch und aus seinen Augen kullern Tränen. Mir geht es nicht anders. Mit einer Hand wische ich mir meine ab und mit der anderen fasse ich mir an den Magen. Das ist großartig. Mein Vater hat es wirklich geschafft, uns zum Lachen zu bringen.
„Kannst du dir das vorstellen, Bro? Ich und heiraten? Jede Nacht mit der gleichen Frau ins Bett gehen? Nein danke.“
Luke setzt sich auf und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Mit verschränkten Armen lehne ich mich an die Couch zurück. Für eine gefühlte Ewigkeit starrt Luke ins Leere und richtet seinen Blick dann wieder auf mich. „Warum eigentlich nicht?“
Abrupt setze ich mich gerade hin. Ich scheine mich anscheinend verhört zu haben. Mein bester Kumpel stimmt tatsächlich meinem Vater zu. „Äh! Wir reden hier gerade über mich?“ Mit dem Finger zeige ich auf mich. Nur für den Fall, dass er denkt, wir reden über jemand anderen.
„Wie wäre es mit einer Scheinehe? Das machen die Promis auch ab und zu“, sagt er nach ein paar Minuten der Überlegung. „Alles wird vorher detailliert geregelt. Nach einer gewissen Zeit lasst ihr euch scheiden und sie bekommt eine Art Abfindung“, erklärt er und zuckt gleichgültig mit den Schultern.
Einen Moment! So blöd hört sich das gar nicht an. Da ist was dran. Dann wäre ich verheiratet, so wie mein Vater es sich wünscht, und das Geld würde weiterhin auf mein Konto fließen. Nach einem Jahr oder so lassen wir uns scheiden. Ich könnte dann wieder zurück in mein normales Leben. Genial!
„Du meinst, so was wie ein Arrangement?“ Er nickt mir zu und ich setze mein Gehirn in Gang. Mir kommt momentan keine Frau in den Sinn, die sich freiwillig auf so etwas einlassen würde. Denen, die ich kenne, würde man garantiert ansehen, dass sie geldgeile und billige Tussis sind. „Red weiter.“
Luke kaut auf seiner Unterlippe herum und überlegt kurz. „Es müsste eine sein, die gut aussieht und einen angesehenen Job hat.“ Er grinst mich schief an, und ich bedeute ihm mit meiner Hand, dass er mir sagen soll, was er noch im Kopf hat. „Die finanziell unabhängig ist und nicht dein halbes Vermögen verlangt, wenn ihr euch scheiden lasst.“
Oh! Diese Idee fängt langsam an, mir zu gefallen. Eine Vorzeigefrau auf Zeit, mein Vater hätte nichts zu meckern und ich wäre damit aus dem Schneider.
Luke legt den Kopf schief und starrt für ein paar Minuten auf den Boden. Plötzlich fängt er heftig zu nicken an und grinst dabei. „Ich denke, ich kenne die geeignete Frau für dich.“
„Ach ja?“
„Ja.“
„Und welche?“ Ich platze regelrecht vor Neugier. Vielleicht ist es eine, die mit ihm im Fitnessstudio trainiert. Oder eine Kollegin. Aber hoffentlich keine Mathematiklehrerin, die sind mir zu langweilig. Ich habe mich mal mit einer unterhalten. Furchtbar! Eine Französischlehrerin vielleicht. Dann könnte sie mir so was wie „Mon amour“ oder „Chéri“ ins Ohr flüstern, wenn wir in Action sind.
„Layla.“
Das ist nicht sein Ernst. Kommt nicht infrage! Ich beschreibe sie mal. Layla ist nett, daran kann ich mich erinnern. Sie trägt eine dicke Hornbrille, Zahnspange und läuft mit Klamotten herum, die nicht mal meine Großmutter anziehen würde. Pickel bedecken ihr Gesicht und sie ist fett. Nun ja, nicht direkt fett, aber ein paar Kilos hat sie definitiv zu viel drauf. Sie ist, glaube ich, zwei oder drei Jahre jünger als wir. Ich erinnere mich noch gut an sie. Damals kam sie ständig zu Luke nach Hause, weil er ihr bei den Hausaufgaben half, und ich glaube, sie war verknallt in mich. Zum Glück musste ich ihre Anwesenheit nicht lange ertragen, denn ein paar Monate später ging ich nach Harvard. Und dieses hässliche Entlein will er mir andrehen? Von gutaussehend kann hier nämlich keine Rede sein. Mein Magen zieht sich zusammen und bittere Galle steigt in meinen Mund, wenn ich nur an sie denke.
„Deine Cousine? Vergiss es, Luke. Layla?“ Ich wedle mit der Hand durch die Luft, erhebe mich, schüttele den Kopf und stelle mich vors Fenster.
„Sie ist Anwältin, Chris.“
„Schön für sie.“ Ich beiße die Zähne zusammen, atme laut ein und wieder aus. „Wir reden von einer Frau, die sich mit mir in der Öffentlichkeit zeigen kann. Eine, die ein Hingucker ist, was Layla nicht … Die Reporter und meine Familie werden sofort merken, dass das alles nur ein Fake ist.“
Luke stellt sich neben mich, legt eine Hand auf meine Schulter. „Bro, Layla ist intelligent, hat einen angesehenen Job, verdient sehr gutes Geld und ist Single. Außerdem hat sie darin ein wenig Erfahrung.“
„Wie meinst du das? Sie hatte schon mal eine Fake-Ehe?“