Czytaj książkę: «Wo Liebe ist, da ist auch Gott»

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Lew Tolstoi

Wo Liebe ist, da ist auch Gott

ÜbersetztA.A. Fiedler

Saga

Wo Liebe ist, da ist auch Gott ÜbersetztA.A. Fiedler Original Gde ljubow, tam i BogCoverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 1885, 2020 Lew Tolstoi und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726614770

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

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Wo Liebe ist, da ist auch Gott.

In einem Keller bewohnte der Schuster Martyn Awdejitsch eine einfenstrige Kammer. Das Fenster ging auf die Straße, und von ihm aus konnte er das Vorbeihasten der Leute beobachten. Wenn er auch nur die Füße erspähen konnte, so erkannte er doch die Menschen an ihren Schuhen. Schon sehr lange lebte er da unten und kannte unendlich viele Menschen. Denn es gab nur ganz wenige Schuhpaare seines Viertels, die nicht ein oder zweimal durch seine Hände gegangen wären. Diese hatte er besohlt, jene geflickt, andere gesteppt und wieder andere neuhergerichtet. Oft sah er von seiner Arbeit auf und schaute durchs Fenster empor. Awdejitsch hatte immer Arbeit; denn er machte alles gut, nahm gutes Leder, war preiswert und lieferte stets pünktlich ab. Er nahm nur dann Arbeit an, wenn er sie auch wirklich fertig bekam; war das aber nicht möglich, dann belog er die Leute nicht, sondern sagte es ihnen im voraus. Jeder kannte ihn, und so hatte er immer reichlich Arbeit. Awdejitsch war von jeher ein guter Mensch gewesen, doch als er alt wurde, begann er mehr als früher an das Heil seiner Seele zu denken und über Gott nachzusinnen. Damals, als er noch bei einem Meister arbeitete, war seine Frau gestorben. Bei ihrem Tode hinterließ sie ihm einen dreijährigen Knaben; die älteren Kinder waren bereits früher gestorben. Anfangs wollte Awdejitsch den Knaben zu seiner Schwester aufs Land geben, dann aber bekam er Mitleid mit ihm und dachte bei sich: „Es wird meinem Kapitoschka sauer fallen, unter Fremden aufzuwachsen, und ich will ihn doch lieber bei mir behalten.“ Da gab Awdejitsch seine Stelle beim Meister auf und bezog mit dem Knaben eine Mietskammer. Gott aber ließ Awdejitsch in seinen Kindern kein Glück zuteil werden. Kaum war der Knabe so weit, daß er dem Vater etwas bei seiner Arbeit helfen konnte, woran auch dieser seine Freude hatte, als Kapitoschka plötzlich krank wurde. Der Knabe mußte sich niederlegen, und im Verlaufe einer Woche starb er. Als Awdejitsch den Knaben beerdigt hatte, überkam ihn die Verzweiflung. Sie aber ergriff so stark von ihm Besitz, daß er sogar gegen Gott zu murren begann. Sein Schmerz übermannte ihn so, daß er mehr als einmal Gott um den Tod bat und Gott anklagte, daß er nicht ihn, den Alten, sondern seinen einzigen, seinen geliebten Sohn zu sich genommen hatte. Von jener Zeit an gab Awdejitsch auch den Kirchenbesuch auf.

Einst wurde Awdejitsch von einem Landsmann aufgesucht; es war ein Greis, der schon das achte Jahr pilgerte und soeben vom Troitzky-Kloster herkam. Diesem Alten klagte er sein Leid: „Ich habe keine Freude mehr am Leben,“ sagte er, „ach, könnte ich doch endlich sterben, das ist meine tägliche Bitte zu Gott; hab’ an allem die Hoffnung verloren.“

Doch der Alte antwortete ihm:

„Deine Reden sind nicht gut, Martyn. Wir dürfen Gottes Taten nicht beurteilen. Es geschieht nichts nach unserem Willen, sondern nach Gottes Willen. Gott wollte, daß dein Sohn sterbe, daß aber du lebest. Also wird das wohl besser sein. Deine Verzweiflung kommt nur daher, daß du um deiner Freude willen leben möchtest!“

„Wozu aber soll ich denn sonst leben?“ fragte Martyn.

„Für Gott muß der Mensch leben, Martyn. Er gibt dir dein Leben, daher mußt du auch für ihn leben. Wenn du für ihn lebst, wirst du über nichts mehr klagen und alles wird dir leicht werden.“

Martyn schwieg eine Weile, dann fragte er:

„Wie lebt man denn aber für Gott?“

„Wie man für Gott lebt? Das hat uns doch Christus selbst gelehrt. Wenn du lesen kannst, kaufe dir das Buch der Evangelien und lies darin; dort wird dir gesagt und alles erklärt, wie man für Gott leben soll.“

Diese Worte prägten sich Awdejitsch ins Herz, und er ging hin, kaufte sich ein großgedrucktes Neues Testament und begann darin zu lesen.

Er hatte sich vorgenommen, nur an den Feiertagen darin zu lesen; als er aber mit dem Lesen begonnen hatte, wurde ihm so frei ums Herz, daß er täglich darin las. Oft fesselte ihn das Lesen so stark, daß er das Buch nicht aus der Hand legen konnte, obwohl alles Petroleum in der Lampe ausgebrannt war. So las also denn Awdejitsch Abend für Abend. Und je mehr er las, desto klarer wurde es ihm, was Gott von ihm wollte und wie man für Gott leben müßte. Und sein Herz wurde freier und freier. Früher, wenn er sich schlafen legte, hatte er oft gestöhnt und gejammert und seines Kapitoschkas gedacht; jetzt dagegen rief er freudig aus: „Preis sei dir, Preis sei dir, o Herr, dein Wille geschehe!“

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Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
05 maja 2025
Objętość:
18 str. 1 ilustracja
ISBN:
9788726614770
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania: