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Karl Simrock

Die Edda (Deutsche Ausgabe)

Nordische Mythologie & Heldengedichte

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musaicumbooks@okpublishing.info 2017 OK Publishing ISBN 978-80-7583-681-6

Inhaltsverzeichnis

Nachruf an Jacob Grimm.

I. Die ältere Edda. Göttersage.

1. Völuspâ. Der Seherin Ausspruch.

2. Grimnismâl Das Lied von Grimnir.

3. Vafthrûdhnismâl. Das Lied von Wafthrudnir.

4. Hrafalnagaldr Ôdhins. Odhins Rabenzauber.

5. Vegtamskvidha. Das Wegtamslied.

6. Hâvamâl. Des Hohen Lied.

7. Harbardhsliod. Das Harbardslied.

8. Hymiskvidha. Die Sage von Hymir.

9. Oegisdrecka. Oegirs Trinkgelag.

10. Thrymskvidha oder Hamarsheimt. Thryms-Sage oder des Hammers Heimholung.

11. Alvîssmâl. Das Lied von Alwis.

12. Skîrnisför. Skirnirs Fahrt.

13. Grôgaldr. Groas Erweckung.

14. Fiölsvinnsmâl. Das Lied von Fiölswidr.

15. Rîgsmal. Das Lied von Rigr.

16. Hyndluliod. Das Hyndlalied.

II. Die ältere Edda. Heldensage.

17. Völundarkvidha. Das Lied von Wölundur.

18. Helgakvidha Hjörvardhssonar. Das Lied von Helgi dem Sohne Hiörwards.

19. Helgakvidha Hundingsbana fyrri. Das erste Lied von Helgi dem Hundingstödter.

20. Helgakvidha Hundingsbana önnur. Das andere Lied von Helgi dem Hundingstödter.

21. Sinfiötlalok. Sinfiötlis Ende.

22. Sigurdharkvidha Fafnisbana fyrsta edha Grîpisspâ. Das erste Lied von Sigurd dem Fafnistödter oder Gripirs Weißagung.

23. Sigurdharkvidha Fafnisbana önnur. Das andere Lied von Sigurd dem Fafnirstödter.

24. Fafnismâl. Das Lied von Fafnir.

25. Sigrdrîfumâl. Das Lied von Sigurdrifa.

26. Brot af Brynhildarkvidhu. Bruchstück (?) eines Brynhildenliedes.

27. Sigurdharkvidha Fafnisbana thridhja. Das dritte Lied von Sigurd dem Fafnirstödter.

28. Helreidh Brynhildar. Brynhildens Todesfahrt.

29. Gudhrûnarkvidha fyrsta. Das erste Gudrunenlied.

30. Drâp Niflunga. Mord der Niflunge.

31. Gudhrûnarkvidha önnur. Das andere Gudrunenlied.

32. Gudhrûnarkvidha thridhja. Das dritte Gudrunenlied.

33. Oddrûnargrâtr. Oddruns Klage.

34. Atlakvidha. Die Sage von Atli.

35. Atlamâl. Das Lied von Atli.

36. Gudhrûnarhvöt. Gudruns Aufreizung.

37. Hamdismâl. Das Lied von Hamdir.

III. Die jüngere Edda.

1. Gylfaginnîng. Gylfis Verblendung.

2. Bragarœdhur. Bragis Gespräche.

3. Aus der Skalda. Thors und Hrungnirs Kampf.

Thors Fahrt nach Geirrödsgard.

Lokis Wette mit den Zwergen.

Die Niflungen und Giukungen.

Menja und Fenja.

38. Grottenlied.

Hrolf Kraki.

Högni und Hilde.

Anhang.

39. Sôlarliôth, das Sonnenlied.

IV. Erläuterungen.

Einleitung.

1. Eddalieder.

2. Edda.

3. Eddische Verskunst.

4. Poetischer Werth.

Anmerkungen.

I. Göttersage.

1. Wöluspa.

2. Grimnismal.

3. Wafthrudnismal.

4. Hrafnagaldr Odhins.

5. Wegtamskwida.

6. Hawamal.

7. Harbardslied.

8. Hymiskwida.

9. Oegisdrecka.

10. Thrymskwida.

11. Alwismal.

12. Skirnisför.

13. Grôgaldr.

14. Fiölswinnsmal.

15. Rigsmal.

16. Hyndlulied.

II. Heldensage.

17. Wölundarkwida.

18. Das Lied von Helgi dem Sohne Hiörwards.

19. 20. Die beiden Lieder von Helgi dem Hundingstötder.

21. Sinfiötlis Ende.

22. Gripirs Weißagung.

23. Das andere Lied von Sigurd dem Fafnistödter.

24. Fafnismal.

25. Sigrdrifumal.

26. Bruchstück eines Brynhildenliedes.

27. Das dritte Lied von Sigurd.

28. Brynhildens Todesfahrt.

29. Das erste Gudrunenlied.

30. Mord der Niflunge.

31. Das andere Gudrunenlied.

32. Das dritte Gudrunenlied.

33. Oddruns Klage.

34. Atlakwida.

35. Atlamal. Gunnars Harfenschlag.

36. 37. Gudruns Aufreizung und Hamdismal.

Nachruf an Jacob Grimm.

Inhaltsverzeichnis

Ich wagte niemals Dir ein Buch zu weihn,

Zu hocherhaben standst Du ob uns allen;

Doch durfte meine Edda Dir gefallen:

Die frohe Kunde kam mir an den Rhein.

Ach, eine trübe scholl uns hinterdrein;

Du gingst hinüber zu der Väter Hallen

An Wilhelms Hand in Glasirs Gold zu wallen;

Uns hegt ein seidner Faden noch den Hain.

Doch welche Wunder hast Du uns erschloßen!

Die deutsche Sprache sperrten sieben Siegel

Und sieben Riegel Recht und Poesie.

Nun haben wir Odhrärirs Trunk genoßen,

Sahn uns in Urdas weißer Flut im Spiegel;

Dein Bild, o Meister, doch entsinkt uns nie.

Die Absicht, unsere Landsleute in das Heiligthum der Edda, dieser Eltermutter deutscher Sage und Dichtung einzuführen, möchten wir verfehlen, wenn sie sich gleich an der Schwelle, wie leicht geschehen könnte, durch die dunkel tönenden und schwer auszudeutenden Worte der Seherin abschrecken ließe. Wollen sie unserm Rathe folgen, so lesen sie zuerst die übrigen zur Göttersage gehörigen Lieder der ältern Edda, und die Völuspa nicht eher als bis sie sich durch jene und die ersten Abschnitte der jüngern Edda mit den Göttern Walhalls und ihren Schicksalen vertraut gemacht haben. Es wird gut sein, jedes Lied erst für sich und dann noch einmal mit Zuziehung unserer Anmerkungen zu lesen. Mit der jüngern Edda überhaupt den Anfang zu machen, rathen wir nicht, da sie doch eigentlich nur die Götterlieder, freilich nicht bloß die uns erhaltenen, erläutern will. Am Besten wird sie wohl nebst den drei ersten Erzählungen der Skalda unmittelbar nach den Götterliedern, mit Ausnahme der Wöluspa gelesen.

[Hinweis zum Lesen am Bildschirm: Simrocks "Edda"-Ausgabe besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: der Älteren Edda (ÄE), der Jüngeren Edda (JE) (welche selbst als Erläuterung der ÄE dienen kann) und des Übersetzers Anmerkungen zu den Liedern der ÄE. In den Liedern der ÄE bedeuten die hochgestellten Nummern zugehörige Kapitel der JE, während man durch Anklicken des Lied-Titels auf Simrocks Anmerkungen zu diesem Lied gelangt, in denen dann wieder Rückverweise auf die Liedstrophen auftauchen. Um bei all diesen Verknüpfungen den Überblick zu behalten, empfiehlt es sich, mit zwei Browser-Fenstern (für die ÄE und die Anmerkungen) zu arbeiten.]

I. Die ältere Edda.
Göttersage.

Inhaltsverzeichnis

1. Völuspâ. Der Seherin Ausspruch.

Inhaltsverzeichnis

1

Allen Edeln gebiet ich Andacht,

Hohen und Niedern von Heimdalls Geschlecht;

Ich will Walvaters Wirken künden,

Die ältesten Sagen, der ich mich entsinne,

2

Riesen acht ich die Urgebornen,

Die mich vor Zeiten erzogen haben.

Neun Welten kenn ich, neun Aeste weiß ich

An dem starken Stamm 15 im Staub der Erde.

3

Einst war das Alter, da Ymir 4 lebte: Da war nicht Sand nicht See, nicht salzge Wellen, Nicht Erde fand sich noch Ueberhimmel, Gähnender Abgrund und Gras nirgend.

4

Bis Börs Söhne 8 die Bälle erhuben, Sie die das mächtige Midgard schufen. Die Sonne von Süden schien auf die Felsen Und dem Grund entgrünte grüner Lauch.

5

Die Sonne von Süden, des Mondes Gesellin,

Hielt mit der rechten Hand die Himmelrosse.

Sonne wuste nicht wo sie Sitz hätte,

Mond wuste nicht was er Macht hätte,

Die Sterne wusten nicht wo sie Stätte hatten.

6

Da 14 gingen die Berather zu den Richterstühlen, Hochheilge Götter hielten Rath. Der Nacht und dem Neumond gaben sie Namen, Hießen Morgen und Mitte des Tags, Under und Abend, die Zeiten zu ordnen.

7

Die Asen einten sich auf dem Idafelde,

Hof und Heiligtum hoch sich zu wölben. 14 (Uebten die Kräfte Alles versuchend,) Erbauten Essen und schmiedeten Erz, Schufen Zangen und schön Gezäh.

8

Sie warfen im Hofe heiter mit Würfeln

Und darbten goldener Dinge noch nicht.

Bis drei der Thursen- töchter kamen

Reich an Macht, aus Riesenheim. 14

9

Da gingen die Berather zu den Richterstühlen,

Hochheilge Götter hielten Rath,

Wer schaffen sollte der Zwerge Geschlecht

Aus Brimirs Blut und blauen Gliedern.

10

Da ward Modsognir der mächtigste Dieser Zwerge und Durin nach ihm. Noch manche machten sie menschengleich Der Zwerge von Erde, wie Durin angab.

11

Nyi und Nidi, Nordri und Sudri,

Austri und Westri, Althiofr, Dwalin,

Nar und Nain, Nipingr, Dain,

Bifur, Bafur, Bömbur, Nori,

Ann und Anarr, Ai, Miödwitnir.

12

Weigr, Gandalfr, Windalfr, Thrain,

Theckr und Thorin, Thror, Witr und Litr,

Nar und Nyradr; nun sind diese Zwerge,

Regin und Raswidr, richtig aufgezählt.

13

Fili, Kili, Fundin, Nali,

Hepti, Wili, Hannar und Swior,

Billingr, Bruni, Bildr, Buri,

Frar, Hornbori, Frägr und Loni,

Aurwangr, Jari, Eikinskjaldi.

14

Zeit ists, die Zwerge von Dwalins Zunft Den Leuten zu leiten bis Lofar hinauf, Die aus Gestein und Klüften strebten Von Aurwangs Tiefen Zum Erdenfeld.

15

Da war Draupnir und Dolgthrasir,

Har, Haugspori, Hläwangr, Gloi,

Skirwir, Wirwir, Skafidr, Ai,

Alfr und Yngwi, Eikinskjaldi.

16

Fialar und Frosti, Finnar und Ginnar,

Heri, Höggstari, Hliodolfr, Moin.

So lange Menschen leben auf Erden,

Wird zu Lofar hinauf ihr Geschlecht geleitet.

17

Gingen da 9 dreie aus dieser Versammlung, Mächtige milde Asen zumal, Fanden am Ufer unmächtig Ask und Embla und ohne Bestimmung.

18

Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht,

Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.

Seele gab Odhin, Hönir gab Sinn,

Blut gab Lodur und blühende Farbe.

19

Eine Esche weiß ich, heißt Yggdrasil, 15, 16 Den hohen Baum netzt weißer Nebel; Davon kommt der Thau, der in die Thäler fällt. Immergrün steht er über Urds Brunnen.

20

Davon 15 kommen Frauen, vielwißende, Drei aus dem See dort unterm Wipfel. Urd heißt die eine, die andre Werdandi: Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte. Sie legten Looße, das Leben bestimmten sie Den Geschlechtern der Menschen, das Schicksal verkündend.

21

Allein saß sie außen, da der Alte kam,

Der grübelnde Ase, und ihr ins Auge sah.

Warum fragt ihr mich? was erforscht ihr mich?

Alles weiß ich, Odhin, wo du dein Auge bargst:

22

In der vielbekannten Quelle Mimirs.

Meth dringt Mimir allmorgentlich

Aus Walvaters Pfand! wißt ihr was das bedeutet? 15

23

Ihr gab Heervater Halsband und Ringe

Für goldene Sprüche und spähenden Sinn.

Denn weit und breit sah sie über die Welten all.

24

Ich sah Walküren 36 weiter kommen, Bereit zu reiten zum Rath der Götter. Skuld hielt den Schild, Skögul war die andre, Gunn, Hilde, Göndul und Geirskögul. Hier nun habt ihr Herians Mädchen, Die als Walküren die Welt durchreiten.

25

Da wurde Mord in der Welt zuerst,

Da sie mit Geeren Gulweig (die Goldkraft) stießen,

In des Hohen Halle die helle brannten.

Dreimal verbrannt ist sie dreimal geboren,

Oft, unselten, doch ist sie am Leben.

26

Heid hieß man sie wohin sie kam,

Wohlredende Wala zähmte sie Wölfe.

Sudkunst konnte sie, Seelenheil raubte sie,

Uebler Leute Liebling allezeit.

27

Da 42 gingen die Berather zu den Richterstühlen, Hochheilge Götter hielten Rath, Ob die Asen sollten Untreue strafen, Oder alle Götter Sühnopfer empfahn.

28

Gebrochen war der Burgwall den Asen,

Schlachtkundge Wanen stampften das Feld.

Odhin schleuderte über das Volk den Spieß:

Da wurde Mord in der Welt zuerst.

29

Da gingen die Berather zu den Richterstühlen,

Hochheilge Götter hielten Rath,

Wer mit Frevel hätte die Luft erfüllt,

Oder dem Riesenvolk Odhurs Braut gegeben?

30

Von Zorn bezwungen zögerte Thôr nicht,

Er säumt selten wo er Solches vernimmt:

Da schwanden die Eide, Wort und Schwüre,

Alle festen Verträge jüngst trefflich erdacht.

31

Ich weiß Heimdalls 27 Horn verborgen Unter dem himmelhohen heiligen Baum. Einen Strom seh ich stürzen mit starkem Fall Aus Walvaters Pfand: wißt ihr was das bedeutet? 15

32

Oestlich saß die Alte im Eisengebüsch

Und fütterte dort Fenrirs Geschlecht.

Von ihnen allen wird eins das schlimmste:

Des Mondes Mörder übermenschlicher Gestalt. 12

33

Ihn mästet das Mark gefällter Männer,

Der Seligen Saal besudelt das Blut.

Der Sonne Schein dunkelt in kommenden Sommern,

Alle Wetter wüthen: wißt ihr was das bedeutet?

34

Da saß am Hügel und schlug die Harfe

Der Riesin Hüter, der heitre Egdir.

Vor ihm sang im Vogelwalde

Der hochrothe Hahn, geheißen Fialar.

35

Den Göttern gellend sang Gullinkambi,

Weckte die Helden beim Heervater,

Unter der Erde singt ein andrer,

Der schwarzrothe Hahn in den Sälen Hels.

36

Ich sah dem Baldur, 49 dem blühenden Opfer, Odhins Sohne, Unheil drohen. Gewachsen war über die Wiesen hoch Der zarte, zierliche Zweig der Mistel.

37

Von der Mistel kam, so dauchte mich

Häßlicher Harm, da Hödur schoß.

(Baldurs Bruder war kaum geboren,

Als einnächtig Odhins Erbe zum Kampf ging. 30, 53 Die Hände nicht wusch er, das Haar nicht kämmt' er, Eh er zum Bühle trug Baldurs Tödter.) Doch Frigg beklagte in Fensal dort Walhalls Verlust: wißt ihr was das bedeutet?

38

In Ketten lag im Quellenwalde

In Unholdgestalt der arge Loki.

Da sitzt auch Sigyn unsanfter Geberde,

Des Gatten waise: wißt ihr was das bedeutet? 50

39

Gewoben weiß da Wala Todesbande,

Und fest geflochten die Feßel aus Därmen.

Viel weiß der Weise, sieht weit voraus

Der Welt Untergang, der Asen Fall. 51 Grässlich heult Gram 12 vor der Gnupahöhle, Die Feßel bricht und Freki rennt.

40

Ein Strom wälzt ostwärts durch Eiterthäler

Schlamm und Schwerter, der Slidur 4 heißt.

41

Nördlich stand an den Nidabergen

Ein Saal aus Gold für Sindris Geschlecht.

Ein andrer stand auf Okolnir

Des Riesen Biersaal, Brimir genannt. 52

42

Einen Saal seh ich, der Sonne fern

In Nastrand, 52 die Thüren sind nordwärts gekehrt. Gifttropfen fallen durch die Fenster nieder; Mit Schlangenrücken ist der Saal gedeckt.

43

Im starrenden Strome stehn da und waten

Meuchelmörder und Meineidige

(Und die Andrer Liebsten ins Ohr geraunt).

Da saugt Nidhöggr die entseelten Leiber,

Der Menschenwürger: wißt ihr was das bedeutet?

44

Viel weiß der Weise, sieht weit voraus

Der Welt Untergang, der Asen Fall.

45

Brüder befehden sich und fällen einander,

Geschwisterte sieht man die Sippe brechen.

Der Grund erdröhnt, üble Disen fliegen;

Der Eine schont des Andern nicht mehr.

46

Unerhörtes eräugnet sich, großer Ehbruch.

Beilalter, Schwertalter, wo Schilde krachen,

Windzeit, Wolfszeit eh die Welt zerstürzt.

47

Muspels Söhne spielen, der Mittelstamm entzündet sich

Beim gellenden Ruf des Giallarhorns.

Ins erhobne Horn bläst Heimdall laut,

Odhin murmelt mit Mimirs Haupt.

48

Yggdrasil zittert, die Esche, doch steht sie,

Es rauscht der alte Baum, da der Riese frei wird.

(Sie bangen alle in den Banden Hels

Bevor sie Surturs 4 Flamme verschlingt.) Grässlich heult Garm vor der Gnupahöhle, Die Feßel bricht und Freki rennt.

49

Hrym 51 fährt von Osten und hebt den Schild, Jörmungandr wälzt sich im Jötunmuthe. Der Wurm schlägt die Flut, der Adler facht, Leichen zerreißt er; los wird Naglfar.

50

Der Kiel fährt von Osten, da kommen Muspels Söhne

Ueber die See gesegelt; sie steuert Loki.

Des Unthiers Abkunft ist all mit dem Wolf;

Auch Bileists 33 Bruder ist ihm verbündet.

51

Surtur 4, 51 fährt von Süden mit flammendem Schwert, Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter. Steinberge stürzen, Riesinnen straucheln, Zu Hel fahren Helden, der Himmel klafft.

52

Was ist mit den Asen? was ist mit den Alfen?

All Jötunheim ächzt, die Asen versammeln sich.

Die Zwerge stöhnen vor steinernen Thüren,

Der Bergwege Weiser: wißt ihr was das bedeutet?

53

Da hebt sich Hlins 35 anderer Harm, Da Odin eilt zum Angriff des Wolfs. Belis Mörder 35 mißt sich mit Surtur; Schon fällt Friggs einzige Freude.

54

Nicht säumt Siegvaters erhabner Sohn

Mit dem Leichenwolf, Widar, zu fechten:

Er stößt dem Hwedrungssohn den Stahl ins Herz

Durch gähnenden Rachen: so rächt er den Vater.

55

Da kommt geschritten Hlodyns schöner Erbe,

Wider den Wurm wendet sich Odins Sohn.

Muthig trifft ihn Midgards Segner.

Doch fährt neun Fuß weit Fiörgyns Sohn

Weg von der Natter, die nichts erschreckte.

Alle Wesen müßen die Weltstatt räumen.

56

Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer,

Vom Himmel schwinden die heitern Sterne.

Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum,

Die heiße Lohe beleckt den Himmel.

57

Da 53 seh ich auftauchen zum andernmale Aus dem Waßer die Erde und wieder grünen. Die Fluten fallen, darüber fliegt der Aar, Der auf dem Felsen nach Fischen weidet.

58

Die Asen einen sich auf dem Idafelde,

Ueber den Weltumspanner zu sprechen, den großen.

Uralter Sprüche sind sie da eingedenk,

Von Fimbultyr gefundner Runen.

59

Da werden sich wieder die wundersamen

Goldenen Bälle im Grase finden,

Die in Urzeiten die Asen hatten,

Der Fürst der Götter und Fiölnirs 20 Geschlecht.

60

Da werden unbesät die Aecker tragen,

Alles Böse beßert sich, Baldur kehrt wieder.

In Heervaters Himmel wohnen Hödur und Baldur,

Die walweisen Götter. Wißt ihr was das bedeutet?

61

Da kann Hönir selbst sein Looß sich kiesen,

Und beider Brüder Söhne bebauen

Das weite Windheim. Wißt ihr was das bedeutet?

62

Einen Saal seh ich heller als die Sonne,

Mit Gold bedeckt auf Gimils Höhn: 3, 17, 52 Da werden bewährte Leute wohnen Und ohne Ende der Ehren genießen.

63

Da reitet der Mächtige zum Rath der Götter,

Der Starke von Oben, der Alles steuert.

Den Streit entscheidet er, schlichtet Zwiste,

Und ordnet ewige Satzungen an.

64

Nun kommt der dunkle Drache geflogen,

Die Natter hernieder aus Nidafelsen.

Das Feld überfliegend trägt er auf den Flügeln

Nidhöggurs Leichen – und nieder senkt er sich.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
13 listopada 2024
Objętość:
500 str. 1 ilustracja
ISBN:
9788075836816
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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