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Rock Star

Rock Star

Copyright © 2020 von Jessa James

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Veröffentlich von Jessa James

James, Jessa

Cover design copyright 2020 by Jessa James, Author

Images/Photo Credit: Deposit Photos: melis82; feedough; shime02; anterovium

Hinweis des Herausgebers:

Dieses Buch wurde für ein erwachsenes Publikum geschrieben. Das Buch kann explizite sexuelle Inhalte enthalten. Sexuelle Aktivitäten, die in diesem Buch enthalten sind, sind reine Fantasien, die für Erwachsene gedacht sind, und jegliche Aktivitäten oder Risiken, die von fiktiven Personen innerhalb der Geschichte übernommen werden, werden vom Autor oder Herausgeber weder befürwortet noch gefördert.

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Epilog

ERWEITERTER EPILOG – Serena

ERWEITERTER EPILOG – Rhys

Bücher von Jessa James

Also by Jessa James (English)

Über die Autorin

1

Serena Woods starrte ihr Spiegelbild im Badezimmerspiegel an, erleichtert, dass ihre Augen nicht das Hämmern preisgaben, das dahinter vor sich ging. Sie hätte sich gerne ein wenig Wasser ins Gesicht gespritzt, aber ihre Mutter hätte sicherlich irgendeine medizinische Reaktion erlitten, hätte sie auch nur darüber nachgedacht, ihr sorgfältig aufgetragenes Makeup zu verschmieren. Vielleicht einen Herzinfarkt oder eventuell einen Schlaganfall.

Serena hätte beim Dinner vermutlich mehr als die häppchengroßen Appetizer essen sollen, aber da ihre Mutter direkt neben ihr gesessen hatte, war es einfach nicht möglich gewesen, beim Hauptgang richtig zuzuschlagen. Geschweige denn mit dem Genuss, den der arme Lachs verdient hätte.

Also stand sie nun hier in dem winzigen Designerkleid, das von ihrer Mutter ausgesucht und gekauft worden war. Sie litt unter üblen Kopfschmerzen, die zweifellos von der Besessenheit ihrer Mutter während der vergangenen Wochen herrührten, sicherzustellen, dass Serena heute Abend problemlos in ihr Kleid passte.

Serena seufzte und wusch ihre Hände zu Ende. Anschließend lief sie hinaus in den Ballsaal, wo die Wohltätigkeitsveranstaltung in vollem Gange war. Nicht, dass ihre verräterischen Gedanken jemals in Form von Worten Gestalt annehmen würden, aber sie hasste es wirklich, wie ein dressierter Affe vorgeführt zu werden. Ihre Mutter bestand stets darauf, wie eine perfekte kleine Familie aufzutreten. Die meisten Leute spendeten bei solchen Benefizveranstaltungen nur wegen der Außenwirkung Geld, nicht weil es ihnen ein Bedürfnis war oder ihnen der Zweck am Herzen lag.

Serena unterstützte die Zwecke aus voller Überzeugung, aber sie hasste diese Veranstaltungen. Das einzig Positive für sie war, dass sie die Gäste beim Ankommen beobachten konnte. Sie betrachtete deren hübsche Designerkleidung und überlegte schweigend, ob der jeweilige Designer damit wohl einverstanden wäre oder nicht.

Die Veranstaltung des heutigen Abends fand zur Unterstützung einer örtlichen Sozialeinrichtung statt, die ihre Eltern bereits seit mehreren Jahren unterstützten. Serena und ihre Schwester hatten während ihrer Highschoolzeit sogar freiwillig dort gearbeitet. Daher freute es Serena besonders, dass die Besucherzahlen dieses Jahr sogar den Rekord des Vorjahres übertroffen hatten. Anscheinend hatte irgendeine berühmte Band selbst ein Musikvideo für ihren neuesten Song gedreht, wodurch sie sich eine ordentliche Summe gespart hatten. Die Band hatte sämtliche daraus gewonnenen Beträge an die Stiftung gespendet.

Man plante, die Videopremiere später am Abend zu zeigen, und es ging das Gerücht um, dass sogar ein paar der Bandmitglieder einen Auftritt hinlegen würden. Serena wusste nicht, um wen es sich handelte, obwohl ihre Mutter den Namen auf dem Weg zur Gala erwähnt hatte, aber er war ihr nicht bekannt vorgekommen. Wie dem auch sei, sie war dankbar für das, was sie für die Stiftung getan hatten. Das angestiegene Interesse an der Veranstaltung war zweifelsohne der Band zu verdanken. Also würden sie, wer auch immer sie waren, viele nicht privilegierte und obdachlose Kinder sehr, sehr glücklich machen.

Serena schritt durch den Ballsaal, wobei ihre blauen Augen nach links und rechts huschten und nach ihren Eltern Ausschau hielten. Sie konnte es nicht erwarten, wieder zu gehen. Ihre Kopfschmerzen wurden schlimmer und sie wollte einfach nur noch nach Hause gehen, ein Aspirin einwerfen und vielleicht Bryan anrufen.

Bryan. Schmetterlinge begannen bei dem Gedanken an ihren Verlobten und dem, was der morgige Tag für sie bereit halten würde, in ihrem Magen zu flattern. Sie waren seit ungefähr achtzehn Monaten ein Paar gewesen, als er vor grob sechs Monaten die Frage gestellt hatte. Es war nicht ganz unerwartet gekommen, da er bereits dabei war, sich eine gute Position in der exklusiven Kanzlei, die ihn beschäftigte, zu erarbeiten. Eine nigelnagelneue Ehefrau war der nächste Schritt bei seinem Plan.

Sie hatte seinen Antrag begeistert angenommen trotz der Tatsache, dass er mit seinem zunehmenden Erfolg immer arroganter und eingebildeter geworden war. Sie nahm an, dass er einfach nur eine Phase durchmachte und wenn sie nächstes Jahr erst einmal verheiratet waren, würde er sich bestimmt wieder beruhigen. Er hatte in letzter Zeit so viel gearbeitet, dass er nicht in der Lage gewesen war, heute Abend die Gala mit ihr zu besuchen.

Sie fand, dass er sehr geduldig mit ihr war in Anbetracht der Tatsache, dass sie mittlerweile knapp zwei Jahre ein Paar waren und ihre Beziehung noch nicht vollzogen hatten. Morgen jedoch würden sie den ganzen Tag miteinander verbringen, da sie zum ersten Mal bei ihm übernachten würde. Sie hoffte, dass das nicht das Einzige sein würde, das sie zum ersten Mal tun würde…

„Serena“, erklang die Stimme ihrer Mutter direkt vor ihr. „Wo warst du denn? Ich möchte dir gerne Dr. und Mrs. Kent vorstellen. Sie sitzen im Vorstand der Stiftung.“ Diese Leute waren meiner Mutter eindeutig wichtig, denn ihre normalerweise verkniffenen Augen waren jetzt vor Aufregung weit aufgerissen. Serena drehte sich um, um sich einem freundlich wirkenden älteren Paar zuzuwenden. „Freut mich, Sie kennenzulernen“, sagte sie, während sie höflich ihre Hand ausstreckte. „Serena Woods.“ Sie erwiderten irgendwelche Höflichkeiten, während Serena ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Mutter richtete. „Mom, ich weiß, dass es noch früh ist, aber mein Kopf bringt mich um. Daher werde ich jetzt nach Hause gehen.“

Die Augen ihrer Mutter verzogen sich bei ihrer Ankündigung wieder zu schmalen Schlitzen, aber vor den Kents wollte sie offensichtlich keine Szene veranstalten, weshalb sie lediglich nickte und in die Luft neben ihrer Wange küsste, während sie murmelte: „Ich hoffe, dir geht’s bald wieder besser, Schatz. Wir sehen dich dann morgen Früh.“ Ihr Dad nickte zum Abschied bloß, da er in ein Gespräch mit dem guten Dr. Kent vertieft war.

Sie sah ihre Schwester nicht, weshalb sie beschloss, zu gehen, ohne sich vorher von ihr zu verabschieden. So wie sie ihre Schwester kannte, war sie vermutlich in irgendeiner Ecke und machte mit dem nächsten Mr. Right herum. Ihre Schwester würde es nicht riskieren, den Zorn ihrer Mutter auf sich zu lenken, indem sie dabei erwischt wurde, etwas so Unangemessenes an einem öffentlichen Ort zu machen. Deshalb bezweifelte Serena, dass ihre Schwester so einfach zu finden sein würde.

Sie war mit ihrer Familie hierhergefahren. Daher würde sie vor dem Hotel erst einmal ein Taxi anhalten müssen, um nach Hause zu gelangen, was tatsächlich ein aufregender Gedanke für sie war.

Sie war wegen dieser Aussicht so in Gedanken versunken, dass sie irgendwo falsch abbog und sich jetzt auf einem Balkon wiederfand auf der, wie sie annahm, völlig falschen Seite des Hotels. Verflixt. Sie sah sich nach einer Karte um, auf der ihre aktuelle Position verzeichnet war, aber es war weit und breit keine zu finden. Allerdings befand sich ein Mann auf dem Balkon, der ihr den Rücken zugekehrt hatte. Er drehte sich jedoch um, sowie sie auf den Balkon stolperte.

Heiliger Bimbam. Sie mochte zwar verlobt sein, aber sie war nicht blind und der Mann, der vor ihr stand, war bei weitem die bestaussehendste Person, die sie jemals erblickt hatte. Er hatte lange, lockige dunkle Haare, die ihm bis zu den auf die Schultern fielen, und obgleich sie in dem dämmrigen Licht seine Augenfarbe nicht ausmachen konnte, konnte sie spüren, wie seine Augen sich in ihre bohrten. Seine vollen Lippen hatten sich zu einem schmalen Strich verzogen. Er trug einen dunklen Anzug, der wie maßgeschneidert aussah, und von einer Hand schlängelten sich Tattoos nach oben unter den Ärmel seines Hemdes. Er schien sie zu mustern und mit magnetischer Kraft zu sich zu ziehen, die jedes Härchen an ihrem Körper strammstehen und ihren Magen warm werden ließ. Nun, das war merkwürdig. Und definitiv nichts von dem, was sie verspürte, sollte sie für einen Mann empfinden, der nicht ihr Verlobter war.

„Entschuldigen Sie bitte, ich wollte Sie nicht stören. Ich muss nach der Spendengala falsch abgebogen sein.“ Mit diesen Worten wandte sie sich ab, ohne auf eine Erwiderung des Fremden zu warten, und machte sich schleunigst auf den Weg den Gang hinab, wobei ihr Gesicht vor Scham brannte.

2

„Wohin, Miss?“, fragte der Taxifahrer, nachdem sie sicher auf dem Rücksitz saß. Ihr erster Gedanke war nach Hause, doch dann wurde ihr bewusst, dass ihre Eltern wahrscheinlich noch einige Stunden auf der Gala bleiben würden angesichts dessen, wie früh es noch war. Aufregung durchfluchtete sie, während sie stattdessen Bryans Adresse stammelte.

Sein neues Apartment befand sich in einem modernen Gebäude nicht allzu weit entfernt und sie kannte den Türsteher sowie den Sicherheitscode, um hineinzugelangen. Also überlegte sie, dass sie ihn überraschen würde, wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Vielleicht würde sie ihm sogar ein Abendessen kochen und ihm einen Vorgeschmack auf das geben, wie es sein würde, nachdem sie geheiratet hatten. Dann, dachte sie schüchtern und mit geröteten Wangen, würde sie ihm vielleicht einen Vorgeschmack auf etwas ganz anderes geben. Bryan hatte sie noch nie zuvor oral befriedigt, aber laut den Geschichten, die Mary – ihre beste Freundin – ihr immer wieder erzählte, war es ein wahres Erlebnis. Ihr Geschlecht zog sich bei dem Gedanken zusammen. Sie war noch immer leicht neben der Spur wegen ihrer Begegnung mit dem extrem heißen Mann, als sie die Spendengala verlassen hatte.

Ja, das ist eine gute Idee, überzeugte sie sich leise. Er wird die Überraschung bestimmt lieben. Vielleicht ist es zu aufdringlich, merkte die laute Stimme ihrer Selbstzweifel in ihrem Kopf an. Sie grübelte darüber nach. Nein, falls er müde ist, wenn er nach Hause kommt oder falls er wütend wird, wenn er mich dort vorfindet, dachte sie, werde ich mich einfach entschuldigen und gehen.

Nachdem sie sich nun entschieden hatte, gerade als der Taxifahrer vor dem Gebäude langsamer wurde, bezahlte sie die Fahrt und grüßte den Türsteher, als sie an ihm vorbei und in die prächtige, weiße Lobby spazierte. Mit den klaren modernen Linien und unpersönlichen verspiegelten Aluminiumverkleidungen war es nicht unbedingt die Sorte Gebäude, von dem sie sich vorgestellt hatte, dass sie dort eines Tages einziehen würde, aber es war natürlich auch in keiner Weise schrecklich.

Der Aufzug gab ein leises digitales Ping von sich, als er nach unten gefahren kam, um sie nach oben zu ihrem zukünftigen Apartment zu befördern. Ein weiterer Schwall Aufregung durchzuckte sie. Das war das Wildeste, das sie jemals getan hatte. Traurig, das wusste sie, aber es änderte leider nichts an der Wahrheit.

Ihre Eltern hatten sie immer beschützt und behütet. Also lebte Serena mit zweiundzwanzig nach wie vor zu Hause, arbeitete im Familienunternehmen und ihre Mutter kontrollierte noch immer so gut wie jeden Aspekt ihres Lebens. Da ist nicht viel Platz für wilde Abenteuer, dachte sie wehmütig.

Der Aufzug trug sie direkt hinauf zu seinem Stockwerk und setzte sie dort mit einem weiteren leisen Ping ab. Sie lief zu seinem Apartment und tippte den Sicherheitscode ein, den er ihr vor noch nicht einmal einer Woche gegeben hatte, damit sie eines nachmittags seine Kleidung aus der Wäscherei vorbeibringen hatte können.

Sein Apartment war nicht riesig, wenngleich es sich aufgrund der cleveren Architektur geräumig anfühlte. Es war ein Apartment mit einem Schlafzimmer sowie einem Esszimmer im offenen Stil, das nahtlos in ein Wohnzimmer und Küche überging und von dem ein Balkon abzweigte. Die Miete in diesem Teil der Stadt war hoch. Bryan hatte diese Wohnung dem gemütlichen Haus mit drei Schlafzimmern, das sie bevorzugt hatte, vorgezogen mit dem Argument, dass es näher an seinem Büro und in einer hervorragenden Straße lag, weshalb es eine bessere Investition war.

Das Erste, das sie bemerkte, als sie durch die Tür trat, war, dass das Apartment nicht so dunkel und ruhig war, wie sie angenommen hatte. Die Lichter im Wohnzimmer brannten, auch wenn sie auf die niedrigste Einstellung gedimmt worden waren, und leise Musik dudelte durch das eingebaute Soundsystem. Die leise Musik war allerdings nicht das einzige Geräusch, das sie vernahm.

Es war auch Stöhnen zu hören. Lautes, weibliches Stöhnen. Sie bog um die Ecke des kleinen Eingangsbereiches in das offene Wohnzimmer und dort, nackt auf dem Sofa ausgestreckt, das Serena ausgesucht hatte, lag eine dunkelhaarige Frau eindeutig in den Fängen eines Orgasmus. Auf ihr – und in sie hämmernd, als hinge sein Leben davon ab – war ihr geliebter Bryan, die Augen fest zusammengekniffen.

Was. Zum. Kuckuck. Ihr Magen sackte mehrere Etagen nach unten, ihr Mund wurde staubtrocken und ihr Kopf fühlte sich plötzlich ganz wattig an, als hätte sie zu viel Wein getrunken. Sie musste unbeabsichtigt einen Laut von sich gegeben haben, denn in diesem Moment riss Bryan die Augen weit auf und starrte direkt in ihre.

„Serena?“, keuchte er ihren Namen beinahe unsicher, als dächte er, seine Augen würden ihm einen Streich spielen. Doch sie war schon aus der Tür und zurück im Aufzug, bevor sie sich diesbezüglich sicher sein konnte.

3

Sie hatte keine Ahnung, wie sie hier gelandet war. Sämtliche Gedanken hatten sich verflüchtigt, nachdem sie auf den Knopf zum Erdgeschoss von Bryans Wohnhaus gedrückt hatte. Doch jetzt stellte sie fest, dass sie gegen die Tür von Joshs winzigem Apartment in einem bedeutend weniger beeindruckenden Gebäude hämmerte.

Ihr Kindheitsfreund riss die Tür auf und warf einen Blick auf ihr Gesicht, ehe er sie in seine warmen Arme zog.

„Mom oder Bryan?“, fragte er, während sie ihr Gesicht an seine Brust presste.

„Bryan“, würgte sie hervor, denn die Tränen flossen jetzt heftig und schnell, wodurch sein dunkelgrünes T-Shirt feucht wurde.

Sie wusste nicht, wie lange sie dort standen und sie jämmerlich in der nach wie vor geöffneten Tür an seiner Brust weinte, aber irgendwann zog er sie in sein Apartment und trat die Tür hinter sich zu, während er sie in die Küche führte.

„Was zum Teufel hat dir dieses Arschloch angetan? Wenn er dir wehgetan hat, Serena…“, fing er an, seine dunklen Augen blickten mörderisch drein und seine langen braunen Haare fielen ihm ins Gesicht. „Nein, nein, so etwas war es nicht. Zumindest nicht in körperlicher Hinsicht“, erklärte sie. Sie brach auf einem der Hocker zusammen, die vor seiner Küchentheke standen. „Ich wollte ihn nach der Spendengala überraschen. Er hatte mir erzählt, dass er lange arbeiten müsste und deswegen nicht mitkommen könnte. Also dachte ich, es wäre doch eine schöne Überraschung, wenn ich ihm ein spätes Abendessen kochen würde, wenn er nach Hause kommt. Nur“, sie wischte sich über die Augen und atmete ein paar Mal tief und beruhigend ein, bevor sie fortfuhr, „war er schon zu Hause. Und er war nicht allein.“

Sie war mit Josh befreundet, seit seine Familie in das Haus neben ihrem gezogen war, als sie sieben und er acht Jahre alt gewesen war. Sie musste nichts weiter sagen, bevor er wieder zu ihr marschierte und sie abermals an seine Brust zog. Er streichelte mit seiner Hand ihren Rücken hoch und runter, um sie zu trösten, während er sie weinen ließ. Er flüsterte, wie sie vermutete, tröstliche Worte in ihr Ohr, auch wenn sie sie über ihre lauten Schluchzer nicht so recht verstehen konnte.

Serena war beim Weinen kein schöner Anblick und war es noch nie in ihrem Leben gewesen. Deswegen hasste sie es auch vor Leuten zu weinen, aber Josh kannte sie mittlerweile so lange, dass es keine Rolle mehr zu spielen schien. Außerdem war es ja nicht so, als hätte sie aufhören können, hätte sie es versucht.

Sie verharrten eine Weile in dieser Position, in der Josh ihren Rücken streichelte, bis ihre Tränen versiegten. Er ließ sie erst los, als sie wieder ruhig war. Daraufhin wandte er sich ab, um den Wasserkocher anzuschalten, bevor er vor sich hin brummelte, „Nein, etwas Stärkeres“, und den Wasserkocher wieder ausschaltete. Er griff in den Kühlschrank und zog eine Flasche Wein heraus.

Die meisten Leute betrachten Wein vermutlich nicht als „etwas Stärkeres“, dachte sie bei sich. Aber sie war keine große Trinkerin, weshalb Wein mehr als stark genug für sie war. Hätte es sich um Katie, ihre Schwester, oder Mary, ihre beste Freundin, gehandelt, wäre eine Flasche Wodka angebrachter gewesen. Vielleicht sogar mehr als eine.

Josh öffnete die Flasche und füllte zwei riesige Gläser, ehe er den kleinen Rest, der in der Flasche zurückblieb, zurück in den Kühlschrank stellte. Er schwieg und wartete darauf, dass sie redete, denn er wusste, dass ihre Gedanken völlig durcheinander sein mussten und sie Zeit brauchen würde, um alles zu verarbeiten, bevor sie ihm den Rest der Geschichte erzählen konnte. Also saßen sie nur da und nippten an ihrem Wein in der Sorte angenehmer Stille, die nur aus jahrelanger Freundschaft geboren wurde, bis Serena zu reden begann.

„Ich bin so eine Idiotin. Natürlich wäre ich nie genug für ihn gewesen. Warum zum Kuckuck habe ich mir weiß gemacht, dass so ein Kerl für immer mit einem Mädchen wie mir glücklich sein würde? Du hättest diese andere Frau sehen sollen, Josh. Mit so jemandem könnte ich niemals mithalten.“

Er schwieg weiterhin und wartete darauf, dass sie weitersprach. Seine einzige Reaktion bestand in einem leichten Anheben seiner Augenbrauen, als hätte sie etwas Überraschendes gesagt. Allerdings konnte sie sich nicht vorstellen, was das gewesen sein könnte, weshalb sie einfach weiter Dampf abließ.

„Ich meine, wie lange habe ich gedacht, würde es dauern, bis ihm klar wird, wie stinklangweilig ich bin? Ich meine, ich kenne den Kerl seit drei Jahren. Ich bin tatsächlich überrascht, dass er so lange gebraucht hat. Ich meine, fuck. Wir sind seit zwei Jahren zusammen und wir haben es noch nicht mal getan. Nun, ich habe es noch nicht getan. Wie es scheint, hat er es schon getan.“

Bei diesen Worten öffnete sich Joshs Mund einen Spaltbreit und er sog leise Luft ein. Scheiße, dachte sie, jetzt bin ich auch noch hingegangen und habe dafür gesorgt, dass er sich unwohl fühlt. Sex war das Einzige, über das sie nicht sprachen. Wann immer dieses Thema aufkam, hielt er den Mund.

In all den Jahren ihrer Freundschaft hatte sie ihn einmal danach gefragt. Katie und Mary hatten sich an einem der seltenen Abende, an denen sie alle gemeinsam in einen Club gegangen waren, über ihre „Sexploits“, wie sie sie nannten, lustig gemacht und waren nach dem Gespräch auf die Tanzfläche verschwunden. Josh hatte bloß dagesessen und den Kopf geschüttelt. Serena hegte keinerlei Zweifel daran, dass er nicht im Zölibat lebte, denn sie hatte ihn im Verlauf der Jahre mit vielen Mädchen gesehen, wenn auch nie mit dem gleichen länger als ein paar Wochen. Dennoch hatte er vor ihr nie auch nur ein Wort über Sex verloren.

Seine Antwort an jenem Abend war schlicht gewesen. „Das ist nichts, das ich näher mit dir besprechen möchte“, hatte er gesagt und war dann zur Bar gegangen, womit er diese Fragen effektiv unterbunden hatte.

Schnell vorwärts zu weiß der Himmel wie vielen Jahren später und hier war sie und platzte einfach mit diesem Thema heraus. Sie hatte das Gefühl, als wäre sie heute Abend wirklich exzellent darin, die Dinge zu vermasseln.

„Serena, Süße“, sagte Josh schließlich, „ich kenne dich länger, als ich mir eingestehen möchte, und glaub mir, wenn ich sage, dass an dir überhaupt nichts stinklangweilig ist. Wenn er seinen Schwanz nicht in der Hose lassen konnte, bis du bereit warst, dann zur Hölle mit ihm! Du kannst einen so viel besseren Kerl finden als diesen arroganten Lackaffen. Und nein, das sage ich nicht einfach nur so. Du solltest mit jemandem zusammen sein, der den Boden anbetet, auf dem du läufst. Nicht jemandem, der dir nur Fitzelchen seiner Zeit schenkt und dich bloß als Trophäenfrau für seine öden Arbeitsveranstaltungen will“, wütete er.

Er schien wirklich sauer zu sein. Nach dieser Erkenntnis ließ sie einen Teil ihrer eigenen Wut ziehen und erlaubte ihm, diese für sie zu kanalisieren. Er war wirklich ein toller Freund.

So saßen sie mehrere Stunden da, in denen sie sich unterhielten und an ihrem Wein nippten, wobei sie gelegentlich weinte. Irgendwann schrieb sie ihrer Mutter eine Nachricht, um ihr mitzuteilen, dass sie bei Josh war und dass sie sich am Morgen mit ihnen treffen würde. Im Anschluss fiel sie in Joshs Gästezimmer in den Schlaf, noch immer in dem winzigen Designerkleid, das ihre Mutter für die Spendengala auf ihr Bett gelegt hatte. Das schien Jahrzehnte her zu sein.

25,95 zł
Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
07 listopada 2025
Objętość:
271 str. 2 ilustracji
ISBN:
9783969871058
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania: