Czytaj książkę: «Ben und Lasse - Stille Nacht, unheimliche Nacht»
Harry Voß
Ben & Lasse
Stille Nacht, unheimliche Nacht
Ein Weihnachtskrimi
Impressum
© 2015 by Verlag Bibellesebund Gummersbach
© 2020 der E-Book-Ausgabe
Bibellesebund Verlag, Marienheide
Alle Rechte vorbehalten
https://shop.bibellesebund.de/
Autor: Harry Voß
Illustrationen und Covergestaltung: Thomas Georg, Münster
ISBN 978-3-95568-410-5
Hinweise des Verlags
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Inhalt
Titel
Impressum
1. Dezember
2. Dezember
3. Dezember
4. Dezember
5. Dezember
6. Dezember
7. Dezember
8. Dezember
9. Dezember
10. Dezember
11. Dezember
12. Dezember
13. Dezember
14. Dezember
15. Dezember
16. Dezember
17. Dezember
18. Dezember
19. Dezember
20. Dezember
21. Dezember
22. Dezember
23. Dezember
24. Dezember
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1. Dezember
Eigentlich sollte das Ganze ja nur zehn Minuten dauern: rein ins Kaufhaus, Spielzeugabteilung aufsuchen, ein Geschenk für meinen Bruder Lasse aussuchen, eins für Mama, eins für Papa, bezahlen, raus. Aber dann wollte mein Bruder unbedingt mitkommen: „Oh, prima, Ben! Du fährst Weihnachtsgeschenke einkaufen? Darf ich mitkommen? Ich schau natürlich nicht hin, wenn du das Geschenk für mich kaufst. Versprochen. Ja, nimmst du mich mit, Ben? Ja, bitte, bitte!“
Und so ging das den ganzen Nachmittag. „Ich denke, du hast schon deine Weihnachtsgeschenke?“, hab ich zurückgefragt. „Das hast du mir in den letzten Tagen zumindest hundertmal erzählt!“
„Hab ich auch! Hab ich schon ganz lange! Aber ich bin so gern in der Spielzeugabteilung! Da könnte ich stundenlang stehen und schauen und mir vorstellen, wie das wäre, wenn das alles mir gehören würde.“
Ja, und seitdem stehen wir im Untergeschoss dieses riesigen Kaufhauses. Ich kenne mich hier ganz gut aus. Ich bin bereits elf Jahre alt, ich war schon mehrmals alleine einkaufen. Trotzdem ist das alles sehr, sehr groß. Ich bin immer froh, wenn ich die richtige Rolltreppe finde, die richtige Abteilung und vor allem nachher wieder den richtigen Ausgang. Mein Bruder Lasse ist erst sechs. Der war noch nie allein hier. Immer nur mit Mama. Oder eben jetzt mit mir.
„Boah, klasse, Ben! Wie du dich in dem Kaufhaus auskennst!“, hat er mich, seit wir hier sind, alle fünf Minuten gelobt. „Wie ein Erwachsener!“ Er kichert. „Na ja. Das bist du ja auch fast schon.“
Für Mama hab ich in der Schmuck-Abteilung eine Kette gefunden, die ich mir leisten kann. Eine Abteilung weiter hab ich Armbanduhren aus orangefarbenem Gummi gefunden. Für 4,50 Euro. Papa mag Armbanduhren, Mama mag Ketten. Das war zumindest bei den letzten Weihnachtsfesten so. Für Lasse finde ich beim besten Willen nichts. Was er sich wünscht, ist mir zu teuer. Und was ich bezahlen kann, wünscht er sich nicht.
Ich nehm einen Polizisten von Playmobil aus dem Regal in der Spielwaren-Abteilung und such das Preisschild. Mein Papa ist Polizist. Wenn ich groß bin, will ich auch Polizist werden. Ich bin sogar jetzt schon ein richtiger Agent! Agent Benjamin Baumann. Ich habe vor ein paar Tagen mitgeholfen, zwei Schwerverbrecher zu fangen. Das war super aufregend. Sogar ein bisschen zu aufregend, würde ich sagen. Mein Bruder Lasse hat mir dabei geholfen, obwohl er meinen Ermittlungen manchmal auch ein bisschen im Weg gestanden hat. Diese Aktion hat allerdings dazu geführt, dass ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen bin, Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Der Polizist kostet 2,29 Euro. Das geht.
Schon wieder steht Lasse neben mir: „Cool, ein Polizist! Davon hab ich auch drei Stück zu Hause!“
„Oh, wirklich?“ Ich stelle ihn unauffällig wieder ins Regal.
„Ja, weißt du doch! Den einen hast du mir vorletztes Jahr geschenkt, den zweiten davor und den dritten letztes Jahr zum Geburtstag.“
„Ach so, ja …“
„Komm mal mit, Ben! Ich muss dir was zeigen!“ Lasse schleift mich durch die komplette Etage bis zu einer Stahltür irgendwo in der Ecke des Ladens. Die Tür steht auf. Dahinter befindet sich ein Lager mit riesigen Regalen bis unter die Decke. Auf den Regalen stehen große Kisten und Kartons. Viele davon sind offen. Heraus schauen Spielsachen so weit das Auge reicht.
„Schau mal, Ben!“ Lasse sieht sich mit großen Augen die Regale an, als stehe er mitten im Paradies. „Ist das nicht Wahnsinn?“ Er kriegt seinen Mund nicht zu. „Hier möchte ich wohnen!“
„Ja, ganz bestimmt.“ Typisch Lasse. Ich schüttle den Kopf. „Und wo willst du dann schlafen?“
„In dem Karton mit den Kuscheltieren.“ Lasse ist schon zwei Schritte in das Lager hineingegangen. „Oder dort in der Ecke neben den Handpuppen.“
„Lasse, komm sofort da raus!“, ermahne ich ihn streng und bleibe an der Tür stehen. „Wir dürfen da nicht rein!“
„Ich komm ja gleich. Warte nur noch kurz!“ Schon ist er hinter einem Regal verschwunden.
Ich überlege gerade, ob es besser ist, wenn ich ihn zurückhole oder ob ich hier warten soll. Da höre ich Schritte hinter mir. Schon legt sich eine Hand auf meine Schulter.
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2. Dezember
„Was hast du hier zu suchen?“, fragt mich eine tiefe Männerstimme.
Ich drehe mich um. Ein Verkäufer mit dem Namensschild „H. Kunz“ an seiner Anzugsjacke und einem Schnurrbart im Gesicht steht hinter mir.
„Gar nichts!“, antworte ich schnell.
„Richtig, das würde ich auch sagen. Dann geh mal ganz schnell hier weg.“ H. Kunz schiebt mich zur Seite und fasst die Stahltür an, um sie zu schließen.
„Halt!“, rufe ich. „Mein Bruder ist noch da drin!“
„Was?“ Die Augen des Verkäufers funkeln böse.
Da kommt Lasse auch schon angelaufen: „Da hinten ist eine Ritterfigur! So groß, dass sie mir fast bis zum Kinn geht!“ Lasse sieht den Verkäufer, aber seinen strengen Blick scheint er nicht zu bemerken. „Hallo! Sind Sie ein Verkäufer? Gehen Sie mit mir da mal rein? Mein Bruder traut sich nicht!“ H. Kunz fasst Lasse an der Schulter und schiebt ihn aus dem Lagerraum. „Dein Bruder hat ganz recht! Für Kinder ist hier Betreten verboten!“
„Das kann nicht sein“, widerspricht Lasse. „Da ist alles voller Spielsachen! Da kann für Kinder nicht Betreten verboten sein!“
„Alle Spielsachen, die wir anbieten, liegen auch im Verkaufsraum. Da könnt ihr sie euch anschauen.“ Er schließt die Tür und schiebt einen eisernen Riegel vor. „Und jetzt fort mit euch!“
„Der ist ja schlecht gelaunt“, brummelt Lasse, als wir wieder zu den Regalen mit den Spielsachen gehen.
Ein Gong ertönt. Gleich danach verkündet eine Stimme: „Liebe Kunden, wir schließen in zehn Minuten. Bitte begeben Sie sich an die Kassen. Wir wünschen Ihnen und unseren Mitarbeitern einen angenehmen Abend. Auf Wiedersehen.“
Na toll. Jetzt hab ich noch kein Geschenk für Lasse. Nur weil er mich andauernd genervt hat. Na ja. Vielleicht werde ich zu Hause was für ihn basteln. Hier finde ich jedenfalls nichts, solange er um mich herumtanzt. Ich gehe zur Kasse und stelle mich in der Schlange an.
„Wie?“, wundert sich Lasse. „Schon bezahlen? Hast du denn ein Geschenk für mich?“
Ich grinse geheimnisvoll. „Lass dich überraschen.“
„Aber nicht wieder den Playmobil-Polizisten, ja?“
„Ich sage nichts.“
„Oder etwa doch? Na gut. Wenn du mir den Playmobil-Polizisten schenkst, dann freu ich mich auch.“
„Vergiss es, Lasse. Ich verrate nichts.“
Die Verkäuferin an der Kasse behält die Ruhe. Sie bedient einen nach dem anderen, kassiert Geld, packt die Pakete in eine Tüte. „Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“, fragt sie jeden. „Nein, danke“, antworten die Leute freundlich und verabschieden sich.
„Die ist nett“, will Lasse mir zuflüstern. Leider flüstert er so laut, dass es alle in der Schlange hören. Auch die Verkäuferin. Alle drehen sich zu uns um und bekommen ein weihnachtliches „Ach-so-ein-süßes-Kind-Gesicht“. Auch die Verkäuferin lächelt und zwinkert Lasse zu. Mir ist das peinlich.
„Ich kann lesen, was auf dem Schild der Frau an der Kasse steht“, sagt Lasse und setzt sogleich lang und umständlich die Buchstaben auf dem Namensschild zusammen. „Fr. Mi-rel-li.“ Er sagt das Wort noch mal leise vor sich hin, merkt aber nicht, dass „Fr.“ und „Mirelli“ zwei unterschiedliche Wörter sind: „Frmirelli.“ Er bricht sich dabei fast die Zunge ab. Dann wieder zu mir: „Da steht Frmirelli auf dem Schild.“
„Das heißt Frau Mirelli.“
„Heißt die Verkäuferin Frau Mirelli?“
„Ja.“
„Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“, fragt die Verkäuferin den Mann direkt vor mir. „Ja, viele“, antwortet der, „aber keinen, den Sie mir erfüllen könnten.“
Die Verkäuferin und der Mann lachen höflich, dann geht der Mann. Endlich bin ich dran.
„Guten Tag, ihr beiden“, sagt die Frau, als würden wir uns schon lange kennen. Ich lege die Armbanduhr und die Kette auf die Ladentheke und brumme ein unsicheres: „Hallo.“
Lasse schaut staunend auf die Artikel: „Wo ist denn mein Geschenk?“
„Meinst du, das leg ich jetzt hier einfach so auf die Theke, wenn du neben mir stehst?“
Lasse grinst. „Nee, natürlich nicht.“ Er dreht sich um und hält sich die Augen zu. „Jetzt kannst du!“
Jetzt müsste ich noch etwas auf den Ladentisch legen, aber ich hab nichts.
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3. Dezember
Ich greife in die Hosentasche, tu so, als holte ich etwas heraus und lege das unsichtbare Geschenk auf die Theke. Die Verkäuferin schaut mich fragend an. Ich wende mich Lasse zu: „Halt dir mal kurz die Ohren zu.“
Lasse gehorcht. Er hält sich die Ohren zu und fängt an, laut vor sich hin zu singen: „Aaaaalle Jahre wiiiedeeeer kommt dahas Christuskiiiiiind …!“
Ich beuge mich zur Verkäuferin vor und flüstere: „Ich hab nichts für ihn. Aber das darf er nicht wissen.“
Sie lächelt und nickt. Dann tippt sie an ihrer Kasse herum und nennt mir den Preis für die beiden Artikel, die ich gekauft habe. Ich gebe ihr das Geld. Sie packt die beiden Teile in eine Tüte.
Lasse hat noch Augen und Ohren zu und singt erbärmlich laut: „… auf die Erde niiiiiiedeeheer, wo wihir Menschen siiind!“
„Lasse, du kannst aufhören.“ Sofort stoppt Lasse, dreht sich um, schaut auf die Theke, dann auf meine Tüte, dann auf die Verkäuferin. „Na? Krieg ich was Schönes?“
Die Verkäuferin schmunzelt. „Du wirst überrascht sein.“
Lasse knufft mich in den Arm. „Cool, Ben! Ich freu mich schon auf Weihnachten!“ Er schaut die Verkäuferin an. „Sie sich auch?“
„Ja.“ Sie will sich schon dem nächsten Kunden zuwenden.
„Ich weiß, wie Sie heißen!“, ruft Lasse.
Ich will ihn beiseiteschieben. „Komm jetzt, Lasse.“
Die Frau schaut Lasse interessiert an. „Na, wie denn?“
„Frau Mirelli!“
Sie nickt anerkennend. „Sehr gut.“
„Sie haben aber das Au vergessen!“
„Was hab ich vergessen?“
„Das Au! Auf ihrem Schild steht nur Frmirelli. Aber es soll Frau Mirelli heißen. Also fehlt da ein Au.“
Frau Mirelli lacht. „Ach so! Ja, da hast du recht. Aber vor Weihnachten kann ich kein Au gebrauchen.“ Sie lacht noch einmal. Die Kunden hinter uns in der Schlange lachen auch ein bisschen. Frau Mirelli gibt mir die Tüte. „Ich wünsche euch beiden frohe Weihnachten.“
„Halt!“ Lasse stellt sich ganz nah an die Theke und hebt seinen Finger. „Sie haben schon wieder was vergessen!“
„Was denn noch?“
„Sie haben alle gefragt, ob sie sonst noch einen Wunsch haben. Nur uns nicht.“
„Oh, Entschuldigung.“ Frau Mirelli grinst fröhlich, legt ihre Hände aufeinander und sagt ihren Spruch wie ein Nikolausgedicht auf: „Habt ihr sonst noch einen Wunsch?“
„Ja! Ich möchte mich sooo gerne mal etwas näher in dem Lager da hinten in der Ecke umschauen. Der Mann mit dem Schnurrbart hat es uns verboten. Aber ich wünsche es mir so sehr!“
Frau Mirelli kann sich ein breites Grinsen nur schwer verkneifen. „Wenn es nicht schon so spät wäre, dann würde ich mit dir mal ins Lager gehen. Aber wir haben jetzt Feierabend und schließen den Laden. Wenn du morgen etwas früher wiederkommst, dann hab ich vielleicht Zeit.“
„Echt?“ Lasse strahlt. „Cool.“
„Komm schon.“ Ich gehe auf die Rolltreppe zu.
„Die ist nett, was?“, sagt Lasse fröhlich. „Und sie hat einen lustigen Namen. Mirelli. Klingt wie Mirabelle. Das ist so ein Obst, das wächst bei Oma im Garten.“
„Ich weiß, was Mirabellen sind, Lasse.“
Lasse wechselt das Thema und zieht mich plötzlich in eine andere Richtung: „Komm, Ben, wir fahren Aufzug!“
„Lasse, wir müssen nach Hause.“
„Ja. Mit dem Aufzug geht es viel schneller! Und Rolltreppe sind wir vorhin schon gefahren!“
Ich wehre mich nicht weiter. Hat ja sowieso keinen Zweck. Wenn sich mein Bruder was in den Kopf gesetzt hat, dann gibt er nicht eher nach, bis er hat, was er will. Wir stehen vor dem Aufzug. Lasse drückt den Knopf. Es dauert lange, bis sich die Tür endlich öffnet.
„Das wird cool!“ Lasse steigt ein. „Und los geht‘s!“ Lasse drückt einen Knopf, die Tür schließt sich. Ich habe nicht gesehen, welchen Knopf er gedrückt hat, aber der Aufzug setzt sich immerhin schon mal in Bewegung. Er fährt sehr lange. „Wären wir mit der Rolltreppe gefahren, dann wären wir schon gleich zu Hause“, sage ich genervt.
„Stimmt doch gar nicht“, lacht Lasse. „Die Rolltreppe fährt überhaupt nicht bis zu uns nach Hause!“
Endlich öffnet sich die Tür. Wir verlassen den Aufzug und kommen in einen langen Gang mit vielen Türen auf beiden Seiten. „Wo sind wir hier?“, frage ich. „Keine Ahnung“, sagt Lasse.
Darmowy fragment się skończył.