Czytaj książkę: «Ben und Lasse - Schmuggler unterm Kirchendach»
Harry Voß
Ben & Lasse
Schmuggler unterm Kirchendach
Ein Weihnachtskrimi
Impressum
© 2014 by Verlag Bibellesebund Gummersbach
© 2020 der E-Book-Ausgabe
Bibellesebund Verlag, Marienheide
Alle Rechte vorbehalten
https://shop.bibellesebund.de/
Autor: Harry Voß
Illustration und Covergestaltung: Thomas Georg, Münster
ISBN 978-3-95568-384-9
Hinweise des Verlags
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Inhalt
Titel
Impressum
1. Dezember
2. Dezember
3. Dezember
4. Dezember
5. Dezember
6. Dezember
7. Dezember
8. Dezember
9. Dezember
10. Dezember
11. Dezember
12. Dezember
13. Dezember
14. Dezember
15. Dezember
16. Dezember
17. Dezember
18. Dezember
19. Dezember
20. Dezember
21. Dezember
22. Dezember
23. Dezember
24. Dezember
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1. Dezember
Das war ja mal wieder klar. So was von klar, sage ich da nur. Es ist Dezember. Weihnachtszeit. Überall sind schon die Kerzen an, die Wunschzettel längst geschrieben, Weihnachtskekse gebacken, alle befinden sich im „Heilige-Nacht“-Fieber. Wir sitzen beim Abendessen zusammen: Mama, Papa, mein sechsjähriger Bruder Lasse und ich, Benjamin Baumann, satte elf Jahre alt. Mama fragt ganz beiläufig: „Fahren wir eigentlich am ersten oder am zweiten Feiertag zur Oma?“ Da sehe ich schon, wie Papa unruhig auf seinem Stuhl hin und her rückt. Er duckt den Kopf ein wenig runter und blinzelt in die Runde wie ein Schulkind, das gerade zugeben muss, dass es eine Klassenarbeit verhauen hat. „Ja, also, das kann ich noch nicht sagen“, druckst er langsam herum.
„Wie?“, fragt Mama. „Was kannst du noch nicht sagen?“
„Das mit Weihnachten. Ich weiß nicht, ob ich da freikriege.“
Lasse und ich schauen uns kurz an, dann ziehen wir automatisch den Kopf ein. Ab jetzt wird das Gespräch am Tisch lauter. Wie so oft in letzter Zeit. Wie überhaupt immer, wenn es darum geht, wie selten Papa zu Hause ist, wann er Urlaub hat, wann er frei oder mal Zeit für die Familie hat.
„Wieso? Das war doch klar, dass du freihast“, schimpft Mama.
„Ja, da ist was dazwischengekommen. Keiner hat frei, da ist höchste Alarmstufe bei uns!“, erklärt Papa ebenso laut.
Papa arbeitet bei der Polizei. Da hat er sowieso ganz merkwürdige Arbeitszeiten. Manchmal von morgens bis abends, dann sehen wir ihn nur kurz vorm Schlafengehen. Manchmal in der Nacht, dann schläft er tagsüber und wir sehen ihn auch kaum. Papa sagt, Kinder gehen vor. Aber dann arbeitet er sogar an Feiertagen. Normalerweise fährt er oft mit seinem Polizeiauto durch die Gegend, lässt sich von Autofahrern den Führerschein zeigen, rettet kreischende Ehefrauen vor ihren brutalen Ehemännern oder fängt auch schon mal Diebe und Einbrecher. Das finde ich am coolsten.
Wenn ich groß bin, werde ich auch mal Polizist. Dann fange ich den ganzen Tag Diebe und Einbrecher. Und alle Ganoven werden sich gegenseitig warnen: „Achtung! Heute hat Ben Baumann wieder Dienst. Heute brechen wir besser nicht in die Häuser ein, denn der fängt uns garantiert!“
„Da sind zwei bewaffnete Männer aus dem Gefängnis ausgebrochen“, sagt Papa. „Die haben einen der Beamten geschnappt, ihn zusammengeschlagen, ihm die Waffe abgenommen und sind so bis nach draußen gekommen und geflohen. Wohin, weiß man nicht. Aber sie sind bewaffnet. Und gefährlich! Bevor sie nicht wieder hinter Schloss und Riegel sind, kann keiner von uns freinehmen.“ Er zieht die Augenbrauen hoch und schaut uns nacheinander an. „Tut mir leid.“
„Toll“, zischt Mama wütend.
„Könnt ihr die nicht nach Weihnachten einfangen?“, fragt Lasse. „Vielleicht wollen die einfach nur an Heiligabend bei ihrer Mama sein. Dann sollen sie da doch schön feiern und danach sucht ihr sie. Dann können alle Polizisten an Weihnachten auch bei ihren Mamas oder ihren Kindern sein.“
Papa lächelt. „Das sind Gangster. Straftäter. Die brechen nicht aus dem Gefängnis aus, um an Weihnachten ihre Mamas zu besuchen. Die gehören zu einer Schmugglerbande, die Diamanten aus Afrika nach Europa bringt und hier verkauft. Die planen mit Sicherheit schon das nächste krumme Ding. Diese Männer sind verurteilt, die kann man nicht frei laufen lassen.“
„Diamanten schmuggeln ist doch nicht so schlimm wie alte Omas ausrauben“, findet Lasse.
„Es sind bewaffnete Verbrecher auf der Flucht, die einen Gefängniswärter brutal zusammengeschlagen haben. Und so lange die frei rumlaufen, kriegt keiner von uns Urlaub. So ist das nun mal“, sagt Papa so laut, dass allen am Tisch klar ist: Das war das Ende der Diskussion.
Einige Augenblicke sitzen alle am Tisch und starren sich unsicher an. Dann starte ich vorsichtig mit einer neuen Frage: „Und wenn sie vor Weihnachten wieder gefangen sind … dann kannst du an Weihnachten Urlaub nehmen?“
„Ja, genau, Ben. So ist das.“
Das ist der Augenblick, in dem mir klar wird, was mein Job in dieser Vorweihnachtszeit sein wird: Ich, Agent Benjamin Baumann, werde mithelfen, die Schmuggler zu fangen. Ich werde unser Weihnachtsfest retten!
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2. Dezember
Die Hektik vor Weihnachten ist unerträglich. Erstens glauben alle Lehrer, sie müssten möglichst knapp vor Weihnachten noch mindestens eine Klassenarbeit schreiben. Zumindest ist das bei meinen Lehrern so. Lasse hat, seit er zur Schule geht, noch nie eine Klassenarbeit geschrieben. Okay, im ersten Schuljahr schreibt man noch nicht so viele Klassenarbeiten wie im fünften Schuljahr. Aber irgend so ein blödes Diktat oder einen Rechentest könnten die ihm in der Adventszeit ja auch aufbrummen.
Der zweite Grund, warum ich im Dezember in schlimme Hektik verfalle, ist, dass mir nie etwas einfällt, was ich den anderen zu Weihnachten schenken kann. Dieses Jahr hab ich mir vorgenommen, nicht am Vormittag des 24. Dezembers noch schnell zum Bäcker zu laufen und jedem aus der Familie ein furchtbar teures Schokoladenherz mit der Aufschrift „Frohe Weihnachten“ zu kaufen. Aber was um alles in der Welt könnte man Mama, Papa und Lasse schenken?
Lasse freut sich eigentlich über alles, was er auspacken kann. Dem könnte ich auch seine Thomas-Eisenbahn einen Tag vor Weihnachten klauen und in Geschenkpapier einpacken. Der würde sich freuen wie ein Kleinkind, wenn er es auspackt.
Worüber freuen sich Mamas? Schmuck? In einem Jahr hat Papa Mama ein kleines Kästchen geschenkt, darin war eine total kitschige Halskette. Da haben die Augen von Mama genauso geleuchtet wie die Steinchen an der Kette. Ob das mal eine gute Idee wäre?
Und was schenkt man Papas? Irgendwas mit Computer. Oder Socken. Papa bekommt von Mama fast immer Socken zu Weihnachten. Und immer noch was anderes dazu. Einmal eine Armbanduhr, die ich aber danach nie an seinem Handgelenk gesehen habe. Einmal eine Sporttasche für seine Volleyball-Spiele. Aber das ist ja alles zu teuer für mich.
Lasse kommt in mein Zimmer geplatzt: „Weißt du, was ich Mama schenke? Eine Halskette! Sie freut sich doch immer so, wenn Papa ihr Schmuck schenkt! Und Papa bekommt von mir ein Fernglas, damit er immer die Verbrecher beobachten kann!“
Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf: „Schmuck und ein Fernglas? Woher hast du denn das ganze Geld?“
Lasse winkt ab: „Das hat gar nichts gekostet. Für Mamas Kette habe einen alten Schnürsenkel genommen und habe ein paar Muscheln mit Loch aus dem letzten Urlaub aufgefädelt. Und für das Fernglas habe ich zwei Klopapierrollen aneinandergeklebt, an einen Wollfaden geknotet und angemalt.“
„Du bildest dir aber nicht ein, dass Papa deine Klorollen mit auf die Arbeit nimmt, oder?“
„Klar! Er muss doch die Verbrecher fangen! Und dazu braucht er ein Fernglas!“
Dieser Junge hat seinen Verstand im Kindergarten gelassen. „Pech nur, Lasse, wenn du ihm das obergeniale Fernglas erst zu Weihnachten schenkst. Dann kann er die Verbrecher mit deiner galaktischen Bastelarbeit doch gar nicht vorher einfangen!“
Lasse schlägt sich mit der flachen Hand auf den Mund: „Das stimmt. Daran habe ich gar nicht gedacht. Was mache ich denn jetzt?“
Jetzt leg ich mein lässiges Agent-Benjamin-Lächeln auf: „Keine Panik, kleiner Bruder. Ich werde Papa helfen, die Gangster zu fangen.“
„Was? Echt? Wie denn?“
„Mit meinen detektivischen Methoden.“
„Boah! Cool, Ben! Darf ich mitmachen? Ich wollte auch schon immer mal echte Gangster fangen!“
„Das ist viel zu gefährlich für Erstklässler.“
„Stimmt gar nicht! Ich habe schon ein Fernglas, damit kann ich die Gangster beobachten. Und wenn du willst, kann ich dir auch eins basteln! Und ich habe einen Block, da kann man alles aufschreiben, was man herausfindet. Ich habe sogar einen zweiten Block, den kriegst du zu Weihnachten, aber das darfst du jetzt noch nicht wissen, sonst …“ Wieder schlägt er sich mit seiner Hand auf den Mund. „Au Backe. Hast du das etwa gehört?“
Ich kann mir nicht verkneifen, die Augen zu rollen. „Keine Angst“, sage ich nur, „ich habe nix mitgekriegt. Du weißt doch: Ich höre dir sowieso nie zu.“
Lasse atmet erleichtert aus: „Ein Glück.“ Dann grinst er wieder fröhlich: „So, und jetzt kann unsere geheime Jagd beginnen. Ich bin dabei. Auf mich kannst du dich verlassen.“
Hätte ich doch nichts gesagt. Hätte ich doch bloß nichts gesagt!
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3. Dezember
Lasse und ich sitzen vor dem Computer. Ich gebe den Namen unserer Stadt, das Gefängnis in der Nachbarstadt und die Worte „Ausbruch“ und „Schmuggler“ in die Suchmaschine ein. Das Programm liefert 1.034.657 Ergebnisse. Schreck lass nach! Aber schon die ersten beiden berichten, was ich wissen will. Ich lese meinem Bruder laut vor: „In der Nacht zum 3. Dezember sind zwei Insassen aus der Justizvollzugsanstalt ausgebrochen. Die beiden 25-jährigen Udo T. und Eduard B. überwältigten brutal einen Beamten, entrissen ihm die Waffe und ergriffen damit die Flucht. Vor dem Gefängnis zwangen sie den Fahrer eines VW-Golfs, sie in Richtung Krippdorf mitzunehmen. Als dem Wagen in Bethlesheim das Benzin ausging, flüchteten die beiden Männer zu Fuß in den Wald. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur. Die Polizei bittet um Ihre Mithilfe. Udo T. ist etwa 1,90 m groß, schlank, hat ein schmales, längliches Gesicht und kurze, dunkle Haare. Auffällig sind seine lange Nase und sein ausgeprägtes Kinn. Eduard B., genannt ‚Ede‘, ist vollschlank und 1,72 m groß. Er hat ein rundliches Gesicht, eine Glatze und eine lange, dicke Nase. Die Männer sind bewaffnet und höchst gefährlich. Für sachdienliche Hinweise melden Sie sich bitte bei der Polizei Ihrer Stadt oder bei jeder anderen Polizeidienststelle.“
Neben dem Artikel sind die Verbrecher abgebildet. Sie machen ein echt finsteres Gesicht, so, als würden sie einem gleich an die Gurgel springen. Außerdem ist da noch ein Foto von der Stelle am Waldrand zu sehen, an der die Männer den VW-Golf verlassen haben.
„Boah, Ben!“, platzt es aus Lasse raus. „Die sind bis nach Bethlesheim gekommen! Das ist unser Nachbarort! Wenn die durch den Wald bis zu uns gelaufen sind, dann könnten die jetzt bei uns im Garten sitzen!“
„Ja“, gebe ich knapp zur Antwort. „Wahrscheinlich sitzen sie in unseren Erdbeersträuchern. Dann müssen wir nur noch rausgehen und sie zwischen den Erdbeeren pflücken.“
„Ja, los!“, ruft Lasse und springt mit zwei Schritten zur Tür.
„Lasse, warte mal.“ Ich versuche, ihn irgendwie mit Logik und Verstand zu überzeugen, aber von beidem hat Lasse ziemlich wenig. „Wir müssen ganz geschickt und klug vorgehen. Erstens könnten sie nicht nur in unserem, sondern auch in jedem anderen Garten sitzen. Zweitens könnte es auch sein, dass sie durch den Wald gar nicht bis zu uns, sondern in die andere Richtung gelaufen sind. Oder sie haben sich irgendwo im Wald versteckt. Dann sind sie nämlich in überhaupt keinem Garten hier im Ort. Drittens: Sollten sie doch in unserem Garten sitzen, dann haben sie eine Pistole dabei. Dann können wir sie nicht einfach mitnehmen.“
Lasse meldet sich wie in der Schule: „Ich weiß was!“ Und zack – weg ist er. Eine Minute später kommt er mit einer seiner Plastikpistolen vom Jahrmarkt wieder. „Ich hab auch eine Waffe! Mit der kann man echt schießen!“
„Ja, Lasse. Schaumgummikügelchen. Willst du sie damit erschießen?“
„Das kann ganz schön wehtun, wenn man die abbekommt, hat Mama gesagt. Darum darf man damit auch nicht auf Menschen zielen. Aber wenn uns die Gangster fangen wollen, dann – zack – schieße ich zuerst. Boah, Ben, dann können sie was erleben.“
Ganz ruhig bleiben, Agent Benjamin, rede ich mir ein. Ganz ruhig bleiben. „Ist in Ordnung, Cowboy. Nimm sie mit. Aber schieß erst, wenn ich das Kommando gebe.“
„Aye, aye, Sir!“, ruft er fröhlich und tippt sich mit der Seite seiner geöffneten Hand gegen die Stirn.
Bis Weihnachten müssen die Ganoven hinter Schloss und Riegel sitzen, sonst platzt unser Fest. Aber irgendwie beschleicht mich ein ungutes Gefühl, dass mein frisch dazugewonnener Assistent die Verbrecherjagd nicht gerade einfacher macht.
Darmowy fragment się skończył.