Czytaj książkę: «Die alte Straßenlaterne»
Hans Christian Andersen
Die alte Straßenlaterne
Übersetzer Julius Reuscher
Saga
Die alte Straßenlaterne ÜbersetzerJulius Reuscher Coverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 1847, 2020 Hans Christian Andersen und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726520507
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 2.0
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Die alte Strassenlaterne.
Hast du die Geschichte von der alten Strassenlaterne gehört? Es war eine gute, alte Strassenlaterne, die viele, viele Jahre gedient hatte, aber jetzt entfernt werden sollte. Es war der letzte Abend, an welchem sie auf dem Pfahle sass und in der Strasse leuchtete, und es war ihr zu Mute, wie einer alten Tänzerint, welche den letzten Abend tanzt und weiss, dass sie morgen vergessen in der Bodenkammer sitzt. Die Laterne hatte Furcht vor dem morgenden Tage, denn sie wusste, dass sie dann zum erstenmal auf das Rathaus kommen und von dem „hochlöblichen Rat“ beurteilt werden sollte, ob sie noch tauglich oder unbrauchbar sei. Da sollte bestimmt werden, ob sie nach einer der Brücken herausgeschickt werden könne, um dort zu leuchten, oder auf das Land in eine Fabrik; vielleicht sollte sie geradezu in eine Eisengiesserei kommen und umgeschmolzen werden. Dann konnte freilich alles aus ihr werden, aber es peinigte sie, dass sie nicht wusste, ob sie dann die Erinnerung davon behalten würde, dass sie eine Strassenlaterne gewesen war. — Wie es nun auch werden mochte, so werde sie doch vom Wächter und seiner Frau getrennt werden, die sie ganz wie ihre Familie betrachtete. Sie wurde zur Laterne, als er Wächter wurde. Damals war die Frau sehr vornehm, nur wenn sie des Abends an der Laterne vorüberging, blickte sie diese an, am Tage aber nie. Dagegen in den letzten Jahren, als sie alle drei, der Wächter, seine Frau und die Laterne, alt geworden waren, hatte die Frau sie auch gepflegt, die Lampe abgeputzt und Öl eingegossen. Es war ein ehrliches Ehepaar, sie hatten die Lampe um keinen Tropfen betrogen. Es war der letzte Abend auf der Strasse, und morgen sollte sie auf das Rathaus, das waren zwei finstere Gedanken für die Laterne, und so kann man wohl denken, wie sie brannte. Aber es kamen ihr noch andere Gedanken; sie hatte vieles gesehen, vieles beleuchtet, vielleicht ebensoviel als der „hochlöbliche Rat“, aber das sagte sie nicht, denn sie war eine alte, ehrliche Laterne, sie wollte niemand erzürnen, am wenigsten ihre Obrigkeit. Es fiel ihr vieles ein, und mitunter flackerte die Flamme in derselben auf, es war, als ob ein Gefühl ihr sagte: „Ja, man wird sich auch meiner erinnern!“ „So war da der hübsche, junge Mann, — ja, das ist viele Jahre her; er kam mit einem Briefe, der war auf rosenrotem Papier, fein und mit goldenem Schnitt, er war niedlich geschrieben.“ — „Er las ihn zweimal und küsste denselben und blickte mit seinen beiden Augen zu mir empor und sagte: »Ich bin der glücklichste Mensch!«“ — „Ich entsinne mich auch zweier anderer Augen; es ist merkwürdig, wie man mit den Gedanken springen kann!“ — „Hier in der Strasse fand ein prächtiges Begräbnis statt, die junge, hübsche Frau lag im Sarge auf dem mit Samt überzogenen Leichenwagen. Da prangten so viele Blumen und Kränze, da leuchteten so viele Fackeln, dass ich dabei ganz verschwand.“ — „Der ganze Bürgersteig war mit Menschen angefüllt, sie folgten alle dem Leichenzug, als aber die Fackeln verschwunden waren und ich mich umsah, stand hier noch einer am Pfahl und weinte, ich vergesse nie die beiden Augen voll Trauer, die gegen mich aufblickten!“ — Viele Gedanken durchkreuzten so die alte Strassenlaterne, welche an diesem Abend zum letztenmal leuchtete. Die Schildwache, welche abgelöst wird, kennt doch ihren Nachfolger und kann ihm ein paar Worte sagen, aber die Laterne kannte den ihrigen nicht, und doch hätte sie ihm einen oder den andern Wink, über Regen und Schnee, dann wie weit der Mondschein auf dem Bürgersteig gehe und von welcher Seite der Wind blies, geben könnten.
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