Czytaj książkę: «Technische Beschaffung»

STRATEGISCHE BESCHAFFUNG
herausgegeben von Dirk Hecht und Günter Hofbauer
Günter Hofbauer
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1. Auflage 2022
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-039957-0
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pdf: ISBN 978-3-17-039958-7
epub: ISBN 978-3-17-039959-4
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Vorwort
Das strategische Beschaffungsmanagement nimmt in modernen Industrien einen sehr hohen Stellenwert ein. War der Einkauf früher rein auf operative und dispositive Tätigkeiten ausgerichtet, hat sich das Aufgabenfeld im Laufe der Zeit stark erweitert. Es ist offensichtlich, dass das Beschaffungsmanagement die Transformation vom reaktiven Einkauf hin zum proaktiven Beschaffungsmanagement erfolgreich abgeschlossen hat. Strategische Überlegungen spielen eine übergeordnete Rolle und die Prozessorientierung ist unabdingbar für die Umsetzung der strategischen Vorgaben sowie mit der Effizienzsteigerung verbunden. Zudem unterstützt die Prozessorientierung die strategische Ausrichtung der Beschaffungsaktivitäten im Hinblick auf die Gesamtstrategie des Unternehmens.
Das integrierte Beschaffungsmanagement bildet hierbei Kernprozess, da das professionell durchgeführte Beschaffungsmanagement die Wertschöpfung im Unternehmen erhöht. Dieser Prozess sollte von den Beschaffungsmanagern beherrscht werden, damit sie systematisch und strukturiert ihre strategischen und operativen Aufgaben einordnen können.
Beschaffung ist nicht mehr »nur« der Einkauf von Vorprodukten zu günstigen Preisen. Der Beschaffungsprozess muss in einem breiteren, das ganze Unternehmen betreffenden, Kontext gesehen werden. Hier setzt der Integrationsgedanke dieses Buches an, denn der Leistungserstellungsprozess eines Unternehmens setzt sich aus vielen Beteiligten, vielen Einzeltätigkeiten und komplexen Abläufen zusammen. Ohne gezieltes Zusammenwirken wäre keine Wertsteigerung für das Unternehmen möglich. Damit diese Zielsetzung erreicht werden kann, ist ein Referenzmodell sehr hilfreich. Hier wird umfassend aufgezeigt, wie aus der Sicht eines beschaffenden Unternehmens die Prozessorientierung ausgestaltet werden kann. In diesem Zusammenhang erfolgt auch ein Blick auf damit verbundene Tätigkeiten aus anderen Unternehmensbereichen und die daraus resultierenden Schnittstellen.
Diese prozessorientierte Betrachtung ermöglicht auch für Vertriebsmitarbeiter eines anbietenden Unternehmens einen Blick auf die Beschaffungsprozesse. Denn diese Prozesse laufen parallel zu den Vertriebsprozessen des anbietenden Unternehmens ab. Wichtig und zielführend ist zu wissen, wie aus Beschaffungssicht vorgegangen wird. Die hier vorgenommene Orientierung liefert dazu die entsprechenden Anhaltspunkte für das Anbieterverhalten während des Vertriebsprozesses.
| Ingolstadt, im September 2021 | Günter Hofbauer |
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 A Einführung
3 1 Einleitung
4 2 Die Beschaffungsfunktion
5 2.1 Bedeutung und Ziele
6 2.2 Die Veränderung der Rolle der Beschaffung
7 2.3 Begriffe und Abgrenzungen Im Beschaffungsmanagement
8 3 Spezielle strategische Aufgaben der Beschaffung
9 3.1 Advanced Procurement
10 3.2 Cost Engineering
11 3.3 Risikomanagement
12 4 Strategische Bedeutung und Beschaffungsstrategien
13 4.1 Aufgaben und Herausforderungen
14 4.2 Bestimmungsfaktoren der strategischen Entscheidung in der Beschaffung
15 4.3 Strategische Funktionen im Integrierten Beschaffungsmanagement
16 5 Einführung in das Prozessmanagement
17 5.1 Grundlagen der Prozessorientierung
18 5.2 Integration der Erfolgsfaktoren
19 5.3 Orientierung am Prozessmanagement
20 B Prozessorientiertes Beschaffungsmanagement
21 1 Organisation
22 1.1 Aufbauorganisation, Ablauforganisation und Beschaffungsstruktur
23 1.1.1 Aufbauorganisation
24 1.1.2 Ablauforganisation
25 1.1.3 Beschaffungsstruktur
26 1.2 Beschaffungsobjekte
27 1.2.1 Produktionsmaterial
28 1.2.2 Gemeinkostenmaterial (Nicht-Produktionsmaterial)
29 1.2.3 Investitionen
30 1.3 Sourcing-Strategien – Klassifizierung
31 1.3.1 Unterscheidung nach geographischer Reichweite
32 1.3.2 Unterscheidung nach Anzahl der Lieferanten
33 1.3.3 Unterscheidung nach Umfang der gelieferten Leistung
34 1.4 IT-Systeme und Digitalisierung
35 1.4.1 Hard- und Software
36 1.4.2 Schnittstellenmanagement
37 1.5 Supply Chain Management
38 1.5.1 Elemente
39 1.5.2 Koordination der Supply Chain
40 1.6 Personal
41 1.6.1 Anforderungsprofil
42 1.6.2 Identifizierung geeigneter Mitarbeiter
43 1.6.3 Personalentwicklung
44 1.7 Phasencontrolling: Organisation
45 2 Bedarfserkennung
46 2.1 Absatzseitige Bedarfsanalyse
47 2.1.1 Initialphase
48 2.1.2 Marktanalyse
49 2.1.3 Produktanalyse
50 2.2 Produktentwicklung
51 2.2.1 Konzeption
52 2.2.2 Entwurf
53 2.2.3 Ausarbeitung
54 2.3 Klassifikation der zu verwendenden Bauteile
55 2.4 Definition des Bedarfs
56 2.5 Lastenheft
57 2.6 Phasencontrolling: Bedarfserkennung
58 3 Marktanalyse
59 3.1 Beschaffungsgüter
60 3.1.1 Beschaffungsseitige Daten
61 3.1.2 Verwendungsseitige Daten
62 3.2 Marktstrukturen
63 3.2.1 Anbieterunterscheidung
64 3.2.2 Nachfragerunterscheidung
65 3.3 Marktentwicklungen
66 3.3.1 Saisonale Marktschwankungen
67 3.3.2 Konjunkturelle Marktschwankungen
68 3.3.3 Trendbedingte Marktveränderungen
69 3.4 Lieferanten
70 3.4.1 Allgemeine Unternehmensdaten
71 3.4.2 Spezielle produktbezogene Daten
72 3.4.3 Konditionen und Service
73 3.4.4 Lieferanten- und Abnehmerbeziehungen
74 3.5 Preise
75 3.6 Instrumente
76 3.6.1 Target Costing
77 3.6.2 Make-or-Buy-Entscheidung
78 3.7 Phasencontrolling: Marktanalyse
79 4 Qualifizierung
80 4.1 Lieferantenzulassung
81 4.1.1 Produktqualifikation
82 4.1.2 Kommerzielle Überprüfung des Lieferanten
83 4.1.3 Managementsystem-Überprüfung
84 4.2 Beurteilungsmethoden
85 4.2.1 Selbsteinschätzung durch die Lieferanten
86 4.2.2 Auditierung
87 4.2.3 Assessment
88 4.3 Lieferanteneinstufung
89 4.4 Dokumentation
90 4.5 Phasencontrolling: Qualifizierung
91 5 Angebotsbearbeitung
92 5.1 Anfragengestaltung
93 5.2 Angebotseinholung
94 5.3 Angebotsprüfung
95 5.3.1 Formelle Angebotsprüfung
96 5.3.2 Materielle Angebotsprüfung
97 5.4 Angebotsvergleich
98 5.4.1 Einfaktorenvergleich
99 5.4.2 Mehrfaktorenvergleich
100 5.5 Instrumente zum Angebotsvergleich
101 5.5.1 Scoring-Modelle
102 5.5.2 Preisanalysen
103 5.6 Auswahl
104 5.7 Phasencontrolling: Angebotsbearbeitung
105 6 Vorklärung
106 6.1 Vorbereitung
107 6.1.1 Mentale Voraussetzungen
108 6.1.2 Mentale Vorbereitung
109 6.1.3 Sachliche Vorbereitung
110 6.1.4 Planung der Strategien
111 6.1.5 Organisatorische Vorbereitung
112 6.2 Gesprächsdurchführung
113 6.2.1 Einstimmungsphase
114 6.2.2 Begrüßung und Vorstellung
115 6.2.3 Überleitung zur Sache
116 6.2.4 Sachvortrag und Gegebenheiten
117 6.3 Typologien von Einkäufern und Verkäufern
118 6.3.1 Kundengitter und Verkaufsgitter
119 6.3.2 Zuordnung von Verkäufer- und Einkäufer-Profilen
120 6.4 Analyse/Nachbereitung
121 6.5 Entscheidung
122 6.6 Pflichtenheft
123 6.7 Phasencontrolling: Vorklärung
124 7 Verhandlung
125 7.1 Vertragsgestaltung
126 7.1.1 Vertragsarten
127 7.1.2 Grundbestandteile eines Vertrages
128 7.1.3 Weitergehende Bestandteile und Detaillierung
129 7.2 Fixierung wichtiger Vertragsbestandteile
130 7.2.1 Erfüllungsort
131 7.2.2 Verpackung und Transport
132 7.2.3 Abnahme
133 7.2.4 Kosten
134 7.3 Abwehrmuster gegen unfaire Verhandlungsführung
135 7.3.1 Unfaire Taktiken des Blockierens
136 7.3.2 Unfaire Taktiken des Angriffs und der Diskriminierung
137 7.3.3 Taktiken mit Finten
138 7.3.4 Nachteilige Situationen
139 7.4 Phasencontrolling: Verhandlung
140 8 Bestellmanagement
141 8.1 Bestellauslösung
142 8.1.1 Bestellmengen und -termine
143 8.1.2 Formen der Bestellung
144 8.1.3 Inhalt der Bestellung
145 8.2 Lieferüberwachung
146 8.2.1 Auftragsbestätigung
147 8.2.2 Order Tracking
148 8.3 Wareneingang
149 8.3.1 Qualitäts- und Quantitätskontrolle
150 8.3.2 Reklamationsverfahren
151 8.4 Zahlungsmanagement
152 8.5 Exkurs: Unterscheidung von Geschäftstypen
153 8.5.1 Produktgeschäft
154 8.5.2 Systemgeschäft
155 8.5.3 Anlagengeschäft
156 8.5.4 Zuliefergeschäft
157 8.6 Phasencontrolling: Bestellmanagement
158 9 Nutzung
159 9.1 Kriterienkatalog
160 9.1.1 Auswahl der Bewertungskriterien
161 9.1.2 Auswahl der Entscheidungsträger
162 9.1.3 Selektionsprinzipien
163 9.2 Messung der Lieferantenleistung
164 9.2.1 Bewertungsteam
165 9.2.2 Bewertungsverfahren
166 9.2.3 Durchführung der Leistungsmessung
167 9.3 Darstellung der Bewertungen
168 9.3.1 Lieferantenportfolio
169 9.3.2 Polaritätenprofil
170 9.3.3 Fieberkurven
171 9.4 Auswertung
172 9.5 Phasencontrolling: Nutzung
173 10 Lieferantenentwicklung
174 10.1 Lieferantenstrategien
175 10.1.1 Anforderungsprofile
176 10.1.2 Ableitung des Handlungsbedarfs
177 10.2 Maßnahmen
178 10.2.1 Schließung von Leistungslücken
179 10.2.2 Aufbau von System- und Modullieferanten
180 10.3 Lieferanten-Monitoring
181 10.4 Phasencontrolling: Lieferantenentwicklung
182 11 Beschaffungscontrolling
183 11.1 Kontrollinhalte
184 11.2 Bestimmung der Erfolgskennziffern
185 11.3 Vorgabe der Soll-Größen
186 11.3.1 Interne Vorgaben
187 11.3.2 Externe Vorgaben
188 11.4 Messung, Analyse und Steuerung
189 11.4.1 Steuerungssystem
190 11.4.2 Interdependenzen und Abweichungsanalyse
191 11.5 Phasencontrolling: Beschaffungscontrolling
192 C Vertragsmanagement
193 1 Vertragsplanung
194 2 Vertragsdesign
195 3 Vertragsverhandlung
196 4 Vertragsdurchführung
197 5 Vertragscontrolling
198 D Zusammenfassung
199 Abkürzungsverzeichnis
200 Literaturverzeichnis
201 Stichwortverzeichnis
A Einführung
Die Inhalte und Aufgaben der Beschaffung haben sich von der operativen Unterstützungsfunktion hin zur strategischen Wertschöpfung gewandelt. Das moderne Beschaffungsmanagement strebt danach, Potenziale zu erschließen, Wettbewerbsvorteile zu erzielen und abzusichern und dadurch den langfristigen Erfolg des Unternehmens sicherzustellen. Die Beschaffung hat sich strategisch in Richtung Wertgestalter entwickelt und dadurch eine neue und umfangreichere Bedeutung gewonnen. In den einführenden Kapiteln im Abschnitt A werden wichtige Entwicklungen, Inhalte und Aufgabengebiete des modernen Beschaffungsmanagements vorgestellt.
1 Einleitung
Viele Unternehmen betrachten die Beziehung zu Lieferanten meist nur unter dem Aspekt der Kosten. Es erweist sich aber immer wieder, dass der billigste Lieferant nicht der günstigste sein muss. In einem ausgewogenen Beschaffungsmanagementsystem sind Qualitäts- und Terminaspekte sowie Flexibilität und Sicherheit bzw. Risikoaspekte ebenso zu berücksichtigen. Wenn im Unternehmen die Beschaffung als strategische Aufgabe erkannt wird, dann ist auch die Möglichkeit gegeben, die Qualität der eigenen Produkte zu steigern, Risiken zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Im Rahmen der Risikoanalyse muss untersucht werden, welche Abhängigkeiten von welchen Lieferanten bestehen.1
Den größten Kostenblock eines Unternehmens bilden die Kosten für zugekaufte Waren und Dienstleistungen. Der Materialkostenanteil beträgt je nach Branche zwischen 50 und bis zu 90 Prozent.2 Dementsprechend bedeutsam ist die Betreuung bestehender und die Auswahl neuer Lieferanten, welche damit strategische Entscheidungen des Unternehmens darstellen.3
Durch den Ausfall eines Schlüssellieferanten kann ein Unternehmen in eine schwere Krise stürzen. Durch Lieferung von fehlerhaften Vorprodukten, können an anderer Stelle hohe Kosten für Nacharbeit, Reparatur und Gewährleistung entstehen.4 Einseitige Abhängigkeiten von Lieferanten stärken auch deren Verhandlungsposition und erlauben ihnen, höhere Preise durchzusetzen. Beschaffungsmarktrisiken bestehen im Wesentlichen in Form von Preisrisiken bei wesentlichen Zulieferprodukten oder in Form von Versorgungsrisiken einzelner Beschaffungsobjekte. Diesen Risiken kann man aus Unternehmenssicht durch systematisches Beschaffungsmanagement und durch gezieltes Lieferantenmanagement entgegenwirken.5
1 Hofbauer und Sangl 2018, S. 458
2 Statistisches Bundesamt 2018
3 Hofbauer, Glazunova und Hecht 2016
4 Hofbauer und Rau 2011
5 Hofbauer, Mashhour und Fischer 2016
2 Die Beschaffungsfunktion
Aufgrund knapper Ressourcen und permanentem Kostendruck muss auch im Beschaffungsmanagement die Generierung von Werten als Zielsetzung vorangestellt werden. Aufgrund der steigenden Anteile des zugekauften Materials, lässt sich hier die Bedeutung und die Zielsetzung der Beschaffung ersehen. Aufgabe der Entscheidungsträger in der Beschaffung ist es, das optimale Vorprodukt einzukaufen, um einen möglichst hohen Qualitätsstandard der Eigenfertigung zu günstigen Konditionen erreichen zu können.
2.1 Bedeutung und Ziele
Die Kosten für die Beschaffung der Vorprodukte müssen wertschaffend in die eigenen Endprodukte einfließen. An dieser Stelle kommt der Wirtschaftlichkeitsbedingung ein wichtiger Stellenwert zu: Verkauft werden kann nur das, was der Absatzmarkt mit der vorgegebenen Preisstellung auch aufnehmen kann. Zudem muss auch ein Wert für das eigene Unternehmen geschaffen werden. Spätestens seit dem Buchtitel »Milliardengrab Einkauf«6 wissen wir, dass im Beschaffungsbereich noch viele Potenziale nicht ausgeschöpft sind.
Damit ist auch der Rahmen für das Beschaffungsmanagement festgelegt: Es müssen Vorprodukte beschafft werden, die in ihrer Qualität vom Absatzmarkt akzeptiert werden und die auch zu marktfähigen Preisen und akzeptablen Terminen verfügbar sind. Strategisch motivierte Einflussnahme auf den Beschaffungsprozess unter Berücksichtigung der Beschaffungsmärkte soll weiterhin eine Nachhaltigkeit der Aktionen bzw. eine langfristige Optimierung der Beschaffungsfunktion gewährleisten. Daraus resultieren im Ergebnis die Sicherung und Erhaltung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit7.
Diese genannten Faktoren müssen unter Einbeziehung von strategischen Vorüberlegungen so verknüpft werden, dass ein dem Unternehmenszweck dienliches Ergebnis erreicht werden kann. Ferner sind dabei die Wechselwirkungen mit dem eigenen Vertrieb zu berücksichtigen. Dies lässt sich durch die Prozessintegration gewährleisten.
Die unternehmerische Beschaffungsfunktion gehört neben der Produktion und dem Absatz zu den drei unternehmerischen Grundfunktionen. Die Beschaffung umfasst »sämtliche unternehmens- und marktbezogenen Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen«.8
Die Beschaffung bildet eine Schnittstelle zwischen Unternehmen und den Beschaffungsmärkten. Ihre Ziele, werden aus den unternehmerischen Zielen abgeleitet:
• Kostenziel: Reduzierung der Einkaufskosten und Total Cost of Ownership (TCO)
• Qualitätsziel: Zusicherung der angemessenen Qualität der spezifizierten Beschaffungsteile
• Sicherheitsziel: Reduzierung des Beschaffungsrisikos
• Flexibilitätsziel: Erhöhung der Beschaffungsflexibilität
Die Materialkosten haben einen direkten Einfluss auf die Gesamtprofitabilität, deswegen wird dem Kostenziel eine sehr hohe Bedeutung zugemessen. Ein einfaches Rechenexempel zeigt: Schon eine Materialkostenreduktion um 3 Prozent bewirkt dieselbe Gewinnerhöhung wie bei einer 60-prozentigen Umsatzsteigerung.9 Um eine gegenseitige negative Beeinflussung zu vermeiden, muss das Kostenziel im Zusammenhang mit anderen Unternehmenszielen betrachtet werden.
Die angemessene Qualität der Zukaufsteile bildet das zweitwichtigste Beschaffungsziel. Das Qualitätsziel steht allerdings in einem gewissen Konflikt zu dem Kostenziel. Die Aufgabe der Beschaffung besteht darin, einen bestmöglichen Kompromiss zwischen den beiden Zielen zu finden. Weitere Zielobjekte finden sich bei Hofbauer.10 Eine sichere Materialversorgung ist die Voraussetzung für eine unterbrechungsfreie Produktion, deswegen stellt eine Reduzierung des Beschaffungsrisikos ebenfalls ein wichtiges Ziel dar.
Als weiteres Beschaffungsziel ist die Erhöhung der Beschaffungsflexibilität anzusehen. Sie dient einer Absicherung von Handlungsalternativen im Fall einer Produktions- oder Technologieänderung.
2.2 Die Veränderung der Rolle der Beschaffung
Die betriebswirtschaftliche Beschaffungsfunktion wurde in der Vergangenheit als eine Art Unterstützungsfunktion gesehen, die zur Erfüllung anderer Unternehmensfunktionen diente. Seit Ende der 1980er Jahren, als das Wettbewerbspotential der Beschaffung erkannt wurde, unterliegt sie einem ständigen Wandel. Diese Änderung ist insbesondere auf die zunehmende Fokussierung auf Kernkompetenzen und die daraus resultierende Reduktion der Fertigungs-, Forschungs- und Entwicklungstiefe zurückzuführen. Anstatt Komponenten selbst zu entwickeln und zu fertigen, werden diese zunehmend extern von Unternehmen bezogen, die sie am wirtschaftlichsten herstellen können. Damit nimmt die Beschaffung zunehmend die Rolle eines Wertgenerators und Innovationstreibers11 ein.

Abb. 1: Veränderung der Rolle der Beschaffungsfunktion im Zeitablauf
Die Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der unternehmerischen Beschaffungsfunktion in den letzten 50 Jahren. War zunächst die Ausgangsfunktion die Sicherstellung der Versorgung der Produktion, so musste sich der operative Einkauf vorrangig darum kümmern. Mit dem Aufkommen von weiteren Anbietern ging es hauptsächlich um den günstigsten Preis. In der nächsten Stufe zwangen steigende Anforderungen und höhere Komplexität die Unternehmen dazu, intern rationeller zu arbeiten und straffer zu organisieren. Damit war der Schritt weg vom operativen Einkauf und hin zu einer umfassenderen Beschaffungsfunktion12 gemacht. Ein weiterer Schritt war dann folgerichtig, dass der Fokus auf das Lieferantenmanagement gerichtet wurde. Hier geht es um die systematische Suche, das Halten und den Ausbau von wertschöpfenden Lieferantenbeziehungen. Aktuell befindet sich die Beschaffung auf dem Sprung zum Netzwerkmanagement, in dem agile Partnerschaften13 im Netzwerk hocheffiziente Wertschöpfung in Sinne von Industrie 4.0 vorantreiben. Aus dieser Wertgestaltungsfunktion lässt sich auch die Forderung ableiten, die Beschaffung als Primäraktivität einzuordnen.14 Abbildung 2 stellt die Entwicklung der Inhalte der Beschaffung dar.15

Abb. 2: Die Entwicklung der Beschaffungsinhalte vom Kostenoptimierer zum Wertgestalter
Der Weg der Beschaffung über das Lieferantenmanagement hinaus in Richtung Netzwerkmanagement ist vorgezeichnet und eine logische Folge der Entwicklung.16 Mit zunehmender Einbindung in die Wertschöpfung werden Tier-Strukturen (Leistungsbündelung) und Outsourcing (Lösungsbündelung) immer mehr an Bedeutung gewinnen. In Folge dessen wird die Auswahl der einzubindenden Lieferanten im Lieferantenscouting, der ersten Phase des Lieferantenmanagements immer wichtiger. In Abbildung 3 ist diese Entwicklung dargestellt.
Der Trend bei Originalherstellern (OEM) und deren Zulieferern geht bereits in Richtung Leistungs- und Lösungsbündelung. Dadurch entstehen große, komplexe Liefernetzwerke, welche im großen Maße den Unternehmenserfolg beeinflussen und von der Beschaffung gesteuert werden.17 Entsprechend steigt der Stellenwert eines effektiven und strategisch ausgerichteten Lieferantenmanagements.
Die Bedeutung der betrieblichen Beschaffungsfunktion für die Wertschöpfung eines modernen Industrieunternehmens lässt sich quantitativ vor allem anhand des

Abb. 3: Entwicklung der Beschaffung zum Netzwerkmanager18
Kostenanteils des zugekauften Materials verdeutlichen. Der Materialaufwand ist mit 50-80 Prozent der bedeutendste Kostenfaktor eines Unternehmens und damit stellt die betriebliche Beschaffungsfunktion folglich einen ausschlaggebenden Faktor für den Unternehmenserfolg dar.
Das ursprünglich von Porter19 entwickelte Managementkonzept wurde überarbeitet, nachdem es 35 Jahre lang als Anhaltspunkt für strategische Entscheidungen gedient hat. Die Beschaffung wird nicht mehr nur als unterstützende Sekundäraktivität angesehen, sondern ist zusammen mit dem Innovationsmanagement20 dafür verantwortlich, dass das eigene Unternehmen mit den innovativsten und technologisch ausgereiftesten Vorprodukten und Materialien versorgt werden kann. Aus dieser Wertgestaltungsfunktion lässt sich auch die Forderung ableiten, die Beschaffung aufzuwerten und auch als Primäraktivität einzuordnen.21 In Abbildung 4 wird die Neuausrichtung der Wertkette dargestellt.22
Zusammenfassend kann die Entwicklung von der traditionellen Beschaffung hin zur zukunftsfähigen Beschaffung wie in Abbildung 5 zu ersehen, festgestellt werden.

Abb. 4: Neue Einordnung der Beschaffung in der Wertkette23

Abb. 5: Entwicklung zur zukunftsfähigen Beschaffung