Czytaj książkę: «Spuk in Pompeji»
Franjo Terhart
Spuk in Pompeji
Ein Abenteuer aus der Römerzeit
Mit Illustrationen von Volker Fredrich
Saga
Spuk in PompejiCopyright © 2014, 2019 Franjo Terhart und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726159875
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von SAGA Egmont gestattet.
SAGA Egmontwww.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk – a part of Egmont www.egmont.com
Personen
Marcus Mesonus — Bäcker
Apollonia ‒ seine Frau
Aemilia ‒ seine Tochter
Aemilius ‒ sein Sohn
Papila ‒ Sklavin der Familie
Ferox ‒ Hund der Familie
Gaius Rufus ‒ Mosaikleger
Popidia ‒ seine Frau
Marcellus ‒ sein Sohn, Freund von Aemilius
Carilla ‒ seine Tochter, Aemilias Freundin
Secundus Modestus ‒ Aquarius von Pompeji
Gaius Plinius Secundus Maior ‒ Naturforscher
Bracus ‒ Straßenjunge
Simus ‒ sein bester Freund
Spuk in Pompeji
Dies Jovis (Donnerstag), 17. August 79 n.Chr.
Eine unheimliche Stille. Dann ein Klirren, als wenn eine Eisenstange gegen Marmor schlüge, und wenn man genau hinhörte, vernahm man Kettenrasseln, zuerst in der Ferne, dann, als wäre es dicht neben einem. Nebel stieg auf und aus diesem formte sich ein Gespenst: ein alter Mann, abgemagert und vor Schmutz starrend, mit langem Bart und struppigen Haaren. Er war an Händen und Füßen mit eisernen Ketten gefesselt, an denen er heftig rüttelte.
Aemilia fröstelte. Ein eisiger Windhauch strich an ihren nackten Beinen entlang. Das Gespenst streckte drohend seine langen, knochigen Arme nach ihr aus ...
Aemilia schreckte hoch und rang nach Luft. Sie wollte schreien, aber ihr Mund war wie ausgetrocknet. Schweißgebadet kauerte sie auf ihrem Bett. Was für ein furchtbarer Traum! Nur langsam gelang es ihr, sich zu beruhigen. Sie schluckte mehrmals, hustete. Die volle Scheibe des Mondes tauchte ihr Zimmer in ein helles Licht. Im Haus war es still. Es musste de media nocte (weit nach Mitternacht) sein.
Aemilia erhob sich von ihrem Nachtlager und stand auf. Sie gähnte und schlurfte blinzelnd zum Fenster, durch das man in den Garten hinunterschauen konnte. Das sanfte Licht des Mondes wirkte beruhigend. Warum schickten die Götter den Menschen so schreckliche Träume? Wollten die Ewigen sie erinnern, dass alles endlich war und sich die Menschen nicht nur vergnügen sollten, wie fast alle im reichen Pompeji es taten?
Aemilia seufzte und blickte hinaus. Wie friedlich die Nacht jetzt war. Kein Laut war zu hören. Selbst die Vögel schwiegen noch. In der Ferne bellte ein Hund. Vielleicht war ja ein Einbrecher unterwegs gewesen und das treue Tier hatte angeschlagen, um alle im Haus zu warnen. Das Bellen war weit weg gewesen, beruhigte Aemilia sich selbst.
Ihr Vater Marcus Mesonus, der beliebteste Bäcker in der Via Abundantiae, verriegelte die Haustür jeden Abend mit drei Schlössern. Daran würde sich jeder nächtliche Dieb die Zähne ausbeißen. Aemilia gähnte erneut. Sie wollte sich gerade wieder schlafen legen, als sie ein merkwürdiges Geräusch vernahm: Es klang wie ein Rascheln und Brechen zugleich und kam vom Nachbarhaus. Was konnte das sein? Ein Tier?
Vorsichtig lugte Aemilia heraus. Stille. Dann hörte sie es ein zweites Mal rascheln und kurz darauf klang es, als würde ein morscher Ast brechen. Jetzt war Aemilia alarmiert. War da vielleicht doch ein Einbrecher ganz in ihrer Nähe? Sie wagte kaum zu atmen. Sollte sie laut schreien, damit alle im Haus wach wurden und herbeieilten?
Nun war wieder Stille. Was ging da vor? Aemilia beugte sich noch etwas weiter vor, um besser sehen zu können. Und anders als in ihrem Traum entrang sich diesmal ihrem Mund tatsächlich ein lauter Schrei. Direkt unter ihr kauerte das schrecklichste Wesen, das sie jemals gesehen hatte. Sie blickte in ein kleines weißes unheimliches Gesicht mit rot glühenden Augen und einem frechen Grinsen. Aemilia war so erschrocken, dass sie laut schreiend rückwärtstaumelte. Dabei nahm sie noch aus den Augenwinkeln wahr, wie das schreckliche Gespenst mit einem gewaltigen Satz über die mannshohe Mauer sprang und dahinter verschwand.
Wenig später standen Marcus Mesonus und seine Frau Apollonia im Zimmer ihrer Tochter.
Apollonia starrte die am ganzen Körper zitternde Aemilia erschrocken an.
»Was ist denn nur passiert? Du hast geschrien, als würde dir jemand ein Messer ins Herz stoßen«, stammelte sie besorgt und zitterte dabei kaum weniger als Aemilia.
Marcus Mesonus schüttelte unwillig den Kopf. »Was soll denn dieser Lärm, der uns alle um unseren Schlaf bringt?«
Aemilia flüchtete sich in die Arme ihrer Mutter.
»Es ist eine furchtbare Nacht«, schluchzte sie »Erst träume ich von einem Greis, der im finsteren Hades schmort und seine Knochenarme nach mir ausstreckt, und dann sehe ich unten im Garten dieses grässliche Gespenst.«
Apollonia strich ihrer Tochter sanft über den Kopf und murmelte beruhigend: »Die Götter prüfen uns mitunter im Schlaf, wenn unser Verstand nicht mehr bei uns ist, mit schrecklichen Bildern. Aber glaube mir, Aemilia, so schlimm diese uns auch erscheinen mögen, sie bedrohen nicht wirklich unser Leben. Am Morgen zerplatzen diese Träume wie Schaumblasen.«
In diesem Moment schlurfte Aemilias Bruder Aemilius gähnend ins Zimmer. »Was ist denn passiert?«, fragte er verschlafen. »Ich habe einen wilden Schrei gehört, bin aufgestanden und sah draußen ein großes Lichtschwert am Himmel.«
»Was redest du denn für wirres Zeug?«, mischte sich jetzt sein Vater ein, der die ganze Zeit über schweigend, aber missbilligend zugehört hatte: »Nicht du auch noch! Schwert am Himmel? Gespenst im Garten? Seid ihr denn beide verrückt geworden?«
Man merkte Marcus deutlich an, wie verärgert er darüber war, dass man ihn um seine kostbare Nachtruhe gebracht hatte. Als Bäcker musste er morgens sehr früh raus. »Legt euch jetzt alle wieder hin und schlaft!«, knurrte er.
»Aber Marcus«, ermahnte ihn seine Frau. »Die Kinder haben schlecht geträumt. Das darfst du ihnen nicht vorwerfen.«
In diesem Augenblick erschütterte ein Beben das Haus des Bäckers. Alle zuckten erschrocken zusammen, obwohl Erdbeben in Pompeji nicht unüblich waren. Zugleich breitete sich ein Lichtschein am Himmel über der Stadt aus. Die ganze Familie eilte ans Fenster und blickte verstört in die Nacht hinaus, die taghell geworden war.
»Da! Seht nur!«, rief Aemilius. »Da ist das Schwert aus Feuer wieder, das ich gesehen habe. Schaut nur, wie riesig und bedrohlich es ist!«
Nun konnten alle sehen, dass der Junge alles andere als einen schlechten Traum gehabt hatte.
Aus der Spitze des Vesuv schoss ein flammendes Schwert in die Höhe, wies mit seiner glühenden Spitze drohend in den dunklen Himmel und zerbarst kurz darauf in einem Regen hell glühender Funken. Doch so schnell, wie das Feuerschwert aufgetaucht war, verschwand es auch wieder. Pompeji lag wieder so still und friedlich da wie zuvor. Aber jeder, der das Zeichen am Himmel gesehen hatte, war um seinen Schlaf gebracht.
Der Geisterglaube der Römer
Zu allen Zeiten waren die Menschen davon überzeugt, dass die Geister der Toten nicht zur Ruhe kommen und die Lebenden als Spuk erschrecken. Das war bei den Römern nicht anders. Sie glaubten, dass Tote, die ihr Leben gewaltsam verloren hatten, als Gespenster auf sich aufmerksam machten. Selbst ein angesehener Gelehrter wie der Naturforscher Plinius glaubte an die Existenz von phantasmata bzw. larvae, Gespenstern. Als Abwehr gegen Spuk feierten die Römer im Mai und November eines Jahres die sogenannten lemuria. Der Hausherr vollzog dabei Unheil abwehrende Riten, um die lemures, die Totengeister, aus dem Haus zu vertreiben. Die lemuria waren geprägt von Gespensterfurcht, die Tempel waren geschlossen, Hochzeiten fanden nicht statt.
Ein unheimlicher Dieb
Dies Veneris (Freitag), 18. August 79 n. Chr.
»Riesen sah man durch die Luft fliegen, ätzende Dämpfe drangen durch die Eingeweide der Erde nach oben, schaurige Gespenster gingen in den Straßen um, der Himmel war lila gefärbt und viele sahen ein unheimliches Feuerschwert am Himmel«, schluchzte Papila, die Magd der Familie, am nächsten Morgen, während sie das Frühstück zubereitete.
»Aufhören, Papila! Erschreck die Kinder doch nicht noch mehr. Die letzte Nacht war für uns alle furchtbar!«, ermahnte Apollonia die Küchensklavin und beschied ihr mit einer eindeutigen Geste, nicht weiter in dieser Weise zu reden.
»Aber wenn sie doch recht hat!«, widersprach Aemilia trotzig. Sie stocherte lustlos mit dem Löffel in ihrem mit Honig gesüßten Mehlbrei herum. Puls, der Frühstücksmehlbrei, war zwar ihre Lieblingsspeise, aber nach dieser Nacht hatte sie einfach keinen Hunger.
Ihr Bruder winkte lässig ab und versuchte, mutig zu klingen: »Pah! Feuerschwert am Himmel oder nicht. Spuk im Garten oder nicht. Pompeji droht keine Gefahr. Isis breitet ihren schützenden Mantel über unsere Stadt aus. Jupiter thront mächtig wie eh und je in seinem Tempel. Die Götter werden nicht zulassen, dass uns Menschen etwas geschieht.«
»Genau so ist es richtig, Aemilius, mein Sohn«, rief sein Vater, der gerade ins Zimmer trat. »Das Leben geht ewig seinen Gang! Lasst uns einfach nur leben und genießen!«
Der Bäcker blickte seine Kinder aufmunternd an. Er hatte bereits gearbeitet, als sie noch in ihren Betten lagen. »Esst! Die Brötchen und das Brot kommen frisch aus dem Ofen. Sie sind rund und knusprig wie jeden Tag. Die Menschen kommen und kaufen sie wie alle Tage. Niemand meint, die Welt ginge unter.«
Seine Frau blickte ihn fragend an: »Und das unheimliche Feuerschwert am Nachthimmel?«
Ihr Mann winkte ab: »Natürlich war das Ereignis der letzten Nacht Thema in meinem Laden. Albus, der persönliche Diener von Numerius Pontius, Priester im Tempel des mächtigen Jupiter, hat bei mir heute Morgen wie immer sein aus feinem Mehl gebackenes panis candidus gekauft. Er will erfahren haben, dass in den Tempeln der Stadt den Göttern mehr als sonst geopfert wird. Sein Herr sagt, die Ewigen wollen uns mit ihrem Zeichen am Himmel prüfen. Aber ich sage euch: Gefahr droht uns in Pompeji damit noch lange nicht! Wer sich sorgt, vertraut den Göttern nicht.«
Apollonia schaute zweifelnd, nickte dann aber zustimmend. »So wollen wir es mit den ewigen Göttern halten, Marcus Mesonus. Wir beten zu ihnen, wir opfern ihnen und achten sie. Wir Menschen stehen unter ihrem starken Schutz!«
Aemilius grinste seine Schwester herausfordernd an und Aemilia seufzte laut: »Ich versuche ja, meinen blöden Traum zu vergessen, aber dieses schreckliche Gesicht im Garten ...«
»Eben, und auch andere in der Straße haben diesen Geist gesehen«, rief Papila aufgebracht. »Weiß mit glühenden Augen!«
»Papila! Schluss jetzt!«, donnerte die Stimme des pater familias durch den Raum.
Die Sklavin zuckte unter dem »Schluss jetzt!« erschrocken zusammen und blickte den Bäcker ängstlich an.
»Noch mehr davon und ich werde dich bestrafen müssen!«
Papila duckte ihren Kopf tief nach unten.
»Bin jetzt ganz still, Herr. Nur die Angst macht mich ...«
»Schluss! Keinen Ton mehr!«, fuhr Marcus Mesonus sie an.
Während der Bäcker noch seine Sklavin zurechtwies, reifte in Aemilius ein Plan. Er würde der ganzen Sache selbst nachgehen. Zusammen mit seinem Freund Marcellus. Gemeinsam würden sie sich umhören, ob auch andere das seltsame Gespenst gesehen haben wollten. Und dann würden sie herausfinden, was wirklich hinter der Sache steckte.
Plötzlich wusste er, was ihn an den Berichten störte: Was war das für ein merkwürdiges Gespenst, das in einem einzigen Satz über die Mauer verschwand, anstatt sich einfach in Luft aufzulösen?
»Ich gehe jetzt wieder an die Arbeit«, erklärte sein Vater, nachdem er vier, fünf Bissen in sich hineingestopft hatte. »Und was euch Angsthasen hier angeht ...« Er warf seiner Tochter und vor allem der Sklavin einen amüsierten Blick zu. »Bei den nächsten lemuria, dem Fest zu Ehren der Totengeister, werde ich die Riten zur Vertreibung von umherirrenden Toten in und um unser Haus noch intensiver als bisher durchführen. Nur damit ihr endlich beruhigt seid, denn wirklich nötig erscheint mir das nicht.«
›Und ich werde meiner Schwester beweisen, dass das, was auch immer sie gesehen haben will, alles Mögliche gewesen sein mag, aber kein Gespenst‹, dachte Aemilius.
Er stand eilig auf, damit Aemilia ihm nicht folgte, und lief hinaus auf die Straße. Die lange Via Abundantiae mit ihren zahllosen Geschäften, Schenken, Weinstuben und reichen Bürgerhäusern war eine beliebte Gegend in der Stadt.
Aemilius hüpfte über drei Trittsteine hinweg auf die gegenüberliegende Straßenseite. Große Lastkarren rollten an ihm vorbei. Ihre eisenbeschlagenen Räder hatten im Laufe der Zeit tiefe Rinnen im Boden hinterlassen.
Aemilius blieb kurz stehen. Mit einer Hand wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Das Wetter im August war heiß und schwül. Eigentlich hätte er um diese Tageszeit lernen müssen, doch der Schulunterricht bei Marius Amandus fiel aus, weil der Lehrer erkrankt war. Man munkelte, der Magister würde sich viel zu häufig in der Weinschenke des Euxinus aufhalten, aber das war nichts als ein Gerücht.
Aemilius sollte es recht sein, zufrieden eilte er an der bekannten Walkerei des Stephanus vorbei, wo altes Tuch gewaschen und Wolle veredelt wurde, und bog wenig später in die etwas weniger belebte Via Stabiana ein.
Marcellus wohnte gegenüber den bekannten Thermen in dieser Straße. Seine hübsche Schwester Carilla, die einen Schmollmund hatte wie keine Zweite, war mit Aemilia gut befreundet. Vermutlich würden sich die beiden Mädchen, sobald sie aufeinandertrafen, in ihrer Angst vor mit Ketten rasselnden Gespenstern gegenseitig zu übertreffen suchen.
Pompeji ‒ reiche Stadt am Fuße des Vesuv
In Pompeji lebten im 1. Jahrhundert n.Chr. etwa 18 000 Menschen. Die Handelsstadt war sehr reich, denn die fruchtbare Vulkanerde war ideal für den Anbau von Weizen, Oliven und Wein. Pompeji war von einer Mauer mit Wachtürmen umgeben und besaß viele Tempel, mehrere Thermen, einen Hafen, ein großes Amphitheater, das 20 000 Besuchern Platz bot, und prächtige Villen, die vom Reichtum ihrer Bewohner zeugten. Im Sommer flüchteten viele wohlhabende Römer aus der schwülen Enge Roms in die Stadt am Meer. Der Stadtplan macht deutlich, wie geordnet die Straßen, Gassen und Plätze der Stadt gebaut waren ‒ typisch römisch eben!
Aemilius meinte, Carilla und Aemilia bereits schnattern zu hören, als er sich dem Haus des Freundes näherte. Gaius Rufus, der Vater von Marcellus und Carilla, war Mosaikleger, was viel Geschick, Kreativität und ein gutes künstlerisches Auge voraussetzte. Sein Haus war der beste Beweis seiner Kunstfertigkeit.
Aemilius freute sich auf Marcellus, denn zu zweit kamen sie auf die tollsten Ideen. Er selbst war einen halben Kopf größer als sein Freund, obwohl sie beide gleich alt waren. Darauf legte Aemilius viel Wert, denn die Soldaten des Kaisers waren fast ausnahmslos große Männer und zu ihnen wollte Aemilius später einmal gehören.
Aemilius und Marcellus liebten Scherze jeder Art und besonders liebten sie es, Aemilia und Carilla zu necken. Und nach dem, was letzte Nacht vorgefallen war, würde sich mit Sicherheit etwas finden lassen, mit dem sie die beiden Mädchen tüchtig erschrecken konnten.
Marcellus empfing ihn bereits in der Tür.
»Wenn die beiden Schnattergänse gleich zusammen sind, müssen wir uns unbedingt einen feinen Scherz mit herrlich schrecklichen Totengeistern überlegen. Wenn Aemilia nach dieser Nacht auf irgendwelche herumgeisternden Lemuren trifft, macht sie das garantiert völlig fertig«, raunte Aemilius seinem Freund zu und grinste breit.
Aber der Freund betrachtete ihn eher nachdenklich.
»Hast du von dem riesigen Flammenschwert über dem Vesuv gehört?«
Aemilius nickte langsam: »Klar habe ich das. Ich habe es sogar selbst gesehen.«
»Du auch?« Marcellus starrte ihn ungläubig an. »Wie hat es ausgesehen? Erzähl schon!«
Dazu hatte Aemilius eher weniger Lust. »Nun ja, es war groß und drohend. Es hing über dem Vulkan. Aber was heißt das schon?« Er winkte ab und versuchte auf seinen Plan zurückzukommen, den beiden Mädchen ein derben Streich zu spielen. »Wir haben jetzt keine Zeit, über das blöde Schwert zu reden, Marcellus. Das können wir später noch tun. Jetzt müssen wir schnell überlegen, wie wir die beiden Sehnatter ...«
»Was für Schnatter ... meinst du wohl, mein teurer Aemilius?«, hörte er in diesem Moment eine vertraute Stimme hinter sich.
Er drehte sich um und erblickte Carilla, die ihn herausfordernd ansah. »Nun red schon, du großer Legionär. Sind wir etwa die Schnattergänse?«
Jetzt trat auch seine Schwester dazu. Offenbar hatte sie einen schnelleren Weg zu ihrer Freundin gewählt als er zu Marcellus. Ihre Augen blitzten zornig. »Wenn du meinst, dass ich spinne, Brüderchen, weil ich ein Gespenst mit roten Augen und weißem Gesicht gesehen habe, dann ...«
Marcellus unterbrach sie: »Halt mal, Aemilia! Gespenst sagst du? Rote Augen, weißes Gesicht?«
Das Mädchen nickte trotzig. »Genau!«
»Ein kleines, an den Beinen behaartes Wesen, mit Klauen bewehrt?«
»So sieht es aus«, stimmte Aemilia zu und schüttelte sich beim bloßen Gedanken daran.
»Und es springt in einem Satz davon?«
Aemilias Augen weiteten sich ungläubig. »Woher weißt du das alles?«
Marcellus machte ein geheimnisvolles Gesicht. »Ob du es glaubst oder nicht, aber dieses angebliche Gespenst wollen auch Marius der Färber vor drei Tagen und der alte Gladiator Flavius Celadus gestern noch gesehen haben.«
Aemilia blickte ihren Bruder triumphierend an.
»Da siehst du, oberster Schnattersoldat, dass ich keinen Blödsinn erzähle. Selbst Celadus, der beste Kämpfer, den Pompeji je erlebte, bestätigt es.«
»Stimmt!«, meinte Marcellus nachdenklich. »Nur eines finde ich merkwürdig an der ganzen Sache.«
Die drei Freunde sahen ihn erwartungsvoll an.
»Ich habe mit Celadus und dem Färber gesprochen. Bei wem auch immer das Gespenst auftaucht, jedes Mal verschwinden wertvoller Silberschmuck und Münzen. Was haltet ihr davon?«
Die anderen waren sprachlos. Das wurde ja immer geheimnisvoller: ein Gespenst, das nicht nur alle verschreckte, sondern auch noch klaute? Wo gab es denn so etwas?
Auch Aemilia und Carilla runzelten ungläubig die Stirn. Wirklich komisch, aber machten Geister nicht manchmal Dinge, die die Lebenden nicht verstanden? Es brauchte keiner weiteren Worte, die vier wussten auch so: Sie würden der Sache nachgehen!
Darmowy fragment się skończył.