Czytaj książkę: «Denken und Lernen»

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Die Autoren

Timo Storck ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Psychologischen Hochschule Berlin, Psychoanalytiker und Psychologischer Psychotherapeut. Mitherausgeber der Zeitschriften Psychoanalyse – Texte zur Sozialforschung und Forum der Psychoanalyse sowie der Buchreihe Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie, Mitglied des Herausgeberbeirats der Buchreihe Internationale Psychoanalyse. Forschungsschwerpunkte u. a.: psychoanalytische Theorie und Methodologie, konzeptvergleichende Psychotherapieforschung.

Felix Billhardt ist M.Sc. Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, Fachrichtung Verhaltenstherapie. Forschungsinteressen liegen u. a. in den Bereichen der Kognitionspsychologie und des interdisziplinären Vergleichs von kognitionspsychologischer Forschung und psychoanalytischer Theorie.

Timo Storck Felix Billhardt

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1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-039492-6

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-039493-3

epub: ISBN 978-3-17-039494-0

mobi: ISBN 978-3-17-039495-7

Geleitwort zur Reihe

Die Psychoanalyse hat auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Bedeutung und Faszination verloren. Sie hat sich im Laufe ihres nun mehr als einhundertjährigen Bestehens zu einer vielfältigen und durchaus auch heterogenen Wissenschaft entwickelt, mit einem reichhaltigen theoretischen Fundus sowie einer breiten Ausrichtung ihrer Anwendungen.

In dieser Buchreihe werden die grundlegenden Konzepte, Methoden und Anwendungen der modernen Psychoanalyse allgemeinverständlich dargestellt. Worin besteht die genuin psychoanalytische Sichtweise auf Forschungsgegenstände wie z. B. unbewusste Prozesse, Wahrnehmen, Denken, Affekt, Trieb/Motiv/Instinkt, Kindheit, Entwicklung, Persönlichkeit, Konflikt, Trauma, Behandlung, Interaktion, Gruppe, Kultur, Gesellschaft u. a. m.? Anders als bei psychologischen Theorien und deren Überprüfung mittels empirischer Methoden ist der Ausgangspunkt der psychoanalytischen Theoriebildung und Konzeptforschung in der Regel zunächst die analytische Situation, in der dichte Erkenntnisse gewonnen werden. In weiteren Schritten können diese methodisch trianguliert werden: durch Konzeptforschung, Grundlagenforschung, experimentelle Überprüfung, Heranziehung von Befunden aus den Nachbarwissenschaften sowie Psychotherapieforschung.

Seit ihren Anfängen hat sich die Psychoanalyse nicht nur als eine psychologische Betrachtungsweise verstanden, sondern auch kulturwissenschaftliche, sozialwissenschaftliche sowie geisteswissenschaftliche Perspektiven hinzugezogen. Bereits Freud machte ja nicht nur Anleihen bei den Metaphern der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, sondern entwickelte die Psychoanalyse im engen Austausch mit geistes- und kulturwissenschaftlichen Erkenntnissen. In den letzten Jahren sind vor allem neurowissenschaftliche und kognitionspsychologische Konzepte und Befunde hinzugekommen. Dennoch war und ist die klinische Situation mit ihren spezifischen Methoden der Ursprung psychoanalytischer Erkenntnisse. Der Blick auf die Nachbarwissenschaften kann je nach Fragestellung und Untersuchungsgegenstand bereichernd sein, ohne dabei allerdings das psychoanalytische Anliegen, mit spezifischer Methodik Aufschlüsse über unbewusste Prozesse zu gewinnen, aus den Augen zu verlieren.

Auch wenn psychoanalytische Erkenntnisse zunächst einmal in der genuin psychoanalytischen Diskursebene verbleiben, bilden implizite Konstrukte aus einschlägigen Nachbarwissenschaften einen stillschweigenden Hintergrund wie z. B. die derzeitige Unterscheidung von zwei grundlegenden Gedächtnissystemen. Eine Betrachtung über die unterschiedlichen Perspektiven kann den spezifisch psychoanalytischen Zugang jedoch noch einmal verdeutlichen.

Der interdisziplinäre Austausch wird auf verschiedene Weise erfolgen: Zum einen bei der Fragestellung, inwieweit z. B. Klinische Psychologie, Entwicklungspsychologie, Entwicklungs-psychopathologie, Neurobiologie, Medizinische Anthropologie zur teilweisen Klärung von psychoanalytischen Kontroversen beitragen können, zum anderen inwieweit die psychoanalytische Perspektive bei der Beschäftigung mit den obigen Fächern, aber auch z. B. bei politischen, sozial-, kultur-, sprach-, literatur- und kunstwissenschaftlichen Themen eine wesentliche Bereicherung bringen kann.

In der Psychoanalyse fehlen derzeit gut verständliche Einführungen in die verschiedenen Themenbereiche, die den gegenwärtigen Kenntnisstand nicht nur klassisch freudianisch oder auf eine bestimmte Richtung bezogen, sondern nach Möglichkeit auch richtungsübergreifend und Gemeinsamkeiten aufzeigend darstellen. Deshalb wird in dieser Reihe auch auf einen allgemein verständlichen Stil besonderer Wert gelegt.

Wir haben die Hoffnung, dass die einzelnen Bände für den psychotherapeutischen Praktiker in gleichem Maße gewinnbringend sein können wie auch für sozial- und kulturwissenschaftlich interessierte Leser, die sich einen Überblick über Konzepte, Methoden und Anwendungen der modernen Psychoanalyse verschaffen wollen.

Die Herausgeberinnen und Herausgeber Cord Benecke, Lilli Gast, Marianne Leuzinger-Bohleber und Wolfgang Mertens

Vorwort

Psychoanalyse im 21. Jahrhundert heißt für uns, die zeitgenössische Relevanz psychoanalytischen Denkens herauszustellen, und dies auf argumentierende, nicht apodiktische Weise. Das bedeutet, es auf eine Weise zu präsentieren, welche die Begriffsgeschichte nachzeichnet und dabei berücksichtigt, worauf eine bestimmte konzeptuelle Sicht eine Antwort geben sollte und konnte sowie heute kann. Dabei auf Freud zu rekurrieren, ist eine Eigenart, die die Psychoanalyse zwar mit einigen philosophischen, aber wenigen psychologischen Richtungen teilt. Unser Anliegen ist es dabei, mit Freud über Freud hinauszugehen und die Konzepte – dort, wo das gelingen kann – dazu zu verwenden, eine psychoanalytische Betrachtungsweise vorzuschlagen, die sowohl klinisch relevant ist als auch wissenschaftlich sowie bezogen auf andere therapeutische Richtungen anschlussfähig ist und dabei der Komplexität psychoanalytischer Theorie und Methodik gerecht wird.

Psychoanalyse im 21. Jahrhundert heißt für uns allerdings auch, psychoanalytisches Denken nicht isoliert dazustellen oder als »etwas ganz anderes« zu präsentieren, dessen falsch verstandene Eigenständigkeit dazu führen müsste, die Zusammenarbeit mit anderen methodischen Zugängen, anderen Grundannahmen über die menschliche Psyche oder anderen Konzeptionen von Veränderung durch psychotherapeutische Prozesse als nutz- oder aussichtslos zu diskreditieren. Die Darstellung von »Denken und Lernen« sowie von »Wahrnehmung und Gedächtnis« (im von uns verfassten Band derselben Reihe; Billhardt & Storck, 2021) aus allgemeinpsychologischer und psychoanalytischer Perspektive kann hier als paradigmatisch genommen werden: Die Unterschiede beider Zugänge werden immer wieder deutlich werden. Dass das Grundanliegen beider, bereits zu Freuds Zeiten, jedoch sehr ähnlich ist, wird sich ebenso zeigen.

Deshalb möchten wir mit dem vorliegenden Band einen Beitrag zur interdisziplinären Betrachtung der genannten Gegenstandsbereiche beitragen. Vor allem geht es uns darum, psychoanalytisches Denken auf eine Weise zugänglich zu machen, die Interesse weckt und zu kreativer Weiterentwicklung im klinischen und forscherischen Bereich anregt.

Bedanken möchten wir uns bei Cord Benecke, der den Anstoß für die Zusammenarbeit und die grobe inhaltliche Ausrichtung gegeben hat, sowie ihm und den weiteren Herausgebenden (Lilli Gast, Marianne Leuzinger-Bohleber und Wolfgang Mertens) für die Einladung zur Beteiligung an der Reihe »Psychoanalyse im 21. Jahrhundert«. Ferner gilt Guido Hesselmann unser Dank für eine kritische Durchsicht der Abschnitte zur Allgemeinen Psychologie. Außerdem danken wir Annika Grupp, Kathrin Kastl und Ruprecht Poensgen vom Kohlhammer Verlag für die gewohnt angenehme Zusammenarbeit.

Heidelberg und Kassel, im Frühjahr 2021

Inhalt

1  Geleitwort zur Reihe

2  Vorwort

3  1 Einleitung

4  2 Grundzüge einer Allgemeinen Psychoanalyse

5  2.1 Psychoanalytische Metapsychologie als Psychologie des Unbewussten

6  2.1.1 Das topische Modell des Psychischen

7  2.1.2 Das Instanzen-Modell

8  2.2 Psychoanalyse als Theorie psychischer Konflikte

9  2.3 Besonderheiten der psychoanalytischen Theorie des Denkens: Repräsentanz und Symbolisierung

10  3 Denken

11  3.1 Allgemeinpsychologische Theorien des Denkens

12  3.1.1 Schlussfolgerndes Denken

13  3.1.2 Metatheorien des Denkens

14  3.1.3 Entscheiden und Urteilen

15  3.1.4 Problemlösendes Denken

16  3.2 Psychoanalytische Theorien des Denkens

17  3.2.1 Denken bei Sigmund Freud

18  3.2.2 Denken bei Melanie Klein

19  3.2.3 Denken bei Wilfred R. Bion

20  3.2.4 Denken bei Ignacio Matte Blanco

21  3.2.5 Denken bei Piera Aulagnier

22  3.2.6 Denken bei Jean Laplanche

23  3.2.7 Denken bei André Green

24  3.2.8 Denken bei Alfred Lorenzer und Siegfried Zepf

25  3.2.9 Denken bei Peter Fonagy und Mary Target

26  3.3 Vergleich zwischen allgemeinpsychologischen und psychoanalytischen Theorien des Denkens

27  4 Lernen

28  4.1 Allgemeinpsychologische Theorien des Lernens

29  4.1.1 Die behaviorale Perspektive auf das Lernen

30  4.1.2 Die kognitive Perspektive auf das Lernen

31  4.2 Psychoanalytische Theorien des Lernens

32  4.2.1 »Lernen durch Erfahrung«: Psychoanalytische Entwicklungspsychologie der Repräsentanzbildung

33  4.2.2 Der Erwerb struktureller Fähigkeiten als Lernprozess

34  4.2.3 »Lernen« in psychoanalytischen Behandlungen

35  4.2.4 Psychoanalytische Pädagogik

36  4.3 Vergleich zwischen allgemeinpsychologischen und psychoanalytischen Theorien des Denkens

37  5 Fazit und Ausblick

38  Literatur

39  Stichwortverzeichnis

1 Einleitung
Einführung

Freuds Anliegen ist es gewesen, in der Auseinandersetzung mit klinischer Erfahrung und durch die Untersuchung von Traum, Witz, Fehlleistung oder Symptom etwas über psychische Prozesse im Allgemeinen zu erfahren. Betrachtet man dies als Teil einer Theorie von Denkprozessen, dann ergeben sich auch in zeitgenössischer Perspektive Verbindungen zwischen Psychoanalyse und Allgemeiner Psychologie.

Lernziele

• Die Psychoanalyse mit und nach Freud nicht nur als Theorie psychischer Störungen und Methode zu deren Behandlung verstehen, sondern auch als eine allgemeine Theorie der menschlichen Psyche.

• Ein Verständnis der Berührungspunkte und Abgrenzungen zwischen Psychoanalyse und Allgemeiner Psychologie entwickeln.

Wie wir die Welt um uns herum und in uns erleben und wie wir sie psychisch handhaben, berührt alle Bereiche der Psychologie und alle Bereiche unseres täglichen Lebens, es ist – zusammen mit dem Gefühlsleben – die Grundlage für Beziehung, Kommunikation, persönliches Identitätsgefühl u. v. a.. »Denken« findet dabei nicht in einem personal-monistisch-innerlichen Rahmen allein statt, sondern beruht auf einem zuallererst wahrnehmenden Zugang zur personalen und apersonalen Umwelt. Wahrnehmungsprozesse leiten unser Erleben, sowohl im Hinblick auf sinnliche »Außen«-Wahrnehmung visueller, auditiver, taktiler, olfaktorischer u. a. Art, als auch bezogen auf die Interozeption/Introspektion, also das Wahrnehmen dessen, was »in« uns vorgeht, sowohl leiblich als auch kognitiv und emotional. Wie wir uns in der Welt erleben und wie wir darüber denken, ist neben solcher inneren und äußeren Wahrnehmung noch weiter darüber bestimmt, dass wir uns in unserer gedanklichen und der perzeptuellen Welt in einer zeitlichen Perspektive bewegen. In aller Regel stehen unser Denken und unsere (aktuelle) Wahrnehmung in einer Linie von personaler Identität über die Zeit – jeder Gedanke, jede Wahrnehmung hat insofern eine Geschichte, als Prozesse des Erinnerns (und Nicht-Erinnerns) sie steuern, hemmen, informieren oder ihr anderweitig eine Färbung geben.

Dass es sich dabei insbesondere in einem psychoanalytischen Zugang um Bewusstes und Unbewusstes dreht, wird sich im Durchgang durch die Darstellung immer wieder zeigen. Ebenso wird deutlich werden, in welcher Weise die Konzeption dessen, was unbewusst ist, sich zwischen Psychoanalyse und Allgemeiner Psychologie unterscheiden. Allerdings müssen wir im Kontext des vorliegenden Rahmens darauf verzichten, die Theorien zu Bewusstsein und Unbewusstheit den Bereichen Denken und Lernen, sowie Wahrnehmung und Gedächtnis im selben Umfang zur Seite zu stellen, auch wenn es sich um einen weiteren wichtigen Bereich der Allgemeinen Psychologie handelt (vgl. Leuzinger-Bohleber & Weiß, 2014, in der vorliegenden Reihe).

Denken und Lernen, Wahrnehmung und Gedächtnis sind also große Bereiche der Psychologie, sie gehören neben Motivation, Emotion oder Bewusstsein zu den Hauptfeldern der Allgemeinen Psychologie, deren Forschungsbereich sich über diejenigen psychischen Prozesse erstreckt, die allen Menschen gemein sind. Auch die Psychoanalyse beschäftigt sich seit Freuds Zeiten mit ihnen. Zwar ging Freud in seiner nervenärztlichen Praxis bei der Entwicklung der psychoanalytischen Theorie und Behandlungsmethode von der klinischen Arbeit aus, aber neben der Entwicklung eines Verständnisses der psychodynamischen Grundlagen psychopathologischer Symptome ging es ihm von Beginn seiner psychoanalytischen Arbeiten an darum, etwas über das Funktionieren der menschlichen Psyche herauszufinden. Die Betrachtung von Träumen etwa dient daher nicht nur der Deutung von Träumen, die neurotische Patienten1 in Behandlungen einbringen, sondern immer auch der Erkundung der Mechanismen der Traumarbeit, von denen Freud – zurecht – annahm, dass es keine prinzipiell anderen seien als die des Wachbewusstseins und auch keine prinzipiell anderen als die psychisch gesunder Menschen. Freud studierte am Beispiel der Traum- oder der Symptombildung die allgemeinpsychologischen Grundlagen menschlichen Erlebens (noch deutlicher betont dies beispielsweise Hartmann, 1927).

Eine Theorie des psychischen Apparates und der Prozesse des Denkens, Lernens, Wahrnehmens und Erinnerns steht also am Ausgangspunkt und im Zentrum der psychoanalytischen Theorie. Alle vier für sich genommen große Bereiche, werden in der Psychoanalyse dadurch noch größer, dass meist ein recht weit gefasstes Verständnis vertreten wird. »Denken« ist nicht nur Kognition und umfasst nicht nur Prozesse, sondern auch Gegenstände des Denkens, also die psychische Repräsentation und die psychischen Repräsentanzen. »Wahrnehmen« bezieht sich nicht nur auf Perzeption, sondern auch auf die Introspektion. »Erinnern« (ebenso wie »Vergessen«) sind Bestandteile jedes psychischen Vorgangs, jedes psychische Erlebnis ist beeinflusst durch vorangegangene.

So sehr auch die Felder und Anliegen der Allgemeinen Psychologie des Denkens und Lernens, Wahrnehmens und Erinnerns und die Felder und Anliegen der Psychoanalyse sich also in wichtigen Bereichen ähneln und deshalb einen interdisziplinären Austausch sinnvoll erscheinen lassen, so sehr muss auch konstatiert werden, dass von diesem gemeinsamen Ausgangspunkt sehr unterschiedliche Wege genommen wurden. Von beiden Seiten sind teils scharfe Abgrenzungen erfolgt und nur in Einzelfällen und spät ist es zu wirklichen interdisziplinär-wissenschaftlichen Dialogen gekommen (zu nennen sind die Arbeitsgruppe um Leuzinger-Bohleber & Pfeifer, z. B. 1998; oder auch die Arbeiten Buccis, z. B. 1997).

Die Gründe für die Abgrenzung liegen vermutlich auf Seiten der Allgemeinen Psychologie und Kognitionswissenschaften im hohen Abstraktionsgrad der psychoanalytischen Konzepte, der es traditionellerweise aufwändig bis unmöglich macht, sie in testbare Untersuchungsdesigns zu überführen. Von Seiten der Psychoanalyse sind die Gründe der Abgrenzung in einem anderen Wissenschaftsverständnis zu sehen sowie vermutlich auch in einer Vorstellung, die Verbindung würde weniger dazu führen, eine psychodynamische Perspektive stärker in akademische Diskurse einzubringen und so letztlich zu profilieren, sondern zu einem Verlust der Eigenständigkeit führen.

Unsere Perspektive ist es, dass eine konstruktive Annäherung von Psychoanalyse und Allgemeiner Psychologie für beide Disziplinen nützlich ist. Einerseits für die Allgemeine Psychologie, etwa in Form einer Ausweitung ihres Forschungsbereiches auf dynamisch unbewusste Denkvorgänge, und andererseits für die Psychoanalyse durch eine kognitionspsychologische Anreicherung und möglicherweise Konkretisierung ihres theoretischen Gerüsts. Nach Granzow (1994) kann eine Integration der beiden Disziplinen auf vier Ebenen geschehen (a. a. O., S. 197):

• auf einer deskriptiven Ebene (bzgl. der Befunde)

• auf der Ebene der (gemeinsamen) Modellbildung

• auf der Ebene einer Reformulierung der psychoanalytischen Gedächtnistheorie angesichts kognitionspsychologischer Befunde

• auf der Ebene einer Reformulierung der psychoanalytischen Metapsychologie (mit dem Ziel des Schaffens einer gemeinsamen methodologischen Rahmung).

Im vorliegenden Band zeichnen wir vor dem Hintergrund der gemeinsamen Anliegen von Allgemeiner Psychologie und Psychoanalyse beide Wege der Auseinandersetzung mit Denken und (in geringerem Umfang) Lernen nach und skizzieren Felder einer möglichen Integration beider Disziplinen auf der von Granzow ausgewiesenen deskriptiven Ebene. Dabei werden zunächst die Differenzen und Divergenzen in den entwickelten Modellen und Konzepten deutlich werden, zwischendurch jedoch auch die Berührungspunkte aufblitzen. Am Ende beider Hauptteile werden wir den Versuch unternehmen, beide Perspektiven, die allgemeinpsychologische und die psychoanalytische, wieder miteinander in Kontakt zu bringen. Abschließend werden wir ein Fazit ziehen und Vorschläge für eine psychoanalytisch informierte Allgemeine Psychologie bzw. eine kognitionswissenschaftlich anschlussfähige(re) Psychoanalyse machen.

Einiges wird dabei notgedrungen am Rande oder außen vor bleiben müssen. Die Auseinandersetzung mit dem Denken ist kein Phänomen, das erst mit Aufkommen der akademischen Psychologie oder der Psychoanalyse in den Fokus menschlicher Geistestätigkeit kam. Die mannigfaltigen philosophischen Positionen (und darin Vorläufer einer psychologischen und psychoanalytischen Sicht) können wir im vorliegenden Rahmen nicht aufgreifen. Ebenso werden Aspekte von Motivation und Emotion als Teile der Allgemeinen Psychologie und als Kernstück psychoanalytischer Theorie unberücksichtigt bleiben, wir können dazu auf den entsprechenden Band der Reihe »Psychoanalyse im 21. Jahrhundert« hinweisen (Benecke & Brauner, 2017). Ebenso werden wir Fragen nach Repräsentation, Symbolisierung oder Mentalisierung nur kursorisch streifen (vgl. dazu Deserno, 2020, in der vorliegenden Reihe), und auch den Bereich der psychoanalytischen Behandlungstechnik (Mertens, 2015) sowie die spezielle Krankheitslehre (und deren Spezifika im Hinblick auf Denken, Wahrnehmung und Gedächtnis) weitgehend außen vor lassen müssen. Allgemeine Diskussionen psychoanalytischer Konzepte finden sich in der Buchreihe »Grundelemente psychodynamischen Denkens« (Storck, 2018a, b, 2019b, c, 2020a, b u. a.).

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Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
19 grudnia 2025
Objętość:
263 str. 6 ilustracji
ISBN:
9783170394940
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania: