Gesundheitsförderung für Lehrpersonen und Schulleitungen

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Helmut Heyse

■Kapitel 2 Leitbilder

Kompass fürs Leben


Mit »Leitbild« bezeichnen wir Vorstellungen – eben Bilder – davon, wie wir in unseren verschiedenen beruflichen und privaten Rollen »richtig« handeln, um in Einklang mit uns selbst zu sein, von anderen akzeptiert zu werden oder bestimmte Ziele zu erreichen.

Es ist Victor Frankl zuzustimmen, wenn er sagt: »Im Gegensatz zum Tier sagt dem Menschen kein Instinkt, was er muss, und im Gegensatz zum Menschen in früheren Zeiten sagt ihm keine Tradition mehr, was er soll – und nun scheint er nicht mehr recht zu wissen, was er eigentlich will« (Frankl 2013, S. 24). Deswegen bleibt uns nicht erspart, für unsere verschiedenen Aufgaben und Rollen selbst Leitbilder zu entwickeln oder im Lauf unserer Sozialisation übernommene Leitbilder kritisch zu prüfen. Davon handelt dieses Kapitel; es möchte Sie animieren, sich mit Ihren Leitbildern auseinanderzusetzen.

2.1 Leitbilder als Orientierungshilfe

Leitbilder haben auf unseren beruflichen und privaten Alltag sowie auf unsere mittel- und langfristige Lebensperspektive prägenden Einfluss. Sie motivieren uns – bewusst oder unbewusst – zu bestimmtem Verhalten, Fühlen und Denken und halten uns von anderen Verhaltensweisen und Gedanken ab. Sie geben uns Orientierung, welche Ziele wir für uns selbst erstrebenswert finden und anstreben wollen. Sie steuern unsere Interaktionen, d. h., was wir bei anderen bewirken wollen und was sich andere uns gegenüber erlauben dürfen. Sie geben dem Einzelnen gleichsam wie Normen Entscheidungshilfe und Vergewisserung über das für ihn richtige Denken und Handeln. Wir rechtfertigen damit unser Tun und Lassen vor uns selbst und gegenüber anderen, und wir fühlen uns im Reinen, wenn wir uns leitbildgemäß verhalten. Dabei schreiben wir unseren Leitbildern unterschiedliche Grade von Verbindlichkeit zu. Es gibt solche, die unbedingt beachtet werden müssen, für die wir auch notfalls kämpfen, andere sollten nach Möglichkeit befolgt werden und wieder andere entsprechen eher dem Motto »nice to have«.

2.2 Leitbilder entscheiden über die Akzeptanz von Veränderungen

Leitbilder entscheiden auch mit, ob und wie wir uns auf Veränderungen einlassen. Ein Vorsatz, ein Bedarf oder ein Bedürfnis nach Veränderung werden mit größerer Wahrscheinlichkeit realisiert, wenn sie mit den Forderungen aus unseren Leitbildern zusammenpassen (Sieland & Heyse, 2010). So ist zu erwarten, dass z. B. Vereinbarungen in einem Kollegium, so weit wie möglich offene Unterrichtsformen zu praktizieren, vermutlich von den einzelnen Lehrpersonen zuverlässiger eingehalten werden, wenn sie selbst der Überzeugung sind, dass Schülerinnen und Schüler auch lernen, wenn sie Spielräume in Bezug auf Inhalte, Wege und Zeiten erhalten.

2.3 Leitbilder sind rollenspezifisch

In den verschiedenen Rollen im privaten und beruflichen Feld gelten unterschiedliche Leitbilder, z. B. als (Ehe-)Partner oder Partnerin, Mutter/Vater, Sohn/ Tochter, Bruder/Schwester bzw. als Lehrperson, Kollegin und Kollege, Klassen-/ Fachlehrerin oder -lehrer, Führungsperson, Autofahrerin, Restaurantbesucher usw. Bernhard Sieland spricht von »Rollenhaushalt« (Sieland & Heyse, 2010). Diese Leitbilder müssen keineswegs konsistent sein; sie können in den verschiedenen Rollen und Lebensräumen sogar diametral auseinanderfallen. Die liebevolle Mutter kann sich als Lehrerin ihren Schülerinnen und Schülern gegenüber durchaus abweisend und erniedrigend verhalten.

Rollenspezifische Leitbilder können einander sogar widersprechen und uns in innere und äußere Konflikte bringen. Das Bemühen z. B., die beruflichen Anforderungen möglichst perfekt zu erfüllen, kann kollidieren mit dem gleichzeitig bestehenden Leitbild vom fürsorglichen Familienvater oder dem engagierten Verbandsfunktionär.

2.4 Leitbilder entwickeln sich

Leitbilder entwickeln sich in der Regel ohne die bewusste Entscheidung einer Person, so zu sein oder zu werden wie eine andere Person. Zunächst sind sie überwiegend an den Menschen des engeren und weiteren Umfelds ausgerichtet. Die Interaktion mit den ersten Bezugspersonen lässt uns lernen, welches Verhalten, Denken, Sprechen in Familie, Schule und Freundeskreis akzeptiert wird und welches nicht, welche Lebensmaximen gelten. Werden diese Erfahrungen verinnerlicht, zur eigenen Handlungsorientierung übernommen, bekommen sie – oder aber ihr Gegenteil – Leitbildcharakter. Die Pubertät ist die Zeit, in der diese frühen Leitbilder infrage gestellt, durch andere ersetzt werden – manchmal nur vorübergehend, bis man merkt, dass sie doch nicht so schlecht waren.

Mit zunehmender Erweiterung des persönlichen Horizonts steht prinzipiell eine sehr facettenreiche Palette an Mustern zur Verfügung: religiöse, ethisch-moralische, philosophische, politische, wirtschaftliche, pädagogische Konzepte, Ideen, Theorien, Ziele, Orientierungen – oder auch »öffentliche« Personen aus Literatur, Sport, Musik, Fernsehen usw. Sich daraus einen roten Faden für den Lebensplan zu knüpfen (Keupp, 2013), ist eine Herausforderung. Frühere Generationen – vor nicht allzu langer Zeit – konnten da auf bewährte Lebensmuster zurückgreifen (siehe Zitat V. Frankl, S. 29), die quasi als »Schnittmuster« für die Lebensführung (Keupp et al., 2006) dienten. Die Individualisierung einerseits und die globalen Angebote von Lebensentwürfen andererseits machen es zu einer geradezu »unternehmerischen Leistung« (Bröckling, 2007), seinen Lebensweg zu gestalten.

Allerdings halten unsere Leitbilder nicht »ewig«; sie verändern sich – z. B. in den Lebensphasen, mit unserer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung und als Reaktion auf die Entwicklungen der Rollenpartner (Willi, 2007). Auch gesellschaftliche, ökonomische, ökologische und politische Veränderungen beeinflussen unsere Leitbilder. Zudem besteht zwischen Rolle und Leitbild ein wechselseitiges Verhältnis: Rollenänderungen, z. B. durch den Wechsel vom Single zum Ehepartner oder durch eine Beförderung vom Lehrer zum Schulleiter, verlangen auch Anpassungen bzw. Neudefinition der Leitbilder. Andererseits kann die Neujustierung eines Leitbilds zur Veränderung bisherigen Rollenverhaltens oder zur Übernahme neuer Rollen führen, z. B. wenn ein erfolgreicher Investmentbanker aussteigt, weil ihm seine finanziellen Aktionen fragwürdig werden.

Irritierend finden wir es allerdings, wenn Menschen ihre Leitbilder ständig wechseln oder inkonsistent damit umgehen; dies beeinträchtigt die Verlässlichkeit und das Vertrauen.

2.5 Kooperative Klärung von Leitbildern

Seinen eigenen Leitbildern kann man in Ansätzen durch Nachdenken auf die Spur kommen. Es gibt dazu aber auch diagnostische Instrumente zur Selbsterkundung, z. B. informelle, teilweise auch objektivierte und standardisierte Fragebogen – sofern man sich selbst gegenüber ehrlich ist. Hilfreicher noch scheint die Auseinandersetzung mit anderen Personen, »kritischen Freunden«, die als Spiegel dienen können, ungewohnte Perspektiven aufzeigen, auf blinde Flecken aufmerksam machen, Selbstverständlichkeiten infrage stellen (siehe Kapitel 3 »Spiegelkabinett – Wer bin ich, wer kann ich sein und woher weiß ich das?« und Kapitel 4 »Teamarbeit zwischen Belastung und Bereicherung«).

Das Lernarrangement KESS z. B., die »Kooperative Entwicklungsarbeit zur Stärkung der Selbststeuerung« von Bernhard Sieland (Sieland & Heyse, 2010) bietet Anleitungen dafür, wie man in solchen »Entwicklungsteams« Klarheit über sich selbst und seine Ziele erhalten und sich gemeinsam auf neue Wege und Ziele einlassen kann.

2.6 Leitbild und Gesundheit

Die Auseinandersetzung mit seinen eigenen Leitbildern ist auch unter dem Gesichtspunkt der Gesunderhaltung angezeigt.

Psychische Gesundheit kann als lebenslange Aufgabe verstanden werden (Heyse, 2011), immer wieder ein Gleichgewicht herzustellen zwischen

 ■seinen beruflichen und privaten Aufgaben, externen Erwartungen, Anforderungen und Belastungen, also dem SOLLEN,

 ■seinen Zielen, Ansprüchen, subjektiven Theorien, Qualitätsmaßstäben, Erwartungen, also seinem WOLLEN und

 ■seinem KÖNNEN, d. h. seinen kognitiven, emotionalen, sozialen und personalen Ressourcen, Fähigkeiten und Kenntnissen.

Unter dem Gesundheitsaspekt nimmt das WOLLEN eine besondere Stellung ein. Leitbilder manifestieren sich in unseren Zielen, Ansprüchen, subjektiven Theorien, Qualitätsmaßstäben, Wertvorstellungen. Unser WOLLEN (bzw. Nicht WOLLEN) definiert im Verhältnis zum KÖNNEN und SOLLEN, was wir als Herausforderung, Bewährung, Erfolg, Beglückung und Zufriedenheit erleben oder als Scheitern, Hindernis, Versagen, Fehler, Beeinträchtigung und Überforderung betrachten. Dabei kann ein leichtes Übergewicht des WOLLENs Ansporn für die eigene Weiterentwicklung sein, damit man nicht selbstgenügsam und das Leben langweilig wird. Wer sich jedoch immer wieder mit selbst gesetzten oder fremd bestimmten Zielen, die er durch eigenes Handeln auch nicht annähernd erreichen kann, überfordert, riskiert permanente Versagenserlebnisse mit der Folge der Resignation und der Gefahr von Depressionen. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen sogenannten inneren Antreibern. Darunter versteht man als Leitbilder wirksame Lebensmaximen, die wir im Lauf unserer Sozialisation erwerben, etwa: »Du bist nur was, wenn du was leistest«, »Mach es allen recht« oder »Du musst immer Sieger sein, lass dir nichts gefallen«. Andernfalls sind diese Imperative ein sicherer Weg, aus einem Leitbild ein Leidbild werden zu lassen.

 

Dieses Modul soll Sie anregen, sich mit Ihren Leitbildern auseinanderzusetzen, gleichsam wie in einem Leitbilder-Buch zu blättern. Jede dieser Fragen ist es wert, darüber zu reflektieren – am besten mit einem kritischen Freund. Denn wer sich seine Leitbilder nicht hin und wieder bewusst macht und ggf. anpasst, wird aus dem Rahmen fallen.

Meine Lebensleitbilder

 ■Woran orientieren Sie sich in Ihrem Handeln, Denken und Fühlen? Was sind Ihre ethischen und moralischen Wertvorstellungen? Was sind Ihre inneren Antreiber?

 ■Welche Rollen spielen für Sie Vorbilder, Verhaltenstypen, bestimmtes Modellverhalten?

 ■Wie möchten Sie Ihre beruflichen und privaten Rollen, Anforderungen, Aufgaben, Problemlagen, Krisen usw. angehen und bewältigen? Was möchten Sie gern – und was auf keinen Fall – erreichen?

 ■Wie gehen Sie mit sich widerprechenden Rollenleitbildern um? Wie lösen Sie Rollenkonflikte?

 ■Wie verhält es sich mit Ihrem KÖNNEN – WOLLEN – SOLLEN? Wie passen Ziele und Aufgaben mit den verfügbaren Ressourcen zusammen? Auf welche Ressourcen können Sie zurückgreifen?

 ■In welcher Art und Weise möchten Sie mit Anvertrauten, Abhängigen, Freunden, Gegnern etc. umgehen? Wie möchten Sie mit Ansehen, Macht und Autonomie umgehen?

 ■Was sind Ihre Ansprüche an Ihre Rollenpartnerin oder Ihren -partner, was erwarten Sie von ihnen? Wie vertragen sich Ihre Leitbilder mit denen der Partnerinnen und Partner? Wo ist Ihre Toleranzschwelle gegenüber anderen Leitbildern?

 ■Wie möchten Sie von anderen gesehen werden?

 ■Sind Sie daran interessiert, Ihre Handlungen, Haltungen, Denkkategorien etc. zu evaluieren, Feedback dazu zu erhalten? Wie entwickeln Sie Ihre Orientierungsmuster weiter? Welchen Einfluss haben Veränderungen, Verluste, Zugewinne, Hindernisse bei Ihnen selbst und/oder in Ihrem Umfeld auf Ihre Vorstellungen von gelingendem Leben?

 ■Aber auch: Welche Erwartungen haben Sie an das Leben, an den Tod?

Meine Berufsleitbilder

 ■Wieso bin ich Lehrerin oder Lehrer geworden? Von welchem Leitbild, erlebten Vorbild, Modell – auch Gegenmodell – war/bin ich beeinflusst?

 ■Welches Bild habe ich von einer guten Lehrerin und einem guten Lehrer? Von der Schule, dem Unterricht und was damit zusammenhängt?

 ■Wer ist so, wie ich sein möchte? Oder wo/bei wem sehe ich Haltungen, Verhaltensweisen, an denen ich mich orientiere?

 ■Wie sehe ich mich als Fachlehrerin oder Klassenlehrer? Wie definiere ich mein Verhältnis zu den Schülern, Klassen und Kolleginnen?

 ■Was erwarte ich vom Führungspersonal (Schulleitung, Schulaufsicht)?

 ■Welche Rolle spielen für mich Schüler-Eltern?

 ■Wie viel will ich in die Weiterentwicklung meiner Schule investieren?

Unser Leitbild als Schule: Die Klärung des Leitbildes gehört zum Kern eines schulischen Entwicklungsprozesses

Für eine gute gesunde Schule ist es eine unabdingbare Voraussetzung, sich darüber klar zu werden, welche Regeln gelten, welches pädagogische Konzept ihr Handeln bestimmt, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie verfolgt, wie sie nach innen und außen wirken will (siehe Kapitel 5 »System Schule – Wie gesund ist unsere Schule und woher wissen wir das?«). Während Individuen relativ frei sind in der bewussten Wahl ihrer Leitbilder bis hin zur Kriminalität, wird den Schulen durch den Bildungs- und Erziehungsauftrag die Grundorientierung vorgegeben. Schulgesetze und Verordnungen bestimmen den Rahmen, in dem die Schule ihre eigene Profilbildung vornehmen, ihr Leitbild erarbeiten und formulieren kann. Die Klärung des Leitbilds einer guten und gesunden Schule schließt auch die Frage ein, wie die Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung der unmittelbar an der Schule Beteiligten gesichert werden kann.2 Die Qualitätsdiskussion muss Bildung und Gesundheit gleichermaßen umfassen, wenn Lehrerinnen und Lehrer ihre Professionalität erhalten und den Schülerinnen und Schülern nachhaltige und positive Grundlagen für ihr Leben vermitteln wollen.

Die recht abstrakte Vorgabe des Bildungs- und Erziehungsauftrags muss dazu heruntergebrochen werden auf eine operationalisierte Ebene, die handlungsrelevante Alltagstauglichkeit besitzt. Das wird im Villenviertel Südhanglage anders aussehen als im Plattenbauvorort. Dazu helfen vielleicht folgende Fragen:

 ■Wie und mit welchem Ziel realisieren wir den Bildungs- und Erziehungsauftrag in unserer spezifischen Situation?

 ■Wo sind unsere Schwerpunkte? Wie grenzen wir uns von anderen ab?

 ■Was können wir von anderen lernen?

 ■Welche Modelle, Theorien und Konzepte können wir nutzen?

 ■Wie bemühen wir uns um Evaluation?

 ■Was sind unsere Grundsätze/Regeln für unser Zusammenleben in der Schule?

 ■Wie gehen wir mit Regelversetzungen durch Lehrkräfte und durch Schülerinnen und Schüler um?

 ■Was möchten wir mit den Schülerinnen und Schülern erreichen?

 ■Welche Rolle spielen die Eltern in unserem Schulprogramm?

 ■Wie stehen wir zu Erwartungen der Schulbehörde, Gemeinde, Wirtschaft …?

 ■Wie halten wir es mit der Ökologie an der Schule: Lärm/Akustik, Luft, Ambiente?

 ■Welche Bilder leiten uns in Bezug auf■Organisation/Verwaltung?■kollegiale Unterstützung, Konkurrenz, Hierarchie?■Gruppierungen, Cliquen, Koalitionen?■Anerkennung, Wertschätzung?■Personalentwicklung, Professionalität?■Krisenintervention?■Ressourcen, Belastungen?■Schulkultur?

 ■Welche Botschaften senden wir bewusst oder unbeabsichtigt an die Schülerinnen und Schüler, Eltern, Gemeinde, Schulaufsicht etc.?

Die Antworten sind in einer Schule nur in intensiver, manchmal auch mühevoller kollegialer Auseinandersetzung (siehe Kapitel 4 »Teamarbeit zwischen Belastung und Bereicherung«) zwischen den unterschiedlichen Leitbildern der Beteiligten und Betroffenen auf dem Hintergrund des Bildungs- und Erziehungsauftrags zu finden und müssen immer wieder evaluiert und aktualisiert werden.

2.7 Fazit

Wenn man den Begriff Leitbild von seinem engen Charakter als personales Vorbild entkleidet, kann man Leitbilder als konzeptuelle Orientierungshilfe verstehen, gleichsam als Navigationssystem oder Lebenslinie, an der wir unser Handeln, Denken, Wollen und Fühlen ausrichten. Weil Tradition und Religion nur noch begrenzt Muster und Modelle bereitstellen, besteht die Notwendigkeit, dass wir uns in unseren verschiedenen Rollen und Funktionen, Lebensbereichen und Lebensphasen immer wieder neu erfinden müssen. Sich darüber hin und wieder Rechenschaft abzulegen und zu prüfen, wie Leitbilder unser Alltagsverhalten beeinflussen und notwendige oder erwünschte Verhaltensänderungen behindern oder begünstigen – dazu soll dieses Kapitel ermutigen.

Literatur

Bröckling, U. (2007). Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Frankl, Victor E. (2013). Das Leiden am sinnlosen Leben. Psychotherapie für heute. Freiburg: Verlag: Herder.

Heyse, H. (2011). Herausforderung Lehrergesundheit. Handreichungen zur individuellen und schulischen Gesundheitsförderung. Seelze: Klett-Kallmeyer.

Keupp, H. (2012). Burnout als Haltesignal: Gesellschaftliche Ursachen der zunehmenden Erschöpfung. Wirtschaftspsychologie aktuell. 19/2, S. 19–22.

Keupp, H., Ahbe, T., Gmür, W., Höfer, R., Mitscherlich, B., Kraus, W. & Straus, F. (2006). Identitätskonstruktionen: Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

KMK (2012). Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule – Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.11.2012. Online: www.kmk.org [17.9.2014].

Sieland, B. & Heyse, H. (2010). Verhalten ändern – im Team geht’s besser. Handbuch und Arbeitsbuch. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Willi, J. (2007). Die Kunst gemeinsamen Wachsens. Ko-Evolution in Partnerschaft, Familie und Kultur. Freiburg: Herder Verlag.

Bernhard Sieland, Helmut Heyse

■Kapitel 3 Spiegelkabinett

Wer bin ich, wer kann ich sein und woher weiß ich das?


Ein Spiegelkabinett ist ein Raum, in dem man sich zum eigenen Entsetzen oder zur eigenen Belustigung und zur Freude anderer Personen in diversen Spiegelflächen – manchmal auch verzerrt – erblicken kann und eine Rundumansicht seines Körpers bekommt.

Wir haben dieses Bild für ein Kapitel gewählt, das sich mit der Frage befasst, wie man sich über seine eigene Person und ihre Entwicklungsoptionen klar werden kann und wozu das gut sein könnte.

Uns scheint dies eine Voraussetzung dafür zu sein, an seiner persönlichen Entwicklung und seinem – nicht nur gesundheitlichen – Verhalten zu arbeiten, wozu dieses Buch ja unter anderem anregen möchte. Gewohntes Handeln und Denken, bisherige Haltungen und Emotionen sollen auf Ansatzpunkte untersucht werden, mit denen erfolgversprechende Veränderungsprozesse zur Erhaltung und Förderung der Leistungsfähigkeit, Gesundheit, Arbeits- und Lebenszufriedenheit unternommen werden können.

Eine Standortbestimmung im Sinne von Spiegelkabinett ist auch notwendig, wenn sich Kollegien und Schulen auf einen Schulentwicklungsprozess einlassen – sei es unter Gesundheitsaspekten oder aus organisatorischen und unterrichtlichen Belangen. Denn auch für Organisationen und Systeme gilt: Man kann ein Ziel nur ansteuern, wenn man den Ausgangspunkt kennt. Analog können die Vorschläge aus der Mindmap zur Spiegelung einer Einzelperson unschwer auf die Situation einer ganzen Schule übertragen werden (siehe Kapitel 5 »System Schule – wie gesundheitsfördernd ist unsere Schule?«). Allerdings ist es hierbei schwieriger, mit selbst angefertigten Instrumentarien wie Fragebogen, Beobachtungen und dergleichen zu arbeiten. Es gibt aber standardisierte Verfahren, um den Ist-Zustand einer Schule zu bestimmen (siehe Links, S. 47).

Die nachfolgende Mindmap gibt einen Überblick über das Themenfeld dieses Kapitels.


Abb. 1: Mindmap Überblick Spiegelkabinett

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