Czytaj książkę: «Die berühmtesten Frauen der Weltgeschichte»
Cover
Über die Autorin
Dr. Barbara Beck, geboren 1961 in München, ist Historikerin. Seit ihrem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Volkskunde in Augsburg und München ist sie vor allem im kulturhistorischen Ausstellungsbereich (u.a. für das Haus der Bayerischen Geschichte, die Bayerische Schlösserverwaltung) tätig. Sie hat zu den unterschiedlichsten historischen und kunsthistorischen Themen Bücher und Beiträge verfasst.
Zum Buch
Während im ersten Band berühmte Frauen von der Antike bis zum 17. Jahrhundert vorgestellt wurden, wird in dem zweiten Band die Porträtreihe vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart fortgesetzt. Das Buch präsentiert in 5 Kurzporträts die Biografien von international bekannten und interessanten Frauen, die sich auf den unterschiedlichsten Gebieten einen Namen gemacht haben. Der Bogen spannt sich von Monarchinnen und Premierministerinnen, über Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, Frauenrechtlerinnen und Sportlerinnen bis zu Spioninnen, Attentäterinnen und Hexen.
Dieser Band enthält die Porträts von: Hannah Arendt, Coco Chanel, Indira Gandhi, Mata Hari, Kaiserin Elisabeth, Golda Meir, Florence Nightingale, Sophie Scholl u.v.m.
Haupttitel
Impressum
| Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar. |
| Alle Rechte vorbehalten |
| Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012 Korrektorat: Christine Klinger, Usingen Covergestaltung: Nele Schütz Design, München nach der Gestaltung von Thomas Jarzina, Köln Bildnachweis: akg-images GmbH, Berlin eBook-Bearbeitung: Sina Ramezan Pour Gesetzt in der Palatino Ind Uni – untersteht der GPL v2 ISBN: 978-3-8438-0243-7 www.marixverlag.de |
Inhalt
Cover
Über die Autorin
Zum Buch
Haupttitel
Impressum
Inhalt
Vorwort
Anna Göldi
Marie-Jeanne Bécu, Gräfi n Dubarry
Caroline Herschel
Elisabeth Louise Vigée-Lebrun
Marie Antoinette von Frankreich
Charlotte Corday
Wilhelmine Reichard
Ida Pfeiffer
Victoria I. Alexandrina
Clara Schumann
Florence Nightingale
Lola Montez
Elisabeth von Österreich-Ungarn (Sisi)
Bertha von Suttner
Marie Curie
Gertrude Bell
Rosa Luxemburg
Zitkala-Ša
Mata Hari
Anna Pawlowna Pawlowa
Coco Chanel
Käthe Kruse
Eleanor Roosevelt
Agatha Christie
Anna Freud
Golda Meir
Peggy Guggenheim
Leni Riefenstahl
Josephine Baker
Maria Goeppert-Mayer
Hannah Arendt
Elly Beinhorn
Frida Kahlo
Astrid Lindgren
Simone de Beauvoir
Mutter Theresa
Sonja Henie
Rosa Parks
Edith Piaf
Indira Gandhi
Eva (Evita) Perón
Sophie Scholl
Maria Callas
Margaret Thatcher
Audrey Hepburn
Grace Kelly, Fürstin Gracia Patricia
Niki de Saint Phalle
Wangari Maathai
Wilma Rudolph
Alice Schwarzer
Benazir Bhutto
Auswahlbibliographie
Kontakt zum Verlag
Vorwort
Der vorliegende Band ist als Fortsetzung zu dem 2007 erschienenen ersten Band angelegt und bildet gleichzeitig auch dessen Abschluss. Während in dem von Martha Schad verfassten ersten Band berühmte Frauen von der Antike bis zum 17. Jahrhundert vorgestellt wurden, wird in dem zweiten Band die Reihe mit Porträts vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart fortgesetzt.
Die in diesem Buch zusammengeführten Kurzporträts präsentieren die Biographien von 51 international bekannten und interessanten Frauen. Der Bogen spannt sich von Monarchinnen und Premierministerinnen, über Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, Frauenrechtlerinnen und Sportlerinnen bis zu Spioninnen, Attentäterinnen und Hexen. Die getroffene Auswahl muss dabei immer subjektiv bleiben, da es eine Vielzahl anderer Frauen gibt, die mit dem gleichen Recht in diesen Band hätten aufgenommen werden können, da sie ebenfalls ein faszinierendes Leben führten und herausragende Leistungen vollbrachten. Hauptkriterium für die Auswahl war der Wunsch, eine möglichst große Bandbreite zu erreichen und so Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen und Lebensbereichen vorstellen zu können.
Barbara Beck, August 2008
Anna Göldi
* 1734 in Sennwald
† 1782 in Glarus
Dienstmagd und »Hexe«
»Gleichwohl, um das Gelächter zu vermeiden, beschloss man, sie nicht unter dem Titel der Hexe, sondern unter einem andern (…) aus der Welt zu schaffen.«
(Wilhelm Ludwig Wekhrlin)
Hexenverfolgungen und Hexenprozesse fanden in Mitteleuropa vom 14. bis zum 18. Jahrhundert statt. Geahndet wurde dabei schadenstiftende und teuflische Zauberei. Alle nicht erklärbaren Ereignisse und alles auf natürlichem Weg nicht begründbare Unglück wurden dem Wirken von Hexen und Unholden zugeschrieben. Der Hexenwahn, dem in Europa etwa 40.000 bis 60.000 Menschen zum Opfer fielen, fand erst im Zuge der Aufklärung ein Ende. Vor allem Frauen waren dabei bevorzugte Opfer der Hexenverfolgungen – sie bildeten etwa achtzig Prozent der Verurteilten. In der Mehrzahl entstammten die Verfolgten den sozialen Unterschichten.
Die am 24. Oktober 1734 in Sennwald geborene Anna Göldi entstammte ärmlichen Verhältnissen. Ihre Eltern waren der Messmer und Scherenschleifer Adrian Göldi und Rosina Bühler. Seit ihrer frühen Jugend musste das Mädchen selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen, indem es als Dienstmagd arbeitete. Bevor sie nach Glarus kam, wurde Anna Göldi zwei Mal Mutter von unehelichen Kindern. Da ihr erstes heimlich geborenes Kind 1765 bereits in der ersten Nacht starb, wurde sie wegen Kindsmordes mit Prangerstehen und Hausarrest bestraft. Über das Schicksal des 1775 in Straßburg geborenen Sohnes, der aus einer anderen Liebesbeziehung stammte, ist nichts bekannt.
Im September 1780 trat sie ihren Dienst bei dem Arzt, Ratsherrn, Richter und Regierungsrat Dr. Johann Jakob Tschudi in Glarus an. Die Familie Tschudi gehörte zu den reichsten und einflussreichsten Herrschaftsgeschlechtern im protestantischen Kanton Glarus. Nach einem Streit mit der verwöhnten achtjährigen Tochter Anna Maria Tschudi, genannt Annamiggeli, fanden sich im Oktober 1781 mehrmals Stecknadeln in der Milchtasse des Kindes. Man beschuldigte die Magd, die Nadeln hineingelegt zu haben, und entließ Anna Göldi trotz ihrer Unschuldsbeteuerungen. Auf die Beschwerde der Magd reagierte die Obrigkeit ungehalten. Als das kleine Mädchen Wochen nach der Entlassung mehrfach Nadeln und Nägel auszuspucken begann und unter heftigen krampfartigen Zuckungen litt, kam rasch der Verdacht auf, dass Anna Göldi das Kind »verderbt« habe. Aus den Erzählungen des Annamiggeli schloss man, dass die Nadeln und Drahtstücke durch ein von der Magd verabreichtes »Leckerlein« in den Körper des Mädchens gelangt seien.
Als treibende Kraft hinter Göldis Verhaftung und dem folgenden Prozess entpuppte sich ihr Dienstherr Dr. Tschudi. Offensichtlich war er besorgt, dass ihm ein Verhältnis mit seiner Dienstmagd zur Last gelegt werden könnte. Da überführte Ehebrecher als unfähig galten, ein politisches und richterliches Amt zu bekleiden, lag es nahe, dass Johann Jakob Tschudi die Göldi mundtot machen wollte.
In dem Steckbrief des Kantons Glarus vom 9. Februar 1782 wurde Anna Göldi, die inzwischen außer Landes lebte, folgendermaßen beschrieben: »Anna Göldin (…), ohngefähr 40. Jahr alt, dicker und grosser Leibsstatur, vollkommnen und rothlechten Angesichts, schwarzer Haaren und Augbraunen, hat graue etwas ungesunde Augen, welche meistens rothlecht aussehen, ihr Anschauen ist niedergeschlagen, und redet ihre Sennwälder Aussprach, tragt eine modenfarbne Jüppen, eine blaue und eine gestrichelte Schos, darunter eine blaue Schlingen- oder Schnäbeli-Gestalt, ein Damastenen grauen Tschopen, weis castorin Strümpf, ein schwarze Kappen, darunter ein weisses Häubli, und tragt ein schwarzes Seidenbettli.«
Noch im Februar 1782 wurde Anna Göldi in Degersheim verhaftet und nach Glarus überführt. Auf Betreiben Dr. Tschudis wurde der Fall vor dem Evangelischen Rat, nicht vor dem Gemeinen Rat verhandelt, der für landesfremde Personen zuständig war. Über Leben und Tod der Angeklagten entschied somit ein Gericht, das dafür gar nicht zuständig war. Zu den Räten im Evangelischen Rat besaß Dr. Tschudi beste Kontakte und Verwandtschaftsbeziehungen.
Da ein Teufelsbanner die Meinung vertreten hatte, nur die Verderberin des Kindes könne dieses wieder heilen, wurde so lange Druck auf die Inhaftierte ausgeübt, bis diese sich dazu bereiterklärte. Zunächst hatte Anna Göldi dies mit den Worten abgelehnt: »Wie soll ich dem Kinde helfen, da ich ihm doch gar nichts zu Leide getan habe.« Als die Wunderheilung gelang, wurde dies als ein Beweis angesehen, dass die Magd mit mehr als natürlichen Kräften begabt war. Sie hatte damit unwillentlich den vollen Schuldbeweis geliefert.
In dem Prozess gab die Dienstmagd nach stundenlangen Verhören und unter der schweren Folter zu, die Kräfte des Teufels zu nutzen. In der Urteilssprechung wurde aber der Vorwurf der Hexerei vermieden, stattdessen die »ausserordentliche und unbegreifliche Kunstkraft« der Angeklagten hervorgehoben. Bei der Frage, ob man Anna Göldi zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe oder zum Tod verurteilen solle, entschied sich der Rat für Letzteres, da Glarus kein Zuchthaus besaß. Eine Zuchthausstrafe hätte nur in Zürich vollzogen werden können. Da die Glarner Richter befürchteten, dass die Göldi in Zürich alles widerrufen könnte, verurteilte sie der Rat am 6. Juni 1782 als Giftmörderin zum Tod durch das Schwert. Am 13. Juni wurde das Urteil vollstreckt und Anna Göldis Leichnam unter dem Galgen verscharrt.
Anna Göldi war jedoch, wie dies bei solchen Prozessen häufig geschah, nicht das einzige Opfer geblieben, denn durch die Erzählungen der Tschudi-Tochter wurde auch der mit Anna Göldi bekannte Schlossermeister Rudolf Steinmüller der Mittäterschaft verdächtigt und Ende März 1782 verhaftet. Als der alte Mann erkennen musste, dass das Gericht nicht an der Wahrheit interessiert war, sondern nur sein Geständnis haben wollte, beging er am 12. Mai 1782 in seiner Zelle Selbstmord.
Trotz strenger Pressezensur sorgte der Göldi-Fall für Aufsehen und wurde zum Ärger des Glarner Rates als Justizmord gegeißelt. Der Begriff des Justizmordes wurde in diesem Zusammenhang überhaupt erstmals in der Geschichte verwendet. Dank der kritischen Berichterstattung wurde der Glarner Hexenprozess der letzte seiner Art in Westeuropa.
Anlässlich des 225. Todestages von Anna Göldi wurde im März 2007 die Anna-Göldi-Stiftung gegründet. Gemäß ihren Statuten will die Stiftung nicht nur das Andenken an Anna Göldi lebendig erhalten, sondern sich auch aktuell »für Randständige, Minderheiten und Opfer von Willkür einsetzen«. Am 22. September 2007 wurde in Mollis das Anna-Göldi-Museum eingeweiht.
Marie-Jeanne Bécu, Gräfin Dubarry
* 1743 in Vaucouleurs
† 1793 in Paris
Mätresse
»Sie ist die einzige Frau in Frankreich, die es geschafft hat, mich vergessen zu lassen, dass ich sechzig bin.«
(Ludwig XV. von Frankreich)
Im Gegensatz zu dem Königspaar Ludwig XVI. und Marie Antoinette sowie vieler anderer zum Tode verurteilter Mitglieder der französischen Aristokratie verlief die Hinrichtung der Gräfin Marie-Jeanne Dubarry am 8. Dezember 1793 in Paris beschämend würdelos. Die völlig verängstigte Gräfin weinte und schrie auf der ganzen Fahrt zur Guillotine. Als sie zum Schafott gebracht wurde, wühlte ihr Jammern und Flehen die versammelte Menschenmenge so auf, dass Unruhe aufkam. Das Publikum hatte sonst meist eher gefasste, stoisch in ihr Schicksal ergebene Verurteilte erlebt. Aus Sorge vor Tumulten beschleunigte der Henker daher die Hinrichtung der Dubarry. Mit ihr wurde die letzte »maîtresse en titre« am französischen Königshof geköpft.
Die am 19. August 1743 in Vaucouleurs geborene Marie-Jeanne Bécu entstammte einfachen Verhältnissen: Sie war die uneheliche Tochter der Näherin Anne Bécu und eines Geistlichen, über dessen Person nur wenig bekannt ist. 1749 zog sie mit ihrer Mutter zu Verwandten nach Paris, wo ihr eine Erziehung im Kloster von Saint-Aure ermöglicht wurde. Danach machte sie eine Schneiderlehre in einem Pariser Modegeschäft. Dort fiel die blonde Schönheit dem Grafen Jean Dubarry auf, dem größten Zuhälter von Paris. Für einige Zeit wurde Jeanne Bécu seine Geliebte. Eine der frühesten Beschreibungen der Kurtisane liefert der Graf Espinchal: »Sie ist hochgewachsen, von schönster Bildung und hat den bezauberndsten, hellsten Teint. Ihre Stirn ist hoch, ihre Augen strahlen, sie hat köstliche Wimpern und Brauen, ihr Gesicht ist oval und weist Grübchen in den Wangen auf, wodurch ihre Schönheit nur erhöht wird, ihr Mund scheint ständig zu lächeln und ihr Busen ist so herrlich, dass jede andere Frau gut daran tut, den Vergleich damit zu scheuen.« Ob sie sich auch als Prostituierte verdingte, wie ihr dies die späteren Gegner am Versailler Hof unterstellten, ist heute nicht mehr eindeutig zu klären. Dem Grafen Dubarry und dem Herzog von Richelieu erschien Jeanne Bécu jedenfalls bestens als Mätresse für König Ludwig XV. von Frankreich geeignet. Der Graf versprach sich davon vor allem finanziellen Profit, während sich der Herzog eine Stärkung seiner Position am königlichen Hof erhoffte.
Der alternde König Ludwig XV. war von Jeanne Bécus Charme und Schönheit entzückt und verliebte sich Hals über Kopf in sie. Die Beziehung zwischen dem Monarchen und der jungen Frau von niederer Herkunft und zweifelhaftem Ruf begann im Sommer 1768. Sie verstand es, den König zu unterhalten und ihm so seine ständige Langeweile zu vertreiben. Der Herzog von Croy schrieb über Ludwig XV.: »Er ist verliebter denn je. Er scheint verjüngt, und ich habe ihn nie froheren Mutes erlebt, so hochgestimmt und viel mehr aus sich herausgehend, als er es jemals getan hat.« Um Jeanne Bécu hoffähig zu machen, verheiratete Graf Dubarry sie mit seinem Bruder Guillaume. Am 22. April 1769 wurde sie am Versailler Hof offiziell als neue königliche Geliebte eingeführt. Sie erhielt ein eigenes Appartement, das mit den Räumen des Königs in direkter Verbindung stand. Außerdem schenkte Ludwig XV. seiner Mätresse die in der Nähe von Versailles liegende Herrschaft Louveciennes. Madame Dubarry beauftragte die besten Künstler mit der Ausgestaltung des dortigen Schlosses. Neben großzügigen finanziellen Zuwendungen überschüttete der König seine Geliebte mit Juwelen. Vermutlich besaß Jeanne Dubarry die größte Juwelensammlung Europas. Gegen den Widerstand des Hofes nahm sie 1770 an der Seite des Königs an den Hochzeitsfeierlichkeiten des Dauphins Ludwig und der österreichischen Erzherzogin Marie Antoinette teil.
In der jungen Dauphine Marie Antoinette fanden jene Kreise der höfischen Gesellschaft eine Leitfigur, die der Geliebten des Königs feindlich gesinnt waren. Marie Antoinette strafte die Mätresse mit öffentlicher Nichtachtung und sprach kein Wort mit dieser. Kaiserin Maria Theresia sah sich wegen der unklugen Behandlung der königlichen Favoritin durch ihre Tochter bemüßigt, an Marie Antoinette zu schreiben: »Ihr habt die Dubarry nicht anders zu kennen und anzusehen, als eine am Hofe und zur Gesellschaft des Königs zugelassene Dame. (…) aber ein gleichgültiges Wort, einen freundlichen Blick kann man von Euch erwarten, nicht der Dame wegen, sondern mit Rücksicht auf Euren Großvater [Ludwig XV.].« Die Dauphine musste einlenken und richtete bei dem Neujahrsempfang 1772 in der Spiegelgalerie folgende Worte in Richtung von Madame Dubarry: »Heute sind viele Menschen in Versailles.«
Im Gegensatz zu ihrer berühmten Vorgängerin Madame Pompadour, die eine Schlüsselposition in der französischen Politik, Kunst, Kultur und Gesellschaft in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eingenommen hatte, blieb Madame Dubarrys Einfluss mehr oder weniger auf persönliche Intrigen beschränkt. Allerdings nutzte sie ihre Position, um Bittgesuche, Begnadigungen und Denkschriften an den König weiterzuleiten. Der Empfang derartiger Bittsteller und das Entgegennehmen von Ansuchen war fest in ihren Tagesablauf integriert.
Als der an Pocken erkrankte Ludwig XV. im Mai 1774 im Sterben lag, verfügte er, dass die Gräfin Dubarry nach seinem Tod in das Benediktinerinnenkloster Pont-aux-Dames verbannt werden sollte. Hinter dieser Entscheidung stand wahrscheinlich sein Beichtvater und die Sorge des Königs um sein Seelenheil. Sein Nachfolger Ludwig XVI. kam dieser Anordnung nach. Mehr als ein Jahr musste die Dubarry in dem Kloster bleiben, bevor sie 1775 wieder in ihr Schloss Louveciennes zurückkehren durfte. Allerdings bestand die Auflage, dass sie weder in Versailles noch in den anderen königlichen Schlössern erscheinen durfte. Seitdem führte die Gräfin ein zurückgezogenes Leben und nahm sich der Armen an. Die Öffentlichkeit interessierte sich nicht mehr für die Dubarry.
Als die Französische Revolution ausbrach, wurde auch das Schloss der Gräfin ausgeraubt. Vor allem wurde ihr gesamter Schmuck gestohlen, nach dem sie unklugerweise öffentlich fahnden ließ, wodurch man sich wieder ihrer Person erinnerte. Durch Reisen nach England machte sie sich zusätzlich verdächtig. Obwohl sie in England von der Hinrichtung Ludwigs XVI. im Januar 1793 erfuhr, kehrte sie nach Paris zurück, da sie die Situation für sich selbst als ungefährlich einschätzte. Im September 1793 wurde sie jedoch verhaftet und von dem Revolutionstribunal wegen Unterstützung der Konterrevolution, Kontakten zu emigrierten Royalisten sowie wegen Verschwendung öffentlichen Eigentums in ihrer Zeit als Mätresse angeklagt. Als sie am 7. Dezember 1793 zum Tode verurteilt wurde, verriet die Gräfin, um ihr eigenes Leben zu retten, die Namen anderer Personen, die daraufhin auch verhaftet und zum Tode verurteilt wurden. Dieser Verrat nutzte ihr jedoch nichts, denn bereits einen Tag später wurde sie auf der Guillotine hingerichtet.
Caroline Herschel
* 1750 in Hannover
† 1848 in Hannover
Astronomin
»Ich hatte immer zuviel zu lernen, um etwas ganz zu lernen.«
(Caroline Herschel)
»Mein Vater war ein großer Bewunderer der Astronomie und besaß einige Kenntnisse in der Wissenschaft. Ich erinnere mich, daß er mich in einer kalten Nacht auf die Straße führte, um mich mit einigen unserer schönsten Sternbilder bekannt zu machen, nachdem wir vorher einen Kometen, der eben sichtbar war, beobachtet hatten.« Dass aus Caroline Herschel einst eine bedeutende Astronomin werden würde, konnte ihr Vater nicht ahnen.
Caroline Lucretia Herschel kam am 16. März 1750 als Tochter des Militärmusikers Isaac Herschel und seiner Ehefrau Anna Ilse Moritzen in Hannover zur Welt. Der Vater bemühte sich darum, seinen Kindern eine musikalische Grundausbildung zu vermitteln. Zusammen mit ihren Brüdern besuchte Caroline Herschel bis zu ihrem 14. Lebensjahr die Garnisonsschule, wo sie Lesen und Schreiben lernte. Wenig Freude bereitete dem intelligenten Mädchen, dass sie mehrere Stunden am Tag mit Stricken, Sticken und Haushaltstätigkeiten verbringen musste. Ihre eher engstirnig veranlagte Mutter vertrat die Auffassung, dass sie »ein roher Klotz sein und bleiben sollte, allerdings aber ein nützlicher.« Später beklagte sie in ihren Memoiren, dass sie in ihrem Wunsch, sich »in irgendeinem Zweige des Wissens so weit auszubilden, um dadurch eine ehrenhafte und achtbare Existenz zu gewinnen, immer und überall behindert und gestört worden« sei. Die Überlegungen des Vaters, sie zur Konzertsängerin auszubilden, sagten ihr dagegen zu. Der Tod Isaac Herschels im März 1767 war daher ein großer Verlust für sie, da ihr nun nicht nur seine aufmunternden Worte fehlten, sondern damit auch jede Hoffnung auf eine bessere Erziehung schwand. Auf eigenen Wunsch durfte sie immerhin eine Putzmacherschule besuchen.
Als ihr zwölf Jahre älterer Lieblingsbruder Friedrich Wilhelm Herschel, der als Organist, Konzertleiter und Komponist im eleganten britischen Badeort Bath tätig war, sie aufforderte, zu ihm nach England zu kommen, ergriff sie nur zu gerne die Gelegenheit, sich der häuslichen Enge zu entziehen. Ihr Bruder brauchte sie zwar auch als Haushälterin, aber er bot ihr zugleich die Möglichkeit, sich musikalisch weiterzubilden und als Solistin in seinen Konzerten aufzutreten. Im August 1772 übersiedelte Caroline Herschel nach England, dessen Landessprache sie allerdings erst erlernen musste. Schon bald stieg sie zur ersten Sängerin bei den von ihrem Bruder geleiteten Oratorien auf und übernahm Leitungsfunktionen im Chor: »Dass meine Stimme keine schlechte war, schließe ich daraus, daß der Eigentümer des Theaters in Bath mir sagte, sie würde eine Zierde der Bühne sein.« Das Angebot eines Engagements beim Birmingham Festival lehnte sie aber ab, da sie nur unter der Leitung ihres Bruders auftreten wollte.
Neben der musikalischen Begabung teilte sie mit ihrem Bruder Wilhelm Herschel die Passion für die Astronomie. Sie half ihm beim Anfertigen von Spiegelteleskopen. Vor allem übernahm sie die Aufgabe, die Spiegel zu polieren und zu schleifen, was eine absolute Genauigkeit erforderte. Daneben beschäftigte sie sich auch mit astronomischer Theorie.
Am 13. März 1781 entdeckte ihr Bruder den Planeten Uranus, was ihn über Großbritannien hinaus bekannt machte. Er erhielt eine Stelle als eine Art königlicher Privatastronom in Windsor. Caroline Herschel musste sich entscheiden, ob sie ihre Karriere als Sängerin in Bath vorsetzen oder für ihren Bruder als wissenschaftliche Assistentin tätig sein wollte. Sie entschied sich für Letzteres. Bei ihrem Entschluss spielte sicher auch die Überlegung eine Rolle, dass es für eine allein stehende Frau damals äußerst schwierig war, in der englischen Gesellschaft zu bestehen: »Ich besaß nicht Muth genug, vor das Publikum zu treten, wenn ich seinen Schutz entbehrte.« Zunächst bezog sie mit ihrem Bruder ein Haus in Datchet, danach lebten die Geschwister in Slough. Als astronomische Assistentin blieb sie mit ihrem Bruder nächtelang auf Beobachtungsposten, notierte Sternpositionen, wertete die nächtlichen Aufzeichnungen aus und rechnete sie nach. Sie begann, auch selbst den Sternenhimmel zu erforschen. Sie entdeckte vierzehn bemerkenswerte Nebel und zwischen 1786 und 1797 acht Kometen, darunter den Enckeschen Kometen. Sie überarbeitete den Sternenkatalog des britischen Astronomen John Flamsteed, dem Begründer des Royal Greenwich Observatory. Sie nahm neue Sterne auf, korrigierte Fehler und legte ein Gesamtregister an. 1787 erhielt sie als Anerkennung für ihre Arbeit vom englischen Hof eine Anstellung als Gehilfin ihres Bruders, wofür sie auf Lebenszeit ein Gehalt von 50 Pfund im Jahr beziehen sollte. Sie war damit die erste Frau, die für eine wissenschaftliche Tätigkeit ein Gehalt bekam, was für sie eine große Genugtuung gewesen sein muss: »Ich empfing im October die erste Vierteljahres-Rate, das erste Geld, das ich in meinem ganzen Leben für mich besaß und nach meinem Belieben verwenden konnte. Damit wurde mir ein sehr unbehagliches Gefühl von der Seele genommen.«
Obwohl ihr höchste Anerkennung gezollt wurde, blieb Caroline Herschel lebenslang die bescheidene Frau im Hintergrund, die ihre Leistungen nur als Verdienst des berühmten Bruders verstanden wissen wollte. Sie bekannte selbst: »Ich weiß zu gut, wie gefährlich es für eine Frau ist, die Aufmerksamkeit zu sehr auf sich zu ziehen.«
Die Heirat ihres Bruders Wilhelm Herschel im Mai 1788 empfand sie als Tiefschlag, da sie wohl befürchtete überflüssig zu werden. Die Geburt des Neffen John 1792 trug dazu bei, dass das Verhältnis zur neuen Schwägerin Mary Herschel entspannter wurde. Nach dem Tod des Bruders 1822 kehrte sie aber wieder nach Hannover zurück, obwohl ihr ihre Heimatstadt inzwischen fremd geworden war. Als »gelehrte Frau« erregte sie großes Aufsehen: »Man betrachtet mich nicht nur als solche, man starrt mich sogar hier als solche an.« Sie setzte ihre astronomischen Studien fort und ordnete das umfangreiche Material, das ihr Bruder hinterlassen hatte. Sie ermöglichte es so ihrem Neffen John Herschel, der ebenfalls ein bedeutender Astronom werden sollte, die väterliche Arbeit und die seiner Tante fortzusetzen. Weiterhin suchten bedeutende Wissenschaftler Caroline Herschel auf, die auch in Hannover Kontakt zum Hof hatte. Zahlreiche Auszeichnungen wurden ihr noch verliehen. 1828 erhielt sie die Goldmedaille der Royal Astronomical Society, zu deren Ehrenmitglied sie 1835 zeitgleich mit der Mathematikerin und Physikerin Mary Somerville ernannt wurde. Die beiden Wissenschaftlerinnen waren die ersten weiblichen Mitglieder der Society. 1838 wurde Caroline Herschel auch noch zum Mitglied der Royal Irish Academy berufen. Als 96-Jähriger wurde ihr 1846 die Goldene Medaille der Preußischen Akademie der Wissenschaften verliehen. Hochbetagt starb sie am 9. Januar 1848 in Hannover. Der Planetoid (281) Lucretia wurde ebenso nach ihr benannt wie ein Mondkrater im Sinus Iridium (Regenbogenbucht).