Czytaj książkę: «Wenn der Rechte kommt»
Anny von Panhuys
Wenn der Rechte kommt
Frauen-Roman
Saga
Wenn der Rechte kommt
© 1951 Anny von Panhuys
Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen
All rights reserved
ISBN: 9788711592311
1. Ebook-Auflage, 2016
Format: EPUB 3.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.
SAGA Egmont www.saga-books.com – a part of Egmont, www.egmont.com
I
Brigitte Hellmer lehnte am Fenster und blickte mit umflorten Augen hinaus.
Unschön und plump legte sich das aus feinem, schwarzem Tuch gearbeitete Trauerkleid um ihre schmale Gestalt, und das straff zurückgerissene blonde Haar ließ die Stirn eckig erscheinen. Wie seltene Juwelen leuchteten die großen grauen Augen aus dem sehr schmalen Gesicht, und die blassen Lippen waren fest zusammengepreßt, als müßten sie viele bittere Worte zurückhalten.
Vor acht Monaten hatte man Brigitte Hellmers Vater zu Grabe getragen, und die reichste Erbin weit und breit sann sich unfroh und verdrossen in ihre Zukunft hinein.
Sie war die Besitzerin des großen Hofgutes, dessen Wohnhaus dem Aussehen und dem Umfang eines Schlosses gleichkam.
Fabian Hellmer war ein Bauer gewesen, ein harter, dickköpfiger Bauer. Sein Vater hatte einst Knechtsdienste auf dem Kreuzhof getan, doch seine kraftvolle, breite Gestalt gefiel der verwitweten Kreuzbäuerin, und sie machte ihn zum Herrn und Besitzer ihres Reichtums. Sein Sohn Fabian war ein rauher Mann gewesen. Ein zartes Stadtfrauchen, das er sich heimholte, starb bald unter seinen groben Händen, und ihr Kind, die schmale Brigitte, ward ein verschüchtertes Mädelchen, das kaum zu antworten wagte, wenn die polternde Stimme des Vaters sie um etwas befragte.
Zwischen Vater und Tochter hatte stets ein Hauch von Fremdsein geschwebt. Fabian Hellmer hatte für seine einzige Tochter eine Erzieherin und später einen Hauslehrer besoldet, aber die Bildung, die Brigitte genoß, hatte sie nur noch empfindlicher gegen die Schroffheiten ihres Vaters gemacht.
Aber die Testamentseröffnung hatte sie, die sich nun fast frei wähnte, von neuem in Fesseln gelegt. Zum Vormund ihrer zwanzig Jahre ernannte Fabian Hellmer seinen Vetter, den ehemaligen Schullehrer und späteren Häuseragenten Wendt. Er erhielt eine Wohnung auf dem Kreuzhof, dazu ein Monatsgeld, und sollte ein Drittel des Vermögens und ständigen Wohnsitz auf dem Hofe erhalten, falls Brigitte nicht drei Monate nach ihrer Mündigkeit verheiratet war.
„Weibsvolk gehört früh unter Männerleitung!“ hieß es in dem Testament.
Brigitte sann jetzt, wie schon so oft vorher, über den letzten Willen des Vaters nach. Ein Drittel ihres Vermögens hätte sie gern hergegeben an Karl Wendt und seine Frau; aber daß die beiden, wenn sie bis zu dem von ihrem Vater genannten Termin nicht heiraten würde, zeitlebens ihre Hausgenossen bleiben sollten, das verdroß sie und schuf ihr Stunden der Angst. Sie haßte den plumpen Onkel und die süßlich und falsch lächelnde Tante, sehnte den Tag herbei, an dem das Paar den Kreuzhof verlassen würde.
Aber dazu war wenig Aussicht; in ihr fast nonnenhaft zurückgezogenes Leben war noch kein Mann getreten, der ihr Herz hätte lauter schlagen lassen. Sie war ja auch häßlich. Tante Matilde sagte es ihr oft, allzudeutlich.
Brigitte starrte durch die Scheiben, ein Auto fuhr vor der kurzen Freitreppe an. Onkel und Tante waren im nahen Frankfurt gewesen. Gleich darauf öffnete sich die Tür.
Die mollige Mathilde Wendt trat ein. „Hast ja noch kein Licht, Gitta, spinnst wohl wieder ein bißchen?“ Sie lachte. „Ich habe dir etwas Hübsches mitgebracht, einen schicken Mantel, er wird dir gut stehen, Kind.“
Ihr Mann trat hinter ihr ein. „Mache Brigitte nicht eitel, Frauchen, mir gefällt an ihr besonders ihre Einfachheit, sie paßt zu ihrem stillen, zurückhaltenden Wesen.“
Die mollige Frau schaltete das elektrische Licht ein. „Wollen auspacken!“ rief sie ihrem Manne zu, der, mit breitem, häßlichem Lächeln um die wulstigen Lippen, einen Pappkarton öffnete und ihm einen schwarzen Mantel entnahm. Die Frau hielt den Mantel hoch. „Bitte, mein Herz, probe gleich einmal an, ich bin sicher, du siehst famos in diesem Modellstück aus.“
Brigitte unterdrückte einen Seufzer. Weshalb die Tante sich immer noch bemühte, sie hübsch anziehen zu wollen? Sie sah ja doch in allem unschön aus.
Sie ließ sich in den Mantel helfen. „Ich mag solche Schulterkragen nicht“, sagte sie müde, „man sieht dick und unförmig darin aus.“
Mathilde Wendt lachte wie über einen Scherz. „Unter uns können wir doch offen reden, Gitta. Du bist hundemager, und so ein Schulterkragen macht breiter, läßt deine Figur üppiger erscheinen.“ Ihre Stimme ward zum zärtlichen Flüstern. „Armes Mädelchen, du bist nun einmal ein häßliches graues Entlein, jetzt sei aber wenigstens klug und versuche so gut auszusehen, wie dir nur irgend möglich. Willst doch einmal heiraten wie alle jungen Mädchen, und wenn du dir ein bißchen Mühe gibst, gefällst du vielleicht einem ...“ Sie zuckte die Achseln. „Na, ja, reiche Mädchen bleiben überhaupt nicht sitzen.“
Himmel, wie oft mußte sie aus dem Munde der Tante ähnliches hören. Sie erwiderte bitter: „Ich möchte nicht um meines Geldes willen geheiratet werden!“
Die hellbraunen, etwas schräg liegenden Augen der Frau blinzelten. „Aber, Brigitte, rede doch nicht dergleichen, die Männer, die um des Geldes willen heiraten, sind die bravsten und abhängigsten.“
„Lassen wir das Thema, Tante, ich jedenfalls möchte keinen Mann, der nur mein Geld heiratet.“
„Dann wirst du damit rechnen müssen, ledig zu bleiben“, brummte Karl Wendt mehr laut als rücksichtsvoll.
Seine Frau schalt: „Täppischer Bär, deine Wahrheitsliebe in Ehren, aber sie geht doch zu weit.“ Sie klopfte ihn auf die Schulter. „Dein Onkel ist ein guter Kerl und ein Ehrenmann, Gitta, aber er plappert alles heraus, was er denkt, und das ist unklug.“ Sie lächelte. „Ich besitze ja leider denselben Fehler, aber dir kann es nur angenehm sein, denn reiche Menschen bekommen so selten die Wahrheit zu hören. Bei uns beiden brauchst du wenigstens keine Hinterhältigkeiten zu wittern. So, meine liebe Gitta, und nun freue dich über den Herbstmantel, er kleidet dich großartig. Wenn wir ausgehen, ziehst du ihn an, sonst beleidigst du mich, die ich dir doch eine Freude machen wollte.“
Brigitte nickte. „Ich weiß, ich weiß — und wenn dir daran liegt, werde ich den Mantel tragen. Bei einer unscheinbaren Motte, wie ich es bin, ist’s ja ganz gleich, was sie trägt.“
Karl Wendt trat mit wuchtigem Schritt vor sie hin. „Es kann nicht lauter schöne Menschen auf der Welt geben, und wenn mal ein Mädchen nicht heiratet, schadet das auch nichts. Wir leben ja so nett und gemütlich zusammen, und wenn unser Fritz später heimkommt, aus Spanien, wird er dir ein Bruder und Freund werden.“
Brigitte antwortete nicht. Sie hatte gar kein Verlangen nach der Rückkehr von Fritz Wendt, dem Sohn des Paares. Sie wußte nur, daß er als Junge brutal und selbstsüchtig, als junger Mann rücksichtslos und eingebildet gewesen. Seit einem Jahre reiste er für eine spanische Weinfirma in Spanien. Fritz Wendt als Hausgenosse im Kreuzhof reizte sie gar nicht.
Frau Mathilde ging zur Tür. „Ich will mich heute um das Abendessen kümmern, die Wirtschafterin ist sehr nachlässig mit den Mahlzeiten. Es kommt fast gar nichts mehr auf den Tisch, was ich gern esse, trotzdem ich ihr doch meine Wünsche mitteile.“
„Da teile mir deine Wünsche mit, Tante Matilde, damit ich sie unserer guten Marie übermittle, du weißt, sie hält sich immer nur an meine Anordnungen.“
„Das stimmt“, gab die ältere gepreßt zu, und über ein schnelles böses Aufleuchten in ihren Augen triumphierte das gewohnte freundliche Lächeln. „Also, mein Kind, ich danke dir, aber es wäre mir lieber, wenn du der Wirtschafterin endlich klarmachen würdest, daß sie die Anordnungen der Dame, die hier Mutterstelle an dir vertritt, ebenso zu befolgen hat wie deine eigenen.“
„Ich habe mich auf Vaters Wunsch schon als halbes Kind um den Haushalt kümmern müssen. Wozu soll ich das ändern, Tante? Doch hast du bestimmte Wünsche bezüglich der Mahlzeiten, so nenne sie mir, und unsere alte Marie läßt dir braten und backen, was du begehrst.“
„Du bist zu gütig!“ erwiderte die Frau lächelnd und sanft, aber kaum war sie mit ihrem Mann in ihren eigenen Räumen, als sich ihre Mienen veränderten. „So ein Balg, so ein ekliges, dürres Gesteck“, schimpfte sie zornig, „was für einen Ton diese Bauernmarjell anschlägt! Am liebsten hätte ich sie für die unverschämte Antwort geohrfeigt.“
Ihr Mann zuckte die Achseln. „Laß dich nicht zu Dummheiten hinreißen, Mathilde, die du später bereuen müßtest. Dieses eklige, dürre Gesteck, wie du deine Nichte betitelst, ist nun mal das Huhn, das uns goldene Eier legen soll, und wir müssen uns gut mit ihr stellen, müssen verhüten, daß diese Bauernmarjell heiratet, ehe die drei Monate nach ihrer Mündigkeit um sind.“ Er lachte. „Ein ganz blödsinniges Testament hat mein Vetter Fabian gemacht, aber für uns vorteilhaft. Wollen uns nicht selbst um die Vorteile bringen. Brigitte ist anscheinend noch immer arg verschüchtert durch die väterliche Herrschsucht, aber mir ist’s, als sei sie auch nicht ganz frei von Eigensinn.“
„Natürlich ist sie eigensinnig“, ereiferte sich die Frau, „sonst würde sie mir doch nicht solche Antworten gegeben haben, als ich ...“ Sie stockte.
„Als du ihr wieder einmal, wie schon so oft vorher, den Befehl über die Küchenregion aus den Händen winden wolltest, und damit gewissermaßen die Oberhoheit über dieses Haus“, vollendete Karl Wendt ein wenig spöttisch.
Sie sah ihn böse an. „Soll ich denn immer die dumme Liese als Erste hier anerkennen, mich ihren Anordnungen fügen? Ich habe das satt! Du bist ihr Vormund und wirst ihr befehlen, daß sie, weil sie noch viel lernen müsse, das Regiment in meine Hände legt — bis sie mündig sein wird.“
„Jawohl, das tue ich sofort und mache sie dadurch aufsässig, reize ihren Eigensinn. Man kann nie wissen, wie das ausgeht“, wehrte er ab. „Ich bleibe bei meiner Theorie. Wir lassen sie schalten und walten, wie sie mag, und suchen nur zu verhindern, daß sie mit jemand zusammenkommt, der vielleicht als Freier auftreten könnte. Sie will ja nicht ihres Geldes wegen geheiratet werden, also sorgen wir dafür, daß sie möglichst unvorteilhaft aussieht. Übrigens sorgt sie selbst dafür, unsere Aufgabe ist es, das noch zu unterstreichen. Das Mantelmonstrum, das du ihr heute aus Frankfurt mitbrachtest, ist großartig.“ Er lachte kurz auf, ward aber plötzlich ernst und nachdenklich. „Ich meine, Brigitte ist eigentlich gar nicht richtig häßlich. Wenn sie ein bißchen eitel wäre, könnte man da vielleicht Überraschungen erleben.“
„Blödsinn!“ sagte seine Frau schroff. „Sie ist und bleibt eine häßliche Person, doch könnte sie natürlich durch geschmackvolle Kleidung und Haartracht bedeutend vorteilhafter aussehen, womit uns aber nicht gedient wäre.“
„Bewahre“, gab er zurück. „Etwaige Freier müssen in die Flucht geschlagen werden. Sind dann erst die drei Monate nach ihrer Mündigkeit um, sieht die Sache anders aus, dann kann unser Fritz sein Heil bei ihr versuchen. Wenn’s ihm gelingt, Brigitte zu heiraten, wohlverstanden, nachdem wir in den Besitz des dritten Vermögensteiles und unserer lebenslänglichen Wohnung hier gelangt sind, dann hat unsere Familie ausgesorgt. Dann sind wir Herren der Lage, und du brauchst solche Antworten, wie die vorhin, die dich so empörte, nicht mehr zu fürchten.“
Die Frau warf jetzt erst die dunkle Kostümjacke ab, die sie bei der Ausfahrt getragen, der schleierumwallte Trauerhut flog neben die Jacke auf das Ledersofa. Sie schaute sich in dem altmodisch, aber sehr behaglich eingerichteten Wohnzimmer um, und ihr Gesichtsausdruck wurde heiterer.
„Unter uns, Karl, wir dürfen ja wohl mit dem Umschwung in unseren Verhältnissen zufrieden sein. Fritz wird staunen. Jedenfalls fühle ich mich äußerst wohl hier und werde alles tun, daß wir nicht mehr fortbrauchen.“
Der Mann lachte. „Kunststück, sich hier wohl zu fühlen! Wie der Made im Speck, so gut geht es uns hier. Idioten müßten wir sein, wenn wir uns nicht mit Widerhaken hier festklammern würden.“ Er ließ sich in einen sehr bequemen Armstuhl nieder, sein fahles, schwammiges Gesicht sah aus wie ein alt gewordener Vollmond. „Meiner Seele, man hat sich lange genug abgerackert ums dürftige Brot. Wenn einem da plötzlich Kuchen in den Schoß fällt, frißt man ihn natürlich. Der selige Vetter Fabian hat viel für mich übriggehabt, weil ich ihn vor langen Jahren durch meine Zeugenschaft aus ’ner ekligen Prozeßsache herausgehauen habe. Er hat seinerzeit gut bezahlt, auf Dankbarkeit hatte ich nicht mehr gerechnet. Man sieht aber, edle Taten tragen ihren Lohn schon in sich!“
Die Frau verzog hämisch den Mund. „Solche edle Taten nennt man ja wohl Meineid?“
Er sprang auf. Seine breite Gestalt schien zu wachsen. „Schweig, du freches Weib!“ Seine blaßblauen Augen bohrten sich mit stechendem Ausdruck in die ihren. „Sage das nicht noch einmal, du“, zischte er sie an, „wage das nie mehr zu wiederholen, sonst ...“ Er hob drohend die zur Faust verkrampfte Rechte.
Die Frau riß die breiten, dunklen Brauen zusammen. „Spiele dich nicht so auf. Wir beide wissen doch Bescheid.“
Er machte eine zornige Bewegung, ließ die erhobene Hand sinken. „Ich rate dir, mich nicht unnötig zu reizen durch unsinnige und beleidigende Anschuldigungen. Auch nicht einmal im Scherz darf das Wort von eben fallen. Bedenke, daß manchmal auch die Wände Ohren haben.“ Er sank wieder in den bequemen Armstuhl zurück. „Gib mir was zu trinken, damit ich meinen Ärger hinunterspüle.“
Die Frau ging an einen Wandschrank und stellte gleich darauf eine Flasche und ein Glas vor ihn hin. Schwerer Burgunder glühte dunkelblutig im Glase. Karl Wendt goß sich dreimal ein, danach kroch eine fleckige Röte über sein fahles, schwammiges Gesicht.
„Weiß der Teufel, schon um des Weinchens willen lohnt es sich, hier zu leben. Und nun wollen wir uns wieder vertragen, olle Spinatwachtel, du hast es nicht böse gemeint. Schließlich ziehen wir ja beide denselben Karren und kommen am besten vorwärts, wenn wir gleichen Schritt halten.“
Created by potrace 1.10, written by Peter Selinger 2001-2011 Herr und Frau Wendt gingen mit Brigitte spazieren. Brigitte waren diese gemeinsamen Ausg Mit einem stillen Leuchten in den Augen schlo Brigitte l Frau Mathilde l Karl Wendt beobachtete, da Langsam schritten die drei dahin, und wo sie gingen, wurde Brigitte respektvoll gegr Der Kreuzhof lag beinahe mitten im Ort, einem Vorst Einst war das St Eine Stelle der Turmwand zeigte ein plumpes, in die Mauer eingef Das vor den Toren Frankfurts gelegene St Am n Frau Mathilde stand sprachlos. Das war ja direkte Aufs Ehe Frau Wendt auch nur Antwort zu geben vermochte, war Brigitte die breite, holzgeschnitzte Treppe hinuntergeeilt, die frei von der groGar nicht schnell genug konnte sie dem Bereich der k Die frische Herbstluft drau Ohne nach rechts oder links Umschau zu halten, eilte Brigritte vorw Sie sehnte sich nach der Bergesh Um ein wei Man sah einen Teil von Frankfurt, links ragten die T Fast eine Viertelstunde sa Als sie die Diele betrat, empfing sie der Onkel, der hier auf einem Sessel sa Brigitte erwiderte wahrheitsgem mir fordern, denn dann w Brigitte antwortete nicht. Er sagte nach einem Weilchen: Er versuchte g Sie hockte sich in die Sofaecke, starrte unfroh vor sich hin. Man wollte sie weiter behandeln wie ein kleines Pensionsmbei Wind und Wetter hinausgelockt in die Natur. Am n Brigitte wollte streiken, aber den beiden stumm auf sich gerichteten Augenpaaren gegen Im Tannenwletzte Fest denke, das er fern von Vater und Mutter verbrachte unter Menschen, die sich kein Tannenb Unersetzlich ist niemand, mu Mochte er sein wie er wollte, es konnte ihr ja gleich sein. Am deutlichsten erinnerte sie sich an seine abstehenden Ohren. Sie hatte ihn ja nur selten gesehen, die Wendts wohnten fr Einmal war der Vater mit ihr bei ihnen in Berlin gewesen. Eine Vierzimmerwohnung im Berliner Norden war vor ihrem geistigen Auge lebendig. Auch in Frankfurt, hatten die Wendts in einem billigen Viertel gewohnt, und sie mu Brigitte h Die dicke Frau schwieg jetzt auch, und als es etwas h Am n Brigitte nickte zu allem, innerlich aber freute sie sich wie So wollte sie es von jetzt an t
II
Leuchtender mischte der Pinsel des Herbstes schon seine Farben. Die ganze Skala gelblicher Töne flimmerte von den Bäumen des Tales herauf, und Brigitte saß auf der Bank bei den Brombeerhecken und sann, wie sie wohl dem Schicksal zu entgehen vermochte, das Ehepaar Wendt als ständige Hausgenossen bei sich wohnen lassen zu müssen. Sie würde ja bis zu dem von dem Vater festgesetzten Termin bestimmt nicht heiraten.
Von Tag zu Tag wurden ihr die beiden unangenehmer. Sie war keine Menschenkennerin, aber der Ton, den die zwei gegen sie anschlugen, war falsch, das fühlte sie. Und keine Minute ließ man sie unbeobachtet, als fürchte man, sie könne entfliehen.
Bis jetzt hatte das Paar noch keine Witterung von ihren Frühpromenaden. Hoffentlich blieb das auch so. Im Winter allerdings würde sie auf ihre schönen Spaziergänge verzichten müssen.
Ein leises Geräusch hinter ihr riß sie aus ihrer Versunkenheit. Sie blickte auf. Ein Herr näherte sich, stand gleich darauf vor ihr und zog den Hut.
„Gestatten Sie mir, mein Fräulein, ebenfalls hier Platz zu nehmen.“
Brigitte fand nicht gleich eine Antwort. Zu dieser Stunde war sie hier oben noch niemals einem Spaziergänger begegnet. Sie erwiderte kühl, er möge sich nur setzen, er störe sie nicht, da sie sowieso eben hätte aufbrechen wollen.
Der Fremde gefiel ihr nicht, dennoch schien er ihr bekannt. Er war mit schäbiger Eleganz gekleidet, sein Gesicht hatte trotz der Jugend etwas Verlebtes. Der Fremde nahm Platz.
„Ich möchte Sie nicht verscheuchen, mein Fräulein, denn Sie haben, weil Sie zuerst hier saßen, wahrscheinlich um von einer Frühpromenade auszuruhen, größeres Anrecht auf diese Bank als ich. Aber ich bin müde, habe eine weite Reise hinter mir und habe mich heute früh, kaum mit dem Zuge im Hauptbahnhof angekommen, auf den Weg nach hier gemacht. Mit der Elektrischen wollte ich nicht fahren. Nach langer Bahnfahrt vertritt man sich gern gründlich die Füße.“
Unwillkürlich sah sich Brigitte den Herrn, der neben ihr saß, aufmerksamer an. Er gefiel ihr ganz und gar nicht. Seine auffallend hellbraunen Augen hatten einen unangenehm kalten Blick. Wer hatte nur ähnliche Augen? Es fiel ihr nicht ein. Sie wollte sich erheben.
„Bitte, mein Fräulein, darf ich fragen, ob Sie den Kreuzhof kennen, ich möchte nämlich gern wissen, wie lange ich noch bis dahin zu laufen habe, allmählich wird man doch müde. Hoffentlich ist mein Ziel nicht mehr weit?“
Brigitte stutzte. Sie antwortete langsam: „Der Kreuzhof ist von hier in ungefähr einer halben Stunde zu erreichen, glaube ich.“
Sie überlegte, was der Fremde wohl auf dem Kreuzhof zu tun haben konnte. Daß sie selbst die Besitzerin des Gutes war, behielt sie lieber für sich, sonst wollte der Mensch womöglich mit ihr zusammen gehen.
Und nun sagte er auch schon: „Falls wir beide die gleiche Richtung haben, darf ich mich Ihnen vielleicht ein Stück Weges anschließen?“
Brigitte schüttelte den Kopf. „Ich setze meinen Spaziergang noch ein halbes Stündchen fort, ehe ich kehrtmache.“ Sie stand jetzt auf, und auch der Fremde erhob sich.
„Sind Sie vielleicht ein wenig auf dem Kreuzhof bekannt?“ fragte er.
Sie blickte an ihm vorbei. „Ja, ein wenig.“ Das war sicher irgendein zudringlicher Reisender oder Versicherungsagent, der schon in aller Herrgottsfrühe irgendwelche Angebote machen wollte, wovon er sich etwas versprach.
„So, Sie wissen ein bißchen Bescheid, Fräulein? Hm, da möchte ich doch gern fragen, was für eine Art von Menschenkind ist eigentlich die jetzige Besitzerin vom Kreuzhof?“
Brigitte fand die Frage sehr komisch. Fast hätte sie laut aufgelacht. „O, ich kenne sie so gut wie mich selbst“, gab sie zurück, „und ich weiß nicht, ob ich deshalb imstande bin, ein unparteiisches Urteil über sie zu fällen.“
„Wirklich, Sie kennen die junge Dame so gut?“ rief er lebhaft. „Aber, ich bitte Sie, da sollten Sie mir doch meine Frage beantworten, ich verlange damit doch nichts Böses von Ihnen.“
In Brigitte erwachte flüchtiger Übermut und auch eine Regung von Bitternis. Was war Besonderes von der Herrin vom Kreuzhof zu berichten? Sie sah den Fremden mit leichtem Spottlächeln um den Mund an.
„Ja, ich kenne Brigitte Hellmer wie mich selbst, doch es ist nicht viel über sie zu sagen. Vorzüge hat sie keine, Fehler eine ganze Menge. Vor allem ist sie mordshäßlich und mager wie ein Holzstaket, dann ist sie maulfaul, wie man es hier nennt, und unliebenswürdig.“
„Donnerwetter!“ brummte er. „Und das sagen Sie als beste Freundin? Na, an Aufrichtigkeit fehlt es Ihnen nicht. Aber Ihre Schilderung stimmt wohl, ich hörte dasselbe Urteil schon früher von Verwandten.“
Brigitte wandte sich mit kurzem „Guten Morgen“ ab.
Der Fremde sah ihr verdutzt nach. Dumme Pute! schalt er bei sich. Erst schildert sie eine Freundin so herzerquickend offen, und dann fühlt sie sich anscheinend beleidigt, als er ihr Urteil bestätigte, weil man ihm beinahe dasselbe mitgeteilt hatte.
Er stieg langsam den Berg hinab. Es war vielleicht eine Dummheit von ihm gewesen, diese Person mit dem Aschenputteläußeren zu befragen, mit deren Schönheit es auch nicht weit her war. Giftig war sie, das bewies ihr Urteil über die Freundin, und unfreundlich war sie auch.
Brigitte wanderte noch ein Weilchen umher, dann stieg auch sie bergab.
In der Wirtschaft „Zum Falken“, nahe dem Kreuzhof, sah sie zufällig den Fremden hineingehen. Er würde hier wohl Kaffee trinken wollen, da er doch noch nicht so früh Besuch machen konnte. Nun, wenn ihr heute vormittag ein Reisender gemeldet werden würde, ließ sie sich nicht sprechen. Dieser schien es ja besonders auf sie persönlich abgesehen zu haben, wie seine Fragen bewiesen.
Man saß dann beim Kaffee beisammen, als das Hausmädchen Frau Wendt bat hinauszukommen, es sei ein Herr draußen, der wünsche sie in wichtiger Angelegenheit sofort zu sprechen.
Die dicke Frau zuckte die Achseln. „Wer kann mich sprechen wollen?“
Ihr Mann zog die ungepflegten Brauen hoch. „Ein etwas früher Besuch!“ sagte er mißbilligend.
Brigitte dachte sofort an den Fremden, wunderte sich, daß er sich an die Tante wandte. Sie meinte: „Es wird ein Reisender sein. Zum Vater kamen zuweilen solche Herren, die Wein anboten oder landwirtschaftliche Maschinen.“
Mathilde Wendt schüttelte den Kopf. „Was weiß so einer von mir? Er will mich doch sprechen ...“ Sie sah an sich herunter. „Ich bin noch im Morgenrock, und richtig frisiert bin ich auch nicht.“
„Nun, er wird ja nicht gleich um deine Hand anhalten wollen“, spottete ihr Mann. Er wandte sich an das auf Antwort wartende Hausmädchen: „Bestellen Sie dem Herrn, er möchte Ihnen entweder seine Karte für uns geben oder seinen Namen nennen.“
Das Mädchen ging und kehrte gleich darauf zurück: Frau Wendt kenne den Herrn sehr gut, es handle sich um eine freudige Überraschung.
Die dicke Frau schüttelte den Kopf, ihr Mann aber schalt: „Jetzt schlägt es dreizehn! Da werde ich selbst wohl gehen müssen.“
Er schob seine Tasse Kaffee ein wenig zurück. Doch ehe er sich noch erhoben hatte, sprang seine Frau auf. Ihre vollen Wangen waren stark gerötet.
„Bleib hier — eine Ahnung ...“
Ihre Augen streiften Brigitte, und schon war sie hinausgeeilt, vorbei an dem verblüfften Hausmädchen, das nach ihr das Zimmer verließ. Und in der flüchtigen Sekunde, da die Augen der Frau sie gestreift, wußte Brigitte, welchen Augen die des Fremden ähnlich sahen, diese auffallend hellbraunen Augen mit dem gläsern kalten Blick.
Sie saß stumm abwartend, mußte heimlich ein wenig lächeln, und dabei fröstelte sie doch bei dem Gedanken, daß der ihr so überaus unsympathische Fremde ein Verwandter von ihr sei.
Karl Wendt aß wieder weiter, meinte kauend: „Weiß der Himmel, weshalb meine gute Mathilde es plötzlich so eilig hat. Eifersüchtig war ich nie, sonst könnte ich es jetzt lernen.“ Er lachte und goß sich ein Gläschen Gilka ein, den er immer mit dem Kaffee zu trinken pflegte.
Brigitte war gespannt auf die Rückkehr der Tante, doch eine Viertelstunde verging, eine halbe Stunde sogar, und immer noch kam Mathilde Wendt nicht. Man war dann mit dem Frühstück zu Ende, und das Hausmädchen erschien, um abzuräumen.
Brigitte wehrte ab. „Meine Tante ist noch nicht mit dem Essen fertig, lassen Sie alles stehen.“
Das Mädchen gab Antwort. „Frau Wendt hat gesagt, ich solle nur abräumen, sie wünsche neues Frühstück hinüber in ihre Wohnung, sie hätte lieben Besuch erhalten.“
„Lieben Besuch?“ Über das fahle Vollmondgesicht Karl Wendts lief ein Zucken. „Wer mag das sein? Da muß ich doch gleich mal nachsehen.“
Schon war er fortgeeilt, und Brigitte atmete bedrückt. An Stelle von zwei unangenehmen Menschen gab es heute deren drei auf dem Kreuzhof. Denn bis zum Abend blieb der Besuch wohl sicher.
Sie ging in die Küche, wo die Haushälterin auf einem Tablett allerlei zusammenstellte. Sie wußte schon Bescheid: Frau Wendt war selbst in der Küche gewesen und hatte ein reichhaltiges Frühstück bestellt, ihr einziger Sohn sei eben angekommen, habe eine lange Reise hinter sich und heute noch nichts Ordentliches gegessen vor lauter Aufregung, seine Eltern wiederzusehen.
„Ja, ja, Fräulein Marie, schicken Sie nur ein gutes Frühstück zu Frau Wendt“, nickte Brigitte.
Created by potrace 1.10, written by Peter Selinger 2001-2011 Der alte Inspektor J Nun sa J Brigitte zuckte die Achseln. Brigitte langte nach der Rechten des alten Inspektors. Es klopfte. Karl Wendt trat ein. Wendt zog die Stirn kraus. Brigitte unterbrach ihn. Das fahle, breite Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. Das war deutlich. Der Inspektor erhob sich, grBrigitte freundlich, machte vor Karl Wendt eine kurze Verbeugung und schritt zur T Brigitte sah den Onkel ernst an. Aber reden wir vom Wichtigsten. Brigitte spielte mit einem Federhalter. Sie wollte eine Antwort geben, aber sie fand keine, denn wozu von ihrer Begegnung heute fr Als sie ihm zu lange schwieg, l Die T Ein paar Herzschl Er nahm die wie z Ganz deutlich glaubte Brigitte ein sp Er sah sie ruhig weiter an. Frau Mathilde betrachtete den Sohn mit besorgtem Gesicht. Die dicke Frau l Brigitte aber wunderte sich immer noch, weil Fritz mit keiner Silbe die Begegnung erw Die stolze Mutter nahm den Arm des Sohnes. Fritz Wendt verneigte sich mit Gro Brigitte ri Fritz Wendts Kleider hatten den schweren, unangenehmen Duft aufgestr Brrr! Brigitte sch Sie sa Brigitte holte sich eine Wollweste und eilte Frau J Brigitte erz Amalie Jwissen ja am besten, da Brigitte blickte traurig. Frau J Die gerade und einfach denkende Frau war ebensowenig wie irgend sonst jemand auf dem Kreuzhof von Herrn und Frau Wendt eingenommen, deren anspruchsvolles Auftreten wie eine Disharmonie in die einfache Melodie des Gutshofes klang, und jeder h Brigitte hatte der Frage nachgesonnen. es ist so erm Das letzte klang wie ein Schrei. Amalie J Brigitte trocknete ihre Trdoch sehr schrecklich, meinen Sie nicht auch, liebe Frau J Die rotb Brigitte neigte den Kopf. freudig tun, dann f Brigitte neigte den Kopf tiefer. Gewi Die warmherzige Frau f Brigitte sah unter Tr Inspektor JBesuch ankommen heute morgen, aber ich wu Die Frau lachte laut auf. Nach einer Weile meinte sie: Created by potrace 1.10, written by Peter Selinger 2001-2011 Es hatte zum Mittagessen gel Im Wendtschen Wohnzimmer sa Seine Mutter Fritz Wendt sah seinen Vater an, er sp lebensl Der Sohn lachte. Frau Mathilde atmete schwer. Fritz Wendt strich sich ich auf dem Leibe trage. Heute fr Frau Mathilde seufzte. Fritz Wendt blickte auf seine H Brigitte war schon im Speisezimmer. Sie rang sich ein L Bei Tisch sa Angst, der Besuch m Brigitte sa Die Familie Wendt lie Er schwadronierte dabei drauflos, da Wenn dieses Urteil richtig war, wniemand mehr kennenzulernen, der im Ausland gewesen. Nach dem Essen ging das Ehepaar den gewohnten Mittagsschlaf machen. Fritz Wendt aber blieb bei Brigitte. Brigitte erwiderte k Sie blickte ernst in seine glitzernd kalten, hellbraunen Augen. Er antwortete nicht. Brigitte belustigte sein Gesichtsausdruck. Er zog die Schultern hoch, als friere er. Sie standen beide noch in dem Zimmer, in dem die Mahlzeiten eingenommen werden, eben klopfte das M Da blieb Brigitte keine andere Wahl. Sie f Fritz Wendt sagte leise: Brigitte schaute durchs Fenster. Er seufzte ganz laut. zu sagen, geradeso h Er neigte sich ein wenig zu ihr nieder, sie wandte den Kopf, erblickte nahe vor dem ihren sein Gesicht mit den scharfen Linien um Mund und Augen. Er bi Brigitte war emp Sie sagte mit leicht schwankender Stimme: Doch er ging, bezwungen von der stolzen Art, die er dem h Brigitte aber blieb am Fenster sitzen, blickte Created by potrace 1.10, written by Peter Selinger 2001-2011
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