Czytaj książkę: «Lagerkoller 3 - Frederiks Lust: Erotische Novelle»
Ane-Marie Kjeldberg
Lagerkoller 3 - Frederiks Lust: Erotische Novelle
Lust
Lagerkoller 3 - Frederiks Lust: Erotische Novelle Übersetzt Patrick Zöller Original Sommerfolket 3: Frederiks fortælling Coverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 2017, 2020 Ane-Marie Kjeldberg und LUST All rights reserved ISBN: 9788726396218
1. Ebook-Auflage, 2020
Format: EPUB 2.0
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Lagerkoller
Teil 3
Frederik schaltete das kleine Transistorradio ein. Der Sprecher kündigte den Knabenchor des Senders an, der gleich darauf Fröhliche Weihnacht anstimmte. Frederik schaltete das Gerät wieder aus. Er konnte es nicht ertragen.
Er und sein Partner James hatten Weihnachten bei James' Tante verbringen wollen, aber vor knapp zwei Monaten hatte James ein Telegramm geschickt und Schluss gemacht. Er ertrug es nicht mehr, dass Frederik ständig ihre gemeinsame Heimat New York verließ, um in Ruhe seine Kriminalromane zu schreiben. Und nun saß Frederik in seinem Ferienhaus an der dänischen Westküste, von Weihnachten keine Spur, und das am 20. Dezember.
Genau betrachtet gab es in Dänemark niemanden, mit dem er Weihnachten feiern konnte. Seine Eltern waren schon lange tot, und seine Schwester und sein Schwager waren vor Kurzem nach Grönland gezogen. Im Übrigen war sein Schwager nicht sehr erfreutdarüber, dass Frederik homophil war, wie er es nannte. Er meinte, Frederiks Gesellschaft könne seinen Söhnen, elfjährige Zwillinge, schaden.
Frederiks Freund Simon hatte ihn eingeladen, nach New York zu kommen und bei ihm und seiner Frau Chanukkah zu feiern, aber Frederik wusste, wie künstlich und aufgesetzt Leahs Chanukkahs waren, und er hatte den Gedanken verworfen. Er blieb an der Nordsee und versuchte zu schreiben und die Jahreszeit zu vergessen.
Er versuchte auch, James zu vergessen, aber es fiel ihm schwer. Dass James sich von ihm getrennt hatte, war ein großer Schock gewesen, und der Kummer und der Zweifel, die folgten, waren noch größer. James hatte Sicherheit und Geborgenheit vermisst, wie er in einem Brief geschrieben hatte, der nach einigen Wochen auf das Telegramm folgte, und jetzt hatte er einen neuen Partner gefunden, und es war offenbar etwas sehr Ernstes.
Frederik und James hatten nie zusammen gewohnt, sondern eine freie und offene Beziehung geführt, die viel Raum bot, Spaß zu haben und sich zu amüsieren. Was das anging, funkten sie auf einer Wellenlänge. Hatte Frederik geglaubt. Aber jetzt suchten James und Sean nach einer gemeinsamen Wohnung, obwohl sie sich erst seit vier Monaten kannten.
Frederik setzte sich an den Schreibtisch im Schlafzimmer, nahm die Abdeckung der Schreibmaschine ab und spannte einen Bogen ein, drehte an der Walze, bis das Papier an seinem Platz war. Dann schob er die Walze energisch nach rechts und begann zu schreiben. Nach ein paar Zeilen kam er zu einem Absatz über den Priester Bjørn Ford. Er ließ die Hände sinken. Die Figur war seinem Ferienhausnachbarn Ulf Viig nachempfunden, der in diesem Herbst für eine kurze Zeit sein Liebhaber gewesen war. Sie hatten einige schöne Tage und Nächte erlebt, aber dann hatte Ulf sich verliebt, und Frederik hatte ihn enttäuschen müssen, denn er erwiderte Ulfs Gefühle nicht.
Er hatte ja James.
Jedenfalls damals noch.
Und dann hatte James Schluss gemacht, und Frederik hatte Ulf nicht mehr erreichen können. Der Priester hatte sich verführt und dann gedemütigt gefühlt und war tief enttäuscht und voller Wut nach Kopenhagen zurückgekehrt.
Frederik rieb sich mit den Fingerspitzen über die Stirn. Starke Kopfschmerzen kündigten sich an. Er musste nach draußen und ein Stück gehen, vielleicht konnte er so die Kopfschmerzen und die quälenden Gedanken und Gefühle vertreiben.
Die Luft war kalt und rau, verwehte Gischt lag hier und da am Strand und wurde von den Böen hierhin und dorthin gerissen. Ein paar Möwen schrien kurz auf, aber ansonsten waren nur der Wind und die Brandung zu hören. Frederik schlug ein scharfes Tempo an, um sich warmzuhalten.
Er ging hinauf zwischen die Dünen, am Hotel vorbei und zurück zum Ferienhausgebiet. Alles sah verlassen und öde und nach Winter aus.
Nur vor Toves Ferienhäuschen stand ein Auto, ihr kleiner Mascot. Wenn sie hier heraufkam, war ihr wohl auch nicht nach Weihnachten zumute? Frederik überlegte, anzuklopfen, sah aber dann, dass die Gardinen im Wohnzimmer zugezogen waren. Vielleicht machte sie einen Mittagsschlaf. Frederik ging weiter, jetzt ein wenig besserer Stimmung. Immerhin hielt er nicht alleine die Stellung hier oben.
Es zeigte sich, dass er weniger einsam war, als er erwartet hatte, denn als er nach Hause kam, stand eine Frau vor seiner Haustür, an ein Fahrrad gelehnt. Sie hielt eine nahezu aufgerauchte Zigarette zwischen den Fingern und hatte eine kapuzenförmige Mütze aus krausem Lammfell tief in die Stirn gezogen.
„Tag, Frederik“, sagte sie und lächelte. Er erkannte das strahlende Lächeln sofort wieder, obwohl es lange her war, dass er Ingrid gesehen hatte.
„Meine Lieblingscousine! Was führt dich hierher?“, fragte er.
„Ich habe Mamas Ferienhaus geerbt. Es gab ein ziemliches Hin und Her, weil Tante Oda bis zu ihrem Tod Miteigentümerin war, aber jetzt bin ich Besitzerin eines Ferienhauses und wollte mal nach dem Rechten sehen.“
„Tut mir leid, das mit deiner Mutter.“
„Muss es nicht. Sie war zuletzt ganz schön senil geworden und hatte keinen Spaß mehr am Leben.“ Wie so oft nahm Ingrid kein Blatt vor den Mund, aber Frederik wusste, dass es ihre Art war, mit den Dingen umzugehen. Er nickte.
Ingrid räusperte sich und fuhr fort: „Und außerdem bin ich hergekommen, um mich um euch zu kümmern.“
„Euch? Ich bin alleine hier.“
„Ja, das hat mir die Fischer-Sara erzählt. Aber wie ich weiß, ist die junge Tove Svart auch hier und grübelt über ihre zerbrochene Ehe.“
Fischer-Sara war die Frau eines der örtlichen Fischer und kümmerte sich um eine ganze Reihe der Ferienhäuser, wenn die Eigentümer länger nicht da waren. Außerdem war sie die Nachrichtenzentrale der Gegend, wenn man Ohren hatte zu hören, und die hatte Ingrid. Sie schätzte die solide Façon der Fischersfrau genauso wie deren Gespür für ihre Mitmenschen.
„Ich werde schon dafür sorgen, dass ihr zwei ordentlich Weihnachten feiert“, schloss Ingrid, und Frederik krümmte sich unmerklich zusammen, beließ es aber bei einem nach innen gekehrten „Nein!“.
Ingrid stieg aufs Rad. „Ich fahre jetzt rüber zu Tove und sage ihr Bescheid“, sagte sie und verschwand den Weg hinunter. Ingrid hielt sich nicht lange mit Schnickschnack auf, und hatte sie sich erst einmal mit Fischer-Sara verbündet, war nichts mehr zu machen.
Frederik seufzte.
„Du hast das beste Haus“, sagte Ingrid am nächsten Tag, als sie um Punkt neun vor Frederiks Tür stand. „Also werden wir hier feiern.“
Frederik rieb sich die Augen. Er war erst vor einer Viertelstunde aufgewacht, trug nur einen Bademantel und fröstelte in der bissigen winterlichen Kälte, die vom Meer herüber wehte. Ingrid dagegen wirkte frisch wie eine englische Cottage-Lady, die drei Stunden zuvor aufgestanden war, Tee getrunken hatte und mit einem ganzen Rudel Beagles und Corgis Gassi gegangen war. Wie sie dort stand, mager und wettergegerbt in ihrer Öljacke, Tweedhosen und großen, praktischen Stiefeln, erinnerte sie sehr an eine englische Land-Lady. Heute trug sie nur eine Fliegermütze, hatte sich aber ein kariertes Tuch im Schottenmuster um den Kopf gebunden.
„Darf ich reinkommen?“, sagte sie und stand im Wohnzimmer, noch bevor sie beim Fragezeichen angekommen war.
Frederik kratzte sich am Kopf.
„Hmm“, sagte Ingrid. „Den Baum stellen wir dorthin und die Geschenke kommen auf die Anrichte.“
„Baum?“, sagte Frederik. „Geschenke?“
„Ja, natürlich“, antwortete Ingrid. „Es mag ja sein, dass du dir nichts daraus machst, aber Tove soll ein schönes Weihnachten haben. Sie ist noch sehr jung. Und für einen so jungen Menschen ist es gar nicht gesund, wenn so ein Fest quasi ausfällt. Am Ende wird sie noch zur Zynikerin, und das dürfen wir nicht zulassen.“
Frederik erschloss sich ihre Logik nicht, aber dann lächelte Ingrid wieder ihr strahlendes Lächeln, das immer ganz überraschend kam, weil sie stets so knochentrocken und bissig wirkte, und er konnte nicht anders und erwiderte ihr Lächeln. Und ehe er sich's versah, war er verpflichtet, einen Weihnachtsbaum, ein Mandelgeschenk und ein Geschenk für Tove zu besorgen.
Der Baum war schnell abgehandelt. Der Wildhüter, der ihm im Herbst einen Hasen beschafft hatte, fällte eine große Nordmanntanne für ihn und versprach, sie ihm nach Hause zu liefern. Mit den Geschenken war es deutlich schwieriger, aber heldenmutig bestieg Frederik den roten Linienbus und stand wenig später in Fjerritslev und bemühte sich, einfallsreich zu sein.
Das Mandelgeschenk wurde die Ausgabe der Svikmøllen mit Jens Otto Krag als das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern auf dem Titelblatt. Mit dem Heft traf man vielleicht nicht ins Schwarze, lag aber sicher auch nicht völlig daneben, sagte Frederik sich und atmete tief durch. Die schwierigste Aufgabe stand ihm noch bevor: das Geschenk für Tove.
Darmowy fragment się skończył.