Czytaj książkę: «Metamorpheros - Erotische Novelle»
Alexandra Södergran
Metamorpheros - Erotische Novelle
Übersetzerin: Gertrud Schwarz
Lust
Metamorpheros - Erotische Novelle ÜbersetzerGertrud Schwarz Original MetamorferosCoverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 2016, 2019 Alexandra Södergran und LUST All rights reserved ISBN: 9788726023596
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
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Das Gerücht surrte über den Campus, durch die Seminarräume und die Flure der ganzen Universität. Es schien natürlich, darüber Witze zu machen, wenn das Thema zur Sprache kam, und die Reaktionen von Lehrpersonal und Studierenden waren ungefähr gleich. Einige wurden rot und kicherten verlegen. Manche wurden poetisch und bekamen große, neugierige Augen. Andere reagierten eher zerstreut und abwesend, lächelten vielleicht geheimnisvoll oder bissen sich auf die Lippe. Sicher war jedenfalls, dass die Neuigkeit nicht unbemerkt blieb. Zwei Wochen nach dem Beginn des Wintersemesters wussten alle Bescheid. Die Universität würde ein neues Institut eröffnen. Es würde Erotik heißen.
Emma saß in der Cafeteria, ihren Block vor sich und daneben eine Kaffeetasse. So war sie in ihrem Element, wie der Schmetterling, der aus dem Kokon kommt. Mit den MP3s auf den Kopfhörern entzog sie sich außerdem allen Störungen ihrer Umwelt.
Hinten am Hügel kamen langsam einige Studierende. Es war noch früh. Der Rasen schimmerte golden, wo die Sonnenstrahlen zwischen den Ziegelhäusern durchschienen. Es war die beste Zeit des Tages. Emma schrieb eine Zeile in ihren Block, dann noch eine. Sie spürte einen Rausch von Inspiration, doch in dem Moment ging die Musik in ihren Kopfhörern aus. Die Batterie war alle. Wütend schlug sie auf den Tisch und der heiße Kaffee schwappte über. Kleine braune Flecken formten sich auf dem Block. Nun hörte sie das Klirren von Porzellan aus der Küche der Cafeteria und all das Gebrabbel um sie herum. Genau hinter ihr unterhielten sich zwei junge Frauen laut und eifrig.
„Doch, du musst dich einschreiben, es ist noch nicht zu spät.“
„Ach komm, die haben nur 20 Plätze … und wie groß ist wohl der Andrang? Es haben sich bestimmt drei- oder vierhundert beworben.“
„Das Auswahlverfahren läuft über ein Vorstellungsgespräch.“
„Und woher weiß man, was man da sagen soll? Ich weiß ja nicht mal, worum es genau geht.“
„Ich glaube, es geht um alles, von Kamasutra bis Porno. Genus, Geschichte. Hoffentlich auch die feministische Perspektive. Vielleicht ein wenig … Praxis.“
Die jungen Frauen lachten. Emma hatte unauffällig die Kopfhörer aus den Ohren genommen und auf den Tisch gelegt. Zum ersten Mal seit Semesterbeginn war Emma wirklich interessiert an etwas, was an der Uni vor sich ging. Sie drehte sich zu den Frauen um. Eine halbe Stunde später hatte sie sich auf die Warteliste vom ersten Erotikkurs eingetragen. Sie spürte ein Kribbeln im Bauch. Ein Kribbeln voller Vorfreude.
Aus dem Grund war die erste Stunde auch so eine Enttäuschung. Sie saß ganz hinten in der Ecke eines großen Ateliers. Im Raum verteilt saßen neun weitere Studentinnen und zehn Studenten. Viele von ihnen machten sich eifrig Notizen. Vorne stand ein schlanker, großer Mann, der wie eine frühe Menschenrasse aussah. Er sah aus, als wäre er gerade in die Stadt spaziert, nachdem er vor zehn Jahren in Sibirien losgegangen war. Lustigerweise war er trotzdem sehr attraktiv. Er hatte blitzende, schöne Augen und ein fesselndes Gesicht. Außerdem war irgendetwas an seinem Aussehen, dass Emma dazu verleitete, sich vorzustellen, dass er mit seinen eigenen Händen so oft Grizzlybären getötet hatte, dass er das nicht mal mehr erwähnenswert fand.
Über eine Stunde lang hatte er über Sex und Kultur gesprochen. Es ging um die sexuelle Geschichte des Menschen und die Sexualität in früheren Zivilisationen. Es ging um Sexorgien in Rom und Homosexualität in der Antike. Emma staunte, als sie hörte, dass die Königsfamilien in den frühen ägyptischen Zivilisationen Inzest praktiziert hatten und dass Kleopatra mit ihren Brüdern verheiratet war. Gewiss war das alles faszinierend und Emma hätte zufrieden sein können, aber sie hatte so viel mehr erwartet. Dafür die ganze Aufregung? Dafür hatte sie ein zwei Stunden langes Vorstellungsgespräch über sich ergehen lassen und einen Haufen persönliche Fragen über ihre Sexualität und ihre Werte beantwortet?
Und noch dazu echt merkwürdige Fragen.
Sie war noch immer verschlafen und hielt den Kaffeebecher in der Hand, als sie am Donnerstagmorgen zur zweiten Stunde ins Atelier kam. Der Dozent ging vor dem großen Whiteboard herum. Emma war deutlich mehr an ihm interessiert als an dem Inhalt der Stunde. Bisher hatte er nicht mehr als seinen Namen über sich verraten. Clas von Eros. Sie schätzte, dass das ein Künstlername war.
„Okay. Dann möchte ich damit anfangen, dass alle sich hinstellen“, sagte Clas.
Als erstes stand eine blonde Studentin mit einem sehr schönen geflochtenen Zopf auf, der ihr bis zur Hüfte reichte. Sie schielte zu den anderen im Raum. Ein Typ mit Flanellhemd sank tiefer in seinen Stuhl und sagte: „Das schaff ich nicht, es ist zu fr…“, aber dann wurde seine Stimme vom Quietschen der über den Boden scharrenden Stühle überdeckt, als alle anderen aufstanden. Es wurde still im Saal. Mit einem Seufzer stand auch der Typ im Flanellhemd auf.
„Nun möchte ich, dass wir die Augen schließen.“
Man hörte ein Kichern.
„Das hier ist eine Entspannungsübung. Ich verspreche, dass sie euch gefallen wird. Macht einfach die Augen zu, so wie ich“, sagte er. Selbst Emma schloss ihre Lider.
„Okay, los geht’s – schreit! Gähnt, brüllt, macht alle Laute, die ihr wollt. Ich kann anfangen.“ Clas machte ein merkwürdiges, kehliges Geräusch, eine Studentin schrie und ein Student fing an zu lachen.
„Los jetzt, alle zusammen!“, rief Clas laut.
Vorsichtig begannen alle, unterschiedliche Laute von sich zu geben. Das Chaos wurde immer lauter. Als Emma schrie, hörte sie ihre eigene Stimme im gemeinsamen Geräuschsturm verschwinden – es war wie in einem Irrenhaus, verrückt, aber auch wunderbar schön und befreiend.
„OKAY – GUT! Danke. Das reicht.“
Emma öffnete die Augen und sah ihre Mitstudierenden lachen und miteinander flüstern. Sie fühlte sich munter.
„Jetzt können wir mit dem Kurs weitermachen. Heute werden wir mit den Händen arbeiten. Es geht um Form und Haptik – was fühlt sich gut an? Oder vielleicht sogar erregend?“, sagte Clas und ging zum großen Tisch, auf dem Lehm, unterschiedliche Dinge aus Holz und Kunstwerkzeug verteilt waren. „Der Fokus liegt nicht auf dem Ergebnis – es geht hier nicht um Prestige, es ist kein Wettbewerb, das sollt ihr bitte sofort vergessen. Macht euch keine Gedanken um eure Noten. Okay? Für dieses Seminar ist eure Mitarbeit wichtig. Und heute werden wir unseren unglaublichsten Sinn erforschen – das Fühlen!“
Darmowy fragment się skończył.