Czytaj książkę: «Frag los!»

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unter Verwendung eines Bildes von joshimerbin (shutterstock.com)

Lektorat: Hauke Burgarth, Pohlheim

DTP: Breklumer Print-Service, www.breklumer-print-service.com

Verwendete Schrift: FF Scala, Scala Sans

Gesamtherstellung: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

ISBN 978-3-7615- 6762-3 Print

ISBN 978-3-7615- 6763-0 E-Book

www.neukirchener-verlage.de

Contents

Vorwort

Einleitung

Glauben und Denken

Einwand 1:

Beweise erst mal, dass es Gott gibt. Wenn du das geschafft hast, höre ich zu.

Einwand 2:

Wenn Gott will, dass wir an ihn glauben, warum zeigt er sich nicht einfach?

Einwand 3:

Glaube an Gott ist nichts als Wunschdenken.

Einwand 4:

Glaube ist nicht rational, sondern eine Frage der Sozialisation.

Einwand 5:

Die Menschheit hat sich Tausende Götter ausgedacht und an fast keinen davon glauben Christen. Atheisten gehen nur einen Schritt weiter …

Glaube und Wissenschaft

Einwand 6:

Wer an Wunder glaubt, macht sich der Naivität schuldig.

Einwand 7:

Die riesige Größe des größtenteils lebensfeindlichen Universums spricht gegen die Existenz Gottes.

Einwand 8:

Die Wissenschaft macht Gott unnötig und zeigt, dass er in Wahrheit ein Lückenbüßer für Unerklärtes ist.

Einwand 9:

Der biblische Schöpfungsbericht und wissenschaftliche Erkenntnisse (Urknall, Evolution) schließen einander aus.

Einwand 10:

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die „Erfolge“ von Gebet einer ganz normalen Wahrscheinlichkeit unterliegen.

Fragen zu Gott

Einwand 11:

Gott als Schöpfer erklärt nichts. Die nächste Frage ist: Wer erschuf Gott?

Einwand 12:

Kann Gott einen so schweren Stein erschaffen, dass er ihn selbst nicht heben kann? In jedem Fall ist er nicht allmächtig.

Einwand 13:

Der grausame Gott des Alten Testaments ist nicht derselbe wie der liebende des Neuen.

Fragen zu Gottes Charakter

Einwand 14:

Wie kann Gott Kriege, ja sogar das Auslöschen ganzer Nationen befehlen?

Einwand 15:

Wie kann man einen Gott anbeten, der Menschen mit der Hölle erpresst und zeitliche Vergehen mit ewiger Qual und Folter bestraft?

Einwand 16:

Wie kann man einen Gott anbeten, der seinen eigenen Sohn opfert?

Einwand 17:

Wie kann Gott gerecht sein, wenn er den Menschen so unterschiedliche Startbedingungen gibt?

Einwand 18:

Warum erschafft Gott die Menschen, von denen er weiß, dass sie in der Hölle landen werden?

Fragen zu Jesus

Einwand 19:

Jesus hat nie wirklich existiert.

Einwand 20:

Die Geschichten über Jesus könnten großteils ausgedacht sein!

Einwand 21:

Da die Evangelien erst lange nach den beschriebenen Ereignissen geschrieben wurden, können sie keine verlässlichen Quellen sein.

Einwand 22:

Jesus ist bloß eine mythologische Raubkopie.

Einwand 23:

Die Behauptung „Jesus ist von den Toten auferstanden“ benötigt außergewöhnliche Beweise.

Einwand 24:

Es ist unlogisch, dass Jesus gestorben ist, damit wir errettet werden. Ein allmächtiger Gott könnte uns auch einfach so vergeben.

Einwand 25:

Ich will nicht, dass jemand anders für meine Schuld geradesteht.

Fragen zu den biblischen Texten

Einwand 26:

Viele Religionen berufen sich auf heilige Texte. Warum soll ich mich ausgerechnet mit der Bibel beschäftigen?

Einwand 27:

Die Bibel kann nicht stimmen, da sie nicht mit der Existenz der Dinosaurier kompatibel ist.

Einwand 28:

Durch die vielen Abschriften im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Inhalt der Bibel verändert.

Einwand 29:

Das heutige Neue Testament ist eine politische Vorgabe Kaiser Konstantins und des von ihm einberufenen Konzils von Nicäa.

Einwand 30:

Kein antikes Buch zu Medizin oder Astronomie wird heute ernst genommen – sollte ich die Bibel anders wahrnehmen?

Einwand 31:

Die Bibel enthält zu viele Widersprüche, um stimmen zu können.

Einwand 32:

Die Evangelien können schon wegen der Wundergeschichten keine historisch zuverlässigen Texte sein.

Einwand 33:

Es ist abstoßend, dass die Bibel Sklaverei gutheißt.

Einwand 34:

Christsein führt letztendlich zu Homophobie.

Fragen zum christlichen Glauben

Einwand 35:

Gibt es „den“ christlichen Glauben überhaupt?

Einwand 36:

Wenn ein rücksichtsloser Christ in den Himmel kommt – ist sein Glaube dann eine „Lizenz zum Sündigen“?

Einwand 37:

Die Aussicht auf die Ewigkeit lenkt von den realen Herausforderungen der Gegenwart ab.

Einwand 38:

Kommt am Ende nicht sowieso jeder in den Himmel?

Einwand 39:

Wie können unterschiedliche Arten von Schuld vor Gott am Ende gleich schwer wiegen?

Einwand 40:

Der biblische Absolutheitsanspruch ist ein Nährboden für Intoleranz und Fanatismus.

Einwand 41:

Der Glaube an Gott gibt jemandem in einer Lebenskrise sicher Halt. Aber warum sollte man an Gott glauben, wenn man im Leben gut klarkommt?

Einwand 42:

Wollen Sie mir sagen, dass meine verstorbene Nachbarin, die immer ein guter Mensch, aber nicht gläubig war, nun in der Hölle ist?

Einwand 43:

Die mythologische Vorstellung einer Hölle ist abwegig und war früher nur ein Mittel, um Angst zu erzeugen und Gehorsam einzufordern.

Einwand 44:

Was geschieht nach dem Tod mit Menschen, die niemals eine reale Chance hatten, den christlichen Glauben kennenzulernen?

Das Leid in der Welt

Einwand 45:

Wie kann man an Gott trotz des ganzen Leids glauben?

Einwand 46:

Warum lässt Gott Leid zu?

Einwand 47:

Schuld an den Nöten dieser Welt sind vor allem Religionen.

Die Vielfalt

Einwand 48:

Alle Religionen haben im Kern die gleichen Gedanken.

Einwand 49:

Die Vielzahl der Religionen spricht gegen die Existenz Gottes.

Einwand 50:

Es gibt so viele unterschiedliche Religionen. Warum soll ausgerechnet der christliche Glaube wahr sein?

Fortsetzung folgt?

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Vorwort

Schade, dass es dieses Buch erst jetzt gibt! Es wäre mir in den vergangenen Jahren häufig ein hilfreicher Begleiter, Ratgeber und wertvolles Nachschlagewerk gewesen – denn ich konnte selbst jahrzehntelang mit dem christlichen Glauben wenig anfangen. Ich war einem Gottesglauben nicht grundsätzlich abgeneigt, aber ich war skeptisch. Für mich als ziemlich rationalen, aber auch neugierigen Menschen wäre „Frag los!“ perfekt gewesen.

Auf Reporterreisen im Jahr 2010 lernte ich viele Christen kennen, die mich beeindruckten und mein Interesse weckten: Woher nehmen diese Menschen ihre Kraft, selbstlos in Katastrophen wie dem verheerenden Erdbeben in Haiti zu helfen? Woher kommt ihre innere Ruhe? Aber es schwang auch oft die Frage mit: Haben sie alle ihren Kopf ausgeschaltet und es sich in einem gläubigen Säuselzustand gemütlich gemacht?

Gott sei Dank konnte ich auf meinem weiteren Weg so viele persönliche Gotteserfahrungen sammeln, dass mein Lebenskniefall vor Jesus fast von selbst passierte. Heute darf ich als christlicher Journalist häufig auf Bühnen und in Texten von meiner Gottesbegeisterung erzählen – und oft hätte ich mir ein Buch wie dieses als kleinen Helfer in meiner Tasche gewünscht, wenn ich mit kritischen Nachfragen nach einem Vortrag oder in Leserbriefen gelöchert wurde.

Das Tolle an diesem Werk ist: Den Autoren gelingt es, dem Leser auf solche Fragen nicht nur ein störrisches „Nein, so ist es nicht“ entgegenzuschleudern, sondern sich tiefer und gleichzeitig erfrischend knackig mit skeptischen Einwänden zu beschäftigen. Sie wollen nicht mit Scheuklappen recht haben und mit dem Vorschlaghammer argumentieren, sondern lassen Skepsis gelten, räumen andere (irdische) Optionen ein und sind auf Augenhöhe mit dem Leser, statt von oben zu predigen. Noch wichtiger für mich als Christen aber ist: Sie führen aus, warum ich hellwach im Kopf sein kann, mündig und vernünftig, warum ich jede Frage stellen darf, warum ich mitten im Leben stehen und mich jeder Diskussion stellen kann – und gleichzeitig tiefgläubiger, ja frommer Christ und Jesus-Anbeter sein kann. Es schließt sich nicht aus.

„Frag los!“ ist Power-Food für den Kopf und das Herz. Für den Skeptiker wie für den Christen. Den einen wird es zum Nachdenken herausfordern, dem anderen wertvolle Diskussionshilfe sein für die Gespräche, die man als Gläubiger unweigerlich zuhauf führt.

Ich bezeichne mich nach wie vor als Glaubens-Grünschnabel. Ich kann felsenfest auf Gott vertrauen und dennoch wieder und wieder innerlich unruhig werden, mir Fragen stellen, von meiner eigenen Unwissenheit überrascht werden. Ich bin mir sicher, dass ich „Frag los!“ auch auf meinem weiteren Weg noch oft zur Hand nehmen werde. Um zu lernen, um mich innerlich zu vergewissern, um es weiterzugeben. Gut, dass es dieses Buch jetzt gibt.

Daniel Böcking, stellvertretender BILD-Chefredakteur

und Buchautor

Einleitung

Schon der Dichter Wilhelm Busch sagte: „Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten.“1 So darf man natürlich denken. Aber stimmt es auch? Viele würden hier zustimmen und beherzt „Ja!“ sagen: Wenn man das Thema Gott und Glaube mal nicht mit Samthandschuhen anfasst, sondern richtig ins Kreuzverhör nimmt, zeigt sich schnell, aus welchem Holz es geschnitzt ist – aus morschem. Antworten, die in innerchristlichen Kreisen ungeprüft abgenickt werden, fallen krachend in sich zusammen, wenn sie außerhalb der Szene diskutiert werden. Es ist eben genau so, wie die Lyrikerin Lizette W. Reese sagt: „Der alte Glaube zündet Kerzen an in jedem Haus, die harte Wahrheit pustet sie im Vorbeigehen wieder aus.“2

Wir als Autoren dieses Buches nehmen diese Skepsis ernst. Wir wissen, dass man Fragen zum Glauben so und so beantworten kann. Dass es gute und schlechte Antworten gibt. Und auch, dass Christen manchmal den Eindruck erwecken, als würden sie kritischem Nachdenken am liebsten ausweichen wollen. Genau das möchten wir mit diesem Buch nicht. Wir wollen schwierigen Fragen nicht aus dem Weg gehen, sondern vielmehr unseren christlichen Glauben intellektuell redlich vertreten und für Menschen, die nicht viel mit ihm anfangen können, plausibel machen.

Damit das gelingt, vereint dieses Buch ganz unterschiedliche Personen: einen Althistoriker (Dr. Andreas Gerstacker), einen Biophysiker (Dr. Alexander Fink), einen Theologen (Prof. Dr. Matthias Clausen), einen Informatiker (Thomas Giebel) und einen Gymnasiallehrer (Stephan Lange). Einen Gastbeitrag steuert zudem Marc Jost, Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz, bei. Wir alle sind davon überzeugt, dass der Schriftsteller C. S. Lewis recht hat, wenn er schreibt: „Wenn das Christentum falsch ist, ist es bedeutungslos, und wenn es stimmt, von unendlicher Bedeutsamkeit. Das Einzige, was es nicht sein kann: ein bisschen wichtig.“3

Genau aus diesem Grund haben wir dieses Buch geschrieben. Und wir freuen uns, wenn unsere Antworten dazu beitragen, das eine oder andere Fragezeichen kleiner werden oder ganz verschwinden zu lassen. Aber natürlich auch, wenn sich aus unseren Texten kritische Rückfragen ergeben. Lassen Sie uns das gerne wissen. (Wie, erfahren Sie im letzten Kapitel.) Skepsis ist schließlich nicht nur erlaubt, sondern erwünscht! Es geht uns eben nicht ums schnöde Rechthaben-Wollen, sondern um ein ehrliches Ringen um Wahrheit. Wenn das auch in Ihrem Interesse liegt, lesen Sie dieses Buch gerne mit vollem kritischem Engagement!

Stephan Lange, im Herbst 2020

1 W. Busch (122008): Was beliebt ist auch erlaubt. Wilhelm Busch. Sämtliche Werke II. S. 882.

2 Übersetzt nach L. W. Reese (2017): A Handful of Lavender. S. 25.

3 Übersetzt nach C. S. Lewis (2014): God in the Dock. S. 51.

Glauben und Denken

Einwand 1:

Beweise erst mal, dass es Gott gibt. Wenn du das geschafft hast, höre ich zu.

Auf dieses Anliegen könnte man ganz einfach antworten und sagen: „Weil Gott kein Teil des Universums ist, kann man ihn auch nicht mit naturwissenschaftlichen Mitteln belegen.“ Aber dann könnten Sie zu recht zurückfragen: „Aber warum macht er sich dann nicht für uns belegbar? Wenn es ihn wirklich gibt und er jeden Menschen gerne erreichen möchte, sollte es ihm doch ein Anliegen sein, alle Menschen – gerade die Skeptiker unter uns – zweifelsfrei von sich zu überzeugen. Zum Beispiel mit einem zwingenden Beleg oder einem eindeutigen Beweis. Möglichkeiten für einen allmächtigen Gott gäbe es ja viele: Er könnte sich direkt sichtbar machen oder uns zumindest unmissverständliche Zeichen geben, indem er z. B. Hier ist Jesus. Ja, es gibt mich wirklich! einmal pro Woche in jeder Sprache der Welt groß in den Himmel schreibt. Er könnte dafür sorgen, dass sich nur die Gesundheit kranker Menschen verbessert, für die gebetet wird. Oder ganz andere Wunder vor aller Augen tun. Oder vieles andere.“

Aber wir sehen so etwas nicht. Ein Bekannter sagte mir einmal: „Es bleiben nur folgende Möglichkeiten: a) Es gibt Gott einfach nicht, b) er will der Menschheit seine Existenz nicht zwingend beweisen oder c) er kann es nicht.“ Und er hat recht: Das sind die drei logischen Optionen, vor denen wir letztlich stehen. Als Christ mache ich mich, und das mag sich zunächst seltsam anhören, für Antwort b stark: Ja, es gibt Gott – aber er will uns keine unumstößlichen Belege für sein Dasein geben. Er hat sogar gute Gründe, dies nicht zu tun. Das will ich natürlich erklären.

Gott ist kein Es, sondern ein Jemand – ein Jemand mit Gefühlen, Wünschen und Absichten. Dem sogar etwas fehlen kann, nämlich der Kontakt zu uns Menschen. Gott fehlt etwas, wenn ihn auch nur ein einziger Mensch ablehnt. Und wenn das vorkommt, dann lässt es ihm keine Ruhe und er geht dieser Person nach. Er sieht jeden als unendlich wertvoll an und wünscht sich, mit allen seinen Geschöpfen in einem vertrauensvollen Kontakt zu stehen.4

Vertrauen ist aber eine Überzeugung, die sich weder erzwingen noch beschließen lässt. Zwang trägt immer die Last der Unfreiheit. Echtes Vertrauen kommt nur zustande, wenn ich wirklich frei in meiner Entscheidung bin. Für uns heißt das: Gott könnte uns natürlich zwingende Gründe geben, sodass wir gar nicht anders könnten, als von seiner Existenz auszugehen. Aber meine Motivation, mich Gott zu nähern, wäre dann nicht mehr freiwillig, sondern extern erzwungen.

Denn was wäre, wenn jeder Mensch zu 100 Prozent wüsste, dass er existiert: ein allmächtiger, allwissender, vollkommen gerechter, liebevoller und heiliger Gott. Dieses Wissen würde unser Denken und Handeln nicht nur etwas, sondern massiv beeinflussen. „Nein“, sagen hier manche. „Würde es nicht! Wenn sich Gott eindeutig klar machen würde, könnte ich mich immer noch frei gegen ihn entscheiden.“ Ja, das stimmt! Aber Hand aufs Herz: Wie viele Menschen, die aktuell leben oder je gelebt haben, würden so handeln? Vielleicht gar nicht so wenige, das will ich nicht abstreiten. Trotzdem übertreibe ich sicher nicht, wenn ich sage: Viele würden nicht so rebellisch sein. Sie würden, wenn sie zweifelsfrei wüssten, dass Gott existiert, ihm aus rein praktischer Klugheit gefallen wollen oder zumindest versuchen, nicht in Ungnade bei ihm zu fallen. Eine aufgrund von Berechnung, Sicherheitsdenken und/oder Egoismus gewonnene Haltung hat mit einer vertrauensvollen Beziehung aber wenig zu tun. Genau darauf will Gott jedoch hinaus.

Er liefert uns also keine zweifelsfreien Gründe für seine Existenz, weil er will, dass es aus vollkommen freien Stücken geschieht, wenn wir uns für eine Beziehung mit ihm entscheiden. Wer trotzdem eindeutige Belege fordert, der verlangt von Gott entweder, seinen Wunsch nach einer Beziehung aufzugeben, die auf Freiwilligkeit beruht, oder das logisch Unmögliche. (Denn selbst für Gott ist es nicht möglich, jemanden dazu zu zwingen, etwas freiwillig zu tun.)

Das heißt natürlich nicht, dass es gar keine Gründe für die Existenz Gottes gibt. Es gibt sie. Keine eindeutig zwingenden, wohl aber Argumente, die einer stimmigen Logik folgen und somit zeigen, dass es schlüssig ist, von Gottes Dasein auszugehen.5 Anders formuliert: Man begeht keinen intellektuellen Selbstmord, sondern folgt logisch konsistenten Argumentationen, wenn man z. B. die Tatsache, dass wir Menschen erlebnisfähige und selbstreflexive Ich-Subjekte sind,6 die Geltung der Naturgesetze, die mathematische Verstehbarkeit, Entstehung und Feinabstimmung des Universums oder die Existenz objektiver Moral auf Gott und sein Handeln zurückzuführt.

Ich weiß: Zu solchen Argumenten hat sich im Laufe der Zeit nicht nur unüberlegte, sondern auch ernst zu nehmende Kritik, gesammelt. Aber natürlich auch eine entsprechende Kritik der Kritik, sodass wir schlussendlich – und vor allem dann, wenn wir nicht nur Einzelargumente, sondern den gesamten Argumentrahmen betrachten7 – vor einem starken Plädoyer für die Existenz Gottes im theistischen Verständnis stehen (siehe Einwand 5).

(Stephan Lange)

Einwand 2:

Wenn Gott will, dass wir an ihn glauben, warum zeigt er sich nicht einfach?

Ich greife einmal den Schwung auf, der im letzten Kapitel aufkam: Gott würde sein eigentliches Ziel mit uns Menschen sabotieren, wenn er uns eindeutig zwingende Belege für seine Existenz gäbe. Können wir von Gott aber nicht noch mehr erwarten? Wenn Sie nun sagen: „Ja, vor allem mehr Konkretheit“, bin ich voll bei Ihnen. Denn es stimmt ja: Wenn die Argumente für Gott wirklich so weit tragen, dass man sein Dasein begründet in Betracht ziehen kann, ist das natürlich eine wichtige, aber letztlich noch keine ergiebige Einsicht. Und das sogar in zweierlei Hinsicht:

Zum einen hat Gott selbst kein Interesse daran, dass seine Geschöpfe nur zur bloßen Überzeugung kommen, dass er existiert. Das ist nicht seine Absicht. Zum anderen hilft es uns nicht wirklich weiter. Denn selbst wenn man sagt, dass es plausibel ist, von seinem Dasein auszugehen: Mit welchem Gott hätten wir es dann zu tun? Dem deistischen8, dem muslimischen, dem bahaiischen9 oder vielleicht doch dem christlichen? Wir könnten also von Gott, sofern es ihn gibt und er uns gerne begegnen möchte, erwarten, dass er sich (viel) klarer macht.

Und genau das trifft den Kern – denn Gott hat sich eindeutig gezeigt. Nicht in einem Dogma, einer Ideologie oder Institution und in erster Linie übrigens auch nicht in einem Buch. Sondern in erster Linie in einer Person – der Person Jesus Christus. Gott hat sich anschaulich gemacht, indem er selbst in Jesus Mensch wurde und uns damit ein Angebot macht: „Wer wissen will, wer und wie ich bin, wie ich denke und urteile, der schaue sich Jesus an. In ihm seht ihr mich.“

Aber warum sollte das stimmen? Warum sollte man glauben, dass sich Gott in Jesus zeigt? Ich finde diese Frage deshalb so berechtigt, weil ich sie mir vor elf Jahren auch gestellt habe. Im Rückblick würde ich mir folgende Antwort geben: Weil Jesus genau das von sich sagt, und zwar auf eine Art und Weise, die für mich sehr glaubwürdig ist. Wie meine ich das? Nun, wenn wir uns Jesus und sein Selbstverständnis anschauen, wie es im NT beschrieben wird, dann wird uns jemand vorgestellt, der von sich beansprucht, Gott selbst zu sein. Dieses Selbstbild äußert sich in verschiedenen Kontexten wie im Anspruch Jesu, Sünden vergeben zu können (z. B. Mk 2,5; Lk 7,47; Mt 12,31). Im jüdischen Kontext ist das klar Chefsache – nur Gott allein kann Sünden vergeben.

Jesu Selbstverständnis zeigt sich auch in der Rolle, die er sich im erwarteten Endgericht zuschreibt. An einer Stelle sagt er: „Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.“ (Lk 12,8) Hierzu ist es hilfreich zu wissen, dass der Titel der Menschensohn die häufigste Selbstbezeichnung Jesu ist (über 80-mal). Für seine jüdischen Zeitgenossen lag die Anspielung auf das alttestamentliche Buch Daniel klar auf der Hand: Der Menschensohn steht dort für die Person, die am Ende aller Zeiten ins endzeitliche Richteramt eingesetzt wird, um „auf den Wolken des Himmels kommend“ (Dan 7,13) das Endgericht durchzuführen. Und auch hier ist im jüdischen Kontext klar: „Richter der Endzeit“ kann nur einer sein: Gott allein. Jesus macht also in Lk 12,8f. – aber auch an anderen Stellen (z. B. Lk 7,22f.; Joh 6,35ff.; Mt 25,31ff.) – deutlich, dass das Ergehen der Menschen am Jüngsten Tag von ihrer Haltung ihm gegenüber abhängt. Und auch seine Selbstbetitelung, der Sohn Gottes zu sein, schwächt seinen Gottesanspruch nicht ab. Im Gegenteil: Jesus beansprucht damit nichts Geringeres, als derselben Natur wie Gott zu sein (siehe Einwand 16). Die religiöse Elite seinerzeit verstand dies, und es veranlasste sie dazu, Jesu Tod wegen Blasphemie zu fordern (Joh 19,7).

Das waren natürlich nur einige Passagen, die den Anspruch Jesu zeigen, an Gottes Stelle zu stehen. Was ist davon zu halten? Letztlich stehen wir vor vier Möglichkeiten: a) Es ist falsch, was Jesus sagt, und er weiß das auch – dann ist er ein eiskalter Lügner, b) es ist falsch, was er sagt, er denkt aber, dass es richtig sei – dann leidet er an religiösen Wahnvorstellungen, c) der Gottesanspruch Jesu entspricht der Wahrheit oder d) er hat ihn nie erhoben, es handelt sich dabei um einen Mythos.

Was lässt sich hierzu sagen? Nun, der internationale Forschungsstand der historischen Jesusforschung erlaubt auf jeden Fall nicht, die Mythos-Möglichkeit ernsthaft in Betracht zu ziehen.10 Maßgebende Experten in diesem Fachbereich gehen davon aus, dass Jesus in der Tat mit dem Selbstverständnis auftrat, Gott zu sein. Ernsthaft denkbar sind daher nur noch die (drei) Möglichkeiten, dass Jesus ein Lügner, ein Größenwahnsinniger oder aber wirklich Gott selbst ist. Was davon stimmt? Wie wirkt Jesus auf uns? Oder besser gefragt: auf Sie?

Es versteht sich von selbst, dass ich Ihnen diese Bewertung nicht abnehmen kann. Meine Bitte wäre daher, sich ein eigenes Urteil über „den Fall Jesus“ zu bilden. Gerade dann, wenn Ihre letzte Lektüre der Lebensberichte Jesu schon etwas zurückliegt. Schnappen Sie sich doch einfach mal ein Neues Testament und lesen Sie in aller Ruhe eine seiner Biografien. Das geht ganz klassisch per Buch oder modern via bibleserver.com oder Smartphone-App. Die digitalen Bibelzugänge haben praktischerweise sogar viele verschiedene Übersetzungen parat (hier empfiehlt sich eine gut lesbare wie die Neue Genfer Übersetzung). Und fragen Sie sich beim Lesen: Für wen halte ich Jesus? Welchen Eindruck macht er auf mich? Zeigt sich hier vielleicht wirklich Gott selbst?

(Stephan Lange)

Einwand 3:

Glaube an Gott ist nichts als Wunschdenken.

Darauf kann man zweifach antworten. Die erste Möglichkeit erscheint naheliegender, die zweite ist jedoch effektiver. Aber es soll ja spannend bleiben, daher zunächst:

Möglichkeit 1: Nichts als Wunschdenken. Stimmt diese Beschreibung für Glaubende? Sätze mit „nichts als“ sind generell riskant. Es reicht im Grunde ein Gegenbeispiel, um sie zu widerlegen. Wer tatsächlich behaupten wollte, aller Glaube an Gott sei ausschließlich Ausdruck von Wunschdenken, dem könnte ich z. B. einfach meine eigene Lebensgeschichte erzählen. Wie bin ich selbst zum Glauben gekommen? Der Wunsch, das alles möge doch bitte wahr sein, kann dabei sogar eine Rolle gespielt haben – nur eben nicht die einzige.

Stattdessen war mein eigener Glaube gerade zu Beginn das Ergebnis von Nachdenken: Stimmt das alles? Sind die Inhalte des christlichen Glaubens begründet? Natürlich haben mich auch Menschen beeindruckt, die von ihrem Glauben überzeugt waren. Aber selbst Christ geworden bin ich nicht aus emotionalem Überschwang, sondern weil mich gute Gründe überzeugt haben; solche, wie sie sich auch in diesem Buch finden.

„Gut“, könnte man einwenden, „aber auch das waren ja nur vorgeschobene Gründe, darunter lag der uneingestandene Wunsch, an Gott glauben zu ‚dürfen‘, der nur nachträglich rationalisiert wurde.“ So etwas kann man immer unterstellen, und es lässt sich logisch nicht widerlegen. Wenn man wollte, könnte man meinen Protest dagegen sogar als Beleg für die These „Wunschdenken“ werten – ansonsten hätte ich es ja gar nicht nötig, mich zu wehren … Rückfrage: Wie würde es Ihnen gefallen, wenn auch Ihre eigenen Überzeugungen als Ausdruck von Unreife gewertet würden? „Nicht fair“, würden Sie sicher sagen. Für das eigene Erleben sollte zuerst jeder selbst als Experte gelten, jedenfalls bis zum Erweis des Gegenteils. So weit die erste Variante, auf den Einwand zu reagieren. Sie ist hoffentlich nachvollziehbar, aber nicht die einzige Möglichkeit zu antworten, und wie gesagt auch nicht die wirksamste.

Möglichkeit 2: Und wenn es so wäre? Was würde denn das über die Frage aussagen, ob die Inhalte des Glaubens wahr sind oder nicht? So nämlich ist der Einwand meiner Erfahrung nach häufig gemeint: „Glaube ist ein Konstrukt, ein Ausdruck von Wunschdenken – also falsch.“ Geistesgeschichtlich lässt sich dies auf die Religionskritik des 19. Jahrhunderts zurückführen, besonders auf Ludwig Feuerbach, in Abwandlung auch auf Karl Marx und Sigmund Freud.

Mit meinen eigenen Worten gesagt, lautet diese Religionskritik vor allem bei Feuerbach so: „Glaubende sind Menschen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen, die Schwierigkeiten mit der Realität haben – deshalb ‚malen‘ sie sich einen Gott an den Himmel, der ihnen damit umzugehen hilft. Diesen Gott gibt es aber gar nicht, sondern er ist nur Ausdruck ihres Wunschdenkens. Und er ist bei näherem Hinsehen auch nichts anderes als die Projektion eines Menschen, sozusagen eine ins Unendliche vergrößerte Version eines Menschen.“ Deswegen ist diese Form von Religionskritik auch als „Projektionstheorie“ bekannt. Gegen diese Theorie habe ich mehrere Einsprüche:

Einspruch 1: Die Projektionstheorie sagt nichts über die Wahrheitsfrage. Also über die Frage, ob es Gott nun gibt oder nicht, ob die Inhalte des Glaubens der Wahrheit entsprechen oder nicht. Sondern die Theorie setzt schon voraus, dass die Wahrheitsfrage geklärt ist, dass es ihn also nicht gibt. Wenn man dies schon voraussetzt, ist Projektion eine denkbare Erklärung. Aber diese Erklärung begründet in keiner Weise, dass es Gott nicht gibt. Denn natürlich sind Dinge nicht einfach deswegen wahr, weil man sie sich wünscht. (Das lernen z. B. Kinder schnell.) Aber das Gleiche gilt auch für das Gegenteil: Dinge werden auch nicht dadurch unwahr, weil Menschen sie sich wünschen. Ich gebe gerne zu, dass mir der Glaube an Gott Trost gibt. Aber folgt daraus, dass er keine reale Basis hat? Da gibt es keinen logischen Zusammenhang.

Einspruch 2: Normalerweise geben mir meine Bedürfnisse sogar Aufschluss über die Wirklichkeit. Ich habe z. B. regelmäßig Hunger, ich bin auf Nahrung angewiesen, und es gibt auch Nahrung, jedenfalls grundsätzlich. Mein Bedürfnis gibt mir Hinweise darauf, wie mein Körper und die äußere Wirklichkeit aufgebaut sind. Oder ich habe soziale Bedürfnisse, brauche die Begegnung mit anderen Menschen – ich bin ein soziales Wesen. Warum soll dies bei einem religiösen Bedürfnis auf einmal umgekehrt sein? Warum soll hier gelten: „Du sehnst dich nach Gott – also gibt es ihn nicht.“? Das wäre so, als wenn man zu jemandem sagte: „Du hast Hunger, also gibt es kein Essen.“ Das wäre weder besonders nett noch logisch. Stattdessen könnte man einen Schritt weitergehen und fragen: Wenn Menschen tatsächlich eine solche Sehnsucht nach Gott verspüren – vielleicht nicht alle, aber doch einige –, die anscheinend durch nichts in dieser Welt gestillt werden kann: Könnte dies nicht sogar ein Hinweis auf Gott sein? Keine Angst: Das soll nicht der Versuch eines Beweises für Gott sein; es soll nur zeigen, dass man die Projektionstheorie genauso gut „auf den Kopf stellen“ und sogar in ein Argument für den Glauben verwandeln könnte.

Einspruch 3: Der christliche Glaube ist für viele Menschen im Kern sehr attraktiv – er ist zugleich aber ganz anders als das, was unsere unterbewussten Erwartungen an die Welt nahelegen. Er ist sogar so anders, dass ich mir schwer vorstellen kann, wie dieser Glaube eine menschliche Erfindung sein soll: Ein Gott, der Mensch wird, scheinbar klein und unbedeutend, zwar ungemein einnehmend und anziehend, aber schutzlos. Dieser geht dann als Mensch bis ans Kreuz, stirbt dort grausam und opfert sich stellvertretend für die Menschen – ein solcher Gott passt so überhaupt nicht zu den Größenfantasien, die die klassische Religionskritik dem christlichen Glauben unterstellt hat. Einen solchen Gott kann man sich kaum ausdenken. Auch das ist für sich kein Beweis für den Glauben, aber ein starkes Indiz.

Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
25 czerwca 2025
Objętość:
224 str. 8 ilustracji
ISBN:
9783761567630
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania: