Czytaj książkę: «Perry Rhodan Neo Story 11: Der Held von Siron»

Czcionka:

NEO-Story 11

Der Held von Siron

Eine PERRY RHODAN NEO-Erzählung

von Rüdiger Schäfer


Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

Rückentext

Siron ist eine Welt, die in den Tiefen der Milchstraße liegt. Ihre Bewohner sind absolut menschenähnlich; sie stammen von Raumfahrern ab und haben in den vergangenen Jahrtausenden eine eigenständige Kultur aufgebaut.

Doch längst machen ihnen die Umweltverschmutzung und die ständigen Konflikte immer mehr zu schaffen. Abhilfe könnte die Technik der Außerirdischen verschaffen. Angech, ein wagemutiger Sironer, und seine Freunde haben Perry Rhodan und andere Menschen getroffen – diese Begegnung veränderte ihr Leben.

Nun wollen sie ihren Landsleuten ein großes Geschenk machen und ihrer Heimatwelt helfen. Doch ihre positiven Absichten stoßen nicht nur auf Begeisterung, wie Angech und seine Gefährten am eigenen Leib erfahren müssen. Ihr Versuch scheint zum Scheitern verurteilt zu sein …

Prolog

Die Stille vor dem Tod


Angech Anatarawan weinte nicht. Er hatte erwartet, dass er es tun würde, doch nun, da der Moment gekommen war, fühlte er … nichts. Nein, das war nicht ganz richtig. Er fühlte eine seltsame Leere, eine Art betäubende Gleichgültigkeit, die die Wut und die Enttäuschung über die mangelnde Einsicht seiner sironischen Landsleute ersetzt hatte. Am Ende hatten sie ihn gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, deren Konsequenzen er nicht mehr erleben würde.

Die drei schmucklosen Plastikbehälter, die einer der beiden aktiven Roboter in dem großen Raum vor der Depotzentrale aufgebaut hatte, wirkten seltsam deplatziert. Laut Positronik hatten sich hier früher Prinzessin Crysalgira da Quertamagin und ihre Begleiter zusammengefunden, gemeinsame Mahlzeiten eingenommen und über den großen Krieg gegen die Methans gesprochen.

Nun diente er als Leichenhalle.

Angech schüttelte den Kopf, was ihm augenblicklich einen Schwindelanfall bescherte. Er machte instinktiv einen Schritt nach vorn und hielt sich an einem der Behälter fest. Dabei fiel sein Blick zwangsläufig auf dessen Inhalt. Ghard Sunderanagars Gesicht wirkte eingefallen. Der schmächtige Mann sah aus, als schliefe er. Lediglich die graue Farbe seiner Haut und seine absolute Bewegungslosigkeit machten deutlich, dass er nie mehr aufwachen würde.

In den angrenzenden Behältern lagen Yoel Taraharatan und Eineo Battarainagar. Sie waren von der Krankheit weit stärker gezeichnet als Ghard, und ihr Tod war ein langer und qualvoller Prozess gewesen. Dennoch hatten sie sich bis zuletzt geweigert, die Medikamente zu nehmen, die ihnen die Depotpositronik angeboten hatte. Sie wollten das Ende, dem Kodex der Freidenker entsprechend, bei vollem Bewusstsein erleben.

Angech lauschte in die Stille hinein. Nach der Aufregung der letzten Wochen kam sie ihm beinahe unheimlich vor. Möglicherweise war das der Grund, warum er der arkonidischen Technik nach wie vor mit solcher Skepsis gegenüberstand. Sie vermochte wahre Wunder zu vollbringen, blieb aber bis auf wenige Ausnahmen völlig geräuschlos. Als würden in ihrem Inneren nicht Bauteile aus Metall und Kunststoff, keine energetischen Leiterbahnen und gerichtete Magnetfelder arbeiten, sondern Sandgeister aus den sich rund um Keless erstreckenden Wüstengebieten.

Es ist besser so, dachte er müde. Vielleicht sind die Sironer tatsächlich noch nicht reif für die Geheimnisse, die das Depot bereithält. Vielleicht werden sie es niemals sein. Aber wenigstens müssen sie jetzt selber darüber entscheiden!

Wie so häufig in den vergangenen Tagen erinnerte er sich an die Gespräche mit den beiden Fremden Perry Rhodan und Atlan kurz vor deren Abflug. Letzterer war ein Vertreter jenes Volkes gewesen, dessen Angehörige das Depot vor mehr als 10.000 Jahren auf Siron errichtet hatten. Dieses Volk hatte bereits vor Jahrtausenden ein riesiges Sternenimperium beherrscht, von ihm stammten auch die Sironer ab. Perry Rhodan hatte sich dagegen als Mensch bezeichnet und davon berichtet, dass die Erde, seine Heimatwelt, ein knappes Jahrhundert zuvor gleichfalls vor dem Ausbruch eines mit Atomwaffen geführten Konflikts von globalen Ausmaßen gestanden hatte. Erst viele Jahrzehnte später war diese Bedrohung gebannt worden.

Angech hatte sich seither an die Hoffnung geklammert, dass die Sironer – wie die Menschen – diese Phase ihrer Entwicklung überwinden würden, ohne sich vorher gegenseitig auszulöschen. Was hatte er noch zu Perry Rhodan gesagt …?

Ich würde auf der Stelle sterben, um meine Welt zu retten.

Nun, zumindest das mit dem Sterben hatte er hinbekommen.

»Du kannst die Behälter verschließen«, sagte er laut. Seine Stimme klang wie das Krächzen eines Korrak.

Der Roboter gehorchte.

Langsam ging Angech zu der schmalen Rampe hinüber, die in die Steuerzentrale des Depots führte, erklomm sie mühsam und ließ sich in dem sich anschließenden schmalen Raum auf den mittleren der drei Sessel fallen. Augenblicklich leuchtete eine Reihe von Hologrammen auf. Die meisten zeigten Szenen, die die Drohnen in den vergangenen Stunden überall auf Siron aufgezeichnet hatten.

Der heelonische Titram hatte den Nordländern in einer öffentlichen Ansprache erstmals militärische Konsequenzen angedroht, wenn sich diese nicht innerhalb der nächsten 28 Stunden von der Großen Kraterplatte zurückziehen würden. Dort hielten die Bergnomaden des Manaugan-Massivs derzeit demonstrativ eine Übung ab, bei der sie unter anderem eine Reihe von Jikutt-Raketen in Bergflanken geschossen hatten, die auf heelonischem Territorium lagen. Die von den Explosionen verursachten Wolken aus Rauch und Staub waren auf den dreidimensionalen Bildern noch immer gut zu erkennen.

Der Sironische Rat hatte mehrere Warnungen ausgesprochen, die jedoch wie so oft von den Konfliktparteien ignoriert wurden – und das, obwohl sich eine Reihe von Regierungsvertretern der Allianz den deutlichen Worten des Ratspräsidenten angeschlossen hatten. Auch wenn die Verhandlungen im Ornomeon endgültig gescheitert waren, hielten sich nach wie vor viele Konferenzteilnehmer in Keless auf.

Angech schloss die Augen. Die Schmerzen waren wieder stärker geworden, und er hatte das Gefühl, dass Tausende von Tiglitts durch seine Eingeweide wimmelten und ihn von innen heraus auffraßen.

Vier Wochen! Vier Wochen hatten ausgereicht, um alle seine Träume und Erwartungen zu zerstören. Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen …

Kapitel 1

Eine Botschaft für die Welt


»Mein Name ist Angech Anatarawan. Ich wende mich heute an alle Bewohner des Planeten Siron, egal welcher Nation sie angehören, welchen Glaubens sie sind, welchem Meinigen sie sich verbunden fühlen und wessen Lehren sie folgen. Meine Botschaft wird auf sämtlichen empfangbaren Kanälen und Frequenzen übertragen und nach ihrem Ende 28 Stunden lang wiederholt.«

Er legte eine Pause ein und sah kurz zu Ghard, Yoel und Eineo hinüber, die neben einer der Steuerkonsolen standen und seinen Auftritt beobachteten. Ghard lächelte und nickte ihm aufmunternd zu; die beiden anderen Männer wirkten eher angespannt.

»Was ich zu sagen habe, wird für die meisten von Ihnen unglaublich klingen. Sie werden mich für einen Spinner halten, mich als Betrüger, vielleicht sogar als Kriminellen bezeichnen, doch ich versichere im Namen aller Meinigen und bei meiner Ehre, dass jedes meiner Worte der Wahrheit entspricht. Erster Beweis dafür mag sein, dass es keiner der offiziellen Stellen gelingen wird, diese Übertragung zu unterbrechen oder vorzeitig zu beenden.«

Angech bemühte sich, seine Nervosität zurückzudrängen. Obwohl er seine Ansprache viele Dutzend Male geübt hatte, obwohl ihr immer wieder überarbeiteter Text als Hologramm vor ihm schwebte und er ihn nur ablesen musste, ließ sich seine innere Unruhe nicht gänzlich unterdrücken.

»Ich befinde mich in dem geheimen Depot einer außersironischen Zivilisation. Es liegt viele Hundert Meter unter dem Standort des ehemaligen Heiligtums verborgen und wurde von Vertretern jenes Volkes angelegt, von dem wir alle abstammen. Die Arkoniden, wie sich unsere Vorfahren selbst nennen, beherrschen ein gewaltiges Sternenimperium, dem zahlreiche bewohnte Welten angehören. Sie waren es, die vor mehr als zehntausend Jahren auf Siron notlanden mussten – mit jenem Raumschiff, das wir als ›Heiligtum‹ kannten und das es nun nicht mehr gibt!«

Er versuchte sich vorzustellen, was die vielen Hundert Millionen Sironer, die in diesen Minuten vor ihren Bildschirmen saßen oder seine Rede über die diversen Funk- und Radiofrequenzen verfolgten, wohl denken mochten. Vermutlich würden sie alles für einen dummen Scherz halten, für einen Werbegag oder die Tat eines geistig Verwirrten, der sich in das öffentliche Sendenetz gehackt hatte. Auch aus diesem Grund hatte er darauf geachtet, dass seine Rede nicht zu lang wurde. Die Gefahr war groß, dass die Sironer zu früh abschalteten, weil sie ihn nicht ernst nahmen.

»Das Depot verfügt über Mittel, die es mir erlauben, Dinge zu tun, die alles, was sironische Technik derzeit zu leisten imstande ist, bei Weitem übertreffen«, fuhr Angech fort. »Um das zu belegen und allen, die an meinen Worten zweifeln, zu beweisen, dass ich die Wahrheit sage, werde ich in exakt zwei Tagen eine Demonstration besagter Mittel liefern. Sie wird auf dem Bleichen Meer stattfinden und spektakulär sein.«

Damit sollte ich ihr Interesse geweckt haben, dachte Angech. Auch wenn man mich für einen Verrückten hält, kann man eine solche Ankündigung nicht einfach ignorieren. Ich könnte schließlich einen terroristischen Anschlag planen.

In den langen Tagen, nachdem Perry Rhodan und seine Begleiter abgereist waren, hatte er sich gemeinsam mit seinen drei Freunden immer wieder über das weitere Vorgehen beraten. Sie hatten der Positronik des Depots zahllose Fragen gestellt und so nach und nach alles erfahren, was die Speicher über die Arkoniden und das Große Imperium hergaben. Und sie waren aus dem Staunen nicht herausgekommen.

Auch wenn auf Siron noch immer Gruppen existierten, die das Offensichtliche leugneten, so war den meisten Sironern seit mindestens hundert Jahren klar, dass ihr sogenanntes Heiligtum ein havariertes Raumschiff darstellte, eine achthundert Meter durchmessende Kugel aus Stahl, die nie und nimmer auf Siron erbaut worden sein konnte. Man wusste also, dass es andere intelligente Lebewesen gab, die in der Lage waren, von Planet zu Planet zu fliegen. Das war einer der Gründe dafür gewesen, dass Perry Rhodan und Atlan ihm und seinen Freunden die Verfügungsgewalt über das Depot überlassen hatten.

Inzwischen hatte Angech verstanden, dass sich die Fremden abgesichert hatten. Die Positronik, also der Computer, der das Depot beherrschte, hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass er nicht ausnahmslos jeden Befehl seiner neuen Herren befolgen würde. So war es Angech zum Beispiel nicht möglich, die Waffen, die in den subplanetaren Lagerräumen und Magazinen zur Verfügung standen, gegen die eigenen Leute einzusetzen.

»Ich möchte die Vertreter der großen Nachrichtensender auffordern, sich vor Ort zu begeben und über das, was dort geschieht, zu berichten«, sprach er weiter. »Ich werde etwas tun, das unsere Heimat verändert. Ich möchte damit allen Sironern zeigen, was möglich ist, wenn wir den Hass und das Misstrauen vergessen und zusammenarbeiten. Ich weiß, dass das nicht einfach werden wird, aber ich trage die unverrückbare Hoffnung im Herzen, dass wir uns im Glauben an eine bessere Zukunft besinnen und über alle Feindschaften und Spannungen hinweg die Hände reichen können.«

Seine Kehle war mittlerweile so trocken, dass er erneut innehalten und zu dem neben ihm auf einem Tisch stehenden Becher greifen musste. Das Wasser schmeckte kühl und frisch, ganz anders als das, was in Keless und den meisten anderen Städten des Planeten aus den Leitungen der Verteiler kam – und das obwohl er wusste, dass die Maschinen des Depots die kostbare Flüssigkeit teilweise aus den Ausscheidungen ihrer Bewohner destillierten.

»Ich versichere Ihnen, dass ich keinerlei unredliche Absichten verfolge«, fuhr Angech fort. »Mir ist klar, dass ich viel verlange, wenn ich Sie um einen Vertrauensvorschuss bitte. Alles, was ich Ihnen dafür im Gegenzug anbieten kann, ist mein Wort, dass ich nicht als Freidenker oder Einweltler handle, nicht als Angehöriger eines einzelnen Meinigen, nicht als Bewohner einer Stadt oder Bürger einer Nation. Das, was ich tue, tue ich als Sironer – und im Bewusstsein der Tatsache, dass wir alle die gleichen Wurzeln haben, dass unsere Vorfahren einst als Angehörige eines vereinten Volkes auf diesen Planeten kamen.«

Darmowy fragment się skończył.