Czytaj książkę: «Perry Rhodan Neo Story 13: Sachiko»

NEO-Story 13
Sachiko
Eine PERRY RHODAN NEO-Erzählung
von Michelle Stern
Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt
Rückentext
Sachiko und Shinichi sind junge Leute, die in Japan aufwachsen – in einem Japan allerdings, das sich nach der Mondlandung im Jahr 2036 rapide wandelt. Der Kontakt zu den Außerirdischen verändert die Menschen und ihr Blick auf das Universum, und eine sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Jugendlichen verändert sich ebenfalls.
Sie müssen sich beide mit der »neuen Welt« arrangieren, in die sich die Erde verwandelt. Wie verhält man sich da in einer Gesellschaft, in der Traditionen sehr wichtig sind? Und sie müssen versuchen, die fremdartigen Fähigkeiten zu verstehen, die vorher unbekannt waren.
Als ein Außerirdischer in ihrer Nähe strandet, wird die Situation für die Jugendlichen noch seltsamer: Wie gehen sie mit einem Alien um, der ausgesprochen fremdartig erscheint?
Prolog
Es ist nicht sein Planet. Er hat keinen Planeten.
Diese Insel des Lebens in der Unendlichkeit ist ihm fremd.
Er liebt die Enge von Raumschiffen, die zahlreichen Dinge, die ihn dort umgeben – das Besun.
Tag für Tag lebt er aber an diesem unwirklichen Ort im grellen Licht einer gelben Sonne.
Er steht am Ufer. Die Dämpfe des Sees steigen zu ihm auf, halten seine Haut feucht und erinnern ihn doch daran, dass die Feuchte fehlt, die er gewohnt ist. Es ist bloß Wasserdampf, ohne Zusatzstoffe, die seine Haut geschmeidig halten. Er vermisst die Öle, die er kennt, die Gerüche, die mit ihnen verbunden sind, und vor allem seine Wir-Familie.
Er hätte sich der Regierung von Terrania stellen können, aber er hat Angst. Viele Menschen sind böse auf ihn. In Tokio haben sie ihn gejagt, weil er einen Barhocker mitgenommen hat.
Sie verstehen nichts von Besun. Sie sind wie Kinder, die im Spiel den Blick für die Einzigartigkeit der Umgebung verlieren. Vielleicht ist es diese Welt, die sie blind macht.
Unwohl schaut er sich in der Weite um, streift sein Blick den offenen Himmel, die grünen Berge und die wolkenverhangene Bergspitze des Nantai. Ihm fehlen die Begrenzungen, das Geborgene, das Kraft schenkt, um Besun zu erkennen.
Es ist nicht sein Planet. Noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben.
Er will nach Hause.
Kapitel 1
Der Regenschauer legte sich, tauchte die rotgoldenen Prachtbauten vor den Zedern und jahrhundertealten Tannen in mystischen Nebel. Dampf stieg vom Boden auf. Die Waldluft roch würzig und herb. Noch lag Ruhe über der Schreinanlage.
Shinichi trat unter dem Vordach hervor, näherte sich der Wand des heiligen Stalls. Jeden Morgen ging er zuerst zu dieser Wand, schaute auf das bunte Holzbild der Drei Affen, die dort nebeneinanderhockten. Der erste hielt sich die Ohren zu, der zweite den Mund und der dritte die Augen. Sie gemahnten, das menschlich Gute zu hören, zu sprechen und zu sehen – und nichts anderes.
In den Jahren hatte es viele Bildinterpretationen gegeben. Besonders der Westen hatte die Drei Affen nie richtig verstanden und bezeichnenderweise in ein »alles Schlechte nicht wahrhaben wollen« umgedeutet. Shinichi fand, dass das eine Menge über die ehemals westliche Welt aussagte.
Er selbst hatte auch eine Interpretation. Er mochte besonders die Vorstellung, dass mit dem menschlich Guten ursprünglich das Universelle gemeint war. Wenn man sich von Wertvorstellungen wie Gut und Böse verabschiedete und stattdessen auf das Wahre und das Unwahre schaute, blieben die Regeln und Gesetzmäßigkeiten des Universums.
Ein wahrer Mensch sagte eben »das Gute«, redete, hörte und tat es. Nicht, weil es »gut« war, sondern weil er damit die Wahrheit lebte.
»Versinkst du schon wieder in Philosophien?«, fragte Akina. Die Miko hatte sich in den Sandalen lautlos angeschlichen.
Shinichi war froh, dass sie wie alle Schreindienerinnen einen roten Hakama trug. Ohne den auffallenden Hosenrock hätte er sich wahrscheinlich jeden Tag über ihr plötzliches Auftauchen erschreckt. Vielleicht sollte er eine Tradition erfinden, die Glöckchen an den weiten Ärmeln der weißen Oberbekleidung vorschrieb.
»Ich liebe das Bild einfach«, rechtfertigte er sich. »Es ist einzigartig.«
»Das haben sich die Fantan auch gedacht.« Akina zog die Augenbrauen zusammen. Ihr Mund wurde heller, so fest presste sie die Lippen aufeinander.
Sie zeigte jedes Mal Ärger, wenn sie auf das Thema zu sprechen kamen. Die Fantan hatten bei ihrem Besuch auf der Erde vor weniger als einem Jahr die Originalschnitzerei herausgeschnitten und mitgenommen. Die nun aufgehängten Drei Affen waren eine detailgetreue Fälschung.
»Sie sind Fantan«, sagte Shinichi. »Außerirdische. Wir sollten verstehen, dass sie anders sind.«
Akina legte den Kopf schief. »Denkst du das wirklich? Die Drei Affen sind das Wahrzeichen Nikkōs! Warst du nicht in Tokio im Widerstand, als diese Schwabbelkleptomanen uns mit ihren Flundern überrollt haben?«
Unbehaglich hob Shinichi die Schultern. »Ja, war ich.«
Er dachte an die Zeit zurück, in der er gemeinsam mit seinem älteren Bruder in der Tokio-Wacht Jagd auf Fantan gemacht hatte. An die flunderförmigen Raumschiffe, die wie fliegende Untertassen über den Hochhäusern gestanden hatten. An die Bar, in die jeden Tag ein anderer Fantan hereinspazierte, um sich einen der handgeschnitzten Stühle mitzunehmen. An das Teehaus im Hamarikyu-Park, das von einem Traktorstrahl gehalten in der Luft unter einer Flunder schwebte. Eine Angestellte war noch darauf gewesen und hatte sich schreiend mit einem Sprung in den Teich gerettet.
Akina grinste. »Du bist sauer auf die Fantan, das sehe ich dir an. Du machst bloß immer auf abgeklärt und friedfertig. Aber wenn du einen vor dir hättest, würdest du auf ihn losgehen.«
Shinichi fühlte sich ertappt. Manchmal hatte er noch immer Albträume von der Tokio-Wacht-Zeit. Besonders der Schrei der Teehausangestellten, die mit wedelnden Armen in die Tiefe gestürzt war, hatte sich in seine Erinnerung gebrannt. Die Frau im schicken, schwarzen Kostüm hatte sich beim Aufprall im flachen Gewässer beide Beine gebrochen. »Zum Glück werde ich nie wieder einen sehen.«
»Sag das nicht.« Akina zupfte am Zopf auf ihrem Hinterkopf. Sie hielt die Haare traditionell zusammengebunden, wenn sie bei der Arbeit war. »Ich glaube, sie sind noch immer hier und verstecken sich, bis wir unachtsam werden. Ihre geheime Basis ist unten am Chuzenji-See. Sie bereiten da etwas vor.«
Shinichi verbarg seine Genervtheit hinter einem Lächeln. Irgendwann im Laufe der Jahre beim Verkaufen von Glück bringenden und Liebe fördernden Amuletten war Akinas Verstand Amok gelaufen. Wenn es nach der Miko ginge, hatte die Erde seit Perry Rhodans Flug zum Mond schon die zwanzigste geheim gehaltene Invasion hinter sich.
»Ja, sicher. Deshalb beobachten immer wieder Touristen, wie ein Fantan unter den Kegon-Fällen badet.«
»Du machst dich lustig«, beschwerte sich Akina. »Aber das solltest du nicht. Es geschehen seltsame Dinge. In Santiago de Chile gab es ein Unglück. Irgendwelche ominösen energetischen Entladungen, die ganze Viertel verwüstet haben. Und in Terrania heißt es, dass ein arkonidischer Reaktor Probleme macht. Sie überlegen sogar, die Stadt zu evakuieren. Ich glaube, die verheimlichen uns etwas.«
In Akinas Welt gingen ständig apokalyptische Dinge vor. Vermutlich war der Vorfall in Santiago de Chile ein harmloser Unfall gewesen, der bloß ein oder zwei Häuser betroffen hatte.
»Es geht bald los«, wechselte Shinichi das Thema.
Es war kurz vor acht. Shinichi hatte seine erste Führung um neun, trotzdem war er lieber vor Ort, als in der engen Unterkunft zu sitzen. Er genoss den Studienjob in der traumhaften Landschaft. Dank seiner guten Noten in Geschichte hatte er sich den begehrten Platz im Toshogu-Schrein ergattern können. Es war die perfekte Ergänzung, während er seine Abschlussarbeit schrieb. Dass Nikkō knapp hundertfünfzig Kilometer von seiner Heimatstadt Tokio entfernt lag, störte ihn wenig. Wozu gab es Elektroautos?
Sie gingen ein paar Meter, schauten vom Yomeimon-Gebäude auf den Aufgang zum Toshogu-Schrein hinunter. Eben war eine Busladung Schüler angekommen, von denen die Hälfte mehr mit ihren Pods beschäftigt war als mit dem historischen Grabmal von Ieyasu Tokugawa. Für die prachtvollen, goldroten Bauwerke hatten die Kinder kaum einen Blick übrig. Vermutlich zockten sie irgendwelche Spiele, in denen sie Perry Rhodan zu den Arkoniden begleiteten oder an seiner Stelle zum Mond flogen. In ihrem Alter wäre es Shinichi wahrscheinlich genauso gegangen.
Die Lehrer riefen die Kinder zusammen, stellten sie in einer Gruppe neben der reich verzierten, fünfstöckigen Pagode auf. Sicher ging der Vortrag über die zehn Zentimeter über dem Boden schwebende Hauptsäule zu einem Ohr rein und zum anderen wieder raus.
»Ich muss dann«, sagte Akina. »Die Pflicht. Kannst du Sachiko sagen, dass ich sie erst in zwei Stunden brauche? Sie ist oben beim Grabmal, und du wanderst doch eh in deinem Morgenritual da rauf, um dem ersten Ansturm zu entfliehen, oder?«
Shinichi lächelte. »Ja, gerne.« Er wollte ohnehin mit Sachiko reden. Eigentlich wollte er das schon seit Tagen, schob es aber vor sich her. Immer wenn er in Sachikos Nähe kam, fehlten ihm die Worte. Aber dieses Mal hatte er dank Akina bereits ein erstes Thema. Er würde über seinen Schatten springen und Sachiko auf einen Tee einladen. Oder auf ein Grünes-Tee-Eis. Sie liebte Eis aus grünem Tee. Wer nicht?
Schneller als sonst durchquerte er den inneren Bezirk, lief am mit Blattgold bedeckten, majestätischen Schreinhauptgebäude vorbei, durchquerte das Sakashitamon-Tor. Selten zuvor war es ihm so leichtgefallen, die steinernen Stufen hinaufzusteigen. Er brachte die ersten hundert hinter sich, ohne es recht zu bemerken.
Sachiko. Wie wundervoll es wäre, wenn sie »Ja« sagen würde. Sie wohnte wie Shinichi in Tokio, war wie er gekommen, um sich etwas Geld neben dem Studium dazuzuverdienen. Ihre Fächer waren Kunst und Gestaltung. Es passte perfekt. Er liebte es, wenn sie an Zeichnungen saß und dabei leise vor sich hin pfiff.
Im Geist erschien das grinsende Gesicht seines Bruders vor ihm: Du sprichst sie nie an, Kleiner. Nie! Riku war ganz anders als er. Ein echter Draufgänger. Er war es gewesen, der Shinichi damals überredet hatte, der Tokio-Wacht gegen die Fantan beizutreten.
Nach den nächsten hundert Stufen machte Shinichi eine kurze Pause. Er schaute hinauf zu den Wipfeln der Sicheltannen, die den Aufgang umgaben. Noch hatte sich der Nebel nicht ganz verzogen. Aber es war abzusehen, dass die Sonne hervorkommen würde.
Shinichi nahm den Rest des Aufstiegs in Angriff. Oben angekommen, wartete er, bis er nicht mehr außer Atem war. Er hörte Sachikos leises Pfeifen, ehe er sie sah. Die Melodie klang vergnügt.
Sachiko saß in der Nähe der Kranichstatue. Sie hatte einen Skizzenblock auf den Knien, zeichnete aber gerade nicht. Ein Bleistift lag neben ihr. Obwohl sie noch nicht arbeiten musste, trug sie wie üblich die Miko-Kleidung. Der hellrote Hakama war ein Fanal zwischen dem Grau des Mausoleums und dem Grün der Bäume.
Sobald sie ihn sah, lächelte sie und hörte zu pfeifen auf. »Shinichi! Was machst du hier oben?«
»Akina schickt mich. Sie braucht dich erst in zwei Stunden.«
»Okay, danke.«
Shinichi überlegte fieberhaft, worüber sie noch sprechen könnten. Der Gedanke, Sachiko direkt zu fragen, ob sie mit ihm ausgehen wolle, ließ ihm den Schweiß ausbrechen. Er dachte an sein Gespräch mit Akina zurück. Ein versteckter Fantan-Stützpunkt am Chuzenji-See? Nein. Verschwörungstheorien? Auf gar keinen Fall.
Darmowy fragment się skończył.








