Czytaj książkę: «Sturz der Verdammten: Gedichte»
Johannes Urzidil
Sturz der Verdammten: Gedichte

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2021
EAN 4064066112851
Inhaltsverzeichnis
I.
II.
III. (Chor der Pferde)
IV.
DER UNERLÖSTE SINGT ZUR NACHT
DER STÄDTER
DEM WAHNSINNIGEN
DEM ENTSCHWINDENDEN
BESEELUNG
LIED DES UNSTETEN
DER AUSSICHTSTURM
ERNEUERUNG
UNRUHE IN TIEFER NACHT
GEBET BEI ANBRUCH DES MORGENS
DIE HÄSSLICHE
VISION
DER KRANKEN FRAU
DER SCHAUSPIELERIN
TOTENKLAGE
BEGEGNUNG
ABGESANG
UNTERWELTLICHER PSALM
KREISENDE MASKE
KLAGELIED DURCH DIE SPHÄREN
KLAGE DES ERDGERECHTEN
MITTERNACHTSKANTATE AN ALLE VERLASSENEN
VERKÜNDIGUNG AN DIE KÖNIGE DER TAT
TODESGESANG
LIED DES ENTSPRUNGENEN (Aus der symphonischen Dichtung „Die Straße“)
INHALTSÜBERSICHT
I.
Inhaltsverzeichnis
Gott warf mich aus wie ein Kristall, ein Körnlein war ich schwebend in seinen Gewässern,
ich spannte Tiefe und Höhe, und Höhe und Tiefe schufen mein Angesicht.
Solch Angesicht schuf ich mir, daß ich es trage untröstlich und unwandelbar,
durch maßlos verwobene Vielfalt, daß ich es trage ewig und unwandelbar.
Du Fischer Gott, viel ist seither verflossen.
Kinder trug man in Särglein silbernen Holzes zur kühlen Erde.
An Deinen Angeln winde ich mich verhöhnt und höckerig,
umkränzte mich mit Wiese und Wald und Ebenmaß Deines Gelächters.
Woge, die mich zerschlug, Berg, darin ich erstickt, Frost, daran ich zerbarst
und ihr, Lüste und Schmerzen, Ja und Nein, daraus ich mich wob und wirkte,
ihr seid, ich aber bin nicht. — An Gottes Angeln
schwanke ich matt und verworfen, unwissend, was er mit mir fahe.
Er irrt, ein Gelächter, mir über die Fläche des Herzens,
er zehrt mir an Krippen der Seele und leert sie aus,
er schlägt sich als Atem leise an meine Spiegel,
er schreitet vorüber und hat weder Gruß noch Sinn.
Schwer ist und trostlos unwandelbaren Antlitzes zu sein,
zu verschäumen im Dunkel, zu verhallen in eigener Weite.
Finster schufen wir uns die Welt, erhaben, voll großer Geste.
Doch eh’mals in silbernen Barken war Süße und Licht.
II.
Inhaltsverzeichnis
Weh uns, weh der Schwere, Schwere schwer ohne Boden, ohne Rast,
weh uns, weh dem Sturze, unendlich entfielen wir Deiner Verneinung, Herr.
Grenze setztest Du, Tod und Verwandlung,
durch tausend Verwandlungen ewig stürzen wir totwärts ins Dunkel.
Unser Fall ist ab und auf, rechts und links, ohne Gegend, ohne Raum,
unser Maßloses hast Du zerrissen zu Vielfalt, verklebt in schmerzlichem Widerspiel,
unser einiger Strahl brach sich an Deinen Flächen und sonderte sich in schwirrende Weltensysteme.
Wehe, wer nimmt von uns Antlitz verzerrt und bresthaft,
Verfluchung unserer Schönheit, die sich aufbaut wie Hohngelächter eines anderen Gottes.
Verfelst sind wir gleich Erzadern in die Kurzatmigkeit Deiner Ordnung.
Mit Dir, Gott, Palisade, haben wir uns gegen uns umgürtet.
Siehe, es ist Frühling, bunter Frühling und alle Frauen werden schön.
Siehe, es ist fahle Herbstzeit und das Gewässer orgelt klagend im Haine.
Soweit ich mich weite in Unmaß der Mitternacht, die smaragden sich auftut:
Zerspalten bin ich in Du und Ich, in Sinn und Gebilde.
Dieses ist unser Sturz, den niemand von uns nimmt, der Sturz der Verdammten:
Gefesselt sind unsere Häupter an diese Scholle Ordnung, die lastend uns mitreißt.
Wissend zu sein, ward uns nicht, Unwissenheit ward uns nicht,
wie flackernder Pechkranz, geschleudert ins Dunkel versinkt unsre Seele.