Czytaj książkę: «der bauschaden Spezial Instandsetzung von Innen- und Außenputz»
Erwin Gierlinger
Ingrid Kaiser
Instandsetzung von Innen- und Außenputz
Schadensbild erfassen und beurteilen
Ursachen des vorliegenden Schadens feststellen
Innen- und Außenputz dauerhaft instand setzen
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Satz: mediaTEXT Jena GmbH, 07747 Jena
Druck: Druckerei & Verlag Steinmeier GmbH & Co. KG, 86738 Deiningen
Printed in Germany 2018
ISBN: 978-3-86586-973-9
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Vorwort
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Putzschäden, zunächst fast ausschließlich Risse, Ablösungen und vorzeitige Verwitterung, sind seit Jahrzehnten Thema von Fachveröffentlichungen, Diskussionen und Gutachten.
Putze wurden früher allein aus Erfahrung ent- und weiterentwickelt. Örtlich gegebene Vorkommen von Zuschlägen (heute Gesteinskörnungen) und Bindemitteln führten zu regional deutlich unterschiedlichen Mörtelmischungen und Putzarten. Die erste große Umstellung erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg, als der bis dahin vorwiegend als Bindemittel verwendete Sumpfkalk von Bindemittelgemischen aus gelöschtem Kalk, hochhydraulischem Kalk (Romankalk, PM-Binder) und Zement abgelöst wurde. Die bisherigen Erfahrungen der „gelernten Handwerker“ waren auf einmal nicht mehr ausreichend, diese Produkte entsprechend ihren Eigenschaften richtig anzuwenden.
Die zweite große Neuerung kam mit Einführung der Maschinentechnik. Beim Mischen und Putzauftrag wurden neue Rezepturen erforderlich. Vorrangiges Ziel war dabei zunächst, die Maschinengängigkeit mit geringem Maschinenverschleiß sicherzustellen. Die Hauptänderung, die die Mörteleigenschaften am stärksten veränderte, war die dazu erforderliche Verringerung des Größtkorndurchmessers. Zudem musste das Bindemittel früher nur die Zwickel zwischen den Gesteinskörnern ausfüllen, bei den modernen Werktrockenmörteln stellt die Bindemittelmatrix einen weit höheren Teil des Mörtelgefüges. Zusatzmittel wie Luftporenbildner, Verflüssiger, Wasserrückhaltemittel und viele andere wurden für die Verarbeitbarkeit erforderlich. Die Putzmörtel entwickelten sich zu einem für Verarbeiter und Gutachter nicht mehr aus der Erfahrung zu beurteilenden Produkt. Etwa gleichzeitig gab es beim Untergrund wesentliche Neuerungen. Großformatige Ziegel und unterschiedliche Dämmplatten wurden eingeführt. Während zu den grundsätzlichen physikalischen Eigenschaften moderner Mörtel schon viele Untersuchungen vorliegen, ist das Verhalten der Putzmörtel auf den unterschiedlichen Untergründen und bei verschiedenen Klimabedingungen während der Verarbeitung und Erhärtung nach wie vor zu wenig erforscht.
Neben Putzschäden wie Rissen, Abplatzungen oder Feuchtigkeitsschäden, die v. a. die Dauerhaftigkeit eines Putzes beeinträchtigen, sind auch die Putzmängel, die die Gebrauchstauglichkeit und die Optik beeinträchtigen (z. B. Unebenheiten, Strukturunterschiede, Verfärbungen, mechanische Empfindlichkeit) häufig Anlass von Beanstandungen und gerichtlichen Auseinandersetzungen. In diesem Buch werden die in der gutachterlichen Praxis am häufigsten vorgefundenen Putzschäden und Putzmängel beschrieben und beurteilt. Aus den Ursachenbeurteilungen werden Maßnahmen zur Schadens- oder Mangelvermeidung sowie Hilfen für eine fachgerechte Planung und Ausschreibung angegeben.
In den neuen europäischen Normen und den zugehörigen nationalen Ergänzungen wird großer Wert auf die Einbindung der Planung und das Zusammenwirken von Planer und Ausführendem gelegt. Das ist sehr zu begrüßen, da in der Vergangenheit dem Ausführendem oft die volle Verantwortung für Schäden oder Mängel zugeschrieben wurde, obwohl er mit immer neuen Produkten, teils ungeeigneten Verarbeitungsvorgaben sowie Baustellenbedingungen und Terminvorgaben konfrontiert wurde, die fachgerechte Putzausführungen erschwerten.
Neben den Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden und Mängeln werden in diesem Buch Verfahren oder Maßnahmen zur Instandsetzung vorgestellt. Tipps zu Möglichkeiten einer Konfliktlösung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer runden das Werk ab.
Über Anregungen und Anmerkungen unserer Leser würden wir uns freuen.
Erwin Gierlinger und Ingrid Kaiser, im Januar 2018
Die Autoren
Erwin Gierlinger
| • | öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Putz und Wärmedämmverbundsysteme |
| • | Ingenieurbüro Erwin Gierlinger, Sachverständigen-Büro für Bauschäden |
| • | Internet: www.ibgi.de |
| • | Autor des Vorworts sowie der Kapitel: „2 Erfassung und Untersuchung von Putzschäden“, „3 Schäden und Mängel an Innenputz“, „4 Schäden und Mängel an Außenputz“, „5 Schäden an Wärmedämm-Verbundsystemen“ sowie „Aktuelle Normung“ im Anhang „Literatur und Quellen“ |
Dipl.-Ing. Ingrid Kaiser
| • | Studium der Architektur, Vertiefung Baubetrieb, an der Gesamthochschule Essen |
| • | Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der Fachhochschule Bochum |
| • | ak architekturbüro kaiser in Bremen mit dem Schwerpunkt energieeffizientes Bauen (alle Leistungsphasen HOAI), Mitglied der Architektenkammer Bremen und des Bundes Deutscher Baumeister (BDB) |
| • | Energieberatung gemäß BAFA, Wertermittlungsgutachten |
| • | Seminare zu den Themenbereichen Architektur, Energieeffizienz, Hochbau, Projektmanagement, Immobilienwirtschaft, Facility Management |
| • | Internet: www.architekturbuero-kaiser.com |
| • | Autorin der Kapitel „1 Ausführung von Putz“ und „6 Putz im Außen- und Innenbereich dauerhaft instand setzen“ |
Gesamtinhaltsverzeichnis
Deckblatt
Impressum
Bedienung des E-Books
Vorwort
Die Autoren
Gesamtinhaltsverzeichnis
1 Ausführung von Putz
1.1 Putzarten
1.2 Vorbereitung des Putzgrunds
1.3 Entkopplung vom Untergrund
1.4 Verwendung von Putzträgern und Armierung
1.5 Unterputz
1.6 Oberputz
1.7 Beschichtungen
1.8 Spezialputze mit besonderen Eigenschaften
1.9 Besonderheiten beim Putzauftrag
1.10 Lebensdauer von Putzen und Beschichtungen
2 Erfassung und Untersuchung von Putzschäden
2.1 Genaue Begutachtung jedes Einzelfalls
2.2 Klassifizierung und Beurteilung von Rissen
2.3 Hinweise und Untersuchungen zur Ursachenfeststellung
3 Schäden und Mängel an Innenputz
3.1 Zu geringe Festigkeit
3.1.1 Schadensbilder
3.1.2 Untersuchungen
3.1.3 Ursachen und Vermeidung von Festigkeitsmängeln
3.1.4 Instandsetzung
3.2 Zu geringe Oberflächenfestigkeit
3.2.1 Schadensbilder
3.2.2 Ursachen
3.2.3 Untersuchungen und Beurteilung
3.2.4 Instandsetzung
3.3 Deckenputzablösungen
3.3.1 Schadensbilder
3.3.2 Ursachen
3.3.3 Untersuchungen
3.3.4 Instandsetzung
3.4 Hohllagen bei Wandputz
3.4.1 Schadensbilder
3.4.2 Ursachen
3.4.3 Untersuchungen und Beurteilung
3.4.4 Instandsetzung
3.5 Putztechnische Risse (Schwindrisse) bei Innenputz
3.5.1 Schadensbilder und Ursachen
3.5.2 Untersuchungen
3.5.3 Instandsetzung
3.6 Konstruktionsbedingte Innenputzrisse
3.6.1 Schadensbilder und Ursachen
3.6.2 Untersuchungen
3.6.3 Instandsetzung
3.7 Putzanschluss bei nicht tragenden Innenwänden
3.7.1 Schadensbilder
3.7.2 Ursachen und Beurteilung
3.8 Strukturmängel
3.8.1 Schadensbilder
3.8.2 Prüfung und Beurteilung
3.9 Aufwölbungen der Putzoberfläche
3.9.1 Schadensbilder
3.9.2 Ursachen und Beurteilung
3.9.3 Instandsetzung
3.10 Ebenheit und Abmaße
3.10.1 Schadensbilder
3.10.2 Untersuchungen
3.10.3 Beurteilungen
3.10.4 Instandsetzung
4 Schäden und Mängel an Außenputz
4.1 Rissbildung in Außenputz
4.2 Putztechnische Risse
4.2.1 Ursachen
4.2.2 Untersuchungen zur Feststellung der Rissursachen
4.2.3 Putzmörteleigenschaften und deren Einfluss auf die Rissgefahr
4.3 Ursachen von untergrund- und konstruktionsbedingten Rissen
4.4 Verwitterung, Algen und Schimmelpilzbefall
4.5 Ebenheit und Abmaße
4.6 Strukturmängel
4.6.1 Schadensbilder
4.6.2 Ursachen und Beurteilung
4.6.3 Vermeidung
4.6.4 Instandsetzung
4.7 Schäden im Sockelbereich
4.7.1 Schadensbilder
4.7.2 Stand der Technik
4.7.3 Ursachen und Untersuchungen
4.7.4 Instandsetzung
5 Schäden an Wärmedämm-Verbundsystemen
5.1 Risse
5.1.1 Untersuchungen
5.1.2 Mögliche Rissursachen
5.1.3 Fehlendes Gewebe
5.1.4 Falsche Lage des Gewebes
5.1.5 Zu schnelle witterungsbedingte Trocknung
5.1.6 Zu schnelle Trocknung bei Heizungsbetrieb und unzureichender Durchfeuchtungsschutz
5.1.7 Nicht ausreichende Trocknung von Dickschichtsystemen vor dem Oberputzauftrag
5.1.8 Dünnputzsystem bei ungeeigneter Witterung ausgeführt
5.1.9 Dünnputzsystem mit unzureichender Witterungsbeständigkeit
5.1.10 Bewitterung und unterlassene Instandhaltung
5.1.11 Holzständerbauwerke
5.2 Putzanschluss an Durchdringungen
5.3 Putzanschluss an Fensterbank-Bordprofile
5.4 Blechabdeckungen
5.4.1 Normative Anforderungen an Horizontalabdeckungen
5.4.2 Schadensursachen
5.5 Oberputzablösungen
5.6 Sockelputz
5.6.1 Schadensbilder
5.6.2 Schadensbilder an Sockel auf Abdichtungen
5.6.3 Instandsetzung
5.7 Ebenheit
5.8 Abzeichnung von Dübeln
5.8.1 Schadensbild und Ursache
5.8.2 Vermeidung und Instandsetzung
5.9 Abzeichnung von Fugen
5.9.1 Schadensbild und Ursachen
5.9.2 Instandsetzung
5.10 Algen- und Schimmelpilzbefall
5.10.1 Schadensbilder und Ursachen
5.10.2 Maßnahmen zur Verhinderung
5.10.3 Beurteilung bei Gewährleistungsfragen
6 Putz im Außen- und Innenbereich dauerhaft instand setzen
6.1 Rissinstandsetzung abhängig von der Rissart: Erneuerung, flächige Instandsetzung oder Instandsetzung von Einzelrissen?
6.2 Instandsetzung von Einzelrissen nach WTA-Merkblatt 2-4-14/D
6.2.1 Rissverschluss mit gefüllter Beschichtung (E1)
6.2.2 Starrer Rissverschluss mit Mörtel (E2)
6.2.3 Flexibler Rissverschluss mit Fugendichtstoff (E3)
6.2.4 Rissüberbrückung mit Trennlage und Putzträger (E4)
6.2.5 Dehnfuge mit Fugendichtstoff (E5)
6.2.6 Dehnfuge mit Profil (E6)
6.2.7 Zusammenfassung der Verfahren
6.3 Flächige Instandsetzung von Rissen nach WTA-Merkblatt 2-4-14/D
6.3.1 Organische Beschichtungssysteme (F1)
6.3.2 Rissfüllende Beschichtungssysteme (F2)
6.3.3 Rissfüllende Beschichtungssysteme für kalkreiche Putze (F3)
6.3.4 Mineralische Oberputze (F4)
6.3.5 Mineralischer Armierungsputz und mineralischer Oberputz (F5)
6.3.6 Organischer Armierungsputz und organischer Oberputz (F6)
6.3.7 Wärmedämm-Putzsysteme (F7)
6.3.8 Wärmedämm-Verbundsysteme (F8)
6.3.9 Zusammenfassung der Verfahren
6.4 Entfernen von Altputz und vorhandenen Beschichtungen
6.5 Putz auf Wärmedämm-Verbundsystemen
6.5.1 Anstrich/Beschichtung
6.5.2 Oberputz
6.5.3 Unterputz
6.5.4 Armierungsschicht
6.5.5 Dämmung als Putzträger
6.5.6 Aufdopplung
6.5.7 Komplettaustausch
6.5.8 Brandschutz bei WDV-Fassaden
6.5.9 Anschlüsse
6.6 Einsatzbereiche und Ausführung von Sanierputz
6.6.1 Putztechnische Risssanierung
6.6.2 Rissverpressung
6.6.3 Sanierputzsysteme
6.7 Geeignete Putze für erhöhte Raumluftfeuchte im Innenbereich
6.8 Einsatzbereiche und Ausführung von Dämmputz
6.8.1 Außenputz
6.8.2 Innenputz
6.9 Putze an historischen Gebäuden
6.9.1 Überblick der Putzarten nach Baualtersklassen
6.9.2 Kalk- und Kalk-Zement-Putz
6.9.3 Trassputz
6.9.4 Lehmputz
6.9.5 Fachwerk
6.9.6 Oberflächenstrukturen
6.9.7 Stuckprofile
6.10 Oberflächenschutzsysteme
6.10.1 Hydrophobierung und Oleophobierung
6.10.2 Algen- und Pilzprävention
6.10.3 Graffiti-Schutz
6.11 Reinigung von Putzoberflächen
6.11.1 Wasserreinigung
6.11.2 Sandstrahlen und Trockeneisstrahlen
6.11.3 Laserreinigung
6.12 Checklisten zur Instandsetzung von Putzflächen und Beschichtungen
6.12.1 Zusammenfassung der Bauaufnahme
6.12.2 Übersicht der Maßnahmen
Literatur und Quellen
Aktuelle Normung
Quellenverzeichnis
Stichwortverzeichnis
Weiterführende Informationen
1 Ausführung von Putz
1.1 Putzarten
Die generelle Unterteilung der Putze erfolgt nach den Bestandteilen in mineralische und organische Putzmörtel.
Mineralische Putze {Putz, mineralischer} nach DIN EN 998-1 sind gekennzeichnet durch Gesteinskörnungen und Füllstoffe wie Quarzsand, Gesteinsmehle, Ziegelsplitt und Kalkstein. Leichtputzen werden leichte natürliche Gesteinskörnungen, z. B. Blähton, Blähglas, Bims, Perlite, Kork, oder künstliche Bestandteile wie expandiertes Polystyrol (EPS) zugefügt. Die Bindemittel Kalk, Zement oder Gips bewirken die Diffusionsoffenheit, das heißt aufgenommene Feuchtigkeit trocknet schnell wieder ab. Durch den hohen pH-Wert ist eine gute Resistenz gegen Schimmel-, Moos- und Algenbefall gegeben. Zudem sind mineralische Putze in der Regel nicht brennbar (Baustoffklasse A1 gemäß DIN 4102-1). Allerdings benötigen sie längere Trocknungszeiten sowie farbige Putze einen Egalisationsanstrich als Farbschutz.
Organische Putze {Putz, organischer} nach DIN EN 15824 enthalten als Bindemittel neben Gips Kunstharz, Polymerdispersion oder Silikonharzemulsion, wodurch sie elastischer (Aufnahme von Verformungen des Untergrunds) und wasserabweisender sind; gleichzeitig sind sie durch bessere Haftungseigenschaften leichter aufzubringen und trocknen schneller als mineralische Putze. Als Gesteinskörnungen werden auch Glasmehl, Glasfaser oder Stroh eingesetzt. Wegen der geringeren Diffusionsoffenheit, die ein langsameres Abtrocknen nach Feuchteanfall bewirkt, ist zur Vermeidung von Pilz- und Algenbefall gegebenenfalls die Zugabe von Fungiziden und Algiziden erforderlich.
Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über die Klassifizierung {Klassifizierung} der Putze nach Bindemitteln und den jeweiligen Eigenschaften und Anwendungsbereichen.
| Bezeichnung | Norm | Hauptbindemittel | Druckfestigkeitsklasse | Anwendung |
| Kalkmörtel | DIN EN 998-1 | Luftkalk (Kalkhydrat) – CL | CS I | Innenputz, Denkmal |
| Hydraulischer Kalk – NHL/HL | CS I/II | Innenputz, Außenputz, Denkmal | ||
| Kalk-Zementmörtel | Baukalk (Kalkhydrat)Zement | CS II/III | Innenputz (Feuchträume), Außenputz (Sockel) | |
| Zementmörtel | Zement | CS III/IV | Innenputz (Feuchträume), Außenputz (Sockel, Kelleraußenwände) | |
| Gips-/Gips-Kalkmörtel | DIN EN 13279-1 | Calciumsulfat | B1 – B7 | Innenputz (Bäder und Küchen in Wohnungen) |
| Lehmmörtel | DIN 18947 | Lehm | S I/II | Innenputz (Bäder und Küchen in Wohnungen) |
Tab. 1: Mineralische Putzmörtel – Klassifizierung nach DIN 18550 (Quelle: Ingrid Kaiser)
| Bezeichnung | Norm | Hauptbindemittel | Wasseraufnahmekategorie | Anwendung |
| Silikatputz | DIN 15824 | Kali-Wasserglas, Polymerdispersion | W3, V1 | Innenputz, Außenputz |
| Kunstharzputz | Polymerdispersion | W3, V1 – V2 | ||
| Silikonharzputz | Silikonharzemulsion, Polymerdispersion | W3, V1 |
Tab. 2: Organische Putzmörtel – Klassifizierung nach DIN 18550 (Quelle: Ingrid Kaiser)
| Druckfestigkeitsklasse | Normdruckfestigkeit [N/mm2] | ||||
| Kurzzeichen | Bezeichnung | von | bis | ||
| CS I | Leichtputz (LW) Typ II | Wärmedämmputz | 0,4 | 2,5 | |
| CS II | Leichtputz (LW) Typ I | Normalputz (GP) | 1,5 | 5 | |
| CS III | 3,5 | 7,5 | |||
| CS IV | ≥ 6 | ||||
Tab. 3: Druckfestigkeitsklassen {Druckfestigkeitsklassen} für mineralische Putzmörtel gemäß DIN 998-1 (Quelle: Ingrid Kaiser)
| Druckfestigkeitsklasse | Normdruckfestigkeit [N/mm2] | Oberflächenhärte [N/mm2] | |
| Kurzzeichen | Bezeichnung | ||
| B1 | Gipsputz | ≥ 2,0 | – |
| B2 | gipshaltiger Putz | ||
| B3 | Gips-Kalkputz | ||
| B4 | Gipsleichtputz | ||
| B5 | gipshaltiger Leichtputz | ||
| B6 | Gips-Kalk-Leichtputz | ||
| B7 | Gipsputz mit erhöhter Oberflächenhärte | ≥ 6,0 | ≥ 2,5 |
Tab. 4: Druckfestigkeitsklassen und Oberflächenhärten für Gipstrockenmörtel nach DIN 13279-1 (Quelle: Ingrid Kaiser)
Bei der Auswahl des Putzes nach der Druckfestigkeit {Druckfestigkeit} spielen nicht nur die Mindest-, sondern auch die Höchstwerte eine Rolle, da die Verformungsfähigkeit des Putzes auf den Untergrund angepasst werden muss, um z. B. auf wärmedämmendem Mauerwerk das Rissrisiko zu begrenzen. Daher sind beispielsweise bei Hochlochziegeln (Rohdichteklasse ≥ 0,8) und Leichthochlochziegeln (Rohdichteklasse ≥ 0,6 oder Steindruckfestigkeitsklasse ≥ 6) Leicht- bzw. Dämmputze zu verwenden. Bei den übrigen Leichthochlochziegeln ist Leichtputz Typ I nur bedingt geeignet.
Die Trockenrohdichte {Trockenrohdichte} von Normalputzen liegt bei > 1.300 kg/m3, die von Leichtputzen (LW) Typ I zwischen 1.000 und 1.300 kg/m3 und die von Leichtputzen Typ II (auch: Faserleichtputz, Ultraleichtputz oder Superleichtputz) bei < 1.000 kg/m3. Leichtputze werden bei entsprechend wärmedämmendem Mauerwerk aufgebracht; Leichtputze Typ II weisen zudem eine höhere Elastizität und damit geringe Schwindverformung auf.
| Eigenschaft | Klasse | Anforderung kapillare Wasseraufnahme [kg/m2min0,5] |
| Feuchteschutz | W0 | – |
| W1 | ≤ 0,4 | |
| W2 | ≤ 0,2 | |
| Anforderung Wärmeleitfähigkeit λ [W/mK] | ||
| Wärmeschutz | T1 | ≤ 0,1 |
| T2 | ≤ 0,2 | |
Tab. 5: Weitere Putzeigenschaften gemäß DIN 998-1 (Quelle: Ingrid Kaiser)
Der Wasseraufnahmekoeffizient {Wasseraufnahmekoeffizient} bezeichnet die Wassersaugfähigkeit und gibt damit u. a. Auskunft über die Regenschutz-Eigenschaften von Außenputzen nach DIN 4108-3. Gemessen werden die Saugeigenschaften des Außenputzes durch den Wasseraufnahmekoeffizienten Ww (kg/m2h0,5), der die Wasseraufnahmemasse pro Quadratmeter und Stunde angibt. Gleichzeitig muss die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke sd (m) berücksichtigt werden. Es gelten gemäß DIN 4108-3 folgende Werte:
| Ww (kg/m2h0,5) | sd (m) | Ww * sd (kg/mh0,5) | Eigenschaft |
| > 2,0 | ./. | stark saugend | |
| ≤ 2,0/> 0,5 | ≤ 2,0 | keine Festlegung | wasserhemmend |
| ≤ 0,5 | ≤ 2,0 | ≤ 0,2 | wasserabweisend |
| ≤ 0,001 | ./. | wasserdicht | |
Tab. 6: Saugeigenschaften {Saugeigenschaften} nach DIN 4108-3 (Quelle: Ingrid Kaiser)
Weiterhin unterteilt die DIN 4108-3 die Anforderungen an den Schlagregenschutz {Schlagregenschutz} nach Lage im Bundesgebiet und Windbeanspruchung in drei Beanspruchungsstufen. Die Anforderungen der mitgeltenden Normen sind unterschiedlich definiert:
| Beanspruchungsgruppe | Kriterien | Anforderung Außenputz | ||
| DIN 4108-3 | DIN 998-1 | DIN 15824 | ||
| I (geringe Schlagregenbeanspruchung) | Gebiete mit Jahresniederschlagsmengen < 600 mm | keine | W0, W1, W2 | W1, W2, W3 |
| besonders windgeschützte Lagen auch in Gebieten mit größeren Niederschlagsmengen | ||||
| II (mittlere Schlagregenbeanspruchung) | Gebiete mit Jahresniederschlagsmengen 600 bis 800 mm | mindestens wasserhemmend, gemäß DIN EN 998-1 in Verbindung mit DIN 18550 | W1, W2 | W1, W2, W3 |
| windgeschützte Lagen auch in Gebieten mit größeren Niederschlagsmengen | ||||
| Hochhäuser oder Häuser in exponierter Lage in Gebieten mit geringer Schlagregenbeanspruchung | ||||
| III (starke Schlagregenbeanspruchung) | Gebiete mit Jahresniederschlagsmengen > 800 mm | mindestens wasserabweisend, gemäß DIN EN 998-1 in Verbindung mit DIN 18550 oder Kunstharzputz gemäß DIN 18558 | W2 | W2, W3 |
| windreiche Gebiete auch mit geringeren Niederschlagsmengen (z. B. Küstengebiete, Mittel- und Hochgebirgslagen, Alpenvorland) | ||||
| Hochhäuser oder Häuser in exponierter Lage in Gebieten mit mittlerer Schlagregenbeanspruchung | ||||
Tab. 7: Anforderungen an Außenputze nach Schlagregenbeanspruchung gemäß DIN 4108-3, DIN 998-1 und DIN 15824; die Kriterien nach DIN 998-1 und DIN 15824 gelten als erfüllt, wenn mindestens eine Lage/Beschichtung im System die Anforderungen erfüllt. (Quelle: Ingrid Kaiser)
Gipsbinder und Gips-Trockenmörtel werden gemäß DIN EN 13279-1 nach ihren Einsatzgebieten wie folgt eingeteilt:
| •C1 | Gips-Trockenmörtel für Formteile aus faserverstärktem Gips |
| •C2 | Gipsmörtel |
| •C3 | Gips-Trockenmörtel für Akustikputz |
| •C4 | Gips-Trockenmörtel für Wärmedämmputz |
| •C5 | Gips-Trockenmörtel für Brandschutzputz |
| •C6 | Gips-Trockenmörtel für Dünnlagenputz |
| •C7 | Gips-Flächenspachtel |
Nach dem Verwendungszweck sind die folgenden europaeinheitlichen Abkürzungen gemäß DIN 998-1 eingeführt:
| •Normalputz | GP (general purpose rendering/plastering mortar) |
| •Leichtputz | LW (lightweight rendering/plastering mortar) |
| •Einlagiger Außenputz | OC (one coat mortar) |
| •Edelputz | CR (coloured rendering mortar) |
| •Reparatur-/Sanierputz | R (renovation mortar) |
| •Wärmedämmputz | T (thermal insulating mortar) |
Eine weitere Einteilung der Putze erfolgt durch ihre Verwendung und die Schichtdicke. Dickschichtputze {Dickschichtputz} sind gekennzeichnet durch eine Dicke, die größer ist als die Stärke des Größtkorns der Gesteinskörnung. Zu den Dünn(lagen)putzen {Dünnputz} mit geringer Korngröße gehören Spritzputze, die meist maschinell als Spritzbewurf aufgebracht werden. Im Innenbereich finden Dünnputze mit einer Dicke von nur an einzelnen Stellen 3 mm und durchschnittlich 6 mm häufig Anwendung auf großformatigem, im Dünnbettverfahren versetztem Mauerwerk, Planelementen, Plansteinmauerwerk oder Ähnlichem. Durch die geringe Schichtdicke können hierbei jedoch feine Haarrisse auftreten, sodass sie in der Regel bei weiterer Beschichtung mit Tapeten eingesetzt werden. Anstriche können unter Umständen nach Aufbringen eines Malervlieses direkt auf den Dünnputz aufgebracht werden.
Bereits bei der Planung, z. B. von Sonderbauteilen wie Fensterleibungen, Stürzen und Zargen sowie Rollladenkästen, muss die geringe Putzdicke berücksichtigt werden. Leitungen müssen in Schächten verlegt werden, sie können nicht auf dem Mauerwerk angebracht werden.

Bild 1: Genereller Aufbau eines Außenputzsystems (Quelle: Ingrid Kaiser)
In Abhängigkeit vom Wandbildner, also des Untergrunds für das Putzsystem, müssen die einzelnen Baustoffe entsprechend ihrer Eigenschaften aufeinander abgestimmt werden.
| Untergrund | Vorbehandlung | Unterputz |
| Vollziegel | – | Normalputz, Leichtputz Typ I |
| Leichthochlochziegel | – | Leichtputz Typ I, Typ II |
| Kalksandstein | Vorspritzmörtel | Normalputz, Leichtputz Typ I |
| Porenbeton | – | Leichtputz Typ I, Typ II |
| Leichtbeton | – | Leichtputz Typ I, Typ II |
| Beton | Haftspachtelung | Normalputz |
| Polystyrol-Schalungsstein | Haftspachtelung | – |
| Holzwolle-Leichtbauplatten | Putzträger | Leichtputz Typ I, Typ II |
| Wärmedämmplatten | Haftspachtelung | Leichtputz Typ I, Typ II |
| Altputz ohne Schäden | gegebenenfalls Grundierung | Haftputz oder Armierungsmörtel |
| Ziegel ohne Schäden | – | Normalputz, Leichtputz Typ I |
| Bruchstein | Vorspritzmörtel | Normalputz, Leichtputz Typ I |
| Mischmauerwerk | Vorspritzmörtel | Leichtputz Typ I |
Tab. 8: Vorbehandlung und Unterputz für Außenputz nach Untergrund nach Sakret, „Putzsysteme für Alt- und Neubau“ (Quelle: Ingrid Kaiser)
| Untergrund | Mineralputz | Silikatputz | Silikonharzputz | Kunstharzputz |
| Vollziegel | x | x | x | x |
| Leichthochlochziegel | x | x | x | – |
| Kalksandstein | x | x | x | – |
| Porenbeton | x | x | x | – |
| Leichtbeton | x | x | x | – |
| Beton | x | x | x | x |
| Polystyrol-Schalungsstein | x | x | x | – |
| Holzwolle-Leichtbauplatten | x | x | x | – |
| Wärmedämmplatten | x | x | x | x |
| Altputz ohne Schäden | x | x | x | x |
| Ziegel ohne Schäden | x | x | x | x |
| Bruchstein | x | x | x | – |
| Mischmauerwerk | x | x | x | x |
Tab. 9: Oberputz als Außenputz nach Untergrund nach Sakret, „Putzsysteme für Alt- und Neubau“ (Quelle: Ingrid Kaiser)
Der Aufbau von Innenputzsystemen (Wand und Decke) ist analog zum Außenputz zu betrachten, gegebenenfalls entfallen einige Schichten.
| Untergrund | Vorbehandlung | Unterputz | Voranstrich | Oberputz |
| Mauerwerk | gegebenenfalls Grundierung | Normalputz, Leichtputz Typ I | Putzgrund | Mineralputz, Silikatputz, Kunstharzputz |
| Altputz ohne Schäden | Grundierung | Haftputz oder Armierungsmörtel | ||
| Gipskartonplatten | gegebenenfalls Grundierung | – |
Tab. 10: Innenputzsystem nach Untergrund nach Sakret, „Putzsysteme für Alt- und Neubau“ (Quelle: Ingrid Kaiser)
Gipsmörtel und gipshaltige Mörtel eignen sich ausschließlich für den Innenbereich.
Nach den Bindemitteln, Gesteinskörnungen und gegebenenfalls Zusatzstoffen und Vergütungen werden Putze wie folgt unterteilt und verwendet:
| Bezeichnung | Bestandteile | Eigenschaften | Verwendung |
| Kalkputz | Kalk | •fungizid•geringe Festigkeit•diffusionsoffen•hygrophob | InnenbereichAußenbereich: nur bei historischen Gebäuden |
| Luftkalkputz | Luftkalk | weniger hart als hydraulisch härtende Putze | Innenbereich: Feuchtegefährdung |
| Kalk-Zement-Putz | Kalk, Zement, gegebenenfalls Leichtzuschläge | •diffusionsoffen•druckfester als Kalkputz•feuchteunempfindlich•hygrophob | Innenbereich: auch FeuchträumeAußenbereich: auch Sockelbereich, Kelleraußenwände |
| Zementputz | Zement | •hygrophob•feuchteabsorbierend•leicht dämmend | Innenbereich: Unterputz für Fliesen (Dünnbett)Außenbereich: Sockel, Kelleraußenwände |
| Lehmputz | Lehm | •feuchteempfindlich•diffusionsoffen | Innenbereich: Ober- und Unterputz |
| Gipsputz | Gips, gegebenenfalls Kalk, Zement | feuchteempfindlich | Innenbereich: geglättet oder gerieben, als Untergrund für BekleidungenAußenbereich: nur ausnahmsweise bei historischen Gebäuden |
| Baumwollputz | Bauwollfasern, Zellulose, Füllstoffe | feuchteempfindlich | Innenbereich: gerieben oder als Kratzputz |
| Kunststoffputz | Acrylat oder Styrol-Acrylat | •geringe Rissgefährdung•schnelle Erhärtung•wenig diffusionsoffen•wenig temperaturbeständig | Innenbereich: Oberputz, besonders in stoßgefährdeten Bereichen (Treppenhäuser etc.)Außenbereich: Oberputz, auch bei WDVS, Sockelputz |
| Silikonharzputz | Silikonharzemulsion | je höher der Harzanteil, desto diffusionsoffener | Innenbereich: Oberputz, besonders in stoßgefährdeten Bereichen (Treppenhäuser etc.)Außenbereich: Oberputz, auch bei WDVS, Sockelputz |
Tab. 11: Putzeigenschaften und -verwendung nach Bestandteilen (Quelle: Ingrid Kaiser)
Normalerweise werden Putze als Werktrockenmörtel auf die Baustelle geliefert, in Silos nach Herstellerangaben gelagert und vor Ort durch Zugabe von Wasser zu verarbeitbarem Putzmörtel gemischt. Alternativ wird als direkt verarbeitbarer Putz Werkfrischmörtel geliefert. Werk- und Baustellenmörtel, die auf der Baustelle gemischt werden, sind wegen der hohen Anforderungen an das exakte Mischungsverhältnis zur Erreichung der erforderlichen Eigenschaft nicht empfehlenswert.
