Czytaj książkę: «Petersburg»

Czcionka:

Andrei Bely

Petersburg


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2021

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066116255

Inhaltsverzeichnis

Erstes Kapitel

Apollon Apollonowitsch Ableuchow

Nordost

Brief mit spanischer Marke

Der Wagen raste in den Nebel

Quadrate, Parallelepipede, Kuben

Der Bewohner der Inseln 2)

Und indem sie ihn erblickten, weiteten sie sich, begannen zu leuchten, zu glänzen . . .

Aber schweigen Sie doch! . . .

Ein Schreibtisch stand dort

Seltsame Eigenschaften

Unsere Rolle

Und dabei glänzte fettig sein Gesicht

Was für Kostümeur?

Feuchter Herbst

Im Arbeitszimmer eines hohen Verwaltungsamtes

Die kalten Finger

So geschieht’s immer

Zweites Kapitel

Tagesschau

Sofja Petrowna Lichutina

Die Besucher Sofja Petrownas

Der Offizier Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin

Der schlanke hübsche Trauzeuge

Der rote Narr

Gemeinheit, Gemeinheit, Gemeinheit

Ein ganz verräuchertes Gesicht

Die Zusammenstöße in den Straßen häuften sich

Es ruft mich mein geliebter Delwig

Inzwischen setzte sich die Unterhaltung fort

Wände — Schnee und nicht Wände

Eine Persönlichkeit

Die Flucht

Stjopka

Drittes Kapitel

Die Feier

Auf dem Meeting

Edel, schlank und blaß! . . .

Comt! — Comt! — Comt!

Tatam — tam — tam!

Es winselte ein toller Hund

Der zweite Raum des Senators

Viertes Kapitel

Der Sommergarten

Madame Farnoix

Ihre Schuhchen trippelten

Zu Ende getanzt

Der Ball

Als klagte jemand

Eine kleine vertrocknete Gestalt

Pompadour

Das Verhängnisvolle

Apollon Apollonowitsch

Der Skandal

Wie aber wenn . . .?

Der weiße Domino

Sie vergaß das, was war

Unruhe

Der Brief

Das Paket?!

Begleiter

Närrisch

Was weiter

Der Bürger

Fünftes Kapitel

Das Herrchen

Ein Gläschen Wodka!

Rettungslos verloren

Rot wie Feuer

Ein schlechtes Zeichen

Bleistiftpäckchen

Pépp, Péppowitsch, Pépp

Sechstes Kapitel

Er fand wieder den Faden seines Seins

Die Treppe

Er riß sich los und begann zu laufen

Die Straße

Die helfende Hand

Der Newskij-Prospekt

Die Offenbarung

Die Karyatide

Fort, fort, Tomy!

Häßlich . . .

Wieder war er da, der Traurige und Schlanke

Ein toter Strahl fiel durchs Fenster

Der Gast

Die Schere

Unermeßlichkeiten

Die Kraniche

Ich gehe einfach so . . . und störe niemand

Der Plan

Das Hohe Amt

Siebentes Kapitel

Kohlensäureoblaten

Ich weiß, was ich tue

Du wirst wie geistesgestört sein

Das Reptil

Höllische Finsternis

Der Privatmann

Die verunglückte Auseinandersetzung

Das kleine Patiencespiel

Das Schwanenlied

Achtes und letztes Kapitel

Erst aber . . .

Das Spielzeug

Die Diener wunderten sich

Eine einzige Sinnlosigkeit

Mama

Die Melone — ein Gemüse

Die kleine Uhr

Fußnoten

Erstes Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Apollon Apollonowitsch Ableuchow

Inhaltsverzeichnis

Apollon Apollonowitsch Ableuchow war von höchst würdiger Abstammung: er hatte Adam zum Vorfahren gehabt. Das war aber die Hauptsache nicht: viel wichtiger war, daß sein edelst geborener Ahne Sem gewesen war, also der eigentliche Ahnherr der semitischen, chetitischen und farbigen Völker.

Hier wollen wir aber zu den Vorfahren weniger ferner Epochen einen Übergang tun.

Diese Vorfahren lebten im kirgiskaijsakischen Hordenstaat, und von da aus trat Mirsa Ab-Lai, Ururgroßvater des Senators, der in der christlichen Taufe den Vornamen Andreij und den Rufnamen Uchow bekommen hatte, zur Regierungszeit Anna Joannownas ruhmvoll in den russischen Dienst ein. So berichtet über dieses Hervorgehen aus den Tiefen einer mongolischen Rasse des Russischen Reiches Wappenkalender. Dann wurde der Kürze wegen Ab-Lai-Uchow in Ableuchow verwandelt.

Dieser Ururgroßvater wurde, der Überlieferung nach, zum Urquell des ganzen Geschlechts.

Ein mit Goldtressen geschmückter, grauer Lakai staubte mit einem Federbusch den Schreibtisch ab; in der offenen Tür zeigte sich die Papiermütze des Kochs.

»Er ist schon auf, was?«

»Reibt sich mit Eau de Cologne ab, wird gleich zum Kaffee erscheinen.«

»Morgens sagte der Briefbote, für den gnädigen Herrn sei ein Briefchen aus Hispanien gekommen: mit hispanischer Marke.«

»Ich mache Sie aufmerksam: Sie sollten Ihre Nase weniger in die Briefsachen stecken.«

»Anna Petrowna ist also . . .«

»Na ja: also . . .«

»Aber ich — ich meine es nur so . . . Was bin ich: nichts . . .«

Des Kochs Kopf verschwand im Nu: Apollon Apollonowitsch Ableuchow schritt in sein Arbeitszimmer herein.

Ein auf dem Tisch liegender Bleistift fesselte die Aufmerksamkeit Apollon Apollonowitschs. Er faßte einen Beschluß: dem Ende des Bleistiftes eine spitze Form zu geben. Rasch näherte er sich dem Schreibtisch und griff nach . . . einem Briefbeschwerer, den er lange in tiefer Nachdenklichkeit in der Hand drehte, ehe er bemerkte, daß er einen Briefbeschwerer und nicht einen Bleistift in der Hand hielt.

Die Zerstreutheit kam daher, daß ein tiefer Gedanke ihn im selben Augenblick erleuchtete; und sogleich, zur ganz ungeeigneten Zeit (Apollon Apollonowitsch mußte eilig ins Amt), entwickelte sich der Gedanke zu einem fortlaufenden Gedankengang. In dem Tagebuch, das im Jahr seines Todes zu erscheinen hatte, war eine neue Seite dazugekommen.

Nachdem er den Gedankengang eilig aufgeschrieben, dachte Apollon Apollonowitsch: »Jetzt ist es Zeit in den Dienst.« Und er schritt weiter in das Speisezimmer, um seinen Kaffee zu sich zu nehmen.

Vorerst begann er mit peinlicher Beharrlichkeit den alten Kammerdiener auszuforschen:

»Ist Nikolai Apollonowitsch schon auf?«

»Nein, der junge Herr sind noch nicht aufgestanden.«

»Ä — ä . . . sagen Sie: wann eigentlich . . . sagen Sie, wann pflegt Nikolai Apollonowitsch sozusagen . . .«

»Ja, der junge Herr stehen ein wenig spät auf . . .«

»Na, wie denn, ein wenig spät?«

Und sogleich, ohne auf eine Antwort zu warten, schritt er, nachdem er einen Blick auf die Uhr geworfen hatte, weiter, um seinen Kaffee zu trinken.

Es war genau halb zehn.

Um zehn fuhr er, der Alte, ins Regierungsamt. Nikolai Apollonowitsch aber, der Jüngling, erhob sich aus dem Bett — zwei Stunden später. Jeden Morgen erkundigte sich der Senator nach der Aufstehzeit des Jüngeren. Und jeden Morgen faltete er unzufrieden das Gesicht.

Nikolai Apollonowitsch war des Senators Sohn.

Kurz, er war das Haupt eines Regierungsamtes . . .

Apollon Apollonowitsch Ableuchow zeichnete sich durch ruhmvolle Taten aus; mehr als ein Stern ist auf seine goldbestickte Brust niedergefallen: der Stern des Stanislaus und der Anna sogar: sogar der Stern des Weißen Adlers.

Und vor kurzem erglänzten an dem Wohnsitz patriotischer Gefühle die Strahlen des Diamantzeichens, nämlich: das Ordenszeichen — des Alexander Newski.

Wie war nun die gesellschaftliche Stellung der aus dem Nichts hier ins Leben gerufenen Persönlichkeit?

Ganz Rußland kannte Ableuchow wegen der ungemeinen Länge der von ihm gehaltenen Reden; diese Reden glänzten und spritzten geräuschlos Gifte auf die feindliche Partei; das Resultat dessen war, daß die Anträge dieser feindlichen Partei an den Stellen, auf die es ankam, abgelehnt zu werden pflegten. Mit der Einsetzung Ableuchows auf den verantwortlichen Posten hörte die Tätigkeit des neunten Departements auf. Gegen dieses Departement führte Ableuchow einen zähen Kampf auf dem Wege des Papiers oder, wo es anging, durch Reden. Die Reden des Senators durchflogen Kreise und Gouvernements, von denen manche ihrer Ausdehnung nach dem Deutschen Reich nicht nachstanden.

Apollon Apollonowitsch war das Haupt eines Regierungsamtes.

Eines Regierungsamtes, das Ihnen wohl bekannt ist.

Wollte man die saftlose, gänzlich unansehnliche, kleine Gestalt meines Helden mit der unermeßlichen Größe der von ihm betriebenen Mechanismen vergleichen — man würde wohl für lange Zeit in naives Staunen verfallen; und in der Tat: es staunten ausnahmslos alle über den Wettersturz geistiger Kräfte, der aus diesem Schädel — ganz Rußland und allen Departements, mit Ausnahme eines einzigen, zum Trotz — hervorgebrochen war; und nun ruhte das Haupt jenes einzigen Departements, dem Willen des Schicksals gehorchend, seit zwei Jahren unter des Grabes Stein.

Mein Senator war gerade achtundsechzig alt geworden; und sein Gesicht, das blasse, erinnerte bald an den grauen Briefbeschwerer (in feierlichen Augenblicken), bald an Papiermaché (in Mußestunden); die steinernen Senatoraugen, umgeben von schwarz-grünem Graben, schienen in Momenten der Müdigkeit noch blauer und riesenhafter.

Unsererseits fügen wir hinzu: Apollon Apollonowitsch regte sich beim Anblick seiner vollständig grünen, auf dem blutroten Fond des brennenden Rußland ungeheuer vergrößerten Ohren keinesfalls auf. So war er nämlich vor kurzem abgebildet: auf dem Titelblatt einer humoristischen Gassenrevue, eines der »judaischen« Blättchen, deren blutrote Umschläge in jenen Tagen sich auf den menschenwimmelnden Straßen mit erstaunlicher Raschheit vermehrten . . .

Nordost

Inhaltsverzeichnis

Im eichenen Speisezimmer erklang das Keuchen der Uhr; der graue Kuckuck stieß, sich verneigend und zischend, seinen Ruf aus; auf das Zeichen des altertümlichen Kuckucks nahm Apollon Apollonowitsch vor der Porzellantasse Platz und brach knusperige Stückchen vom Weißbrot ab. Beim Kaffee dachte Apollon Apollonowitsch an die früheren Jahre zurück; und — sogar, ja sogar — leicht zu scherzen pflegte er beim Kaffee:

»Wer ist der Würdigste unter allen Menschen, Ssemjonytsch?«

»Ich denke mir, Apollon Apollonowitsch, der Würdigste unter allen wird der Geheime Wirkliche Rat sein.«

Apollon Apollonowitsch lächelte nur mit den Lippen.

»Sie denken nicht richtig: Der Würdigste unter allen ist der Kaminkehrer . . .«

Der Kammerdiener kannte bereits den Scherz, doch die Ehrfurcht gebot Schweigen darüber.

»Warum, gnädiger Herr, wenn ich fragen darf, dem Kaminkehrer diese Ehre?«

»Vor dem Wirklichen Geheimen Rat weicht man aus, Ssemjonytsch?«

»Ich denke — so ist’s, Exzellenz . . .«

»Der Kaminkehrer . . . vor ihm weicht selbst der Wirkliche Geheime Rat aus, denn: er beschmutzt, der Kaminkehrer.«

»So ist also die Sache«, meinte ehrfurchtsvoll der Kammerdiener.

»So ist es; aber es gibt ein Amt, das noch würdiger ist . . .« Und gleich darauf:

»Das eines Wasserklosettarbeiters . . .«

»Pff! . . .«

»Vor diesem weicht nicht nur der Wirkliche Geheime Rat, sondern selbst der Kaminkehrer aus . . .«

Und — einen Schluck Kaffee. Wir bemerken aber: Apollon Apollonowitsch war ja selbst Wirklicher Geheimer Rat.

»Ja, Apollon Apollonowitsch, auch das noch: Anna Petrowna erzählte einmal . . .«

Bei den Worten »Anna Petrowna« brach der grauhaarige Kammerdiener ab.

»Den grauen Mantel?«

»Den grauen Mantel.«

»Ich denke, auch die grauen Handschuhe?«

»Nein, geben Sie mir die Wildlederhandschuhe . . .«

»Geruhen Exzellenz einen Augenblick zu warten: die grauen Handschuhe haben wir ja im Schrank, Fach C, Nordwest.«

Nur ein einziges Mal ging Apollon Apollonowitsch in die Kleinigkeiten des Lebens ein: er führte einmal eine Revision seines Inventars durch. Ordnungsmäßig war das Inventar registriert und eine Nomenklatur der großen und kleinen Fächer eingeführt; es entstanden Fächer mit Lettern: a, b, c, und die vier Seiten der Fächer bekamen die Bezeichnung der vier Weltgegenden.

Wenn er eine Brille auf den Platz gelegt hat, notierte Apollon Apollonowitsch auf seiner Liste mit kleiner, perlenartiger Schrift: Brille—Fach b, NO, d. h. Nordost; eine Kopie dieser Liste bekam der Kammerdiener, der die Richtungen der kostbaren Toilettengegenstände auswendig gelernt hat; fehlerlos skandierte er nachts in schlaflosen Stunden diese Richtungen herunter.

Brief mit spanischer Marke

Inhaltsverzeichnis

Auf dem Tisch erhob sich eine kalte, langbeinige Bronze; des Lampenschirms rosig-violette Farbe schimmerte nicht: verloren hat das neunzehnte Jahrhundert das Geheimnis dieser Farbe; das Glas dunkelte ab von der Zeit, und ebenso die feine Zeichnung.

Die goldenen Trumeaus zwischen den Fenstern verschlangen überall mit dem Grün ihrer Spiegelflächen den Salon; Perlmuttertischchen schimmerten neben jedem Trumeau.

Sich mit der Hand auf die fein geschliffene Kristallklinke stützend, öffnete Apollon Apollonowitsch rasch die Tür; seine Schritte hallten auf dem glänzenden Parkett; überall an allen Ecken standen Haufen kleiner Nippsachen aus Porzellan; diese Nippsachen brachten sie mit aus Venedig, er und Anna Petrowna, vor — vor nun dreißig Jahren.

Seine Augen glitten zum Klavier hinüber.

Apollon Apollonowitsch erinnerte sich: eine weiße Petersburger Nacht; hinter den Fenstern ein breiter Fluß; der Mond stand oben, und es rauschte eine Roulade von Chopin: ja, er weiß es noch; Chopin (nicht Schumann) hatte Anna Petrowna gespielt . . .

Apollon Apollonowitsch ließ sich in einen Empiresessel nieder, wo auf dem blaßblauen Atlas des Sitzes Kränzchen sich wanden, seine Hand griff nach dem chinesischen kleinen Tablett, auf dem ein Paket uneröffneter Briefe lag; sein kahler Kopf neigte sich über die Briefe. In Erwartung des Kammerdieners mit der Meldung: »Der Wagen wartet« vertiefte er sich in die Morgenpost.

Die Kuverte wurden erbrochen, eins nach dem anderen.

»Hm . . . So—o, so—o— so—o: schön . . .«

Und eines der Kuverte wurde sorgfältig eingesteckt.

»Hm . . . Bittgesuch . . .«

»Bittgesuch, Bittgesuch . . .«

Ein Umschlag aus massivem grauen Papier, versiegelt, mit Wappenzeichen, ohne Marke, mit Siegellackpetschaft.

»Hm . . . Graf Dublwe . . . Was mag’s wohl sein? Bittet, im Bureau zu empfangen . . . Persönliche Angelegenheit . . .«

»Hm . . . Aha! . . .«

Graf Dublwe, das jetzige Oberhaupt des neunten Departements, war der Gegner des Senators.

Weiter . . . Ein blaßrotes Miniaturkuvert; die Hand des Senators erbebte, Anna Petrownas Schrift; er besah sich die spanische Marke, brach aber das Kuvert nicht auf:

»Hm . . . Geld? . . .«

»Geld war ja abgeschickt?«

»Es wird geschickt werden!! . . .«

»Hm . . . notieren . . .«

In der Meinung, einen Bleistift aus der Tasche gezogen zu haben, hielt er ein beinernes Nagelbürstchen in der Hand und wollte gerade die Notiz: »Zurücksenden« machen, als . . .

»— ? . . .«

»Der Wagen wartet . . .«

Apollon Apollonowitsch hob den kahlen Kopf und schritt hinaus aus dem Zimmer.

An den Wänden hingen Bilder, deren ölig schimmernde Leinwand nur mit Mühe Französinnen unterscheiden ließ, die wie Griechinnen aussahen, in engen Direktoire-Tuniken und riesenhohen Frisuren.

Über dem Klavier hing eine verkleinerte Kopie des Bildes von David: »Distribution des aigles par Napoléon premier.«

Kalt war die Pracht des Salons wegen des vollständigen Mangels an Teppichen; der Parkettboden glänzte; würde ihn die Sonne einen Augenblick bescheinen, die Augen würden von selbst sich geschlossen haben. Kalt war dieses Gastzimmers Gastfreundschaft.

Senator Ableuchow aber hat diese Kälte zum Prinzip erhoben.

Sie prägte sich: im Wirt, in den Bronzen, in den Dienern, selbst in der tigerähnlichen, dunkelfarbigen Bulldogge, die irgendwo in der Nähe der Küche lebte.

Mit der Abreise Anna Petrownas verstummte der Salon; der Deckel des Klaviers klappte zu, keine Roulade erklang mehr.

Ja, was Anna Petrowna betrifft — oder einfacher gesagt, was den Brief aus Spanien betrifft: kaum war Apollon Apollonowitsch hinausgeschritten, begannen zwei Lakaien miteinander zu plappern:

»Er las den Brief nicht . . .«

»I wo: fällt ihm nicht ein, ihn zu lesen . . .«

»Wird er ihn zurückschicken?«

»Wahrscheinlich ja.«

»So ein Stein von einem Menschen, Gott sei mir gnädig.«

»Ich will Ihnen was sagen: Sie sollten delikater in Ihren Ausdrücken sein.«

Während Apollon Apollonowitsch ins Vorzimmer schritt, sah der grauhaarige Kammerdiener, ebenfalls hinschreitend, zu den würdigen Ohren empor und drückte in der Hand seine Tabakdose — ein Geschenk des Ministers.

Apollon Apollonowitsch blieb auf der Treppe stehen und suchte nach einem Wort.

»Mm . . . hören Sie . . .«

»Exzellenz?«

Apollon Apollonowitsch suchte nach einem passenden Wort.

»Was im allgemeinen — ja — macht . . . macht . . .«

»—? . . .«

»Nikolai Apollonowitsch.«

»Nichts weiter, Apollon Apollonowitsch, der junge Herr befinden sich wohl.«

»Und sonst?«

»Wie immer: Der junge Herr geruhen sich einzusperren, lesen Bücher.«

»Auch Bücher?«

»Dann promenieren der junge Herr durch die Zimmer.«

»Promenieren — ja, ja . . . Und . . . Und? Wie?«

»Der junge Herr promenieren . . . im Schlafrock . . .«

»Lesen, promenieren . . . So. Weiter?«

»Gestern erwarteten der junge Herr . . .«

»Erwarteten — wen?«

»Den Kostümeur . . .«

»Was für einen Kostümeur?«

»Den Kostümeur.«

»Hm — hm . . . Wozu denn eigentlich?«

»Ich denke mir, der junge Herr wollten zu einem Ball . . .«

»Aha — so . . . zu einem Ball . . .« Apollon Apollonowitsch rieb sich an der Nasenwurzel: ein Lächeln erhellte sein Gesicht, es wurde plötzlich greisenhaft.

Apollon Apollonowitsch nahm seinen Zylinder und schritt durch die geöffnete Tür.

Der Wagen raste in den Nebel

Inhaltsverzeichnis

Reif lag auf den Straßen, Trottoiren und Dächern. Reif bedeckte die Passanten; beschenkte sie mit Grippe; zugleich mit dem feinen Regenstaub kroch Influenza und Grippe hinter die aufgeschlagenen Kragen der Gymnasiasten, Studenten, Staatsbeamten, Offiziere und der gewöhnlichen Subjekte; und das Subjekt (der Bürger sozusagen) sah sich geängstigt um; er sah in die graue, abgeschlissene Straße; er zirkulierte durch die Endlosigkeit der Straßen, überwand, ohne Murren, diese Endlosigkeit, im endlosen Fluß ebensolcher Subjekte wie er, unter dem Rennen, Rasseln, Klappern der Droschken, fern von sich die melodischen Stimmen der Automobilrouladen und des anwachsenden Geräusches (das dann allmählich wieder verhallte) der gelbroten Trambahnen, unter ununterbrochenem Rufen der Zeitungsverkäufer.

An diesem düsteren Petersburger Morgen flogen die schweren Flügeltüren des prunkvollen gelben Hauses auf: das gelbe Haus blickte mit all seinen Fenstern auf die Newa. Ein Lakai mit rasiertem Gesicht, mit Goldtressen an den Reversen, sprang aus dem Entresol hervor, um dem Kutscher ein Zeichen zu geben. Die grauen, scheckigen Pferde zogen an und rollten zum Vestibül den Wagen heran, der ein altes Adelswappen trug: ein Einhorn, einen Ritter durchbohrend.

Als Apollon Apollonowitsch Ableuchow in grauem Mantel und Zylinder mit steinernem, einem Briefbeschwerer ähnlichem Gesicht, im Gehen den schwarzen Wildlederhandschuh anziehend, rasch im Vestibül erschien und noch rascher die Wagenstufe betrat, wurde der Gesichtsausdruck eines gerade vorübergehenden braven Polizisten im Nu noch dümmer, und er streckte sich starr in Positur.

Apollon Apollonowitsch Ableuchow warf einen flüchtigen, verlorenen Blick auf den Polizisten, auf den Wagen, den Kutscher, auf die große schwarze Brücke, auf den Newaspiegel, hinter dem sich neblige, vielschlotige Fernen zeichneten und von wo her ängstlich die Wassiljewski-Insel hervorblickte.

Der graue Lakai schlug eilig die Wagentür zu. Der Wagen rannte in den Nebel hinein: der zufällig vorübergehende Polizist, erschüttert von allem Gesehenen, blickte lange, lange über die Schulter in den schmutziggrauen Nebel dem fortgerasten Wagen nach; dann seufzte er und ging weiter; bald verschwanden im Nebel auch die Schultern des Polizisten wie alle Schultern, Rücken, alle grauen Gesichter und alle schwarzen, nassen Regenschirme in diesem Nebel verschwanden. In dieselbe Richtung warf auch der würdige Lakai einen Blick; er blickte dann nach rechts, nach links, auf die Brücke, zuletzt auf die weite Fläche der Newa . . .

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Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
18 stycznia 2025
Objętość:
490 str. 1 ilustracja
ISBN:
4064066116255
Wydawca:
Tłumacz:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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