Czytaj książkę: «Herzogs Höhenflug»

Czcionka:

Wolfgang Sréter

Herzogs Höhenflüge


Impressum

eBook-Ausgabe 2021

© lichtung verlag GmbH

94234 Viechtach Bahnhofsplatz 2a

www.lichtung-verlag.de

Fotos Umschlag und innen: Wolfgang Sréter

eBook ISBN 978-3-941306-46-2

Alle Rechte vorbehalten.

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Die gedruckte Ausgabe ist in der edition lichtung erschienen:

1. Auflage 2021

© lichtung verlag GmbH

ISBN 978-3-941306-44-8

Herausgegeben mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Ausführliche Informationen über unsere Autoren und Bücher finden Sie unter www.lichtung-verlag.de.

Inhalt

Slawische Tänze

Das Tor zum Himmlischen Frieden

Bar oder Karte

Mandarin Oriental

Eldorado

Die Witwe

Die Geliebte

Das unheilige Land

Zu spät

Eine Theaterleiche

Sehnsucht nach Whiskey

Affen und Buddhas

Der Sprung

Gefährliche Schüsse

Dank des Autors

Wir brauchen Retter, die uns helfen, die Reise zu überstehen

Jim Morrison


Slawische Tänze

Herzog war zufrieden. Gerade war er aus der U-Bahn am Odeonsplatz gestiegen. Die Rolltreppe brachte ihn einen Stock höher. Bevor er die nächste Treppe nahm, ging er auf das Schaufenster eines Möbelgeschäfts zu, in dem ein Spiegel hing. Er betrachtete sich.

Können Sie den Mann beschreiben? – Naja. – Das Alter? – Etwa um die dreißig? … vielleicht auch jünger … oder nein, doch ein wenig älter. – Größe? – Ich würde sagen eins fünfundsiebzig … er kann aber auch kleiner sein. – So groß wie Sie? – (zögernd) Ja. – Dick oder dünn? – So mittel. – Haarfarbe? Blond, schwarz, brünett? Grün? – Also ich bitte Sie, grün! Schwarz auf keinen Fall, aber blond auch nicht! Er könnte dunkelblond gewesen sein. – Wie war er denn gekleidet? – Jacke, Hose, unauffällig, ja auf jeden Fall unauffällig! Gedeckte Farben. – Würden Sie den Mann bei einer Gegenüberstellung wiedererkennen? – Ich hoffe. – (mit Ungeduld in der Stimme) Und Sie sind sicher, dass es sich um ein männliches Wesen gehandelt hat? – Meinen Sie, es könnte auch eine Frau mit kurzen Haaren gewesen sein? – Ich war nicht dabei!

So muss man sein, dachte Herzog im Weitergehen, wenn man bei seiner Tätigkeit erfolgreich sein will. Unauffällig! So unauffällig wie nur irgend möglich. Es war ihm gelungen, eine Eigenschaft, unter der er als Teenager gelitten hatte, in seinen Vorteil zu wenden. Er betrat den Hofgarten und ging mit anderen Besucherinnen und Besuchern auf den Herkulessaal zu. Vor dem Eingang unter den Arkaden spielte ein Petersburger Bläserquintett. Herzog ließ wie immer zwei Euro in einen offenen Instrumentenkasten fallen. Er war überzeugt, es würde Glück bringen. Einer der Musiker unterbrach sein Spiel und trat auf ihn zu. Er flüsterte mit einem starken Akzent: „Ich wünsche, dass Ihnen der Tod so fern ist wie die Armut, mein Herr!“

Am Buffet im Foyer der Münchner Residenz holte er sich zwei mit Lachs belegte Brötchen, stellte sich an einen der Bistrotische am Fenster und beobachtete die Menschen. Durchwegs ältere Semester, wie sein Onkel Eugen gesagt hätte, in aufgeräumter Stimmung. Dazwischen Studentinnen der nahen Musikakademie und eine Gruppe Kritiker mit zerfurchter Stirn und ernster Miene. Wahrscheinlich hatten sie Dvořáks Slawische Tänze schon oft gehört und kamen nur wegen der Prager Philharmoniker, die in München selten gastierten. Und wehe, der Dirigent hatte einen schlechten Tag oder erlaubte sich ungewöhnliche Interpretationen. Vernichtende Strenge der Herren mit den Schreibblocks und den Kugelschreibern würde ihn treffen. Herzog las manchmal am nächsten Tag die Kritiken und wunderte sich, was er alles nicht gehört hatte.

Plötzlich wurde seine ganze Aufmerksamkeit von einem Paar angezogen, das mit großem Auftritt angerauscht kam. Der Mann, einen Kopf kleiner als seine Begleiterin und um einige Jahre älter, versuchte mit ihren ausladenden Schritten mitzuhalten. Das war nicht leicht, denn er trug zwei große Tüten mit der Aufschrift einer italienischen Modefirma, die für ihren Hang zu Glamour, Gier und letztlich auch Mord bekannt war. Die Tüten mussten Wertvolles enthalten, da man sie nicht in der Garderobe lassen wollte. Offensichtlich kamen die beiden direkt aus der Maximilianstraße, wo sie sich der schwierigen Aufgabe gestellt hatten, Neues aus der Winterkollektion zu erstehen und, gemäß dem Slogan der Firma, Schönes in die Welt zu bringen. Eine Schönheit, die einzig und allein in der Brieftasche des Betrachters lag. Am Eingang zum Konzertsaal kam es zu einem Disput mit den Ordnern, die Tüten einer solchen Größe in einem Klavierkonzert nicht akzeptieren wollten. Die Dame, mit den Eintrittskarten wedelnd, setzte sich durch, und triumphierend steuerte sie ihren Sitzplatz im Parkett an. „Kreditkartentypen“ dachte Herzog. Uninteressant für einen wie ihn. Er sollte sich täuschen.

Beim zweiten Läuten nahm auch Herzog seinen Platz auf der Empore ein. Diese Plätze hatten den Vorteil, dass man das Parkett beobachten und bei vielen Konzerten ein oder zwei Sitze vom Nachbarn abrücken konnte. Er kam an diesem Abend natürlich nicht wegen der Slawischen Tänze, aber er konnte durchaus die Konzerte genießen, die er besuchte. Schon der erste Tanz riss ihn mit fort. Warum war man im Musikunterricht mit der Schwere Beethovens traktiert worden, wenn es klassische Musik gab, aus der Lebensfreude, Leichtigkeit und Zartheit geradezu heraussprangen? Der Schwung der Komposition schien auch in den Dirigenten in seinem Frack gefahren zu sein, denn er ruderte vor seinem Orchester herum, als müsste er die Geigen, Oboen, Querflöten, Trompeten und Posaunen geradezu vor sich hertreiben. Der zweite Tanz war zunächst schwermütig und getragen, ging aber am Ende in eine hüpfende Walzermelodie über. Der dritte Tanz begann mit den Bläsern, fast wie auf einem der Volksfeste, die Onkel Eugen gern mit ihm besucht hatte und auf denen er ein begehrter Polkatänzer gewesen war.

Das Publikum nahm die Beschwingtheit mit in die Pause. Selbst das Gedränge am Buffet kam Herzog weniger aufgeladen vor als an anderen Abenden. Wie durch Zufall wurde er hinter den Herrn geschoben, der noch immer die beiden Tüten zu bewachen hatte. Seine Begleiterin bestellte gerade. Der Herr ließ die beiden Tüten sinken und holte ein Bündel Banknoten in einer Geldklammer aus der Jackentasche. Herzog hörte:

„Nix da, Schatz! Du hast die Karten bezahlt, der Prosecco geht auf meine Rechnung“, dann um einige Grade schärfer, „und stell mir nix auf den Boden!“

Sofort verschwand das Geld in der Jackentasche und der Schatz nahm die beiden Tüten wieder auf. Er hielt sie vorsichtig ein wenig vom Körper ab, als hätte er Angst, es könnte etwas zerbrechen. Aufgesetzte Jackentaschen ohne Klappen, schon ein wenig ausgebeult, waren wie geeignet für einen schnellen Erfolg. Herzog stellt sich ganz nah an den Mann und hatte im Bruchteil einer Sekunde die Scheine verdeckt in seiner Hand. Freundlich ließ er dem hinter ihm Stehenden den Vortritt und ging auf die Toilette. Er hatte sich wirklich getäuscht, denn er war um siebenhundertdreißig Euro reicher, ohne dass er es darauf angelegt hatte. Er verstaute das Geld in einer versteckten Jackentasche. Nicht nur die Musik war an diesem Abend ausgezeichnet!

Solches Glück hatte er nicht immer. Nun hätte Herzog das Konzert verlassen können. Es wäre allerdings unvorsichtig gewesen, in der Pause an den Garderobenfrauen vorbeizugehen. Nicht aufzufallen war das Wichtigste. Er blieb auch im zweiten Teil des Konzerts auf seinem geschützten Platz auf der Empore und verließ am Schluss das Gebäude durch den Hintereingang, Richtung Residenzstraße. Man musste seine Einnahmequellen schützen. Er wäre nicht erfreut gewesen, wenn er eines Tages am Eingang ein Schild gesehen hätte: Achten Sie bitte auf Ihre Wertsachen!

Herzog zahlte das Geld noch am selben Abend an einem Bankautomaten ein. Er besaß drei Konten. Ein offizielles, von dem auch seine Krankenkasse und die Miete abgebucht wurden, ein zweites, von dem er jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag auf das offizielle überwies, als würde er ein Gehalt beziehen, und ein drittes, das seine Reserve darstellte und das er nur anrührte, wenn es eine Durststrecke gab. Kontenmäßig war er ein junger Mann mit bürgerlichem Anstrich.


Das Tor zum Himmlischen Frieden

Am nächsten Tag ging Herzog die Treppe zur Wohnung eines ehemaligen Schulkameraden hinauf, vorbei an den vergitterten Fenstern, die ihn an eine Polizeistation erinnerten. Solch ungemütliche Orte erschienen ihm ab und zu, wenn er schlechte Träume hatte. Herzog nahm immer zwei Stufen auf einmal. Er war spät aufgestanden. Sehr spät sogar. Er hatte unter der Dusche das Telefon nicht hören können, aber kurz darauf meldete ihm der Anrufbeantworter, Fliege erwarte ihn zu einem Spaziergang. Was für eine Überraschung! Sie hatten sich lange nicht gesehen. Etwas außer Atem kam er im dritten Stock an. Die Tür zu dem Einzimmerappartement war angelehnt, trotzdem klingelte er, denn Herzog war ein zurückhaltender Mensch.

Nichts rührte sich. Er klingelte noch einmal. Als er die Tür öffnete, spürte er, wie sein Gehirn von einem Moment auf den anderen auf Flucht schaltete. Fliege hing an dem starken Haken, an dem normalerweise sein Punchingball baumelte. Herzog schloss kurz die Augen. Er hatte immer gedacht, nichts könnte ihn aus der Fassung bringen. Allerdings war er noch nie einem Erhängten begegnet. Er sah seinen Schulkameraden von schräg unten. Mit einer schiefen Stellung des Kopfes blickte Fliege auf den entsetzten Besucher herab. Die aufgequollenen Augen hatten in diesem Moment etwas zudringlich Unsympathisches.

Wenn jemand den Kopf in der Schlinge hat, denkt man immer zuerst an ein freiwilliges Ableben. Aber Fliege musste regelrecht liquidiert worden sein. Er schien bis zum letzten Atemzug gekämpft zu haben. Das Hemd war bis zum Gürtel aufgerissen und der Oberkörper war übersät mit lila Flecken. Eine solche Behandlung kannte man normalerweise nur von Geheimdiensten autokratischer Staaten. Ein Gerichtsmediziner würde die Verletzungen bei der Obduktion mit dem neutralen Ausdruck „stumpfe Verletzungen, flächenhaft eingeblutet“ bezeichnen. Fliege hatte offensichtlich versucht, sich mit dem schweren Ledersack, der in einer Ecke lag, zu verteidigen. Soweit Herzog dies von der Tür aus beurteilen konnte, glich die Wohnung dem Zustand nach einem Polterabend, der aus dem Ruder gelaufen war. Kleidung lag vor dem Schrank, die Matratze hatte man aus dem Bett gerissen, Computer und Fernsehapparat lagen auf dem Boden. Sogar Lebensmittel waren verstreut.

Nur keine Polizei, dachte er. Nur jetzt keine Polizei!

Obwohl er am liebsten sofort verschwunden wäre, stand er wie angewurzelt. Er konnte das Missverhältnis von erforderlicher und tatsächlicher Blutversorgung, das durch einen Schock entsteht, spüren. Herzogs Herz raste praktisch im Leerlauf. Seine Gehirnzellen bekamen keinen Treibstoff. Das einzige, was sie zustande brachten, war: Vorsicht Ohnmacht!

Es gibt Momente, in denen einen die Angst geradezu anfällt, in denen Kraftlosigkeit und Übelkeit zunehmen. Diese Angst beeinträchtigt die Beobachtungsgabe und das Reaktionsvermögen und führt geradewegs ins Unglück. Man sendet Signale aus, die das Schicksal einladen zuzuschlagen, und tut gut daran diesen gefährlichen Zustand möglichst schnell in Kälte umzuwandeln. Es hilft, den Thermostat auf schnelles Einfrieren zu stellen. Kälte sichert in diesem Fall das Überleben.

Irgendwann reagierte er instinktiv. Er ging ein paar Schritte rückwärts, tastete mit der Hand nach dem Geländer, drehte sich um und tapste vorsichtig wie ein alter Mann eine Stufe nach der anderen dem Ausgang zu. Am ersten Treppenabsatz blieb er stehen, fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und atmete tief durch. Durch das vergitterte Fenster sah er ratlos hinunter auf die geparkten Autos. Als er ein Geräusch hörte, schaute er unwillkürlich nach oben. Flieges Wohnungstür wurde gerade von innen geschlossen. Herzog spürte seine Nackenhaare und war überzeugt, er würde von der Seite aussehen wie ein Igel.

Auf der Straße lehnte er sich an die Hauswand. Eine Frau blieb in einiger Entfernung stehen und beobachtete ihn, als wäre sie bereit, ihn aufzufangen, wenn er in sich zusammensackte. Als er die Straße überquerte, um zur Trambahnstation zu kommen, übersah er ein Auto. Der Kotflügel streifte seine Hose, aber Herzog reagierte nicht. Er ging einfach weiter, ohne auf den brüllenden Fahrer zu achten, der sich mit dem Zeigefinger an die Stirn tippte. Er ließ drei Trambahnen vorüberfahren. Bei der dritten kam ein Mann angelaufen, als sich gerade die Türen schlossen. „So ein verdammter Scheißtag“, rief er. „Das können Sie laut sagen“, antwortete Herzog. Der Mann sah ihn erstaunt an.

Zuhause sperrte Herzog die Wohnungstür zwei Mal von innen ab und setzt sich vor den Anrufbeantworter. War Flieges Stimme beunruhigt? Eigentlich nicht. Die Stimme war ein wenig gedämpft. „Ein Spaziergang würde mir guttun.“ Dieser Meinung konnte man allerdings auch sein, wenn man die ganze Nacht durchgesoffen oder bei Föhn Kopfweh hatte. Der lapidare Anruf eines alten Freundes, der einen alltäglichen Vorschlag macht. Aber da gab es noch etwas. Herzog hörte es erst, als er die Meldung bis zum Ende laufen ließ. Das Klingeln an der Wohnungstür war seiner Aufmerksamkeit entgangen. Es war fast unhörbar, aber deutlich, je öfter Herzog die Nachricht abhörte. Ganz gewöhnliche Töne, die sich wiederholten. Ding dong. Und noch einmal ding dong. Genauso hätte der Junge läuten können, der immer mit der Werbung unterwegs war. Hätte Fliege das Telefon zur Seite gelegt und aufs Band gesprochen „Moment, es klingelt“, wäre Herzog Zeuge des Überfalls geworden, zumindest akustisch. Offensichtlich hatte keiner der Nachbarn den anschließenden Lärm gehört. Eigenartig, denn als Fliege kurz vor der Scheidung oft lauthals mit seiner Frau gestritten hatte, war immer sofort ein vorwurfsvolles Klopfen zu hören gewesen. Öffnete er immer, ohne durch den Türspion zu sehen? Kannte Fliege diejenigen, die vor der Tür standen, oder hatte er niemanden gesehen und einfach geöffnet?

„Vergessen“, sagte Herzog zu sich selbst, „ich muss das Ganze so schnell wie möglich vergessen!“ Er beschloss, erst einmal schwimmen zu gehen. Nein, er beschloss nicht, er flüchtete, obwohl er sich nur sehr langsam bewegen konnte, langsamer noch als gewöhnlich. Auch die beiden Worte „erst einmal“ waren nicht zutreffend, denn damit schloss er alles Übrige aus. Er konnte nicht nach Verlassen des Schwimmbads einen Rechtsanwalt um Rat fragen oder vielleicht doch die Polizei rufen. Damit war es dann vorbei.

Am meisten schätzte Herzog ein Freibad, das auch im Winter geöffnet hatte. Ein leichter Dunst lag über dem Wasser und verschluckte die neonfarbenen Bademützen. Das Wasser war von unten beleuchtet und das Becken sah aus, als wäre es am Boden mit Schnee bedeckt. Schwimmer tauchten aus Dampfwolken auf und wie immer erinnerten ihn ihre runden dunklen Brillen an Fotos von Kampffliegern aus dem Ersten Weltkrieg.

Er zog seine üblichen Bahnen, aber das beruhigte ihn nicht. Der Flow, den er so liebte, der ihn oft über zweitausend Meter hinaustrug und die Zeit vergessen ließ, wollte und wollte sich nicht einstellen. Er brachte die Atmung nicht unter Kontrolle. Es gelang ihm nicht, Widerstand unter die Hände zu bringen, und er zog sich nicht vorwärts. Die Schultern verkrampften. Er schlug das Wasser mehr, als dass er darin geglitten wäre. Ab und zu pflügten Frauen in dünnen Trikots, die weniger Haut verdeckten als freigaben, an ihm vorüber. In der Spur der Luftblasen, die ihre Füße im Wasser hinterließen, sah er die Augen dieses am Haken hängenden Menschen:

Axel Steigenberger, bis zur zehnten Klasse sein Banknachbar im Comenius-Gymnasium in Deggendorf. Nach der Mittleren Reife Beginn einer Karriere als Boxer im Fliegengewicht. Ein aufstrebendes Talent mit schnellen Beinen, runden, festen Schultern und lockerem Mundwerk. Ein erklärter Liebling der Boulevardpresse, der sich selbst gern mit einem zugeschwollenen Auge in der Zeitung sah. Viel Schweiß und Arbeit am Sandsack, denn Boxen hieß nicht nur Draufhauen. Vor allem musste man lernen, Schläge einzustecken, und zwar so, dass sie einen nicht aus der Bahn warfen. Eine mehrmals gebrochene Nase, zwei zertrümmerte Schlüsselbeine, ein Milzriss und eine Leberquetschung. Ein gewiefter Taktiker. Als Profi ungeschlagen, trotzdem keine Chance gegen die Amerikaner, die den Markt mit allen legalen und illegalen Mitteln beherrschten. Mut und Wut alleine reichten nicht. Der Traum vom großen Geld verflüchtigte sich.

Nach drei Jahren Aufnahmeprüfung bei der Polizei. Vergeblicher Versuch, in einer Sondereinheit, wie der GSG 9, aufgenommen zu werden. Vergeblicher Versuch, wenigstens in der Zentralen Unterstützungsgruppe Zoll zu landen, in der Fitness, Reaktionsschnelligkeit und gute Nerven ein abwechslungsreiches Berufsleben versprachen. Schließlich ein stinknormaler Zollfahnder, mit Schwerpunkt Autobahn Salzburg-München. Geschieden, weil nichts mehr zusammenpasste, wie er sagte. Vater eines Sohnes.

Der Boxer, den sie Fliege nannten, erhängt im Alter von einunddreißig Jahren.

Wenn man aus einer Boxfabrik kommt, muss man an die eigene Kraft glauben, sonst wird das Leben unerträglich, das Training zur Hölle und jeder Schlag sinnlos. Wird man hingegen in diesem Land Polizist, muss man nicht unbedingt von der Existenz Gottes überzeugt sein, obwohl man bei der Vereidigung die rechte Hand auf die Bibel legt. Wahrscheinlich war es sogar hinderlich, zu viele Grundsätze zu haben, wenn man mit der täglichen Arbeit und den Vorgesetzten fertig werden wollte. Herzog hatte nie herausgefunden, wie Fliege mit diesen Widersprüchen zurechtkam.

Es war für Herzog völlig klar, dass mehrere Angreifer über ihn hergefallen sein mussten. Einer alleine hätte keine Chance gehabt. Einen einzelnen Angreifer hätte der platt gemacht, obwohl er längst nicht mehr regelmäßig trainierte.

Im wohltemperierten Wasser des Schwimmbades legte sich Herzog Folgendes zurecht: Er hätte bei den Ermittlungen in keiner Weise hilfreich sein können. Was wusste er letztlich schon von Flieges Leben? Kannte er ihn überhaupt? Kennt man jemanden, nur weil man ihn bei seinem Spitznamen nennen darf und mit ihm lange Zeit die Schulbank in einer Kleinstadt gedrückt hat? Weil es irgendwann einmal in der Oberstufe des Gymnasiums eine gemeinsame Geliebte gegeben hatte, die man im Eiscafé Venezia auf dem Luitpoldplatz traf? Weil man später unter anderem Spaziergänge im Englischen Garten unternahm und sich anschließend am Chinesischen Turm mit einem schlecht eingeschenkten Bier zuprostete? Weil man wusste, dass einer nicht nur Legastheniker, sondern auch Rechtsausleger war, der zwar als Erwachsener noch mit der Rechtschreibung kämpfte, dafür aber blitzschnelle Aufwärtshaken punktgenau auf das Kinn des Gegners setzen konnte?

Herzog war einige Male am Ring gestanden, wenn Fliege kämpfte. Er war hart im Nehmen, und Herzog wurde regelmäßig schlecht. Trotzdem faszinierte ihn dieser konzentrierte Blick des Boxers. In Sekundenbruchteilen konnte er eine Schwäche des Gegners erkennen und in ihn hineingehen. So nannte er es. Nicht selten kam es dann zu dem entscheidenden Punch, der den Kampf beendete und den Kontrahenten zu Boden streckte. Die Gier der Zuschauer ekelte Herzog genauso an wie die entstellten Gesichter. Wenn die Augen zuschwollen und die Haut im Gesicht riss. Wenn sich das Blut der Boxer mit Schweiß mischte und dünnflüssig wurde. Was sein Freund für die große Welt hielt, war für Herzog nicht mehr als Vorstadt. Für Fliege und seinen Anhang erschien glamourös, was für ihn schmierig, bisweilen sogar erbärmlich erschien. Sein bestickter Seidenumhang, mit dem er in den Ring stieg, erinnerte an billige Nylonblousons, denen man einen chinesischen Drachen verpasst hatte. Und Frauen, die bei einem Knockout vor Begeisterung kreischten, konnte Herzog nichts abgewinnen.

Er stieg aus dem Wasser und hastete den Gang entlang zu den heißen Duschen. In Abständen drehte er sich um. Selbst beim Hin- und Herschwimmen hatte er dies getan. Völlig blödsinnig! In der Dusche fühlte er sich eingesperrt. Er vermied es, beim Haarewaschen die Augen zu schließen, und behielt die Tür im Auge.

Während er versuchte, den Geruch des Chlorwassers loszuwerden, sah er den Toten vor sich wie eines jener Opfer aus unzähligen Fernsehserien, die man heute selbst in Kneipen auf Großleinwänden überträgt. In denen gerichtsmedizinische Untersuchungsräume immer in kaltes Blau- oder Grünlicht getaucht werden, damit die Schauspieler aussehen, als würden sie sich vor der offenen Leiche übergeben müssen.

Jeder Ermordete, das weiß heute jedes Kind, wird in der Gerichtsmedizin auf seiner Bahre zunächst von außen besichtigt: Ohren, Nase, Mund. Sogar die Augenlider werden mit einer Pinzette angehoben, damit die gelblichen Bindehäute der toten Augen in Großaufnahme noch einmal zum Vorschein kommen. Dann Brust, Rücken, Arme und Beine. Zur inneren Begutachtung setzt man mit dem Skalpell einen Schnitt vom Schambein bis unters Kinn. Wenn das Brustbein entfernt ist, liegen Lunge und Herz offen da. Das Gedärm wird entnommen und auf einem Tisch ausgebreitet. Weist die Leber eine krankhafte Vergrößerung auf, wird ihr besondere Beachtung geschenkt. Damit war allerdings bei Fliege nicht zu rechnen.

Am Ende kommt der Kopf dran. Ein Schnitt von einem Ohr zum anderen quer über den Schädel. Die Kopfhaut, dick wie eine Schwarte, wird nach vorne und nach hinten abgeschoben, das Schädeldach mit der Handsäge entfernt und das Empfindlichste eines Menschen, das Gehirn, herausgelöst. Dort würden die Ärzte bei dem Boxer Blutungen und blauschwarze Verfärbungen finden, die durch gezielte Schläge verursacht worden waren. Wahrscheinlich aber auch alte Verletzungen, die von den vielen Kopftreffern herrührten. Nach getaner Arbeit würde ein Mitarbeiter ein Kühlfach öffnen und Fliege bis zur offiziellen Freigabe der Leiche und der anschließenden Beerdigung in einem der stillen Aquarien des Todes verschwinden lassen, in guter Nachbarschaft mit aufgeblähten Wasserleichen, Teilen von Verkehrstoten und zufriedenen Selbstmördern.

So wie er sich vor etwa einer Stunde nach Wasser gesehnt hatte, in das er eintauchen konnte, als würde es darin eine Möglichkeit geben, die Zeit zurückzudrehen, so sehnte sich Herzog nun nach Wärme. Nach einer möglichst großen Entfernung zwischen Flieges Wohnung und einem Ort, an dem er mit leichtem Gepäck an einem Strand ankommen würde. Er machte sich auf den Heimweg, überquerte die Straße und ging an einer Lottoannahmestelle vorbei. Sechzehn Millionen lockten im Jackpot. Zumindest für die, die den Zufall für einen Freund hielten und an das Glück glaubten. Er beobachtete einen Mann, der vor einem Bankautomaten lässig ein paar Geldscheine zählte und dann achtlos in die Jackentasche stopfte. Er überlegte. Offene Jackentaschen waren für ihn immer eine Einladung. Ein paar Wartende an einer roten Ampel, ein kleines Gedränge und die Scheine hatten den Besitzer gewechselt. Der Mann verschwand im Eingang einer Pension. Die Sache hatte sich also von selbst erledigt.

Herzog war von Natur aus mit flinken Fingern und scharfen Augen ausgestattet. Es wäre seiner Meinung nach eine Schande gewesen, diese Gabe nicht zu vervollkommnen. Schon als kleiner Junge konnte er vom Tisch der Erwachsenen unbemerkt Schokoladestückchen verschwinden lassen. Später dann Zigaretten und die begehrten Virginiazigarren seines Onkels Eugen, bei dem er aufwuchs. Er rauchte sie zusammen mit seinen Freunden, bis ihnen schlecht wurde.

Im Alter von fünf Jahren wünschte er sich zu Weihnachten Handschellen. Er liebte es, wenn sie mit einem Geräusch, das von einer riesigen Grille zu kommen schien, zugeschlossen wurden. Gleichzeitig forderte es ihn heraus. Um sich von Handschellen zu befreien, musste man die Fingerknöchel einer Hand so schmal machen können wie das Handgelenk. Er begann schon unter dem Weihnachtsbaum und später dann vor dem Einschlafen zu trainieren, seine Hände in Längsrichtung einzurollen. Zunächst knetete er seine Hände weich, dann drückte er seinen Daumen so stark in die Handfläche, bis seine Hand aussah wie eine Klopapierrolle. Es dauerte zwei Wochen, bis er sich aus den Handschellen befreien konnte. Er stellte den Trick seinen Freunden vor, die unsinnigerweise vor allem die Handschellen untersuchten. Zur Sicherheit hatte er allerdings immer eine Heftklammer dabei, mit der sich die einfachen Schlösser leicht öffnen ließen.

Dann begann er zu zaubern und trainierte damit nicht nur seine Hände, sondern schärfte auch den Beobachtungssinn. Er wäre allerdings nie auf die Idee gekommen, anderen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, wenn er nicht einmal selbst auf primitive Weise bestohlen worden wäre: Gegen drei Uhr morgens war er nicht ganz nüchtern auf dem Heimweg aus einem Club gewesen. In seinem Kopf dröhnten noch die Bässe. Er hüpfte ein wenig, als würde er „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“ spielen. Für ein paar Stunden hatte er seine Seele losgelassen, hatte das wechselnde Licht genossen, die zuckenden Bewegungen der Tänzerinnen. An einer Bushaltestelle kam eine junge Frau auf ihn zu, gut gekleidet, mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Sie fasste entschlossen in seinen Schritt und bot sich für einen lächerlichen Betrag an. Während er immer wieder versuchte, die unangenehme Berührung loszuwerden, wanderte sie unverfroren mit der anderen Hand zuerst in seine Gesäßtasche und dann in die rechte Vordertasche. Nicht die vierzig Euro schmerzten ihn, die er dabei einbüßte, sondern die Dreistigkeit, mit der die Frau vorgegangen war und ihm immer wieder das Wort „Ficken“ ins Ohr geflüstert hatte. Es klang für Herzog keineswegs verführerisch, sondern zudringlich und ekelhaft. Seit dieser Nacht interessierte ihn, wie die Menschen mit ihrem Geld umgingen. Ziemlich sorglos, wie er fand, und eines Tages war es soweit. Seine Fingerfertigkeit wurde zu einer einträglichen Tätigkeit, die seine finanziellen Sorgen nach dem Tod Onkel Eugens auf ein Minimum reduzierten.

Am Abend nach Flieges Ermordung ging Herzog früh zu Bett. Er träumte, er würde in dem chinesischen Restaurant „Tor zum Himmlischen Frieden“ essen. In seinem Traum gab es keine weiteren Gäste. Man kannte ihn und seine Eigenheiten und respektierte sie mit chinesischer Diskretion. Es mochte für andere Menschen befremdlich sein, allein in ein Restaurant zu gehen, aber nach mehreren Jahren in einem Internat, in dem man weder in seinem Zimmer noch beim Essen, nicht einmal unter der Dusche seine Ruhe hatte, stand ihm dieser Tick zu. Vor ihm stand im Traum eine Flasche Wein, die er vom ersten bis zum letzten Glas alleine trinken würde.

Er bestellte Fisch mit frischem Ingwer, dazu Reis und Gemüse. Es passierte, als er fast mit seiner Portion fertig war. Der Kopf des Fisches wurde plötzlich größer und wechselte die Farbe. Rote Streifen schossen in das blasse Grau, quer über die weißlich toten Augen, die zu glänzen begannen. Grün schillernde Punkte verteilten sich über jene Hautfetzen, die er fein säuberlich vom Fisch getrennt und auf einem separaten Teller abgelegt hatte. Der Kopf schnappte nach seiner Hand. Er versuchte, den Fisch mit der Gabel zu bändigen, aber es gelang ihm nicht.

Der Kopf mit dem aufgerissenen Maul, in dem die Zähne immer länger wurden, sprang zurück auf die blauweiße Porzellanplatte, auf der ein lächelnder Ober das Gericht serviert hatte. Der Schwanz kroch langsam über den Tellerrand auf ihn zu. Er hielt sein Messer wie ein Schwert, nein, er hielt sein Messer für ein Schwert, das ihn retten konnte. Sein Magen krampfte und gab den Schmerz an die umliegenden Organe weiter.

Die Ober bliesen ihre Köpfe auf und begannen an die Decke zu schweben. Ihre schmächtigen Körper in den schwarzen Tang-Suits unterschieden sich nicht von den Quasten der chinesischen Lampions. Herzog hätte lachen können, aber der Atem fehlte ihm. Er brachte nur ein Ziehen zustande wie jemand, der an Asthma leidet. Er presste die Hände gegen die Tischplatte. Nicht nur die Hose, sein ganzer Körper klebte am Stuhl. Wenn er es nicht schaffte sofort zu verschwinden, würde er an diesem unheimlichen Fischkopf zugrunde gehen. In sitzender Haltung hüpfte er zum Ausgang des Restaurants.

Vor dem „Tor zum Himmlischen Frieden“ hielt er ein Taxi an. Rote Streifen und grüne Punkte verfolgten ihn. Aufgeblasene Kellnerköpfe wackelten vor der Windschutzscheibe. Der Fahrer gab Gas, er wurde in den Rücksitz gedrückt. Das Taxi raste mit quietschenden Reifen durch Flieges Treppenhaus mit den vergitterten Fenstern und prallte gegen die geschlossene Wohnungstür.

In einem Zustand zwischen Schlaf und Erwachen versuchte er den Traum loszuwerden. Es gelang ihm nicht. Er saß immer noch eingeklemmt im Auto und spürte, der Traum würde sich fortsetzen, sobald der Schlaf zurückkam. Schließlich erwachte er in der Küche. Zwei leere Milchflaschen lagen auf dem Boden. Seine Zunge klebte am Gaumen und der Geschmack in seinem Mund erinnerte ihn sofort wieder an den Fisch, den er im Traum bestellt hatte.

Unter der Dusche flackerten die Bilder der Nacht in seinem Kopf. Auch mit eiskaltem Wasser waren sie nicht zu vertreiben. Der Fisch, die Kellner, das Taxi, die Milchflaschen, das Treppenhaus. Alles ging durcheinander. Dazwischen der tote Fliege. Normalerweise war sein Leben unkompliziert, es sei denn, er war unterwegs, um Geld zu verdienen. Und natürlich ausgenommen seine Treffen mit Margret, aber das war etwas völlig anderes. Eine Leidenschaft ist kein Albtraum, auch wenn manche Menschen das Gegenteil behaupten.

Wenn er alles heil überstanden hatte und die Erinnerung an den erhängten Fliege langsam blasser geworden war, würde er das „ Tor zum Himmlischen Frieden“, in dem er tatsächlich manchmal zu Gast war, wieder einmal aufsuchen. Niemand würde den Satz und seine entschiedene Handbewegung verstehen: „Heute keinen Fisch!“

Zwei Tage später läutete das Telefon. Er hoffte auf einen Anruf von Margret, aber das Display zeigte eine unbekannte Nummer. Er zögerte kurz, dann nahm er das Gespräch an. Er erkannte die Stimme, wusste aber nicht sofort, wem sie gehörte.

„Hier Alina. Ich muss mit dir reden.“

Herzog war völlig überrumpelt. „Ich bin im Moment …“

Sie ließ ihn nicht ausreden. „Ich stehe vor deiner Haustür.“

Es war Flieges geschiedene Frau. Herzog hatte ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen. Sie waren früher oft am Wochenende zusammen unterwegs gewesen, aber seit der Trennung war der Kontakt abgebrochen. Eigentlich schon seit der Schwangerschaft, die für sie in einem schwarzen Loch geendet hatte, mit dem ihr Mann absolut nichts hatte anfangen können. Er war völlig aus dem Häuschen über seinen Sohn gewesen und hatte nicht verstehen können, warum die Frau das Kind abgelehnt hatte.

Wie sollte er sich nun in dieser Situation verhalten? Er konnte ihr schlecht sagen, dass er Fliege gefunden hatte und vor dessen Mördern geflüchtet war, ohne die Polizei zu verständigen.

Alina trat entschlossen in seine Wohnung, als Herzog öffnete. Sie hatte ihre Krise entweder gut im Griff oder überwunden.

„Axel ist tot. Hast du schon davon erfahren?“

Er versuchte, sie entsetzt anzusehen. „Um Gottes Willen, seit wann?“

„Vorgestern. Er ist umgebracht worden, aber sie wollen einen Selbstmord daraus machen.“

Sollte er ihr Auskunft geben? Er entschloss sich abzuwarten.

„Ich musste ihn heute Morgen identifizieren. Sie haben ihn gut wieder hergerichtet, aber mich können sie nicht täuschen. Ich hab den Gerichtsmediziner gebeten, mich kurz mit meinem Mann alleine zu lassen.“

Herzog stellte sich die Situation vor. Ihn gruselte. Sie sah ihm aufmerksam ins Gesicht.

„Du weißt, dass ich als Arzthelferin gearbeitet habe, bevor das Kind kam. In dem Bericht, den sie mir zeigten, stand nichts von Blutungen in der Schädelschwarte, in den Augenbindehäuten, in der Gesichtshaut und in den Lymphknoten. Alles das wären Folgen eines Selbstmordes durch Erhängen gewesen.“

„Wer sollte so etwas machen?“

„Meinst du umbringen oder vertuschen?

„Vielleicht beides.“

„Ich weiß es nicht.“

Sie öffnete ihre Handtasche und legte ein schwarzes Notizbuch auf den Tisch.

„Vor einer Woche war Axel bei mir, um mir das zu bringen. Ich sollte es eine Weile für ihn aufbewahren. Er sagte: ‚Steck es ins Kühlfach, da ist es sicher.‘ Er machte einen fahrigen Eindruck und seine Hände zitterten. Weißt du, was los war?“

„Wir haben uns länger nicht gesehen“, wich Herzog aus.

„Er hat zu mir gesagt, er würde dich anrufen.“

Nun musste er sich entscheiden: Lüge oder Wahrheit. „Hat er aber nicht.“

Sie dachte nach. „Ein Selbstmord hat meist eine private Geschichte. Das wirbelt keinen Staub auf. Oder höchstens ein paar Tage. Aber einen Polizistenmord, das können sie vielleicht im Moment nicht brauchen.“

„Du meinst, er war in irgendetwas verwickelt?“

„Jeder von denen macht Geschäfte nebenher. Dafür ist der Zoll zu verführerisch. Warum sollte ein Polizist einen besseren Charakter haben als andere Menschen? Geschmuggelte Ware, Rauschgift, Menschenhandel. Bevor das Kind kam …“

Ihr Leben ist eingeteilt in vor der Geburt und nach der Geburt, schoss es Herzog durch den Kopf. Nach der Geburt war anscheinend alles anders.

„… bevor das Kind kam, sind wir oft am Wochenende losgezogen und haben vorher etwas eingeworfen. Harmlose Sachen, ein paar Pillen, die gute Laune machten. Etwas anderes wollte ich nicht. Axel nannte sie im Spaß immer Mother’s little helpers.“

Herzog erinnerte sich. Er hatte das Zeug nie vertragen, vor allem wenn Alkohol dazukam. Es machte ihn nervös und völlig hibbelig. Und er mochte es nicht, wenn er die Übersicht verlor. Die Mischung aus Speed und Wodka ruinierte zudem meist auch noch den nächsten Tag.

„Ein Kollege hat damit sein Gehalt aufgebessert.“

„Und du meinst, Axel …“

„Nein, wegen ein paar Pillen, die man heute auf jedem Schulhof bekommt, veranstaltet man keinen solchen Zirkus.“

Herzog musste schlucken. Sie sagte tatsächlich Zirkus.

„Er war in letzter Zeit oft in Vietnam. Ich finde, zu oft. Hat er dir nie davon erzählt?“

Nein, Fliege hatte tatsächlich nicht davon erzählt.

„Männer“, sagte sie und zog dabei die Mundwinkel nach unten, „ihr wart doch befreundet, verdammt noch mal.“

Na ja, dachte Herzog, befreundet nicht gerade, aber offensichtlich lagen sie in ihren Tätigkeiten nicht weit auseinander.

„Es ist nicht zu glauben. Über was redet ihr eigentlich, wenn ihr zusammen seid?“ Dann verächtlich: „Weiber, Autos und Fußball! Wahrscheinlich in dieser Reihenfolge.“

„Du meinst Boxen.“

„Red keinen Blödsinn. Du weißt genau, was ich meine.“ Sie nahm seine Hand. „Du musst mir helfen.“

Herzog war so überrascht, dass ihm keine Antwort einfiel und er nicht einmal seine Hand zurückzog. Sie entwickelte einen detaillierten Plan, wie er ihr bei der Aufklärung des Mordes helfen sollte. Am Ende sah sie sich um und fragte:

„Hast du was zu trinken? Ein kleiner Schluck würde mir guttun.“ Sie stand auf, ging zum Kühlschrank, holte eine angebrochene Flasche Weißwein heraus, nahm zwei Gläser aus dem Regal, schenkte ein und sagte: „Cin cin!“

„Auf dein Wohl“, antwortete Herzog und hob zögernd sein Glas. Dann fügte er zweifelnd hinzu, „… ich weiß nicht.“

„Sei kein Frosch! Axel würde es dir danken. Da bin ich sicher!“ Sie tätschelte ihm die Wange.

Ihr Telefon läutete. „Ja? Ich kann jetzt nicht. Nein, wirklich nicht.“ Sie hängte an den letzten Satz noch einen Namen, den Herzog nicht richtig verstand, und legte auf. Es klang so ähnlich wie Oldie.

„Kann ich heute Nacht bei dir bleiben?“

„Nein!“ Die Abfuhr kam so schnell, dass es Herzog peinlich war.

„Feigling.“

An der Tür drehte sich Alina noch einmal zu ihm um.

„Vielleicht hilft dir das bei deiner Entscheidung: Axel hatte eine gute Nase. Er ahnte, womit du dein Geld verdienst. Seit Langem! Ich ruf dich an! Morgen um sechs Uhr.“ Mit diesem Satz war sie im Treppenhaus.

Herzog starrte auf den Abdruck, den Alinas Lippenstift am Glas hinterlassen hatte. Das Wort Feigling brannte wie ein Streichholz an der Fingerkuppe. Es beunruhigte ihn, dass der Zollfahnder ihn verdächtigt hatte. War er von ihm beobachtet worden? Oder gar verfolgt? Er konnte sich an keine Situation erinnern, die ihn verraten hätte. Auch wenn Fliege vielleicht nur Andeutungen gemacht hatte, Alina war sicher nicht grundlos gerade zu ihm gekommen. Sie war durchaus in der Lage, ihn zu erpressen, wenn er nicht zusagte, und er fürchtete nach ihrem forschen Auftreten, dass sie bereit war, Daumenschrauben bis zur Schmerzgrenze einzusetzen.

In dieser Nacht lief er ruhelos in seiner Wohnung auf und ab und traf alle zehn Minuten eine andere Entscheidung. Autos auf der Straße erschreckten ihn, der Kneipenlärm von gegenüber machte ihn nervös und in seinem Bauch krochen Millionen von Würmern durcheinander.

Auf die Minute genau kam der Anruf am nächsten Tag. „Hallo?“

„Lass die Formalitäten. Sie sind unnötig. Hast du dich entschieden?“

Herzog sagte zu. Er fühlte sich gedemütigt und es gab nicht nur eine warnende Stimme in seinem Inneren.

„Du findest Geld in deinem Briefkasten. Denk daran, was wir ausgemacht haben: Nicht du erreichst mich, ich erreiche dich.“

„Ich wollte dir noch etwas sagen …“ Weiter kam er nicht.

„Später, wenn alles erledigt ist.“

Damit war das Gespräch beendet.


Bar oder Karte

Wäre Margret da gewesen, er hätte sich bei ihr verkrochen, sich von ihr zudecken lassen und ihr vielleicht alles erzählt. Vielleicht umständlich, weil er selbst nicht alles auf die Reihe brachte, aber er hätte sicher einen Rat bekommen. Nur, mit der jungen Frau aus New York hatte es eine besondere Bewandtnis. Sie hatte einen festen Partner, bei dem sie nicht lebte, einen Seitensprung, von dem sie sich ab und zu höchst dramatisch trennte, und mit ihm war sie eine – sie benützte dafür das altmodische Wort – Affäre eingegangen.

Sie nannte ihn nie bei seinem Vornamen. Er war sogar überzeugt, dass sie ihn nicht einmal kannte. Sie sagte einfach Buddy, als wäre er mit dieser Bezeichnung auf die Welt gekommen.

Seit ihrem ersten Zusammentreffen vor einer Bäckerei am Marienplatz nannte sie ihn so. An jenem Tag hatte es geregnet. Es war kurz vor elf gewesen. Touristen warteten auf das Glockenspiel und wollten schnell an der zum Platz hin offenen Theke einer Bäckerei eine Breze oder ein Stück Kuchen kaufen. Die ersten betrunkenen Fußballfans waren mit ihren kindischen Schals unterwegs. Natogegner demonstrierten gegen irgendeinen Krieg. Afghanistan, Irak, Gaza, er konnte sich nicht mehr erinnern. Es gab ein Gedränge wie auf dem Oktoberfest, vor allem auch deshalb, weil Sondereinsatzkräfte der Polizei versuchten, einer Gruppe von Punks in schwarzen Springerstiefeln, grün-roten Haaren und silbernen Ketten das Laufen beizubringen. In einem solchen Durcheinander waren die Menschen unaufmerksam und verhakten sich ineinander mit ihren Schirmen in der unwirtlichen Innenstadt.

Margret, die er zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, fischte nach ihrer Kreditkarte und steckte den Geldbeutel zurück in die rechte Außentasche ihrer Windjacke. Der Reißverschluss blieb offen. Herzog stand direkt hinter ihr. Gerade als er sie anrempeln wollte, drehte sie sich um. Er sah in ein Gesicht mit tausend Sommersprossen, das zwei senkrechte Falten über der Nase hatte. Irgendwelche Erlebnisse mussten diese Spuren hinterlassen haben. Das Gesicht erinnerte ihn an einen Satz aus einem Roman: „Ein Gesicht, für das man seine Jugend verlieren, von dem man im Alter träumen möchte und …“ Es gab noch eine dritte Eigenschaft, die ihm in dem Moment nicht einfallen wollte. Margrets Haut war wie durchscheinendes Wachs. Später stellte er fest, dass sie weich wie Seide war. Sie hat schöne Augen, dachte er und sah ihr ins Gesicht, hätte aber nie gewagt auszusprechen, was er in diesem Moment dachte. Später hatte er damit keine Probleme mehr, ja, er besuchte sogar mit seinen Lippen alle Stellen, die er besonders schön fand. Er zog seine Hand zurück, blieb aber hinter ihr stehen.

Als sie sich ein viertes Mal umsah und ihn anlächelte, nahm er allen Mut zusammen und lud sie auf eine Tasse Kaffee ein. Margret war erfreut, einen echten Münchner getroffen zu haben. Sie schauten vom Café Glockenspiel auf die nassen Demonstranten und sie ließ sich von ihm bayerische Redewendungen erklären. Warum sagten die Bayern Knödel statt Kloß zu einem Dumpling? Warum war eine Maß auf dem Oktoberfest das Maß aller Dinge? Für das Wort Obatzter konnte er eine fachgerechte Erklärung liefern, kannte sogar das Rezept dieser Speise, zu der unbedingt Brezn und Bier gehörten, aber warum das Wort „Kruzifix“ auch als Fluch verwendet wurde, wusste er nicht. Er versprach sich kundig zu machen. Natürlich mit dem Hintergedanken an ein neuerliches Treffen.

Am Ende sagte sie: „Heute ist ein Glückstag! Ich lade dich ein. Ist das klar, Buddy?“

So nannten Taucher ihre Partner, von denen sie sich in gefährlichen Situationen absolute Zuverlässigkeit erhofften. Auch wenn ein Hai mit aufgerissenem Maul auf einen zuschwamm, der Buddy musste Ruhe bewahren. Der Buddy musste die Flasche mit einem teilen, wenn der eigene Sauerstoff verbraucht war und musste einen bei der Hand nehmen, wenn das Meer einstürzte.

Wäre Margret erreichbar gewesen, hätte sich vielleicht alles anders entwickelt, aber wenn sie mit ihren Männern zu tun hatte, war ihr Telefon ausgeschaltet.

Nachdem er das Geld aus dem Briefkasten genommen hatte, buchte er in einem Reisebüro einen Flug nach Hué. Eine Anweisung Alinas, denn Kreditkarten und Internet waren leicht zu überprüfen und damit verräterisch. Außerdem sollte er im Green Hotel ein Zimmer reservieren lassen. Dort würde ihn Alina erreichen, wenn es nötig war.

Das Schaufenster des Reisebüros war gepflastert mit Last-Minute-Glücksversprechen aus der Südsee. Ein blaues, glitzerndes Meer, weiße leere Strände, Kokospalmen und Hütten aus Palmwedeln, die dem Kunden suggerieren, dort und nur dort wird dein Glück jeden Morgen hinter dir am reichhaltigen Frühstücksbuffet stehen und dich in einen traumhaften Tag entführen. Perfekte Illusionen für gestresste Großstadtmenschen. Eifrig und ungefragt gab der junge Mann hinter dem Schreibtisch Auskunft. Er sprach ein wenig zu laut, wie jemand, der sich in der Kindheit immer durchsetzen hatte müssen.

Der Angestellte selbst war vor Kurzem drei Tage in Rio gewesen, fand die Brasilianerinnen, offensichtlich in Anspielung auf den Zuckerhut, zuckersüß, erhob sich dafür extra von seinem Bürostuhl und wackelte mit dem Hintern. Super! In seiner gelben Weste mit dem Firmenlogo erinnerte er Herzog an eine dieser XXL-Popcorntüten, die hippe junge Menschen in den Foyers von Filmtheatern verkaufen, damit man im Kino nicht nur sehen, sondern auch riechen kann. Herzog stellte sich die jungen Mädchen vor, wie sie an der Copacabana vor Lachen umfielen. Acapulco kannte eine Kollegin, plapperte der junge Mann weiter, die dort einmal im Jahr zum Relaxen hinflog, für fünf Tage. Total genial! Madagaskar war seiner Meinung nach zwar etwas weit vom Schuss, aber mit den langen Stränden und seinen Ökotouris relativ sexy. Außerdem waren die Beaches, wie er sie nannte, voll leer. Er sah Herzog aufmunternd an wie einen Patienten, der vor allem Ruhe braucht.

„Wenn man auf so was abfährt …“

„Einen Flug nach Hué, morgen“, unterbrach ihn Herzog, bevor der Traumstrandverkäufer vielleicht noch die Gewürzinseln anbot.

„Hué? Okay. Ausgezeichnet, Vietnam ist schwer im Kommen.“

Es dauerte eine Weile, bis er die verschiedenen Fluggesellschaften auf seinem Computer aufgerufen hatte.

„Außerdem eine Zimmerreservierung im Green Hotel.“

„Ah, vier Sterne plus. Sehr gut. Ich sage immer, darunter sollte man es heute einfach nicht mehr machen. Gebongt. Oh shit, das darf nicht wahr sein! Ich sehe gerade, kein Weiterflug von Bangkok nach Hué an diesem Tag!“

Die Popcorntüte machte ein betrübtes Gesicht.

„Geben Sie mir drei Sekunden und ich mache Sie glücklich! Da haben wir’s: Drei für zwei. Mandarin Oriental zu einem unschlagbaren Preis. Sie zahlen zwei Nächte und bleiben drei, im puren Luxus. Und ich besorge Ihnen einen Fahrer vom Flughafen und zurück. Geht aufs Haus. Okay?“

Was sollte Herzog machen? Später fliegen und dann vielleicht trotzdem hängen bleiben? Er war froh, wenn er abreisen konnte.

„Also gut.“

„Ich sehe gerade, in der Maschine ist noch ein Platz frei. Wenn Sie also einen Kumpel haben …“

Herzogs Gesicht sagte ihm: Kein Kumpel!

Der Angestellte begann die Unterlagen zusammenzusuchen. „Bar oder Karte?“

Herzog blätterte die Scheine auf den Tresen und ging.

Als er am nächsten Tag gegen Abend seine Wohnung verließ, drehte er den Schlüssel zwei Mal im Schloss. Sollte irgendjemand seinem Zuhause in seiner Abwesenheit einen Besuch abstatten und seine geliebte Ordnung durcheinanderbringen, er würde nichts finden.

In seinem Rückzugsgebiet gab es einen Schrank mit guter, aber unauffälliger Kleidung, zehn Paar Schuhe, da er viel zu Fuß unterwegs war, ein Bett, einen Tisch und, seit er Margret kannte, zwei Stühle. Es gab einen Laptop, aber weder eine Stereoanlage noch einen Fernseher, auch kein Regal oder ein Buch. Wenn er lesen wollte, ging er um die Ecke in die Stadtbibliothek. Er wählte dicke Bücher, damit er nicht so oft gehen musste. Sein Lieblingsbuch war „Der Mann ohne Eigenschaften“, denn es hatte über tausendzweihundert Seiten. Auch die „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Márquez kamen nahe an den „Mann ohne Eigenschaften“ heran. Wollte er Musik hören oder einen Film ansehen, benutzte er seinen Computer.

In seiner Kochnische stand seit einiger Zeit eine Flasche Whiskey. Ein Geschenk von Margret, das aber aus irgendeinem Grund ungeöffnet blieb. Den einzigen Blumentopf, den er jemals besaß, hatte ihm eine Nachbarin zum Einzug überreicht. Er war am selben Nachmittag in einem Mülleimer gelandet.

Zum ersten Mal fiel ihm beim Gang durchs Treppenhaus auf, dass die anderen Wohnungen zwei Sicherheitsschlösser hatten.

Von seiner Straße aus konnte Herzog in fünfundvierzig Minuten den Flughafen erreichen. Innerhalb einer weiteren Viertelstunde war er im Besitz einer Bordkarte. Er entschied sich, die Reisetasche mit an Bord zu nehmen. Eine Mitarbeiterin von Thai Air lächelte ihn an und wünschte ihm einen angenehmen Flug.

Bei der Passkontrolle wurden seine Handflächen feucht. Wenn ihn jemand vor Flieges Wohnungstür beobachtet hatte, war der Ausflug zu Ende, bevor er begann. Der Beamte fixierte ihn über seiner halben Brille. Es fiel ihm leicht, dem Blick standzuhalten. Halbe Brillen geben den Menschen ein freundliches, unter Umständen sogar ein einfältiges Aussehen, besonders wenn ihnen dabei der Mund offen steht und sie die Augen zusammenkneifen, als hätte sich unvermittelt die Dioptrienzahl ihrer Brillengläser verringert. Der Beamte legte mit einer ruhigen Handbewegung den Ausweis auf das Lesegerät. Nach ein paar Sekunden teilte es ihm mit, dass der deutsche Staatsbürger Konstantin Herzog, im Gegensatz zu vielen anderen, unbescholten war und mit einer weißen Weste durchs Leben ging. Er ließ ihn mit einem Kopfnicken ziehen.

Heute musste jeder seinen Geldbeutel, Mobiltelefone, Schmuck und den Gürtel abgeben, um den Metalldetektor passieren zu können, auch wenn dabei die Hose rutschte. Dies gehörte seit Nine Eleven zu den Pflichten eines jeden Reisenden. Außerdem musste man die Schuhe ausziehen. Herzog beobachtete, dass ungeputzte Stiefel in Kombination mit dunkler Haut offensichtlich besonders verdächtig waren. Auch lange Haare erregten immer noch Aufmerksamkeit. Es war nicht zu glauben! Als er den Apparat sah, der das Innere des Handgepäcks für neugierige Augen sichtbar machte und in verschiedene Farben einteilte, wusste er, er hatte den Fotoapparat vergessen. Er konnte also die Bilder dieser Reise in kein Album kleben, sondern musste ihnen einen festen Platz in seiner Erinnerung zuweisen. Er konnte sich allerdings in Bangkok eine Kamera besorgen oder einfach sein Mobiltelefon benützen.

Im Flugzeug sah er sich die Menschen an, die zusammen mit ihm den ersten Teil dieser unfreiwilligen Reise antraten. Der Airbus war bis auf den letzten Platz besetzt mit Urlaubern, Geschäftsleuten und deutsch-thailändischen Familien, die zusammen mit den Kindern die Heimat der Frauen besuchten. Dazu eine Anzahl testosterongeladener Männer mit eindeutigem Ziel. Bei den Männern vor allem Übergewicht. Manchmal wunderte man sich, dass die Passagiere in den zugeteilten Sitzen überhaupt noch Platz nehmen konnten und die Maschinen in der Lage waren abzuheben.

Jedes Mal, wenn Herzog in einem Flugzeug saß, verursachte ihm die Beschleunigung beim Start und die weite Schleife, die der Pilot über die angrenzenden Wohngebiete zog, ein ungutes Gefühl im Magen. Die Erde war noch zu nah. Er sah zum Fenster hinaus. Unter ihm lagen die Speicherseen des Münchner Nordens, aber bald darauf war die Maschine in einer Höhe angekommen, in der es nur noch schönes Wetter gab. Reiseflughöhe bei strahlender Sonne, minus fünfundfünfzig Grad Außentemperatur und einem tiefblauen Himmel, in den Fliege nun eingegangen war. Wahrscheinlich wartete er gerade auf seine Klassifizierung. Soweit Herzog sich erinnern konnte, war sein Schulkamerad katholisch gewesen. Für ihn hieß es also Himmel, Fegefeuer oder Hölle. Vielleicht hatte er Glück und es gab eine spezielle Abteilung für Boxer, dort konnte er zusammen mit Max Schmeling und Bubi Scholz auf sein großes Vorbild Muhammad Ali warten.

Herzogs Sitznachbar blätterte im Bordmagazin. Auf dem Klapptisch standen drei Dosen Carlsberg. Eine zum Trinken, zwei als Reserve. Er gehörte zu einer Männergruppe, die ihm durch ihre Rudelbildung und das bellende Lachen schon in der Abflughalle aufgefallen war. Ein großer Geldbeutel, wie ihn Kellner benützen, blitzte aus der Innentasche seiner Lederweste, die ein speckiger Kragen als Lieblingskleidungsstück auswies.

Nach den vergangenen Tagen fühlte sich Herzog wie zerschlagen. Er schloss die Augen. Er hatte mehr als acht Stunden Zeit. Das Geld seines Nachbarn, der gerade eine Dose Bier nachbestellte, würde ihm irgendwann während des Fluges oder nach der Landung in die Hände fallen, wenn das Gedränge im Flugzeug wie immer am größten war.

Er versorgte sich mit Ohropax, um dem quäkenden Ton der Ansagen zu entkommen. Vielleicht konnte er, entgegen ihrer Abmachung, von Bangkok aus Kontakt mit Margret aufnehmen. Sie musste ihn über die Ermittlungen, vor allem aber über Zeitungsartikel auf dem Laufenden halten. In diesem Moment machte sich in den hinteren Reihen der Maschine unter den Passagieren die typische Unruhe breit, die entsteht, wenn kostenloses Essen ausgeteilt wird. Sein Nachbar drückte die leeren Bierdosen mit einer Hand und einem hellen Knacken flach. Er ließ sie unter dem Sitz verschwinden. Herzog beschloss, ihm seine Glasnudeln mit Huhn und asiatischem Gemüse anzubieten. Er nahm es mit einem Brummen zur Kenntnis. Von beiden Portionen waren nach kurzer Zeit nur noch leere Plastikbehälter übrig.

Noch während die Stewardessen in ihren lila Kostümen Kaffee und Tee anboten, fiel Herzog in einen unruhigen Schlaf und unterschied sich darin wahrscheinlich von anderen männlichen Passagieren, die der reichliche Bierkonsum hinübergeschwemmt hatte in Träume, in denen zierliche Mädchen im Rotlichtmilieu Bangkoks die Hauptrolle spielten. In seinem Unterbewusstsein brodelte es wie in einer Hexenküche und sein Körper suchte in Abständen vergeblich eine halbwegs annehmbare Stellung. Sein Nacken schmerzte nach kurzer Zeit und ein scharfer Ton im rechten Ohr machte sich bemerkbar.

Dankbar registrierte er, dass die Nachtbeleuchtung eingeschaltet wurde, aber kurz darauf flimmerte ein Film des Bordprogramms über die Bildschirme und löste selbst hinter geschlossenen Augenlidern unangenehme Reize aus. Ein unbeholfener Polizist, der einem gerupften Hühnchen gleichsah, jagte gerissene Ganoven, die offensichtlich nur mit Sonnenbrillen scharf sehen konnten. Natürlich war der Gesetzeshüter nach gut eineinhalb Stunden und vielen Niederlagen erfolgreich. Damit hatte er nicht nur gegen das Böse gewonnen, sondern auch das Gute, in Gestalt einer Blondine mit tiefem Dekolleté, auf seine Seite gezogen.

Fliege war aus einem anderen Holz geschnitzt gewesen, aber sein Lebensende war kein Happyend à la Hollywood. Seine Frau hatte mit ihrer Annahme seiner Ermordung sehr wohl den richtigen Riecher, und er, Herzog, hätte mit drei oder vier Sätzen ihre Vermutungen bestätigen können. Was trieb sie, die Wahrheit ans Licht zu bringen? Ging es ihr um die Wahrheit allein oder steckte noch etwas anderes dahinter? Wer hatte sie angerufen und warum wollte sie in seinem Beisein nicht mit demjenigen sprechen?

Sie schien Geld zu haben, sonst hätte sie seine Reise nicht so großzügig bezahlen können. Und sie hoffte, er würde in Hué etwas über den Mord erfahren und damit zur Aufklärung der Todesumstände beitragen.

Der Nachbar hatte sich in seinem Sessel so weit wie möglich zurückgelehnt. Der Geldbeutel bot sich förmlich an. Herzog sah sich um. Die meisten Passagiere hatten inzwischen die Augen geschlossen und die Münder offen. Manche wickelten sich in lila Decken, die Farbe der Fluggesellschaft.

Auch bei Herzogs Nachbar hatte der Alkohol seine Wirkung getan. Er begann zu schnarchen. Man meint immer, Betrunkene hätten ab einer bestimmten Anzahl von Promille einen todesähnlichen Schlaf. Herzog wusste allerdings, dass sie absolut panisch reagieren konnten, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte und sie sich bedroht fühlten. Ein Flugzeug war dann wie eine Falle, in die eine zu gefräßige Ratte geraten war. Deshalb ließ er die Finger von seinem Nachbarn, auch als der aufwachte, seine Lederweste in die Ablage über den Sitzen stopfte und der Geldbeutel auf den Boden fiel. Herzog hob ihn auf. Seiner Erfahrung nach war es gut, zunächst Vertrauen aufzubauen.

Eine Nacht in einem Flugzeug ist kein Vergnügen und wird gegen Morgen, wenn der Nacken völlig steif ist, die Beine taub werden und die Füße beginnen in den Schuhen anzuschwellen, zur Tortur, selbst wenn die Fluggesellschaft mit dem Slogan wirbt: „Smooth as Silk“. Auch das Frühstück ging an den Nachbarn. Diesmal grinste er kurz und Herzog sah, dass ihm rechts oben ein Zahn fehlte. Er war offenbar aus einem gesunden Schlaf erwacht und aß mit gutem Appetit.

Nach der Landung fiel Herzog der Geldbeutel dann wirklich so gut wie in die Hände. Kurz hintereinander waren drei Maschinen gelandet. Die Passagiere, übernächtig, aufgeregt und ungeduldig, stauten sich vor der Passkontrolle. Nachdem er seinen Ausweis aus dem Handgepäck genommen hatte, warf Herzogs Sitznachbar sein speckiges Lederteil lässig über die Schulter.

Ein Griff genügte. Im Fußball hieß so etwas Standardsituation! Man konnte es auch ein Geschenk nennen. Herzog wechselte zu einem Schalter, an dem weniger Menschen warteten. Plötzlich waren seine Bedenken, irgendjemand könnte bei der Passkontrolle Probleme machen, wie weggeblasen, und tatsächlich stand er kurze Zeit später mit seiner Reisetasche im Suvarnabhumi Flughafen, der mit seinen Boutiquen jede amerikanische Mall in den Schatten gestellt hätte. Die ankommenden Gäste wurden von einem goldenen, dreiköpfigen Drachen begrüßt, getragen von acht bunten Fabelwesen. Direkt am Ausgang stand ein Mann mit einem Schild, „Constantin Herzog, Munich“. Auch wenn sein Name falsch geschrieben war, nur er konnte gemeint sein. Bravo!


Mandarin Oriental

Der Mann nahm ihm das Gepäck ab und brachte ihn zu einer Limousine. Er öffnete für Herzog die hintere Tür. Der Fahrer blickte in den Rückspiegel und fragte:

„Mandarin Oriental?“

Herzog nickte und dachte: Fast wie im Märchen. Nach kurzer Zeit reihte sich das Auto in den höllischen Verkehr ein.

Der Fahrer schlich geschickt von einer Lücke in die andere, fuhr über den Seitenstreifen am rechten Fahrbahnrand, stand bei Rot in der ersten Reihe, noch vor den Lastwagen, Bussen und Pick-ups. Schon bevor die Ampel umschaltete, erhob sich ein unbeschreiblicher Lärm. Die auf der Kreuzung übrig gebliebenen Fahrzeuge wurden umfahren, eingekeilt, und es hätte Herzog nicht gewundert, wenn der Strom sie bis zur nächsten Ampel mit fortgerissen hätte. Am Hotel angekommen nahm der Fahrer eine Visitenkarte zwischen Zeige- und Mittelfinger und gab sie an seinen Gast weiter. Mit einem Zwinkern sagte er:

„If you need something. Ladies, boys to boys“, er rieb dabei die beiden Zeigefinger aneinander, „and other things for good vibration. Everything cheap price.“

Herzog dankte und war schon in der Obhut des Concierge mit einer grauen Schirmmütze und goldenem Abzeichen. Im Zimmer bediente er sich an einem Korb mit frischem Obst. Nach dem Duschen widmete er sich seinem Geschenk. Er zog grundsätzlich nur Geld. In diesem Fall waren es tausendzweihundert US-Dollar. Er wunderte sich immer wieder, wie viele Scheine die Leute mit sich herumtrugen. Sie schienen in der Krise dem bargeldlosen Zahlungsverkehr, der von den Banken mit Hochglanzwerbung angepriesen wurde, zu misstrauen. Sein Sitznachbar hatte also einiges in seinem Urlaub vor. Damit und mit großzügigen Lokalrunden, während halbwüchsige Mädchen ihre Haut zu Markte tragen mussten, war es nun vorbei. Er würde das Missgeschick nicht vor seinen Kumpanen geheim halten können und sie würden ihre Spottkübel über ihm ausschütten. Im schlimmsten Fall war ihm so etwas schon einmal passiert und er festigte damit seinen Ruf als Trottel.

In den dafür vorgesehenen Fächern des Geldbeutels sah Herzog außerdem zwei Scheck- und drei Kreditkarten. Ein Zeichen, dass der Inhaber über seine Verhältnisse lebte. Karten standen nicht im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Zu diesem Schluss war er irgendwann am Anfang seiner Karriere gekommen. Wenn man von Scheck- und Kreditkarten leben wollte, musste man technisch immer auf dem neuesten Stand sein, benötigte Mitarbeiter im Ausland und ging das Risiko ein, beim Gebrauch erwischt zu werden. Außerdem fehlten Herzog dafür die Geräte und das notwendige Know-how.

Ganz gleich, ob die gezogene Ware nun aus Schlangenleder oder nur aus Plastik bestand, ob sie das Geschenk eines Geliebten war, der hoffte, in einem versteckten Winkel möge sein Konterfei aufgehoben und ab und zu mit einem Kuss bedacht werden, ob es sich um ein Geschenk zur Silbernen Hochzeit handelte oder um ein gutes Stück aus dem Familienbesitz, für jemanden, der sich in der Nachfolge von Rinaldo Rinaldini sah, war all dies uninteressant. Sie hatte für ihn absolut keinen Wert. Er beschäftigte sich weder mit dem Gegenstand noch mit der dazugehörigen Person. Auch die war ihm egal, inklusive Ausweis, Führerschein und Impfpass. Ein Zahnarzt interessierte sich auch nicht für seinen Patienten als Mensch, sondern lediglich für schadhafte Stellen im Gebiss oder die Einzelteile einer Zahnspange. Herzog ging seiner Arbeit nach und wenn er fleißig war, verdiente er ganz ordentlich. Wie in jedem anderen Beruf auch, vorausgesetzt man arbeitete nicht als Krankenschwester.

Seine durchaus kunstvolle Tätigkeit beschränkte sich auf das Wesentliche in unserer Gesellschaft – das Geld. Manager machten nichts anderes. Er unterschied sich allerdings von jenen Männern, die ein hilfloser Kritiker einmal Kapitalverbrecher genannt hatte: Sie verdienten in einem Jahr mehr, als sie je im Leben für ihre Anzüge aus feinem Tuch, ihre schnittigen Sportwägen und gestylten Geliebten ausgeben konnten, ganz gleich, ob sie nun ihre Arbeit gut oder miserabel verrichteten. Und noch einen Unterschied gab es, durch ihn wurden keine Kündigungen ausgesprochen und es gingen keine Arbeitsplätze verloren. Manchmal schaute er morgens in den Spiegel und fragte sich, ob ihm ein Rinaldo aus den Augen schaute. Wenn man in diesem Beruf arbeitete, war es durchaus von Vorteil, sein eigenes Leben mit einer gewissen Distanz zu betrachten. Je größer diese Distanz war, desto geringer die Gefahr, in kniffligen Situationen den Kopf zu verlieren.

Im Übrigen war ein Kunstzieher vor allem ein Techniker und kein Draufgänger. Er musste eine gewisse Begabung mitbringen und er war gut beraten, diese Begabung, betraf sie nun seine Fingerfertigkeit, seine Konzentration oder seine Beobachtungsgabe, täglich zu trainieren. Er war nicht mutiger als andere Menschen, nicht leichtlebiger und nicht verschwenderischer. Begegnete er einem Verbrechen, war er genauso entsetzt und hilflos wie die Nachbarin, die den ganzen Tag nur aus dem Fenster sah.

Normalerweise ließ Herzog Gezogenes so schnell wie möglich verschwinden. Man musste das Risiko dieser Tätigkeit gering halten. Er hatte immer ein Stofftaschentuch bei sich, um gründlich die Fingerabdrücke abzuwischen, und mehrere Plastiktüten, in denen er die Geldbeutel oder Brieftaschen in einen öffentlichen Papierkorb fallen ließ. Wenn ihn jemand beobachten sollte, war er ein gewissenhafter Bürger, der gerade eine Banane gegessen hatte und die Schale in einer Tüte ordnungsgemäß in einem dafür vorgesehenen Behälter entsorgte. Sollte diese Tüte von einem der vielen Menschen, die heute auf Abfall angewiesen waren, entdeckt werden, hatte der Glückliche eine Chance, sein Eigentum zurückzubekommen, vorausgesetzt, es fand sich eine Adresse. Von Kunstziehern, die Gegenstände an die Eigentümer zurückschickten, weil ein schlechtes Gewissen sie plagte, las man zwar immer wieder, aber in Wirklichkeit waren sie eine Erfindung von Journalisten, die mit solchen Artikeln die Sommerlöcher stopften. Es gab sie genauso wenig wie Priester, die sich schämten, wenn sie mit Hilfe eines Opferstocks die Gläubigen um ihr Geld erleichterten.

Herzog würde irgendwann das Hotel verlassen, um die Wundertüte seiner tausendzweihundert Dollar loszuwerden. In diesem Fall hatte er allerdings keine Eile, denn Männer, die in Bangkok den Merkwürdigkeiten ihrer Sexualität nachgingen, bevorzugten kein Luxushotel, sondern Absteigen, die nahe am Strich und den dafür bekannten Clubs lagen. Seinem Nachbarn, da war er sicher, würde er nicht mehr über den Weg laufen.

Schon an der Rezeption hatte Herzog feststellen müssen, in seiner Reisetasche fand sich keine Kleidung, die für dieses Hotel geeignet gewesen wäre. Er kaufte also in einer der Boutiquen, die um die Eingangshalle angeordnet waren, einen leichten taubenblauen Anzug, helle Leinenschuhe, dazu drei Hemden. Damit war ein Großteil der tausendzweihundert Dollar elegant angelegt. In seiner neuen Ausstattung nahm er auf einem der vielen Sofas in der Lobby Platz. Es roch nach Luxus und Leder. Er betrachtete die Frauen mit ihren Juwelen, die Inder mit ihren Turbanen, die amerikanischen Millionäre mit ihren goldenen Armkettchen und die lautlos beflissenen Bediensteten. Er hörte fasziniert den verständlichen und unverständlichen Lauten zu, die an sein Ohr getragen wurden.

Als ein leichter Wind aufkam, ging er in den Garten des Hotels, den man in diese im Chaos versinkende Stadt gezaubert hatte. Er versuchte die innere und äußere Zeit zusammenzubringen. In seinem Inneren war es fünf Uhr morgens, um ihn herum zehn Uhr, ein Vormittag inmitten von Hibiskusblüten, Orchideen, Bananenstauden und einem gepflegten Rasen. Pro Stunde Zeitverschiebung, das hatte er einmal gelesen, brauchte der Körper einen Tag, um sich anzupassen. Er war also schon fast wieder zuhause, wenn seine innere Uhr auf Bangkokzeit umgestellt war. Außerdem konnte er nicht glauben, dass derselbe Himmel ein paar Straßen weiter über einer Kreuzung leuchtete, auf der kein Durchkommen war und auf der wahrscheinlich nur für wenige Stunden nach Mitternacht die Autoschlange dünner wurde, vielleicht, wenn man Glück hatte, für Minuten sogar abriss.

Er blätterte in einer Broschüre, die er an der Rezeption des Hotels bekommen hatte. Sie warnte ihn eindringlich vor Drogen und Prostitution. Er sollte, falls er das, was die thailändische Touristeninformation als Vergnügungsviertel dieser Stadt der Superlative bezeichnet, wirklich besuchen wollte, nicht alleine auf Entdeckungsreise gehen und nur eine ausreichende Menge an Geld mitführen, was immer das auch hieß. Allerdings hatte er kein Verlangen nach Striptease und Live-Shows, bei denen die Gäste aufgefordert werden, tatkräftig Hand anzulegen.

Im Schatten der Hoteleinfahrt lauerten sicherlich finstere Schlepper auf farbigen Tuk-Tuks, die von der Rezeption einen dezenten Wink bekamen, sobald man zu erkennen gab, das Hotel verlassen zu wollen. Sie zerrten einen schon am frühen Morgen in modrige Lasterhöhlen und, bevor man sich richtig der Sünde hingeben konnte, schütteten mandeläugige Hexen flaschenweise KO-Tropfen ins Glas. Eine halbe Stunde später fand man sich benommen auf dem Gehsteig wieder, und wenn die mitgeführte Geldmenge nicht ausreichend war, hatte man auch noch den neuen Anzug, die Schuhe, Armbanduhr und unter Umständen sogar Goldzähne und Socken verloren. Bangkok schien eine brandgefährliche Stadt zu sein. Im Gegensatz dazu war der Garten des Hotels ein Hain kontemplativer Beschaulichkeit.

Die Wärme und das Nachdenken über die vergangenen Ereignisse machten ihn müde. Ein paar Stunden Schlaf in seinem kühlen Zimmer würden die verschiedenen Zeitdimensionen näher zusammenbringen. Er schlief tatsächlich sofort ein. Im Traum erschien ihm noch einmal der Fahrer mit der Visitenkarte: Er hüpfte durch das Hotel und verschwand grinsend mit dem schwarzen Notizbuch.

Als Herzog erwachte, war es nach acht Uhr. Er war sofort hellwach und fror am ganzen Körper. Er beschloss, nicht in einem der klimatisierten Restaurants, sondern auf der Terrasse am Flussufer zu essen. Auf dem Wasser war reger Betrieb. Bunt geschmückte und reichlich illuminierte Touristenboote fuhren in beide Richtungen. Hausboote, auf denen offensichtlich ganze Großfamilien wohnten, waren an beiden Ufern festgemacht. Frauen nahmen immer wieder Wäsche aus dem Wasser, wenn einer der dickbauchigen Lastkähne vorbeifuhr oder ein Expressboot, schräg im Wasser liegend, schnittig, mit roten Sitzreihen, vorüberschoss. Ein Ober mit weißen Handschuhen brachte die Speisekarte und nannte die Empfehlungen des Küchenchefs. Er blieb am Tisch stehen, bis Herzog gewählt hatte, den linken Arm abgewinkelt mit einer Stoffserviette darüber, den rechten Arm hinter dem Rücken. Herzog entschied sich für eine der Empfehlungen und bestellte ein thailändisches Tigerbier – nur des Namens wegen.

Schon am Nachmittag war ihm ein Mann aufgefallen, der in der Eingangshalle stand. Später, im Garten, hatte er mit einem der Arbeiter gesprochen. An seiner Kleidung war nicht zu erkennen, ob er zum Hotelpersonal gehörte. Er versuchte wie ein Gast zu wirken, der gerade seine Freude daran entdeckt hat untätig herumzustehen. Nun lehnte er wie zufällig am Eingang zur Terrasse. Jedes gute Hotel hatte einen eigenen Detektiv, dessen Aufgabe es war, so unauffällig wie möglich seine Augen offen zu halten, denn der Luxus zog Hochstapler und Gauner an, die am Reichtum der Gäste teilhaben wollten. Der Detektiv schien Herzog im Blick zu haben. Vielleicht war ihm der junge Mann verdächtig, weil er sich von den übrigen, meist älteren Gästen abhob. Wer kam schon verschwitzt und verschlafen, eine Reisetasche über der Schulter, in ein Fünf-Sterne-Hotel und kaufte als erstes in einer überteuerten Boutique ein? Sie würden sich also gegenseitig beobachten, denn auch Herzog hielt, schon aus Gewohnheit, die Augen offen.

Zurück im Zimmer nahm er das schwarze Notizbuch aus der Reisetasche und begann es durchzublättern. Es war ordentlich geführt. Fliege hatte eine akkurate, fast altmodische Handschrift. Auf der ersten Seite standen Name, Adresse und Telefonnummer. Neben jedem eingetragenen Datum auf den folgenden Seiten war eine Zahl vermerkt. Etwa jedes Vierteljahr hatte Fliege eine Eintragung vorgenommen. Das Notizbuch begann an einem willkürlichen Datum. Es gab also vermutlich einen oder mehrere Vorläufer. Die letzten Seiten waren leer. Den Gedanken, dass ein Zollfahnder auch dem Taschendiebstahl nachgehen könnte, fand der Kunstzieher Herzog abwegig.

Er überlegte, warum das Notizbuch im Tiefkühlfach des Eisschranks verwahrt gewesen war. Um es zu verstecken? Oder gab es einen anderen Grund? Er legte das Heft in das Eisfach des Kühlschranks, der in einer Ecke des Zimmers stand, und wartete zehn Minuten. So sehr er sich anschließend auch bemühte, er konnte keine Veränderung an den Eintragungen feststellen. Vielleicht dauerte es länger, bis zusätzliche Informationen sichtbar wurden. Er hatte Zeit.

Nur Menschen mit Alzheimer legen ihren Autoschlüssel in die Waschmaschine und nur Künstler beschmieren eine Badewanne mit einer zentimeterdicken Fettschicht. Kein vernünftiger Mensch würde ein Notizbuch in ein Eisfach legen. Andererseits würde auch niemand ein Notizbuch, das lebenswichtige Geheimnisse verbarg, in einem Kühlschrank vermuten. In einem Schreibtisch schon, unter einem Leintuch, zwischen frisch gebügelten Hemden, im Schuhregal, vielleicht sogar im Abfalleimer oder im Handschuhfach eines Autos. Aber sicher nicht in einem Eisfach. Auf jeden Fall hatten es die Mörder Flieges nicht gefunden, denn zu diesem Zeitpunkt war es schon bei Alina gelandet.

Er hatte die Verbrecher mit seinem Besuch gestört. Die offene Eingangstür ließ darauf schließen, dass jemand gerade im Begriff war, den Tatort zu verlassen. Vielleicht war Herzogs Klingeln eine Warnung gewesen. Die Täter hatten gerade noch Zeit gehabt, sich hinter der Tür oder irgendwo anders zu verstecken. Oder war die offene Eingangstür eine Falle gewesen, die man ihm gestellt hatte? Eine tödliche Einladung!

Was sollte er mit dem Notizbuch anfangen? Er konnte es nicht im Kühlschrank lassen, wenn er in die Lobby ging. Das kam ihm unvorsichtig vor. In jedem Hotel der Welt gab es mehrere Generalschlüssel, die vom Personal benützt wurden, und zu jedem Zimmer ein oder zwei Ersatzschlüssel. Außerdem wurde die Minibar regelmäßig aufgefüllt. Er wusste noch nicht, welche Informationen das „kleine Schwarze“, wie er es inzwischen nannte, enthielt, aber er ahnte, dass es wertvoll für ihn sein konnte. Er würde es, wenn er unterwegs war, am Körper tragen.

Herzog versuchte Margret zu erreichen. Er hatte kein Glück. Die SMS wurden nicht beantwortet, und wenn er anrief, sagte ihm eine künstliche Stimme mit nervösem Einschlag, der Teilnehmer sei derzeit nicht erreichbar. Er versuchte es immer wieder, aber die Stimme blieb gleich künstlich und auf eine beunruhigende Art unbeteiligt. Er nahm sich ein Bier aus der Minibar und blickte aus dem vierten Stock auf den Fluss hinunter. Er konnte nichts anderes tun als zu schlafen.

Am nächsten Morgen stand der Beobachter im Frühstücksraum bei den Kellnern. Herzog grüßte freundlich und bekam ein geschmeidiges Lächeln zurück. Dabei sah er in der Hand des Mannes eine Karte, die den Karten ähnelte, die als Zimmerschlüssel verwendet wurden. Er schien also tatsächlich der Hausdetektiv zu sein, der ein „Sesam öffne dich“ zu allen Zimmern besaß. Als er den Gast sah, steckte er das wertvolle Teil in die linke Westentasche. So unvorsichtig durfte man als jemand mit Erfahrung nicht sein, wenn man nicht einen Denkzettel riskieren wollte. Für Herzog nicht mehr als ein leichtes Training, das er sich nicht entgehen lassen würde.

Die Gelegenheit bot sich gleich nach dem Frühstück. Zwei arabische Großfamilien waren angekommen. Verschleierte Frauen, halbwüchsige Dandys und in ihrer Mitte zwei Patriarchen, gekleidet wie Beduinen. Eine große Anzahl ausladender Koffer mit vielen Aufklebern. Insgesamt eine Explosion an Leben mit einer gehörigen Portion Unübersichtlichkeit. Der Detektiv, der offensichtlich noch andere Aufgaben zu übernehmen hatte, sammelte die Pässe ein und brachte sie an die Rezeption. Während er mit einem Angestellten sprach, stellte sich Herzog schräg neben ihn. Damit war er gegen die hinter ihm Stehenden abgeschirmt und vor ihm schützte ihn der Tresen. Er fischte mit der linken Hand die Karte aus der Weste. Die Diskussionen, die sich offensichtlich um die Zimmerverteilung drehten, nahmen so viel Aufmerksamkeit in Anspruch, dass niemand auf ihn achtete.

Nachdem die letzten Familienmitglieder mitsamt dem Aufpasser im Lift verschwunden waren, gab Herzog die Karte an der Rezeption ab. Gleich mehrere Mitarbeiter liefen zusammen und dankten ihm. Einer fragte nach seiner Zimmernummer, ein anderer telefonierte und ein Dritter überprüfte die Karte an einem Computer. Herzog setzte sich in eines der Sofas und blätterte in einem deutschsprachigen Magazin für Urlauber und Residenten, das sich Der Farang nannte. Gleich in dem ersten Artikel ging es um Pattaya und die dortigen Unterhaltungslokale. Ein Foto zeigte eine Bar, in der fast nackte Poledancerinnen zu sehen waren. Ein „Swisshai“ kommentierte: „Früher war alles besser.“

Keine fünf Minuten später stürzte der Detektiv aus dem Lift und verschwand in einem Büro hinter der Rezeption.

Ein älterer Angestellter kam auf Herzog zu. Er fragte in gutem Deutsch, wo der Gast die Karte gefunden habe und schüttelte besorgt den Kopf über den Fundort zwischen Foyer und Terrasse, ein Platz, den Herzog ausgesucht hatte, weil er im toten Winkel der Videokameras lag. Er bat, Herzog auf eine Tasse Tee einladen zu dürfen. Die Einladung zum Tee ging über in ein Abendessen. Herr Supanam, mit diesem Namen hatte er sich vorgestellt, konnte vor Jahren, „als die Mauer noch stand“, in Berlin mit einem Stipendium Archäologie studieren.

„Wir haben zwar in Thailand viele Kunstschätze, aber als Archäologe kann man hier nicht … wie heißt es? … überleben. Ja, überleben. Ein Studium, auch wenn es interessant ist, ändert nichts an den Tatsachen.“ Deshalb war er im Hotelfach gelandet.

Herzog dachte an sein eigenes BWL-Studium. Da war es genau umgekehrt. Das Studium fand er todlangweilig, aber die Berufsaussichten wären glänzend gewesen.

Der Angestellte freute sich, mit dem Gast deutsch sprechen zu können. Seine Augen glänzten, wenn er von Berlin sprach: Mit seinem internationalen Pass war es kein Problem gewesen, nach Ostberlin ins Theater oder eine Ausstellung zu gehen. Er hatte Tage im Pergamonmuseum vollbracht, voll Bewunderung für den berühmten Altar mit seinen nackten muskelbepackten Kriegern. Er hatte im Leo Wright Club neben der Bühne gesessen und Chet Baker gehört. Und wenn ihm das Geld ausgegangen war, war er einfach den Kurfürstendamm auf und ab gegangen. Er hatte das Weltstadtflair genossen, er hatte alles mitgenommen, bei Tag und bei Nacht, und manchmal war er erschöpft von all den Eindrücken in der Bibliothek über seiner Diplomarbeit eingeschlafen.

„Wahrscheinlich“, sagte er wehmütig, „würde ich Berlin heute nicht wiedererkennen. Ich lese oft in der Zeitung, wie sich alles verändert hat. Ich habe damals in der Nähe des Checkpoint Charlie zur Untermiete gewohnt, bei einer Witwe, Frau Krawuttke. Ich kann Sie versichern … nein“, er dachte kurz nach, „ich kann Ihnen versichern, ich habe lange gebraucht, bis ich diesen Namen aussprechen konnte. Krawuttke. Manchmal gehe ich hier in ein deutsches Restaurant. Dort bekomme ich alles, was ich will, der Besitzer ist sehr freundlich, aber es ist nicht dasselbe wie an einem Currywurststand am Bahnhof Zoo. Selbst wenn es null Grad hat und ein Thailänder erbärmlich friert, weil er für Kälte nicht gemacht wurde.“

Irgendwann entschuldigte sich Herr Supanam. Falls er nicht im Hotel übernachten wollte, brauchte er nach Dienstschluss noch eineinhalb Stunden, bis er seine Familie erreichte. Er bot Herzog an, mit ihm am nächsten Vormittag über den Fluss zu fahren.

„Das alte Hotel, das Sie sicher schon im Garten gesehen haben, lohnt keine Besichtigung. Das antike Mobiliar wurde vor Jahren ausgewechselt“, bemerkte er abschätzig wie ein enttäuschter Archäologe. „Man hat den Tea Room mit weißen Rattanmöbeln von einem Händler bestückt, der seine Rechnung nicht zahlen konnte.“

Als Herr Supanam gegangen war, versuchte Herzog wieder vergeblich Margret zu erreichen. Dann meldete sich sein schlechtes Gewissen. War er mit dem Detektiv zu weit gegangen? Vielleicht hatte der Mann durch ihn seine Arbeit verloren und war fristlos entlassen worden. Sicher konnte er sich nicht erklären, wie es zu diesem Vorfall gekommen war, stand außerhalb des Hotels im Schatten der gegenüberliegenden Gebäude und verfluchte alle buddhistischen Götter.

An seinem dritten Vormittag in Bangkok stand Herzog, das Notizbuch in der Hosentasche, neben einem hölzernen Kassenhäuschen am Fluss der Könige. Herr Supanam und er warteten auf eine der Fähren. Herzog genoss die Fahrt den Fluss hinab, vorbei an den weißen Mauern des königlichen Palastes und dem ältesten Tempel der Stadt, Wat Po. Sein Begleiter erzählte, auf dem Chao Phraya seien früher riesige Barken unterwegs gewesen, fernöstlich-goldene Varianten venezianischer Gondeln, mit hochgezogenen Bugdrachen. Zu jener Zeit hatte der Fluss noch eine andere Farbe. Zumindest die träge dahinschwimmenden Öllachen gab es damals nicht.

Am gegenüberliegenden Ufer stiegen Herzog und Herr Supanam zum Tempel der Morgenröte hinauf. Vorbei an Steinwächtern und mit Stöcken bewaffneten Fabeltieren gingen sie durch den Vorhof des Tempels. Der Hotelangestellte sprach mit den Mönchen. Wenn das Wort Allemania fiel, grüßten sie den jungen Mann aus Deutschland mit einer leichten Verbeugung. Sie stiegen zusammen auf den mittleren Turm, der mit Tausenden von Porzellanscherben geschmückt war. Der Blick zurück über den Fluss …

Herzog hätte Stunden stehen bleiben können. Einfach stehen bleiben und schauen. Vielleicht musste man Monate in dieser Stadt leben, um dann erst weiter zu ziehen, Richtung Norden, auf das Goldene Dreieck zu. Vielleicht musste man, wie die jungen Mönche in ihren orangenen Umhängen und den glatt rasierten Köpfen an den warmen Mauern lehnend, das Leben nicht nur aus einer gewissen Distanz, sondern wirklich von außen betrachten. Vielleicht konnte er dann noch nachträglich die angelehnte Wohnungstür des Ermordeten zuziehen und so tun, als hätte es in der Wohnung weder eine Leiche noch Mörder gegeben und als sei nichts geschehen. Er würde darauf hinarbeiten, gleichzeitig jedoch ahnte er, Tote konnten einen über Jahre hinweg wie Schatten begleiten, vor allem dann, wenn sie ihr Leben nicht zu Ende gelebt hatten, und immer dann auftauchen, wenn man es nicht erwartete und dementsprechend ungeschützt war. Er ärgerte sich darüber, dass er dem Drängen Alinas nachgegeben hatte.

Herr Supanam holte ihn aus seinen Gedanken. „Darf ich mir eine Frage erlauben? Kommen Sie aus einer adeligen Familie?“

„Nein, Herzog ist in meinem Fall kein Titel. Das ist mein Familienname.“

Herr Supanam schien diese Frage nur gestellt zu haben, um andere anzuschließen.

„Bleiben Sie länger in Thailand?“

„Ich reise weiter nach Hué.“

„Ah, wo wohnen Sie dort?“

„Im Green Hotel.“

„Sie hätten gegenüber im La Residence ein Zimmer nehmen sollen. Ein Hotel aus der französischen Kolonialzeit mit einem ausgezeichneten Restaurant und herrlichem Garten am Ufer des Parfümflusses. Ein Bekannter von mir arbeitet dort. Soll ich für Sie umbuchen?“

„Danke für Ihre Mühe, aber ich bin verabredet.“

„Darf ich noch eine Frage stellen?“ Er wartete kurz auf eine Reaktion. „Welchen Beruf haben Sie?“

Herzog lachte: „Ich bin von Beruf Sohn“, gab er zurück, obwohl er gar keine Familie mehr hatte. Dies sollte bedeuten, er musste weder arbeiten noch Geld verdienen. Für diese Antwort war irgendwann die Entscheidung gefallen, als er nicht mehr glaubhaft machen konnte, noch zu studieren. Es gab darauf entweder ein überraschtes „Oh!“, ein unentschiedenes „Aha“, ein missbilligendes „So, so“ oder ein erstauntes „Na sowas!“ Herr Supanam nickte nur und Herzog konnte nicht herausfinden, was der Beruf „Sohn“ in ihm auslöste. Auf jeden Fall hielt sich der Kunstzieher mit dieser Aussage die meisten Menschen vom Leib. Das war das Wichtigste.

Am Nachmittag setzte er sich noch einmal in den Garten und sah auf den Fluss. Er hatte sich über den Angestellten im Reisebüro geärgert, weil er den Verdacht haben musste, mit drei Tagen in einem Luxushotel übers Ohr gehauen worden zu sein. Nun musste er zugeben, er wäre gerne länger hier geblieben. Die Weiterreise nach Hué beunruhigte ihn. Hier war er geschützt, es kümmerte sich jemand um ihn, dem er mit einem Gespräch in deutscher Sprache eine Freude machen konnte, außerdem gab es noch viel zu sehen.

Auf dem Weg ins Zimmer teilte ihm eine Rezeptionistin mit, der Fahrer würde ihn morgen drei Stunden vor seinem Flug abholen, denn am Vormittag sei der Verkehr auf der Stadtautobahn am Schlimmsten.

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
229 str. 16 ilustracji
ISBN:
9783941306462
Właściciel praw:
Bookwire
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