Czytaj książkę: «Gespräche mit Wildtieren»
Das Buch
In ihren Interviews mit Wildtieren betritt Verena Wymann jedoch faszinierendes Neuland: Anders als in der Kommunikation mit Haus, Nutz- oder Zirkustieren zeichnen sich die Botschaften der Wildtiere durch ihre ungeschönte und zugleich mitfühlende Klarheit aus, mit der sie die heutigen Probleme von uns Menschen, unserer Umwelt und unseres Planeten benennen.
Verena Wymanns telepathische Protokolle nehmen uns mit auf eine in dieser Form nie dagewesene Reise in die Intelligenz der Schöpfung - eine Reise in die Intelligenz unseres eigenen Herzens
Die Autorin
Verena Wymann nutzte schon als Kind beim Spielen mit Freunden und Tieren ihre telepathischen Fähigkeiten, später ließ sie sich zur Tiertelepatin ausbilden. Neben Verhaltensstudien bei Wildtieren und langjähriger Dozententätigkeit führte sie für Klienten zahllose telepathische Gespräche mit Wildtieren, bis sie sich auf das neue Feld der Tierkommunikation wagte. Verena Wymann lebt mit ihrer Familie und ihren Tieren in der Schweiz.
Verena Wymann
Gespräche mit Wildtieren
Telepathische Interviews

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Die Autorin
Titel
Inhaltsverzeichnis
Dank an die Tiere
Einleitung
1 Wie ich mich mental mit Tieren verbinde
2 Haustiere und Wildtiere
3 Zootiere
Zu Gast bei den Löwen
Auf dem Pfad der Elefanten
Am See der Flamingos
Was die Fische uns zu sagen haben
Wie Seehunde das Wasser erleben
Kamele und die Mangelware Wasser
Bisons im Regen
Auf Visite bei den Menschenaffen
Im Paradies der Wasservögel
Im Revier der Tiger
Im Wald der Wölfe
Aus der Sicht der Giraffen
Auf der Spur der Bären
Im Reich der Eisbären
Faszination Pinguin
Besuch bei den Nashörnern
Erlebniswelt Regenwald
Im Land der Galapagos Schildkröten
Schneeleoparden: Zwischen Himmel und Erde
Im Bann der Riesenschlangen
Blick auf das Krokodil
Großer Panda im Bambushain
Auge in Auge mit Eulen und Geiern
Ausflug in die Steppe zu den Zebras und Antilopen
Begegnung mit Manul und Streifengans
4 Tierische Lektionen
Zwergwachteln
Bartkauz
Pfau
Papageien
Spatzen
Känguru
Paviane
Feldmaus
5 Tiere im Zirkus
Die Meinung der asiatischen Elefanten
Die Meinung der Löwen, Tiger und Leoparden
Die Meinung der Seehunde
Nachwort
Literatur
Impressum
Dank an die Tiere
Nach all den wundervollen und spannenden telepathischen Dialogen während so langer Zeit fühlte ich mich getrieben, meinen unzähligen geduldigen und liebevollen tierischen Lehrern und Beratern in irgendeiner Form zu danken für ihre monatelangen lehrreichen Gespräche mit mir und vor allem für ihr selbstloses Dasein im Zoo - eine Existenz, die sie, ungeachtet von beengten und belastenden Lebensumständen in Gefangenschaft, stets so bereitwillig und unerschütterlich der menschlichen Aufklärung widmen. Meine Frage an verschiedene Tiere, auf welche Weise ich meine Dankbarkeit zeigen und ihnen Freude bereiten könnte, fand rundum eine Antwort mit identischem Inhalt. Stellvertretend für alle meine Dialogpartner gab ich dem Bartkauz das Wort:
Seit unzähligen Generationen haben wir Tiere uns in die Nähe des Menschen und in seine Hand begeben, um ihn durch unsere Präsenz und vorgelebte Beispiele unserer facettenreichen Lebensgemeinschaften langsam zur Erkenntnis des wahren Lebenssinnes zu leiten: zur selbstlosen, uneigennützigen Liebe. Sie existiert überall um euch herum und sucht Einlass in eure Herzen. Fühlt und lauscht. Alles ist eins.
Wir gehen vorbehaltlos in der wichtigen Aufgabe auf, euch dieses Wissen näher zu bringen und es euch in unsichtbaren, liebevollen Gaben sachte einzuflößen. Jeder Erfolg auf dem Weg, die Menschen dereinst vollständig und schrankenlos zu erreichen und die Einheit und allumfassende, bedingungslose Liebe der Schöpfung mit euren Herzen auf ewig zu verknüpfen, empfinden wir Tiere als den größten Lohn für mögliche Entbehrungen auf unserem Pfad dorthin. Wesen wie du, die bereits erwacht sind, helfen uns die Aufklärung voranzutreiben, denn mit unseren von dir so sorgsam gesammelten Gesprächen wirst du unzählige Samen pflanzen, die dieses Wissen weiter tragen und vielerorts wachsen und gedeihen lassen. Deshalb erfüllt uns dein Buch mit unendlicher Freude. Einen innigeren Dank kannst du uns nicht geben.
Einleitung
Meine Familie, mein Mann, zwei Kinder, ein in die Jahre gekommenes Katzenpaar und ich leben etwas am Rande der städtischen Hektik im Grünen. Tiere sind meine Welt, die Natur ist mir ein Freund. Seit frühester Jugend begleiten Hunde und Katzen mein Leben und bereichern es auf ihre ganz persönliche und einzigartige Weise. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch beruflich habe ich mich der Zoologie verschrieben und freue mich, meine Begeisterung und Liebe zu den Tieren durch meine Tätigkeit nun schon seit vielen Jahren unzähligen Menschen weitergeben zu dürfen.
Aus zwei Gründen schreibe ich dieses Buch. Zum einen liegt mir als eingeschworener Tierfreundin die stumme Kreatur sehr am Herzen und ich bemühe mich stets, jedes Lebewesen mit Respekt zu behandeln und meinen tierischen Hausgenossen nicht mit falsch verstandener Tierliebe ihre Persönlichkeit zu rauben. Doch habe ich mich keineswegs etwa von den Menschen abgewandt. In diesem Sinne wünsche ich mir, mit meinen Aufzeichnungen viele Herzen zu erreichen und die Lebenssituation gewisser Tiere wenigstens in bescheidenem Masse positiv zu beeinflussen, so wie auch unseren Umgang mit der Natur.
Zum anderen bin ich fasziniert vom Phänomen der geheimnisvollen mentalen Abläufe, der telepathischen Verbindung zwischen Menschen und Tieren. Man stelle sich vor, zu einem sprechunfähigen Wesen! Tiere seien doch dumm und sie könnten keine Sprachen. So wurde wohl nicht nur ich mehr als einmal milde und ungläubig belächelt oder von Skeptikern zurechtgewiesen. Aber auf diese Weise läuft die Sache eben nicht ab. Mentaler Austausch geschieht auf einer ganz anderen, viel tieferen Ebene. Gewiss, die Vorstellung von intuitivem Wissen und darüber, in gedanklicher Fernverbindung zu stehen, um auf derart sonderbare Weise Informationen, Bilder und Gefühle zu übertragen, mag ziemlich gewöhnungsbedürftig sein. Dessen ungeachtet ist es alles andere als Humbug und zeigt sich weiter verbreitet als vermutet. Sogar zur Verbrechensaufklärung wird diese Art von mentaler Informationsbeschaffung eingesetzt. Telepathie ist eine natürliche Form der Wahrnehmung und jedem Wesen angeboren, doch in den meisten Fällen durch unsere Lebensweise in der heutigen Zivilisation verkümmert. Sie muss deshalb erst wieder geweckt und trainiert werden. Bei den Naturvölkern ist sie noch präsenter.
Heute existieren bereits genügend Bücher, welche das Thema der Telepathie und der Tierkommunikation im Besonderen samt gründlicher Anleitung erschöpfend abhandeln, weshalb ich mich hier auf ein paar zusammenfassende Bemerkungen beschränke. Sollten Sie sich näher informieren wollen, finden Sie im Anhang diverse Empfehlungen dazu.
Schon seit ich denken kann, verspüre ich eine deutliche, vertrauensvolle Verbindung zur Tierwelt. Dieser nicht fassbare und unerklärliche, aber fühlbare Strom von wortlosem Wissen und Verstehen verband mich bereits als Kleinkind mit allen Tieren, und er begleitet mich bis heute. Er war immer da, der viel zitierte Draht, und für mich ganz natürlich, war Teil von mir und ich dachte nie darüber nach. Damals kam der Begriff telepathische Kommunikation in meinem Wortschatz noch nicht vor. Als dann aber vor Jahren mittels Bücher das faszinierende Thema Intuition, Telepathie und Tierkommunikation an mich herantrat, bekamen mein spontanes Gefühlswissen und stets wiederkehrende, kleine, ungewöhnliche Ereignisse endlich einen Namen: mentale Verbindung, intuitive Eingebungen.
Es waren verblüffende Dinge wie: mitten in einer mich völlig absorbierenden Tätigkeit oder Situation das plötzliche und untrügliche Gefühl zu haben, den Wassernapf meines so gar nicht trinkfreudigen Katers auffüllen zu müssen - und wenn ich dann dieser Idee Folge leistete, ihn tatsächlich erwartungsvoll neben seinem leeren Trinkgefäß anzutreffen. Oder mir plötzlich sorgenvolle Gedanken zu machen, wo der Gute wohl stecken mochte, wenn ich ihn länger als üblich nicht gesehen hatte - und in Minutenschnelle stand der Abtrünnige auf der Schwelle und schaute mir mit einem beschwichtigenden „na, na - ich bin doch hier“ - Blick in die Augen.
Auch Erlebnisse aus meiner Kindheit fielen mir schlagartig wieder ein.
Mögen Sie Spiele? Ich ja, schon immer liebte ich all die vielfältigen Brett- und Kartenspiele, die Gesellschaftsspiele in fröhlicher Runde. Früher genoss ich ganz besonders jene lustigen Ratespiele, bei denen wir Kinder uns mit Eltern und Grosseltern an regnerischen Ferien- oder Sonntagen gern die Zeit vertrieben. Wie erlebte ich doch jeweils mit Spannung, wenn ein Teilnehmer vor die Tür geschickt wurde - am liebsten ich selber - während die anderen Mitspieler sich auf irgendeinen Gegenstand einigten, der von dem draußen Wartenden dann zu erraten war. Sie kennen bestimmt die Fragen, mit denen man sich langsam an die Lösung herantastet: Kann man das Ding tragen? Essen? Ist es groß oder winzig? Hat es eine auffällige Farbe? Ist es nützlich? Und so fort. War die Reihe an mir das Rätsel zu lösen, benötigte ich jeweils kaum Fragen, bis ich auch schon ganz plötzlich genau wusste, was heimlich vereinbart worden war. Manchmal sah ich sogar spontan ein Bild des Gegenstandes vor Augen, an den die Mitspieler gerade dachten. Damals nahm ich es als gegeben hin und grübelte nicht darüber nach, weshalb mir solche Ratespiele derart leicht fielen. Aus heutiger Sicht ist mir bewusst, dass ich die Gedanken und Bildvorstellungen meiner Spielgefährten ganz einfach auf telepathischem Wege aufgefangen hatte.
Beim Entdecken der Bücher zum Thema Telepathie wurde mir denn also manches klar. Begeistert begann ich daraufhin, mich in diese seltsam vertraute, neue Materie zu vertiefen und mich gründlich, besonders für Tierkommunikation, schulen zu lassen. Nach vielen Kursen, Workshops und zahllosen telepathischen Gesprächen mit Haustieren, die ich zur Übung und später dann für Kunden geführt hatte, beschloss ich eines Tages, mich auch einmal mit wilden Tieren im Zoo auszutauschen. Denn ich liebe Ausflüge in die verschiedensten Tiergärten - nicht nur zu zoologischen Studienzwecken, auch schlicht aus Freude, um all die wundervollen und teils erschreckend selten gewordenen Tiergattungen zu bewundern. Schon als Dreikäsehoch weilte ich mit meinen Eltern fürs Leben gern im Zoo und später führte ich natürlich auch meine eigenen Kinder oft dahin, denn sie fühlen sich den Tieren ebenso verbunden wie ich.
An jenem denkwürdigen Tag also machte ich mich wieder einmal auf in einen großen Zoo, diesmal mit der Absicht, erstmals in Dialog zu treten mit wilden, exotischen Tieren. Und das war sie dann: die Geburtsstunde dieses Buches.
1
Wie ich mich mental mit Tieren verbinde
Gewiss fragen Sie sich, wie denn eine telepathische Verbindung überhaupt zustande kommen kann. Auch darüber existieren bereits etliche sehr empfehlenswerte Bücher mit genauen Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Sie finden die Liste im Literaturverzeichnis. Ich werde mich deshalb hier nicht mehr vertieft dazu äußern, sondern Ihnen kurz beschreiben, wie ich es selber angehe.
Im Prinzip handelt es sich schlicht darum, den inneren Fokus vom Kopf zum Herzen zu lenken, d.h. unsere ständig auf Hochtouren laufende Gedankenmühle leiser treten zu lassen, sie für kurze Momente abzuschalten und uns auf unsere Sinnesantennen zu konzentrieren, damit das Fühlen und subtile Wahrnehmen unserer Umwelt überhaupt geschehen kann. Dazu müssen wir also erst einmal die äußere, hektische Betriebsamkeit ablegen und ruhig werden. Es fühlt sich wunderbar an, für eine Weile nicht zu überlegen, was alles noch zu erledigen wäre, welche Aufgaben und Termine morgen noch auf uns zukommen werden oder was uns gestern auf die Palme gebracht, verletzt hat.
Ich setze mich dazu einen Moment hin, schließe meine Augen, atme bewusst ein und aus und werde ganz still, äußerlich wie innerlich. Ich höre einige Male auf das Ein und Aus meiner Atemzüge und spüre, wie die Luft beim Einatmen kühl und beim Ausatmen warm durch meine Nasenlöcher strömt. Sodann stelle ich mir bildlich vor, wie aus meinen fest auf dem Boden stehenden Füßen Lichtwurzeln in die Erde hinab wachsen, damit ich in ihr verankert und mit ihr verbunden bin. Und weil unser schöner Planet sämtliche Lebewesen, Tiere und Pflanzen, Wasser und Felsen trägt und mit allem was existiert, eine Einheit bildet, bin ich auf diese Weise mit jedem Geschöpf verbunden, mit dem ich in Kontakt treten möchte. Selbst mit den Wesen in der Luft, den Vögeln und Insekten, denn dieser Lebensraum, der Wind, die Atmosphäre ist ebenso Teil des Planeten Erde. Eine solche innere Vorstellung lenkt ab vom Denken und das beschriebene kurze Ritual geschieht sehr schnell. Ich lasse es oft auch im Stehen ablaufen. Das bildliche Wurzeln wachsen lassen funktioniert übrigens auch in einem fahrenden Auto oder vom Hochhaus aus, Sie müssen nicht mit den Füßen buchstäblich auf der Erde stehen. Eigentlich ist es nämlich bereits die Absicht, unser Wunsch, unterstützt mit der Bildvorstellung, die unsere Verbindung zur Erde und mit allem Leben initiiert.
Im nächsten Schritt, auch das geschieht in wenigen Sekunden, male ich mir aus, mein Herz hätte Flügeltüren. In der Vorstellung öffne ich sie weit und schicke daraus einen hellen Lichtstrahl, wie einen Laser, zum Herzen jenes Tieres, mit dem ich mich austauschen möchte. Manchmal lasse ich auch einen Regenbogen entstehen, oder es darf sogar eine Rohrverbindung sein - der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Es geht nur darum, eine bildliche Brücke von mir zum Gegenüber zu schaffen. Über diese Brücke, den Lichtstrahl, den Regenbogen, schicke ich meine innerliche Frage zum Tier hinüber. Sie müssen Ihre Frage nicht wirklich hinüber wandern lassen. Auch hier genügt wieder die Absicht, das Tier mental anzusprechen und mit ihm zu kommunizieren. Bis hierhin spiele ich die Rolle eines Senders.
Nun muss ich quasi die Seite wechseln und zum Empfänger werden, denn ich möchte ja die Antwort des Tieres vernehmen. Auch jetzt, mehr noch als zuvor, muss ich ganz still bleiben im Kopf, keine eigenen Gedanken aufkommen lassen und auf mein Herz, mein Bauchgefühl, auf meine inneren Wahrnehmungen hören. Denn Intuition, diese innerliche Eingebung, klopft manchmal ganz bescheiden und flüchtig an und kann allzu leicht überhört werden. Ich bleibe also ganz entspannt und nehme eine lockere Erwartungshaltung ein. Diesen Zustand möchte ich beschreiben mit jenem kurzen Moment nach einem unerwarteten Sturz beim Spielen und Springen, den jeder von uns als Kind bestimmt mehr als einmal erlebt hat. Ich erinnere mich, dann jeweils einen Augenblick in mich hineingehört und gefühlt zu haben: Tut es weh? Wo? Was spüre ich? Es ist dies vergleichbar mit dem kurzen andächtigen Moment, bevor man danach entweder lädiert in Weinen ausbrach oder sich unverletzt wieder aufrappeln konnte. So ähnlich wie dieses abwartend in mich hinein fokussieren, als würde ich sekundenlang die äußere Welt und die Gedanken wie den Atem anhalten, so fühlt es sich am ehesten für mich an, wenn ich auf Empfang bin. Auf diese Weise warte ich gespannt und konzentriert auf Informationen.
Die Antworten kommen bei mir entweder als spontanes Wissen und über Gefühle an, als Bild oder häufig in Ideen und Sätzen. Und zwar fühlt sich das so an, als würde ich im Geist mit mir selber reden oder denken. Dabei liegt für den anfangs noch Ungeübten - das war auch bei mir so - die Schwierigkeit darin, dass eigentlich kein Unterschied wahrzunehmen ist zwischen aktivem Denken und jenen Ideen, die von außen, von anderen Wesen übermittelt werden. Und doch gibt es ein klares, auffälliges Unterscheidungsmerkmal zu den bewusst gesteuerten Gedankengängen. Im Gegensatz zu den eigenen Überlegungen sind die empfangenen Ideen stets in Sekundenbruchteilen da und als Antworten abrufbar. Es wäre niemals möglich, sie sich in derart kurzer Zeit selber auszudenken. Ich nehme dann sozusagen ein Stenogramm, ein Diktat auf. Beim Aufschreiben komme ich jeweils kaum nach, das Empfangene zu formulieren, mein Stift fliegt geradezu übers Papier. Es ist, als ob alle Informationen auf einmal zur Verfügung stünden und dann in hohem Tempo schrittweise aufgeschlüsselt würden. Und je mehr wir diese mentale, wortlose Form von Austausch mit den Tieren trainieren, desto sicherer und klarer kommen die Antworten und Gespräche bei uns an.
Das Einstimmen und Vorbereiten sowie die telepathische Verbindung an sich mag hier als sehr langsamer, komplizierter Prozess anmuten, in Wahrheit läuft dieses Hin und Her zwischen den Gesprächspartnern jedoch in Windeseile ab. Manchmal empfange ich eine Antwort oder Botschaft praktisch in derselben Sekunde, in der ich die Frage innerlich gestellt habe. Wichtig bei der ganzen Übung ist, dass wir die Sache nicht krampfhaft angehen, sondern vollkommen entspannt und spielerisch. Bei einer krampfhaften Herangehensweise blockieren wir uns, behindern den Informationsfluss oder verschließen sozusagen den Empfangskanal für die subtilen und leisen mentalen Übertragungen. Und wie bei allen ungewohnten Tätigkeiten braucht es auch hier ein längeres, intensives Training, wenn man diese neue Form von telepathischer Sprache erlernen will. Die grundsätzliche Fähigkeit dazu ist jedoch allen Wesen angeboren.
2
Haustiere und Wildtiere
Für mein Leben gern stöbere ich in den Buchhandlungen nach druckfrischen Büchern, denn ich bin eine große Leseratte. Zu meiner Freude findet sich in den Regalen zum Thema Tierkommunikation bereits eine ganze Anzahl Bücher, die von Gesprächen mit Katzen, Hunden und Pferden erzählen. Auch ich habe mich als Tiertelepathin mit vielerlei tierischen Hausgenossen diverser Kunden ausgetauscht. Ob Stubentiger, Pferde, Hunde aller Rassen, Vögel, Fische und Schildkröten oder Bauernhoftiere wie Kühe, Schweine, Ziegen, Gänse und viele mehr - für alle durfte ich schon Sprachrohr sein. Selbst Zirkustiere übermittelten mir erstaunliche und interessante Informationen.
Ziehen wir nun einmal den direkten Vergleich zum Dialog mit unseren Haustieren, fällt auf, dass die Antworten von wilden Zootieren deutlich philosophischer geprägt sind. Die Gespräche mit unseren vierbeinigen Mitbewohnern und Freunden drehen sich meist um Probleme im direkten Zusammenleben mit den Menschen und darum, uns ihre artspezifischen Bedürfnisse mitzuteilen. Die Tierakrobaten im Zirkus sind auf gewisse Weise ebenso eng mit den Menschen verbunden. Doch sie verstehen sich vielmehr als ebenbürtige Partner ihrer menschlichen Trainer, mit denen sie gemeinsam auf ein Ziel hin arbeiten.
Demgegenüber übermitteln uns die Tiere im Zoo, welche weniger auf den Menschen geprägt sind, vorwiegend globalere Gedanken. Es sind tiefgründige Botschaften, die das Verhältnis Mensch - Tier - Natur beleuchten. Ebenso sprechen diese Dialogpartner behutsam auch unsere eigenen Schwächen an und fungieren als liebevolle Berater und Therapeuten. Und vielfach warten sie gar nicht ab, bis ich ihnen ausdrücklich bestimmte Fragen stelle, sondern sie übermitteln Aussagen, die ihnen im Augenblick wichtig erscheinen, seien sie für die Menschen allgemein oder persönlich an meine Adresse. Doch eines haben alle Tiere gemeinsam: Ganz im Gegensatz zu den landläufigen Gepflogenheiten der menschlichen Spezies werten weder Haus- noch Wildtiere uns jemals für fehlbare Verhaltensweise - und mögen sie noch so sehr Opfer mancher Unwissenheit in unseren Reihen sein. Die Weisheit dieser wilden Brüder und Schwestern, denen ich in vielen verschiedenen großen und kleinen Zoos in Deutschland, Österreich und der Schweiz begegnet bin, nötigt mir enormen Respekt ab und tiefe Dankbarkeit für ihre bereitwillige Hilfe in schwierigen Lebensfragen oder Situationen. Mit einer gewissen Demut habe ich ihre erhellenden Botschaften über die Schöpfung und deren großen Zusammenhänge entgegengenommen und während zahlreicher Monate aufgeschrieben. Vieles war neu für mich und ungewohnt.
Lassen auch Sie sich verblüffen, bewegen und mittragen von den wertvollen Aussagen und bereichernden Erkenntnissen, die mir in den letzten Jahren die verschiedenartigsten Zootiere geschenkt haben. In deren Auftrag und im Sinne einer Mittlerin oder Übersetzerin ihrer Anliegen habe ich die vielen interessanten Gespräche für Sie, liebe Leser, gesammelt. Denn damit erfülle ich den vielfach und wiederholt geäußerten, dringenden Wunsch der Tierwelt, von den Menschen gehört zu werden zum Wohle eines harmonischen Miteinanders von Mensch, Tier und Natur auf unserem schönen Planeten.
Sie haben uns viel Ernsthaftes und Zentrales zu sagen. So sei es denn: Die Zootiere haben das Wort!
3
Zootiere
Zu Gast bei den Löwen
Die Sommerhitze hatte sich bereits langsam ausgebrannt. Milde Herbstsonne tauchte die Natur sanft in einen goldenen Schimmer. Das satte Grün der Blätter begann sich mit jenem zarten Gelbstich zu überziehen, der die Wärme des Spätsommers einfing und eine südliche Umgebung simulierte, ehe die Pflanzen sich mit bunten Farben schmückten. Es war ein wunderschöner Tag für einen Ausflug zum Zoo, wo ich zum ersten Mal mit den wilden Insassen kommunizieren wollte. Fröhliches Vogelzwitschern in den hohen, alten Bäumen gab mir das Geleit, als ich mit Notizheft und Stift bewaffnet gespannt über die Wege wanderte und überlegte, welches Wildtier wohl geneigt wäre, mit mir ins Gespräch zu kommen. Sollten es die gewichtigen Elefanten sein? Oder unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen? Während ich noch zögerte und eben an der weitläufigen Löwenanlage vorbei schlenderte, näherte sich eine Horde Primarschüler und steuerte lärmend auf das Gehege zu. Sie lachten und stimmten ein gewaltiges Gebrüll an, einer suchte den andern zu übertrumpfen. Währenddessen thronte dort der majestätische König der Tiere auf einem Felsen und blinzelte ungerührt in die Sonne. Ich war ziemlich irritiert und ungehalten über den Krach und dachte, wie sehr wohl jener Mähnenlöwe dadurch gestört sein mochte. Dennoch hielt ich meine innere Ruhe aufrecht, eine entspannte Haltung, wie ich sie grundsätzlich bei jedem Streifzug durch den Zoo bewusst einzunehmen versuchte. Unvermittelt und unerwartet empfing ich eine Antwort:
Ärgere dich nicht über diese lauten Kinder, akzeptiere und lass sie, wie sie sind. Sie imitieren mich mit lautem Geschrei, aber sie nehmen mich wahr, auch mit dem Herzen. Sie spüren meine Löwenkraft, meine Stärke. Ich wecke ihre inneren Kräfte, sie möchten ein bisschen sein wie ich. Das ist gut. Es schafft Verbindung zu mir und den anderen Tieren. Ihre Herzen vergessen nicht. Selbst solch kleine Samen gehen auf und begleiten diese jungen Menschen, bis sie groß sind. Du weißt, Kinder werden die künftigen Erwachsenen sein und dereinst das Bild der Welt prägen, die Zukunft der Erde bestimmen.
Ich war verblüfft über des Löwen Ausführungen und mehr noch darüber, wie mühelos er meine innere Frage aufgefangen und sogleich offen und freundlich beantwortet hatte, ohne dass ich eine mentale Verbindung zu ihm suchen und ihn explizit um ein Gespräch bitten musste. Ruhig schaute er mich an. Ich bedankte mich freudig für seine freundliche Bereitschaft, sich auf einen Dialog mit mir einzulassen und ließ seine Worte auf mich wirken. Oh ja, jetzt konnte ich seine Wahrheit in den Augen der Schüler erkennen. Respekt für den König der Tiere glomm darin, Achtung. Und damit gewann das imitierte Löwen-Gebrüll plötzlich an Sinn. Die Schulklasse zog weiter und wohltuende Ruhe kehrte ein.
Stören dich Betrieb und Krach der Besucher nicht? fragte ich verwundert den sich in stoischer Ruhe an der Sonne räkelnden Löwenkater. Er meinte:
Ich habe mich daran gewöhnt. Dies ist eine Sache der Einstellung. Es gibt Stunden voller Betrieb und Zeiten von Stille. Jeder Zustand hat seinen Reiz. Je älter ich werde, desto häufiger dämpfe ich meine äußeren Wahrnehmungen und lasse mich in eine Art von Meditation, in meine innere Welt gleiten. Ich genieße die Abendstunden, wenn der Zoo sich leert, die Menschen weggehen und ihren Lärm mit sich nehmen. Dann werden die Naturgeräusche wach und die Stimmen der anderen Tiere hier. Und das Gefühl von Verbundenheit mit der Natur und allem, was existiert, schwillt an und füllt mein Herz.
Was für eine Lebensaufgabe erfüllst du im Zoo? war ich gespannt zu erfahren.
Ich bin Luxor, der Lichtträger. Durch mein Dasein hier bringe ich den Menschen Aufklärung, zeige den Besuchern unsere Lebensweise, die Löwen-Persönlichkeit. Ich bringe Licht in die herrschende Unkenntnis über die gefährdete Zukunft meiner Gattung, in das sorglose Verdrängen der unbequemen Wahrheit. Meine Präsenz macht die Menschen achtsam, sie werden vertraut mit uns, lernen mich und meine Familie kennen und sich an unserem Anblick freuen. So werden sie nachdenklich und wachen auf, der tatsächliche Stand der Dinge auf der Erde dringt in ihr Bewusstsein. Ich bin ein Hoffnungsträger. In meiner Heimat existieren von Jahr zu Jahr weniger Löwen, denn die Lebensgrundlagen schwinden mehr und mehr. Unsere Art - und nicht nur die - geht langsam unter. Ich lebe in Gefangenschaft für deren Fortbestand. Meine Kinder sind ebenfalls Väter und Mütter geworden andernorts in Zoos auf der ganzen Welt. Meine Samen gehen auf. Dies ist der Sinn meines Lebens, eine wundervolle Aufgabe.
Auf der Beschriftungstafel vor dem Gehege war zu lesen, die Art der in diesem Zoo lebenden, seltenen indischen Löwen, die in Freiheit einzig noch im Reservat des Gyr-Forests in Indien existieren, sei weltweit inzwischen auf etwa dreihundert geschrumpft, ihre endgültige Ausrottung rücke bedrohlich näher - Alarmstufe rot für diese majestätischen großen Katzen! Mein Gesprächspartner wies also nicht von ungefähr darauf hin. Eine bedenkliche - eine bedenkenswerte Situation.
Zu seinem Namen hatte ich eine grundsätzliche Frage: Du nanntest dich Luxor. Möchtest du gern namentlich angesprochen werden? Ist ein Eigenname für euch in irgendeiner besonderen Weise wichtig, vielleicht zur telepathischen Kommunikation zwischen Mensch und Tier? Ich habe schon oftmals erfahren, dass Haustiere sehr auf ihre Eigennamen achten und nicht immer zufrieden sind mit unserer Wahl für sie.
Nein, der Name ist unwichtig für mich, für alle hier im Zoo. Wir identifizieren uns nicht darüber. Dein Gefühl für mein Wesen, das Wahrnehmen meiner ureigenen Persönlichkeit ist das Wesentliche. In der mentalen Verbindung stehst du nur darüber mit mir in Kontakt. Wie ihr uns Tiere benennt, hat keinen Belang.
Aber wie kann ich so denn sicherstellen, dass ich tatsächlich mit jenem Partner verbunden bin, mit dem ich mich austauschen möchte? Damit derjenige genau weiß, dass gerade er gemeint ist?
Konzentriere deinen Fokus bewusst auf den gewünschten Gesprächspartner, sei er nun anwesend oder als Bild vor deinem geistigen Auge. Dabei ist nicht der Name, sondern das offene Herz die Adresse - das des Absenders ebenso wie jenes des Empfängers der Botschaft. Und das Band, die Leitung zueinander, diese Verbindung entsteht durch Liebe und Respekt. Jeder spürt sich in des anderen Herz hinein. So fließen Stimmungen, Gefühle und Gedankenbilder, Wissen, Fragen und Antworten hin und her. Du weißt, Tiere kommunizieren ohne Worte. Den Inhalt eines telepathischen Austausches übersetzt der Mensch, vielmehr dessen Gehirn in Worte, in seine Sprache.
Ich nahm des Löwenkaters Abgeklärtheit und Ruhe wahr, fühlte seine Freundschaft und Geduld, seine selbstlose Liebe. Mit einer Prise Demut vor der Größe seines Wesens bedankte ich mich für dieses Geschenk. Immerhin ist es ein Gebot von Respekt, dass man ein wenig Dankbarkeit zeigt für die Offenheit und Bereitwilligkeit eines Tieres, uns seine Aufmerksamkeit zu schenken und auf unsere Fragen einzugehen. Ich tue das am Ende einer Kommunikation automatisch, selbst wenn ich es in diesem Buch nicht jedes Mal ausdrücklich erwähne.
*
Der Herbst war endgültig ins Land gezogen. Der Himmel zeigte sich bewölkt, ein paar dunkelgraue Wolkenballen drohten mit Regengüssen. Das hielt mich nicht davon ab, wieder einmal einen Zoobesuch zu unternehmen und mit meinen Aufzeichnungen weiterzufahren. Mittlerweile hatte in meinem Geist das zuvor nur wage Vorhaben für ein mögliches Buchkonzept über Dialoge mit wilden Zootieren immer klarere Form angenommen - zumal meine Gesprächspartner immer wieder betonten, ihre wichtigen, teils sehr ernsten und brisanten Aussagen unbedingt den Menschen zugänglich zu machen und damit zur Klärung von Missverständnissen, Unwissenheit und Bedürfnissen beizutragen. Solch ein Buch würde Plattform für die wilden Tiere sein, sich zu äußern, damit könnte ich ihnen eine Stimme geben. Die Möglichkeit, den Wunsch der Tiere auf diese Weise zu erfüllen, beflügelte mich, meine Idee in die Tat umzusetzen. Frohgemut und unternehmungslustig steuerte ich das nächste Erlebnis einer telepathischen Kommunikation mit dem König der Tiere an.
Das Großkatzen-Gehege hier war wunderschön, die Außenanlage großzügig und spannend angelegt, samt Wasserlauf und kleinem See. Ein mächtiger Löwenmann und seine Partnerin durchstreiften ihr Revier. Der Kater legte sich auf einen erhöhten Felsplatz und überblickte gelassen sein Reich. Ich beneidete ihn ein wenig, hatte ich doch selbst im Augenblick ein wenig Mühe, innerlich Ruhe zu finden. Ein paar Alltags-Ärgernisse griffen immer wieder nach meinem Bewusstsein, stahlen sich in meine Gedanken hinein und belasteten mein Gemüt. Wie deutlich offenbar das für die Löwen vor mir geworden sein musste, zeigte sich sogleich, als ich einmal mehr, ohne Voranmeldung für einen Austausch mit ihnen, genau darauf angesprochen wurde. Tiere können in unseren Seelen lesen wie in einem offenen Buch.
Entspanne dich, tue es mir gleich und genieße die Vollkommenheit des Augenblicks.
Es war der beeindruckende Löwenkater, der sich an meine Adresse wandte.
Spüre dem Jetzt mit all seinen Schattierungen nach. Fühlst du den sanften Wind über dein Gesicht streichen, nimmst du die zahllosen Geruchsfacetten wahr? Hörst du die Laute der Natur? Spürst du die Entspannung in deine Glieder sinken? Lass alle Belastungen und Kümmernisse los, befreie dich. Mache dir nicht so viele Gedanken und unnötige Vorschuss-Sorgen. Die Menschen leben selten in der Gegenwart. Entweder malen sie sich künftige Probleme und Begebenheiten aus, meist unerfreuliche, und verlieren sich in bangen Befürchtungen, in allerlei bedrückenden Angst-Szenarien. Oder sie hängen vergangenen Erlebnissen nach.
Leben heißt jedoch, jeden einzelnen Moment wahrnehmen, Eindrücke, Gefühle und Erfahrungen mit allen Sinnen entdecken und auskosten, sie freudig und in Ruhe annehmen und sich ihnen hingeben. Wie oft habt ihr euch doch vor etwas gefürchtet, das in Wahrheit niemals eingetroffen ist - und wie häufig dadurch die Schönheit eines gegenwärtigen Augenblicks verpasst, momentanen Frieden und Freude übersehen. Die Menschen behängen ihren Geist mit düsteren Bildern und laden dadurch ihrem Leben unnötig schwere Lasten auf. Denn die Empfindungen folgen immer der Vorstellung. Schöne Gefühle lassen euch leicht werden und das Herz, euer ganzes Dasein in strahlenden Farben leuchten.
Oh ja, wie rasch sich Stimmungen durch Gedanken beeinflussen lassen, wusste ich aus eigener Erfahrung.
Sei einfach da, verharre in Ruhe, selbst wenn Betrieb und Geräusche dich umwogen.
Er hatte Recht. Ich bemerkte meine leicht hochgezogenen Schultern und ließ sie rasch fallen, roch tausend Düfte und fühlte Windhauch im Gesicht.
Wenn dich jemand ärgert oder verletzt, lass dich nicht beeinflussen. Vergiss nicht, es ist deine Entscheidung, ob du dies zulässt.
Er sprach ein unerfreuliches Erlebnis an, mit dem ich tags zuvor konfrontiert worden war und das mich ziemlich erschüttert und noch heute nicht ganz losgelassen hatte.
Vielleicht verdient jener Mensch dein Verständnis, weil ihn ein Problem plagt, weil er Schmerzen oder Trauer empfindet und gerade nicht anders handeln kann. Versuche, nicht zu werten, weder dich noch andere. Betrachte die Situation von außen, wie ein Zuschauer das Schauspiel auf einer Bühne verfolgt. Richte deine Aufmerksamkeit auf das Positive, statt auf den negativen Aspekt darin. Das halbvolle oder halbleere Glas ist eine zentrale Lebensregel. Beide beschreiben denselben Zustand. Doch bei einem Gedanken empfindest du Zufriedenheit, den anderen begleiten Mangelgefühle. Deine Vorstellung wird zu deiner Wirklichkeit. Es kommt auf den Fokus an.
Der mächtige Löwe verstummte und ich empfand Weisheit und unbegrenzte Liebe um seine Gestalt herum. Sie dehnte sich wie eine riesige Blase aus, die auch mich umschloss. Mit dankbarer Freude für die mir gewährte freundschaftliche Zweisamkeit und seine hilfreichen Botschaften verließ ich die Löwenanlage.
*
In modernen Zoos wird die Gemeinschaftshaltung von zwei bis mehr Tiergattungen angestrebt, um möglichst naturgetreue Lebensbedingungen für die Tiere zu erreichen. Dies natürlich in einer für die zusammen wohnenden Arten möglichst ungefährlichen Form. Vergesellschaftung nennt man diese Gemeinschaftshaltung, deren Ziel eine Anreicherung der Umgebung ist, um die Lebensumstände für die Tiere interessanter, spannender zu machen. Die Anlagen und Gehege müssen dabei so gestaltet werden, dass sich die Tiere aus dem Weg gehen können.
In der neuen, entsprechend konzipierten Löwenanlage eines größeren Zoos wurden denn auch auf Bäumen lebende Sittiche einquartiert. Diese Vögel würden nicht auf den Boden hinunter fliegen und waren auf den Bäumen für die Löwen nicht erreichbar. So dachte man. Doch eine erfinderische Löwin entdeckte eine ganz besondere, strategisch ungewöhnliche Jagdmethode auf die verlockende, gefiederte Beute. Sie schüttelte die Bäume, auf denen sich die Sittiche aufhielten, dermaßen energisch, dass die Vögel doch zu Boden flogen. Dort konnte sie die kluge Löwin erfolgreich jagen und hatte innerhalb kürzester Zeit drei Opfer erbeutet und gefressen. Der Zoo brach die Gemeinschaftshaltung sofort ab.
Dieses Ereignis verlockte mich natürlich dazu, den Ort des Geschehens aufzusuchen. Mit Notizblock und gezücktem Stift richtete ich mich auf einer Bank vor ihrem weitläufigen Revier ein, wandte mich an die fragliche Löwin und wagte sie anzusprechen in der Hoffnung, sie würde sich vielleicht zu ihrem unerwarteten Beutezug äußern. Erstaunlich bereitwillig gab sie mir Auskunft.
Wisse, dass das Leben ein Spiel von Energien ist. Menschen haben dieses selbstverständliche Bewusstsein nicht, für uns Tiere hingegen bedeutet solche Erkenntnis Normalität. Dieses Wissen gehört zum Rüstzeug für unsere Lebenszeit auf der Erde. Jedes Wesen ist eine Form von Energie, ob Pflanze, Tier oder Mensch. Sogar Steine, Erde, Wasser sind Manifestationen von Energie, von einer bestimmten Schwingungsform. Auch du, so wie ich, bestehst aus Energie. Und die will gestärkt und genährt werden. Nahrungsaufnahme bedeutet also Energiezufuhr.
Löwen stehen an der Spitze der Nahrungskette. Ihr nennt Wesen wie wir Raubtiere, Räuber und drückt dieser Bezeichnung den Stempel von Brutalität und Gefahr auf. Damit verdammt ihr uns, ohne die Zusammenhänge zu kennen. Es ist eine menschliche Schwäche, Wesen nach euren Gutdünken zu werten, oft abzuwerten und rasch zu verurteilen. Unserem Namen heftet ihr den Beiklang von Negativität an. In eurer Vorstellung verbreiten wir Furcht und rauben unschuldigen Wesen brutal und rücksichtslos ihr Leben. Doch in Wirklichkeit verhalten wir uns nach dem Gesetz allen Lebens und handeln in vollkommener Übereinstimmung mit dem Kreislauf der Natur.
Kannst du mich aufklären, wie dies aus Sicht eines Beutetieres aussieht? Leben die nicht in ständiger Angst? Oder muss ich mich da an ein potentielles Opfer wenden?
Noch während ich diese Fragen stellte, bezweifelte ich, sie bei der Löwin an die richtige Adresse gerichtet zu haben. Doch diese zerstreute meine Bedenken und meinte ohne Zögern:
Ich kenne auch diese Antworten, wir Tiere wissen alle um Sinn und Aufgabe jedes Wesens. Denn alle Geschöpfe sind in einer großen Gemeinschaft verbunden, der Mensch eingeschlossen. Alles was existiert, ist in diese Einheit eingebunden. Auch das ist uns Tieren bewusst, im Gegensatz zu den meisten von euch, die den Zugang zu diesem Lebenskreis verloren haben. Unsere Seelen sind eins miteinander, wir fühlen die Herzen anderer Wesen, die Stimmungen, Bedürfnisse und Absichten ganz automatisch. Das ist wichtig zu wissen, bevor ich dir die Funktion von Jäger und Opfer erkläre. Die Form der Kommunikation und Verbindung untereinander, wie du sie ja nun auch kennen und anzuwenden gelernt hast mit uns, ist für euch Menschen eine große Herausforderung und eine ungewohnte Fähigkeit, die ihr euch mit viel Training wieder aneignen müsst. Einst standet auch ihr auf diese Weise in Verbindung mit der Schöpfung. Doch im Laufe der Zeit in die heutige menschliche Zivilisation hinein ist euch diese natürliche Gabe verloren gegangen. Für Tiere hingegen läuft sie so natürlich und selbstverständlich ab, wie sich das Sehen, Hören und Riechen mit den körperlichen Sinnen für euch Menschen anfühlt.
Zügig notierte ich alle Eingebungen, die ich von der Löwin empfing. Ich hatte inzwischen dieses Thema bereits auch von anderen Dialogpartnern erklärt bekommen. Es schien, neben dem Bewusstsein für die Geschichte mit den Energien, ein weiterer zentraler Unterschied zwischen den Tieren und unserer eigenen Spezies zu sein.
Geduldig fuhr die Löwin fort mit ihren Erläuterungen:
Und nun zu deiner Frage nach dem Leben eines Beutetieres. Für alle Wesen, Tiere und Pflanzen, bedeutet Leben ein Dasein zum Wohle der gesamten Schöpfung, ein sich Hingeben. Und auf der anderen Seite ein dankbares Annehmen des freiwillig Dargebotenen. Weil jedes Geschöpf bereit ist zu geben, da zu sein für andere, für den ganzen Lebenskreis, resultiert daraus ein natürlicher Austausch. Dies gilt eben auch für den eigenen Körper, der einem anderen als Nahrung und damit zu dessen Überleben dient.
Fressen und Gefressen werden, blitzte mir durch den Kopf. Und bei dem Gedanken war mir wie immer unwohl, ich mochte diese Vorstellung nicht gern. Die Löwin las in mir und meinte:
Versuche es als natürlichen Vorgang anzusehen. Vergiss nicht, es ist der Kreislauf des Lebens. Wie du ihn empfindest, bestimmt dein eigener Fokus darauf. Es ist die Sicht der Menschen, weil ihnen der wahre Sinn dahinter fremd ist: sich hingeben zum Nutzen eines anderen, zum Erfüllen dessen Bedürfnisses. Es ist niemals Töten aus Mordlust, Egoismus und Gier. Das sind Regungen eurer Gattung. Der Mensch fragt selten nach, meist nimmt er sich rücksichtslos, was er will. Er denkt auf sich bezogen und die Auswirkungen seines Verhaltens kümmern ihn kaum.
Trotz dieser wenig erbaulichen Wahrheit empfing ich von der Löwin warme Empfindungen von Verständnis und Mitgefühl für unsere fehlbare Spezies. Wie jedes Tier wertete sie nicht, sondern nahm uns samt allen Schwächen liebevoll an.
Wesen wie wir, die von den Körpern anderer Tiere leben, sind sich unseres Handelns und dessen Konsequenzen bewusst. Wir sind dankbar für den liebevollen Akt des Beutetieres, das uns seinen Körper opfert, damit wir nicht verhungern. Denn es geschieht aus selbstloser Liebe, dass sich ein Wesen zur Verfügung stellt und sein irdisches Leben aufgibt, damit ein anderes dafür weiter existieren kann. Es kennt den tieferen Sinn seines Daseins.
Aber lebt ein Beutetier nicht in ständiger Angst, überall und zu jeder Zeit unverhofft angegriffen und gefressen zu werden?
Nein, Tiere fürchten sich nicht vor dem Tod. Und es geschieht auch nicht unerwartet. Denn Verfolger und Opfer stehen in Verbindung miteinander. Es entsteht eine kurze Absprache. Der Jäger vermittelt sein Bedürfnis nach Nahrung und ein Tier stellt sich zur Verfügung. Oft ist es krank oder schwach und eine sinnvolle Aufgabe seiner Existenz ist, mit seinem Körper einem anderen Wesen Lebenskraft zu schenken. Kein Geschöpf jagt ein anderes, wenn dieses nicht bereit dazu wäre und eine andere Lebensaufgabe vor sich hat. Es ist stets ein Akt des Schenkens und Beschenktwerdens in Liebe und Dankbarkeit.
Ich war ziemlich überwältigt von diesen Äußerungen und die für Menschen ungewohnt altruistische und schwer nachvollziehbare Lebensweise im Tierreich. Aber noch eine Frage beschäftigte mich:
Wenn die Tiere keine Angst vor dem Sterben haben und dessen Sinn kennen, wieso flüchten sie dann vor dem jagenden Raubtier? Ich fühlte die Löwin lächeln. Sie hatte bereits vor der Fragestellung gewusst, worauf ich hinaus wollte.
Jedes Geschöpf hat seine besondere Gestalt mit eigenen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Anlagen, um zu funktionieren und sein Leben auf der Erde zu meistern. Die Grundvoraussetzungen zum Überleben sind genetisch bedingt und von Art zu Art verschieden. Jedes Wesen wird angetrieben von automatisch sich abspulenden, physiologischen Abläufen ebenso wie von Reaktionen auf Umweltsituationen, die seine Existenz sichern und das Fortbestehen einer ganzen Gattung ermöglichen. Gefahren wahrnehmen und ihnen ausweichen, sich von ihnen weg entfernen durch Flucht, ist eine natürliche Handlungsweise - das tun auch Menschen, wenn sie erkennen, dass sie bedroht sind und ein Gegner oder Angreifer ihnen überlegen ist. Tiere, die in der Nahrungskette unter uns Jägern stehen, reagieren denn auch automatisch mit Flucht auf unser Erscheinen. Ihr nennt sie ja auch Fluchttiere. Das schließt jedoch nicht aus, dass der Informationsaustausch zwischen einem Geschöpf, das Nahrung nötig hat und darum bittet und jenem, das sich selbstlos zur Verfügung stellt, ungehindert abläuft. Die Reflexreaktion des Flüchtens resultiert aus der Veranlagung heraus, genauso wie die des Nachjagens und Eroberns von unserer Seite. Auch diese Vorgänge gehören dazu und sind notwendig, um unsere jeweiligen Charaktereigenschaften ausleben zu können. Denn sie sind Teil der Persönlichkeit und Einzigartigkeit jeder Wesensart auf dem Planeten. Wir sind damit geboren worden, um sie einzusetzen und zu erfahren.
Das leuchtete mir ein. Ich wollte mich eben bei der Löwin bedanken für ihre unendliche Geduld und meine Notizen zusammenpacken. Da fiel mir ein, dass sie sich zu ihrer Vogelfang-Aktion in der Löwenanlage noch nicht geäußert hatte. Ob es wohl unverschämt war, sie ebenfalls darauf anzusprechen? Noch während ich zögerte, kam sie mir hilfreich entgegen:
Du möchtest gern erfahren, was zwischen den Sittichen und mir geschehen ist. Wie du weißt, heißt Nahrungsaufnahme Energiezufuhr. Und zwar nicht nur im Sinne von Kalorien, sondern vor allem auf der Ebene von Schwingungen, von Lebensenergie, die alle Geschöpfe durch Verspeisen anderer Wesen aufnehmen. Bei den vegetarisch sich ernährenden Arten geschieht dies durch die Pflanzen, auch sie sind Energieformen. Wir Tiere, die in Gefangenschaft leben, erhalten nur totes Futter. Das ist energetisch bedeutend weniger wertvoll und stärkend. Denn es handelt sich um Wesen, die in den meisten Fällen nicht freiwillig ihr Leben und ihren Körper geopfert haben in dem üblichen liebevollen Akt zum Nutzen eines anderen. Es sind Geschöpfe, die gedankenlos getötet worden sind, ohne Dank für das Geschenk ihres Lebens und oft nach unwürdiger Leidenszeit in Angst bis zu ihrem traurigen Ende.
Mein Dasein hier im Zoo verbietet mir, jemals meine Veranlagung auszuleben und ein Beutetier zu fangen, im Einverständnis mit einem Wesen zu sein, das sich und seine wunderbare Lebenskraft mir bewusst und liebevoll hingibt. Diese neu und unerwartet in unserem Revier eingezogenen Mitbewohner wussten dies und haben mir freiwillig die niemals wiederkehrende Gelegenheit geboten, meine Jägernatur wenigstens ein einziges Mal zu erfahren. Ich danke ihnen voll Demut für das selbstlose Opfer, ihr Vogeldasein für mich aufgegeben und mir ihre hochwertige Energie zur Verfügung gestellt zu haben. Und dafür, mich meinen angeborenen Jagdinstinkt einen Augenblick lang ausleben zu lassen.
Dies war ein denkwürdiger und außergewöhnlich ausführlicher Austausch gewesen. Ich lockerte mein verkrampftes Handgelenk und steckte die vielen beschriebenen Notizblätter ein. Glücklich über dieses lange Gespräch mit der Löwin, die sich mir mit soviel Wohlwollen und unendlicher Geduld geöffnet hatte, verabschiedete ich mich von ihr und machte mich ganz erfüllt von all den interessanten Erkenntnissen auf die Heimfahrt.
*
Böige Novemberwinde fielen mir in den Rücken und schubsten mich beinahe die Treppe zur Löwenanlage hinauf. Wolkenfetzen zogen rasch über das Himmelsblau und spielten Verstecken mit der Spätherbstsonne. Rundherum schnitten Gärtner die Sträucher und Bäume zurück, kappten Äste und lichteten aus, rodeten einzelne Stellen der Bepflanzung. Ganze Wagenladungen von Zweigen wurden abtransportiert. Ein Teil würde Verwendung finden in verschiedenen Gehegen, damit die Tiere damit spielen, daran knabbern und die Rinden abschälen konnten.
Die Löwen wanderten durch ihr Revier. Der mächtige Kater verharrte im Schritt und ließ sein lautstarkes Brüllen durch den Zoo schallen. Wollte er damit wohl etwas ausdrücken?
Ich zeige anderen Tieren meine Stärke. Ich habe viel Kraft und gebe davon an meine Umgebung ab. Laute sind mächtig, sie haben große energetische Auswirkungen auf die Umwelt.
Das nahe Kreischen einer Motorsäge, die sich durch ein paar dicke Äste frass, lenkte mich ab. Der Löwe fing mein leises Bedauern mit dem Baum auf und fuhr fort:
Ebenso große Energie tragen eure Gedanken und Vorstellungen in sich. Sie bewirken viel mehr, als sich der Mensch bewusst ist. Was ihr sagt, denkt und euch ausmalt, damit beeinflusst ihr, dadurch kreiert ihr die künftige Welt. Zahlreiche Menschen machen sich ernste Gedanken über das Aussterben von Tierarten, die Abholzung des Regenwaldes.
Ja, genau dies war mir eben durch den Sinn geschossen und er ging postwendend auf meine Empfindungen ein:
Und ihr fühlt euch machtlos. Das seid ihr nicht. Jede Veränderung beginnt im Kleinen und wächst an wie ein großer Fluss, in dem sich unzählige einzelne Rinnsale vereinen und zu einem gewaltigen Strom anschwellen können. Aufklärung geht auf manche Weise vonstatten. Ein Weg, andere Menschen zu berühren und wachzurütteln, ist der durch Gedankenarbeit und Informationen, wie durch dieses mit dem Herzen geschriebene Buch. Das ist dein Beitrag für ein Umdenken zu Achtsamkeit und Respekt gegenüber der Schöpfung. Jedes Wesen hat die Macht, unsere Welt zu verändern, auch du. Notiere alles, was aus deinem Herzen strömt. Schreibe auf, was wir in unseren Gesprächen mit dir teilen. Lass andere Menschen über deine Brücke gehen, über diese Brücke zu uns Tieren.
Dankbar für seine Botschaft fragte ich den Löwen, ob er mir noch etwas auf den Weg geben mochte, eine Empfehlung an mich oder für alle Menschen.
Denke an die Schlangenhaut, die du sahst.
Ach ja, bei meinem Streifzug durch den Zoo hatte ich kurz zuvor in den Terrarien eine farblose schlauchförmige Hülle entdeckt, jenes selten zu entdeckende, geisterhafte Abbild einer Schlange. Aber woher weißt du das? wollte ich verblüfft wissen.
Dieses Erlebnis haftet noch in deinem Herzen, es hat dich beeindruckt, lächelte der mächtige Mähnenlöwe und schaute mir in die Augen. Seine Präsenz zog mich magisch in Bann. Es fühlte sich an, als blickte er mir direkt ins Herz hinein. Ich nahm unsere mentale Verbindung als sehr intensiv wahr.
Häutet euch. Streift alte, begrenzende und einengende Hüllen ab, lasst Neues wachsen. Ehrt die Stärken in euch und gebt sie freudig weiter. So verändert ihr die Welt. Und seid euch stets eurer Gedanken und Worte bewusst. Sie sind mächtig, achtet gut darauf, wie ihr denkt und was ihr sagt.
Der Löwe schüttelte seinen wundervollen Mähnenkranz, reckte den Kopf und ließ erneut sein weit tragendes Brüllen hören. Es war ein imposantes, beeindruckendes Bild, ein machtvolles Schauspiel. Seine wahrhaft königliche Präsenz veranlasste mich zu der Frage, wie ein Löwenmann die Position als Oberhaupt der Familie sah, in welcher Form er seine Macht wahrnahm und ausübte.
Ich muss ein starker, verlässlicher Rudelführer sein zum Nutzen und zur Sicherheit aller Familienmitglieder. Jeder Löwenkater verteidigt mit seiner Kraft Mütter und Junge gegen Eindringlinge, die ihnen gefährlich werden könnten. Unsere dichte Mähne ist geeignet, Prankenhiebe und Bisse abzufangen. Wir haben den Drang, die Familie zu schützen, dem Nachwuchs ein guter Führer und Vater zu sein.
Verbreitet ihr manchmal auch Angst durch eure dominante Präsenz?
Nein, das männliche Oberhaupt ist kein Despot, wir leben in einer harmonischen Gemeinschaft. Familie und ihr Zusammenhalt ist einem Rudelführer ausgesprochen wichtig.
Wieso gehen nur die Löwenweibchen Beute jagen?
Ein Kater muss seine Kräfte sparen. Er darf sich nicht verausgaben, denn er muss jederzeit gewappnet sein für Angriffe von allein umherziehenden jungen Löwenmännern. Dies ist eine wichtige und sehr ernste Aufgabe. Solche starken Einzelgänger versuchen von Zeit zu Zeit immer wieder neu, einen Rudelführer in gefährlichen Kämpfen zu besiegen und dessen Familie zu übernehmen. Dabei töten sie oft anschließend den ganzen Nachwuchs. Die Menschen verstehen unsere Haltung meist nicht, weil sie den wahren Grund nicht kennen. Sie stufen uns vielfach als faule Profiteure ein, welche die Löwinnen für sich Beute schlagen lassen.
Auch er erklärte sich ganz ohne Vorwurf. Tiere werten und verurteilen andere Geschöpfe niemals. Dies ist wohl eine leider unrühmliche menschliche Eigenart. Er fuhr fort:
Wenn die Löwinnen auf die Jagd gehen, bleibt immer eine Mutter bei allen Jungen zurück und beaufsichtigt den gesamten Nachwuchs, sie sind sehr fürsorgliche Wesen. Die Familie steht für einen Löwen im Vordergrund.
Es war Abend geworden. Dämmerung verschluckte langsam die Farben und kroch unter Büsche und in Mauerecken. Bald würden die Tore schließen. Ich wollte mich nicht verspäten und den Nachtausgang benutzen müssen, verabschiedete mich herzlich von meinem gesprächsbereiten, beeindruckenden Gegenüber und verließ, einmal mehr reich beschenkt durch all die bereitwilligen, freundlichen Tierlehrer, den Zoo.
*
Schneeduft lag in der kalten Morgenluft. Der Zoo präsentierte sich noch ziemlich leer und ruhig. Warm eingepackt marschierte ich zügig durch die Wege Richtung Löwenhaus. Ich war ein wenig traurig. In den Zeitungsberichten war kürzlich zu lesen gewesen, dass eine der Löwinnen vor zehn Tagen zwei Junge zur Welt gebracht hatte, die beide nicht überlebten. Eines war bei der Geburt schon tot, das zweite verstarb kurz danach ebenfalls. Das Wechselbad der Gefühle, welches durch diese Geschehnisse bei mir und vielen Menschen ausgelöst worden war, wollte ich mit dem Löwenvater zu bereden versuchen:
Ich möchte gern diese letzten Ereignisse in deiner Familie verstehen. Die Freude im Zoo und die Enttäuschung danach liegen so nahe beieinander. Kannst du mir etwas dazu sagen?
Diese Geburt und das rasche Vergehen der kleinen Erdenbesucher sind nicht so sinnlos, wie es euch erscheinen mag. Es ist eine Frage der Schwingungen. Elternwerden und Geburt brachte eine besondere notwendige Energie in unsere Gruppe hinein. Es war jedoch nicht vorgesehen, dass diese Jungen aufwachsen sollten. Eine wichtige Aufgabe ihrer kurzen Anwesenheit hier war es, erneut die Menschen nachdrücklich im Herzen zu berühren. Nur wenn er Emotionen entwickelt, wird der Mensch achtsam und bewusster für seine Umwelt, für Natur und Tiere. Einzig wenn er Freude empfindet, die in Verlustgefühle und Trauer umschlägt, wacht er auf. Ihr wart alle überrascht und begeistert von der Nachricht über die neu geborenen Löwenbabys. Dass die beiden die Erde sogleich wieder verließen, hat euch geschmerzt und aufgerüttelt. Das kurze Glück und der Verlust danach haben die Medien beschäftigt mit dem Erfolg, dass einmal mehr die schwindende Population unserer Gattung, ja das ständig wachsende Aussterben von Arten auf dem ganzen Planeten, ins menschliche Bewusstsein rückte. Emotionale Begebenheiten finden bedeutend größeren Nachhall in den Herzen. Je unspektakulärer seine Erlebnisse und Gefühle sind, desto leichter verdrängt und vergisst der Mensch unangenehme Wahrheiten. Doch es ist zwingend, dass sehr bald ein nachhaltiges Umdenken stattfindet auf der Welt. Noch ist es nicht zu spät. Wir Tiere helfen euch dabei.
Nun verstand ich die Zusammenhänge der neuesten Begebenheiten besser. Nachdenklich klappte ich mein Notizheft zu. Trotz allem wäre mir ein Happy End im Kinderzimmer der Löwen lieber gewesen.
*
Zu einer späteren Zeit und bei anderer Gelegenheit durfte ich mich und mit mir unzählige Menschen im Ausgleich dafür über ein unerwartetes frohes Ereignis freuen. Ein junger Löwe war überraschend Vater geworden. Zu Anfang bangten viele Menschen zusammen mit den Wärtern und Betreuern der kleinen Familie um das Gedeihen der Löwenbabys.
Kurz nachdem die erfolgreiche Geburt publiziert worden war, suchte ich das Gespräch mit der frisch gebackenen, erstmals Mutter gewordenen jungen Löwin. Sie lag mit ihren Kindern in der Wurfbox hinter den Kulissen, doch ich konnte mich auch ohne ihr nahe zu sein, telepathisch mit ihr verbinden, physische Präsenz ist nicht Voraussetzung für einen mentalen Austausch. Ich stimmte mich für diese Fernverbindung gefühlsmäßig aus dem Herzen heraus intensiv auf sie ein: Wie geht es dir? Wie fühlt es sich für dich an, Mutter zu sein?
Mutter zu sein ist seltsam und ungewohnt, ich bin hin- und hergerissen. Das macht mich nervös, denn solch ein Zwiespalt ist neu für mich. Einerseits möchte ich diese kleinen, unbeholfenen Wesen beschützen. Andererseits fehlt mir auch wieder die Geduld und ich möchte tun und mich bewegen, wie ich will. Sie sind so winzig und selber nicht lebensfähig. Alles hängt von mir ab und bedeutet eine riesige Verantwortung. Das ist schön und macht mich stolz und wichtig - aber dann auch wieder nicht. Es ist eine gewöhnungsbedürftige Lage.
Das kam mit einem Stoss-Seufzer.
Und doch genieße ich es, gebraucht zu werden und unserer Gattung neues Leben zu schenken. Es ist so sinnvoll und groß.
Ihr Zaudern schien sich während unseres Dialoges gewandelt zu haben. Nach und nach empfing ich deutlich sich steigernde Begeisterung von ihr, Stolz und Bereitschaft. Im Augenblick wirkte die junge Mutter zufrieden - ein positives Zeichen für die Zukunft der kleinen Familie. Ich war ebenso guter Dinge, freute mich sehr über den unerwarteten Kindersegen bei den Löwen und wünschte der Mutter und dem Nachwuchs alles Liebe.
*
Heute, etliche Wochen später, stand ich inmitten unzähliger Zoobesucher begeistert vor dem weitläufigen Löwengehege und bestaunte glücklich das sich bietende fröhliche Schauspiel. Inzwischen konnten Anspannung und Besorgnis um die beiden Babylöwen definitiv abgelegt werden. Die beiden tapsigen, putzmunteren Jungtiere waren nun bereits ein paar Monate alt und vermittelten pure Lebenslust. Unter den Kontrollblicken ihrer fürsorglichen Mutter erkundeten sie unternehmungslustig ihr Revier und balgten lustig miteinander. Von Anfang an zeigte sich der Löwenkater als geduldiger und vorbildlicher Vater. Ohne Scheu kletterten die putzigen Knirpse frech auf ihm herum und kuschelten sich genauso an ihn wie an ihre Mutter. Die Löwenfamilie war ein wahrer Publikumsmagnet. Ganze Trauben von Besuchern verweilten täglich vor der attraktiven Anlage, ließen sich verzaubern von dem ausgelassenen und kecken Treiben der drolligen Löwenjungen und konnten ein Bild großer Harmonie, Vertrautheit und Zusammengehörigkeit in sich aufnehmen. Und ich dachte mir, dem einen oder anderen Zuschauer würde insgeheim bewusst werden, was Familie bedeuten mochte.
Auf dem Pfad der Elefanten
Würden mir andere Zootiere auch so offen und bereitwillig begegnen und sich auf ein Gespräch einlassen wie der Mähnenlöwe, mein allererster Dialogpartner? Das fragte ich mich gespannt vor nun vielen Monaten, zu Beginn meiner telepathischen Kommunikationsversuche mit wilden Tieren. Beflügelt von dem erfolgreichen Austausch mit besagtem freundlichem Löwenkater machte ich mich damals also entschlossen auf den Weg zum kleinen Elefantenpark. Meine zweiten Gesprächspartner sollten die ruhigen Dickhäuter sein.
Schon von Weitem sah ich einen Elefantenbullen in seinem Außengehege stehen. Er wiegte sich Rüssel schwingend sichtlich etwas gelangweilt hin und her und schaute mir erwartungsvoll entgegen. Ich ließ rasch mein kleines, innerliches Ritual für eine mentale Verbindung ablaufen, öffnete ihm mein Herz und wollte wissen, ob er mit mir reden mochte und wie er sich fühlte. In derselben Sekunde begann auch schon der Fluss seiner Übermittlungen zu strömen.
Nun, es läuft gerade nicht viel. Aber ich bin das gewohnt und kann mich darein schicken. Doch jede Abwechslung ist mir hoch willkommen. Es macht mich froh, wenn ab und zu Menschen sich Zeit nehmen, mich zu beobachten und es belebt mich. Danke, dass du mich wahrgenommen hast, ich freue mich sehr, mich mit dir auszutauschen.
Glücklich über den problemlosen Kontakt auch mit diesem Wildtier fragte ich: Möchtest du mir verraten, was dir besonders gefällt, als Elefant zu leben, wie es sich anfühlt, ein so großes und gewichtiges Tier zu sein?
Das Dasein als Tier ist in vielem leichter als ein Mensch zu sein. Ihr koppelt euch so stark ab von der Gemeinschaft der Schöpfung, die in Liebe verbunden ist - denn alles ist eins - dass ihr euch mit Angst füllt und euch nicht mehr dem Fluss des Lebens zu überlassen traut. Als könntet ihr mit dem Verstand den Lauf der Dinge aufhalten und verändern nach eurem Willen. Das Wahre aber ist, euch voller Freude dieser Zeit im irdischen Körper hinzugeben und sie mit allen Sinnen zu erleben, jeden Augenblick. Denn Zeit ist eine Folge von aneinander gereihten Momenten, wie Perlen an einer wundervollen Kette. Ich bin gern Elefant, spüre meine gewaltige Kraft, die sich mit der Natur verbindet in einem unablässigen und starken, genussvollen Austausch. Ich habe eine große Gestalt, damit die Menschen mich wahrnehmen, mit den Augen und im Herzen. Im Zoo hoffe ich beitragen zu können, dass viele Menschen das untrennbare Zusammenhängen von Tieren, Natur und ihnen selbst erkennen lernen. Ich lebe hier auf ziemlich begrenztem Raum. So ähnlich sieht es jedoch auf der ganzen Welt mehr und mehr aus: Der Lebensraum von uns Tieren geht unaufhaltsam verloren durch zivilisatorische und profitgesteuerte Eingriffe - und damit schwindet bald einmal auch die Lebensgrundlage für den Menschen. Es ist höchste Zeit, dass er erwacht und erkennt.
Wie allen Tieren eigen, waren auch des Elefantenbullen Ratschläge voll Besorgnis, jedoch nicht mit Tadel, sondern mit Verständnis und Mitgefühl für unsere Blindheit gewürzt.
Soeben trat ein junger Vater mit seinem höchstens vierjährigen Sohn herzu. Beide verfolgten aufmerksam die Bewegungen des Elefanten. Der kleine Knirps lächelte mich zutraulich an und erklärte mir haarklein, was er alles entdeckte: das Wippen, den beweglichen Rüssel, die Stosszähne. Der Dreikäsehoch beschrieb den Bullen sehr treffend, und er schien dessen Kraft, Geduld und Liebe mit dem Herzen wahrzunehmen. Dieser Kleine war reizend, aber eine nie versiegende Plaudertasche. Der Vater lächelte stolz und verfolgte stumm, wie mich sein Sprössling ohne Scheu in ein kindliches Gespräch verwickelte. Ich wurde langsam nervös und blockte ein wenig ab, denn ich hatte doch eine Reihe von Fragen an die Elefanten vorbereitet, die ich loswerden wollte. Plötzlich mischte sich der Bulle in meine Gedanken und meinte amüsiert:
Lass doch deinen Fragenkatalog und deinen vorgegebenen Ablauf für ein Gespräch mit mir. Wir können uns auch so verbinden. Telepathischer Austausch durch Herzensverbindung ist die natürlichste Sache der Welt und keine Arbeit aufgrund eines Pflichtenheftes. Bleibe spontan. Rede mit mir, wie du es mit deinen Freunden tust, so selbstverständlich und locker. Nimm einfach an, was an dich herantritt. Lass den Kleinen plaudern. Sieh nur, wie sehr er bei der Sache ist und wie intensiv er fühlt.
Er ist noch unverbildet und stark verbunden mit den Tieren. Schau, wie deutlich er mich wahrnimmt und was um ihn herum geschieht. Kinder sind die künftigen Erwachsenen. Dieser Kleine wird offener bleiben im Herzen als andere. Solche Wesen helfen der Menschheit auf den Weg zurück in die Verbindung des Lebenskreises. So wie du. Mit diesem Buch wirst du ein Wegbereiter der Herzen, ein Pfadfinder der allgegenwärtigen Liebe sein.
Ich entsinne mich, wie verdattert ich mich damals wunderte, woher der Bulle von einem Buch wissen konnte. Ganz im Geheimen und noch zaghaft erst hatte sich in mir soeben der Gedanke zu formen begonnen, solche Dialoge mit Wildtieren zu sammeln und vielleicht gar anderen Menschen zugänglich zu machen. Denn sie zeigten sich spannend, neuartig, weise und ziemlich philosophisch, deutlich anders als meine bisherigen Gespräche mit Haustieren. Doch war dies vorerst nur eine flüchtige Idee, noch kaum geboren. Der graue Riese schien zu lächeln über meine stumme Verblüffung.
Wundere dich nicht. Wir Zootiere sind es, die dich im Herzen dazu aufgerufen haben. Unbewusst leistest Du unserem Anliegen nun Folge. Denn es ist ungeheuer wichtig, dass den Menschen das Licht der Erkenntnis gebracht wird. Jetzt! Die Zeit ist reif. Es wird weitere Bücher geben auf der Welt, die eure Spezies aufwecken, und es werden noch viele mehr, die alle das alte Wissen um die Gemeinschaft der Schöpfung aus der menschlichen Vergessenheit ans Licht holen, so dass der Respekt vor anderen Lebewesen und vor euch selber wieder wachsen kann. Damit ihr in die Liebe zurückfindet.
So war das also, dachte ich ziemlich platt.
Dann wurde ich abgelenkt und wieder zurückgeholt von meiner Gedankenreise, als mich der Kleine zu meiner Linken erneut ansprach. Entspannt ging ich auf seine Frage ein, was ich denn jetzt tun würde und antwortete, ich schriebe auf, was wir hier erlebten, damit ich nichts vergäße und es später anderen erzählen könne. Doch der junge Vater befürchtete wohl weitere persönliche und womöglich peinliche Fragen, nahm seinen Sohn an der Hand und verabschiedete sich verlegen lächelnd.
Der Bulle schaute den beiden nach, er wirkte plötzlich etwas verloren in seinem separaten, von den Elefantendamen mit ihrem Nachwuchs abgetrennten Gehege. Ich fragte ihn, wie er sich fühle so allein und wie ihn der Verlust des, wie ich wusste, vor nicht langer Zeit in hohem Alter verstorbenen Mitgliedes seiner Familie berühren würde.
Ich bin nicht wirklich allein, nur weil eine meiner Gefährtinnen diese Welt verlassen hat. Das erscheint dir nur aus menschlicher Sicht so. Sie war zwar meine engste Vertraute, ein starkes hilfsbereites Wesen, deren körperliches Fehlen eine spürbare Lücke hinterlässt. Doch sie ist nicht eigentlich aus unserer Nähe verschwunden. Die Größe und Einzigartigkeit ihrer Schwingungen ist für uns alle im selben Maße präsent wie zuvor, auch wenn sie nun körperlos ist und in einen anderen Seinszustand gewechselt hat. Wenn es meine Absicht ist, sie zu fühlen, ist sie da, wahrnehmbar mit dem Herzen, auf der Seelenebene.
Ich versuchte mir vorzustellen, wie das funktionieren könnte. Er erklärte sich genauer:
Dies ist heute wohl schwer verständlich für euch, denn die Menschen haben im Laufe der Entwicklung ihre Absicht ähnlich eingesetzt, jedoch mit einem unguten Ziel. Mehr und mehr habt ihr euch willentlich aus dem Raum des Innen, ihr nennt es Herzen - das ist dort, wo ihr sämtliche Schwingungen, alle Energien erleben könnt - zurückgezogen und euch bewusst auf das Außen eingestellt. Durch euren eigenen Willen hervorgerufen, habt ihr einen veränderten Blickwinkel und eine andere Wahrnehmungsebene erlangt und eingeübt. Damit habt ihr euch aber abgetrennt vom Seinszustand der Schöpfung. Mit der Zeit geriet dann der Weg zurück zum alten Wissen in Vergessenheit.
Doch ihr findet die Erinnerung wieder, wenn dies eure zweifelsfreie Absicht ist. Dann öffnen sich eure Herzen. So zeigt sich das Innen, und die Schwingungen der Liebe, die alles Leben zusammenhalten, sind für euch erneut wahrnehmbar. Hier seid ihr wieder am Ort der Verbindung zur Schöpfung und könnt mit allen Wesen in Kontakt treten, mit denen ihr es möchtet. Auf diese Weise verbinde ich mich auch mit meiner alten Gefährtin.
Der mächtige Bulle verstummte. Schon eine ganze Weile hatte er aufgehört mit seinen monotonen Schaukelbewegungen. Jetzt durchmaß er gemächlichen Schrittes seine äußere kleine Welt, während er in einer viel größeren inneren Welt liebe Freunde wie seine vertraute Elefantentante besuchte. Ich überließ ihn seiner Versunkenheit und stahl mich leise davon.
*
Endlich hatte ich eine aufreibende Zeit voller Termine und Pflichten hinter mich gebracht und freute mich, wieder einmal in der Atmosphäre eines Zoos abzuschalten und die Gesellschaft all der interessanten Persönlichkeiten unter den wilden Tieren genießen zu können. Die Elefanten standen oder liefen gemächlich in ihrem kleinen Park herum. Einer vergnügte sich selbstzufrieden mit auf dem Boden verstreuten Zweigen und werkelte mit seinem Rüssel herum. Er fühlte, dass ich ihn beobachtete und sprach mich gleich selber an.
Genieße, entspanne dich. So wie ich.
Er demonstrierte es, hob einen Fuß hoch und ließ ihn locker an den anderen gestützt, einen Moment gewichtslos ruhen.
Ich lasse mich treiben von Moment zu Moment. Tut es mir gleich. Menschen machen sich ihr Dasein oft selber trübe. Es ist sinnlos, ständig dem nachzutrauern, was ihr nicht habt. Schätzt vielmehr, was ihr erleben dürft. Auch Kleinigkeiten sind winzige Abenteuer. Sieh nur das Wasserrinnsal hier. Wasser ist spannend. Ich rieche daran, nehme es im Rüssel auf und befeuchte meinen Bauch damit.
Er tat es genüsslich.
Ich beobachte sein Fließen, wie es sich mit Erde vermengt und braun wird. Konzentriert euch auch auf die kleinen Dinge. Sie bringen Ruhe. So klinkt ihr euch aus der ständigen Hetze aus, deren Sklave der Mensch geworden ist.
Er hatte Recht, das nahm meditativen Charakter an. Was mich zu der Frage führte, wieso eine Meditation in der Gruppe tiefer ausfallen konnte und meist auch schneller eintrat.
Die Nähe von Gleichgesinnten stärkt immer die Energie in der Gesamtheit. Absicht oder Tätigkeit in einer Gemeinschaft mit demselben Ziel kumuliert die Schwingungen jedes einzelnen mit denen der anderen Gruppenmitglieder. Auch Gedanken sind Energieschwingungen, gute wie negative. Vergesst nicht, wenn die Gedanken bösen und zerstörerischen Absichten entspringen und von einer Vielzahl von Menschen gedacht werden, verstärken sie sich und können schlimme Folgen haben. Kontrolliert eure Gedanken und seid euch ihrer Kraft bewusst.
Dass Gedankeninhalte - der Zoologe und theoretische Biologe Richard Dawkins nennt sie Mem - eine Energieform besitzen, also so etwas wie ein Eigenleben haben und übermittelt werden können, ist vielen von uns, gelinde gesagt, suspekt. Doch die Wissenschaft ist immerhin dabei, eine Erklärung oder zumindest einen Ansatz dafür zu finden, Unfassbares wie Telepathie, Synchronizität und Ähnliches auf einen erklärbaren Nenner zu bringen und es salonfähig zu machen. Zum Beispiel durch die Theorie eines morphogenetischen Feldes von Rupert Sheldrake oder des Nullpunkt-Feldes von Lynn McTaggart (vgl. Anhang). Der Mensch braucht eben offensichtlich Beweise, um nicht Greifbares akzeptieren oder überhaupt in seine Vorstellungswelt reinlassen zu können.
Der Elefant griff meine Gedanken auf und meinte:
Ja, Menschen stehen sich in vielen Dingen selber im Weg. Sie schustern sich ein Weltbild zurecht und klammern sich auf Gedeih und Verderb daran aus Furcht, ihren sicheren Halt im Leben zu verlieren, wenn sie fremde Meinungen oder eine unbekannte Vorstellung als mögliche Tatsache zulassen würden. Es ist die Angst, die den Menschen blockiert. Habt doch Vertrauen ins Leben und nehmt seine Geheimnisse freudig und leichten Herzens an, in jedem Augenblick.
Ich bemerkte, wie die Elefanten sich plötzlich alle aufeinander zu bewegten und vergewisserte mich: Du hast erklärt, in einer Gruppe hebe sich die Energie an. Spürst du das auch im Umkreis von deinen anderen Familienmitgliedern?
Ja, ich genieße das Bad in der Energie meiner Familie. Ein Austausch von Schwingungen findet immer statt, auch über Distanzen hinweg, weit über physischen Kontakt hinaus.
Der Bulle gesellte sich zu seiner kleinen Herde. Ich überließ ihn seiner eigenen Welt und zog mich zurück.
*
Gedankenverloren verweilte ich vor dem Kamelgehege, ließ mich von der Sonnenwärme einlullen und genoss den Anblick der friedlich wiederkäuenden Trampeltiere, als plötzlich lautes Trompeten vom Elefantenrevier herüber schallte. Neugierig, ob dies etwa als Aufforderung zu einem Gespräch mit ihnen galt, ging ich die paar Schritte zur Elefantenanlage. Die ganze Gruppe bewegte sich zufrieden an der Sonne. Noch ehe ich meine Frage über die mir bildlich vorgestellte Lichtbrücke als Verbindung zu ihm hin übermitteln konnte, griff der mächtige Elefantenbulle den Gedanken direkt aus meinem Herzen auf. Das taten die Tiere hier fortwährend.
Nein, der Ruf betraf ein Mitglied meiner Familie. Aber ist schön, dass du vorbeikommst.
Ich empfing ein Lächeln und die Aufforderung, ihn zu fragen, was immer mich bewegen würde. Mich interessierte, ob er vielleicht eine besondere Beziehung zu einem anderen Tier im Zoo hätte und mit ihm in Kontakt stünde.
Da gibt es viele. Wir alle stehen untereinander in Verbindung. Aber du hast Recht. Elefanten tauschen sich gerne mit den Kamelen aus. Sie möchten wandern wie wir. Diese leise Sehnsucht lässt uns einander im Empfinden nahe kommen. Sie und wir haben keine Möglichkeit, unsere Aufgabe als Helfer der Menschen im körperlichen Sinn auszuleben. Kamele sind Träger. Auf ihrem Rücken können Menschen unwirtliche Wüsten durchqueren und Lasten transportieren. Zu Fuß wäre das unmöglich. Elefanten sind ungemein starke Tiere. Wir sind ebenso als Träger und zu manch anderen Arbeiten für den Menschen ideal geeignet. Kamele und wir fühlen diesbezüglich in gewisser Weise ähnlich, sie sind für uns wie weit entfernte Verwandte.
Bieten sich euch keine anderen Herausforderungen im Zoo? Ich meine, außer eurer Lebensaufgabe für die Menschen.
Nein, keine körperlichen. Geistige hingegen schon, wir sind sehr lernfreudig. Unsere Betreuer lehren uns ein bisschen ihre Wortsprache kennen. Sie bringen uns gewisse Laute bei, die bestimmte Aussagen oder Umstände betreffen. Wenn sie wollen, dass wir beispielsweise den Fuß anheben für die Nagelpflege, lernen wir den dazugehörigen Klang für diesen Befehl. Desgleichen, wenn sie uns auffordern hinzuknien zum Rücken schrubben, das wir sehr lieben. Und noch viele Lautfolgen mehr. Allerdings können wir die Wünsche unserer Pfleger ganz einfach in ihrem Inneren lesen und verstehen auf diese Weise, was sie von uns erwarten.
Der Bulle schien zu schmunzeln und mich augenzwinkernd anzublicken, als er dieses kleine Geheimnis mit mir teilte. Natürlich, Tiere empfangen ja leicht unsere Gedanken und Gefühle. Trotzdem wunderte ich mich und meinte: Auch ich konnte schon mehrmals mitverfolgen, wie euch solche Befehle beigebracht wurden. Doch nicht immer hatte es den Anschein, als würdet ihr sie verstehen.
Das mag auf euch so wirken. Doch es geschieht immer dann, wenn die Menschen uns zu respektlos und ungeduldig ihren Willen aufzwingen möchten. Dann befolgen wir die Befehle nicht. Wir sind bereit mitzutun, wenn wir liebevolle Achtung spüren, andernfalls haben wir keine Lust dazu und zeigen es, um die menschlichen Lehrer auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen.
Das konnte ich gut nachvollziehen. Während der mächtige Elefant gemächlich wieder Richtung Innenanlage wanderte, steckte ich mein Schreibzeug weg und wir verabschiedeten uns zufrieden voneinander.
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In letzter Zeit war in meinem weiteren Umfeld das Thema Abschied und Tod aktuell geworden - etwas, das mich sehr belastete. Ein Ausflug zum Zoo lenkte mich ab und ich dachte nicht mehr bewusst daran. Bei der Elefantenanlage machte ich Halt, zückte mein Notizheft und wandte mich an die ganze Gruppe mit einer allgemeinen Frage: Möchtet ihr mir etwas sagen oder uns lehren?
Bleibe stark in jeder Situation. Zum Kreislauf des Lebens gehört auch der Tod. Verlass den Pfad des Denkens von euch Menschen. Tod ist kein Ende. Das Abstreifen der körperlichen Hülle bedeutet nicht endgültiges Verlassen von hier zurückgebliebenen Wesen. Die Verbundenheit bleibt bestehen, denn die Seele ist unvergänglich. Und der Moment des Übergangs ist nicht so schrecklich, wie du ihn dir ausmalst. Tiere sträuben sich nicht dagegen, sie nehmen vertrauensvoll an, was mit ihnen geschieht. Das macht das Verlassen des Körpers leicht.
Da war ich ja wieder einmal ertappt worden in meinen wahren Gedanken, bei meinem aktuellen Problem. Ich spürte, dass es der Elefantenbulle war, der mit mir in Kontakt stand. Ernst fügte er an:
Notiere, was wir dir erzählen. Trage es nicht nur in deinem Herzen, sondern unter die Menschen. Damit wirst du wichtigen Anteil haben, Erkenntnis und Wissen zu verbreiten für die Aufklärung eurer Spezies.
Kann ich vielleicht noch einen weiteren oder besonderen Beitrag leisten dazu? wollte ich wissen.
Alles, was du dafür tust, ist besonders. Jedes Gespräch, das du mit einem Wesen hier im Zoo führst, voll Freude, Eifer und Liebe zu uns und zur Sache, trägt das Echo dieser Schwingungen in sich und stärkt die Wirkung des Geschriebenen. Erzähle über Achtung und Liebe zu allen Geschöpfen, über die Gleichwertigkeit aller Lebewesen. Unsere Seelen sind wie eure. Diese Einsicht beim Menschen zu wecken ist das Ziel. Und dieses Buch ist der Wegweiser dahin. Freue dich mit uns zusammen darüber!
Das werde ich gerne tun. Ich sagte den hilfsbereiten Elefanten auf Wiedersehen und empfahl mich frohgemut.
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Verfrühter Schneeduft lag in der kalten Morgenluft. Heute präsentierte sich der Zoo noch ziemlich leer und ruhig. Frostiger Wind blies mir einen vorwinterlichen Gruß in die Nase und trieb mich ins mollig beheizte Elefantenhaus. Im Besucherraum beobachteten nur wenige Leute die Morgentoilette der Elefantenmütter und ihres Nachwuchses. Den dazugehörigen Bullen sah ich nicht, hörte ihn nur in seinem Nebenraum rumoren. Ich stellte eine Herzensverbindung zu ihm her und fragte ihn aus der Ferne, weshalb er alleine sei. Für einen telepathischen Kontakt ist Sichtkontakt nicht nötig. Wie ich bereits erwähnte, reicht allein die Absicht aus, sich mit einem bestimmten Wesen zu verbinden und mentale Gespräche zu führen.
Ich muss allein sein mit mir selber, ich habe im Moment meine Empfindungen nicht ganz im Griff.
Ich verstand, wovon er sprach. Es war sein regelmäßig wiederkehrender, seltsamer hormoneller Zustand der so genannten Musth, welcher einen Elefantenbullen unberechenbar werden lässt. Dies war eine gute Gelegenheit, ihn darauf anzusprechen: Wir Menschen fragen uns, was dieses Phänomen auslösen könnte und was es eigentlich bedeutet. Magst du mich darüber aufklären?
Es fühlt sich an wie ein Überschuss an Energie, ein Zustand von Ruhelosigkeit, massivem innerem Druck. Das ist schwer zu ertragen und stimmt aggressiv. Mein Körper arbeitet auf Hochtouren und findet kein Ventil. Körpersäfte fließen, aber sie bringen keine Linderung, entspannen nicht, sie sind nur ein Zeichen von innerer Überaktivität. Der Druck steigt bis in meinen Kopf und schmerzt. Der geringste äußere Eingriff, Lärm oder Berührungen sind zuviel. Es drängt mich, Energie abzulassen. Dann habe ich das Bedürfnis, um mich zu schlagen, um sie abzuschütteln und versuche, sie in die Erde zu stampfen. Ich fühle mich übermächtig und könnte Bäume ausreißen - doch es ist keine ruhende Kraft, sie ist ungebändigt und enthemmt. Sie brodelt und will ausbrechen wie ein Vulkan. Aber hier im Zoo kann ich mich nirgends wirklich abreagieren. Ich muss einfach allein sein. Ich bin in mir selber verloren, und das nicht in Ruhe, sondern in explosiver Emotion. Dort muss ich warten, bis meine Energien wieder ausgeglichen fließen.
Was ist denn der Sinn dieser Musth? war ich begierig zu erfahren.
Deine Frage kann ich dir nicht beantworten, wir wissen es nicht. Dieser Zustand ist nur uns Bullen eigen, er hängt zusammen mit der männlichen Energie. Wir alle teilen die Erfahrung ohne zu verstehen. Die Musth ist unergründlich. Dieses Geheimnis, neben vielen anderen, ruht verborgen in der Unendlichkeit der Schöpfung. Das Wunder des Lebens und seine Spielarten vermag kein Wesen zu verstehen. Wir nehmen es an und suchen nicht zu ergründen wie die Menschen. Und wir werten nicht. Es ist so, wie es ist.
Gemessen an seinen ziemlich bedrohlichen Schilderungen wunderte ich mich, wie ruhig er gerade zu sein schien. Es drang kein auffälliger Lärm aus den hinteren Räumen, wo er sich, für mich nicht sichtbar, aufhielt.
Diese Kräfte schwanken. Im Moment schlummern sie und belasten mich nicht. Sie brodeln als leises Murmeln in der Tiefe, nur weiß ich nicht, wann sie plötzlich an die Oberfläche drängen und mit Macht ausbrechen wollen.
Es gibt noch ein weiteres seltsames Phänomen im Leben eurer Spezies, das sich Verhaltensforscher so wie ich nicht erklären können: Wie kommt es, dass in trockenen und unwirtlichen Gebieten die Elefanten von Regen, der Tagesmärsche entfernt fällt, wissen können und auf magische Weise darauf zuwandern - ohne Gegenwind oder sonstige wahrnehmbare Zeichen? Neuere Forschungsberichte erzählen davon. Muss auch dies ein Geheimnis bleiben oder hast du da vielleicht eine Antwort darauf?
Erinnere dich daran, alles was existiert ist Energie in Schwingung, Materie in jeder Form und sogar Gedanken sind es. Alle diese Schwingungsmuster können Tiere wahrnehmen und zuordnen. Es ist wie eine Sprache, die wir entschlüsseln und verstehen können. Haben wir Durst und möchten ihn stillen, richten wir unseren Fokus auf dieses Bedürfnis, auf den Wunsch Wasser zu finden. Ist nun an gewissen Orten davon vorhanden, nehmen wir die entsprechenden Energieschwingungen wahr - seien sie nun in Form einer bereits vorhandenen Wasserstelle oder aber von Regen, der irgendwo in unserem Land zur Erde fällt und sich dort neu sammeln kann. Wir wissen also, wohin uns wenden, um Wasser zu finden. Wenn wir den Wunsch danach haben und es brauchen, ruft uns das Wasser zu sich.
Fasziniert und dankbar für seine interessanten Ausführungen wollte ich eben zusammenpacken und mich von meinem Gesprächspartner verabschieden. Im selben Moment nahm ich ein Gefühl wahr, als hätte er etwas auf dem Herzen, das er loszuwerden trachtete, ehe ich weggehen würde. Also fragte ich nach, ob er mir vielleicht noch etwas mitteilen mochte.
Notiere dies: Es wäre schön, wenn die Menschen aufhörten, sich so wichtig zu nehmen. Darüber vergessen sie, sich dem Leben hinzugeben. So haben sie auch aus den Augen verloren, wie untrennbar alles miteinander verbunden ist: Pflanzen, Tiere, Wasser, die ganze Natur, ja der gesamte Planet. Alles sollte im Gleichgewicht sein. Das ist jedoch bereits erschreckend lange nicht mehr der Fall. Der Mensch verhält sich zu egoistisch, lebt und handelt selbstbezogen. Er hat die Bescheidenheit vor der Schöpfung verloren, greift überall ein, vernichtet und vergiftet. Und all das einzig, um Materie anzuhäufen. Jeder für sich allein und ohne Rücksicht auf andere, die darunter leiden und denen er wegnimmt. Der Sinn des Lebens liegt aber im Gegenteil. Wenn jeder zum Wohl von allen denkt und handelt, profitiert die ganze Schöpfung und keiner büßt deswegen etwas ein.
Woher kommt denn dieses Denkmuster jeder gegen jeden? wunderte ich mich.
Der Mensch hat verlernt zu vertrauen, dass für alle genügend da ist zum Leben. Er hat verlernt zu lieben, sich selber so wie die ganze Natur. Wo jedoch Liebe und Vertrauen fehlen, nistet sich Misstrauen und Furcht ein. Und es ist Angst, die heute den Menschen regiert. Sie bringt ihn dazu, so zu handeln und denken wie in der heutigen Zeit. Jeder wäre sein Feind, wähnt er, jeder nähme ihm etwas weg. Also muss er kämpfen, für sich allein und gegen alle anderen, muss Werte anhäufen ohne Rücksicht auf Verluste und leidvolle Spuren, die er damit hinterlässt. Und aus Furcht entwickelt sich leicht Hass. So entsteht Krieg. Krieg um Land, um Güter, sogar um Glaubenswerte. Nein, sei nicht hoffnungslos, jeder kann zur Umkehr beitragen. Das beginnt im Kleinen. Fühlt wieder Liebe, Achtung und Respekt für euch selber. Dann seid ihr auch fähig, dies für jedes andere Wesen zu tun, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Nicht zu vergessen eure wichtigste Lebensgrundlage: das Wasser, das ihr so unbekümmert und gedankenlos verschmutzt.
Darmowy fragment się skończył.