Czytaj książkę: «Live for Love»
Live for Love
Eine All Cocks Geschichte
von TM Smith
Band 5
Aus dem Englischen von Bettina Spallek
Impressum
© dead soft verlag, Mettingen 2021
http://www.deadsoft.de
© the auhor
Titel der Originalausgabe „Live for Love“ – Stories from the Sound 5
Übersetzung: Bettina Spallek
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© lenaer – shutterstock.com
© oneinchpunch – shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-454-4
ISBN 978-3-96089-455-1 (epub)
Inhalt
Reicht die Entschlossenheit und Kraft eines Mannes aus, um eine Mauer einzureißen, die jahrzehntelang Schmerz und Dunkelheit umschlossen hat?
Beauregard Boudreaux ist ein gebürtiger Louisianer aus New Orleans, der stets dachte, dass er nie von dort weggehen würde. Der verfrühte Tod seiner ersten Liebe hat Beau verloren, hilflos und auf der Suche nach einem weit entfernten Ort, fort von seinem Schmerz, zurückgelassen. Anfangs wollte er in New York nur einen Freund besuchen, aber die Stadt begann ihm zu gefallen und so entschied er zu bleiben. Sein Abschluss in Rechtswissenschaften ist nützlich für das LGBTQ-Center, das er betreibt, aber sein Baby ist seine Bar.
William Richards ist in Chicago aufgewachsen. Seine Familie ist dafür erstaunlich normal und akzeptiert seine Sexualität voll und ganz. Er hat keinen solchen Verlust und Schmerz wie Beau erlitten. Ihre Gemeinsamkeit besteht in der Einsamkeit. Beide Männer sind perfekt füreinander. Ihr Geschmack und ihre Leben passen gut zusammen, doch da gibt es ein ein Geheimnis, das Beau nur mit wenigen teilt. Ein Geheimnis, das sie nicht nur auseinanderbringen könnte, sondern tödlich ist.
Entschlossen, William auf Abstand zu halten, bekämpft Beau ihre Anziehung und stößt den Mann jedes Mal von sich, wenn er ihm zu nahekommt. Aber William ist ebenso fest entschlossen, Beaus Abwehr zu durchbrechen.
Glossar von Ausdrücken:
Couyon (Cajun-Dialekt): Ausdruck für jemanden, der nicht ganz bei Sinnen ist und der als Trottel angesehen wird.
Mon Chéri (Cajun-Dialekt): mein Liebling / mein Liebster / mein Schatz
Cher (Cajun-Dialekt): Baby, Darling, Schatz
Laissez les bon temps roulette (Aussprache: lay-zay lay bon ton rul-ay / Cajun-Dialekt): Lass die guten Zeiten ruhen!
Joie de vivre (Cajun-Dialekt): eine entspannte Lebenseinstellung haben.
Sombitch/Sumbitch (Südlicher-Dialekt): kurz für „Son of a bitch“ = Hundesohn, Mistkerl, Hurensohn
Widmung
Für Jeffrey und Jerry, die mir erlaubt haben ihre Leben und ihre Geschichte als Ursprung für diese Charaktere zu verwenden.
Prolog
Der Wind fuhr durch die Bäume und brachte leichten Regen mit sich. Kleine Wassertropfen fielen auf den Sarg, was in Beaus Ohren eher wie ein lautes Trommeln klang, als wie das sanfte Tröpfeln des Regens. Hier stand er also wie angewurzelt, während sein langes Haar an seinem Kopf klebte und Wind und Regen zunahmen. Er hörte die geflüsterten Worte von Kummer und Beileid der anwesenden Trauergäste, die sich hinter ihm in das große Zelt scharrten. Ein Arm schlang sich um seine Hüfte, der nur kurz seine Aufmerksamkeit von dem Sarg ablenkte, in dem sein toter Geliebter lag.
Er sah auf Alma, Izaiahs Mutter, herab und schaffte ein kleines Lächeln. Ihr großer schwarzer Hut mit breiter Krempe schützte ihr Gesicht vor dem mittlerweile anhaltenden Regen. Sie streckte sich, als Beau sich zu ihr herabbeugte, und ließ es geschehen, dass er ihr einen Kuss auf die Wange drückte.
„Er ruht jetzt in Frieden, Beauregard. Ich weiß, es ist schwer, ihn gehen zu lassen, aber das musst du, Cher. Und mein Sohn wäre sicher nicht erfreut, wenn du dir in diesem Wetter den Tod holst. Komm, zurück ins Zelt, hörst du?“
Beau musste daraufhin lachen. Er konnte es sich genau vorstellen: Izzie würde ihn mit strafendem Blick anschauen und ihn mit der Mischung aus Cajun, Französisch und Kreol verfluchen, von der sich Beau in jener Nacht vor vielen Jahren angezogen gefühlt hatte.
Beau und seine Freunde waren in Arnaud’s Bar im französischen Viertel etwas trinken gegangen, als einer der Gäste – offensichtlich betrunken – etwas aufdringlich einer Kellnerin gegenüber wurde. Der Kellner, ein großer, gelenkiger Mann mit einer Haut so schwarz, wie die Nacht, schnappte sich den Betrunkenen und warf ihn raus. Eine Litanei von einfallsreichen Wörtern in drei verschiedenen Sprachen kam zwischen den umwerfenden Lippen des Mannes hervor. Als er sich umdrehte, um sich bei den Gästen der Bar zu entschuldigen, blieb sein Blick für einige Sekunden lang an Beau hängen. Da war es um ihn geschehen. Nur ein Blick und Beau war ihm verfallen.
Sie hatten so viel überstanden. Die schwulenfeindlichen Tiraden und Drohung von Beaus Vater, der sie ausweiden und ihre blutigen Leichen im See von Pontchartrain den Alligatoren zum Fraß vorwerfen wollte. Seinen anstrengenden Stundenplan, während seines Rechtsstudiums. Izzies darauffolgenden Kampf mit Drogen und Alkohol, mit denen er versucht hatte, die Leere zu füllen, die Beau hinterlassen hatte, weil er aufgrund seines Studiums so oft weg war. Entziehungskuren, Rassismus und Engstirnigkeit von Menschen, die sie als ihre Freunde und Familie betrachtet hatten – manches aufgrund ihrer gemischtrassigen Beziehung, andere wegen des homosexuellen Aspektes und wieder andere, die wegen beidem auf sie herabgesehen hatten. Sie hatten das alles über ein Jahrzehnt hinweg überlebt.
Am Ende war es die Krankheit, die ihm seinen Liebsten genommen hatte, in dem sie seinen schönen Körper durch Infektionen zerstörte, bis Izzie kaum noch wiederzuerkennen gewesen war. Der Kampf mit seiner Sucht hatte eine bleibende Narbe in ihrem Leben hinterlassen. Während sich Izzie in der Abwärtsspirale seiner Heroinsucht befand, hatte er sich beim Teilen von Nadeln mit HIV infiziert. Beau steckte sich bei seinem Liebsten an und beide waren sich der Gefahr nicht bewusst, ehe es zu spät war. Während Beau mit der Krankheit zurechtkam, war Izzies Immunsystem zu schwach und sein zerbrechlicher Körper bekam AIDS, das letztendlich zum Tod führte.
„Hörst du nicht, Junge? Ich sagte, wir gehen!“, blaffte Alma und die Realität, wo sie waren, und was passierte, traf ihn, wie ein Güterzug. Er nickte und sein Blick fand den Weg zurück zu dem einfachen schwarzen Sarg.
Beau nahm die rote Rose aus der Brusttasche seiner Anzugjacke, kniete sich neben den Sarg und legte sie sanft darauf.
„Ich hoffe, du hast endlich deinen Frieden gefunden, Mon Chéri“, flüsterte er.
Als Beau sich erhob, wehrte sich sein Körper dagegen. Seine Beine zitterten, seine Seele verzehrte sich danach, bei seiner anderen Hälfte zu bleiben. Irgendwie schaffte es Beau, einen Fuß vor den anderen zu setzen und Alma den steilen Hügel hinabzufolgen, wo das Auto auf sie wartete. Seine Kleidung war durchweicht und der Regen tropfte noch immer von den Spitzen seines langen Haares, als sie losfuhren. Beau erschauderte, durchgefroren bis auf die Knochen – ein Schauer, da war er sich sicher, der ihn bis an sein Lebensende verfolgen würde.
Kapitel 1
Legal Ease
Als die Ampel grün wurde, überquerte Beau die Straße und erreichte den Bürgersteig vor einem gelben Taxi, das dicht an ihm vorbeifuhr. Vormittage in Manhattan waren verrückt und normalerweise vermied er sie unter allen Umständen. Heute hatte er jedoch eine Beweisaufnahme, also war das keine Option. Obwohl Beau eigentlich nicht mehr als Anwalt in Gerichtssälen praktizierte, vertrat er hin und wieder Leute, die im New Horizons vorbeikamen, dem LGBT-Center, das er betrieb.
„Mr. Boudreaux!“ Die Stimme weckte Beaus Aufmerksamkeit. Er hielt an, drehte sich um und sah Tommy, der zwei Stufen auf einmal nehmend, auf ihn zukam.
„Morgen, Tommy, bist du bereit?“ Beau klopfte dem jungen Mann auf die Schulter, lächelte und wartete, bis Tommy wieder zu Atem kam. Sie betraten das Gebäude unter Blitzlichtgewitter und Fragen, die von überallher auf sie einprasselten.
Die Familie Johnson war nicht nur reich, sie genoss auch einen Grad an Berühmtheit in den gesellschaftlichen Kreisen New Yorks. Tommys Eltern hatten das Gericht ersucht den Treuhandfonds, den seine Großmutter ihm hinterlassen hatte, einzufrieren und in das Vermögen der verstorbenen Frau zurückzuführen. Als Vorwand nannten sie die geistige Unzurechnungsfähigkeit von Mabel Johnson, Tommys Großmutter.
Die Beweise, die Beau und Tommy vorlegten, basierten auf einem Brief und einer Videoaufzeichnung, die vor dem Tod seiner Großmutter entstanden. Sie war die einzige Person in Tommys Familie gewesen, die ihn akzeptiert hatte – um genau zu sein, nahm sie ihn auf, als seine Eltern ihn im Alter von vierzehn Jahren rauswarfen, weil er schwul war. Es war lächerlich, dass ihr Sohn und seine Frau in diesem Gerichtssaal saßen und das Gericht zu überzeugen versuchten, dass die Großmutter sich im Grabe umdrehen würde, wenn sie wüsste, dass ihr Enkel, der Perversling, ihr Geld für seinen abartigen Lebensstil nutzen würde. Es war wohl eher so, dass sie ihrem Sohn sagen würde, er könne sie am Arsch lecken und er soll verdammt noch mal die Klappe halten.
Der Staatsanwalt brachte Argumente gegen die Aufnahme des Briefes und des Videos als Beweise vor, bis er blau anlief. Beau war mit seinen Gegenargumenten bereit, als der Schlipsträger endlich die Klappe hielt und sich setzte.
„Euer Ehren, die Familie Johnson möchte dieses Gericht glauben lassen, das Mabel Johnson – die Frau, die Tommy aufgenommen hat, als seine Eltern ihn hinauswarfen, die Frau, die Tommy die letzten fünf Jahre mit Freundlichkeit und Liebe aufgezogen hat – Sie möchten uns glauben machen, dass sie nicht wollte, dass Tommy das Geld aus dem Treuhänderfonds bekommt, dass sie extra für ihn angelegt hat. Und zwar, weil er schwul ist. Ich denke, wir sollten uns Ihre Gedanken diesbezüglich anhören, Sie die Wahrheit sprechen lassen und nicht auf die Worte derer hören, die offensichtlich schwulenfeindlich und engstirnig sind und einen hilflosen vierzehnjährigen Jungen auf die Straße setzen, nur aufgrund seiner sexuellen Orientierung.“
„Einspruch Euer Ehren! Der Kollege geht zu weit, indem er den Charakter meiner Klienten verleumdet …“ Der Staatsanwalt hielt mit offenem Mund inne, als der Richter seine Hand hob und ihn damit sofort zum Schweigen brachte.
„Abgelehnt. Bailiff, bitte holen Sie sich das Video von Mr. Boudreaux und bereiten es vor, während ich mir den Brief ansehe“, ordnete der Richter an.
Hinter ihm war leises Murmeln zu hören, was Beau ein bisschen nervös machte. Jedes weitere geflüsterte Wort war hasserfüllt oder voller Missbilligung und richtete sich gegen seinen Klienten und ihn. Tommys Vater durchbohrte sie von der gegenüberliegenden Bank mit bösem Blick und nichts als Verachtung in seinen Augen. Beau sah erneut zum Richter und räusperte sich.
„Das hier ist ein Brief von Mabel Johnson, zusammen mit ihrem Letzten Willen, dem Testament und zusätzlich das Schreiben eines zugelassenen Psychiaters, der bestätigt, dass Mrs. Johnsons bei der Verfassung ihres Letzten Willens vollkommen im Besitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte war.“ Der Richter sah auf und begegnete den Blicken der Johnsons und deren Staatsanwalts mit ausdruckslosem Gesicht.
„Bailiff, starten Sie das Video.“
Der Fernseher erwachte zum Leben und Mabel Johnson mit ihren weißen Haaren und ihrem strahlenden Lächeln sah sie an.
„Hallo Thomas. Ich wette, du hättest nicht gedacht, dass du meine hässliche Fratze noch mal ertragen musst, nachdem du mich begraben hast. Nun, obwohl ich es hasse dich zu enttäuschen, konnte ich es nicht lassen, da du gerade anscheinend versuchst, das zu tun, was ich erwartet habe, da du sonst das Video nicht anschauen würdest.“
Mabel Johnson war eine kleine rundliche Frau, die ihre Brille an einer Kette trug, ihr weißes Haar zu einem Dutt gebunden hatte und mit einem schweren Südstaatenakzent sprach. Beau biss sich auf die Lippe, um nicht laut loszulachen. Er warf heimlich einen Blick zum Richtertisch, wo er den Richter lächeln sah. Das war ein sehr gutes Zeichen. Aus den Augenwinkeln sah Beau, dass die Johnsons blass geworden waren und mit offenem Mund zusahen.
Fünf Minuten später endete das Video und es war offensichtlich, dass Tommy als Sieger aus diesem Fall hervorgehen würde. Dass der Richter ihm alles zugestand, war mehr eine Formalität, da Tommys Großmutter eindeutig bei Sinnen gewesen war, als sie ihren Willen verfasst hatte. Das war anfangs der Grund gewesen, wieso Beau Anwalt werden wollte: um Menschen zu helfen, die die Gesellschaft zu unterdrücken versuchte.
Tommy jubelte, als der Richter die zwei magischen Worte Fall abgeschlossen sagte, während das laute Geräusch des Hammers von den Wänden widerhallte. Beau erhob sich und verstaute sein Tablet, Tommys Fallunterlagen und das Video in seiner Aktentasche. Als er sich umwandte, kam Thomas Johnson auf ihn zu, um ihm seine Meinung zu sagen. Tommy stand hinter Beau und kicherte, als sein Vater sich mit knallrotem Gesicht vor ihm aufbaute und mit dem Finger auf Beau zeigend seinen Vortrag begann.
„Und Sie sollten sich schämen. Gott wird sich schon um Sie kümmern, Sie Schwuchtel.“ Je länger sein Vortrag dauerte, umso lauter wurde er. Beau stand ruhig da, zog eine Augenbraue hoch und verschränkte seine muskulösen Arme vor der ebenso muskulösen Brust. Er war dankbar, dass er einige Zentimeter größer als der hasserfüllte Mann war, da seine herumfliegende Spucke so sein Shirt traf und nicht sein Gesicht.
Thomas Johnsons Frau und der Staatsanwalt versuchten, ihn zu beruhigen, doch er schüttelte sie ab. Schließlich wurde er von zwei Polizisten, die glänzende Handschellen am Gürtel trugen, aus dem Gerichtssaal geleitet. Beau wünschte, sie würden sie für das kleine Arschloch in einer Art und Weise verwenden, die ihn nicht befriedigen würde.
„Er ist schon echt anstrengend, stimmt’s?“, fragte Tommy, der noch immer lachte, während sein Vater aus dem Saal geschleift wurde.
„Ein richtiges Arschloch, wenn du mich fragst.“ Beau schnaubte und zog seinen Mantel an, während sie hinaus in die warme Sonne traten.
Tommy lud Beau zum Mittagessen im Heartland Brewery ein, wohlwissend, dass er es liebte. Ihre Veggie-Burger waren gerade serviert worden, als Beau drei bekannte Gesichter auf sie zukommen sah. Er erhob sich und umarmte Tristan, als dieser den Tisch erreichte. Dann gab er Micah und Gabe die Hand. Beau stellte ihnen Tommy vor und die fünf unterhielten sich kurz.
„Also, wir lassen euch beide dann mal essen. Micah hat dich entdeckt und wollte kurz Hi sagen“, sagte Tristan bevor er, Micah und Gabe sich abwandten, um sich an einem Tisch auf der anderen Seite der Bar niederzulassen.
„Oh mein Gott.“ Tommy lehnte sich zu Beau, damit niemand in der Nähe sie hören konnte. „Weißt du, wer das ist? Das sind der großartige Gabe und Aiden Cox. Heilige Scheiße, ich habe gerade den wunderbaren Gabe und Aiden Cox getroffen. Wow, in Person sind sie noch heißer.“ Tommy grinste übers ganze Gesicht.
Beau legte den Burger auf seinem Teller ab und fixierte Tommy wütend.
„Was weißt du denn schon davon?“ Tommy verdrehte die Augen.
„Echt mal, Beau, ich bin zwanzig, beinah einundzwanzig und nicht zwölf. Abgesehen davon, jeder schwule Mann, der Gabe und Aiden nicht kennt, der sollte sich überlegen, ob er wirklich schwul ist. Sie sind so was wie die heißesten Kerle im Netz. Gut, abgesehen von Hayden Cox, aber ich glaube, der macht keine Pornos mehr. Zumindest habe ich ihn schon eine Weile in keinem mehr gesehen.“
Beau verpasste dem jungen Mann einen Klaps auf den Hinterkopf.
„Autsch!“, winselte Tommy.
„Halt die Klappe und iss.“ Beau zeigte auf den Veggie-Burger. Es war schwierig zu kauen, während man versuchte, nicht zu lachen. Tommys Gesichtsausdruck als Tristan, Micah und Gabe auf sie zugekommen waren, war unbezahlbar gewesen.
„Also, wer gehört zu dem großen Kerl, diesem Tristan?“, fragte Tommy mit vollem Mund.
„Sprich nicht mit vollem Mund und sie gehören beide zu ihm.“ Tommys Augen weiteten sich und er musste husten, um nicht an einem Stück Burger zu ersticken. Beau gluckste, streckte sich und klopfte ihm etwas fester als nötig auf den Rücken.
Der arme Junge schaffte es schließlich, zu schlucken, und kippte ein Glas Wasser hinterher, bevor er sich mit ernster Miene zu Beau drehte.
„Alle drei? Zusammen? Wie zusammen, zusammen?“ Beau nickte, lächelte und schüttelte den Kopf, um sich dann wieder seinem Essen zu widmen.
„Ich hätte gerne überhaupt einen Kerl, der mich mag“, murmelte Tommy.
Beau ließ sich Zeit beim Kauen, bevor er sich wieder Tommy zuwandte.
„Hör zu, junger Mann. Du bist zwanzig Jahre alt und noch grün hinter den Ohren. Nicht mal alt genug, um trinken zu dürfen. Hör auf, zu schnell erwachsen werden zu wollen. Wenn es an der Zeit ist, wirst du es wissen.“
Tommy starrte auf seinen Teller, seine Wangen leuchtend rot. Der Blick aus seinen babyblauen Augen irrte umher und landete kurz auf Beau, bevor er wieder zurück auf seinen Burger fiel. Er lächelte jedoch und Beau musste lachen – der Junge war hinreißend. Eine angenehme Stille machte sich zwischen ihnen breit, für die Beau dankbar war. Tommy sagte nichts mehr, bis sie auf den Parkplatz kamen.
„Sag, kennst du noch andere heiße, schwule Pornostars, denen du mich vorstellen könntest?“, fragte er grinsend.
Beau nahm ihn spielerisch in den Schwitzkasten und verpasste ihm eine Kopfnuss, bevor er ihn zu seinem Truck schubste.
„Steig ein, du kleiner Scheißer!“
Kapitel 2
Freunde … erst mal
„Glückwunsch, dass du Tommys Fall gewonnen hast“, sagte Tristan über seine Schulter hinweg, als er zuerst ins Büro trat und hinter Beau die Tür schloss.
„Danke, Tris. Mit dem Video war es ganz einfach.“ Er nahm seinen üblichen Platz auf der Couch ein, während Tristan es sich ihm gegenüber in seinem Sessel bequem machte.
„Und wie geht es dir?“
„Kann mich nicht beklagen. Das Geschäft läuft gut und das Center schlägt sich wacker. Alles beim Alten“, antwortete Beau und zuckte mit den Schultern.
„Ja, aber wie geht es dir?“ Tristan starrte ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
„Hast du darüber nachgedacht, was wir in unserer letzten Sitzung besprochen haben?“ Beau suchte Tristan mittlerweile seit einigen Jahren auf und seit mindestens einem Jahr, wenn nicht sogar schon länger, drängte er ihn sich wieder zu verabreden.
Beau seufzte und nickte.
„Ich bin eine tickende Zeitbombe, Tris. Eines Tages wird die Krankheit ausbrechen und … bumm.“ Tristan beugte sich nach vorne und warf sein Tablet und seinen Stift auf den Beistelltisch.
„Du weißt, dass das nicht zwangsweise so kommen muss, Beau. Mit den Fortschritten der modernen Medizin und deinem gesunden Lebensstil kann es sein, dass du niemals AIDS bekommst.“
„Aber was, wenn ich es bekomme, Tris? Du weißt, wie hart es für mich war, als Izzie gestorben ist, wie mich das zerstört hat. Zum Teufel, wer weiß, wo ich jetzt wäre, wenn da nicht du, die Therapie und die Lebenshilfe gewesen wären? Ich will keinem antun, was Izaiah mir angetan hat. Gott, ich liebte ihn, das weißt du, ich tue es noch, aber ich ... ich kann nicht, Tris. Ich kann das Risiko nicht eingehen.“ Beau sah auf seine Füße. Er konnte Tristans Blick nicht erwidern.
„Sag, Beau, bereust du dein Leben mit Izaiah, bevor er die Diagnose bekam?“ Beaus Kopf fuhr hoch.
„Nein, natürlich nicht.“
„Bereust du deine Entscheidung, bei ihm geblieben zu sein, nachdem er sich infiziert hatte?“
Beau knurrte und schüttelte den Kopf.
„Weil es deine Entscheidung war. Habe ich nicht recht, Beau? Es war deine Entscheidung zu bleiben oder zu gehen. Es war deine Entscheidung, entschuldige das Klischee, ihn zu lieben oder zu verlassen.“ Tristan wartete geduldig, während sich jede von Beaus Emotionen in seinem Gesicht widerspiegelte.
„Fick dich, Tris“, knurrte er schließlich.
„Nein, danke, zwei sind wirklich genug. Ich weiß nicht, ob ich mit einem Dritten klarkäme“, witzelte Tristan.
Beau brach in schallendes Gelächter aus.
„Du und die Jungs seid füreinander geschaffen, Tris. Lass dir von niemand was anderes einreden.“
Tristan beugte sich erneut nach vorne, während sein Lächeln verschwand.
„Du verdienst es, glücklich zu sein, Beau. Lass dir von niemandem etwas anderes einreden, auch nicht von dir selbst.“
Bevor Beau etwas Geistreiches erwidern konnte, klopfte es leise an der Tür.
„Herein“, rief Tristan. Seine Sekretärin öffnete die Tür und brachte ein Tablett mit einer Kanne Kaffee und zwei Tassen herein. Sie stellte alles auf dem Tisch neben Tristans vernachlässigtem Tablet und Stift ab, entschuldigte sich und verließ das Zimmer und schloss leise die Tür hinter sich.
Mit einem Kaffee in der Hand führte Tristan das Gespräch in eine andere Richtung. Beau wusste, dass Tristan es nur gut meinte und vermutlich auch recht hatte. Das Problem war, das er erst mal jemanden finden musste, den er genug liebte, um sein Herz zu riskieren. Seine Gedanken drifteten zu der Nacht im Lagerraum seiner Bar mit William ab – das einzige Mal, wo er sich erlaubt hatte, seiner Begierde nach ihm nachzugeben. Verdammt noch mal, der Mann war ein feuchter Traum, mit seiner dichten Mähne pechschwarzen Haares, seinem Schlafzimmerblick und seinem Körper, der aussah, als wäre er aus Granit gemeißelt. Zu verdammt sexy und strahlend, um sich von Beaus Trübsinn und der Last, die er mit sich herumtrug, runterziehen zu lassen.
„Beau, alles in Ordnung?“, fragte Tristan. Er blinzelte und nickte. „Wo warst du gerade? Möchtest du heute noch über etwas anderes sprechen?“, drängte Tristan.
Der Mann war wie ein Hund mit seinem Knochen.
„Ach, ich geh‘ nur im Kopf durch, was ich heute noch alles erledigen muss“, log Beau und betete, dass Tristan es ihm abkaufen würde. Doch er hatte kein Glück. Sein Therapeut lehnte sich in seinem Sessel zurück, hob eine Augenbraue und trommelte mit seinen Fingern auf die Armlehne. Beau kicherte.
„Da is dieser Typ …“ Tristan grinste, lehnte sich erneut in seinem Stuhl vor und deutete Beau an fortzufahren. „Ich denk, du kennst ihn. William, er arbeitet mit deinen Jungs.“ Tristan nickte.
„Er ist eng mit Gabe befreundet, daher kenne ich ihn gut. Er ist ein toller Kerl, Beau. Ich denke, ihr beiden würdet perfekt zusammenpassen.“
„Er verdient was Besseres als das hier, Tris.“ Beau zeigte auf sich. „Er … vergiss es.“
„Nein, sag, was du sagen wolltest, Beau. Das hier ist ein sicherer Ort. Glaub nicht, weil Gabe und Micah mit ihm befreundet sind und ich ihn durch Zufall auch kenne, dass die Regeln nicht mehr gelten. Alles, was du mir erzählst, bleibt unter uns und nichts davon verlässt den Raum“, beruhigte ihn Tristan.
„Es ist nur, ich hab schon lang nicht mehr jemanden so gesehen. Und dann platzt er in mein Leben, wie ein Sommersturm und ich kann nicht aufhören, an ihn zu denken. Ich hab nach dem ersten und einzigen Kuss nein zu ihm gesagt, aber er ist so stur und erhebt bereits Anspruch auf mich.“ Beau lachte.
„Hey, warte, welcher Kuss? Wann ist denn das passiert?“
„In der Nacht nach der Abschlussfeier in der Bar. Ich war hinten, um Bier zu holen, und der hinterhältige Bastard hat mich überrascht.“ Beau fixierte einen Punkt an der Wand hinter Tristans Kopf, sah aber nicht wirklich etwas, außer Williams Gesicht, als er sich von ihm gelöst hatte. Sein Lächeln war wehmütig und verschwand langsam.
„Stopp!“, rief Tristan. „An was auch immer du gerade gedacht hast, war gut, aber, an was auch immer du jetzt denkst, musst du beiseiteschieben.“
Tristan erhob sich und ging hinüber zur Couch, um sich neben Beau niederzulassen.
„Ich weiß, du vermisst Izaiah. Glaub mir, bevor ich mit Gabe und Micah zusammen war, wusste ich nicht, wie sehr du das tust. Es ist in Ordnung ihn zu vermissen, Beau. Erinnere dich an ihn und sprich über ihn, um ihn in Erinnerung zu behalten. Es sind jetzt fünfzehn Jahre, Beau. Ich denke, du kannst langsam aufhören, um ihn zu trauern.“ Beau blickte Tristan einige Sekunden lang an, schüttelte den Kopf und runzelte die Stirn.
„Ich … Ich weiß nicht, wie ich ihn gehen lassen soll, Tris.“ Tristan brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen.
„Ich sage dir nicht, dass du ihn gehen lassen sollst. Was ich meine ist, erinnere dich an ihn, sprich über ihn, aber hör auf, um ihn zu trauern. Wenn du eine Frau wärst, Beau, würdest du noch immer Schwarz und einen Schleier tragen.“ Beau warf seinen Kopf in den Nacken und lachte. Tristan grinste und schüttelte den Kopf.
„Der war gut! Kannst du dich mir in nem Kleid vorstellen?“ Tristan legte lächelnd seine Hand auf Beaus Schulter.
„Denk bitte darüber nach.“ Beau nickte.
Nachdem die Sitzung vorüber war, unterhielten sie sich noch eine Weile. Das Gespräch drehte sich um Grillfeste im Garten und um das abstoßende Rot, in dem Gabe ihr Schlafzimmer streichen wollte.
Beau ging, nachdem er Tristan versprochen hatte, in zwei Wochen zu ihm, Micah und Gabe zum Abendessen zu kommen. Er glitt gemächlich mit seinem Motorrad durch die überfüllten Straßen der Stadt. Dann fuhr er auf seinen gemieteten Garagenplatz und schloss seine Maschine ab, bevor er auf dem ebenso überfüllten Fußweg zu seinem Appartement zwei Blocks weiterlief.
Kurz nachdem er in New York angekommen war, hatte er das zweistöckige Haus gemietet. Inzwischen nannte er es sein Zuhause und nachdem der Mietvertrag auslief, bot es ihm der Vermieter zum Kauf an und er schlug zu. BB´s Bar und Grill befand sich im Parterre und seine Wohnung im ersten Stock.
Beau schaut noch kurz in sein Postfach in der kleinen Postfiliale gegenüber der Bar und joggte dann über die Straße und die Stufen zu seinem Appartement hinauf. Er versuchte Alma zu erreichen, bevor er zur Bar runter ging, erreichte aber nur die Mailbox. Sie spielten nun schon einigen Wochen Fangen über das Telefon. Durch den Zeitunterschied und ihren absolut unterschiedlichen Tagesabläufen kamen sie kaum dazu, zu reden. Er musste sich mehr bemühen. Vielleicht sollte er einen kleinen Ausflug machen, schauen, wie es ihr ging und ein paar Tage ihre Fürsorge genießen. Sie liebte es, ihn zu umsorgen.
Er warf die Post und seine Schlüssel auf den Tisch bei der Tür, zog seine Stiefel aus und ging ins Schlafzimmer, um sich auszuziehen und zu duschen, bevor er wieder runter in die Bar gehen würde. Er hatte sich vorgenommen Inventur zu machen, damit diese nicht wieder in der letzten Minute durchgeführt werden musste, wie es meistens der Fall war.
Er genoss die Zeit allein in der Bar, wenn die Geräusche der nächtlichen Menge fehlten. Die Juke Box in der Ecke blieb stumm und keine Billardkugeln klackerten im Hintergrund. Die Stadt schlief niemals, aber hinten den dicken Backsteinmauern seiner Bar konnte Beau die Welt aussperren und ein paar Minuten Frieden finden.
Sofort als er in den kleinen Lagerraum trat, erschien Williams Bild vor ihm, wie er sich an der Wand räkelte, sein geschmeidiger Körper vollkommen in Beaus Gewalt. Er hatte William des Öfteren im Vorbeilaufen gesehen. Entweder in Tristans Büro oder in der Bar. Aber in der Nacht der Abschlussfeier hatte William auf sich aufmerksam machen wollen und hatte dafür gesorgt, einen verdammt guten Eindruck bei Beau zu hinterlassen. Es war so lange her, dass Beau einen anderen Mann gewollt hatte. Der Schmerz über Izzies Verlust hatte ihn mehr Jahre wund und verletzlich zurückgelassen, als er zählen wollte. Als William direkt vor ihm gestanden hatte, hatte er gewirkt, als würde der attraktive Mann Anspruch auf Beau erheben, was gleichzeitig erregend und angsteinflößend gewesen war. Ein Teil von ihm wollte William diesen Anspruch zugestehen, weil das bedeutete, dass auch Beau Anspruch auf William hätte.
Aber die Dunkelheit würde immer auf der Lauer liegen, wie eine Gewitterwolke über ihnen hängen, und mit ihr die Tatsache, dass er HIV positiv war. Er hatte mit angesehen, wie der Mann, den er geliebt hatte, dem Virus erlag. Wie die Kraft und Leidenschaft, die Beau dazu gebracht hatte sich in Izaiah zu verlieben, langsam verwelkte, als die Krankheit seinen Körper zerstörte.
In dem Wissen, dass so etwas wie eine einfache Erkältung oder eine Grippe sein Immunsystem so stark schwächen konnte, dass er über die Klippe ging, hatte Beau gelernt, jeden in seinem Leben auf Armlänge von sich fernzuhalten. Wenn es niemanden gab, der zu Lebzeiten für einen da war, dann gab es auch niemanden, der zerbrach, wenn er derjenige war, der überlebte.
***
Noch bevor der Abend hereinbrach, begann es zu regnen und so war Beau nicht überrascht, dass die Bar in dieser Nacht fast leer war. Unter der Woche waren die Nächte ohnehin nicht so stressig, aber ein Wolkenbruch hielt auch die Stammgäste fern.
Er machte seine Runde durch die Bar und ging sicher, dass die wenigen Gäste mit Essen und Trinken versorgt waren. Dann wischte er mit einem feuchten Tuch die Spiegel und Regale hinter den Flaschen ab, die die Bar säumten, eine langweilige, aber nötige Arbeit griff.
Das Geräusch von drei Münzen, die in den Geldschlitz der Juke Box geworfen wurden, klang lauter als gewöhnlich, da es nicht durch die sonst üblichen Gäste gedämpft wurde. Das Lied begann und Beau erkannte es sofort als „Hozier – Take Me to Church“, eines seiner Lieblingslieder.
Das eigenwillige Geräusch von Metall, das über Beton kratzt, ließ Beau reflexartig zusammenzucken.
„Bin sofort bei dir“, rief er, ohne sich umzudrehen. Auf einer Trittleiter zu stehen und sich zum obersten Regalbrett zu strecken, um den Staub wegzuwischen, war gerade wichtiger.
„Lass dir Zeit, ich warte.“
Mistkerl! Beau seufzte und ließ das Handtuch sinken, um sich langsam zu William umzudrehen.
„Was treibt dich heute Nacht und bei dem Wetter hierher?“ Er versuchte, lässig zu klingen. Gott, er wünschte, er hätte sich nicht umgedreht. Williams Blick überflog seinen Körper, von seinem Hintern bis zu den Füßen und wieder zurück.
„Ich dachte, dass wegen des Regens nicht viel los ist und wir vielleicht reden können, um uns ein bisschen besser kennenzulernen.“ William schürzte die Lippen, sodass die Untere hervorstand und danach bettelte, gebissen, angeknabbert und eingesogen zu werden … Reiß dich zusammen! Beau schlug sich im Geiste selbst.
Langsam stieg Beau mit wackligen Beinen die Leiter hinunter, trat näher an die Bar heran und lehnte sich zu William.
„Und warum willst du mich besser kennenlernen?“ William zuckte mit den Schultern. Seine Augen glänzten und seine Haltung strahlte Selbstbewusstsein aus. Aber die Schweißtropfen auf seiner Stirn verrieten, dass er nervös war, unsicher. Beau runzelte die Stirn und starrte William an, bis er nachgab und sein Blick von links nach rechts huschte, bevor er wieder auf Beau landete. Bereit den Kerl ein weiteres Mal abzuweisen, öffnete Beau den Mund, hielt jedoch inne, als William leicht den Kopf senkte und ihn durch seine langen dunklen Wimpern hindurch ansah.
„Wer kann keinen weiteren Freund gebrauchen?“ Der Gipfel von Williams Flirtstrategie von wickle den großen, sexy Barkeeper um den kleinen Finger, war, die Zunge hervorspitzen zu lassen und sie von einer zur anderen Seite des zum Küssen einladenden Mundes zu bewegen.
Heilige Scheiße! Beau schluckte ein Stöhnen hinunter. Freunde, klar, das konnten sie sein. Als ob!
Er schlug auf die Bar und erschreckte William damit. Und verdammt noch mal, wie sexy es war, als er daraufhin errötete.
„Ich mach meine Bekanntschaften normal mit nem Drink“, erklärte ihm Beau und holte zwei Gläser und alles, was er für einen Sazeracs brauchte hervor. Absinth, Zuckerwürfel, Rye Whiskey und Peychaud’s Bitter. Er füllte die Zutaten in einen Cocktail-Shaker und schüttelte sie länger als gewöhnlich, während er William die ganze Zeit nicht aus den Augen ließ. Das breite Grinsen war verschwunden, stattdessen wirkte er … neugierig?
Ein Pfiff von der anderen Seite der Bar lenkte seine Aufmerksamkeit von dem dunkelhaarigen Mann, der ihn aufmerksam beobachtet, zu einem Gast, der eine leere Bierflasche hochhielt. Er stellte den Shaker auf der Barmatte ab, wandte sich um und schnappte sich ein paar Bierflaschen.
„Bin gleich wieder da.“ Sein Blick streifte William, der kurz nickte.
Aus den Augenwinkeln sah Beau, wie William den Kopf zur Seite drehte, um über seine Schulter zu blicken, die Augen auf der Höhe seines Hinterns. Nur, um die Reaktion herauszufinden, verlagerte Beau sein Gewicht auf ein Bein und wackelte mit seinem Hintern. Er lachte leise, als er sah, wie Williams Blick der Bewegung folgte. Beau erreichte den Tisch und stellte die frischen Bierflaschen vor den zwei Männern ab, die nur Augen für sich hatten. Während er pfeifend zurück hinter die Bar ging, beobachtete er unauffällig die Reaktionen und die Körpersprache von William.
„Also dann, bereit für nen Drink?“ Beau nahm den Shaker in die eine Hand, zwei Gläser in die andere und stellte sie vor William auf der Bar ab. Während Beau einschenkte, sog William den Duft ein und pfiff leise.
„Verdammt, der ist stark. Was ist das?“
„Erst trinken, dann fragen.“ Er gab eine Zitronenscheibe in eins der Gläser, bevor er es William zuschob. William runzelte die Stirn und deutet von seinem Glas zu Beaus. „Warum hast du keine Zitrone?“
„Zitronen sind für Pussys“, antwortete er, wobei er das Wort Zitrone dank seines Cajun Slangs mit einem extra Vokal aussprach. William grinste und führte das Glas zu seinen Lippen.
„Na, wird schon schiefgehen.“
„Was redest du da, Junge? Stell das Glas wieder hin. Wir müssen erst anstoßen.“ Beau war sich sicher, dass William ihn für verrückt hielt, seiner hochgezogenen Augenbraue und dem süffisanten Blick nach zu urteilen. Beau hob sein Glas an und wartete, bis William das Gleiche tat, bevor er mit ihm anstieß.
„Laissez les bon temps roulette!“ Beau kippte seinen Drink hinunter, knallte das Glas verkehrt herum auf die Bar, lehnte sich zurück und brüllte:
„Woo! Verdammt, das tat gut!“
William tat das Gleiche. Er stürzte seinen Drink hinunter und seine Augen weiteten sich, während er zu röcheln begann. Er griff nach der Zitrone und schob sie in seinen Mund, um das Brennen, das seine Luftröhre hinab rann, zu unterbinden. Beau lachte lauthals, griff um ihn herum und klopfte ihm hart ein paar Mal auf den Rücken.
„Heilige Scheiße …“ Williams Augen tränten. „Was zum Teufel war das? Diesel?“ Er hustet noch ein paar Mal. „Kann ich ein Glas Wasser haben?“, fragte er.
„Nein.“ Beau schnappte sich ein Bier, öffnete es und warf den Deckel hinter sich, bevor er es über die Bar zu William schob. „Wasser hilft da nich’, Bier stillt den Brand.“
„Danke.“ Er trank ein paar Schlucke und es funktionierte wirklich. Es löschte das Feuer in seinem Rachen. „Was hast du da vorhin gesagt? Lazy Roses?“
Beau lachte erneut. Sein langes Haar fiel ihm ins Gesicht, als er Williams Blick erwiderte.
„Laissez les bon temps roulette – lass die guten Zeiten ruhn!“
„Ich verstehe nicht Mal die Hälfte von dem, was du sagst, und trotzdem finde ich es verdammt sexy, wenn du so was sagst.“ Williams Augen leuchteten erneut und er grinste zu ihm hoch.
„Yon sèl lang se janm ase.“
„Okay, das war anders. Was war das für eine Sprache und was hast du gesagt?“ William beugte sich weiter zu ihm und stützte dabei seine Ellbogen auf der Bar ab. Er schien ehrlich neugierig zu sein, wollte wirklich mehr über Beau erfahren. Gib der Sache eine Chance, Beau. Du hast es verdient, glücklich zu sein. Tristans Worte klangen in seinem Kopf nach.
„Das wa’ Haitian Creole und heißt grob übersetzt: Eine Sprache ist nich genug. Ich bin geboren und aufgewachsen in N’walins Lousiana. War dort überall mal, rund um Baton Rouge. Ich spreche Cajun und drei Varianten Creole: Französisch, Cajun und Haitian.“
„Ich kann manchmal kaum Englisch sprechen“, scherzte William. Der Ausdruck in seinen Augen wechselte jedoch innerhalb einer Sekunde von wehmütig und lustig zu ernst und herausfordernd. „Ich höre dir wirklich gerne beim Reden zu, Beau. Und ich meinte es ernst, als ich sagte, ich würde dich gern besser kennenzulernen.“
Beau war dankbar für seine langen Haare, seinen buschigen Bart und das gedämpfte Licht der Bar. Seine Wangen fühlten sich so heiß an und er wusste, dass William die Auswirkungen seiner Worte bemerken würde, wenn er ihn deutlich sehen könnte.
Sie sahen sich eine Zeit lang in die Augen. Schließlich nickte Beau und klopfte zweimal mit seinen Fingerknöcheln auf die Bar, bevor er William seine rechte Hand hinstreckte.
„Freunde?“ Ein Lächeln machte sich auf Williams Gesicht breit, als er nach seiner Hand griff. Die Wärme und der Druck überraschten ihn.
„Freunde … erst mal.“
Kapitel 3
Missverständnis
„Nein, das hast du nicht … du machst Witze, oder?“ William starrte Chris mit offenem Mund an. Chris kreuzte seine Finger über seinem Herzen.
„Pfadfinderehrenwort.“ William, Chris, Linc und Dusty sahen sich den Drehplan für die nächsten Monate an. Als William sah, dass er nächste Woche mit Jae drehen würde, erschauderte er. Micah hatte ihm, unglücklicherweise bis ins kleinste Detail, von seinem ersten Dreh mit Jae erzählt, als er zu All Cocks gekommen war. Daher freute sich William wohl zum allerersten Mal nicht auf eine Szene. Und dann erzählte Chris Dusty und ihm, dass es wohl keine weiteren Probleme mit Jae geben würde.
„Du hast es ihm heimgezahlt?“, fragte Dusty.
„Na ja, heimgezahlt klingt so brutal, aber ich denke, so kann man es sagen.“ Chris zuckte mit den Schultern.
„Er kann von Glück sagen, dass ich ihm nicht den Arsch aufgerissen habe.“ Lincs Augen verengten sich. „Sagt zu meinem Mann, dass er für ihn unten liegen soll. Zum Teufel, nein – wenn sich jemand seinen jungfräulichen Hintern vornimmt, dann bin ich das.“ Darüber mussten alle lachen. Es war bei All Cocks bekannt, dass Kris Alen und Linc Larsen ein Paar waren und dass keiner von beiden vor der Kamera unten lag. Das war etwas, was Linc sich für sein Privatleben aufsparte und Chris hatte noch bei keinem unten gelegen, weder vor noch hinter der Kamera. Daher verstand William, warum Linc so sauer auf Jae war.
„Ich war nicht gemein oder so. Ich habe ihn nur direkt gefickt, ohne Vorspiel und Küssen. Hab seinen Arsch aufs Bett gedrückt und ihn richtig ran genommen, bis er so hart kam, dass ich dachte, er wird ohnmächtig.“ Chris zuckte erneut mit den Schultern. „Danach habe ich mich zu ihm gesetzt, mit ihm ein vertrauliches Gespräch geführt und ihn über das richtige Verhalten und Körperpflege vor dem Shooting aufgeklärt. Also, wie ich schon sagte, denke ich, dass du nächste Woche keine Probleme mit ihm haben wirst.“
„Morgen, Jungs“, murmelte Andrew, der verschlafen in die Küche schlurfte. Als liefe sein Körper auf Autopilot, ging er direkt zur Kaffeekanne.
„Morgen, Mama!“, riefen alle im Chor. Andrew schnappte sich mit einer Hand eine Tasse und zeigte ihnen mit der anderen den Mittelfinger.
„Lasst meinen Ehemann in Ruhe.“ Victor schlich genauso langsam in die Küche und sah noch ungepflegter als Andrew aus. Er schlängelte sich zu Andrew durch und beugte sich für einen schnellen Kuss zu ihm, bevor er ihn mit seiner Hüfte beiseiteschob, um an den Kaffee zu kommen.
„Also, wir müssen mit euch reden, Jungs.“ Andrew trat zum Tisch und ließ sich nieder. Victor folgte und setzte sich neben ihn.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Chris. Andrew wollte nicken und zur gleichen Zeit trinken, was nicht so gut funktionierte. Er zischte, als ein paar Tropfen des heißen Getränks auf seinem Bein landeten.
„Ja, alles in Ordnung, aber wir müssen etwas an unserer Vorgehensweise ändern.“ Chris und Linc wechselten einen Blick.
„Red weiter“, hakte Chris nach.
„Der Drehplan, den ihr hier seht, zeigt die letzten paar Drehs, die hier im Haus stattfinden werden. Wir werden zukünftig ausschließlich außerhalb des Büros in der Stadt drehen. Abgesehen von den Drehs auf dem Boot, wenn es wärmer ist. Die schlechte Nachricht ist, dass wir das Familiäre und Gemütliche verlieren werden, dass wir während der Drehs hier im Haus hatten. Die gute Nachricht ist, dass die andere Hälfte des Gebäudes, dass wir für die All Cocks INC. in der Stadt gemietet haben, frei geworden ist, sodass wir uns vergrößern werden und das komplette Gebäude übernehmen.“ Andrew sah zu Victor und lächelte.
„Ich weiß nicht, ob ihr euch dessen alle bewusst seid, aber Matties Herz hängt daran, dass wir eine Familie werden. Aber solange wir hier im Haus irgendwas mit Pornos machen, wird uns kein Richter das Sorgerecht zusprechen oder uns die Erlaubnis geben, ein Kind zu adoptieren oder in Pflege zu nehmen. Das ist sehr wichtig für Mattie und daher auch für Victor und mich.“ Für einen Augenblick sagte niemand etwas. Die vier ließen das, was Andrew gesagt hatte, erst einmal sacken.
„Was ist mit Grillfesten, Übernachtungen oder spontanen Besuchen?“, fragte Dusty. Andrew beugte sich über den Tisch und nahm Dustys Hand in seine.
„Ihr seid unsere Familie, Dusty. Ihr seid alle ein Teil davon. Das wird sich nie ändern. Jeder von euch ist hier jederzeit willkommen. Wir können nur keine Erwachsenenfilme mehr hier drehen, nicht, wenn wir ein Kind adoptieren oder in Pflege nehmen wollen.“
„Solange ich nicht gefeuert bin, ist das okay für mich“, sagte William und lachte leise.
„Dito“, sagten Chris und Linc gleichzeitig.
„Wo wir gerade dabei sind, wir werden bald neue Models anwerben.“ Victor stand auf und holte die Kaffeekanne.
Chris stimmte ihm aus ganzem Herzen zu. „Ja, das finde ich gut. Wir haben Jordan und Kory verloren und Dusty dreht nur noch ein paar Mal im Monat. Es ist absolut richtig, Frischfleisch für die Seite aufzutreiben, falls ihr versteht, was ich meine.“
„Es freut mich, dass du das auch so siehst, Christopher. Ich würde das dir und Andy überlassen.“ Victor reicht Linc die Kanne, während er sprach.
„Und Gabe, richtig?“, fragte Chris.
„Ich rufe ihn später noch an, lasse ihn alles wissen und frage, ob er weiterhin hinter den Kulissen mitarbeiten will. Wo wir gerade bei Verlusten sind, Micah wird auch in keinen Filmen mehr mitspielen. Aber er hat zugestimmt für uns zu modeln, wenn wir ihn brauchen“, klärte Andrew alle über diese Entwicklung auf.
„Ich denke, wir alle wussten, dass das passieren würde, nachdem die drei zusammengefunden hatten“, sagte Dusty, nahm sich die Kanne von Linc und füllte seine Tasse auf. Dann stand er auf, ging zum Kühlschrank und holte die Kaffeesahne.
Victor kochte mehr Kaffee, während Andrew in einer Pfanne Würste für Biscuits und Gravy anbriet. Schließlich gesellte sich auch Mattie zu ihnen in die Küche, angelockt durch den betörenden Duft der frischgebackenen Köstlichkeiten. Die sieben machten es sich an dem großen Tisch bequem, aßen und schmiedeten Pläne für den Umzug der Dinge, die mit der Arbeit zu tun hatten und deshalb vom Haus in das Büro in der Stadt mussten.
Andrew rief Gabe an, um ihn über die neusten Entwicklungen zu informieren, und beide Seiten schalteten auf Lautsprecher. Der Plan am Ende des Monats so viele Leute, wie möglich zu organisieren und einen Umzugswagen zu mieten, mit dem alles ins Büro gebracht werden sollte, nahm Formen an.
„Wir können danach Pizza bestellen und Bier besorgen, als Dankeschön für alle, die geholfen haben“, schlug Andrew vor.
„Klingt gut. Ich rufe ein paar Leute an, wenn wir hier fertig sind, und schaue mal, ob ich ein paar Muskeln für die schweren Sachen auftreiben kann.“ Tristans Stimme knackte in der Leitung, als Micah im Hintergrund lachte.
„Bitte bring nur Sal nicht mit. Gott, wenn ich mir den ganzen Tag das Gemecker und Gestöhne deines Bruders anhören muss, kann ich nicht versprechen, dass ich nicht eine Couch auf ihn fallen lasse“, sagte Chris zu Tristan und erhielt ein lautes Lachen als Antwort.
„Keine Sorge, er hasst harte Arbeit, also wird es einfach sein ihn zu Hause zu lassen“, antwortete Tristan.
„Also gut, Jungs, wir müssen jetzt auflegen und zum Einkaufen, bevor es regnet“, erklärte Gabe ihnen. „Ich sehe dich am Mittwoch im Büro für deinen Dreh, richtig Willie?“
William lächelte. Niemand außer Gabe nannte ihn Willie, außer seiner Mutter. Das lag hauptsächlich daran, dass die Abkürzung seines Namens eher wie ein Kosename für einen fünfjährigen Jungen klang, aber William konnte sich nicht dazu durchringen, Gabe zu korrigieren.
„Jep. Vielleicht können wir danach noch was Essen und Trinken gehen?“ Gabe, Tristan und Micah antworteten alle mit einem ja, klingt gut und klar. Bevor Gabe auflegte, drangen drei völlig verschiedene Lacher aus dem Hörer.
„Gut, in diesem Sinne, fahre ich dann mal zurück in die Stadt. Soll ich dich mitnehmen, William?“, fragte Dusty. Die zwei teilten sich noch immer ein Appartement in der Stadt.
„Nö, ich glaube, ich bleibe noch. Vielleicht helfe ich den Chefs noch beim Packen für den Umzug. Es ist auch einfacher, wenn ich für den Dreh am Mittwoch gleich hier bin. Dann können wir früher anfangen. Außerdem gibt dir das ein paar Tage allein mit deinem Mann“, sagte William und wackelte mit den Augenbrauen. Dusty wurde rot und sah weg, um das sanfte Lächeln auf seinem Gesicht zu verbergen.
„Wo wir gerade davon reden, wann sehen wir mehr von Blondie als seinen Hinterkopf?“, ärgerte ihn Linc. Dusty errötete noch tiefer, sofern das möglich war. Chris schlug seinem Partner auf den Arm.
„Lass den armen Jungen in Ruhe. Wenn er bereit ist, uns vorzustellen, dann macht er das schon.“ Er zwinkerte Dusty zu und winkte, als er sich umdrehte und Victor aus der Küche folgte.
***
Mittwochmorgen saß William mit einer Tasse Kaffee am Küchentresen und wartet auf Jacob für den Dreh. Sie hatten sich kennengelernt, als Jacob angeheuert worden war, hatten in der Zwischenzeit aber nicht mehr miteinander gesprochen. Als er das Auto vorfahren hörte, stand er auf und ging zur Hintertür, um sie für Jacob aufzuhalten, der über den Hinterhof rannte, um dem Regen auszuweichen.
Jacob Cooper war fit und groß, verdammt groß, so groß wie Beau, was überraschend war. Sein Körper bestand aus massenhaft Muskeln und scharf definierten Zügen. Welliges dunkelblondes Haar, ein paar Stoppel an seinem eckigen Kinn und Augen in der Farbe von Wasser, das in der Mittagssonne glitzert, machten den Mann irgendwie unwiderstehlich. Der frische Duft von Seife umgab ihn und als William an ihm vorbeiging und ihn streifte, atmete er tief ein und gab ein stummes danke Gott! von sich, als er Minze in Jacobs Atem roch. Anscheinend war Chris’ Ansage nicht auf taube Ohren gestoßen.
Er folgte William die Treppe hinauf zum Schlafzimmer am Ende des Flurs, in dem die meisten Szenen im Haus gedreht wurden. Das große Himmelbett mit den weißen Bettbezügen, der flauschigen Daunendecke und den zig Dutzend Kissen, war direkt vor die zwei offenen Fenstertüren geschoben worden. Es waren keine Requisiten oder extreme Posen in der Anweisung vorgekommen, die Andrew ihnen gegeben hatte.
„Ausziehen und rein. Keine Unterhaltung oder Vorbereitung, kommt gleich zur Sache“, wies Andrew sie an und deutet auf das große Bett.
Sie begannen mit leichten Küssen, Berührungen und Streicheln, bis sie schließlich weiter zu Blowjobs und weiteren Küssen übergingen, die mit jeder Minute an Intensität gewannen. Connor kniete sich zwischen Jaes gespreizte Schenkel, riss ein Kondom auf und rollte es über dessen imposanten Penis, bevor er besagten Schwanz mit Gleitgel einrieb. Er ließ sich Zeit dabei, Jacob in seinen Körper aufzunehmen, in dem er sich mit jeder Bewegung seiner Hüfte ein Stück weiter herabsenkte.
Der Sex war so verdammt fantastisch, dass William sich fragte, warum Micah so negativ über seine Erfahrungen mit Jae gesprochen hatte. Es gab eindeutige Anzeichen dafür, dass Jacob nicht so erfahren war, wie er die Leute glauben machen wollte. Ein bisschen zu viel Zähne als nötig beim Blasen, unsichere und unkoordinierte Stöße seiner Hüfte beim Ficken. Mitten im Dreh Fragen zu stellen, während die Kamera lief und Jacob bis zum Anschlag in Williams Hintern steckte, war vermutlich keine so gute Idee. Aber William wollte Jae nach dem Dreh beiseitenehmen und mit ihm reden, um den Jungen besser zu verstehen. Vor allem nachdem, was er alles von dem Mann gesehen und gespürt hatte und was nicht zu dem passte, was Micah erzählt hatte.
Als sie sich später in Andrews Büro einen Teil des Filmmaterials ansahen, war William beeindruckt. Es gab keine aufwendigen Aufbauten oder Designs, nur sie beide in der Mitte des großen Bettes. Ihre gebräunten Körper ein starker Kontrast zu dem Weiß, dass sie umgab. Keine Musik, nur die Geräusche des draußen tobenden Sturms, ihr gemeinsames Stöhnen und Ächzen und Connors Flehen an Jae ihn härter, schneller und tiefer zu ficken. Da das Bett zwischen den zwei geöffneten Türen stand, konnte man den fallenden Regen sehen, wie der Wind in die Vorhänge blies und den weißen Stoff, der sich an den Seiten des Bettes befand, bewegte. Das war brillant in seiner Einfachheit.
„Das ist unglaublich, Jungs. Schlicht und fehlerfrei. Das war wahrscheinlich der einfachste und günstigste Dreh, den ich je hatte und ich wette, das lässt die Seite zusammenbrechen, wenn ich es hochlade.“ Andrew lächelte und klopfte ihnen beiden auf die Schulter.
„Ist euch egal, was ich davon hochlade oder wollt ihr noch mal eine endgültige Abnahme?“ William schüttelte den Kopf und schielte zu Jacob hinüber.
„Das passt für mich so“, stimmten sie beide zu.
William überlegte, wie er Jacob allein sprechen konnte, ohne dass es für sie peinlich wurde.
„Bleibst du hier, Will? Ich kann dich mit in die Stadt zurücknehmen, wenn du willst.“ Problem gelöst.
„Ja, ich könnte eine Mitfahrgelegenheit gebrauchen. Ich werde dir dafür was zu essen spendieren.“
Es dauerte nur ein paar Minuten, bis William alles in seinen Rucksack gestopft und sich bei Victor und Mattie verabschiedet hatte. Fünfzehn Minuten später fuhren sie auf die Schnellstraße. Der Regen war zu einem Tröpfeln geworden und das sanfte wusch wusch der Scheibenwischer lullte William ein, was ihn beinah einschlafen ließ.
„Ich schwöre dir, wenn du anfängst zu schnarchen, fahre ich uns gegen einen Baum.“ Jacob lachte.
„Ich habe nur meine Augen ausgeruht.“
Jacob schnaubte. „Ja, genau. Hör zu, wir könnten uns auch einfach besser kennenlernen. Immerhin fahren wir eine Stunde.“ William nickte.
„Das stimmt. Dann sag doch mal, wie gefällt dir das Leben in der All Cocks INC. bis jetzt?“
„Ich glaube, ich hatte einen etwas holprigen Start. Der erste Typ, mit dem ich gedreht habe, humpelte danach. Verdammt, ich habe mich deswegen so schlecht gefühlt, dass ich Victor beinah gesagt hätte, ich kann das nicht.“
Das war gut. Jacob öffnete sich ihm, ohne, dass er herumstochern oder ihn bedrängen musste.
„Ich bin nicht, wie soll ich sagen … ich habe nicht viel Erfahrung mit Männern. Ich bin auf einer Farm in Wyoming aufgewachsen und musste meine Sexualität verstecken, bis ich meinen Abschluss hatte und dort wegkonnte.“
Was sollte William dazu sagen? Etwas Geistreiches? Lustiges? Mitfühlendes? Gut, dass Jacob mitteilungsbedürftig war und William so nur ab und an nicken und brummen musste. Es war offensichtlich, dass der arme Kerl endlich einen Freund brauchte, und William war gerne bereit dazu.
„Ein kleines Vögelchen hat mir gezwitschert, dass du und Kris Alen nach dem Dreh mit Micah eine Auseinandersetzung hattet.“ William wollte wissen, wie Jacob auf Chris’ Aktion und Lincs Drohung ihm den Arsch aufzureißen, reagiert hatte.
„Scheiße, Micah, stimmt. Das ist der Soldat mit dem Metallbein, richtig?“ Williams Augen wurden groß. Oh, wenn Tristan oder Gabe Jacob das sagen hörten, würde nicht einmal Chris den armen Kerl vor ihnen beschützen können.
„Ja, Micah ist der Kerl mit der Beinprothese. Ich denke, ihn als A – der Soldat oder B – der Typ mit dem Metallbein zu bezeichnen, wird dir keine Pluspunkte bei seinen Partnern einbringen. Ich glaube, Gabe wird dir sogar eher die Augen auskratzen, wenn du dich mit Micah anlegst.“ William lachte, um die Stimmung aufzulockern.
„Scheiße tut mir leid. Es ist nur … Ich denke, du darfst mich ruhig als trotteligen Bauerntrampel aus Wyoming sehen. Ich nehme kein Blatt vor den Mund und das meiste, was rauskommt, ist dumm oder verärgert Leute. Ich lerne das hier gerade.“ Jacobs Griff um das Lenkrad war so fest, dass seine Fingerknöchel weiß wurden. William griff über die Mittelkonsole des Trucks und klopfte Jacob sanft auf die Schulter.
„Hey, ich bin sicher, wenn du dich bei Micah entschuldigst, wenn du ihn das nächste Mal siehst, ist alles wieder gut. Er ist ein wirklich toller Kerl. Er hat nur einiges durchgemacht.“ Jacob legte den Kopf schief. Sein Blick wechselte zwischen ihm und der Straße, ehe er nickte und sich wieder ganz dem Verkehr widmete.
„Um deine Frage zu beantworten, ja, der Dreh mit Chris war echt heftig. Ich war so verdammt nervös. Er ist ein kräftiger Kerl und ich bin noch nicht oft unten gelegen. Ich neige dazu, Müll zu labern, wenn ich nervös bin, also hab ich immer weiter gemacht, bedrängte ihn und versuchte ihn dazu zu bringen, unten zu liegen. Sein Partner war letztlich nicht glücklich mit mir.“
William stieß einen leisen Pfiff aus und grinste. „Chris mag der Kräftigere in dieser Kombination sein, aber ich würde jeden Tag der Woche und doppelt an Sonntagen auf Linc setzen. Hör zu, ich verrate dir alle Familiengeheimnisse und dann weißt du, wie alles läuft und wer zu wem gehört.“
„Okay, ja, das wird mir sicher sehr helfen.“ Jacob lachte.
William drehte sich zur Seite, lockerte den Sicherheitsgurt, um ihn an seine Position anzupassen und Jacob während ihres Gesprächs ansehen zu können. Für die nächsten vierzig Meilen malte er ein schönes Bild des All Cocks Familienstammbaumes auf. The good, the bad, and the ugly ... William sprach über den Unfall im Club Berlin, der Mattie ins Krankenhaus gebracht hatte, aber nicht über das, was ihm mit sechzehn passiert war. Er teilte seine Erinnerungen an den Dreh, der ihre aller Leben verändert hatte, ging aber nicht ins Detail. Manche Dinge sollten privat bleiben und nur von der jeweiligen Person oder den Personen, die sie betrafen, erzählt werden. Jacob würde diese Geschichten von Mattie, Gabe und Kory hören müssen, genauso, wie er Micahs Zeit im Irak von Micah hören sollte, wenn sie sich dazu entschieden sie mit ihm zu teilen.
Vor ihnen erstreckte sich der Parkplatz, der als Schnellstraße getarnt war. Ein eindeutiges Zeichen, dass sie zurück in der Stadt waren. Da sie sich für Chipotle entschieden hatten, folgte Jacob Williams Anweisungen und bald darauf waren sie raus aus dem Stau und fuhren auf einen Parkplatz. Sie unterhielten sich weiter über belanglose Dinge, während sie aßen. William fand, dass er den armen Kerl für einen Abend genug mit ernsten Gesprächen gequält hatte.
Als sie an der Wohnung ankamen, die er sich mit Dusty teilte, gab William Jacob seine Handynummer und meinte, er könne ihn jederzeit anrufen, wenn er jemanden zum Reden brauchte, was Essen gehen oder trainieren wollte.
Er erwartete beinah, David mit Dusty ausgestreckt auf der Couch vorzufinden, als er eintrat, aber das Apartment war dunkel und still. Leise schlich er ohne Licht zu machen zu seinem Schlafzimmer. Da er bereits seit einem Jahr hier wohnte, kannte er den Weg um die Möbel herum. Er versuchte kein Geräusch von sich zu geben. Als er an Dustys Tür vorbeikam, sah er den schwachen Lichtschein zwischen der Tür und dem Boden. Er hob seine Hand, um zu klopfen und wollte etwas sagen, trat aber eilig zurück und sprintete in sein Zimmer, als er ein Keuchen, gefolgt von einem lang gezogenen und leisen Stöhnen hörte. Dusty und David waren wie Karnickel. Die beiden klebten aneinander, wann immer sie länger als fünf Minuten zusammen in einem Raum waren. William konnte nicht begreifen, warum Dusty David den anderen nicht vorstellen wollte. Vor allem seinem besten Freund Kory. Was auch immer der Grund war, er tat es nicht und William hatte keine andere Wahl, als den Wunsch seines Zimmernachbarn zu akzeptieren. Er wünschte nur, er wüsste, warum.
Kapitel 4
Geister der Vergangenheit
Die Eingangstür schwang auf und ein kleiner blonder Elf sah grinsend zu Beau auf.
„Hey, komm rein, komm rein!“ Er konnte nicht anders als über Gabe zu lachen. Trotz seiner zierlichen Gestalt hatte er mehr Energie als zehn ausgewachsene Männer.
„Das Abendessen dauert noch eine Stunde oder so, aber es stehen Käse und Cracker im Wohnzimmer, falls du jetzt schon Hunger hast. Es wird zumindest deinen Appetit bremsen. Was kann ich dir zu trinken bringen? Wir haben Bier, Wein, Sprudel und Wasser.“ Gabe hielt die Kühlschranktür geöffnet.
„Erst mal nur Wasser für mich“, antwortete Beau und nahm die angebotene Flasche an. Gabe zeigte den Flur runter, der zur Rückseite des Stadthauses führte.
„Tris und Micah sind im Wohnzimmer, wenn du ihnen Gesellschaft leisten willst. Ich komme gleich nach.“
„Ehrlich gesagt hatte ich gehofft, kurz mit dir sprechen zu können.“ Beau lehnte sich gegenüber vom Kühlschrank an den Tresen.
„Wirklich? Okay, was ist los?“ Gabe schloss den Ofen und wischte seine Hände an seiner Schürze, auf der Küss den Koch stand, ab.
„Nun, Tris meinte, ich soll mit dir über ein paar Dinge reden.“ Beau öffnete seine Flasche Wasser und leerte die Hälfte davon in einem langen Zug. Gabe hob eine Augenbraue und seine Lippen verzogen sich zu einem hinterhältigen Grinsen.
„Kann es sein, dass eines dieser Dinge ein eins achtzig großer, schwarzhaariger, braunäugiger, stattlicher Mann ist, der auf den Namen William hört?“
Er sprach das Wort Dinge mit derselben Betonung und demselben Tonfall aus wie Beau und brachte ihn erneut zum Lachen.
„Das und über deinen Typen, der gestorben ist.“ Beau beobachtete, wie Gabes Augen einiges an Leuchtkraft verloren.
„Entschuldige, das geht mich nichts an. Ich geh Tristan suchen.“
Gabe legte seine zierliche Hand auf seine Brust und drückte Beau sanft zurück gegen den Tresen.
„Ist schon okay. Es ist nur manchmal noch hart. Ich glaube, du kannst das von allen am besten verstehen.“ Beau nickte. Der hinreißende, kleine, blonde Mann atmete tief durch, drückte seine Schultern zurück und richtete sich ein wenig auf.
„Ich kann mich daran erinnern, wie ich mit Kory dort stand und wir uns den ganzen Wahnsinn ansahen, der um uns herum tobte. Da waren all diese blinkenden Lichter und Sirenen, Leute schrien. Ich wollte nur, dass sie die Klappe hielten und weitergingen, damit ich in den Club gehen konnte, um Gio zu finden. Der Polizist, ich kann mich gerade nicht an seinen Namen erinnern, er ist ein Freund von Jon, Korys Partner. Auf jeden Fall kam er zu uns, um Kory zu sagen, dass Jon verletzt, aber am Leben war. Dann hielt mich Kory nicht mehr auf und irgendwie war Victor da. Und …“
Gabe hielt inne und eine tiefe Stille breitete sich in der Küche aus, bis zu dem Moment, an dem Beau sich nicht mehr sicher war, ob er fortfahren würde.
Aus den Augenwinkeln sah Beau Tristan und Micah im Flur auf der anderen Seite des Kühlschranks stehen. Für einen kurzen Augenblick war Beau unglaublich eifersüchtig. In diesen wenigen Sekunden sah er eine ganze Welt voller Emotionen in den Augen der beiden Männer, während sie ihren Partner beobachteten. Liebe, Leid, Vertrauen, Hoffnung, Schmerz und Verständnis. Er wusste, dass der einzige Grund, warum Micah nicht zu Gabe lief, Tristans Hände auf dessen Schultern waren, die den gezeichneten Soldaten festhielten.
Beaus Aufmerksamkeit kehrte zu Gabe zurück, als dieser sich räusperte und wieder zu sprechen begann.
„… als Robert zu uns zurückkam, freute ich mich für einen kurzen Augenblick. Ich war mir sicher, er kam, um mir zu sagen, dass mein Mann okay war, genau, wie er es Kory berichtet hatte. Aber dann sah ich seinen Blick und … etwas in mir starb, es starb, verdammt.“ Gabe flüsterte die letzten Worte. Sein Blick verschwamm, wurde trüb und eine einzelne Träne lief über seine Wange hinunter. Beau hielt seinen Blick weiterhin auf Gabe gerichtet, doch aus den Augenwinkeln konnte er sehen, wie Micah versuchte sich aus Tristans Griff zu befreien.
Beau wusste genau, wie sich Gabe in diesem Moment fühlte. Von einer Minute zur anderen hatte er den Namen des Polizisten vergessen, nur um ihn dann im nächsten Satz wieder zu verwenden. Gabe hatte in diesen wenigen stillen Momenten den Tod seines Geliebten erneut durchlebt. Das passierte ihm manchmal auch, er erinnerte sich nicht, bis er den Moment noch mal durchlebte.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich danach noch einmal jemanden lieben würde, um ehrlich zu sein. Ich wollte auch nicht.“ Gabe legte den Kopf schief und sah schließlich wieder zu Beau auf, anstatt vor sich hinzustarren.
„Aber dann kamen Tristan und Micah in mein Leben. Ich versichere dir eins, Beau, ein Stück deiner Seele zu verlieren und über den Verlust zu trauern ist verdammt schmerzhaft. Es ist diese qualvolle Art von Schmerz in dir, bei der du nicht atmen kannst. Aber als ich schließlich herausfand, dass in meinem Herzen genug Platz für Gio, Tris und Micah war, na ja, da begann ich endlich wieder zu leben.“
„Ich fühl mich immer noch, als wär es gestern gewesen, dass ich dort im Regen stand und mich von ihm verabschiedet hab. Von meinem Izaiah, Mon Chérie. Es sind fünfzehn Jahre, Gabe und manchmal, kann ich immer noch nicht atmen.“ Beau wusste nicht, wieso er sich dabei so wohl fühlte, mit Gabe zu sprechen, aber er tat es. Er verstand, warum Tristan sich zu dem kleinen Mann hingezogen fühlte. Er war eine alte Seele, clever, lustig und eine Augenweide.
Gabe lächelte zu ihm hinauf.
„Nun, ich denke, es ist gut, dass du jetzt Tris, uns und William hast, wenn du dir etwas Zeit nimmst, um über die Mauer zu blicken, die du um dein Herz errichtet hast.“ Er trat näher an Beau heran, streckte sich und legte eine Hand über Beaus Herz, während er ihm in die Augen sah.
„Ich weiß nicht, warum du bei mir Trost suchst. Mein Gio ist gerade mal ein Jahr tot, aber dein Izaiah … Warum führst du immer noch ein halbes Leben, Beau? Ist es das, was er von dir gewollt hätte, dass du dein Herz vor jeder Chance auf eine neue Liebe verschließt? Was auch immer der Grund ist, ich kann ihn nur respektieren, aber … William mag dich. Ich meine, er mag dich wirklich. Also tu ihm nicht weh, okay? Er ist ein toller Kerl, der nur jemanden sucht, den er lieben kann und der ihn auch liebt.“
Gabes Kopf fuhr nach oben, als Tristan schnaubte.
„Das sage ich ihm seit zwei Jahren, Baby. Er ist ein dickköpfiger Cajun-Grobian, der nicht zuhört.“ Tristan ging zu Beau hinüber, schnappte ihn sich und zog ihn in eine einarmige Umarmung.
„Danke, dass du gekommen bist, Beau. Wir haben uns wirklich drauf gefreut.“
Beau löste sich und formte ein stummes danke dir an Tristan, da er froh war, dass er genau diesen Moment gewählt hatte, um auf sich und Micah aufmerksam zu machen. Micah hatte Gabe längst in die Arme genommen, strich mit seinen Händen über den Rücken ihres kleinsten Partners und flüsterte in sein Ohr.
„Er ist okay, Baby, stimmt’s Gabe?“, versuchte Tristan Micah zu beruhigen, aber Beau konnte den besorgten Unterton in der Stimme des Therapeuten hören. Gabe schniefte.
„Ja, ich bin okay, Jungs.“ Beau sah zu, wie die Anspannung in Tristans Schultern abebbte und seine Haltung sichtlich entspannter wurde. Die schrillende Klingel des Ofens erwischte sie alle unvorbereitet und Beau und Tristan mussten lachen, als Gabe zusammenzuckte und quietschte.
„Haltet die Klappe“, fuhr er sie an, schnappte sich die Ofenhandschuhe und öffnete die Tür. Sofort wurden Beaus Sinne von einem verlockenden Duft eingenommen und bei dem Gedanken daran etwas zu essen, das so verdammt gut roch, lief ihm das Wasser im Mund zusammen.
Tristan führte Beau in das kleine Esszimmer hinüber und die beiden zogen den bereits gedeckten Tisch etwas vor, um sich an die Rückseite bei den Fenstern zu setzen.
Micah holte eine große Schüssel Salat aus dem Kühlschrank und stellte sie, zusammen mit einem frischgebackenen Laib Brot und der Butterdose auf den Tisch. Der leckere Duft, der aus der Küche drang, reizte Beau weiterhin und er freute sich, als Gabe mit einer großen Glasschale in seinen behandschuhten Händen, zu ihnen stieß.
„Da wären wir. Ich hoffe, du magst es. Es ist ein neues Rezept, nur für dich, Beau“, brüstete sich Gabe und war eindeutig sehr stolz auf sich.
„Warum kochst du extra was für mich?“, fragte Beau. Gabe verdrehte die Augen.
„Ich wollte etwas aus der Cajun Küche machen, etwas das du kennst. Sei kein Idiot.“ Tristan und Micah lachten beide. Gabe ignorierte sie und sprach einfach weiter.
„Was ist das mit euch und Reis? Ich meine, ernsthaft, in jedem Rezept, das ich gefunden habe, war Reis. Reis hier, Reis da, Reis, Reis, Reis. Aber dann habe ich diesen Kerl auf YouTube gefunden, Justin Wilson. Er war zu lustig. Er redet wie du und hat erstaunliche Rezepte.“ Gabe schweifte weiter ab, während er den Braten anschnitt. Beau und Tristan tauschten einen Blick und grinsten sich an. Gott, Tris hatte wirklich alle Hände voll zu tun mit den beiden.
„Also, das ist eine Schweinebraten-Pfanne, die mit Cajun Gewürzen scharf angebraten und dann auf kleiner Flamme in Weißweinsoße gekocht wird. Dazu gibt es Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln. Entschuldige, keinen Reis.“ Der kleine Elf klang kein bisschen reumütig.
Vier Stunden später kletterte Beau auf sein Motorrad und fragte sich, wo die Zeit geblieben war. Die vier hatten jeden Krümel von Gabes Essen verschlungen, das vermutlich das Beste gewesen war, was Beau je in seinem Leben gegessen hatte.
Sie hatten weiter über Gio gesprochen und nach ein paar Gläsern Wein fühlte Beau sich wohl genug, um mehr über seine aufkeimende Anziehung zu William mit ihnen zu teilen. Während Tristan nur zu genau wusste, warum Beau bei jeder Art von Beziehung zögerte, vor allem aber bei William, waren Micah und Gabe nicht eingeweiht, was seine Krankheit betraf. Sie waren jedoch beide sehr verständnisvoll, was Beaus Zögern anging. Der geteilte Schmerz eines Verlustes gab den dreien eine bessere Vorstellung, wenn es um das Für und Wider ging.
Er fuhr durch die Straßen von New York, die trotz der späten Stunde überfüllt waren, und genoss den Frieden, den er empfand, wenn er auf seiner Maschine saß. Vermutlich das erste Mal seit Izzies Beerdigung ertappte sich Beau dabei an das Leben mit einem anderen Mann zu denken. Es war schmerzhaft und schwierig, da jeder Gedanke an William eine ebenso schöne Erinnerung an Izzie hervorrief. Dennoch fragte er sich, nachdem er so viele Jahre allein gewesen war, verheiratet mit einem Geist, ob es möglich war, mit William wieder glücklich zu werden?
Kapitel 5
Der Versuch, gegen die Anziehung anzukämpfen
Beau hatte sich über die Bar gelehnt und quatschte mit einem seiner Stammkunden, als William reinkam, gefolgt von ein paar Männern, unter denen er einen als All Cocks Model erkannte. Die anderen waren ihm fremd. Die vier steuerten direkt auf die Bar zu und Williams Lächeln erstrahlte regelrecht in dem spärlich beleuchteten Raum.
„Hey, Beau, wie läuft’s?“, fragte William und kletterte auf den Barhocker, der am nächsten bei Beau stand.
„Ich bin immer noch hier. Was kann ich euch Jungs heut bringen?“
William drehte sich zu seinen Freunden um.
„Bier oder Kurze, Jungs?“
„Beides!“, riefen die anderen drei. William schüttelte den Kopf und lachte. Beau mochte es, wenn er lächelte. Seine dunkelbraunen Augen funkelten und – was zur Hölle ist los mit dir? Beaus innere Stimme kämpfte noch immer gegen die Anziehungskraft des Mannes, der vor ihm saß und nach Sonnenschein und Regen roch.
„Beau?“ William starrte ihn an, den Kopf zur Seite gelegt.
„Wa...“ Beau wurde rot, als er bemerkte, dass er so ins Starren und Riechen vertieft gewesen war und die Aussicht genossen hatte, dass er kein verdammtes Wort von dem gehört hatte, was William gesagt hatte.
„Vier Bier und vier kurze Fireball, bitte.“ William zwinkerte. Er zwinkerte ihm verdammt noch mal zu, mit diesem hinterhältigen Grinsen. Beau hätte es ihm am liebsten aus dem Gesicht geschlagen.
Er schnappte sich vier Schnapsgläser aus dem Regal hinter sich, griff nach der Flasche Fireball, wandte sich um und füllte die Gläser, bis sie fast überliefen. Dann schob er sie in Richtung der vier Männer, bevor er zum Zapfhahn ging und vier Krüge mit dem neuen IPA füllte, das er gerade von einer lokalen Brauerei bekommen hatte.
Beau sah kopfschüttelnd und leise lachend zu, wie sie anstießen und dann den Fusel, wie er ihn gerne nannte, hinunterstürzten. Der kleine Blonde, der unter dem Arm des Brünetten stand, den er nur als Ashton von der All Cocks Seite kannte, sah aus, als würde er gleich kotzen. Beau stellte die vollen Bierkrüge vor William ab, schnappte sich eine Flasche Wasser und warf sie dem Blonden zu.
Gott, aber er war bezaubernd, so ähnlich wie Gabe, nur dass dieser hier tiefe braune Augen hatte und an Ashton hing, als wäre er ein Rettungsfloß.
„Danke“, würgte er hervor, nachdem er die Flasche Wasser leer getrunken hatte.
„Bist du sicher, dass du das willst?“ Beau lachte und deutete zu dem Bier, das William zu ihm rübergeschoben hatte.
„Verdammt, ich bin ein unhöflicher Mistkerl. Beau, das sind mein Freund Jacob, mein Mitbewohner Dusty und sein Partner David.“ Die drei nickten daraufhin und sagten hi.
Der größte von ihnen, Jacob, stand auf und überraschte Beau. Er hatte nicht bemerkt, wie groß der Kerl war, bis er vor ihm stand. Es geschah nicht oft, dass Beau jemanden traf, der so groß war, wie er und dem er in die Augen sehen konnte.
„Jungs, das ist Beau, der attraktivste Barkeeper in der Stadt“, erklärte William seinen Freunden, während er mit dem Blick all das von Beau verschlang, was er von seinem Platz aus sehen konnte. Beau murmelte etwas Unverständliches, drehte sich um und ging zum anderen Ende der Bar, wo eine Gruppe Männer stand, die bedient werden wollten.
„Ich spreche kein Yeti“, rief William lachend.
Ich geb dir gleich Yeti, du Arsch!, dachte Beau und unterdrückte gerade noch ein Knurren.
Die Bar wurde voller und Beau war nicht mehr in der Lage, länger als hier und da mal eine Minute mit William zu reden. Seine Unterstützung Veronica, kurz Roni, wenn man überleben wollte, kümmerte sich um die Tische, während Beau hauptsächlich hinter der Bar blieb. Schließlich wechselten die vier zu den Billardtischen. Beau fiel auf, dass der Große, Jacob, William ziemlich oft nahekam und ihn begrapschte. Das gefiel ihm gar nicht. Theoretisch hatte er keinen Anspruch auf den Mann, der in letzter Zeit seine Träume beherrschte, aber William hatte keine Mühen gescheut Beau klarzumachen, dass er interessiert war. Also stellte sich die Frage, warum kam er in seine Bar und flirtete hier vor seiner Nase herum?
„Beau, können wir noch eine Runde haben?“, rief William von der anderen Seite der Bar.
Oh, verdammt, nein. Dieser nette Junge war verschwunden und hatte seinen verdammten Verstand verloren! Beau ignorierte ihn, bediente die Gäste an der Bar und unterhielt sich mit einem Stammgast, Steve, der einen erstklassigen Platz direkt vor den Zapfhähnen erobert hatte.
„Entschuldigen Sie, Sir.“ Beau unterdrückte gerade noch so ein Knurren, als er von dem Kerl Sir genannt wurde, von dem er geträumt hatte, dass er ihn genau über diesen Tresen hier beugte und besinnungslos fickte.
„Beau.“ Das war schon besser.
Beau erklärte Steve, dass er gleich zurück sein würde, und ging zum anderen Ende der Bar, wo William mit vier leeren Krügen stand.
„Kann ich noch eine Runde Bier für meine Freunde und mich bekommen, bitte?“ William ließ seiner Frage ein Lächeln folgen. Beau nickte, schnappte sich die Krüge und stellte sie neben den Zapfhähnen auf.
„Das ist schon besser, Cher. Manieren bringen dich weiter, als mich von der anderen Seite des Raums anzubrüllen.“ Beau registrierte gar nicht, was er gesagt hatte, bis er die vier Krüge wieder vor William platzierte. Er sah zu Beau auf, ein Leuchten in seinen tiefen braunen Augen, das in Beau den Wunsch aufkommen ließ, ihn am liebsten am Kragen zu packen, auf die Bar zu ziehen und ihn zu küssen, bis er nicht mehr sprechen konnte.
„Cher?“, fragte William. Beaus Augen weiteten sich und er wurde blass. „Beau, was zum … du siehst nicht gut aus.“
Er starrte William lange an, ehe er sich umdrehte und davonging, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Er konnte Williams Blick auf sich spüren, während er sich einen Weg durch die Tische in den Flur bahnte, der zu den Toiletten, dem Lager und seinem Büro führte. Er blieb in der Tür zum Lager stehen. Die Erinnerung an die Nacht, als William sich in seinen Armen rekelte und stöhnte, war noch sehr frisch. Beau griff nach der Türklinke und schloss die Tür mit mehr Kraft als nötig, bevor er in sein Büro stampfte und die Tür hinter sich zuschlug.
Um die Bar musste er sich keine Sorgen machen. Roni würde einspringen und sichergehen, dass alles glatt lief, während er weg war. Was ihm zu schaffen machte, waren seine Gefühle für William. Wann zur Hölle hatte er angefangen, sich dafür zu interessieren, was William tat oder mit wem? Und ihn Cher zu nennen. Er hatte niemanden mehr so genannt, seit Izaiah gestorben war.
Ein leises Klopfen an der Tür erregte seine Aufmerksamkeit. In Erwartung Roni zu sehen, verkrampfte er sich, als er sah, dass William eintrat und die Tür hinter sich schloss.
„Beau …“
„Du hast hier nichts zu suchen. Geh weg, raus hier, sofort.“ Beau deutete mit dem Kopf in Richtung Bar, wandte sich ab und starrte auf die Wand und das Foto von ihm, Izaiah und Alma von dem Tag an dem Beau seinen Abschluss an der Juristischen Fakultät gemacht hatte. Solange er seinen Blick auf Izzie richtete, konnte er gegen die Anziehung des attraktiven Mannes, der hinter ihm stand und Beaus Aufmerksamkeit wollte, ankämpfen.
Beaus Verstand und sein Körper lagen im Krieg, als William ihn am Arm zu sich herumdrehte. Er sah zu Beau auf und seine tiefbraunen Augen zeigten eine Mischung aus Verwirrung und Sehnsucht.
„Beau, wo liegt das Problem? Warum stößt du mich immer wieder weg?“
Beau weigerte sich, ihm zu antworten. Er war sich sicher, wenn er lange genug schwieg, würde William aufgeben und gehen.
„Steh nicht einfach nur da und ignorier mich, Beau. Was ist los?“
Nun, so viel zu der Idee. „Ich kann dir nicht geben, was du brauchst.“
„Und woher weißt du, was ich brauche, Beau? Wann hast du mal innegehalten und dir die Zeit genommen, zu überlegen oder mich zu fragen, was ich brauche?“ Da flackerte eine Spur von Verärgerung in Williams braunen Augen auf.
Verdammt, er war einer von den Temperamentvollen. Aber Beau war verpflichtet und entschlossen Zuneigung zu vermeiden.
„Ich denk, du hast deutlich gemacht, was du willst, William.“
„Und was ist es?“ William sah ihn trotzig an, die Arme über seiner beeindruckenden Brust verschränkt.
Gott, verdammt, was zum Teufel … hör auf, auf seine Brust zu starren! Beau knurrte, mehr wegen sich selbst als wegen William. Das Geräusch brachte William zum Lachen.
„Nun, ich warte.“ William wippte beinah mit dem Fuß. Beau war beeindruckt. William blinzelte oder zuckte nicht einmal, sondern hielt seinem Blick stand.
„Es gibt Dinge, die du nich’ weißt, William. Dinge, durch die du mich mit anderen Augen sehen wirst“, erklärte Beau ihm schließlich.
„Das bezweifle ich, aber ich beiße an. Was ist es, dass ich wissen sollte?“
„Ich habe nicht gesagt, dass du es wissen solltest, ich sagte, du weißt es nicht.“
„Nun, ich werde es wissen, wenn du es mir erzählst.“ William verdrehte die Augen und seufzte. Er war offensichtlich genervt von der Unterhaltung.
Beau schüttelte nur den Kopf. Ein Klopfen an der Tür brachte sie schließlich dazu, ihren Augenkontakt zu unterbrechen. Roni steckte ihren Kopf zur Tür herein.
„Boss, es wird voll da draußen.“
„Ich komm sofort“, erwiderte Beau und sie verschwand und schloss die Tür wieder.
„Beau, bitte, warum willst du nicht mit mir reden? Ich will dich wirklich besser kennenlernen. Ich will, dass wir zumindest Freunde werden.“ Er klang so überzeugend. Vielleicht etwas naiv, aber überzeugend.
„Was sagst du dazu. Ich habe zwei Freikarten fürs Pier 25 für ein paar Runden Minigolf. Gehst du mit mir da hin?“
Beau zog es für einen Moment in Erwägung. „Als Freunde? Das ist kein Date, richtig?“
William Grinsen hätte einen dunklen Raum erhellen können, als er wie ein aufgeregtes Kind nickte. Beau konnte sich nicht helfen, er musste über den Mann lachen und den Kopf schütteln. Er sollte herausfinden, wie alt sein Möchtegern-Verehrer wirklich wahr und das lieber früher als später. William benahm sich öfter, wie ein fröhlicher Teenager, was es schwierig machte sein exaktes Alter zu bestimmen. Beau erinnerte sich daran, nach seinem Ausweis gefragt zu haben, nachdem William das erste Mal in die Bar gekommen war, aber er konnte sich beim besten Willen an nichts erinnern, außer, dass er alt genug zum Trinken gewesen war.
Beau ging mit einer Hand auf Williams Schulter zur Tür und streckte die anderen zum Türknauf, als er innehielt, sich zu William umdrehte und ihn nachdenklich ansah.
„Was?“, fragte er.
„Ich dacht nur grad, dass du mich doch besser kennenlernen willst? Freunde sein und zusammen rumhängen?“, fragte Beau. William nickte eilig.
„Warum kommst du die Woche nicht einen Tag mit mir ins LGBT-Center? Wir könnten noch ein paar Freiwillige brauchen.“
„LGBT-Center?“, fragte William. Beau nickte und erinnerte sich dann daran, dass William nichts von dem Zentrum wusste.
„Ich führe ein LGBT-Center für gefährdete Jugendliche.“
William grinste zu ihm hoch. „Wow, das ist so cool, Beau. Warum wusste ich nicht, dass du eine Unterkunft leitest?“
Beau schüttelte den Kopf.
„Keine Unterkunft, ein Center. Schau, ich muss wieder da raus, bevor Roni reinkommt und uns beiden das Fell über die Ohren zieht.“
„Ja, ich komme mit. Ist Mittwoch okay? Da hab ich frei und arbeite dann das Wochenende über“, stimmte William eilig zu, während er immer noch lächelte.
„Ja, das geht, los jetzt.“ Beau öffnete die Tür und schob William hinaus, bevor er sie wieder hinter ihnen schloss. Beau kehrte hinter die Bar zurück, während William sich wieder seinen Freunden am Billardtisch anschloss. Glücklicherweise wurde die Bar voller und Beau konnte sich auf die Gäste, ihre Getränke und gelegentliche Essensbestellungen konzentrieren und nicht auf die vier Männer, die am anderen Ende des Raums Billard spielten.
Einmal lehnte Jacob sich dicht zu William, seine Hand auf dessen Schulter, als er ihm etwas ins Ohr flüsterte. William sah zu ihm auf und lachte, bevor er ansetzte und eine Kugel im Loch versenkte.
Ich würd gern meine Kugel in seiner Tasche versenken, war der erste Gedanke, den Beau hatte, und er war es leid sich selbst zu rügen. Ein innerliches Augenverdrehen war alles, was er zustande brachte.
Glücklicherweise gaben William und seine Freunde schließlich auf und gingen. Sie wünschten Beau eine gute Nacht mit einem Nett dich kennengelernt zu haben, von Ashton und seiner Begleitung. Jacob, der Grapscher, wie er ihn insgeheim nannte, nickte ihm zu und William flüsterte: „Wir sehen uns bald.“ Begleitet wurden seine Worte von einem Augenzwinkern und einem lüsternen Grinsen.
Herr im Himmel, rette uns. Mit dem hab ich mir ne Menge Ärger eingefangen.
Darmowy fragment się skończył.