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Tree Color
1 Titel Seite
2 Thomas Homola
3 Einführung
4 Kapitel 1) Selbstliebe
5 Kapitel 2) Ziele setzen
6 Kapitel 3) Das Baum Prinzip
7 Kapitel 4) Entscheidung durch Erfahrung
8 Kapitel 5) Reichtum zum Glück
9 Kapitel 6) Mitleid und Mitgefühl
10 Kapitel 7) Freunden verzeihen
11 Kapitel 8) Vergebung und Heilung
12 Kapitel 9) Geld macht nicht glücklich
13 Kapitel 10) Tag- oder Nachtträume
14 Kapitel 11) Aufgabe und Heilung
15 Kapitel 12) Hochmut oder Fall
16 Kapitel 13) Hilfe annehmen
17 Kapitel 14) Baum Kommunikation
18 Kapitel 15) Gute oder böse Angst
19 Kapitel 16) Freude versetzt Berge
20 Kapitel 17) Sehnsucht
21 Kapitel 18) Loslassen
22 Kapitel 19) Zufälle gibt es nicht
23 Kapitel 20) Beziehung oder Freundschaft
24 Kapitel 21) Bedingungslose Liebe
25 Kapitel 22) Geben und Nehmen
26 Kapitel 23) Astrologie
27 Kapitel 24) Spiegelbild deiner Seele
28 Kapitel 25) Selbsterkenntnis
29 Kapitel 26) Übungen für zu Hause
30 Danksagung
31 Über den Autor
Thomas Homola
Tree Color
1.Auflage 2015
Thomas Homola
Tree Color
Der Weg des Lebens
Impressum
© 2015 Thomas Homola
Verlag: epubli GmbH, Berlin,
www.epubli.de
Autor: Thomas Homola
Umschlaggestaltung, Illustration: Thomas Homola
Foto Quelle: pixabay.com
Lektorat, Korrektorat: Cornelia Beyer
www.lektorat-beyer.de
Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Einführung
Dieses Buch ist nach einer längst fälligen Auszeit des Autors auf der Suche nach dem Sinn des Lebens entstanden.
„Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?“, fragte sich eines Tages Enrice, der Schafhirte, der mit Tieren und Bäumen sprechen konnte. Diese Gabe war ihm schon in die Wiege gelegt worden, da er sich vor seiner Geburt, in einem früheren Leben unbedingt gewünscht hatte, alles zu hören, zu verstehen und zu wissen, sollte er jemals wiedergeboren werden.
Dadurch hatte er sich unbewusst die Gabe der sogenannten göttlichen höheren Hörigkeit gewünscht. Dies ist die Fähigkeit, all die Dinge zu hören, die anderen Menschen verborgen bleiben, die einen voranbringen im Leben, auch wenn sie zwischen den Zeilen stehen, sowie die Fähigkeit, mit Pflanzen und Tieren zu sprechen, so als wären es Menschen. Bereits die alten Schamanen verstanden diese Technik einzusetzen, um mit den alten indianischen Bäumen in Kontakt zu treten, um deren Lebensweisheiten für ein glückliches Leben in Erfahrung zu bringen.
Doch nun wieder zurück zu unserem Schafhirten Enrice. Eines Tages hatte er plötzlich über Nacht keine Lust mehr zu leben und verspürte keine Freude mehr an seinem Dasein, obwohl er doch alles in seinem Leben hatte. Ein schönes Haus mit Blick auf den See, eine große Schafherde, mit der er seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf der Wolle und der daraus hergestellten Produkte finanzieren konnte, und eine sehr liebe Frau an seiner Seite, die alles für ihn tat, was er sich wünschte und ihn täglich bei seiner Arbeit mit den Tieren und dem Handel mit den Produkten unterstützte.
Doch warum war er plötzlich so traurig und unglücklich? Kam es über Nacht oder war es ein schleichender Prozess, den er übersehen hatte? Das einzige, was er sicher noch wusste, war, dass er unglücklich war, obwohl er doch alles besaß. Er war ununterbrochen auf der Suche nach Gründen für seinen Wandel:
Was ist der Grund, was ist die Ursache, was ist plötzlich los mit meinen Gedanken? Sie kreisen ständig um negative Erlebnisse und ich male mir andauernd Horrorszenarien in der Zukunft aus. Ich denke darüber nach, welche schrecklichen Dinge passieren und eintreten könnten. Was ist bloß los mit mir? Warum sind meine Gedanken plötzlich so anders, so negativ, so wirr und nicht nachvollziehbar? Ich sehe ein ganz anderes Licht in meinem Leben als früher, das Licht der Sonne erscheint plötzlich wie ein dumpfer Strahl, der die Wolken beim Vorüberziehen stört. Früher hatte ich diese Sonne geliebt und heute nicht mehr. Was ist plötzlich bloß los mit mir? Warum habe ich diese Gedankengänge, die mich zermartern, ja fast schon zerstören? Ich kann meiner Liebe keinen Ausdruck mehr geben und liebe mich selbst nicht mehr, so wie ich bin. Was ist hier passiert? Bin ich etwa auf den Kopf gefallen und habe es nicht bemerkt? Oder hat mir während der Nacht jemand ins Ohr geflüstert: „Denke negativ, denke negativ, denke negativ!“ Was ist los mit mir? Meine Seele schreit förmlich um Hilfe, aber keiner ist da, um mir zu helfen. Ich bin ganz alleine, nur meine Schafe, meine Bäume und ich sind hier. Was soll ich jetzt tun? Was kann ich ändern in meinem Leben, was ist überhaupt Leben, was ist Liebe? Mir wird immer mehr bewusster, dass ich eigentlich gar nichts über die Liebe und das Leben weiß. Warum ist das plötzlich so?
All diese Fragen stellte sich der arme Enrice und fand keine Lösung für sich. Was war jetzt zu tun? Er entschied, sich schlafen zu legen und hoffte darauf, nach dem Aufwachen eine Lösung für seine negativen Gedanken zu finden. Vielleicht gäbe es nach dem Schlaf auch gar keine negativen Gedanken mehr, die Sonne wäre wieder wunderschön und würde sein Herz wärmen. Er hoffte auf das Leben, wie es zuvor gewesen war: warm, herzig und lebendig zugleich.
Nun begann der Traum seines Lebens. Er schlief langsam durch Erschöpfung und mit dem Ziel, wieder glücklich zu werden unter einer wunderschönen Eiche ein und begann zu träumen. Enrice schlief so tief und fest, als gäbe es keine Zeit und keinen Raum mehr. Er versank immer tiefer in seinem neuen Lebenstraum, der ihn unbewusst in ein neues, noch nie dagewesenes Leben führen sollte.
Er träumte plötzlich, wie er fünf Jahre alt war und in seinem Zimmer spielte. Es war ein sehr kleines Kinderzimmer, das er mit seiner drei Jahre älteren Schwester teilen musste. Er saß auf dem Boden, spielte mit seiner Eisenbahn und sah aus dem Fenster. Plötzlich bemerkte er, wie sich ein Baum vor seinem Fenster bewegte. Doch es war weit und breit weder Wind zu spüren noch zu sehen oder zu hören. Was hatte den Baum dazu veranlasst, sich plötzlich aus heiterem Himmel zu bewegen? Seine Äste schwangen wie wild hin und her, sogar sein Baumstamm begann sich in Richtung Zimmer zu bewegen, so als wollte der Baum zu ihm sagen: „Schau her, da bin ich. Ich möchte mit dir reden.“
Ängstlich sprang Enrice auf und suchte seine Mutter, doch sie war nicht da. Da fiel ihm ein, dass sie im Nachbarort arbeiten musste, wo sie sich für ein wenig Arbeit etwas dazu verdiente, um ihren beiden Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen.
Als Enrice bemerkte, dass seine Mutter gar nicht da war, entschloss er sich, seinen ganzen Mut zusammenzunehmen und ging vorsichtig auf leisen Sohlen wieder in sein Zimmer zurück. Und da war er wieder, der unheimliche Baum. Mittlerweile hatte er sogar einen Ast durch das offene Zimmerfenster gestreckt. Dieser Ast sah fast so aus wie eine menschliche Hand. Vorsichtig ging er zu diesem Ast und berührte ihn zögerlich. Plötzlich zuckte der Ast zusammen und zog sich blitzschnell ein kleines Stück wieder zurück. Enrice wurde aber mutiger und berührte immer öfter diesen Ast. Er nahm den Ast in seine Hand und schüttelte ihn wie eine echte Hand eines Menschen.
In seiner kindlichen Naivität sagte er dann: „Grüß Gott, ich bin Enrice.“ Doch Urplötzlich, wie aus dem heiterem Himmel begann auch der Ast sich auf und abwärts zu bewegen und Enrice nahm eine ganz tiefe Stimme war, die zu ihm sagte: „ Guten Tag, freut mich, dich kennenzulernen. Ich bin Babu, der Baum der Weisheit.“
Enrice erschrak fürchterlich, doch kurz darauf sammelte er wieder all seine Gedanken und beide begannen sich vorsichtig gegenseitig zu unterhalten. Enrice wurde neugierig und fragte: „Wie alt bist du denn?“ Der Baum antwortete: „Nach irdischem Alter bin ich 75 Jahre, nach seelischen Alter bereits 3000 Jahre alt. Ich habe vieles bereits erlebt und gesehen und jetzt bin ich hier, um den Menschen meine Botschaft zu überbringen.“
Enrice fragte erstaunt: „Welche Botschaft denn?“ Und der Baum antwortete: „Die Botschaft von einem glücklichen, wundervollen Leben. Ich möchte dir anhand meiner Weisheit und meiner Erfahrungen erzählen, dass das Leben wunderbar sein kann, und dass es dich immer wieder trotz Kummer, Sorgen und Angst zu deiner Urquelle des Glückes im Leben zurückführt. Wenn du möchtest, beschreibe ich dir anhand von verschiedenen Erlebnissen und Geschichten den Weg zu dir selbst und zu deinem Glück. Und wenn du möchtest, beginnen wir als erstes mit dem Thema Selbstliebe.“
„Oh ja“, antwortet Enrice und setzte sich aufgeregt hin. Er konnte es kaum noch erwarten, die Geschichten zu hören.
Kapitel 1) Selbstliebe
Was heißt denn bitte Selbstliebe? Das geht doch gar nicht, dachte sich Enrice. „Ich kann nur Papa oder Mama lieben oder meinen kleinen Wuschel oder einen anderen Menschen, den ich liebe – aber mich selbst? Das habe ich noch nie gehört! Wie soll denn das gehen, soll ich mich etwa selbst umarmen?“
„Das musst du mir aber mal zeigen, kleiner Babu“, sagte Enrice scherzhaft zu dem Baum.
„Zeig mal her, wie du deine Äste um dich selbst wickelst und dir dabei einen dicken Kuss gibst.“ Bei dieser Vorstellung lachte er schallend.
„Ich muss gestehen, ich habe es lange Zeit auch nicht verstanden, was damit gemeint ist“, sagte Babu. „Aber im Laufe der Jahre habe ich gelernt, wie es ist, wenn man sich selbst nicht liebt und erst dadurch wurde ich wieder auf den Weg der Selbstliebe aufmerksam.“
„Was meinst du damit?“; fragte Enrice wieder einmal mit großen Augen.
„Ich möchte dir eine kleine Geschichte dazu erzählen aus einem meiner früheren Leben. Ich war nicht immer ein Baum, häufig auch ein Menschenwesen, dadurch konnte ich viel Erfahrung in meinem Wachstum sammeln, wie ein Mensch denkt und fühlt. Ich war einmal ein junger Bursche und hatte mich unheimlich in ein junges Mädchen verliebt. Sie wohnte nur zwei Häuser von meinem damaligen Zuhause entfernt und ich hatte sie sehr, sehr gern. Ich stand morgens früh auf, bevor ich zur Arbeit ging, fuhr extra zum Bäcker und kaufte frische Semmeln und frisches Brot und hängte es ihr an ihre Eingangstür. Allerdings befand ich mich damals noch in der Ausbildung in meiner Arbeit. Daher verdiente ich nicht so viel Geld, dass ich mir selbst jeden Tag frisches Gebäck zusätzlich leisten konnte. Deswegen konnte ich nur ihr etwas kaufen, aber leider kein frisches Brot mehr für mich. Am Anfang war es sehr schön, wie sich das Mädchen jeden Tag bei mir recht herzlich bedankte, das war es mir wert. Allerdings fuhr ich im Laufe der Monate immer mehr mit einem Hungergefühl zur Arbeit, mit dem Resultat, dass ich mich immer weniger auf meine damalige Arbeit und Ausbildung konzentrieren konnte. Schließlich blieb kein Geld mehr übrig, um mir selbst ein Frühstück zu kaufen. Bis eines Tages mein Chef zu mir kam, der ein sehr weiser und erfolgreicher Geschäftsmann war, und mich fragte, was los sei. Denn er hatte schon bemerkt, dass ich mich nicht mehr so konzentriert bei der Arbeit verhielt wie sonst. Ich zögerte ein wenig mit meiner Antwort, aber dann brachte ich doch all meinen Mut zusammen und sagte ihm, dass ich jeden Tag dieses Hungergefühl hätte und mich dadurch nicht konzentrieren könnte. Er sah mich erstaunt an und fragte mit ernstem Blick: ‚Aber wie-so? Das verstehe ich nicht, du fährst doch jeden Tag zum Bäcker und holst dir frisches Brot, wie kannst du dann hungrig sein?‘ Ich zögerte sehr lange und sagte dann mit ganz leiser Stimme: ‚Na ja, das Gebäck ist eigentlich nicht für mich, sondern für ein Mädchen, das ich sehr gern habe.‘ Er schaute mich an und sagte: ‚Das ist zwar sehr lobenswert und ich hoffe, dieses Mädchen weiß das sehr zu schätzen. Aber was glaubst du, was passiert, wenn du das dein Leben lang so machst? Wenn du jeden Tag zur Arbeit gehst und dein schwer verdientes Geld für andere ausgibst, aber nicht für dich? Da musst du dich selbst aber nicht sehr lieben. Es ist mir klar, dass du dieses Mädchen sehr gerne hast, aber es darf nie in deinem Leben passieren, dass du jemanden mehr liebst als dich selbst. So kannst du auf Dauer nicht leben. Was hat dein zukünftiger Lebenspartner davon auf lange Zeit gesehen, wenn du dich aufopferst und dabei auf dich selbst vergisst? Er muss dich dann vielleicht pflegen und du wirst langsam zur Belastung für ihn, oder? Denke mal in Ruhe darüber nach. Wenn du Dinge tust, die du eigentlich für dich tun solltest, und nur für andere tust, aber nicht für dich selbst, dann wird dir das auf lange Zeit nicht sehr viel Glück bringen‘, sagte der weise Mann damals zu mir. Und ich fing an, mich selbst zu hinterfragen. Welche Dinge tat ich nur für andere und nicht für mich? Mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Es waren sehr viele Dinge, die nicht ausgewogen in meinem Leben waren, und ab diesem Moment verstand ich, was mit Selbstliebe gemeint war. Ich kreierte meine eigene Übung dazu, die mir half, wieder zur mir und meiner Selbstliebe zu finden. Ich schrieb all die Dinge und Taten auf einen Zettel, die ich immer wieder für andere machte. Dann überlegte ich, ob ich diese Dinge denn genauso für mich machen würde. Und falls doch nicht, war es vielleicht so, dass ich mich selbst zu wenig in den Vordergrund stellte und liebte? Diese Gedanken machte ich mir dann täglich immer wieder selbst und sobald ich erkannte, dass das Thema Selbstliebe zu kurz kam, versuchte ich es dieses zu ändern.“
Kapitel 2) Ziele setzen
Was sind eigentlich Ziele, fragte sich Enrice still und heimlich, doch Babu hatte die wunderbare Gabe, auch Gedanken zu lesen und gab Enrice prompt eine Antwort auf seine Gedanken. „Was denkst du ist ein Ziel für dich?“
„Also für mich wäre es ein tolles Ziel, wenn ich heute am Abend ein leckeres Eis essen könnte. Ganz viel Eis, bis mir fast der Bauch platzt, aber das würde ich schon aushalten, weil Eis mir so gut schmeckt.“
„Siehst du, jetzt weißt du schon, was ein Ziel ist“, antwortete der Baum Babu. „Wichtig bei einem Ziel ist, dass du Freude daran hast, wenn du es erreichen möchtest und gleichzeitig soll es dir Antrieb geben und einen Lebenssinn in dir erzeugen. Tut es das, wenn du an das Eis denkst?“
„Ja natürlich, dafür würde ich mein Leben geben, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte Enrice.
„Siehst du kleiner Mann“, sagte der Baum Babu zu ihm, „du bist schon viel weiter als viele andere Menschen. Du hast dir ein persönliches Ziel gesetzt, das du erreichen und bei dem du Freude empfinden kannst. Viele Menschen denken aber leider nicht so wie du. Sie stecken sich meistens viel zu große Ziele. Sie wollen zum Beispiel gleich einen ganzen Eissalon für sich haben, damit sie ja immer genug Eis haben. Doch du vertraust darauf und freust dich auf deine Portion Eis und steckst dir ein gutes realistisches Ziel, das du erreichen kannst. Leider denken die Menschen, im Laufe Ihres Lebens, immer mehr an größere, weiter entfernte, ja fast unerreichbare Ziele, anstatt sich wieder auf die kleinen Dinge im Leben zu besinnen und in kleinen Schritten zu denken. So wie du... Das wäre ja so wichtig für die Menschheit. Sich täglich neue kleine Ziele zu setzen, um am Ende das große Ziel zu erreichen: ein glückliches, zufriedenes Leben. Nun meine Aufgabe für den heutigen Tag an dich, lieber Enrice. Nimm dir einen Zettel und schreibe dir für die ganze nächste Woche deine täglichen Ziele auf. Vor allem ist es wichtig, dass diese Ziele täglich erreichbar sind und dir viel Freude bereiten. Am Ende der Woche schaust du dir diese Liste wieder an und hakst all die Dinge ab, die du erreicht hast. Über die Ziele, die du dann nicht erreicht hast, denke nochmals nach, ob es vielleicht Ziele waren, die dir nicht so wichtig waren bzw. dir Freude gemacht hätten. Sollten dir diese Ziele doch noch wichtig erscheinen, dann hinterfrage dich einmal, warum du sie nicht erreicht hast. Warst du vielleicht zu wenig motiviert oder war es der falsche Zeitpunkt oder hatte es während der Woche plötzlich keine Bedeutung mehr für dich, dieses Ziel zu erreichen? Stelle dir selbst diese Fragen und schreibe deine Antworten wieder auf einen Zettel, und du wirst erstaunt seine, welche Antworten du selbst finden wirst. So lernst du dich im Laufe der Zeit von Woche zu Woche besser kennen und wirst lernen, dich dabei selbst zu motivieren, deine wichtigen persönlichen Ziele zu erkennen und mit Freude und Tatendrang zu erreichen. Und kommst so deiner Selbstliebe wieder ein Stück näher.“
Kapitel 3) Das Baum Prinzip
Enrice, der im Traum mittlerweile sein 12. Lebensjahr erreicht hatte, und sich jetzt mehr mit tief greifender Themen auseinandersetzen wollte, fragte Babu den Baum, was es eigentlich auf sich habe mit seinem Aussehen als Baum, seinem starken Stammwuchs und mit seinen Ästen, Zweigen und Blättern, da jeder Ast und jeder Zweig seltsamerweise anders aussah als sein gegenüber. Kein Zweig, kein Ast glich dem anderen. Außerdem fragte sich Enrice, warum der Baum jedes Jahr zur Herbstzeit seine Blätter verlor. Für was sollte das gut sein?
Und Babu antwortet: „Ich möchte dir wieder eine kleine Geschichte erzählen Enrice und ich glaube, du wirst erstaunt sein, wie einfach diese Erklärungen sind. Im Prinzip steht jeder Ast und jeder Zweig und jedes Blatt für eine Charaktereigenschaft, ein Thema oder eine Erfahrung, die du in deinem Leben sammeln solltest.“
„Wie meinst du das?“, fragte Enrice mit großen interessierten Augen.
„Ganz einfach, nehmen wir mal ein Blatt von mir als Beispiel. Dieses Blatt steht für ein gewisses Ziel, sagen wir eine kleine Übung zum Thema Selbstliebe, das wir schon einmal kurz angesprochen hatten. Und der Baum hat jetzt die Aufgabe, symbolisch dieses Ziel für einen Menschen sichtbar zu machen.“
„Ok“, antwortete Enrice, „und warum fällt das Blatt dann wieder ab?“
„Na ja weißt du Enrice, sobald du das Ziel erreicht hast, benötigst du das Blatt nicht mehr und es fällt langsam ab, damit es Platz für ein neues Ziel in deinem Leben machen kann.“
„Achso“, sagte Enrice, „aber warum muss ich denn wieder bis zum Frühling warten, bis ein neues Ziel bzw. Blatt wächst?“
„Das ist ganz einfach, aber leider achten die Menschen in der hektischen modernen Zeit heute nicht mehr darauf. Sobald sie ein Ziel erreicht haben, möchten sie sofort ein neues Ziel ins Visier nehmen, statt zu genießen, dass sie ihr persönliches Ziel erreicht haben, sich hineinzufühlen, zu registrieren, welche Bedeutung es in ihrem Leben gehabt hat und dieses dann langsam loszulassen, um in aller Ruhe über den Winter ein neues Ziel zu definieren. Da es hunderttausende Blätter auf einem Baum gibt bzw. Ziele, die man tagtäglich erreicht, aber nicht so bewusst registriert und dabei gedanklich schon wieder beim nächsten Ziel ist, sollte man sich als Mensch ab und zu zurücknehmen, zurücklehnen und es genießen, wie dieses Blatt langsam fällt und ein frisches neues wächst. So ist es im Prinzip auch mit einem Ast, der vor dem Blatt existiert und die Basis überhaupt darstellt für die Blätter.“
Enrice folgte den Erklärungen des Baumes aufmerksam, weil diese Beschreibungen auf der einen Seite so interessant waren, auf der anderen Seite es aber doch so einfach war, wie der Baum das Prinzip des Lebens widerspiegelte.
„Und kannst du mir noch mehr erzählen über die Äste und den Stamm, lieber Babu?“, fragte Enrice ganz aufgeregt mit zittriger Stimme. Enrice wollte mehr von dem Thema wissen, weil er sich sicher war, dass er vieles davon in seinem Leben gebrauchen könnte.
„Einverstanden“, sagte der Baum, „fangen wir bei der WURZEL an. Doch noch vorher kommt der Keim, bevor die Wurzeln sich entwickeln und der Stamm emporwachsen kann. Stell dir vor, eine Seele möchte auf die Erde kommen und das Lebenssystem der Menschen kennenlernen und dabei auch dem Menschen bei seinem Wachstum zusehen. Der Keim verbringt eine Zeit lang sein Dasein im Dunkeln der Erde so wie ein kleines Baby in einem Mutterbauch und verlässt sich darauf und vertraut, dass er immer genug Wasser und Nährstoffe von Mutter Erde bekommt, um zu wachsen.“
„Au ja, das kann ich mir vorstellen“, sagte Enrice wieder ganz aufgeregt und mit gespanntem Gesichtsausdruck.
„Nun gehen wir einen Schritt weiter, die Seele möchte jetzt schon vor lauter Neugier emporwachsen, damit sie die anderen Menschen bei deren Leben dabei beobachten kann, wie sie sich weiter entwickeln und das Lebenssystem meistern. Allerdings muss der kleine Keimling noch einige Wurzeln im Erdreich entwickeln, bevor er aus der Erde austritt und in den Himmel wächst. Was glaubst du, kleiner Enrice, warum muss der Keimling noch warten, bis er genug Wurzeln hat, bis er emporwachsen kann?“
„Ganz einfach“, sagte Enrice, „damit er gerüstet ist, falls ein starker Windstoß kommt, und er nicht gleich umfällt. Dann wäre er ja praktisch gestorben, oder?“
„Ja ganz genau richtig“, sagte Babu zu Enrice. Er war schon sehr stolz auf Enrice, dass dieser mit seinen jungen Jahren bereits wusste, worum es im Leben ging. „Auf das menschliche Leben umgemünzt würde ich dir sagen, es bedeutet einfach so viel, dass ein Mensch geduldig sein muss auf seinem Lebensweg, wenn er sein Leben meistern will. Und er erst dann den nächsten Schritt in seinem Leben wagen darf, wenn er fest genug verwurzelt und verankert ist bei seinen Themen, denn ansonsten könnte ihn schon der kleinste Windstoß wieder aus der Bahn werfen.“
„Oh ja, das verstehe ich“, sagte Enrice. „Wie geht es weiter?“, fragte er ganz aufgeregt.
„Ja schön langsam. Wenn die Wurzeln tief in das Erdreich gewachsen sind, beginnt der Stamm aus dem Erdreich der Mutter Natur emporzuwachsen. Zuerst kommt nur ein einzelner Stamm, der kräftig genug ist, jedem Windstoß standzuhalten und erst dann beginnen die einzelnen Äste herauszuwachsen. Jeder einzelne Ast steht für ein Lebensthema eines Menschen, das der Baum in Form eines Bildes symbolisiert. Im Laufe eines Lebens entwickelt jeder Baum bis zu 24 kräftige Äste, an denen wiederum Äste wachsen. Erst dann folgen die Blätter. Jeder Ast wächst erst dann weiter, wenn das Blatt ausgewachsen ist bzw. das Ziel erreicht ist und dann wieder losgelassen wird, d. h. der Baum wieder sein Blatt verliert.“
„Und was sind das für Ziele?“, fragte Enrice ganz neugierig.
Und Babu antwortete wieder mit sanfter tiefer Stimme: „Die Ziele der Blätter richten sich immer nach dem Hauptziel des Astes. Jedes Hauptziel eines Astes ist es, zu wachsen und sich weiter zu entwickeln in seinem jeweiligen Lebensthema. Nehmen wir z. B. das Thema Treue. Ein Ast steht und wächst Jahr für Jahr immer erst dann weiter, wenn die kleineren Zwischenschritte, sagen wir Ziele des Blattes TREUE, erreicht sind. Ein Blatt könnte z.B. für folgende Szene stehen: Du kommst in eine Situation, in der dich jemand um einen Gefallen bittet. Allerdings möchtest du ihm diesen Gefallen nicht gewähren, da diese Person dich schon so oft um einen Gefallen gebeten hat und diese Person selbst, dir aber noch nie geholfen hat. Jetzt stelle dir bitte diese Situation vor und du sagst nein zu dieser Person, du wirst ihr diesen Gefallen nicht tun.“
„Und was hat das jetzt mit Treue zu tun?“, schaute Enrice mit seinen großen Mandelaugen den Baum verständnislos an.
„Ganz einfach, das Ziel des Blattes war dir selbst treu zu bleiben, und dadurch, dass du dieser Person nicht den Gefallen tun wolltest und es auch definitiv nicht gemacht hast, indem du NEIN sagtest, bist du dir selbst vollkommen treu geblieben. Somit hast du dir dein Blatt verdient und dein Ziel erreicht und dein Ast im Bereich Treue darf wieder ein Stück weiter wachsen, nachdem er im Herbst das alte losgelassen hat und sich wieder auf ein neues Blatt bzw. Ziel festgelegt hat. Du als Mensch bzw. Baum bestimmst immer wieder selbst, welchen Ast du wachsen lassen möchtest. Jeder Ast steht symbolisch für ein anderes Thema, eine andere Eigenschaft oder Charakteristik eines Menschen. Nur dann, wenn alle Themen, Eigenschaften und Charaktere gleichmäßig erreicht und erarbeitet werden, erst dann kann der Baum bzw. Mensch ruhig und kräftig gleichmäßig wachsen und jedem Wetter trotzen.“
„Oh, dieser Vergleich gefällt mir aber sehr gut“, sagte Enrice. „Kannst du mir all diese Themen der Äste erklären, die so wichtig sind zum Leben?“
„Ja sicher kann ich das, lieber Enrice. Dafür bin ich da und auf diese Erde gekommen, um dieses Wissen dir jetzt weiterzugeben.“ Und der Baum Babu begann Ast für Ast bzw. Kapitel für Kapitel dem lieben Enrice zu erklären.
Kapitel 4) Entscheidung durch Erfahrung
Enrice sah den Baum fragend an: „Was meinst du mit Entscheidung durch Erfahrung?“ Babu antwortete: „Für mich ist es ganz klar. Weisheit bedeutet Wissen anzusammeln, zu lernen und daraus die Dinge herauszunehmen, die du zur Umsetzung deines Lebens brauchst. Sei es um materiellen Reichtum anzusammeln oder einfach die große Liebe deines Lebens zu finden oder einfach nur glücklich zu sein. Wenn du Weisheit besitzt, dann weißt du auch, was Glück oder Unglück für dich bedeutet. Was schwarz oder weiß ist, was dunkel oder hell ist, jedes hat seine eigene Daseinsberechtigung. Hätten wir immer nur Sonne 24 Stunden am Tag, die Erde, der Mensch könnte sich nicht mehr regenerieren. Du brauchst die dunklen Seiten, auch wenn sie für viele Menschen unproduktiv, seltsam oder angstbehaftet sind. Sie gehören dazu wie die Nahrung zum Leben. Jeder Baum hat seine Schattenseite, wie auch jeder Mensch seine Schattenseite hat. Allerdings wollen die meisten Menschen ihre Schattenseiten nicht sehen oder mit ihnen nichts zu tun haben, da sie die Dunkelheit fürchten und symbolisch für die dunkle Vergangenheit steht. Dabei könnte es doch so schön sein, im kühlen Schatten eine Weile zu verweilen, Kraft zu tanken und wieder neu Ideen und Energien zu sammeln. Für den nächsten weiteren Weg im Lebensabschnitt, den jeder Mensch in seinem Leben vorhat. Wäre es nicht schön, alle Menschen würden jedes Jahr genüsslich zu ihren eigenen Schattenseiten gehen, sich ihnen zuwenden, auch wenn es manchmal heiß hergeht und diese vollkommene Offenbarung ihrer Seele selbst genießen?“
„Was meinst du damit genau?“, fragte Enrice mit erstauntem Gesicht. Er wusste nicht so genau, was damit gemeint war. Er selbst liebte es, unter dem Baum zu sitzen, vor allem im Schatten und die Gedanken kreisen zu lassen, so als gebe es kein Morgen.
„Mit Erfahrungen der Schattenseite meine ich die Dinge und Situationen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens erfährt, die er selbst herbeigeführt hat. Sei es durch Zorn, Liebe, Wut oder auch Angst. Denke einmal in Ruhe darüber nach, ob nicht auch du etwas einmal im Zorn gesagt hast, was dir dann im Nachhinein leidgetan hat. Diese Erfahrung musstest du sammeln, damit du weißt, was gut oder schlecht für dich ist. Im Prinzip gibt es zwar kein Gut oder Schlecht, allerdings hilft diese Vorstellung deinem Verstand, der nur logisches Denken kennt, so wie ein Computer, der nur 0 oder 1 kennt, damit du, dein Geist, deine Gedanken und deine Seele das verarbeiten können. Die Menschheit ist leider noch lange nicht so weit entwickelt. Es müssen wohl noch einige Jahrhunderte vergehen, bis der Mensch nicht mehr in schwarz oder weiß denken muss, sondern nur mehr in der Harmonie und Glück des Lebens lebt. Aber jetzt wieder zurück zum Ursprung des Themas, der Weisheit und Erfahrung. Weißt du, was ich damit meine, Enrice?“, fragte Babu.
„Ehrlich gesagt, bin ich momentan ganz schön verwirrt“, entgegnet Enrice mit offenen Augen und Mund.
„Das verstehe ich“, meinte Babu, „ich brauchte auch einige hundert Jahre, bis ich das Grundprinzip des Lebens, dessen Aufgabe und die Sinnhaftigkeit dahinter verstanden hatte, was für mich und das Leben wichtig ist und was nicht. Ich meine damit, suche dir die Dinge aus, die ich dir erzähle, die dich ansprechen und interessieren und die anderen Dinge lass einfach einmal weiterziehen, bis der richtige Moment gekommen ist, um diese Dinge zu verstehen. Das musste ich auch erst einmal in meinen vielen Jahren lernen, einfach geduldig zu sein und nicht zu versuchen alles sofort zu verstehen. Vieles erledigt sich von selbst oder kommt zu einem späteren Zeitpunkt wieder. Manche Dinge verursachen nur Kopfschmerzen und bringen dich nicht weiter, aber auch nicht näher zu deinem Ziel in deinem Leben.“
Wieder riss Enrice seine Augen ganz weit auf. „Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Wie kann ich beurteilen, was gut oder schlecht für mich ist?“
„Ganz einfach“, sagte der Baum, „höre auf dein Herz und dein Gefühl und alles ist klar. Schließe jetzt deine Augen für einen kurzen Moment und denke an eine Situation, in der du dich sehr wohl gefühlt hast. Fühle dich ganz hinein. Wo fühlst du das Gefühl, ist es in deinem Herzen, in deinem Bauch, in deinen Füßen? Egal wo es ist, es ist nur wichtig, dass du es fühlst. Ist es schwer, ist es leicht, oder ist flockig weich und hat das Gefühl vielleicht sogar eine Farbe, wenn du das Gefühl beschreiben müsstest?“
„Ja, jetzt spüre ich es, es ist ein warmes, wohliges Gefühl in meinem Herzen und die Farbe ist rosa. Habe ich es richtig erkannt?“, fragte Enrice nach.
Der Baum antwortet: „Du selbst entscheidest, ob es richtig oder falsch ist. Fühlst du dich wohl dabei, oder hast du eher den Eindruck, dieses Gefühl und die Farbe schadet dir?“
„Nein, ich fühle mich pudelwohl in dem Rosa und mit diesem angenehmen Gefühl in meiner Brust, mitten in meinem Herzen.“
„Siehst du“, sagte der Baum, „schon hast du gelernt, mit dem Herzen zu denken und zu fühlen. Wenn du das nächste Mal vor einer Entscheidung stehst, dann fühle dich hinein in diese Entscheidung. Sagen wir, du stehst vor einer Weggabelung, du könntest links oder rechts gehen. Welchen Weg würdest du nehmen? Den Weg, der sich gut anfühlt oder den, der sich nicht so gut anfühlt?“
„Ist ja ganz klar“, antwortete Enrice, „den der sich gut anfühlt, den würde ich nehmen.“
„Na siehst du“, sagte Babu, „so einfach ist die Entscheidung. Und schon bist du ein Stück weiser und um eine praktische Erfahrung reicher in deinem Leben.“
Kapitel 5) Reichtum zum Glück
Babu fragte seinen neuen kleinen Freund: „Weißt du eigentlich, was materieller Reichtum für die Menschen bedeutet?“
Enrice schaute kurz mit erstauntem Gesichtsausdruck und sagte dann: „Ich weiß nicht so genau, aber ich denke, das ist, wenn man ganz viel Geld hat und sich alles kaufen kann, was man möchte?“
„Und was würdest du dir kaufen, lieber Enrice, wenn du ganz viel Geld hättest? Also ich würde mir ganz viel Eiscreme kaufen, eine schöne neue Eisenbahn, und meiner Mutter würde ich ein neues Auto kaufen und für Papa würde ich gern einen neuen riesengroßen Fernseher kaufen, da er so gern fernsieht.“
„Und was würdest du noch kaufen“, fragte Babu nach.
„Na ja vielleicht noch ein neues Fahrrad, aber mit meinen alten bin ich eigentlich sehr zufrieden und ich mag es so, wie es ist!“
„Warum denkst du, habe ich dir diese Frage gestellt, lieber Enrice?“
„Ich weiß nicht so genau“, antwortete Enrice.
„Ich möchte dir jetzt erklären, was es mit dem materiellen Reichtum auf sich hat.“
„Oh ja bitte“, antwortete Enrice mit lauter Stimme, „dann kann ich mir all diese Wünsche erfüllen und wäre der glücklichste Mensch der Welt.“
„Siehst du, da fängt schon das Problem an, sehr viele Menschen denken, sie wären nur dann glücklich, wenn sie ganz viel Geld hätten! Glaubst du, das stimmt?“, fragte Babu?
„Na ja, ich denke, das stimmt nur teilweise, ich kann ja auch glücklich sein, wenn ich nur mit dir ein interessantes Gespräch über Reichtum führe. Das bereichert mich ja eigentlich auch schon, oder?“
„Du bist aber ein sehr schlauer Junge, und auch viele andere Kinder denken so, aber leider ist es so, dass wir im Laufe unseres Lebens immer wieder Menschen begegnen, die anders denken. Und die Eigenschaften dieser Denkweise werden dann von diesen Menschen liebend gern übernommen. Warum auch immer wir diese Denkweisen von anderen Menschen übernehmen, sie prägen uns dann ein Leben lang, bis wir an einem Punkt angekommen sind, und unser ganzes Leben dem Geld hinterhergejagt sind, um dann plötzlich feststellen zu müssen, wenn wir all diese Dinge erschaffen haben, und all diese erschaffenen Dinge, die uns glücklich machen sollten, besitzen, dass wir doch nicht glücklich sind. Ist doch komisch, oder? Der Gedankengang und die Lösung sind ganz einfach, es sind nicht die Dinge von außen, die dich glücklich machen. Sie können dich nur dabei unterstützen, letztendlich muss das Glücklichsein von deinem Innersten kommen, von deinem Herzen. Nur dann kannst du vollkommen glücklich sein.“
„Gibt es hierzu vielleicht wieder eine kleine Übung dazu?“, fragte Enrice. „Dass man nicht in das Denkmuster fällt, Geld macht glücklich, wenn man genügend hat.“
„Ja natürlich“, antwortete Babu, „wenn du magst, können wir diese Übung gleich machen.“
„Oh ja gern“, sagte Enrice und wartete schon gespannt, was jetzt passieren würde.
„Also zunächst einmal musst du dich entspannen, folge jetzt einfach meinen Worten und stelle dir nach Möglichkeit eine entspannende Situation vor. Du schließt deine Augen und zählst langsam von zehn rückwärts auf eins. Wenn du bei eins angekommen bist, nimmst du nochmal einen kräftigen Atemzug und sagst zu dir selbst ‚Ich bin jetzt ganz tief entspannt und gehe die Reise meines Lebens, die mich finanziell und materiell unabhängig macht vom meinem Glücklichsein. Ich sehe mich jetzt selbst in dem Alter, in dem ich Glück von materiellen Dingen abhängig gemacht habe. Ich sehe die Situation, die dazu geführt hat, dass ich bis zum heutigen Tage dachte, nur Geld macht mich wirklich glücklich. Nun gehe ich in diese Situation hinein und fühle, wie ich mich damals gefühlt habe in dieser Situation. Was habe ich gefühlt, wo habe ich es gefühlt und wie hat es sich angefühlt? War es locker und leicht oder schwer und schmerzhaft?‘ Fühle nochmals genau hin auf diese Körperstelle und wenn du dieses Gefühl hast, dann sage zu diesem Gefühl ‚Danke, dass du da warst und mich wieder auf den richtigen Weg gebracht hast. Ich weiß jetzt ganz genau, wie es sich anfühlt, auch ohne materielle Dinge glücklich zu sein und sende Licht, Liebe und Geborgenheit in meine Körperstelle und mein Gefühl.‘ Nun zähle ich wieder von eins bis drei und wenn ich bei der Zahl drei angekommen bin, bin ich wieder im Hier und Jetzt. Eins, zwei, du öffnest wieder die Augen und drei, du bist wieder im Hier und Jetzt.“
Enrice öffnete die Augen und war wieder ganz glücklich in seinem Herzen und in seinem Gesichtsausdruck.
Kapitel 6) Mitleid und Mitgefühl
Im Traum wurde Enrice von Kapitel zu Kapitel immer älter und beschäftigte sich daher immer mehr mit komplexeren Lebensthemen, die einen Jugendlichen oder auch Erwachsenen, der auf der Suche nach dem Sinn des Lebens war, durchaus Gedanken bereitete.
„Lieber Babu, kannst du mir vielleicht sagen, was Mitleid bedeutet?“, fragte Enrice.
„Natürlich kann ich das. Warum möchtest du denn das unbedingt wissen?“, fragte Babu nach.
„Na ja, weißt du, Mama sagt immer zu Papa, er solle nicht immer so viel Mitleid haben mit den anderen Leuten und ihnen Geld borgen oder ständig helfen. Dadurch hat er leider immer so wenig Zeit für die Familie. Sie streiten über dieses Thema sehr oft. Ich weiß aber nicht wieso?“
„Kannst du dich noch erinnern, lieber Enrice, wie ich dir die Geschichte von der Selbstliebe erzählt habe?“
„Ja sicher kann ich mich erinnern, aber was hat das mit Mitleid zu tun? Was hat Leiden mit Liebe zu tun?“
„Ich möchte dir das anhand einer neuen Geschichte erzählen, lieber Enrice.“ Babu fing an zu erzählen. Enrice wartete schon wieder ganz gespannt, sein Gesichtsausdruck, seine Hände, sein ganzer Körper war angespannt, denn dieses Thema lag ihm sehr am Herzen und er wollte absolut nicht, dass Mama und Papa stritten. Schon gar nicht um ein Wort, das er nicht verstand. Er wollte den beiden helfen, konnte aber nicht, da er nicht wusste, was damit gemeint war.
„Weißt du“, sagte Babu, „es gibt leider sehr viel Leid auf dieser Welt und dann passiert es manchmal, dass Personen so wie dein Papa mit diesen Leuten mitleiden. Allerdings ist es so wie bei der Selbstliebe, wenn du mitleidest mit einer Person, dann leidest du letztendlich selbst und kannst dieser Person nicht wirklich gut helfen. Nehmen wir das Beispiel mit dem Borgen des Geldes. Das ist im Prinzip ein eigenes bzw. großes Thema, da viele Menschen davon betroffen sind. Stelle dir vor, jemand möchte nicht arbeiten gehen und borgt sich ständig Geld von anderen Leuten, um Leben zu können. Glaubst du Enrice, dass dieses Verhalten auf lange Sicht gesehen zielführend ist?“
„Na ja“, antwortete Enrice, „aber er muss ja dann das Geld wieder irgendwann zurückzahlen.“
„Aber wenn er nie arbeiten gehen möchte, wie soll das denn dann funktionieren? Siehst du, genau das ist der Haken bei dieser Geschichte, diese Leuten verursachen mit Mitleid, dass die anderen mit ihnen leiden, ihnen Aufmerksamkeit schenken und Geld geben, denn ohne das Geld geht es ihnen schlecht. Deswegen fällt es anderen Menschen wie deinem Vater schwer, nein zu sagen. Da er ja so zusagen auch mitleidet bzw. leidet – das möchte er natürlich nicht. Das Mitleiden ist nur eine kurze Lösung, die aber auf lange Sicht den Betroffenen nicht helfen kann, denn der Helfer leidet dann mit der Zeit auch zu viel und kann dem anderen nicht mehr helfen. Stell dir vor, dein Papa gibt jedem Geld, der ihn fragt, am Ende hat er selbst kein Geld mehr und leidet dann vielleicht sogar noch viel mehr als die anderen, da er selbst keines mehr hat und den anderen auch keines mehr geben kann. Das tut ihm wiederum leid.“
„Das ist natürlich ein Teufelskreis, aus dem man dann wieder schwer herausfindet. Wie kann ich ihm helfen bzw. den beiden, dass sie nicht mehr streiten wegen des Mitleids und des Geldes?“
„Vielleicht erzählst du deinem Papa mal die Geschichte von der Selbstliebe und er versteht dann, was du meinst. Oder du sagst: ‚Mitgefühl ist besser als Mitleid.‘“
„Was ist das, Mitgefühl?“, fragte Enrice ganz erstaunt.
„Wie der Name schon sagt: mitfühlen. Dein Papa kann gern mitfühlen, wie es den Menschen geht, wenn sie kein Geld haben, aber er darf absolut nicht mitleiden, denn dann gerät er in die Gefahr, nicht mehr klar denken zu können und dann geht es ihm nicht besser als all den anderen Menschen da draußen, die unbedingt unsere Hilfe benötigen. Es ist zwar wichtig, den Menschen auf jeden Fall zu helfen, aber man darf nie vergessen, sich auch selbst zu helfen. Stell dir vor, du bist mit einer Gruppe von Menschen in einem schönen großen Boot auf einem wunderschönen Gebirgssee unterwegs.“
„Oh ja“, sagte Enrice, „das wäre jetzt schön.“
„Plötzlich kommt ein böser starker Windstoß und bringt das schöne Boot zum Kentern und alle Personen außer dir fallen in den tiefen kalten See. Was würdest du jetzt tun?“
„Ich würde jedem Einzelnen helfen, wieder ins Boot zu kommen, oder?“, antwortete Enrice dem Baum und sah ihn fragend an, ob er die richtige Antwort gegeben hatte.
„Richtig, du hast hier richtig entschieden und gehandelt“, sagte der Baum. „Es war ganz logisch, oder?“
„Ja sicher“, sagte Enrice.
„Ja, weil du mitgefühlt und erkannt hast, dass diese Leute nass sind und wieder ins Boot wollen. Jetzt stelle dir vor, du hättest mitgelitten. Was wäre dann passiert?“
„Ich wäre auch hineingesprungen und hätte so mitgelitten, dass ich den Leuten selbst nicht mehr ins Boot helfen konnte. Und mir wäre selbst ganz kalt gewesen in der nassen Kleidung.“
„Siehst du, das ist der Unterschied zwischen Mitfühlen und Mitleiden. Mitfühlen ist im Boot bleiben und helfen und Mitleiden ist aus dem Boot springen und ebenso hilflos sein wie die anderen Passagiere. Vielleicht merkst du dir das als kleine Eselsbrücke für die Zukunft oder erzählst diese Geschichte von dem Boot deinem Papa.“
„Oh ja, das mache ich sicher“, entgegnete Enrice und freute sich sehr, dass er wieder etwas dazugelernt hatte.
Kapitel 7) Freunden verzeihen
Babu fragte mit Blick auf Enrice: „Und Enrice, was sind liebens- und lebenswerte Freunde für dich?“
„Ich weiß nicht so genau, was du damit meinst“, sagte Enrice.
„Na, überlege mal in Ruhe und gib mir dann die Antwort“, sagte Babu mit sanfter tiefer Stimme leise zu Enrice. Dieser begann darüber nachzudenken, wer seine Freunde sind und was sie ihm bedeuten würden. Und plötzlich fiel ihm ein Freund ein, mit dem er sich vor Jahren noch gut verstanden hatte, aber plötzlich wie aus heiterem Himmel der Kontakt zu diesem Freund abgebrochen war. Was war geschehen in diesem Moment? Er konnte sich absolut nicht daran erinnern, warum der Kontakt zu seinem damaligen Freund so plötzlich abgebrochen war. Er war wie aus den Wolken gefallen. Er überlegte und überlegte, kam jedoch zu keinem Ergebnis und gab schließlich auf, darüber nachzudenken und versuchte sich an andere Freunde zu erinnern. Doch dieser eine Freund ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Warum wohl, war dieser Freund so wichtig in seinem Leben, oder hatte es etwa einen bösen Zwischenfall in seinem Leben gegeben, der zum Abbruch dieses Kontaktes geführt hatte? So sehr er auch seinen Kopf zermarterte, ihm fiel es einfach nicht ein. Doch plötzlich, wie aus heiterem Himmel konnte er sich an eine Szene erinnern, die wie aus dem Nichts sein Herz höher schlagen ließ. Was war geschehen? Er sah sich und seinen Freund auf einem Spielplatz sitzen und gemeinsam eine wunderschöne Sandburg bauen. Mit dabei war auch der Vater seines Freundes, der ihnen half. Auch ihn hatte Enrice sehr in sein Herz geschlossen. Dieser Vater motivierte Enrice immer wieder und lobte ihn, wie toll er die Burg gebaut hätte: von der schönen Burgspitze bis zum Burgtorbogen und den Innenhof mit dem Wunschbrunnen.
Da fiel Enrice plötzlich wieder etwas ein. Er erschauderte und erstarrte wie eine Salzsäule, als ihm der Gedanke von damals überkam. Er hatte sich damals einen ganz tollen Papa, der ihn auch so loben sollte wie der Vater seines Freundes, gewünscht. Leider hatte sein Vater nie so viel Zeit für ihn übrig und wenn, dann tat sich sein Vater sehr schwer, Enrice zu loben. Er war einfach nicht der Mensch, der Gefühle und Lob ausdrücken bzw. Personen oder speziell seinem Sohn gegenüber ein Kompliment aussprechen konnte, dass er schöne Dinge gut basteln oder bauen konnte. Enrice hatte daher ganz laut an seinen Wunsch gedacht und eine Münze in den Brunnen in der Sandburg geworfen, die er kurz zuvor mit seinem Freund und dessen Vater gebaut hatte. Er hatte laut gesagt: „Ich wünsche mir auch einen Papa, so wie deiner ist, dann wäre ich viel, viel glücklicher auf dieser Welt.“ Plötzlich hatte sein Freund Angst, Enrice würde ihm oder wollte ihm seinen Papa wegnehmen, allerdings war das nur der Gedanke seines Freundes und nicht der Gedanke von Enrice. Sein Freund jedoch stand auf, war bitterböse und zerstörte die Sandburg mit den Füßen und schrie: „Meinen Papa wirst du nie kriegen!“ Er stapfte und sprang und hüpfte ganz wild auf der schönen Sandburg auf und ab, bis sie nicht mehr erkenntlich war. Enrice fing an zu weinen und sagte zu seinem Freund: „Dich will ich nie wiedersehen, du hast unsere wunderschöne Sandburg kaputt gemacht, nur weil ich mir etwas gewünscht habe. Du bist so gemein und kein guter Freund für mich und ich möchte dich nie wiedersehen.“
Enrice bekam feuchte traurige Augen, obwohl dieser Vorfall doch schon einige Zeit zurücklag. Denn er hatte ja seinen Freund sehr gern und mit ihm sehr gerne gespielt.
„Babu, du weiser Baum, kannst du mir verraten, was hier passiert ist?“, fragte Enrice mit weinerlichen Augen den großen weisen Baum.
Babu sagte: „Weißt du, du konntest es nicht wissen, aber der Vater deines guten Freundes wollte damals die Familie verlassen wegen einer anderen Frau mit einem Kind. Dein Freund hatte das kurz zuvor erfahren. Dadurch bekam er Panik und Wut und Ärger, da er ja seinen Vater so sehr liebte und dieser ihn verlassen wollte. Er war im Prinzip gar nicht böse auf dich, sondern dieses Thema war ein ganz wunder Punkt zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben und durch deinen Wunsch hast du diesen Punkt getroffen. Er wurde dadurch ganz böse und zerstörte deswegen eure Sandburg, weil er seinen Gefühlen freien Lauf lassen wollte. Da ja sein Vater die Burg mitgebaut hatte und er im Prinzip nur auf seinen Vater böse war, wollte er damit unbewusst seinem Vater etwas zeigen, nämlich dass er nicht möchte, dass er ihn verlässt.“
„Achso“, antwortete Enrice, „jetzt tut es mir aber sehr leid, dass ich das damals zu ihm gesagt habe, dass ich ihn nie mehr sehen möchte.“
„Na ja“, sagte Babu, „du kannst ihm ja mal einen Brief schreiben, wenn du möchtest und ihm noch einmal erklären, was damals passiert ist. Wenn er wirklich ein guter Freund ist, dann wird er es verstehen und vielleicht werdet ihr wieder und gute Freunde und spielt wieder zusammen – so wie damals.“
„Oh ja danke“, sagte Enrice, „das werde ich machen. Kannst du mir vielleicht bei dem Schreiben des Briefes noch helfen?“, fragte Enrice.
Und der Baum antwortete: „Ja gern, folgende Übung hilft dir, damit der Brief an deinen Freund so verständlich ist, dass auch er ihn versteht. Bevor du diesen Brief schreibst, entspanne dich, zähle langsam von zehn bis eins rückwärts und wenn du bei eins angekommen bist, atme noch einmal tief ein und aus und versuche dich in die Situation hineinzuversetzen, in der du den Streit mit deinem Freund hattest. Wenn du soweit bist, dann sage dir leise ‚Jetzt möchte ich spüren und wissen, was mein Freund damals gefühlt und gedacht hat.‘ So bekommst du die Gedankengänge deines Freundes zu spüren und zu fühlen. Du weißt dabei, wie sich der andere gefühlt hat, damit tust du dann wesentlich leichter einen Brief zu verfassen, da du ja die Situation auch aus seinen Augen wahrgenommen hast und dadurch mehr auf ihn eingehen kannst. Das, was ich dir damit mitgeben möchte, ist, dass du jedem besser verzeihen und auch dir verzeihen kannst, wenn du dich und dein Gegenüber besser verstehst bzw. weißt, wie er denkt. Denn jeder Mensch und jedes Lebewesen denkt anders, und mit dieser Übung kannst du das praktisch immer tun, wenn du dich von einem anderen Menschen verletzt fühlst.“
„Das ist super“, sagte Enrice und suchte gleich aufgeregt ein Blatt Papier, damit er diesen Brief an seinen Freund schreiben konnte.
Darmowy fragment się skończył.