Czytaj książkę: «Tu es einfach und glaub daran»

Czcionka:


Thomas Brezina:

Tu es einfach und glaub daran

Alle Rechte vorbehalten

© 2018 edition a, Wien

www.edition-a.at

Cover und Gestaltung: JaeHee Lee

Satz: Lucas Reisigl

Korrektur: Denise Krainz

ISBN 978-3-99001-245-1

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

Für Carmen und Hermann und den Rest

meiner wunderbaren Familie

Inhalt

Mehr Freude jeden Tag, das ganze Jahr, rund um Dich

Mehr Freude mit Arbeit & Co.

Mehr Freude mit Familie und der Liebe

Mehr Freude, wenn die Freude verschwunden scheint

Mehr Freude mit dir selbst

Meine Erkenntnisse, die mir die größte Freude gebracht haben

Das Leben ist schrecklich schön

»Bist du wirklich so ein immer fröhlicher Mensch?«, werde ich oft gefragt. Der Grund für die Annahme sind die Fotos, die ich auf Instagram poste und sicherlich auch die Bücher, die ich in den vergangenen dreißig Jahren geschrieben habe.

Auf den Fotos lache ich, mache lustige Sachen, freue mich und habe sichtlich Spaß.

In meinen Büchern für Kinder und Teenager geht es um Abenteuer, Freundschaft, Spannung und noch einmal Spaß. Lesen soll ein Abenteuer sein, das ist und bleibt mein Motto. Bücher sollen immer Freude bereiten.

Auf die Gefahr hin, dass jetzt mancher enttäuscht ist, muss und will ich ein Geständnis machen: Ich war und bin nicht der glücklichste Mensch auf der Welt, und auch ich erlebe dunkle, traurige Zeiten. Manchmal sind sie sogar sehr dunkel und sehr traurig.

Paradox erscheint mir das heute ganz besonders dann, wenn ich zurückblicke und sehe, dass ich gerade in sehr erfolgreichen Momenten manchmal am unglücklichsten war.

Mein ganzes Leben lang aber habe ich nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, fröhlich durch die Welt zu gehen und Freude zu haben.

Das Glück, das viele jagen, bedeutet mir nicht so viel. Für mich ist Glück immer nur ein Moment, ausgelöst durch eine schöne und oft überraschende Wendung der Ereignisse.

Freude aber ist eine Lebenseinstellung. Freude ist etwas, das dich erfüllt und wie ein zusätzlicher Blutstrom durch den Körper fließen kann.

Freude kommt manchmal von allein, wenn die Dinge, die ich erlebe, für mich freudvoll sind. Aber Freude ist vor allem eine Lebenseinstellung, die bedeutet, in jedem Tag etwas Freudiges zu sehen. Das kommt nicht von allein, dazu muss ich etwas beitragen.

Immer wieder einmal kommt dann ein Schlag, der mich heftig wanken lässt. Ich verzweifle, bin unglücklich, sehe kein Licht am Ende des Tunnels. Für kurze Zeit jedenfalls, aber es ist und bleibt mein Ziel, solche Ereignisse besser zu meistern, konstruktiv damit umzugehen und am Ende mehr Freude zu erleben als vorher. In jedem Fall lehren mich Herausforderungen, wie ich in der Zukunft besser mit Schwierigkeiten umgehen kann.

In meinem Leben habe ich niemals Drogen genommen. Ich rauche nicht und trinke nur wenig Alkohol. Dafür aber hatte ich immer Menschen an meiner Seite, die mich begleitet haben, von denen ich gelernt habe und die mir die richtigen Fragen gestellt haben.

Besonders gute Lehrer waren auch meine Eltern, zwei sehr kluge Menschen. Von meinem Vater habe ich zum Beispiel gelernt, welche Einstellung zur Arbeit glücklich macht und zum Erfolg führt. Er hatte eine sehr beruhigte Weise, dem Auf und Ab des Lebens zu begegnen. Auch von meiner Mutter habe ich viele Erkenntnisse mitbekommen, die mich noch heute jeden Tag begleiten und stärken. Einer ihrer Ratschläge lautete: Lass die Zeit für dich arbeiten. Sie hatte sehr recht, wie ich inzwischen selbst feststellen konnte.

Wenn ich wieder etwas Neues gelernt hatte, dann habe ich es natürlich immer so gut wie möglich umzusetzen versucht. Ich habe es ausprobiert und mein Bestes getan. Was sich als nützlich herausgestellt hat, das habe ich beibehalten, alles andere war eben nicht das Richtige für mich (deshalb aber nicht schlecht).

In diesem Buch erzähle ich euch von meinen Abenteuern im Leben und meinen Tricks, mit Hilfe derer ich versuche, alles zu meistern, was mir so begegnet (oder sogar um die Ohren fliegt). Außerdem möchte ich euch schildern, wie ich die Welt rund um mich und auch die Welt in mir ein bisschen schöner gestalte.

Nach jedem Kapitel seid ihr dann dran. Wenn euch das, was ich erzähle, nützlich erscheint, dann:

Tut es einfach!

Ich gebe euch dazu ein paar Tipps und Anregungen.

Alles geschieht oder wirkt nur, wenn ihr es selbst versucht und macht.

Das ist die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe. Die zweitwichtigste lautet:

Das Lernen hört niemals auf. Nur wer immer neugierig bleibt und weiter lernt, der geht voran und lebt erfüllt und freudig.

Auch wenn ich nicht der glücklichste Mensch der Welt bin, so kann ich mich heute doch viel mehr freuen und kann viel mehr genießen. Außerdem bin ich unendlich dankbar für so vieles, das ich erleben und erreichen durfte. Dankbar bin ich auch für die Lektionen, die mich das Leben gelehrt hat und deren Wichtigkeit ich rückblickend erkennen kann.

Euch allen wünsche ich ein Leben, in dem ihr euch wohl fühlt. Ein Leben, in dem ihr tun könnt, was euch erfüllt. Ein Leben, in dem es viele wunderbare Momente gibt und in dem ihr die Kraft findet, auch mit allen nicht so freudigen Ereignissen umzugehen.

Bleibt der Freude auf der Spur!

Beste Grüße,


Thomas Brezina

Storyteller, Freude-Forscher

Mehr Freude jeden Tag, das ganze Jahr, rund um Dich

Wieso jedes Jahr von mir einen Titel bekommt

Gute Vorsätze sind ein netter Brauch, aber kaum jemand hält sich länger daran. Die Zukunft kann ich nicht bestechen, so zu werden, wie ich das will. Aber ich kann am Anfang eines Jahres den Kurs setzen, auf dem ich die nächsten 365 Tage segeln will.

Dem Jahr einen Titel, ein Motto zu geben, das mache ich schon seit langer Zeit. Ich hebe diese Titel auch auf und wenn ich am 31. Dezember zurückschaue, dann staune ich oft. Es ist nicht nur so, dass ich im vergangenen Jahr nach dem Motto gehandelt habe. Unglaublich aber wahr, viele Dinge haben sich auch genau so entwickelt. Von allen möglichen Seiten sind Leute aufgetaucht oder haben sich Ereignisse eingestellt, die die Geschichten zum Titel wurden.

Ich kann durchaus verstehen, wenn das manche nicht glauben. Aber ich gebe euch ein Beispiel.

Vor Silvester 2016 habe ich für 2017 folgenden Titel aufgeschrieben:

»Der positive Gedanke zuerst«

Dazu als Inhaltsangabe:

Fester Glaube an das Neue, neue Anfänge und Möglichkeiten, glaube an das Weitergehen, vertraue deinem Instinkt und deiner Intuition und denke weniger.

Genau so ist es 2017 dann auch beruflich gekommen:

Mein erster Krimi für Erwachsene, das Abenteuer der erwachsenen Knickerbocker-Bande.

Meine Krimis auf Instagram.

Meine vielen Postings auf Facebook.

Über Instagram und Facebook habe ich wieder Kontakt mit meinen Lesern von früher bekommen, und es wurde außerdem viel in verschiedenen Medien darüber berichtet.

Aber auch in meinem Privatleben haben der Titel und die Inhaltsangabe einiges bewirkt.

Ich bin Menschen begegnet, die zu Freunden geworden sind und von denen ich nie gedacht hätte, dass so etwas möglich wäre.

Entscheidungen, die schon länger angestanden sind, haben sich fast von allein getroffen.

Alle Informationen über die Wahl meines neuen Hundes sind auf mich zugekommen, und ich habe einen Hund gewählt, den ich mir vor zwei Jahren noch nicht hätte vorstellen können. (Gleich vorweg: Es war eine ausgezeichnete Wahl!)

Heißt das, es reicht, einen Titel festzusetzen, und dann kommt alles von allein?

Nein, natürlich nicht! Selbstverständlich muss ich Aktionen setzen, aber gleichzeitig bin ich offen für alles, was da auftaucht.

Im Jahr 2017 war es bei mir so:

Ende Februar bin ich nach Buenos Aires gereist, denn dort lebt Pablo, der die meisten meiner Bücher illustriert. Wir kennen einander aus vielen E-Mails und Video-Skype-Gesprächen, aber es war Zeit, einander einmal gegenüberzusitzen und neue Projekte zu besprechen. Das haben wir auch getan, es war eine sehr erfolgreiche Reise mit vielen Ideen und Plänen.

Wieder zurück bin ich die Liste der Buchprojekte durchgegangen und habe überlegt, womit ich anfangen soll. Aus heiterem Himmel, ich kann wirklich nicht mehr sagen, wieso und warum und woher, kam mir der Gedanke, dass ich doch schon seit vielen Jahren die Fortsetzung der Abenteuer der Knickerbocker-Bande, meiner Kinderkrimi-Buchserie um vier junge Detektive, schreiben will. Ich wollte selbst wissen, was aus den vier Freunden in ihrem Erwachsenenleben geworden ist.

So habe ich mich nach London zum Schreiben zurückgezogen. In meinem Arbeitszimmer habe ich die ersten zwei Kapitel getippt, bin aber dann nicht mehr weitergekommen. Der Zweifel hat in einem Ausmaß zugeschlagen, dass ich wie gelähmt war. Würde irgendjemand dieses Buch überhaupt lesen wollen?

Aus einer plötzlichen Eingabe heraus habe ich mein Handy vor mich gestellt und ein kleines Video gedreht. Darin habe ich meine Leser von früher gefragt, was sie von dieser Idee halten. Ich habe es auf Facebook gepostet und …

… die Reaktion hat mich buchstäblich aus den Schuhen gekippt. Innerhalb einer Stunde gab es hunderte Kommentare und Likes. Die Zustimmung war riesig. Bereits ein paar Tage später wurde im Radio und in Zeitungen über meine Idee berichtet und es gab Abstimmungen, was die Leute von diesem Buch halten. Alle sind sehr positiv ausgefallen.

Also habe ich mich ans Schreiben gemacht. Gleichzeitig aber ist mir eingefallen, ich könnte doch alle, die früher Knickerbocker-Fans waren, in den Schreibprozess einbeziehen. So habe ich immer wieder auf Facebook nachgefragt, wie diese Fans sich zum Beispiel vorstellen, dass das Leben von Lilo, der Anführerin der Knickerbocker-Bande, weitergegangen ist. Wird aus dem Superhirn einer Bande automatisch ein glücklicher Mensch? Ich hatte da meine Zweifel, und viele andere auch, wie ich bald erfahren habe.

So ist auf Facebook ein Dialog entstanden, der mir viel Freude gemacht hat und völlig neu in meinem Leben war.

Gleichzeitig aber habe ich auch begonnen, auf Instagram die Insta-Story zu entdecken. Dort konnte ich Bilder posten und mit Texten versehen. Alles ging sehr einfach, und das war etwas, das ich schon als Kind gerne gemacht hätte. Zuerst habe ich vor allem über das Schreiben erzählt sowie darüber, was mir jeden Tag Freude macht.

Eines Abends habe ich in Gumpoldskirchen bei Wien eine Metallskulptur entdeckt, die eine Riesenreblaus darstellt. Dieses Insekt fürchten die Weinbauern, gleichzeitig aber gibt es auch Weinlokalen seinen Namen, weil es in einem alten Lied besungen wird, in dem ein Mann gerne eine Reblaus wäre, um so dem guten Wein immer nahe zu sein.

Mich hat die Skulptur an ein Tier aus einem uralten Horrorfilm erinnert, und ich habe Fotos und kleine Videos über meine Flucht vor dem »Monster« gemacht. Das wurde meine Story des Tages.

Am nächsten Morgen habe ich Wolken gesehen, die an ein UFO erinnert haben. So ist mir die Idee gekommen, wieder eine kleine Geschichte zu inszenieren. Ich habe das »UFO« gesucht und in meinem Garten zwei Pinguinskulpturen gefilmt, die ich seit vielen Jahren im Haus stehen habe.

Pinguine aus dem All, das sollten sie sein. Ich konnte sie gerade noch vertreiben, bevor sie die Erde erobert hätten.

Ein paar Tage darauf habe ich zum ersten Mal einen Krimi begonnen, in dem eine kleine Bronzefigur namens Glücksschwein eine Rolle spielte.

Das alles hat sich also entwickelt. Ich habe nicht so viel gedacht, sondern einfach getan, was mir selbst die größte Freude gemacht hat. Rückblickend war vieles einfach verrückt und ein wenig durchgeknallt. Aber das hat mich noch nie gekümmert.

Im März 2017 hatte ich 900 Follower auf Instagram, Ende August waren es 12.000, Ende des Jahres 38.000.

»Alte Geister ruhen unsanft« ist ein Hit geworden und sogar auf Platz 1 der Erwachsenenbestsellerliste gelandet. Zur Präsentation um Mitternacht (die ein Vorschlag von Leuten auf Facebook war) sind mehr als 600 Menschen erschienen. Es war einer der schönste Momente meines beruflichen Lebens.

Jetzt aber noch einmal zurück zum 31.12.2016 und dem Titel sowie der Inhaltsangabe zum neuen Jahr:

»Der positive Gedanke zuerst«

Fester Glaube an das Neue, neue Anfänge und Möglichkeiten, glaube an das Weitergehen, vertraue deinem Instinkt und deiner Intuition und denke weniger.

Wie ihr seht, habe ich genau das getan und das Drehbuch, das ich sehr roh und sehr theoretisch begonnen hatte, ist tatsächlich zu einer erfolgreichen Geschichte geworden.

Wichtig:

Wenn ihr euch einen Titel für ein neues Jahr ausdenkt, dann soll der Titel auch mit einer Weiterentwicklung in eurem Leben zu tun haben oder etwas ausdrücken, das euch wichtig erscheint und sich für euch gut anfühlt.

Die kurze Inhaltsangabe danach soll noch mehr illustrieren, was ihr erreichen wollt. Sie kann ruhig allgemein sein. Vor allem dann, wenn ihr nicht genau wisst, wie der Titel Wirklichkeit werden soll.

Lest euren Titel und die Inhaltsangabe immer wieder durch. Am besten einmal die Woche. Aber bleibt locker und lasst dem Leben die Chance, den Film zu entwickeln.

Übrigens könnt ihr so einen Titel auch an einem Geburtstag für ein neues Lebensjahr festlegen.

Statt einfach alles laufen zu lassen, könnt ihr dem Jahr einen Titel geben, der ein neues Lebensgefühl und eine Weiterentwicklung ausdrückt. Die kurze Inhaltsangabe beschreibt noch genauer, in welche Richtung es gehen soll. Dann kann es losgehen!


Warum meine To-do-Liste lächelt

Ich brauche Struktur in meinem Leben, denn Chaos habe ich schon genug im Kopf. Klassische To-do-Listen haben mich aber fertig gemacht, bis ich einen Trick herausgefunden habe, wie sie Freude machen können.

Man kann mich durchaus als Kontrollfreak bezeichnen. Ich habe die Dinge gerne im Griff (was öfters auch zu weit geht und mich stresst), aber vor allem ist mir der Überblick wichtig.

Dinge, die da so über mir schweben und die ich nicht richtig im Blickfeld habe, beunruhigen mich. Da ich an den meisten Tagen auch viel tun möchte, brauche ich eine Übersicht, was ich alles schaffen will.

So hatte ich lange Zeit eine »To-do-Liste«. To do, stand da immer. Oder »Machen«. Darunter habe ich alles aufgelistet wie zum Beispiel:

MACHEN:

3000 Worte für Buch

Anrufen: Name, Name, Name

E-Mails

Hundefutter

Irgendwann habe ich festgestellt, dass diese tägliche Liste mir zwar den Überblick gegeben, mich aber auch schrecklich genervt hat. Das »Machen!«, »Machen!«, »Machen!« hat für mich wie die Schreie eines Einpeitschers geklungen.

To do, to do, to do – das klingt noch härter, so, als würde jemand mit einem Schlägel auf eine Trommel an Bord einer römischen Galeere schlagen, damit die Sklaven im Takt rudern.

Sehr freudvoll war diese Auflistung auch nicht. Es waren lauter Befehle oder Vorgaben. 3000 Worte sind eine ganze Menge. Wenn ich die Anzahl nicht erreicht habe, dann habe ich mich geärgert, mir Vorwürfe gemacht und mich innerlich beschimpft.

Geblieben ist aber immer eines: Der Wunsch jeden Tag eine Menge zu schaffen, weil mir das einfach viel Freude bereitet. Vor allem, wenn ich mit einem Projekt weiterkomme, an dem ich gerade arbeite.

Um ehrlich zu sein: Die Tätigkeit des Schreibens macht mir nicht immer Freude. Ich finde das Tippen oft anstrengend und nervig und wünsche mir nichts mehr als eine direkte Leitung aus meinem Kopf in den Computer. Solange es die nicht gibt, muss ich weiter jeden Buchstaben schreiben, aber wenn ich 3000 Worte geschafft habe, dann freue ich mich riesig. Es gibt mir ein Hochgefühl und einen Kick, und aus diesem Grund setze ich mich jeden Tag von neuem an den Laptop.

Manche Telefonate würde ich lieber nicht führen und E-Mails zu beantworten lenkt mich vom Schreiben ab, ist aber einfach nötig. Wenn ich auch diese Tagespunkte erledigt habe, ist es aber auch ein schönes Gefühl und eine Freude.

Deshalb habe ich heute keine To-do-Liste mehr, auch keine Liste mit dem Titel »Machen«.

Was ich an einem Tag tun will und muss, steht unter dem Titel:

»Heute zur Freude«

Auch wenn nicht jede Tätigkeit immer Freude macht und das Leben kein Bollywood-Film ist, so ist das Erreichen eines Zieles (und ist es auch noch so klein und scheinbar nebensächlich) ein Glücksmoment. Um diese Freude zu erleben, ist es wichtig, das Ziel schon im Vorhinein freudig zu formulieren. Wenn es dann erreicht ist, kann es ausgestrichen werden, und das bringt dieses herrliche Gefühl von »Ha! Geschafft!«. Dafür nehme ich mir immer Zeit (auch wenn es nur ein paar Sekunden sind) und spüre das »Ha! Herrlich!«-Gefühl.

Der Name »Heute zur Freude« hat aber auch mit der berühmten »sich selbst erfüllenden Prophezeiung« zu tun, die im Deutschen vor allem negativ gemeint ist.

Wenn ich ständig sage, dass eine Sache nicht gut gehen kann, dann ist es nicht verwunderlich, wenn sie eines Tages schiefläuft. Die Prophezeiung hat sich bewahrheitet, also selbst erfüllt.

Wenn das im Negativen klappt, warum dasselbe System nicht im Positiven nutzen, habe ich mir gedacht. Nennen wir alle Tätigkeiten eben: Heute zur Freude!

Statt mir Befehle zu erteilen, versuche ich jedem Punkt etwas Freundliches zu geben, ein Lächeln.

Also steht da:

3000 Worte an neuem Buch schreiben

Telefonieren mit … ..............., damit die Sache ins Rollen kommt, ................und ihr/ihm sagen, dass wir sicher weiterkommen, dazu aber …

Für Joppy neues Hundefutter besorgen (wedel, wedel)

Alle E-Mails beantworten (schon dringend jetzt!)

Als letzter Punkt kommt dann aber ein sehr wichtiger: die Belohnung.

Wenn ich den ganzen Tag beschäftigt bin, dann verdiene ich mir eine Belohnung. Das kann alles Mögliche sein: eine Extra-Folge auf Netflix schauen, ein gutes Glas Wein, Freunde treffen, einfach nur im Garten sitzen …

Meine Erfahrung: Ich schaffe jeden Tag wesentlich mehr, wenn ich eine solche »Heute zur Freude«-Liste erstelle.

Achtung:

Die »Heute zur Freude«-Liste macht die Arbeiten nicht weniger. Viele Tätigkeiten sind und bleiben mühsam, anstrengend und manchmal auch unerfreulich.

Aber

Wenn ich sie geschafft habe, freue ich mich! Also sind diese Tätigkeiten alle ein Weg zur Freude, ganz egal, wie sehr oder wie wenig ich sie machen will. Das Ziel vor Augen, fällt es mir viel leichter, mich durch diese Liste durchzuackern.

Ein paar Tipps:

Es hilft wirklich, immer ein Verb zu jedem Projekt dazuzustellen. Also nicht nur: »3000 Worte« sondern »3000 Worte schreiben«

Meine »Heute zur Freude«-Liste habe ich auf dem Desktop meines Laptops auf einem virtuellen Notizzettel. Manche Tätigkeiten unterstreiche ich, andere hebe ich darauf fett hervor.

Wer lieber einen normalen Zettel verwendet und mit der Hand alles aufschreibt – auch gut.

Freude macht diese Liste doppelt und dreifach, wenn ich jeden Punkt, den ich geschafft habe, ausstreiche. Nicht einfach weglösche, sondern ausstreiche. Oder markiere und ausschneide und ans untere Ende setze.

Längere Zeit hatte ich ein eigenes Notizbuch, in dem ich jeden Tag eine neue »Heute zur Freude«-Liste auf einer neuen Seite begonnen habe. Natürlich habe ich auch hier jeden Punkt durchgestrichen, der erledigt war. Nach einem Monat so ein Buch durchzublättern und zu sehen, was alles geschehen ist, das macht Freude.

Da fällt mir noch was ein:

… wenn ich an einem Tag etwas nicht schaffe – was dann?

Solche Punkte wandern auf die Liste des nächsten Tages und kommen an eine der obersten Stellen. Natürlich ist es hilfreich zu überlegen, was ich besser machen muss, um das Ziel morgen zu erreichen. Aber ich setze alles daran, mich nicht zu beschimpfen, weil ich es an diesem Tag eben noch nicht geschafft habe.

Und ganz besonders wichtig:

Wir haben eine Automatik im Kopf, uns für alles, was wir nicht gut oder gar nicht gemacht haben, zu beschimpfen. Das Loben der eigenen Leistung kommt nicht von allein. Wer damit große Schwierigkeiten hat, kann es einfach auch auf die Liste setzen. Es tut nämlich so gut.

Es hilft und beruhigt sehr, den Überblick über das zu haben, was wir an einem Tag schaffen wollen und sollen. Wichtig ist, uns selbst daran zu erinnern, dass es eine Freude ist, Ziele zu erreichen. Zu arbeiten ist oft anstrengend, und manche Tätigkeiten sind nicht als »Freude« einzustufen. Aber sie führen zu Zielen und Momenten, die uns freuen.



Was mein Aktenkoffer mit einer schöneren Welt zu tun hat

Ich glaube, dass jeder von uns die Welt verändern kann.

Dafür brauchen wir keine große Bewegung zu gründen.

Die erste und wichtigste Veränderung beginnt in unserer eigenen, kleinen Welt.

Meinem Aktenkoffer aus Leder habe ich den Namen »My little world« gegeben, »Meine kleine Welt« also. So war ich schon als Kind. Ich habe immer eine Tasche, einen kleinen Koffer oder einen anderen Behälter gehabt, in dem ich mir eine Art kleine Welt aus den Dingen gebaut habe, die darin aufgehoben waren.

Der Koffer, den ich derzeit verwende, ist über neunzig Jahre alt und hat einer der ersten selbstständigen Krankenschwestern Englands gehört, die für ihre Emanzipiertheit bekannt war. Das habe ich alles erst recherchiert, nachdem ich den Koffer in einem Antiquitätengeschäft gefunden und gekauft hatte. Anhand der Buchstabenkombination, die darauf eingraviert war, bin ich dann im Internet auf die Vorgeschichte meines Köfferchens gestoßen.

Der Koffer ist stabil, aber sehr handlich. Das Leder hat diese herrliche Patina. Ich habe in diesem Koffer alles dabei, was ich für meine Geschichten- und Schreibwelt benötige, damit ich es immer mit mir herumtragen kann. Mein Notizbuch, einen ganz besonderen Stift, ein iPad oder meinen kleinen, dünnen Laptop sowie ein eigenes Säckchen, in das ich meine Schlüssel gebe, damit sie beim Tragen des Koffers nicht hin- und herscheppern und etwas zerkratzen.

Ich habe auch ein persönliches Erinnerungsstück in meinem Koffer, das mir sehr viel bedeutet.

Alles, was in meinem Koffer steckt, bedeutet mir wirklich etwas und hat dort seinen festen Platz.

Natürlich gebe ich auch Unterlagen hinein, die ich an diesem Tag brauche. Oder Kataloge und Schriftstücke, die ich bekommen habe. Mein Handy hat darin Platz, sowie ein Ladegerät, falls meinem Handy oder dem iPad der Saft ausgeht.

Alles, was sich in meinem Koffer befindet, hat Qualität. Das bedeutet nicht, dass alles darin wahnsinnig teuer ist, darum geht es mir überhaupt nicht. Aber ich will, dass gut gearbeitete, mit Liebe hergestellte Gegenstände mit mir unterwegs sind und mein unmittelbares Umfeld bilden.

Die Gegenstände in meinem Koffer sind genau die, die ich gerne darin haben möchte, und sie sind so angeordnet, wie ich sie gerne haben möchte. Das fühlt sich gut für mich an.

Ich bin viel unterwegs. Wenn ich im Zug oder im Flugzeug sitze, ist dieser kleine Koffer mein Schreibtisch. Ich kann ihn auf meinen Schoß legen und auf dem iPad oder einem kleinen Laptop darauf arbeiten. Außerdem habe ich immer einen kleinen Proviant in meinem Köfferchen, falls ich unterwegs oder bei der Arbeit Hunger bekomme.

Mit einem Wort: Es ist alles darin so eingerichtet, dass ich über eine kleine Welt verfüge, die zu mir gehört und die ich überallhin mitnehmen kann. Es ist eine Welt, in der ich mich zu Hause und sicher fühle.

Es gibt Leute, die all ihre Kraft darin investieren, die Welt als Ganzes zu verändern. Dann gibt es Leute, die sich für einzelne Themen, die ihnen wichtig sind, irrsinnig stark engagieren. Es gibt sogar Leute, die kämpfen und ihr Leben riskieren, um sich für eine gute Sache einzusetzen. Sie alle bewundere ich.

Zugleich gibt es aber auch sehr viele Leute, die sagen: »Was soll ich in dieser Welt mit meinen Taten schon für einen Unterschied machen?«

Darauf sage ich: Wir können etwas verändern, wenn wir unsere eigene kleine Welt schaffen. So wie ich meinen Koffer ausgewählt und für mich gestaltet habe, so kann ich auch mein Leben rund um mich gestalten. Das hängt nicht davon ab, ob ich in einem großen Haus, einer kleinen Wohnung oder einem winzigen Zimmer wohne. Es geht darum, dass ich meine unmittelbare Umgebung so einrichten kann, dass sie das ausstrahlt, was ich mir für die ganze Welt wünsche. Ich kann in diesem meinem unmittelbaren Umfeld eine Atmosphäre kreieren, die auf andere ausstrahlt. Dafür braucht es nicht viel Geld. Außer natürlich, wenn jemand sagt: »Für mein Wohlbefinden müssen alle Dinge, die mir gehören, mit Blattgold belegt sein.« Dann hat er Pech gehabt, wenn er nicht zufällig so viel Geld verdient, dass er sich das leisten kann. Aber selbst dann sollte er sich überlegen, ob seine Prioritäten die richtigen sind.

Auch in meinem Verhalten kann ich die kleine Welt, die sich in einem Radius von vielleicht hundert Metern rund um mich abspielt, so beeinflussen, dass sie so aussieht, wie ich sie mir vorstelle.

Diese Einstellung kann sich in tausend Kleinigkeiten ausdrücken, zum Beispiel in der Ansage auf der Mobilbox meines Handys. Meine eigene Mobilbox sagt: »Guten Tag. Wenn Sie mir etwas besonders Erfreuliches mitzuteilen haben, sprechen Sie jetzt, sonst legen Sie bitte wieder auf.«

Natürlich lacht jeder zunächst einmal darüber. Aber meiner Erfahrung nach dränge ich damit doch jeden dazu, die Nachricht, die er mir hinterlassen möchte, positiv zu formulieren. Die Leute tun das dann auch.

Natürlich betrifft das auch die Art und Weise, wie ich mich kleide, und auch dafür ist nicht viel Geld nötig. Viel wichtiger ist es, Kleidung zu finden, die mir beim Tragen ein wirklich gutes Gefühl gibt, in der ich den Eindruck habe, ich selbst zu sein, und das durch die Kleidung auch nach außen zu transportieren.

Warum ich glaube, dass das alles so wichtig ist? Weil ich überzeugt davon bin, dass es eine ungeheure Strahlkraft hat.

Ja, wir können die Welt verändern.

Und zwar am einfachsten, indem wir unsere kleine, persönliche Welt in allen Aspekten so gestalten, dass es eine Welt ist, in der wir uns sehr wohl fühlen und in die andere gerne zu Besuch kommen.

»Bei dir ist es aber schön … Immer wenn ich dich sehe, fühle ich mich wohl, weil …« Das sind Formulierungen, an denen wir erkennen können, dass unsere kleine Welt auf andere eine positive Wirkung ausübt.

Die Menschen, die mit uns in Kontakt treten, tragen diese Schwingungen weiter wie die Ameisen einen aufgenommenen Duftstoff. Vielleicht überlegen sie sich sogar: Eigentlich möchte ich das auch so machen, eigentlich würde ich auch gerne so leben. Oder es bringt mich auf die Idee, wie ich das gerne für mich hätte. Schon bildet sich wieder eine Zelle, deren Wirkung wieder auf viele andere Menschen ausstrahlen kann. Wie die Waben in einem Bienenstock kann so etwas entstehen, das größer und größer wird und schließlich eine spürbar positive Wirkung auf die gar nicht so kleine Welt ausübt, die wir alle gemeinsam haben.

Muss das immer so große Kreise ziehen? Nein, muss es nicht. Es reicht auch schon, wenn nur wir selber mit unserer kleinen Welt Freude haben, auch das ist schon viel. Es ist auf jeden Fall besser, als so zu leben, wie wir es eigentlich nicht wollen, an uns herumzumäkeln und gleichzeitig noch unglücklich zu sein im Wissen, auf den großen Weltlauf keinen Einfluss nehmen zu können.

»Wenn du die Welt verändern willst, verändere dich selbst«, das hat schon Mahatma Gandhi gesagt. Das mindert überhaupt nicht den Respekt für die Menschen, die es sich zum Ziel setzen, die Welt möglichst direkt und sofort zu verändern, große Bewegungen in die Welt zu setzen. Aber auch sie fangen oft bei sich selbst an. Sie machen sich zu einem Beispiel, das andere inspiriert. Daraus springt der Funke auf so viele andere über.

Wichtig:

Die kleine Welt, die ich meine, ist keine Flucht ins Private oder neues Biedermeier. Es geht darum, bei euch selbst ANZUFANGEN und nicht daran zu verzweifeln, dass ihr an der großen, weiten Welt und »der Gesellschaft« nichts ändern könnt.

Noch wichtiger:

Am Bau seiner kleinen Welt zu arbeiten, heißt auch nicht, neurotisch darauf zu achten, dass alles perfekt ist, um es anderen präsentieren zu können. Es geht darum, euch eine Umgebung aufzubauen, die Kraft und ein gutes Lebensgefühl gibt. Diese Freude, das Wohlbehagen und eure Leidenschaft dabei, strahlt heller als tausend Theorien.

Ein Leuchtfeuer an eigener Lebensfreude zu schaffen, indem wir uns unsere kleine Welt bauen, ist die beste Möglichkeit, die wir haben, auf andere positiv einzuwirken. Und es macht auch noch glücklich.



Welche vier Worte für mich alles leichter und schöner machen

Es gibt vier Worte, die mein Leben verändert haben. Ich habe sie als Schild auf meinem Schreibtisch, in meinem Handy als Erinnerung und sogar auf einem Schlüsselanhänger eingraviert.

Die vier Worte helfen mir, wenn es schwierig wird. Sie helfen mir, wenn es laut wird, weil ich eine Baustelle vor dem Haus habe. Sie helfen mir, wenn mich etwas schrecklich aufregt. Sie helfen mir, wenn wir etwas wehtut. Sie helfen mir, wenn ich etwas nicht erwarten kann und deshalb sehr ungeduldig bin. Sie helfen mir einfach in allen Lebenslagen.

Diese vier Worte helfen mir aber nicht nur bei Schwierigkeiten, oh nein. Diese vier Worte machen auch alles Schöne noch viel, viel schöner.

Wie diese vier Worte lauten?

Auch das geht vorbei.

Jetzt denkt sich mancher sicher: »Spinnt der?! Das soll so großartig sein? Diese vier Worte sollen Wunder bewirken?«

Ja. Mehr ist es nicht:

Auch das geht vorbei.

Was diese vier Worte können, möchte ich an einem Beispiel erklären. Es geht darin um meinen kleinen Hund Joppy. Vor einiger Zeit habe ich beschlossen, dass ich gerne wieder einen Hund in meinem Leben haben möchte. Wenn ich daran gedacht habe, habe ich mir einen sehr lieben und lustigen Hund vorgestellt, der ein richtiger Kumpel ist, eine starke Persönlichkeit hat, mich mit seiner Lebendigkeit jeden Tag herausfordert und vor allem gesund ist.

Daran habe ich ganz fest gedacht, und – das Leben hat mich zu einem Jack-Russell-Welpen aus einer sehr, sehr guten Zucht geführt. Dort wird ganz besonders auf Charakter und Gesundheit der Hunde geachtet. Ich habe mir dort aus einem Wurf einen Welpen ausgesucht, den ich mit neun Wochen mit nach Hause nehmen durfte, und habe ihn »Joppy« getauft. Unglaublich wie süß so ein kleiner Welpe sein kann, der am Anfang kaum größer als zwei Hände ist.

Der kleine Kerl hat mich und meinen Mann Ivo zum Lachen gebracht, uns unterhalten – und er hat uns in die totale Verzweiflung getrieben. Ein Welpe ist nämlich nicht nur süß. Ein Welpe weckt dich auch zwei- bis dreimal pro Nacht auf, weil er hinaus muss. Dann musste ich ihn nehmen und im Pyjama mit ihm in den tief verschneiten, eiskalten Garten vor unserem Haus hinausstapfen, damit er sein Geschäft erledigen konnte. Danach wieder zurück ins Haus und schnell unter die Bettdecke, nur um drei Stunden später von Joppys Jammergeräuschen geweckt zu werden, weil er schon wieder musste …

So ging das Nacht für Nacht für Nacht, bis mein Schlafmangel gefährlich anwuchs und sich in Missmut verwandelte.

Joppy hingegen war natürlich nach wie vor lustig. Nur manchmal bedeutete das Lustigsein, dass er in der Wohnung herumsauste, die Lammfelle von den Sesseln beim Esstisch fetzte, zur Zimmertanne raste, um ihr die Äste herunterzureißen und wenige Sekunden später schon beim Zimmerbrunnen war, um daraus zu trinken, und von dort direkt zu den Stuhlbeinen zu sprinten, um sie abzunagen.

Es hat mich einfach wahnsinnig gemacht. Außerdem ist Joppy trotz vieler Versuche lange Zeit nicht sauber geworden. Er hat einfach nicht kapiert, dass das Haus keine Toilette ist und dass er sein Geschäft im Freien erledigen soll.

Jede Nacht mehrmals aufzustehen, im Haus immer wieder kleine unliebsame Überraschungen zu finden und dann beim Spazieren auch noch seine liebe Not mit einem unfolgsamen Hund zu haben: Das war eine ganze Menge.

Ein guter Freund hat mir damals einen schönen Spruch mitgegeben: »Es ist völlig normal, einen Welpen manchmal aus dem Fenster werfen zu wollen. Es ist nur nicht normal, es wirklich zu tun.«

Obwohl ich kurze Zeit das Gefühl hatte, dass die Anschaffung dieses Hundes der größte Fehler meines Lebens gewesen ist, habe ich mich dann an die vier Worte erinnert, von denen dieses Kapitel handelt.

Auch das geht vorbei.

Kaum hatte ich es geschafft, mich ein wenig zu entspannen und meine Gedanken von all dem wegzubewegen, was Joppy können, lernen und machen muss, habe ich die Sache nicht mehr ganz so dramatisch gesehen. Der »Oh nein!«-Moment und der »Was für eine Katastrophe!«-Moment sind auf einmal weggefallen, und ich konnte meine Situation ein bisschen ruhiger und nüchterner betrachten.

Und dann geschah das Überraschendste: Innerhalb weniger Tage konnte ich feststellen, wie Joppys Verhalten sich verändert hat. Er schlief in der Nacht auf einmal acht Stunden durch, ging in den richtigen Momenten ins Freie und wurde insgesamt folgsamer und braver, ohne dabei irgendetwas von seiner Lebendigkeit einzubüßen.

Auch das geht vorbei.

Diese vier Worte haben mich beruhigt. Und aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass diese Beruhigung oft der entscheidende Anstoß ist, um Probleme zu lösen und anstrengende Lebensphasen zu meistern. Ob diese Phasen dadurch wirklich schneller vergehen, weiß ich nicht. Aber zumindest fühlt es sich so an, weil ich dann nicht mehr die ganze Zeit damit beschäftigt bin, mir selbst einzureden, dass das alles sich bestimmt niemals ändern wird und gleichzeitig jede Minute zu kontrollieren, ob sich vielleicht doch schon etwas geändert hat.

Ich habe mir die vier magischen Worte aber noch aus einem anderen Grund ständig vorgesagt. Ein Welpe bleibt nicht ewig klein. Jeden Tag wächst er und wird größer. Viele Dinge, die am Anfang ungeheuer süß an ihm sind, gehen schneller vorbei, als es einem in seinen Welpen verliebten Hundebesitzer lieb sein kann.

Der kleine Hund in meinen beiden Händen, der so winzig war, ist inzwischen groß geworden.

Auch das geht vorbei.

Das ist nicht nur ein Trost, das sind nicht nur Worte der Beruhigung. Es ist auch eine ständige Erinnerung daran, wie vergänglich alles Schöne ist, das uns umgibt, ja wie vergänglich wir letzten Endes auch selbst sind.

Weil ich mich immer wieder bewusst an diese vier Worte erinnert habe, habe ich alles, was an diesem Welpendasein so schön war, noch mehr genossen, mich noch mehr daran erfreut, bewusst hingeschaut und gelächelt. Immer wieder habe ich mir gedacht: »Ist das nicht lieb und herrlich? Ich werde das in meinem ganzen Leben nie vergessen.«

Nutze die Zeit und genieße das Glück und die Schönheiten, die dich umgeben. Nimm die Menschen, Tiere und Dinge um dich nicht als Selbstverständlichkeiten hin und geh nicht achtlos und griesgrämig an ihnen vorbei. Wir alle glauben intuitiv, dass alles so bleibt, wie es ist, aber das ist ein Riesenirrtum. Alles ändert sich, alles vergeht, das Gute wie das Schlechte.

Inzwischen ist Joppy erwachsen geworden und hat sich zu einem richtigen Prachthund entwickelt. Die schwierige Zeit mit ihm ist vorbei.

Auch das geht vorbei.

Diese vier Worte haben meiner Meinung nach den Nobelpreis verdient. Für mich sind sie ein Zauberspruch geworden.

Meine Erkenntnisse:

Gutes wie Schlechtes ist vergänglich. Wenn wir uns diese Tatsache immer wieder bewusst machen, wird unser Leben im Alltag leichter und glücklicher.

Manche Probleme müssen wir aktiv lösen. Vieles im Leben löst sich aber auch ganz von alleine, wenn wir nur ein bisschen Geduld haben.

Auch alles Schöne und Wunderbare geht vorbei. Auch Momente, in denen das Leben einfach ist und dahingleitet, dauern nicht ewig. Sie gehen vorbei und deshalb ist es am besten, wenn wir sie in vollen Zügen genießen, solange sie da sind.

Und noch einmal: AUCH DAS GEHT VORBEI. Vier Worte, die helfen, beruhigen und Freude verdoppeln! Mehr kann man von vier Worten wirklich nicht wollen.



Mehr Freude mit Arbeit & Co.

Wie ich die Angst vor dem Anfang überwinde

Weil ich Schriftsteller bin, werde ich öfters gefragt, wie ich mit Schreibkrisen umgehe. Die Leute, die mich das fragen, stecken meistens selber in einer und hoffen, dass ich ihnen einen Tipp geben kann, wie sie mit ihrer Diplom-, Master- oder anderen Uniarbeit fertig werden können.

»Ich stecke einfach fest und kann mich nicht motivieren«, höre ich dann oft. »Hast du nicht irgendwelche Tipps?«

Nun ja, ich habe in meinem Leben bisher mehr als 550 Bücher geschrieben. Deshalb kann ich zu diesem Thema hier und jetzt einige schockierende Enthüllungen aus meinem Schriftstellerleben preisgeben.

Manche Leute denken nämlich, mein Alltag läuft so ab: Ich wache in der Früh auf, springe aus dem Bett, stürze an den Computer und tippe voller Freude bis zum Abend in einer Tour durch. Und pardauz, schon ist wieder ein halbes Buch fertig. Nur so, denken die Leute, kann ein Mensch einen so hohen Output an Büchern in seinem Leben produzieren.

Als ich vor knapp dreißig Jahren mit dem Schreiben begonnen habe, da habe ich manchmal wirklich so gearbeitet. Ich habe nur so vor mich hin getippt, mich für unbesiegbar und den Allerbesten gehalten. Jede Geschichte eine Sensation. Ich hatte überhaupt keine Zweifel.

Jetzt kommt aber das Erstaunliche und Unglaubliche: Je mehr Bücher ich geschrieben habe, desto langsamer bin ich geworden.

Und warum? Weil es in meinem Kopf diese Stimmen gibt, die sagen: »Bist du dir sicher, dass du das kannst? … Also ich bin nicht sicher, ob das eine gute Geschichte ist … Ob deine Leser nicht vielleicht enttäuscht sein werden? … Das könnte wieder harte Kritik für dich geben … Ist das wirklich eine neue Idee? … Ich weiß nicht, ob dieser Stil so passt …«

Diese Stimmen sind mit den Jahren immer mehr und immer lauter geworden. Sie machen mich manchmal wahnsinnig und das Arbeiten richtig beschwerlich.

Wenn ich deshalb heute ein Buch schreibe, dann läuft das, vor allem am Anfang, manchmal so ab:

In der Früh setze ich mich an den Computer, schaue auf den Bildschirm und dann …

… stehe ich erst einmal wieder auf, um mir einen guten, frischen Espresso zu holen. Ich setze mich wieder hin, schaue auf den Bildschirm und dann …

… stehe ich noch einmal auf, um mir noch ein Glas Wasser zu holen. Dann setze ich mich wieder hin, schaue auf den Bildschirm und …

… spiele erst einmal ein bisschen Backgammon.

Ja, ich fange einfach nicht an. Weil da in mir eine Angst ist, ob das wirklich gut ist. Ich, Thomas Brezina, Autor von mehr als 550 Büchern habe doch tatsächlich manchmal Angst anzufangen.

Was tue ich dann? Gebe ich auf, verzweifle ich?

(Ja, ich verzweifle manchmal.)

Aber ich gebe nicht auf!

Stattdessen setze ich mir ein Tagesziel, eines, das wirklich erreichbar ist.

Bei mir sind das am Anfang eines Buches zum Beispiel 2.000 bis 2.500 Wörter, die ich an einem Tag schreiben möchte. Wenn ich in der Geschichte dann schon fortgeschritten bin, steigere ich dieses Ziel auf 3.500, 4.500, ja manchmal sogar 5.000 Wörter, die ich mir an einem Tag zu schreiben vornehme. Diese Zahl versuche ich dann auch wirklich einzuhalten.

Unter meinem Tagesziel, das ich auf einem Notizzettel auf meinem Desktop notiere, steht aber auch die Belohnung, die ich bekomme, wenn ich das Ziel erreicht habe. Das kann alles Mögliche sein: Von einer Folge einer TV-Serie bis zum Essen meiner Lieblingsspeise oder einem kleinen Geschenk, das ich mir dann besorge.

Aber jetzt kommt das Wichtigste: All das dient nur dazu, mich dazu zu bringen, endlich anzufangen. Ich motiviere mich damit, mich wirklich hinzusetzen und mit dem Schreiben zu beginnen. Ist es nicht gut, dann überlege ich mir einfach, was ich besser machen kann, und lösche den misslungenen Teil, ohne lange zu zögern.

Wenn ich dann einmal im Schreiben bin, liegt das Schwerste schon hinter mir. Dann kommt meiner Erfahrung nach irgendwann der Punkt, wo ich in den sogenannten Flow kippe. Auf einmal laufen die Ideen im Hinterkopf von ganz alleine. Dann schreibe und schreibe und schreibe ich.

Zusätzlich gönne ich mir pro Arbeitstag eine Minute, in der ich mir genau vorstelle, wie das fertige Buch am Ende aussehen wird.

Wie wird es aussehen, wie wird es sich gedruckt und gebunden anfühlen, wie wird es riechen? Ich stelle mir den Moment vor, in dem das Buch aus der Druckerei kommt und ich es das erste Mal in meinen Händen halte. Ich stelle mir auch vor, wie Menschen, die das Buch gelesen haben, mir davon erzählen, wie es ihnen gefallen und sie unterhalten hat.

Das tut richtig gut.

Wenn ich mein Tagespensum dann erreicht habe, egal wie groß oder klein es gewesen ist, dann lobe ich mich, und zwar nicht zu knapp. »Hey, das hast du heute richtig gut gemacht. Morgen läuft es sicher wieder genauso.«

Und wenn der Tag aber die totale Pleite war? Dann hole ich tief Luft und sage zu mir selbst: »Okay, auch solche Tage gibt es. Jetzt ist es Zeit hinauszugehen, das Hirn auszuschütteln und auf andere Gedanken zu kommen. Morgen ist ein neuer Tag, an dem es bestimmt besser laufen wird.«

Darmowy fragment się skończył.

Gatunki i tagi

Ograniczenie wiekowe:
0+
Objętość:
170 str. 68 ilustracji
ISBN:
9783990012970
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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