Czytaj książkę: «Sonnentanz»

Czcionka:

Sonnentanz

Nachthaar

Taja Jetsch

Ein erotischer Fantasy Roman.

Band 1: Sonnentanz Feuerhaar

Band 2: Sonnentanz Nachthaar


Impressum

Texte: © Copyright by Taja Jetsch

Umschlag: © Copyright by Taja Jetsch

Verlag: JS-E Verlag

99817 Eisenach

info@JS-EVerlag.de

ISBN: 978-3-7450-6722-4

2. Auflage

Juli 2018

Mein Dank geht an Silke und Holger. Ohne Eure Unterstützung hätte ich es nicht geschafft.

Prolog

Die Nacht war dunkel. Neumond. Sie lachte innerlich. ‚Perfekt!‘

Dicke Wolken hingen am Nachthimmel. Sicher würde es heute noch schneien. Die Nacht war perfekt. Die Gefährtin des Alphas hatte den Welpen erst vor einigen Tagen geboren. Doch es ging ihr nicht gut. Sie verlor immer noch Blut - ihre Blutung konnte einfach nicht gestoppt werden. Viele der männlichen Wölfe waren zur Jagd unterwegs. Hier war gerade Winter und das Rudel brauchte dringend Nahrung. Eigentlich hätte die Wölfin wohl noch einige Wochen Zeit gehabt, bevor sie den Welpen gebar.

Aber die letzten Nächte waren einfach zu gut gewesen und sicherlich waren die männlichen Rudeltiere noch einige Tage auf der Jagd. So hatte sie der Wölfin einen vergifteten Tee gebracht, der die Wehen auslöste. Das war auch der Grund, warum die Blutung nicht stoppte.

Zwei Tage waren seitdem vergangen. Der Welpe war soweit über den Berg. Sicherlich, er müsste noch gesäugt werden, aber er würde die lange Reise mit Sicherheit überstehen.

Die Kinderstube war gerade unbeaufsichtigt, denn die Alphawölfin heulte vor Schmerz laut und alle aus dem Dorf waren dort.

Sie sah sich nochmals um, hielt die Nase in die Luft und schnüffelte. Nein, es war keiner in ihrer unmittelbaren Nähe. So trat sie leise in die Kinderstube. Hier schliefen mehrere Welpen eng aneinander gekuschelt, um sich gegen die beißende Kälte zu schützen. Doch sie wollte nur eines. Das Mädchen des Alphas. Sie war die Kleinste.

Die Schneewölfe paarten sich, wollten sie Nachwuchs zeugen, ausschließlich als Wölfe. Menschliche Babys hätten in dieser Kälte hier auch nur wenige Überlebenschancen gehabt.

Vorsichtig nahm sie den Welpen in ihren Fang und ging langsam zum Ausgang. Würde man sie jetzt aufhalten, würde sie einfach sagen, dass sie den Welpen zur Alphawölfin bringen wollte. Ihre Schnauze öffnete die schweren Vorhänge und sie sah sich um, schnüffelte nochmal.

Dann lief sie los. Ihre dunkelbraun gestromte Zeichnung war sicherlich hilfreich, denn ein paar Meter weiter war der große und verschneite Wald, in den sie nun hineinrannte.

Es begann zu schneien. Perfekt! Einfach perfekt. Erst nur ein paar, doch dann immer stärker. Immer dickere Schneeflocken fielen vom Himmel. Bald schon wären ihre Pfotenabdrücke verschwunden, genau wie sie und der Welpe.

Innerlich frohlockte sie. Es war so einfach gewesen.

*****

Die junge Wölfin, die heute Morgen für die Versorgung der Welpen zuständig war, bemerkte sofort das Fehlen des Alphawelpen. Sie alarmierte das ganze Dorf. Doch es hatte die ganze Nacht geschneit und es schneite immer noch. Im Dorf selber waren vielen Abdrücke zu sehen, doch kein einziger führte hinaus. Das ganze Dorf wurde abgesucht, aber man konnte den Welpen nicht finden. Zwei der jungen Wölfe wurden dem Alpha und der Gruppe hinterhergeschickt. Die erfolgreiche Jagd war jetzt egal. Der Welpe musste gefunden werden.

Das Alphaweibchen wurde informiert. Ihr geschwächter Wolfskörper zitterte. Sie versuchte aufzustehen, aber das dünne Blut lief einfach aus ihr raus.

Wenn die Männer und mit ihnen auch der Arzt nicht bald zurückkamen, würden sie wohl auch das Alphaweibchen verlieren.

*****

Der Schmerz war unerträglich.

Der Alpha verlor sich in der Suche nach seinem Welpen. Doch mittlerweile hatte es vier Wochen lang nur geschneit und gestürmt. Jegliche Spur war verloren.

1.

Jared

Es war ruhig geworden, großer Wolf sei Dank.

Die große Jagd nach Flying Bird damals war zwar sehr anstrengend, aber dennoch erfolgreich gewesen. Emily hatten sie auch gefunden und – was noch wichtiger war – zurückgebracht, nach Hause. Drake und Emily waren das Vorzeigepaar schlechthin geworden. Sie passten zueinander wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und ergänzten sich perfekt.

An dem Haus für Emily hatten sie damals alle mitgearbeitet. Sie wollten alle, dass Emily wusste, dass HIER ihr Zuhause war und blieb. Und so war das Haus innerhalb eines Jahres fertig gewesen.

David war nun schon 6 Jahre alt und als er sich das erste Mal wandelte, feierte das ganze Dorf ein großes Fest. Sie waren alle nicht sicher gewesen, ob David sich wirklich wandeln konnte. Soweit er wusste, wäre es aber allen irgendwie egal gewesen. David war ein kleiner Sonnenschein, immer lustig, immer freundlich und höflich, immer gut aufgelegt. Er glich so sehr seinem Vater, es war fast unglaublich. Nicht nur, was das Aussehen betraf, sondern auch sein Verhalten. Und wenn er richtig informiert war, war Emily nun das zweite Mal schwanger.

Niki und Soleigh lebten mit Emily hier im Dorf, als wären sie schon immer hier gewesen. Und es war schön, sie hier zu haben. Sie hatten neues Leben, neues Lachen ins Dorf gebracht.

Emily und Niki hatten alle ihre Riten und Traditionen angenommen. Nur eine behielt Emily aus ihrem alten Leben bei. Jedes Jahr am 24. Dezember wurde in Emilys Haus Weihnachten gefeiert. Meist kam dabei das ganze Dorf zusammen.

Tristan und Niki - Jared lächelte. Er würde bald wieder Onkel werden – Até wie sie hier sagten – und wenn er ehrlich war, er freute sich sehr darauf. Die Zwillinge von Tristan und Niki hatten sich prächtig entwickelt. Sie waren jetzt 3 Jahre alt. Wenn sie sich wandeln würden, davon ging nach David aber jeder aus, wäre das prima. Wenn nicht, auch egal. Dusk und Dawn waren natürlich seine beiden persönlichen Sonnenscheine. Vor allem Dawn war ihm sehr ans Herz gewachsen.

Takomaha und Arizona hatten sich während der großen Jagd geprägt und studierten nun beide an der MSU in Billings Medizin. Sie waren jetzt im letzten Semester und würden bald endgültig nach Hause kommen. Es war wohl noch nicht sicher, ob sie noch weiterführende Ausbildungen machen würden, aber das würde sich sicher über den Winter entscheiden.

Sam und Kaleiope hatten sich direkt nach der erfolgreichen Suche nach Flying Bird verbunden und vermehrten sich. Jared schüttelte den Kopf und lachte. Die beiden hatten wohl auch kein anderes Hobby. Was hatte sich Sam damals über seine Schwester mokiert, da sie vier Kinder zur Welt brachte. Nun hatte er selber drei Jungs. Und Jared bezweifelte irgendwie, dass ihre Familienplanung schon abgeschlossen war.

Auch Jasper und Blossom waren jetzt zusammen und verbunden. Von Sam wusste Jared, dass die beiden sich zurzeit wieder intensiv um Nachwuchs bemühten.

Sie alle hatten sich nach der erfolgreichen Jagd gebunden und irgendwie waren sie alle sehr schnell und fast gleichzeitig trächtig geworden.

Kade, der Sohn von Maddox und Mira, Hero, der älteste Sohn von Sam und Kaleiope, Mattis, der Sohn von Jasper und Blossom, und David waren – genau wie sie damals – beste Freunde geworden und Jared war sich sicher, dass sie eine genauso tiefe und enge Freundschaft verbinden würde, wie die ihrer Väter.

Nur er, Jared, war immer noch allein.

Puh – großer Wolf sei Dank! Dieser ganze Hickhack mit dem Prägen und Verbinden war nichts für ihn.

Er war ein einsamer Wolf und wollte dies auch bleiben. Sex war wichtig für ihn und er versuchte, davon so viel wie möglich zu bekommen. Aber immer nur mit einer?

Jared schüttelte sich.

Ja, manchmal vermisste er die Nächte mit seinen Freunden, aber Jared freute sich sehr für seine Freunde. Und wenn es ihn wirklich mal überrannte, einen Welpen im Arm zu halten, waren seine Freunde mehr als hilfreich gewesen, denn als Babysitter wurde er immer gerne genommen. Er liebte Kinder, egal ob Babys oder Welpen. Aber dass er selber mal Vater werden würde, schloss er für sich konsequent aus.

Es war September. Der Sommer war noch nicht vorbei und der Herbst ließ noch auf sich warten. Jared stellte die Dusche aus, zog sich an. Er wollte heute noch nach Great Falls und das war bekanntlich eine Autofahrt von ca. drei Stunden.

Er packte noch Shorts und frische Shirts, eine Zahnbürste und sogar Kondome in die Tasche, dann wollte er los. Kondome waren ihm eigentlich eher lästig. Die Menschenfrauen wussten nicht, dass er sie weder schwängern noch irgendeine Art von Krankheit hätte übertragen können. Aber er respektierte es, wenn sie keinen ‚ungeschützten‘ Verkehr wollten. Es war Freitag, später Nachmittag, aber vor zehn am Abend würde er keine Diskothek in Great Falls besuchen. Erst mal mussten die ganzen Kinder von der Straße, bevor er auf die Jagd gehen konnte. Er lachte. Seine weißen Zähne blitzten.

Jared trat aus der Haustüre und sah Drake und Emily die Straße hochkommen. Sicher waren sie bei Kiwidinok und Hiamovi gewesen. David und Soleigh liefen voraus.

„Jared!“, rief Drake. „Na, wo geht es hin? Great Falls? Jagen?“ Drake lachte und Emily knuffte Drake in die Seite.

„Lass ihn“, sagte sie leise. „Willst Du den Navara nehmen?“, fragte Emily Jared.

„Gern!“ Jared nickte. „Ich bin aber sicher erst am Sonntagabend zurück.“

Er schulterte seine Tasche und ging mit den beiden zum Haus, denn der Navara parkte dort auf den Wiesen hinter dem Haus.

Helle Sonne kam ihnen entgegen. Sie grüßten sich und gingen aneinander vorbei.

„Jared!“, rief Helle Sonne.

Er drehte sich zu ihr um. „Ja, Helle Sonne?“

„Deine Suche ist bald vorbei, Jared.“

„Suche? Welche Suche?“, fragte Jared erstaunt.

Doch Helle Sonne hatte sich schon wieder umgedreht und ging weiter.

2.

Jared

Nun saß er auf einem der Barhocker an der Theke der großen Diskothek. Es war voll, es war laut und es war heiß. Er hielt sein zweites Bier in der Hand und die Frau vor ihm flirtete mit ihm, was das Zeug hielt.

Jared hatte sich für seine schwarze, weiche und enge Lederhose entschieden, die auch bei ihm mehr zeigte, als sie verbarg. Sein Shirt war weiß. Und wenn er ehrlich sein sollte, eigentlich eine Nummer zu klein. Aber so konnte jeder seinen muskulösen Oberkörper sehen. Die meisten standen einfach darauf und so war es oft einfach für ihn. Auch jetzt. Seine langen braunen Haare trug er offen und sie fielen ihm ungefähr bis zur Mitte seines Rückens.

Sie hatten noch kein Wort miteinander gesprochen, aber die Blicke der Frau vor ihm hatten ihn schon fast ausgezogen. Sie roch nach Alkohol, Tequila.

Jared nahm noch einen großen Schluck von seinem Bier, dann stellte er das Glas auf die Theke. Er öffnete die Beine ein wenig mehr, griff mit der linken Hand an die Hüfte der Frau und zog sie an sich ran. Seine rechte Hand griff ihr an die Wange und sein Daumen strich über ihre Lippen. Sie starrte ihn mit großen Augen erwartungsvoll an und ihre Lippen öffneten sich. Jared lachte. Es war so einfach. Er küsste sie.

Obwohl er saß, musste er sich etwas hinunter beugen, um sie zu küssen. Ihre Hände griffen an seine Schultern und sie prüfte seine Muskeln. ‚Ja, dachte er, das ist alles echt.‘ Seine linke Hand zog sie noch näher an ihn ran. Während seine Zunge mit ihrer spielte, strich seine rechte Hand langsam über ihren Hals. An ihrem Hals konnte er ihren schnellen Herzschlag spüren. Die Menschen, sie waren so einfach gestrickt. Seine Hand fuhr tiefer, dann umfasste er ihre Brust, strich über ihre Brustwarze, die sich sofort ganz aufrichtete, und an seinen Lippen stöhnte sie leise auf. Jared nahm eine ihrer Hände und legte sie auf seine Brust, dann zuckte er kurz mit den Muskeln und ihr Puls beschleunigte sich.

Es war Jared nicht klar, dass auch sein intensiver Moschusgeruch für viele der Reaktionen verantwortlich war. Aber selbst wenn, wäre es ihm sicherlich egal oder er wäre dankbar dafür gewesen. Er führte ihre Hand tiefer, bis zu seinem Speer, der schon hart war. Er griff ihr wieder an die Brust und zog an ihrer Brustwarze.

Er war jemand, der gerne und viel Sex wollte, brauchte und auch bekam. Er hatte keine Vorlieben. Es war ihm egal, ob sie lange oder kurze Haare hatten, große oder kleine Brüste. Es war Jared auch egal, ob es eine Frau oder ein Mann war. Er nahm einfach alles. In der Vergangenheit hatte er manche wirklich heiße Nacht verbracht und war immer auf seine Kosten gekommen, auch wenn er alleine unterwegs gewesen war. Die Menschen waren echt total versaut. In Gedanken lächelte er. Am liebsten hatte er Dreier, zwei Frauen oder auch eine Frau und ein Mann. Ihn törnte das wirklich total an.

Er löste seinen Mund von ihrem und flüsterte ihr ins Ohr „Bist du allein?“ Sie schüttelte den Kopf. „Freund?“ Sie schüttelte abermals den Kopf. „Freundin?“ Sie nickte und Jared schluckte. „Mmh, gut! Welche ist es? Willst Du sie nicht dazu holen? Wir könnten uns zu dritt vergnügen.“ Jetzt sah ihn die Frau wieder mit großen Augen an und schüttelte vehement den Kopf. „Okay. Dann nur ein Quickie, draußen.“ Sie nickte. Jared nahm ihre Hand von seinem Speer und führte sie Richtung Ausgang. Sie gingen über die volle Tanzfläche und mussten sich einen Weg durch die tanzenden Leiber bahnen.

Jared atmete tief ein. Es roch, als würde es gleich beginnen zu schneien. Abrupt blieb er stehen, irritiert sah er sich um. Schließlich waren sie hier in einem geschlossenen Raum und es war noch viel zu früh für Schnee. Er schüttelte den Kopf. Die Frau an seiner Hand drückte gerade ihren Busen an seinen Rücken. Darum würde er sich nun zuerst kümmern, danach um den Schnee.

*****

Jared kam allein von draußen rein und langsam ging er durch die tanzenden Menschen. Doch der Schnee war fort, wahrscheinlich geschmolzen, bei der Hitze hier. Jared lachte. Dann ging er zurück zur Theke. Wie nicht anders zu erwarten, war sein Platz nun besetzt. Ein Blick von ihm reichte aus und der Typ stand auf. Jared bestellte sich ein neues Bier, sein Drittes, und die Nacht hatte gerade erst angefangen. Aber der Start war schon mal gut gewesen. Gedankenverloren strich er sich über seinen nun schlaffen Speer, bevor er sich wieder setzte. Er nahm einen großen Schluck. Suchend sah er sich um.

Er saß angelehnt an der Theke auf dem Barhocker. Da, die zwei Mädels. Kamen sie auf ihn zu oder wollten sie nur zur Theke? Egal. Wie auf Kommando wurden die Plätze rechts und links neben ihm frei und sie stellten sich neben ihn. Die beiden versuchten, beim Barkeeper etwas zu trinken zu bestellen, aber es war voll und so dauerte es. Jared stellte sein Bier auf die Theke. Er nahm sowohl rechts die Blonde als auch links die Brünette in den Arm. „Mädels, was wollt ihr denn trinken?“

„Champagner!“, riefen beide wie aus einem Mund. Jared hob nur den Arm und sofort war der Barkeeper da.

„Zwei Champagner, für die beiden Hübschen hier.“ Der Barkeeper nickte. Kurz darauf stellte er die zwei Drinks auf die Bar. Jared kramte in seiner Hosentasche, legte einen großen Schein auf die Theke und nickte. Die beiden Frauen sahen Jared fragend mit großen Augen an. Sie konnten nicht ahnen, dass Jared mit dem Barkeeper Cuba so eine Art Abkommen getroffen hatte. Wenn Jared immer schnell bedient werden würde, würde er ein wirklich großzügiges Trinkgeld hinterlassen. Und Cuba hatte jetzt schon fast 100 Dollar bekommen.

Jared hatte die Brünette loslassen müssen, um zu bestellen und zu bezahlen, doch jetzt legte er wieder seinen Arm um ihre Hüften. Seine Hände begannen, beiden Frauen über den Rücken zu fahren. Erst nach oben, dann wieder tiefer, bis zu deren Po. Die beiden Frauen sahen sich mit großen Augen an. Jared beugte sich zur Blondine und küsste sie sanft auf den Hals. Sofort beschleunigte sich ihr Puls. Langsam wanderte sein Mund etwas ihren Hals entlang. Jared löste sich von ihr und wandte sich der Brünetten zu. Auch sie küsste er erst sanft auf den Hals, vorsichtig biss er zu. Sie stöhnte leise auf, während seine Hände immer noch die beiden Hintern massierten. Mittlerweile hatten beide Frauen einen Arm um ihn gelegt. Jared zog die Luft tief durch die Nase. ‚Ja‘, dachte er, ‚das wird eine gute Nacht‘. Sein Speer regte sich. Er sah erst der einen, danach der anderen in die Augen. „Interesse?“, fragte er. Die Frauen lachten. Die Blondine umfasste sein Kinn und ihre Lippen strichen über seine. Und plötzlich küssten sich die beiden Frauen. Jared stöhnte auf, als er sah, wie die beiden Zungen der Frauen miteinander tanzten. ‚Ja! Nicht nur gut, heiß wird die Nacht.‘

Die Brünette sprach in sein Ohr: „Uns beide hat noch kein Mann geschafft.“

Jared lachte laut. Das glaubte er sofort. Aber er war ja auch nicht nur ein einfacher Mann.

*****

Ein Duft zog ihm in die Nase. Frischer, fallender Schnee. Er wusste, keine der beiden Frauen in seinen Armen roch so. Sie hatten viel zu viel Parfüm aufgelegt, ihren Duft konnte man gar nicht wahrnehmen. Er ließ die Frauen los und drehte sich wieder in den Raum. Wo kam nur dieser Geruch her? Es war viel zu früh für Schnee und außerdem waren sie immer noch in einem geschlossenen Raum.

Während er die beiden Frauen im Arm hielt und diese schon mit ihren Händen über seinen Körper strichen, scannte er den Raum ab.

Auf der anderen Seite der Tanzfläche stand eine Frau. Sie hatte sehr dunkle, fast schwarze Augen und kurze, strubbelige braune Haare. Und sie sah ihn an, sah Jared direkt in die Augen. Sie sah die beiden Frauen in seinen Armen an, dann ging ihr Blick wieder zu seinen Augen zurück. Sie schüttelte leicht den Kopf. Langsam kam sie auf ihn zu.

Als sie vor ihm stand, umfasste ihre Hand seinen Kopf und zog ihn zu sich herunter, dann küsste sie ihn. Ihre Zunge bohrte sich zwischen seine Lippen und Jareds einziger Gedanke war: ‚Mein Glückstag!‘

Sie war es, die nach Schnee roch. Allerdings, Jared schnüffelte, es war nicht ihr Geruch. Er haftete nur an ihr. Sie selber roch wie Holz. Sie beendete den Kuss und warf den Kopf in den Nacken. Dann sah sie die beiden Frauen in seinen Armen an und sagte: „Ihr könnt gehen. Ich kümmere mich um diesen einsamen Wolf hier. – Haut ab.“ Ihre Augen funkelten.

Jared sah die Frau vor sich mit leicht zusammengekniffenen Augen an. Erst zwei, dann drei . . . und jetzt nur noch eine Frau? Er hielt die beiden in seinen Armen noch einen Moment fest, küsste erst die eine, dann die andere intensiv auf den Mund. „Ein anderes Mal. Morgen vielleicht.“ Dann klopfte er beiden auf den Hintern und ließ sie los.

Er sah die Frau vor sich an. „Hoffentlich werde ich diese Entscheidung nicht bereuen.“, sagte er, doch sie lachte nur und schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Ich denke, Du bist wie ich. Auf der Suche, auf der Jagd. Und ich kann Dir alles geben, was Du brauchst.“ Wieder lachte sie laut.

Ihr Blick ging über seinen Körper, taxierte ihn, ihre Hände folgten. Es fühlte sich an, als würde sie ein Stück Fleisch auf dem Markt begutachten.

Sie nahm seine Hand und gemeinsam verließen sie die Diskothek.

Jared stellte keine Fragen. Ihm war es völlig egal, wohin sie ihn brachte. Hauptsache, sie würde sich ausgiebig um ihn kümmern. Er bestimmte gerne, wie und was im Bett und beim Sex gemacht wurde. Aber wenn jemand wusste, was er wollte und Jared Anweisungen gab, fand er das auch total heiß. Und die Frau vor ihm schien genau zu wissen, was sie wollte. Also ließ er sich auf sie ein. Trotzdem, ein wenig Austausch von Zärtlichkeiten, ein wenig Vorspiel gehörte auch für ihn dazu. Also umarmte er sie auf der Straße, drückte ihr einen Kuss auf den Hals und seine Hände wollten über ihren Körper fahren. Doch sie entwand sich ihm.

„Du bist eine einsame Wölfin und immer auf der Jagd.“ Dies war keine Frage, sondern eine Feststellung.

„Ja!“ Sie lachte ihn an. „Genau wie Du.“

Jared nickte.

Sie hielt ihm eine Hand hin. „Neyla. Wir sind nur auf der Durchreise.“

„Jared. – Was heißt wir?“, fragte er misstrauisch.

„Komm, Jared. Ich habe noch eine Überraschung für Dich! Denn ich bin nicht allein.“ Wieder lachte sie laut. Neyla nahm seine Hand. „Komm! Da vorn ist schon mein Hotel.“

*****

Neyla

Jared sah richtig gut aus; wild, mit den langen Haaren. Sein intensiver Moschusduft törnte sie echt an. Er roch nach weißem Moschus, fein-holzig, leicht süß und irgendwie sauber. Das ließ ihn noch sympathischer wirken. Und er war kein Kostverächter, das hatte sie ja gesehen.

Sie hatte ihn fast sofort wahrgenommen, als sie an diesem Abend auf der Suche nach dem Richtigen war. Gestaltwandler verströmten ihren eigenen, bestimmten Geruch. Dadurch erkannten sie sich alle auf der Welt. Und dann hatte sie ihn gesehen und sah, wie er mit dieser Menschenfrau die Diskothek verlassen hatte. Sie war ihnen gefolgt, denn sie wollte ihn nicht verlieren. Aber Jared hatte die Frau nur um die Ecke gebracht, ihr die Hosen hinunter gezogen und sie von hinten im Stehen genommen. Als er fertig war, hatte er der Frau noch „Danke“ ins Ohr geflüstert und sie dann einfach stehen gelassen. Er war zurück in die Diskothek gegangen. Als sie, Neyla, ihm kurz darauf folgte, hatte er die beiden Frauen ihm Arm. Wenn er mit denen mitging, würde sie ihn heute sicherlich nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Also musste sie einschreiten.

Sie hatte sich entschieden. Er sah gut aus. Fast perfekt: ein durchtrainierter Körper, weiße Zähne und er war ein Wolf. Sie würde ihm Mahina anbieten. Die Kleine war jetzt 16 – fast 17 – und sie, Neyla, hatte Mahina an der ganz schön kurzen Leine gehalten. Sie lachte über ihr eigenes Wortspiel. Nun durfte Jared sie „einfahren“. Nur der letzte Abschluss, sein Samen, der war ihr bestimmt. Alles andere konnte Mahina tun, dann musste sie sich nicht damit beschäftigten.

3.

Jared

Schon als sie im Hotel aus dem Aufzug stiegen und den Gang entlanggingen, fiel Jared der Geruch auf. Doch als Neyla die Tür öffnete, verschlug es ihm fast die Sprache. Wäre er mit geschlossenen Augen eingetreten, hätte er angenommen, er würde mitten im Schneefall stehen.

Das Zimmer war dunkel. Natürlich. Sie benötigten ja auch nur ganz wenig Licht, um sehen zu können. Der Raum war recht groß und in der Mitte stand ein großes Bett. Vor dem Bett stand eine Truhe oder vielleicht auch eine Bank. Rechts neben dem Bett saß eine Frau auf ihren Beinen, die Hände auf ihren Oberschenkeln abgelegt.

Mit verbundenen Augen.

Nackt.

Sie hatte lange, leicht gewellte und nachtschwarze Haare, die ihr bis zum Po fielen. Jared starrte auf ihren Rücken, dann stöhnte er leise auf und atmete tief ein.

Neyla schloss die Tür und drehte sich zu Jared um. „Das ist meine Überraschung für Dich.“, sagte sie zu ihm, „Warte hier, bleib hier stehen.“ Dann ging sie zu der Frau, die auf dem Boden kniete. Neyla stellte sich neben sie. Während sie Jared ansah, beteuerte sie: „Mahina, ich bin zurück. Ich habe ihn gefunden. Er ist perfekt.“

Jared war sich nicht sicher, begann die Frau zu zittern? Mahina, ihr Name war Mahina.

„Zieh Dich aus.“, sagte Neyla zu ihm.

Jareds Herz klopfte. Es würde doch eine heiße Nacht werden. Aus einer Frau waren jetzt wieder zwei geworden. Gut. Er zog sich aus, sein Speer war hart und stand aufrecht. Neyla ging um ihn herum, strich über seinen Rücken und seine Schulterblätter, seine Tätowierungen, dann über seinen Hintern. Sie kam nach vorn. Ihre Hände fuhren von seinen Schultern über seine Arme und zurück, dann über seine Brust und den Bauch. Sie nahm seine Erregung in die Hand. Er war glatt rasiert. Jared sah ihr fest in die Augen. Wieder kam Jared sich vor, als würde sie ein Stück Fleisch begutachten, und – ehrlich gesagt – genau das würde er auch tun. Aber sein Körper war stahlhart, nicht nur sein Speer. Er hatte ausgeprägte Muskeln am ganzen Körper. Sein ganzer Stolz war sein Sixpack am Bauch, das die meisten Frauen begeisterte. Und er war stark. Sehr stark.

Sie begann, ihn zu massieren. Jared griff ihr an den Kopf, wollte sie zu sich ziehen, wollte sie küssen, doch sie blockte ab. „Zieh Dich auch aus.“, verlangte er leise.

Neyla lachte auf: „Später.“

Neyla

Während sie begann, seinen Speer zu massieren, griff ihr Jared an den Kopf. Wollte er sie etwa küssen? Innerlich schüttelte Neyla sich. Sie blockte ab.

„Zieh Dich auch aus.“, raunte er ihr leise zu.

„Später.“ Sie lachte laut und ließ seinen Speer los, nahm seine Hand und stellte Jared hinter Mahina. „Steh auf!“, befahl sie.

Mahina stand auf.

Neyla sah Jared in die Augen. „Nimm sie.“ Sie ließ Jared los, ging langsam um das Bett herum auf die andere Seite und begann, sich auszuziehen.

*****

Jared

Mahina, sie hieß Mahina.

Jared schloss die Augen, sog ihren Duft tief durch die Nase ein. Sie roch wirklich wie frisch gefallener Schnee und Schneeglöckchen. Er konnte ihren Herzschlag hören. Ihr Herz raste. Ihre Atmung ging viel zu schnell und zu flach. Und, er war sich nicht sicher, konnte er da Unsicherheit riechen?

Er öffnete die Augen. Sie war klein. Ihr Kopf ging ihm maximal bis zur Brust und sie war sehr schlank. ‚Zart‘, dachte Jared. Seine linke Hand legte er auf ihre rechte Schulter. Er strich ihre Haare auf die linke Seite und über ihre Schulter. Jareds Hand umfasste ihre linke Schulter und sie zuckte zusammen. Irgendwo ganz hinten in seinem Kopf bimmelte ein kleines Glöckchen, welches er aber noch nicht wirklich wahrnahm. Seine rechte Hand hob sich und seine Fingerspitzen strichen langsam und vorsichtig über ihren Rücken bis hinunter zu ihrem Po. Ihre Haut war samtweich an seinen Fingerspitzen. Sie versteifte sich, rückte von ihm weg. Der Duft von Angst stieg in seine Nase.

Angst. Keine Erregung.

Fragend sah Jared von Mahina zu Neyla.

„Mahina.“, knurrte diese nur. Leise und . . . bedrohlich?

Neyla kam übers Bett gekrabbelt. Sie trug nur noch BH und Slip. „Wir helfen Dir.“, sagte Neyla. Wen sie damit ansprach, wusste Jared nicht zu sagen, doch er nickte. Neyla nahm ihn an die Hand und führte ihn zu der Bank vor dem Bett.

„Setz Dich.“

Dann brachte sie Mahina und Jared sah sie das erste Mal von vorne. Sie hatte mittelgroße, feste Brüste und extrem große Brustwarzen. An denen er gerne gesaugt hätte. Jared setzte sich auf. Erst jetzt fiel es ihm auf: Mahina war rasiert. Komplett kahl, kein Haar auf ihrem Körper. Er stöhnte leise. Das gefiel ihm.

Jared öffnete seine Beine und Neyla stellte Mahina direkt vor ihn und zwischen seine Beine. Jareds Kopf war fast genau auf Höhe ihrer Brüste und er konnte sich nicht beherrschen. Seine Zunge strich über eine ihrer Brustwarzen. War sie wieder zusammengezuckt? Was wurde hier gespielt? Aber da sagte Neyla zu ihm: „Lehn Dich zurück Jared, genieße es. Es ist ihr erstes Mal. Ich hoffe, Du verzeihst kleine Unannehmlichkeiten. – Mahina, knie Dich hin. Wenn ich es Dir sage, dann legst Du Deine Hände auf seine Oberschenkel. Du musst nur den Mund öffnen, alles andere wird sich von allein ergeben. Haben wir uns verstanden?“

Mahina schluckte schwer, das konnte Jared nicht nur sehen, sondern auch hören. Doch sie nickte.

In Jareds Kopf bimmelte das Glöckchen nicht nur leise, es wurde immer lauter.

Neyla war auf dem Bett und umfasste von hinten seine Schultern, zog ihn zurück. Nun lag er mit dem Rücken am Bett angelehnt. Das Bett war ein Himmelbett und hatte vier Pfosten. Neyla nahm seinen linken Arm, band ein Tuch um sein Handgelenk und während sie seinen Arm an dem Pfosten festmachte, sagte sie: „Jetzt, Mahina. Jetzt!“

Jared stöhnte. Irgendwie war es ja heiß, was Neyla hier abzog. Aber irgendwie . . . es fühlte sich falsch an. Er konnte es nicht beschreiben. Was war das Problem? Er hob den Kopf und sah, dass Mahina die Arme gehoben hatte und ihre Hände seine Beine suchten. Aber ihre Hände zitterten. Ihr Mund zitterte. Es sah aus, als würde sie gleich weinen. Neyla hatte ihm gerade ein Tuch um das rechte Handgelenk gebunden. Allerdings war das nichts, was ihn aufhalten konnte. Er nahm einfach den rechten Arm herunter und Neyla musste loslassen.

Jared ergriff Mahinas Hand und nun konnte er auch spüren, wie sehr sie zitterte. Er legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel. „Ich bin hier.“, er sprach leise. Mahina zuckte abermals, als ihre Hand seine Haut berührte. Sie nickte. Jared ließ seine Hand auf ihrer Hand liegen und er hörte, wie Neyla tief ein und aus atmete. „Weiter!“, stieß Neyla zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.

*****

Jared

Sie atmete viel zu schnell, ihr Herz raste. Sicher fühlte es sich für sie so an, als würde es gleich explodieren. Er roch wirklich Angst. Ihr Mund verzog sich. War das Ekel?

„Warte!“, Jareds Stimme war leise. In seinem Kopf ratterte es. ‚Es ist ihr erstes Mal.‘ hatte Neyla gesagt. Bedeutete es das, was er glaubte, was es bedeuten sollte?

„Neyla, binde mich los.“, sagte er fest.

„Jared . . .“

„Keine Diskussion. Mach mich los.“ Er holte tief Luft. „Du kannst mich später fesseln, wenn Du es magst.“

„Jared . . .“, versuchte sie es nochmal, aber sie löste schon den Knoten.

„Gleich, Neyla.“

Sein Speer war hart und stand wirklich ganz knapp vor ihrem Mund. Er konnte ihren heißen Atem spüren und es machte ihn total an. Gerne würde er sich ausgiebig mit Mahina beschäftigen. Aber ohne Neyla. Doch Neyla würde nicht einfach das Feld räumen, dessen war er sich sicher.

Jared umfasste sanft Mahinas Kinn und hob leicht ihren Kopf an. Mit der anderen Hand schob er ihr zart die Augenbinde von den Augen. Mahina blinzelte ein paar Mal, dann sah sie ihm in die Augen. Verschämt senkte sie den Blick, doch nun sah sie wohl auf seinen Speer, denn sofort hatte sie den Blick wieder gehoben. Jared wusste es nicht, aber er . . . versank.

Ihre Augen waren . . . weiß? Also, nein, sie war nicht blind. Ihre Iris war . . . weiß. Oder vielleicht auch extrem hell. Möglicherweise hellgrau, das konnte er hier in diesem Licht nicht sagen. Und sie war jung.

Verdammt jung.

„Mahina? Wie alt bist Du?“

„Das ist doch wohl egal!“, rief Neyla aus, die sich schon fast aggressiv anhörte.

Jared drehte den Kopf. „Wenn Du nicht willst, dass ich gehe, dann setz Dich aufs Bett und warte darauf, dass ich zu Dir komme!“ Jared war sehr bestimmt.

Er sah wieder Mahina an. Ihre Augen . . . Jared räusperte sich. „Also, Mahina, wie alt bist Du?“, fragte er sanft.

Ihre Antwort war kaum mehr als ein Flüstern. „Sechzehn.“

„Sechzehn? Ist das Dein Ernst?“

„Ja.“, beteuerte Mahina leise.

„Und Du bist noch Jungfrau!“

Verwirrt sah Mahina ihn an. „Was ist das?“

Jared nickte. „Also ja!“ Er drehte sich leicht und sah über seine Schulter zu Neyla, die schmollend und böse blickend auf dem Bett saß. Er drückte Mahina einen Kuss auf die Stirn. „Geh in Dein Zimmer.“

„Ich habe kein Zimmer.“, flüsterte Mahina.

Neyla rief vom Bett: „Du bleibst hier, Mahina. Dann wirst Du zuschauen und lernen!“

Jared sah Neyla fragend an, aber Neyla war schon aufgestanden, ergriff seine Hand und zog ihn zum Bett.

„Das geht Dich nichts an, Jared! Ich dachte, ich würde Dir ein Geschenk machen und dass Du es mit Kusshand nehmen würdest. Aber da habe ich mich wohl getäuscht.“ Dann blickte sie Mahina an „Das wirst Du büßen, das ist Dir klar!“

„Neyla!“, Jared war laut geworden. „Lass das Kind in Ruhe! Was soll das hier werden? Bist Du etwa eine Puffmutter und sie soll Dein nächstes Mädchen auf der Straße werden?“

Jared war böse geworden und man sah ihm das auch ganz deutlich an.

Neyla kniete auf dem Bett. Ihr Mund war ganz nah an seinem, ihre Stimme war weinerlich. „Nein, nein, bin ich nicht. Du hast Recht. Es tut mir leid. Ich wollte ihr etwas Gutes tun und mir auch. Die Welt da draußen ist so schlecht und wenn sie an den Falschen gerät . . . Wir wissen beide, dass das ein schlimmes Erlebnis werden könnte. Ich dachte, wenn ich ihr jemanden besorge, der gut ist, liebevoll und so . . .“ Neyla brach ab.

Jared hatte eigentlich gar keine Lust mehr und sein Speer begann schon, kleiner zu werden, doch Neyla küsste ihn auf die Brust, ihre Hände strichen über seinen Körper. „Es tut mir leid.“, flüsterte sie. „Du hast Recht.“

„Lass das Kind auf ihr Zimmer gehen.“, verlangte Jared.

„Sie hat kein eigenes Zimmer. Wir schlafen beide hier.“ Neyla holte tief Luft. „Mahina, leg Dich auf Deinen Platz und deck Dich zu. Dann wandel Dich.“ Ihre Stimme war leise.

Neylas Mund und ihre Hände wanderten über seinen Körper.

*****

Neyla

Neyla war sauer. Stinksauer. Auf Mahina. Aber auch auf Jared. Nun musste sie doch die ganze Arbeit machen. Dabei wollte sie nur sein Sperma.

Das würde Mahina ihr noch büßen. Egal, was Jared jetzt sagte. Sie hatte gedacht, sie hätte dem Kind klare Anweisungen gegeben. Sie hatte Mahina gesagt, dass sie jemanden für sie suchen würde, der sie einweisen würde. Und auch, dass sie keine Scherereien von ihr erwarten würde, sondern dass sich Mahina zu fügen hatte.

Nun kniete sie vor Jared und musste selber die ganze Arbeit machen, bevor er ihr sein Sperma geben würde.

Am liebsten hätte sie vor Wut laut geschrien.

Jared

Neyla hatte seinen Speer im Mund und es war gar nicht mal schlecht. Langsam stieß er in ihren Mund. Doch seine Augen ruhten auf dem Platz, an dem sich Mahina zurückgezogen hatte.

Eine kleine weiße Schnauze lugte unter der Decke hervor und ein Auge. Ein graues Auge sah ihn an.

Und er?

Jared konnte nur . . .

Auf sie sehen.

An ihre Augen denken: Grau. Hellgrau.

An ihren Geruch: Frischer, gefallener Schnee und Schneeglöckchen.

An ihre großen Brustwarzen. Wie er mit der Zunge über eine gefahren war, wie gern er daran saugen würde.

An ihren rasierten Venushügel. Jareds Zunge strich über seine Lippen und er schluckte. Ob sie so gut schmecken würden, wie sie roch?

Er würde sich viel lieber mit Mahina beschäftigen. Er stöhnte laut auf und sein Speer begann zu zucken.

„Kommst Du?“, fragte Neyla ihn.

„Ja!“, stöhnte er laut. „Gleich! Mach weiter!“

Mahina

Sie lag auf ihrem Platz unter dem Fenster und hatte sich die Decke über den ganzen Körper gezogen, bevor sie sich gewandelt hatte.

Neyla würde sie bestrafen, da war sie sich sicher, wenn sie sich auch noch nicht vorstellen wollte, wie.

Sie war ungehorsam gewesen und Neyla konnte sehr böse werden, wenn sie ungezogen war.

Der Mann war wirklich nett gewesen. Und nachdem sie ihn nun gesehen hatte, und wusste, dass er nett war, fand sie seine Berührungen gar nicht mehr so schlimm. Aber sie hatte solche Angst gehabt. Mahina hatte Neyla schon oft zusehen müssen – um zu lernen, hatte diese gesagt. Aber das, was sie sah und hörte, das konnte doch nichts Gutes bedeuten, oder?

Langsam und vorsichtig schob sie ihre Nase unter der Decke hervor. Den Geruch kannte sie, wenn er auch mit jedem Mann anders war. Mahina schob ihren Kopf noch ein klein wenig weiter vor. Nun konnte sie sehen, was da auf dem Bett passierte. Sie wollte nicht wirklich zusehen. Sie wollte nur ihn noch einmal sehen.

Und er sah sie an.

Sie ‚Mahina‘.

Sie wusste es nicht, aber sie verlor sich in seinen braungrünen Augen. Mahina schluckte und zog den Kopf wieder unter die Decke.

Er stöhnte laut auf und sie hörte Neyla fragen: „Kommst Du?“

„Ja!“, rief er laut. „Gleich! Mach weiter!“

Wieso kommen? Er war doch schon da.

*****

Jared

Neyla ritt ihn, die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag. Es gab nichts anderes. Zuallererst hatte Neyla ihm noch einen geblasen. Doch als er kurz davor war zu kommen, wollte sie ihn reiten. Während des ersten Ritts in der Nacht hatte er sie noch anfassen dürfen, hatte ihre wirklich kleinen Brüste geknetet. Aber mehr auch nicht. Dann hatte sie ihn doch tatsächlich nochmal mit Tüchern gefesselt.

„Du wirst Dich nicht losreißen, haben wir uns verstanden?“, hatte sie zu ihm gesagt, doch Jared hatte nur gelacht.

Er konnte immer, er konnte lange. Er konnte wirklich tagelang. Wenn er gekommen war, und es wirklich heiß war, dauerte es nie lange, bis sein Speer wieder wie eine Eins stand und es auf zur nächsten Runde ging. Er war ein guter Liebhaber und stolz darauf. In all den Jahren hatte er seine Fertigkeiten perfektioniert, da war sich Jared sicher. Bis jetzt hatten sie immer alle mehr gewollt und nie hatte sich jemand beschwert. Sex war toll und sollte Spaß machen. Allen Beteiligten. Er hatte auch nichts gegen Fesselspiele. Aber das hier? Bei allen seinen Abenteuern gab es immer, auch wenn es manchmal nur kurze waren, Erholungspausen. Dann wurde gekuschelt, geduscht, gegessen und getrunken, oft gelacht, manchmal auch geweint. Aber sowas wie das hier . . . nein, das war ihm auch noch nicht passiert. Es war langweilig geworden und er hatte keine Lust mehr. Zu Anfang, ja, da war das Spiel mit Neyla heiß gewesen, aber jetzt . . . Er schüttelte den Kopf.

Sie ritt wie eine Besessene auf ihm. Sein Speer tat ihm zum ersten Mal in seinem Leben weh und er kam auch nicht mehr.

„Hör auf.“, meckerte er. „Mach mich los!“

„Was? Wieso?“

„Soll ich ehrlich sein?“, fragte er. Jared lag ganz still, bewegte sich auch nicht mehr mit und stöhnte schon lange nicht mehr.

„Ehrlich? Natürlich!“

„Es ist langweilig. Machst Du mich los oder brauchst Du die Tücher nicht mehr?“

Neyla blieb auf ihm sitzen. „Ist das Dein Ernst? Es ist langweilig? MIT MIR?“

„Ja. Mach mich los, sofort“, verlangte Jared.

„Ich hatte Dir gesagt, dass Du Dich nicht losreißen wirst.“, maulte sie.

Jared hob den Kopf, sah sie an, lachte laut auf. Dann zog er an den Tüchern, die sofort rissen, und setzte sich auf.

„Geh runter, Neyla, es ist vorbei. Ich hab meine ganze Munition verschossen. Ich will nicht mehr.“ Jared stand einfach auf und sie fiel fast von ihm herunter. „Ich geh duschen, dann fahre ich.“

Es war erst Samstag, drei Uhr am Nachmittag.

Neyla

Sie war geschockt.

Es war langweilig? Mit ihr? MIT IHR?

Das war eindeutig Mahina‘s Schuld.

Jared

Als er aus dem Bad trat, sah er Neyla neben dem Platz von Mahina stehen. Diese war immer noch unter der Decke und hatte sich nicht gerührt. Weder in der Nacht, noch den ganzen Tag über.

„Jared, es . . . es tut mir leid . . . wenn es langweilig war.“ Neyla kam auf ihn zu. „Warum Jared, warum?“

Jared seufzte. „Es ist langweilig, wenn man nichts machen darf, nichts machen kann. Verstehst Du das nicht? Kein Küssen, kein Anfassen, kein Kuscheln. Ich bin keine Kuh, die nur gemolken werden muss.“

Er sah zu der Decke, unter der Mahina immer noch lag. „Mahina, lebst Du überhaupt noch?“, fragte er. Da bewegte sich die Decke leicht und eine schwarze Nase tauchte auf.

Jared atmete tief ein und stieß die Luft durch die Nase aus. Wahrscheinlich würde er es bereuen, aber wegen Mahina fragte er „Wann geht es für Euch weiter? Wollt ihr mit in mein Dorf kommen? Ein paar Tage bleiben?“

4.

Jared

Sie fuhren Richtung Norden.

Neyla saß vorne, neben ihm. Wenn er sie ansah, hatte er ein komisches Gefühl im Bauch. Er konnte es nicht erklären.

Doch die meiste Zeit sah er in den Rückspiegel.

Und sah . . . Mahina.

Ihre Augen waren jetzt, im Tageslicht, nicht weiß, sondern leuchteten hellgrau. Ihre Haare waren schwarz. Schwarz wie die Nacht, mit einem blauen Schimmer. Ihre Haut hätte eigentlich hell sein müssen, fand Jared, aber sie war gebräunt. Irgendwie erinnerte sie Jared an einen Vollmond in einer sonst schwarzen Nacht.

Immer, wenn er nach hinten blickte, wendete Mahina verlegen ihren Kopf zur Seite. Doch wenn Jared wieder nach vorne sah, konnte er ihren Blick auf sich spüren. Dann schaute er wieder in den Rückspiegel und kurz in ihre Augen, bis Mahina sie wieder abwandte.

Jared schluckte schwer.

*****

Jared

„Hier wohnst Du?“, rief Neyla freudig erregt aus.

Jared schüttelte den Kopf. „Nein, das ist das Haus unseres Alphaweibchens.“

„Des Weibchens?“, hakte sie nach.

„Ja, unser Alpha und seine Familie wohnen hier. Aber das Haus gehört Emily.“

Sie gingen den Weg bis zum Festplatz. Es war noch nicht dunkel, aber es brannte schon ein großes Feuer. Jared konnte das Barbecue schon riechen. Als sie aus dem Wald traten, kamen die Jungs – David, Kade, Hero, Mattis und Dusk – auf sie zugelaufen.

„Jared!“, riefen sie. Er ging in die Hocke und öffnete die Arme und die Jungs rannten ihn um. „Du bist wieder da. Juhu!“ Einen legte er sich über die Schulter, zwei klammerten sich an seine Arme, die beiden anderen klammerten sich an seine Beine. So stakste Jared Richtung Feuer und die Jungs lachten laut.

Emily kam auf ihn zu. „Du bist schon zurück? Und Du bist nicht allein?“ Sie wuselte allen Jungs durch die Haare. „Jungs, lasst Jared los. Er hat Besuch mitgebracht und keine Zeit, um mit Euch zu spielen.“

David, der an einem seiner Beine hing, zog einen Schmollmund. „Ach Mum!“, beschwerte er sich, doch Jared stellte Kade, Dusk und Hero auf die Beine und die fünf Jungs liefen lachend davon.

„Emily, das sind Neyla und Mahina. Ich hab sie in der Stadt getroffen und eingeladen, ein paar Tage zu bleiben. Ich hoffe, das war in Ordnung.“ Fragend sah er sie an.

Emily setzte gerade zu einer Antwort an, als Jared seine Nichte rufen hörte: „Até?“ Dawns zarte Kinderstimme würde Jared immer erkennen. Sie stand bei Mira. Jared ging wieder in die Knie, öffnete die Arme und Dawn kam angelaufen. Jared nahm sie auf den Arm, wirbelte sie herum, bis sie laut lachte.

„Hallo mein Sonnenschein“, sagte er zu Dawn und küsste sie zart auf die Stirn. „Hast Du mich vermisst?“

„Ja! Und wie! Wann kommt meine Mamá wieder?“

„Bald, mein Sonnenschein, bald.“

„Und mein Phapá? Wann kommt er wieder?“, murmelte Dawn weinerlich.

„Sonnenschein. Mamá und Phapá sind bald wieder da, versprochen. Wie Du weißt, sind sie in Deutschland. Du und Dein Bruder, ihr wolltet nicht mit. Weißt Du noch?“ Er holte Luft und sprach sanft weiter: „Sie lieben Dich. Sie kommen immer zu Dir zurück.“ Jared umfasste Dawns Kopf und legte ihren Kopf auf seine Schulter.

„Kann ich heute bei Dir schlafen?“, bohrte Dawn, während ihre kleinen Arme sich um seinen Hals schlangen.

„DU? Bei mir?“ Jared grinste schon. „Immer, mein Sonnenschein, immer.“

Neyla

Emily?

Das war Emily? Das Alphaweibchen? Neyla schnüffelte. Sie war kein Wolf. Sie war ein Mensch! Wie konnte das sein?

Sie sah sich um. Auf dem großen Platz war ziemlich viel Betrieb und sie sah nicht nur viele Welpen, sondern auch viele Männer. Gutaussehende Männer! Hier sollte sich wohl der Richtige finden lassen. Sie fühlte sich fast wie im Paradies.

Doch wo war der Alpha? Würde er sie nicht begrüßen kommen? Neyla sah, dass sich weiter hinten ein weiterer Mann erhob. Langsam kam er in ihre Richtung, doch dann wurde er von einer Frau mit langen weißen Haaren aufgehalten, die etwas in sein Ohr flüsterte. Er sah die Frau an, dann nickte er und tätschelte ihre Hand. Danach erst kam er auf sie zu.

Puh, ihr wurde ganz heiß. Jared war schon wirklich ein heißer und gutaussehender Kerl, aber der hier war auch nicht schlecht. Wenn sie den kriegen könnte . . . sie schluckte. Ihr Herz schlug einen Takt schneller und ihre Hände wurden feucht.

Dann stand er vor ihr und Jared sagte: „Drake, das sind Neyla und Mahina. Ich habe sie in der Stadt getroffen und eingeladen, ein paar Tage zu bleiben. Das Gästehaus vorne ist doch frei? Ist das in Ordnung?“

Drake sah sie von oben bis unten an. Erst sie, Neyla, dann bog er den Kopf leicht schräg, um hinter ihr Mahina ansehen zu können. „Ich hoffe es, Jared.“

Was, um alles in der Welt, sollte das denn heißen? Doch dann streckte Drake ihr die Hand entgegen. „Ihr seid willkommen, solange es keine Schwierigkeiten gibt.“

Neyla hob den Kopf und lächelte Drake an, legte eine Hand auf seine Brust und sah ihn mit großen Augen an. „Wir werden keine Schwierigkeiten machen. Warum sollten wir?“, hauchte sie und himmelte ihn dabei an.

Drake sah von ihr zu Jared und zurück. Dann trat er einen Schritt nach hinten und Neylas Hand fiel herunter. „Jared, bring die beiden nach vorn ins kleine Haus und dann kommt zum Essen.“ Drake drehte sich um und rief laut „David!“

Von irgendwo her kam eine Kinderstimme. „Ja, Dad! Ich bin hier.“ Und dann kam der Junge angelaufen. War das nicht derselbe, der zu Emily Mum gesagt hatte? Neyla sah von Drake zu Emily und zurück. War das der Alpha?

„David“, sagte Drake gerade, „du bleibst hier bei Kade und Maddox und Mira. Mum und Dad müssen kurz nach Hause, wir müssen was erledigen.“

„Kann ich heute bei Kade schlafen?“, wollte der Kleine wissen.

„Ja, kannst Du.“, antwortete Drake lächelnd.

Mit einem lauten „Juhu! Kade, Kade!“ lief der Junge weg.

Jetzt war Neyla gespannt. Mit wem würde der Mann weggehen? Drake sah Neyla fest in die Augen, dann schnappte er Emily, nahm sie auf seine Arme. „Ihr entschuldigt uns, wir kommen später wieder dazu.“ Drake lächelte Emily an und Emily kicherte. Dann sah er von Jared zu Neyla: „Seitdem sie wieder schwanger ist, will sie ständig Sex mit mir. Diesen Wunsch kann ich ihr natürlich nicht abschlagen.“ Langsam gingen sie durch den Wald davon und Neyla hörte die beiden laut lachen.

Er WAR der Alpha und er hatte eine menschliche Gefährtin. Neyla war fassungslos.

*****

Kaleiope

Kaleiope saß in ihrem Schlafzimmer auf dem Bett und wartete auf Sam. Sam war heute dafür verantwortlich, die Jungs ins Bett zu bringen, und so hatte sie sich ins Schlafzimmer zurückgezogen. Hero war sechs Jahre alt, wie David. Haku war viereinhalb Jahre alt und Hadley, ihr jüngster Spross, gerade drei. Noch teilten sich die drei Jungs ein Zimmer, aber sie war sich sicher, dass das nicht mehr lange gut ging. Außerdem war sie wieder trächtig. Kaleiope hoffte, diesmal würde es ein Mädchen werden. Eine weitere Schwangerschaft schloss sie für sich aus und war sich sicher, dass sie mit vier Kindern ‚fertig‘ waren.

Jungs gab es viele im Dorf. Und wenn sie an Dawn dachte, die gerade das einzige Mädchen in ihrem Alter war, wurde ihr ganz warm ums Herz. Die Zwillinge waren wirklich bildhübsch und Dawn eine richtige Zuckerschnute. Alle im Dorf liebten sie.

Sam kam herein, stöhnte und lachte gleichzeitig. „Mann, die Jungs sind ganz schön anstrengend.“ Er krabbelte übers Bett und setzte sich hinter seine Frau. „Aber ich liebe sie fast mehr als Dich!“, lachte er laut. Er strich ihr die Haare aus dem Nacken und küsste sie.

„Wir müssen reden, mein Liebster.“, sagte sie leise, während seine Hände von hinten über ihren Bauch zu ihren Brüsten wanderten.

„Können wir das nicht später machen?“ Sams Stimme war schon heiser und sie konnte seine Erregung an ihrem Rücken spüren.

„Hm, ich weiß nicht.“ Kaleiope schmunzelte. „Ich dachte eigentlich, dass Du es gerne wissen wolltest, dass ich wieder trächtig bin.“

Sam erstarrte, sprang auf und stand vor ihr. „Ehrlich?“

„Ja!“ Sie lächelte ihn an.

„Du bist Dir ganz sicher?“

„Ja!“ Sie nickte.

Sam zog sie an den Armen hoch, umarmte sie, wirbelte sie herum. „Prima! Super! Hervorragend!“ Dann küsste er Kaleiope. „Ich liebe Dich! Ich liebe Dich so sehr!“

Zart und voller Leidenschaft liebten sie sich. Sam war extrem zärtlich in dieser Nacht.

Irgendwann fragte er: „Wann wird der Welpe kommen, Kally?“

Sie kuschelte sich an ihn. „Ich denke, Ende Mai.“

5.

Jared

Neyla und Mahina waren nun gut vier Wochen im Dorf. Während Neyla versuchte, alle männlichen Wölfe zu umgarnen und sich auch mit vielen ungebundenen ins Gebüsch verzog, saß Mahina fast immer allein irgendwo.

Heute Abend würde es ein großes Fest geben, denn Tristan und Niki kamen aus Deutschland zurück.

Mahina war unglaublich scheu. Sobald jemand sie ansprach, wurde sie rot. Wo, um Himmels Willen, war sie nur die letzten Jahre gewesen? War sie in irgendeiner Höhle groß geworden?

Oft saß Jared weit entfernt von ihr und beobachtete sie. Immer, wenn er dies tat, schlug sein Herz einen Takt schneller. Meistens wurde auch seine Atmung unruhig und manchmal begann sein Speer sich zu regen. Und wenn sich ihre Blicke doch trafen, starrten ihre Augen sich an. Was war denn nur los mit ihm?

An diesem Nachmittag setzte sich Jared zu ihr.

„Hey.“, sagte er leise.

„Hey.“, kam es noch leiser zurück. Mahina blickte auf den Boden.

„Wie geht es Dir hier?“, fragte Jared.

„Gut. Danke.“

Höflich war sie ja, stellte er wieder einmal fest. „Fehlt Dir irgendwas? Brauchst Du etwas?“

„Nein.“, Mahina schüttelte den Kopf, „nein, danke.“

„Mahina, erzähl doch mal was von Dir.“, bat er liebevoll.

Sie schluckte, das konnte Jared hören. „Was . . .“, Mahina räusperte sich, “was soll ich denn erzählen?”.

„Hm.“ machte Jared. „Fällt es Dir leichter, wenn ich Dich frage und Du nur antworten musst?“

Mahina nickte und Jared lachte leise.

„Okay.“ Er überlegte. „Dein Name, Mahina, bedeutet er etwas?“

Mahina hob den Kopf und sah ihn mit großen Augen an. „Ja! Neyla sagt, er ist hawaiianisch und es bedeutet ‚Mondgöttin‘. Ist das nicht toll? Neyla bedeutet ‚Mädchen aus dem Paradies‘.“

„Mondgöttin. Hm. Wie passend. - Neyla. Ist sie Deine Mutter?“

„Nein. Sie ist nicht meine Mutter. Sie sagt, dass sie mich gefunden hat und mich aufgenommen und großgezogen hat und ich ihr deshalb zu Dank verpflichtet bin.“

„Aha. Okay. Ich habe gehofft, dass sie nicht Deine leibliche Mutter ist.“, sagte Jared gerade, als Mahina nachfragte: „Warum?“

Jared legte seine Hand auf ihre, doch Mahina zuckte zusammen und zog die Hand sofort vom Tisch. „Stell ich hier nicht die Fragen?“, sagte er leise.

Wieder ging ihr Blick auf den Boden: „Entschuldigung.“ Ihre Stimme war nicht mehr als ein Hauch.

Jared schüttelte den Kopf. „Dafür musst Du Dich nicht entschuldigen, Mahina. Okay. Und wo genau kommt ihr her? Hawaii?“

In ihrer Stimme schwang Freude mit und Jared lächelte. „Wir leben auf einer Inselgruppe im Indischen Ozean.“

„Indischer Ozean? Erzähl mir mehr.“, bat Jared sie.

„Meine Insel ist wunderschön. Sie ist so fünfhundert mal fünfhundert Meter groß und toll. In der Mitte stehen viele Palmen. Der Strand ist weich und fast weiß. Das Meer ist türkisblau.“ Mahina hatte den Kopf gehoben und sah Jared an. Ihre Augen leuchteten.

„Weiter.“ sagte er leise. Sie war wie ein scheues Reh. Würde er zu laut sprechen, würde er sie sicherlich verscheuchen.

„Auf meiner Insel bin nur ich. Ich allein. Ich laufe fast den ganzen Tag als Wolf umher beziehungsweise schlafe ich dann meistens, denn es ist immer sehr heiß. Nachts gehe ich dann im Meer baden und schaue den Fischen zu.“ Sie überlegte. „Neyla wohnt auf einer anderen Insel. Wenn ich frisches Wasser brauche, kommt sie mich besuchen. Ich glaub, ich war noch nie bei ihr, auf ihrer Insel.“, überlegte Mahina. „Sie kommt immer mit einem kleinen Boot.

Manchmal nimmt sie mich auch mit auf die GROSSE Insel, wenn es Feiern gibt. Dorthin, wo unser Rudel lebt. Aber das ist selten. Das ist immer sehr aufregend für mich, weil ich dann auch mal etwas anderes zu essen bekomme, als immer den Fisch, den ich mir fangen muss, oder die Früchte von den Bäumen. Es gibt viele nette Leute dort, glaube ich. Aber ich darf mit keinem sprechen. Neyla hat mir erklärt, dass ich anders bin als sie und deshalb mögen sie mich nicht. Wenn ich spreche, dann würden sie mich verjagen. Und ich darf mich dann auch nicht wandeln. Deshalb bleibe ich immer auf meiner Insel.“ Mahina nickte zustimmend.

Jared holte tief Luft. „Welche Inselgruppe? Malediven? Lebt Dein Rudel auf den Malediven?“ Jared schüttelte den Kopf. Konnte das sein? Gut, es gab sicherlich auch größere Inseln dort, aber man konnte dort doch gar nicht richtig rennen und laufen. Er zuckte die Schultern. Wenn man es nicht anders kannte, war es wahrscheinlich nicht wild. Okay, das würde er Neyla noch fragen.

„Du bist dort allein?“ Jared war fassungslos. „Was heißt ‚allein‘, Mahina?“, fragte er leise.

„Nun, allein eben. Nur ich. Die Insel gehört mir ganz allein!“

Hörte er da Stolz in ihrer Stimme? „Warum bist Du anders, Mahina?“, hakte Jared liebevoll nach.

Mahina zuckte die Schultern, dann schüttelte sie den Kopf. „Weil ich anders aussehe. Mein Fell ist einfarbig und nicht gestromt, wie das der anderen. Ich glaube, das ist der Grund.“

Jared schüttelte den Kopf. Er selber war auch nur einfarbig. Aber deshalb wurde hier keiner ausgestoßen. Er zuckte die Schultern. Andere Länder, andere Sitten? Wenn er genau darüber nachdachte, hatte er noch nie Mahinas Wolfsgestalt gesehen.

„Wandelst Du Dich nicht?“

„Oh doch! Auf meiner Insel lebe ich fast ausschließlich als Wolf. Neyla will es so. Aber hier will Neyla es nicht. Nur nachts schlafe ich meistens als Wolf unter der Veranda unter einer Decke.“

„Seid ihr schon lange unterwegs? Wo seid ihr denn schon gewesen?“, fragte Jared nach.

Mahina stöhnte auf: „Puh – oh ja!“ Sofort machte sich Jareds Speer bemerkbar. Was sollte das? Er rutschte auf der Bank herum. „Oh, ja, sehr lange! Wir sind von der Insel erst in so ein fliegendes Ding eingestiegen. Es war schrecklich laut und ich hatte große Angst. Manchmal sehe ich diese großen Vögel über meine Insel fliegen. Aber nun ging der Bauch auf und ich musste da rein.“ Mahina schüttelte sich. „Dann waren wir an einem Platz mit schrecklich vielen Menschen. So viele zusammen hatte ich NOCH NIE gesehen. Es war ganz schön aufregend.“ Ihre Stimme zitterte immer noch ein wenig. „Dann sind wir in einen RIESIGEN Vogel gestiegen. Flugzeug hat Neyla es, glaub ich, genannt. Damit waren wir lange unterwegs und ich musste die ganze Zeit stillsitzen, konnte mich nicht wandeln. Das war nicht schön.“ Mahina schüttelte den Kopf. „Wir sind vielleicht drei oder vier Mal in so ein großes Flugzeug gestiegen.“

„Drei oder vier Mal?“

Wieder stöhnte Mahina und seufzte laut. „Ja! Schrecklich oder? Immer, wenn wir ‚Landung‘ hatten, blieben Neyla und ich einige Nächte in einem Zimmer. Dann ging es weiter. Aber ich war immer in dem Zimmer. Es gab so viel zu sehen, dass mir davon schwindelig wurde.“

„Warum seid ihr unterwegs?“, fragte Jared leise nach.

„Hm.“ Mahina überlegte. „Das weiß ich nicht genau. Also, Neyla hat gesagt, ich bin jetzt schon fast erwachsen und sie muss den Richtigen finden. Ich weiß aber nicht, wer der Richtige ist.“ Mahina wurde rot und begann zu stottern. „Anfangs dachte ich, dass sie jemanden für sich finden will.“ Sie schluckte, sah wieder auf den Boden. „Aber dann dachte ich, dass sie jemanden für mich finden will.“ Sie holte tief Luft, ihre Stimme wurde noch leiser. „Dich.“ Ihr kleines Herz pochte laut in ihrer Brust. Jared sah, dass sie ihre Hände fest zusammen presste. Vorsichtig nahm er eine ihrer Hände in seine und hielt sie fest. Diesmal entzog sie ihm nicht die Hand.

„Mahina.“ Seine Stimme war nicht mehr als ein Hauch. „Ist das schon öfter passiert? Hat Dir jemand wehgetan?“ Jared hielt die Luft an. Auch sein Herz schlug schneller. Ihre Hände hatten sich miteinander verschränkt und sie drückte fest zu. Er legte die andere Hand noch zusätzlich auf ihre. Unbewusst begann er, ihren Handrücken zu streicheln. Wenn dem Kind jemand etwas angetan hatte . . .

Sie wurde dunkelrot. „Du . . . Du meinst . . . wie in dem Zimmer . . . mit Dir?“

„Ja.“

Mahina stieß die Luft aus. „Nein! Nein, das war das erste Mal. Bis jetzt musste ich immer nur zusehen und zuhören“. Sie schluchzte und Tränen liefen über ihre Wangen.

Jared hatte die Luft angehalten, die er nun leise ausstieß. Er fragte: „Warum weinst Du jetzt?“

„Was passiert, wenn sie jemand anderen findet? Jemand, der nicht so ist wie Du. Du wolltest mich auch nicht. Keiner mag mich.“

Jared starrte in die Luft. In Gedanken sah er sich mit ihr im Hotel: wie er ihr die langen Haare zur Seite gestrichen hatte und seine Fingerspitzen über ihren Rücken strichen. Er sah ihre Brüste und ihre Brustwarzen und erinnerte sich, wie er einmal kurz mit der Zunge darüber geleckt hatte. Ihr Mund, ihr Atem, ganz nah an . . . an ihm. Sein Speer begann sich zu regen. Seine Atmung beschleunigte sich. Jared atmete tief ein und aus.

„Mahina. Sieh mich an.“, verlangte er leise und sanft. Schüchtern sah sie ihn mit großen Augen an. Er hob die freie Hand und strich ihr zart über das Gesicht. „Du bist wunderschön.“ Seine Hand drückte ihre. „Aber Du bist noch zu jung für . . . das. Du solltest noch mindestens zwei Jahre warten, bis Du achtzehn bist. Ich werde das mit Neyla besprechen.“ Jared sah auf ihre Lippen, die sich leicht geöffnet hatten. „Mahina“, flüsterte er, „falls es Dich beruhigt. Ich wollte Dich.“ Er atmete tief ein. „Aber Dich allein.“

Jared schluckte. Ihre Zunge war kurz über ihre Oberlippe gefahren. Tat sie das absichtlich? Nein, innerlich schüttelte er den Kopf, nein, sicher tat sie das nicht absichtlich.

„Ich würde Dich gerne küssen.“, murmelte er. Sein Kopf kam langsam näher. Doch kurz bevor sich ihre Lippen berührten, sprang sie auf und rannte davon.

Jared blieb schweratmend und kopfschüttelnd sitzen. Er wollte sie küssen? Was war denn bloß in ihn gefahren?

Helle Sonne

Sie stand mit Drake und Emily auf der anderen Seite des Zeltes.

„Ich hatte Recht.“, sagte sie. „Seine Suche ist vorbei. Er weiß es noch nicht und es wird ihm schwerfallen, es anzunehmen. Bis er es annehmen wird, werden Jahreszeiten gewechselt haben und noch oft wird die Sonne am Himmel stehen. Er wird sich mit Händen und Füßen dagegen wehren und es nicht verstehen, nicht annehmen wollen.“ Helle Sonne holte tief Luft: „Es werden schwierige Zeiten auf ihn zukommen.“

Sie sah Drake und Emily eindringlich an. „Aber Drake, es droht Gefahr. Sie beginnt heute, sobald das Fest starten wird. Meine Geister sind besorgt. Sie können mir noch nichts sagen, es ist alles schemenhaft. Aber Du musst die Dunkelheit, die sich im Dorf festsetzt, loswerden. SCHNELL!“

Mahina

Sie rannte, als würde ihr Leben davon abhängen, tief in den Wald hinein. Ihr Herz raste, sie konnte kaum atmen und sie zitterte.

„Ich würde Dich gerne küssen.“, hatte er geflüstert und sein Kopf war immer näher gekommen. Doch dann hatte sie die Panik erfasst und kurz, bevor sich ihre Lippen berührten, war sie aufgesprungen und davon gerannt.

Irgendwann blieb sie schweratmend und mit zitternden Knien stehen.

Was war das nur? Sie würde mit Neyla sprechen müssen, bestimmt wurde sie krank. Ihr war warm, fast heiß und ihr ganzer Körper kribbelte.

Mahina erinnerte sich daran, wie sie mit Neyla auf ihrer kleinen Insel sprach. Ihr Körper veränderte sich und Neyla hatte gemeint, das wäre gut. Es war das erste Mal, dass Neyla wollte, dass sie als Mensch blieb und sich nicht als Wolf wandelte. Neyla hatte vor ihr gestanden und sie begutachtet, sie angefasst und gesagt „Das hier sind Brüste. Und je größer sie werden desto besser ist es.“ Und der Teil ihres Körpers war ganz schön gewachsen. Neyla freute es.

Auch begann sie zu bluten. ‚Läufigkeit‘ nannte Neyla es. Als es das erste Mal passiert war, war sie ganz allein auf ihrer Insel gewesen. Und ein Mensch. Ihr Körper hatte Krämpfe, alles tat weh und dann lief Blut aus ihr heraus und an ihren Beinen entlang. Sie hatte geschrien, geweint. ‚Ich sterbe!‘ hatte sie tagelang nur gedacht und sich gekrümmt unter ihre Lieblingspalme gelegt. Sie hatte nicht essen, nicht trinken können. Sie hatte über das Wasser gerufen, nach Neyla, nach irgendwem, der ihr half.

Aber es war keiner gekommen.

Und Mahina war nicht gestorben.

Ein paar Tage zuvor hatte sie sich selber angefasst. Als Mensch. Ihre Brüste hatten weggetan und zwischen ihren Beinen war ein komisches Gefühl gewesen. Zu Anfang hatte sie gedacht, dass es deshalb passiert wäre und sie hatte sich seitdem nie wieder angefasst, außer um sich zu waschen.

Irgendwann hatte es genauso plötzlich wieder aufgehört zu bluten. Ein paar Tage später war Neyla gekommen und Mahina hatte sich laut schluchzend in ihre Arme geworfen. Dann hatte Neyla ihr alles über die Läufigkeit erzählt und dass sie das jetzt öfter erleben würde. Blieb sie Wolf, würde es wahrscheinlich nur ein oder zweimal im Jahr passieren, aber als Mensch alle vier bis sechs Wochen. Entsetzt hatte Mahina den Kopf geschüttelt. Sie wollte kein Mensch sein, so blieb sie Wolf.

Doch jetzt war Mahina schon recht lange ein Mensch. Neyla wollte es so. Sie durfte sich – wenn überhaupt – nur nachts zum Schlafen wandeln. Neyla hatte ihr erklärt, dass die anderen ihre Wolfsseite nicht sehen durften, weil sie anders war. Sonst würde man sie sofort verjagen.

Vielleicht kribbelte ihr Körper deshalb so. Vielleicht taten ihr deshalb die Brüste weh und waren ihre Brustwarzen groß. Vielleicht hatte sie deshalb dieses komische Gefühl zwischen den Beinen.

Sicherlich würde sie bald läufig werden.

Entsetzt riss Mahina die Augen auf. Musste sie es diesmal als Mensch ertragen?

Sie stand auf und rannte zurück. Sie musste mit Neyla über ihre Erkrankung sprechen. Sie würde sich den ganzen Tag im Haus verstecken, sollte sie läufig werden, aber sie konnte das nicht als Mensch ertragen!

Mahina lief über die große Straße.

Dort stand Jared.

Sofort beschleunigte sich ihr Puls. Mahina wurde langsamer, sie rannte nicht mehr.

Jared stand mit einem Mann und einer Frau zusammen und umarmte diese gerade. Es fühlte sich an, als würde ihr jemand einen spitzen Gegenstand ins Herz stoßen. Was war denn das jetzt wieder? Tränen stiegen in ihre Augen.

Während Jared die Frau fest im Arm hielt, sah er Mahina an, sah ihr in die Augen.

Mahina schluckte. Ihr Körper begann schon wieder zu . . . kribbeln, zu zittern. Ihre Brüste taten weh und zwischen ihren Beinen . . . was war das nur?

Auf dem Weg zu dem Haus, in dem Neyla wohnte, hatte sie beschlossen, nicht mit Neyla über ihre Erkrankung zu sprechen. Warum auch immer Mahina entschieden hatte, mit Jared zu sprechen, sie würde es heute Abend tun. Er war schließlich daran schuld, dass sie sich so komisch fühlte. Vielleicht war Jared auch krank und hatte sie angesteckt. Mahina wollte nicht, dass das ganze Dorf davon erfuhr. Sicherlich wäre Jared das unangenehm.

Jared

Tristan und Niki waren gerade angekommen. Er hatte erst seinen Bruder, dann Niki in den Arm genommen, als Mahina die Straße entlang gelaufen kam.

Sein scheues Reh.

Langsam ging sie an ihnen vorbei. Auch wenn Mahina immer wieder den Blick zu Boden senkte, sah sie ihn an.

Jared schloss die Augen und atmete tief ein. Da . . . da war . . . Jared schluckte. Da war noch ein anderer Geruch. Neben der Unsicherheit, neben der Angst.

Erregung?

Mit den Worten „Wir sehen uns dann nachher.“ ließ er Tristan und Niki stehen und ging langsam hinter Mahina her.

*****

Mahina

Sie durfte nicht allein ins Haus und Neyla war nicht da. Mahina setzte sich hinters Haus auf die Wiesen, umschlang ihre Beine mit ihren Armen und legte ihren Kopf darauf, schloss die Augen.

Fast immer, wenn sie die Augen schloss, sah sie ihn. Jared.

Sie atmete tief ein. Fast meinte sie, ihn zu riechen. Seinen intensiven Geruch. Mahina wusste nicht, wonach er roch – sie kannte ja nichts. Aber er roch gut. Männlich. Wo kam denn dieser Gedanke her?

Oft dachte sie an ihre erste Begegnung in dem Zimmer: wie sie das erste Mal in seine Augen geschaut hatte, sie waren braungrün gewesen, wie sanft seine Finger ihr die Augenbinde abgenommen hatte, wie zart er mit ihr gesprochen hatte. Sie erschauderte. Auch das war neu für sie. Eine Gänsehaut zog über ihren Körper. Es war, als würde sie seine Finger immer noch spüren. Seine Hände, die sanft über ihren Rücken gestrichen waren. Ihr Körper spannte sich an. Was war das gewesen, was er mit ihrer Brust gemacht hatte? Sie erschauderte erneut. Sie konnte seinen Blick nicht vergessen. Er hatte sich ihr eingebrannt - damals, als sie unter der Decke lag und er in ihre Augen sah. Jared hatte sie angesehen. Sie, Mahina, nicht Neyla.

Er wollte sie küssen.

Küssen. Was war das?

Das Kribbeln wurde immer schlimmer

Jared

Er war ihr zum Gästehaus gefolgt. Sie saß im Garten. Der Duft war unverkennbar.

DAS war Erregung.

Jared stöhnte leise, dann drehte er sich um und ging.

6.

Jared

Auf dem Festplatz war ein riesiges Feuer entzündet worden und heute gab es wieder ein Barbecue. Auch im großen Zelt wurde heute gefeiert. Die Musik lief schon. Es dämmerte bereits. Die Kinder und Welpen liefen lachend um das Feuer herum.

Jared stand mit seinen Freunden und deren Gefährtinnen zusammen. Tristan und Niki erzählten gerade von ihrem Besuch in Deutschland. Niki war zum zweiten Mal schwanger und bis sie das nächste Mal nach Deutschland reisen konnten, würde sicher viel Zeit vergehen. Niki hatte zwar keine Familie in Deutschland, aber manchmal einfach Heimweh. Und so hatten sie es sich angewöhnt, einmal im Jahr für einige Wochen nach Deutschland zu fliegen.

Neyla saß auf einem der Baumstämme am Rand des Platzes und schaute zu ihnen herüber. Jared hatte kaum ein Wort mit Neyla gesprochen, seitdem sie hier waren. Einmal hatte sie versucht, ihn anzumachen, aber er hatte Neyla sofort abgewimmelt. Er wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben. Auch keinen Sex. Jared wollte mit Drake sprechen. Er sollte Neyla ausladen. Aber dann würde sie Mahina mitnehmen. Jared schluckte.

Jared spürte ein Kribbeln im Nacken und sein Herz schlug einen Takt schneller. Langsam drehte er sich um.

Dort hinten kam Mahina.

Sie hatte schon wieder dieses weiße Kleid an. Hatte sie eigentlich nichts anderes zum Anziehen? Er würde mal mit Emily sprechen.

Ohne ein Wort zu sagen, verließ er seine Freunde und ging Mahina entgegen.

Jared sah nicht die erstaunten und belustigten Blicke. Weder die von seinen Freunden, noch den von Neyla. Jared bekam auch das Lachen seiner Freunde nicht mit oder dass sie sich auf die Schulter klopften. Er hörte nicht, dass Drake laut lachte und sagte: „Da wird ein Wolf gerade in die Schlinge gezogen.“

„Wird Zeit, dass dieser einsame Wolf sesshaft wird“, antwortete Tristan.

Mahina

Sie sah Jared schon von Weitem. Er stand bei seinen Freunden und sie lachten gerade über etwas. Mahina sah nur auf seinen Rücken. Ob seine Arme sie halten könnten? Mahina schüttelte irritiert den Kopf.

Sie sah, dass Jared sich umdrehte. Dann hielt sein Blick sie gefangen. Langsam kam er auf sie zu.

Mahina war stehen geblieben und ihre Hände kneteten nervös ihr Kleid. Sie musste mit ihm über ihre Erkrankung reden. Wenn sie das ganze Dorf anstecken würde, würde Neyla sie bestimmt bestrafen. Mahina blickte zu Boden.

„Mahina.“, murmelte er leise ihren Namen.

Sie schluckte. Ihr Herz begann schon wieder schneller zu schlagen und sie zitterte. Ihre Hände kneteten immer schneller, immer fester ihr Kleid.

„Jared.“, auch ihre Stimme zitterte. Mahina holte tief Luft. „Ich . . . Wir . . . Ich muss . . .“ Sie brach ab.

„Ja?“, Jareds Stimme war sanft. Er war vor ihr stehen geblieben, sie konnte seine Füße sehen. „Sieh mich an, Mahina.“, sagte er leise.

Mahina schloss die Augen, die ersten Tränen liefen über ihre Wangen. Ihr Herz raste, sie atmete viel zu schnell. Sie bekam keine Luft und sie zitterte.

„Was müssen wir?“, wollte Jared leise wissen.

Mahina sah ihn an.

„Ich bin krank!“, brach es aus ihr heraus und dann weinte sie. „Ich bin krank. Du hast mich krank gemacht.“

Auch sein Herz klopfte schneller, das konnte sie hören. „Krank?“, fragte er gerade nach.

„Ja! Wenn Neyla das erfährt, wird sie mich sicherlich bestrafen.“, weinte sie.

Jared sah sie mit großen Augen an. Er streckte ihr eine Hand entgegen und sagte: „Komm.“

Mahina sah von seiner Hand in seine Augen. Sie holte noch mal tief Luft. Dann gab sie ihm ihre Hand und ihre Finger verschränkten sich.

Jared ging mir ihr zwischen den Häusern hindurch in die Prärie.

Neyla

Neyla saß auf einem der Baumstämme am Festplatz. Das Rudel hier war toll. Gerne würde sie dazu gehören. Aber der Richtige war immer noch nicht dabei gewesen. Wie konnte das sein?

Sie sah zu der Gruppe, die gerade laut lachte. Dort standen Jared, der Alpha und sein Weibchen und noch einige mehr. Auch die beiden, die heute angekommen waren. Nein, sie waren nicht angekommen, sondern nach Hause gekommen. Neyla wusste schon, dass Tristan Jareds Bruder war, auch wenn sich die beiden überhaupt nicht ähnlich sahen. Trotzdem. Sie waren beide auf ihre Art attraktiv. Und auch sein Bruder war mit einer Menschenfrau verbunden. Sie schüttelte den Kopf. Wie konnte das sein? Wie konnte es sein, dass sich hier die Wölfe auf Menschen prägten und sie war immer noch allein? Irgendwas lief hier gewaltig falsch. Und Wölfe und Menschen? Das passte einfach nicht. Auch dieses Weibchen war trächtig. Sie hatte schon einen dicken Bauch. Die Zwillinge gehörten zu den beiden. Obwohl sie nicht Eineiig sein konnten, war es sehr verwirrend, dass sich die beiden so ähnlich sahen. Keiner hier im Dorf wusste, ob sie sich wandeln könnten, aber es schien auch keinen wirklich zu interessieren. Einige der Weibchen waren trächtig. Auch die Wölfin mit den schwarzen, schulterlangen Haaren und den dunkelbraunen Augen . . . Kaleiope war ihr Name und es wurde ihr vierter Wurf. Wie sie als Wölfin aussah, wusste Neyla nicht, aber sicherlich schwarzbraun gestromt. Sie war mit Sam verbunden. Dieser hatte braune Augen und dunkelbraune Haare wie feuchte Erde. Auch seine Fellfarbe sah aus wie feuchte Erde. Wenn Neyla die anderen drei Kinder von ihnen betrachtete, würde sicherlich auch das Vierte sehr hübsch.

Eine Idee durchzog ihre Gedanken, die fast genauso schnell verschwunden war, wie sie gekommen war.

Dann sah Neyla, wie Jared seine Freunde verließ und wegging. Neylas Blick folgte ihm und sie sah Mahina auf der Straße stehenbleiben. Jared blieb vor ihr stehen und dann sprachen die beiden miteinander. Jared streckte Mahina die Hand hin und das ungezogene Kind ergriff sie und Mahina ging mit ihm fort. Würde es klappen? Würde es funktionieren?

Neyla sprang auf und wollte hinter her, doch der Alpha trat ihr in den Weg.

„Neyla.“, sprach er sie an.

„Ja, Alpha.“ Neyla blickte zu Boden.

„Hast Du gefunden, wonach Du suchst?“, fragte er sie.

„Noch nicht, Alpha.“ Sie hob den Kopf. „Warum?“

„Ich glaube, es wird Zeit für Dich, weiterzuziehen.“

„Was? Warum?“, sie war erstaunt.

„Du bringst zu viel Unruhe in mein Rudel, Neyla. Und Du strapazierst unsere Gastfreundschaft sehr. Es wird Zeit für Dich zu gehen.“

„Zwei Wochen noch, Alpha, bitte.“

Drake sah sie lange an, dann nickte er. „Zwei Wochen, ab heute.“

Neyla wandte sich ab, setzte sich wieder. Sie war noch nie gebeten worden zu gehen. Zwei Wochen.

Ob die Zeit reichen würde? Mahina sollte bald läufig werden. Neyla hatte mit Jared die richtige Wahl getroffen, da war sie sich wirklich sicher. Wenn er Mahina verführen würde . . .

7.

Jared

Mahina hatte seine Hand genommen und er führte sie durch die Häuser, raus in die Prärie. Sie zitterte wie Espenlaub. Ihre Zähne schlugen fast aufeinander. Sie war unglaublich nervös und ängstlich. Was war nur los? Sie war krank? ER hatte sie krank gemacht? Das verstand Jared nicht. Er schüttelte den Kopf, das konnte nicht sein.

Jared wusste nicht sicher, ob das bei allen Gestaltwandlern so war, aber sein Rudel wurde nicht krank. Also, es war nicht so, dass sie unsterblich waren, sie alterten einfach nur eine lange Zeit nicht oder nur sehr langsam. Meistens blieb der Alterungsprozess mit achtzehn oder zwanzig Menschenjahren stehen und bei vielen startete die Alterung erst wieder mit sechzig Menschenjahren oder bei vielen auch noch später. Ihre Wunden oder Verletzungen heilten im Verhältnis zu den der Menschen sicherlich in doppelter oder vielleicht sogar dreifacher Geschwindigkeit. Krankheiten? Jared schüttelte den Kopf. Er wusste von keinem, der wirklich krank war. Es gab nie jemanden, der Grippe oder Ähnliches in ihrem Rudel hatte. Es gab keine Krankheiten. Punkt. Er konnte sie also unmöglich krank gemacht haben.

Nachdem sie eine Zeit lang nebeneinander her gegangen waren und sich immer weiter vom Dorf entfernt hatten, fiel Jared auf, dass er immer noch ihre Hand hielt.

Irgendwann sagte Jared zu ihr: „Mahina, ich weiß nicht, was los ist. Aber Du kannst mir alles sagen. Okay? Ich verspreche, ich helfe Dir, so gut ich kann.“ Er sah zu ihr rüber: „Okay?“ Jared sah, dass Mahina nickte.

Jared holte tief Luft: „Wir bleiben gleich stehen, dann nehme ich Dich in den Arm. Ich will Dich nur festhalten. Ich werde Dir nichts tun. Ich möchte nur, dass Du Dich sicher fühlst und dass Du weißt, dass Du sicher bei mir bist. Okay?“ Wieder sah er zu Mahina. Jared konnte sehen, wie schnell sich ihre Brust hob und senkte, er hörte ihren schnellen Herzschlag. „Es wird alles gut werden, Mahina, ich verspreche es Dir.“, Jared machte eine kurze Pause, „Okay?“ Mahina nickte.

Jared blieb stehen und Mahina neben ihm. Die Musik aus dem Zelt war immer noch zu hören. So standen sie nebeneinander in der Prärie. Die Sonne ging langsam im Westen unter und von Osten kam die Nacht übers Land. Ein leichter, warmer Wind ließ ihre Haare wehen. Jared drehte sich zu Mahina um, ließ ihre Hand los und öffnete seine Arme. Mahina sah ihn an, dann schmiss sich in seine Arme. Sie weinte an seiner Brust. Jareds Arme schlossen sich fast automatisch um sie und er drückte sie sanft an sich. Mann, fühlte sich das gut an. Er hielt sie fest, bis sie sich beruhigt hatte. „Besser?“, horchte er nach. Mahina nickte.

Im Zelt lief gerade Phil Collins mit ‚You’ll be in my Heart‘ und warum auch immer, begann er zu mitzusingen. Er konnte nicht sagen, warum er dies dennoch tat, denn er konnte nicht singen und seine Töne waren mehr als falsch. Aber er tat es, fiel vor ihr nieder, krabbelte um sie herum, sprang wieder auf. Und es funktionierte, denn Mahina begann zu lachen.

Komm, hör auf zu weinen, es wird alles gut. Nimm nur meine Hand, halte sie fest. Ich werde Dich vor allem beschützen. Ich werde da sein, weine nicht.

Für jemanden, der so klein ist, wirkst Du so stark. Meine Arme werden dich halten, werden Dich beschützen und halten Dich warm. Diese Verbindung zwischen uns kann nicht zerbrechen. Ich werde hier sein, weine nicht.

Weil Du in meinem Herzen bist, glaube mir, du bist in meinem Herzen. Von diesem Tag an, jetzt und für immer. Sieh nur über deine Schulter. Ich werde da sein, für immer.

Das Lied war zu Ende und Jared setzte sich auf den Boden. Mahina stand noch eine Zeitlang neben ihm, doch dann nahm sie neben ihm Platz. Jared hatte die Beine – wie typisch für Indianer – übereinandergeschlagen, Mahinas lange Beine lagen nackt neben ihm.

„Hast Du eigentlich nichts anderes anzuziehen?“, fragte Jared sie, ohne sie dabei anzusehen. Wenn er genau darüber nachdachte, trug Mahina immer dieses eine Kleid. Es war weiß und bestimmt wadenlang. Die Ärmel gingen ungefähr bis zum Ellbogen. Es hatte keinen Kragen oder Ähnliches, aber an den Schultern eine Raffung, die ein Gummizug sein konnte. Wahrscheinlich konnte man es über die Schultern ziehen. Jared schluckte, denn er sah sich selber das Kleid über ihre schmale Schulter ziehen und diese küssen. An der Brust hatte es mehrere Knöpfe, davon war kein einziger geöffnet. Wie gern er doch die Knöpfe geöffnet hätte. Jared schüttelte irritiert den Kopf. Was waren das nur für Gedanken? Unter der Brust wurde das Kleid irgendwie zusammengezogen. Ihre Brüste sahen dadurch deutlicher größer aus. Jared verkniff sich ein Stöhnen, biss sich auf die Lippen. Das Kleid sah irgendwie altmodisch aus, aber es passte zu ihr.

Mahina sah an sich herunter. „Ich habe nur dieses eine. Aber ich wasche es fast jeden Abend!“

Wie lange sie so schweigend nebeneinandersaßen, wusste Jared später nicht zu sagen. Aber er hörte, dass sich ihr Herz beruhigt hatte, ihre Atmung langsamer und gleichmäßiger ging.

Jared schloss kurz die Augen, atmete tief ein. Es war Oktober und mittlerweile wurden die Abende kühl. Er streckte die Beine, stütze sich auf einen Arm ab. „Jetzt erzähl. Ich werde nichts sagen, Dir nur zuhören. Erzähl mir, was los ist. Erzähl mir einfach alles.“

Sofort beschleunigte sich wieder ihr Puls und ihre Atmung wurde einen Hauch schneller. Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, als sie sagte: „Ich . . . ich glaub . . . ich bin krank.“ Pause. „Und ich glaube, Du . . . Du hast . . . mich krank gemacht.“ Pause. Mahina schluckte: „Ich fühle mich so . . . komisch. Ich glaube, ich hab . . . Fieber. Ich dachte, wenn Du . . . wenn Du auch krank bist . . . vielleicht willst Du nicht, dass das ganze Dorf es erfährt.“ Mahina holte tief Luft: „Wenn ich das ganze Dorf anstecke, wird Neyla böse werden.“

Stille.

„Weiter.“, meinte Jared vorsichtig.

„Ich . . . ich glaube, dass ich Fieber habe, denn mir ist oft so schrecklich heiß und mein Kopf glüht. Mein Herz beginnt zu rasen, ich bekomme keine Luft mehr, kann nicht atmen. Und ich zittere!“

Im Augenwinkel sah Jared, dass Mahina ihm den Kopf zugewandt hatte, doch er blickte einfach weiter gerade aus. Aber er nickte.

Wieder holte Mahina tief Luft: „Ich . . . weiß nicht, vielleicht werde ich auch läufig, denn meine Brüste tun weh, sind gespannt.“ Ihre Hände fuhren über ihre Brüste und Jared schluckte: „Die . . . Dinger hier . . . sie tun weh und sind groß und hart.“

Jared wandte kurz den Blick zu ihr und sah, wie Mahina über ihre Brustwarzen strich, die unter dem Kleid mehr als sichtbar waren. Sein Herz begann zu klopfen, aber er sah wieder in die Prärie. „Weiter.“, seine Stimme war nur noch ein Flüstern.

„Ich . . . ich hab Magenschmerzen und mir ist irgendwie schlecht. In meinem Kopf dreht sich alles. Und . . .“ Mahina brach ab.

Jared wartete einen Moment, ob sie weiter erzählen würde, dann wandte er den Kopf zu ihr, sah sie an. Mahinas Hände kneteten wieder ihr Kleid. Ihre Brust hob und senkte sich. Schnell. Er hörte auch, dass ihr Herz raste. Sein Blick ging zurück in die Prärie. „Und . . .?“, hakte er leise nach.

Ihre Stimme war nicht mehr als ein Hauch. „Und . . . und . . . zwischen meinen Beinen . . . das fühlt sich komisch an . . . es kribbelt wie Ameisen. Irgendwie tut es weh, aber nicht richtig. Ich . . . ich kann es nicht erklären. Es . . . es fühlt sich an, als würde etwas aus mir rauslaufen. Deshalb dachte ich auch, ich werde läufig, aber es ist kein Blut. Und sonst hab ich oft starke Bauchschmerzen, wenn ich läufig werde. Ja, manchmal ist mir dann auch schlecht . . . aber alles andere. Vor allem das Fieber und dieses . . . Brennen . . . oder Kribbeln . . . oder was auch immer das ist.“ Mahina verstummte.

Jared atmete schwer. Er schluckte und räusperte sich: „Und wann hast Du das? Immer? Oder nur manchmal?“

„Oft.“, schluchzte sie leise. „Meistens, wenn Du in meiner Nähe bist.“ Pause. „Bin ich sehr krank?“

Jared sah Mahina an, die seinem Blick nicht auswich. Tränen schwammen in ihren Augen.

„Hast Du es jetzt gerade auch?“, fragte er vorsichtig nach und zog die Luft tief durch die Nase. Ihr Duft . . . Jareds Atmung wurde schneller, er musste hart schlucken.

„Jetzt gerade? Ja. Nicht so schlimm gerade, ein wenig. Aber ja.“

„Bleib sitzen, warte.“ Jared stand auf, dann lief er einige Schritte in die Prärie. Er musste tief Luft holen. Seine Hände schlossen sich zu Fäusten, öffneten sich wieder. Er zitterte leicht. Sein Herz schlug schnell. War es das, was er dachte, was es war? Wollte er sicher sein, würde er es testen müssen.

Jared drehte sich um. Mahina saß immer noch genau dort, wo er sie zurückgelassen hatte, und sah ihn an. Langsamen Schrittes ging er auf sie zu. Vor ihren Füßen blieb er stehen, dann ging er in die Knie. Er sah sie an, lange. Sah in ihre Augen, dann ging sein Blick zu ihren Lippen, die schon wieder halb geöffnet waren und er konnte ihre Zungenspitze sehen – wie gerne er mit dieser gespielt hätte. Sein Blick wanderte weiter, über ihren Hals – mit Freude wäre er mit seinem Mund daran entlang gewandert – zu ihrer Brust und ihren Brustwarzen – wie gern hätte er ihre großen Brustwarzen berührt, sie in den Mund genommen. Es sah aus, als würden sich ihre Brustwarzen allein unter seinem Blick aufstellen. Während sein Blick weiter über ihren Körper wanderte, beschleunigte sich nicht nur Mahinas Herzschlag, sondern auch seiner. Sein Speer füllte sich langsam, aber sicher, mit Blut. Er schluckte.

„Mahina.“ Jared sah wieder in ihre Augen, die sie weit aufgerissen hatte. „Ich muss etwas ausprobieren, bevor ich Dir antworten kann.“

Mahina nickte.

„Aber Du musst es zulassen, hörst Du.“

Mahina nickte.

„Okay.“, meinte Jared leise. Dann kam sein Kopf ihrem immer näher. Doch, anstatt sitzen zu bleiben, wich sie ihm aus und legte sich dabei auf den Boden. Jared musste über sie hinweg krabbeln. Mit seinem rechten Arm stützte er sich neben ihrem Oberkörper ab. Mit der linken Hand griff er an ihren Nacken und hielt ihn fest.

„Schließ die Augen, Mahina. Fühle nur.“

Sanft strich er mit seinen Lippen über ihre, bevor seine Zunge zart darüber glitt. Mahina atmete erschrocken ein und öffnete dabei ihren Mund. Sofort drang seine Zunge in ihren Mund, fand ihre Zunge und stupste diese zart an. Jared hielt nur ihren Kopf. Trotzdem konnte er spüren, wie sich ihr Körper anspannte. „Entspann Dich. Atme. Fühle.“, flüsterte er an ihren Lippen, bevor er sie erneut küsste. Als er diesmal mit der Zunge über ihre Lippen strich, öffnete sie den Mund und ihre Zunge kam seiner schon entgegen.

Jared nahm an, dass seine Beine links und rechts neben ihrem Körper knieten. Aber irgendwie war sein rechtes Bein zwischen ihre Beine geraten. Er löste seine Lippen von ihr, dann fragte er leise: „Hast Du es jetzt?“ Er bewegte sich, musste Gewicht verlagern und sein Knie stieß dabei gegen ihre Venus. Mahina riss die Augen auf und Jared musste sich das Stöhnen verkneifen. Ihre Hitze war fast unerträglich an seinem Knie und dieser Duft . . . Er biss sich auf die Unterlippe.

„Ja!“ Mahina war atemlos. „Es . . . Jared . . . es wird immer . . . schlimmer!“

Jared sah unter sich. Sein Blick ging ihren Körper entlang. Eigentlich berührte er sie kaum, denn er kniete über ihr. Außer, dass seine Hand ihren Kopf hielt, dass sein Bein zwischen ihren kniete. Ihre Hände griffen in den Boden, in die lockere Erde. Jared atmete langsam und tief ihren Duft ein.

„Jared, bin ich sehr krank? Kannst . . . kannst Du mich gesund machen?“ Die ersten Tränen liefen ihr aus den Augenwinkeln. „Kannst Du mir . . . helfen? Kannst Du es . . . wegmachen? Bitte, mach es weg!“ Sie schluchzte fast.

Jared stöhnte auf und hob den Kopf, legte ihn in den Nacken. Sein Herz raste, seine Atmung ging viel zu schnell. Es fühlte sich an, als würde in seiner Hose das Chaos ausbrechen. Und sie bettelte ihn um Erlösung an! Er schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen.

Seine Augen suchten ihre. „Mahina, Du bist nicht krank. Und ja, ich könnte Dir helfen.“ Seine Stimme war heiser. „Ich würde es zuerst noch schlimmer machen, bevor es besser wird.“ Er küsste sie. Diesmal hielt sie nicht nur still, sondern erwiderte zaghaft seinen Kuss. Sein Bein an ihrer Venus – es war keine Absicht gewesen – aber jetzt war es da, wo es nun mal war. Ganz sanft bewegte er sein Bein, rieb an ihr. Mahinas Herz explodierte fast und sie atmete hektisch ein und aus.

„Nein!“, flehte Mahina. „Bitte, mach es nicht schlimmer. Mach, dass es weggeht. Bitte!“

„Mahina, ich würde Dir gerne helfen, wirklich.“, raunte Jared heiser. „Du hast keine Ahnung, wie gern. Aber . . . Du bist zu jung dafür!“ Jared schluckte, suchte nach Worten. „Mahina, Du bist nicht krank. Ganz im Gegenteil. Du bist heiß. Du bist erregt. Das ist Erregung. Sex. Dein Körper will Befriedigung.“ Jared schluckte hart. „Du bist zu jung!“, rief er aus. „Mahina, ich kann Dir nur einen Tipp geben.“, seine Stimme war wieder ganz leise geworden.

„Ja?“

„Immer, wenn das passiert, lauf zum See, geh schwimmen! Denk an Schmetterlinge!“

„An Schmetterlinge?“

„Ja!“, antwortete er heiser.

Noch einmal küsste er sie, sanft und zart. Jared legte ihren Kopf vorsichtig auf dem Boden ab. Er setzte sich auf seine Beine und stützte seine Hände auf seinen Oberschenkel ab. Aus halbgeöffneten Augen starrte er sie an. Seine Atmung ging viel zu schnell, sein Herz raste. Von seinem Speer wollte er nicht sprechen.

„Lauf, Mahina! Lauf weg, mein scheues Reh, weit weg! Komm mir nicht zu nah! Sonst kann ich den Wolf in mir nicht bändigen.“ Seine Stimme war rau.

Mahina riss die Augen auf und begann, unter ihm davon zu krabbeln.

„Du bist zu jung dafür! ZU JUNG!“ Fast bedrohlich sah Jared Mahina an. „Lauf weg – SCHNELL!“

Mahina sprang auf und rannte.

Schweratmend blieb Jared sitzen und sah ihr nach. Am liebsten wäre er ihr gefolgt, hätte ihr all die schönen Dinge gezeigt.

Sechzehn!

Sie war erst sechzehn!!

Jared hob den Kopf in den Nacken und heulte schmerzvoll auf.

Mahina

Sie rannte, als wäre der Teufel hinter ihr her.

Sie rannte, bis sie zu den Bäumen kam.

Dann blieb sie schweratmend stehen. Ihr Herz raste, wie fast immer in den letzten Tagen. Sie zitterte, nicht nur, weil sie so gerannt war, sondern auch seinetwegen und was er mit ihr machte, was mit ihr passierte. Sie verstand es nicht. Aber . . . irgendwie . . . war es . . . schön? Ach, sie wusste es auch nicht.

Sie drehte sich um.

Enttäuschung machte sich in ihr breit. Insgeheim hatte sie gehofft, er wäre ihr nachgelaufen und würde machen, dass es wegging.

‚Zu jung‘, hatte er gesagt.

Mahina sah Jared. Er kniete noch immer auf dem Boden. Sie hatte sein Heulen gehört, als sie davon gerannt war. Nun saß er da und es schien, als würden sich seine Augen auch auf diese Entfernung in ihre bohren.

Sie sah, dass Jared aufstand, sein Shirt und seine Jeans auszog und auf einen Haufen legte. Er sah immer noch zu ihr. Dann wandelte er sich. Sein Maul griff nach etwas. Ein letzter Blick zu ihr.

Der Wolf drehte sich um und rannte davon.

Mahina schluchzte auf. Tränen traten in ihre Augen. Was war das für ein Gefühl? Jetzt tat ihr Herz . . . weh?

Als sie den Wolf nicht mehr sehen konnte, drehte sie sich um und lief zu dem See. Auf der rechten Seite stand das Haus des Alphas, aber auf der linken Seite gab es nur Wiesen und ein paar Bäume. Dort ging sie hin, zog sich das Kleid über den Kopf und sprang ins Wasser. Das Wasser war eiskalt, nicht warm, wie bei ihr zu Hause. Sie schrie erschrocken auf. Dann begann sie zu schwimmen.

Schmetterlinge.

Schmetterlinge.

*****

Jared

Er saß auf seinen Beinen und hatte die Hände auf den Oberschenkeln aufgestützt. Seine Hände schlossen sich zu Fäusten. Er sah ihr nach. Es kostete ihn unglaublich viel Kraft, nicht aufzuspringen, nicht hinter ihr her zu jagen, nicht . . . alles eben.

Er legte den Kopf in den Nacken und heulte schmerzvoll auf.

Sein Körper zitterte. Seine Atmung war viel zu schnell und hektisch. Sein Herz raste. Sein Speer war hart und pochte.

Ihr Duft war schon unglaublich. Immer, wenn er in ihrer Nähe war und er die Augen schloss, dachte er, er würde im Schnee stehen. Aber kam dann noch der süße Duft ihrer Erregung hinzu . . . er schüttelte den Kopf. Das war fast zu viel für ihn.

Erregung! Sie war heiß auf ihn. Auf ihn!

Als er sie geküsst hatte . . . - sie schmeckte auch noch irre. Jared leckte sich über die Lippen.

Nun saß er hier, in der Prärie. Es war schon fast ganz dunkel und er sah ihr immer noch nach. Ihr Geschmack auf seinen Lippen, ihr Geruch in seiner Nase. An den Bäumen blieb sie stehen und drehte sich um. Selbst jetzt, auf diese Entfernung, fühlte es sich an, als würde sich ihr Blick in seine Augen bohren.

Er musste . . . er brauchte . . .

Jared stand auf und hielt den Blick immer noch auf sie. Er zog sich aus, legte Shirt und Jeans sorgfältig zusammen. Ihr Blick hielt seinen immer noch fest. Jared wandelte sich. Sein Maul ergriff seine Sachen. Mit einem letzten Blick wandte er sich ab und rannte Richtung Stadt.

Er musste . . . er brauchte . . .

Er rannte immer schneller.

Neyla

Neyla war ins Gästehaus gegangen und lag im Bett.

Sie weinte.

Leise.

Sie wollte doch nur ‚den Einen‘ finden und glücklich werden. Sie wollte sich prägen und markiert werden. Sie wollte so gern eigene Welpen. Warum wurde sie denn nicht wenigstens trächtig? Wenn sie selber einen Welpen gebären würde, wäre der Schmerz in ihrem Inneren vielleicht nicht mehr so schlimm und ließ sich vielleicht besser ertragen.

Neyla weinte haltlos in das Kissen.

Es konnte doch nicht sein, dass sie schon zu alt dafür war. Sie war gerade erst 45 Menschenjahre und stand in der Mitte ihrer Blüte. Sie wusste von Wölfinnen, die noch mit 60 und älter trächtig wurden und gesunde Welpen bekamen.

Nun ruhten alle ihre Hoffnungen auf Mahina. Wenn Jared sie verführen und schwängern würde, wenn Mahina trächtig werden würde, bevor sie das Dorf verlassen mussten, würde sie das Kind nehmen und aufziehen.

Sie betete, dass ihre Wünsche und Träume sich erfüllten.

Neyla ahnte nicht, dass ihr Verhalten, sich an alle männlichen Wölfe ranzumachen - egal ob geprägt oder nicht - und sich von allen besteigen zu lassen, nicht geschätzt wurde. Ganz im Gegenteil, viele empfanden dies als verstörend und werteten sie ab. Daher war sie oft nicht lange willkommen.

Leider war Neyla noch nicht aufgefallen, dass sich nur geprägte Paare vermehren konnten.

8.

Jared

Zwei Tage später lief er zurück ins Dorf. Er war erschöpft, wollte duschen, essen, schlafen.

In der ersten Nacht hatte er alles gefickt, was ihm vor die Nase gekommen war. Gut, dass die Angestellten in der Diskothek ihn so gut kannten und er gerade mit Cuba dort so gut auskam. Er war sein Lieblings-Barkeeper und Jared war dort ein wirklich guter und großzügiger Kunde. Er konnte erst am nächsten Morgen zur Bank gehen, um Geld zu holen. Den Tag hatte er in irgendeinem Lagerhaus verbracht, aber an Schlaf war nicht zu denken gewesen. Sobald er die Augen schloss, dachte er an sie,

Mahina!

An ihre Augen.

An ihren Geruch.

An ihren Geschmack.

An ihre Erregung.

Am Abend war er wieder in der Diskothek gewesen, hatte seine Schulden bezahlt und wieder alles gebumst, was ihm vor die Nase gekommen war. Aber viel zu schnell hatte er bewusst wahrgenommen, dass nichts und niemand ihn wirklich befriedigen konnte.

Frustriert hatte er noch schneller, noch härter gefickt.

Ihm fiel nicht auf, dass er nur kam, wenn er an sie dachte.

Mahina.

*****

Jared

Er wollte sich nicht reinschleichen. Dass er vermisst werden würde, daran hatte er keinen Gedanken verschwendet.

Natürlich hatten ihn die Wachen schon bemerkt und das Dorf informiert. Nun kamen ihm Wölfe entgegengelaufen. Nicht nur Drake, sondern auch Sam, Tristan und Maddox. Kurz bevor sie aufeinandertrafen, wandelten sich alle und die Männer warteten auf ihn.

„Wo warst Du?“

„Was ist passiert?“

„Warum hast Du nicht Bescheid gegeben?“

„Geht es Dir gut?“

„Bist Du abgehauen?“

„Jared! Wir haben Dich vermisst!“

„Wir haben Dich gesucht!“

Drake sah ihn fragend an.

„Tut mir leid.“, erklärte Jared. „Ich hab nicht nachgedacht. Ich musste einfach . . . laufen.“

„Jared! Wenn Dir etwas passiert wäre . . . Keiner hätte gewusst, wo wir Dich suchen und finden können.“ Drake war sauer, das sah Jared.

Jared fiel auf die Knie und senkte den Kopf: „Ja, Alpha. Es tut mir leid.“

„Was ist passiert?“, verlangte Drake zu wissen.

„Ich . . . ich weiß es nicht. Ich kann es nicht erklären.“

„Du musst etwas wissen.“ Drake holte tief Luft: „Jared, du weißt, wie alt Mahina ist?“

„Ja, Alpha. Ich weiß es. Sechzehn.“ Jareds Stimme war leise geworden.

„Jared, wir alle kennen Dich. Bist du über sie hergefallen?“ Drake hockte jetzt vor ihm und hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt.

Jared hob den Kopf, sah Drake in die Augen. Er schüttelte den Kopf. „Nein.“, sagte er bestimmt. „Warum fragst Du?“ Hatte sie etwa etwas anderes behauptet? Hatte sie gesagt, er wäre über sie hergefallen, anstatt dass er sie fortgeschickt hatte? „Was hat sie erzählt? Sie lügt, Drake, sie lügt! Ich habe ihr nichts getan!“

Drake lachte laut. „Beruhige Dich, mein Freund.“ Drake schüttelte den Kopf. „Jared, Mahina . . . sie . . . sie schwimmt seit zwei Tagen. Sie kommt immer nur kurz raus. Dann legt sie sich auf die Wiesen und sagt die ganze Zeit ‚Schmetterlinge, Schmetterlinge‘. Kurz darauf springt sie wieder ins eiskalte Wasser und schwimmt wie eine Bescheuerte.“ Drake lachte immer noch. „Das halbe Dorf steht dabei und beobachtet sie. Ihre Haut wird langsam blau und sie zittert, aber sie kommt nicht raus.“ Drake schüttelte den Kopf. „Mahina sagt, Du hättest ihr geraten, immer wenn ihr ‚Fieber‘ kommt, soll sie schwimmen gehen und an Schmetterlinge denken. Aber seitdem Du weg wärst, hätte sie nur noch Fieber.“ Drake lachte wieder. „Was hast Du ihr gesagt? Was hast Du getan? Brauner Bär und Emily haben sie auf einem ihrer „kurzen Landgänge“ untersucht. Sie hat kein Fieber, aber Mahina besteht darauf.“

Jared atmete tief ein, schüttelte den Kopf. Er setzte sich auf, dann sah er seine Freunde der Reihe nach an.

„Drake, ihr Fieber . . . sie ist . . . heiß. Geil.“ Jared holte Luft. „Sie hat gedacht, sie wäre krank UND sie hat gedacht, dass ICH sie krank gemacht habe.“ Jared schüttelte wieder den Kopf. „Zumindest ist sie heiß auf mich. So viel hab ich rausgefunden.“ Er hob beschwichtigend die Hände. „Aber ich hab sie nur geküsst, Drake! Ich schwör’s. Ich hab sie nicht angefasst.“ Jared lachte auf. „Aber es hat mich auch angemacht, verstehst Du. Ich hab sie weggeschickt und bin dann in die Stadt gelaufen. – Du verstehst?“

Drake lachte laut. „Ja, Jared, ich verstehe.“ Drake stand wieder auf. „Hol sie aus dem Wasser raus, bevor sie wirklich krank wird.“

„Warum ich? Was ist mit Neyla? Ist es nicht ihre Verantwortung?“

„Das ist nicht Dein Ernst, Jared. Neyla? Ich weiß nicht.“ Drake schüttelte den Kopf. „Sie macht den Eindruck, als wäre sie als Mutter gänzlich unbrauchbar. Außerdem hat sie es wohl schon versucht, gestern. Aber Mahina ist immer noch im Wasser. Also los jetzt, hol sie raus. Aber Jared?“

„Ja, Drake?“

„Du gehst erst nach Hause, duschen. Du stinkst wie ein Iltis. Und zieh Dir was an.“

Während Drake sich umdrehte, wandelte er sich und der schwarze Wolf lief ins Dorf zurück.

Maddox, Tristan und Sam standen noch bei Jared und nun, da Drake weg war, lachten sie lauthals.

Böse blickte Jared sie der Reihe nach an. „Was gibt es da zu lachen?“ Seine Freunde sagten nichts, klopften sich auf Schulter und Beine und lachten immer noch. Dann wandelten sie sich und als Wölfe liefen sie zurück.

*****

Mahina

Seitdem Jared weg war, schwamm Mahina und versuchte, an Schmetterlinge zu denken.

Solange sie in dem eiskalten Wasser war und schwamm, gelang ihr das auch – relativ gut.

Doch sobald sie so erschöpft war, dass sie nicht mehr schwimmen konnte und sich an Land legte, waren ihre Gedanken bei Jared.

Was war das nur? Was machte er mit ihr?

Sobald sie die Augen vor Erschöpfung schloss und sich nicht mehr auf Schmetterlinge konzentrierte, sah sie ihn.

Jared.

Seine Augen.

Seine Lippen.

Seine Zunge.

War das Küssen gewesen?

Sein Bein.

Sein Blick.

Sein Geschmack.

Sein Geruch.

Sie war heiß, hatte er gesagt. Sie war erregt, hatte er gesagt. Sie war zu jung, hatte er gesagt. Was hieß das? Was bedeutete das? Er hatte gesagt, er könne ihr helfen, aber dann würde es erst schlimmer werden, bevor es besser wurde. Eine Gänsehaut zog über ihren Körper.

Mahina hätte gerne mit jemandem darüber gesprochen, obwohl ihr das Reden mit fremden Menschen immer viele Schwierigkeiten bereitete. Aber mit wem? Mit wem?

Neyla war da gewesen. Aber Neyla hatte sofort mit ihr geschimpft und Mahina war sich sicher, wäre das Alphaweibchen nicht gerade in diesem Augenblick aufgetaucht, hätte Neyla sie geschlagen.

Frustriert stand sie auf, sprang ins Wasser und schwamm.

Schmetterlinge.

Schmetterlinge.

Jared

Er war geduscht und gewaschen, hatte die Zähne geputzt und eine Jeans und ein Shirt übergezogen. Nun wollte er barfuß zum See gehen. Einige kamen ihm entgegen. Sie lachten und klopften auf seine Schulter. Was sollte das denn?

Neyla kam auf ihn zu.

„Jared!“

„Neyla, ich hab keine Zeit, lass mich in Ruhe.“, schnauzte Jared genervt.

„Dafür wirst Du Dir Zeit nehmen.“ Sie blieb vor ihm stehen.

„Was?“

„Was hast Du mit meinem Kind gemacht?“

Jared lachte laut auf und schrie sie fast an: „Dein Kind? Dein Kind? Das ich nicht lache! Erstens, sie ist nicht Dein Kind. Und egal, ob Du ihre leibliche Mutter bist oder nicht, SO benimmt sich keine Mutter! Du prostituierst sie. Das kann nicht Dein Ernst sein. Ich kann das nicht glauben. Ehrlich, Neyla, was bist Du nur für ein Wolf?“ Er schüttelte den Kopf „Ich habe NICHTS mit ihr gemacht!“ Jared spuckte die Worte regelrecht aus. „Aber ist es nicht genau das, was Du ursprünglich wolltest? Du wolltest, dass ich Sex mit ihr habe. Jetzt will SIE genau das. Aber ich schlafe nicht mit Kindern!“

„Jared, sie ist kein Kind mehr. Sie ist sechzehn, fast siebzehn. Im Winter wird sie siebzehn. Das sind nur noch ein paar Wochen. Jetzt will sie Dich, das ist doch perfekt. Nimm sie. Weise sie ein. Ich bin mir sicher, Du bist der Richtige dafür.“ Sie sah ihn an: „Ich erlaube es Dir.“ Mit diesen Worten drehte sich Neyla lächelnd um und ging fort.

Kopfschüttelnd ging Jared weiter.

Er kam an Helle Sonne vorbei, die auf ihrer Terrasse stand. „Jared!“, rief sie schon von weitem.

Er atmete tief ein. Er war wirklich stark genervt. Was wollten die nur alle von ihm?

„Jared, ich wollte Dir nur sagen, lass Dir Zeit. Je länger es dauert, desto besser.“

„Was soll das bedeuten? Womit soll ich mir Zeit lassen?“

„Das, mein Lieber, musst Du schon selber herausfinden.“ Sanft lächelnd drehte sie sich um und kümmerte sich um die Blumen auf der anderen Seite.

„Helle Sonne!“, knurrte Jared böse.

Helle Sonne hatte sich zu ihren Blumen gebückt. Nun stand sie auf und sah Jared mit großen Augen fragend an, als würde sie ihn zum ersten Mal sehen „Jared? Wie kann ich Dir helfen?“

Jared schüttelte den Kopf, schloss wütend die Augen. „Nichts!“, brummte er, dann ging er weiter.

Neyla

Ihr blieben keine zwei Wochen mehr, dann würde sie das Dorf verlassen müssen. Bis dahin musste Mahina trächtig sein. Wie sollte sie Jared nur dazu bekommen, mit Mahina zu schlafen? Jetzt hatte sie ihm nochmals die Erlaubnis gegeben und trotzdem war sie sich nicht sicher. Würde er mit Mahina schlafen? Er hatte gesagt, er würde nicht mit Kindern schlafen. Mahina war sechzehn, fast siebzehn. Sicherlich kein Kind mehr. Läufig wurde sie auch schon seit ungefähr zwei Jahren. Und Neyla war sich sicher, dass Mahinas nächste Läufigkeit kurz bevorstand. Eigentlich wäre es jetzt perfekt.

Neyla raufte sich die Haare.

9.

Jared

Er kam den Weg durch die Bäume entlang. Auf der vorderen Veranda konnte er Emily und Drake stehen sehen. Emily kam ihm entgegen. Sie drückte ihm drei große bunte Handtücher in die Hand.

„Gut, dass Du wieder da bist, Jared. Hol sie raus, bevor sie erfriert.“ Emily legte ihm eine Hand auf den Unterarm. „Jared, sie ist sechzehn. Noch nicht erwachsen, okay, aber auch kein Kind mehr.“ Sie sah ihm fest in die Augen. „Sei lieb zu ihr, vorsichtig und sanft, nicht wild und hemmungslos.“ Emily drehte sich um und wollte zurück zum Haus.

„Emily?“

„Ja, Jared?“ Sie hatte sich wieder zu ihm gewandt.

„Emily, das kann ich nicht.“ Jared schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht mit ihr schlafen. Sie ist noch ein Kind!“

„Das ist wirklich sehr löblich und ich finde es super, dass Du so denkst. Aber davon spricht auch niemand. Aber Du könntest . . . ein wenig . . . nett sein? Ein wenig . . . Fummeln . . . vielleicht?“

„Emily!“ Jared riss entsetzt die Augen auf. „Das ist nicht Dein Ernst!“

„Doch!“ Emily nickte leicht mit dem Kopf. „Jared, Du sollst nicht mit ihr schlafen und vor allem sollst Du sie natürlich zu nichts zwingen. Aber Jared – wir wissen es alle, wir riechen es alle, wie Du weißt.“ Emily holte tief Luft. „Puh, okay, also pass auf. Ich war sechzehn, als ich das erste Mal mit jemandem geschlafen habe und ich weiß, dass Niki es auch war.“ Emily schüttelte den Kopf. „Ich will damit nicht sagen, dass Du mit ihr schlafen sollst oder musst. Ich will Dir damit nur sagen, sie ist kein Kind mehr. Okay? Fummeln wäre in Ordnung. Okay?“

Jared atmete tief ein und aus, strich sich mit der freien Hand über die Augen und dann über den Kopf. Er glaubte es fast selber nicht, aber allein bei der Vorstellung begann sein Herz zu rasen, regte sich sein Speer.

„Emily, was anderes. Kannst Du mal mit ihr sprechen? Ich weiß nicht, was Neyla ihr gesagt hat. Ich glaube, viel war es nicht. Vielleicht über Läufigkeit und wo die Babys herkommen? Kannst Du ihr erklären, was gerade mit ihr los ist?“ Emily lachte laut auf. Jared sprach einfach weiter. „Und sie hat auch nichts anzuziehen. Sie trägt immer dieses weiße Kleid.“

Emily nickte. „Ja, ist gut. Das mache ich.“ Pause. „Morgen, Jared, morgen.“ Damit drehte Emily sich um und ließ ihn allein.

Jared glaubte das alles nicht. Jetzt fühlte er sich beinah genötigt, mit Mahina zu schlafen. Das war doch alles nicht wahr! Er schloss noch mal die Augen und schüttelte den Kopf, während er tief ein und aus atmete. Er warf noch einen letzten Blick zur Veranda, auf der Emily und Drake standen und zu ihm rüber sahen. Dann drehten sich die beiden um und gingen ins Haus.

Langsam ging er zur anderen Seite des Sees. Er konnte Mahinas Kopf sehen, aber sie hatte ihn wohl noch nicht bemerkt. Mahina hatte gedreht und schwamm wieder in den See hinein. Breitbeinig blieb Jared am Ufer stehen, die Handtücher legte er vor sich hin. Dann verschränkte er die Arme vor seiner Brust. Sein Herz raste, seine Atmung ging viel zu schnell, sein Speer pochte. Am liebsten hätte er sich die Klamotten vom Leib gerissen und wäre hinein gesprungen. Aber er war sich sicher, dann hätte er für nichts mehr garantieren können. Er verstand sich selbst nicht.

Jared wartete, bis sie wieder umdrehte und Richtung Ufer geschwommen kam. Laut rief er über den See „Mahina! Raus aus dem See. Sofort!“ Er sah, wie sie sich suchend umsah, bis ihre Augen in seine blickten. Einen Moment schien Mahina wie still zu stehen, doch dann kam sie langsam auf ihn zu. Ihre Füße berührten wieder Untergrund und wie in Zeitlupe enthüllte der See ihren Körper. Erst kamen ihre Schultern zum Vorschein, dann ihre Brüste. Ihre Brustwarzen waren hart und groß. Jared verschluckte sich fast. Das Wasser lief an ihrem Körper entlang und der See entblößte immer mehr von ihr. Ihr Bauch und Bauchnabel waren das Nächste, das Jared von ihr zu sehen bekam, danach ihre Hüfte. Jareds Mund wurde trocken und seine Zunge befeuchtete seine Lippen. Ihr Venushügel wurde sichtbar und wie schon in der ersten Nacht befand sich dort kein einziges Haar. Jared atmete stoßweise. Er konnte den Blick nicht abwenden. Ihre Beine wurden immer länger.

Dann stand sie vor ihm.

Nackt.

„Jared“, ihre Zähne klapperten aufeinander. „Du . . . Du bist . . . wieder da?“ Mahina stotterte.

Nun sah Jared auch, dass ihr Körper schon bläulich wurde. Sein Blick wanderte zurück zu ihren Lippen.

„Deine Lippen sind schon ganz blau, Mahina!“, rief er aus. Er griff zum ersten Handtuch und legte es über ihre Schultern, wickelte sie fest darin ein. Seine Hände rieben über ihre Arme. Er nahm ein zweites Handtuch und wickelte es um ihre Hüfte. Seine Hände rieben über ihren Bauch, ihren Po und ihre Beine. Das dritte Handtuch wickelte er um ihre langen Haare. Nun war sie fast wie ein Paket verschnürt. Ohne nachzudenken nahm er Mahina auf den Arm und brachte sie ins Haus.

In sein Haus.

Nach Hause.

Mahina

Sie konnte nicht mehr. Sie konnte einfach nicht mehr. Sie wusste nicht, seit wann sie im See war und schwamm. Es war dunkel geworden und wieder hell. Sie wusste nur, dass es trotzdem nicht besser wurde.

Manchmal weinte sie, während sie schwamm. Sie konnte nichts dafür, dass sie ‚zu jung‘ war – was auch immer das heißen sollte. Sie konnte nichts dafür, dass es ihr ging, wie es ihr eben ging. Sie konnte nichts dafür, dass sie einfach ständig an ihn denken musste und nicht an Schmetterlinge.

Was war denn nur los mit ihr? Gab es denn niemanden, der ihr helfen konnte, der ihr erklären konnte, was genau mit ihr los war? Den Einzigen, den sie sich getraut hätte zu fragen, war Jared. Und der war nicht da.

Was sollte sie nur tun? Was sollte sie nur tun? Verzweiflung machte sich in ihr breit.

Sie war eine gute Schwimmerin. Zu Hause, auf ihrer Insel, schwamm sie auch oft die halbe Nacht um die Insel herum. Aber das Wasser hier war sehr kalt und mittlerweile fror sie wirklich.

„Mahina.“, hallte es über den See. „Raus aus dem See. Sofort!“

Suchend sah sie sich um, dann sah Mahina Jared. Er stand breitbeinig, mit verschränkten Armen und bösem Blick am Ufer.

Ihr Herz hüpfte vor Freude. Er war wieder da! Sie schwamm auf ihn zu und ging an Land.

Jared wickelte sie fest in die Handtücher, die er mitgebracht hatte. Er hob sie hoch und trug sie fort. Mahina legte erleichtert und erschöpft ihren Kopf auf seine Schulter und schloss die Augen. „Du bist wieder da!“, flüsterte sie. Dann liefen Tränen der Erleichterung, aber auch der Erschöpfung leise über ihre Wangen.

*****

Jared

Das Haus, in dem Jared wohnte, befand sich sehr zentral in der Mitte des Dorfes. Es gab vorn eine kleine Veranda und das Haus war etwas größer. Wenn man die Haustüre öffnete, stand man in einem relativ großen Flur. Auf der linken Seite, zur Straße, befand sich eine kleine Küche. Da Jared selten selber kochte, sondern fast immer bei seinen Freunden aß, war das Einzige, das er wirklich benötigte, ein großer Kühlschrank. Er hatte sich einen richtig großen Amerikanischen Kühlschrank aufstellen lassen. In dem großen Flur befand sich ziemlich mittig eine Treppe, die nach oben führte. Hinter der Treppe gab es ein kleines Bad mit WC und Dusche. Weiter hinten war sein riesiges Wohnzimmer mit der großen überdachten Veranda. Hier standen ein großer Fernseher, eine große Couch und eine Top-Musikanlage. Oben gab es ein kleines Zimmer, das er nicht wirklich nutzte. Außerdem gab es hier oben, direkt an seinem Schlafzimmer, ein weiteres Bad mit WC und Wanne. Aber auch das benutzte er selten. Er duschte viel lieber. Sein Schlafzimmer war genauso groß wie sein Wohnzimmer darunter. Der Grund, weshalb die Veranda unten überdacht war, war der Balkon am Schlafzimmer. Betrat man den Raum, stand auf der linken Seite ein großes Doppelbett. Jared war so groß, dass normale Betten zu klein für ihn waren. Deshalb hatten seine Freunde und er ein Bett für ihn zusammengebaut. Ein großer roter Sessel stand in einer Ecke. Auf der rechten Seite stand eine große Kommode. Das war dann auch schon alles. Er hatte und benötigte nur wenige Klamotten. Er besaß nur ein paar Shorts und Shirts, einige Jeans und eine Lederhose.

Mit Mahina auf dem Arm, die in seinen Armen zitterte, ging er über die Hauptstraße zu seinem Haus. Dawn und Niki kamen ihnen entgegen.

„Até! Até Jared!“, rief Dawn schon von Weitem und kam sie auf ihn zugelaufen. Jared ging in die Knie und sah auf Mahina, die mit geschlossenen Augen in seinen Armen lag.

„Sonnenschein, wie geht es Dir?“, fragte Jared Dawn. „Wo geht ihr hin?“

Dawn zog einen Schmollmund und ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Ich wollte zu Dir. Aber da ist kein Platz mehr für mich.“ Dawn sah auf Mahina.

Jared setzte sich Mahina auf sein angewinkeltes Bein und zog seinen rechten Arm unter Mahinas Beinen hervor. Er griff nach Dawn und zog sie in seinen Arm.

„Bei mir ist immer Platz für Dich. Hörst Du? Weine nicht, Sonnenschein.“ Jared sprach zärtlich mit ihr.

Dawn schniefte: „Okay. Kann ich dann heute bei Dir schlafen?“ Sie sah nochmal zu Mahina. „Oder darf sie heute bei Dir schlafen?“

Jared lachte auf. Mittlerweile war Niki bei ihnen. „Ich glaube, heute ist es schlecht bei Jared zu schlafen, Dawn.“, meinte Niki und strich Dawn über die langen blonden Haare.

Dawn sah auf Mahina und dann fiel der Kleinen auf, dass Mahina weinte. Mit großen Augen schaute Dawn auf Mahina, legte ihre eine Hand auf deren Körper und sagte: „Mahina, Du musst nicht weinen. Ist gut, dann darfst Du heute bei meinem Até schlafen.“

Erschrocken riss Jared die Augen auf und dachte ‚Ach du Scheiße!‘. Laut sagte er: „Ja, dann schläft wohl Mahina heute bei mir. Aber morgen früh, wenn Du wach bist, kommst Du im Schlafanzug zu mir gelaufen und wir kuscheln dann noch ein wenig. Okay? Das ist dann fast so, als hättest Du bei mir geschlafen. Was sagst Du?“

Dawn lachte schon wieder und nickte fest mit dem Kopf. „Ja! Ja, das mache ich. – Mamá, darf ich? Darf ich morgen früh rüber laufen, wenn ich wach bin?“

Niki lachte und sah Jared an. „Dir ist schon bewusst, dass es eher heute Nacht sein wird, wenn sie angelaufen kommt.“

„Sonnenschein. Du kommst aber erst rüber, wenn es schon hell wird und die Sonne aufgeht. Du läufst nicht im Dunkeln von Haus zu Haus. Haben wir uns verstanden?“ Jared sah Dawn streng an und diese nickte mit ihren großen blauen Augen.

„Mamá, darf ich aufbleiben, bis die Sonne aufgeht?“

Niki und Jared lachten.

Niki

Lachend kam sie mit Dawn zur Türe rein. Dusk kam ihr entgegengelaufen.

„Mamá, Mamá!“

Mit den Kindern an der Hand ging Niki hinaus in den Garten. Tristan war mit einem Feuer beschäftigt. Nach dem Essen brachten sie gemeinsam die Kinder ins Bett. Dann saßen sie engumschlungen auf einer Decke am Feuer.

„Wenn ich ehrlich bin, bin ich froh, dass sich Jared auf Mahina geprägt hat.“, erklärte Niki gerade und lachte. „Auch wenn er es selber noch nicht weiß.“

„Warum, mein Herz?“, fragend sah Tristan sie an.

„Tris.“, sagte sie leise und zärtlich. Niki hatte es von Anfang an geliebt, ihn so zu nennen. Sie holte tief Luft: „Aber lach mich nicht aus!“, schimpfte sie schon mit Tristan. „Eine Zeit lang dachte ich, dass Jared und Dawn sich geprägt hätten. Das hat mir schon ziemlich Angst gemacht.“

„Oh – Okay.“ Erst versuchte sich Tristan, dass Lachen zu verkneifen, aber dann musste er laut lachen.

„Tristan!“, schimpfte Niki.

„Weißt Du, ehrlich gesagt, ich auch! Ich hab’s auch angenommen. Ich glaub, alle haben es angenommen.“ Er lachte immer noch laut und nun stimmte auch Niki ein.

„Ja, die beiden hatten schon immer ein besonderes Verhältnis zueinander. Weißt Du noch, dass es eine Zeit gab, wo nur Jared Dawn beruhigen konnte?“

„Und heute, wenn sie irgendwas hat, der Erste zu dem sie läuft, ist Jared. Aber ich freu mich, dass die beiden sich so gut verstehen.“

„Ja, ich mich auch. Warum schläft sie heute Nacht eigentlich hier und nicht, wie sie es wollte, bei Jared?“, fragte Tristan nach.

„Mahina ist bei Jared. Aber Dawn darf morgen früh rüber kommen. Nun will sie die ganze Nacht aufbleiben und warten, dass die Sonne aufgeht.“

Tristan lachte wieder. „Typisch, Dawn, meine süße Tochter.“

Mahina

Jared trug sie auf seinen Armen und hielt sie fest. Auch wenn sie noch zitterte, wurde ihr im Herzen warm. Sie kannte die Worte dafür nicht. Sie wusste auch nicht, dass es so war. Aber bei ihm fühlte sich Mahina das erste Mal in ihrem Leben wirklich beschützt und geborgen.

Jared

Jared brachte Mahina ins Haus. Mit dem Hintern stieß er die Türe auf, mit dem Fuß schloss er sie wieder. Dann brachte er sie die Treppen nach oben in sein Schlafzimmer. Sie zitterte immer noch sehr stark in seinen Armen, aber sie weinte nicht mehr.

Sein Bett war, wie fast immer eigentlich, nicht gemacht. Jared setzte sie hinein, nahm seine Decke und wickelte sie fest ein. Dann setzte er sich hinter sie, nahm sie in den Arm und begann, über ihren Körper zu rubbeln. Mahina lehnte den Kopf an seine Schultern und es dauert nicht lange, da spürte Jared die Feuchtigkeit ihrer Haare. Er setzte sie auf.

„Ich bin gleich zurück.“, sagte er leise zu ihr und lief ins Bad. Er holte neue Handtücher und eine Bürste. Jared rubbelte ihre Haare, so gut es ging, trocken und presste die Feuchtigkeit aus ihnen. Danach begann er, ihr die langen Haare zu bürsten. Als er damit fertig war, wickelte er ein neues Handtuch um ihren Kopf. Er ging zur Kommode hinüber und holte eine seiner Shorts und ein Shirt.

„Mahina, wir müssen Dich warm kriegen. Komm, wir müssen Dir was anziehen.“ Er wickelte Mahina wieder aus der Decke und half ihr aufzustehen. Seine Hände rubbelten über ihre Arme und ihren Rücken. Dann öffnete Jared das Handtuch um ihre Schultern. Mahina stand vor ihm und sah ihn mit diesen großen Augen vertrauensvoll an. Dass er dabei auch ihre Brüste berührte, war beiden nicht bewusst, bis Jared auf ihre Brustwarzen sah, die immer noch – oder schon wieder, wer wusste dies schon – hart und groß waren.

Sein Herz wurde einen Takt schneller, genau wie ihres. Sofort fielen Jared hundert Möglichkeiten ein, wie er sie schnell nicht nur warm, sondern heiß kriegen würde. Doch er schluckte nur und riss seinen Blick von ihr, griff nach dem Shirt und zog es ihr über den Kopf.

Er ging in die Knie und begann, ihren Po und ihre Hüfte abzurubbeln. Jared machte sich, während er ihre Beine abrubbelte, keine Gedanken darüber, dass eine seiner Hände dabei an den Innenseiten ihrer Oberschenkel entlang strich, bis er hörte, dass Mahina tief einatmete. Er sah zu ihr hoch.

Mahina stand ganz gerade. Ihr Blick ging geradeaus zum Fenster hinaus. Ihre Brustwarzen zeichneten sich unter dem Shirt mehr als deutlich ab und ihre Brust hob und senkte sich schnell.

‚Reiß Dich zusammen‘, schrie sich Jared in Gedanken selber an.

Jared nahm die Shorts und hielt sie ihr hin. Mahina hob erst das rechte, dann das linke Bein. Er bemerkte, dass sie eiskalte Füße hatte. Jared zog ihr langsam die Shorts nach oben.

‚Normalerweise ziehe ich Frauen aus, nicht an.‘, dachte er.

Das Handtuch um ihre Hüften löste sich und fiel langsam – wie in Zeitlupe – zu Boden. Jared kniete vor Mahina und sein Gesicht war auf Höhe ihrer Venus. Sein Herz verhaspelte sich und setzte einen Schlag aus, bevor es sich zu einem unregelmäßigen Takt wiederfand. Er starrte sie an. So nah hatte er sie noch nie gesehen. Seine Zunge befeuchtete seine Lippen. Jared schloss die Augen und atmete tief ein. Ihr Duft, so nah! Sein Speer begann zu wachsen und zu zucken. Er riss die Augen auf und zog ihr ruckartig die Shorts über den Hintern.

„Ab ins Bett.“, murmelte er heiser. Er nahm die nassen Handtücher und ging ins Bad. Dort musste Jared erst mal tief Luft holen. Er sah sich im Spiegel an und schüttelte er den Kopf. In seinen Gedanken rasten tausend Bilder durch seinen Kopf.

Er mit ihr.

In seinem Bett.

Zusammen.

Nackt.

Jared holte ein paar Mal tief Luft und dabei bemerkte er, dass seine Hände zitterten und er sie schon wieder zu Fäusten schloss und öffnete.

Mahina saß auf seinem Bett. Jared legte ihr erneut seine Decke um die Schultern. Er kniete sich vor sie hin und nahm einen ihrer Füße in die Hand. Er begann ihn zu rubbeln und zu massieren. Langsam kam neues Leben in Mahina und sie zitterte nicht mehr.

‚Warum nur fühle ich mich verantwortlich für sie?‘, fragte er sich selber in Gedanken. Aber Jared wusste keine Antwort.

„Komm, leg Dich hin, Mahina, dann versuch ein wenig zu schlafen“, sagte er zärtlich und deckte sie zu.

Mahina

Jared trocknete sie ab, zog sie an, bürstete ihre Haare. So viel . . . Was auch immer es war, sie hatte es noch nie erlebt. Aber es fühlte sich gut an. Sie seufzte.

Nur dieses Kribbeln war schon wieder da.

Sie schloss die Augen, als Jared ihr die Decke über die Schultern zog und ihr nochmal durch das Gesicht streichelte.

„Schlaf“, sagte er leise.

Und sie schlief ein.

10.

Jared

Er stand mit einem Bier in der Hand auf dem Balkon an seinem Schlafzimmer und starrte in die Prärie. ‚Was war das nur? Was war das nur?‘, fragte er sich selber in Gedanken. Ja, er war heiß auf sie, eindeutig, aber das war es nicht allein. Ihr Duft war aber auch wirklich sehr verführerisch. Aber er war sich auch sicher, dass er sich nicht vergessen würde, dass er immer an ihr Alter denken würde. Und sechzehn war eindeutig zu jung, nicht nur für ihn, sondern auch für Sex allgemein. Er fand es widerlich, wenn sich die jungen Menschenmädchen schon mit vierzehn oder noch jünger mit Jungs einließen und Männer, die sich an Kindern vergriffen, waren abscheulich. Jared schüttelte sich. Allein bei dem Gedanken wurde ihm fast schlecht. Sollte er jemals so einen Kerl in die Hände kriegen . . .

Jared drehte sich um und sah in sein Schlafzimmer: Mahina, in seinem Bett, auf seiner Seite. Schon wieder beschleunigte sich sein Puls. Sie sah so friedlich aus, entspannt. Sie lächelte und ihr Lächeln war wunderschön. Zärtliche Gefühle stiegen in ihm hoch, sein Herz wurde warm. ‚Was war denn das für ein Gedanke?‘, schalt er sich selber. Wahrscheinlich würde er heute auf der Couch schlafen. Allerdings wollte er sie auch nicht alleine lassen. Würde sie aufwachen, würde sie sich sicher erst mal nicht zurechtfinden und nicht wissen, wo sie war. Wenn er hier oben bleiben würde, würde er es mitbekommen, wenn sie erwachte.

‚Fummeln ist erlaubt‘, hatte Emily gesagt. Allein bei dem Gedanken wurden sein Atem und sein Herz schneller.

Nein! Entschlossen wandte er sich ab und nahm noch einen Schluck Bier. Nein!

Jared stand noch eine ganze Zeit auf dem Balkon. Sein Bier war mittlerweile leer. Da hörte er sie. Mahina begann zu stöhnen und zu weinen. Sofort lief er zu ihr hin. Das Handtuch um ihren Kopf hatte sich mittlerweile gelöst und ihre langen schwarzen Haare lagen auf den Kissen.

Er setzte sich aufs Bett, zu ihr, und sprach: „Mahina, Du träumst. Alles ist gut.“ Er griff nach ihrer Hand und drückte sie. Mit der anderen Hand streichelte er über ihre Wange.

Nein, er würde sie nicht allein lassen. Nein, er würde sie nicht anfassen! Entschlossen stand er auf und ging ins Bad. Dort zog er sich Shorts an und legte sich zu ihr ins Bett. Eine Zeitlang lag er steif im Bett. Aber der Drang, sie in den Arm zu nehmen, ließ nicht los. Irgendwann gab Jared ihm nach, drehte sich zu ihr und nahm sie fest in den Arm.

Jared seufzte und atmete tief ihren besonderen Duft ein. Das fühlte sich gut an. Etwas, dass sich so richtig anfühlte, konnte doch nicht falsch sein. Lange lag Jared noch wach und genoss das Gefühl.

Er gab ihr einen sanften Kuss auf die Schulter, dann in den Nacken. Sein Kiefer begann zu schmerzen. Jared wunderte sich, bekam er jetzt etwa Zahnschmerzen?

*****

Er erwachte, weil seine Haustüre zuknallte. Er lächelte, denn er hörte kleine Füße die Treppen hochsteigen. Jared wollte sich strecken. Da erst fiel ihm auf, dass Mahina in seinem Arm lag. Jared lag auf dem Rücken und Mahina auf seiner linken Seite fest an ihn angekuschelt. Seine Hand lag an ihrem Rücken, schon fast an ihrem Po. Ihr Kopf lag auf seiner Brust, ihre linke Hand auf seinem Bauch. Er hob den Kopf und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn.

Jared wendete den Kopf, denn seine Schlafzimmertüre wurde geöffnet. Dawn stand in der Tür. Ihre nackten Füße tippelten auf dem Holzboden. Seine Decke hob sich und die Kleine kroch zu ihm und kuschelte sich auf die andere Seite.

„Sonnenschein“, flüsterte er, „ist es denn schon hell draußen?“

„Nein“, flüsterte Dawn zurück, „aber die Sonne geht gerade auf. Ich hab die ganze Nacht darauf gewartet.“ Es dauerte nicht lange und Jared hörte ihren gleichmäßigen Atem. Jared lächelte. Sie war schon eingeschlafen. Er drückte die beiden weiblichen Wesen in seinen Armen fest an sich und schloss die Augen. Wie gut sich das anfühlte.

Zum ersten Mal in seinem Leben fragte Jared sich, ganz weit hinten im Kopf, während er schon wieder einschlief, ob es wohl für ihn auch jemanden gab. Jemanden, auf den er sich prägen würde. Jemanden, den er markieren wollte. Jemanden, mit dem auch er Welpen bekommen wollte.

Mahina war seine eigene Antwort, aber Jared schlief schon wieder.

*****

Jared

Während er erwachte, hörte er leise Stimmen.

Mahina und Dawn.

Er lag allein im Bett. Langsam setzte er sich auf und sah sich suchend um. Auf dem Boden vor dem Bett saß Mahina mit dem Rücken zu ihm. Vor ihr, auf ihrem Schoß, saß Dawn und die beiden schauten sich ein Bilderbuch an.

Erklärte Dawn Mahina gerade, wo die Babys herkamen? Das war ein Buch, welches Niki in einer Buchhandlung gefunden hatte. Dort wurde kindgerecht erklärt, wo die Babys herkamen. Da Niki nun das zweite Mal trächtig war, hatte sie das Buch für ihre Kinder mitgenommen. Dawn war ganz aufgeregt damit zu Jared gekommen. Dann hatte die Kleine ihm erklärt, wo die Babys herkamen.

Zärtlichkeit erfüllte sein Herz und Jared wurde zum ersten Mal bewusst, dass er genau das, was er da sah, auch haben wollte.

Eine Frau.

Und ein Kind.

Aber der Gedanke war genauso schnell verschwunden, wie er gekommen war.

„Guten Morgen.“, nuschelte Jared verschlafen. Er sah, wie Dawn um Mahina herum krabbelte. Mit einem lauten Aufschrei kam Dawn wieder ins Bett und schmiss sich in seine Arme.

Jared begann, Dawn zu kitzeln. Die Kleine lachte laut und rief nach Mahina, sie solle ihr helfen kommen. Mahina war aufgestanden und sah Jared jetzt mit großen Augen an. „Komm“, lachte Jared, „wenn Du dich traust.“ Er kitzelte Dawn weiter.

Mahina lachte und stürzte sich auf Jared.

Nun kitzelten die beiden ihn. Er hatte sich unterworfen, ließ sich kitzeln und lachte laut, obwohl er eigentlich gar nicht kitzelig war. Mahina saß auf ihm und hielt seine Arme über seinem Kopf fest, während Dawn seine Achseln kitzelte.

Wie war sie da nur hingekommen?

Unten ging die Tür auf und Tristan rief laut nach Dawn. „Dawn! Jared? Dawn! Wir wollen los. Wir fahren in die Stadt. Willst Du mit?“ Jared hörte, dass Tristan an der Treppe stehen blieb.

Dawn sah Jared mit großen Augen an, drückte ihm einen Kuss auf die Wange „Ich muss jetzt in die Stadt fahren!“. Sie lief aus dem Schlafzimmer und die Türe fiel krachend ins Schloss.

„Ich komme, Phapá!“, hörte Jared sie rufen. Unten ging die Tür zu und er war mit Mahina allein.

*****

Mahina

Sie saß auf ihm und hielt seine Arme fest. Nun, da Dawn weg war, bemerkte sie, wie schwer sie atmete.

Jared sah sie mit zusammengekniffenen Augen an.

Mahina sah auf ihre Hände und stellte erstaunt fest, dass sie seine Arme immer noch festhielt. Sie musste sich dafür ein wenig vorbeugen und saß auf seiner Brust.

Jared hob den Kopf. „Mahina“, sagte er ganz leise.

Ihr Herzschlag nahm an Geschwindigkeit zu und ihre Atmung wurde unruhig. Als hätte sie sich verbrannt, ließ sie ruckartig seine Oberarme los. Doch Jared schüttelte den Kopf, lies die Arme über seinem Kopf liegen und flüsterte: „Nicht, Mahina, lass meine Arme nicht los. Halt sie fest, drück sie nach oben.“

Mahina sah Jared etwas erstaunt an, aber dann umfassten ihre Hände wieder seine Oberarme.

Jared

Mahina saß auf ihm. Seitdem Dawn weg war, hatte er nur einen Gedanken. Er wollte sie küssen.

Nur einmal.

Einmal noch sie schmecken.

„Komm näher.“, hatte er geflüstert. „Ich will Dir was ins Ohr flüstern.“ Das war eine Lüge.

Mahinas Kopf kam immer näher. Sie stütze sich auf seinen Oberarmen ab, ihre Lippen hatten sich leicht geöffnet und ihre Zunge befeuchtete unbewusst ihre Lippen.

„Noch näher.“ Seine Stimme war eigentlich nicht mehr vorhanden.

Als Mahina nah genug war, hob er den Kopf und küsste sie. Sein Mund hielt ihren gefangen. Seine Zunge strich über ihre Lippen. Sanft saugte er an ihrer Unterlippe und Mahinas Herz begann zu rasen. Sie erwiderte seinen Kuss.

Jared stöhnte laut auf. Und das nicht nur, weil der Duft ihrer Erregung unverkennbar war. Doch Mahina hatte die Lippen von seinen gelöst.

„Tu ich Dir weh? Hast Du Schmerzen?“, sie war aufgeregt.

Jared schüttelte den Kopf: „Lass mich Dich küssen, Mahina, bitte!“ Seine Stimme war rau. Er hob wieder den Kopf, aber ihrer war zu weit entfernt. „Bitte“, er flehte sie an, „komm näher!“

Ihre Hände, die seine Oberarme festhielten, würden ihn nicht aufhalten. Aber so hatte er zumindest das Gefühl, dass er sie nicht anfassen konnte, nicht anfassen durfte. Seine Hände suchten Halt, irgendetwas, an dem er sich festhalten konnte. Und so griffen seine Hände an das Oberteil des Bettes, irgendwo an den Rahmen, während Mahinas Kopf wieder tiefer kam und Jared sie küssen konnte. Ihre langen Haare fielen um ihre Köpfe herum.

Sie küssten sich nur, sonst nichts, aber Jared war heiß. Sein Speer wurde hart und begann zu pochen. Er konnte riechen und spüren, dass auch Mahina heiß wurde, denn ihre Hitze auf seiner Brust . . . Es fühlte sich an, als würde er dort verbrennen.

Fast vergaß sich Jared.

Seine Hand fasste an ihren Hinterkopf, dann drehte er sich mit ihr um. Nun lag sie unter ihm.

„Jared!“, rief sie erschrocken aus.

Ihr Kopf lag auf seinem linken Arm. Mit der rechten Hand griff Jared Mahina ans Kinn und hielt ihren Kopf dadurch fest. Er sah ihr in die Augen, die groß waren. Ihre Wangen hatten schon eine leichte Röte. Jared fand, dass sie hinreißend aussah.

Wieder legte er seine Lippen auf ihre. Seine Zähne zogen sanft an ihrer Unterlippe und Mahina öffnete den Mund und atmete tief ein und aus. Ihr Herz schlug schnell und hart in ihrer Brust, genau wie seines. Jared strich mit der Zunge über ihre Lippen und ihre Zunge kam ihm entgegen. Mit der rechten Hand nahm Jared ihre Hand, die links neben ihrem Körper lag und in die Decke griff, und legte sie auf seine Brust. An ihrem Mund stöhnte Jared leise. „Fass mich an.“, flüsterte er an ihren Lippen, dann verschloss er ihren Mund.

Seine Hand griff an ihre Hüfte. Zärtlich streichelte er über ihren Bauch. Mahinas Atmung wurde immer schneller, immer hektischer. Ihr Herz raste. Seine Hand wanderte langsam höher, während sein Mund ihren nicht losließ. Ihre Hand an seiner Brust krallte sich in ihn und abermals stöhnte Jared laut an ihrem Mund auf.

Dann lag seine Hand unter ihrer Brust. Er konnte schon die Rundung an seiner Hand spüren, aber auch, dass sich ihr Körper anspannte. Mahina, die stoßweise atmete, flüsterte leise seinen Namen: „Jared, was machst Du nur mit mir?“

Erschrocken löste Jared seine Lippen von ihren, sah auf sie herunter und auf seine Hand. Er riss die Hand von ihrem Körper, als hätte er sich verbrannt und drehte sich schweratmend auf den Rücken.

Mahina sprang auf und lief davon.

„Ja!“, rief Jared „Lauf weg, lauf weit weg, Mahina!“

Mahina

Wenn das Küssen war, dann wollte sie nur noch Jared küssen. Es war aufregend. Es fühlte sich gut an. Ihr Körper hatte schon angefangen zu kribbeln, als er sie gebeten hatte, ihn weiter festzuhalten. Als ob sie ihn festhalten könnte! Er sah stark aus, richtig stark. Nie würde sie ihn halten können. Doch als sie sich küssten, war das Kribbeln immer schlimmer geworden.

Als Jared dieses komische Geräusch gemacht hatte, war sie erst erschrocken gewesen. Sicherlich hatte sie ihm wehgetan. Aber er hatte den Kopf geschüttelt und wollte sie weiter küssen.

Sie wollte mehr von ihm. Was auch immer ‚mehr‘ hieß. Sie konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Als sich Jared mit ihr umdrehte, war sie zuerst erschrocken gewesen. Doch das Küssen gefiel ihr. Als Jareds Zunge über ihre Lippen strich, hatte sie sich ihm bereitwillig geöffnet. Anfangs war es ja komisch gewesen, seine Zunge an ihrer zu spüren, aber schnell hatte es Mahina gefallen. Es war, als würde ihre Zunge von allein wissen, was zu tun war. Das Kribbeln war immer schlimmer geworden. Als seine Hand über ihren Körper streichelte, da hatte sie schon gedacht, dass ihr Herz gleich stehen bleiben würde und sie hatte keine Luft mehr bekommen. Ihr war heiß geworden, richtig heiß.

Einerseits wollte sie bei ihm bleiben, wollte, dass er weitermachte, mit dem, was er tat. Andererseits wollte sie, dass er aufhörte, damit sie wieder klar denken konnte und sie wollte weglaufen.

Als Jared sie losließ, sprang sie auf und rannte davon. Sie musste laufen, sich bewegen, vor ihm fliehen.

Mahina stürmte die Treppen hinunter und war schon fast an der Haustüre, als sie hörte, dass sich oben die Türe öffnete und Jared ihren Namen rief.

„Mahina!“ Seine Stimme war leise.

Sofort blieb sie stehen. Wenn er sie jetzt zurückrufen würde, würde sie zu ihm gehen, würde sie nicht weglaufen können.

„Ja?“, fragte sie atemlos. Ihre Stimme war nicht mehr als ein Hauch.

„Du gehst nicht schwimmen! Du gehst nicht in den See. Lauf zu Emily!“

„Ja, ist gut.“

„LAUF!“, knurrte er bedrohlich.

Mahina riss die Türe auf, rannte über die Straße und blieb erst stehen, als sie bei Emilys Haus ankam.

11.

Emily

Sie saß mit Drake und David auf der Veranda. Sie frühstückten gerade. Drake hatte schon vor einigen Sekunden gesagt, dass Mahina kommen würde und so warteten sie auf sie.

Sie kam zwischen den Bäumen angerannt und blieb außer Atem erst vor der Veranda stehen.

„Hallo!“, rief David ihr entgegen, hob seine Hand und winkte.

„Hallo.“ Mahina musste erst mal Luft holen. „Jared schickt mich.“

Emily und Drake sahen sich an, dann lachten sie. „Ja“, sagte Emily, „ich weiß.“ Sie klopfte auf den freien Sitzplatz neben sich auf der Bank. Drake ging ins Haus und brachte ihr eine Jogginghose von Emily.

„Zieh die hier drüber.“, meinte er zu Mahina und warf ihr die Hose zu.

Ganz in Ruhe frühstückten sie zu Ende. Drake verabschiedete sich. Er ging mit David weg, Männersachen erledigen, hatte er David erzählt, während Emily mit Mahina ins Haus ging.

„Ich hab ein paar Sachen für Dich, die ich nicht mehr brauche. Wenn sie Dir passen, schenke ich sie Dir.“ Als Erstes drückte Emily ihr eine Jeans und ein paar Shirts, Wäsche und ein Kleid in die Hand. Mahina war schlanker als Emily, noch zarter. Sie konnte alles tragen. Emily trug als Unterwäsche eigentlich nur kurze enge Boxershorts. Davon hatte sie noch einige, die sie noch nie getragen hatte. Sie kam nicht häufig in die Stadt. Aber dann kaufte Emily ein, was sie glaubte zu benötigen. Mahina sah Emily erstaunt an.

„Was ist das?“, fragte sie.

„Das, Mahina, nennt man Unterwäsche. Ich weiß, dass viele – gerade die männlichen – Wölfe so etwas wirklich selten bis gar nicht tragen. Aber ich – als menschliche Frau – und Niki tragen so etwas. Ich glaube, viele von den weiblichen Wölfen auch. Du kannst es anziehen, aber Du musst es natürlich nicht tragen.“

Später sagte Emily: „Mahina, Du kannst das alles mitnehmen. Es gehört jetzt Dir.“

Mahina war sprachlos. Ihre Augen schwammen in Tränen und sie warf sich Emily in die Arme.

Emily nahm Mahina mit in die Küche und kochte Tee für sie beide.

Zuerst bat Emily Mahina, etwas von sich zu erzählen. Mahina erzählte von ihrer Insel und ihre Augen leuchteten dabei.

Als das Thema ausgiebig erörtert worden war, brachte Emily die Sprache auf Läufigkeit und fragte nach, ob Mahina schon läufig wurde und auch, ob sie wohl wusste, was das bedeutete.

Mahina

So viele Dinge, wie sie nun zum Anziehen bekommen hatte, hatte sie noch nie besessen.

Mahina sah sich um. Es war schön hier. Sie saß mit Emily in der Küche und sie fühlte sich wohl. Das erste Mal in ihrem Leben fühlte sie sich willkommen. Die Wölfe hier sprachen mit ihr, auch wenn sie immer noch rot wurde. Hier war sie auch nicht immer allein. Ja, ihre Insel war schon toll - das schöne Wetter, das klare Wasser. Aber es war heiß dort, oft zu heiß. Hier, bei diesen Temperaturen, fühlte sie sich wohler. Auch, wenn sie gerne auf ihrer Insel war, dort war sie immer allein. Meistens jedenfalls, denn Neyla kam nur manchmal - immer dann, wenn der Mond wieder voll am Himmel stand.

Es war das erste Mal, dass sie mit jemandem offen sprechen konnte und auch das Gefühl hatte, dass jemand ihre Sorgen, Ängste und Nöte verstand. Sie fühlte sich erleichtert. Emily war echt nett. Manchmal fragte Emily ein paar Dinge nach, doch ließ sie vor allem Mahina erzählen.

Zuerst hatte Emily sie nach ihrer Insel gefragt und mit leuchtenden Augen hatte Mahina erzählt. Danach wollte Emily wissen, ob sie schon läufig wurde und seit wann. Das konnte Mahina bestätigen. Seit wann vermochte sie allerdings nicht zu sagen, denn Mahina hatte überhaupt kein Zeitgefühl. Emily erklärte ihr ausführlich, was es bedeutete, dass sie jetzt läufig wurde, was genau dabei in ihrem Körper passierte, wo die Unterschiede zwischen Wolf und Frau bestanden. Mahina bekam einen roten Kopf.

Danach fragte Emily Mahina, ob sie wüsste, dass Männer und Frauen unterschiedlich waren und auch sehr unterschiedlich aussahen. Hatte Mahina vorher schon einen roten Kopf gehabt, explodierte er nun förmlich. Sie wurde verlegen, schaute nur noch auf den Boden. Ihre Wangen glühten und sie hatte keine Stimme mehr. Emily war sehr rücksichtsvoll und einfühlsam. Dann holte sie ein Buch.

„Das hier ist ein Kinderbuch, Mahina. Damit haben wir David den Unterschied zwischen Mann und Frau erklärt. Ich denke, das ist für Dich auch perfekt.“

Mahina wusste vor Aufregung und Scham nicht mehr, wo sie noch hinsehen sollte. Sie klammerte sich an ihrer Teetasse fest, die mittlerweile leer war. David war viel jünger als sie und er wusste das schon alles?

„Nachher werden ein paar Freunde kommen. Kaleiope und Sam, Maddox und Mira, Niki und Tristan, Jasper und Blossom. Ich denke, sie werden alle ihre Kinder mitbringen. Wir wollen einen schönen Nachmittag zusammen verbringen, reden und lachen, etwas essen. Ich gehe davon aus, dass auch Jared kommen wird. Drake und David sind unterwegs und geben unseren Freunden Bescheid. Ich muss noch etwas vorbereiten und ich würde mich freuen, wenn Du auch bleiben würdest. Magst Du mir helfen?“

Mahina war fasziniert von all den Dingen, die es in Emilys Haus gab. Aber vor allem die Küche hatte es ihr angetan. Was es nicht alles zu essen und zu trinken gab!

Emily

Auch das Waschen, Schälen, Putzen und Schneiden musste Emily Mahina zeigen. Das Kind kannte rein gar nichts. Doch während sie zusammen schnibbelten, entspannte sich Mahina wieder und sie lachten sogar zusammen. Emily nahm das Gespräch wieder auf. Sie fragte Mahina, ob sie wüsste, wie Kinder – egal, ob Babys oder Welpen – entstehen würden und wo sie herkamen. Eigentlich wäre das doch Neylas Aufgabe gewesen, wunderte sich Emily, aber diese hatte Mahina wirklich überhaupt nichts beigebracht. Wahrscheinlich konnte Mahina auch weder lesen noch schreiben noch rechnen.

Natürlich wusste Mahina nicht, wie Babys entstanden oder wo diese herkamen. Während Emily es ihr erklärte, hatte sie wieder rote Ohren. Auch Emily hatte dann und wann rote Ohren, denn es war immer noch ein Unterschied, ob man sein eigenes Kind aufklärte – einen sechsjährigen Jungen – oder eine junge Frau, mitten in der Pubertät. Doch dann schüttelte Emily den Kopf. Sie konnte das hier als gute Übung annehmen, denn ob es ihr mit ihren eigenen Kindern auch so leichtfallen würde, über Sex zu sprechen, konnte sie noch nicht sagen. Dafür war David viel zu jung.

Emily versuchte, so vorsichtig, wie es ihr möglich war, zu erklären, was genau man beim Sex machte. Sie half Mahina den Unterschied zwischen Fummeln und richtigem Sex zu verstehen. Emily erklärte, dass das, was sie gerade fühlte und wie sie sich fühlte - auch die Unsicherheit und die Angst - normal waren und nichts, vor dem sie sich fürchten muss. Aber sie sagte Mahina auch, dass sie immer – absolut immer – auf sich und ihren Körper hören musste. Wenn ihr etwas unangenehm wäre oder ihr Schmerzen verursachen würde, sollte sie sofort mit dem, was auch immer sie gerade tat, aufhören. Sex sollte schön sein. Er sollte schöne Gefühle verursachen und keine Schmerzen.

„Und schlafe nur mit jemandem, wenn Du es wirklich willst. Lass Dich nicht zu etwas zwingen! Wenn Du an den richtigen Mann oder Wolf gerätst, wird er sich auf Dich einlassen und Deine Wünsche akzeptierten. Er wird auch ein ‚Nein‘ akzeptieren.“

Emily sah aus dem Fenster. David kam mit seinen Freunden den Weg entlang.

„Unser Besuch kommt.“, sagte sie zu Mahina und lächelte sie an. „Mahina, ich weiß, es waren heute wirklich viele Informationen. Denk jetzt nicht weiter darüber nach, hab Spaß heute bei uns. Wenn Dir noch Fragen einfallen, dann komm. Ich werde versuchen, Dir alle so gut ich kann zu beantworten. Okay? Egal, welche Fragen Du auch immer hast. Ich bin hier.“ Emily nickte.

„Okay“, hauchte Mahina.

„Und Mahina, Jared . . . Er ist einer von den Guten“, sagte Emily lächelnd.

Emily wollte die Küche verlassen und ihre Freunde empfangen, doch Mahina hielt sie auf.

„Emily?“

„Ja, Mahina?“

Dann warf sich Mahina in Emilys Arme. „Danke.“, flüsterte sie weinend. „Ich wünschte, du wärst meine Mutter.“

Neyla

Wo war Mahina nur? Sie hatte sie seit gestern Nachmittag nicht mehr gesehen. Hatte Jared sie geholt? Hatte sie bei ihm die Nacht verbracht? Hatte es letztendlich doch funktioniert?

Neyla saß auf den Stufen auf der vorderen Veranda des kleinen Gästehauses und beobachtete Drake und David, die jetzt an eine Tür klopften und hineingingen. David kam wieder herausgerannt und rief laut die Namen seiner Freunde. Aus allen Ecken kamen kleine Jungs gelaufen. Die Jungs liefen Richtung Wald. Drake kam mit Jared aus dem Haus, aber Mahina war nicht dabei. Wo, großer Wolf, war sie nur?

Sein Bruder und dessen Frau kamen aus einem der anderen Häuser. Neyla sah, wie die kleine Dawn sich von Nikis Hand losriss und Jared in die Arme flog.

„Hallo, Sonnenschein.“, konnte Neyla ihn hören. Mit Tränen in den Augen sah Neyla ihnen hinterher. Wie gerne würde sie dazu gehören. Jared würde sicher mal ein wunderbarer Vater werden.

Zusammen ging die Gruppe Richtung Wald. Waren sie heute alle bei Emily und Drake? Neyla seufzte traurig. Sie hatte keiner gefragt, ob sie auch kommen wollte.

Dass sich Neyla durch ihr Verhalten, sich von allen besteigen zu lassen und damit, wie sie Mahina behandelte, selber ins Aus katapultierte, war Neyla nicht bewusst.

Als die Gruppe im Wald verschwunden war, erhob sich Neyla langsam und ging ihnen hinterher. Doch sie trat nicht aus den Bäumen, sondern versteckte sich. Den ganzen Nachmittag saß sie zwischen den Bäumen und beobachtete das Treiben auf der Veranda und auf den Wiesen. Sogar Mahina war unter ihnen.

Neyla war allein. Sie fühlte sich nicht willkommen und ausgestoßen. Sie war es schlussendlich auch nicht.

Als es dunkel und kühler wurde, gingen alle ins Haus. Das Haus war hell erleuchtet und durch die großen Fenster konnte sie immer noch einiges sehen und natürlich viel hören. Kinder liefen lachend die Treppen hoch.

Spaß. Vertrautheit. Freundschaft.

Wie gerne wäre sie Mitglied dieser Gemeinschaft . . .

Traurig, weinend und voller Zorn wandte sich Neyla ab.

Jared

Nachdem Mahina am Vormittag weggelaufen war, war Jared wie ein eingesperrter Wolf auf und ab durch sein Schlafzimmer gestampft.

Er verfluchte sich selber! Fast hätte er sich vergessen gehabt!

Aber das war auch nicht normal. Warum nur reagierte er so . . . so . . . intensiv auf sie? Warum schien er alles andere um sich herum zu vergessen, wenn sie in seiner Nähe war? Warum machte ihr Geruch ihn nur so . . . verrückt? Warum konnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen, wenn sie da war? Warum nur machte ihn Küssen schon so heiß? Warum nur war er ständig geil auf sie? Warum nur stellte er sich ständig vor, sie zu berühren und ihr zu zeigen, wie Sex war. Er war keiner, der ‚Blümchensex‘ mochte, aber bei Mahina stellte er sich ‚Blümchensex‘ vor.

Als er es nicht mehr aushielt, warf er sich ins Bett. Ihr Geruch war immer noch sehr stark. Hier hatte ihr Körper die ganze Nacht gelegen. Er vergrub sein Gesicht tief im Kissen, atmete sie ein. Sein Körper begann fast automatisch, sich zu bewegen. Seine Fantasie war nicht mehr aufzuhalten. Wenn sie jetzt zurückkommen würde . . .

Ja, er wollte sie . . . sie vernaschen und ihr zeigen, wie gut Sex sein konnte. Er wollte sie schmecken, sie spüren und hören, sich tief in ihr vergraben und sich in ihr verlieren. In Gedanken sah er sich, wie er sie von hinten nahm, sah ihren Nacken, der frei, ungeschützt und so jungfräulich vor ihm lag. Als er sich vorstellte, dass er seine Zähne in ihren Nacken schlagen würde, kam Jared. Doch der Orgasmus stellte keine Erleichterung für ihn dar.

Der Gedanke, seine Zähne in ihren Nacken zu schlagen, war nicht bewusst in seinem Kopf. Denn wenn er es gewesen wäre, hätte Jared vielleicht gewusst, was dies bedeutete. Nur, wenn man sich geprägt hatte, wollte das Männchen das Weibchen markieren, sonst nie.

Danach ging er duschen. Er stellte das Wasser auf eiskalt. Aber auch das half nicht.

Nun standen Drake und David in der Tür und wollten ihn abholen.

„Mahina?“, fragte Jared vorsichtig nach.

„Ich weiß nichts. Ich weiß nicht, ob sie noch bei Emily ist.“ Drake zuckte die Schultern.

Dawn auf seinen Schultern tragend, ging Jared mit Drake, Tristan und Niki zu Emilys Haus. Die Kleine lachte und schrie. Wie gut sich das anfühlte.

Jared sah Mahina schon von weitem. Sie trug eine Jeans und ein Shirt und sah total heiß und sexy aus. In der Jeans hatte sie einen absolut geilen Knackarsch. Er dachte nicht darüber nach, als er zu ihr hin ging. Als sie ihren Kopf hob, fasste Jared ihr an den Nacken und küsste sie auf die Lippen. Auf seinen Schultern begann Dawn zu schreien: „Ich fall runter, ich fall runter!“ Sie strampelte mit ihren kleinen Füßen. Drake kam hinzu und hob Dawn hinunter. Schon lief die Kleine lachend weg.

Mahina

Sie roch Jared, bevor sie sich umdrehte und feststellte, dass er hinter ihr stand. Seine Hand umfasste ihren Nacken und dann küsste er sie. Hier! Vor allen Leuten! Mahina wurde rot. Sie stammelte: „Ich muss Emily helfen!“. Damit drehte sie sich um und lief ins Haus.

Den ganzen Tag warf sie Jared verstohlene Blicke zu, auch wenn sie versuchte, sich von ihm fernzuhalten. Aber er schien immer gerade dann zu ihr zu sehen und Mahina wurde rot.

*****

Jared

Was war denn nur los mit ihm? Was war denn das gewesen?

Jetzt beobachtete Jared jede ihrer Bewegungen aus der Entfernung. Das Bedürfnis, sie für sich zu nehmen, sie für sich zu gewinnen und mit ihr zu schlafen, wurde immer schlimmer. Wann würde sie siebzehn? Siebzehn war zwar nicht achtzehn, aber immer noch besser als sechzehn.

Irgendwann spät in dieser Nacht, die Kinder schliefen oben in allen Räumen verteilt und die ersten waren schon gegangen, erwischte er Mahina allein in der Küche.

„Ich muss jetzt gehen.“, sagte er leise zu ihr. „Allein.“

Mahina sah ihn mit großen Augen an und nickte. „Wenn Du gehen musst, musst Du gehen.“, sagte sie leise.

Jared drehte sich um und ging.

Mahina

Mahina schossen Tränen in die Augen.

Sie wartete, bis sie durch das Fenster sehen konnte, dass Jared an den Bäumen war. Sie lief aus der Küche über die hintere Veranda hinaus auf die Wiesen.

Und lief.

Und lief.

Und lief.

Tränen liefen über ihre Wangen. Sie wusste nicht zu sagen, warum sie weinte. Aber ihr Herz tat weh.

Irgendwann ließ sie sich einfach ins Gras fallen und sah zum Himmel hoch. Hier waren die Sterne genauso schön wie bei ihr auf der Insel.

Ein Geräusch ließ sie erschrocken herumfahren und ihr fiel erst jetzt auf, wie weit sie sich von Emilys Haus und dem Dorf entfernt hatte. Dann sah sie den Schatten und ein leiser Schrei machte sich selbstständig und verließ ihre Lippen. Doch der Schatten bewegte sich nicht. Mahina holte tief Luft und zog die Luft tief durch die Nase.

Jared.

Seinen Duft kannte sie mittlerweile sehr gut und sie war sich sicher, sie würde ihn auch unter einhundert Wölfen wieder erkennen. Sie drehte sich von ihm weg. Sie legte ihren Kopf auf ihre Knie und weinte.

Als Jared sich hinter sie setzte und sie in den Arm nahm, erschrak sie wieder und zuckte zusammen. Doch Jared hielt sie einfach fest und sagte kein Wort.

„Warum?“, schniefte sie weinend. „Warum ist es, wie es ist? Warum tut es weh?“ Mahina drehte sich um und krabbelte auf Jareds Schoß, legte ihren Kopf auf seine Schulter und presste ihr Gesicht an seinen Hals. Ihre Arme klammerten sich an seinen Schultern fest, ihre Beine umschlossen seine Hüften.

Jared nahm sie in den Arm, drückte sie fest an sich und flüsterte die ganze Zeit: „Scht, scht, alles wird gut, alles wird gut, scht, scht.“

„Es tut mir so leid!“, schluchzte Mahina laut. „Es tut mir so leid!“

„Was?“, fragte Jared sanft. „Was tut Dir leid?“

„Dass ich so jung bin! Es tut mir leid!“ Sie weinte hemmungslos, schluchzte laut und klammerte sich an ihn.

Jared

Hoch erhobenen Hauptes und mit geradem Rücken hatte er das Haus verlassen. Doch in seinem Inneren sah es anders aus. Er wollte weinen. Das hatte er schon lange nicht mehr getan. Das letzte Mal, als die Zwillinge geboren waren und er Dusk und Dawn das erste Mal im Arm hielt. Doch jetzt war sein Herz schwer. Warum auch immer.

Er konnte sie heute nicht mitnehmen. Zu groß war seine Angst, dass er sich doch vergessen würde. Er wollte sie, oh ja, und wie! Irgendwie wurde es jeden Tag schwerer, ihr zu widerstehen.

Als Jared gerade den Weg zwischen den Bäumen einschlagen wollte, hörte er die Tür und sah sich um. Er sah Mahina, die die Beine in die Hand nahm und rannte, was das Zeug hielt. Erst war Jared noch unschlüssig stehen geblieben, aber er hörte ihr leises Schluchzen. Das war zu viel für ihn und er drehte sich um und lief ihr hinterher.

Nun saßen sie gemeinsam auf dem Boden, Mahina auf seinem Schoß, in seinem Arm. Es war schon fast November und es war kalt geworden.

So saßen sie die ganze Nacht.

12.

Neyla

Mahina war erst in den frühen Morgenstunden zu ihr zurückgekommen.

Neyla war außer sich vor Wut und Hass. Hass auf Mahina. Wieso bekam das Kind die Aufmerksamkeit, die ihr Zustand? Warum wurde Mahina so aufgenommen und sie, Neyla, nicht?

Das Kind war mehr als undankbar. Schließlich hatte SIE Jared für Mahina ausgesucht. Wenn SIE nicht an diesem Abend auf der Jagd gewesen wäre, hätten sie Jared und das Dorf hier nie kennengelernt. Mahina war ihr zu Dank verpflichtet! Davon abgesehen, kümmerte sie sich nun schon seit . . . ach, es war auch egal, wie viele Jahre es jetzt waren.

Und nun kam das undankbare Kind auch noch mit einem Korb voller Klamotten. Wutentbrannt riss Neyla Mahina den Korb aus der Hand und schmiss alles durch den Raum.

„Das brauchst Du alles nicht! Ich erlaube es nicht, dass Du nur ein Teil davon behältst.“ Dann begann sie, auf Mahina einzuschlagen. Mahina war total erschrocken. Sie hatte gedacht, Neyla würde sich für sie freuen. Weinend rutschte sie an der Wand hinunter, legte den Kopf auf die Beine und ihre Arme schützend um ihren Kopf. Nun trat Neyla nach ihr.

„Du undankbares Balg!“, doch Neyla schrie nicht. Sie brüllte zwar irgendwie, aber leise, ganz leise, was es für Mahina noch schlimmer machte. „Hast Du wenigstens mit Jared, oder irgendjemand anderem hier aus dem Dorf geschlafen? Hast Du Dich anfassen lassen, wie ich es Dir erklärt habe, wie ich es wollte?“ Weinend schüttelte Mahina den Kopf. „Auf Dich ist kein Verlass! Du bist ein nichtsnutziges Balg!“

Irgendwann hatte sich Neyla beruhigt. Sie saß auf der Couch, während Mahina immer noch weinend in einer Ecke des Zimmers auf dem Boden kauerte.

Nichts hatte funktioniert. NICHTS!

Na ja, vielleicht doch. Der Plan war die letzten Tage immer weiter fortgeschritten.

„Wir werden heute noch das Dorf verlassen, Mahina. Es wird Zeit, dass Du auf Deine Insel zurückkommst und die ganzen Flausen Deinen Kopf wieder verlassen.“ Neyla stand auf: „Komm, es wird Zeit für uns zu gehen.“

*****

Neyla

Mit forschem Schritt verließ sie das Haus, ging über die Straße Richtung Gemeinschaftszelt. Sie hoffte, dort den Alpha zu finden. Mahina, wieder in ihrem weißen Kleid, ging drei Schritte hinter ihr und trug Neylas Tasche.

Sie hatte Glück, denn Drake war schon von weitem auf dem Festplatz sichtbar.

„Alpha.“ Neyla senkte den Kopf.

Drake

Es war noch früh am Morgen. Er stand mit Brauner Bär und Hiamovi und einigen anderen zusammen auf dem Festplatz. Heute würden Takomaha und Arizona wieder nach Hause kommen. Er hoffte, endgültig, denn soweit Drake wusste, war ihre Ausbildung als Ärzte erst einmal beendet. Zumindest bis zum nächsten Sommer würden sie wohl keine weitere Ausbildung machen.

Er sah Neyla und Mahina schon von weitem. Neyla kam festen Schrittes auf ihn zu. Mahina ging mit gesenktem Kopf ein paar Schritte hinter ihr und trug eine kleine Tasche. Und sie trug wieder dieses weiße Kleid?

Dann stand Neyla in seiner Nähe. Als er den Blick auf sie richtete, sprach sie ihn an.

„Alpha.“, sagte Neyla und senkte den Kopf.

„Ja? Neyla, wie kann ich Dir helfen?“

„Alpha, ich . . . wir möchten uns für Eure Gastfreundlichkeit bedanken. Es wird Zeit für uns, weiter zu ziehen.“ Neyla hob den Kopf und sah ihn an. „Wir verlassen jetzt Euer Dorf, Alpha.“

„Oh . . . jetzt?“ Drake war erstaunt und auch irritiert. „Nur Du? Oder ihr Beide?“

„Wir beide.“, antwortete Neyla.

Drake sah sich suchend um. Wo war Jared? Sie konnte doch Mahina nicht mitnehmen. Aber das musste Jared entscheiden. Das war Jareds Kampf, nicht seiner. Er holte Luft. „Jetzt sofort? Warum wartet ihr nicht bis morgen? Wir feiern heute Abend wieder ein großes Fest, denn zwei unserer Wölfe kommen heute nach Hause.“ In Drakes Kopf überschlugen sich die Gedanken. Wenn Jared Mahina heute – oder heute Nacht – noch markieren würde, könnte Neyla sie nicht mehr mitnehmen. Wieder sah er sich suchend um. Wo, großer Wolf, war Jared nur?

„Nein, Alpha“, sagte Neyla gerade. „Vielen Dank für die Einladung, aber wir gehen jetzt. Ich habe nur eine Frage.“

„Und die wäre?“, hakte er nach.

„Ich würde gerne im Juni zu Besuch kommen, wenn bei Euch das große Fest zum Sonnentanz stattfindet. Würdest Du das erlauben oder mich vielleicht sogar dazu einladen?“, fragte Neyla.

„Gerne!“, rief Drake aus. „Es wäre uns eine große Freude, Dich UND Mahina zum Sonnentanz begrüßen zu dürfen.“

„Danke, Alpha, für alles.“

Neyla drehte sich um und ging fort. Mahina folgte ihr.

Mahina

Mahina war fassungslos.

Sie würden jetzt das Dorf verlassen? JETZT?

Was würde aus ihr werden?

Jared! Wo war er?

Doch wer war sie, dass sie die Entscheidung von Neyla anzweifeln durfte oder konnte? Ein Niemand. Keiner mochte sie, keiner wollte sie. Das hatte ihr Neyla erst heute Morgen eindeutig klar gemacht.

Traurig und weinend verließ Mahina mit Neyla das Dorf.

*****

Wie hätte sie auch nur ahnen können, dass die Götter es gut mit ihr gemeint hatten und ihr einen neuen Partner gewährt hätten?

Neyla wusste nicht, dass sich ihre Wünsche, ihre Träume vom Prägen und Markieren nicht noch einmal erfüllen würden, dass sie niemals wieder trächtig werden und eigene Welpen gebären würde.

Sie ahnte nicht, dass es für sie ‚den Einen‘ nicht noch einmal gab.

Sie konnte nicht vermuten, dass damals – in einer dunklen schneeverdeckten Nacht, als ein Welpe aus dem Kinderbett gestohlen wurde – sich der für sie ‚Eine‘ mit dem Alpha auf der Jagd befand.

Als die Nachricht den Alpha erreichte, dass sein Weibchen wohl auf dem Sterbebett liegen würde und sein Welpe nicht mehr auffindbar war, hatte sich die ganze Jagdgesellschaft von der Gruppe Elche zurückgezogen. Sie hatten erst einige Tage gebraucht, um die Gruppe überhaupt zu finden. Jetzt, im Winter, schlossen sich die Elche oft zu kleinen Gruppen von fünf bis zehn Tiere zusammen. Solch eine Verbindung stellte eher ein Zweckbündnis dar, als einen echten Sozialverband. Die Tiere fraßen getrennt und ihre Ruhelager waren oft fünf Meter von dem nächsten Tier entfernt. Manche legten sich sogar mit bis zu einhundert Metern Abstand zum nächsten Artgenossen zum Schlafen nieder. So war es ein Leichtes gewesen, die Tiere im Schlaf zu überwältigen und zu töten. Nun hatten sie drei Tiere getötet. Viel war es nicht, aber es würde erst mal reichen müssen.

Der Alpha lebte mit seinem Rudel in der Nähe des Berges Koli in Nordkarelien. Der Berg an sich war nur ungefähr 350 Meter hoch, bot aber einen atemberaubenden Blick über die Seen und Inseln der Umgebung. Auch wenn sich der Koli-Berg im großen Koli-Nationalpark befand, schützte er doch sein Rudel vor den Menschen. Denn diese besuchten zwar den Berg, aber die markierten Wanderwege führten weit an seinem Dorf vorbei.

Der Berg bestand größtenteils aus weißem Quarzig und war ein Überbleibsel eines weitaus größeren Gebirges. Aber die Berge waren damals in der Eiszeit durch die Gletschermassen abgeschliffen worden und der Koli-Berg alles, was davon übrigblieb.

Karelien erstreckte sich vom Ladogasee im Süden bis zum Polarkreis im Norden und vom Finnischen Meerbusen im Westen bis zum Weißmeer im Osten. Mitten durch die dünn besiedelte Region lief die über 700 Kilometer lange Grenze zwischen Russland und Finnland. Karelien war die Region Finnlands, in der über viele Jahrhunderte die Interessen der früheren Großmächte Schweden und Russland kollidierten und musste mehrere Teilungen erdulden. Mit der Abtretung der Gebiete nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Finnland rund ein Zehntel seiner Staatsfläche. Was dem Land von Karelien blieb, wurde in Finnland als Südkarelien und Nordkarelien bezeichnet.

Und der Alpha lebte nun schon seit vielen Jahren mit seinem Rudel in Nordkarelien.

Sie waren eigentlich Polarwölfe und kamen aus Ellesmere Island. „Amarok“, was so viel wie „der riesige Wolf“ hieß, wurden sie damals von den Eskimos genannt. Gejagt wurde das Rudel dort nicht. Zu tief verwurzelt war der Respekt vor dem ‚Phantom der Eiswüste‘, das dort überlebte

Die Landschaft und das Klima auf den kanadischen Arktisinseln wie Ellesmere Island standen für das trostlose Ende der Welt: kurze, dunkle Tage, schneidend kalte Winde, Schneestürme und Dauerfrost bis minus fünfzig Grad. Schützende Wälder gab es nicht, dafür Eisberge, Schneefelder, Gletscher, Felsen und schroffe Küsten. In dieser Umgebung behaupteten sie sich lange. Aber als Gestaltwandler hatten sie auch eine menschliche Seite, wenn diese auch nur in den spärlichen Sommermonaten sichtbar wurde.

Viele der Welpen überstanden den harten und kalten Winter nicht und starben an Hunger und Kälte schon im Kinderbett. Auch gab es in den harten Wintermonaten nur wenig zu jagen. Daher hatte sie irgendwann in einer Sitzung beschlossen, umzusiedeln, und waren in Karelien gelandet.

Hier waren die Winter immer noch kalt, oft mit Temperaturen bis zu minus zwanzig Grad oder niedriger. Aber im Sommer stiegen die Temperaturen auch schon mal bis zu zwanzig Grad Plus an. Hier waren sie eigentlich nur über die Wintermonate Wölfe, in denen sie jagen konnten. In den Sommermonaten waren viele Menschen und suchten sich einen Job. Das Dorf wurde ausgebaut oder renoviert, denn die langen und kalten Wintermonate zerstörten auch viel. Aber der Umzug war gut gelaufen und sie fühlten sich, soweit er wusste, hier alle sehr wohl. Und die Welpen starben nicht mehr. Oder nur noch sehr selten. Und nun war sein Welpe fort!

Nachdem die beiden jungen Wölfe sie gefunden und die Nachricht die jagende Gruppe erreicht hatte, wurde die Jagd abgebrochen und sie machten sich direkt auf den Weg zum Dorf.

Der, der für Neyla bestimmt gewesen war, war mit einigen wenigen bei den erlegten Tieren geblieben. Sie würden sie langsamer nach Hause bringen. Ohne die Beute waren der Alpha und die anderen Wölfe viel schneller.

Was die zurückbleibende Gruppe nicht wusste, war, dass sie sich in dieser Nacht in der Nähe der Höhle eines Braunbären befanden, den der Geruch der frischerlegten Elche aus seinem Schlaf riss. Und der Bär war hungrig.

Er, der Neyla bestimmte Wolf, stellte sich dem Bären in den Weg, um seine Gruppe zu schützen.

Der Kampf war ungleich und schnell.

Während sich die Gruppe mit den erlegten Elchen wieder auf den Weg zum Dorf machte und keine Pause mehr einhielt, schlug der Bär seine Zähne in den Wolf.

Dessen letzte Gedanken galten der Gruppe und der Hoffnung, dass sie ohne weitere Verluste das Dorf mit den drei Elchen erreichen würde.

Nie hatte er die Liebe erlebt, sich nicht geprägt, nie ein Weibchen markiert.

Dann war er tot und der Bär ließ nichts von ihm übrig.

13.

Jared

Er hatte sich entschieden.

Als er mit Mahina in der Prärie saß, war es ihm so unendlich schwergefallen, – sie, auf seinem Schoß, ihre Hitze viel zu nah an ihm – sie nicht zu küssen. Sie hatte sich an ihn geklammert und es fühlte sich einfach so gut an, wenn sie auf ihm saß, wenn er sie im Arm hielt, wenn er ihr Herz schlagen hörte, wenn er ihren heißen Atem an seiner Haut spürte, wenn er sie roch und wenn er sie schmeckte.

Er war sich zu 100% sicher gewesen, würde er sie küssen und würde sie sich ihm bereitwillig öffnen, hätte er nicht mehr aufhören können. Es wurde immer schwieriger für ihn, sich zusammen zu reißen. Obwohl sein Herz raste und seine Atmung zu schnell war, ihm das Wasser sprichwörtlich im Mund zusammenlief und seine Lippen trocken waren, hielt er sich zurück. Von seinem Speer wollte er lieber gar nicht reden. Aber noch etwas war ihm bewusst geworden.

Er wollte sie.

Jared war über sich selbst mehr als erstaunt. Er stand nicht auf junge Mädchen oder deren Jungfräulichkeit. Er wusste, es gab Männer, die sich nur für solche jungen Frauen interessierten. Aber er, Jared, stand nicht darauf. Er brauchte Frauen und Männer mit Erfahrung, viel Erfahrung am besten und ohne Hemmungen. Es gab eigentlich nichts, das er nicht mochte oder wollte und er war sich sicher, dass er auch schon alles ausprobiert hatte. Na ja, außer vielleicht so ganz schräge Dinger. Aber das lag sicher im Auge des Betrachters.

Aber er wollte Mahina.

Ganz.

Mit Haut und Haaren.

Jeden Zentimeter ihrer Haut.

Er hatte sich entschieden und holte tief Luft.

„Mahina.“, hatte er geflüstert.

„Ja?“, sie weinte nicht mehr, aber ihr Kopf lag immer noch auf seiner Schulter und ihr Mund lag an seinem Hals. Als sie sprach, bewegte sie ihre Lippen über seine Haut und sein Herz setzte fast aus.

„Mahina, ich tu es.“ Er schluckte. „Ich werde Dir alles zeigen und Dir alles beibringen.“, flüsterte er heiser in die Nacht. Jared spürte, wie Mahina in seinen Armen erschauderte und er musste tief einatmen. Seine Hände, die auf ihrem Rücken lagen, verspannten sich.

„Ja!“, ihre Stimme war nicht mehr als ein Hauch.

„Aber jetzt noch nicht! Erst in ein paar Wochen, wenn Du Geburtstag hattest und 17 Menschenjahre bist.“

„Oh - Ok.“, schniefte sie leise.

„Ich verspreche Dir, ich werde sanft und vorsichtig sein und Dir keine Schmerzen bereiten, sondern Dir nur schöne Dinge zeigen. Ich werde Dinge mit Dir anstellen, die Du Dir heute wahrscheinlich noch nicht mal vorstellen kannst. Das Kribbeln und Brennen wird so schlimm werden, dass Du glaubst, Du müsstest sterben – hoffe ich.“ Wieder erschauderte Mahina in seinen Armen. Ihr Herz wurde lauter, ihre Atmung flacher und ihre Hitze . . . Jared stöhnte leise. Er drückte sie fest an sich.

„Ja.“, hauchte sie atemlos.

„Es wird wie Unterricht sein. Viele Dinge wirst Du nicht verstehen, aber Du wirst mir vertrauen müssen. Du wirst tun, was ich sage.“

„Ja, Jared.“, flüsterte sie.

Jetzt erschauderte Jared und eine Gänsehaut zog über seinen Körper. „Gut, und wir fangen heute schon damit an.“

„Jetzt?“ Mahina atmete tief ein.

„Ja, jetzt. Ich möchte, dass Du Dich nicht mehr selber anfasst. Lass das Kribbeln und das Brennen so schlimm werden, dass Du glaubst, es nicht mehr aushalten zu können. Und dann lässt Du es noch schlimmer werden.“

„Ich fasse mich nie an, Jared!“, beteuerte Mahina entsetzt.

„Du fasst Dich nicht selber an? Du machst Dir selber . . . keine schönen . . . Gefühle?“

„Nein.“ Ihre Stimme war nicht mehr als ein Hauch.

„Oh, das ist aber schade.“ Jareds Stimme brach, er räusperte sich.

„Warum?“, fragte sie leise und Jared musste hart schlucken. „Das, Mahina, werde ich Dir später einmal erklären. Aber . . . Du bist rasiert, Mahina. Du musst Dich anfassen.“

„Rasiert?“, wunderte Mahina sich.

Jared holte tief Luft. „Ja. Du weißt nicht, was rasieren ist?“, fragte er ungläubig nach.

„Nein.“, flüsterte sie. „Ist das schlimm?“

Jared lachte leise: „Nein, mein Reh, das ist nicht schlimm. Aber . . . aber . . .“ , Jared suchte nach Worten. Puh, ihr alles beizubringen, könnte sich als echte Herausforderung für ihn erweisen. „Also, zwischen den Beinen . . . an Deiner Venus . . . da wachsen normalerweise Haare. Die letzten Male, wenn ich Dich gesehen habe, waren dort keine. Wie kann das sein, wenn Du Dich nicht selber anfasst?“

Mahina schluckte laut, dann schüttelte sie den Kopf. Ihre Stimme war fast nicht mehr vorhanden: „Du . . . Du meinst . . . zwischen meinen Beinen? Das . . . das mache ich nicht.“

„WAS?“

„Das macht Neyla immer.“

„NEYLA?“

„Ja.“

„Tut sie Dir weh, mein Reh? Fasst sie Dich an?“ Jared war außer sich, dennoch musste er fragen „Macht sie Dir . . . schöne Gefühle?“

„NEIN!“ Mahina schüttelte den Kopf. „Sie macht nur die Haare dort weg. Sie sagt, das wäre nicht . . . gesund.“

Jared konnte die Brocken, die von seinem Herzen fielen, nicht nur spüren, er konnte sie fast hören. Dann hätte er Neyla umgebracht, so viel war klar. Er atmete erleichtert ein und aus und drückte Mahina wieder an sich. Seine Hände begannen, ihren Rücken zu streicheln und Mahina atmete tief ein.

„Gut. Ok.“ Jared räusperte sich. „Also, mit gesund oder nicht hat das nichts zu tun. Sie gehören da hin und sind richtig dort. Ich persönlich finde es aber ganz toll, wenn dort keine Haare sind. Bei mir sind dort auch keine Haare.“ Er schluckte. Dann sagte er leise: „Ab sofort werde ich mich darum kümmern.“

„Ok.“, hatte Mahina gewispert und allein bei dem Gedanken musste Jared schlucken. Nicht nachdenken. Nicht darüber nachdenken!

Eine Zeit hatten sie geschwiegen und sich nur im Arm gehalten. Im Osten wurde es heller.

„Mahina, das, was wir heute Nacht besprochen haben, bleibt unser Geheimnis. Du kannst mit Emily darüber sprechen, wenn Du es möchtest. Aber bitte, erzähle Neyla nichts davon.“

Mahina nickte.

„Gut. Ich bringe Dich gleich nach Hause. Bitte, versuche Dich in der nächsten Zeit, bis zu Deinem Geburtstag, von mir fernzuhalten. Auch ich werde versuchen, mich von Dir fernzuhalten. Ich kann in Deiner Nähe einfach keinen klaren Gedanken fassen. Ich kann mich kaum zurückhalten. Einverstanden?“ Seine Stimme war heiser und zittrig. „Nach Deinem Geburtstag werde ich mich um Dein Kribbeln kümmern. Ausgiebig. Ich verspreche es Dir.“

Mahina

Ihr Herz klopfte schon so laut und schnell. Sie war sich nicht sicher, ob es, wenn Jared sie jetzt losließe, nicht einfach aus ihrer Brust herausfallen würde. Sie wusste nicht, was seine Worte genau bedeuteten, aber ihr Kribbeln wurde immer schlimmer und sie bekam eine Gänsehaut. Sie konnte es jetzt schon kaum aushalten. Und es würde noch schlimmer werden? Ihr Körper spannte sich vor Aufregung.

„Einverstanden.“, wisperte sie.

Vor dem Haus, in dem Neyla wohnte, hatte Jared sie nochmal in den Arm genommen. Er hatte seine Hand an ihren Nacken gelegt und sie hatte ihn erwartungsvoll angesehen. Sein Kopf war immer näher gekommen und sie hoffte, er würde sie noch einmal küssen. Doch kurz vor ihren Lippen war er stehen geblieben. Dann hatte er ihr den Korb mit Emilys Sachen in den Arm gedrückt, sich umgedreht und war zu seinem Haus gegangen. An seiner Türe war Jared noch mal stehen geblieben, hatte sie angesehen. „Geh!“, hatte er leise befohlen. Mahina hatte sich umgedreht und war ins Haus gegangen.

Hätte sie gewusst, dass Neyla ihr die Sachen von Emily entreißen würde . . .

Hätte sie gewusst, dass Neyla mit ihr schimpfen und sie schlagen würde . . .

Hätte sie gewusst, dass Neyla beschließen würde, dass sie jetzt sofort das Dorf verlassen würden . . .

Nie und nimmer wäre sie in das Haus eingetreten.

Dann brach Mahinas Welt zusammen.

*****

Drake

Neyla und Mahina waren fort und Jared war immer noch nicht auffindbar. Was dachte er sich eigentlich dabei, immer wieder abzuhauen? Drake würde mit ihm in seiner Rolle als Alpha sprechen, denn das konnte Drake nicht zulassen.

Fast alle im Dorf rannten herum und suchten Jared.

Nur ein paar wenige kümmerten sich weiter um die Feierlichkeiten.

Dass Jared in seinem Bett liegen und schlafen könnte, daran dachte Drake nicht. Er konnte nicht wissen, dass Jared sich in den frühen Morgenstunden betrunken hatte.

14.

Jared

Mit einem riesen Kater und schlimmen Kopfschmerzen erwachte Jared am späten Nachmittag in seinem Bett.

Allein.

Er seufzte.

Ihm war kotzübel und sein Kopf dröhnte. Das war ihm schon lange nicht mehr passiert. Er vertrug einiges, allerdings trank er normalerweise nur Bier, und das letzte Mal hatte er sich als 25-jähriger so schlimm betrunken, dass es ihm so schlecht ging wie heute. Danach hatte er gesagt, dass ihm das nicht noch einmal passieren würde.

Aber heute früh war es passiert.

Er hatte sich entschieden.

Und Mahina nach Hause gebracht.

Im Schrank hatte sich Whiskey befunden. Ein Balvenie, der schon über fünfzig Jahre alt war. Als Jared ihn damals gekauft hatte, war er noch jung und preisgünstig gewesen. Heute würde er sicher ein Vermögen kosten. Aber der war für ein wirklich besonderes Ereignis bestimmt. Wenn er mit Mahina geschlafen hatte, dann würde er ihn öffnen und einen Schluck nehmen. Aber er hatte auch noch einen anderen Balvenie im Schrank. Dieser war zwölf Jahre alt. Die Flasche war schon offen. Als Jared beschloss, dass er jetzt genug hatte, war die Flasche weit über die Hälfte geleert und er war ins Bett gekrochen.

Jared hatte sich betrunken, weil es ihm unsagbar schwergefallen war, sie nicht zu küssen. Er hatte sich betrunken, weil er sie eigentlich nicht hatte gehen lassen wollen. Er hatte sich betrunken, weil er sonst zum Gästehaus gelaufen wäre und Mahina geholt hätte. Er hatte sich betrunken, damit er sie nicht in sein Schlafzimmer brachte und sie endlich . . . vernaschte. Deshalb hatte er sich betrunken.

In der Küche warf er zwei Kopfschmerztabletten ein. Danach stellte er sich unter die Dusche. Seine Gedanken fanden keine Ruhe.

Mahina. Was er mit ihr anstellen würde. Jared schluckte. Er freute sich schon jetzt darauf. Ganz sanft würde er vorgehen und vorsichtig. Erstmal würde er sie mit einem Orgasmus versorgen müssen, langsam und zart, damit sie wusste, was auf sie zukam.

Jared stellte die Dusche auf eiskalt.

*****

Es dämmerte schon, als er das Haus verließ. Das Zittern hatte nachgelassen und seine Gedanken waren zur Ruhe gekommen. Ihm war nicht mehr schlecht und sein Kopf dröhnte nicht mehr.

Jared ging langsam über die Hauptstraße zum Festplatz. Das große Feuer war nicht zu übersehen, genau wie die laute Musik nicht zu überhören war. Es war auch nicht möglich, kein Essen zu riechen. Sein Magen rebellierte. Lag das nur am Alkohol? Gleich würde er Mahina wieder sehen. Er atmete tief ein.

Er musste unbedingt noch in Erfahrung bringen, wann genau sie Geburtstag hatte. Ja, er hatte sich entschieden. Er würde ihr nicht nur den Sex zeigen und beibringen. Nein, er würde ihr auch die anderen schönen, tollen und aufregenden Dinge zeigen, die das Leben an sich so mit brachte.

Er würde ihr einen tollen Tag in der Stadt organisieren. Er wusste noch nicht genau, was er machen wollte. Dies würde er mit Emily besprechen. Klar war jedenfalls, dass er sich mit ihr in einer tollen Luxussuite einmieten und sie die ganze Nacht lieben würde. Oder die ganze Woche. Oder vielleicht auch den ganzen Monat.

Jared sah Takomaha und Arizona mit Drake und Emily und allen anderen. Sie waren umringt und wenn er genau hinsah . . . war Arizona trächtig? Doch sein Blick machte die Runde. Er wollte nur in hellgraue Augen sehen und Schnee riechen.

Drake und Emily kamen auf ihn zu, da hatte er den Tanzplatz noch gar nicht erreicht. Jared sah sofort in ihren Gesichtern, dass etwas nicht stimmte.

„Wo bist Du gewesen?“, schnauzte Drake ihn direkt an. Die Gespräche am Feuer verstummten und alle, wirklich alle, sahen zu ihnen herüber.

„Drake?“

„Auf die Knie, Jared, wenn Du mit mir sprichst. – ‚Alpha‘, Jared! Ich bin der Alpha hier! Ist das klar?“ Drakes Stimme vibrierte vor unterdrückter Wut.

Jared fiel auf die Knie und senkte den Kopf: „Ja, Alpha.“ Was war denn jetzt los? Jared verstand gar nichts mehr. So wütend hatte er Drake selten gesehen. Jareds Herz begann zu klopfen.

„Das war das letzte Mal, Jared, ich warne Dich. Wenn Du das noch ein einziges Mal machst, bringe ich Dich eigenhändig um. Ist das klar?“

„Ähm . . . ja . . . nein . . . Drake“, stammelte Jared und hob den Kopf. Doch Drake griff in seine Haare und drückte seinen Kopf wieder herunter.

„Ich bin der Alpha hier und Du wirst mir den gültigen Respekt erweisen, Jared. Sonst ist das der zweite Grund, warum ich Dich umbringe.“ Drakes Stimme war leise und kalt.

„Ja, Alpha.“, antwortete Jared leise und sein Kopf fiel auf die Brust. Seine Atmung wurde schneller.

„Drake.“, sagte Emily leise und Jared hörte, wie Drake tief Luft holte.

„Ich . . . ich verstehe nicht . . . Alpha, was . . . was ist denn passiert? Was soll ich nicht mehr machen?“

„Abhauen! Wenn Du dieses Dorf noch ein einziges Mal ohne meine ausdrückliche Zustimmung verlässt, egal aus welchem Grund, bringe ich Dich um. Du bist so ein Idiot!“ Drakes Stimme war laut und wütend.

„Aber . . . Alpha . . . ich war nicht weg. Ich bin nicht abgehauen. Ich komme gerade aus meinem Haus.“, versuchte Jared zu erklären, „Ich . . . ich habe mich . . . heute früh betrunken und dann in meinem Bett geschlafen . . . Allein.“

„Hat irgendwer von Euch in Jareds Haus gesucht?“, wollte Drake nun laut wissen.

Alle verneinten dies, kein Einziger sagte Ja.

„Es war kein Einziger von Euch in Jareds Haus?“, Drakes Stimme klang fassungslos. „Oh Schitt!“, fluchte Drake. Dann schluckte er, das konnte Jared hören. „Tja, mein Freund, dann tut es mir leid . . .“

„Alpha, was ist geschehen?“, raunte Jared leise. Er wusste immer noch nicht, was genau passiert war, aber sein Herz begann zu rasen. Er konnte fühlen, wie sich Tränen in seinen Augen bildeten. Irgendwas Schreckliches musste geschehen sein.

„Sie sind weg, Jared, sie sind weg.“ Drake atmete tief ein: „Steh auf mein Freund, es tut mir leid.“

„Wer ist weg, Alpha?“, nun hob er doch den Kopf und sah Drake und Emily fragend an.

Emily sah auf Drake, dann auf ihn. Sie bückte sich zu ihm herunter, legte eine Hand auf seine Wange: „Mahina.“

*****

Er sah in Emilys grüne Augen.

Er hörte, was sie sagte.

Aber er verstand den Sinn nicht. Irritiert sah er Emily an.

„Jared, verstehst Du, was ich sage?“, fragte Emily sanft.

Jared nickte, dann schüttelte er den Kopf.

Drake hatte sich zu ihnen hinunter gebeugt und legte ihm eine Hand auf die Schulter: „Jared, wir haben Dich gesucht, den ganzen Tag lang. Ein paar sind sogar bis zur Stadt gelaufen. Neyla und Mahina . . . sie haben heute Morgen, ziemlich früh schon, das Dorf verlassen.“ Drake schüttelte den Kopf: „Es tut mir leid, mein Freund, aber sie sind weg.“

„Mahina ist weg, Jared.“, sagte Emily leise.

Sein Herz begriff zuerst, was das bedeutete. Es begann zu rasen. Es begann zu schmerzen. Dann liefen ihm die ersten Tränen über die Wangen. Aber sein Kopf hatte immer noch nicht begriffen, was die Beiden vor ihm, ihm sagen wollten.

„Mahina? Sie ist . . . weg? Was heißt das? Wann kommt sie wieder? Wo ist sie hin?“, stammelte Jared.

„Sie haben das Dorf verlassen, Jared.“

„Weg?“ Jared schüttelte wie betäubt den Kopf. „Weg wie ‚Wir sind in die Stadt gefahren‘? Oder weg wie . . . weg?“ Sein Kopf weigerte sich immer noch, die Informationen zu verarbeiten.

„Weg, wie . . . weg, Jared. Weg, wie . . . ich verlasse Dich. Weg wie . . . ich gehe und komme nie wieder.“ Emily erklärte es ihm leise.

Jared saß noch einen Moment auf dem Boden, bis sein Kopf alles richtig zusammengesetzt hatte, was sein Herz schon wusste. Er schloss die Augen und atmete tief ein. „Das glaube ich nicht.“ Jared wollte sich erheben, doch dann fiel ihm Drake ein. „Darf ich aufstehen und mich entfernen, Alpha?“, wollte er wissen.

„Natürlich, mein Freund, natürlich. Jared, es tut mir leid.“

„Das sagtest Du schon, Alpha. Darf ich gehen?“

Drake nickte.

„Jared!“, rief Emily, aber Jared hatte sich umgedreht und rannte nach vorn zum Gästehaus. Er riss die Türe auf und rief laut ihren Namen.

Stille.

Jared trat ein. Er atmete tief ein, doch nur Neylas Geruch war wirklich stark hier drin. Im Wohnzimmer sah er, dass die Sachen von Emily durch den Raum geschmissen worden waren. Jared nahm zwei Stufen auf einmal, als er nach oben stürmte. Aber in dem Schlafzimmer war niemand und Mahinas Geruch war hier überhaupt nicht vorhanden. Er rannte wieder runter und auf die hintere Terrasse. „MAHINA!“, brüllte er, doch er bekam keine Antwort. Langsam wandte er sich um.

Sie war weg?

Langsam und schwer atmend ging er durch die vordere Tür wieder auf die Straße. Vor der Tür standen vier Wölfe, seine Freunde, und heulten. Jared wandelte sich und rannte los. Diesmal hatten alle Schwierigkeiten, ihm zu folgen.

15.

Jared

Die ersten Tage lief er wie leblos durch das Dorf. Er sprach nicht, er weinte nicht, er schrie nicht. Jared begriff selber nicht, was mit ihm los war.

Dawn war die Einzige, die er in seiner Nähe ertrug. Sie kletterte auf seinem Schoß herum und zeigte ihm ihre Bilderbücher. Er war eigentlich nur noch bei Tristan und Niki bzw. mit Dawn zusammen.

Nach einigen Tagen hatte Dawn ihm ihre kleine Kinderhand auf die Wange gelegt und in sein Ohr geflüstert: „Até Jared, Du wirst sie wieder finden und eines Tages werde ich Inâ zu ihr sagen. Ich weiß es. Meine Geister haben es mir erzählt. Sie wartet auf Dich auf einer wunderschönen Insel im türkisfarbenen Meer. Du musst sie nur finden.“ Mit großen Augen hatte Jared Dawn angesehen, doch diese spielte schon wieder mit ihren Puppen. Jared war nicht sicher, ob er sich DAS nicht gerade eingebildet hatte.

*****

Drake

Etwas mehr als eine Woche war vergangen. Er saß mit David und Emily in der Küche, als er Jared auf das Haus zukommen sah. Kurz darauf stand Jared in der Küche. Jared sah Drake, fiel sofort auf die Knie, senkte den Kopf und sagte: „Alpha, darf ich mich wandeln und laufen gehen? Ich weiß leider nicht, wohin ich laufen möchte oder wie lange ich dafür benötige. Aber ich könnte versprechen, nur große Kreise um unser Dorf zu ziehen. Wärst Du damit einverstanden, Alpha? Oder soll ich mich jede Stunde ungefähr bei Dir melden?“

„Jared, bitte!“, fluchte Drake. „Ich hab‘ doch schon gesagt, dass es mir leid tut.“ Seine Faust schlug auf den Küchentisch. Nicht nur Jared, sondern auch Emily und vor allem David zuckten zusammen. David begann zu weinen und krabbelte auf Emilys Schoß. „Jared!“, sagte Drake laut. „Du bist mein bester Freund und daran hat sich nichts geändert. Hör auf damit!“

„Darf ich, Alpha?“

Drake holte tief Luft, schüttelte resigniert den Kopf: „Ja, Jared, Du darfst.“

„Danke Alpha.“ Jared stand auf, sah Emily an. „Emily.“, sagte Jared und nickte. Jared drehte sich um, verließ das Haus und der braune Wolf rannte über die Wiesen.

„Es geht ihm schlecht, Emily. Was soll ich nur tun?“ Fragend sah Drake sie an.

„Wieso glaubst Du, dass es ihm schlecht geht?“, fragte Emily nach, während sie David auf ihrem Schoß fest im Arm hielt und dieser ihn mit großen Augen ängstlich ansah.

„Weil er sich SO mir gegenüber noch nie benommen hat. Ich war immer Alpha und er war immer mein bester Freund. Er war einer der wenigen, die sich immer getraut haben, sich mir in den Weg zu stellen. Dieses . . . Verhalten . . . dass er mir nicht verzeihen kann . . . das ist nicht normal. Du weißt das doch!“ Er sah Emily mit traurigen Augen. „Glaubst Du, er kann mir nicht verzeihen, dass ich sie hab gehen lassen?“

Emily stand mit David auf und setzte sich auf seinen Schoß. Drakes Arme schlossen sich um die Beiden und Emily küsste ihn auf die Stirn. „Drake, Du konntest sie nicht halten. Mahina gehört zu Neyla. Nur Jared hätte sie halten können. Sonst niemand. Ich glaube, dass er das weiß.“ Sie lächelte ihn zärtlich an. „Sei sein Freund, Drake, nicht der Alpha. Lauf ihm hinterher. Sei einfach da. Lass Dich beschimpfen oder anschreien oder was auch immer passiert.“ Sie überlegte. „Vielleicht solltest Du ihm erlauben, sie zu suchen und . . . zurück zu bringen?“

Jared

Der Wolf lief einfach; immer um das Dorf herum. Stundenlang. Tagelang.

Oft begleitet Drake ihn, aber manchmal war auch jemand anderes seiner Freunde an seiner Seite. Und an manchen Tagen begleiteten ihn alle seine Freunde.

*****

Jared

Nach einigen Tagen konnte er nicht mehr laufen. Er war erschöpft. Jared ging nach Hause und legte sich ins Bett.

Was war nur los mit ihm?

Warum tat es weh, wenn er an sie dachte? Warum hatte er immer noch ihren Geruch in seiner Nase? Nicht nur den ihrer Erregung, vielmehr den Schnee und die Schneeglöckchen. Warum nur sah er immer noch ihre Augen? Warum meinte er oft, ihr Herz schlagen zu hören? Warum fühlte es sich an, als würde sein Herz brechen? Warum fühlte er sich so leer und allein, einsam und verlassen?

Ein paar Tage blieb Jared im Bett liegen.

Dann fiel es ihm auf: Er konnte sie nicht mehr verführen, nicht mehr mit ihr schlafen. Er hatte jetzt schon seit Wochen keinen Sex mehr gehabt. Das war es! Jared schlug sich mit der Hand auf die Stirn. Er brauchte dringend was zu ficken. So einfach war es manchmal.

Jared ging ins Bad. Duschen, Zähne putzen, Rasieren. Er würde mit Drake sprechen, aber egal, was dieser sagte, er würde heute noch nach Great Falls fahren und endlich wieder jagen gehen. Während Jared das erste Mal seit Tagen wieder unter der Dusche stand, redete er sich selber ein, dass er froh war, der Bürde ‚Mahina‘ endlich entkommen zu sein. Sicher wäre der Sex mit ihr ein Desaster geworden. Sie konnte gar nichts anderes sein als total verklemmt. Und auf sowas stand er nun mal überhaupt nicht.

Niki würde bald gebären und Emilys Bauch wurde auch immer dicker. Kaleiope, Blossom und Arizona waren trächtig. Viele Welpen würden das neue Jahr bereichern.

Nur er, Jared, war immer noch allein.

Puh – großer Wolf sie Dank! Dieser ganze Hickhack mit dem Prägen und Verbinden war nichts für ihn. Er war ein einsamer Wolf und wollte dies auch bleiben. Sex hatte in seinem Leben bisher immer eine wichtige Rolle gespielt und in der Vergangenheit hatte er versucht, davon so viel wie möglich zu bekommen. Aber immer nur mit einer?

Jared schüttelte sich.

Jared stellte die Dusche aus und zog sich an. Er wollte heute noch nach Great Falls und das war bekanntlich eine Autofahrt von ca. drei Stunden.

*****

Jared

Der Herbst ging, der Winter kam.

Es schneite.

Jared war ständig in der Stadt, meistens in Great Falls. Aber neuerdings fuhr er auch oft bis nach Billings runter. Dann war er auch oft eine ganze Woche am Stück weg. Billings hatte fast doppelt so viele Einwohner wie Great Falls, über 100.000, und das ganze Nachtleben war dort viel bunter. Außerdem gab es in Billings auch viel mehr Touristen, die sich die Stadt ansahen. Er musste neue Jagdgebiete erschließen.

Eines Nachts hatte Jared eine interessante Begegnung mit seinem Lieblings-Barkeeper Cuba aus der großen Diskothek in Great Falls, in die Jared immer ging, gehabt.

Jared hatte mal wieder eine von den wahllos ausgesuchten Frauen zu einem Quickie um die Ecke mitgenommen. Sie waren gerade voll zu Gange, als sich die Hintertür der Disco öffnete und Cuba, der Barkeeper, vor ihnen stand. Mit einem Blick hatte er die Situation erfasst. Aber anstatt sich aufzuregen oder wieder zu gehen, hatte Cuba sich ihnen angeschlossen.

Seitdem war er viel mit Cuba unterwegs. Sie hatten schnell festgestellt, dass sie eines gemeinsam hatten: eine unstillbare Gier nach hemmungslosem Sex in allen Variationen. Sobald Jared nun jemand aufgerissen hatte und vor die Türe ging, versuchte Cuba, dazu zu kommen. Er war es auch gewesen, der Jared zu einem ersten Ausflug nach Billings überredet hatte. Cuba hatte ihm von einem neuen Club erzählt, in dem es richtig heiß zur Sache ging. Nun fuhren sie alle zwei Wochen zusammen nach Billings und waren immer mehrere Tage dort im Club.

Jared trieb es hemmungslos. Er trank. Nicht nur zwei, drei Bier. Nein, härtere Sachen mussten es sein. Schnaps oder Whiskey oder Ähnliches. Und er fickte. Alles. Mit Frauen. Mit Männern. Mit Cuba. Ohne Cuba. Nie blieb man allein in diesem Club. Nie.

Jared fiel nicht auf, das es eigentlich nichts gab, was ihn wirklich befriedigen konnte, dass sein Verlangen, anstatt abzunehmen, immer schlimmer wurde. Egal, wie oft in einer Nacht er kam, egal, wie heiß es auch immer war, es reichte einfach nicht aus. Ihm fiel auch nicht auf, dass er nur kam, wenn er an SIE dachte. Oft reichte dafür schon ein kleiner Gedanke, eine kurze Erinnerung oder die Spur eines Duftes aus.

Anstatt ein paar Gänge zurückzuschalten und sich mit sich selber zu beschäftigen, drehte Jared immer mehr auf. Er begann, in dem Sumpf aus Sex und Alkohol unterzugehen. Immer mehr musste es ein, immer härter musste es zur Sache gehen und immer ausgefallener wurden nicht nur die Sexspiele, sondern auch sein Alkoholkonsum nahm kontinuierlich zu.

Jared wusste es nicht, aber er war – tief innen drin – verzweifelt und todunglücklich.

16.

Mahina

Mahina wusste nicht, dass sie an einem der schönsten Plätze der Welt lebte. Durch die Ellipsenform war das Atoll, in dem ihre Insel lag, etwa 150 km von der maledivischen Hauptstadt Malé entfernt. Die Landfläche von ca. 164ha wurde von 23 Inseln gebildet, wovon allerdings nur fünf der Inseln dauerhaft bewohnt waren. Von Malé aus flog man mit dem Wasserflugzeug noch über eine Stunde, bis man an einer der bewohnten Inseln ankam. Von dort aus musste man sich mit dem Dhoni, dem traditionellen Transportmittel, übersetzen lassen. Ursprünglich dienten diese Boote dem Fischfang sowie dem Transport von Waren. Mittlerweile erfüllten sie viele Zwecke.

Ihre Insel war ca. 500 x 500 Meter groß und nicht kreisrund. Von oben fotografiert sah die Insel auf der sie lebte, auch bedingt durch das Riff, fast wie ein großes Herz aus. Aber das wusste Mahina nicht. Der Strand war weiß und wurde nicht heiß, denn es war kein ‚normaler‘ Sand, sondern weißer Korallensand, der so weich wie Mehl war, aber nicht auf der Haut kleben blieb.

Der Strand war gut zwei Meter breit und in der Mitte der Insel wuchsen viele große und kleine Bäume, Palmen und Sträucher. Manche der Dinge, die hier wuchsen, konnte sie essen, manche nicht - von denen bekam sie schlimme Magenkrämpfe, musste sie sich Übergeben oder hatte Durchfall. So hatte sie schnell gelernt, was sie meiden sollte.

Ihr Haus stand nicht in der Mitte der Insel, sondern eher zwischen Mitte und Strand. Es war eine einfache Holzhütte, die 3 1/2 Wände und ein schräges Dach hatte, damit der Regen ablief. Fenster und Türen hatte sie, bevor sie mit Neyla in ein Flugzeug gestiegen war, nicht gekannt. Ihre ‚Tür‘ bestand aus einem großen und bunten Tuch, das vor dem Eingang hing. Ihr Besitz beschränkte sich auf das weiße Kleid, welches sie hier aber nur selten trug, und ein paar Dinge in ihrem Zimmer. Ein Bett, das an drei Seiten so komische Stäbe hatte, eine Bürste und zwei Haargummis, ein Kissen und eine dünne Decke sowie eine Tasse, die sie immer sauber hielt. Aber das war nicht schwer, denn sie hatte nur das Wasser in Kanistern zu trinken, welches Neyla ihr brachte. Außerdem gehörten ihr ein kleiner Tisch und ein Hocker.

Das Wasser hier vorne bei ihr war türkisblau und kristallklar. Viele Fische schwammen hier im geschützten Innenbereich. Einige Meter weiter ins Meer hinein befand sich das Riff, das sich fast komplett um ihre Insel zog. Dahinter kam das große und dunkle Meer. Hier schwammen auch richtig große Fische. Wenn Mahina schlimm hungrig war, stand die Wölfin oben auf einem großen Felsen am Riff und wartete auf große Fische, die sie dann an Land fraß.

Die ersten Wochen hatte Mahina nur geweint. Doch mittlerweile weinte sie nicht mehr den ganzen Tag. Irgendwann waren keine Tränen mehr gekommen. Allerdings weinte sie sich immer noch oft abends in den Schlaf. Teddy war der Einzige, der sie tröstete.

Sie saß am Strand, sah über das Meer und hielt ihren alten und ziemlich verschlissenen Teddy fest an sich gedrückt. Die Sonne würde bald untergehen. Die wievielte Sonne war es schon bereits? Mahina wusste es nicht. Der Vollmond war schon mindestens das dritte Mal am Himmel und Neyla kam nicht mehr jeden Vollmond. Als sie gerade läufig gewesen war, war Neyla das letzte Mal hier bei ihr auf der Insel gewesen. Das war, kurz nachdem sie zurückgekommen waren. Neyla war bitterböse auf Mahina, weil sie läufig geworden war.

Sie dachte nicht nur an Jared, sondern auch an die anderen. Vor allem an Emily, die so nett zu ihr gewesen war. In dem Dorf zu sein, war so aufregend für Mahina gewesen: so viel Neues jeden Tag zu sehen, zu erleben, so viel zu Essen und Trinken. Was es nicht alles gab! Wie gerne wäre sie wieder dort.

Früher, da war sie fast nur als Wolf unterwegs. Sie wandelte sich selten und, wenn überhaupt, nur in der Nacht in einen Menschen. Doch als Wölfin konnte sie nicht weinen. Als Wölfin waren die Gefühle in ihr drin nicht so intensiv. Als Wölfin verspürte sie das Kribbeln zwischen ihren Beinen nicht.

Und dies war das Einzige, das ihr von Jared geblieben war.

Also blieb sie Mensch.

Jared. Mahina seufzte.

Wenn das Kribbeln zu viel oder die Traurigkeit zu groß und ihr Herz zu schwer wurde, sprang sie ins Wasser und schwamm um ihre Insel herum. Aber das lenkte sie immer nur für kurze Zeit ab. Irgendwann musste sie zurück ans Land.

Und Mahina hatte nichts anderes zu tun, als den ganzen Tag an ihn zu denken. Mittlerweile musste sie Geburtstag gehabt haben. Aber sie war allein auf der Insel. Dieses Mal war auch Neyla nicht zu ihrem Geburtstag hier gewesen.

Es hätte keinen Unterschied für Mahina gemacht, hätte sie gewusst, dass sie an einem der schönsten Orte auf der Welt lebte. Hier gab es nicht jeden Tag neue Dinge zu bestaunen und aufregende Dinge zu erleben. Hier war sie mit Teddy allein. Einsam. Leer.

Sie wusste nicht, dass sie Liebeskummer hatte. Aber sie wusste, dass sie todunglücklich war. Dicke Tränen kullerten über ihre Wangen.

*****

Neyla

Als sie aus dem Dorf raus und nicht mehr zu sehen waren, hatte sie Mahina angewiesen, sich zu wandeln. Als Wölfe waren sie viel schneller unterwegs, als sie es als Mensch je sein konnten. Neyla hatte lange befürchtet, dass Jared oder vielleicht auch einer der anderen sie einholen würden und die Herausgabe von Mahina verlangen würden. Aber der Tag war vergangen, ohne dass etwas Derartiges geschah.

In Great Falls hatten sie den ersten Flug genommen, der aus Montana raus ging. Erst danach hatte Neyla sich um Flüge zurück auf die Malediven gekümmert. Sie war nicht gefragt worden, wo genau sie herkamen. Sie ging einfach davon aus, dass man auch Mahina nicht danach gefragt hatte.

Mittlerweile war es März und Neyla hatte, bis sie Anfang Juni wieder nach Montana fliegen würde, noch gut 3 Monate Zeit, um alles, was sie benötigte, zu erledigen.

Mahina konnte sie nicht mehr ansehen. Das Kind war undankbar und hatte sie zutiefst enttäuscht. Es hatte nicht das getan, was sie von ihr verlangt und erwartet hatte. Neyla schüttelte den Kopf.

Mit dem Boot setzte Neyla hinüber zur Hauptinsel, auf der das Rudel lebte. Dort setzte sie sich mit dem Alpha zusammen. Sie wollte Mahina gerne mit jemandem aus seinem Rudel verbinden. Doch der Alpha lachte nur, wusste er doch sehr gut über das Prägen Bescheid.

Trotzdem konnte Neyla mit ihm vereinbaren, dass sich ab sofort einmal im Monat einen seiner jungen Wölfe zu Mahina auf die Insel begab und Mahina Wasser bringen würde. Sie war ja schließlich kein Unmensch oder der böse Wolf.

Die Insel, auf der Neyla lebte, war um einiges größer und auch das Haus, in dem sie lebte, war ein richtiges Haus. Sie hatte sich sogar eine richtige Aufbereitungsanlage für das Wasser und einen kleinen Generator aufbauen lassen. So hatte sie nicht nur ein kleines, halboffenes Bad, sondern sogar fließend Wasser und Strom. Obwohl sie dies wirklich selten braucht, war es einfach gut, es zu haben.

Ihr Haus war sicherlich nicht wirklich größer als das kleine Gästehaus in Montana, aber es gehörte ihr. Ihr allein! Unten hatte es eine kleine, aber vollausgestattet Küche und einen Raum mit einer großen und weichen Sitzgelegenheit. Hier verbrachte sie oft ihre Abende. Außerdem befand sich hier unten auch ihr Bad. Oben gab es ein Schlafzimmer und ein weiteres, zurzeit noch ungenutztes, Zimmer. Ganz früher, als Mahina noch klein war, hatte sie hier gewohnt. Aber das war schon so lange her.

Neyla klatschte in die Hände und lachte. Es gab noch so viel zu erledigen!

17.

Tristan

Es war noch früh am Morgen und Jared kam gerade von einem durchzechten Wochenende ins Dorf zurück. Tristan fing ihn ab.

„Was willst Du?“, schnauzte Jared ihn sofort an.

Beschwichtigend hob Tristan die Hände. „Ich? Eigentlich nichts. Aber ich kenne da ein kleines Mädchen und einen kleinen Jungen, die ihren Até ganz fürchterlich vermissen. Davon abgesehen, kenne ich noch viele Wölfe mehr, die Dich vermissen, Jared.“ Tristan machte eine kurze Pause, suchte nach Worten. Doch dann entschloss sich Tristan, mit der Türe ins Haus zu fallen: „WAS ist los mit Dir? Du bist nicht wieder zu erkennen. Nimmst Du Drogen? Bist Du jetzt Alkoholiker?“

Jared sah ihn erstaunt an, dann lachte er laut. „Nein, ich nehme keine Drogen und ja, der Alkohol schmeckt. Aber Alkoholiker? Nein, das glaube ich nicht. Wie kommst Du darauf? Und . . . geht Dich das überhaupt irgendwas an?“ Seine Stimme war leise und böse geworden.

„Oh ja, das geht mich etwas an. Du bist mein Bruder! Du warst einmal einer meiner besten Freunde! Doch heute? Ich erkenne Dich nicht mehr. Ich weiß nicht mehr, wer Du bist. Geschweige denn, dass ich weiß, WO Du bist. Du bist überall, aber nicht mehr hier.“ Tristan schüttelte traurig den Kopf: „Wir haben so viel gemeinsam erlebt und durchgestanden, doch so . . . so hab ich Dich noch nie erlebt. Ich mache mir Sorgen um Dich. Rede mit mir! Du kannst mir alles sagen. Sag mir, was Dich antreibt, wo Du bist und mit wem. Was machst Du, wenn Du nicht da bist?“

„DAS geht Dich überhaupt nichts an!“, schrie Jared Tristan an. Jared stürmte an Tristan vorbei ins Haus und die Haustüre knallte.

Niki

Niki stand auf der anderen Seite und hatte Keys im Arm. Es war April und die Kleine war erst ein paar Tage alt. Jared wusste noch nicht einmal, dass sie da war. Bei der Geburt der Zwillinge war Jared fast mehr an ihrer Seite gewesen als Tristan. Tristan schluckte, dann schluchzte er. Niki nickte. Sie ging zurück ins Haus. Es war noch früh am Morgen und sowohl Dusk als auch Dawn schliefen noch.

Sie wusste, dass Tristan nun zu Drake und Emily gehen würde. Keys lag in ihren Armen und schlief. Niki legte Keys in die Mitte des großen Bettes, rechts und links ein Kissen daneben, damit nichts passieren konnte.

Sie wusste nicht, ob es richtig war, was sie tun wollte. Sie hoffte, dass nichts passieren würde. Aber sie würde Dawn wecken. Die Beiden hatten immer schon ein besonderes Verhältnis gehabt. Vielleicht, wenn Jared Dawn sehen würde . . .

Als Niki leise die Tür des Kinderzimmers öffnete, welches sich Dusk und Dawn teilten, saß Dawn aufrecht in ihrem Bett.

„Mamá! Até Jared? Er ist wieder da?“, fragte Dawn noch verschlafen.

Niki sah Dawn etwas sprachlos an. Woher wusste die Kleine solche Sachen nur manchmal?

„Ja.“, Nikis Stimme war leise, während sie Dawn über die langen Haare strich. „Dein Até ist da! Er ist gerade erst nach Hause gekommen.“

„Wirklich?“

„Ja, meine Kleine. Magst Du hinüber laufen?“

„Oh ja! Darf ich?“ Dawn war schon ganz aufgeregt.

„Aber natürlich. Wäre es nicht toll, wenn Jared nicht mehr weggehen würde?“, sagte Niki leise.

Dawn sah sie mit großen Augen ab und nickte fest.

„Lauf, meine Kleine!“

*****

Tristan

Tristan trat aus dem Wald und rief schon leise: „Drake! Wach auf, Drake! Jared ist da. Er ist zurück. Drake! Hörst Du? Wach auf!“

Tristan sah Drake ans Fenster kommen und nicken, dann drehte er sich um. Die Männer trafen auf der Veranda zusammen.

„Er ist da?“

„Ja!“, bestätigte Tristan.

Drake sagte: „Ok! Dann los, wie besprochen: Die Wachen verstärken und alle Autos und Motorräder werden hier auf die Wiesen gestellt. Ich geb‘ den Wachen Bescheid. Hol Maddox und Sam. Sie sollen vor seiner Tür Wache stehen. Er wird nicht wieder gehen.“ Drake schüttelte den Kopf. „Ich zieh was über, Tristan. Wir treffen uns bei Jared.“

Helle Sonne

Helle Sonne war gerade rechtzeitig aus ihrem Haus getreten. Sie sah, wie Niki mit Dawn aus der Türe trat.

Dawn, das kleine Mäuschen, Helle Sonne lächelte zärtlich. Sie war sich noch nicht ganz sicher, aber sie nahm an, dass Dawn die nächste Schamanin werden würde. Die Kleine war unglaublich. Mittlerweile waren die Zwillinge vier Jahre alt, denn sie hatten kurz nach Weihnachten Geburtstag gehabt. Dawn sprach schon seit geraumer Zeit mit ihren Geistern.

Jeder Schamane hatte seine eigenen Geister, seine eigenen Kräfte. Helle Sonne‘s Gabe war, in die Zukunft zu sehen. Ihre Geister vermittelten ihr aber nie stichhaltige Informationen, sondern eher Gefühle, Eindrücke und Emotionen. Dawn hingegen ‚sah‘, was geschehen würde. Nun, bis jetzt hatte sich von dem, was Dawn sah, noch nicht viel bestätigt, denn fast alle Dinge lagen zu weit in der Zukunft. Helle Sonne war sich sicher, dass alles so eintreten würde.

Sie hatte nach dem Geburtstag der Zwillinge begonnen, Dawn ein wenig zu unterrichten. Ja, sie war noch sehr jung, aber ihre Gabe war stark. Würde Dawn nicht frühzeitig ‚angelernt‘ werden, könnte es passieren, dass ihre Gabe sich ins Gegenteil kehrte oder sie sogar ganz einschlief. Außerdem wollte Helle Sonne ihr vermitteln, dass Dawn keine Angst vor ihren Geistern zu haben bräuchte, da diese ihr nie Böses tun würden, sondern sie nur vor Gefahren warnen würden.

So hatte Helle Sonne, als sie erkannte, welche Fähigkeiten in Dawn schlummerten, mit Drake und Emily, Tristan und Niki gesprochen und sich deren Zustimmung für den Unterricht versichert. Zum Beispiel war es Dawn gewesen, die schon einige Tage, bevor Neyla und Mahina ins Dorf kamen, mit Helle Sonne gesprochen hatte und ihr gesagt hatte, dass dem Dorf Gefahr drohte. Helle Sonne selber hatte erst an diesem Abend, als Jared mit den beiden fremden Frauen im Dorf auftauchte, erkannt, dass eine von ihnen Helligkeit und eine von ihnen Dunkelheit ausstrahlte und es Schwierigkeiten geben würde. Sofort hatte sie Drake gewarnt. Nun waren sowohl die Helligkeit als auch die Dunkelheit nicht mehr im Dorf. Doch Helle Sonne war sich nicht sicher, ob diese Dunkelheit endgültig verschwunden war.

Nun stand Helle Sonne mitten auf der Hauptstraße.

Niki blieb in der Türe stehen und blickte ihrer Tochter nach, als Dawn auf die Straße ging. In der Mitte blieb Dawn stehen und wandte sich zu Helle Sonne um. Seufzend hatte Dawn sie angesehen, sich zu Niki umgedreht und dieser eine Kusshand zugeworfen, dann war sie auf Helle Sonne zugelaufen.

Jetzt stand Dawn vor ihr. „Ich weiß, Helle Sonne.“, maulte Dawn und seufzte laut. „Ich darf noch nicht zu meinem Até, erst später heute.“

„Richtig, mein Mäuschen. Aber wir zwei haben heute viel zu erledigen.“ Sie streckte die Hand aus und Dawn umfasste sie.

„Wird er viele Schmerzen haben, Helle Sonne?“, fragte Dawn mit Tränen in den Augen.

„Weißt Du, Mäuschen, die Schmerzen in seinem Herzen sind viel schlimmer.“

„Ja.“, schluchzte die Kleine. „Ich weiß. Aber ich hab Jared doch gesagt, dass er sie nur finden muss. Warum sucht er sie denn nicht?“ Nun weinte Dawn. „Wenn ich meine Puppe verloren habe, such ich sie doch auch, bis ich sie gefunden habe.“

„Weil er selber noch nicht weiß, dass er etwas verloren hat, dass er suchen muss.“ Helle Sonne sprach leise.

18.

Jared

Jared rannte ruhelos in seinem Haus umher. Was bildete Tristan sich eigentlich ein?

Er war eigentlich gar nicht mehr hier. Er war nur noch unterwegs. Jared kam nur noch sporadisch ins Dorf. Normalerweise ging er erst Duschen, dann legte er sich auf die Couch und sah fern. Und er trank. Meistens so viel, dass er zwei Tage schlief. Sobald es ihm danach wieder besser ging, ging er Duschen und war wieder weg. In seinem Schlafzimmer war er schon eine Ewigkeit nicht mehr gewesen. Wenn er ‚zu Hause‘ war und hier schlief, dann auf der Couch.

Zu Anfang, als Mahina gerade weg war, hatte er noch in seinem Bett geschlafen. Er hatte sein Gesicht in das Kissen gedrückt, auf dem sie gelegen hatte. Er hatte versucht, ihren Duft einzuatmen. Aber irgendwann war ihr Duft verschwunden und so mied er sein Schlafzimmer, denn dort war sie gewesen – wenn er es auch nicht bewusst tat.

Mit genügend Alkohol im Blut stumpfte er ab. Er konnte sich damit betäuben und musste nicht mehr nachdenken. Er konnte vergessen. Sobald aber auch nur der kleinste Funken kam, die minimalste Erinnerung an sie oder auch nur der Ansatz eines Duftes, griff Jared zum Alkohol.

‚Nicht nachdenken‘ war zu seiner Lebenseinstellung geworden. Und das ging am besten mit viel Alkohol im Blut.

Jared schmiss sich auf die Couch, stellte den Fernseher an und griff zum Schnaps.

Helle Sonne

Sie stand mit Dawn an der Hand auf der Veranda, als Drake und Tristan an ihnen vorbei wollten.

„Drake!“, rief Helle Sonne sie zu sich. „Drake, denke daran, dass Du es ihm nicht sagen darfst. Er muss allein darauf kommen. Das ist wichtig.“

„Ja, ist gut, Helle Sonne.“, antwortete Drake. „Ich werde daran denken.“

„Gut. Tristan, nimm Dawn wieder mit nach Hause, damit sie angezogen werden kann. Dann lass sie wieder zu mir kommen. Wir werden heute unterwegs sein und uns mit unseren Geistern unterhalten. – Einverstanden Mäuschen?“ Fragend sah Helle Sonne zu Dawn und diese nickte. „Gut. Drake, wenn es vorbei ist, dann wird Dawn sich um Jared kümmern.“

„Wenn es vorbei ist?“, fragte Drake.

„Ja.“

„Wenn was vorbei ist?“, hakte er nach.

„Du wirst Jared wehtun.“, erklärte Dawn nun. „Danach mache ich ihn heile.“

Etwas erstaunt sahen sich Tristan und Drake an. Doch dann nickten beide Männer.

„Gut.“ Helle Sonne nickte zustimmend.

Jared

Es dauerte, bis auch Maddox und Sam bei Drake und Tristan ankamen. Als seine vier besten Freunde zu ihm ins Haus kamen, hatte Jared schon fast die ganze Flasche Schnaps von dem Selbstgebrannten, den sie hier im Dorf herstellten und der extrem stark war, getrunken und schlief auf der Couch. In der linken Hand hielt er noch die Schnapsflasche.

Die vier sahen sich an und dann legten sie los.

Als sie fertig waren war klar, dass Maddox und Sam vor der Türe ‚Wache‘ halten würden, bis Jared – sicher wutentbrannt – zu Drake laufen würde.

*****

Jared

Irgendwas hatte ihn geweckt.

Jared öffnete noch nicht einmal die Augen. Er hob den linken Arm, setzte sich die Flasche an den Mund und nahm einen großen Schluck. Er riss die Augen auf und setzte sich halb auf, bevor er postwendend alles wieder aus- und damit sich selber anspuckte.

Er zuckte zusammen. Jared sah an sich herunter. Er lag immer noch auf seiner Couch, aber er war . . . nackt? Hatte er nicht noch ´ne Jeans angehabt? Jetzt war er nass.

Er sah auf die Flasche in seiner Hand. Es war die Schnapsflasche. Aber nun war die Flüssigkeit im Inneren klar und nicht bronzefarben. Vorsichtig roch er daran. Wasser! Es war Leitungswasser. Irritiert sah er sich um.

„Ach Scheiße.“, brummte er und setzte sich auf. „Uuh.“ Seine Hand griff an seinen Kopf, denn dieser dröhnte noch. Lange konnte er also nicht geschlafen haben. Er suchte nach seinem Handy. Hatte er das nicht auf den Tisch gelegt? Hm, egal. Draußen zumindest war es immer noch hell. Oder schon wieder? Egal. Jared torkelte ins Bad und stellte sich unter die Dusche. Als er glaubte, dass es seinem Kopf besser ging, trat er heraus und putze sich die Zähne. Einen Blick in den Spiegel vermied er.

Er nahm ein Gummiband für seine Haare und ging in die Küche. Im Kühlschrank sollten noch mindestens drei Flaschen Schnaps stehen. Verwundert stand er vor seinem Kühlschrank und schaute hinein. Bis auf drei Flaschen Wasser war dieser komplett leer. Jared kratzte sich am Kopf. Er war sich sicher, dass hier noch Schnaps gewesen war. Er schloss die Kühlschranktüre und atmete ein und aus. Langsam öffnete er sie wieder. Nein, immer noch nur Wasser. Hm. Jared ging zurück ins Wohnzimmer. Wo war denn nur sein Handy hin? Wie spät war es und vor allem, welcher Tag? Ach, vielleicht war es immer noch in seiner Tasche. Jared torkelte zurück in den Flur. Wo, großer Wolf noch mal, war seine Tasche? Hatte er sie nicht hier in den Flur geschmissen? Wieder kratzte sich Jared am Kopf und sah sich suchend um. Seine Jeans? Bestimmt war sein Handy in seiner Jeans. Er ging wieder zurück ins Wohnzimmer. Wo, zum Teufel, waren seine Klamotten?

Was ging hier vor? Hatte er diesmal wirklich so ein riesen Blackout, dass er noch nicht mal seine Sachen fand? Erst jetzt fiel ihm auf, dass er sich nach dem Duschen gar nicht abgetrocknet hatte, weil keine Handtücher da gewesen waren. Jared setzte sich auf die Couch und sah sich um. Eigentlich sah es aus wie immer, oder? War er wirklich zu Hause? In seinem Haus? Ja, ja, da waren der große Fernseher, der auch immer noch lief und die teure Musikanlage. Auch die Couch war seine und dennoch . . . irgendwas war . . . anders. Sein Kopf begann zu pochen und Jared ging zurück in die Küche. Hoffentlich fand er wenigstens die Kopfschmerztabletten. Drei Stück nahm er ein, zusammen mit einer halben Flasche Wasser.

Jared legte sich noch einmal auf die Couch und versuchte zu schlafen, sicherlich träumte er den ganzen Blödsinn nur.

Nach drei Stunden erwachte Jared und hatte fürchterlichen Durst. Er ging in die Küche und nahm eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank, die er sich an die Lippen setzte und trank. Seinem Kopf ging es besser und sein ‚Traum‘ fiel ihm wieder ein.

Mit nun fast klaren Kopf ging er durch die unteren Räume. Viele waren es ja nicht. Oben war er schon eine Ewigkeit nicht mehr gewesen. Nein, er hatte nicht geträumt. Es war alles weg. Alles!

Wieder blickte er sich suchend um.

Seine Klamotten, weg.

Sein Handy, weg.

Sein Autoschlüssel, weg.

Das Einzige, was man ihm gelassen hatte, war ein Lendenschurz, den er sich nun voller Wut umband.

Tristan!

Wutentbrannt stürmte Jared zur Türe, riss diese auf und sah sich Maddox gegenüber.

„Hey, mein Freund. Rausch ausgeschlafen?“, lachte Maddox ihn an.

„Halt die Klappe, Maddox! Wo ist Tristan?“ Jared war wütend.

„Tristan?“

„Ja, Tristan! Jetzt stell Dich nicht so blöd!“ Jared fuhr ihn an. Da erst sah er, dass auch Sam da war: „Wart ihr das etwa alle?“

„Was denn?“, fragte Sam ganz unschuldig.

Jared stürmte vor, packte Sam am Kragen und verpasste ihm einen Kinnhaken, der Sam bis auf die Straße schleuderte. Maddox trat dazwischen.

„Das würde ich mir wirklich überlegen, Jared.“, brummte Maddox leise und sah ihn mit bösem Blick an.

„Wo sind meine ganzen Sachen?“, schrie Jared nun rum.

Drake

Es war einer der ersten warmen Tage und sie saßen zusammen auf der großen hinteren Veranda ihres Hauses. Emily war nun im 8. Monat schwanger und Drake hatte ihr eine Decke übergelegt.

Er hörte Jared brüllen: „DRAKE!“

„Es geht los.“, Drake holte tief Luft und sah alle an, die bei ihm waren. Tristan und Niki waren mit der kleinen Keys hier. Kaleiope, nun auch schon im 7. Monat schwanger, saß neben Emily. Sie teilten sich eine Decke. Auch Takomaha und Arizona, die ebenfalls schwanger war, waren dazugekommen. Er sah Mira, seine Schwester, an. Sie war mit dem zweiten Welpen trächtig. Genau wie Blossem, die sich mit Jasper ihnen angeschlossen hatte. Viele Welpen würden dieses Jahr das Rudel vergrößern.

Die Kinder hatten heute eine Gemeinschaftsveranstaltung im großen Zelt, denn sie sollten von dem hier nichts mitbekommen.

Alle Autos und Motorräder, sogar alle Fahrräder, also jegliches Fortbewegungsmittel des Rudels standen auf der großen Wiese. Einige Wölfe waren als Wachen extra dafür eingeteilt, dass niemand – absolut NIEMAND – damit wegfahren konnte und würde. Alle Schlüssel waren bei Drake abgegeben worden und lagen nun hinten in seinem Schlafzimmer.

Jared würde nirgendwo hinfahren.

Drake beugte sich zu Emily hinunter und küsste sie sanft auf die Lippen. „Wünsch mir Glück.“, raunte er leise zu ihr.

„Drake.“, Emily umfasste seinen Arm, „Bitte, denke daran, er ist Dein Freund. Dein bester Freund. Begegne ihm als Freund, nicht als Alpha!“

„Das hat letzte Mal auch nicht funktioniert!“

„Das ist egal, Drake. Tu es einfach. Und wenn Du es für mich machst. Es wird nichts bringen, wenn Du ihn zwingst. Aber bleib bei allem was Du tust, sein Freund.“ Nun sah Emily in alle Gesichter: „Jared braucht Freunde, hört ihr – keinen Chef, Drake.“

Drake atmete tief ein und aus: „Ja, Onida, ich versuch’s.“

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Ograniczenie wiekowe:
0+
Data wydania na Litres:
24 września 2025
Objętość:
560 str. 1 ilustracja
ISBN:
9783745067224
Wydawca:
Właściciel praw:
Bookwire
Format pobierania:

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