Czytaj książkę: «Die 4 Diamanten»

Die 4 Diamanten
1. Auflage, erschienen 8-2020
Umschlaggestaltung: Romeon Verlag
Text: Stefanie Müller
Layout: Romeon Verlag
ISBN (E-Book): 978-3-96229-864-7
www.romeon-verlag.de
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Stefanie Müller
Die 4 Diamanten
Kapitelübersicht
Kapitel 1
Mit der Vergangenheit fängt alles an
Kapitel 2
Die sechs Säulen und die Magie
Kapitel 3
Die Geschichte beginnt
Die Schwingen des Bussards
Der stolze Hirsch
Im Auge des Geparden
In den Fängen der Wölfe
Kapitel 4
Freundschaft mit Hindernissen
Kapitel 5
Die Kehrseiten einer Medaille
Kapitel 6
Die Schatten der Vergangenheit
Kapitel 7
Verhängnisvolles Schicksal
Kapitel 1
Mit der Vergangenheit fängt alles an
In einer vollkommenden anderen Welt, noch weiter als das Universum je reicht, dort ist es hell, heller als es hier je sein könnte. Weite Wiesen sind mit leuchtenden Blumen bestickt. Die Wälder bieten mit ihren hohen Bäumen Schutz vor Hitze und Nässe. Der glasklare Fluss, dessen Fische Silber glänzen. Hier scheint alles wie in einem Märchen.
Tiere, die in der Lage sind, die menschliche Gestalt annehmen zu können, werden Fablen genannt.
Um das Gleichgewicht dieser Welt zu tragen, wurden sechs Diamanten aus den unterschiedlichsten Fablen geboren. Sie schützen den Frieden zwischen Menschen, Tieren und Fablen. Die Diamanten haben die Fähigkeiten sich in die Form ihrer Seele zu verwandeln. Diese Seelenform ist pferdeartig.
Es ist ein heißer Tag und doch ist es kalt. Es ist sonnig, obwohl es bewölkt ist.
Um die Geschichte der vier Diamanten zu erzählen, muss man erst Jahrhunderte und weiter zurückreisen.
In diesem Märchenland war alles voller Freiheit, Weite, Liebe und Leichtigkeit, wo alle im Einklang lebten.
In allen Farben und so hell erstrahlt der Himmel, als die Sonne aufging. Aus den ersten Dörfern ertönte Kindergelächter. Die helle Sonne erreichte mit ihren Strahlen jeden Winkel selbst im tiefsten Wald. So wie die hintersten Ecken im Schloss der Diamanten.
Doch an jenem Tag war es dunkel im Schloss. Denn wie so häufig stritten Atistarz und Jolett. Nur diesmal vertrugen sie sich nicht, wie sie es genüge tun könnten. Während einer stur war, war der andere nicht nachsichtig. Hitze kam auf und die Wut der beiden war noch weit außerhalb des Schlosses zu spüren.
„Wenn du nur etwas nachdenken würdest!“. Mit diesen Worten knallte Jolett die schwere Tür zum Speisesaal zu und ging empört in Richtung Bibliothek.
Wütend riss Atistarz die Tischdecke vom gedeckten Tisch, nahm seine Jacke und stampfte aus dem Saal, wobei er das Dienstmädchen umrannte.
Außerhalb des Schlosses, wo die Sonne mittlerweile alles in Farbe und Wärme getaucht hat. Hier nahm Atistarz seine Gestalt an und flog über das Land hinweg. Dieses tat er immer, wenn er Streit hatte.
Jolett hingegen tobte sich in der Bibliothek aus, indem er ein Buch nach dem anderen wälzte.
Die Hitze an diesem Tag war unerträglich. So unerträglich wie die Atmosphäre im Schloss. Worüber Atisarz und Jolett stritten, war niemanden so genau bewusst. Bis zum Abend hielt die Hitze an. Die Sonne begab sich langsam hinter den Hügeln zur Ruhe und der Mond tauchte das Land in Silber. Am Abend, zu der Zeit, wo in den Häusern die Lichter durch die Fenster schienen, wurden Tische gedeckt und herzliche Düfte zogen aus offenen Fenstern in die Nase.
Auch im Schloss war es an der Zeit zu Abendessen. Oberau, Fineis, Vegün und Reot warteten schon am Tisch auf Atistarz und Jolett.
„Den beiden ist nicht zu trauen! Keiner von ihnen ist fähig, den Anderen zu verzeihen“, stellt Oberau in den Saal. „Es ist schwer Frieden zu bewahren, wenn er nicht selbst unter uns ist“.
„Es wäre einfacher, wenn sie uns sagen würden, was sie zum Streiten bringt“, entgegnete Vegün.
„Wir sollten lieber darauf achten, dass beide nichts Unverhofftes tun“, trug nun auch Fineis dazu. „Beim letzten Streit haben beide sich Drohungen an den Kopf geworfen.“
Oberau stand auf und schlug mit beiden Händen kräftig auf den Tisch. Doch bevor er antworten konnte, traten Atistarz von der einen Tür und Jolett von der anderen Tür ein. Beide stratschen1 zu ihren Plätzen und setzten sich sprachlos hin.
Oberau blickte beide mit der finsteren Miene an, hebte seinen Arm und zeigte verärgert auf Linda, das Dienstmädchen, was Atistarz umgerannt hatte. „Du hast kein Funken Anstand im Leib!“, sagte er mit strenger Stimme. „Sie umzustoßen und einfach zu gehen. Was soll das?!“ Doch bevor Atistarz antworten konnte, blickte Oberau zu Jolett. „Und du!“, schimpfte er fort. „Zumindest du könntest rücksichtsvoller sein! Was denkt ihr euch denn?!“
Fineis sprach dazwischen: „Als Säulen dieser Zeit habt ihr Verpflichtungen. Vor Problemen kann man nicht weglaufen. Davon verschwinden sie nicht!“ Vegün und Reot nickten dem zu.
„Ihr solltet euch aussprechen! Vorher verlässt hier keiner den Raum.“
Weder Atistarz noch Jolett zeigten sich eine Antwort zu geben und blieben stumm.
Linda begann den Tisch zu decken, aber ihr war ganz unwohl dabei. Denn die Wärme zwischen den Sechs, die sie spürte, war Wut. Wut, die von Anspannung begleitet wird.
Keiner sagte etwas während des Essens.
Linda schlich leise und unauffällig hinaus. Sie ging zu ihrem Freund Goji, der auch ein Fablen war. Während Linda Goji erzählt, was passiert war, waren Atistarz, Jolett, Fineis, Vegün und Oberau noch am Essen. Es war still, so still, dass jedes unscheinbare Geräusch laut erschien. Klirren taten die Teller, die von den Gabeln berührt worden. Eine Stille, wie die Ruhe vor dem Sturm. Bevor Reot das erste Wort auch nur Aussprechen konnte, legte Atistarz wutentbrannt los. „Es ist doch deine Schuld! Wegen dir ist sie weggelaufen! Und…“
„Meine Schuld!“ fauchte Jolett zurück. „Wenn du nicht so verdammt langsam gewesen wärst, wäre nichts passiert!“
„Langsam! Du hast nichts Besseres zu tun, als deine Schuld auf andere zu schieben!“
„Jetzt reicht es!!“, schmetterte die tiefe Stimme von Oberau durch den Saal, so laut und tief, dass keiner wagte etwas zu sagen.
„Was ist denn passiert?“, wandte Vegün vorsichtig ein. „Ihr könntet mal sagen, was los ist.“
Atistarz stand so heftig auf, dass der Stuhl umfiel. Mit seinen Händen schlug er auf den Tisch, sodass sein Glas ebenso umkippte. Bevor er das Wort ergriff, packte Jolett, der ihm gegenübersaß, ihn am Kragen und zog ihn auf seine Tischseite. „Wenn du zu feige zum Leben bist, dann verzieh dich endlich!“
Atistarz griff Joletts langen Haare und zog ihn ebenso über den Tisch. „Das sagt gerade der, der zu feige zum Sterben ist! Du …“
„Seid ihr von allen Geistern verlassen!“, brüllt Reot, während Oberau und Vegün beiden eins auf den Kopf gaben und sie auseinanderzogen.
„Ihr seid wie Ratten, nur halb so intelligent! Was glaubt ihr, wer ihr seid!“, fuhr Reot fort.
Beide sahen sich an, mit zerfressenden Blicken, sodass es den Eindruck machte Reots Worte hätten gefruchtet.
Die Hitze, die den Raum erfüllte, verschwand allmählich. So auch die gereizte Stimmung der sechs. Es dauerte noch eine ganze Weile bis Atistarz und Jolett soweit waren, dass Oberau und Vegün sie losließen.
„So wie es ist, bringt es nichts, es ist besser ihr denkt über das, was passiert ist, nach und dann regeln wir das morgen“, wandte Fineis ein.
Alle stimmten nickend ein, selbst die beiden Streithähne. Der Mond schien in dieser Nacht hell als auch dunkel. Wolken, die aufzogen, verleiten den Nachthimmel eine unheimliche Atmosphäre. „Kein Licht ist so schön wie deins.“ Fineis stand auf dem Balkon hinter seinem Zimmer. Er schaute in die weite Dunkelheit. „Komm schon!“, hörte er eine Stimme. Fineis blickte sich um, es waren Atistarz und Jolett, die das Schloss verließen. Aus Sorge ging Fineis durch die, in warmes Licht getauchten, Flure des Schlosses und rief die anderen zusammen. Er klopfte an die alten Holztüren der einzelnen Zimmer. „Hey! Kommt raus! Aufstehen! Schläft ihr schon?“ „Los, kommt raus.“
Plötzlich griff aus dem dunklen Gang neben ihn eine Hand nach seiner Schulter. „Fineis? Was ist los?“
„…Goji…puh…“
„Ich wollte dich nicht erschrecken“ Mit diesen Worten klopfte Goij Fineis Schulter und lächelte.
Die anderen waren durch den Lärm auf den Flur getreten.
„Was soll der Krach?“ stellte Oberau ernst da.
„Sie sind weg. Sie sind einfach gegangen. Wir müssen…“
„Bleib ruhig“ stieg Vegün ein „Wer ist weg?“
„Atistarz und Jolett, sie haben das Schloss verlassen.“
„Hm, eventuell haben sie sich vertragen …oder?“ Vegüns Blick fiel auf Oberau, der den Kopf schüttelte.
„Los! In welche Richtung sind sie?“, setzte Reot fort.
„In den Wald“
„Ich fliege voraus“ sagte Goji und begab sich gleich aus dem Fenster.
Die vier rannten die Treppe runter, die in dieser Situation ewig lang erschien. Unten angekommen spurteten sie zum Schlosstor.
„Reot, Fineis, ihr nehmt den Weg an der Wiese entlang zum Wald. Vegün und ich den Steilweg. Sie werden bestimmt zur Lichtung am Hang gehen.“ Oberau beendete sein Satz und schon teilen sie sich auf.
Reot und Fineis nahmen ihre Gestalt an, und flogen in den Wolken behangenen Himmel.
Oberau und Vegün liefen als Abkürzung durch den kleinen Bach, als Vegün stolperte. „Au…“
„Was ist? Komm.“
„Oberau! Hier. Hier ist …“
„Was ist da?“ fragte Oberau und trat mit diesen Worten auf Vegün zu. Seine Hand zitterte und ergriff die von Oberau, der mit fassungslosem Blick dastand und das Ufer betrachtete. Er nahm Vegün in den Arm und sagte „Wir müssen uns beeilen, bevor noch mehr passiert“.
Vegün löste sich langsam von Oberau, lies seine Hand aber nicht los. Zögernd, aber dann zügig liefen beide weiter. Eine unwohlsame Stimmung umgab beide voll mit Angst. Ob Atistarz und
Jolett sich umbringen? Oder ist einer von beiden schon tot? Was ist mit Goji? Ob es ihm gut geht.
Das Wasser des Baches war dunkel, weil das Licht des Mondes nicht darauf schien. Das Ufer war sandig und steinig und ist von Moosen umwachsen.
Neben den Handdruck von Vegün lagen im Sand breite dunkle Federn, doch ihre Keime waren zerrissen, der Stiel blutig und teilweise fehlten Haarreihen. Ihren Glanz hatten sie vollkommen verloren.
Wenige Steine weiter war eine Pfütze, so groß wie ein Essteller, und sie glänzte in einem Verhängnisvollen rot. Tiefe Stille stand im Land. Die Schatten der Bäume wurden länger, als die Wolken dem Mond wieder freie Sicht verschaffen.
Reot und Fineis landeten hundert Meter vor der Lichtung, als ein Junge beiden entgegenrannte. Er ist ein Menschenkind, der panisch nach Hilfe rief. „Hilfe!! Ich bitte euch! Bitte …“ Er rannte weinend in die Arme von Fineis. „Unser Dorf ist völlig zerstört, alles ist kaputt.“
Reot kniete sich zu dem Kind runter, streichelte sein Kopf und fragte: „Wie ist das passiert?“
Der Junge zeigte den Hügel hinunter, unten im Tal war das Dorf in Schutt und Asche gelegt. „Es war ein Monster.“
Fineis und Reot schauten sich fragend an.
„Du bleibst hier“, sagt Fineis zu dem Jungen, der sich die Augen rieb.
Reot stand auf und legte seine Hand kurz auf die Schulter des Jungen. „Es ist besser, du gehst nach Linda, geh zum Schloss und sag ihr, was passiert ist, und dass dich der rote Diamant geschickt hat „Okay …und …“
„Keine Sorge.“, sagte Fineis behutsam. „Linda ist ganz lieb, nun beeile dich.“
Der Junge schaute beide an und lief los, so schnell er konnte in Richtung Schloss.
Auch Reot und Fineis rannten den Hügel zum Dorf hinunter. Auf dem Weg waren angeranzte Bäume und tiefe Kratzspuren, die deren Rinde zeichnete. Außerdem zierten sich am Busch entlang vereinzelte Blutspuren. Der gesamte Weg ins Tal sah aus als hätte ein Krieg stattgefunden.
Je näher sie dem Tal kamen desto mehr hörten sie das geballte Knurren und Zähnefletschen einer Bestie.
Hier im Dorf gab es nichts mehr, was noch anstandsweise zu gebrauchen war. Es war alles voll Blut. Blut von Stalltieren, von Menschen und von Fablen.
„Das stinkt! Als hätten wir nicht genug Probleme.“, sagte Reot genervt.
Fineis hockte sich hin und zog aus dem Schutt eine Puppe hervo.r „Nein Reot, das hier ist unser Problem.“
„Ja klar, aber die Lage, in der wir uns befinden.“, antwortet Reot und hockte sich neben Fineis, der zum Dorfende schaute.
„Und wie siehst du das?“
„Das glaub ich nicht.“, Reot war fassungslos. „Du hältst hier am besten die Stellung!“
„Klar“, sagt Fineis vorwurfsvoll.
„Ich sag den anderen Bescheid und Fineis, tu nichts unüberlegtes.“ Reot drehte sich um und flog hochhinauf.
Fineis bildete mit seiner Hand eine Faust, erhob sich und ging in Richtung der Bestie, die Jolett und Atistarz waren, die beide ihrer Form der Seele angenommen hatten. Beide waren mit tiefen Wunden übersät und kämpften wie die Löwen gegeneinander. Offenbar ist ihnen nicht mal aufgefallen, dass sie ein ganzes Dorf zerstört hatten. Ohne Worte, ohne ein absehbares Ende verletzten sie sich weiter.
Fineis‘ Wut auf beide wurde in Windeseile gigantisch. „Seid ihr bescheuert!! Wie erbärmlich wollt ihr eigentlich werden!“, schrie er beide an. Doch seine Worte ergaben nur ein Ohrenzucken von Atistarz, sonst nichts. Keiner von ihnen hörte auf. „Ihr verlogenen Hunde!“ Mit diesen Worten nahm Fineis voller Wut seine Form der Seele an und riss sich zwischen den beiden. Mit seinen Klauen hielt er Atistarz am Boden, Jolett, der gerade zubeißen wollte, landete in Fineis Flanke. Für einen kurzen Moment blieben sie so ineinander verharrt, keiner rührte sich.
Fineis erhob schmerzverzogen, aber voller Wut, seinen Kopf. Er blickte zu Jolett, der langsam seine Zähne aus Fineis Flanke zog. Er blieb in Angriffsposition stehen.
Artistarz sah Fineis mit beängstigtem Blick an.
Fineis war sich sicher, eine falsche Bewegung, ein falsches Wort und beide würden ohne Rücksicht, dass er zwischen ihnen steht, wieder loskämpfen.
Dabei waren ihre Körper schon ausgelaugt, eine Wunde neben der andern und wie es um sie herum schon aussah, hatten beide schon viel Blut verloren. Dennoch machte der Hass aufeinander der beiden keine Müdigkeit. Sie schienen noch nicht mal mehr ihre eigenen Schmerzen zu spüren.
Es war still, nur der Wind trug ein leises Zischen als er über die Asche fegte und diese auffliegen ließ. Es sah aus wie Nebel, nur aus Asche. Noch glühende Bretter flimmerten vereinzelt gelegentlich auf den Boden. Der Geruch von Blut, Verbranntem und Toten lag in der Luft. Bald würde die Sonne aufgehen.
Fineis sah sich um. Von Reot und den anderen fehlt noch jede Spur, obwohl man durch den Aschenebel auch nicht sonderlich weit sehen konnte. Seine Hüfte schmerzte. Jolett hatte ordentlich zugebissen.
Er spürte, dass beide jeden Moment sich wieder losreißen würden. Ob das die letzten Augenblicke seines Lebens sein sollte, sich zwischen seinen besten Freunden zu stehen und sich töten zu lassen?
„Wie das wohl ist? Hier mit euch zu sterben“, sagt Fineis vollkommen gleichgültig. „Ob mich jemand sehr vermissen wird? Was wird wohl geschehen mit dieser Welt, wird sie wirklich untergehen?“
Jolett hob seine Haltung „Wenn du tot bist, ist es doch egal was passiert, du bekommst ja nichts mehr davon mit.“ Sein Ton war aggressiv und vorwurfsvoll zugleich.
Fineis sah Atistarz an, sein Blick senke sich. „Ja, ich weiß“ sagte er dann.
„Und was willst du dann hier!“, zechte Atistarz.
Lächelnd sieht Fineis ihn an. „Wenn ich sterben würde, dann bereue ich eins zutiefst.“
Jolett lachte boshaft. „Klar, dass du dich zwischen uns gestellt hast!“
„Nein.“ Fineis schaute ihn mit einem sanften Ausdruck in den Augen „Ich würde es bereuen, dass ich jene nicht gesagt habe, was ich empfinde und nie erfahren werde, was sie mir gegenüber fühlen.“
Atistarz sah ihn fragend an und auch Jolett schien über diese Worte ernsthaft nachzudenken. „Du meinst, es wäre …“ Jolett hielt kurz inne.
„Wenn du jemanden tötest, was hast du davon?“ fragte ihn Fineis. „Wenn du tötest, gibt es immer einen, der in tiefste Trauer fällt und keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Er oder sie wird dann dich töten und so ist es ein immer zunehmender Kreislauf. Genau so entstehen Kriege, ein schlichter Streit bis einer die Nerven verliert und den anderen tötet“.
„Ich verstehe.“, sagt Atistarz und stand auf. „Darum heißt es: Fügst du anderen Leid zu, nimmt es dir deine Freude. Fügst du
anderen Schmerz zu, raubt es dir den Schlaf.“ Er atmete tief durch und endlich erschienen auch die Anderen. Als sie näher kam führte er fort „Nimmst du anderen das Leben, trifft es dich selbst.“
„Was zum…was habt ihr nur getan?“, Vegün war entsetzt, als er und Oberau das Schlachtfeld sahen.
Fineis trat von den beiden zurück und atmete erleichtert durch. Endlich die Lage schien sich zu entspannen. Reot blickte besorgt zu Fineis, dann er nahm menschliche Form an und ging zu ihm. „Du Idiot!“, sagte er und mit diesen Worten legte er seine Jacke über Fineis herüber.
Oberau war so sauer, dass man denken könnte, er platzt augenblicklich. Er trat mit kräftigen Schritten auf Atistarz zu und schlug ihn mit flacher Hand unter die Jochbeinleiste. Es war ein dumpfes Klatschen zu hören. „Bei allem, was habt ihr nur angerichtet?!“Oberau ballte seine Hände zu Fäusten.
Keiner sagte etwas und Jolett legte sich zu Boden. Ihm verließen völlig die Kräfte. Sein Atem war schwer.
Fineis wollte zu ihm, doch Reot hielt ihn fest.
Jolett lächelte ihn an. „Weißt du, was du vorhin gesagt hast? Es wäre gar nicht so schlimm, zu sterben, dann hat man mehr Zeit alles anderes zu betrachten.“
Alle schauten ihn verwundert an.
„Hier stirbt keiner! Für den Mist könnt ihr die Verantwortung gefälligst übernehmen!“ Oberau ist sauer und zeigt kein Verständnis. Er schlug mit dem Arm durch die Luft. „Wenn ihr nicht einen guten Grund für dieses beschissene Verhalten habt, könnt ihr den Schrott hier alleine wegräumen!“
Vegün war sprachlos über die Geschehnisse. Er war froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Nur fragte er sich, wo Goji steckt und schaute sich suchend um.
Oberau ging auf Jolett zu, als plötzlich die Sonne aufging. Sie blendete so, dass man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Der Aschewind lichtete sich und die Strahlen der Sonne zogen sich wie lange Speere durch das Schlachtfeld.
Jolett lächelte. Seine Stimme schwand und doch schien er etwas sagen zu wollen, was keiner verstehen konnte.
Oberau wollte gerade seine Hand nach ihm ausstrecken, als er heftig von hinten umgestoßen wurde. Kein Geräusch, kein Wort, nicht mal das Zirpen einer Grille war zu hören. Schweigende Stille sowie Kraftlosigkeit brach aus.
Atistarz hatte Oberau umgestoßen und seine Reiszähne tief in Joletts Hals gedrückt. Der ebenfalls seine Zähne in Atistarz Brust gebohrt hatte. Wie eine Trophäe verharrten sie dort. Hinter ihnen die Sonnstrahlen, die sich sanft über sie legten. Atistarz ließ ihn los und legte sich zu ihm zu Boden. Jolett legte sein Kopf auf Atistarz Schulter und flüsterte im letzten Atemzug ein unvollständiges Wort hinzu. Schockiert und sprachlos standen die anderen da.
„Jolett, hey!“ Vegün ging mit behutsamen Schritten auf sie zu. Er rüttelte ihm am Bauch, aber Jolett zeigte keine Regung mehr.
Atistarz öffnete seine Augen. „So ist es gut.“, sagt er leise.
Alle schauten ihn fragend an. Atistarz hob noch einmal seinen Kopf. Zwischen den Bäumen sah er Schatten. Aber alles was er sah, sah aus wie Schatten. Das Strahlen seiner Augen verschwand und man konnte sehen wie sie grau und trüb wurden. „Idioten.“, lachte er plötzlich. „Euer Blut wird zu Boden gehen. Es wird heilen und Macht verleihen.“ Mit einem vergrinsten Lächeln viel er zu Boden.
„Hey, was redest du für ein Scheiß! Hey Atistarz!“ Reot schupste ihn am Hals an.
Nur schwer öffnete er seine Augen. Seine Stimme war schwach und kaum noch zu verstehen, als er sagte: „Ich habe versucht es zu beschützen und verhindert…, dass wer in Trauer fällt…ich“
Noch bevor er sein Satz beenden konnte, erlosch sein Leben. Fineis legte seine Hand auf Reots Schulter.
Die Sonne, die den Himmel in ihren Farben tauchte, brachte an diesem Morgen große Trauer mit sich. Viele Menschen und Fablen versammelten sich in den Trümmern. Was geschehen war, verbreitete sich schnell und immer mehr kamen hinzu, um die Geister der toten Diamanten Anerkennung und tiefen Respekt zu zeigen.
Nun waren zwei Säulen der Welt zusammengebrochen. Ihre Last muss nun auf die übrigen vier verteilt werden. Ein Teil des Himmels blieb nun in einer unvollkommenen Farbe, weder weiße Wolken, noch das schöne Himmelblau und auch die Sonne blieb in diesem Teil verschollen. Alles war trüb grau.
Dies würde wohl nicht das einzige sein, was sich ändern würde. Aus der Anzahl von Menschen, Fablen und Tieren trat Avono zu den beiden Gefallenen hervor. Er ist Gojis Vater und Hüter der alten Bücher der Diamanten. Avono verneigte sich, um seinen tiefsten Respekt zu zeigen. Langsam erhob er sich wieder und sprach: „Oh, hört meine Worte, das schwarze und violette Licht haben unsere Welt nun für immer verlassen. In ihren Zorn zueinander war ihr strahlendes Licht verblasst. Lasst und genau hier ein Grabmal aufbauen, eins mit sechs Säulen. In einem Halbkreis. Zwei Säulen sollen vor ihnen stehen. Lasst uns trauern und vergeben, lasst uns sie ehren und an sie denken. Damit aus ihren Seelen keine bösen Geister entstehen“
Alle, die sich versammelt hatten, verneigten sich vor Avonos Worten, um ihn zu zeigen, dass sie damit einverstanden waren. Oberau trat zwei Schritte hervor und sagte „Es tut uns aufrichtig leid, wären wir ernsthafter an die Angelegenheit heran gegangen, wäre das nicht geschehen.“
„Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um das Gleichgewicht zu halten!“, sprach Vegün voller Überzeugung.
Die versammelten Leute sprachen vieles durcheinander: „Lasst uns das Grabmal errichten.“
„Wir unterstützen euch.“
„Gut!“ rief Reot, der gerade aufstand. „Dann teilt euch in Gruppen auf: Für den Bau, das Aufräumen, die Blumen und die Abendbeleuchtung.“
Avono legt seine Hand an seine Schulter. „Ich werde den Bauplan erstellen und brauche noch zwei, die mich unterstützen.“
Alle waren hoch motiviert, so schnell es ging, die Seelen der Verstorbenen zu begraben. Es gab da eins, eine Lektüre, die besagt, es bringe Unglück, wenn das Grab nicht mit Freude errichtet wird. Avonos Vorstellung des Grabes war auch gleichzeitig ein Denkmal zu bauen. Es würde die ganze Nacht dauern, um das aufzubauen. Keiner scheute die harte Arbeit. Frauen und Kinder steckten die Blumen, töpferten Vasen und nähten große Tücher. Die Männer räumten den Platz von Schutt und Asche frei und schafften die Bauutensilien heran. Alle machten sich ans Werk.
Schon bald ging die Sonne unter. Doch anstatt, dass sie sich wie sonst in all ihren Farben verabschiedete, versank sie in dem matten unbehaglichen grauen Abschnitt des Himmels.
Alle waren noch immer sehr beschäftigt. Sie stellten Fackeln auf, um in der Dunkelheit sehen zu können.
Unter einer Zeltplane, die mit Ästen gespannt war, kümmerten sich Ärzte um Jolett und Artistarz. Sie vernähten ihre Wunden und wuschen ihnen den Staub und das Blut aus dem Fell.
Zur gleichen Zeit waren Oberau und Vegün dabei überall mit anzufassen und gleichzeitig versuchten sie herauszufinden, was geschehen war.
Fineis wurde im Schloss von Eleno verarztet. Linda und Reot sind bei ihm. „Ich begreife nicht, was so zwischen den beiden stehen konnte, dass man sich umbringt“, sagte Eleno, als er den letzten Stich setzte.
„Alles, was sie sich an den Kopf gesetzt haben, ergibt keinen Sinn.“ Reot stand mit angewinkelten Armen, mit dem Rücken an einen Schrank gelehnt. „Es ist so widersprüchlich.“
„Vielleicht war das geplant.“, flüsterte Linda leise in den Raum. Alle schauten sie fragend an. „Ich meine, was sie beim Essen gesagt haben. Vielleicht war die Verantwortung zu groß.“
„Nein, nein.“, Eleno tupfte die genähte Wunde vorsichtig ab. „Das glaube ich nicht, hm.“
Fineis verzog dabei sein Gesicht. „Angenommen Linda hat Recht und jemand hat die Beiden ausgespielt? Sie sind da hinter gekommen.“ Reot lehnte sich von Schrank ab und senkte seine Arme „Tja, und weil sie demjenigen nahegekommen sind, hat der dafür gesorgt, dass sie sich töten?“ Linda blickte zu Boden. „So kann es doch gewesen sein.“ Sie ging zu Fineis, um ihm zu helfen sein Oberteil anzuziehen, während Eleno seine Materialien abwusch. „Nun gut, aber wer hätte sowas getan? Derjenige muss was von Magie verstehen. Denn sonst wären sie nie so weit gegangen.“ „Und was ist mit Goji?“ Reot trat zu Linda. „Sein Vater ist Hüter und weiß vieles über Magie, außerdem ist er vor uns raus.“
„Reot! Also.“, Fineis war zwar vom Ton eher zornig, aber er selbst hatte den gleichen Gedanken.
„Schon gut.“, wandte Linda ein. „Er hat sich schon seltsam verhalten in den letzten Wochen, und schließlich, ist er wie vom Erdboden verschwunden.“
Fineis legte seine Hand auf ihrer Schulter. Reot setzte sich. Eleno trat zu den dreien. „Linda, ihr solltet seine Gemächer durchsuchen, vielleicht findet ihr dort was, aber seid wachsam“
„Ja.“, erwiderte sie.
„Wir können vorerst niemanden trauen!“ sagte Fineis bedacht. Reot wandte hinzu. „Was, wenn Goji was weiß und verschleppt wurde. Beim Versuch den Drahtzieher zu entlarven.“
„Das könnte auch sein, aber denn würden wir trotzdem etwas in seinen Gemächern finden.“, wandte Fineis ein.
Die Nacht gab sich ihrem Ende. Während die ersten Sterne schon im unverhofften Grau verschwanden, färbte sich der Himmel auf der anderen Seite in hellen warmen Farbtönen. Der Bau der Säulen ist vollendet, und die letzten Kleinigkeiten wurden vollrichtet.
Avono sprach von einer kleinen Erhöhung aus. „Lasst uns zum Ende kommen. Hört meine Worte.“
Wiedermals versammelten sich alle vor ihm, sie waren müde und erschöpft, dennoch lächelten sie, um den Respekt zu bewahren. Avono sprach weiter: „Lasst uns ausruhen, lasst uns unsere Körper waschen und soll das Frühstück uns stärken. Wenn die Sonne den Gipfel von Freit erreicht hat, werden wir hier sein und den Lichtern unseren Segen sprechen.“
Alle applaudierten und zogen in ihre Dörfer zurück.
Oberau und Vegün machten sich ebenfalls auf den Weg ins Schloss. Sie waren müde und enttäuscht, dass sie nichts Sinnvolles herausgefunden haben. Stillschweigend gingen sie den kleinen Pfad zum Hügel hinauf, der noch immer voller Spuren des Kampfes war. Im aufgehenden Licht der Sonne erschien der Hügel noch voller Hass und Verzweiflung zu sein.
Die tiefen Kerben der Bäume waren auffällig gelblich. Die umgepflügte Erde sah aus, als wäre hier ein Pflug entlang gerauscht und die Blutspuren hafteten wie Pech an den Sträuchern.
„Was glaubst du?“, fragt Vegün. „Hat Goji was damit zu tun?“
„Ich hoffe nichts, aber wenn er nicht bald auftaucht…“
Beide schauten sich tief in die Augen. Sie nahmen ihrer Gestallten an und hoben sich in die Lüfte. Von oben gesehen war das Ausmaß der Zerstörung ein dunkler Fleck in mitten dem Grünen.
Im Schloss angekommen ging Vegün direkt ins Bad, wo er auf Reot stieß, während Oberau in der großen Halle auf Fineis traf.
„Bist du okay?“ Mit nachdenklicher Miene schaut Fineis Oberau an und nickte kurz.
In der Halle waren Schriften und Bilder von vorherigen Diamanten. Bücher die, die Hüter geschrieben hatten, über deren Gesetze, Leben und Entscheidungen.
„Was glaubst du, was nun passieren wird?“ Oberau setzte sich auf den Tisch vor Fineis.
„Nun, was auch immer geschehen wird, wir vier leben und sterben zusammen. Auch die nächsten Diamanten werden zu viert sein. Wir müssen noch mehr aufeinander achten.“
Unerwartet knarrte die Tür zur Halle auf. Reot und Vegün traten ein.
„Und seid ihr soweit?“, Reot stellt sich neben Fineis, der den Kopf wegdrehte.
Vegün legte seinen Arm um Fineis, um ihn zu stützen.
„Er ist eben so“, sagte Oberau zu Reot, die nur wenige Meter hinter Vegün und Fineis liefen.
„Ja, er ist emotional. Auch wenn er so still tut.“
„Wir müssen wachsam bleiben, wenn es jemand auf uns abgesehen hat, ist Fineis in der derzeitigen Lage leicht verwundbar.“ „Hey!“, rief Vegün ihnen zu. „Trödelt nicht so rum.“
Oberau und Reot lächelten kurz auf, dann schlossen sie sich an.
Kapitel 2
Die 6 Säulen und die Magie
Die Sonne stand nun fast über den Gipfel von Freit. Ihre Strahlen fielen direkt auf das Grabmal.
Alle, Menschen, Fablen und Tiere, sind gekommen und sie trugen dunkle Kleidung mit schwarzen oder violetten Tüchern. Sie sangen Lieder vom Leben, Liebe und Zusammenhalt. Avono dankte allen nochmals für ihre Arbeit und nach kurzer Zeit waren auch Oberau, Reot, Fineis und Vegün da.
Avono stellte sich auf eine Kiste, um höher zu stehen, hinter ihm waren die Säulen und vor ihm jegliche Bewohner des Landes und zu seiner Rechten die Diamanten. „Hört meine Worte“, begann er. „Seht, was wir in der kurzen Zeit errichtet haben. Mit Kraft. Mit so vielen gemischten Gefühlen, die mit ins Fundament gehalten haben.“ Er hob seine Hände. Alle schlossen ihre Augen und heben ebenfalls ihre Hände. „Jolett, du das Licht des Verborgenen. Du hast jungen Herzen Mut gegeben und dieses Land geschützt.
Atistarz, du das Licht des Augenblickes, das alles um dich leuchten lässt. Du hast uns Stärke geschenkt und auch du hast dieses Land geschützt.
Die Säulen, von allen errichtet, die an euch gedacht haben, sie sollen euch, den Diamanten, verbinden und euch eine Brücke sein, hierher zurück zu kehren. Möge eure Liebe den vier Diamanten gebühren. Eure Kraft sie stärken. So hört uns an.“
Alle Anwesenden sprachen Avono nach: „Wir segnen euch Jolett und Atistarz. Wir teilen unsere Herzen mit euch auf das der Frieden eurer Seelen, die die Freiheit eurer Geister bestehen bleibt.“ Avono trat von der Kiste hinunter und senkte seine Hände. Viele legten Blumen und Briefe am Zaun nieder. Sie knieten und flüsterten eigene Worte.
Avono ging zu Oberau, Reot, Vegün und Fineis. „Wir müssen dringend sprechen.“ Oberau nickte dem zu.
Avono bat die vier mit in sein Haus zu kommen.
Es war nicht weit, sondern nur zehn Minuten vom Grabmal entfernt. Auf dem Weg sprach keiner von ihnen. Es waren stille Schritte zum Haus.
Das Haus von innen sah aus wie eine gewaltige Bibliothek. Außer Avono lebte hier noch Tilanda. Tilanda wird nur Tolji genannt. Sie ist angeblich aus einer anderen Welt. Weil ihr das niemand glaubte, wurde sie nur vertrieben. Avono nahm sie auf. Er hört ihr zu und gab ihr ein zu Hause. Seitdem ist sie so etwas wie eine Haushilfe. Tolji hatte schon den Tee aufgesetzt und geleitete uns in den Wohnraum, der abgesehen von einem Tisch und zwei kleinen Couchen ebenfalls mit Büchern vollstand. Sie setzten sich. Avono schaute Tolji an. „Hast du etwas von Goji erfahren?“ „Nein.“
„Hm, bitte sei so lieb und lass uns allein.“
Sie nickte lächelnd, stellte den Tee auf den Tisch und verließ den Raum.
„Sie ist groß geworden!“, sagte Vegün.
„Es wird sich alles ändern und darum hast du uns hergebeten.“, wandte Oberau ein.
„Ja, diese Welt wird zerbrechen.“ antwortete Avono.
„Übertreib nicht gleich. Dass es nicht so bleibt, ist ja klar, aber davon geht die Welt nicht gleich unter.“, entgegnete Reot. Avono nahm eine Tasse Tee zu sich. „Es ist in dem ersten Buch von den Heiligen Schriften geschrieben, dass es zuvor schon mal dazu kam. Seit jenen Tag schreiben wir Hüter alles über die Diamanten nieder.“
„So viele Bücher wie es gibt, ist das doch bestimmt tausende Jahre in unserer Rechnung her.“, wandte Fineis dazu.
„Ja, ihr habt nicht Unrecht. Es war zur Zeit des beginnenden Friedens zwischen Menschen und Fablen.“, sagte Avono.
„Nun gut. Aber du willst doch nicht über alte Geschichten mit uns reden, oder?“ Oberau ist wie so oft sehr direkt.
„Da hast du Recht. Ich möchte euch sagen, was ich über diese Situation denke.“ Die vier schauten ihn schweigend an. „Von meinem Sohn fehlt jede Spur. Weder meine Häscher noch der Suchtrupp haben ihn gefunden und mir fehlt ein Buch. So hört: Ich denke, Goji hat mit Hilfe der Magie des Buches die Lichter aufeinandergehetzt. Jolett und Atistarz sagen lassen, was sie gesagt haben und ist nun in eine fremde Welt geflohen.“
„Tz. Das ist doch absurd“, empört war der Unterton von Fineis.
„Du verurteilst deinen eigenen Sohn. Ohne einen Gedanken zu verschwenden, dass er auch unschuldig sein kann.“ Reot war über diese Aussage verblüfft.
Vegün sagte hingegen nichts, ihm fehlten die Worte.
Alle hatten mit dem Gedanken gespielt. Aber der eigene Vater?
„Und in was für ‘ner Welt ist er und wie soll er dort hingekommen sein?“, fragt Oberau.
„Nun, ich schätze dorthin, wo Tolji herkam.“ Alle schauten ihn zweifelhaft an. „Ihre Sachen, die sie bei sich hatte, gibt es hier nicht und den Ort, von dem sie erzählte, wo sie plötzlich hier war, habe ich untersucht. Er strahlte Unmengen von Wärme und Unvollkommenen aus.“
„Und? Das heißt?“ Reot wurde ungeduldig. Er sah das Gespräch mit Avono als Zeitverschwendung.
„Es scheint was zu fehlen an diesem Ort. Einen Schüssel aus Wissen und Magie, um diese Kraft zu nutzen.“
„Avono, jetzt mal im Ernst. Bei allem Respekt. Wenn dem so wäre, würden auch andere, die sich mit Magie auskennen, dort am Ort herumwursteln.“, sagt Vegün.
„Nun, das ist nicht möglich.“ Erneut schauten die vier Avono verdutzt an.
„Warum sollte das anders sein.“ Oberau wurde neugierig.
Avono stand auf und strich durch seinen Bart. „Ich konnte durch eine verbotene Verschlüsselung die Magie an dem Ort einfangen und wo anderes versiegeln. Und zwar…“, er machte einen Schritt auf die vier zu. „…direkt unter den Grabsäulen.“
„Was?!“ Reot war alles, aber nicht mehr abweisend. Auch die anderen schienen erstaunt zu sein.
„Wartet bevor ihr was sagt.“, wandte Avono schnell ein. „Nur ihr zusammen könnt den Zauber nutzen. Der Himmel ist zum Teil verschwunden und auch der Frieden wird verschwinden. Aber ihr müsst zusammen Leben und Sterben.“ Er gab jeden ein kleines Notizbuch, in dem er alle seinen Code zur Magie ein trug. „Denkt bitte gut nach bevor ihr handelt.“
Alle außer Fineis standen auf, um sich zu verabschieden. „Kommst du?“, fragte ihn Reot.
„Geht schon mal vor.“ Reot und die Anderen verließen das Haus, blieben aber vorm Haus stehen.
„Wartest du auf ihn?“
„Ja, wir sehen uns am Schloss.“
„In Ordnung.“ Oberau und Vegün gingen zurück. Währenddessen fragte Avono. „Was kann ich für dich tun?“
„Ist es möglich, dass du meine Wiedergeburt beeinflussen kannst?“ Fineis Blick war ernst.
Avono war erschrocken und setzte sich ihm gegenüber. „Kommt darauf an, warum denn?“
„Ich will, dass die Dritte meines Lichtes bei den Wölfen zur Welt kommt.“
„Nun, das würde machbar sein, nur …“
„Und es sollen Zwillinge sein! Kannst du das!?“ Fineis Ton war fordernd.
„Fineis. Ich habe euch alle sehr gern! Von allen habt ihr ein weiches liebliches Herz. Warum sollte ich das für euch tun?“ Avono sah überhaupt kein Grund darin so ein schweres Schicksal ihm auf zu brüsten.
Doch Fineis lächelte nur. „Das sag ich euch erst, wenn du dafür gesorgt hast.“
Avono stand auf. „Du lässt mir keine andere Wahl, oder?“
Fineis lächelte ihn erneut an.
Avono hob die Hand über ihn. Plötzlich wurde es stockdunkel im Raum. Flimmernde Lichtstreifen zogen an ihnen vorbei. Avonos Augen leuchteten braungelb und seine Stimme war kalt zu spüren. „Du, der das Licht hält, möge deine Kraft, dein Licht, dein Wesen, dein Leben, sich zu dritten teilen.“ Seine Worte verwandelten sich in kleine Blitze, die auf Fineis rechten Arm einschlugen und sich in die Haut fraßen und ein seltsames Zeichen hinterließen.
Das Lichterflimmern ließ langsam nach und auch die kalte Dunkelheit verzog sich wieder. „Der Fluch steht, aber verbergen kannst du es nicht. Auch den Nächsten nicht.“
„Es ist gut.“, antwortete Fineis, der das auffällige Mal verband. Avono schaute ihn ratlos an. „Wir werden diese Welt schon bald verlassen müssen. Nur so können wir den Frieden bewahren. Fineis, bei allen. Glaubst du das wirklich, es werden halbe Kräfte statt ganz ganze sein.“ Avono zupfte an seinem Bart, während Fineis aufstand und sich zur Tür begab.
Er drehte sich nochmal um. „Avono! Das bleibt unter uns!“
Avono nickte ihm nur bedenklich zu.
Vor der Tür wartete Reot. „Was war es denn, dass du uns nicht dabeihaben wolltest?“, fragte Reot lächelnd.
„Ich hatte mich verletzt und Avono ist dabei zu lernen, ob man mit Magie Wunden heilen kann“, antwortete Fineis beim Vorbeigehen.
„Hey, warte du Versuchskaninchen.“ Denn so ganz glaubte Reot zwar nicht, aber er fragte auch nicht weiter.
Wieder und wieder versank die Sonne, während die Tage vergingen.
Oberau und Vegün waren weiterhin damit beschäftigt irgendwas über Goji herauszufinden, während Reot und Fineis die alten Bücher der ersten Diamanten zusammensuchten und durchlasen, um über weitere Maßnahmen vorbereitet zu sein. Linda half allen, wo sie nur konnte.
Die Zeit verging viel zu schnell und so veränderte sich das Märchenland schneller als gedacht.
Nun ist schon ein Monat vergangen, aber was Gescheites hatte keiner herausgefunden, als sich Oberau, Vegün und Reot in der großen Halle trafen.
„Nichts, gar nichts. Nur eine Spur, die sich plötzlich in Luft auflöst“ sagte Oberau wütend, während er am Tisch auf und ab ging.
„Ich denke, Avono hatte Recht.“ Vegün legte ein Stapel Dokumente vor Reot auf den Tisch. „Das ist alles, was ich Linda und ich in seinen Gemächern fanden, was darauf hinweisen könnte.“
Reot lehnte sich im Stuhl zurück. „Großartig. Das heißt, wir sind keinen Stück weiter, vier lange Wochen sind verplempert.“
„Und? Habt ihr etwas herausgefunden?“ Oberau stellte sich vor Reot.
„Wenn du es wissen willst.“ Ernste Blicke umgaben ihn. „Die ersten Diamanten waren zu acht, wie ihr wisst. Zwei von ihnen verschwanden plötzlich und wurden nie gefunden. Ihre Lichter waren erloschen.“
„Tja, das ist nichts Neues.“ Vegün verschränkte enttäuschend die Arme.
„Fineis hat in diesem Buch was Interessantes herausgefunden. Sie haben sich geopfert.“
„Wie jetzt?“ Erstaunt schaute Oberon ihn an.
Reot schlug das halb zerfallende Buch auf. „Hier steht es vom Hüter Locwelo geschrieben: Es hat zu lange gedauert herauszufinden, warum Oktowehl‘s und Astraras’s Lichter erloschen. Ein Rabe erzählte es Cristraver. Er habe gesehen, dass eine dunkle magische Erscheinung ihnen drohte und sie sich ihm hingaben, sofern er diese Welt verlässt. Ihr Tod hat Krieg gebracht. Cristraver, Loster, Nichtan, Machole, Getward und Luziner haben drei Jahre gebraucht, um den Frieden zu finden und das Schöne unserer Welt zurückzuholen.“
„Oh man. Ausführlicher hätte der das nicht schreiben können!“ Oberaus Laune verschlechterte sich.
„Das wurde erst eine Generation danach geschrieben. Hier. Siehst du das Datum.“ Reot hielt ihm das Buch vor die Nase.
„Und mehr gibt es nicht?“, fragte Vegün.
„Nein, aber es fehlt auch ein Buch.“
„Wie ich sagte. Verschenkte Zeit!“ Oberau drehte sich weg, wobei er das Buch überflog.
„Wie geht es Fineis?“ Vegün wandte sich zu Reot.
„Er kommt zurecht!“
„Das ist so ‘n Mist.“ Oberau schlug die Faust auf den Tisch. „Artistarz, du Vollidiot! Jolett, du Arsch! Musstest du auch noch Fineis deine Zähne in den Leib rammen!“
„Hey, reg dich ab!“ Reot war hinter ihm gegangen und legte seine Hand auf Oberaus Schulter.
Der schlug sie weg und stampfte wutentbrannt zur Tür.
In diesem Augenblick flog die Tür auf. Linda machte einen panischen Eindruck und stürzte an Oberau vorbei zu Reot und Vegün. Sie blieb vorm Tisch stehen und lehnte sich dagegen.
„Fineis steckt in Schwierigkeiten“ keuchte sie.
„Was ist denn passiert?“, fragte Vegün.
„Die Leute aus den Orten beginnen die Fablen zu jagen!“
„Was!“ Alle waren entsetzt.
Oberau zögerte nicht. „Und, wo ist er jetzt?“
Noch bevor Linda Antworten konnte, zerbarst das große Fenster. Lauter Scherben klirrten zu Boden. Wie im Zeitraffer erstreckte sich ein schlanker Körper, mit langem weißem Haar und zerschundenen Flügeln durch das Fenster.
„Was zum Geier! Kannst du nicht durch die Tür kommen?“ Oberau war zwar gereizt aber auch erschrocken.
Reot wollte Fineis beim Aufstehen helfen. „Mann, Fineis. Oberau hat Recht…“
„Runter!“ Fineis nahm seine Hände und drückte Reot, der dicht am Fenster stand, zu Boden.
Ein Pfeil kam in den Raum geschossen, der im Schrank stecken blieb. An ihm war eine Schriftrolle befestigt. Für einen Augenblick waren alle sprachlos. Verdutzte Gesichter schauten Fineis an. „Was war das denn?“. Mit diesen Worten trat Vegün zu dem Pfeil. Reot erhob sich vorsichtig und Linda holte den Verbandskasten sowie einen Kehrfeger aus dem Nebenraum.
„Sag mal“ Oberau schaute Fineis an. „Was hast du angestellt?“ „Nun, eigentlich nichts. Ich war bei Avono, da eins der alten Bücher fehlt. Als ich hierher wollte, sprachen mich ein paar Menschen an und bevor ich antworten konnte, hetzten sie auf mich los.“
Oberau setzte sich, während Vegün die ausgerollte Schriftrolle auf den Tisch legte. „Es wird wohl Krieg geben. Angeblich sollen unsere toten, aber warmen Körper sehr gefragt sein.“
„Was! Zeig her.“ Reot zog die Schriftrolle zu sich „Klasse. Deshalb fangen sie an Fablen zu jagen. Die Menschen, die nicht von hier kommen, wissen nicht, wer wir sind.“
Linda war inzwischen zurück. „Das ist das, was ich gesagt hab“, sagte sie, während sie zu Fineis ging.
„Hey, habt ihr verstanden, was Avono in den Büchern geschrieben hat?“ Oberau blickte ernst rein. Er sprach weiter. „Wir haben jederzeit die Möglichkeit zu gehen.“
„Natürlich.“, antwortete Vegün. „Aber so kannst du doch nicht die Nächsten eintreten lassen.“
„Was sollen wir tun? Es werden unzählige Fablen sterben. Außerdem weiß doch der Großteil der Menschen, wer wir sind.“, entgegnete Fineis.
„Es ist fast egal. Wir müssen den Mörder finden und Goji. Ich sehe keine andere Wahl, wie wir die Fablen und uns retten wollen.“Oberau lehnte sich genervt im Stuhl zurück.
Linda seufzte: „Ich bringe Fineis zu Eleno.“
Vegün ging zu den beiden und stützte Fineis auf dem Weg.
„Wie stellst du dir das vor?“ Reot schaute Oberau an.
„Hm. Um ehrlich zu sein, bin ich ratlos. Wir hätten, nach dem unsere Freunde erloschen sind, uns nicht so vertiefen dürfen, sondern hätten uns inständig zum Volk wenden sollen.“
„Damit hast du wohl Recht, aber das lässt sich nicht mehr ändern.“
„Hast du es bemerkt, Reot?“
„Was denn?“ Reot setzt sich auf dem Tisch und schaute Oberau fragend an.
„Fineis. Obwohl er sehr geschickt ist, wie kommen einfache Menschen an seine Flügel ran?“
„Das, ja, habe ich mich auch schon gefragt, aber…“
„Kein aber! Hast du seinen Arm gesehen?“
Reot war verwundert. „Seinen Arm?“
„Ach, vergiss es.“ Mit diesen Worten stand Oberau auf und verließ den Raum.
„Hey Oberau“ Reot war vom Tisch gesprungen.
Nur Oberau hörte ihn nicht mehr zu.
Es schien nicht nur im Umfeld, sondern auch im Schloss selber kriegerische Atmosphäre zu herrschen. Die Fablen jeglicher Art und die Menschen übten einige innige Hetzjagden aus. Nur wenige Menschen blieben mit den Fablen zusammen. Sie flohen soweit wie möglich. Für die Schlossbewohner gab es kein Weg nach draußen. Zu ihrem Glück kamen die Menschen auch nicht hinein, da es von der Kraft der Diamanten geschützt wird. Das einst strahlende und blühende Land ist nun mit den heruntergekommenen Orten unserer Welt zu vergleichen. Verwahrloste Felder und zerstörte Dörfer. Die Menschen nahmen sich alles, ohne Rücksicht auf die Tiere und auf anderes Leben. Sie achteten nicht mal mehr auf sich selbst, ohne den eigentlichen Grund zu kennen. Von ihrem Streben nach Macht geblendet, raubten sie Wissen und Leben. Sie versuchten nicht mal auf einander zu zugehen, um sich auszusprechen. Sie setzten Gerüchte in die Welt, um den Hass zu schüren. Nur die Wenigsten, die mit den Fablen geflohen sind und sich versteckte Dörfer erbaut hatten, hatten ihren Sinn für ein freies und liebevolles Leben behalten. Doch von den Anderen wurden sie als Ungeziefer bezeichnet. Das Gleichgewicht geriet derart ins Schwanken. Avono lehrte, durch die Geister der Gleichung, wenigen Fablen und Menschen die Portale zu nutzen, welche labyrinthartige Wege in andere Welten sind. Sie hatten kaum eine Chance die hassverzweifelten Menschen von ihrer geblendeten Sucht zu befreien. Sie waren davon überzeugt Macht zu erlangen, sodass sie selbst ihre Freunde töteten. Und das alles nur, weil irgendwer Mist erzählt hat. Das nur, weil sie fremden Worten glauben schenkten, um ein besseres Leben zu erwünschen. Sie hatten vergessen, dass sie einst Liebe und Freiheit besaßen. Auch das Gefühl des Gemeinsamen ging verloren. Nur die Fablen und Tiere fragten sich: „Ist es das wert?“ Was blieb den Menschen, wenn sie ihre Macht erlangt und ihr Hass erfüllt haben? Die Antwort darauf nur Einsamkeit und Lehre. Im Schloss war es sicher, aber unbehaglich.
Die vier Diamanten trafen sich im Innenhof mit Avono, Linda und einigen Dienern.
„Wir könnten unsere Kräfte zusammenschließen, um alle Menschen, dessen Herzen Unreines ausmacht, töten.“, sagte Reot. „Wir tun dann das gleiche wie sie. Das heißt: Wir wären nicht besser!“, antwortete Vegün.
„So wie es ist, würden sie die nächste Generation ebenso töten wollen und noch mehr Unschuldige sterben.“, wandte Oberau ein.
„Menschen sind unheimlich starrsinnig, daher auch sehr leichtgläubig. Wenn einer etwas glaubt, dann tut der Nächste das auch und so glauben viele das Gleiche, egal ob gut oder schlecht“ sprach Avono, während er über seinen Bart strich.
„Könnt ihr damit leben, wenn ihr all diese Menschen tötet? Könnt ihr dann auf ihren Seelen neue Dörfer bauen?“. Linda war sehr besorgt, obwohl sie auch Angst hatte, wollte sie nicht, dass ihre besten Freunde töteten.
„Egal was wir tun, es wird noch viele treffen!“, sagte Fineis.
„Aber das Gesetz des Lebens sagt doch: Fügst du anderen Schmerz zu, raubt es dir den Schlaf. Fügst du anderen Leid zu, nimmt es dein Herz. Nimmst du anderen das Leben, trifft es dich selbst.“
„Nun, dass das zutrifft, sieht man ja, sonst gäbe es kaum noch einen Grund, dass sie sich so geschmacklos gegenseitig umbringen.“, entgegnete Vegün.
Avono setzte sich auf einen Stein. „Also ihr Lichter dieser Welt. Was wollt ihr tun?“
Fineis legte seine Hand auf Lindas Schulter und Oberau sagte: „Wir gehen durch die Säulen! Aber wir kommen frühestens in drei Jahren zurück!“
„Was!“ Linda war schockiert. Sie krallte sich an Fineis fest.
„Linda, so wie es ist, hat es keinen Sinn. Wenn wir gehen und eine Weile wegbleiben, dann beruhigt sich die Lage zumindest etwas.“ „Aber wenn ihr geht, kommt ihr nie wieder!“, seufzte sie.
„Nein, wir nicht. Aber die nächste Generation der Diamanten und unsere Lichter werden immer dieselben sein!“, sagte Vegün. „Nun, wenn das so ist.“ Avono stand auf.
„Es tut uns leid.“, sprach Reot zu den Anderen, die ebenso wie Linda schockiert sind. Einer der Bediensteten trat vor. „Wenn es euer Wunsch ist, wir werden hier warten und den Lichtern, die die hier zu uns stoßen alles berichten, sie unterstützen und ihnen Treue erweisen.“
„Danke Jasper.“, antwortete Fineis. „Wir werden noch einige Vorbereitungen treffen und werden uns in acht Tagen zu den Säulen begeben!“, sagt Oberau.
Die Vier verließen den Innenhof. Sie mussten der nächsten Generation den Weg so leicht wie möglich machen.
Die Zurückgeblieben im Hof waren sprachlos. Linda war am Boden zerstört und lehnte sich in Jaspers Arme. Er tätschelte ihr den Kopf. „Ihnen ist das bestimmt nicht leichtgefallen, Linda“, sagte Jasper.
Linda antwortete nicht.
Avono stand auf und ging ein paar Schritte. „Es hat einen guten Grund für diese Handlung. So lasst uns ihnen helfen. Acht Tage ist nicht viel Zeit.“
Linda drehte sich um „Und dann? Was wird aus uns, wenn sie weg sind?“
„Sie werden nicht weg sein.“ antwortete Avono, der nun fragend angeschaut wurde. Er sprach fast hämisch weiter: „Ts ts. Diese Vier sind mit Abstand die hinterlistigsten Diamanten ihrer Zeit. Oberau hat mich um einen kuriosen Zauber gebeten!“
„Und was für einen?“, wollte Linda wissen, doch bevor Avono antworten konnte, fiel ihm Jasper ins Wort „Also stimmt es tatsächlich, was Eleno mir gesagt hat?“
„Ja“, lächelte Avono. „Du weißt, was zu tun ist?“ Jasper nickte dem zu. Linda wollte unbedingt wissen, um was für einen Zauber es ging, aber Avono belächelte sie „Das wirst du dann sehen.“ Damit löste sich die kleine Versammlung auf.
Die nächsten Tage waren hektisch im Schloss. Die jüngeren Diener so wie Jasper bekamen vieles, was sie lernen mussten, um die nächste Generation alle Fragen beantworten zu können. Da Goji eigentlich Avonos Nachfolger werden sollte, aber bis jetzt verschwunden blieb, wurden Jasper und Linda, als die ersten Menschen, zu den Hütern der alten Bücher sowie der Schriften und somit auch die Vertrauten der Diamanten ernannt. Eine wahnsinnig hohe Verantwortung lag nun auf beiden. Fineis zeigte ihnen alles, was sie nun meistern mussten. Oberau lag mit den Planungen bei Avono in seinem Haus, für den Zauber, um diesen zu festigen. Die Diener des Schlosses wurden von Vegün aufgeklärt und in ihren neuen Aufgaben eingewiesen. Eleno und Reot begaben sich verkleidet zu den Säulen, um damit alles vorzubereiten.
Die acht Tage vergingen wie im Flug. Selbst die vier Diamanten hatten sich kaum gesehen. Den Abend am letzten Tag verbrachten sie zusammen in der großen Halle. Sie war mit Kerzen beleuchtet und hatte so ein mittelalterliches Aussehen. Der Mond schien hell durch die großen Fenster hinein. Auf zusammen gelegten Decken und Kissen lagen sie zusammen und schauten ihn an. „Habt ihr alle Vorbereitungen abgeschlossen?“, fragte Oberau in die stille Runde. Die anderen nickten ihn zu.
„Schon seltsam zu wissen, dass man ab morgen nicht mehr da sein wird.“ Vegün rückte dicht zu Oberau, der seinen Arm um ihn legte. Fineis lächelte, was Reot verwunderte. „Was ist so lustig daran?“, fragte er.
Fineis legte sein Kopf in Reots Schoß und schaute ihn an.
„Keiner von uns wird sterben, stimmt‘s Oberau?“
Fragend und mit unerwarteten Blicken sahen Vegün und Reot nun Oberau an. „Ich habe mit Avono gesprochen. Durch die morgige Zeremonie werden unsere Geister an unsere Säulen gebunden werden.“
„Hä“ Reot verstand nichts davon.
„Wie meinst du das?“, wollte Vegün wissen.
„Das heißt, wir werden wortwörtlich als Geister im Rahmen des Grabmals weiterleben.“
„Du wusstest davon, oder was?“ Gereizt fragte Reot Fineis.
„Ja, es war meine Idee!“, antwortete er.
„Und warum?“, fragte Vegün. „Wäre doch schade für die Menschen zu sterben.“
Oberau sprach dazwischen: „Außerdem hatte Avono sowas schon geahnt und angefangen mit den Vorbereitungen. Nun wissen davon nur die, die hier leben…“
Bevor Oberau zu Ende sprechen konnte, begann Vegün an zu lachen. „Nun bin ich erleichtert. Ich habe mich schon gefragt, wie wir sterben.“
Auch Reot musste nun lachen, während die anderen beiden lächelten. Somit blieb die Stimmung der Vier heiter und fröhlich.
Die Zeit verging wie im Flug. Und so schnell wie der Mond aufging ging er unter. Die Sonne erreichte mit ihren warmen leichten Strahlen das Schlosstor. Hier sprach Avono Wörter aus, die keiner verstehen konnte. Er bewegte sich als würde er tanzen. Avono erschuf so einen gelblichen Wind, den er übers Land schickte. Der sollte alle zum Schlafen bringen, damit sie sicher zum Grabmal gelangen konnten. Währenddessen machten sich die vier Diamanten bereit. Sie ließen letzte Botschaften für die nächsten Generationen niederschreiben. Anschließend gingen sie zum Tor, wo alle auf sie warteten.
Avono gab jeden von ihnen eine Kette, die aus Lichtern und Diamanten der Welt angefertigt waren.
Avono stand vor Fineis und er bekam den blauen Saphir. Nun sagt Avono. „Der Himmel kann einen erfreuen, aber auch beängstigen.“
Er ging weiter zu Reot, in seiner Hand war der rote Rubin. Avono klopfte seine Schulter. „Feuer heißt nicht zerstören, sondern auch leben.“
Vegün senkte den Kopf, als er ihm Kette mit dem grünen Azteken umlegt. „Harmonie und Einklang ist wie die Natur. Die Erde ist der Grundstein für alles.“
Nun sah Avono Oberau an und gab ihm die Kette mit dem weißen Topas. „Nur weil das Licht heller ist, ist der Schatten nicht weniger wert.“
Er drehte den Vieren den Rücken zu und stand direkt vorm Tor „Nehmt sie niemals ab!! Last eure Herzen mit ihrem Glanz verschmelzen!!“
Nun öffnete er das große Holztor und trat hindurch. Schweigend folgten ihn Fineis, Reot, Vegün und Oberau, dann die Vertrauten Linda sowie Jasper, begleitet von Eleno. Zum Schluss die Diener. Dadurch, dass keiner etwas sagte, kam allen der Weg endlos vor.
Am Grabmal angekommen, stellte sich jeder der vier Diamanten vor seiner farblich abgestimmten Säule.
Von links gesehen: Oberau, Vegün, Reot und Fineis.
Avono trat zwischen die Säulen.
Alle anderen blieben vorm Zaun stehen.
Avono fragte sie: „Ihr Lichter dieser Welt. Ist es das was ihr wollt? Habt ihr alles, was noch zu tun war, erledigt? Als Geist kann man leben, aber nichts berühren.“
Reot ergriff das Wort. „Ja. Wir sind bereit in die dämonische Welt überzutreten.“
„Wenn ihr Fragen an uns habt, kommt hierher. Wir werden euch erscheinen und antworten!“, entgegnete Fineis.
„Wir werden für immer hier gebunden sein und so auch für eure Nachkommen da sein.“, lächelte Vegün ihnen zu.
Oberau schaute die Anderen kurz an, dann nickte er Avono zu, als Zeichen, dass es losgehen kann.
Die Vier drehten sich zu den Säulen und berührten sie mit der rechten Hand an den abgebildeten Diamanten. Unverzüglich sprangen Farbstrahlen aus den Säulen heraus und sie wirbelten herum. Als Avono seine Hände hob und begann wieder unverständliche Sätze zu sprechen, verbanden sich die Farben über dem Grabmal wie ein Zelt. Lichter kamen wie tanzende Sterne. Aus dem Boden heraus trat weißer Nebel, der je nach Lichteinstrahlung die Farben spiegelte. In dem Farbenzelt, um die vier Diamanten, kamen kräftige Winde auf, die die Farben vermischte. Es wurde ein Sturm aus Farben und Lichter, sodass man Avono und die Vier kaum noch sehen konnte. In Mitten diesem Farbensturm tauchten Schatten auf. Schatten von Tieren. Jasper erzählte Linda, dass dies die Geister der Erde sind. Avono trat zu jedem der vier Diamanten vor und tropfte ein bisschen von seinem Blut jedem in den Nacken. Das Blut verschwand unverzüglich durch die Haut. Die Luft erwärmte sich plötzlich um die Vier herum. Es war nur schwer zu erkennen, aber es sah aus als würden ihre Körper sich verformen, in deren seelische Gestalt und wieder in die Menschliche. Das ging ein paar Mal hin und her. Bis sie plötzlich den Wind, die Farben und den Nebel in sich aufnahmen. Es dauerte gar nicht lange und alles war wie am Anfang.
Die Vier ließen die Säulen los. Sie drehten sich zu Avono und den Anderen. Linda rannte zu ihnen. „Was soll das? Es ist nichts passiert!“
„Ruhig Linda.“, lächelte Vegün.
Fineis kniete sich vor sie und reichte ihr seine Hand. Als Linda diese greifen wollte, fasste sie hindurch.
„Siehst du, alles ist gut.“, antwortete Fineis ihr.
Nun lächelte Linda, obwohl sie Angst hatte, was die Zukunft bringen würde.
Oberau stand mit einem Bein in seiner Säule. „Kommt! Wir müssen los.“
Die anderen drei traten neben ihn in ihre Säulen hinein.
„Nun sind sie weg.“, sagte Linda leise, während Jasper sie in den Arm nahm.
Avono bekam von Eleno seinen Arm verbunden, in den er sich geschnitten hatte. „In zehn Tagen werden sie für uns ansprechbar sein, aber wir haben genügend Aufgaben.“
Alle nickten ihm zu. Sie waren motiviert die Arbeit zum Besten zu verrichten, die ihnen zugeteilt worden war.
Als die Menschen erfuhren, dass die Diamanten erloschen seien, erweiterten sie ihr Jagdgebiet.
Sie stellten Nachforschungen an, um heraus zu finden als welche Fablen sie wieder geboren werden, um das zu verhindern. Immer mehr Tiere und Fablen schlossen sich zusammen und zogen in, für Menschen unerreichbare, Winkel der Natur. Im Schloss lebten immer noch die Diener, die Vertrauten der Diamanten. Linda besuchte mit Jasper regelmäßig das Grabmal.
So verging die Zeit und tatsächlich hatten sich die Menschen beruhigt, so wie Oberau es gesagt hatte.
Bald bekam Linda eine Tochter und Jasper brachte ihr alles bei. Denn schließlich wird es ihre Aufgabe sein den nächsten Diamanten zu dienen.
Doch sie kamen nicht. Die nächste Generation schaffte es nicht zum Schloss und entschieden sich zu sterben.
Die Jahre vergingen.
Lindas Tochter hatte einen Sohn geboren. Jasper machte sich Sorgen und begab sich mit Eboni, seiner Tochter, zum Grabmal.
Dort angekommen legte Eboni Blumen vor den Säulen nieder. Dann kniete sie sich neben ihren Vater vor den Blumen. „Ihr Lichter, die uns eins führten, bitte hört mich an. Die ersten Nachfolger sind zu Tode gegangen, die Nächsten sind zwar geboren, aber der Weg hierher ist schwer.“
Das Wasser des Brunnens verfärbte sich grün und ein Schatten tauchte auf, der allmählich Gestalt annahm. Eine Stimme antwortete: „Jasper, du bist alt geworden. Deine Tochter ist zu einer kräftigen schönen Frau geworden.“ Es war Vegün, der nun auf der anderen Seite des Brunnens stand. Er sprach weiter: „Du hast nicht aufgepasst damals, mein Freund. Die dritte Generation wird es sein, die den Weg ins Schloss findet und den Frieden zurückbringt.“
Jasper ergriff schnell das Wort: „Wartet Vegün. Was sollen wir tun? Wir sind Menschen. Wir werden sie niemals treffen!“
„Nein. Aber eure Nachkommen!“, sagte Vegün, der sich umdrehte und in Richtung seiner Säule ging. „Jasper, lehre was deine Tochter wird. Der Tod ist nicht alles, auch aus Asche erhebt sich die Natur.“
Das Wasser des Brunnens wurde wieder klar und Vegün war verschwunden.
„Vater.“, sagte Eboni. „Ich glaube ganz fest an ihre Worte.“
Wortlos stand Jasper auf und verließ das Grabmal, während Eboni noch kurz die Säule von Vegün streichelte. Dann folgte sie ihrem Vater zum Schloss.
Darmowy fragment się skończył.