Czytaj książkę: «Infinite»
Sabrina Benzing
Infinite
Kämpfe für deine Überzeugung
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Veränderung
Ein Neuanfang
Legende der Ketten
Gerechte Bestrafung
24 Stunden
Der Widerstand
Fehlendes Mitgefühl
Rückkehr
Ein einmaliges Angebot
Der Vampir-Prinz
Befehlsverweigerung
Nino
Begegnung mit alten Freunden
Ein weiterer Feuerdämon
Tödlicher Biss
Unerwartetes Ergebnis
Wer ist böse?
Flucht
Wahrheit? Lüge?
Dreiecksbeziehung
Gefährliche Liebe
Doppelte Eifersucht
Echte Treue
Freundschaft verbindet Alle
Endlich…
Impressum neobooks
Veränderung
Nach diesem Traum konnte sie nicht mehr einschlafen. Sie blieb wach. Wie so oft grübelte sie. Warum konnte sie nicht mehr zaubern, warum war das Tribal in ihrem Nacken verschwunden, wenn sie die Wahrheit sagte. Am Anfang war sie entschlossen bei ihrer Geschichte über ihre Vergangenheit geblieben. Über das Aufwachsen bei ihrem Opa und Leslie, die später getötet worden waren. Von ihrer besten Freundin Anna, die ein Kind von Seth dem Luftdämon erwartete. Von ihrer Freundschaft zu den Pantheran, speziell auch zu Heiko sowie natürlich alles von Jake. Leider auch die traurige Stelle, in der sie Neithen aus Freundschaft sterben sah. Alles sollte sie sich eingebildet haben. Sie hatte hier inzwischen mit jedem Psychologen geredet, aber alle erklärten ihr dasselbe. Eine Welt voller Magie gab es nicht, ergo konnte ihre Geschichte nicht wahr sein. Seit drei Jahren blieb sie jedoch dabei. Inzwischen bekam sie immer öfter Zweifel. Vor allem weil ihre Freunde sie doch gesucht und bestimmt befreit hätten. Sanne lebte, wie die meisten in dieser Einrichtung, isoliert. Kein Kontakt zu anderen, kein Radio, kein Fernsehen, keine Zeitung nur ausgewählte Bücher, Besuche bei den Ärzten sowie Spaziergänge durch den extra angelegten abgesicherten Garten. Heimlich absolvierte sie in ihrem Zimmer ihr Training, denn dies war verboten. Das Zeitgefühl hatte Sanne oder Tanja, wie sie angeblich hieß, längst verloren. Jeder Tag war wie der vorherige. Alles hier schien endlos, ohne Licht am Ende des Tunnels. Ein anderer Patient hatte ihr auf dem Flur mal zugeraunt, sie solle einfach sagen was die hören wollten, dann bekäme sie mehr Freiheiten. Sie hatte es tatsächlich mal versucht, aber jede Faser ihres Körpers hatte sich dagegen gesträubt. Schließlich war sie eingeknickt. Ein neuer Pfleger war seit knapp zwei Wochen in ihrer Abteilung. Etwa so alt wie sie, immer freundlich, fragte er jeden hier nach seiner persönlichen Geschichte. Er hatte kurze blonde Haare, außer in der Mitte, da waren sie länger zum Iro hoch frisiert und lila gefärbt. Ansonsten schien er sportlich zu sein. Sie hatte ihn noch nie aus der Nähe gesehen. An einem Abend brachte er ihr das Abendessen. Seine Augen sahen sie freundliche an, königsblau. Sie bedankte sich wie immer, doch statt zu gehen, zögerte er. Er fragte warum sie hier war. „Ich mach es kurz, ich halte mich für eine Feuerdämonin, die in einer Welt voller Magie lebt! Du kannst ruhig lachen, machen die meisten hier!“, endete sie bevor sie in den Wecken biss. Seine Augen hatten sich vor Schreck geweitet, dann verließ er den Raum. Wieder einen abgeschreckt, dachte sie. Später holte ein anderer das Tablett ab. Auch brachte dieser ihr die Medikamente. Gleich am Anfang hatte sie versucht diese nicht zu nehmen, was ihr drei Tage in einem winzigen Raum ohne alles eingebracht hatte. Seitdem nahm sie alles was man ihr hinstellte. Es war kurz nach elf als sie die Tür hörte, jemand trat näher. Der Pfleger der ihr das Essen gebracht hatte schnappte sich den Stuhl, setzte sich ihr gegenüber und bat sie das von vorhin zu wiederholen. „Das ich mich für eine Feuerdämonin halte und glaube in einer Welt voller Magie zu leben?“ Diesmal wirkte er unglaublich geschockt. „Entschuldigung, ich versteh nur immer noch nicht warum du hier bist!“, antwortete er schließlich. Das verwirrte sie sichtlich also fragte sie: „Hallo? Hörst du mir nicht zu? Weil ich mich für eine Feuerdämonin halte?“ Sie schüttelte den Kopf, dann endete sie mit: „So etwas wie Magie oder Dämonen gibt es nicht.“ Im nächsten Augenblick wich sie bis zur Wand zurück, zwickte sich in den Arm, um anschließend weiter fassungslos auf den Mann ihr gegenüber zu blicken. Seine Augen hatten sich in Wasser verwandelt. Er hielt einen Wasserball über der Handfläche. Ihr stiegen die Tränen in die Augen vor Glück. „Du bist ein Wasserdämon! Ich bin nicht verrückt!“, wisperte sie. „Ehrlicherweise sollte ich vielleicht sagen, dass ich nicht nur ein Dämon bin!“ Sofort forderte sie ihn auf, ihr zu zeigen was er noch war. Daraufhin wurden seine Augen erdbeerrot und seine Fangzähne zeigten sich. Sie meinte lächelnd: „Cool auch ein Vampir.“ Wieder war er überrascht. Er erklärte, die meisten würden ihn für ein Monster oder eine Missgeburt halten. „Warte mal, wenn du das kannst, wieso kann ich es dann nicht mehr? Warum erzählen die mir hier, es gäbe so was nicht?“ Dies waren wirklich gute Fragen, fand er zumindest. Er fragte, ob sie den neuen Regierungsvorständen in die Quere gekommen sei, die hätten ja eine Vorliebe für grausame Bestrafungen. „Neue Regierung?“, fragte sie erschrocken. Auf seine Rückfrage, wie lange sie hier sei meinte sie: „Drei Jahre.“ Ruhig berichtete er, sie wäre noch vor dem Regierungsputsch hier gelandet. Inzwischen würden Torben und Baltazar eine Terrorherrschaft führen. Jeder der nicht für sie war wurde getötet. Sie machten vor niemandem halt, selbst vor Regierungsmitarbeitern oder deren Familienangehörigen nicht. Es war furchtbar die Hinrichtungen wurden live im Fernsehen übertragen. Alle wurden qualvoll verbrannt. Jeglicher Widerstand war schnell zerschlagen, jeder hoffte inzwischen nur noch nicht der Nächste zu sein. Übermorgen würde die Hinrichtung der Frau eines Mitarbeiters von Torben und Baltazar stattfinden. In ihrem Kopf drehte sich auf einmal alles. Ihr war schlecht. „Geht es dir gut Tanja?“, fragte er sichtlich besorgt. „Wieso kann ich nicht zaubern?“, brachte sie beinahe tonlos hervor. Er schlussfolgerte, man habe ihr bestimmt ein entsprechendes Medikament gegeben. Sie griff nach dem Strohhalm. „Kannst du mich hier raus bringen?“ Er zögerte, diese Entscheidung schien ihm schwer zu fallen. Zu ihrer Überraschung bedeutete er ihr ihm zu folgen. Kurz vor dem Ausgang griff er in die Tasche, er reicht ihr etwas Geld. „Das wirst du brauchen! Pass auf dich auf!“, sagte er als er ihr die Tür aufhielt. „Herzlichen Dank, verrätst du mir noch wie du heißt?“ Sie würde sich, wenn sie konnte irgendwann dafür revanchieren. „Jared!“ Er lächelte sie kurz an. Sie hingegen trat nach draußen auf die Straße, Freiheit. Ihr Gesicht kribbelte plötzlich. Sie rieb kurz mit der Hand darüber, drehte sich noch mal dankbar zu Jared um und dem fielen beinahe die Augen raus. Mit wenigen Schritten war er bei ihr um sie zu mustern. Tonlos fragte er: „Sanne?“ Irritiert nickte sie. Er wandte sich jedoch um. Sie lief ziellos durch die Gegend bestimmt über eine Stunde bis neben ihr plötzlich ein schwarzer Opel hielt, die Tür sprang auf. Jared forderte sie auf einzusteigen. Vor ihr auf der Armatur lag eine Mappe mit einem Foto. „Wer ist das?“, fragte sie vorsichtig. Von der Seite sah er sie an. „Laut deiner Akte bist du das! So wie du auf dem Foto aussiehst haben dich alle gesehen. Dein Aussehen hast du erst zurückbekommen, als du das Gebäude verlassen hast. Jemand hat dich wirklich gut verborgen!“ Das Einzige auf dem Foto was sie erkennen ließ waren ihre Augen. Eigenartig, sie hatte sich doch im Spiegel gesehen und wie immer ausgesehen. In seiner Wohnung sah es aus, als wäre er gerade am Einziehen. Es gab zwei Zimmer. Eine kleine Küche sowie ein Bad. „Bist du erst kürzlich hergezogen?“, fragte sie interessiert. „Ich bleibe aus verschiedenen Gründen nie lange an einem Ort, so kann man schwerer gefangen werden. Fühl dich wie zu Hause. Ich les mal ein bisschen!“ Sie verschwand kurz ins Bad, da spürte sie ein Kribbeln in ihrem Nacken, drehte den Kopf und sah ihr Tribal zurückkehren. Anschließend setzte sie sich zu ihm aufs Sofa. Er las ihre Geschichte. Sie hatte den Kopf zurückgelegt. Irgendwann war sie eingeschlafen. Ewig hatte sie nicht mehr so gut geschlafen. Beim Blick auf die Uhr war es bereits halb zwei. Er war wohl die ganze Nacht wach geblieben zum Lesen. Sie stand auf und sah sich um. Alles war zusammengepackt, außer einem Foto. Sie nahm es in die Hand. Kurz darauf hätte sie es beinahe fallen gelassen. Auf dem Foto waren Heiko und Jared abgebildet. „Das ist Heiko!“, sagte sie nun zu ihm. „Du kennst Heiko!“ Er sah nicht auf sondern blätterte die letzte Seite um. „Wir gehörten zum selben Vampirclan. Außerdem waren wir gute Freunde. Alechandro kenne ich auch, ich war der Gefangene den er freigelassen hat! Er hatte Mitleid mit mir, weil mich alle für ein Monster hielten und mich so behandelten. Es ging um einen Deal mit der Vampirkönigin, die mich aufgrund meiner Fähigkeiten unbedingt zurück wollte. Ich war abgehauen nachdem sie von mir verlangt hatte Heiko zu töten, weil er zu stark geworden war.“ Okay, die Welt war klein. Vorsichtig war er auf sie zu getreten hatte um Erlaubnis gefragt und anschließend ihre Haare aus ihrem Nacken geschoben. Er war blass geworden, griff nach der Fernbedienung und schaltete auf die Nachrichten. Jetzt wurde Sanne blass. Hier wurde gerade die Hinrichtung von Anna Yale wegen Hochverrat angekündigt. Das war ihre Anna. Jared zog sie zum Sofa, dann schaltete er den Fernseher wieder aus. „So wie du die Panthera beschreibst sind sie nicht, nun ja vielleicht auch nicht mehr. Anna ist inzwischen die Frau von Seth. Dennoch tut niemand etwas um es zu verhindern. Dein Jake ist offenbar noch furchtbarer geworden, als du dir im Entferntesten vorstellen kannst.“ Sie vergrub das Gesicht in den Händen, dies alles durfte doch nicht wahr sein. Nach einer Weile sah sie ihn an. „Sanne ich war nicht zufällig in dieser Einrichtung! Ich hab vor einigen Wochen einen Zettel erhalten mit dem entsprechenden Namen und in welcher Abteilung ich suchen sollte, auch wenn ich nicht genau wusste wonach. Außer nach Hilfe. Alles was ich wollte, war Heiko irgendwie helfen!“ Das letzte bisschen Farbe wich aus ihrem Gesicht „Was ist mit Heiko?“ Jetzt schluckte er. „Er wurde vor knapp zwei Monaten wegen Hochverrat verurteilt. Jedoch war man der Meinung der Tod wäre zu gut für ihn. Sie haben ihn weggesperrt. Er hat keine Möglichkeit zu jagen. Er verhungert qualvoll als Vampir, aber kann doch nicht sterben, weil es ihm als Mensch gut geht. Es gibt für einen Vampir nichts Schlimmeres!“ Tief durchatmend sah sie ihn an. „Okay du weißt jetzt so ziemlich alles über mich, klär mich auf, was hab ich sonst noch wichtiges verpasst?“ Er begann sofort. Die Panthera würden inzwischen, einschließlich Jake, voll und ganz für Torben und Baltazar arbeiten. Es hätte sie allerdings zunächst viel gekostet. Gerüchte über getötete Kinder, Frauen sowie Freundinnen kursierten. Vor allem auch, weil einige der Menschen, die durch die Panthera hätten getötet werden sollen, in anderen Landteilen aufgetaucht sind. Leider waren ein Paar dumm genug gewesen damit zu prahlen noch am Leben zu sein. Dies hätte sich dann schnell erledigt. Jedenfalls hätte Richter Hotsch gleich nach dem Putsch verkündet, dass es immer noch Hoffnung gegen Torben und Baltazar gäbe. Was zu einigen Aufständen geführt hatte. Hotsch hatte darauf gebaut, wie Sanne Torben die Stirn bieten würde. Dies haben Torben und Baltazar entsprechend entkräftet, weil sie von ihnen getötet worden war. Sie war sogar beerdigt worden. Danach war alles noch schlimmer geworden. Insbesondere Jake hätte sich immer mehr zu einem noch schlimmeren Mann entwickelt, wie er es zuvor schon gewesen war. So war zumindest seine Meinung von ihm. Deshalb hatten ihre Freunde sie nicht gesucht, sie dachten sie sei tot, schoss es Sanne durch den Kopf. Auf ihre Frage wer sie gerettet und gleichzeitig eingesperrt hatte konnte auch er ihr nicht antworten. Ebenso wie die Frage nach dem Tippgeber für Jared offen blieb. Jedenfalls musste Sanne zu dieser Hinrichtung. Sie musste verhindern, dass Anna etwas passierte. „Dir ist bewusst, dass die Hinrichtung morgen ist? Das du deine Zauberkräfte bis morgen zurück hast ist eher unwahrscheinlich, bei der Dosis die du täglich bekommen hast. Die wollten auf Nummer sicher gehen!“, wandte Jared ein. Bevor sie das Präsidium betraten hatte er sie mehrfach nach ihrem Plan gefragt. Doch ihre Antwort war immer nur gewesen, sie müsse unbedingt unerkannt bleiben. Der Raum war äußerst gut gefüllt, überall Kameras. Als nächstes betraten Torben und Baltazar mit entsprechendem Anhang den Saal. Auch einige der Panthera, darunter Seth und Jake. Ernie kündigte die offizielle Hinrichtung von Anna an. Diese wurde kurz darauf von Feuerdämonen in den Saal gebracht, auf einen Stuhl gesetzt sowie gefesselt. „Zu dumm, dass sich das Miststück mit uns anlegen wollte“, höhnte Ashley in Gedanken. Sehr gut, dachte Sanne, zumindest dies funktionierte. „Noch irgendwelche letzten Worte?“, fragte Torben süffisant. Annas Blick war entschlossen. Liebevoll sah sie zu Seth, dessen Gesicht war schmerzverzerrt. Wieder an Torben gewandt sagte sie: „Die Zeiten werden sich irgendwann ändern, auch wenn ich es nicht mehr erlebe!“ Gelächter brach bei Torben und Baltazar aus. Ashley postierte sich. Ihre Augen verwandelten sich. Direkt vor Anna entstand eine Feuerwand die sich langsam auf sie zu bewegte. Sie verbrannten ihre Opfer langsam, dies hatte Jared bereits erklärt. Anna schloss die Augen als ihre Hosenbeine zuerst verbrannten. Niemand in diesem Saal tat etwas dagegen. Die Panthera standen einfach nur da, Jake vollkommen kühl. Seth hingegen hatte den Kopf weggedreht. Entschlossen wich Sanne hinter Jared zurück. Dort machte sie sich klein. Sie musste nichts sehen. Ashleys Gedanken und ihre Vorstellungskraft reichten. Sie stoppte die Feuerwand. Egal was Ashley tat, das Feuer traf Anna nicht mehr. „Verdammt was tust du da?“, knurrte Baltazar in Gedanken worauf Ashley bissig antwortete, sie könne Anna einfach nicht erreichen, egal was sie tat. Baltazar schob sie zur Seite. Er versuchte es genauso erfolglos. Die Panthera wurden gemustert doch keiner von ihnen war verwandelt. Seth schien ebenso überrascht wie Anna. Baltazar wurde wütend, was Torben allen Ernstes dazu veranlasste, die Hinrichtung auf morgen zu verschieben. Nachdem sie Anna abgeführt hatten brach eine hitzige Diskussion zwischen Torben und Baltazar aus, ob die Panthera sich vielleicht doch irgendwie eingemischt hätten. Es war Jake der eiskalt dazwischen redete: „Im Gegensatz zu euch habe ich meine Leute im Griff. Niemand mischt sich hier ohne meine Erlaubnis irgendwo ein! Außerdem war es offensichtlich, dass es ein Feuerdämon gewesen sein muss. Wie ihr beide seht habe ich keinen dabei!“ Damit war die Diskussion beendet, schließlich war morgen auch noch ein Tag. Das Präsidium verlassend fragte Jared woher sie gewusst hatte, ob ihre Fähigkeiten wieder zurück waren. Kurz erklärte sie, wie sie die Gedanken von Ashley und Baltazar gehört hatte. „Wie geht es nun weiter?“, fragte er inzwischen zuversichtlicher. „Ich brauch Klamotten!“ Ein kurzer Blick auf sie werfend verschwanden beide zum Einkaufen. Sie hatte immer noch die Sachen aus der Einrichtung und einen Umhang von ihm an. Er bezahlte ohne zu murren. Sanne hatte schließlich nichts bei sich, sie war ja eigentlich tot. Mit allem ausgestattet gingen sie zurück in seine Wohnung. Dort zog sich Sanne um. Sie besprach mit ihm ihr weiteres Vorgehen. Sie brauchten Jakes Hilfe. Er war diesbezüglich sehr skeptisch, vertraute ihr aber. Am Abend zog sie sich passend für die Disko an. Wenige Minuten später betrat sie das 410. Hier schien sich nicht viel verändert zu haben. Außer vielleicht, dass sich Cat und Rina noch mehr wie die Königinnen der Welt aufführten. Außerdem waren mehr Dämonen hier. Auf dem Balkon sah sie sich weiter um. Sie trug eine schwarze Hose, ein weißes Shirt bei dem der Rücken zerrissen war aber eine Kapuze hatte. Diese verbarg ihr Gesicht wirksam bis zu den Lippen. Da war er. Jake saß mit zwei Mädchen im Arm auf dem Sofa. Die beiden musste sie loswerden. Entschlossen trat sie auf die drei zu. Dort räusperte sie sich lediglich. Zu ihrem Glück sprangen die Mädchen auf und eilten davon. Sie fühlte die Augen der anderen auf sich ruhen. Die Hände legte sie an Jakes Schultern, dann drückte sie ihn nach hinten bis sein Rücken die Lehne berührte, um sich anschließend, mit den Beinen auf dem Sofa ablegend, auf seinen Schoß zu setzen. Sie überlegte noch kurz, dann setzte sie alles auf eine Karte. Sie küsste ihn leidenschaftlich auf den Mund. Seine Hände landeten erst auf ihrer Hüfte ehe er sie enger an sich zog. Anschließend streichelte er ihr über den Rücken. Bis er sein Gesicht von ihrem löste um unter die Kapuze, in ihre Augen zu sehen. Seine weiteten sich erschrocken. Sofort legte sie die Lippen an seinen Hals. „Ich muss unbedingt mit dir alleine reden!“, flüsterte sie bevor sie ihm wieder in die Augen sah. Noch einen Moment zögerte er, bevor er diesmal ihren Hals küsste. Seine Antwort war kurz: „Fünf Minuten, Hinterausgang!“ Kurz darauf ging sie davon. Pünktlich auf die Minute trat er auf den Parkplatz am Hinterausgang. Er war eiskalt. „Wer bist du und wie machst du das?“ „Wir haben uns das erste Mal in der Schule getroffen, als du mir drei Folterflüche verpasst hast. Dies hast du mir später hoch angerechnet. Danach hier als du wolltest, dass Anna und ich für dich tanzen. Im Park hast du mir das Leben gerettet. Bei mir Zuhause hast du mir gesagt, dass du mich viel zu gern hast, obwohl du das nicht solltest. Du warst eifersüchtig auf Piccolo, weil du dachtest er sei mein Freund. Du bist ausgerastet als Anna sich als Mann ausgegeben hat. Soll ich weitermachen?“, begann sie ihre gemeinsame Vergangenheit aufzuzählen. Mit zitternden Fingern trat er auf sie zu. Sanft strich er ihr durchs Gesicht. „Ich hab dich sterben sehen! Ich war bei deiner Beerdigung du lagst in dem Sarg!“, wisperte er fassungslos, dennoch fügte er an: „Drei Jahre!“ „Ich war drei Jahre gefangen. Ich konnte nicht früher kommen, ein Freund hat mich gerettet!“, erwiderte sie sanft. Sie genoss seine Hand auf ihrer Haut so sehr. „Gefangen? Aber Torben und Baltazar“, weiter kam er nicht, weil sie ihn unterbrach: „Es ist eine lange Geschichte, aber nein Torben und Baltazar wissen nicht das ich noch lebe!“ Noch etwa eine halbe Minute verstrich, ehe er sie so eng an sich zog wie er konnte und sie so zärtlich küsste, dass sie sich wünschte die Zeit anhalten zu können. Es schien so als wolle er sie nie wieder loslassen, bis Sanne sich widerstrebend von ihm löste. „Jake warum lässt du das mit Anna zu?“ Ihre Stimme bebte während sie in seine Augen blickte. Sie waren kühl, verletzt, aber dennoch war da plötzlich etwas Freundliches. „Ich meine du hast damals gesagt, du würdest eher sterben wie für sie zu arbeiten!“, fügte Sanne an. Jetzt sah sie Schmerz in seine Augen treten, aber sie blieben kühl. „Das heute bei der Hinrichtung warst du?“, fragte er vorsichtig, was sie bestätigte. „Wir können Anna nicht helfen. Sie haben Annas und Seth Sohn. Und nicht nur den, auch einige Kinder, Frauen und Nichten der anderen. Selbstverständlich auch einige der Panthera. Sobald wir etwas gegen ihren Willen tun stirbt jemand oder wird anders gequält“, schloss Jake weiter sehr kühl. Er war für ihren Geschmack viel zu weit von ihr weggewichen, also ging sie auf ihn zu um ihre Stirn gegen seine legen zu können. „Können wir nicht versuchen sie alle zu befreien?“, fragte sie weiter. Daraufhin gab er an, sie wüssten nicht wo die Kinder versteckt würden. Somit konnten sie auch nichts unternehmen. Ein Gedanke kam Sanne, wenn sie Jake begleiten würde, müsste er Ashley oder Baltazar nur dazu bringen, daran zu denken. Dieser Vorschlag schien Jake sichtlich zu gefallen. Er küsste sie noch mal ganz sanft ehe er nach Sven rief. Der wiederum kam kurz danach durch die Tür. Fassungslos starrte er die beiden an. Erst nachdem Sanne ihm vorsichtig in Gedanken zeigte, was sie bisher durchgemacht hatte, stürzte er auf sie zu und nahm sie in den Arm. Im Schloss angekommen verbreitete es sich wie ein Lauffeuer. Alle freuten sich über Sanne. Es wurden fleißig Pläne gemacht, schließlich hatten sie keine Zeit. Der Rest der Panthera würde demnächst auch eintreffen, sie bräuchten alles was sie hatten. Bei dieser Aussage verschwand Sanne, um wenig später mit Jared am Arm bei Jake aufzutauchen. Diesem fiel offenbar etwas schwer, was sie jedoch nicht verstand. Die Situation änderte sich als der Rest der Panthera, darunter Alechandro auftauchte. „Was? Sanne lebt und ist hier?“, hallte seine Stimme durch den Raum. Binnen Sekunden schloss er sie in den Arm. Seine Augen wanderten jedoch weiter. „Jared?“, fragte er sichtlich überrascht. Der nickte zögernd und antwortete: „Hi Alechandro, lange her!“ Dem konnte Alechandro nur zustimmen. Ein kurzer Moment verstrich ehe sie sich die Hände reichten um sich dann zu den anderen Pantheran zu begeben. Jake hatte den Raum verlassen. Sanne folgte ihm entschlossen. In seinem Büro angekommen sprengte er mit einer Handbewegung seinen Schreibtisch. „Verrätst du mir was dir der Schreibtisch getan hat?“ Ihre Stimme war ruhig. Er atmete tief durch. „Ich bin nicht mehr der, in den du dich verliebt hast! Ich hab mich verändert. Du hattest jedes Recht dir einen neuen Freund zu suchen. Erstrecht, wenn er dir das Leben gerettet hat. Dafür bin auch ich ihm dankbar.“ Mit wenigen Schritten war sie bei ihm, schmiegte sich enger an ihn und als er ein Seufzen nicht unterdrücken konnte, sah sie ihm direkt in die Augen. „Jared hat mir das Leben gerettet und ist ein Freund, nicht mein Freund! Ich wollte immer nur dich. Daran hat sich auch in diesen drei Jahren nichts geändert!“ Wieder küssten sie sich bis Jakes Handy piepte. Es war fünf Uhr, eigentlich Zeit fürs Training, aber sie widmeten ihre Zeit der weiteren Vorbereitung ihrer Rettungsaktion. Gemeinsam mit Sven und Jake landete Sanne kurz danach bei Torben und Baltazar mit entsprechendem Anhang. Jake fragte ohne Umschweife wo Annas Sohn war. „Die Abmachung besagte, dass Seth ihn zurückbekommt, sobald der Tag der Hinrichtung vorbei ist! Nur, weil ihr nicht in der Lage wart sie zu töten ändert das nichts an der Abmachung!“, schloss Jake kühl. Sanne nahm Torbens Antwort, von wegen sobald Anna definitiv tot wäre, kaum war. In den Gedanken von Ashley und Baltazar zeichnete sich ein Ort ab, den Sanne nicht zuordnen konnte. Sie nannten keine Namen, dennoch waren sie sich sicher, niemand würde jemals dort suchen. Sie leitete diesen Gedanken an Sven weiter. Die anderen diskutierten noch kurz, bevor sie wieder gingen. Zurück im Schloss begann das Grübeln, keiner kannte dieses Gebäude. Sanne und Sven hatten es grob zu Papier gebracht. Es sah unscheinbar nach einem normalen Haus aus. Es war Jared der plötzlich an Sanne herantrat. Vorsichtig sowie für alle anderen nicht nachvollziehbar, tastete er zusätzlich zu dem Bild, nach ihren Gedanken. Sie sah ihn, wie die anderen Dämonen hier als Familie an, also konnte sie ihm das Haus aus ihren Gedanken zeigen. Jared wurde leichenblass, stolperte einige Schritte zurück und brachte lediglich ein Flüstern heraus. „Das ist das Privathaus der Takeshis!“ Im kompletten Saal herrschte Unruhe, bis Jake alle zum Schweigen brachte. Auf seine Rückfrage, ob Jared ganz sicher sei nickte dieser lediglich. „Wir können uns unmöglich mit allen Takeshis anlegen!“, entschied Andree energisch. Dafür erhielt er entsprechende Zustimmung. „Wieso nicht?“, rutschte es Sanne einfach so heraus. Alle starrten sie an. Es war Jared der sie ruhig fragte, was sie denn über die Takeshis wisse. Ihre Antwort war kurz. Sie wusste nur von dem Elite Internat. Andree schnaubte verächtlich, dies ignorierte Jared und fuhr fort: „Die Takeshis sind ganz normale Zauberer. Trotzdem führen sie dieses Elite-Internat voller Dämonen. Sie sind zu fünft. Zwei Brüder mit ihren Söhnen. Alles rund um Foltermethoden, Gifte und Zaubertränke ist ihre Passion. Da gibt es nichts, was sie nicht wissen. Sie sind unglaublich gut. Selbst Baltazar fürchtet sich vor ihnen. Er würde sich niemals mit allen anlegen. Das Einzig positive an ihnen ist, dass sie Macht nicht interessiert, solange sie genug neue Opfer haben. Wofür Baltazar und Torben sorgen.“ „Wie ich bereits sagte“, Jake unterbrach Andree sofort: „Ich habe dich verstanden!“ Ihnen lief die Zeit davon. Die Hinrichtung würde in zwei Stunden stattfinden. Der grundlegende Plan stand zwar, jedoch ohne die Tatsache, dass sie in das Haus der Takeshis mussten. Jared ergriff erneut vorsichtig das Wort: „Was wenn wir nicht gegen alle kämpfen müssten?“ Dies brachte ihm fragende Blicke ein. „Was wenn wir dafür sorgen würden, dass sie sich aufteilen?“ „Wie bitte stellst du dir das vor?“, fragte Sven angriffslustig. Sanne sah Jared ruhig an, da fuhr er fort: „Wenn Baltazar damit rechnet, dass es weitere Ausbruchsversuche geben wird, wird er bestimmt einige von ihnen lieber im Gefängnis positionieren. Vor allem, weil er ja nicht weiß, dass wir wissen wo die Kinder sind!“ Danny schüttelte verächtlich den Kopf. „Wieso bitte weitere Ausbruchsversuche? Niemand versucht auszubrechen, weil das nicht möglich ist. Von uns kann sich auch niemand einmischen, weil wir sonst alle in Gefahr bringen!“ „Von uns nicht!“ Jake lächelte Jared entschieden an. Er hatte es verstanden. „Bist du dir sicher, dass du das riskieren willst? Ich kann für nichts garantieren?“, legte Jake nach. Jared nickte entschlossen. Kurz darauf wurde er von Alechandro nach draußen begleitet. Der Plan stand. Sie hatten sich aufgeteilt. Ein Teil würde bei Annas Hinrichtung das Gefängnis stürmen und der andere Teil das Haus der Takeshis.
Ein Neuanfang
Pünktlich liefen sie vor der Hinrichtung ein. Tatsächlich hatten sie hier die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Sanne sah sich im Saal vorsichtig um. Da waren Svens Gedanken der ihr mitteilte, dass drei der Takeshis hier waren, die drei Söhne. Er zeigte ihr welche es waren. Alle drei waren in etwa gleich groß, hatten kurze hellbraune bis dunkelblonde Haare, zwei von ihnen etwas molliger und einer sehr schmal. Auch hatten diese zwei diverse Narben und Schrammen im Gesicht. Der schmale jedoch nicht. Als Sanne ihn genauer ansah erkannt sie ihren ehemaligen Klassenkameraden Hunter. Damals hatte er jedoch, wie die beiden neben ihm, mehrere Narben und Verletzungen gehabt. Deshalb hatte man ihn, genauso wie sie, immer gehänselt. Ihn hatten sie immer Monster genannt. Sanne hatte immer Partei für ihn ergriffen, worüber er sich jedoch nicht gefreut hatte. Über diesen Gedanken wurde Anna in den Raum gebracht. Sie konzentrierte sich wieder auf den Plan. Torben verkündete die Hinrichtung, doch ehe Ashley etwas tun konnte war Sanne schräg vor Anna getreten. Die Kapuze verdeckte wirksam ihr Gesicht was verhinderte, dass man sie gleich erkannte. Wütend fauchte Torben: „Jake, sagtest du nicht, du hättest deine Leute im Griff? Was soll das?“ Jake bewegte sich einige Schritte von ihnen weg, was zu Anspannung in Baltazars und Torbens Reihen führte. „Jake, du willst doch nicht wirklich Anna retten? Überleg welche Konsequenzen dies haben würde! Ich glaube nicht, dass Anna das will!“, legte Baltazar drohend nach. Anna blickte panisch zu Seth. Sie schüttelte flehend den Kopf. „Anna sagte gestern, die Zeiten würden sich irgendwann ändern. Nun ich finde, es hat lange genug gedauert!“ Der komplette Saal außer den Pantheran brach in Gelächter aus. „Du kannst nichts tun ohne es zu bereuen oder hast du das schon vergessen? Wie viel dich diese naive Einstellung bereits gekostet hat? Wenn sie dir nicht dummerweise die Treue geschworen hätten, glaubst du auch nur einer würde noch zu dir stehen?“, höhnte Torben angriffslustig. Der Rest nickte zustimmend. „Töte sie!“, knurrte Baltazar, dies ließ sich Ashley nicht zweimal sagen. Genau in diesem Moment leuchteten unter dem Umhang Sannes Augen aus blauen Flammen auf. Ashleys Feuer erstarb augenblicklich. Sichtliche Verwirrung herrschte, da alle Panthera einschließlich Jake zu Sanne traten, die nun die Kapuze abnahm. „Du bist tot, das ist unmöglich!“, stotterte Torben fassungslos. Das Gleiche ging in Baltazars und Ashleys Köpfen rum, ehe der Angriff auf sie befohlen wurde. Diesem Befehl wurde Folge geleistet. Sanne befreite zuerst Anna, die sie überrascht ansah. Als jedoch Baltazar, Ashley und auch Torben selbst sie angriffen, rief sie Anna zu, sie solle mit Seth von hier verschwinden. Zurück bei den anderen kämpfte sie mit. Jetzt würden sie sich wieder teilen. Ein Teil blieb um die Angreifer möglichst lange aufzuhalten. Der Rest stürmte ins Gefängnis um die anderen zu retten. Sanne blieb bis Jake sie anwies den anderen in das Gefängnis zu folgen, sie kämen schon klar. Kurz zögerte sie, tat jedoch wie ihr befohlen, aber nicht ohne ihre Gedanken an die Dämonen zu schicken. „Bevor ihr verliert verschwindet hier und zwar alle!“ Sie hörte noch Zustimmung, ehe sie den anderen hinterher rannte. Da nahm sie im Augenwinkel gerade noch rechtzeitig die beiden dickeren Takeshis war. Diese hatten sie offenbar ins Visier genommen. Zig Messer flogen um sie herum. Zum Glück traf sie keines. Doch nachdem diese den Boden berührten wurde der darunter pechschwarz. Sanne wich weiter aus, dann schickte sie einen der beiden mit einem Feuerball zu Boden. Der zweite sank plötzlich daneben auf die Knie. Hinter ihm tauchte Hunter auf. Dieser zwinkerte ihr kurz zu, da rannte sie weiter. Das Gefängnis war in vier Etagen aufgeteilt. Die Panthera rannten durch und öffneten jede Tür. Sie riefen allen zu von hier zu verschwinden. Hier war niemand mehr eingesperrt, der wirklich hier her gehörte. Sie gingen sicher, dass alle aus den Zellen waren, ehe sie in der nächsten Etage genauso vorgingen. Etage eins und zwei hatte entsprechende Ausgänge. Erst ab Etage 3 musste man wieder zurück um das Gefängnis verlassen zu können. In Etage 3 riefen sie durcheinander, dass einige der Insassen bereits tot waren. Endlich in Etage 4 trafen sie auf die festgehaltenen Panthera sowie deren Familienmitglieder. „Ich hab Alec!“, „Ich Kevin!“, „Ich Tess!“, „Theresa!“, „Amanda!“, riefen sie. Nacheinander riefen sie weitere Namen durch die Gegend, einschließlich Jareds. Sie mussten sich gegenseitig stützen. Es fehlte nur noch eine Tür die schlugen sie jedoch ruckartig wieder zu. Ehe Sanne fragen konnte warum, drängte sich Svens Gedanke in ihren Kopf: „Wir mussten weg sie werden sehr schnell bei euch sein!“ „Nein“, schrie Sanne, als die anderen nach oben zum Ausgang gehen wollten. Sie selbst stürzte nach oben, da hörte sie schon Schritte, die offenbar gerade die 3. Etage betraten. Mit einigen Handbewegungen verschloss sie den Zugang zur 4. Etage, was ihre fragende Blicke einbrachte. Luke fauchte: „Spinnst du? Es ist der einzige Weg nach draußen!“ Es war Alec der flüsterte: „Sie kommen oder?“ Sanne nickte. Prompt wurde wild durcheinander getuschelt. „Hey“, fauchte Sanne da herrschte augenblicklich Ruhe. „Wir schaffen das! Aber jetzt will ich wissen, was mit der letzten Tür ist?“ Patrick und Oliver sahen sich kurz an, um anschließend zu erklären, dass Heiko in der Zelle wäre, mit lauter Leichen. Überall sei Blut, er habe sie angegriffen. Keine Sekunde zögerte sie, trotz der warnenden Rufe der anderen. Sie öffnete die Tür, lehnte sie hinter sich wieder an und sah sich um. Hier drin lagen jede Menge Leichen, überall war Blut. Doch konnte Sanne an keiner der Leichen Bissspuren erkennen, sondern lediglich Messerschnitte. Da war ein Funkeln. Blasse hellrosa Augen funkelten sie wütend an. Heiko knurrte. „Heiko hör auf damit! Wir müssen hier raus sofort! Los komm!“ Sie streckte ihm entschlossen die Hand entgegen. Als er sie nicht nahm ging sie weiter auf ihn zu, obwohl er knurrte, fauchte und zischte. „Heiko ich gehe hier garantiert nicht ohne dich weg! Also los komm schon ich weiß, dass du das kannst!“ Wieder knurrte er bedrohlich. Sie stand direkt vor ihm. „Ich werde dich nicht hier zurücklassen!“ Mit zitternden Fingern ergriff er nun ihre Hand. Sie zog ihn ruckartig und schnell mit sich zurück in den Flur. Hier ließ sie eine Feuerwand auftauchen. Da Heiko Anstalten machte die anderen anzugreifen. Sie griff energisch nach seinem Arm um ihn zu sich zu ziehen. Die Panthera kämpften bereits durch die verriegelten Gitter der 4. Etage mit Baltazar sowie den anderen Feuerdämonen. „Leute zur Seite!“, rief Sanne. Die sprangen zur Seite. Sanne schoss eine Feuerwand auf die anderen. Einige Feuerdämonen verbrannten ehe Baltazar der Wand entgegentrat. Er ließ sie verschwinden. „Genug!“, fauchte er. Alle gehorchten. Die Panthera waren hinter Sanne zurück gewichen jedoch auf der Seite, auf der Heiko nicht stand. „Was soll das? Alle die du gerade versuchst zu befreien werden bereitwillig wieder hier her zurückkommen. Sie alle haben etwas zu verlieren, was sie nicht wollen. Also was soll das?“, höhnte Baltazar. Sanne hörte schluchzen, weil die Geretteten daran nicht gedacht hatten. Da kamen zwei Feuerdämonen angerannt. Sie murmelten Ashley etwas zu. Das Gesagte brachte sie dazu die beiden zu töten. Baltazars Blick wurde grimmig, als Ashleys Gedanke ihn traf. „Sie haben das Haus der Takeshis überfallen! Sie haben alle befreit!“ Baltazar funkelte Ashley wütend und fassungslos an. „Woher wussten sie das Versteck?“, fauchte er in Gedanken. Sie hingegen schüttelte nur den Kopf. Sanne hatte die zweite Hand nach den anderen ausgestreckt. Die hatten kurz gezögert diese zu ergreifen, bis Sanne schließlich sagte: „Ihr habt wohl gerade erfahren, dass wir alle Kinder ebenfalls gerettet haben?“ Danach hatten sich alle irgendwo am anderen festgehalten. Baltazar sah sie lachend an. „Niemand kann aus dem Gefängnis beamen oder teleportieren. Nur besonders Starke schaffen es gerade so vom Verhandlungsraum aus, hier unten schafft es niemand!“, wieder lachte er. Das Letzte was Sanne sah, war wie das Lächeln gefror, ehe sie mit allen anderen verschwand. Ihre Kette hatte hell aufgeleuchtet. Die Landung auf dem Gelände vor Jakes Schloss hatte nicht so einwandfrei funktioniert. Alle waren gestolpert, gestürzt und blieben vor Erschöpfung liegen. Heiko war eben noch neben Sanne gelegen sprang jedoch auf und stürzte auf Tess zu, die knapp einen Meter von ihnen entfernt lag. Sie blutete aus der Nase. Sanne war schneller. Heiko wurde von ihrem Feuerball getroffen. Daraufhin griff er sie an. Sanne wehrte sich nicht. Also landete sie auf dem Rücken und er über ihr. Bedrohlich knurrte er. Sanne hörte die Stimmen der anderen, da sagte sie in Gedanken sie sollen sich bitte raushalten. Dies sagte Sven schließlich laut. Heiko knurrte, doch Sanne sah ihm einfach in die Augen. Noch wenige Sekunden verstrichen, da wich er von ihr weg, wandte sich um und verschwand. „Beth“, schrie Tess, dann schloss sie als erstes ein kleines Mädchen in die Arme und danach Alec. So ging es hier gerade allen, die sich endlich wiedersahen. Die Kinder waren alle wohlauf. Ceto und Beni wuselten wie wild um alle Verletzten herum. Jake hatte sie kurz gemustert. Nachdem er festgestellt hatte, dass sie soweit unverletzt war lief er davon. Sie alle saßen in der Halle zusammen, da trat Anna nach ihrer Behandlung zu Sanne. Die Tränen liefen beiden über die Wangen während sie sich umarmten. Seth trat mit einem Jungen auf dem Arm zu ihnen. Das absolute Ebenbild von den beiden. „Sanne, darf ich dir Neithen vorstellen?“ Jetzt liefen Sanne noch mehr Tränen übers Gesicht ebenso wie Anna. „Mama warum weint ihr beide denn?“ „Vor lauter Freude mein Schatz“, antwortete Anna ehe sie ihn in die Arme schloss. Nachdem alle versorgt waren, fiel Sanne auf, dass gut 20 Panthera fehlten. Auf ihre Rückfrage erklärten sie ihr ruhig, wie diese getötet worden waren. Ebenso wie leider auch einige Frauen, Freundinnen oder Kinder. Nach einer Weile fragten sie schließlich wieso sie noch lebte. Außerdem wo sie gewesen war. Sehr ruhig erzählte sie alles was ihr passiert war. Sie spürte während ihren Erzählungen ein paar Augen in ihrem Rücken. Nachdem sie geendet hatte drehte sie den Kopf doch niemand war mehr dort. Anna setzte sich ruhig zu ihr. Sie begann: „Er ist nicht mehr wie früher. Er gibt sich die Schuld am Tod der anderen. Er wollte sich Baltazar und Torben um keinen Preis anschließen und für die unschuldige Leute töten, nur weil sie ihnen die Stirn boten oder einfach nicht passten. Leider kostete dies Panthera sowie Angehörige. Irgendwann gab er nach. Seitdem wirkt er wie tot, als habe er keine Seele mehr. Im Training wird inzwischen gegeneinander gekämpft. Niemand kann mit ihm mithalten. Selbst, wenn sie zu viert oder zu fünft gegen ihn kämpfen. Er hat sich von allem abgegrenzt, selbst von Sven und Heiko. Jede freie Zeit verbringt er mit Training.“ Sanne nickte ruhig, da betrat Heiko den Raum. Jared war auf ihn zugegangen. Heiko starrte ihn überrascht an. Ehe Heiko ein Wort sagen konnte ging Jared vor ihm auf die Knie. Zur Überraschung aller folgten Alexsej, Sergej und Hugo Jareds Beispiel. „Jungs, steht auf, dies ist nicht nötig“, erklärte Heiko, ehe er Jared breit lächelnd in den Arm nahm. Der Rest war seiner Anweisung gefolgt und hatte sich zu den anderen gesetzt. Heiko suchte den Raum ab, bis er Sanne sah. Bei ihr angekommen neigte er den Kopf. „Ich danke dir für meine Rettung!“ Sie schüttelte den Kopf. Sie meinte er müsse sich nicht bedanken. Ruhig lächelte er, ehe er zu Jared zurückging. Für einige Momente schien es, als wären sie auf einem Familientreffen. Alle unterhielten sich miteinander. Kai und Twice fragten, was die Sache mit Heiko auf sich hatte, erhielten jedoch keine brauchbare Antwort. Nach dem Abendessen, als die Kinder alle schon ins Bett gebracht worden waren, tauchten vor allen Schnapsgläser auf. Seth stand auf. Prompt herrschte Ruhe. Er erhob das Glas während er sagte: „Auf unsere Freunde und Familie, auf alle geliebten Menschen die wir verloren haben, auf unseren Anführer der uns stets mit allen Mitteln geschützt und verteidigt hat, egal was es ihn gekostet hat“, hier stimmten alle energisch ein, dann fuhr Seth fort: „Auf den heutigen Tag, auf einen Neuanfang!“ Alle stimmten mit ein. Seth hatte eine schattige Ecke fixiert, aus der kurz danach jemand davon ging. Sanne warf Anna einen Blick zu. Obwohl sie sich solange nicht gesehen hatten, fühlte sich alles an wie immer, als wären sie nie auch nur einen Tag getrennt gewesen. Auf ihr Klopfen folgte nichts. Jake war weder im Büro noch in einem der anderen seiner Räume. Da kam Sanne das Gespräch mit Anna zurück ins Gedächtnis. Tatsächlich fand sie ihn unten in der Trainingshalle. Vor ihm stand eine Betonsäule. An dieser waren an den Stellen, an denen er dagegen schlug oder trat tiefe Einkerbungen. Die Tritte mit dem Schienbein wurden stärker, schneller, intensiver, bis er schließlich mit schneller Atmung die Faust mit aller Kraft gegen den Beton schlug und sich abwandte. Sein Blick traf ihren. „Du weißt schon, dass da oben eine ganze Halle voller Freunde von dir sitzt und dich gerne bei sich hätte?“, fragte sie sehr vorsichtig. Anna hatte Recht sein Blick wirkte wirklich als wäre er tot, da war keine Regung. „Manche Menschen verdienen die Freundschaft anderer nicht!“, gab er zurück. Doch ehe er an ihr vorbei wollte stellte sie sich ihm in den Weg. „Ich habe zugesehen wie sie sterben! Ich war bei jedem dabei und habe nichts unternommen! Heute hätte ich zugesehen wie sie Anna töten und Seth seinen Sohn doch nicht zurückbekommt! Sie sind hier, weil sie so dumm waren mir die Treue zu schwören! Sie sind gestorben oder haben ihren Frauen und Kindern dabei zusehen müssen, weil sie diesen Fehler gemacht haben!“, sprach er eisig weiter ehe er davon lief. Sanne war nicht nach einem Zimmer also ging sie nach draußen, lehnte sich an der Schlossmauer an und lies sich ins Gras sinken. Endlich verstand sie Heikos Aussage. Man konnte sich hier frei fühlen. Nach drei Jahren, gefangen in einem Zimmer, war das hier Freiheit pur. „Hey, darf ich?“ Heiko setzte sich nach ihrem Nicken zu ihr. Jared hatte ihm inzwischen alles erzählt. „Redet Jake mit dir?“, fragte er sichtlich besorgt. Sie schnaufte tief durch und er interpretierte es richtig. „Also auch nicht wirklich. Er hat sich verändert, als er sich die Schuld für deinen Tod gegeben hat. Ich hab echt schon viel gesehen. Zuerst hat er noch gekämpft, doch als nach und nach die anderen getötet wurden und er nachgab, war es als wäre er mit dir gestorben“, schloss er traurig. „Wieso hat er sich dafür die Schuld gegeben?“ Sanne verstand es nicht. „Du bist unseretwegen gestorben. Du hast dich fallen lassen, um ihn und mich zu retten. Vielen Dank auch dafür. Jedenfalls konnte er sich das nicht verzeihen!“ Jetzt fiel ihr Blick auf seine Halskette mit dem grünen Stein, jedoch ansonsten vollkommen identisch mit ihrer. Ihm entging dies nicht. Er griff danach, drehte sie ihr zu, damit sie die Schrift lesen konnte „Spes.“ „Was heißt das?“, fragte sie. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. „Das ist Latein und heißt Hoffnung. Auf deiner steht, wenn ich mich nicht irre Amicitia und auf Annas Amor.“ Vollkommen überrascht sah sie ihn an. „Woher weißt du das? Was bedeutet das alles?“ „Das ist eine sehr lange Geschichte und für einen Tag war es genug Aufregung, finde ich. Amicitia heißt aus dem Latein übersetzt Freundschaft und Amor Liebe. Aber lass uns ein anderes Mal darüber reden okay?“, legte er behutsam nach. Nachdem sie zugestimmte hatte stand er auf. Sie gähnte. Irgendwann nach zwölf schlich sie in ihr altes Zimmer, welches immer noch ihres war. Alle ihre Sachen waren hier, als wäre es gestern gewesen. Um fünf klingelte der Wecker. Sie ging mit den anderen zum Training. Zu ihrer Überraschung hatte Heiko Jared im Schlepptau. Dies wunderte nicht nur sie, aber Heiko winkte nur ab. Er meinte sie würden sich umgucken. Genauso war es, Jared lief den Parcours als hätte er noch nie etwas anderes gemacht, mit einer Leichtigkeit wie Heiko. Sanne war etwas eingerostet schaffte es aber trotzdem. Nach der Grube versammelten sie sich jedoch in der Halle gegenüber, wo nun noch gegeneinander gekämpft wurde. Anna nahm an diesem Training teil. Jared und Heiko lieferten wirklich was zum Anschauen. Die beiden schenken sich absolut nichts. Sie hörten mit einer Einigung zu Unentschieden schließlich auf. Somit fielen alle Blicke auf Piccolo, Alexsej, Sergej, Sven und Seth die gegen Jake kämpften ohne sichtlichen Erfolg. Auch hier endete der Kampf einfach, nach einer gewissen Zeit. Beim Frühstück betrat Jake lediglich kurz den Raum ging zu Sven, sagte etwas und verschwand wieder. Sven sah ihm deprimiert nach. Nach dem Frühstück sammelte Sven Andree, Danny und Dom ein. Sanne folgte Anna. Die zeigte ihr eine magische Fotosammlung. Von Neithen als er jünger war, von ihrer Hochzeit mit Seth und sie quatschten über alles Mögliche. Irgendwann konnte Sanne nicht anders. Sie fragte nach Neithen, nach der Beerdigung ebenso wie nach der Reaktion der anderen. Sehr ruhig erklärte Anna, dass alle sehr stolz auf ihn waren, Seth und sie natürlich dankbar. Er hatte ihr das Leben gerettet, deshalb hatten sie ihren Sohn nach ihm benannt. Jake tauchte weder beim Mittag- noch beim Abendessen auf. Man hatte sich hier damit abgefunden, dass er nun so war. Nach einer Weile im Gemeinschaftraum entschied Sanne sich nicht damit abzufinden. Jake saß über Büchern am Schreibtisch. Erst bei ihrem Räuspern sah er auf. Nachdem er die Bücher zugeschlagen hatte stand er auf, lehnte den Kopf an die Glasfront und fragte: „Was willst du?“ Langsam trat sie näher, legte die Hand erst in seinen Nacken und streichelte ihn ganz sanft. Anschließend schob sie die Hände unter sein Shirt. Dort streichelte sie ihn weiter. Ihr ging gerade der Gedanke durch den Kopf, ob er wenigstens hierbei irgendwas fühlte. Bis er leise seufzte, sich zu ihr umdrehte und an sich zog. Er sah sie aus diesen toten Augen an, doch da war ein winziger Funke, der leicht zu leuchten schien. Etwas das ihn lebendig Aussehen lies. „Versprich mir, dass du das nie wieder tun wirst?“ Jetzt blinzelte sie. „Was soll ich nie wieder tun?“ „Für mich sterben!“, erklärte er entschlossen. Ruhig sah sie ihn an ehe sie antwortete: „Ich bin ja nicht gestorben.“ Er legte den Kopf schief während er die Augenbrauen hoch zog. Dies war nicht die Antwort, die er hören wollte. „Ich kann dir das nicht versprechen. Ich liebe dich. Ich würde alles für dich tun!“, fügte sie kleinlaut an. Bei diesem Satz legte er seine Lippen auf ihre und küsste sie. Alles um sie herum schien zu verschwinden. Nichts schien mehr real außer seiner Nähe. Es war so schön, bis er sich von ihr löste um sie ernst anzusehen. „Wir haben einen Kampf angefangen, der uns hier einsperrt, ist dir das klar?“ Ruhig nickte sie ehe sie sich enger an ihn schmiegte. Alles war ihr egal, solange er bei ihr war. Ihm schien es nicht anders zu gehen. Allerdings sah er ziemlich müde aus. Also zog sie ihn mit sich ins Bett, schmiegte sich eng an ihn und sie schliefen ein. So gut wie sie seit drei Jahren nicht mehr geschlafen hatte. Der Wecker riss sie aus diesem erholsamen Schlaf. Mit einer Handbewegung von ihr verstummte sein Wecker. Er hatte keinen Muskel bewegt sondern schlief einfach weiter. Doch als Sanne aufstehen wollte, hielt er sie zurück. Erneut vergrub er sein Gesicht an ihrem Hals. Wieder schloss sie die Augen. Diesmal wachte sie auf, als die Tür aufflog. Heiko und Sven waren eben mit panischem Gesichtsausdruck reingeplatzt. Sanne wurde blass, die beiden platzten eigentlich nicht einfach irgendwo rein, es musste was passiert sein. Jake blinzelte lediglich sah die beiden von der Seite an, dann fragte er: „Was?“ Die beiden schienen unfähig etwas zu sagen. Schließlich war es Sven der eine Entschuldigung murmelte, ehe sie auf dem Absatz kehrt machten. „Du hast wohl die letzte Zeit nie mehr ein Training versäumt?“, fragte Sanne vorsichtig. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. „Ich hatte ja nichts anderes zu tun! Schlafen konnte ich nie mehr wie ein paar Stunden, weil ich ständig von dir geträumt habe. Leider nichts angenehmes, was mich dazu brachte so wenig wie möglich zu schlafen!“ Wieder schliefen die beiden ein. Um kurz nach elf wurde Sanne wach stand auf und verschwand im Bad. Nachdem sie zurück kam wachte auch Jake auf. Sie kuschelte sich wieder zu ihm ins Bett, dann sah sie ihn einfach nur an. Es war unglaublich, auch nach dieser Zeit schlugen die Schmetterlinge in ihrem Bauch wie verrückt mit den Flügeln. Sein Blick war nicht so wie Sanne ihn gerne hätte, aber immerhin schien er entspannter. Liebevoll strich er über ihr Gesicht. Am liebsten hätte sie gar nichts gesagt, aber das war nicht richtig. Also nahm sie ihren Mut zusammen. „Jake, sie meinten es gestern ernst. Sie haben es nicht bereut dir die Treue geschworen zu haben. Du hast getan was du konntest!“ „Woher willst du das wissen? Du warst nicht hier! Vielleicht hätte ich viel mehr tun können!“, widersprach er energisch. Dieser Funke in seinen Augen verschwand schlagartig. Er verließ den Raum ohne ein weiteres Wort.
Legende der Ketten
Frustriert ließ sie den Kopf in die Kissen sinken. Sie ging davon aus Jake in seinem Büro noch mal anzutreffen, doch dort war er nicht. Im nächsten Flur traf sie auf Anna mit Neithen. „Hey du siehst ja depri aus! Was ist los?“, legte die Freundin los. Sanne erzählte kurz von ihrem gescheiterten Versuch mit Jake. „Das er die liebt steht für mich nicht zur Debatte, aber beim Rest bin ich doch eher pessimistisch“, war Annas ruhige Antwort. Neithen ließ gerade Luftbälle durch den Flur tanzen dabei lachte er freudig. Sanne blieb bis nach dem Mittagessen bei den beiden. Danach verkrümelte sie sich wieder nach draußen. Draußen war es kalt, regnete aber nicht. Sie schlenderte über das Gelände bis sie die Eiche erreichte, unter der sie mit Heiko gesessen hatte. Dieser tauchte nach etwa einer halben Stunde bei ihr auf. „Du siehst nicht so glücklich aus, wie ich angenommen hatte?“ Die Geschichte mit Jake schien auch seine Laune zu dämpfen. „Hast du einen guten Tipp für mich?“, fragte Sanne ihn hoffnungsvoll, doch er schüttelte nur den Kopf. Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander. Heiko durchbrach die Stille: „Wir sind zu viert!“ Dies brachte ihm einen fragenden Blick von ihr ein, ehe er ruhig fort fuhr: „Liebe, Freundschaft, Hoffnung und Träume! Erst wenn jeder selbst erkennt, wer er ist kann er die Ketten der anderen sehen. Egal, ob sie selbst schon wissen wer sie sind!“ Wieder verstand Sanne nur Bahnhof. „Diese unglaubliche Kraft die du entwickelt hast, als Neithen gestorben ist, beruht auf der Macht der Freundschaft. Du kannst diese Kraft nutzen. Dies war die Sache, die ich dir vor deinem Kampf mit Jake erklärt hatte, erinnerst du dich?“ Diesmal nickte sie, an dieses Gespräch konnte sie sich erinnern. Er hatte damals gesagt mit dieser Kraft könne sie Jake das Wasser reichen. „Ich war damals genauso verwirrt wie du jetzt!“ Interpretierte er vollkommen richtig. „Vor tausenden von Jahren, wurde die Welt vom ultimativen Bösen bedroht, so heißt es zumindest. Jedenfalls versuchte der Widerstand irgendwie dagegen vorzugehen jedoch ohne Erfolg. Ein paar Kinder aus verfeindeten Gruppen trafen bei der Flucht aufeinander. Vier, um genau zu sein. Jedes von ihnen hatte seit Geburt an gelernt die anderen zu hassen und bei Gelegenheit zu töten. Dennoch taten es die Vier nicht. Sie flohen gemeinsam, weil sie so viel mehr Chancen hatten am Leben zu bleiben. Es heißt als sie älter wurden, wollten sie gemeinsam gegen das Böse kämpfen. Da erschuf jeder von ihnen eine Kette mit Eigenschaften, die sie für unendlich hielten. Freundschaft, Liebe, Hoffnung und Träume. Gemeinsam, weil sie genau diese vier Dinge verkörperten konnten sie das Böse zerschlagen. In den Legenden heißt es, immer wenn die Träger sterben tauchen die Ketten bei ihren neuen wahren Trägern auf. Die genau diese Eigenschaften verkörpern. Immer in den vier Gruppen, Vampiren, Hexen, Werwölfen und Dämonen. Wenn diese Vier zusammen finden, heißt es, können sie alles böse besiegen und eine neue Zeit bricht an!“ Sanne starrte ihn an. Instinktiv griff sie nach ihrer Kette. Eine Weile drehte und wendete sie diese, während ihr das gesagte durch den Kopf ging. Plötzlich sprudelte sie los: „Wir haben alle besondere Kräfte? Weiß Anna das? Wieso fühle ich mich von dir angezogen, hat das was damit zu tun?“ Ruhig lächelte er. „Ja jeder von uns hat besondere Kräfte. Die Steine in den Ketten speichern Magie, sorgen somit für mehr Kraft, wenn du deine wahre Stärke erkennst, Freundschaft. Ja, Anna weiß es inzwischen. Wir beide fühlen uns voneinander angezogen, weil die ersten Träger zusammen waren. Anna wird es mit demjenigen der Träume verkörpert so gehen. Es ist einfach Vergangenheit, die uns verbindet und diese Gefühle auslöst!“ „Okay, aber wenn wir nun den Vierten finden würden, könnten wir dann Baltazar und Torben einfach besiegen?“, legte Sanne hoffnungsvoll nach. „Ja, theoretisch schon. Leider wissen wir nur, dass der letzte Träger ein Werwolf ist. Wir wissen allerdings nicht mal, ob er bereits geboren wurde. Ich habe schließlich knappe 100 Jahre auf Anna und dich gewartet.“ Das war natürlich ein Problem. „Was heißt das jetzt? Das wir abwarten, dass er uns über den Weg läuft?“ „Genau, wir ziehen uns gegenseitig an. Also wir beide und Anna und der andere Träger. Ich muss allerdings noch was erklären. Erträgst du noch was?“ Ruhig nickte sie. „Jeder von uns hat einen Wächter. Jemand der uns beschützt. Du selbst weißt es nicht, sondern nur der Wächter erfährt es irgendwann. Außer den Wächtern, darf niemand erfahren wer wir sind. Jared ist meiner. Somit weiß er auch über Anna und dich Bescheid.“ „Woher wusste Jared das er dein Wächter ist?“ Jetzt war Sanne irritiert. „Nur wir und sie sehen die Ketten, sonst sieht sie niemand! Wie bei den Trägern weiß man nicht, ab wann die Wächter geboren und zur Verfügung stehen. Jared und ich sind uns aber einig, dass dich wohl dein Wächter versteckt und Jared den Hinweis für deine Befreiung gegeben hat!“, antwortete Heiko ruhig. „Toller Wächter, er hat mich drei Jahre gefangen gehalten! Weiß Anna wer ihr Wächter ist?“ Heiko schüttelte den Kopf. „Nein, Anna weiß es nicht. Da sie beinahe ohne deine Hilfe getötet worden wäre, glaube ich nicht, dass ihr Wächter schon Bescheid weiß. Was deinen angeht, kennst du die Gründe für sein Verhalten nicht!“ Nach dieser Ausführung ließ er sie alleine. Eine Weile blieb sie unter der Eiche sitzen. Sie grübelte über das Gesagte. Nach dem Abendessen kam Anna zu ihr. „Du wolltest mit mir reden?“, fragte sie ruhig. Sanne nickte, dann berichtete sie von ihrem Gespräch mit Heiko. Anna lächelte. Sie freute sich darüber, dass sie nun auch Bescheid wusste. „Wir haben von dieser Legende in magischer Geschichte gehört. Unfassbar oder? Die Schule war mal nützlich. Mir ist kurz darauf die Kette bei Heiko aufgefallen, da hab ich ihn ausgefragt.“ Sanne musste auch lachen. „Wirklich unglaublich, mal was Nützliches in der Schule.“ Sie legte eine kurze Pause ein. „Ist es schwer es Seth nicht zu sagen? Diese Wächter, weißt du mehr darüber als ich?“ „Das mit Seth ist nicht wirklich schwer. Ich meine, ich habe damit bisher ja nicht viel zu tun gehabt. Auch habe ich meinen früheren Mann ja noch nicht getroffen, somit auch keine Gefühle wie Heiko und du. Also lass ich alles erstmal auf mich zukommen. Die Wächter können auch Wächterinnen sein. Es ist offenbar so, dass wir uns von ihnen angezogen fühlen. Bei Heiko und Jared ist es tiefe Verbundenheit. Das kann bei uns, sollten wir einen Wächter bekommen, zu ähnlichen Gefühlen führen, wie du bei Heiko bereits hast. So hat er es mir auf jeden Fall erklärt.“ Noch eine Weile quatschen sie darüber, bis Anna sich verabschiedete. Im Bett angekommen kreisten ihre Gedanken noch eine Weile, bis sie schließlich einschlief. Nach dem Mittagessen hörte Sanne dieses Flüstern. Kurz sah sie Jake vor sich auftauchen. Sofort folgte sie seinem Rufen. Er war angespannt. „Torben und Baltazar wünschen eine Unterredung mit uns! Die anderen sind schon dort um sich umzusehen!“ Sie ergriff seine Hand. Gemeinsam landeten sie vor dem Präsidium. Drinnen trafen sie auf Sven, Andree, Dom und Danny. Nachdem Sven erklärt hatte es würden sich nur die üblichen Verdächtigen dort aufhalten gingen sie entschlossen ins Zimmer des Präsidenten. Hier drinnen warteten Ernie, Roger, Lea, Sarina, Torben, Ashley und Baltazar. „Jake schön dass du unserem Wunsch nachgekommen bist!“, lächelte Torben. Sofort legte er nach: „Wirklich erstaunlich, dass sie noch am Leben ist!“ In Gedanken sagte Ashley: „Warum hat er so lange gewartet sie uns zu präsentieren, drei Jahre?“ „Keine Ahnung!“, antwortete Baltazar. Danach wandte er sich an Jake: „Wirklich erstaunlich ist eher die Tatsache, dass du sie so lange versteckt hattest. Wieso hast du nicht schon vorher versucht deine Panthera zu retten? Oder noch viel interessanter, woher wusstet ihr, wo wir die Kinder versteckt haben?“ Die letzte Frage hatte er aufgrund von Ashleys Gedanken angefügt. „Ich wüsste nicht, was dich das eine oder das andere angeht! Was wollt ihr?“ Jakes Stimme war eisig. Die Stimmung änderte sich schlagartig als die Tür hinter ihnen aufging. Fünf Männer traten zu Baltazar. Die Takeshis. Sanne erkannte die drei von der Hinrichtung. Jake hatte seine Haltung verändert und knurrte: „Was soll das?“ Sanne war irritiert, bei der Befreiung war doch, obwohl die angeblich alle so gut waren, nichts schief gelaufen. Diesen Gedanken gab sie an Sven. Der erwiderte prompt: „Der links neben Baltazar ist Gino. Er war bei der Befreiung im Internat. Er ist der gefährlichste der fünf. Sein Bruder Giuseppe und sein Sohn Hunter folgen gleich danach.“ Gino wandte sich an Jake: „Ganz ruhig Jake, ich bin lediglich hier, weil die beiden Herren etwas mehr Sicherheit wollten.“ „Das soll sie sein?“, höhnte einer der dicklichen Jungs. „Die ist ja alles andere als gefährlich. Was meinst du Frankie?“ Dieser sagte: „Eher süß die Kleine, Hunter?“ Dieser trat einige Schritte auf sie zu um sie genauer zu mustern. Seine Augen blieben einen Moment länger an der Stelle, an der ihre Kette hing. Da war dieses Gefühl, etwas unglaublich vertrautes ging von ihm aus. Sanne fiel ein, dass er sie vor seinen Cousins geschützt hatte. „Niedlich!“, war seine Antwort. Jake hatte jeden Muskel angespannt. „Die Kleine gefällt dir!“, sagte Frankie entschieden was zunächst zu Gelächter führte. Doch Gino entging Jakes Haltung nicht. „Vorsicht Hunter, ich glaube nicht, dass das Jake gefällt!“ Er schien vor Jake ebenso Respekt zu haben wie umgekehrt. Baltazar und Torben warfen sich währenddessen diverse Blicke zu. Hunter war keinen Schritt zurück gewichen. Durchdringend sah er Sanne weiter an. Sanne folgte einer wahnwitzigen Idee. Ihre Gedanken schickte sie zu Sven. Ohne seine Hilfe würde es nicht funktionieren. Sie kam ruhig auf Hunter zu. Sven parallel dazu näher zu Jake, um nach seinem Arm zu greifen. Blitzschnell warf Jake einen Blick auf Sven. Offenbar hatte dies niemand gemerkt, weil alle Blicke auf ihr ruhten. Mit einem Lächeln sagte sie zu Hunter: „Schade eigentlich!“ Sie waren nur noch einen Schritt voneinander entfernt. Diesen machte er. Er strich ihr von den Schläfen übers Gesicht am Hals entlang. Blanke Panik war in die meisten Gesichter im Raum getreten. Lediglich die Panthera blieben entspannt. Gino fauchte: „Hunter!“ Die Gedanken von Baltazar und Ashley überschlugen sich. Alle schienen darauf zu warten, dass Jake oder sie dies beendete. Doch keiner von beiden tat das. Hunter strich ihr zeitgleich über beide Arme, da war ein klicken. Magische Armreifen umschlossen ihre Handgelenke, danach beförderte Hunter sie innerhalb von Sekunden gegen die nächste Wand. Keiner im Raum bewegte einen Muskel. Sanne war sich sicher, die sanfte Vibration im Boden kam bestimmt von Jake. Hunter wandte sich an seinen Vater mit den Worten: „Sagte ich doch, ganz einfach sie zu erwischen! Die sind hier einfach nur unfähig!“ „Sie hat gegen dich ja nicht gekämpft du Milchbubi, sonst hättest du alt ausgesehen!“, knurrte Ashley. Hunter schritt drohend auf sie zu. „Genug!“, entschieden Gino und Baltazar gleichzeitig. „Dich krieg ich schon noch!“, fügte Ashley mit angriffslustigem Grinsen in Gedanken an. Sanne war wieder von der Wand weggewichen. Sie rieb sich über den Hinterkopf. „Wie dem auch sei“, begann Hunter, ging an den anderen vorbei, griff nach Sannes Arm und zog sie mit sich Richtung Tür. Svens Gedanken waren verwirrt. „Dir ist klar, dass Jake mich später umbringen wird?“ „Ich weiß es ist schwer, aber vertrau mir!“, war ihre kleinlaute Antwort. „Hunter was soll das?“, fauchte Giuseppe wütend. „Hallo? Wir sind jung. Jake war für sie vielleicht interessant als sie noch 16 war, aber jetzt doch nicht mehr, wenn sie was Besseres haben kann. Ergo könnt ihr eure Geschäfte besprechen und wir zwei vergnügen uns solange!“, mit diesen Worten zog er Sanne mit sich durch die Tür. Ginos zufriedenes Lächeln sowie die Irritation bei Baltazar und Torben war das Letzte was sie sah. Hunter schob sie durch den Flur. Ehe er etwas sagen oder tun konnte sagte sie entschieden: „Nimm mir die ab!“ Sie deutete auf die Armreifen. Ohne Widerworte tat er es, dann begann er leise: „Wir haben nicht viel Zeit. Also pass auf. Ihr habt einen Verräter in euren eigenen Reihen. Jemand der Torben und zwar nur dem Informationen weitergibt. Jemand der sehr viel weiß. Selbst Baltazar weiß nicht wer es ist. Es heißt du wärst Jake hörig, weil du ihn liebst. Ergo versuchen sie dies gegen dich zu verwenden. Egal wie, du musst dich von Jake fernhalten, wenn du ihn nicht in Gefahr bringen willst!“ Irgendwo hinter ihnen wurde sein Name gerufen. Er drückte sie gegen die Wand und lächelte. „Tut mir leid, aber anders geht es nicht!“ Bevor Sanne fragen konnte legte er seine Lippen auf ihre und küsste sie. Da waren keine Schmetterlinge, nichts. Nur dieses tiefe Vertrauen sowie ein Gefühl von wahrer Freundschaft. Nachdem sich jemand räusperte löste sich Hunter von ihr. Um sie herum standen seine Cousins und Andree mit Dom. Während seine Cousins anerkennend lächelten starrten Andree und Dom sie fassungslos an. Jedoch erst als ihnen auffiel, dass sie keine Armreifen trug, also sich hätte wehren können. Gemeinsam gingen sie zurück. Auf dem Flur hatten sich bereits alle versammelt. Sie warteten auf sie. Nachdem Gino seinem Sohn einen fragenden Blick zugeworfen und dieser mit frechem Lächeln genickt hatte wandte er sich an Sanne: „Ich stehe dir jederzeit für eine Fortsetzung zur Verfügung!“ Pures Entsetzen über die Geschehnisse war in den Gesichtern von Torben und Baltazar zu sehen. Die Panthera einschließlich Jake waren hingegen eiskalt, wie zuvor auch. Es wurde sich zugenickt, dann liefen sie davon. Svens Gedanken waren angespannt. „Geht’s dir gut?“ „Alles bestens!“, war ihre Antwort. Dennoch spürte Sven ihre Besorgnis. Er hackte nach. Es war dumm, doch woher sollte sie wissen, dass Sven nicht der Verräter war? Wem sollte sie noch trauen? Zurück im Schloss rechnete sie damit, dass Jake ausrasten würde. Stattdessen ließ er sich von Dom und Andree schildern was passiert war, nachdem sie den Raum verlassen hatten. Andree endete damit, wie sie Hunter und Sanne ohne Armreifen eng umschlugen und sich küssend auf dem Korridor trafen. Dem konnte Dom nur traurig zustimmen. Svens Gesichtszüge waren vollkommen angespannt. Er schien es wie Dom einfach nicht fassen zu können. In Gedanken fragte er: „Warum? Sanne ich weiß Jake ist verändert, aber er liebt dich! Wieso hast du das getan? Ich Idiot hab dir auch noch dabei geholfen!“ Sie antwortete nicht. Jake hatte während diesen Ausführungen nach draußen gesehen. Jetzt drehte er sich zu ihnen um. Er war nach wie vor angespannt. „Sven?“ Es schien ihm sichtlich schwer zu fallen zu antworten: „Ich hielt es für besser, denen nicht zu zeigen“, weiter kam er nicht. Sanne fiel ihm ins Wort: „Weil ich Sven darum gebeten hatte!“ So schwer es ihr fiel, sie musste jetzt zeigen, dass man sie nicht mit Jake erpressen konnte. „Ich hatte Sven telepathisch vermittelt mich einfach mal machen zu lassen. Ihn darum gebeten mir zu vertrauen. Zum Glück hat das gut funktioniert! Hunter ist wirklich süß. Die Zeit mit ihm alleine hätte ich nicht missen wollen!“, endete sie energisch. Allen außer Jake war bei dieser Ausführung die Kinnlade runter gefallen. Einen Moment fürchtete sie Jake würde hier alles dem Erdboden gleich machen doch stattdessen sagte er bedrohlich: „Du kannst rummachen mit wem du willst, aber solltest du dir das noch mal während einer Besprechung erlauben ziehe ich in Erwägung dich statt der Betonsäule zu nehmen! Habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt?“ So kühl sie konnte nickte sie. Danach ließ er alle gehen. Kaum auf dem Flur angekommen griff Sven nach ihrer Hand. „Du hast meine Frage nicht beantwortet?“ Sie nahm ihren Mut zusammen und erwiderte patzig: „Ich wüsste nicht, was es dich angeht mit wem ich rumknutsche!“ Sie riss sich los um in ihrem Zimmer zu verschwinden. Im Badezimmer schloss sie sich ein während ihr die Tränen in Strömen über die Wangen liefen. „Sanne? Sanne ich bin es Anna los mach auf!“ Dieser Aufforderung folgte sie. Auf Annas Rückfrage, was tatsächlich passiert war zögerte Sanne plötzlich. Nicht weil sie Anna für den Verräter hielt, aber ein Verräter würde auch weitergeben, dass Anna ihr nach wie vor wichtig war. Alle hier waren in Gefahr. Ein Gedanke überkam sie. Ohne sie waren ihre Freunde erstmal sicherer. Ihre Augen verwandelten sich. „Sanne was“, weiter kam Anna nicht ehe Sanne sie angriff. Panisch trat Anna die Flucht an. Sie konnte sich wirksam verteidigen, verstand aber offensichtlich die Welt nicht mehr. Auf dem Flur angekommen kämpften die beiden immer noch. „Sanne spinnst du? Hör auf damit!“, schrie Anna. Der komplette Gemeinschaftsraum trat dazu. „Bist du wirklich so dumm?“, fragte Sanne überheblich ehe sie fort fuhr: „Hast du wirklich geglaubt mit meinen überragenden Fähigkeiten will ich mit irgendwem von euch noch was zu tun haben? Das ich nicht lache!“ Die Panthera traten an Annas Seite. Sie versuchten auf Sanne einzureden. Jeder meinte sie würde es doch nicht ernst meinen. Sanne fauchte: „Ich habe noch nie in meinem Leben etwas so ernst gemeint!“ Mit diesen Worten stürmte sie an den anderen vorbei. Sie teleportierte sich zum ehemaligen Haus ihres Opas. Zu ihrer Überraschung war dort alles wie bei ihrem letzten Besuch. Die Nachbarhäuser waren leer. Sie verkroch sich in ihrem alten Zimmer. Schließlich weinte sie sich in den Schlaf. „Guten Morgen!“ Heikos Stimme weckte sie. Jared und er standen ihr gegenüber. Beide schienen angespannt. „Sanne, was ist los?“ Heiko kam ruhig auf sie zu, dann setzte er sich zu ihr aufs Bett. „Ich glaube ich habe meinen Wächter gefunden!“, war ihre Antwort. Jetzt tauschten die beiden einen kurzen Blick und fragten nach Details. „Ich kann es euch nicht sagen. Ich bin total durcheinander!“ Sie traute gerade niemandem mehr. Am allerwenigsten ihrem Gefühl. Wieder sahen sich die beiden an. „Okay, können wir dir irgendwie helfen?“ Da war wieder dieses Kribbeln als Heiko sie so ansah. Wie gestern bei Hunter, doch es war verschwunden nachdem er sie geküsst hatte. Sie waren sich einfach nur vertraut. Doch bei Heiko war sie sich nicht sicher. Am liebsten hätte sie laut geschrien. „Jared lässt du uns mal kurz alleine?“ Der verließ das Zimmer. Heiko griff vorsichtig nach ihrer Hand. „Sanne, schließ die Augen und konzentrier dich! Lass los, versuch dich nur auf deinen Atem zu konzentrieren.“ Jetzt fühlte sie seine Nähe. Sein Gesicht war dicht neben ihrem. Doch statt etwas schönem spürte sie ein paar Reißzähne an ihrem Hals, nur Millimeter davon entfernt. „An wen denkst du gerade? Um wen tut es dir leid, wenn ich dich jetzt esse?“ Schlagartig öffnete sie die Augen, drehte den Kopf und er wich zurück. „Danke!“, flüsterte sie entschieden. Er nickte ruhig, dann rief er nach Jared. Sie liebte weder ihn noch Hunter sie liebte Jake. „Ich verstehe nicht was gestern passiert ist, aber ich bin mir sicher du hattest deine Gründe! Es ist auch in Ordnung, dass du nicht mit uns reden kannst, aber Sanne mit irgendjemandem musst du reden. Hier bist du ein sehr leichtes Ziel!“ Nach diesen Worten verschwanden beide. Leider hatten sie Recht. Nach einem Blick auf die Uhr teleportierte sie sich zu dem Haus aus Baltazars Erinnerung. Das Haus der Takeshis. Sie musste noch mal mit Hunter reden, egal wie. Langsam und vorsichtig ging sie auf das Haus zu. Ehe sie die Haustür erreichte öffnete sich diese. Hunter starrte sie irritiert an, trat mit wenigen Schritten zu ihr und sie verschwanden. Sie tauchten vor einer eher runtergekommenen Villa auf. Er zog sie mit sich hinein. Drinnen angekommen in den ersten Stock in ein nett eingerichtetes Zimmer. „Verdammt Sanne bist du lebensmüde? Wenn mein Vater oder Onkel dich erwischt hätten?“, knurrte er. „Was hätte ich denn machen sollen? Deine Tipps gestern waren ja nicht gerade sehr hilfreich!“, gab sie trotzig zurück. Er rieb sich mit der Hand übers Gesicht. „Ich muss zurück, ehe sie merken, dass ich weg bin! Ich komm so schnell ich kann wieder!“ Irgendwie kam ihr diese Villa gruselig vor, weshalb sie nach einem kurzen Ausflug durch die Korridore des oberen Stockwerks zurück in das Zimmer kam. Hier gab es Wasser, Süßkram sowie einen Fernseher. Hunter kam kurz nach neun wieder zurück. „Entschuldige, dass es so lange gedauert hat!“ Sein Gesicht zuckte merkwürdig. „Geht es dir gut?“ fragte sie sanft. Er lächelte gequält. Beinahe flehentlich fügte er hinzu: „Bitte nicht weglaufen oder Angst bekommen!“ Kurz darauf zitterten seine Gesichtszüge. Ein vollkommen anderes Gesicht sah sie an. Die Augen blieben gleich. Doch sein Gesicht war plötzlich nicht mehr so wie zuvor. Im kompletten Gesicht hatte er alte Narben sowie Verbrennungen. Er sah sie nicht an. „Ich kann mein Aussehen nur für eine bestimmte Zeit verändern. Irgendwann muss ich wieder meine tatsächliche Gestalt annehmen!“ „Gefällt mir viel besser so!“, entschied sie ruhig. Vollkommen fassungslos starrte er sie an. „Ich hab mich bei unserem Treffen schon gewundert, wo die Narben von früher sind!“, ergänzte sie sanft. „Du hast dich an mich erinnert?“, fragte er überrascht. Sie nickte entschlossen. „Dein Gesicht war zwar anders, aber deine Augen waren gleich, sonst hätte ich dich gar nicht erkannt. Wieso machst du das mit deinem Gesicht?“ „Weil es einfacher ist! Wer würde schon mit jemandem normal reden, der so aussieht wie ich. Es geht nicht mal um Frauen! Niemand redet mit mir, wenn ich so durch die Gegend laufe!“, erklärte er ziemlich niedergeschlagen. „Das stimmt nicht! Du hast einfach nur die falschen Leute getroffen. Ich rede schließlich mit dir und habe das auch früher schon getan!“, widersprach Sanne. Kurz lächelte er. „Richtig du hast immer gemeint mich verteidigen zu müssen, es war nett. Du warst anders. Das ist mir damals schon aufgefallen, aber ich hab nie an Legenden geglaubt. Erst als ich dich mit Anna zufällig im Black Dragon gesehen habe und die Kette um deinen Hals, hat sich daran etwas geändert. Ich bin nach Hause getorkelt. In meinem Kopf hämmerte immer wieder ein Wort, Amicitia. Zuhause hab ich erstmal recherchiert bis ich alles wusste, was man wissen sollte. So wird man mal eben Wächter!“ „Tut mir leid, diese Wächtersache!“, begann sie vorsichtig. Er schüttelte energisch den Kopf. „Es ist schön etwas anderes zu sein, wie man dachte, etwas Gutes tun zu können!“ Sannes nächste Frage galt den vergangenen drei Jahren in denen sie eingesperrt war. „Ich hab einer Leiche dein Gesicht verpasst, damit alle glaubten du seist tot. Dir hingegen habe ich ihr Gesicht sowie ihre Identität gegeben um dich zu schützen!“, erklärte er ruhig. „Drei Jahre lang?“, wisperte sie traurig. Sein Blick ruhte auf ihr. „Du erinnerst dich nicht. Sanne du lagst vier Monate im Koma. Als du endlich aufgewacht bist konntest du dich an nichts erinnern. Du wusstest nicht mal mehr wie du deine Fähigkeiten kontrollierst. Die Ärzte wollten dich damals an die neue Regierung ausliefern. Dies musste ich verhindern, deshalb hab ich dich in der Einrichtung untergebracht. Geplant war nur, dass du dort solange bleibst bis du dich wieder erinnerst.“ Er schwieg einen Moment. „Deine Erinnerung kam nach und nach zurück. Die Ärzte hatte ich in dem Glauben gelassen, du würdest dich für jemand anderen halten um zu verhindern, dass sie dich an Baltazar oder Torben auslieferten. Leider kam alles anders als geplant. Ich hatte einen Disput mit meinem Vater, was diesen dazu veranlasste mich einzusperren. Danach stand ich rund um die Uhr unter Beobachtung. Jedenfalls war es mir nicht möglich dich gefahrlos wieder zu befreien. Zufällig hab ich in einem Café Jared getroffen, der intensiv nach einer Lösung suchte Heiko zu befreien. Den Rest kennst du denke ich!“ Dem stimmte sie zu. Sie bedankte sich für ihre Rettung. Danach meinte er, es sei ein langer Tag gewesen und sie sollten schlafen. Die Nacht war unruhig. Sie schlief schlecht. Nachdem sie aufgewacht war stellt sie fest, dass Hunter fehlte. Langsam lief sie die Treppe hinunter, dann rief sie seinen Namen. Sie bog nach rechts in eine Art Speisesaal ein. Dort wurde sie leichenblass. An den Wänden standen und von der Decke hingen Käfige. In jedem schien altes Blut zu sein. Käfige in allen Formen und Größen, mit Eisenstacheln, Dornen oder Nadeln. Sanne wurde schlecht sie zitterte am ganzen Körper. Auf der anderen Seite des Raums trat eben Hunter durch eine Tür. Mit schnellen Schritten war er bei ihr, griff nach ihrer Hand und zog sie mit sich. Doch kurz bevor sie an dieser Tür ankamen führte eine Treppe nach unten. Auf dieser war ebenfalls getrocknetes Blut. Sie riss sich los und rannte die Treppe hinunter. „Sanne warte“, rief er noch. Pures Entsetzen überkam sie. Hier unten war es noch schlimmer. Lauter Folterinstrumente, Streckbänke und Käfige wie oben. Er trat vorsichtig hinter sie. Sanft legte er die Hände an ihre Schultern. „Wo sind wir hier?“, wisperte sie tonlos. „Hier bin ich aufgewachsen. In dem Haus lebten wir früher! Wir haben für die Dämonenfürsten gearbeitet. Dämonen bestraft, Sklaven gefügig gemacht oder andere gefoltert und getötet“, erklärte er sehr ruhig. Sie zitterte als sie sagte: „In manche dieser Käfige passt niemand hinein!“ „Kinder schon!“, antwortete er wieder sehr ruhig. Ruckartig bewegte sie sich von ihm weg. Fassungslos starrte sie ihn an. Sein Gesicht war wehmütig. „Sanne lass uns hoch gehen und dort weiter reden!“ „Hast du da mitgemacht? Ich meine“, Tränen stiegen ihr in die Augen, sie brach ab. „Ja, ich wurde so erzogen! Bitte komm mit rauf!“, bat er vorsichtig. Noch einmal sah sie sich zitternd um, ehe sie ängstlich mit ihm ging. Die Küche war ganz normal. Sie setzte sich an den Tisch während er ihr ein Wasser reichte. Er lehnte sich an den Tresen, abwartend sah er sie an. „Die Verletzungen in deinem Gesicht woher sind die?“ Ihre Stimme bebte. „Von meinem Vater und meinem Onkel ein paar auch von meinen Cousins!“ Er war weiterhin sehr ruhig. Sie schloss die Augen ehe sie nach seiner Mutter und seiner Tante fragte. „Sie sind beide tot. Die Takeshis halten Frauen für unnütz. Jede Frau die ein Mädchen zur Welt bringt wird getötet ebenso wie das Mädchen. Deshalb auch die kleinen Käfige. Hauptsächlich für den eigenen Nachwuchs. In anderen Fällen für Kinder, die für einen der Fürsten gefährlich werden könnten oder nicht erwünscht waren. Nach der Geburt eines Jungen wird entschieden, ob weitere Kinder von einer Frau nützlich wären, wie bei meiner Tante. Sie wurde getötet nachdem sie als drittes Kind ein Mädchen bekam. Mein Vater hat sich irgendwann entschieden, dass ich ihm reiche!“ Er erzählte dies kühl und distanziert. „Haben dir diese Menschen oder Kinder nie leidgetan?“, flüsterte sie erschrocken. Er fuhr sich durch die Haare. „Als ich klein war, war es für mich normal. Ich habe es so seit Geburt an gelernt. Erst als ich älter wurde und normale Familien und Menschen sah zweifelte ich. Doch Zweifel, Widerworte oder gar Mitleid werden in meiner Familie schwer bestraft. Ich saß selbst viel in diesen Käfigen und wurde gefoltert. Zuletzt während du gefangen warst. Alles was oder auch wen ich mochte wurde vor meinen Augen gefoltert und getötet. Zur Abhärtung. Deshalb konnte ich in der Schule auch nicht mit dir befreundet sein. Ich hatte unglaubliche Angst, dass sie dir etwas tun!“ Sie schloss wieder die Augen. Irgendwie versuchte sie das eben gesagte zu verdauen. Es fiel ihr schwer. Er wirkte nicht so. Sie hatte ihn gern. Niemals hätte sie ihn derartig eingeschätzt. Ein grausamer Gedanke drängte sich ihr auf. „Die Kinder der Panthera“, mehr brachte sie nicht hervor. Jetzt setzte er sich ihr gegenüber. „Du hast nicht mit den Kindern geredet oder?“ Kopfschüttelnd sah sie ihn weiter an. „Ich war für die Folterung dieser Kinder zuständig.“ Die Farbe wich aus ihrem Gesicht. „Zum Glück sind die ziemlich clever. Zum Schluss hin fanden sie es ziemlich witzig!“ „Wie bitte?“ Sanne hatte die Augenbrauen hochgezogen. „Ich habe ihnen gesagt, wann sie schreien müssen oder weinen! Ich hab keinem von ihnen etwas getan!“, schloss er vorsichtig. Also hatte sie doch Recht. Er war nicht so, aber warum war er noch bei seinem Vater, wenn dieser doch selbst zu ihm derartig grausam war. Diese direkte Frage ließ ihn seufzen. „Weil die Dämonenfürsten leider meinen Vater schätzen und erstklassige Kopfgeldjäger haben. Die haben mich leider immer wieder gefunden. Nicht gefangen, aber gefunden. Das fangen überließen sie immer meinem Vater und Onkel. Gegen beide zusammen verliere ich leider immer. Glaub mir, ich hab es mehr als einmal versucht. Ich hab schier einen Freudentanz aufgeführt, als Baltazars bester Kopfgeldjäger zu den Pantheran übergelaufen ist.“ „Alechandro?“, fragte Sanne überrascht. Erst nickte er ehe er erklärte, dieser habe ihn leider mehr als einmal gefunden. Danach richteten sie ihr Gespräch auf die Verräter Sache. Angeblich hatte dieser Torben die Info weitergegeben, dass Jake für alle Panthera ein Verbot ausgesprochen hatte, ihre Familien zu besuchen um diese zu schützen. Dies hatte Hunter als clever bezeichnet, weil ihnen so niemand folgen konnte. Blöd an der Sache war nur, dass der Verräter die nötigen Familieninfos bereits hatte und weitergegeben hat. So hatten die Panthera aufgrund von Jakes Verbot erst später erfahren, wenn ihrer Familie etwas passiert war. Diese Tatsache fand Sanne unglaublich. Jakes Plan hätte aufgehen können, wenn dieser Verräter nicht gewesen wäre. „Ich sollte langsam wieder zurück!“, sagte er traurig. Ehe er aufstehen konnte hielt ihn Sanne auf. „Du musst bei mir bleiben. Schließlich musst du mich beschützen!“, antwortete sie lächelnd. Auf seine Aussage sie würde ganz gut selbst auf sich aufpassen können erwiderte sie: „Du gehörst dort aber nicht hin! Außerdem müssen wir mit jemandem reden. Das hier ist keine Dauerlösung oder siehst du das anders?“ Dem konnte er nicht widersprechen also setzte er sich. Sie analysierten wem sie trauen konnten. Ganz klar konnte Jared kein Verräter sein, schließlich kannte er die Panthera gar nicht. Heiko und Anna schloss Hunter ebenfalls aufgrund der Ketten aus. Da Jake das nächste Ziel gewesen wäre konnte auch er es nicht sein. „Okay, dann reden wir doch gleich mit dem Chef!“ Hunter gab zu bedenken, dass sie ihn nicht für alle nachvollziehbar treffen sollten.
Gerechte Bestrafung
Nachdem Sanne mit Hunter in Jakes Garten teleportiert war rief sie ihn. Hunter hatte sein Gesicht wieder verändert, er wollte Jake nicht gleich zu Tode erschrecken. Etwa fünf Minuten später landete Jake direkt vor ihnen. Ehe er etwas sagen oder tun konnte war Sanne auf ihn zugegangen und küsste ihn. Dies ließ er etwa zehn Sekunden zu, dann schob er sie von sich weg. „Was soll das?“, fauchte er. „Jake, Baltazar und Torben haben geplant dir etwas zu tun, weil sie wissen, dass ich dich liebe. Um sie davon abzubringen hat Hunter mich vorgestern geküsst! Wir sind nur Freunde. Jake irgendwer hat ihnen das mit uns gesagt!“ Jetzt schüttelte er den Kopf. „Hat dein neuer Freund dir das erzählt?“ Bevor Sanne antworten konnte mischte sich Hunter ein: „Er glaubt dir kein einziges Wort!“ „Allerdings“, pflichtete Jake bei, dann legte er nach, „wie ich bereits sagte, du kannst rummachen mit wem du willst, aber hör auf meine Zeit zu verschwenden!“ Er wandte sich zum Gehen. „Woher kannten sie die Frauen und Kinder? Wo du doch ein Verbot für Besuche ausgesprochen hattest?“, fragte Sanne entschlossen. Jake blieb wie angewurzelt stehen. Überrascht sah er sie an. „Das kannst du nicht wissen. Du warst nicht da!“ „Woher kannten sie die Familien?“, wiederholte Sanne ruhig. Jakes Erklärung war einfach. Manche der Panthera hatte seinen Befehl offenbar ignoriert oder man hatte sie früher schon mal zusammen gesehen. „Okay, mag sein, aber sei mal ehrlich zu dir. Wie viele hätten deinen Befehl ignoriert, vielleicht zwei bis drei? Wie viele waren in dieser Hinsicht in der Vergangenheit unbesorgter, dass man es wissen könnte, vielleicht noch mal so viel? Und jetzt überleg mal wie viele es tatsächlich waren! Jake, es hat ihnen jemand gesagt! Jemand der Panthera!“, endete sie traurig. Sein Blick ruhte auf ihr. Eine gefühlte Ewigkeit verging. „Gibt es jemanden den wir ausschließen können?“, fragte er angespannt. „Ja, Heiko, Jared, Anna und Seth!“, war ihre knappe Antwort. „Wartet drinnen auf mich!“ Nach diesen Worten verschwand er. Sie machten es sich drinnen auf dem Sofa vorm Fernseher bequem. „Wieso Seth?“, fragte Hunter. „Niemals in seinem Leben würde Seth freiwillig zulassen, dass Anna etwas geschieht!“ Dem widersprach er nicht. Sie verbrachten den ganzen Tag in Jakes Haus. Dieser erschien gemeinsam mit Heiko und Jared um kurz nach halb neun. „Ihr kennt euch?“, fragte er während alle zögerlich nickten. Die Vampire setzten sich zu den beiden. Jake hingegen lehnte sich hinter ihnen an die Wand an. Die zwei Vampire waren bereits informiert, sie wollten wissen, ob es mehr Hinweise auf den Verräter gab. Die Diskussion zog sich in jede Richtung. „Kurz gesagt kann es jeder sein!“, schlussfolgerte Heiko nach einer knappen Stunde. Alle außer Jake seufzten geschafft. „Nein, kann es nicht!“, meldete sich Jake zu Wort. Alle drehten sich zu ihm um. Er wandte sich an Heiko: „Wo wohnte Dannys Schwester?“ Er zuckte mit den Schultern. „Wie viele Kinder hat Lando?“ „Der hat Kinder?“, fragte Heiko irritiert. Jake nickte lediglich. „Okay, es kann nicht jeder sein!“, räumte Heiko schließlich ein, war jedoch plötzlich merkwürdig angespannt. „An wen denkt ihr?“, fragte Jared ruhig. Heiko hatte den Blick gesenkt. Jake atmete gerade tief durch als Heiko dazwischen redete: „Jake, ich glaube nicht, dass er“, weiter kam er nicht. „Das klären wir morgen, wenn er es nicht ist hat er auch nichts zu befürchten!“ Jared sah beide immer noch fragend an. „Sven!“, antwortete Heiko niedergeschlagen. Danach verabschiedeten sich die Vampire. Nachdem sie gegangen waren wollte sich auch Hunter verabschieden. Sanne griff entschlossen nach seinem Arm. „Du bist hier jetzt gut aufgehoben und ich nicht mehr nützlich!“, sagte er ruhig als er sich aus ihrem Griff befreite und durch die Tür ging. Jake schritt Sekunden später an ihr vorbei um kurz darauf wieder mit Hunter zurück zu kommen. Anschließend verschwand Jake ohne ein weiteres Wort die Treppe hinauf. Überrascht sah Sanne Hunter an. Der zuckte mit den Schultern, Jake habe einen Angriffszauber an ihm vorbei geworfen und gemeint er würde nirgendwo hingehen. Wieder aufs Sofa gekuschelt sahen sie weiter fern. Bis Hunter gähnte und einschlief. Sie stand auf legte seine Füße richtig aufs Sofa ehe sie die Treppe hoch schlich. Vor Jakes Schlafzimmer klopfte ihr das Herz bis zum Hals. Leise klopfte sie. Jakes „ja“ klang sehr wach. Tatsächlich stand er am Fenster. Er sah nach draußen. Vorsichtig trat sie näher zu ihm. „Liebst du Hunter?“ Er sah sie nicht an. „Nein!“, sagte sie so entschlossen wie sie es mit dem Kloß im Hals konnte. „Liebst du mich?“ Diesmal war seine Stimme erstaunlich schwach. Ehe sie antwortete stellte sie sich direkt neben ihn, dann wartete sie bis er ihr in die Augen sah. „Mehr als alles andere!“ Für einen Moment schloss er die Augen. „Niemals in meinem Leben habe ich mir so sehr gewünscht jemand würde mich von diesen unfassbaren Schmerzen erlösen, als in dem Moment, in dem ich dachte du seist gestorben!“ Jetzt sah er sie genau mit diesem Schmerz an. „Ich will dich nicht verlieren, nicht mal an Hunter oder sonst wen! Ich würde dich am liebsten irgendwo einsperren nur um dich nicht verlieren zu können! Mit diesem Gefühl kann ich nicht umgehen!“ Sie blinzelte zunächst die Tränen weg, dann war sie bereits an der Tür angekommen, als er zärtlich nach ihrem Handgelenk griff. Mit der nächsten Bewegung zog er sie in seine Arme und küsste sie leidenschaftlich. Während sie sich küssten schob er sie sanft zum Bett. Seine Hände glitten unter ihr Shirt, zogen sie aus und streichelten sie liebevoll. Erst von den Schultern über den Rücken, dann über Brust und Bauch weiter zwischen ihre Schenkel. Sanne seufzte leise während sie jede Berührung von ihm genoss. Sie schob ihre Hand in seine Hose, streichelte und massiert ihn erst mit der Hand und anschließend mit der Zunge. Als er sich auf sie legte und mit ihr schlief, war Sanne im siebten Himmel. Das hier war schöner als jemals zuvor. Sie konnte ihre Atmung danach einfach nicht beruhigen. Erst nachdem er sie ganz eng an sich zog und sie seinem Atem lauschen konnte passte sich ihrer langsam an. Sanft küsste er ihren Hals. Anschließend flüsterte er: „Der nächste Kerl, außer mir natürlich, der meint dich küssen zu müssen, dem reiße ich übrigens den Kopf ab! Verstanden?“ Jetzt drehte sie den Kopf, um ihm in die Augen zu sehen. Da war er wieder wie sie ihn kannte. Ruhig lächelte er sie an. Dieses Lächeln, welches sie so sehr liebte, weil es seine Augen zum Strahlen brachte. Sanft küsste er ihre Nasenspitze, ehe er sie liebevoll ansah und sagte: „Ich liebe dich!“ Zur Antwort küsste sie ihn. Nach einer Weile, in der sie einfach weitergemacht hatten, löste er sich von ihr. Er erklärte sie sollten noch etwas schlafen. Ganz eng bei ihm schlief sie tief und fest, bis der Wecker sie aus dem Schlaf riss. Jake lag zu ihrer Verwunderung nicht mehr neben ihr, sondern stand am Fenster. „Sag Hunter, dass wir ihn nach dem Training abholen!“, sagte er ruhig. Unten angekommen erklärte sie es Hunter, dann lief sie zurück zu Jake. Wortlos griff er nach ihrer Hand, setzte sie in ihrem Zimmer ab ehe er verschwand. Im Warteraum wurde sie von allen skeptisch beäugt. Nach dem Training sorgte Jake für Ruhe. Entschieden verkündete er: „Niemand verlässt heute dieses Schloss oder nimmt Kontakt mit jemandem auf!“ Es war ausgerechnet Sven, der nach dem Grund hierfür fragte, jedoch keine Antwort bekam. Der Rest schien ebenfalls irritiert über Jakes Anweisung. Nachdem Sanne aus der Dusche kam wartete Anna bereits auf sie. Ehe Sanne eine Entschuldigung für ihr Verhalten murmeln konnte fiel Anna ihr ins Wort. Heiko hatte Seth und sie bereits informiert. Die beiden lächelten sich kurz an. Jake klopfte Minuten später. Anna verließ sie. Er verschwand mit Sanne zurück in sein Haus. Hunter hatte sie offenbar nicht so schnell zurück erwartet. Sein Gesicht war nicht magisch verändert. Mit weit aufgerissenen sowie geschockten Augen sah Jake ihn an. Sanne trat zu ihm, denn er war sicherheitshalber vor Jake zurückgewichen. „Mit dieser Fähigkeit konnte er mich so lange beschützen, außerdem euch glauben lassen, dass ich in dem Sarg liege!“, erklärte Sanne entschlossen. Jakes Gesichtszüge hatten sich inzwischen wieder entspannt. Aufmunternd lächelte er Hunter an. Gemeinsam landeten sie in Jakes Büro. Dort warteten Heiko und Jared bereits auf sie. Die beiden tauschten über Hunters verändertes Aussehen kurz einen Blick, mehr jedoch nicht. Dies schien Hunter sehr zu überraschen. Er war andere Reaktionen gewöhnt. „Sven“, sagte Jake entschlossen, dann stellte er sich vor den Schreibtisch. Sven betrat wenig später den Raum. Er schien sichtlich überrascht. Sein Blick wanderte kurz über die Anwesenden, verharrte etwas länger bei Hunter und endete wieder bei Jake. „Kennst du ihn?“ Jake deutete auf Hunter. „Nein!“ Svens Stimme war ruhig. Dennoch schien er zu merken, dass hier etwas anders war. Jake legte nach: „Wie alt sind Landos Kinder?“ „Svenja 9 und Tim 6. Wieso?“ Sven war sichtlich irritiert. „Wie hieß Dannys Schwester und wie viele Kinder hatte sie?“ „Sie hieß Maya und hatte 2 Kinder, Sophie und Sarah. Nur Sophie hat überlebt! Jake was soll diese Fragerei?“ „Ich frage dich nur ein einziges Mal, wieso?“ „Wieso was?“ „Wieso hast du all diese Informationen an Torben weitergegeben? Was hat dir das gebracht?“ Wie gegen den Kopf geschlagen starrte Sven Jake plötzlich an. Beinahe tonlos wisperte er: „Ich hab was?“ Jake antwortete nicht, ein Folterzauber traf Sven. Dieser ging auf die Knie. Vier weitere folgten. Svens Gesicht war schmerzverzerrt. Inzwischen musste er sich auf den Ellbogen abstützen. „Jake, ich habe niemals derartige Informationen an Torben weitergegeben! Wieso hätte ich das auch tun sollen? Sie waren auch meine Freunde.“ Es war nicht mehr wie ein Flüstern zwischen schweren Atemzügen. In diesem Moment schien Jake etwas abzuwägen. Sein Blick fiel auf Hunter. „Du kennst den Herrn an Sannes Seite also nicht?“, fragte er Sven nun erneut. Dieser schüttelte den Kopf. „Vielleicht können wir deiner Erinnerung auf die Sprünge helfen? Dies könnte dich vielleicht auch motivieren mir wahrheitsgemäß zu antworten? Vielleicht sind seine Foltermethoden effektiver?“ Jetzt blinzelte Sven irritiert. Jake dreht den Kopf in Hunters Richtung. Sanne fühlte sich äußerst unwohl. Doch sie wusste, sie durfte sich nicht einmischen. Ob es Heiko und Jared ähnlich ging konnte sie nicht sagen. Beide hatten vollkommen regungs- und ausdruckslos zugesehen. Hunters Gesichtszüge zuckten kurz ehe er für einige Sekunden sein Gesicht verwandelte. Sven starrte ihn fassungslos an. Tatsächlich trat Hunter nach einem Nicken von Jake auf Sven zu. Mit einer Handbewegung war Svens Shirt verschwunden. Vor Hunter tauchten Nadeln auf. Zwei weitere Handbewegungen und die Nadeln schienen sich in Svens Rücken zu bohren. Im nächsten Moment sprang Sven auf die Füße. Er wollte Hunter angreifen. Der hingegen bewegte die Finger, da brach Sven vor seinen Füßen zusammen, das Gesicht schmerzverzerrt. Jede Faser in ihm schien verzweifelt schreien zu wollen. Sanne konnte es nicht mehr mitansehen. „Jake es reicht bitte!“, flehte sie. Doch der sah sie nicht mal an. Mit Tränen im Gesicht trat sie direkt zu ihm damit sie seinen Arm greifen konnte. „Jake, wenn du mich wirklich liebst, dann hör jetzt damit auf. Bitte!“ Das war offenbar falsch. Er sah sie eiskalt an. Im nächsten Moment wurde sie von einem Angriffszauber von den Füßen gerissen. Ehe sie alleine aufstehen konnte zog er sie am Hals gepackt hoch. Wütend funkelte er sie an. Er rief nach Jimmy und Tim. Diese brachten sie unverzüglich in den Kerker. Dort blieb sie. Ihr liefen die Tränen in Strömen übers Gesicht. Nicht wegen Jakes Verhalten ihr gegenüber, sondern weil ihr Sven so leid tat. Schließlich hatte sie sich nicht einzumischen. Niemand hatte sich einzumischen, dies wusste sie, dennoch hatte sie es getan. Jake war bestimmt richtig sauer oder auch enttäuscht von ihr. Wie lange sie hier auf dem Boden saß wusste sie nicht. Die Tür öffnete sich, Jimmy und Tim wiesen sie an ihnen zu folgen. Sie brachten sie zurück in Jakes Büro, dann verschwanden beide wieder. Draußen war es dunkel. Jake stand mit dem Rücken zu ihr. Keiner von beiden sagte etwas. Nach einer gefühlten Ewigkeit wandte sich Jake um, kam langsam auf sie zu, dann strich er ihr sanft übers Gesicht. Sein Blick hingegen war ausdruckslos. Sie bewegte keinen Muskel. Auch nicht als er sie vorsichtig näher an sich zog. „Ich dachte eigentlich wir hätten deine Verhaltensregeln vor Jahren geklärt?“, fragte er nun erstaunlich sanft. Sie sagte nichts. „Sanne sie mich an, bitte!“ Zögernd kam sie seinem Wunsch nach, um im gleichen Augenblick wieder in Tränen auszubrechen. „Es tut mir leid“, begann er doch sie fiel ihm mit tränenerstickender Stimme ins Wort: „Was tut dir leid, wie du einen deiner besten Freunde derartig gequält hast, nur wegen einer Vermutung? Er hat gesagt er war es nicht, was hätte er noch tun sollen?“ Diese Aussage überraschte ihn sichtlich. Sie wischte sich die Tränen vom Gesicht bevor sie nachlegte: „Was? Dachtest du es geht um mich? Ich weiß, ich hätte mich nicht einmischen dürfen, aber du hattest schon wieder jedes Gefühl abgeschaltet.“ „Willst du mir damit sagen, du bist nicht sauer auf mich, weil ich dich angegriffen und in den Kerker hab sperren lassen, sondern weil ich mit meinem Freund so umgegangen bin?“ Entschlossen nickte sie. Er wandte sich um. Ein paar Schritte lief er. Jetzt war er aufgebracht. Seine Finger zitterten. Dennoch sagte er betont ruhig: „Sanne hast du eine Ahnung, wie die anderen sterben mussten? Wegen eines Verräters sterben mussten. Das war nicht kurz oder schmerzlos. Manche von ihnen dienten vorher als Versuchskaninchen für die Takeshis, ehe sie langsam und qualvoll verbrannt wurden. Bitte versteh mich jetzt nicht falsch, aber wer auch immer uns verraten hat, ist daran Mitschuld. Er verdient es zumindest im Ansatz zu begreifen, welche Qualen er ihnen zugefügt hat.“ Von dieser Seite hatte es Sanne noch nicht betrachtet. „Aber du weißt doch gar nicht, ob Sven es war! Also weißt du auch nicht, ob er solche furchtbaren Schmerzen verdient hatte! Hast du dir mal überlegt, dass es Sven vielleicht so geht wie Alechandro damals? Dass er keine Wahl hatte?“, widersprach sie aufgebracht. Diesmal war er der ruhigere, trat erneut auf sie zu, griff nach ihrer Hand und zog sie mit sich ins Wohnzimmer aufs Sofa. Ganz vorsichtig küsste er ihre Handfläche. „Sven hat nur noch Twice und dem geht es gut. Niemand außer Sven und mir weiß so viel über alle Panthera! Wenn ich es also nicht war, wer dann?“ Traurig sah sie ihn an. Wie machte er das nur? Wie konnte er so kalt sein? Als hätte er ihre Gedanken gelesen begann er ruhig: „Training, jahrelanges Training! Ich konnte selbst bei dem einzigen Menschen auf der Welt den ich liebe meine Gefühle ausschalten und hätte sie beinahe getötet! Erinnerst du dich?“ Jetzt schmiegte sie sich enger an ihn. Sie legte den Kopf gegen seine Schulter. Daran konnte sie sich gut erinnern. „Wie geht es jetzt weiter?“ Ehe er antworten konnte legte sie nach: „Wie geht es Sven und Hunter?“ Panik war in ihr aufgestiegen. Liebevoll strich er ihr über den Rücken. Sven sei erstmal in einen Kerker gesperrt worden und Heiko hatte Hunter mitgenommen. Jake fiel es schwer doch er fragte nach ihrer Beziehung zu Hunter. Sie begann ihm ruhig von der gemeinsamen Schulzeit, dem Treffen im Präsidium bei Annas Hinrichtung, bei der er sie beschützt hatte sowie von ihren Gesprächen über seine Vergangenheit zu erzählen. Auch wie er mehrmals vergeblich versucht hatte zu fliehen. Nur die Wächtersache ließ sie weg. Nach ihren Erzählungen küsste Jake sie sanft. „Tust du mir einen Gefallen?“, fragte er sichtlich angespannt. Vorsichtig nickte sie. „Misch dich nie wieder ein! Ich will dich nicht verletzen, aber ich kann dir auch nicht mehr einräumen als anderen, nur weil ich dich liebe!“ Jetzt drehte sie den Kopf weg. Sie verstand das, aber es gefiel ihr nicht. „Süße jetzt habe ich doch auch in Ruhe mit dir darüber geredet, aber alleine!“ Ruhig lächelte er sie an. Das war ihr Freibrief zu allem etwas sagen zu dürfen, solange sie alleine waren. Also nutzte sie die Gelegenheit. „Kann Hunter hier bleiben?“ Wieder lächelte er, diesmal jedoch viel entspannter. „Wenn er das möchte, dazu das Training schafft, wüsste ich nicht was dagegen spricht. So wie ich Heiko einschätze hat er das längst mit Hunter besprochen.“ Das nächste kostete Sanne allen Mut. „Ich glaube nicht, dass Sven der Verräter ist!“ Diesmal erstarb das Lächeln. Er sah sie ernst an. Sie wusste nicht warum, aber ihr Gefühl sagte ihr genau das. Er setzte sich auf um das Gesicht in den Händen zu vergraben. Bevor er aufstand atmete er tief durch, dann zog er sie mit sich. Kurz darauf standen sie vor einer Kerkertür. „Ich will von dir kein Wort hören, verstanden?“ Entschlossen nickte sie. Gemeinsam betraten sie den Raum. Sven lag am Boden, die Hände hingen an langen Ketten, er blinzelte vorsichtig und versuchte sich aufzusetzen, jedoch ohne Erfolg. „Warte“, knurrte Jake. Er ging auf ihn zu. Sven zuckte zurück. Dies ignorierte Jake entschlossen, dann half er ihm sich an die Wand lehnend hinzusetzen. Sven starrte ihn irritiert an. Erstrecht als Jake ihm ein Wasser reichte. Doch ohne Zögern trank Sven es leer, hustete dabei jedoch mehrfach. Jake kniete sich vor Sven. Er sah ihn einfach an. Sein Blick ruhte kurz auf Sanne. „Richtig, sie ist der Grund warum wir hier sind!“ Nach diesem Satz von Jake sah er wieder ihn an. Mit einem schweren seufzen erzählte Jake plötzlich die Sache mit dem Verräter im Ganzen. Das Einzige was sich an Sven änderte waren seine Augen, die sich erschrocken weiteten, als Jake erzählte wie jemand alle an Torben verraten hatte und er nun das nächste Ziel war um Sanne zu erpressen. „Jake selbst wenn ich die anderen verraten hätte, niemals in meinem Leben hätte ich dich und Sanne verraten. Niemals!“, mehr wie ein Flüstern brachte Sven nicht heraus. Eine Weile sahen sich die beiden nur an. Jetzt legte Jake den Kopf in den Nacken, bewegte die Finger, dann lösten sich die Fesseln. Dies schien Sven zu wundern. „Wenn ich es nicht war und du auch nicht, wer war es dann? Niemand außer uns beiden weiß so viel über die Panthera. Vor allem von beiden Seiten von Danny und Dom!“ Jake rieb sich über die Stirn. „Hast du dir mal überlegt, dass es vielleicht mehr als einer ist?“, fragte Sven immer noch im Flüsterton. Jakes Augen weiteten sich. Daraufhin schüttelte er den Kopf. Er fand es schlimm genug, dass es überhaupt einen Verräter in seinen Reihen gab, geschweige denn zwei davon. Das darauf folgende Schweigen wurde von Svens Husten unterbrochen. „Heiko, bring Hunter mit!“, sagte Jake entschieden als Sven Blut sowie lila Schleim hustete. Vor allem konnte er nicht mehr damit aufhören. Sanne trat dazu. Sven lag seitlich auf dem Boden. Sanne versuchte beruhigend auf ihn einzureden. Während er immer weiter hustete. Im nächsten Moment öffnete sich die Tür. Ehe Heiko oder Hunter fragen konnten was los war begann Sven sich komplett zu verkrampfen sowie zu zittern. „Verdammt!“, knurrt Hunter. Innerhalb von Sekunden war er bei ihm. „Er ist ein Schlangendämon?“, fragte Hunter nach drei Handbewegungen. Dem stimmten Jake und Heiko zu. Als Hunter plötzlich ein Messer zückte und es in die Nähe von Svens Hals bewegte packte ihn Jake ohne Umschweife. Er beförderte ihn drohend gegen die nächste Wand. Wieder begann Sven, der nach Hunters Handbewegungen aufgehört hatte, mit krampfen. „Jake, ich habe kein Interesse daran ihn zu töten!“, wisperte Hunter. Jake zögerte kurz, blickte auf Sanne und als die entschlossen nickte ließ er Hunter wieder zu Sven. Der fuhr mit den Fingern an der Halsseite entlang, dann platzierte er das Messer am Übergang von Hals zur Schulter. Er hielt jedoch plötzlich inne, wandte sich Heiko zu und meinte er würde besser draußen warten. Das musste er Heiko nicht zweimal sagen. Im nächsten Moment bohrte er das Messer ins Fleisch. Sofort floss Blut. Hunter wiederholte dies an 4 weiteren Stellen, machte noch zwei Handbewegungen, griff in die Hosentasche um ein winziges Fläschchen heraus zu holen. Aus den Messerwunden lief inzwischen lila Schleim. Er tropfte hochkonzentriert etwas aus dem Fläschchen in die Wunden. Danach tauchte, mit einer weiteren Handbewegung, eine magische Uhr neben ihm auf. Gebannt sah er darauf. Exakt nach 30 Sekunden wollte sich Sven nach Luft ringend aufrichten, doch Hunter drückte ihn entschieden zu Boden. Sven japste nach Luft. „Ich weiß das ist jetzt schwer, aber du musst liegen bleiben! Du wirst nicht ersticken, wenn du liegen bleibst, aber wenn du dich jetzt aufsetzt! Verstanden?“ Sven lief blau an ließ sich aber von Hunter auf dem Boden halten. Jake warf Hunter einen verunsicherten Blick zu. Hunter ließ Sven jedoch nicht aus den Augen. Sanne hatte sanft nach seiner Hand gegriffen. „Es wird gleich besser versprochen!“, entschied Hunter. Tatsächlich vergingen noch etwa 10 Sekunden, dann atmete Sven im Liegen plötzlich tief durch. Alle schienen überrascht. Hunter befahl Sven weiter liegen zu bleiben. Jake holte Heiko zurück in den Raum. Sven fragte was das eben gewesen war. „Die Nadeln waren vergiftet. Das Gift sorgt für die entsprechenden Schmerzen, wenn man weiß wie. In der Regel ist es danach harmlos. Bei Schlangendämonen kann es aber zu einer Reaktion mit dem eigenen Gift kommen was zum Tod führt, wenn man nicht rechtzeitig handelt. Das Gegengift braucht eine Zeit lang bis alle Zellen gereinigt sind. Sollte sich das Opfer zu früh wieder bewegen tritt der netten Nebeneffekt des Giftes ein und es bildet sich einfach neu“, erklärte Hunter ruhig während der Rest nickte. Nach etwa zwei Minuten durfte Sven sich aufsetzen. Jake erklärte die neue Befürchtung von mehreren Verrätern. Hunter konnte dies weder bestätigen noch verneinen. Er wusste lediglich, dass nur eine Person mit Torben in Verbindung stand. Heiko schüttelte resignierend den Kopf, denn so konnte es wirklich jeder sein. Niedergeschlagen meinte Hunter bei den Anderen nützlicher zu sein. So könne er vielleicht noch etwas in Erfahrung bringen. Sven und Heiko hielten dies für keine schlechte Idee. Doch Jake entschied sich dagegen. Sollte es die anderen gewundert haben ließen sie es sich nicht anmerken. „Jake“, flüsterte Sanne. Er sah sie fragend an, ehe sie erklärte eine Idee zu haben, aber dafür müsste der Rest denken Sven sei noch hier. Außerdem konnte sie sie auch nicht einweihen. Kurz schien es so als würden ihr alle energisch widersprechen. Stattdessen stimmten sie ihr beinahe zeitgleich zu. Also rannte sie zu Anna. Die blinzelte verschlafen. Gemeinsam schlichen sie ins Wohnzimmer. Seth tauchte irgendwann auf, doch Anna schickte ihn einfach wieder ins Bett. Sie hatten einen Plan, einen riskanten, aber der Beste den sie hatten. Am nächsten Morgen im Warteraum kam Twice direkt auf Sanne zu. „Stimmt das?“ Seine Stimme zitterte. Sanne sah ihn fragend an. „Sven ist im Kerker, weil man ihn für einen Verräter hält? Der schuld ist an“, weiter kam er nicht, denn seine Stimme brach. Betroffen stimmte Sanne dieser Anschuldigung zu. Jake hatte den Raum kurz zuvor betreten. „Mein Bruder hätte das niemals getan!“, sagte Twice nun mit fester Stimme. Mitleidig sah Sanna auf ihn als sie erklärte, dass Sven gestern zugegeben hatte der Verräter zu sein. Im kompletten Raum herrschte Überraschung. Das Training verlief dementsprechend. Anschließend hob Jake das Verbot das Schloss zu verlassen auf. Twice fragte nach Sven. Extrem kühl meinte er, dieser sei im Kerker und zumindest noch am Leben. Die Stimmung war beim Frühstück gedrückt. Außer Sanne, die machte einen ungeduldigen Eindruck. „Hast du noch was vor?“, fragte Alec irritiert. Überheblich sah sie ihn an: „Nicht das dich das irgendwas angeht, aber ja. Ich warte nur noch auf“, sie sprach nicht weiter. Perfektes Timing Anna und Hunter, mit verändertem Gesicht, betraten gerade den Raum. Zielstrebig lief Anna an Seth vorbei zu Jared. Dort angekommen sagte sie: „Gehen wir Liebling?“ Jedem im kompletten Raum fiel die Kinnlade runter. Als Hunter zudem noch Sanne an sich zog steigerte sich das Ganze. „Nichts wie weg hier!“, entschied Sanne. Die vier wandten sich Arm in Arm dem Ausgang zu. „Anna, was soll das?“ Seth war auf die Füße gesprungen ebenso wie Jake. „Hallo? Hunter hatte Recht, ihr wart interessant als wir 16 waren, aber doch jetzt nicht mehr!“ „Wir haben es satt immer auf der falschen Seite zu stehen. Hunter war so freundlich uns ein überaus attraktives Angebot von Baltazar zu unterbreiten, das wir gedenken anzunehmen!“, ergänzte Sanne. Jetzt war es Jake der Sanne energisch am Handgelenk packte. „Habt ihr vergessen, dass Torben euch beide bereits töten wollte?“ Ihre Augen verwandelten sich ehe sie seine Hand verbrannte, da musste er sie loslassen. „Nein keineswegs. Deshalb gehen wir ja auch zu Baltazar, nicht zu Torben. Den braucht schließlich niemand!“ Mit diesen Worten verschwanden sie. Anna und Jared blieben auf dem Gelände während sich Sanne und Hunter im Präsidium auf die Lauer legte. Dies war eine Info die ein Verräter in jedem Fall an Torben weitergeben musste und zwar schnell. Nach knapp zwei Stunden kamen Anna und Jared zu ihnen. „Ich glaub ich weiß wer es ist, aber warten wir mal ab. Wenn es so ist könnten wir uns alle Ohrfeigen, weil wir gleich auf den hätten kommen sollen!“, motzte Anna mehr mit sich selbst. Tatsächlich verließ Torben zunächst mit Anhang wenige Minuten später das Präsidium. Nach einigen Metern ging er jedoch alleine eine Straße entlang. „Wenn er sich beamt haben wir ein Problem!“, knurrte Jared gerade als genau das geschah. Anna, Jared und Hunter fluchten, weil sie daran nicht gedacht hatten. Doch Sanne sagte entschlossen: „Alechandro.“ Der tauchte Sekunden später vor ihnen auf. Er schien sichtlich angespannt. „Ich weiß es ist schwer zu verstehen, aber wir versuchen gerade den tatsächlichen Verräter zu finden. Wir müssen Torben hinterher, der ist vor wenigen Augenblicken hier verschwunden!“, gab Sanne entschlossen wieder. Alechandro machte einige Handbewegungen. Er wies sie an ihm die Hand zu reichen. Gemeinsam mit ihnen teleportierte er zur nächsten Stelle, dann zu noch einer und noch einer. Hier verweilten sie deutlich länger ehe sie noch mal verschwanden um schließlich in einem Waldstück zu landen. Nach weiteren Handbewegungen erklärte Alechandro: „Hier müsste er jetzt irgendwo sein. Leider könnte es dauern ihn hier zu finden.“ „Nicht wenn ich suche!“, meinte Jared bevor er sich in einen Vampir verwandelte. Anschließend schien er einem Geruch zu folgen. Nach wenigen Minuten waren sie tief in den Wald hinein gegangen. Bis sie Stimmen hörten und langsam näher schlichen. Da standen die beiden Männer. Torben sagte gerade etwas darüber, wie nützlich es war zu wissen, dass Anna und Sanne zu Baltazar überlaufen wollten. Dazu noch mit Hunter und Jared. Sanne traute ihren Augen nicht, als sie den Mann sah, der sie verriet. Anna hatte Recht. Sie hätte sich am liebsten geohrfeigt. Das Gespräch endete als beide via beamen verschwanden. „Das gibt es doch nicht!“, sagte Alechandro geschockt. Hunters Gesichtszüge zuckten ehe er sich zurück verwandelte. „Keine Sorge, ich weiß längst wer du bist. Schließlich hab ich dich oft genug gefunden! Tut mir leid!“, fügte Alechandro traurig an Hunter gewandt hinzu. Sein Gesicht war jetzt wieder vernarbt. Er sah diesen an bevor er ihm freundlich zunickte. Nach kurzer Besprechung waren sie sich einig. Alechandro würde Heiko zu ihnen aufs Gelände schicken, damit sie dieser ins Schloss schmuggeln konnte. Schließlich wäre alles umsonst, wenn der Verräter sehen würde wie sie wieder zurückgingen. Gesagt getan. Heiko brachte sie alle via beamen in Jakes Wohnzimmer. Dieser tauchte kurz darauf mit Heiko wieder auf. Jake musterte sie alle kühl. „Ich konnte dir den Plan nicht verraten! Du hättest sonst nie so reagiert, wie du musstest, damit es funktioniert!“, begann Sanne sehr vorsichtig. Sie war bis auf einen Schritt auf ihn zugegangen. Er sah ihr tief in die Augen. Sie lächelte ihn liebevoll an. Kurz fiel sein Blick auf die anderen. Er endete bei Hunter. „Hat euer Plan funktioniert?“, fragte er ruhiger. Sofort nickten sie. „Und wer ist es? Einer oder mehrere?“, fragte Heiko angespannt. „Einer! Einer bei dem sich erklärt, warum er nur mit Torben geredet hat!“, begann Anna. Sanne ergänzte: „Weil er Dämonen oder auch Vampire hasst!“ Jetzt blinzelten Jake und Heiko gleichzeitig verwirrt. „Nein, das kann nicht sein. Er hätte nie so viel über uns gewusst. Über die von Danny vielleicht, aber nicht von uns!“, widersprach Heiko irritiert. Jake jedoch wandte sich um. Er schlug mit der Faust gegen die Wand. „Er war früher immer zeitweise mit den anderen aus dem Präsidium im Black Dragon. Er musste nur dasitzen und zuhören! Wieso ist mir das nicht früher eingefallen. Heiko hol Sven.“ Keiner sagte etwas bis Heiko mit Sven zurück war. Sie erklärten ihm alles, auch er schien geschockt. „Holen wir ihn uns! Ruft alle zusammen!“, befahl Jake. Bevor sie jedoch alle in die große Halle traten griff Jake nach Sannes Hand. „Ich werde ihn nicht am Leben lassen! Wenn du das nicht sehen kannst“, er schwieg kurz. Seine Stimme war eiskalt. Sie ging auf ihn zu um ihn vorsichtig zu küssen. „Ich halte mich raus! Versprochen!“ Jetzt lächelte er sie an ehe auch sie die Halle betraten. Hier waren alle Panthera versammelt. Zugleich waren sie äußerst überrascht über Sannes und Annas Anwesenheit. Doch die Kinnlade fiel ihnen förmlich runter als Sven gemeinsam mit Jake nach vorne trat. „Wieso lebt dieser elendige Verräter noch!“, riefen einige. Twice war gerade dabei dies wütend zu beantworten als Jake für Ruhe sorgte. Es war Danny der Jake direkt fragte was hier los war. Schließlich waren die Frauen heute Morgen noch angeblich zu Baltazar übergelaufen. Es wurde wieder laut. „Ruhe!“, knurrte Jake. „Sven ist nicht der Verräter!“ Nachdem Jake dies sagte sahen sich alle verwundert ebenso erschrocken an. Twice hingegen fiel sichtlich ein Stein vom Herzen. „Was den Überlauf zu Baltazar angeht so muss ich wohl die schauspielerischen Fähigkeiten der vier loben! Denn etwas anderes war es nicht, außer Schauspielerei um den tatsächlichen Verräter in eine Falle zu locken!“ Dies führte zu Verwunderung. Besonderes Hunter beäugten sie missmutig, was diesem selbstverständlich nicht entging. Deshalb war er weiter zurück gewichen. Es war Dom der nach einem Ergebnis fragte. Jake blickte in die Runde. Sein Blick endete bei Andree. Die Panthera folgten seinem Blick. Anschließend wichen sie von Andree weg. „Das ist ja lächerlich! Ich bitte dich Jake haben dir diese Kinder dort diesen Floh ins Ohr gesetzt? Oder dieses Monster von dem hier keiner weiß, was er hier eigentlich zu suchen hat? Da versuchen dich ein paar Mädchen um den Finger zu wickeln um“, weiter kam er nicht, denn Jakes Folterfluch traf ihn, da ging er in die Knie. Jake war näher zu ihm gegangen. „Sie haben dich mit Torben gesehen und gehört was du gesagt hast!“, knurrte Jake. Jetzt kam der Einwand von Danny: „Woher hätte Andree diese ganzen Infos über die anderen haben sollen?“ Dies erklärte Jake wie zuvor schon Heiko. Nachdem er geendet hatte schienen sich alle Panthera einig über Andrees Tod zu sein. Dieser murmelte etwas, was jedoch keiner verstand. Man konnte förmlich die Genugtun in ihren Gesichtern sehen, nachdem die nächsten vier Folterflüche Andree trafen. Er lag auf dem Boden. „Du dummer Idiot!“, begann er flüsternd, „glaubst du wirklich ihr habt den Hauch einer Chance! Du bist gleichermaßen dumm wie unnütz. Seitdem du die Panthera führst und diesen Abschaum aufgenommen hast habe ich darauf gewartet. Auf den Tag an dem sie alle bereuen dir die Treue geschworen zu haben und genauso war es. Auch wenn sie es dir nicht gesagt haben!“ Unruhe herrschte bei diesen Worten im Raum. Sie alle waren aufgebracht. Außerdem der Meinung Andree ginge es immer noch viel zu gut. Jake blieb eiskalt, dann wandte er sich um. „Kennst du ihn?“, fragte er Andree beiläufig. Dabei deutete er auf Hunter. „Mit solchen Monstern gebe ich mich nicht ab, also Nein!“, fauchte Andree der sich auf die Knie gekämpft hatte. Jake nickte Hunter zu. Dieser verwandelte für einen Augenblick sein Gesicht. Alle schien dies zu überraschen. Andree jedoch lächelte missbilligend. „Vielleicht wärst du so freundlich uns allen zu zeigen was du so kannst?“, sagte Jake zu Hunter. Der zögerte keine Sekunde kam auf Andree zu, hielt mit einer Handbewegung ein Messer in der Hand und schnitt Andree jeweils am Oberarm. Danach trat er langsam wieder zurück zu Jake. Andree lachte, auch der Rest im Raum schien dies für einen Scherz zu halten, wenn auch einen schlechten. „Willst du, dass er überlebt?“, fragte Hunter Jake im Flüsterton. Der schüttelte entschlossen den Kopf. „Oje, ich habe zwei Schnittwunden wie furchtbar. Traurig, wirklich traurig worauf du dich immer einlässt Jake und das nur weil er der Neue von Sanne ist?“, höhnte Andree. Während der Rest offenbar noch derselben Meinung war trat Hunter einen Schritt von Jake weg auf Andree zu, dann verpasste er ihm einen Folterfluch. Dieser krümmte sich vor Schmerzen auf dem Boden. Als er kurz davor war sich zu entspannen folgte der nächste Fluch, aber diesmal schrie Andree. Alle schienen fassungslos. Panthera waren Schmerzen gewöhnt, hier schrie im Normalfall keiner. Wie groß mussten da Andrees Schmerzen sein. Im nächsten Moment flog die Tür auf. Torbens Panthera geführt von Lea, Otto und Günter betraten den Raum. Innerhalb von Sekunden waren alle kampfbereit. Sie blieben abrupt stehen. „Wir sind hier um Andree mitzunehmen!“, erklärte Lea entschlossen. Hier waren sich die Panthera einig. Um nichts in der Welt würden sie zulassen den Verräter entkommen zu lassen. Dies sagten auch einige. Doch Lea sah nur auf Jake. „Wir sitzen am längeren Hebel, das weißt du! Es gibt nur diese Möglichkeiten ihr sterbt oder arbeitet für Torben. Alles andere ist nicht realistisch. Nun zeig deinen guten Willen und gib mir Andree ohne Widerstand zu leisten mit!“, legte Lea an Jake gewandt nach. Jake schritt gleichermaßen langsam wie auch bedrohlich auf Lea zu, bis Hunter plötzlich vor ihn trat und auf die Knie sank. „Herr, wenn ich so vermessen sein darf, er ist es nicht wert um ihn zu streiten oder gar zu kämpfen. Er wird seine entsprechende Strafe erhalten, darauf habt ihr mein Wort, Herr!“ Die Panthera trauten ihren Ohren nicht, was bildete sich dieser Typ ein sich hier einzumischen. Schließlich war er nicht einmal einer von ihnen. Dennoch waren sich alle sicher, dass Jake Andree nicht ziehen lassen würde. Er lief um Hunter herum, trat nah an Lea heran, dann knurrte er: „Nimm ihn und verschwinde!“ Lea nickte. Sofort stürmten zwei ihrer Männer zu Andree der sich langsam von den Flüchen zu erholen schien. Ehe sie den Raum verließen wandte sich Andree noch einmal um. „Dem habt ihr die Treue geschworen. Dem der sich mal eben von einem dahergelaufenen Monster rein reden lässt, statt von euch seinen langjährigen Kriegern. Pah, ich habe die richtige Entscheidung getroffen, als ich euch und ihn verriet! Jeder von euch sollte sich ernsthaft überlegen meinem Beispiel zu folgen und Torben die Treue zu schwören!“ Jake sah, dass einige überlegten Andree einfach zu töten, ehe er durch diese Tür verschwinden würde also fauchte er: „Keiner bewegt einen Muskel ist das klar?“ Lea lächelte Andree gehässig zu, dann verließen sie den Raum. „Sven, Heiko, geht sicher, dass sie das Gelände verlassen haben!“ Die beiden folgten seiner Aufforderung während er zurück lief. Pure Fassungslosigkeit spiegelte sich in den Gesichtern der Panthera. Sven und Heiko bestätigten das Verlassen des Geländes ehe sie wieder ihre Plätze einnahmen. „Bei allem nötigen Respekt Jake“, begann Danny, „wie konntest du ihn gehen lassen, nach allem was er getan hat? Nur weil dieser Typ meint er wisse es besser? Seit wann hat er hier irgendwas zu sagen?“ Dem stimmten die meisten zu. Jake hatte ihnen den Rücken zugewandt, die Augen geschlossen sowie die Hände zu Fäusten geballt. Der Boden vibrierte sanft als Jake Augen und Hände öffnete. „Ich bin hier niemandem Rechenschaft schuldig!“, knurrte er derartig bedrohlich, dass alle Anwesenden auf die Knie gingen. Auch diejenigen die keine Panthera waren, wie Anna, Jared und Hunter. „Hunter ist kein Panthera und mir in keiner Weise verpflichtet! Er hätte jedes Recht sich gegen meine Entscheidung zu stellen, sofern er in der Lage ist mit den Konsequenzen zu leben!“, erklärte Jake weiterhin bedrohlich. Alle hatten Jake hierbei angesehen. Dieser nickte Hunter nun zu. „Das Messer war vergiftet, ein Schnitt hätte bereits ausgereicht um jegliche Foltermethode um ein zehnfaches zu verstärken. Weshalb meine Folterflüche derart wirksam waren. Durch einen Folterfluch breitet sich das Gift schneller im Körper aus. Es ist nicht behandelbar und führt zu einem langsamen, schmerzhaften Tod. Er wird die nächsten 12 Stunden nicht überleben.“ Jetzt waren alle über Hunters Erklärung überrascht. „Was hätte ein Streit oder Kampf mit denen also gebracht, außer dass wir ihm hier beim Sterben hätten zusehen können!“, erklärte Jake seine Entscheidung. Anschließend ließ er sie aufstehen und sie gingen.
24 Stunden
Twice war binnen Sekunden bei seinem Bruder und schloss ihn in die Arme. Jake hatte den Raum bereits verlassen. Sanne sah ihm nachdenklich hinterher. Gemeinsam mit den anderen im Gemeinschaftsraum angekommen erzählten Anna und sie noch mal detailliert von ihrem Plan, einschließlich der Umsetzung. Sanne entschuldigte sich insbesondere bei Twice für ihre Lüge über Sven. Dieser sah dies nun, wo er die Wahrheit kannte, ganz gelassen. Hunter hielt sich währenddessen alleine im Hintergrund. Auch Heiko und Jared waren wie üblich zurückhaltend. Beim Abendessen war die Stimmung noch immer nicht normal. Sanne fiel jedoch auf, dass es nicht nur Diskussionen über Andrees Verrat, sondern auch über seine letzten Worte gab. Jakes Vertrauen in Hunters oder auch Sannes Urteilsvermögen stieß einigen sauer auf. Auch das Hunter die Folterung übernommen hatte und dabei offenbar effektiver war wie Jake behagte ihnen nicht. Diese abwertende Haltung gegen Hunter war jedoch nicht nur auf Dannys Seite vertreten sondern auch bei den Pantheran, die sie als ihre Freunde bezeichnete. Hunter war nach wenigen Minuten bereits wieder verschwunden. Es war ihm sichtlich schwer gefallen bereits diesen kurzen Zeitraum unter Leuten zu sein, die ihn offensichtlich verabscheuten. Keiner ergriff Partei für Hunter, weder Heiko, noch Jared, Anna, Seth oder Sven. Er hatte Sven zwar gefoltert, aber ihn hinterher gerettet. Er hatte sie alle gerettet. Ohne ihn wären sie vielleicht nie auf einen Verräter in ihren eigenen Reihen gekommen. Noch etwa zehn Minuten hörte sie weiter den schlechten Ausführungen zu. Die über sich selbst mit eingeschlossen. Entschlossen stand sie auf, dann blaffte sie die Jungs an ihrem Tisch an: „Spinnt ihr eigentlich alle? Was wisst ihr denn über Hunter? Das die dort so reagieren hab ich erwartet, aber ihr?“ Sie hatte dabei in die Richtung von Dannys Leuten gezeigt. „Dass es einen Verräter gibt wussten wir von Hunter! Ohne seine Hilfe wäre wer weiß was noch alles passiert! Und nur weil er gut ist in dem was er tut, ist er noch lange kein Monster, sonst könnt ihr euch auch alle so nennen!“, fauchte sie wütend. Anschließend verließ sie den Raum auf der Suche nach Hunter. Der wartete um die Ecke. Er hatte jedes ihrer Worte verstanden. Sie zog ihn mit sich nach draußen, verwandelte sich um dann eine Feuerwelle Richtung Wald strömen zu lassen. Ehe diese den Wald erreichte ließ Sanne diese wieder verschwinden. Ihre Wut war verraucht. Hunter nahm sie in den Arm, dann sagte er sanft: „Es ist nett wie du für mich kämpfst, aber nicht nötig! Ich bin daran gewöhnt!“ Vor Wut waren ihr die Tränen gekommen. Entschlossen blinzelte sie diese weg. Ihr war egal woran er gewöhnt war, dieses Verhalten der anderen war nicht richtig. Egal gegen wen es ging. Gegen ihn oder auch Jake. Dies sagte sie ihm. Er lächelte sie ruhig an. Gemeinsam setzten sie sich an der Schlossmauer anlehnend ins Gras. Keiner von beiden sagte etwas bis ein Räuspern sie aus ihren Gedanken riss. Sven stand neben ihnen. „Jake wünscht dich unverzüglich zu sehen Hunter!“ Dieser stand auf und folgte Sven. Sanne blieb wo sie war. Anna kam wenige Minuten später zu ihr. „Hey“, sagte Anna kleinlaut. „Hey“, gab Sanne kühl zurück. „Ich weiß ich hab mich blöd benommen genauso wie Seth. Es ist nur nicht so einfach. Ich meine du kennst ihn doch nicht wirklich. Ich meine woher wissen wir, ob er wirklich zu den Guten zählt. Die Jungs haben recht, wenn sie meinen er könnte stärker sein als Jake. Davor fürchten sie sich natürlich. Noch jemand der stärker ist. Dazu noch einer vor dem sich offenbar auch Jake fürchtet, da er dich sogar an ihn abtritt!“ Sanne sah sie an wie ein Auto. „Spinnst du? Jake tritt mich an niemanden ab. Das weißt du auch! Hunter ist ein Freund nicht mehr, aber garantiert auch nicht weniger!“, antwortete Sanne schroff. „Sanne du hast ihn seit Jahren nicht gesehen. Auch in der Schule warst du doch nicht ständig mit ihm unterwegs! Du kennst ihn doch gar nicht! Wir alle kennen ihn nicht. In Zeiten wie diesen sollte man niemandem leichtfertig vertrauen!“, legte Anna entschlossen nach. Bei dieser letzten Ausführung waren Heiko und Jared zu ihnen getreten. „Anna hat Recht Sanne! Auch wenn du versuchst in jedem etwas Gutes zu sehen muss das nicht der Wahrheit entsprechen!“, gab Heiko vorsichtig zu bedenken. Sanne sah sie abwechselnd an. „Schön zu wissen, dass nicht einmal meine besten Freunde auf mein Urteil vertrauen!“, sagte Sanne ehe sie davon lief. Dann hielt sie noch mal inne drehte sich zu ihnen um und erklärte mit fester Stimme: „Er ist übrigens mein Wächter!“ Zufrieden stellte sie fest, wie die drei sie entgeistert anstarrten ehe sie davon schritt. In ihrem Zimmer angekommen verkroch sie sich im Schlafzimmer. Hunter kam später zu ihr. Er legte sich neben sie ins Bett. „Wie war es bei Jake?“, fragte sie vorsichtig. „Er hat mir ein paar Verhaltensregeln erklärt, von wegen nicht einmischen und so. Außerdem hat er mir angeboten hier zu bleiben sowie für ihn zu arbeiten“, antwortete Hunter, jedoch eigenartig geknickt. „Du klingst nicht gerade begeistert?“, fragte Sanne weiter. Er zögerte, drehte den Kopf zu ihr und sah sie traurig an. „Ich werde dieses Angebot nicht annehmen. Ich bleibe noch ein, zwei Tage um den Schein zu wahren bevor ich verschwinde!“ Irritiert starrte sie ihn an. „Wie bitte? Wo willst du denn hin?“ „Wieder zurück!“ Augenblicklich setzte sich Sanne auf Energisch schüttelte sie den Kopf. „Du kannst nicht wieder zurück! Die wissen dass du hier warst, dein Vater“, weiter kam sie nicht denn er legte ihr vorsichtig die Hand auf den Mund. „Sei still! Und hör mir zu!“, er nahm die Hand weg, „Sanne, Jake hat mich auch nach meiner Beziehung zu dir gefragt, aber mir kein Wort geglaubt! Er weiß, dass zwischen uns mehr ist, aber keiner von uns beiden kann ihm das erklären. Es würde nicht gut gehen. Er würde mir ständig misstrauen, von den anderen Mal ganz abgesehen. Ihr würdet mich die ganze Zeit verteidigen oder ich mich rechtfertigen. Es ist besser für alle, wenn ich gehe. Ich weiß was ich tue, also mach dir keinen Kopf wegen meinem Vater. Es wird sicherlich die Zeit kommen in der ich nicht mehr dort sein muss, aber diese Zeit ist noch nicht jetzt!“ Ihr liefen die Tränen übers Gesicht, obwohl sie spürte wie Recht er hatte. Sanft wischte er ihr die Tränen vom Gesicht während er sie anlächelte. Sie schmiegte sich an ihn bevor beide einschliefen. Pünktlich zum Training klingelte ihr Wecker. Hunter sollte sich das Training heute ansehen, weswegen Dom gerade auf der Suche nach Hunter anklopfte. Dom war überrascht beide gemeinsam im Schlafzimmer anzutreffen sagte jedoch nichts. Erst beim Frühstück hörte Sanne gerade noch Bruchstücke über eine Wette mit Hunter und ihr. Sie entschied, sich nicht zu den anderen zu setzen sondern schnappte sich etwas Obst und ging zurück in ihr Zimmer. Hunter folgte ihrem Beispiel. Sie machten es sich gemeinsam vorm Fernseher bequem. Anna klopfte wenig später, um sich bei beiden zu entschuldigen. Insbesondere, weil sie Sannes Urteilsvermögen angezweifelt hatte. Sanne winkte ab, schließlich war Anna ihre beste Freundin. Anna fühlte dennoch die Anspannung deshalb verabschiedete sie sich wieder. Sanne hatte jeweils vom Mittag- und Abendessen etwas mitgehen lassen. Den Rest des Tages hatte sie mit Hunter in ihrem Zimmer verbracht. Er war ihr so vertraut, dass sie ihm mehrfach befahl auf sich aufzupassen. Außerdem sollte er sich melden, wenn er sie brauchte. Es war kurz nach zehn, als Jake sie rief. Hunter verzog sich ins Bett. Sie stand mit zitternden Füssen vor Jakes Bürotür. Langsam sowie vorsichtig betrat sie den Raum. Jake hatte ihr den Rücken zugewandt. „Ich hörte Hunter und du hättet euch heute nicht wirklich blicken lassen?“ „Richtig!“, gab sie mit Kloß im Hals zurück. „Dürfte ich den Grund dafür erfahren? Schließlich soll Hunter ab morgen trainieren!“ Bei dieser Frage hatte er sich umgedreht. Durchdringend sah er sie an. Sie räusperte sich um den Kloß in ihrem Hals los zu werden. „Die anderen halten nicht besonders viel von Hunter, weshalb wir es vorzogen ihnen aus dem Weg zu gehen!“ „Und um ihn zu trösten verbringst du gleich mal die Nacht mit ihm?“ Seine Stimme wie auch Mimik war bei dieser Frage eiskalt geworden. Hunter hatte Recht, Jake glaubte weder ihm noch ihr, dass zwischen ihnen nichts lief. „Hast du mich als Pantherain oder als deine Freundin her gerufen?“, fragte sie entschlossen. Seine Augen zuckten kurz, er wägte gerade etwas ab. „In wie fern spielt das eine Rolle?“ „Als Pantherain habe ich mich angemessen zu verhalten, deshalb würde sachlich erklären, dass Hunter mein Freund ist und mich gebraucht hat. Als deine Freundin würde ich dich fragen, ob du noch alle Tassen im Schrank hast, mir etwas Derartiges zu unterstellen. Vor allem weil ich drei Jahre nur an dich gedacht habe, während du sicherlich mit einem Dutzend Tussis im Bett warst. Ergo hätte wenn dann ich einen Grund für derartige Eifersucht. Erstrecht, weil Hunter ebenso wie ich dir mehrfach versichert haben nur Freunde zu sein. Bei Heiko hat dir das auch gereicht!“, endete sie aufgebracht. Jake musterte sie kurz, bevor er auf sie zukam und an sich zog. „Ich liebe dich und will dich nicht verlieren, wie soll ich dir das noch erklären?“, begann er sanft. „Dann hör auf mir ständig zu misstrauen. Glaub mir, wenn ich dir etwas sage. Sonst verlierst du mich irgendwann grundlos, nur weil du mir nicht glaubst!“, knurrte sie. Er ließ den Kopf gegen ihren sinken, dann seufzte er leise. Er zog sie mit sich ins Bett. Dort angekommen sah er sie liebevoll an ehe er mit traurigem Blick sagte: „Sanne, dir darf meinetwegen nichts passieren. Unsere Gefühle sind gefährlich. Jeder der von uns weiß könnte uns auch verraten. Bisher hielt ich dies immer für unwahrscheinlich und war mir hier sicher, dass dir keine Gefahr droht“, er machte eine kurze Pause, es fiel ihm sichtlich schwer. „Wir brauchen einen Plan wie es mit uns weitergeht. Die sicherste Variante wäre sicherlich“, sie fiel ihm ins Wort, „wag es ja nicht!“ Irritiert sah er sie an. „Wag es ja nicht zu behaupten uns nicht mehr zu sehen wäre das Beste, sonst fackle ich dein ganzes Schlafzimmer ab!“, drohte sie energisch. Sanft lächelte er sie an. „Okay, ein Großteil glaubt inzwischen sowieso Hunter hätte mich mal eben abgelöst. Da wäre es vielleicht am einfachsten, wenn wir beide uns nicht öffentlich so wie früher benehmen. Könntest du dir das eher vorstellen?“ Vorsichtig stimmte sie diesem Vorschlag zu. Obwohl sie in Jakes Armen lag schlief sie ziemlich schlecht. Sanft küsste er sie. Er fragte was los war. Sie schüttelte nur den Kopf ehe sie meinte: „Nichts.“ Er wusste es besser sagte jedoch nichts mehr. Nach dem Training verabschiedete sich Sanne in ihrem Zimmer von Hunter, er würde heute irgendwann verschwinden. Sie wiederholte er solle auf sich aufpassen. Dafür warnte er sie noch mal ihre Gefühle für ihre Freunde, aber vor allem für Jake nicht jedem zu zeigen. Beim Frühstück sollte Danny Hunter zum Training mitnehmen. Der stand jedoch nicht einmal auf. „Bist du taub?“, fauchte Danny. Als Hunter darauf nicht reagierte legte Danny nach: „Hey Monster ich rede mit dir!“ Dies war der Startschuss, binnen Sekunden war Hunter aufgesprungen hatte Danny gepackt und legte ihm ein Messer an die Kehle. Das Fleisch darunter qualmte bereits. Während einige Verständnis für seine Reaktion hatten, war der Großteil doch aufgesprungen um Danny zu helfen. „Ein Schritt näher, dann seht ihr ihm langsam beim Sterben zu!“, drohte Hunter. Jake sorgte für Ruhe, trat langsam näher und meinte, er solle Danny los lassen. Doch Hunter lachte. „Wieso sollte ich das tun, weil ich sonst kein Panthera werden kann?“ Jake funkelte ihn drohend an. „Als ob ich das je vorgehabt hätte. Ich wollte nur mal sehen wie euer Training aussieht, wo ihr doch ständig Torbens und Baltazars Leute in die Tasche steckt. Nun kann ich endlich nützliche Informationen weitergeben!“ Dieser Satz saß. Alle schienen geschockt. „Aber du hast uns von dem Verräter erzählt! Du selbst hast Andree getötet! Wir haben dich nicht sehr nett behandelt, das war ein Fehler, aber du bist einer von den Guten!“, erklärte Heiko ruhig. Dem stimmten einige zu. Wieder lachte Hunter nur. Er war wirklich ein guter Schauspieler. Inzwischen war er mit Danny als Schutzschild bis zur Tür zurück gewichen. „Dieser Verräter hat nur für Torben gearbeitet. Wir wussten nie wann er vielleicht eine Info gegen Baltazar verwendet, ergo musste er verschwinden. Die Idee dazu kam ganz plötzlich als ihr dumm genug ward Sanne mit zur Besprechung zu bringen. Der Rest war dann ja ganz einfach!“, höhnte er weiter. Jake hatte die Hände zu Fäusten geballt. Er würde Hunter angreifen, wenn dieser sich jetzt nicht beeilte. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, machte er eine Handbewegung, dann flog die Tür zu. Prompt stürzten die Panthera hinterher. „Ich will ihn lebend!“, fauchte Jake. Einige Minuten später kamen sie mit Danny, aber ohne Hunter zurück. Danny war bewusstlos. Beni war trat zu Danny. Er Versorgte diesen ehe er allen versicherte, er würde es überleben. Jake wandte sich an Sanne. Der Befehl ihm unverzüglich zu folgen war äußerst aufgebracht. In seinem Zimmer angekommen fragte er ohne Umschweife, wie viel sie Hunter erzählt hatte. Insbesondere, wie viel er über sie beide wusste. Sanne wies in darauf hin, dass er selbst Hunter gezeigt hatte wie er für sie empfand. Jake fuhr sich mit den Händen übers Gesicht. „Jake“, begann sie vorsichtig, doch er hatte sich zu ihr umgedreht. Er fauchte: „Du verlässt dieses Schloss nicht mehr. Innerhalb bewegst du dich nur noch mit Sven, Seth oder Heiko! Du gehst nirgends mehr alleine hin!“ Dies war keine Frage es war eine Anordnung. Sie sah ihn erschrocken an. Er hatte die Hände gegen die Wand gelegt. Offenbar versuchte er sich zu beruhigen. Vorsichtig trat sie näher zu ihm. Ihre Hände legte sie auf seine Schultern. Er drehte sich völlig erschöpft zu ihr um. Sie schmiegte sich an ihn, während er sie einfach nur festhielt. Nach einer Weile begann Sanne zögernd: „Jake ich weiß du machst dir Sorgen, aber du übertreibst. Ich kann ganz gut auf mich selbst aufpassen!“ Er legte kurz den Kopf in den Nacken, atmete tief durch, sah sie anschließend an und sagte: „Also gut, du verlässt das Schloss nur noch mit Sven, Seth oder Heiko einverstanden?“ Diesmal nickte sie. Doch er legte nach: „Außerdem müssen wir noch vorsichtiger sein, auch hier!“ Sie wollte nicht mit ihm streiten. Er war dieser Ansicht, selbst wenn sie dem widersprach würde sie eher das Gegenteil bewirken und ihn gar nicht mehr sehen. Er müsse mit den anderen noch einiges besprechen, also ging sie in ihr Zimmer. Es dauerte nicht lange, da war Anna bei ihr. Diese wusste, dass die Sache mit Hunter nicht so eindeutig war wie alle dachten. Sie vertraute inzwischen Sannes Urteil. Schließlich hatte sie bei Neithen sowie Alechandro damals auch Recht gehabt. Ruhig erzählte sie der Freundin alles. Nachdem sie geendet hatte nahm Anna sie in den Arm während sie über Jake motzte. Sorge hin oder her, aber man konnte auch alles übertreiben. Die nächste Woche bekam Sanne Jake nur sporadisch zu sehen. Alle hatten die ersten Tage versucht sie wegen ihrer falschen Einschätzung von Hunter aufzubauen. Kai und Twice hatten Witze gestartet um sie aufzuheitern. Anna sagte zu alledem nichts, ebenso wie sich Heiko und Jared raus hielten. Die beiden gingen Sanne seit der Sache mit Hunter aus dem Weg. Sanne hatte mit Anna darüber geredet, doch die meinte lediglich die beiden würden jedem aus dem Weg gehen. Sanne solle sich nichts dabei denken. Hunter war seit eineinhalb Wochen weg. Als Dom Sanne bat ihm zu folgen. Gemeinsam betraten sie Jakes Büro. Torben hatte sie zu einer Besprechung eingeladen und um Sannes Anwesenheit gebeten. Sven trat entschlossen neben sie. In Gedanken befahl er: „Du weichst nicht von meiner Seite verstanden?“ Sie nickte ruhig. Zielstrebig liefen sie durch das Präsidium bis sie von einigen Feuerdämonen aufgehalten wurden. Es war Ernie der mitteilte, dass sie bereits erwartet wurden. Sie betraten kurz darauf einen großen Raum in dem Torben gemeinsam mit Baltazar sowie ihren üblichen Leuten bereits auf sie warteten. „Jake wie schön, dass du gleich hergekommen bist und unserem Wunsch entsprochen hast Sanne mitzubringen!“, begann Torben mit diesem Wahlkampflächeln. Baltazar hingegen sah Sanne an, grinste nun ebenfalls und sagte in Gedanken: „Hallo Sanne, schön dich zu sehen!“ Sanne wäre beinahe einen Schritt zurück gestolpert so geschockt war sie. „Jetzt wissen wir endlich woher ihr so viel wusstet, obwohl es keiner gesagt hatte. Dieser Fehler wird uns nicht mehr passieren, Cousine!“, endete Baltazar wieder in ihrem Kopf. Augenblicklich teilte sie diesen Gedanken mit Sven. Sie würden zukünftig ihre Gedanken vor ihr verbergen, was ihnen einen Nachteil einbrachte. Jake hatte die beiden abwechselnd angesehen, doch als Baltazar sich abwandte fragte Jake: „Was wollt ihr?“ Ehe jemand antworten konnte klopfte es. Hunter betrat mit seinen Cousins den Raum. Die Panthera zögerten keine Sekunde, sie wollten Hunter angreifen. Es war Jake der energisch befahl ihn in Ruhe zu lassen. Widerwillig folgten sie seinem Befehl. Die drei Takeshis liefen um die Panthera herum, dann traten sie zu Baltazar. Sanne wäre beinahe in Tränen ausgebrochen. Hunters Augen waren blutunterlaufen, die Hände lila gefärbt und im Gesicht hatte er neue Brand- und Schnittwunden. „Du hast uns rufen lassen Baltazar?“, wandte sich Hunter an diesen. Es war jedoch Ashley die herablassend antwortete: „Ihr seid hier, damit ihr gleich die Neuen für euch geltenden Regeln erfahrt!“ „Regeln?“, fragte Hunter argwöhnisch. „Ja Regeln!“, fauchte Ashley. Baltazar mischte sich beschwichtigend ein: „Was meine Schwester zu sagen versucht ist“, weiter kam er nicht. Ashley verkündete: „Beruhig dich Baltazar, er ist nicht Gino sondern wie man an seinem Aussehen erkennen kann nur ein nutzloser Milchbubi!“ Plötzlich ging es sehr schnell. Hunter hatte Ashley ohne Vorwarnung angegriffen. Ein fehlgeleiteter Feuerball flog auf Dom zu, Sanne löste sich von Sven, trat vor die Panthera und hielt alles Feuer wirksam ab. Baltazar und Torben riefen mehrfach durcheinander, sie sollen sofort mit dem Kampf aufhören. Nachdem sich Baltazar an Hunters Cousins wandte um diesen zu befehlen dem Ganzen ein Ende zu machen, zuckten diese lediglich mit den Schultern. Ashley kämpfte bereits mit allem was sie hatte, bei Hunter war sich Sanne da nicht so sicher. Nachdem Hunter Ashley mit einem Messer einen Schnitt in die Handfläche sowie einen im Gesicht verpasst hatte wich er von ihr weg. Ashley gehorchte nun Baltazars Anweisung nicht weiterzukämpfen. Hämisch lächelte sie ihn an, wischte über die Schnittwunden während sie murmelte: „Milchbubi!“ Baltazar hingegen fauchte: „Das wird Konsequenzen für euch haben. Eure Väter werden davon erfahren und dies sicherlich nicht billigen!“ „Das glaube ich kaum!“, begann Hunter sehr ruhig. „Ach und wieso nicht?“, fragte Torben herausfordernd. Hunters Cousins lächelten als er ruhig erwiderte: „Weil ich glaube, dass Baltazar seine Schwester lebend behalten will!“ Jetzt brachen Torben und Baltazar mit entsprechendem Anhang in Gelächter aus. Dieses erstarb im nächsten Moment, denn Hunter bewegte die Finger. Ashley schnappte nach Luft. Baltazar trat zu ihr. Gerade rechtzeitig um sie aufzufangen, denn ihre Beine gaben nach. Panisch sah sie ihn an. In Torbens Gesicht trat ebenfalls Panik. Baltazar funkelte Hunter wütend an. „Hör sofort damit auf!“ „Unter zwei Bedingungen! Erstens, unsere Väter erfahren nichts hiervon. Zweitens, du bringst ihr bei, wie sie sich uns gegenüber zu benehmen hat!“, erklärte Hunter. Er endete mit: „Du solltest dich schnell entscheiden, sie hat noch zirka 30 Sekunden!“ Immer noch wütende sah er Hunter an nickte jedoch. Nach drei Handbewegungen atmete Ashley tief durch, dann hustete sie. Als sie sich wieder auf die Füße gerappelte hatte ergriff Jake das Wort. „Also alleine für diese Show gerade hätte es sich rentiert zu kommen, aber ich denke doch, dies war nicht der Grund warum ihr uns eingeladen habt?“ Ashley funkelte ihn wütend an, während Jake gehässig grinste. Kurz warfen sich Torben und Baltazar irritierte Blicke zu, schienen sich dann jedoch zu erinnern. „Ihr seid hier, weil wir euch ein Angebot machen möchten“, begann Torben, „ich kenne dich zu lange und zu gut, Jake. Du willst nicht eingesperrt leben, dafür liebst du deine Freiheit zu sehr! Außerdem wenn wir ehrlich sind, leisten deine Leute und du hervorragende Arbeit. Dies liegt selbstverständlich auch an dem entsprechenden Training!“ An dieser Stelle nickte er Hunter anerkennend zu. Jakes Blick war eisig geworden ehe er antwortete: „Was bei einer derartigen Zusammenarbeit passiert habe ich beim letzten Mal zu genüge gesehen!“ „Nicht doch. Beim letzten Mal hatten wir eher das Problem, dass du dich von einem deiner Leute hast anstecken lassen. Im Prinzip war doch alles in Ordnung bis du dich von deinem Luftdämon hast überreden lassen dich mit uns wegen einem Mädchen anzulegen. Nun ich denke über diesen kurzen Moment der Schwäche bist du längst hinweg und hast wieder zu deiner ursprünglichen Größe gefunden. Solange du deine Leute im Griff hast und wie üblich unsere Anweisungen befolgst haben wir keinen Grund für Streitereien! Außerdem sind Baltazar und ich uns einig, dass du wieder deine Beratertätigkeit aufnehmen kannst. Somit hättest du ein gewisses Mitspracherecht. Also was sagst du? Nicht mehr eingesperrt leben, keiner von euch!“, erklärte Torben. Als Jake jedoch bestimmt drei Minuten lang nichts sagte legte Torben noch mal nach: „Komm schon Jake, was zögerst du noch? Es wird wie früher, nur haben wir endlich die Macht nach der wir immer gestrebt haben. Ich kenn dich gut genug. Ich weiß, dass du das willst! Also?“ Wieder Stille. „Du vergisst bei deinen netten Ausführungen, dass ich Baltazar und dich auch schon lange und gut kenne. Also was erwartet ihr dafür als Gegenleistung?“ Die beiden warfen sich einen unsicheren Blick zu. Schließlich war es Baltazar der sich räusperte: „Du überlässt uns Sanne für 24 Stunden. Danach bekommst du sie lebend wieder!“ Jake hatte bei dieser Bedingung jeden Muskel angespannt, dennoch sagte er nicht nein. Sein Blick ruhte auf Torben und Baltazar. Zur Überraschung aller im Raum stimmte er dieser Bedingung zu. Daraufhin wandte sich Baltazar an die Takeshis. Er bat um entsprechende Beachtung sowie Weitergabe, dass Jakes Panthera wieder für sie arbeiteten. Die Takeshis nickten, dann verließen sie zuerst den Raum gefolgt von Jake mit den Pantheran. Sven flüsterte in Gedanken noch: „Pass bloß auf dich auf!“ Anschließend befahl Torben sie solle die Hände nach vorn strecken. Ernie war sofort da um ihr die magischen Armreifen anzulegen. „Ich würde sagen wir fangen damit an alte Rechnungen zu begleichen!“, entschied Torben. Kaum hatte er dies gesagt griff Lea sie an. Zunächst hielt sie Sanne mit Angriffszaubern und Folterflüchen auf Abstand. Doch Sanne war mehr gewohnt, deshalb nutzte sie eine Pause um Lea körperlich anzugreifen. Das war Leas Schwachstelle. Sanne war ihr körperlich überlegen, auch die Flüche die Sanne trafen, waren halb so wild. Schließlich war sie an Schmerzen gewöhnt. Lea war inzwischen ebenfalls verletzt, was Torben veranlasste den ungleichen Kampf zu beenden. Es war Ashley die ihr nun gegenüber trat. Kurz sah sie auf ihren Arm, den Sanne ihr vor Jahren verbrannt hatte. Inzwischen war dieser längst geheilt. Gegen Ashley zu kämpfen war etwas völlig anderes. Sie war körperlich trainiert, nicht so vielseitig, aber kräftig sowie magisch sehr stark. Sanne hatte ohne ihre magischen Fähigkeiten gegen sie keine Chance. Dies nutzte Ashley aus. Dennoch stand Sanne immer wieder auf. Egal wie stark die Schmerzen waren. Diese Genugtun würde sie keinem der Anwesenden gönnen. „Wie du willst!“, knurrte Ashley, dann lies sie einen Feuerkegel durchweg auf Sanne zuströmen. Sie fühlte wie ihre Haut verbrannte. Für einen Moment wollte sie einfach nur sterben. Als sie jedoch Ashleys gehässiges Grinsen sah veränderte sich ihre Haltung. Genauso hatte sie gelächelt während sie Anna töten wollte. Sanne schloss kurz die Augen. Da war dieses Gefühl von Feuer in ihr drin, welches sie plötzlich durchströmte. Sie öffnete die Augen. Der Schmerz des Feuers verschwand augenblicklich. Die Kette um ihren Hals leuchtete kurz auf, bevor die Armreifen in Stück sprangen und auf dem Fußboden landeten. Die blauen Flammen zügelten um ihren Körper. Baltazar trat ihr entschlossen entgegen. Der Rest sah sie entgeistert an. „Hör auf damit!“, fauchte er. Sie zögerte kurz, dachte jedoch an den Deal mit Jake und verwandelte sich zurück. Im nächsten Moment betraten sechs Feuerdämonen den Raum. Baltazar wies sie an, Sanne in den Kerker zu bringen. Außerdem sollten ihr neue Armreifen angelegt werden. Im Kerker angekommen wartete sie bis alle Dämonen diesen verlassen hatten, ehe sie sich vor Erschöpfung und Schmerzen auf den Boden legte. Irgendwann musste sie wohl das Bewusstsein verloren haben. Jedenfalls wurde sie von einem furchtbaren Schmerz geweckt. Vor ihr sah sie drei Fuß Paare. Weiter oben die Handbewegung für einen Folterfluch und das Gesicht von Hunter. Er hatte ihr diesen grausamen Folterfluch verpasst. An seiner Seite waren sein Onkel sowie einer seiner Cousins. Abschätzend musterte sein Onkel ihn ehe er meinte, er solle Sanne mitnehmen. Hunter trat mit ausdruckslosem Gesicht zu ihr. Unsanft zog er sie an den Haaren auf die Füße. Doch als diese sie nicht tragen wollten ließ er sie einfach fallen. Sie versuchte sich mit den Händen abzufangen, doch die gaben genauso nach wie ihre Füße, was zu einer Platzwunde am Kopf führte. Diesmal wandte sich Giuseppe an seinen Sohn der Sanne mit magischer Hilfe mit sich nahm. Sie verließen das Präsidium. Kurz Zeit später landeten sie im Haus der Takeshis. Sie brachten sie in ein Zimmer. Das, wie Sanne fand, gar nicht so furchtbar aussah. Prompt wurde sie eines besseren belehrt. Frankie hatte sie auf einen Stuhl schweben lassen, der sich im nächsten Moment in einen Käfig veränderte. Gerade groß genug um sich darin umzudrehen sowie aufzustehen. Danach wandte er sich zum Gehen. „Verrätst du mir was das soll?“, fragte Hunter. Doch als Frankie ihn fragend ansah schritt er an ihm vorbei auf den Käfig zu. Dort angekommen machte er ein paar Handbewegungen. Der Käfig wurde nun so klein, dass Sanne sich nicht mehr bewegen konnte. Außerdem tauchten um ihren Körper herum lauter Nadeln auf. Jetzt konnte sie nicht einmal mehr richtig durchatmen ohne dass sich Nadeln in ihre Haut bohrten, geschweige denn den Kopf anlehnen. In dieser Lage ließen sie sie allein. Wie lange sie hier saß wusste sie nicht. Jeder Zentimeter tat weh. Überall hatten sich die Nadeln in ihre Haut gebohrt. Sie war verzweifelt. Sie konnte sich unmöglich in Hunter derartig getäuscht haben. Kaum war ihr dieser Gedanke gekommen betraten die fünf Takeshis den Raum. Gino musterte sie, sah danach zu seinem Bruder und anschließend zu Hunter. „Einverstanden. Sie gehört dir. Du hast vier Stunden, dann will ich Ergebnisse sehen, ansonsten übernehme ich es selbst!“, sagte er. Alle außer Hunter verließen den Raum. Dieser hatte jedoch den Kopf in Richtung Tür gedreht. Erst nachdem ein leises Knarren zu hören war kam er mit schnellen Schritten auf sie zu. Der Käfig verschwand. Er nahm sie in den Arm und trug sie zum Bett. Sie war nicht in der Lage sich von ihm weg zu bewegen oder etwas zu sagen. Er reichte ihr ein Wasser. Anschließend sah er sich ihre Verletzungen genauer an. Als er sie jedoch berührte zuckte sie panisch von ihm weg. Verständnislos sah er sie aus diesen blutunterlaufenen Augen an. Ihr liefen die Tränen über die Wangen. Sein Blick wurde plötzlich weicher. „Entschuldige! Ich dachte du wüsstest es längst!“ Entschlossen schüttelte sie den Kopf, ließ sich jedoch von ihm in den Arm nehmen. „Es tut mir leid!“, flüsterte er immer wieder sanft. Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ er sie los. „In dieser 24 Stunden Sache geht es darum, dich gefügig zu machen und zwar jemand anderem als Jake! Dieser Deal mit Jake wäre für sie zu gefährlich, wenn du ihm weiterhin hörig wärst. Ergo wollten sie dafür sorgen, dass du im Zweifel auf sie statt auf Jake hörst. Nachdem du dich aber offenbar auch gegen Ashley ziemlich gut geschlagen hast, trotz Armreifen, haben sie meinen Vater um Hilfe gebeten. Ich musste dich so hart behandeln damit er mir diesen Job überlässt. Auch sollen wir in Erfahrung bringen wie du es geschafft hast die Armreifen los zu werden. Jetzt hab ich vier Stunden um dafür zu sorgen, dass du alles tust was ich dir sage!“, erklärte er niedergeschlagen. Wieder wollte er sich ihren Verletzungen widmen, doch Sanne wich wieder von ihm weg. „Wenn du die jetzt behandelst findet dein Vater das bestimmt nicht sehr toll!“, widersprach sie. Resignierend nickte er. Die Tränen kamen wieder zurück als sie ihn weiter ansah. „Hast du solche Schmerzen?“, fragte Hunter aufgebracht. Sie schüttelte nur den Kopf, dann erklärte sie, wie furchtbar er aussah. Sie fragte warum er nicht zurückgekommen war. Er gab ruhig zurück, es sei halb so schlimm. Weiterhin meinte er in diesem Fall sei es doch sehr nützlich hier zu sein. Sonst hätte er sie nicht beschützen können. Die Antwort gefiel ihr nicht, dennoch hatte er Recht. Ohne ihn hätte man wunder was mit ihr hier veranstaltet. Sanft meinte er sie könne versuchen etwas zu schlafen. Dies musste er ihr nicht zweimal sagen. Binnen Minuten war sie eingeschlafen bis er ihr sanft über die Wange streichelte. „Widersprich mir nicht und tu nur das was ich dir sage sonst nichts okay?“ Entschlossen nickte sie. Zu ihrer Überraschung hatte er ihr die Armreifen abgenommen. Sie hörte Stimmen und wollte sich aufsetzen doch er drückte sie sanft ins Bett und murmelte: „Ganz ruhig, bleib liegen ich weiß was ich mache!“ Erst als die Tür aufging stand Hunter vom Bett auf. Frankie trat ans Bett strich ihr übers Gesicht, küsste ihren Hals, schnitt ihr mit einem Messer in die Handinnenfläche und ging danach wieder zurück. Sanne hatte keinen Muskel bewegt. „Hervorragende Arbeit Hunter! Der letzte Denkzettel hat wohl endgültig alles geklärt!“, lobte Gino, „sehen wir, wie sie beim Rest abschneidet!“ Hunter befahl ihr ihnen zu folgen. Sie betraten einen anderen Raum. Eine junge Frau kniete am Boden. Sie sah sie alle panisch an. „Bitte, bitte lasst mich doch gehen! Bitte!“, flehte sie. Sanne verstand nicht was das sollte bis Hunter ihr befahl die Frau zu foltern. „Nein, nicht, bitte, ich“, weiter kam die Frau nicht, denn Sannes Folterfluch traf sie. Während die Frau schrie überlegte Sanne, ob sie gerade das Richtige tat. Wenn sie es nicht getan hätte, hätte Gino sich ihrer angenommen und die Frau hätte ein anderer gefoltert. Hunter wäre es vermutlich auch so ergangen. Damit hätte niemand twas gewonnen. Sie machte also weiter bis Hunter entschied es sei genug. Gino nickte anerkennend. „Also gut sie muss erst in 14 Stunden zurück sein. Solange kannst du dich noch etwas mit ihr Vergnügen!“ Es war Frankie der die Sache mit den Armreifen einwandte. Hunter reagiert prompt und meinte, daran sei Ashley schuld gewesen. Schließlich sei Sanne eine Feuerdämonin. Die entsprechende Hitze von Ashleys Flammen hätten Sannes Hitzeschutz aktiviert und somit die Reifen gesprengt. Klassischer Fall von Selbstüberschätzung bei Ashley. Gino meinte Ashley neige zur Selbstüberschätzung, dann ließ er sie alle gehen. Zurück in dem Zimmer begann Hunter damit sie zu beruhigen. Die Frau wäre tatsächlich so oder so gefoltert worden. Sanne solle sich darüber nicht zu sehr einen Kopf machen, sondern versuchen sich noch etwas auszuruhen. Widerwillig legte sie sich ins Bett und schloss die Augen. Sie schlief erstaunlich gut, obwohl ihr die Frau dennoch Leid tat. Wieder weckte Hunter sie. „Ich hätte nicht gedacht, dass Jake sich auf diesen Deal einlässt“, begann Hunter ruhig, „am besten du erzählst ihm was hier passiert ist, damit er nicht grundlos Panik macht. Auch bei zukünftigen Besprechungen wäre es sicher hilfreich!“ Sie nickte ruhig. Gemeinsam mit Gino und Frankie brachten sie Sanne wieder in diesen Saal. Hier warteten Jake, Sven und Dom bereits. Svens Gedanken fragten wie sie sich fühlte. Dies beantwortete sie kurz mit: „Gut.“ Während Gino gerade erklärte der Aufenthalt der jungen Frau sei einwandfrei verlaufen. Torben und Baltazar nickten zufrieden. Jake verabschiedete sich, dann verließen sie gemeinsam das Präsidium. Jake schickte den Rest davon. Sanne hingegen dirigierte er auf sein Sofa. Er musterte sie, dann rief er nach Beni. Der sah sich die Wunden an. „Die wurden bereits versorgt. Nicht mit neuster Medizin, aber sehr effektiv mit einer Kräutermischung. Sehr gute Arbeit. Wenn du keine starken Schmerzen hast würde ich die Wunden so lassen?“ Die Schmerzen verneinte Sanne. Also ging Beni nach Jakes Erlaubnis wieder. Dieser war sichtlich angespannt. Ruhig entschuldigte er sich dafür sie denen überlassen zu haben, er sei ein Idiot gewesen. Er wollte dann wissen was passiert war. Prompt begann sie alles zu erzählen. Er war inzwischen aufgestanden sowie unruhig umhergegangen. Nachdem Sanne geendet hatte sah er sie eiskalt an. „Hat Hunter dir gesagt du sollst mir diese Geschichte erzählen?“ Vorsichtig nickte Sanne, sie verstand seine Haltung nicht. „Gut du kannst gehen!“, sagte er eiskalt. Noch einen Moment dauerte es ehe Sanne es verstand. Er glaubte ihr nicht. Er hielt dies alles für einen Trick. „Jake ich“, begann sie doch weiter kam sie nicht. „Spar dir jeglichen Erklärungsversuch. Es war dumm von mir dich ihnen zu überlassen, aber nun ist es so wie es ist. Lass dir gesagt sein, du bist nach wie vor eine Pantherain. Also hast du das zu tun was ich dir sage!“ Fassungslos sah sie ihn an, da war kein Gefühl mehr außer misstrauen oder Abscheu ihr gegenüber. Sie traute weder ihren Ohren noch ihren Augen. Erneut wies er sie an zu gehen. Diesmal kam sie dem nach.
Der Widerstand
Sie warf sich heulend ins Bett. Anna kam Minuten später. Sie blieb den ganzen Tag. Auch sie konnte es nicht fassen, wie Jake ihr misstrauen konnte. Am nächsten Tag ging Sanne zum Training und zum Essen. Anna kam nach dem Frühstück mit zu ihr. Bevor Anna irgendwas sagen konnte fragte Sanne nach Neithen. Sie hatte ihn in letzter Zeit nicht mehr gesehen. Allgemein hatte sie keine Frauen oder Kinder mehr gesehen. Anna erklärte ruhig Neithen sei bei ihren Eltern. Diese haben sie sicher untergebracht. Die meisten hatten dies so gemacht. Einige der Frauen hatten auch ihr normales Leben wieder aufgenommen. „Es ist besser so, wenn ich mir nicht ständig Sorgen um Neithen machen muss. Ich meine er hält es für einen tollen Ausflug mit Oma und Opa und ich bin beruhigter.“ „Hast du eine Ahnung, was nun geplant ist, wo die Panthera wieder offiziell für Torben und Baltazar arbeiten?“ „Nein keinen Schimmer. Auch wird es uns keiner sagen!“ Sanne sah Anna fragend an. „Jake hat ein Verbot ausgesprochen. Niemand darf dir oder mir irgendwelche wichtigen Infos weitergeben, weil ich sie ja sicherlich an dich verraten würde. Zumindest damit hat er Recht!“, fauchte Anna. Es war halb zwölf. Anna war nach dem Abendessen bei Seth geblieben. Sanne lag wach. Nach einem leisen Klopfen betrat Heiko den Raum. „Wenn du es mir nicht sagen kannst versteh ich das, aber ich muss trotzdem fragen. Kannst du mir sagen, warum ich dich in Jakes Auftrag rund um die Uhr bewachen soll?“ Zur Antwort liefen ihr die Tränen übers Gesicht. Heiko nahm sie tröstend im Arm, während sie ihm alles erzählte. Heiko konnte Annas Meinung Jake würde nun spinnen nur zustimmen. Er versuchte sie aufzubauen in dem
er meinte, es würde sich alles wieder einrenken. Danach ließ er sie alleine. Für Sanne war dies jedoch der Punkt an dem sie entschied hier nicht bleiben zu können. So konnte und wollte sie nicht leben. Sie verstand, warum Hunter gegangen war, dieses Misstrauen war schlimm. Sie beredete mit Anna ihren Plan abzuhauen. Die gab jedoch zu bedenken, dass Heiko leider sehr gut war. Am nächsten Abend unternahm Sanne einen Spaziergang auf dem Gelände. Anna hatte Recht, Heiko war ständig in ihrer Nähe. Am Freitagnachmittag kam Anna mit dem entsprechenden Fluchtplan. Sie würden am Abend ins 410 gehen, hier würde sich sicherlich was ergeben. Seth hätte sie bereits über Sannes Ausgang informiert. Zu ihrer Überraschung wurde sie am Abend jedoch nicht nur von Seth sondern auch von Sven, Heiko und Jared begleitet. Anna hatte hierüber nur den Kopf geschüttelt. Im Club angekommen wollte Anna mit Sanne auf die Tanzfläche, was ihr einen bösen Blick von Seth einbrachte. „Das ist jetzt nicht dein Ernst? Rumsitzen können wir auch daheim! Nur weil er ein Rad ab hat müsst ihr es ja nicht übertreiben!“ „Lass uns kurz hallo sagen gehen ehe wir weitersehen!“, entschied Seth. Oben auf dem Balkon angekommen freuten sich alle die beiden Frauen hier mal wieder zu sehen. Auch sonst herrschte bereits super Stimmung. Bis Sanne spürte wie jemand sie am Handgelenk gepackt von den anderen wegzog, Jake. Kühl sah er sie an: „Was soll das? Was machst du hier?“ Das konnte sie auch. Sie sah kühl zurück. „Soweit ich mich erinnere hast du lediglich angeordnet, ich dürfte das Schloss nur mit Begleitschutz verlassen. Daran halte ich mich. Auch wenn dieser Schutz inzwischen gegen statt für mich ist!“ Er war kurz über ihre kühle Haltung überrascht, fing sich jedoch wieder. Er drohte: „Ich würde dir raten nicht auf dumme Ideen zu kommen. Sollte Hunter auch nur einen Fuß hier rein setzen“, diesmal kam er nicht weiter. Bei der letzten Drohung hatte sie sich umgedreht, war zu Anna gegangen und hatte diese mit auf die Tanzfläche gezogen. Bei dieser Drohung hatte sie die Tränen keine Sekunde länger mehr zurück halten können. Tanzen konnten sie eigentlich vergessen. Sanne war nicht danach. Anna zog sie in einen Korridor, wohin ihnen die vier Beschützer folgten. Da wollte Anna von Sanne wissen was los war. Tieftraurig erzählte sie ihr was Jake eben gesagt hatte. Ihr war egal, ob die anderen es hörten. Kurz zögerte Anna noch, dann schritt sie mit Sanne zur Bar. Dort orderte sie einen Tequila nach dem anderen. Sie tranken solange weiter bis Sanne meinte der Raum würde schwanken. Ihr Blick fiel auf Anna die lächelte sie viel sagend an. Okay sie hatten beide einen im Tee, doch wirklich besser fühlte sie sich nicht. Anna stand plötzlich auf. Sie wäre prompt umgefallen hätte Seth sie nicht aufgefangen. „Du bist übrigens genauso eine mieses Schwein wie Jake!“, lallte Anna los, „ihr alle seid kein Stück besser als er!“ „Anna du hast eindeutig zu viel getrunken!“, erklärte Seth streng. „Jep hab ich, aber trotzdem sag ich die Wahrheit. Hör auf Panik zu machen er hört mich ja gerade nicht!“ Sie lehnte kurz den Kopf an Seth Brust an ehe sie weiter redete: „Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, ihr seid genauso blöd wie er. Wieso schafft es keiner von euch ihm zu sagen, dass er sich dämlich verhält und Sanne so etwas niemals tun würde. Okay ihr seid ihm alle zur Treue verpflichtet, aber hallo? Ihr schimpft euch auch seine Freunde. Also solltet ihr ihm sagen was für ein Depp er ist! Oder noch besser ich mach das!“ Sie löste sich von Seth, dann stolperte sie in die Richtung der Treppe. Sanne war zu ihr geeilt. Kurz hatte sie gefährlich geschwankt, jedoch ihr Gleichgewicht wieder gefunden. Seth hatte Anna schon aufgehalten. Diese brach in Tränen aus. Sie entschuldigte sich bei Sanne dafür ihr nicht helfen zu können. Die lächelte einfach nur ruhig zurück. „Ich bring sie wohl besser nach Hause!“, entschied Seth. Der Rest stimmte zu und meinte sie würden schon klar kommen. Ob es am Alkohol oder an Annas Euphorie lag wusste Sanne nicht, da traf sie eine Entscheidung. Zielstrebig ging sie auf die Treppe zu. Sven griff vorsichtig nach ihrem Handgelenk. Er fragte was sie vorhabe. Jared ergänzte, auch sie habe offenbar zu viel getrunken. Sanne löste sich von Sven. Entschlossen ging sie die Treppe nach oben. Hätte sie gewusst, was sie dort erwartete, wäre sie mit Anna zurückgegangen. So stand sie nun am Ende der Treppe und sah Jake. Jake mit einer wunderschönen Frau im Arm, die ihn verführerisch anlächelte und er dies erwiderte. Kein bisschen kalt. Die Frau hatte eine Porzellanhaut, schwarze Haare so lang, dass sie ihr über den ganzen Rücken fielen und war perfekt gebaut kein Gramm zu viel, aber auch nicht zu dünn. Wie Schneewittchen sah sie aus. Jake war ihr Prinz, der nur auf sie gewartet hatte. Als sie sich noch enger an ihn schmiegte und seinen Hals küsste breitete sich ein Schmerz in Sanne aus, der schlimmer war als alles was sie je zuvor erduldet hatte. Auf dem Absatz machte sie kehrt. Sie rannte durch den Club nach draußen. Dort angekommen rannte sie weiter bis ihr die Luft ausging. Jared war ihr gefolgt. Er flüsterte ihren Namen. Da war der Gedanke, warum sie überhaupt mit Anna ins 410 gegangen war, dies war ihre Gelegenheit. Entschuldigend sah sie Jared an, der brauchte einen Moment zu lange, dann wurde er von ihrem Angriffszauber von den Füßen gerissen. Danach teleportierte sie sich quer durch alle Orte die sie kannte. Alechandro könnte ihrer Spur irgendwann nicht mehr folgen. Erst nachdem sie alle Orte mehrfach durch hatte teleportierte sie sich zu Annas ehemaligem Zuhause. Ihre Eltern waren gemeinsam mit Neithen sicher untergebracht, also stand das Haus leer. In Annas Zimmer schnappte sie sich ein paar alte Sachen. Sie packte alles ein was sie für nötig hielt. Aus dem Schrank ihres Dad schnappte sie sich einen weiten Kapuzen-Pulli um ihr Gesicht zu verdecken. Zögernd sah sie auf die Uhr es war kurz nach vier. Sie würde hier bleiben bis das Training anfing und sich dann auf den Weg machen, auch wenn sie keine Ahnung hatte wohin. Hier konnte sie nicht bleiben. Früher oder später würden sie auch hier nach ihr suchen. Um kurz nach fünf lief sie los, raus aus der Stadt. Es war schon hell als neben ihr ein Auto hielt. Freundlich wurde sie gefragt, ob sie Sanne mitnehmen sollen. Das Angebot konnte sie nicht ausschlagen. Im Auto war ein junges Pärchen etwa in ihrem Alter. Auf die Rückfrage wo Sanne hinwollte meinte diese nur weg von hier. Die beiden tauschten kurz einige Blicke ehe die Frau anfing zu erklären, auf dem Weg zu ihren Eltern zu sein, die lebten weit im Norden. Um sicher zu gehen nicht von Baltazars Kopfgeldjägern gefunden zu werden reisten sie zunächst mit dem Auto. Erst später würden sie sich beamen. Es waren gefährliche Zeiten. Erstrecht, wenn man so nah bei der Regierung lebte. Deshalb hielten sie es für sicherer zu verschwinden. Sanne sagte nichts. Sie fuhren den ganzen Tag, abgesehen von ein paar Pausen. Sanne konnte ein Gähnen nicht unterdrücken, als sie auf einen Waldparkplatz fuhren. „So wir sind da. Vor hier aus beamen wir! Alles Gute für dich!“ „Danke gleichfalls und vielen Dank fürs mitnehmen!“ Die beiden nickten ihr freundlich zu ehe sie verschwanden. Die Nacht war sternenklar. Sie hätte noch mal fragen sollen wie spät es eigentlich war, wobei es eigentlich auch keine Rolle spielte. Sie war irgendwo in der Pampa. Ziellos stapfte sie zuerst am Waldrand entlang. Nachdem sie jedoch feststellte, dass sich dieser Wald noch eine Weile hinzog entschied sie einfach durch zu gehen. Irgendwann setzte sie sich müde an einen Baum anlehnend auf den Boden. Sie durchwühlte den Rucksack nach Wasser sowie einem Müsliriegel. Nicht unbedingt die beste Verpflegung, aber besser als nichts. Um sie herum schwebte ihr Feuerball der für Licht und vor allem Wärme sorgte. Für einen kurzen Augenblick tauchte Jake in seinem Büro vor ihren Augen auf. Er rief sie, doch sie ignorierte es entschlossen. Beim Aufwachen wusste sie nicht wie spät es war. Dennoch lief sie weiter durch den Wald. Drei Tage lang. An den ersten beiden Tagen hatte Jake sie mehrfach gerufen. Sie hatte dies entschieden ignoriert. Am vierten Tag waren alle eingepackten Vorräte zur Neige gegangen. Außerdem hatte sie keine Ahnung mehr, wo in diesem Wald sie eigentlich war. Plötzlich nahm sie ein leises plätschern wahr. Zielstrebig lief sie in diese Richtung. Tatsächlich kam sie an einen kleinen Bachlauf. Hastig trank sie daraus. Ebenso füllte sie ihre Wasserflaschen auf. Eine Weile blieb sie dort sitzen um in Ruhe nachzudenken. Es war dumm gewesen einfach abzuhauen. Hier war sie genauso nutzlos, irgendwo im Wald verschollen. Ihre Gedanken überschlugen sich. Sie hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte, sie war ganz allein und ihre Freunde fehlten ihr. Jake fehlte ihr. Ein Stich in ihrem Herzen erinnerte sie an Schneewittchen. Deshalb war sie gegangen, das war mehr als sie ertragen konnte. Entschlossen stand sie auf und lief weiter, auch wenn sie nicht wusste wohin. Wieder setzte sie sich an einen Baum als es dunkel wurde. Der Feuerball tauchte vor ihr auf. Eigenartigerweise wurde sie das Gefühl nicht los, man würde sie beobachten. Die Kapuze hatte sie wie üblich weit ins Gesicht gezogen. Niemand würde sehen, ob sie schlief oder nicht, also wartete sie. Nach einer Weile war sie sich ganz sicher, sich alles eingebildet zu haben, da hörte sie plötzlich Stimmen. „Ein Feuerdämon.“ „Die sind nie alleine!“ „Ja aber was wollen die hier und wo sind die anderen?“ Sie flüsterten aufgebracht. Sanne atmete tief durch, dann lies sie den Ball größer werden um mehr zu sehen. Da waren Schatten von Menschen. „Verdammt!“, knurrte einer ehe er sich wieder hinter einen Baum duckte. Sanne hingegen blieb dort wo sie war. „Nein, Bo, was machst du denn?“, hörte Sanne jemand sagen während ein junger Mann mit dunkelbraunen Locken, die ihm wirr ins Gesicht hingen, vor sie trat. Er hatte jeden Muskel angespannt. Abschätzend musterte er sie mit grünen Augen. „Wo ist der Rest von euch?“, fragte er ohne Umschweife. „Ich bin allein!“ Diese Antwort schien ihn auf mehrere weisen zu verblüffen. „Du bist eine Frau!“ Sanne nickte lediglich während er überrascht schien. „Was tust du hier?“ „Ich verstecke mich.“ „Vor wem?“ „Torben, Baltazar und Jake“, bei seinem Namen kämpfte sie damit nicht wieder diese Gedanken aufkommen zu lassen. Zögernd kam er ein paar Schritte näher. Mit einer Handbewegung wurde der Feuerball kleiner und schwebte von ihm weg näher zu ihr. Sie hatte nichts zu verlieren, also schob sie die Kapuze zurück. Ruhig sah sie dem ihr Gegenüber an. Der riss auf einmal die Augen auf und strahlte. „Leute kommt schnell her! Das glaubt ihr mir nicht! Los macht schon!“ Widerwillig traten noch sechs weitere Männer zu ihnen. Die Reaktion von allen war jedoch dieselbe. Alle strahlten sie an. Sanne verstand die Welt nicht mehr. „Sanne!“, flüsterte einer von ihnen ehrfürchtig. Das gab es doch nicht. Verständnislos sah sie die Männer an. „Los komm wir nehmen dich mit. Die anderen werden Augen machen, wenn sie dich sehen.“ Immer noch irritiert begleitete sie die Männer weiter durch den Wald. Abrupt blieb sie stehen. Hier mitten im Wald auf einer Lichtung standen kleine Blockhütten dicht beieinander. Überall brannte ein spärliches Feuer. Beinahe wie ein Dorf nur viel kleiner. Sofort riefen einige durcheinander, Türen flogen auf und weitere Männer sowie Frauen traten heraus. „Bo, geht’s euch gut?“, fragte eine junge Frau mit schulterlangen dunkelbraunen Haaren. Der Mann der als erstes mit ihr gesprochen hatte nickte entschlossen. Er verkündete für alle eine Überraschung zu haben. Die Männer die eben noch vor ihr gestanden hatten wichen zurück. Die Menschen strahlten sie an, schlugen sich die Hände auf den Mund und schüttelten fassungslos die Köpfe. Elf Männer sowie sieben Frauen, alle nicht viel älter als sie. Ein paar vielleicht noch jünger, sofern sie das schätzen konnte. Die Frau an Bos Seite jedoch stürzte auf Sanne zu. Ohne Zögern nahm sie sie in den Arm. Tränen rannen ihr übers Gesicht als sie immer wieder „Danke“ wisperte. Langsam löste sie sich von ihr. Dankbar strahlte sie Sanne an. Diese verstand die Welt nicht mehr. Man schien ihr die Verwirrung anzusehen, denn Bo meinte sie solle es sich erstmal am Feuer bequem machen. Kaum saßen sie alle am Lagerfeuer brachte die Frau ihr belegte Brote ebenso Wasser. Sofort wurde wild durcheinander geredet wo sie Sanne denn gefunden hatten. Doch kaum das Sanne den letzten Bissen runter geschluckt hatte wandte sich ein junger Mann an sie. Es herrschte Ruhe. „Sag mal du bist doch eine Feuerdämonin oder?“ Sanne nickte, da fuhr er fort: „Wir haben nur nasses Holz gefunden das brennt nicht so wirklich gut wie man sieht. Würde es dir was ausmachen etwas nachzuhelfen?“ Sanne lächelte während der Junge einige böse Blicke erntete, dies jedoch gezielt ignorierte. Binnen Sekunden brannten alle Feuer lichterloh. Alle entspannten sich etwas als es wärmer wurde. Der Junge meinte: „Seht ihr für jemand wie sie ganz einfach!“ Diesmal lachten alle. „Ich will ja nicht undankbar erscheinen, aber normalerweise reagieren die Menschen nicht so vertrauensselig auf eine Pantherain?“ Bo sah die junge Frau an: „Na los Sam.“ Die Frau zögerte kurz ehe sie begann: „Du erinnerst dich nicht an uns oder?“ Jetzt ließ Sanne den Blick noch mal durch die Runde schweifen, dann verneinte sie die Frage. Hierfür entschuldigte sie sich. Energisch schüttelte Sam den Kopf. „Du hattest da auch andere Sorgen. Wir alle sind dir und natürlich den Pantheran so dankbar“, sie blinzelte als ihr weiter Freudentränen über die Wange liefen. „Wir alle saßen im Gefängnis. Ihr habt uns raus geholt. Ihr habt nicht nur eure Leute befreit sondern auch uns!“ Sanne sah sich erneut um. Sie alle sahen erschöpft und angeschlagen aus, aber ihre Augen glänzten förmlich vor Lebenskraft. „Wir sind nicht alle. Diejenigen die hier sind haben sich entschieden gemeinsam zu kämpfen. Wir versuchen bei Angriffen zu helfen, verstecken Leute oder warnen wenn wir von Kontrollen hören“, erklärte Bo weiter. Auf ihre Rückfrage, ob alle wüssten wie gefährlich das war meinte Bo sie alle hätten sich so entschieden. Sie würden niemand hier aufnehmen der nicht bereit war dieses Risiko auf sich zu nehmen. Es war Sam die alle ins Bett schickte. Sanne nahm sie mit sich. Es gab ein großes gemeinsames Schlafzimmer mit Schlafsäcken. „Ich kann auch wo anders schlafen, ich möchte dich und Bo nicht stören!“, sagte Sanne vorsichtig. Sam lachte ruhig ehe sie erklärte Bo sei ihr Bruder. Danach kuschelten sie sich in die Schlafsäcke. Sanne schlief schnell ein, jedoch ziemlich schlecht. Ständig war sie wach. Nach dem gefühlten millionsten Albtraum in dem ihren Freunden etwas passierte verließ Sanne die kleine Hütte. Kurz zögerte sie noch ehe sie wieder in Richtung Wald ging. „Verlässt du uns schon wieder?“ Sanne drehte sich ruckartig um. Der Junge von vorhin sah sie ruhig an. „Wenn ich hier bleibe bringe ich euch alle in Gefahr. Noch mehr als ihr sowieso schon seit!“ Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ist das dein Ernst? Wir kämpfen so oder so gegen die Regierung. Du wärst lediglich mal eine hervorragende Kämpferin an unserer Seite, also eine Bereicherung keine Gefahr! Es wäre anders, wenn wir uns hier nur verstecken würden, aber ich will dir nicht rein reden.“ Er wandte sich zum Gehen. „Warte, wie heißt du eigentlich?“ „Nino“, erwiderte er bevor er um die nächste Ecke bog. Sanne sah abwechselnd zwischen den Hütten und dem Wald hin und her. Die Entscheidung fiel binnen Sekunden. Zurück in der Hütte kuschelte sie sich wieder in den Schlafsack. Irgendwann war sie wieder eingeschlafen. Sam weckte sie vorsichtig zum Frühstück. Ein großer Müslitopf stand auf dem großen Platz an dem noch immer das Feuer brannte. „Kein fünf Sterne Essen, aber immerhin“, erklärte Nino mit vollem Mund. Irgendwie erinnerte er sie an Kai. Er witzelte die ganze Zeit mit den anderen rum, auch optisch sah er Kai ähnlich. Scheinbar hatte er niemandem von ihrem nächtlichen Fluchtversuch erzählt, wofür sie ihm dankbar war. Sie würden sich später aufteilen. Einige würden sich etwas umsehen, während der Rest Vorräte besorgen musste. Dies war inzwischen eine komplizierte Sache, denn die kleineren Dörfer wurden nicht mehr beliefert. Sanne bot an die Gruppe mit den Vorräten zu begleiten. Gesagt getan. Tatsächlich wurden sie mehrfach gefragt, woher sie waren, für wen sie so viel einkauften und ob sie für oder gegen die Regierung waren. Die anderen hatten Routine. Erst als einige Feuerdämonen ihnen draußen begegneten und manche der Frauen hübsch fanden spitzte sich die Situation zu. Die Frauen wichen einige Schritte zurück, ehe sie sich bereit zum Kämpfen machten. Sanne zog Sam näher zu sich, dann murmelte sie: „Geh hin und mach ihnen ein paar Komplimente! Los!“ Sam zögerte kurz, gab dann die Kampfhaltung auf, lächelte die Dämonen an und schritt auf sie zu. „Sam spinnst du komm zurück“, flüsterte eine der anderen. „Hey lauter hübsche Männer hier, wenn ich das gewusst hätte wäre ich schon früher her gekommen!“, begann Sam keinen Schritt mehr von den Feuerdämonen entfernt. Die veränderten auch ihre Haltung. Es wurde geflirtet was das Zeug hielt. Sanne sah wie Sams Fingerspitzen zitterten als einer der Dämonen ihr übers Gesicht streichelte. „Ruft sie, sagt ihr müsst doch das Essen fertig machen!“, befahl Sanne. Nach dieser Äußerung wollte Sam sich verabschieden wurde jedoch festgehalten. „Nicht doch Kleines, glaubst du wirklich wir lassen dich jetzt einfach gehen?“ Sam zitterte, dann ließ der Dämon sie schlagartig los. Er starrte auf seine Hände. „Verdammt, hättest ja auch sagen können, dass du eine von uns bist!“, murrte dieser. Gemeinsam mit den anderen wandte er sich um. Sam stolperte zu den anderen zurück. Bei Sanne bedankte sie sich für die Hilfe. Diese winkte nur ab. Sanne blieb bei Sam um dieser zu helfen die Vorräte aufzuteilen. Erst gegen Abend kam der Rest zurück. Einige von ihnen mit diversen Verletzungen. Diese wurden notdürftig versorgt. Sie hatten keinen Heiler deshalb mussten sie mit dem Wissen das sie hatten klar kommen. Beim Essen erklärten die anderen von Angriffen auf einige Dörfer, man sei auf der Suche nach jemandem. Keiner wusste jedoch wen die suchten, dennoch nahmen sie immer wieder, offenbar ohne Grund, diverse Frauen oder Mädchen mit. Die Männer wurden im Zweifel getötet. Sam erzählte anschließend von dem Treffen mit den Feuerdämonen. „Das hätte auch anders ausgehen können!“ Dem stimmten einige zu. „Es wird immer schlimmer statt besser.“ „Ja in der Zeitung stehen auch wieder die üblichen Drohungen bei Zuwiderhandlung, auch wie erfolgreich die sind seitdem Jake wieder mitmischt.“ Daraufhin herrschte schweigen. Sanne atmete tief durch. Dies klang nicht so als würde Jake an einem Plan gegen Torben oder Baltazar arbeiten. Ob Torben Recht hatte. Ob sie sich in Jake täuschte, dass er nun wirklich das hatte, was er immer wollte. Selbst Heiko hatte ihr dies eigentlich gesagt. Die einzige Sache die ihn von der Macht Sache und der Arbeit mit Torben abgebracht hatte war sie gewesen. Nun da sie in seinen Augen zu Hunter gehörte hatte er seine Meinung offenbar geändert. Diese Nacht war schlimmer wie die vorherige. Sanne schlich noch als es dunkel war zum Lagerfeuer. „Kannst du nicht schlafen?“, fragte Nino vorsichtig. „Schläfst du eigentlich auch mal?“, fragte sie zurück. Jetzt lächelte er, dann meinte er sie würden sich mit der Wache abwechseln, weswegen er immer mal nachts wach war. „Wie alt bist du?“ Die Frage schien in zu überraschen. „16“, antwortete er dennoch. Sanne nickte ruhig, denn jetzt erinnerte er sie nicht mehr an Kai sondern an Neithen. Schweigend saßen sie beieinander mit Blick ins Lagerfeuer. Allmählich stand der Rest auf und gesellte sich zu ihnen. Heute begleitete Sanne die Jungs auf ihrem Rundgang durch einige Dörfer. Dies lief heute vollkommen ruhig ab. So vergingen auch die nächsten Tage. Sanne war schon fast zwei Wochen hier. Bei einem Rundgang trafen sie auf einige Feuerdämonen. Diese hatten gerade einem Mann die Hand verbrannt. Keiner half ihm, alle standen regungslos da. „Die meisten haben zu viel Angst sich einzumischen!“, flüsterte Bo während sie weiter aus ihrem Versteck die Szenerie beobachteten. „Wer will der nächste sein? Oder noch besser wer möchte uns begleiten?“, lachte einer der Feuerdämonen. Der Rest stimmte mit ein. Sie teilten sich auf um sich umzusehen. Offenbar hatten sie alle Bewohner hier her getrieben. „Die hier dürfte Baltazar doch gefallen oder eher den Takeshis?“ Panisch versuchte sich die junge Frau von ihm zu lösen doch ohne Erfolg. Bo drehte den Kopf zu den anderen, dann nickte er ihnen entschlossen zu. Dies war das Zeichen zum Angriff, ohne Vorwarnung stürmte sie auf die Dämonen zu. Sie waren gut doch kein Vergleich mit den Pantheran, stellte Sanne fest. Bo wie auch die anderen riefen den Bewohnern zu von hier zu verschwinden und sich irgendwo zu verstecken. Sie hatten nicht vor, die Dämonen in die Flucht zu schlagen, sondern lediglich den Bewohnern Zeit zum Verschwinden zu verschaffen. Doch mit Sanne an ihrer Seite veränderte sich alles. Diese Handvoll Dämonen konnten ihr nicht das Wasser reichen. Ihr Feuer war heiß genug um selbst Feuerdämonen zu verbrennen. Nach etwa 30 Minuten flohen die Dämonen. Bo sah Sanne irritiert an. Die Menschen aus dem Dorf waren dennoch geflohen. Beim gemeinsamen Abendessen herrschte schweigen. Es war Sam die entschlossen fragte was denn passiert sei. Zögernd gab Bo wieder was passiert war. Vor allem wie leicht Sanne die Dämonen in die Flucht geschlagen hatte. „Du bist wirklich verdammt stark oder?“, fragte Nino, der sehr viel entspannter damit umzugehen schien als der Rest. „Das haben Panthera so an sich! Alles eine Frage des Trainings!“ „Pah Training ja klar!“, höhnte ein anderer Mann. Dies überraschte Sanne. „Ja Training! Panthera werden nicht so geboren!“ Nino verschluckte sich gerade. Er hustete während der Rest Sanne fragend ansah. Nachdem Nino sich gefangen hatte sah er Sanne an. „Wie meinst du das Training? Du meinst Jake übt täglich, wie werde ich zum größten Arsch der Welt oder wie?“ Nino war hier definitiv der Clown, auch wenn dies nicht allen zu gefallen schien, mussten doch die meisten lachen, einschließlich Sanne. „Ja genau! Nee mal im Ernst. Panthera sind so gut, weil sie täglich trainieren.“ „Wie, ich dachte immer da geht einer rum schaut wer sportlich und magisch gut ist, fragt ob er Befehle befolgen kann und ob man sich vorstellen kann hin und wieder jemanden zu töten und schwupp die wupp ist man Panthera!“, legte Nino breit lächelnd nach. Zu Sannes Überraschung hatte er dies zwar überspitzt, aber die meisten waren der Meinung dies käme der Realität nahe. „Okay so läuft das überhaupt nicht ab!“ „Wie dann?“ „Im Prinzip könnte jeder von euch Panthera werden!“ „Du meinst die Männer unter uns!“, lächelte Nino, doch Sanne widersprach ihm. „Nein auch die Frauen. Die haben es am Anfang etwas schwerer, aber das können sie durch Logik oder Cleverness ausgleichen.“ Jetzt war es Sam die meinte sie solle sie nicht weiter auf die Folter spannen. Ruhig begann Sanne von dem Trainingsparcours zu erzählen. Von den verschiedenen Übungen, klettern, hangeln, schwimmen und von der Grube. Davon sich an Schmerzen zu gewöhnen und natürlich nicht zu vergessen, dass entsprechende Kampftraining. „Erst wenn ihr alles erfolgreich absolviert und einen entsprechenden Treueschwur leistet bekommt ihr euer Tribal, dann seid ihr offiziell Panthera.“ Ehrfürchtig sahen sie alle an. „Wo hast du denn das Tribal?“ „Nino!“, fauchten mehrere gleichzeitig doch Nino lächelte nur. Sanne drehte sich um. Sie zog die Haare aus dem Nacken. „Wow, tut das weh?“ „Nein“, beantwortete Sanne ruhig Ninos Frage. „Also könnten wir jetzt alle mit dir dorthin gehen, mal sehen wie weit wir bei dem Trainingsparcours kommen, mal eben einen Treueschwur leisten und schon wären wir Panthera?“ „Naja zuerst müsstet ihr mit Jake besprechen, ob er euch diese Chance überhaupt gibt.“ Bo stand plötzlich auf. Unruhig lief er hin und her. „Bo!“, warnte Sam. „Was denn, ich hab doch kein Wort gesagt!“, knurrte dieser zurück. Sanne hatte plötzlich ein schlechtes Gefühl, als habe sie etwas Falsches gesagt. „Wenn ich was gesagt habe“, weiter kam sie nicht. Bo meinte entschlossen, dass es nicht an ihr liege. „Ich habe einfach ein Problem mit Jake!“ Wieder sah Sam ihn warnend an, doch diesmal schien ihn dies nicht abzuhalten. „Ich weiß was Jake kann. Er hätte längst etwas tun können. Schon als Kind konnte er Dinge die ich für unmöglich hielt! Doch statt diese Fähigkeiten zu nutzen hat er zugesehen, wie wir eingesperrt und meine Schwester diesem Schwein von Torben überlassen wurde!“, fauchte er wütend. Sam blinzelte, ihr waren bei Bos letztem Satz Tränen in die Augen gestiegen. Sie entschuldigte sich ehe sie rasch davon lief. Bo atmete tief durch ehe er ihr folgte. Danach wurde es sehr still. Noch eine Weile saßen sie beieinander bis schließlich alle ebenfalls in ihre Hütten verschwanden, bis auf Nino. „Sie redet mit niemandem darüber. Alle haben es schon mal versucht. Sobald ein Mann in ihre Nähe kommt und sie auch nur berührt beginnt sie zu zittern. Die anderen Frauen hier hatten anscheinend mehr Glück. Du hast uns befreit bevor man sich ihrer angenommen hat. Manchmal hat man den Eindruck es würde Bo mehr belasten als Sam. Er hat schon mal gemeint er hätte das verhindern müssen. Wenn er ehrlich ist weiß er, dass er dies nicht gekonnte hätte“, erklärte Nino ruhig. Sanne sah ihn ruhig an, dann fragte sie nach seiner Familie. Ruhig lächelte er. Seine Eltern waren bei dem Versuch seine Schwester zu retten getötet worden. Was aus ihr geworden war wusste er nicht. „Wahrscheinlich lebt sie längst nicht mehr!“, ergänzte er erstaunlich gefasst. Als Sanne ihn darauf ansprach lächelte er sie wieder an. Es würde nichts nützen sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Egal ob sie noch lebte oder nicht, er könnte absolut nichts für sie tun. Hier und jetzt konnte er dabei helfen andere zu retten. Das erschien ihm tausendmal besser wie sich den Kopf über seine Schwester zu zermartern. Sollte er die Gelegenheit haben sie doch noch zu retten würde er alles dafür tun, aber bis es soweit war sollte er die Zeit nutzen um andere vor diesem Schicksal zu bewahren. Sehr ruhig lobte Sanne ihn für seine reife Einstellung. Sie versprach ihm zu helfen, soweit sie dies konnte. Noch mal lächelte er bevor auch er sich ins Bett verabschiedete. Sanne legte sich neben dem Feuer ins Gras. Sie wollte die Geschwister nicht stören. Irgendwann schlief sie ein.
Darmowy fragment się skończył.