Czytaj książkę: «Taxi nach Paris»
Ruth Gogoll
TAXI NACH PARIS
Der lesbische Bestseller
© 2006
14. Auflage 2021
édition el!es
www.elles.de info@elles.de
Alle Rechte vorbehalten.
ISBN 978-3-95609-047-9
Coverillustration:
iStock.com/isaxar
»Ich mag es, wenn die Frauen sich wehren!« Ihr funkelnder Blick spiegelte die Vorfreude auf den Kampf wider, die Eroberung, den Sieg. Ich wollte mich ihr nicht hingeben. Dennoch sehnte sich alles in mir danach, sie zu berühren, von ihr berührt zu werden. »Komm, sag noch einmal, dass du nicht willst! Dass du mich hasst!« Sie lachte zynisch herausfordernd.
»Ich hasse dich!«, schrie ich heraus. Es war die Wahrheit, aber es tat dem brennenden Begehren in meinem Innern keinen Abbruch. Und ich hasste mich selbst dafür, dass ich ihrem Wunsch gehorcht hatte. Das wollte ich doch am allerwenigsten: ihr Vergnügen bereiten.
Ich sah, wie ihre Erregung stieg. Ihre Augen flammten. Sie kamen näher. Ihre Lippen öffneten sich. Ich sah ihre Zähne blitzen und warf den Kopf von einer Seite auf die andere, um ihr zu entkommen. Sie presste mich gegen die Wand. Meine Handgelenke hielt sie mit stählernem Griff.
»Nein! Ich will nicht! Nicht so!«
Sie ließ mich nicht los, warf den Kopf zurück und lachte. »Ja, wehr dich! So mag ich es am liebsten!« Ihre Stimme war heiser vor Erregung.
Ich erstarrte. Sie nutzte die Gelegenheit aus und presste blitzartig ihren Mund auf meinen. Ihre Zunge stieß hart und fordernd gegen meine zusammengekniffenen Lippen. Mit ihrem ganzen Körper presste sie mich an die Wand. Ich musste Atem holen. Sie drang in mich ein. Ihr Mund nahm mich in Besitz. Die Leidenschaft, die Erregung ließen mich fast ohnmächtig werden. Gleichzeitig stieg Ekel in mir hoch.
Ich biss zu. Ihr Kopf fuhr zurück, sie hielt meine Handgelenke aber immer noch wie im Schraubstock fest. Ich hatte den Eindruck, das tat sie nicht zum ersten Mal. Sie war daran gewöhnt . . .
Sie sah mich wild an. Ein Blutstropfen hing an ihrer Lippe. Sie fuhr mit der Zunge darüber und wischte ihn weg. Meine Augen ließ sie nicht los. »Du Wildkatze! Da ist mir ja was entgangen! Ich dachte, du wärst langweilig und spießig. Eine, die sich nur hinlegt und die Beine breitmacht.«
Ein Hoffnungsschimmer blitzte in mir auf. »Ja, ja – genauso bin ich: langweilig und spießig.« Vielleicht würde sie das abhalten.
»Nein, nein!« Rau vor Erregung lachte sie wieder auf. »Jetzt ist es zu spät. Ich habe dich durchschaut. Du willst es. Du willst die Angst, du willst den Schmerz. Das erregt dich, gib es doch zu!«
Ihre Finger schlossen sich immer fester um meine Handgelenke. Es tat weh. Ich schrie auf.
»Ja! Schrei – schrei, so laut du kannst!« Ihre Stimme war nur noch ein heiseres, erregtes Flüstern.
Ich erschrak. Der Schmerz hatte mich nicht ernüchtert, wie ich erwartet hatte. Er fuhr mir direkt zwischen die Beine – genau, wie sie gesagt hatte. War es wirklich das, was ich wollte?
Sie hatte meine Unentschlossenheit bemerkt. Ihr Mund sank wieder auf meinen, und diesmal verweigerte ich ihn ihr nicht. Mit brutaler Gewalt stieß sie hinein. Fast bis in meine Kehle. Ich dachte, ich müsste mich übergeben, aber kurz bevor es so weit war, zog sie ihre Zunge zurück. Sie hatte wirklich Erfahrung! Mit wie vielen Frauen sie das wohl schon gemacht hatte? Vielleicht gab es mehr, die das mochten, als ich auch nur ahnen konnte. Und ich? Gehörte ich dazu? Mochte ich es?
Sie stieß wieder zu. Ich spürte, wie mich das Bedürfnis überkam zurückzustoßen, mitzumachen, mich nicht nur passiv benutzen zu lassen. Aber das war es ja, was sie wollte! Dagegen musste ich mich wehren! So verlangte es jedenfalls mein Kopf. Mein Körper verriet mich. Ich konnte das immer stärker auflodernde Begehren in mir nicht zurückhalten. Meine Knie wurden weich. Sie merkte es und lockerte ihren eisernen Griff ein wenig.
Meine Zunge suchte ihre. Sie zog sich kurz zurück und blickte mich erstaunt an. Dann versank sie wieder in meinem Mund, stieß und forderte, erstickte mich fast. Plötzlich ließ sie meine Hände los und legte ihre um meine Taille. Ich versteifte mich in Erwartung eines neuen Schmerzes. Sie riss mein Hemd aus der Hose und fuhr mit schnellen Bewegungen meinen Rücken entlang. Es kribbelte überall.
Unvermittelt grub sie ihre Fingernägel in meine Schultern. Ich stöhnte vor wollüstigem Schmerz auf. Langsam zog sie sie über meinen ganzen Rücken bis zur Taille hinunter. Es war, als ob mir die Haut abgezogen würde, aber gerade so, dass ich es noch ertragen konnte. Ich stöhnte lauter. Ich wusste nicht, ob vor Schmerz oder vor wachsender Erregung.
»Ja, komm, sag mir, dass du es willst«, murmelte sie an meinem Mund. Ihre Hüften hielten mich immer noch an die Wand gepresst und gefangen. Ich versuchte dagegenzustoßen, zu kreisen, mich zu reiben. Nein, das war nicht ich! Das war mein Unterleib, der sich selbstständig gemacht hatte. Verräter! schrie es in mir. Das Verlangen wurde immer stärker.
»Du willst es doch – sag es!«, drängte sie heiß in meinem Mund.
»Nein!« Ich warf den Kopf zur Seite und versuchte, sie von mir wegzudrücken. Sie presste sich weiter an mich, lehnte den Oberkörper ein wenig zurück und zog mir das Hemd aus. In mir brodelte es. Das darf ich nicht zulassen! Sie warf das Hemd neben mich auf den Boden und beugte sich wieder über mich. Ich dachte, sie wollte mich erneut küssen – küssen? War das Küssen? Dieses Stoßen, dieses Würgen? – und warf den Kopf zur Seite. Sie folgte mir nicht. Ihr Kopf senkte sich auf meine Schulter. Ein greller Schmerz durchfuhr mich. Ich schrie wieder auf, obwohl ich meine Lippen fest zusammengepresst und mir vorgenommen hatte, es nicht zu tun.
»Ja – schrei, schrei!«, drängte sie heiser. Erneut senkte sich ihr Kopf.
»Nein . . . bitte«, flehte ich sie an. Sie biss zu. Der Schmerz durchfuhr mich noch schärfer als beim ersten Mal. Jetzt gaben meine Knie endgültig nach. Sie hielt mich fest und drückte mich wie zuvor gegen die Wand. Ihre Hand fuhr über meine Brust. Sie streichelte mit der Innenfläche die berstend harte Brustwarze. Ich stöhnte. Diesmal vor Lust.
»Die ist aber empfindlich«, sagte sie merkwürdig grinsend.
Panik kroch in mir hoch. »Bitte, tu das nicht«, flüsterte ich vor Angst zitternd. Abwehrend hob ich die Hände und versuchte, sie von mir wegzudrängen. Sie lachte wieder erregt und kämpfte spielerisch mit mir. Ihr eiserner Griff verdammte meine Hände zur Untätigkeit. Langsam senkte sich ihr Mund zu meiner Brust hinab. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Ich versteifte mich, ich zitterte immer mehr, mein ganzer Körper war ein einziger gespannter Bogen, der sich gegen den Schmerz wappnete. Ich presste den Kopf gegen die Wand und schloss die Augen. Sie waren so empfindlich – das konnte ich nicht aushalten!
Sie saugte meine Brust in sich hinein, spielte mit ihrer Zunge an der Brustwarze, fuhr immer wieder darüber. All meine Angst konnte die Erregung, die sie damit auslöste, nicht unterdrücken. Meine Hüften begannen wieder, gegen ihre zu stoßen, doch kalter Schweiß überzog meine Haut.
Sie sah zu mir hoch und grinste. »Du hast Angst«, bemerkte sie zufrieden.
»Ja.« Es hatte ohnehin keinen Sinn, es zu leugnen. »Du wirst mir wehtun.« Ich versuchte, meine Stimme so ruhig wie möglich klingen zu lassen.
Völlig überraschend ließ sie mich los. Während ihre Augen meinen Blick festhielten, trat sie einen kleinen Schritt zurück, griff an meinen Hosenbund und öffnete den Knopf. Dann zog sie mit einer raschen Bewegung den Reißverschluss herunter. Wie paralysiert lehnte ich an der Wand.
Sie sah, dass ich mich nicht wehren würde. Ein enttäuschter Ausdruck breitete sich auf ihrem Gesicht aus. »Komm, verdirb uns nicht den Spaß.«
»Spaß?« Ich fuhr hoch. »Für dich vielleicht!« Verdammt, das war genau das Falsche gewesen! Ihre Augen blitzten wieder vor unterdrückter Erregung.
»Ja, so ist es schon besser.« Sie kam näher und legte ihre Hände links und rechts neben meinen Kopf, ohne mich zu berühren. »Du kleine Wildkatze«, flüsterte sie ganz nah an meinem Ohr. Sie knabberte an meinem Ohrläppchen. Ich erwartete jeden Moment, dass sie zubeißen würde, und versteifte mich wieder. Ihre Lippen fuhren an meinem Hals hinab und schickten Wellen schaudernder Erregung gemischt mit angstvoller Erwartung durch meinen Körper.
Sie lachte leise und zufrieden auf. Ich spürte den Lufthauch ihres Atems über meine Haut streichen. »Ja, so ist es gut. Du hast Angst. Aber du willst es trotzdem.«
Wut stieg in mir hoch und machte mich unvorsichtig. »Ja, ich will es.« Ich stieß sie mit plötzlich wiedergewonnener Kraft von mir. Geschmeidig wich sie einen Schritt zurück. Zornig funkelte ich sie an. »Aber ich will es nicht so, wie du es mir aufzwingst. Ich will keinen Schmerz, ich will Lust, ich will Zärtlichkeit. Leidenschaft, Erregung, all das ja. Aber keine brutale Gewalt. Das ist –« Ich suchte nach einem Wort für das, was ich empfand.
Sie zog die Augenbrauen hoch und sagte grinsend, »Pervers?«
»Ja – ja! Pervers!« Ich schrie sie an, voller Wut über sie und mich und dieses Wort, das ich niemals benutzt hätte.
Schon immer hatte ich es gehasst, wenn selbstgefällige Spießer sich gegenseitig ihrer ›Normalität‹ versicherten, indem sie andere durch dieses Wort diskreditierten. Unterschiedslos wurde diffamiert, wer anders war, egal ob es sich um Homosexualität handelte oder Kommunismus oder sonst irgendetwas.
Doch meine wütende Spannung dauerte nur kurz an. Dann machte sie einem Gefühl der Sinnlosigkeit Platz. Ich verschränkte die Arme hinter dem Rücken und lehnte mich an die Wand. »Und jetzt kannst du meinetwegen deine Peitsche holen – oder was du sonst dafür benutzt – und mich schlagen.«
Ihre Augen glitten über mein Gesicht. »Du bist wunderschön, wenn du wütend bist«, sagte sie leise. Ich wollte gegen diese Plattitüde protestieren – das kam ja nun wirklich in jedem amerikanischen Schnulzenfilm vor! –, aber ihr Mund hatte sich im nächsten Moment auf meinen gesenkt und ihn verschlossen. I
ch wartete auf das stoßende, fordernde Eindringen, doch sie fuhr mit ihrer Zunge nur sanft an meinen geschlossenen Lippen entlang. Das Kribbeln wurde unerträglich. Als ich meine Lippen öffnete, begann sie ein liebevolles Spiel mit meiner Zunge. Reizte die Zungenspitze mit ihrer, bis ich fast vor Lust geschrien hätte. Ihr Mund war immer noch das einzige, was mich berührte. Zwischen unseren Körpern stand knisternde Luft.
Ich hob die Hände. Nein, ich wollte sie nicht berühren! Meine Arme begannen zu zittern. Sie küsste mich immer noch. Aufseufzend ließ ich meine Hände auf ihre Schultern sinken und zog sie an mich heran. Ihre Hemdknöpfe waren kalt auf meiner nackten Haut.
Sie seufzte genießerisch in meinem Mund und legte die Arme um mich. Alles war so sanft, so zärtlich. Was hatte sie plötzlich so verwandelt? Sie schob mich weich gegen die Wand, ein Bein zwischen meinen. Selbst durch den Stoff hindurch machte mich der Reiz halb verrückt.
Ich stöhnte auf und begann, mich stärker an ihr zu reiben. Dann hielt ich inne. Das war wieder der Punkt, an dem sie mir Schmerzen zufügen würde – ich hatte mich wieder darauf eingelassen! Ich stand still.
Sie bemerkte es. Sie hörte auf mich zu küssen und trat einen Schritt zurück, um mich zu betrachten.
»Du bist verwirrt.« Sie stellte es ohne jede Betonung fest. Ich antwortete nicht. Was würde sie jetzt tun?
Sie streckte die Hand aus und streichelte mein Gesicht. Ich rührte mich nicht. Sie ließ ihre Hand sinken. Sie glitt über meine Schulter auf meinen Arm und an meiner Seite entlang bis auf meine Taille hinab. Dort blieb sie liegen. Sie verschlang mich mit ihren Blicken. Dann versenkte sie ihre Augen wieder mit hypnotischer Kraft in meine.
»Ich werde dir nicht wehtun«, betonte sie nachdrücklich. Ihre Hand schob sich zwischen Stoff und Haut. Ein Zittern lief durch meinen Körper. »Ich will dich. Ich will dich so, wie du bist. Und ich werde dich so nehmen, wie du es willst.«
Mit unerträglicher Langsamkeit arbeitete sie sich vor. Mein ganzer Körper schrie vor Verlangen.
»Ich will, dass du stöhnst, und ich will, dass du schreist. Aber nicht vor Schmerz.« Ihre Finger berührten den Ansatz meiner Haare und bewegten sich immer noch quälend langsam tiefer. Sie ließ meine Augen nicht los. Ich versteifte meine Schultern und stützte mich an der Wand ab.
Sie legte den anderen Arm um mich und hielt mich fest. Jetzt lag ihre Hand bewegungslos zwischen meinen Beinen. Ich stöhnte und stieß wild dagegen. Wie in einem Vulkan stieg die Hitze in mir hoch. Ich spürte die Nässe, die sich auf ihrer Handfläche sammelte. Erregt warf ich den Kopf hin und her.
Sie zog ihre Hand zurück. Ich stieß die angestaute Luft aus meinen Lungen aus und stöhnte. »Nicht. Du hast versprochen, mich nicht zu quälen. Bitte . . .«
Sie lachte genüsslich. »Ich habe versprochen, dir nicht wehzutun. Und das werde ich auch nicht. Das hier ist etwas anderes.« Sie strich über den Stoff zwischen meinen Beinen. Ich stöhnte wieder verlangend auf und hob mich ihr entgegen. Sie legte beide Hände auf meine Hüften. Langsam schob sie den Hosenbund tiefer. Sie ließ sich Zeit. Immer wieder fuhren ihre Hände von hinten nach vorn und zurück. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor.
Als sie mich endlich ganz ausgezogen hatte, beugte sie sich vor und fuhr mit ihren Lippen auf meinen Brüsten entlang. Meine Haut stand in Flammen, wo sie sie berührt hatte. Sie näherte sich der Brustwarze. Ich wurde steif. Sie reagierte sofort.
»Ich habe es versprochen«, murmelte sie. Dann sah sie hoch. »Ich werde nichts tun, was du nicht willst.«
Ich konnte mich immer noch nicht entspannen. Die Angst saß zu tief. Sie fuhr weiter mit ihren Lippen über meine Brust. Dann nahm sie ganz zart die Brustwarze und fuhr mit ihrer Zunge darüber. Meine Empfindungen schwemmten alle Bedenken hinweg. »Ja«, stöhnte ich.
Abwechselnd strich sie mit Zunge und Händen über die steif hervorstehenden Brustwarzen. Ich war mittlerweile verrückt vor Verlangen, ich hätte sie nicht mehr von irgendetwas abhalten können, egal, was es gewesen wäre.
Ihr Gesicht war plötzlich dicht vor meinem. Sie fuhr an meinen Lippen entlang. Nur leicht – ohne zu verweilen. Ich versuchte sie festzuhalten. Sie lächelte und entzog sich mir. Ihre Hand glitt über meine Brust, an meinem Bauch entlang und zwischen meine Schenkel. S
ie strich mit zwei Fingern sanft über die Innenseiten, wanderte immer wieder von einer Seite zur anderen, streifte die Mitte. Ich wand mich nur noch in ihrem Arm. Sie strich jetzt immer deutlicher zwischen meinen Beinen hindurch und begann, mit kreisenden Bewegungen den empfindlichsten Punkt zu reizen. Ich fühlte mich ständig wie kurz vor einer Explosion. Ihr Druck wurde stärker. Ich spürte ihre Finger. Sie öffnete den Eingang.
»Nein!« Ich riss mich von ihrem Mund los.
Sofort hörte sie auf. Sie zog mich an sich. »Was ist?«
»Ich . . . ich mag das nicht.« Ich schluckte. »Du hast versprochen . . .«
Sie lachte gutmütig. »Das vergesse ich schon nicht. Du brauchst mich nicht ständig daran zu erinnern.«
»Tut mir leid. Ich bin ein bisschen empfindlich . . . in der Beziehung.«
»Empfindlich bist du allerdings, das habe ich gemerkt.« Sie wollte mich aufziehen, so schien es, doch dann wurde ihr Tonfall besorgt. »Tut es dir weh?«
Jetzt musste ich antworten. »Eigentlich . . . nein, eigentlich nicht. Ich . . . ich weiß es nicht so genau.«
»Du weißt es nicht?«
Ich blickte auf den Boden hinter ihr. »Nein«, stieß ich trotzig hervor.
Sie trat zurück und hielt mich auf Armeslänge von sich weg. So wie mein Gesicht glühte, musste ich knallrot sein. Sie legte ihren Finger unter mein Kinn und hob es hoch. »Aber ich bin nicht die erste Frau, mit der du schläfst.«
»Nein . . .« Sie sah mich aufmerksam an. Offensichtlich erwartete sie, dass mich das eher zum Reden bringen würde als jegliche direkte Befragung. »Ich meine, ich habe schon mit vielen Frauen . . ., aber nie so.« Mit trotzigem Nachdruck fügte ich hinzu: »Ich kann das eben nicht!« Ruckartig drehte ich mich zur Wand.
»Und das ist der einzige Grund?«
Die Wand schützte mich zumindest vor ihrem direkten Blick. Dennoch hatte ich das Gefühl, ihre Augen bohrten sich in meinen Rücken. »Was denn sonst noch? Reicht das nicht?«
»Du hast nie mit einem Mann –?«
Ich ließ sie nicht ausreden. »Nein, habe ich nicht!« Genauso ruckartig wie eben drehte ich mich wieder zu ihr um. »Muss ich mich jetzt dafür schämen?«
Sie blickte mich immer noch wachsam an. »Nein, natürlich nicht! Wo denkst du hin? Aber ich meinte, auch nicht gegen deinen –« Sie brach ab.
»Gegen meinen . . .? Oh –« Ich verstand. »Nein, ich bin nicht vergewaltigt worden.« Sie atmete erleichtert aus. Ich war jetzt richtig wütend. Wie konnte ausgerechnet sie so besorgt tun? »Und bis heute Abend hat das auch noch nie jemand versucht«, fauchte ich ärgerlich.
Sie wandte sich ab und atmete tief durch. Dann sah sie mich wieder an. In ihrem undurchdringlichen Gesicht zuckte kein Muskel. »Dann ist es ja gut«, sagte sie.
Ich war wie vom Donner gerührt. Sie fand, nun wäre alles gut?
Sie seufzte. »Das vorhin war . . .«, sie stockte überlegend, ». . . ein Missverständnis.« Als ob damit alles erledigt wäre, wandte sie sich mir wieder lächelnd zu. Eine fast vollzogene Vergewaltigung ein Missverständnis? Für so dumm konnte sie mich nicht halten. Tat sie auch nicht. Sie hatte das Mienenspiel auf meinem Gesicht aufmerksam verfolgt. Noch einmal seufzte sie. Es klang resigniert. »Ja, ich weiß, was du denkst.« Erklärend fuhr sie fort: »Aber die meisten Frauen wollen es so. Deshalb gehen sie mit mir mit.« Traurig sah sie mich an. »Du hast es offenbar nicht gewusst. Und ich habe gedacht . . .« Sie lachte bitter auf. »Wie gesagt: ein Missverständnis.«
Mittlerweile war ich mehr als verwirrt. »Was – nicht gewusst?« Irgendwo in diesem Chaos musste doch ein Haken sein, an dem ich mich wieder aus dem Sumpf ziehen konnte!
Sie drehte sich voll zu mir um und stützte breitbeinig eine Hand in die Hüfte. »Ich bin eine Nutte, Schätzchen.«
Ich war geschockt. Das war sicher ein Effekt, den sie hatte erreichen wollen. Aber den anderen, dass ich mich abgestoßen fühlen sollte, erreichte sie nicht.
Sie stand ein paar Schritte von mir entfernt und sah zum Fenster hinaus auf die Lichtreklame, die sich blinkend an- und abschaltete. Sie sprach in die irisierende Dunkelheit hinein. »Du kannst jetzt ruhig gehen. Ich werde dich nicht festhalten.« Ihr Rücken war gerade wie ein Brett.
Ich machte einen Schritt auf meine Kleider zu. Doch dann blieb ich stehen. Ich wollte nicht gehen, das war mir deutlich klar. Aber was wollte ich hier noch? Sie war eine Nutte, sie hatte erwartet, dass ich sie für eine ›Dienstleistung‹ bezahlen würde, von der ich nichts geahnt hatte.
Sie hatte sich meinen Wünschen angepasst, als sie merkte, dass ich etwas anderes wollte – wie jede gute Dienstleistung sich nach den Wünschen des Kunden richtet oder in diesem Fall der Kundin. Der Kundin? Ich sah mich selbst plötzlich in einem äußerst befremdlichen Licht.
Sie drehte sich um. Kalt abschätzend blickte sie mich an. »Soll ich rausgehen?« Ihre Stimme klang wie Eis.
Deutlich wurde ich mir plötzlich meiner Nacktheit bewusst. Ich griff etwas verlegen nach meinem Hemd und streifte es über. »Nein, das wäre doch lächerlich.«
Sie zuckte die Schultern. »Die meisten Frauen wollen hinterher allein sein. Mir ist es egal.« Diese Eisstimme hatte etwas Herzerweichendes. Ein Widerspruch in sich, aber ich empfand es so.
Ich knöpfte mein Hemd zu und beobachtete sie. Sie hatte die Arme verschränkt, stand breitbeinig da, eine uneinnehmbare Festung. Ich ging auf sie zu. Sie folgte jeder meiner Bewegungen mit den Augen, aber sie rührte sich nicht. Ich blieb vor ihr stehen und blickte zu ihr hoch. Mein Gott, sie war mindestens einsfünfundachtzig! »Ich möchte nicht allein sein, und ich möchte nicht gehen.« Ich sah sie unverwandt an.
Spöttisch verzog sie die Mundwinkel und schaute auf mich hinab. »Ah – die Dame ist auf den Geschmack gekommen!« Sie lachte. Es klang todtraurig. Sie beugte sich ein wenig vor. »Bis eben wusstest du es nicht, und du warst irritiert. Jetzt weißt du es, und schon –« Sie schnippte mit den Fingerspitzen. »Es reizt dich, nicht wahr? Bis jetzt war es nur ein etwas exotisches Abenteuer. Etwas abseits des Gewohnten, habe ich recht? Aber nun – was für eine Gelegenheit! Wie ist es wohl, mit einer Frau zu schlafen, die es für Geld macht? Das willst du doch jetzt wissen, oder? Warum solltest du es auch nicht ausprobieren – wo wir schon einmal hier sind?« Sie drehte sich von mir weg und knöpfte ihre Manschetten auf. Über die Schulter fügte sie hinzu: »Ich hoffe, du hast dein Scheckbuch dabei. Ich bin ziemlich teuer.«
Mit einem Ruck zog sie ihr Hemd aus und warf es auf einen Stuhl. Ich sah ihren angespannten Rücken und hörte das Ratschen des Reißverschlusses. Mit einem kurzen Schütteln warf sie die Stiefel von den Füßen, und die Hose flog dem Hemd hinterher. Jetzt war sie nackt. Mit einer knappen Bewegung drehte sie sich um und hob kurz die Arme. »Bitte, ich stehe zu deiner Verfügung.«
Endlich hatte ich wieder Gelegenheit, sie in Ruhe zu betrachten und erneut festzustellen, was mir schon bei ihrem ersten Anblick aufgefallen war: Sie war unbeschreiblich schön. Ich ging auf sie zu und berührte sie. Ihre Haut verbreitete die Kälte einer Marmorstatue. »Nein.« Ich schüttelte den Kopf. »Nein, ich werde es nicht tun. Ich werde dich nicht wie eine Nutte behandeln, nur damit du mich leichter loswerden kannst.« Ich ging rückwärts.
»Aber Schätzchen.« Sie hob die Augenbrauen, als ob sie ihrer Verwunderung darüber Ausdruck geben wollte, dass ich offenbar die Regeln nicht kannte. »Du bezahlst mich doch. Und ich bin eine Nutte. – Komm . . .« Sie hatte ein professionelles Lächeln aufgesetzt und kam auf mich zu. Sie griff mit einer Hand hinter mein Ohr und streichelte mit dem Daumen die empfindliche Stelle hinter dem Ohrläppchen. Ich schloss die Augen. »Na siehst du«, gurrte sie.
Ich wollte es vergessen. Ich wollte mich dem Gefühl ihrer streichelnden Hand hingeben. Aber ich konnte nicht. Ich schlug die Augen auf. Sie lächelte immer noch professionell. »Was möchtest du gern? Du kannst es mir ruhig sagen, auch wenn es ungewöhnlich ist. Ich erfülle alle deine Wünsche. Du brauchst keine Hemmungen zu haben.«
Sie spulte es ab wie einen Vorspann im Kino. Auf einmal lächelte sie wissend. Sie stellte die streichelnde Bewegung hinter meinem Ohr ein, fuhr mit ihren Händen abwärts und ließ sie auf meinem Po liegen. Dann kniete sie sich hin.
Erst jetzt begriff ich, was sie vorhatte. Ich war zu sehr mit ihrer Show und meinen Empfindungen beschäftigt gewesen. Ich stieß ihren Kopf weg. »Hör auf damit!«
Sie wischte ihr Lächeln weg, stand mit gleichgültigem Gesichtsausdruck auf und sah mich kalt an. »Meinetwegen. Es ist ja dein Geld. Wenn du willst, kannst du mich dafür auch beschimpfen.«
Noch nie war ich mit einer Frau in einer derart intimen Situation gewesen, die so schnell umschalten konnte. Sie verunsicherte mich. Ich wollte wissen, was sie wirklich empfand. Es machte mich wütend, dass sie mir die Kontrolle in dieser Weise entzog. Und meinen Ärger hatte ich noch nie verbergen können. Ich funkelte sie wohl ziemlich an.
Prompt schaltete sie wieder ihr Lächeln ein und versuchte, mich zu beschwichtigen. »Es gibt doch bestimmt Dinge, die du dich noch nie getraut hast, von einer Frau zu verlangen.« Sie legte erneut ihre Hand hinter mein Ohr. Es wäre eine wundervoll zärtliche Geste gewesen, wenn sie sie nicht so mechanisch ausgeführt hätte.
Dennoch genoss ich den Augenblick der Ruhe. Sie beugte sich herunter und küsste mich sanft auf die Lippen. Ich wollte es für einen Moment glauben, wollte mir einbilden, sie sähe in mir die Frau, die Geliebte – und nicht nur die Kundin, die Geldgeberin.
Während sie mich sehr sorgfältig küsste – ja, das war der richtige Ausdruck: sorgfältig! Sie vergaß nichts, was notwendig war! – fuhr ihre rechte Hand an meinem Körper hinab. Ihre linke glitt unter mein Hemd und spielte mit meiner Brustwarze, bis sie steif wurde. Es war ein so automatischer Ablauf, dass mir fast schlecht davon wurde. Schon tausendmal musste sie das genauso gemacht haben!
Ich wollte sie wegdrängen, aber meine Hände landeten genau auf ihren Brüsten. Sie waren wunderbar weich. Die samtige Haut wölbte sich meinen Fingern entgegen. Ich begann, sie zu streicheln. Augenblicklich begann sie zu stöhnen und drängte sich mir entgegen. Einen Moment war ich überrascht, dann fiel mir ein, was sie da machte. Bedauernd, die samtige Weichheit ihrer Brüste aufgeben zu müssen, schob ich sie von mir weg. Sie sah mich mit klaren Augen an. Keine Spur von Erregung.
»Hat es dir nicht gefallen?«, fragte sie berufsmäßig interessiert. Ich versuchte, ihren Blick festzuhalten, aber sie wich mir aus. Sie blickte über meine Schulter hinweg. »Tut mir leid. Ich brauche etwas Zeit, um mich auf dich einzustellen. Die meisten meiner Kundinnen sind in ihren Ansprüchen nicht so . . . exzentrisch.«
Ich musste gegen meinen Willen lächeln. Ihre Hilflosigkeit nahm mich mehr für sie ein als die Selbstsicherheit, die sie bislang zur Schau getragen hatte. Ich sah sie mit liebevoller Zuneigung an. »Du bist wunderschön.«
Etwas flackerte in ihren Augen auf, dann verschloss sich ihr Gesicht wieder. Sie fragte kühl: »Und warum willst du mich dann nicht? Du bezahlst doch dafür. Die anderen – Sag mir, was ich tun soll. Oder wenn ich nichts tun soll . . .« Sie breitete in einer Geste der Ratlosigkeit die Hände aus.
Ein Gedanke schlich sich in meinen Kopf. Ich wollte mich auf ihr Spiel keinesfalls einlassen. Aber wenn sie mir gehorchte . . . Sie sah mich immer noch kühl abwartend an.
»Leg dich hin«, befahl ich mit so viel Autorität, wie ich aufbringen konnte.
Ein kurzes Erstaunen blitzte in ihren Zügen auf und verschwand sofort wieder. Sie drehte sich um und machte einen Schritt. Dann blieb sie stehen. »Wo?«, fragte sie tonlos in die Luft hinein. Ich sah ihren steifen Rücken noch gerader werden.
»Aufs Bett«, entschied ich.
Sie setzte sich in Bewegung. Anmutig schritt sie zum Bett. Als sie sich hingelegt hatte, streckte sie mir die Arme entgegen. »Komm«, sagte sie. Offenbar hatte sie sich entschlossen, auf den professionellen Gesichtsausdruck zu verzichten. Sie blickte ernst und bewusst gleichgültig.
Ich trat neben das Bett. »Nicht so«, widersprach ich. »Dreh dich um.« Sie zögerte. Ich wartete ab. Dann drehte sie sich langsam mit einem merkwürdigen Seitenblick auf mich auf den Bauch. Ich betrachtete die sanft geschwungene Linie ihres Rückens. Sie war wirklich eine wunderschöne Frau. Was konnte sie bewogen haben . . .? Ach, das war eine dumme Überlegung. Sie würde schon ihre Gründe haben. Mir kribbelten die Finger vor Verlangen, sie zu berühren, aber ich fuhr nur in der Luft die Linie ihres Körpers nach. Ich beugte mich über sie und küsste sie zwischen die Schulterblätter. Sie zuckte zusammen. »Wag nicht zu stöhnen«, warnte ich. »Die Show hatten wir schon.«
»Die anderen mögen es nun mal«, entgegnete sie achselzuckend mit ihrer kühlen, gleichgültigen Stimme.
»Ich aber nicht. Also lass es sein.«
Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber ich hätte schwören können, dass sie lächelte. »Wie ich schon sagte, du bist eben etwas . . . exzentrisch.«
Ich küsste sie noch einmal zwischen die Schulterblätter und merkte, wie sie sich verkrampfte. Sie versuchte, das Zucken zu unterdrücken. Ich lächelte. Das war doch schon mal kein schlechter Anfang. Ich begann, ihren ganzen Körper mit Küssen zu bedecken. Langsam und zärtlich wanderte ich von ihrem Nacken zu ihren Schultern, dann zu ihren Armen und wieder zurück zu den Schulterblättern.
Mein Mund glitt an ihren Rippenbögen entlang und verweilte einige Zeit in der Kuhle oberhalb des Pos. Obwohl mich diese Beschäftigung voll in Anspruch nahm, versuchte ich sie gleichzeitig zu beobachten. Anfangs lagen ihre Hände neben ihrem Kopf. Sie schien ruhig und entspannt zu sein.
Nach den ersten Küssen bekam sie eine Gänsehaut. Ihre Hände begannen, sich in das Kopfkissen zu verkrampfen. Immer stärker und weißer traten ihre Fingerknöchel hervor. Als ich am unteren Teil ihres Rückens angekommen war, perlten überall feine Schweißtröpfchen aus ihrer Haut und schimmerten glitzernd wie feiner Regen. Sie atmete heftig, aber unterdrückt in das Kissen hinein.
Noch einmal fuhr ich mit meinen Fingern ganz leicht den Weg von ihrem Nacken zu ihrem Po nach. Sie zuckte jetzt an vielen Stellen zusammen. Ihr Atem wurde heftiger. Sie bekam im Kissen nicht mehr genug Luft, hob den Kopf und drehte ihn zur Seite. Keuchend zog sie die Luft ein.
Obwohl ich ihre Reaktionen für echt hielt, ritt mich auf einmal der Teufel. Vielleicht griff die Eigendynamik dieses Spiels, das ich so noch nie gespielt hatte, in mein Denkzentrum ein und setzte meine üblicherweise sehr wachen Kontrollmechanismen außer Kraft. Jedenfalls dachte ich mir nichts dabei. Gegen besseres Wissen rügte ich sie, »Spiel mir nichts vor – ich habe dich gewarnt!« Es sollte nur ein Scherz sein. Ich war der festen Überzeugung, sie müsse das bemerkt haben, aber sie erstarrte sofort. Sie keuchte noch immer. Nach ein paar Atemzügen fing sie an zu zittern. Ihre Hände schoben sich langsam über ihren Kopf.
»Bitte nicht«, flüsterte sie tonlos. Ihre Stimme war rau vor Angst.
Was war los? Ich strich ihr beruhigend über den Rücken. Sie zuckte hoch wie unter einem Peitschenhieb und presste ihre Hände noch fester um ihren Kopf. »Nicht«, flüsterte sie heiser, fast unhörbar. »Nicht schlagen, bitte.« Sie wimmerte leise vor sich hin.
Für einen Moment war ich wie betäubt. Diese große, starke Frau, vor der ich solche Angst gehabt hatte! Dann hatte ich den Schock überwunden. Ich packte sie an den Schultern. Sie schrie angstvoll auf. Ich schüttelte sie heftig. »Nie – hörst du? Niemals! Niemals würde ich dich schlagen! Sieh mich doch an, bitte –«
Sie nahm die Hände herunter und legte den Kopf auf die Seite. Ihre Augen waren verhangen. Sie kam aus einem Albtraum. Sobald sie mich erkannte, drehte sie ihren Kopf weg. »Bitte geh jetzt.« Sie sprach gegen die Wand. »Du hast keinerlei Verpflichtung mir gegenüber.« Sie machte eine Pause. »Natürlich brauchst du nicht zu bezahlen.« Ihr Ton war bitter. »Und natürlich kann ich dich nicht daran hindern, es weiterzuerzählen.« Sie holte tief Luft.
Zuerst wollte ich wütend widersprechen. Dann beherrschte ich mich. Das würde weder ihr noch mir etwas nützen. Ich griff nach der Bettdecke und zog sie über ihren nackten Körper.
Sie rollte sich überrascht auf die Seite und stützte ihren Kopf in die Hand. »Danke«, sagte sie. Ihr Tonfall war neutral. Sie ließ ihren Blick kühl über mich gleiten. »Es ist wirklich besser, du gehst jetzt.«
Ich setzte mich behutsam auf die Bettkante. »Das glaube ich nicht.« Ich hatte eigentlich nur widersprochen, weil mir das alles zu schnell ging und ich ungern einen Schauplatz verließ, ohne die Regeln zu kennen und die Zusammenhänge zu verstehen, aber ihre Reaktion war heftig.
Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Sie glitzerten wie pures Eis. »Ach so«, sagte sie gedehnt. »Du bist keine von denen, die mit dem halben Kuchen zufrieden ist, wenn man ihr den ganzen versprochen hat. Das hätte ich mir denken können.« Mit einer schnellen Bewegung griff sie nach mir und zog mich auf das breite Bett. »Du sollst die andere Hälfte bekommen. Ich halte meine Versprechen immer. Und jetzt, nachdem ich dir die Bezahlung erlassen habe, ist es sogar umsonst.« Sie lachte höhnisch. »So billig kommst du nie wieder zu einer Nummer mit einer Klassenutte wie mir!«
Ich ließ sie gewähren. Die Verzweiflung, die ich in ihr spürte, machte mich hilflos. Ich hoffte nur, dass sie mir nicht allzu sehr wehtun würde. Im Schmerzenertragen war ich noch nie gut gewesen. Und heute hatte ich schon einmal feststellen müssen, dass sich diese Fähigkeit eher noch verschlechtert hatte.
Sie sah mir meine Befürchtungen an. »Ach, jetzt hast du Angst?« Sie unterstrich ihre Worte mit einer wegwerfenden Handbewegung. »Ich habe doch gesagt, ich halte mich an meine Versprechen, oder?«
Ich nickte, um sie nicht noch mehr aufzubringen. Ob ich mich in ihrem Zustand allerdings auf ein solches Versprechen verlassen konnte, schien mir mehr als zweifelhaft.
Sie griff grob nach meinem Arm. Ich unterdrückte einen Schmerzenslaut. Das würde einen schönen blauen Fleck geben! Sie drückte mich rückwärts auf das Bett und legte sich halb auf mich. Rücksichtslos wie am Anfang drang sie mit ihrer Zunge in meinen Mund ein. Aber sie ging nur so weit, wie sie versprochen hatte. Und sie hielt meine Hände nicht fest.
Ich hob sie langsam und fuhr ihren Rücken entlang. Sie stöhnte tief in ihrer Kehle auf. Jetzt wusste ich, dass ihre Reaktion vorhin wirklich echt gewesen war. Ich streichelte ihren Rücken immer weiter, und sie keuchte immer heftiger in meinem Mund. Ich merkte, dass sie durchaus bereit war sich gehenzulassen. Doch zuerst ließ sie plötzlich meinen Mund im Stich. Mit einer heftigen Bewegung riss sie meine Beine auseinander. Mindestens noch zwei blaue Flecken!
Sie ließ sich zwischen meine Beine fallen und hob sie an. Sie drückte sie noch weiter auseinander und noch höher hinauf. Es tat weh, aber es war zu ertragen. Mit derselben Heftigkeit, mit der sie in meinen Mund eingedrungen war, drang sie jetzt zwischen meinen Beinen ein. Kein Vorspiel, keine Vorbereitung, nicht einmal ein kurzes Streicheln. Das Spiel ihrer Zunge war dafür umso heftiger und fordernder.
Während sie meine Beine noch mehr auseinanderdrückte – mein Gott, gleich würde ich doch vor Schmerz schreien müssen! –, biss ich die Zähne zusammen und wartete, dass sie sich an mir befriedigen würde. Ihre Zunge traf auf ihrer wilden Jagd die Mitte aller Empfindungen. Ich stöhnte auf. Wenn die Schmerzen in meinen Schenkeln nicht gewesen wären, hätte ein nettes Gefühl dabei herauskommen können. Ich seufzte.
Sie hatte eine kleine Pause eingelegt und ruhte sich aus. Dann fing sie vorsichtig wieder damit an, meine Mitte mit ihrer Zunge zu umkreisen. Sie flog darüber hinweg wie ein Schmetterling. Ich zuckte jedes Mal zusammen. Allmählich wurden meine Empfindungen intensiver. Sie würde sicher gleich aufhören. Alles, was sie wollte, war ihre eigene Befriedigung, zu der ich beitragen sollte. Als ich anfing, ihr mein Becken entgegenzuheben und zu stöhnen, stellte sie ihre Bewegungen ein. Aha, das war’s. Ich versuchte, meine Erregung zurückzudrängen.
Plötzlich schrie ich auf. Sie drang mit ihrer Zunge so tief in mich ein, wie es noch nie zuvor eine Frau getan hatte. Diese lange Zunge, die mir in meinem Mund so viel Schwierigkeiten bereitet hatte, bereitete mir hier nur pures, ekstatisches Vergnügen. Sie stieß vor und zurück und spielte zwischendurch kurz hinter dem Eingang herum. Sie kannte wirklich jeden Punkt! Es war mir plötzlich egal, ob meine Beine schmerzten, ob es mir bei jedem Stoß meiner Hüften wie mit glühenden Nadeln bis in die Zehenspitzen fuhr.
»Komm«, murmelte sie kaum hörbar zwischen meinen Schenkeln. Sie stieß noch einmal ihre Zunge in ihrer vollen Länge in mich hinein. Dann zog sie sie heraus und fuhr wieder mit ihren Schmetterlingsschlägen über die hervorstehende Perle. »Komm«, flüsterte sie noch einmal drängend.
Ich explodierte in langen, tosenden Wellen. Ich hörte mich schreien, aber es war, als ob der Schrei nicht aufhören würde, während die Wellen kamen und gingen, kamen und gingen. Ich versuchte sie zu zählen, aber es waren zu viele. Nach einer Ewigkeit fiel ich zusammen und rang erschöpft nach Atem. Ich würde nie wieder normal atmen können!
Sie kam nach oben und nippte an meinen Brüsten. Ich war noch nicht wieder zu Atem gekommen, als sie sich neben meinen Schultern abstützte und ihre Beine zwischen meine schob. Nachdem sie so auseinandergerissen worden waren, tat mir alles weh. Ich stöhnte vor Schmerz auf, bevor ich es verhindern konnte. Sie lag sofort ganz ruhig.
Ich hob die Hand und strich ihr die schweißnassen Haare aus der Stirn. Sie lächelte angestrengt auf mich hinab. »Mach weiter«, sagte ich leise. »Du tust mir nicht weh.«
»Wirklich nicht?«, fragte sie zweifelnd.
»Nein.« Ich strich ihr noch einmal zärtlich die Haare aus dem Gesicht. »Wirklich nicht.«
Sie begann, sich wieder vorsichtig zu bewegen. Dann wurde sie immer schneller. Nach kurzer Zeit keuchte sie erregt. Ich spürte, wie sie alle Muskeln anspannte. Zwischen meinen Beinen vibrierte es. Sie kam in kurzen Stößen und stöhnte. Sie hatte die Augen geschlossen.
Ich schob meine Hand zwischen ihre Beine. Als sie das merkte, riss sie die Augen weit auf. »Ich will nicht . . .«
»Doch, du willst.« Mit der anderen Hand hielt ich sie auf mir fest. Viel Überredungskunst brauchte ich allerdings nicht. Sie fing sofort wieder an zu stöhnen, als ich sie berührte. Ich drang vorsichtig in sie ein.
»Ja . . .« Aus ihrer Kehle drang ein tierischer Laut. Sie stieß gegen meine Hand, als wollte sie sie ganz in sich aufnehmen. Sie erstarrte. Ein kleiner Schrei entrang sich ihrer Kehle. Völlig erschöpft ließ sie sich fallen. Sie rollte sich von mir herunter. Immer noch schwer atmend lag sie neben mir.
»Das war . . . nicht . . . nötig«, stieß sie abgerissen hervor.
Ich richtete mich auf dem Ellbogen auf und lächelte auf sie hinab. »Doch, das war es. Und ich glaube, es ist sogar noch mehr nötig.«
Sie presste die Lippen aufeinander und schüttelte den Kopf. Lange war sie nicht mehr so widerstandslos. Ich glitt schnell an ihr hinab. Sie protestierte schwach. Sie versuchte, ihre Beine zusammenzupressen, aber sie hatte ihre Kraft noch nicht wiedergefunden.
Mit beiden Händen drückte ich sie auseinander und legte mich dazwischen. Sie war so wunderschön da unten, wie sie es auch als ganze Frau war. Ich sagte es so laut, dass sie es hören konnte.
»Komm sofort wieder hoch!«, fauchte sie als Antwort.
»Ganz sicher nicht!« Ich lachte über ihre Verärgerung. Langsam begann ich, mit meiner Zunge einen großen Kreis zu verfolgen. Sie seufzte und ich merkte, wie sich ihre Schenkel entspannten. Immer enger zog ich den Kreis. Sie folgte meiner Zunge mit ihren Hüften.
»Du machst mich verrückt«, flüsterte sie so leise, dass ich es kaum verstehen konnte. Ich machte weiter. Sie griff mit den Händen in meine Haare. »Ich kann nicht mehr . . . bitte . . .« Ich ließ sie nicht aus meinem Mund. Sie flehte um Erlösung. »Ich halte es nicht mehr aus! Bitte . . . lass mich . . .« Heiser und verlangend kam ihre Stimme zu mir herunter. Ich nahm sie ganz in mich auf und ließ sie ihren eigenen Rhythmus finden. Sie kam diesmal in einem langanhaltenden Schrei und einer Unzahl von Zuckungen. Als ihr Orgasmus verebbte, lag sie da wie tot. Ich glitt an ihr hinauf und küsste sie. Sie war schweißüberströmt.
Als sie wieder sprechen konnte, lächelte sie entspannt. »Was hast du nur gemacht?«
»Ich? Gemacht? Gar nichts.« Die Unschuld vom Lande war nichts gegen mich.
Sie lachte amüsiert. »So hat es sich aber gar nicht angefühlt.«
Sie griff auf ihren Nachttisch und nahm eine lange, schlanke Zigarette aus einer langen, schlanken Packung. Sie zündete sie mit einem schön ziselierten silbernen Feuerzeug an und nahm einen tiefen Zug. Das Klischee in Reinkultur. Sie sah mich an. »Oh, entschuldige, willst du auch eine?« Ihre Hand wanderte schon zum Nachttisch zurück.
»Nein danke«, schmollte ich. »Ich hasse es, direkt danach mit Rauch eingenebelt zu werden.«
»Ich tue das sonst auch nicht direkt danach. Aber heute . . . Du bist selbst schuld. Wenn du mich nicht so fertiggemacht hättest . . .« Sie schob zärtlich die Hand unter eine meiner Brüste, beugte sich darüber und küsste sie. »Mhm«, machte sie genießerisch. »Süß wie Champagner.« Sie blickte mich genau an. »Wie die ganze Frau«, sagte sie dann. Sie lehnte sich in ihr Kissen zurück und rauchte.
Sie hatte sich also für den Augenblick entschieden, mich zu mögen – oder vielleicht nur mich zu dulden? Ich beobachtete sie von der Seite. Sie saß entspannt da, eine wunderschöne Frau, hielt die Zigarette mit einer Eleganz, die ich nie für vorstellbar gehalten hätte, und der Rauch kräuselte sich ebenso elegant – als ob er sich von ihrer Haltung dazu verpflichtet fühlte – gegen die Decke.
Sie ignorierte mich. Jedenfalls tat sie so, als wäre ich gar nicht da. Was erwartete sie jetzt von mir? Unsere Geschäftsbeziehung war ja nun eindeutig beendet. Ich schüttelte mich innerlich. Ich wollte nicht darüber nachdenken, aber ich musste. Wie war ich nur in diese Situation geraten? Sollte ich einfach gehen? Aber das war ja genau das, was ich nicht wollte. Ich wollte bei ihr bleiben, ich wollte sie kennenlernen. Sie berührte mich tief. Ihre Verletzlichkeit, die sie hinter unzähligen Schutzwällen zu verstecken suchte. Ihre Angst, und dass sie ausgerechnet das zu ihrem Beruf gemacht hatte . . .
Ich sah sie forschend an. Sie drückte ihre Zigarette aus und sah zu mir herüber. Als sie meinen Gesichtsausdruck bemerkte, verzog sie leicht die Mundwinkel. »Lass dich nicht abhalten.«
»Wovon?«, fragte ich etwas irritiert.
Sie zog die Bettdecke über sich und bedeckte ihre Brüste. »Du willst doch wissen, wie und weshalb ich das geworden bin, was ich bin, oder etwa nicht?«
In einer anderen Situation hätte sie mich mit diesen kalt glitzernden Augen glatt rückwärts aus dem Raum getrieben. So, wie sie es betont hatte, war es eine geradezu obszöne Frage, die ich sicher nicht stellen würde. Ich schwieg.
Sie zog die Augenbrauen hoch. Wenn sie das noch einmal tat, würde ich sie küssen, und wenn ich dafür bezahlen müsste! »Alle wollen das wissen. Du bist sicher keine Ausnahme.« Sie sah zum Fenster hinaus. »Fast immer, wenn ich mit einer neuen Kundin das erste Mal zusammen war, stellt sie die gleiche Frage.«
Ich zuckte zusammen. Eine ›neue Kundin‹ wollte ich eigentlich nicht sein. Und so fühlte ich mich auch nicht.
Sie sah mich gleichgültig an. »Willst du es wirklich nicht wissen?« Ich schüttelte den Kopf. »Na ja, es macht eh keinen Unterschied. Ich beantworte die Frage nie.«
Ich merkte, dass sie mich los sein wollte. Sie fing an, unruhig zu werden. Gleich würde ihr eingefallen sein, womit sie mich am schnellsten loswerden konnte. Und da war es auch schon!
»Und – hast du den Gegenwert bekommen, den du erwartet hast?« Sie sah mich ganz geschäftsmäßig an. Ich erwartete fast, sie würde hinzufügen: »Darf’s ein Viertel mehr sein?«
Ich musste schmunzeln. Instinktiv – oder vielleicht auch ganz überlegt – hatte sie das Thema gewählt, das mich unter normalen Umständen sicher am meisten abschrecken würde. Aber was waren schon ›normale Umstände‹ im Zusammenhang mit ihr? Dieser ganze Abend und die ganze bisherige Nacht waren mit nichts zu vergleichen, was ich je erlebt hatte. Und diese Frau würde mich nicht so einfach loswerden!
Sie wurde ungeduldig. »Warst du zufrieden?« Sie maß mich mit einem prüfenden Blick. »Oder habe ich etwas falsch gemacht?« Mein Schweigen machte sie nervös. »Ich weiß, es ist nicht alles so gelaufen, wie du es dir vorgestellt hattest.« Sie machte ein zerknirschtes Gesicht. Gut konnte sie das! Ich wettete, die Frauen schmolzen reihenweise dahin, wenn sie diese Show abzog. Sie griff nach einem Terminkalender auf dem Nachttisch. »Wir können einen Termin ausmachen, der dir passt, und du sagst mir, was dir nicht gefallen hat.« Sie schlug das schwarze Lederbändchen auf und blätterte durch die Seiten.
Das war wirklich nicht zu fassen – sie bot mir eine Nachbesserung an!
»Wovor hast du Angst?«, fragte ich.
Sie blieb mitten in der Bewegung stecken. Ihre Augen sagten mir deutlicher als ihre Reaktion und alle Worte, dass ich einen wunden Punkt getroffen hatte. Sie zog sich auf ihr ureigenstes Terrain zurück, um sich wieder zu fangen. »Sollen wir also keinen Termin ausmachen?«, fragte sie ziellos blätternd. Sie wandte mir wieder ihr Gesicht zu.
Ihre Augen hatten jetzt diesen Ich-weiß-gar-nicht-was-du-willst-Ausdruck. Sie erinnerten mich an die großen Limousinen mit den Scheinwerfer-Wisch-Waschanlagen. Eben noch dreckbespritzt – ein Wisch, und sie waren wieder klar.
Jetzt lächelte sie verständnisheischend. »Wenn du Grund hast, dich zu beklagen, ist das schlechte Publicity. Und schlechte Publicity ist schlecht fürs Geschäft.«
Ich fühlte mich an ein Gespräch mit einem Autoverkäufer erinnert, das ich kürzlich geführt hatte. Er hatte sich ganz ähnlich ausgedrückt. Allerdings hatte er mir ein Auto verkaufen wollen und nicht seinen Körper.
»Du kannst mich auch anrufen.« Sie zog eine Karte hervor.
»Oh nein!«, stöhnte ich. »Jetzt gib mir nicht auch noch deine Geschäftskarte!«
Sie lachte vergnügt. Es hörte sich ziemlich echt an. »Ich wusste, dass du das hassen würdest«, sagte sie. Sie nahm einen Stift und schrieb etwas auf die Karte. Sie reichte sie mir. Es war eine elegante weiße Karte aus Büttenkarton. Sie war völlig leer bis auf die großen geschwungenen Zahlen in der Mitte. Kein Name, keine Adresse, nur die Zahlen. Das war wirklich das Äußerste an Diskretion.
Ich sah sie an. In ihren Augenwinkeln kräuselten sich die Lachfältchen. »Geschäftskarten sind in meiner Branche nicht üblich«, erklärte sie immer noch vergnügt. »Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen.«
Da saßen wir, zwei nackte Frauen, die vor Kurzem miteinander geschlafen, hatten in einem Bett, und sprachen miteinander, als säßen wir gemeinsam beim Kaffeetrinken auf der Kö oder sonst einer Prachtstraße.
»Möchten Sie noch etwas Zucker?«
»Ach nein, lieber noch einen kleinen Orgasmus. Aber nicht zu stark, ich muss heute noch zum Friseur.«
Es kam mir unwirklich vor.
Ich hatte keinen Grund mehr zu bleiben, so sehr ich mich auch vor der Erkenntnis verschloss. Aber ich wollte sie wiedersehen. Wie konnte ich das? Als ihre Kundin? Niemals! Hatte ich dann überhaupt eine Chance? Ich blickte noch immer auf die Karte in meiner Hand. Langsam wurde es mir ungemütlich in diesem Bett. Und es hätte so gemütlich sein können. Gemeinsam einschlafen, gemeinsam aufwachen, ein bisschen Schmusen, ein bisschen Sex . . . Ich spürte das Kribbeln neu erwachen.
Sie beobachtete mich. Ich schielte aus den Augenwinkeln zu ihr hinüber. Nein, das würde sie niemals tun, entschied ich. Und ich musste jetzt möglichst schnell weg von hier.
Sie musterte mich immer noch. Bevor ich über weitere Schritte nachdenken konnte, sagte sie: »Ich gehe jetzt unter die Dusche. Möchtest du vielleicht zuerst . . .?« Ihre höflich-professionelle Zuvorkommenheit kaschierte es nur schlecht: Das war der endgültige Rausschmiss. Ich schüttelte stumm den Kopf, ohne sie anzusehen. Sie stand auf. Ich sah ihr nach. Dieser anmutige Gang – jede ihrer Bewegungen war ein Genuss.
Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, sprang ich aus dem Bett. Ich zog mich schnell an. An der Tür drehte ich mich noch einmal um. Ich hörte das Wasser rauschen und sah auf das Bett. Diese Nacht würde ich sicher nicht so schnell vergessen.
Mein Büro wartete am nächsten Morgen um acht auf mich wie jeden Tag. ›Projektmanagerin‹ stand unter meinem Namen an der Tür. Zusammen mit zwei anderen Namen, denen meiner beiden männlichen Kollegen. Wir waren der sogenannte ›Projektleiterpool‹.
Meine Arbeit war mehr Teil meines Lebens, als ich es mir oft eingestehen wollte. Ich fühlte mich unwohl, wenn ich mich allzu lange davon fernhalten musste, zum Beispiel durch Urlaub oder Krankheit. Danach war ich oft wieder richtiggehend froh, wenn ich an meinen Schreibtisch zurückkehren konnte. Und oft hatte mir einzig und allein die Arbeit über meine privaten Krisen hinweggeholfen.
»Wo soll ich bloß anfangen? Guck dir das an!« Mein Kollege Markus ließ sein übliches Lamento los, sobald er mich sah.
Ich musste unwillkürlich lächeln. Auch wenn ich privat so gut wie nichts mit meinen Kollegen zu tun hatte, konnte ich mich doch nicht enthalten, sie auf eine gewisse Art zu mögen. Dass wir uns gut verstanden, erleichterte vieles.
»Ach, Markus, du bist doch nicht der Einzige, der viel zu tun hat. Wir sind schließlich alle mit Arbeit bis über die Ohren eingedeckt.« Meine Antwort entsprach seinen Erwartungen ebenso wie meinen üblichen Verhaltensweisen.
Es war schon ein eingespieltes Ritual. Er hörte mir nur mit halbem Ohr zu ebenso wie ich seine über den ganzen Tag verteilten ständigen Bemerkungen halb ignorierte oder automatisch beantwortete. Das gab uns ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und lenkte uns nicht zu sehr ab. Arbeitsmäßig waren wir mit völlig verschiedenen Projekten beschäftigt, sodass ein inhaltlicher Austausch kaum stattfand.
Mein zweiter Kollege kam in seiner üblichen ruhigen Art durch die Tür und sah mich. »Guten Morgen«, sagte er, was – wie ich wusste – nur die Einleitung zu einem Arbeitsgespräch sein konnte. Ich hatte mich nicht getäuscht. »Hast du schon gesehen, was ich dir auf den Schreibtisch gelegt habe?«
Ich drehte mich um und sah seinen Bericht auf einem Berg anderer Papiere liegen, mit denen die Schreibtischunterlage bedeckt war. Ich schüttelte den Kopf. »Nein, habe ich nicht. Ich bin gerade erst gekommen.« Ich ging zum Schreibtisch und blätterte schnell durch die Seiten. »Du hast die Planung angepasst, wie wir es gestern besprochen hatten?«
Er nickte. »Und ich habe die Änderungen ins Konzept aufgenommen, die du wolltest. Ich glaube, damit wirst du das Projekt um 20-30 Personentage verkürzen. Das siehst du in der Planung. Ich habe einen neuen Ausdruck gemacht.«
»Okay.« Ich lächelte ihm etwas zerstreut zu, weil mein Blick schon auf das nächste Papier fiel, das unter seinem zum Vorschein gekommen war. Meine Gedanken wanderten ab zu Variantenvorschlägen und Lösungen. Ich hatte mit der Arbeit begonnen.
Sie lenkte mich den Tag über auch wirklich gut von dem Erlebnis der letzten Nacht ab. Danach jedoch war der Rest des Tages nur noch eine einzige Tortur. Wo ich ging und stand, sah ich ihr Gesicht vor mir. Ihre Augen, wie sie mich angeblitzt hatten, und manchmal ihre Hände, wie sie . . . Bloß nicht darüber nachdenken! Ich sehnte mich nach ihr, ich konnte sie nicht vergessen. Körperlich kam ich mir vor wie eine Süchtige auf Entzug. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn mir auf dem Nachhauseweg jemand Dope angeboten hätte. Verliebt in eine Nutte – na wunderbar!
Ich hatte es mir so gesittet vorgestellt, unser nächstes Wiedersehen. In ein paar Wochen würde ich durch die Stadt gehen. Zufällig würde ich sie treffen. Wir würden uns freundlich begrüßen, im Eiscafé einen Bananensplit zusammen essen, über unsere gemeinsamen Erlebnisse plaudern – Weißt du noch, damals, als ich dich so schön befriedigt habe? – und uns für den nächsten Kaffeeplausch verabreden. Eine richtig nette, unkomplizierte Freundschaft. Das konnte ich in den Wind schreiben! In ein paar Wochen würde ich tot sein.
In der letzten Nacht hatte ich kaum geschlafen, auch nachdem ich zu Hause angekommen war. Den Tag über hatte ich vor lauter Arbeit nicht bemerkt, dass mein Appetit erheblich nachgelassen hatte, aber jetzt registrierte ich, dass ich selbst das übliche gemeinsame Mittagessen mit meinen Kollegen hatte ausfallen lassen. Kein Essen, kein Schlaf – wie lange hielt das ein Mensch wohl aus? In der irren Hoffnung, sie heute schon ›zufällig‹ zu treffen, rannte ich nun nach Feierabend ziellos durch die Stadt. Den Bananensplit aß ich auch – man muss dem Schicksal ja schließlich eine Chance geben.
Als es dunkel wurde, gab ich auf. Zu Hause in meinem Bett warf ich mich ruhelos herum. Ich hatte den Eindruck, ich hätte kein Auge zugetan, aber plötzlich war es Morgen. Ich kochte Kaffee, trank ihn, kochte noch mal Kaffee und trank auch den. Meine Nerven dankten es mir mit unterschwelligem Zittern. Seit vorgestern hatte ich nichts als diesen vorweggenommenen Bananensplit gegessen.
Ich rief in der Firma an und meldete mich ab. In diesem Zustand war ich nicht arbeitsfähig. Ich wollte nicht in die Stadt gehen, das würde mich wieder dazu verleiten, sie zu suchen. Also lief ich wie eine wildgewordene Tigerin im Käfig in meiner Wohnung herum. Vom Balkon zum Fenster, vom Fenster zum Balkon.
Ich sah auf die Uhr. Es war acht Uhr morgens. Viel zu früh, um jemanden wie sie anzurufen. Bis neun hielt ich es aus. Dann nahm ich die Karte mit der Telefonnummer hervor. Um Viertel nach neun rief ich sie an. Wahrscheinlich würde sie noch schlafen, bei den langen Nächten . . .
Sie meldete sich mit ihrer Nummer. Sie hörte sich ziemlich wach an.
Ich meldete mich auch, mit meinem Namen und weniger wach.
»Ja?«, fragte sie abwartend.
»Ich möchte . . .« Was sollte ich nur sagen? »Kann ich . . .?« Ich wollte doch keinen Termin von ihr, jedenfalls nicht ›offiziell‹.
»Du möchtest kommen?«, fragte sie ruhig.
»Ja.« Das war Schwerstarbeit. Ich atmete heftig aus.
»Wann?«, fragte sie wieder im selben ruhigen Ton.
Am liebsten sofort! Aber so konnte ich ihr das natürlich nicht sagen. »Heute?«, fragte ich deshalb, indem ich ihren Ton zu imitieren versuchte. Aber sie konnte es wesentlich besser.
»Ja, das geht. – Um elf Uhr?« Sie wartete auf meine Antwort.
»Ich wollte eigentlich jetzt gleich in die Stadt . . .«
»Nein.« Sie lehnte sehr bestimmt ab. »Vorher habe ich keine Zeit.«
Das hieß, sie hatte wahrscheinlich jetzt eine Kundin bei sich oder wartete auf eine! Kann man auf eine Nutte eifersüchtig sein? Ich konnte! Um antworten zu können, schluckte ich den Kloß in meinem Hals herunter. Mit halbwegs normaler Stimme – so hoffte ich wenigstens – sagte ich: »Gut. Also dann um elf.«
Sie legte auf. Ohne ein Wort. Sie war sicher nicht allein gewesen! Meine Phantasie gaukelte mir quälende Bilder vor. Während sie mit mir telefoniert hatte, hatte die andere Frau sie bereits ausgezogen, sie gestreichelt und geküsst. Aber hätte ich das nicht merken müssen? Ihre Stimme hatte so ruhig geklungen. Mach dir nichts vor! Sie ist eine Nutte – sie empfindet nichts dabei! So? Das hatte ich aber ganz anders in Erinnerung!
Der Minutenzeiger der Uhr schien auf Stunden eingestellt zu sein. Jedes Mal, wenn ich hochblickte, schien es mir, als hätte er sich kaum bewegt. Ich zog mich mindestens fünfmal um. Obwohl in meinem Kleiderschrank nicht allzu viel Abwechslung herrschte.
Hemden und Hosen in verschiedenen Variationen. Röcke oder Kleider besaß ich eh nicht. Zuerst erschien mir die Jeans zu leger, dann wieder die Bundfaltenhose zu fein. Das karierte Flanellhemd war zu rustikal und das seidene zu empfindlich bezüglich Schweißflecken.
Was glaubst du denn, was dich erwartet? Ach, lass mich doch! Du tust so, als würdest du zu einem Rendezvous gehen. Ach ja? Ich konnte mich nicht entscheiden, wie ich dieses Treffen einordnen sollte. Es stimmte, ich benahm mich wie bei einem Rendezvous, ich empfand es auch so, aber mein Kopf hatte recht: Es war keins. Es war eine Verabredung zu bezahltem Sex.
Endlich war es Viertel vor elf. Sie würde es nicht besonders mögen, wenn ich zu früh kam, und sie wohnte quasi bei mir um die Ecke. Also wartete ich noch fünf Minuten. Als ich vor ihrer Tür stand, war es eine Minute vor elf. Ich klingelte. Einen kurzen, entsetzten Moment lang dachte ich, sie hätte mich versetzt und wäre nicht zu Hause. Dann hörte ich Schritte. Was, wenn das ihre Kundin war, die sie verabschiedete? Nein, das würde sie nicht tun! Und wenn doch?
Die Tür öffnete sich. Sie war es. Sie hielt die Tür auf und trat zur Seite. »Komm rein«, sagte sie.
Ich ging an ihr vorbei. Ein dezentes Parfum streifte mich. Sie schien noch größer als das letzte Mal. Kein Wunder, bei den hochhackigen Schuhen! Sie war offensichtlich für ihre Kundinnen angezogen. Sie trug einen kurzen schwarzen Lederrock, Schuhe, die sie fast zehn Zentimeter größer machten, und eine Lederweste, unter der sie offenbar nichts anhatte. Es war nichts eindeutig Nuttiges. Viele Frauen auf der Straße waren so angezogen, aber ich stellte mir vor, wie die Frau, die vor Kurzem noch hiergewesen sein musste, diese Kleidung als aufregend empfunden hatte, wie sie die Weste aufknöpfte . . .
Sie ging ein paar Schritte – dass sie überhaupt auf diesen Schuhen laufen konnte! –, dann deutete sie auf das Sofa. »Setz dich doch und nimm dir was zu trinken.« Sie lächelte. »Ich glaube, du hättest es lieber, wenn ich mich umziehe.«
Ich sah ihr nach, wie sie durch eine Tür nach links verschwand. Mir wurde klar, dass ich bis jetzt angenommen hatte, dies sei ein Ein-Zimmer-Appartement. Weil das Bett hier stand. Aber natürlich – das war berufsbedingt. Sie hatte noch ein Schlafzimmer, in dem sie wirklich schlief – allein.
Was würde ihr Umziehen zutage fördern? Ein durchsichtiges Negligé – Strapse? Was glaubte sie, dass ich erwartete? Ich hatte mich eindeutig als Kundin angemeldet, und sie würde mich dementsprechend behandeln. Zum Teufel damit! Aber was hätte ich anderes tun sollen?
Die Tür öffnete sich, und sie kam wieder herein. Mit Negligé und Strapsen hatte ich mich verschätzt. Sie trug einen bodenlangen weißen Morgenmantel, etwas, das jede gute Ehefrau in ihrem Kleiderschrank hätte haben können, wenn auch vielleicht nicht in dieser Luxusausführung aus Seide.
Sie sah mich an. »Hast du nichts gefunden?«
Zuerst wusste ich nicht, was sie meinte. Dann bemerkte ich ihren Blick in Richtung Bar. »Ich mache mir nicht viel aus Alkohol«, sagte ich schnell.
Sie lachte und ging hinüber. »Ich auch nicht, aber ich habe auch Nicht-Alkoholisches.« Sie goss etwas in ein Glas, kam herüber und blieb vor mir und dem Sofa stehen. »Willst du mal probieren?« Sie bot mir ihr Glas an.
Ich sah zu ihr hoch. Ich wollte etwas ganz anderes probieren!
Sie sah, dass ich nichts trinken würde, und nahm einen Schluck. Dann stellte sie das Glas auf den Couchtisch und setzte sich neben mich auf das Sofa. Sie schlug die Beine übereinander. Der Morgenmantel klaffte ein wenig auseinander.
Ich sah ihre langen Beine. Sie waren nackt. Der Morgenmantel enthüllte nichts Unzüchtiges, aber ich nahm an, dass sie nichts darunter trug. Mein Mund wurde trocken. Ich begehrte sie so sehr, dass ich ihr am liebsten den Stoff vom Leib gerissen hätte. Ich griff nach dem Glas und trank einen Schluck. Es war Apfelsaft. Ich musste grinsen. Das erste Mal – zumindest offiziell – bei einer Nutte und dann Apfelsaft!
Sie saß immer noch da und lächelte mich an. Es war nicht das Lächeln, das sie das letzte Mal aufgesetzt hatte, um mir zu zeigen, wie nuttig sie sein konnte. Es war ein freundliches, fast liebevolles Lächeln. Wenn nicht diese Hitze in meinem Körper gewesen wäre, hätte ich mir einbilden können, sie wäre eine alte Freundin. Ich wünschte mir so sehr, sie zu berühren, dass ich die Empfindung ihrer Haut schon an den Fingerspitzen spürte. Aber ich wollte keine Kundin sein!
Sie merkte, dass ich nicht anfangen würde. »Magst du Musik?«, fragte sie.
Oh je, auch das noch! Irgendeine Schmuseplatte zur Einstimmung. Aber warum eigentlich nicht? Deshalb war ich schließlich gekommen. Ich musste dazu stehen. »Ja.« Mehr brachte ich nicht zustande.
Sie stand auf und ging zu einer kleinen Stereoanlage hinüber. Sie legte eine CD ein, drückte auf den Startknopf und drehte sich um. Die Vier Jahreszeiten. Ich sah wohl ziemlich erstaunt aus. »Ich glaube, du magst Klassik«, sagte sie. »Aber ich kann auch etwas anderes auflegen, wenn du möchtest.« Sie blieb abwartend stehen.
»Nein, nein – das ist genau richtig. Ich mag Vivaldi.« Selbst wenn sie Heavy Metal aufgelegt hätte, hätte ich ihr wahrscheinlich nicht widersprochen, aber in diesem Falle stimmte es sogar.
Sie kam wieder herüber und setzte sich neben mich. Also jetzt folgte dann wohl die große Verführungsszene. Aber nichts dergleichen. Sie blieb einfach sitzen. Ich starrte auf ihre Beine, die sie wieder übereinandergeschlagen hatte. Züchtiger hätte keine Hausfrau dasitzen können. Nur ein Hauch von Luxus und Erotik. Es trieb mich. Ich musste sie einfach fragen. »Hast du . . .« Meine Stimme versagte. Ich versuchte es noch einmal. »Hast du darunter etwas an?«
Ich hatte sie anscheinend erheitert. Sichtlich amüsiert bemerkte sie: »Nein. Würde sich das denn lohnen?«
Ich saß wie gelähmt da. Es war ein Spiel. Sie zog mich auf, benahm sich auf ungezwungene Art verführerisch, forderte mich auf, sie zu verführen. Aber mit wie vielen Frauen hatte sie das schon vor mir gespielt? Das ist doch egal, du genießt es doch! Ja, ich genieße es, aber ich würde es noch mehr genießen, wenn sie es nur für mich tun würde, für mich allein verführerisch wäre. Eine solche Frau würdest du niemals für dich allein haben. Selbst wenn sie keine Nutte wäre. Dazu ist sie zu schön.
Ich musste wohl ziemlich finster dreinblicken. Als ich sie ansah, fiel ein Schatten über ihr Gesicht und wischte die Amüsiertheit weg.
»Soll ich mich ausziehen?« Sie griff an ihren Gürtel.
»Nein. Bitte nicht.« Ich hob die Hand. Das konnte ich nicht ertragen, diesen Blick. Dieses Warten auf eine Anweisung.
Sie sah mich an. »Willst du jetzt gleich . . .?« Sie deutete mit dem Kopf zum Bett.
Oh ja, ich wollte – und wie ich wollte! Aber nicht so, nicht in dieser professionellen Art. Und wie viel Zeit hatten wir überhaupt? Vielleicht sollten wir diesen Punkt zuerst einmal klären. Ich räusperte mich. »Wie lange . . .?«
Sie lachte auf. Es klang erleichtert. »Oh, du machst dir Sorgen wegen der Zeit?« Sie beugte sich zu mir herüber und legte wie zufällig ihre Hand auf meinen Schenkel. Es durchfuhr mich wie ein Blitz. Ihr Gesicht kam näher. »Darüber brauchst du dir keine Gedanken zu machen.« Sie sprach sehr leise. Sie legte ihre Wange an meine und strich daran entlang. Ihre Hand schob sich an meinem Schenkel höher. An meinem Ohr flüsterte sie: »Ich habe sehr viel Zeit für dich. Eine Kundin hat abgesagt.«
Ich warf mich rückwärts gegen die Sofalehne. Da war es wieder!
»Mein Gott!« Sie sprang auf und schob verärgert die Hände in die Taschen ihres seidenen Morgenmantels. »Tu doch nicht so!« Ihre Augen sandten funkelnde Blitze in meine Richtung. »So ist es nun mal! Du weißt, was ich bin!« Sie drehte sich einmal um ihre Achse, starrte in die andere Richtung und drehte sich dann wieder zu mir hin um. »Und du bist heute auch meine Kundin, oder etwa nicht?«
Ich setzte mich auf meine Hände und wand mich hin und her. »Ja, ich weiß.«
Sie sah mich etwas besänftigt an, kam zum Sofa, stützte ein Knie darauf ab und nahm meinen Kopf in ihre Hände. »Würde es dir helfen, wenn ich dir sage, dass ich dich wirklich mag?« Sie blickte mir direkt in die Augen.
Ich nickte stumm und schluckte. »Das sagst du nicht zu . . .?«
»Nein, das sage ich nicht zu jeder.« Sie lachte spöttisch auf. »Wirklich nicht!« Sie behielt meinen Kopf in den Händen. »Also, ich mag dich.« Sie gab mir einen leichten Kuss auf die linke Wange. »Ich mag dich wirklich.« Dasselbe auf der rechten. Jetzt lächelte sie verführerisch. »Ich mag dich sogar sehr.« Sie tauchte mich mit ihrem sinnlichen Flüstern in einen heißen Vulkansee. Dann ließ sie sich nach vorn sinken und küsste mich. Sie konnte unwahrscheinlich gut küssen, und wie bei unserer ersten Begegnung setzte sie mich auch diesmal damit völlig in Brand.
Sie ließ sich ganz neben mich sinken und zog mich zu sich hinüber. Ich legte die Arme um sie. Die Seide war wunderbar glatt und kühl. Ich wusste nicht, ob ich sie lieber mit oder ohne dieses Kleidungsstück im Arm gehalten hätte. Ich löste mich von ihrem Mund und sagte: »Ich möchte nicht, dass du das ausziehst.«
Sie lachte ganz leicht. »Ich denke, das wird sich einrichten lassen.« Sie legte ihre Lippen an meine Kehle und fuhr daran entlang.
Ich stöhnte. Die Lederpolster waren weich und einladend. Sie ließ sich immer mehr zurücksinken, bis sie unter mir lag, war immer noch mit ihrem Mund an meinem Hals. Sie begann, mein Hemd aufzuknöpfen. Bei jedem Knopf, den sie öffnete, fuhr sie mit ihren Lippen über die Haut, die sie freilegte. Dann ließ sie sich wieder ganz zurücksinken und sah mich an. Sie lächelte nicht. Ich blickte auf sie hinab und wusste, dass ich sie liebte. Und dass ich es ihr niemals sagen dürfte, ebenso wenig, wie ich es jemals von ihr hören würde.
»Willst du es dir nicht etwas bequemer machen?«
Ich kam aus meinen Gedanken zurück. Noch immer hatte ich meine Stiefel an. Wie peinlich! Ich sprang auf. Ich zog meine Stiefel aus und öffnete den Bund meiner Hose.
Ich sah sie auf dem Sofa liegen. Der weiße Morgenmantel hob sich vom tiefen Schwarz des Leders ab. Unglaublich, wie sie es fertigbrachte, so perfekt hingegossen dazuliegen. Ich betrachtete sie versunken.
»Soll ich es tun?«
»Was?« Ich war ganz irritiert. Ich hatte vergessen, weshalb ich aufgestanden war.
»Dich ausziehen.« Es klang absolut selbstverständlich. Sie wirkte zuvorkommend.
Natürlich – die Wünsche ihrer Kundinnen . . . Ich schüttelte heftig den Kopf, um die unangenehmen Gedanken zu verscheuchen. »Nein«, kämpfte ich laut gegen meine innere Stimme an. Zu laut. Deshalb fügte ich abschwächend hinzu: »Das kann ich schon selbst.«
»Davon bin ich überzeugt«, stellte sie wieder leicht amüsiert fest.
Die Seide des Morgenmantels, die sie umfloss, hob die Konturen ihres Körpers deutlich hervor. Ihre geraden Schultern, ihre Brüste, die geschwungene Linie ihrer Hüften. Ich zog langsam meine Hose aus. Sie sah mir zu. Ich wurde verlegen. »Könntest du vielleicht woanders hinschauen?«
»Ja, natürlich.« Sie erklärte sich sofort mit meinem Wunsch einverstanden. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass sie sich nur widerwillig abwandte.
Das ist unfair von dir. Du betrachtest sie mit solchem Vergnügen, und wenn sie das gleiche tut . . . Ja, ich weiß, aber sie ist so schön – und sie ist es gewöhnt! Mein Gewissen wurde mir langsam lästig. Ist das eine Entschuldigung für schlechtes Benehmen? zeterte es noch einmal aus der hintersten Ecke heraus. Ich ignorierte es hoheitsvoll.
Ich ging wieder auf das Sofa zu. Meine Erregung stieg. Ich spürte den Puls an meinem Hals laut pochen. Sie sah immer noch zum Fenster hinaus. Ich kniete mich neben das Sofa und legte eine Hand auf ihren Bauch. Sie reagierte nicht. Nach einer Sekunde begriff ich. »Sieh mich an, bitte«, bat ich. Sie wandte mir ihr Gesicht zu. Wenn sie doch nicht immer alles tun würde, was ich von ihr verlangte!
Ihr Bauch hob und senkte sich regelmäßig unter meiner Hand. Ich fuhr tiefer und glitt unter den Stoff. Meine Hand lag auf ihrem Oberschenkel. Sie atmete immer noch ruhig und gleichmäßig. Mir fielen meine Überlegungen von heute früh ein. Vielleicht empfand sie wirklich nichts dabei. Aber letztes Mal . . .? Da war vieles so anders gewesen als heute. Ich zog meine Hand zurück.
Sie sagte nichts. Sie stützte sich auf einem Ellbogen auf und legte die andere Hand in meinen Nacken. Ihre Lippen öffneten sich. Sie zog mich ein wenig näher zu sich heran und küsste mich. Sie kraulte meinen Nacken, ihr Kuss war vorsichtig forschend. War das Technik Nummer dreihundertvierundzwanzig? Trotz ihrer erfahrenen Zunge sank meine Erregung auf den Nullpunkt.
Sie bemerkte es. »Mache ich etwas falsch?« Diese freundliche Bereitschaft in ihrer Stimme, dieses Bestreben, es mir in allem recht zu machen. Da war sie wieder, die Professionalität. Aber es war ja auch ihr Beruf! Warum konnte ich das nicht akzeptieren?
»Nein, nein«, wehrte ich schnell ab. »Es liegt an mir. – Ich bin wohl nicht in Stimmung heute.« Ich wusste, das war eine glatte Lüge, und sie wusste es auch. Ich erhob mich. Ich konnte es nicht und ich würde es nie können. Das war mir jetzt klar. Das letzte Mal, als wir uns gesehen hatten, war alles eine Überraschung gewesen. Diesmal war es geplant –, und das war der Unterschied. Sie blickte zu mir hoch, abwartend, aber – zumindest schien es mir so – ohne besonderes Interesse. »Ich gehe sofort«, sagte ich. »Entschuldige bitte.«
Sie stand ebenfalls auf, mit einer dieser eleganten Bewegungen, die mich mir ihr gegenüber wie einen Bauerntrampel vorkommen ließen. »Oh, das macht nichts. Ein unverhoffter freier Nachmittag.« Sie lächelte. Wie eine Nachbarin. Eine sehr flüchtig bekannte Nachbarin. Sie machte keinen Versuch, mich zurückzuhalten.
Natürlich nicht, warum sollte sie? Es lag ihr nichts an mir. Die Fassade hatte ein wenig gebröckelt bei unserem ersten Treffen, aus welchem Grund auch immer. Jetzt war jedenfalls nichts mehr davon zu spüren. Ich merkte, wie mir die Tränen in die Augen zu steigen begannen. Jetzt erst wurde mir bewusst, wie sehr ich mir eine andere Reaktion ihrerseits gewünscht hatte.
Ich drückte das Brennen in meiner Kehle hinunter und drehte mich um. Mit drei Griffen war ich angezogen. Sie stand immer noch da mit diesem gutnachbarlichen, wohlwollenden Lächeln im Gesicht. »Ich – was bin ich dir schuldig?« Es war schrecklich. Hoffentlich hielt sie sich nicht zu lange damit auf. Gleich würde mir das Wasser in Strömen über das Gesicht laufen.
Ihr Lächeln hatte sich nicht um die geringste Nuance verändert. Jetzt hob sie die Hand. »Nichts. Deine Küsse waren es wert.«
Ihr Lächeln machte mich verrückt. Ihre unbeteiligte Haltung führte mir deutlich vor Augen, wie sehr ich mich getäuscht hatte. Verliebtheit kam bei ihr nicht vor. Und ich war offensichtlich nicht die Frau, die sie hervorrufen konnte.
Dass umgekehrt so sehr das Gegenteil der Fall war, war eindeutig mein Problem. Liebe konnte sie sich in ihrem Beruf nicht leisten. Das hätte mir von vornherein klar sein müssen. Und nur ein an eindeutiger Selbstüberschätzung leidender weiblicher alter Macho wie ich konnte etwas anderes erwartet haben. Ich kriegte jede rum, war es nicht so? Ja, eine ›normale‹ Frau vielleicht, aber sie? Sie hatte mehr Frauen im Bett gehabt, als ich mir überhaupt nur vorstellen konnte.
Ich sah mich wie in einem Spiegel. Eine mittelgroße weibliche Führungskraft mit typischer Lesbenkurzhaarfrisur auf dem dunkelhaarigen Kopf. – Wäre ein schöner Kontrast zu ihrem Blond. – Hörst du wohl auf! In so einer Situation macht man keine Scherze!
Doch der relativierende Blick, den mir mein intellektuelles Ich in diesem Moment aufzwang, half mir, meinen Sinn für die Realität wenigstens zum Teil wiederzufinden und die Tränen zu unterdrücken, die ich schon hinter den Augäpfeln gespürt hatte. Ich musste ungewollt lächeln, auch wenn es sicher etwas verrutscht aussah. »Also dann«, sagte ich, um überhaupt noch etwas zu sagen.
Und sie streckte mir die Hand hin! Automatisch legte ich meine Hand in ihre. Wie unglaublich mir dieser Augenblick erschien . . . eine Ewigkeit von fünf Sekunden. Sie hielt den Knigge genau ein. Sie lächelte immer noch. Ich konnte nicht mehr. Schnell drehte ich mich um und ging zur Tür.
Als ich sie hinter mir schloss, sah ich in einer letzten Wahrnehmung am Rande meines Gesichtsfeldes, dass sie sich schon umgedreht hatte und zum Schlafzimmer ging. Sie würde ihren unverhofften freien Tag genießen . . .
Ich drückte auf den Liftknopf – und nahm dann doch die Treppe. Ich ging so langsam hinunter, dass ich jede Stufe einzeln unter meinen Füßen spüren konnte. Am liebsten wäre ich umgekehrt. Es war alles so sinnlos. Da saß ich seit Jahren in meinem Büro, konnte Projekte leiten und ein Projektteam führen, Entscheidungen treffen, die die Firma Millionen kosteten oder sie ihr einbrachten, und was tat ich hier? Ich litt und verzehrte mich nach einer Frau, die es nicht wert war, die mich gar nicht wollte.
Der Weg nach Hause war mit tränenvollen Einblicken gepflastert. Verschwommen sah ich meine Umgebung an mir vorbeiziehen. Hoffnungsvolle und dann wieder resignierte Gedanken schossen mir durch den Kopf. Vielleicht würde sie doch noch . . . vielleicht auch nicht . . . Sie hatte mich sicher schon längst vergessen. Sie machte einen Ausflug in die nähere Umgebung – ich konnte sie mir gut in einem schicken kleinen Sportwagen vorstellen. Na ja, vielleicht besser in einem größeren, bei ihren langen Beinen.
Ach, was ging mich das eigentlich an? Was hatte ich mir denn vorgestellt? Das war doch nicht das erste Mal, das ich mich in eine Frau verliebt hatte, bei der es umgekehrt nicht so war. Und es war beileibe nicht das erste Mal, dass ich litt. Und war das jemals von Erfolg gekrönt gewesen? Nein!
Ich erinnerte mich an eine meiner ›großen Lieben‹ damals im Studentenwohnheim. Sie hatte ihr ähnlich gesehen. Eigentlich hatten sie sich alle ähnlich gesehen. Und sobald ich solch eine blonde, blauäugige Madonna sah, war ich hin und weg. Das war’s doch! Mein Studium hatte gelitten – jede Frau hatte mich mindestens ein Semester gekostet –, und ich hatte gelitten. Was hatte ich davon? Jetzt hatte ich einen guten Job, seit einiger Zeit keine feste Freundin mehr, und eigentlich ging es mir doch gut – oder etwa nicht?
Aber bei ihr . . . bei ihr war da noch etwas anderes. Eine zusätzliche Empfindung. Frau Gottes! Das hast du dir doch auch jedes Mal eingebildet. Jedes Mal war die Frau etwas Besonderes. Sei bloß froh, dass du ausschließlich männliche Kollegen hast, sonst wäre dort das Chaos auch schon vorprogrammiert. Dann hättest du es sicher keine sechs Jahre bei der Firma ausgehalten.
Ich musste einsehen, dass sich die Dinge immer wiederholten. Und ich hatte nichts dazugelernt. Eine schöne Frau, zumal, wenn sie blond war, konnte alles von mir haben, und ich verliebte mich fast automatisch in sie.
Eine meiner Großmütter hatte mir einmal prophezeit, dass ich es nicht leicht haben würde im Leben. Damals hatte mich das geärgert. Aber war es nicht tatsächlich so gekommen? Warum musste ich es mir selbst so unnötig schwer machen? Ich nahm die Erkenntnis mit nach Hause, dass es wohl so sein musste. Auch das keine neue Erkenntnis. Hatte ich das nicht auch schon bei der vorigen Frau gedacht? Und bei der vor-vorigen?
Die paar Minuten Weg hatten mich zumindest ein wenig zur Ruhe kommen lassen. Dachte ich. Ich legte mich auf meine Ottomane, und schon kam die Sehnsucht wieder: Ich roch sie, ich spürte sie, ich sah sie vor mir. Nicht so, wie sie die meiste Zeit gewesen war, sondern so, wie ich sie mir wünschte. Als die Frau, die mich liebte und mir erlaubte, sie zu lieben.
Mein Körper sehnte sich so nach ihren Berührungen, dass mir ganz heiß wurde. Vielleicht war es auch nur die unerfüllte Erregung von vorhin. Ich sprang auf und versuchte, mich durch Bewegung abzureagieren. Aber mein Körper ließ sich nicht betrügen. Jedenfalls nicht durch so geringfügige Anstrengungen. Also nahm ich meine Sporttasche und fuhr ins Lady-Fitness-Center.
Ich zog mein übliches Zwei-Stunden-Programm durch, das ich ohnehin zwei- bis dreimal in der Woche absolvierte, und ging dann noch an die Kraftmaschine. Als ich dort beim besten Willen nichts mehr stemmen oder reißen konnte, weil meine Muskeln flatterten, stieg ich auf eines der Trainingsräder.
Ich wählte die Position »Wettkampf« und suchte mir den schwersten Gegner aus. Ich wusste, dass ich ihm nicht gewachsen war, aber ich hätte es nicht verkraftet, gegen einen schwächeren zu gewinnen. Ich sah mich heute als die absolute Verliererin. Als der rote Punkt auf der Mattscheibe Kilometer vor mir das Ziel erreichte und mir damit meine Selbsteinschätzung bestätigte, war ich endlich zufrieden.
Erschöpft ging ich unter die Dusche. Ich schaffte es kaum mehr, in meinem Auto nach Hause zu fahren und die Treppen zu meiner Wohnung zu erklimmen. Ich ließ mich im Trainingsanzug aufs Bett fallen und schlief sofort ein.
Ein wilder Traum weckte mich. Eine Person stand bei mir im Zimmer. Dinge bewegten sich. Die Tür öffnete sich langsam und warf einen Schatten an die Wand. Dahinter schien sich etwas zu verbergen. Ich griff nach der Lampenschnur und tastete nach dem Schalter. Als das Licht aufflammte, sah ich, dass alles nur Einbildung gewesen war.
Eine Psychologin hatte mir einmal auf ein ähnliches Erlebnis hin erklärt, solche Ängste seien die Umkehrung einer Wunschvorstellung. Eigentlich möchte man nicht allein sein, aber man ist es. Also stellt man sich vor, jemand wäre da. Leider macht einem das aber genauso viel Angst wie allein zu sein, weil es nicht real ist.
Meine Ängste beseitigte das leider nicht, auch wenn mir die Erklärung vertraut war. Also ließ ich das Licht brennen, und nachdem ich meine Augen einige Male noch einmal kurz vor dem Einschlafen erschreckt aufgerissen hatte, ließen meine abgenervten Gliedmaßen es nicht mehr zu, dass ich ihnen weiterhin den erholsamen Schlaf verweigerte. Ich schlief sogar mit einem Lächeln auf den Lippen ein, denn das letzte, an das ich denken musste, war ein ähnliches Erlebnis in dem zweiten Studentenwohnheim, in dem ich gewohnt hatte.
Damals war ich gerade dort eingezogen und hatte einen Angsttraum, der mich aus dem Zimmer trieb. Wie das in Studentenwohnheimen so ist, hatte ich aber eben nur dieses Zimmer. Ich saß also auf dem Gang und traute mich nicht wieder hinein zu den unheimlichen Geistgestalten.
Nachdem ich schon halb erfroren war (eine Decke konnte ich natürlich auch nicht aus dem Zimmer holen), kam am frühen Morgen ein Kommilitone nach Hause, der selbstverständlich völlig unbeeindruckt war und mich nur zitternd im Schlafanzug auf dem Gang sitzen sah.
Ich hatte ihn erst einmal gesehen, wir kannten uns also überhaupt nicht, aber seine Bemerkung »Hast du Mäuse im Zimmer?«, riss mich endlich aus meinen tristen Gedanken, weil ich lachen musste.
Danach konnte ich mein Zimmer wieder betreten und weiterschlafen. Eine solche Bemerkung, einen solchen unbekannten und unverhofften Freund oder natürlich besser noch eine solche Freundin hätte ich mir nun auch gewünscht. Aber diesmal musste ich offensichtlich allein mit der Sache fertigwerden.
Am nächsten Tag ging ich ins Büro, obwohl ich wusste, dass ich mich kaum würde auf die Arbeit konzentrieren können. Zu Hause zu bleiben schien mir aber der größere Schrecken zu sein. Wie die Mäuse im Zimmer. Und bei Tag hatte ich noch nicht einmal diese Entschuldigung. Also versuchte ich, meine Arbeit auf das Nötigste zu beschränken.
Ich war sicher nicht die beste Arbeitnehmerin an diesem Tag und schon gar nicht die beste Vorgesetzte. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Projektteam waren zwar daran gewöhnt, dass ich nicht immer gleich gelaunt war, aber so hatten die meisten mich sicher noch nie oder lange nicht mehr erlebt. Statt Entscheidungen zu treffen, schob ich sie vor mir her. Ich delegierte, was ich delegieren konnte, aber so schlecht, dass ich dauernd Nachfragen beantworten musste. Und diejenigen, die das Pech hatten, nachfragen zu müssen, mussten sich auch noch von mir anpflaumen lassen.
Das ging so lange gut, bis ich mich selbst nicht mehr ausstehen konnte. Ich versuchte es noch einmal mit dem Fitnessstudio. Danach kehrte ich etwas entspannter ins Büro zurück und war für den Rest des Tages für meine Umwelt leidlich ertragbar.
Mich selbst befriedigte mein Unvermögen, die Situation in den Griff zu bekommen, jedoch überhaupt nicht. Ich wusste aus Erfahrung, dass ich nur zwei Chancen hatte. Entweder ich brachte sie dazu, sich mir gegenüber so zu verhalten, wie ich es mir wünschte, zumindest teilweise, oder ich war dazu verdammt, eine sehr lange Zeit über sie nachzudenken, immer schwankend zwischen Freude und Hoffnung, Enttäuschung und Rechtfertigungen.
Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich sie zu Ersterem überreden sollte, war die zweite Möglichkeit dermaßen kraftraubend und enervierend, wie ich aus mehrfacher Praxis wusste, dass ich sie lieber vermeiden wollte. Ich kam zu dem Schluss, dass ich auf das eine – nämlich Sex – verzichten musste, wenn ich das andere – nämlich meine innere Befriedigung – bekommen wollte.
Eigentlich unvereinbar. Im Zusammenhang mit ihr geradezu unvorstellbar. All unsere bisherigen Begegnungen hatten nur mit Sex zu tun gehabt. Wie sollte ich auf einer anderen Ebene überhaupt an sie herankommen? Unser ganzes Verhältnis – wenn es denn eins gab – beruhte nur auf ›dem Einen‹. Was würde ich einer Frau vorschlagen, die ich gerade erst kennengelernt hatte, einer Frau, mit der ich noch nicht geschlafen hatte und von der ich auch nicht wusste, ob es überhaupt dazu kommen würde?
Das war eigentlich klar. Ich würde etwas ganz Banales vorschlagen, Kino oder essen gehen zum Beispiel. Tja, warum eigentlich nicht? Schlimmstenfalls konnte sie Nein sagen, und dann würde ich endgültig der Verzweiflung anheimfallen.
Ich merkte, wie meine masochistische Ader sich für diesen Entschluss begeisterte. Diese Nacht würde ich ausschlafen, und morgen war auch noch ein Tag. Vielleicht ein Tag, um jemand anzurufen . . .
»Das ist eine etwas ungewöhnliche Verabredung«, sagte sie.
Das war wirklich ›Welt verkehrt‹. Sie fand es völlig in Ordnung, sich zum Sex zu verabreden, aber eine einfache Einladung zum Essen nannte sie ungewöhnlich.
Bislang hatte ich essen gehen für eine relativ gewöhnliche Beschäftigung gehalten. Wenn mich die Arbeit in meinem Job nicht gerade davon abhielt, weil sie meine Sozialkontakte mal wieder sabotierte – manchmal rief man mir schon ›Workaholic‹ hinterher –, ging ich zwei- oder dreimal pro Woche mit einer Freundin zum Essen. Selbst zu kochen war bei meinem Arbeitsvolumen oft unmöglich, und es machte mir auch keinen Spaß für mich allein.
Wenn ich Zeit dazu hatte – was allerdings wirklich sehr selten vorkam –, lud ich am Wochenende ein paar Freundinnen ein und kochte für sie. Entgegen meinem äußeren Erscheinungsbild, das solche ›weiblichen‹ Beschäftigungen nicht gerade nahelegte, kochte ich sehr gut. Meine Aufläufe waren berühmt.
»Zu ungewöhnlich, um sie anzunehmen?«, fragte ich direkt. Mir schien, es hatte keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden. Ihre Entscheidung war vermutlich von Kriterien abhängig, die ich nicht kannte – so wenig, wie ich sie kannte. In meinem Kopf schwirrten ein paar Gedanken umher, was ich tun würde, wenn sie ablehnte: ein paar Luftballons vor ihrem Fenster steigen lassen mit ›Happy Birthday‹ darauf? Ich wusste ja nicht einmal im Entferntesten, wann sie Geburtstag hatte. Was ich auch tat, ich würde mir nur einen Korb holen. Ich liebte es, mich von einer Frau frustrieren zu lassen, in die ich unglücklich verliebt war!
»Zu ungewöhnlich, um nicht darüber nachzudenken«, sagte sie gerade.
Sie ließ sich nicht überrumpeln. Weder geschäftlich noch privat. Das konnte ich mir gut vorstellen. Doch ihre kühle Art reizte mich besonders. Ich wollte wissen, was dahintersteckte.
»Aber ich kann dir jetzt noch keine Antwort darauf geben.«
Sie fuhr so gleichmütig fort, dass ich mich dafür hätte ohrfeigen können, sie überhaupt angerufen zu haben. Ihr lag überhaupt nichts daran, sich mit mir zu treffen. Außer vielleicht beruflich, aber das war nicht das, was ich ihr angeboten hatte. Oder war es das, was sie abhielt? Musste sie erst entscheiden, in welche Kategorie ich gehörte: Kundin oder – ja, oder was?
»Kannst du mich nächste Woche noch einmal anrufen?«
Was! Nächste Woche? Verdammt noch mal, was tat ich denn hier? Sie wollte doch gar nicht! »Ja, sicher. Wann – wann bist du denn am besten zu erreichen?« Die Vorstellung, sie bei der ›Arbeit‹ zu stören, war mir unerträglich.
»Das merkst du dann schon«, sagte sie.
Natürlich – entweder sie nahm ab oder sie war ›beschäftigt‹. Warum quälte ich mich so? Weil du das immer tust. Weil du die Frauen am begehrenswertesten findest, die dich abweisen. Es ärgerte mich, aber ich konnte meinem Kopf noch nicht einmal widersprechen. Er hatte einfach recht. Und ehrlich gesagt war das wahrscheinlich der einzige Grund, warum wir überhaupt zusammengekommen waren. Es hatte mich gereizt, ihr kühles An-mir-vorbei-Blicken, ihre Gleichgültigkeit, gespielt oder echt. Mittlerweile sollte ich vielleicht doch erkennen, dass es echt gewesen war. Ich hätte gern etwas anderes vermutet.
»Gut, aber bevorzugst du einen bestimmten Tag?« Meine Stimme klang ganz sicher etwas sarkastisch. Ich hatte keine Lust, jeden Tag bei ihr anzurufen und erst nach der ganzen Woche Erfolg zu haben. So weit ging mein Masochismus denn doch nicht.
Sie lachte – tatsächlich, sie lachte! »Du bist sauer«, bemerkte sie.
»Wundert dich das?« Jetzt war ich wirklich eingeschnappt. Sie hatte mich ausgelacht! So etwas vertrug ich überhaupt nicht. Und im Übrigen wurden meine Einladungen zum Essen im Allgemeinen mit mehr Begeisterung aufgenommen. Ich müffelte vor mich hin.
Und sie ging nicht darauf ein! »Ich bin vor Mittwoch nicht zu erreichen, wenn dir das hilft.«
»Oh ja, das hilft mir sehr. Vielen Dank!« Ich knallte wütend den Hörer auf die Gabel. Wofür hielt sie mich eigentlich? Wahrscheinlich für genau das, was ich war: eine Hündin, die an ihrer Tür kratzte. Ich war mir selbst peinlich, aber ich konnte noch nicht aufgeben. Immerhin hatte sie nicht Nein gesagt.
Ich überhäufte mich selbst mit Arbeit und versuchte, nicht ständig an sie zu denken. Das Projekt hatte schon lange nicht mehr so schnelle Fortschritte gemacht.
Mit dem Nicht-an-sie-Denken hatte ich weniger Erfolg. Jede freie Minute war mit Gedanken an sie gefüllt. Mitten im Bearbeiten eines Formulars, mit dem ich eine Erweiterung des Projektbudgets um eine halbe Million beantragen wollte, sah ich sie in ihrem Morgenmantel vor mir, wie sie mir zulächelte.
Ich wollte sie ausziehen, um mich an ihr zu rächen, aber es ging nicht. Ich konnte sie mir einfach nicht nackt vorstellen. Ich wusste schon, warum. Ihren Körper hatte sie mir bereitwillig zur Verfügung gestellt. Dort verhüllte sie nichts. Von ihrer Seele hatte ich jedoch bisher nur ein winziges Stück erhascht, als sie nicht aufpasste. Das, was mich interessierte, war der Rest, der zu diesem kleinen Stück gehörte. Der war allerdings sehr verhüllt. Und sie würde ihn kaum freiwillig preisgeben.
Im Laufe der Woche kam ich zu dem Entschluss, es nur noch ein letztes Mal zu versuchen. Ich konnte mich doch nicht lächerlich machen! Ob ich diesen Entschluss würde einhalten können, wusste ich nicht. Sie beherrschte meine Gedanken vollkommen.
Das Schlimmste daran war, dass ich mir vorstellte, sie würde sicher keinen einzigen Gedanken an mich verschwenden. Wahrscheinlich amüsierte sie sich mit irgendeiner Frau, die ihr mehr zu bieten hatte als ich.
Die Tage schlichen dahin wie Szenen in einem schlechten Film. Mir fiel unsere erste Begegnung wieder ein, in einem Frauencafé namens Bella Donna. Wie merkwürdig bezeichnend. Genau das war sie: eine schöne Frau und – wie es mir jetzt vorkam – ein schleichendes, tödliches Gift.
Und wie hatte sie mich gereizt! Sie war hereingekommen, eine majestätische Erscheinung, schien alle und niemand zu kennen. Sie hätte genauso gut das erste wie das tausendste Mal da sein können. Ich konnte nicht feststellen, ob die Frauen, mit denen sie sprach, sie angesprochen hatten, weil sie sie ebenso faszinierend fanden wie ich oder weil sie sie schon kannten. Sie behandelte jede mit der gleichen unverbindlichen Nonchalance und setzte sich zu keiner an den Tisch. Sie saß allein, und die anderen kamen zu ihr, wirklich wie eine Königin, die Hof hielt.
Ich beobachtete sie von Weitem, und nach einiger Zeit beschloss ich, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Aber sie beachtete mich einfach nicht. Und das reizte mich noch mehr. Vielleicht war es auch meine etwas frustrierte Stimmung, die mich dazu trieb, mir unbedingt ein Erfolgserlebnis verschaffen zu wollen. Sie schien höchst desinteressiert.
Wie es dann wirklich passierte, konnte ich später nicht mehr nachvollziehen. Ich fand mich einfach plötzlich in einer Situation wieder, in die hineingeraten zu sein ich mich nicht erinnern konnte.
Und das war nun das Ergebnis!
Beim besten Willen konnte ich nicht den ganzen Tag nur an sie denken. Ich musste manchmal auch noch etwas anderes tun, ein bisschen arbeiten zum Beispiel. Diese erzwungene Ablenkung war mein Glück. Sonst wäre die Zeit wohl nie herumgegangen. Und tatsächlich: Nach einem öden und in selbstgewählter Einsamkeit verbrachten Wochenende – warum tat ich mir das an? – wurde es langsam Mittwoch. Nein, nein, nein! verbot ich mir den ganzen Vormittag, sie anzurufen. Wer wusste, was mich erwartete?
Ich dachte darüber nach, dass sie am Vormittag wahrscheinlich am ehesten ›ausgebucht‹ war. Die einen gingen zum Friseur, die anderen zum Einkaufen . . .
Ich fragte mich, was die Frauen dabei empfanden: sie so zwischen Metzger und Gemüsefrau einzuschieben? Hatte das etwas Frivoles für sie oder einen besonderen Reiz? Oder war es nur das, was sie ohnehin immer taten: sich die Zeit vertreiben? Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir bewusst, dass das nicht meine Welt war. Und ich hatte mich in sie verliebt!
Ha, ha, ha! Du machst dich lächerlich, du machst dich lächerlich! Wie beim Seilspringen früher in der Schule, wenn das Seil sirrend durch die Luft schnitt, bevor es klatschend den Boden berührte, drehte sich der Singsang in meinem Kopf. Wütender Trotz stieg in mir hoch. War ich nicht Herrin meiner selbst? Konnte ich etwa nicht selbst entscheiden, was gut für mich war und was nicht?
Ist das hier gut für dich? Nein, wahrscheinlich nicht. Warum tust du es dann? Eben.
So war es. Ich musste mich damit abfinden. Ich sehnte mich nach ihr, und ich wollte beileibe nicht nur mit ihr essen gehen. Ich machte mir etwas vor.
Besondere Frauen erfordern besondere Mittel. – Du Idiot!
Also rief ich sie am Nachmittag an. Es war fast wie beim ersten Mal. Sie meldete sich ruhig und ohne Namen.
Eine belanglose Begrüßungsfloskel fiel mir nicht ein, also fragte ich, direkt, nachdem ich meinen Namen genannt hatte, »Hast du dir meinen Vorschlag überlegt?«
»Welchen Vorschlag?«, fragte sie zurück.
Das hätte ich mir denken können! Eine Woche war ja auch so entsetzlich lang. Wie konnte ich da erwarten, dass sie sich noch an meine Einladung erinnerte? Sie war sicher mit ganz anderen angenehmen Dingen beschäftigt gewesen! Ich fürchtete, etwas zu sagen, weil meine Wut dann deutlich hörbar gewesen wäre.
»Bist du noch da?«, fragte sie nach einer Weile.
»Ja«, sagte ich, mühsam beherrscht, aber ich hoffte, das war durchs Telefon nicht unbedingt zu spüren. »Ich hatte dich gefragt, ob du mit mir essen gehst.«
»Ach ja«, sagte sie, so, als ob sie sich vage erinnern könnte. »Ich habe darüber nachgedacht.« Das war ein Kunststück! Sie hatte es vergessen und trotzdem darüber nachgedacht. Das sollte ihr mal jemand nachmachen!
»Und?« Bissig war gar kein Ausdruck für den Tonfall, der jetzt bei ihr ankommen musste. »Zu welchem Ergebnis bist du gekommen?« Ich wusste wirklich nicht, wie lange ich mich noch beherrschen konnte. Aber sie würde ohnehin ablehnen, dessen war ich mir sicher. Und diese Aussicht beruhigte mich. Ein kurzes, schmerzloses – na ja, schmerzloses . . . – Ende konnte mir schließlich nur guttun.
»Ich weiß es noch nicht genau«, antwortete sie ruhig.
»Du hattest eine Woche Zeit, es dir zu überlegen!« Der Ausruf entschlüpfte mir mehr verblüfft als gekränkt. Aber natürlich: Sie hatte nicht eine Woche Zeit gehabt, sondern sie war gerade erst durch meinen Anruf wieder darauf gestoßen worden.
Warum löste sie gleichzeitig so viel Wut und Begehren in mir aus? Wenn sie jetzt vor mir gestanden hätte, wäre ich nicht gegangen wie das letzte Mal, das war mir klar, bezahlen hin oder her. Doch was ich von ihr wollte, hätte ich dennoch nicht bekommen. Aber wenigstens guten Sex. Halt den Rand, das weiß ich selbst!
»Eine Woche ist kurz«, bemerkte sie weniger entschuldigend als feststellend.
Oh ja! Ich war überzeugt, dass es ihr im Gegensatz zu mir so vorgekommen war. Bei einer kurzweiligen Beschäftigung vergeht die Zeit schneller. Sie ließ mich wirklich alt aussehen. Aber meine Wut verrauchte langsam. Es hatte ja doch keinen Sinn. Sie würde mich wieder eine Woche hinhalten, wenn ich mich darauf einließ, und wieder, und wieder –
»Ist schon gut«, sagte ich resigniert in aufopferungsbereiter Stimmung. »Du musst ja nicht, wenn du nicht willst.«
»Das habe ich nicht gesagt.« Sie überraschte mich immer wieder. Jetzt war es umgekehrt. Ich bekam eine positivere Antwort, als ich erwartet hatte. »Es gibt nur so vieles zu bedenken.«
Bei einer Einladung zum Essen? Sie lebte wohl tatsächlich in einer völlig anderen Welt als ich. Bei mir gab es nur zwei Dinge zu bedenken: ob ich konnte und ob ich wollte. Und vielleicht noch die Art des Essens. Aber die Entscheidung konnte wohl kaum eine Woche in Anspruch nehmen – oder etwa doch? »Wieso? Kannst du dich nicht entscheiden, ob du lieber zum Chinesen oder zum Italiener gehen willst?« Wie banal es mir auch erschien, vielleicht hatte es für sie eine tiefere Bedeutung.
Sie lachte. »So einfach ist das nicht«, sagte sie.
Diese Art der Logik überforderte mich. Ich konnte mir keinen Grund mehr vorstellen, der einigermaßen triftig gewesen wäre. Und ich konnte nicht noch eine Woche warten, das merkte ich. Also jetzt oder nie! »Könntest du dich damit einverstanden erklären, in ein Lokal außerhalb der Stadt zu fahren, das gerade erst eröffnet hat, weder chinesisches noch italienisches Essen offeriert und einen Biergarten besitzt?« Das ließ wirklich alle Alternativen offen. Es war weder zu intim noch zu leger, und eine laue Frühsommernacht – wer wusste, was sie bewirken konnte?
Es kam ein Laut aus der Leitung, der einem Glucksen nicht unähnlich schien. »Du bist wirklich hartnäckig«, sagte sie.
»Na ja, es ist etwas schweißtreibend, dich zum Essen zu überreden, das gebe ich zu. Aber für –«, eine schöne Frau, wollte ich sagen, aber das würde sie sicher langweilen, weil sie es jeden Tag hörte, also vollendete ich, »ein gutes Essen tue ich fast alles.« Das war unverfänglich genug!
»Also dann . . .«, stimmte sie wohlwollend zu. »Aber ich muss dich trotzdem noch vertrösten. Heute kann ich nicht. Es geht erst morgen.«
Sofort schossen mir die wildesten Vorstellungen durch den Kopf, weshalb sie wohl heute nicht konnte. Es gab eigentlich nur einen Grund: Sie hatte bereits eine andere Verabredung. Und mit wem, konnte ich mir denken. Ganz sicher mit einer Kundin. Eine Kundin, die ihr wichtiger war als ich. Damit waren wir wieder beim Anfang. Ich unterdrückte den erneut aufwallenden Ärger und den Impuls, ihr zu widersprechen. »Soll ich dich abholen, oder sollen wir uns irgendwo treffen?«, fragte ich stattdessen.
»Sag mir, wo es ist. Dann treffen wir uns dort.« Sie schien keinerlei Abhängigkeit aufkommen lassen zu wollen.
Obwohl es mir schon aus umweltschützerischen Gründen widerstrebte, mit zwei Autos zu fahren, war mir klar, dass sie sich auf nichts anderes einlassen würde. Also gab ich ihr die Adresse.
»Ah ja, davon habe ich schon gehört«, bestätigte sie nachlässig.
Sofort schossen mir wieder Blitze durch den Kopf. Von wem? hätte ich gern gefragt. Aber ich tat es nicht.
»Wann?«, fragte ich noch.
»Um acht«, antwortete sie, ohne zu überlegen.
Ihre Termine hatte sie fest im Griff. Das musste der Neid ihr lassen.
»Dann sehen wir uns dort«, sagte ich abschließend.
»Ich werde da sein«, versicherte sie.
Ich hängte zögernd auf. Am liebsten hätte ich weiter mit ihr gesprochen, aber es gab absolut keinen Grund mehr, den ich hätte vorschieben können. Und morgen würde ich sie ja sehen, hoffte ich. Würde sie sich an eine solche Verabredung halten? Ich kannte sie zu wenig, um das beurteilen zu können. Vielleicht kam sie nur, weil sie in mir immerhin noch eine potenzielle Kundin sah, die sie nicht verprellen wollte. Wollte ich das wissen? Nein, wollte ich nicht, entschied ich. Aber spätestens morgen nach dem Dessert würde ich mir darüber im Klaren sein.
Sie war schon da, als ich kam, obwohl ich entgegen meiner sonstigen Gepflogenheit ausgesprochen pünktlich war. Ich hatte den ganzen Tag auf die Uhr geschaut und nur durch eine ernsthafte Diskussion mit mir selbst verhindern können, zu früh zu kommen.
Sie saß unter einem der alten Lindenbäume, die der Gartenwirtschaft ihren besonderen Reiz verliehen und sie bestimmt in kürzester Zeit zu einem überlaufenen Anziehungspunkt machen würden. Jetzt war es noch relativ leer. Ich konnte sie gut vom Eingang her beobachten, bevor sie mich sah.
Mir fiel auf, dass sie sich zwar zurückhaltend, aber für meine Begriffe doch sehr verführerisch zurechtgemacht hatte. Ich fragte mich, was das zu bedeuten hatte. Sah sie immer so aus, wenn sie zum Essen verabredet war, hatte sie bereits eine Verabredung vor mir gehabt, die ein solches Outfit erforderte, oder hatte sie sich für mich so hergerichtet? Und wenn Letzteres der Fall war, was hatte ich dann zu erwarten?
Ich würde dieses Rätsel nicht lösen, wenn ich am Eingang stehen blieb, also trat ich in den kiesbedeckten Garten und ging ohne Eile – was mich einige Anstrengung kostete – auf den Tisch zu. Sie blickte in eine andere Richtung, sodass ich ihr klassisches Profil bewundern konnte. Ihre Schönheit erschreckte mich fast. Die Gleichmäßigkeit ihrer Gesichtszüge erschien mir traumhaft unwirklich. Noch nie hatte ich bei einer Frau etwas ähnlich Vollkommenes gesehen.
Sie bemerkte mich erst, als ich so nah war, dass sie meine Schritte auf dem Kies hörte. Fast ein wenig überrascht, so, als ob sie an etwas völlig anderes gedacht und mich gar nicht erwartet hätte, blickte sie hoch.
Ich kam mir wie ein Störenfried vor. Bewusst setzte ich ein freundliches Lächeln auf, um der Situation die Intimität zu nehmen. »Hallo. Tut mir leid, wenn ich zu spät komme.«
Sie lächelte ebenso freundlich zurück. »Das tust du nicht. Aber ich mag es, wenn ich in aller Ruhe warten kann.«
›In aller Ruhe‹ und ›warten‹ war für mich ein Widerspruch in sich. Ich hasste es, warten zu müssen, und versuchte es tunlichst zu vermeiden. In dieser Beziehung waren wir wohl ziemlich verschieden. Ich hoffte, in anderer nicht so sehr.
»Bist du schon lange hier?« Ein bisschen Small Talk konnte am Anfang sicherlich nicht schaden. Schließlich war diese Situation allen bisherigen, die wir zusammen erlebt hatten, recht unähnlich.
»Nicht mehr als eine halbe Stunde.« Anscheinend war das für sie in der Tat selbstverständlich. Mir erschien es wie eine Ewigkeit. Ich wäre wahrscheinlich vor Unruhe gestorben.
»Hoffentlich hast du dich nicht allzu sehr gelangweilt.« Ich konnte mir immer noch nicht vorstellen, dass ein Mensch freiwillig eine halbe Stunde zu früh kam.
»Gelangweilt? Nein. Ich langweile mich nie.«
Ich bewunderte sie für die Selbstverständlichkeit, mit der sie diese Aussage traf, und seufzte ein wenig. »Das kann ich von mir nicht behaupten. Eher das Gegenteil.«
Sie lachte leicht. »Das kann ich mir gar nicht vorstellen.«
Ich kam mir vor wie bei einer Tischrunde in Königin Victorias Salon. Dabei hätte ich mich garantiert gelangweilt. Ich griff nach der Karte, die bereits auf dem Tisch lag. »Hast du schon etwas bestellt?«
Sie sah mich an und grinste ein kleines bisschen. »Wie könnte ich, wo es hier weder etwas Chinesisches noch Italienisches gibt?«
Ich hatte sofort ein schlechtes Gewissen. »Möchtest du lieber woanders hingehen?« Verdammt noch mal, ich hatte das falsche Lokal ausgesucht! Der Abend war gelaufen.
Sie sah mich direkt an. Ihre Augen durchbohrten mich fast. Es war mir höchst unangenehm. Ich versuchte, ihr standzuhalten und nicht wegzusehen. »Du bist viel zu ernst für dein Alter«, eröffnete sie mir schließlich sehr bestimmt.
»Für mein Alter? Ich bin immerhin zweiunddreißig!« Ich platzte etwas heraus, weil sie mich so überrascht hatte.
Sie lachte vergnügt. Offensichtlich hatte sie einen Heidenspaß. »Danke!«, sagte sie mit einem artigen Nicken und einer leichten Betonung auf der zweiten Silbe. »Das war alles, was ich wissen wollte.«
Ich musste mich erst etwas fassen, dann begann es, mir auch Spaß zu machen. »Und ich wette, wenn ich dich jetzt frage, wie alt du bist, wirst du mir nicht antworten, weil man eine Frau nicht nach ihrem Alter fragt.«
Sie blinzelte ein bisschen. »Richtig.«
So ein ausgekochtes Früchtchen! Ich war mir gar nicht mehr so sicher, ob ich ihr gewachsen war. Ihr Alter zu schätzen war wirklich schwierig. Sie konnte so ziemlich alles zwischen fünfundzwanzig und fünfunddreißig sein. Oder sogar drumherum.
Ich gab es auf. Einer Frau wie ihr würde man dieses Geheimnis vermutlich nie entlocken. Dennoch nahm ich aus einem unerfindlichen Grund an, dass sie jünger war als ich. Aber was hatte das schon für eine Bedeutung? Sie flirtete mit mir, das war alles, was zählte. Und flirten konnte sie wirklich gut.
Ich merkte, wie ihr Zauber auf mich wirkte, und hatte noch nicht einmal den Eindruck, dass sie das mit Absicht tat. Sie besaß einen natürlichen Charme, der durch ihre ausgesucht guten Manieren nur unterstrichen wurde. Obwohl ich wusste, dass sie die auch ablegen konnte, wenn sie wollte. Vielleicht war das sogar Teil ihrer Attraktivität.
Nach der Mühe und den Nerven, die es mich gekostet hatte, sie zu überreden, und der eher kühl geplanten Verabredung überraschte es mich, wie entspannt sie war. Sie lachte über meine Bemerkungen und war unglaublich bezaubernd. Ich war hingerissen von ihr. Wenn sie so locker und gelöst war, schien die ganze Welt um sie herum zu strahlen. So hatte ich sie bis jetzt noch nie erlebt. Immer mehr erschien sie mir wie die Verkörperung all meiner Träume. Konnte es so etwas geben?
Ich malte mir aus, wie eine Beziehung mit ihr aussehen könnte. Unser Alltag passte nicht sehr gut zusammen, das war mir klar. Wenn ich zur Arbeit ging, würde sie noch schlafen. Wenn ich schlafen wollte, würde sie arbeiten. Arbeiten? Ja, was denn? Nicht sehr erbaulich, die Vorstellung, was sie arbeitete! Das brachte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich sah sie an. Plötzlich fiel mir etwas auf. »Deine Augen sind gar nicht blau!« Ich war richtig überrascht. Meine fixe Idee, dass eine Frau, in die ich mich verlieben konnte, unbedingt blond und blauäugig sein musste, hatte mich genarrt.
»Nein, grau«, antwortete sie etwas befremdet.
Bisher hatte ich grau immer für eine stumpfe Farbe gehalten, aber ihre Augen strahlten wie glitzernde Diamanten. Wie gebannt starrte ich sie an und konnte mich kaum losreißen.
»Ist das ein Problem?«, fragte sie stirnrunzelnd.
Ich musste etwas verlegen lachen. »Nein, natürlich nicht. Nur habe ich bisher geglaubt, du hättest blaue. Ich habe da so eine komische Fixierung. Aber anscheinend habe ich dich bis jetzt noch nie richtig angesehen.«
Sie lachte. »Den Eindruck hatte ich eigentlich nicht.« Dann wurde sie plötzlich ernst. »Aber vielleicht sind meine Augen nicht das, was dich am meisten an mir interessiert.« Sie stocherte ein wenig in ihrem Salat herum und wählte mit äußerster Akribie ein einzelnes Blatt.
Zum Teufel noch mal, ich war doch ein richtiger Trampel! Die entspannte Stimmung war hinüber. Ich versuchte, die Situation zu retten. »Deine Augen sind wunderschön.« Was konnte ich schon anderes sagen? Das war eine Tatsache. Aber welche Frau würde es nicht übelnehmen, wenn man diese Tatsache nicht bemerkte? Ich hatte es jedenfalls immer sehr übelgenommen. »Das ist mir auch sofort aufgefallen. Nur – dummerweise bist du eben überhaupt sehr schön.«
Sie hörte auf, ihren Salat zu sortieren, und sah in meine Richtung, allerdings ohne mich genau anzusehen. »Ähm, danke«, sagte sie. Vermutlich wusste sie nicht genau, was sie mit so einem merkwürdigen Kompliment anfangen sollte. Ich wusste auch nicht, wie ich ihr das erklären sollte, falls sie mich fragte. Aber das tat sie nicht. Eine Bewegung am Eingang des Gartens lenkte sie ab. Sie seufzte. »Ich wusste, dass es ein Fehler war«, sagte sie mehr zu sich selbst als zu mir.
»Ein Fehler? Was?« Jetzt war ich irritiert.
»Auszugehen.« Sie fasste sich wirklich äußerst kurz. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Das Einzige, was ich mir vorstellen konnte, war –
»Ich hätte es wissen müssen«, sagte sie, während sie ihre Gabel auf den Tisch legte und die Serviette daneben. Es sah sehr endgültig aus. Sie lächelte beiläufig entschuldigend in meine Richtung. »Es hat nichts mit dir zu tun.«
Das beruhigte mich nicht besonders, denn ihre ganze Haltung signalisierte, dass sie entschlossen war zu gehen. Und das war ein wesentlich abrupteres und früheres Ende des Abends, als ich es mir vorgestellt und gewünscht hatte. Solange ich nicht wusste, was der Anlass ihres plötzlichen Sinneswandels war, würde ich sie kaum davon abhalten können, ihren Vorsatz in die Tat umzusetzen. Also musste ich es herausfinden. »Was hättest du wissen müssen?«
Sie zog kühl die Augenbrauen hoch, als ob ich eine unanständige Frage gestellt hätte. »Das ist nicht so wichtig«, sagte sie. Sie hob die Hand, um dem Kellner anzuzeigen, dass sie zahlen wollte.
Mein Gott, das ging alles so schnell! Ich wusste nicht, worauf ich zuerst reagieren sollte. »Offensichtlich ist es Grund genug für dich zu gehen«, sagte ich nervös um mich blickend, um vielleicht herauszufinden, was sie gesehen hatte. Ich sah nur ein paar Leute, die gerade gekommen waren, ein Paar mittleren Alters, die gerade auf einen Tisch am anderen Ende des Gartens zusteuerten. Die Frau war sehr dünn und schmal. Sie ging etwas steif hinter ihrem Mann her. Ansonsten sah ich niemand.
Plötzlich drehte die Frau sich um und warf einen verkniffen-wütenden Blick in unsere Richtung. Es war nur ein kurzer Moment, dann war es vorbei. Ich drehte mich wieder zum Tisch hin. Der Kellner stand bereits neben ihr. »Warte«, protestierte ich. »Ich hatte dich doch eingeladen.« Das ging wirklich alles viel zu schnell!
»Lass«, wehrte sie energisch ab. »Ich glaube, du hast nicht sehr viel von dem bekommen, wofür du bezahlen wolltest.«
Wie? Was sollte das denn nun wieder heißen? Sie machte mich völlig konfus, aber bevor ich überhaupt meine Brieftasche zücken konnte, war der Kellner schon wieder verschwunden. Gleichviel, sie stand bereits auf. »Bleib doch und iss in Ruhe zu Ende«, sagte sie. »Es tut mir leid.«
Was sollte ich hier ohne sie? Sie schien nicht darüber nachzudenken, dass ich wohl kaum gekommen war, um allein zu essen. Ich sprang auf, während sie sich schon umdrehte. »Warte«, sagte ich noch einmal schnell.
Sie blieb kurz stehen und drehte sich halb zurück. »Bitte, bleib«, sagte sie. »Ich möchte nicht auch noch dafür verantwortlich sein, dass du verhungerst.« Sie lächelte etwas gezwungen.
»Was soll der Quatsch?« Schon während ich antwortete, hatte sie sich wieder umgedreht und ihren Weg zum Ausgang fortgesetzt. Ich ging hinterher und holte sie ein. »Kannst du mir nicht sagen, was los ist?« Sie ging weiter, als ob ich gar nichts gesagt hätte. Sie ignorierte mich. Ich musste sie provozieren, wenn ich eine Antwort wollte. »Was war mit der Frau? Wer ist sie?«
Sie blieb abrupt stehen. »Das geht dich nichts an«, wies sie mich ziemlich gereizt zurecht.
Also hatte ich ins Schwarze getroffen. Sie war der Grund. »Vielleicht nicht«, ich war nicht darauf aus, mich mit ihr zu streiten, »aber was mich etwas angeht, ist, dass ich jetzt hier mit dir stehe, statt gemütlich am Tisch zu sitzen und mit dir zu essen. Dafür hätte ich gern eine Erklärung. Zumal, wenn es angeblich nichts mit mir zu tun hat.«
Sie war ziemlich geladen, das spürte ich. Und ich reizte sie wahrscheinlich noch mehr. Aber wenn sie einfach so weglief, würde mir das nichts nützen. Da nahm ich schon lieber ein Donnerwetter in Kauf.
»Du bist wirklich . . .« Sie sprach nicht aus, wofür sie mich hielt. Stattdessen atmete sie tief durch. »Okay. Du hast recht. Es ist unfair. Ich gebe es zu. Reicht das?«
Sie wirkte auf einmal wieder sehr kühl und überlegen. In dieser Stimmung konnte ich mir nicht vorstellen, überhaupt etwas von ihr zu erfahren. »Möchtest du woanders hingehen?«, fragte ich zum zweiten Mal an diesem Abend.
»Nein«, antwortete sie prompt. »Das war ja der Fehler. Mein Fehler«, betonte sie nachdrücklich. »Ich gehe sonst nie aus.« Das überraschte mich angesichts unserer ersten Begegnung. Sie merkte es und korrigierte sich. »Fast nie. Und wenn, dann nicht in ein solches Lokal.« Sie sah sich um.
»Suchst du etwas Bestimmtes?« Ich hatte angenommen, dass sie zu ihrem Wagen gehen würde, aber sie stand immer noch am Rande des Parkplatzes, der vor dem Lokal lag und nur eine Verbreiterung des Weges unter ein paar Bäumen darstellte.
»Eine Telefonzelle.« Sie wirkte etwas abwesend.
»Hier? Mitten im Wald? Wozu?« Langsam wurde es mir lästig zu fragen. Sie gab freiwillig nur so viel an Informationen preis, wie sie unbedingt musste. Das war ausgesprochen mühsam.
»Um ein Taxi zu rufen.«
»Du bist nicht mit dem Wagen da?« Wahrscheinlich war sie auf ihren unsichtbaren Engelsflügeln hergeflogen. Ich merkte, wie ich sarkastisch wurde. Meine Geduld war einfach erschöpft.
Diesmal antwortete sie wenigstens. »Ich habe gar keinen.«
Ich musste unvermittelt lachen. Es klang so sehr wie der Italiener in der Cappuccino-Werbung, der seine Nachbarin mit heißem Kaffee hinhält, bis sich herausstellt, dass er gar kein Auto hat, dass ich mich sofort daran erinnert fühlte. Ich sah ihren Blick und hörte auf zu lachen. Sie fand das gar nicht komisch.
»Entschuldige«, sagte ich ernüchtert. »Ich habe nur gerade an etwas gedacht . . .« Ich überlegte, ob sie es ablehnen würde, wenn ich ihr anbot, sie mitzunehmen. Möglich war es. Und dann blieb immer noch die Frage, wohin. Einer anderen Frau hätte ich einfach angeboten, mit zu mir zu kommen, auf einen Kaffee. Aber ihr? Und zu ihr zu gehen, stand wohl kaum zur Debatte. Ich wagte es. »Würdest du mich als Taxi akzeptieren?«
»Dich?« Sie drehte den Kopf von dem Baum, den sie gerade betrachtet hatte, zu mir.
Vielleicht war ich einfach nicht zur Taxifahrerin geboren. Sie blickte jedenfalls irgendwie ungläubig. »Ja, mich. Ich habe ein Auto«, ich musste einfach grinsen bei dem Gedanken an den Italiener, er machte das so nett, »und ich habe es sogar dabei. Du wirst es nicht für möglich halten.«
Sie blieb kühl. »Ich möchte nicht, dass du meinetwegen einen Umweg machst.«
Einen Umweg? Ach ja, sie wusste ja gar nicht . . . »Ich wohne bei dir um die Ecke, wenn du das meinst«, erklärte ich deshalb. Sie wollte offensichtlich nach Hause. Einen anderen Vorschlag konnte ich mir wohl sparen.
»Ach ja?« Es interessierte sie nicht besonders, wie mir schien. Aber viel länger hielt ich das nicht mehr aus. Wenn ich mich schon so unverhofft von ihr trennen musste, dann möglichst bald.
»Mein Wagen steht da drüben.« Ich deutete mit dem Arm nach links. Ohne ihre Antwort abzuwarten, ging ich los. Als ich die Fahrertür aufschloss, sah ich mich kurz um. Sie war drei Schritte hinter mir. Ich ging um den Wagen herum und schloss die andere Seite auch auf. Ich öffnete ihr die Tür, damit sie einsteigen konnte.
Darmowy fragment się skończył.