Czytaj książkę: «Bomba auf dem Heimkehrpfad»
Roy Rockwood
Bomba auf dem Heimkehrpfad
Band 13

Inhaltsverzeichnis
Etwas aus Bombas Leben
1 Der Sturm
2 Opfer für die Flussdämonen
3 In tödlicher Gefahr
4 Schreckliche Fänge
5 Der Überraschungsangriff
6 Flucht vor den Ameisen
7 Der ungesehene Lauscher
8 In den Pranken der Stromschnellen
9 Der Mann ohne Ohren
10 Gefangen!
11 Ein nächtlicher Besucher
12 Ein Hoffnungsstrahl
13 Auf Simbas Spuren
14 Die zuckende Klinge
15 Ein mächtiger Verbündeter
16 Der Verstümmelte
17 Entschlossenes Handeln
18 Ein Helfer in der Not
19 Ein seltsamer Besucher
20 Bei den Sitandas
21 Eine unerschrockene Herausforderung
22 Hinter den Wasserfällen
23 Die unsichtbaren Beobachter
24 In der Falle
25 Der Tunnel in die Freiheit
26 Auf der Flucht
27 Hilfe vom Himmel
28 Rettung aus höchster Not
29 Jagd auf Magobi
30 Der rettende Schuss
Etwas aus Bombas Leben
Wer Bomba bei seinen Erlebnissen im Dschungel und Urwald, auf hoher See und in der großen Stadt begleitet, wird sicherlich mehr von diesem interessanten Jungen erfahren wollen. Am besten stellen wir Bomba also vor, ehe sein neues Abenteuer beginnt.
Bomba ist vierzehn Jahre alt und hat die meiste Zeit seines Lebens im südamerikanischen Dschungel verbracht. Dort war sein Pflegevater und Beschützer der alte Naturforscher Cody Casson, der sich in ein abgelegenes Gebiet des Amazonas-Dschungels zurückgezogen hatte, um dort ganz seinen Forschungen zu leben.
Als Bomba das Alter erreicht hatte, in dem er mehr von seiner Vergangenheit und Herkunft zu erfahren wünschte, zog sich Cody Casson bei der Explosion eines Gewehres eine Kopfverletzung zu, durch die seine Gedächtniskraft geschwächt und fast zerstört wurde. Von diesem Zeitpunkt an lastete die Verantwortung für die Lebensführung ganz auf Bomba.
In einem Alter, in dem andere Jungen ruhig und behütet bei ihren Eltern aufwachsen und die Schulbank drücken, musste Bomba sich mit den Gefahren und Härten des Dschungellebens vertraut machen. Seine strengen Lehrmeister waren die Erfahrung und die Not. Bald lernte Bomba jene Weisheiten und Gesetze des Dschungels kennen, die es dort immer zu beherzigen galt, wenn man sein Leben erhalten wollte. Er lernte die vielen Kampftricks, die Technik von Verteidigung und Angriff bei den Begegnungen mit Kopfjägern, Raubtieren und Schlangen.
Seine schulische und geistige Erziehung ließ in dieser Zeit zu wünschen übrig, da Cody Casson nicht mehr in der Lage war, den einmal begonnenen Unterricht fortzusetzen. Wie ein junger Indianer wuchs Bomba im Dschungel heran. Auch äußerlich unterschied er sich wenig von den Eingeborenen. Seine Haut war dunkel gebräunt. Er trug einen Eingeborenenschurz und das Fell eines erlegten Pumas. Seine Waffen waren Pfeil und Bogen und die Machete, das Buschmesser der Eingeborenen.
Äußerlich glich also Bomba damals in vielen Dingen einem Indianer, und doch unterschied er sich in wesentlichen Merkmalen von den Eingeborenen. Er hatte eine gerade Nase und kastanienbraunes, welliges Haar. Die hellbraunen Augen leuchteten freundlich für alle Freunde; und zu jener Zeit, als er seine Eltern noch nicht wiedergefunden hatte, war oft ein Schimmer von Melancholie in seinem Blich.
In den ersten neun Bänden begleiten wir Bomba bei seinen abenteuerlichen Fahrten durch den südamerikanischen Dschungel; wir erleben mit ihm die Tage der Hoffnung, wenn er eine Spur seiner Eltern gefunden zu haben glaubte, und jene schmerzlichen Stunden der Enttäuschung, wenn sein sehnlichster Wunsch wieder einmal keine Erfüllung gefunden hatte.
Bomba durchstreift eine versunkene Stadt, deren längst verschollene Einwohner wertvolle Schätze und interessante Ruinen hinterlassen haben. Er kämpft gegen Kopfjäger und befreit sich und seine Gefährten aus unterirdischen Höhlen, die sich meilenweit dahinziehen. Der Ausbruch eines Vulkans rettet ihn im letzten Augenblick aus der Gewalt eines tyrannischen Medizinmannes, der die Eingeborenen eines weiten Gebietes beherrscht; und das Zusammentreffen mit Sobrinini, der Herrscherin auf der Schlangeninsel, stellt eine der spannungsreichsten und interessantesten Episoden in Bombas Dschungelreisen dar.
Es wäre zu viel, hier im Einzelnen von Bombas Taten und Abenteuern zu berichten. Einen wirklichen Eindruck vom Lebenslauf dieses einzigartigen Jungen kann nur derjenige bekommen, der Bomba von seinem ersten gefährlichen Kampf gegen die Kopfjäger bis zu jenem glücklichen Augenblick begleitet, wo er seine Eltern wiederfindet.
Doch es scheint so, dass Bomba auch bei seinem Aufbruch in das für ihn neue und fremdartig fesselnde Leben in der Zivilisation keine Ruhe finden soll. Zwar lebt er nach seiner Ankunft in New York zuerst wie jeder andere Junge, der in die Schule geht und mit seinen Eltern beisammen ist, aber bald genug erfahren wir im zehnten Band — Bomba in einem fremden Land — dass Bomba das gesicherte Leben in der Zivilisation wieder aufgeben muss, um seinem Vater zu Hilfe zu eilen, der als Maler bei einer Expedition ins Innere Afrikas in die Gefangenschaft eines barbarischen Stammes geraten ist.
Wir erleben mit Bomba und seinem Gefährten Gibo, den er aus dem südamerikanischen Dschungel nach New York mitgenommen hat, zuerst die heiteren und ernsten Geschehnisse, die sich auf der Schiffsreise nach Afrika abspielen. Aber erst die Ankunft in Afrika führt Bomba wieder jenen gefährlichen Abenteuern entgegen, nach denen er sich unbewusst während des Lebens in der Großstadt immer gesehnt hat. Er weiß jetzt, dass er kaum ohne den Dschungel leben kann; und wenn nicht die Sorge um seinen Vater gewesen wäre, hätte er die Ausrüstung der Safari, die ihn von Nairobi aus in den afrikanischen Busch führen soll, als die schönste Vorbereitung zu einem spannenden Erlebnis genossen.
Bomba dringt mit seinen Gefährten in eine fremdartige, geheimnisvolle Welt ein — und er spürt wieder den Pulsschlag der ungebändigten, freien Natur, mit der er sich so innig verbunden fühlt. Er begegnet seltsamen wilden Tieren und Menschen des Urwaldes, und der Atemhauch dunkler Gefahren schlägt ihm erneut aus den Dschungeln und Savannen entgegen.
Ein besonders reizvolles Abenteuer erlebt Bomba in Band 11 — Bomba bei den Pygmäen. Es gelingt ihm, durch kühnen Wagemut und blitzschnelles Handeln im Kampf mit einem rasenden Orang-Utan die Freundschaft eines Häuptlings vom rätselhaften Zwergenvolk der Pygmäen zu gewinnen. Diese kleinen, tapferen Krieger helfen Bomba bei seinem Vorstoß in das Gebiet wilder Stämme und begleiten ihn auf einem weiten Stück seines abenteuerlichen Weges.
Unermesslich groß ist der geheimnisvolle Kontinent Afrika, und unerschöpflich ist die Fülle von Abenteuern, die Bomba auch weiterhin in dem dunklen Erdteil erwarten. Einen Teil dieser fesselnden Geschehnisse erleben wir in Band 12 — Bomba im Herzen Afrikas — wo es Bomba gelingt, sich die Freundschaft des Stammes der „Bemalten Jäger“ dadurch zu gewinnen, dass er die gefahrvolle „Probe der drei Urwaldnächte“ besteht. Lowando, ein Unterhäuptling dieses Stammes, wird Bombas Blutsbruder, und mit einem Trupp seiner Krieger hilft er Bomba, seinen Vater endlich aus der Gefangenschaft der Kannibalen zu befreien.
Im vorliegenden dreizehnten Band ist Bomba endlich mit seinem Vater vereint, und mit Lowando und seinen Kriegern treten sie den Marsch zur Küste an. Doch noch liegen Hunderte von Meilen unbekannten Dschungelgebietes vor ihnen, und mit Bomba und seinem Vater erleben wir die fesselnden Erlebnisse auf dem Wege zur Küste.
1 Der Sturm
Bomba erwachte mit einem bedrückenden Gefühl von innerer Unruhe. Das Camp war ruhig, und nur die Wachtposten schritten als dunkle Schatten vorsichtig auf und ab. In der Nacht war nichts Ungewöhnliches geschehen, doch eine untrügliche Ahnung verriet ihm, dass eine Gefahr in der Luft lag — eine lauernde Gefahr von ungewöhnlicher Art.
Seit einigen Tagen waren sie nun schon auf dem Marsch zur Küste, aber noch immer befanden sie sich im Gebiet jener Kannibalenstämme der Molas, aus deren Gefangenschaft sie Bombas Vater, Andrew Bartow, nach unsäglichen Mühen befreit hatten. Gibo, der junge Indianer, der Bomba schon bei seinen abenteuerlichen Zügen durch den südamerikanischen Dschungel begleitet hatte, war auch hier, im Herzen Afrikas, an seiner Seite. Der bärenstarke, treue Zulu Wafi hatte sich Bomba angeschlossen, als dieser in dem riesigen, dunklen Kontinent die Suche nach seinem verschollenen Vater begonnen hatte. Einen weiteren treuen Freund hatte Bomba in Lowando gefunden, der jetzt auch mit einigen Männern seines Stammes der „Bemalten Jäger“ den Schutz der Safari bis zur Küste übernommen hatte.
Er war also von treuen Freunden umgeben, und trotzdem konnte er das nagende Gefühl von Unruhe nicht unterdrücken. Er schnüffelte voll Sorge in die Luft. Sein Geruchssinn war durch das Leben in der freien Natur aufs höchste entwickelt, und er spürte sofort jenen eigentümlichen metallischen Geruch in der Atmosphäre, der am vergangenen Tage noch nicht da gewesen war: Ein Dunstschleier verhüllte noch die Sonne, die eben erst über den östlichen Horizont stieg. Das klare Morgenlicht hatte sich in ein grünlich-gelbes flirrendes Leuchten verwandelt.
Nicht der kleinste Windhauch bewegte die Luft. Die ganze Natur schien wie in einem Zustand gespannter Erwartung erstarrt zu sein.
„Was siehst du, Bomba?“, fragte unvermittelt eine Stimme neben ihm.
Bomba blickte auf und sah Lowando neben sich stehen.
„Ich ahne Gefahr“, erwiderte Bomba. „Ein Sturm kommt auf. Wir müssen so schnell wie möglich aus der gefährlichen Nähe der Bäume in offenes Gelände ziehen.“
„Solch eine Stelle wird schwer zu finden sein“, murmelte Lowando und ließ seinen Blick über die von Unterholz und Schlinggewächsen verfilzte Dschungelwildnis gleiten.
„Wir müssen es jedenfalls versuchen“, sagte Bomba.
Lowando rief einen hellen Weckruf, und im nächsten Augenblick war das Camp auf den Beinen. Die Männer ließen sich kaum Zeit für ein hastiges Frühstück, und dann war die Safari wieder auf dem Marsch.
Die Unruhe der Anführer übertrug sich auch auf die anderen, und jeder bemühte sich, seine Traglast so schnell wie möglich aufzunehmen und sich in die Kolonne einzureihen.
In stummer Eile marschierten sie dahin. Drückendes Schweigen lastete auf dem drohenden Dschungel. Die Singvögel und Papageien hatten mit ihrem Zwitschern und Kreischen aufgehört, und die Affen kauerten schweigend in den Baumwipfeln. Sogar das Summen der Insekten klang gedämpfter als sonst.
Stunde um Stunde dauerte diese Spannung an, bis sie fast unerträglich wurde. Die drückende Stille zerrte an den Nerven der Bemalten Jäger. Gegen menschliche Feinde konnten sie mit tollkühnem Mut kämpfen, aber sie hatten eine geradezu kindliche Furcht vor allen Anzeichen göttlicher Ungunst.
Etwas Schreckliches bedrohte sie. Sie waren fest davon überzeugt, dass die Götter zornig auf sie waren und furchtbare Vergeltung an ihnen üben wollten.
Aber warum?
Die Anwesenheit der weißen Männer musste es sein, die die Götter erzürnte. Zweifellos waren es gute weiße Männer. Sie waren durchaus nicht mit jenen Händlern zu vergleichen, mit denen sie mitunter zu tun gehabt hatten, und von denen sie übervorteilt und verraten worden waren. Doch auch ihre Begleiter waren Menschen einer fremden Rasse und einer anderen Hautfarbe, und sie waren Fremde auf dem Boden Afrikas. Sie verehrten einen anderen Gott. Afrika war das Land der dunkelhäutigen Menschen. Die Gottheiten der schwarzen Menschen blickten mit Misstrauen auf die hellhäutigen Fremden, die ihnen keine Opfer brachten und sie nicht anerkannten.
Ja, das musste der Grund für jenes schreckliche Schweigen sein, das sich über die Natur gebreitet hatte — für diese dumpfe Ruhe vor dem Sturm, den die Götter vorbereiteten.
Bomba hatte diese Anzeichen einer bevorstehenden Panik längst bemerkt, und sie erfüllten ihn mit noch stärkerer Besorgnis. Wenn ihn seine Verbündeten verließen, würde es für seinen Vater und ihn sehr schwer sein, die Küste zu erreichen.
Gibo und Wafi würden ihn zwar nicht verlassen; aber das waren nur zwei Freunde, und vor ihm erstreckten sich noch Hunderte von Meilen unbekanntes Urwaldgebiet mit allen möglichen menschlichen und tierischen Feinden.
„Die Männer sind unruhig, Lowando“, sagte Bomba. „Ihre Herzen sind von Furcht erfüllt.“
„Ja“, erwiderte der Häuptling, dem diese Anzeichen auch nicht entgangen waren. „Sie haben —“
Der Satz sollte nie beendet werden, denn in diesem Augenblick brach die Hölle los. Ein Windstoß fauchte über sie hinweg, und dann wütete ein Tornado mit seiner vernichtenden Gewalt.
Die Reihen der Bemalten Jäger lösten sich für immer im Nu auf.
„Die Götter! Die Götter!“, schrien sie, von Panik erfüllt, und tauchten im Dschungel unter.
Beim ersten Sturmzeichen hatte Bomba sich umgewandt; er wollte zu seinem Vater eilen. Eine Sturmbö packte ihn und warf ihn zu Boden, so dass er fast betäubt und außer Atem liegenblieb. Mit äußerster Willenskraft gelang es ihm, sich aufzurichten. Aber es war unmöglich gegen die entfesselten Kräfte dieses Sturmes anzukämpfen. Wie von Riesenfäusten wurde er gepackt, durch die Luft geschleudert, und dann landete er schließlich zwischen den Zweigen eines umgestürzten Baumes.
Er kämpfte sich frei und suchte sich auf Händen und Knien einen Weg durch das Unterholz. Um ihn her krachten Bäume zu Boden und oft genug rettete ihn nur seine Geistesgegenwart vor dem tödlichen Schlag eines herabsausenden Astes.
Der Tornado hatte ihn so oft herumgewirbelt, dass es ihm einen Augenblick schwerfiel, die Himmelsrichtungen festzustellen. Doch dann bahnte er sich mit untrüglichem Orientierungssinn seinen Weg zu jener Stelle im Mittelpunkt der Safari, wo er zuletzt seinen Vater gesehen hatte. Das erste, was er sah, war die völlig zerschmetterte Tragbahre, auf der sein Vater getragen worden war. Von seinem Vater selbst war nichts zu sehen.
Auch Gibo und Wafi waren nicht da. Vielleicht waren die drei zusammen entkommen und warteten in der Nähe angsterfüllt das Ende des Sturmes ab. Die Wucht des Sturmes hatte inzwischen soweit nachgelassen, dass Bomba versuchen konnte, die Aufmerksamkeit durch Rufe auf sich zu lenken.
Zuerst bekam er keine Antwort; doch nach einigen Wiederholungen drang das schwache Echo einer Menschenstimme durch das Heulen des Windes an sein Ohr. Es klang so, als habe Gibo gerufen, und Bombas Herz klopfte freudig erregt bei dem Gedanken, dass sein treuer Gefährte noch am Leben war. Vielleicht war auch sein Vater dort, wo Gibo war.
Er rief wieder, und diesmal ertönte die Antwort schon näher. Der Klang der anderen Stimme lenkte die Suchenden immer näher zueinander hin, und kurze Zeit später stand Bomba seinem Gefährten gegenüber.
„Bomba!“, rief Gibo überfroh. „Ich fürchtete schon, dir sei etwas zugestoßen! Mögen die Götter gepriesen sein, dass du noch am Leben bist.“
„Das ist mir aus der Seele gesprochen“, rief Wafi, der dem anderen dicht auf den Fersen gefolgt war.
„Wo ist mein Vater?“, fragte Bomba unruhig.
Seine beiden Gefährten schauten einander vielsagend an.
„Wir haben ihn gesucht und nach ihm gerufen, aber wir konnten ihn nicht finden.“
Ein Gefühl von Furcht krampfte Bombas Herz zusammen. Sollte er seinen Vater, nachdem er ihn endlich gefunden hatte, so schnell wieder verlieren?
„Sucht weiter“, befahl er. „Er muss doch hier in der Nähe sein. Wir müssen ihn finden. Wir —“
Eine unheimliche, krächzende Stimme ganz in der Nähe unterbrach ihn.
„Ihr werdet den weißen Mann nie finden. Der Flussdämon hat ihn zu sich genommen.“
2 Opfer für die Flussdämonen
Einen Augenblick standen die drei wie festgebannt auf der Stelle. Doch im nächsten Moment stürmten sie schon durch die Büsche. Gleich darauf erreichten sie das Ufer eines breiten, düster aussehenden Flusses, der jetzt hoch angeschwollen war und in seinen trüben Wassern das Treibgut des Unwetters mit sich führte.
Auf einem Felsvorsprung seitlich über dem tosenden, lehmgelben Wasser waren mehrere Eingeborene eines Stammes, den Bomba und seine Gefährten bisher noch nie gesehen hatten. Mit ihrer grässlichen Bemalung boten sie einen finsteren, abschreckenden Anblick.
Sie schienen mit einem merkwürdigen Ritus beschäftigt zu sein, und obwohl Bomba und seine Gefährten so kriegerisch durch die Büsche gestürmt waren, zeigten die bemalten Männer keine Feindseligkeit. Sie schienen zu sehr mit sich und ihrer Zeremonie beschäftigt zu sein. Einige wirbelten unaufhörlich in einem verrückten Tanz herum, und dieser Springtanz wurde immer wilder, je mehr Männer daran teilnahmen.
Ein großer, hagerer Eingeborener, den sein besonderer Schmuck als Häuptling kennzeichnete, leitete die Zeremonie. Er bestimmte mit einem schrillen, krächzenden Gesang den Rhythmus des Tanzes, und Bomba wusste, dass es diese Stimme war, die er zuvor gehört hatte.
Er trat rasch vor und machte mit erhobenen Händen und den Handflächen nach außen das Zeichen des Friedens. Der Häuptling rief sofort einen schrillen Befehl, und der Tanz hörte auf. Ohne auf Bomba zu achten, trat der Häuptling aus dem Kreis heraus und gab weitere Anweisungen. Daraufhin schleppten vier Eingeborene einen Körper aus dem nahen Dickicht und trugen ihn zum Ufer hin. „Möge der Flussdämon ihn zu sich nehmen!“, rief der Häuptling und hob seine Hand.
Die Träger machten eine Wendung, und in diesem Augenblick erkannte Bomba mit Schrecken, dass das hilflos gefesselte Menschenbündel sein Vater war.
Es war nur ein Augenblick der Lähmung, und dann handelte er bereits. Er riss blitzschnell den Bogen von der Schulter, legte einen Pfeil auf die Sehne und schnellte ihn ab. Der vorderste Träger stieß einen Schrei aus und sank, vom Pfeil getroffen, zu Boden. Fast noch ehe er die Erde berührte, traf ein weiterer Pfeil den nächsten Träger.
Mit Schreckensrufen ließen die anderen ihre Last fallen und flohen in das Unterholz, das das Flussufer säumte.
Der Häuptling und die Gruppe der Tänzer standen kurze Zeit wie erstarrt da. Bevor sie sich noch von ihrer Verblüffung erholt hatten, sprang Bomba bereits mit seinem Buschmesser in der Hand auf sie zu. Gibo und der riesige Wafi stürmten ihm nach, die großen Speere wurfbereit schwingend.
Dieser Überraschungsangriff erfüllte die Eingeborenen mit panischem Schrecken. Obwohl sie in der Überzahl waren, stoben sie kopflos auseinander und jagten in wilder Flucht davon.
Bomba verschwendete keine Zeit damit, sie zu verfolgen. Im nächsten Augenblick kniete er an der Seite seines Vaters nieder, durchschnitt die Fesseln, hob ihn wie eine leichte Last hoch und wandte sich in den Dschungel zurück.
„Haltet Wache“, keuchte er, als Gibo und Wafi herankamen.
Er bettete den Körper behutsam auf den Boden, öffnete die Jacke seines Vaters und legte die Hand an dessen Herz. Es schlug sehr schwach, doch ein Schauer der Erleichterung rieselte bei dieser Entdeckung durch Bombas Körper.
Mit geschickten Händen tastete er den Oberkörper und die Glieder des Liegenden ab; er stellte fest, dass keine Knochen gebrochen waren.
Er rieb die Handgelenke und Schläfen des Ohnmächtigen warm, doch es gelang ihm nicht, ihn zum Bewusstsein zu bringen. Als er vorsichtig ein Augenlid des Liegenden hob, stellte er fest, dass die Pupille wie unter dem Einfluss einer Droge geweitet war. Er wusste, dass die Eingeborenen ihre für den Götzendienst bestimmten Opfer mit bestimmten Betäubungsmitteln zu behandeln pflegten, und er schauderte noch bei dem Gedanken, dass sein Vater solch einer Opferung nur knapp entronnen war.
Nachdem er den Ohnmächtigen so bequem wie möglich hingelegt hatte, eilte er zu der Stelle zurück, an der Gibo und Wafi Wache hielten. Mit einem schnellen Blick erkannte er, dass die Eingeborenen sich ein Stück flussaufwärts zurückgezogen hatten. Dort glaubten sie vor den tödlichen Pfeilen sicher zu sein, die von dem Bogen des weißen Jungen kamen. Kein normaler Bogenschütze konnte so weit schießen; aber sie wussten nicht, dass Bomba schon oft einen tödlichen Pfeil über noch weitere Entfernungen gesandt hatte.
Bomba hatte nicht die Absicht, einen Kampf zu führen, wenn er ihn vermeiden konnte. Nachdem ihm die Rettung seines Vaters gelungen war, hielt er seine Aufgabe für erfüllt. Er tötete nie, wenn es sich vermeiden ließ.
Wenn es jedoch darum ging, zu töten oder selbst getötet zu werden, gehorchte er dem obersten Gesetz der Wildnis — jenem grausamen Gesetz, welches bestimmt, dass nur der Stärkste und Geschickteste überleben darf. Doch Bomba war immer großmütig, wenn er es sein konnte. Trotz seines Mutes und seiner Stärke hatte er das sanfte Herz eines Kindes.
„Sie sammeln sich zu einem neuen Angriff“, erklärte Wafi.
„Nein“, sagte Gibo, als ein langgezogener Klagegesang in die Luft stieg. „Das ist kein Kampfsignal — das ist ihre Todesklage. Ich habe jedenfalls noch nie ein so jammervolles Kampflied gehört.“
Bomba nickte zustimmend. Er hatte die Lage sofort erkannt. Da der Versuch der Eingeborenen, ihr auserwähltes Opfer den Flussdämonen darzubieten, gescheitert war, mussten sie einen der ihren zur Strafe für dieses Vergehen — oder sich selbst opfern. Die Flussdämonen durften nicht betrogen werden.
Von einer Empfindung banger, atemloser Spannung befangen, beobachteten Bomba und seine Gefährten die Vorbereitungen für diesen Mord.
Geisterhaft und unirdisch stieg der Gesang in die Höhe. Noch einmal formten die bemalten Männer jenen wirbelnden Kreis des Tanzes. Schneller und schneller bewegten sie sich, und immer näher und näher drängten sie an das Ufer heran.
Als sie den Felsrand erreicht hatten, warf sich einer nach dem anderen in den rauschenden Strom. Sie machten keinen Versuch, zu schwimmen; sie ließen sich von der reißenden Strömung weitertragen, bis sie lautlos versanken.
Die Flussdämonen hatten ihre Beute!
3 In tödlicher Gefahr
Gebannt und erschreckt waren Bomba und seine Gefährten dieser furchtbaren Opferszene gefolgt, doch sie spürten zugleich ein Gefühl von Erleichterung. Es war zwar erschreckend und furchtbar, Männer auf diese Weise sterben zu sehen, aber für den Augenblick war damit jede Gefahr für sie selbst beseitigt. Wenn die Eingeborenen sie angegriffen hätten, wären sie der Übermacht sicherlich erlegen.
Eine Flucht wäre ebenfalls unmöglich gewesen. Mit der schweren Bürde des leblosen Körpers von Andrew Bartow wären sie nicht weit gekommen.
Vor den anderen her eilte Bomba zu der Stelle zurück, an der sie Andrew Bartow liegengelassen hatten, und er war froh, als er sah, dass sein Vater die Augen geöffnet hatte.
„Mein lieber Junge“, sagte Andrew Bartow mit schwacher Stimme. „Was ist geschehen? Was hatte dieser wilde Gesang für eine Bedeutung?“
„Es war das Todeslied unserer Feinde“, erwiderte Bomba. „Wir haben nichts mehr von ihnen zu befürchten. Sprich jetzt nicht zu viel; du bist noch zu schwach dazu.“
Er befahl Wafi und Gibo eine schattige Laubhütte zu bauen, in der sein Vater geschützt vor der sengenden Sonne liegen konnte, bis seine Gesundheit soweit wiederhergestellt war, dass er die weiten Tagesmärsche aushalten konnte.
Die beiden machten sich sofort an die Arbeit und hatten in kurzer Zeit eine primitive Schutzhütte aus Bambusstangen, Zweigen und Schilf gras errichtet. Im Innern schufen sie aus weichem Moos und Laub eine Liegestatt für Andrew Bartow. Dann braute Gibo einen seiner stärkenden Kräutertränke, und kurz nachdem Andrew Bartow ihn getrunken hatte, sank er in einen tiefen, heilsamen Schlaf.
Zum ersten Male hatte Bomba Zeit, über ihre Lage nachzudenken, und er machte sich klar, dass sie nicht allzu rosig war. Ohne seinen Vater und die Krieger Lowandos hätte er mit seinen Gefährten Gibo und Wafi den Weg zur Küste leicht bewältigt. Aber Andrew Bartow war von den Strapazen der zermürbenden Gefangenschaft und seiner jetzigen Erschütterung noch so erschöpft, dass er vorerst die vielen, heißen Tagesmärsche noch nicht aushalten konnte. Solange sie ihre Verbündeten, die Bemalten Jäger, bei sich gehabt hatten, war Andrew Bartow auf einer Tragbahre transportiert worden, wenn ihm das Marschieren zu schwerfiel. Jetzt — nachdem die Bemalten Jäger sich in ihrer Angst abgesetzt hatten, waren sie nur noch zu dritt, und sie hatten keine Träger mehr, die sich stundenweise ablösen konnten. Wie sollten sie unter diesen Umständen mit seinem kranken Vater zur Küste kommen?
Unvermittelt fuhr Bomba aus seinen Gedanken hoch und schnüffelte in die Luft, als habe er eine Warnung empfangen.
„Was gibt es, Bomba?“, fragte Gibo unruhig.
„Ich rieche Menschen“, flüsterte Bomba. „Es kommt jemand. Haltet hier Wache bis ich zurückkomme.“
Lautlos gleitend verschwand Bomba im dichten Busch. Mit unglaublicher Behendigkeit und fast ohne Geräusch bahnte er sich seinen Weg durch das Gewirr von Lianen, tiefhängenden Palmenzweigen und federnden Luftwurzeln. Der Geruch von Menschen wurde deutlicher, und Bombas Muskeln spannten sich unwillkürlich.
Es verging eine weitere, spannungserfüllte Minute. Dann erkannte Bomba in der grünen Dämmerung des Dschungels vor sich die undeutlichen Umrisse einer Menschengestalt. Er zog lautlos sein Messer und sprang vorwärts, ohne ein Geräusch zu verursachen.
Der Fremde hatte die Bewegung trotz aller Vorsicht gehört und fuhr blitzschnell herum. Mit dem wurfbereiten Speer in der Faust starrte er in Abwehrstellung seinem jungen Angreifer entgegen. Einen Augenblick verharrten sie beide in jener Schrecksekunde vor dem tödlichen Kampf.
Dann plötzlich verzog sich das dunkelhäutige Gesicht des Mannes mit dem Speer zu einem breiten Grinsen, und er ließ die Waffe sinken.
„Unsere Augen scheinen schlecht geworden zu sein“, sagte er. „Seit wann kämpfen Bomba und Lowando gegeneinander?“
Bomba steckte das Messer wortlos in den Gürtel und lächelte beschämt.
„Es ist viel geschehen in den letzten Stunden“, sagte er. „Ich war eher auf einen Feind als auf einen Freund vorbereitet. Aber wo sind die anderen Bemalten Jäger?“
Lowando runzelte die Stirn.
„Sie sind in unser Dorf abgezogen, denn sie wollten nicht länger auf mich hören. Sie sind wie die alten Weiber“, fügte er verächtlich hinzu. „Sie werden den Mädchen im Dorf helfen, Wasser in die Hütten zu tragen.“
„Aber du bist gekommen“, sagte Bomba tröstend. „Und ich bin sehr froh darüber.“
„Was hätte ich sonst tun sollen?“, sagte Lowando schlicht. „Bin ich nicht dein Blutsbruder? Nur der Tod kann uns beide trennen.“
Gibo und Wafi freuten sich ebenfalls, als sie Lowando sahen. Jetzt war ihre verlassene kleine Streitmacht schon auf vier kampferprobte Krieger angewachsen.
Als Bomba von ihren Abenteuern mit den kriegsbemalten Wilden berichtete, die sich in den Fluss gestürzt hatten, wiegte Lowando bedenklich seinen Kopf.
„Das waren die Verehrer der Flussgötter“, sagte er. „Sie sind immer darauf aus, Opfer für ihre Flussdämonen zu fangen. Ich habe schon von diesem Stamm gehört.“
„Meinst du, dass es noch weitere Stämme ihrer Art in dieser Gegend gibt?“, fragte Bomba.
„Ja“, erwiderte Lowando. „Die Molas werden ihre Männer vermissen und einige Suchkommandos nach allen Richtungen losschicken. Wenn wir ihnen — oder ihren Freunden in die Hände fallen, könnte es sehr gefährlich für uns werden.“
Aus dem Innern der Bambushütte ertönte Andrew Bartows Stimme, und Bomba ging mit Lowando hinein. Bombas Vater war ebenso froh wie die anderen, dass Lowando den Weg zu ihnen zurückgefunden hatte, und er begrüßte den jungen Häuptling herzlich.
„Wie fühlst du dich, Vater?“, fragte Bomba mit kindlicher Besorgnis.
„Ich habe keine Schmerzen, aber ich fühle mich so schwach wie ein neugeborenes Kind“, erwiderte Andrew Bartow. „Hilf mir auf die Beine, mein Junge. Vielleicht komme ich schneller zu Kräften, wenn ich ein wenig umhergehe.“
Bomba stützte seinen Vater, doch dessen Beine versagten noch den Dienst, und er seufzte und ließ sich mit einem entschuldigenden Lächeln zurücksinken.
„Es geht noch nicht“, murmelte er. „Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist noch zu schwach. Diese Schufte müssen mich mit irgend etwas betäubt haben. Sie haben mir Blätter in den Mund gestopft, als sie mich fingen. Ich hielt das zuerst für eine Art von Knebel. Aber gleich darauf wurde mir übel, und ich verlor das Bewusstsein.“
Als Bomba und Lowando wieder im Freien waren, schüttelte der junge Häuptling bedenklich den Kopf.
„Das ist schlimm für deinen Vater“, sagte er ernst. „Diese Blätter könnten von einer Giftpflanze sein, die hier in diesem Teil des Dschungels wächst. Es muss nicht unbedingt den Tod bedeuten, aber das Gift macht die Glieder eines Mannes schwer, und er ist nach seinem Genuß schwach wie ein Kind.“
„Gibt es denn keine Medizin gegen dieses Gift?“, fragte Bomba bestürzt.
„Eine weise Frau meines Stammes hat mir einmal erzählt, dass es bestimmte Kräuter und Wurzeln gibt, aus denen man einen Heiltrank gegen das Gift der Molas brauen kann. Ich werde sofort nach diesen Heilpflanzen suchen. Mach dir also keine Sorgen, Bomba, dein Vater wird gesund werden.“
Während Lowando sich eiligst auf die Suche nach den Heilkräutern machte, saßen Bomba und seine beiden Gefährten untätig am Fluss. Gibo erging sich in düsteren Andeutungen darüber, wie gefährlich die Nähe des Flusses auch für sie sein könnte.
„Es ist ein Wohnort der Dämonen“, murmelte er abergläubisch. „Vielleicht tauchen sie noch einmal auf und reißen uns mit sich in die Tiefe.“
Wafi starrte unbehaglich auf den schnell dahinfließenden, wirbelnden Strom.
„Hoffen wir, dass die Dämonen für heute genug bekommen haben“, meinte er, und er versuchte, sich mit dieser Redensart selbst zu trösten.
Bomba hob den Blick und ließ ihn gleichzeitig über das Wasser gleiten. Er wusste, dass es keine Flussdämonen gab. Für ihn war dieser tosende Strom ein wilder Wasserlauf wie alle anderen. Doch plötzlich erhellte sich sein Blick. Er hatte ein großes Kanu entdeckt, das in der Strömung dahintrieb, und dieser Anblick hatte ihn auf eine Idee gebracht.
Ein Kanu! Das war doch viel besser als eine Tragbahre! Hier lag der Ausweg!
Er sprang auf, streifte seine Sandalen von den Füßen und rannte zum Ufer.
„Bomba! Bomba!“, schrie Gibo entsetzt. „Das bedeutet den sicheren Tod! Denke an die Flussdämonen!“
Doch Bomba war bereits mit einem Hechtsprung in die aufgewühlten Fluten getaucht.
4 Schreckliche Fänge
Ein weites Stück schwamm Bomba kraulend unter der Oberfläche dahin, ehe er auftauchte und sich das Wasser aus den Augen schüttelte. Ein Stück vor sich in der Strömung entdeckte er das dahingleitende Kanu. Aber die Strömung war auch sein Helfer, und er hatte außerdem noch seine kräftigen Arme und Beine als Unterstützung.
Er konnte wie ein Fisch schwimmen, und er zweifelte nicht daran, dass er das Boot einholen würde. Mit mächtig ausholenden Kraulzügen näherte er sich dem in der Strömung dahintreibenden Kanu. Er war dem Boot schon ziemlich nahe, als er eine leichte, streifende Berührung an seinem linken Bein bemerkte. Der Vorgang wiederholte sich, und zuerst dachte Bomba, es handele sich um irgendwelche Unterwasserpflanzen. Doch dann wurde ihm klar, dass der Fluss viel zu tief war, als dass Wasserpflanzen so weit an die Oberfläche reichen könnten.
Die Erklärung für die merkwürdige Erscheinung kam schnell genug. Etwas rechts von ihm tauchte unvermittelt ein schlanker, dreieckiger Kopf aus dem Wasser. Er verschwand sofort wieder, doch andere Köpfe erschienen jetzt an weit auseinanderliegenden Punkten, und auch sie verschwanden gleich wieder.
Es waren Wasserschlangen!
Mit einem eisigen Schreck durchzuckte Bomba die Erkenntnis, dass er von jener besonderen Schlangengattung der afrikanischen Flüsse umgeben war, die ebenso gefährlich und tödlich sein konnte wie verschiedene Arten der Landschlangen.
Vielleicht hatten die blutrünstigen Reptilien schon versucht, ihre schrecklichen Fänge in seine Arme und Beine zu schlagen. Durch die schnellen Bewegungen der Glieder mochten sie ihr Ziel verfehlt haben, und es wurde Bomba klar, dass in dieser Schnelligkeit im Augenblick seine einzige Rettung lag.
Während er das Tempo seiner Arm- und Beinstöße noch beschleunigte, überschlug er seine Chancen. Die beste Gelegenheit zu einem tödlichen Biss würde für die Schlangen in jenem Augenblick kommen, in dem er sich an Bord des Kanus schwingen wollte. Er musste seine schnell gleitenden Feinde überlisten.
Als er das Boot erreichte und den Rand packte, machte er eine Bewegung, als wolle er seinen Körper hinaufziehen. Doch in der nächsten Sekunde tauchte er unter und kam an der anderen Seite wieder hoch.
Als er die Bewegung des Untertauchens noch nicht vollendet hatte, schoss etwas über seinem Kopf dahin und prallte gegen die Bootswand. Eine Schlange hatte zugestoßen — aber es war zu spät!
Blitzschnell tauchte er an der anderen Seite auf und warf sich ins Kanu. Noch im Aufrichten zog er sein Buschmesser und machte eine geschickte Seitenwendung. Der lange, seilartige Körper, der sich aus dem Wasser aufgerichtet hatte, konnte die Wendung nicht so schnell mitmachen. Der Rachen mit den Giftzähnen stieß an ihm vorbei, und im nächsten Moment trennte Bombas Messer den Schlangenkopf vom Rumpf. Der hässliche Kopf des Reptils versank sofort in den Fluten, aber der Schlangenleib peitschte noch minutenlang die Oberfläche, ehe er endlich versank.
Bombas Erleichterung über die knappe Rettung war sehr groß. Er wischte das Blut von der Klinge und wartete auf weitere Angriffe. Doch die Schlangen schienen das Schicksal ihrer Artgenossin als warnende Lehre aufzufassen und ließen sich nicht mehr an der Oberfläche blicken.
Jetzt konnte Bomba in aller Ruhe das Boot untersuchen. Er stellte fest, dass es ein Eingeborenenfahrzeug war. Es war mit beachtlichem Geschick aus einem Baumstamm ausgehöhlt und gut ausbalanciert. Ein Paddel lag auf dem Boden des Bootes. Wahrscheinlich war das Kanu von dem Sturm aus seiner Verankerung losgerissen und weitergeschwemmt worden. Das Fahrzeug war groß genug, sie alle fünf aufzunehmen, und die Länge reichte sogar dazu aus, für Andrew Bartow eine bequeme Liegestatt im Heck zu errichten.
Im Augenblick erschien das Kanu Bomba als ein wahres Gottesgeschenk. Dadurch waren sie der Notwendigkeit enthoben, Bombas Vater mühselig durch den Dschungel schleppen zu müssen. Der Flusslauf führte ungefähr in die Richtung, die Bomba ohnehin einschlagen musste, wenn er die Küste erreichen wollte. Es war also alles in bester Ordnung.
Jetzt musste Bomba zwar gegen den Strom paddeln, aber das schlanke Fahrzeug ließ sich leicht dirigieren, und nach kurzer Zeit schon knirschte der Ufersand unter dem Bug des Bootes. Bomba sprang heraus und zog seine Beute hoch aufs Ufer hinauf.
Wafi und Gibo begrüßten ihn, als sei er von einer wochenlangen Fahrt heimgekehrt, und Bomba wehrte ihre überschwänglichen Lobeshymnen wie immer mit einem bescheidenen Lächeln ab.
„Es waren zwar keine Flussdämonen, die mir zu schaffen gemacht haben“, sagte er. „Aber Schlangen können auch recht gefährlich werden.“
„Wir haben es gesehen, Bomba!“, rief Gibo, dem der überstandene Schreck noch deutlich anzusehen war. „Aber was sollten wir tun? Wir konnten nur am Ufer stehen und tatenlos zuschauen.“
„Ich habe zu unseren Göttern gebetet, dass Bomba nichts zustößt“, brüstete sich Wafi.
„Ich habe die meinen natürlich auch angerufen“, sagte Gibo hastig.
„Deine Götter haben keine Macht bei uns in Afrika“, erklärte Wafi bestimmt.
„Keinen Streit.“ Bomba lächelte versöhnlich. „Ihr habt beide um mich gebangt, und euer Flehen ist jedenfalls erhört worden, denn ich bin noch am Leben.“
Als sich Bomba nach dieser salomonischen Schlichtung des Religionsstreites vom Ufer abwandte, sah er Lowando herankommen.
„Hast du die Heilkräuter gefunden?“, rief er dem jungen Häuptling schon von weitem entgegen.
„Ja. Ich habe sie alle. Gibo und Wafi sollen Feuer machen und Wasser kochen, dann werde ich den Heiltrank brauen.“
Nach kurzer Zeit war das Gebräu fertig, und eine kleine Blechtasse voll wurde Andrew Bartow eingeflößt. Die Wirkung trat fast augenblicklich ein; Andrew Bartow sank in einen tiefen, natürlichen Schlaf, der der Heilung günstig zu sein schien.
Lowando war sich mit Bomba darüber einig, dass das Kanu die beste Möglichkeit bot, dieses gefährliche Gebiet zu verlassen. Zur Auffrischung ihrer Lebensmittelvorräte schoss Bomba eine Antilope aus einem Rudel, das in der Nähe des Ufers vor dem Unwetter Schutz gesucht hatte.
Nachdem sie selbst ausgiebig gegessen hatten, schnitten sie das Fleisch in lange Streifen und ließen es über dem Feuer im dicken Rauch räuchern. Der Nachmittag und Abend vergingen auf diese Weise, und obwohl es für alle ein anstrengender Tag gewesen war, übernahm Bomba die erste Wache und schickte seine Gefährten zur Ruhe.
Bald drangen die leisen Atemzüge der Schlafenden an sein Ohr, und das geheimnisvolle Raunen der Urwaldnacht umgab seine Sinne. Von Zeit zu Zeit hörte er das verstohlene Tappen von weichen Pfoten, und zwischen den Büschen schimmerten grünlich-gelbe Raubtierlichter. Doch dieser Anblick beunruhigte ihn nicht. Er wusste, dass die Raubkatzen es nicht wagen würden, ihn über das Lagerfeuer hinweg anzugreifen.
Doch plötzlich spannte sich sein Körper. Durch den scharfen Geruch der Raubkatzen hatte er einen anderen, schwächeren Geruch gespürt. Ein Mensch war in der Nähe des Camps. Der nasenfeine Geruch war nicht sehr ausgeprägt; es schien sich also um einen einzelnen Scout zu handeln.
Bomba stand auf und schlenderte gemächlich zu den Schlafenden hinüber. Es sollte so aussehen, als sei seine Wadizeit vorüber, und als wollte er den Nächsten wecken. Gibo lag im Schatten der Hütte, und Bomba legte ihm eine Hand auf den Mund und tippte ihn mit der anderen an die Schulter.
Im nächsten Augenblick war Gibo hellwach, und Bomba berichtete in fast unhörbarem Flüsterton von seiner Beobachtung.
„Halte Wache, während ich nachschaue“, befahl er. „Wenn es ein Späher ist, darf er nicht zu seinem Stamm zurückkehren.“
Gibo nickte zustimmend. Er stand auf, ging zum Feuer und ließ sich dort nieder, als sei alles in bester Ordnung.
Inzwischen schlüpfte Bomba hinter der Bambushütte in das Unterholz. Der Mond war aufgegangen, und obwohl er noch nicht voll entwickelt war, warf er ein ziemlich helles Licht über die Dschungellandschaft.
Um nicht selbst gesehen zu werden, schwang sich Bomba auf einen Baum und suchte seinen Weg von Zweig zu Zweig, ohne ein lauteres Geräusch zu machen, als das leise Säuseln des Windes, der hin und wieder die Baumwipfel bewegte.
Er hatte auf diese Weise eine ziemliche Entfernung zurückgelegt, als der Menschengeruch immer deutlicher wurde. Vorsichtig ließ Bomba sich hinuntergleiten, und als er die Blätter des untersten Astes zur Seite schob, sah er eine Gestalt unter sich dahinschleichen. Ein Mondstrahl fiel auf den Körper, und die scheußliche Bemalung war zu erkennen, die die Männer, die selbstmörderisch in den Fluss gesprungen waren, auch getragen hatten.
Wie eine zupackende Katze ließ sich Bomba von dem Ast aus auf die Schulter des Mannes fallen. Obwohl er den Vorteil der Überraschung für sich besaß, erkannte Bomba sofort, dass er einen starken Gegner vor sich hatte.
Der Kampf war kurz aber hart. Es war Bomba klar, dass sein Feind keine Gnade kennen würde, und so durfte auch er keine Rücksicht nehmen. Als der Eingeborene sich von ihm losgerissen hatte und den Speer zum Stoß schwang, zog Bomba seine Machete. Wie ein Blitzstrahl sauste die Stahlklinge durch die Luft, und mit einem dumpfen Aufstöhnen sank der bemalte Krieger zu Boden. Der wurfbereite, tödliche Speer entglitt seinen kraftlosen Fingern.
Im gleichen Augenblick waren Laute aus der Richtung des Camps zu hören, und ein durchdringender Schrei zerriss die Stille der Nacht.
„Bomba! Komm zurück!“
5 Der Überraschungsangriff
Bombas erster Gedanke galt seinem Vater, und er jagte mit klopfendem Herzen in die Richtung des Camps zurück. Noch im Schatten der Büsche blieb er stehen und starrte entsetzt auf den Anblick, der sich ihm bot.
Gibo, Wafi und Lowando waren in den Händen der Wilden. Dass sie tapfer gekämpft hatten, erkannte Bomba deutlich daran, dass einige verwundete Eingeborene am Boden lagen. Doch die Übermacht der Feinde hatte schließlich den Sieg davongetragen.
Auch Bombas Vater hatte man von seiner Liegestatt hochgezerrt, und — an jeder Seite von einem stämmigen Wilden gestützt — stand er aufrecht da.
Bombas erster Impuls war, sich mit seinem Messer auf die Horde von Wilden zu stürzen. Aber da er ebenso vernünftig wie tapfer war, erkannte er im nächsten Augenblick, dass ein solcher Angriff sinnlos sein würde. Wahrscheinlich würde er eine Anzahl seiner Feinde zur Strecke bringen, aber am Ende würde man ihn doch überwältigen und töten.
Mit Erleichterung sah er, dass den Gefangenen keine unmittelbare Lebensgefahr drohte. Zweifellos wollte man sie in das heimatliche Dorf des Stammes verschleppen und dort über ihr weiteres Schicksal entscheiden.
Einige der Wilden waren damit beschäftigt, sich alles aufzuladen, was von der Ausrüstung der Safari noch vorhanden war, und sie vergaßen auch die geräucherten Fleischstücke nicht.
Bombas Plan war schnell gefasst. Er sah, dass die Horde völlig disziplinlos und ungeordnet war, und er hoffte, mit einem blitzartigen Überraschungsangriff sein Ziel zu erreichen. Im Schatten der Büsche umschlich Bomba die Lichtung, bis er dicht bei dem federgeschmückten Häuptling war. In drei gewaltigen Sätzen war er in den Lichtkreis hineingesprungen, hatte den Wilden zu Boden gerissen und ihm seine Machete an die Kehle gesetzt.
„Wenn der Häuptling oder einer seiner Männer sich bewegt, muss er sterben“, sagte Bomba mit klarer, ruhiger Stimme.
Der unvermutete plötzliche Angriff hatte die Angreifer völlig überrascht. Sie standen einen Augenblick verwirrt und sprachlos da und griffen dann zu ihren Speeren.
„Sage deinen Kriegern, dass du sterben musst, wenn sie mich anzugreifen versuchen!“, befahl Bomba. „Halte sie zurück.“
Einen Augenblick hing das Leben von Bomba und seinen Gefährten an einem dünnen Faden. Ein unbedachter Speerwurf, eine hastige Bewegung konnte ihrer aller Schicksal besiegeln. Bevor Bomba selbst starb, konnte er seine Machete noch in die Kehle des Häuptlings bohren — aber wem war damit geholfen?
Im nächsten Augenblick durchrieselte Bomba ein Triumphgefühl. Der Häuptling gab mit krächzender Stimme den Befehl, die Waffen niederzulegen. Sein tollkühner Plan war geglückt.
„Befiehl deinen Männern jetzt, die Gefangenen freizulassen“, sagte Bomba mit fester Stimme.
Er spürte ein schwaches Widerstreben und drückte die Klinge etwas tiefer in die Haut des Mannes. Brummend gab der Häuptling seinen Männern die entsprechende Anweisung, und im Nu waren die Gefangenen frei.
Auf ein Zeichen von Bomba hin führten Wafi und Gibo seinen Vater in die Hütte. Dann traten sie wieder ins Freie. Jetzt hatte Bomba die Situation in der Hand. Seine drei Gefährten waren wieder bewaffnet und warteten nur auf seine weiteren Anweisungen.
„Befiehl deinen Männern, außer Bogenschussweite zu gehen“, befahl Bomba weiter.
Obwohl er innerlich vor ohnmächtiger Wut tobte, erteilte der Häuptling den Befehl. Die Männer zogen sich zurück, und Bomba stand auf.
„Richte dich auf, Häuptling“, sagte er in der Eingeborenensprache, von der er inzwischen mehrere Dialekte beherrschte. Als der Häuptling sich aufgerichtet und mit dem Rücken gegen einen Baumstamm gelehnt hatte, fuhr Bomba fort. „Ich hätte dich töten können, und ich könnte es immer noch: du weißt das. Aber ich will dein Blut nicht vergießen. Schwöre mir bei deinen Flussdämonen, dass du mit deinen Kriegern ins Dorf zurückkehren wirst, und ich lasse dich unbehelligt ziehen.“
An dem Zögern des Häuptlings erkannte Bomba, dass er den richtigen Ton getroffen hatte. Ein Schwur im Namen der Flussdämonen war in den naiven Gemütern dieser Wilden etwas unverletzbar Heiliges.
„Schwöre es, und du bist frei“, drängte Bomba. „Sonst —“ Er machte eine drohende Geste, die ihre Wirkung nicht verfehlte.
„Ich schwöre es, dass ich mit meinen Männern in unser Dorf zurückziehen werde“, brummte der Häuptling mürrisch. „Aber ich weiß nicht, ob unser Medizinmann damit einverstanden sein wird. Er entscheidet, ob die Fremden unser Land durchziehen dürfen, ohne die Flussdämonen zu beleidigen.“
Bomba nickte.
„Erzähle deinem Medizinmann, dass die weißen Männer ihm und seinem Volke nichts Böses zufügen wollen. Sage ihm auch, dass er schöne Geschenke zur Ehre seiner Flussdämonen bekommt, wenn er uns gestattet, den Fluss zu benutzen. Steh jetzt auf und kehre zu deinem Volk zurück.“
Der Häuptling erhob sich und streckte seine verkrampften Glieder.
„Ich, Malunda, werde dem Medizinmann sagen, was der weiße Mann mir vorgeschlagen hat. Wenn die Nacht wiederkehrt, komme ich und sage dir die Antwort des Medizinmannes. “
Als der Häuptling gegangen war, ging Bomba sofort in die Hütte seines Vaters, und seine Gefährten folgten ihm. Er berichtete Andrew Bartow von der Unterhandlung mit Malunda und fügte hinzu:
„Ich glaube, Malunda wird sein Wort halten. Er hat einen Eid geschworen, der ihn bindet. Doch was der Medizinmann dazu sagen wird, kann ich nicht ahnen.“
„Angenommen, er verbietet uns, den Fluss zu benutzen?“, fragte Andrew Bartow.
„Dann werden wir ihn trotzdem benutzen“, erwiderte Bomba. „Aber ich möchte es lieber mit der Einwilligung des Medizinmannes tun.“
Nachdem sie Andrew Bartow noch eine weitere Tasse des heilenden Trankes eingeflößt hatten, legten sich alle schlafen, bis auf Lowando, der jetzt an der Reihe war, Wache zu halten.
*
Am nächsten Morgen schickte Bomba den kundigen Wafi fort, um geeignetes Holz zum Schnitzen von Rudern zu besorgen. Gleich nach dem Frühstück brach der Zulu auf. Gibo wurde losgeschickt, um noch eine weitere Antilope zu erlegen, und Bomba und Lowando machten sich daran, das Kanu zu versorgen.
Gibo kehrte als erster mit neuer Jagdbeute heim. Er begann sofort, passende Fleischstücke auf Vorrat zu räuchern. Kurz vor Mittag kehrte auch Wafi in großer Aufregung zurück.
„Ameisen!“ rief er schon von weitem. „Die fleischfressenden Ameisen kommen! Und sie sind zahlreich wie die Blätter des Dschungels!“
Gibo kicherte.
„Hat der große Krieger etwa Angst vor Ameisen?“ fragte er verächtlich. „Man könnte denken, du hast eine hundertköpfige Elefantenherde oder ein ganzes Rudel Löwen gesehen.“
„Deine Worte sind dumm und albern“, erwiderte Wafi ärgerlich. „Diese Ameisen sind ebenso schlimm wie Elefanten oder Löwen. Sie greifen dich zwar nicht an wie ein Elefant oder ein Löwe, aber wenn du in ihren Weg gerätst, dringen sie dir in Augen, Nase, Mund und Ohren ein. Sie können dich ersticken und qualvoll töten und wenn du dann in ihrer Bahn liegst, werden sie dir in kurzer Zeit alles Fleisch vom Körper gefressen haben, bis nur noch dein Skelett übrig ist.“
Gibos spöttische Fröhlichkeit wich bei diesen Worten des Kampfgefährten, denn er musste an die Tambochas in seiner Heimat denken, und er schaute sich furchtsam um.
„Wafis Worte stimmen“, bestätigte Lowando. „Wenn die Ameisen kommen, muss alles Lebende fliehen. Ich selbst würde lieber gegen eine ganze Horde Kannibalen als gegen diese flügellosen, wespengroßen Ameisen mit den roten Köpfen und den gelblich grünen Leibern kämpfen. Durch ihr Gift und ihre Menge jagen sie allen Lebewesen Furcht ein.“
Bomba hatte auch schon von diesen Ameisen gehört, und er wusste, was für schreckliche Gegner sie unter bestimmten Umständen sein konnten. Um so gefährlicher deswegen, weil man ihre strömende Masse mit den vorhandenen Waffen einfach nicht bekämpfen konnte.
Wenn sich diese Ameisen — von denen niemand weiß, wo sie herkommen — erst einmal auf die Wanderung begeben haben, ergießt sich, knisternd wie ferner Brand, ein Heerwurm von Millionen und aber Millionen über alles Lebende, was sich ihnen in den Weg stellt. Sie fressen alles, was sie überschwemmen, in Minuten auf. In jede Höhlung, jedes Loch, jeden Schlupfwinkel dringt die dichte, stinkende Woge. Bäume, Falllaub, Nester — ja selbst Bienenstöcke überziehen sich damit. Vögel, Mäuse, Kriechtiere fallen ihnen zum Opfer. Ganze Niederlassungen der Eingeborenen stehen verödet, wenn sie sich nähern. Scharenweise fliehen die Tiere vor ihnen. Ja, die einzige Rettung lag in der Flucht.
„Wir setzen auf die andere Seite des Flusses über“, befahl Bomba, ohne zu zögern.
Als erstes wurde Andrew Bartow ins Kanu gebettet, und dann verstauten sie ihre Nahrungsvorräte im Boot. Die anderen Sachen folgten. Dann schoben sie das Fahrzeug ins Wasser, und als letzter schwang Bomba sich an Bord.
Die Flucht war keinen Augenblick zu früh erfolgt. Während das Boot noch am Ufer dahinglitt, sahen sie Schlangen aller Arten und Größen aus ihren Dschungelverstecken kriechen. Einige davon waren bereits dick mit Ameisen bedeckt.
Mit schnellen Ruderschlägen brachten Wafi und Gibo das Kanu um die Treibholzstapel an das nahe jenseitige Ufer. Bald stießen sie auf Grund, und Bomba sprang in das seichte Wasser und zog das Kanu an Land. Kurze Zeit standen sie da und schauten zum anderen Ufer hinüber. Die Lichtung des Camps und die Bambushütte waren bereits mit einem lebendigen Teppich von geschäftigen Ameisen bedeckt.
Gibo stieß einen Seufzer der Erleichterung aus.
„Möge dieses Ungeziefer verflucht sein“, schimpfte er laut. „Es ist gut, dass sie uns nicht erreichen können.“ „Deine Worte kommen zu schnell“, sagte Wafi warnend. „Schau noch einmal hinüber.“
Gibo drehte sich um und erbleichte vor Schreck.
Die Ameisen schickten sich an, den Fluss zu überqueren!
Darmowy fragment się skończył.